IDastilattbecJFcau Wöchentliche GeilKge der Gbecksssischen VolksZeitung ...........—1.._-_________ I Nummer 2 ßiefjen, fceifag den «6. Januar «914. 6. Zcrdrgang «8 Jas Zentrum und die Aranen. Ucber die Beteiligung der Frauen am politischen Leben sprach kürzlich auf dem Zentrumsparteitag für den KreiS Aachen-Land der Kaplan L u m m e r i ch aus Eschweiler. Er erklärte, daß das Zentrurn sich der Agitation unter den Frauen mehr wie bisher annehmen müsse. Das Wachstum der sozialdemokratischen Franeubewegung zwinge das Zentrum, die ihm zuganichichen Frauen unter seiner Jahne zu sammeln. Der Kaplan wies aus brT3(rt der sozialdemokratischen Frauen- agitntion hin und führte nach einem Bericht in Nr. 284 des Aacheuer Bokksfreund aus: „Bis überall, bemüht sie ,hlreä;t der Franc» hiitta» zu haite», siegte». Bemerkenswert ist die starke Bewegung gegen den Mädchenhandel, die unter den aiiicrikaiuschen Flaue» eingesetzt hat. Die Frauenzeitschristen bringen fast in jeder Rum,„er Hiniveisc aus das Borgehen der Mädchenhändler, decken neue Fälle von Mädchenhandel auf, ,md in verschiedenen Städten haben di.- stimmbcgabien Frauen erreicht, daß Richter, die Mädchcnhändler gegen niäßige Kanlionen frei ließen, «bgesetzt wurden. England ivird noch eine ganze Weite warte» miisscn, big das Frauenivahlrecht cingeführi »nd das Land w-eder ruh,, geworden ist. Durch eine geschäilsvrdnnngsmäßige Enisihcidnng des Sprechers sind die Frauen mahl rcchisa» träge, die zur Wahlrrsvrmvorlage gestellt waren, und mit ihnen die ganze Reform zn Fall gekommen. Es wurde Überhaupt nicht Über sic abgcstimmt. Die Regierung deS Herr» Asquiih kann sich aber nicht enifchiietzen, selbst eine Borlage sür das Franeuivahlreä;! ein.zubringe», »nd da di« SussrageiieS nichk «her mit ihrer .Kampseskaklik aufhörcn wolle», so werde» Braudstisiungen und dergleichen noch eine Weile soridancrn. — Das Katz- „nd ManSgesctz, das die Regierung im Aprik dnrchgebracht Hat, erfüllt feinen Ziveck In keiner Seife. es ist fein Ruhmesblatt in der Geschichte des englischen Liberalismus, angesehene Männer und Frauen aller Richtungen empfinden es als eine Schmach für einen maberuen Kulturstaat. Die ablehnende Haltung vieler liberaler Abgeordneten und der Regierung hat dazu beigetragen, daß die englischen Frauenstimm- rechtsorganisationc» sich stark der Arbeiterpartei näher». Sie erklären ganz offen, bah fle den Grundsatz der Neutralität, wie er früher verstanden wurde, fallen lassen nüilleu, und daß sie bei den Wahlen in erster Linie die Arbeiterpartei unterstützen wollen, Erfolge haben die englischen Frauen bei den Munizipalwahlen erzielt. Dreizehn Frauen wurde» als Stadträie gewählt, — Die Geographische Gesellschaft beschloß Frauen mit gleichen Rechten auf. zunehme», eine wissenschaftliche Gesellschaft ernannte Miß Ethel Sargant zur Präsidentin einer ihrer Sektionen; Miss Lawrence wurde zum obersten Schulinspektor für die Londoner Mädchenschule,, ernannt. Sehr wichtig für die Heimarbeiterin»«,, war die Ausdehnung der Mindestlohngesetzgebung auf die Hemdenschneiderei, Leineu- stickerci, Konfitüren» und Konservenindustrie und die Erzeugung gußeisernen Kochgeschirrs, Zwei skandinavische Staaten: Norwegen und Island haben den Frauen die volle politische Gleichberechtigung gegeben, Norwegen hat als erster aller Staaten durch Gesetz das uneheliche Kind mit dem ehelichen ganz gleich gestellt. Einem Vater, der nicht ausreichend für sein Kind sorgt, kann das Bürgerrecht entzogen werde». Den dänischen Frauen winkt die Aussicht, bald i» den Besitz des politischen Wahlrechts zu gelangen. Bei den Wahlen zum Unterhaus am 20. Mai siegten die radikale» Parteien, Die Wahlresorm, die auch bas Franenwahlvecht vorsieht, wurde aufs neue eingebrach!, und sie soll nun mit allen Mitteln gegen den Widerstand des Oberhauses durchgesevt werden, — Bei den Stadtverordnetenwahlen in Kopenhagen wurden 13 weibliche Stadtverordneten gewählt, fe 8 Sozialdemokratinnen und Konservative, 2 Radikale und eine Neutrale. Frau Harbou-Hoss Iradikall wurde das Anit des 2, Vizepräsidenten übertragen, — Auch i„ Dänemark sind Witwenpensioneu erngeflihrt worden, Fn Schweden nahm die Zweite Kammer eine Regierungsvorlage für das Frauenstimmrecht an, die Erste Kammer lehnte sie jedoch ab. Nun bestreben sich die Frauen eine Reorganisation der Erste» Kammer durchzusühren, Frankreich hat einig« sür die Frauen wichtige sozialpolitische Eleset-e zu verzeichnen. Am 12, Juni wurde ein Mutterschutzgesetz sür Dienstmädchen und außer dem Haufe arbeitende Frauen und am 13. November das Mindestlohugesetz für Arbeiterinnen verabschiedet, Die Wohnungspolitik soll durch Ermäßigung des Mietzinses für Familien mit mehr als drei Kinder» unter vierzehn Jahren gefördert werden. In der Schweiz wurden in Zürich zum erstemnale fünfzehn Frauen in die Schulbehörde gewählt, darunter II Sozialdemokratinnen, Genossin Tr, Olga Lenz wurde als vierter Amtsvormund in die Bormundschastsbehörde von Zürich beruseu. Die italienische Kammer hat leider das Frauenwahlrecht abge- lehnt. Das Eheverbot für Telephonistinnen ist ausgehoben worden. Selbst in Spanien und Portugal sind geringe Fortschritte zu verzeichnen, Tie spanischen Frauen erhielten die unbeschränkte Zulassung zur Universität und das Recht zur Ausübung aller Berufe, In Portugal wurde ein« Fra« zum Unterinfpektