i a m DarGIattdecFmu Wöchentliche Gelinge der Gderdessischen VoZkszeitnng Nummer Z Siesten, Freitag den 23. Januar 1914. 6. Jahrgang rm Die ßrnäyrung der Minchener Säuglinge. Bei der letzten Volkszählung vorn 1. Dezember 1910 hat das Statistische Amt der Stadt München unter der seinen Einwohnern vorgelegten Fragen auch die nach der Ernäh rungsweise der Kinder unter einem Jahre ausgenommen. Es wurde zunächst gefragt: Womit wird daS Kind jetzt ernährt? (Nur mit Mutter- oder Auimenmilch? Mit Muttermilch und Beikost? Nur mit Ticrmilch? Oder mit Beikost? Oder wie sonst?) Für Kinder, die jetzt n i cf) I Brustmilch bekommen, wurde seiner die Frage gestellt: Hat das Kind früher Brust bekommen? Allein oder mit andere Nahrung zusammen? Die Ergebnisse der Erhebungen sind kürzlich in den Mitteilungen des Amtes Bd. XXLV, Heft 1, veröffentlicht worden. Es wurden -in München am 1. De- zembcr 1910 insgesamt 10 090 Kinder unter einem Jahre ermittelt, davon 5055 männlichen und 5041 weiblichen Ge schlechtes. Von den Kindern waren 1907 unehelich, wobei die Pflegekinder und Anstaltsinsassen, der Legitimität »nbe kann! war, den Unehelichen zugerechnct wurden. Das Hauptergebnis erhielten Brultmilch allein Bruiimilch »ud Tiermilch Brnstnulch mit Beckost Termilch allein Tiermilch mit Beikost Präpai irrte Milch allein Präpaiictte Milch mit Beikost Sonstige Nahrung Otine Ängab e zusammen Davon mit Ammcnmilch daß von den Münchener Säuglingen ani Tage der Erhebung nur 16,4 Prozent überhaupt Brustinilch bekamen, davon 11,6 Prozent Brustmilch allein und 4,8 Prozent mit Tier- milch oder anderer Beikost zusammen. Dabei erhielten von den ehelichen Kinder» 17,1 Prozent die lebenspendende Mut- terbrust, von den unehelichen 16,7 Prozent. Weit großer ist der Prozentsatz der mit Tiermilch allein oder unter Hinzufügung von Beikost ernährten Kinder: 78,5 Prozent. Aus die anderen Ernährungsnrten, die in ihrem Wert natürlich noch hinter der Tiermilchernährung znrürkblciben, entfallen nur kleinere Prozentsätze. Weit günstiger als für den Durchschnitt ist die Ernährungsweise der in Anstalten unterge- brachten Kinder. Von diesen bekamen 56,5 Prozent Brustmilch, davon 19,6 Prozent unter Zugabe von Tierniilch oder Beikost. Für diese Kinder ist allerdings in den meisten Fällen die Ernährung mit Brustniilch — hier sehr häufig Ammenmilch — die Vorbedingung der Lebensrettuug. Sehr interessante Ergebnisse liefert ferner eine Kombi- nation der Ernährungsweise der Kinder mit ihrem Alter. Hier zeigte cs sich, daß von den bis zu 10 Tage alten ehelichen Säuglingen 50,9 Prozent allein mit Muttermilch und weitere 3,8 Prozent mit Mutterinilch und Beigabe ernährt wurden. Von den unehelichen Kindern bekamen in diesem Alter sogar 71,9 Prozent die Brust. Von den bi« zu einem Monate alten ehelichen Säuglingen wurden noch 50,2 Prozent gestillt, von den unehelichen aber nur noch 31,3 Prozent. Die unErhebung wor folgendes Es Eheliche Außerehel. zus. in o/° 975 191 1 ltiö 11,6 19 22 4,8 406 61 167 1569 374 1943 19,3 4 816 1 161 5 980 59,2 102 30 132 1,3 100 34, 131 1.3 159 ■41 203 2,0 43 6 49 9,5 8 189 1997 10096 100,0 13 56 69 erade erfreulich. Es zeigt sich. eheliche Mutter ist eben häufiger durch die Erwerbsverhält- nisse gezwungen, ihr Kind zu verlassen. Nach 2 Monaten erhalten noch 36,9 Prozent der ehelichen und 24,9 Prozent der unehelichen Säuglinge die Brust und so sinkt der Prozentsatz immer tiefer. Bei einem Vergleich der jetzigen mit der früheren Ernährungsweise ergab sich die mit den soeben mitgcteilten Ziffern allerdings in einem gewissen Widerspruch stehende Tatsache, daß von den ehelichen Kindern 42,8 Prozent und von den unehelichen 56,6 Prozent niemals Mutterniilch erhalten hatten. Von den tatsächlich gestillten Kindern wurden 29,4 Prozent der ehelichen (49,3 Prozent der unehelichen) nur bis zir 1 Monat, 33,5 (30,9) Prozent 1 bis 2 Monate, 17,9 (9,9) Prozent 2 bis 3 Monate, 8,2 (4,1) Prozent 3 bis 4 Monate, 4,8 (2,4) Prozent 4 bis 5 Monate, 4,0 (1,7) Prozent 5 bis 6 Monate und 2,6 (1,7) Prozent über 6 Monate gestillt. Ferner zeigte cs sich, daß bi$ in jüngerem Alte» stehenden Mütter ihre Kinder häufiger stillen als ältere Mütter. Jedenfalls zeigt die Untersuchung mit erschreckender Deutlichkeit, daß die natürliche Ernährung der Münchener Säuglinge längst nicht in den« Maße stattfindet, wie es die gesunde Entwicklung der Kinder erfordern würde. Statt eine Ausnahme zu sein, ist die Ernährung mit Tiermilch oder viel minderwertigeren Surrogaten fast zur allgemeinen Regel geworden und die natürliche Ernährung bildet die Ausnahme. Auch selbst da, wo gestillt wird, geschieht dies für eine viel zu kurze Dauer. Teils Trägheit, teils der Zwang der wirtschaftlichen Verhältnisse — hauptsächlich in den unteren Volksschichten — verhindern die Mütter, ihren Kindern die einzig zweckmäßige Ernährung zu teil werden zu lassen, die diesen einen ganz anderen Fonds von Kraft und Gesundheit auf den Lebensweg mitgibt als alle noch so schön znbe- rcitetc Sorhletmilch oder sonstige Kindernährmittel. Kinderarveil in chell erreich. Tic Anfänge des Kinderfchutzes gehen in Oesterreich bis znm Jahre 178» ziiril-k. Trotzdem gedeiht heute „och die Kinderaus- beutung in dem Land der schwarz-gelben Grenzpfähle besser als in den meisten sonstigen Kulturländern. Tos gegenwärlige Kindcr- schntzgefetz verbietet die Verwendung von Kindern vor Vollendung des 12. Lebensjahres in allen Betriebsarten. Kinder im Alter von 12—14 Jahren dürfen in nicht gefährliche» oder gesundheitsschädlichen Gewerben Verwendung finden, wenn dadurch der Schulbesuch nicht beeinträchtigt wird. Tiefe Bestimmung wird aber in ihrer Wirksamkeit sehr stark beeinträchtigt durch di« Schulgesetz- uovelle von 1885, die sowohl einzelnen Kindern als auch ganze» Gemeinden SchulbcsuchSerleichterungen sllr das 7. und 8. Schuljahr gcitattet und autzerdem einigen Ländern das Recht gibt, die Schul- Pflicht aus « Jahre hcrabzosetzen. Von der erste» Ermächtigung haben, wie wir einem sehr interessanten Airssatz« von Georg Schniiedl, Obmann der Sozialpädagogischc» Gesellschaft in Wien, in den „Tokmnenieii des Fortschritts" über diese Frage entnehme», 14 9:J1 Gemeinden und 114 918 Kinder, von de« letztgenannte» <5 Länder Gebrauch gemacht. Für 12- bis 14jährige Kinder ist eine tägliche Arbeilsdancr von 8 Stunden crlanb». Diese ohnehin schon sur den jugendlichen Körper und die Schulleistnng sehr bedenklich« Arbeilsdauer wird in vielen Fällen noch aus 19, ja 14 Stunden erhöht, da es erlaubt ist, daß sich die gewerbliche Arbeit unmittelbar an de» Schulunterricht anschlicßt, reip. bis zu dessen Beginn dauert. Ferner bc- stimmt das Gesetz, dass Kinder unter 18 Jahren nicht von 8 Uhr abends bis 5 Uhr morgens arbeiten dürsen. Aber auch diele Bs>. Kimmung ist durch Ausnahmen unterbrochen, die silr die Lense»- und Seidenindustrte, bas Gast- und Schankwirtschafts-, sowie das Bäckerelgewcrbe zugelassen sind. Für das ganze große Gebiet der Heimarbeit gelle» ohnehin keine gesetzlichen Schutzbestimmungen. verboten ist die Verwendung von Kindern als Jagdtreiber, bei Theateranfsuhrungen und öffentliche» Schaustellungen, wenn nicht für diese die Erlaubnis der Schulbehörde vorliegt. Trotz dieser Schutzbestimmungen waren im Jahre 1810/11 3835 Kinder unter 12 Jahren in behördlich beaufsichtigten Betrieben tätig, davon 2583 in Fabriken und 1252 in Kleinbetrieben. Außerdem wurden viele Tausende solcher Kinder in der Heimindustrie und in der Landwirtschast beschäftigt. Eine soeben vom K. K. Arbcilsftalistischcn Amt veröffentlichte Erhebung über die Kinderarbeit bringt gleichfalls höchst betrübliche Resultate, obwohl sie nicht einmal den gesamten Umfang der Kinderarbeit zahlenmäßig erfaßt. Es ivurden 3502 <15,7 Prozent) Schulen und 751330 <17,9 Prozent) Kinder untersucht. Dabei ergab sich, daß 34.8 Prozent, also mehr als ein Drittel dieser Kinder gewerblich arbeiteten. Und zwar betrug der Prozentsatz bei den Knaben 35.8 und bei den Mädchen 33 Prozent. Ter Verhältnisanteil arbeitender Schulkinder war natürlich in den einzelnen Ländern stark abweichend. So arbeiteten in Nicderösicrrcich nur 23,2 Prozent, tu Kärnten dagegen 23,2 Prozent der untersuchten Kinder; in manchen Bezirken stieg der Anteil ans 90, ja 100 Prozent. Ferner ist beachtenswert, daß in den Städte» nur 22,3 Prozent, in den Märkten dagegen 88,3 Prozent und in Landgemeinden 44,1 Prozent rrwerblich tätiger Schulkinder fcstgestellt wurden. Naturgevtäß steigt auch der Prozentsatz mit dem Alter der Kinder. Schrecklich ist es zu ersahreit. daß von den sechs- bis achtjährigen Kindern schon 17.8 Prozent, also fast der fünfte Teil, ums Brot schuften mußte. Von dcti neun- bis zehnjährigen Kinder» waren es 35,0 Prozent, von den elf- bis zwölfjährige» 49,7 Prozent und von den 13- bis 14jährigc» gar 52,3 Prozent. Das sind geradezu himmelschreiende und für ein „Kulturland" durchaus unwürdige Zustände. Die Er-? Hebung zeigte weiter, daß von den ehelichen Kinder» 34,0 Prozent, von den unehelichen 37.3 Prozent, von unehelichen mutterlosen aber sogar 48,8 Prozent arbeite» niußten. Besonders schlimm sitid. wie schon erwähnt, die Verhältnisse aus de>» Lande. Hier ist alles daraus zugeschnitten, um den Gutsherren die billige und willige kindliche Arbeitskrast möglichst uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen. Fast die Hälfte aller Anstalten hat Schulbefuchscrlcichtcrungcn. Einzelne Orte haben für das Sommerhalbjahr gänzliche Befreiung vom Schulunterricht siir bas 8. Schuljahr, für das Winterhalbjahr Beschränkung auf 3 Wochen- stuttden oder auf 3 Monate. Häufig ist auch Halbtagsunterricht cin- geführt oder man kommt den Wünschen der Agrarier durch Verlegung der Schulferien auf die Zeit bestimmter landwirtschaftlicher Arbeiten, oder Gewährung einzelner freier Tag« und di« Erlaubnis zu vorzeitigen, Austritt aus der Schule entgegen. In einzelnen ländlichen Bezirken arbeiten die 95 Prozent der Kinder einfach das ganze Jahr, tagaus, tagein, auch an den Sonn» und Feiertagen. So sieht für diese Aern'sten die „goldene Jua«>td" aus. Was die Dauer der Arbeitszeit anbctrisft, so gibt folgende kleine Ilcbersicht darüber Auskunft. Es arbeiteten von den Kindern mit normalem Schulunterricht im Sommer im Winter niehr als 3 Stunden täglich 38.1 % 59,2 % 4 25 0 43 2 „ /, ** n „ 6-,vf ,, *0,4 ,, ,, „ 6 „ „ 6,5 „ 17,8 „ Kinder mit gekürztem Schulunterricht mehr als 4 Stunde» täglich 82.4 % — — „ „ 6 „ „ 54.0 „ 77,2 „ „ „ 10 „ „ 10.3 „ 24,6 „ Zu diesen Arbeitszeiten müsse» nun also noch die Schulstunden »tid die für die Schularbeiten nötige Zeit hinzugercchnet werden, ivcnn man sich einen Begriff von der Belastung solch eines armen Landbuben oder Mädels machen will. Es ist daher auch nicht zu verwundern, daß die Enquete für 23 Prozent der untersuchten Kinder schlechte Gcsundheitsverbältnisse und siir 76,8 Prozent mangelhafte Schullcistungen angibt. In der letzten Zeit, besonders seit dem Jubiläumsjahr, hat ja die Oefsenllichkcit in Oesterreich begonnen, sich etwas energischer dieser Allerärmsten, weil Wehrloseste», anzunehincn. Schon 1907 wurde eine „Zentralstelle für Kinderschuh und Jugendfürsorge" gegründet, die unter der Leitung des demokratischen Sozialpolitikers Tr. Jofcvh ttlärnreithcr steht, und die eine rege Tätigkeit entfaltet hat. Sic gibt eine Zeitschrift heraus, hat den österreichischen Kinderschntzkongreß 1913 in Salzburg veranstaltet, nimmt Statistiken aus, gibt ein Handbuch über Kindcr- schutz und Jugendfürsorge heraus, steht mit in- und ausländischen Jugendschutzverbänden in Verkehr us>v. Bekannt ist ferner, daß von den Ergcbnisie» der Kaiser-JubiläumSsammlung <1908) über 3 Millionen Kronen zu einen, „Kaiser-JubiläumsfoudS" für Kinderschuh und Jugendfürsorge" bestimmt und einer aus 50 Mitgliedern bestehenden „Großen Kommission" unter Leitung des Ministerpräsidenten zur Verwendung übergeben wurde. Aller Orten beschästigen sich seildein auch össcnttichc Körperschaften, Verbände und Einzelpersonen mit der Fürsorge für die Jugend. Die Landesverwaltungen allein haben 33 595 Schützlinge mit einem Jahresaufwand von 6 812 563 Kronen In Anstalten »ud Familien untekgcbracht. Dazu komnien die von Wohltätigkeitsvereinen, Kiudergärien, Ferienheime». Suppcnanslapen »sw. verausgabten Lummen. Das öffentliche Gewissen beginnt sich also ln Oesterreich gegenüber dieser Verwüstung an BolkSkrast und Glück zu rege». Eine wirkliche Besserung der Zustände kann freilich erst eine einschneidend« und streng durchgcflihrte Kinbcrschutzgcsehgebung, die die Erwerbsarbeit schulpflichtiger Kinder überhaupt unmöglich macht, bringen. Sie wird freilich noch lange an den. Widerstand der ja auch in Oesterreich allniächtigen agrarischen Partei scheitern. Kniu und Mutter. Wer über die Weiber schimpft, hat sie zu lieb gehabt. Sprichwörtlich. WaZ mich darüber tröstet eine Frau zu sei», ist, daß ich wenigstens niemals nötig habe, eine solche zu heiraten. Lady Montag». Eine gute Frau ist schwerer zu finden als ein weißer Rabe. Heil. Gregor. Behandelt die Frauen mit Nachsicht! Aus krunnuer Rippe ward sie erschaffen, Gott konnte sie nicht ganz gerade machen. Goethe. Sind doch ein wunderlich Volk, die Weiber, so wie die Kinder! Jedes lebet so gern nach seinem eigenen Belieben, Und man sollte hernach nur immer loben und streicheln. Goethe. Die Frau ist ein menschliches Wesen, das sich anzieht, schwatzt und sich anszieht. Voltaire. In einem Weiberrocke, In einem Bienenstöcke, Steckt Schaden und Geniest, Ergetz und auch Verdrieß. Friedrich v. Logan: Süstbittcrcs. Das Süßeste und Bitterste in ein Wort gefaßt, heißt Weib. Manche Frau verteilt dann ihre Bestandteile so, daß sie außer dem Hanse süß und Iin eigenen Hause bitter ist. Otto v. Leixner. Gebt der Frau Flügel, und sic ist entweder ein Engel oder eine Gans. Sprichwörtlich. Es ist nichts reizender, als eine Mutter zu sehen mit einen: Kind auf dem Arm, und nichts ehrwürdiger als eine Mutter unter vielen Kindern. Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre. Die Kinderliebe der Frau ist vielleicht deshalb etwas so wehmütig Schönes, weil jedes Kind ein kleiner Räuber ihrer Schönheit ist. Karl Ludwig Schleich. Zehn Brahmanen überragt ein Lehrer an Würde, zehn Lehrer überragt ein Vater, zehn Väter oder wohl auch die ganze Erde iibertrisft an Würde eine einzige Mutter. Welcher Ehrwürdige kommt einer Mutter gleich? Indisch. Mutter sein heißt in Sorgen glücklich sein. » Ludwig Finkh. Alle Liebe der Menschen muß erworben, erobert und verdient, über Hindernisse hinweg erhalten werden; die Mutterliebe allein hat man immer »»erworben und unverdient. Berthold Auerbach. Die Kariswirtschafttiche Tätigkeit der Iran. Es ist eine allbekannte Tasiache, daß das Fanulienleben kein „Ding au sich" ist. sondern sich entsprechend den jeweiligen Produk- lions- und Wirtschastssorme» verändert. Mit der Umgestaltung des Familienlebens verändert sich auch die Gestalt dcö hauSwlrt- fchaftlichen Betriebs, da zwischen beiden die engsten Zusammenhänge bestehen. Und schiver läßt sich die Tendenz seststcUcn, daß die tzanswirtschaftlichcn Betriebe, das heißt die häuslichen Gemcin- schastcn einer Anzahl Familienangehörigen zur Bereitung der Mahlzeiten, Pflege der Kinder usw. in ihrem Umfange immer kleiner werden. Zur Zeit der geschlossenen Haushaltung vor rund 1000 Jahren umsaßtc ein Hausstand 15 bis 20 Personen. Um baS Jahr 1000 zählte er 8 bis 10 Personen, im Jahre 1800 etiva 6 und zurzeit beträgt sei» Umfang in Deutschlaitd nur noch 4Vi Personen. Die nähere» Gründe für das Kleincrwrrden der Ha»öl>aiu»ig lind verschiedener Art: das Ansschcibeti der Großeltern aus dem Haushalt, datt», daß die Kinder früher und niehr Hittausgehcn, um einen eigeneit Berus zu haben und früher zu heirate», ivctter, bah der Nachwuchs geringer wirb und endltch, daß die große» „Anstalten", wie Kasernen. Gefäugnissc, Kraitkeithäuser, «ensionen und sonstige Jiistitnte den Familictt zahlreiche Mitglieder entziehen. Dieses Kleinerwerde» der Familie hat eben di« Folg«, daß auch der hauswirtlchafllichc Betrieb kleiiier wird. Man bewohnt nicht mehr einen ganzen Hol oder ein ganze» H>rus, sondern eine Nah« ming. Und auch diele wird immer winziger, wird imnier mehr SUtliiitmljiiuiifl. Hudi tzer Kiichenbetrlcb wird immer kleiner: die Kleidung ist für weniger Personen zu beschaffen nsw. Aber auch die Arbeit siir die Beschaffung dieses Wenigen wird immer geringer. Wen» die Frau und die Mädchen heute nicht mehr zu Haufe den Flachs spinnen und aus dem selbstgefertigten Leinen Wasche nähe» — sic vielmehr das alles fertig kaufen —, wenn in unserer Zeit mehr Konfektion getragen wird als im Hause angeferttgte Kleidung. so liegt das nicht an irgend welchen zufälligen Neigungen. Diese Zustände sind Folge der wirtschastiichen Entwicklung im Zeitalter der Maschine. So wird die Frau zum Erwerbsleben anher dein Hause gezwungen. In weichem Umfange, ist bekannt. Ein Drittel aller heute in Deutschland Erwerbstätigen ist weiblichen Geschlechts. Unter diesen 10 Millionen Frauen sind 3 Millionen Verheiratete. Wir wissen nun, dah Ober I'/- Millionen gewerblicher Betriebe, 5'/- Millionen landwirtschaftlicher Betriebe »nd über 14'/- Millionen hans- wirtschaftlicher Betriebe im Deutschen Reich vorhanden sind: «uiv kennen die Erwerbsarbeit der Frau außcr dem ^musc genau, aber «vir kenne» nicht de» Zusammenhang zwischen Hausjraucnarbcit und Franenerwerbsarbeit; inir wisse» »> 6 , 1 , wenigstens zahten- inätzig »iiht, ob ei» „Berus" der Frau sie den, hauswirtschastlichen Betriebe entfernt oder näher bringt. Wir habe» wohl eine BcrufK- sdatistik der isolierten Frau, aber keinen Einblick in die Beziehungen von Frauenberuf und Hausfrauenarbeit. Wir wissen wohl Zahl und Größe und Zusammensetzung der Familienhaushaltungeu, aber wir haben keine zahleninäßigen Unterlagen über den Betrieb in diesen Haushaltungen. Wenn derartige Statistiken bis jetzt nickst ausgenommen worden sind, so liegt der Grund wohl in den er- hebungstechnischen Schwierigkeiten und der offenbar unzureichenden Bewertung der Hanswirtschaft. Das Statistische A >» t der Stadt Ha l l c a. S. will sich der Muhe einer solchen Riesenarbeit unterziehen. Der verdienstvolle Direktor des Amtes. Dr. Wolfs, hat einen Fragebogen dazu entworfen, den er einer Haussranenversammlung vvrlcgtc. Es wurde ein Ausschuß gebildet, der die nötige» zirka 2000 Zählerinne» beschaffen soll. Tie Statistik kann ivcrtvollcs Material zur Beurteilung der sozialen Lage der Hausfrau liefern. Jeues vom Kindert-aiidel. Wer etwa glaubt. daß man mit dem Wörtiein Mädchenhandel zu stiel Aussehen mache, lese nachfolgenden Artikel, der jetzt durch die Zeitungen geht. Wir entnehmen denselben dem Emmenthäler Blatt: „In Warschan haben sich gegenwärtig, wie alljährlich z» Beginn des Herbstes, die berüchtigten Mädchenhändler aus. allen Teilen der Erde, ani zahlreichsten aber ans Amerika, zusammengcfiindcn, um „Ware" cinznkanfen und den Transport derselben vorzubcrciten. Während sie aber noch vor einigeni Jahren infolge des indifferenten Verhaltens der russischen Behörden ganz ungeniert itnd fast öffentlich ihr schändliches Gewerbe ansüben konnten, müssen sie jetzt ans der Hut sein, da nunmehr die Polizei ans Veranlassung der Internationalen Liga gur Bekämpfung des Mädchenhandels mit aller Schärfe gegen sie vorgeht. Früher reisten die Mädchcnhändler nach Warschan wie zn einem Kongreß, in Gesellschaft ihrer Frauen »nd unter Mitnahme eines großen Gepäcks, da sie gewöhnlich längere Zeit in der Stadt weilten und sich ihre Sehenswürdigkeiten anschanten. Mit Brillant- ringen, schweren Goldkctten und kostbaren Uhren protzend, besuchten sic gemeinsam Theatervorstellungen, speisten in den teuersten Vcrgnllgungslokalen, wobei sie von ihren Frauen, die reich und ausfallend, aber gesclnnacklos gekleidet waren, begleitet wurden. Sie bedienten sich meistens eines spanischen Dialekts, wie er in Bnenos-Aires, dei» Zentrum des Mädchenhandels, gesprochen wird. Jetzt aber sind diese herrlichen Zeiten für immer vorbei. Die Polizei rückt ihnen scharf auf den Leib, so daß sie es vorgezogen haben, Heuer nicht in Warschau, sondern in einigen Grenzstädten zerstreut ihren Aufenthalt zu nehmen. Nach Warschau kommen sic nur verstohlen und für einige Stunden. Die Polizei läßt aber die Gcmner nicht aus dem Auge, und es gelang ihr auch vor einigen Tagen, in einem Hotel in Piotrkow zwei solcher „Händler", die auS Brasilien hergereist waren, zu verhaften. Sie gaben sich für Kauflente aus, konnten jedoch keine Aus- lveispapicre vorzeigen. Man fand bei ihnen einen Scheck ans 28 000 Nudel, Brillanten und sonstige Schmnckgcgenstände im Werte von 16 000 Rnbel» und in fünf Koffern Damen- toiletten, die auf 14 000 Rnbel geschätzt werden." Eine Warschauer Zeitung führt noch folgende Einzelheiten ans de^ Tätigtzit bxr Mädchen H ändler an: „Die Händler, die hieher ans Amerika und den deutschen Hafenstädten angelangt sind, haben ihr Standgnartier in den Städten Rokiciny und Bany- gewählt, wo sie sich leichter vor der Polizei verbergen können. In diesen Städtchen wohnen nur „Großhändler", zn denen täglich die Lieferanten der „Ware", die kleineren Agenten und Platzvertreter kommen, uni sich mit ihnen nach dem Städtchen Koluszki, wo ein förmlicher Frauenmarkt abgehalten ivird, zu begeben. Innerhalb dreier Tage hat ein solcher Engroshändler in Rokiciny 26 Mädchen im Alter von 14 bis 20 Jahren angekaust. Es wird nur ans kräftig gebaute, hübsche Mädchen reflektiert. Die Preist schwanken zwischen 50 bis 1000 Rnbel daS „Stück". Ein in Lodz ständig wohnhafter Agent verkaufte die Schwester seiner Gattin nni 1250 Rubel. Die erste Partie, bestehend aus 26 Mädchen, befindet sich bereits auf deiii Wege nach Brasilien. Beim Passieren der Grenze gab es einige Schwierigkeiten, die aber durch mehrere Hundert Riibel behoben wurden. In Hainblirg machten die Mädchen Halt und erwarteten ihren Eigentümer, der sich dorthin mit 50 für Konstantinopel bestimmten Mädchen begab." Es ist geradezu erschrecklich, daß die europäischen Knltnr- staaten diesem traurigen Handel noch imcmr kein Ende bereiten konnten und ihre Machtmittel angeblich nicht ans- rcichen, um diesen Henkern menschlicher Seelen ganz gründlich den Garaus zn machen. Freilich wählen eben diese Mäd- chcnhändlcr Wege iniö Mittel, die ihnen die unschuldigsten Opfer ins Netz bringen. Es ist deshalb ein verdienstliches Werk des Argus-Verlag, Goßa»-St. G., daß er in den: Bändchen über Moderne Heiratsschwindler und seine Opfer (zn beziehen durch jede Buchhandlung, Preis 1.25 Frank = 1 Mark) die Schleichwege der internationalen Mädchen- Händler anfgrdeckt hat. Nur weitere Aufklärung über die geheimen Wege dieser Mödchenhändler kann ihnen das Handwerk legen. Dcr Warrett-^elter. In der Romanbibliothek F» Freien Stunden^) beginnt soeben ein fesselnder Roma» zn erscheinen: „Der Amerika-Johann" vo>l Felix Moeschlin, illustriert von Max Fabian. Der Ron>an stellt den Einbruch des Kapitalismus in ein stilles schrvedisches Dorf dar und zeigt, wie die Spekulation sich ». a. auch der alten, ursprüngliche» Volkskunst bemächtigt. Bei dieser Gelegenheit kommt auch der Färg-Petter, ei» Dorfmalcr. zu Ehren, de» sie später den „Rarren- Pctter" heißen. Warum? Das zeigt in huniorvoller Weise der nachsolgcndc Abschnitt, den wir dem interessanten Romane entnehmen. Der Färg-Petter halte den Kopf hängen lassen. Taö Malen war seine Freude gewesen. Wenn er nicht inehr malen durfte, dann hatte er keine Freud« mehr. In seiner Hütte war jedes verfügbare Plätzchen l>einalt. Das hatte er schon in seiner Fugend getan. Gab cs denn ivirkiich keinen Menschen inehr, der eine Wand hatte oder ein Kästchen, eine Uhr, eine Türe, einen Wagen, einen Schlitten, eine HochzcitSkiste oder nur eine kleine Cpanschachtei wenigstens, die er bemalt habe» wollte? Denn das Zickiein muß hüpfen und der Vogel muß stiegen und der Färg-Petter muß male». Aber da ivurde er aus eiinnal von einer großen Hoffnung erfüllt, denn bas neue Schulhaus hatte viele große Wände, die doch sicher nicht iveiß gelassen werden konnten. Denn die Kinder haben Blumen »nd Bilder gern, »nd ihr Anblick macht sic sroh. Wenn sie aber den ganzen Tag ans eine weiße Wand Hinstarren müsse», dann werden ste mißmutig und dumm. Und er ging hin »nd erbot sich, alle Wände voll Blume» und Bilder zu male», und es solle die Schule keinen Pfisserling kosten. Aber man lachte ihn aus und sagte, daß man die Kinder nicht zur Lüge und zur Unwahrheit und zum Gefallen an Flunkereien erziehen wolle, das tue in der gegeinvärtig«» Zeit nicht gut, und eine weiße Wand sei das beste, denn sie wirke nicht zerstreuend »nd gebe der Phantasie keinen Anlaß zu Seitenspriingeu. Er nahin sich vor. in die Welt hinauszuwander», aber man sagte ihm, baß «z draußen noch schlimmer sei. Und wenn er sicli daran erinnerte, baß der Amerika-Johann von dorther gekomnicn war, so glaubte er cs ohne weiteres. Und er saß vor seiner Hütte »nd sah znm Himmel ans und *) Die Zeitschrift F» freien Stunde» erscheint im Berlage der Buchhandlung Vorwärts P>u>l Singer G. m. b. t., Berlin, Wöchentlich erscheint ein reich illustriertes Heft znm Preise von 10 Psg. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen, Speditionen und Pvftanstalttn entgegen. Jammerte, fcafi es feilten Fleck mehr gebe auf Gattes Erdboden, worauf er feine Blumen malen dürfe. Und der Himmel ivar laus und breit und tief und hatte viel Platz in feiner Kuppel, die zur Rechten auf einem Berge staub und zur Linken auch. Und er dachte: Ach wenn ich nur den Himmel vollmalen dürfte, wieviel Platz wäre da nicht für Btmnen und Bilder, ich hätte für mein ganzes Leben lana nemtfl zu tun. Aber mein Arm ist zu kurz, ich reiche auch mit dem längsten Pinsel nicht hin, »nd der Herrgott hat die Arbeit schon besorgt. Und gar nicht so übel, obwohl ich dort oben noch nie so Iuftirtc Bluneen gesehen habe, wie ich sie hin- malen lönnte. Und als er genug in den Himmel geschaut hatte, schaute er wieder auf die Erde, wie - Sem Menschen geziemt. Da wußte er plötzlich, was er bemalen konnte. Tenn die Erde läßt einen nie in> Stich. Hatte er nicht eine graue Hütte und einen Stall mit einem Kühlcin und ein Holzhaus »nd auch noch ein anderes kleines Häuschen, von dem man nicht gerade mit dem Pfarrer spricht und das doch auch wichtig ist und gar nicht zu verachten, wenn man bedenkt, daß nichts aus Erden unnütz ist und alles seinen Sinn und seinen Zweck hat. lind außer diesen vier Dinge» besaß er auch eine Wiese bis zur Landstraße hin, mit zipci krüppeligen Apfelbäumen und vielen großen Steinen. Wieviel war da nicht zn bemalen! Und von dem Tage an ward er wieder seines Lebens froh und malte vom Morgen bis zum Abend, lind wenn man bedenkt, daß Sommers über die Tage so lang sind, daß die Nacht kaum mehr dazwischen Platz hat, so wird man begreife», daß es nicht wenig ivar, ivas er zusammenmalte. Jede» Häuslein wurde rot. Daß ivar Gesetz und festgewachsen in ihn, von alters her. Aber seder Balkon kriegte ans dem roten Grunde noch seine besonderen Blumen hinzu, so daß die Leute die Hände über dem Kops znsaininenschlnaen, wenn sie vorübergingen und die bunten Girlanden sahen, die der Färg-Petter um sein armseliges Haus gewunden hatte, und auch um das kleine-übeiberüch- tigie Hänschen, was fie am merkwürdigste» dünkte. Und bann nahm er Bürste und Wafler und wusch die großen grauen Steine rein, so daß alle Flechten von ihnen nbsielen. Und dann bemalte er jeden mit einer starken Farbe. Und auf dem roten und blaue» oder grünen Grund oder auch auf dem gelben setzte er seine Blumen und biblischen Figuren hin, je nachdem sie Platz hatten. Als das die Leute sahen, schüliellen sie die Köpfe und schlugen verwundert die Hände zusammen und deuteten vielsagend ans die Stirne. Der Färg-Petter aber, der ansgesehen halte, als sei er schon hundert Jahre alt, leqte aus einmal einige zwanzig Jahre ab, so daß man ihn kaum wieder erkannte. Und als er die Steine bemal! halle, so daß kein graues Fleckchen übrig geblieben war, nahm er die Bäume in Arbeit. Und jeder Stamm bekam seine Farbe und jedes Blättchen seinen Klecks, daß man glaubte, man sei in einem Zanbergarlen. Tie Leute standen eine halbe Slundc lang still, wenn sie vur- iiberginge» und trauten ihre» Augen nicht. Schließlich aber muß- ien sie doch daran glauben, baß es Wirklichkeit sei und brachten den staunende» Mund kaum wieder zn. Und als sie ihn endlich wieder zugebracht hatten, sagte» sie leise und wie verstört: „Ter Färg-Petter ist verrückt." Ter Bildermaler aber legte wieder zwanzig Jahre von sich ab und sah nun beinal>e schon so aus, wie es seinem richtigen Alter entsprach. lind dann zog er sein Kühlet» aus dem Stall ans Sonnenlicht, und das Äühlein war blütcnwciß, denn er hatte immer ans Reinlichkeit gehalten, und lein Stall war sauberer als manche Wohnstube, lind das blülcnwciße Kühlcin sah er lange prüfend an und überlegte sich zur Genüge, wie er die Blumen aus seinem Leibe verteilen müsse, damit sich alles am besten auSnehme. Und dann warf er dem Kühlein das beste Heu unlcrs Maul und pinselle ihm die Blumen ans den Leib, wie er es sich auSgedacht hatte, oben und unten, aus beiden Seiten und vorn und auch hinten. Und als die Leute das bemalte Kühlcin sahen, da atmeten sie aus wie erlöst und lachten über das ganze Gesicht und sagten laut: „Er ist verrückt geworden, hol'8 der Teufel, er ist verrückt geworben!" Und ste lchlugcn sich aufs Knie, so lustig dünkte sie das, und lachten drauflos, daß es ihnen im Magen weh lat. Und von da an nannten sie ihn nur noch den Narren-Pctterl Der aber hob die Schultern wieder um ein Beträchtliches und wischte ein paar Fallen a»S der Silin, und so jung sah er aus, daß man ihn für viel jünger hiell, als et eigentlich war, und glauben niußle, der Pfarrer habe anno dazumal beim Schreiben des Geburtsscheines einen Jahreszahljehlcr gemacht. Weil aber Wind n»d Wetter stets fest an der Arbeit waren, die bunten Blumen und biblischen Figuren auf Balken und Steinen und Baumstämmen wegznivaschen, und auch das Kühle!» seines Jarbenschmuckes nicht lehr achtete, sondern sich in de» Mist legte wie zuvor, besonder» hinten, so hatte der Färg-Petter genug zu tun, all das Beschädigte mit Neubemalen zu verbessern. lind das erhielt ihn jung und froh. Aus Wett und Leven. Lehrerin und Mutter. Mit einer richterlichen Entscheidung, deren prinzipielle Bedeutung für die als Lehrerinnen an Schulen wirkenden amerikanischen Mädchen und Frauen kaum Überschätzt werden kann, ist nun in Newyork ei» mit großer Erbitterung geehrter Rechtsstreit beendet, der von der ganzen OessentUchleit Amerikas voll Spannung verfolgt wurde. Es handelt« sich um eine Lehrerin, die von der Newyorker Schulbehörde an gestellt war, mit Genehmigung der Schulbehörde heiratete, dann aber, als sie Mutter ibnrdc, unter de», Vorwand der „Vernachlässigung ihrer Pflicht" entlassen worden war. Tie betroffen« Lehrerin, Mrs. Pridgei E. Pcixotto, ward!« sich an die Gerichte, und nun hat der Richter Tcabury vom Lbergerichishofe bas Urteil gefällt, daß die Newyorker Schulverwaltung keineswegs das Recht habe, eine angesiellie verheiratete Lehrerin zu entlassen, weil sie Mutter geworden ist, ganz gleich, unter welchem Vorwand die Schulbehörde die Entlassung zn rechtfertigen suche. Solange nicht ein besonderes Gesetz cingeführt ist, das der Schulbehörde ei» derartiges Recht cinräumt, bleibt die Entlassung unwirksam; und es ist kaum auziinehmcn, daß eine derart unpopuläre Maßnahme im Staatsparlamcnt durch die Eiubrin- guug eines entsprechenden Gesetzes verteidig! werde» wird. Tic Newyorker Schulbehörde staub bisher auf dem Standpunkt, daß de» Eheschließungen von Lehrerinnen keine Hindernisse bereitet werden sollten; es stand ihnen jederzeit frei, zu heirate»; aber in dem Augenblick, da sie Mutter wurden, hatten sie automatisch ihre Stellung auszugeben. Hunderte und Tausende von Lehrerinnen habeit im Verlaufe der Jahre aus diese Art ihre Stellung und ihr Einkommen verloren und lange Zeit bcschäfligte der Standpunkt der Schulbehörde die Oefsentlichkeit, bis jetzt die richterliche Entscheidung die umstrittene Frage zugunsten der Lehrerinnen entschiede» hat. (hcsmM-eilspflejie. Die Pjlegc des muskcllchwachcn Rückens. Ter muskelschwache Rücken verlangt bei Kindern deswegen eine besondere Beobachtung und Pslege, weil er die häusigfie Ursache der Wirbelsäuleverkrüm- mung ist. Bei diesen Kindern fällt zunächst eine gewisse MuSkel- trägheit aus, sie halten sich schlecht und zeige» noch besondere Verzerrungen der Muskulatur. Diesen Kindern muß daher die gerade Haltung gelehrt werden und durch Ucbnng der gesamten Riicken- und Bauchmuskulattir muß die längere Einhaltung der richtige» Stellung ermöglicht werden, bestehende Versteifungen müsse» bc- iveglich gemacht, doch dar! dabei daS Kind nicht überanstrengt werden. Prof. Göppcrt in Eöltingen hält den regelmäßigen orthopädischen Ilnlcrricht zum Ausgleich dieser Schädigungen sür die geeignetste Maßnahme. Wo diese nicht niöglich ist, müssen die Eltern die Pflege des mnskelschivachen Rückens Ihrer Kinder selbst übernehme» unter Anweisung und Leitung eines Arztes, wobei als erste Maßnahme die Erlangung einer geraden Haltung durch bestimmte Uebungen ln Frage kommt. An die Hebung muß sich Massage anschlleße», z»m Schlüsse kommt ein kräftiges Frottieren des Rückens. All dies muß unicr Vermeidung jeglicher Uebcrau- strengung geschehen. Lange Spaziergänge mit ihren Ermüdungserscheinungen wirke» bei diese» Kinder» nicht erfrischend, sondern schädigend. Kaltes Baden darf nicht länger als 1—2 Minuten datier» und muß von einer Ruhezeit gefolgt sein. Selbst wo es nicht gelingt, die Verkrümmung der Knoche» irgendwie zu besser», kann durch Erlernen der bestmöglichen Haltung die Enistcllnng in wesentlicher Weise verdeck! werden und durch Kräftigung und Be- wcglichmachung des Rückens der Fortschritt ansgehalten werden. Aür /saus und Kol. Ter Einfluß der Mästung aus das Fett ist schon lauge bekauuk. Durch die Einsührung neuer Jutlermillel ist die Güte des Felles oft Schwankmigeu uuterworsen, und es ist daher von Wert sür den Viehzüchter, zu wissen, daß Mals allein, sowie zusammen mit Kleie, ebenso wie Sauermilch »nd Saubohnen ein gutes Fett ergeben. Werden FleischabsäNe mit versltttert. so wirb bas Feit etwa» fester, und bet der VersUttening von Baumwollsaatmehl tritt ein geringer Prozentsatz ungesättigter Säuren tm JctI aus, das aber noch bis 37 oder 38 Grad fest bleibt. Mästungen mit Cosa und Erdnuß ergeben dagegen slüsflgcs Fett mit viel iingesSttiglcr Säure, durch ein« Aeuderuug ln der Futterzusamineufetzimg läßt sich aber dieser Nebel- stand sehr schnest wieder ändern.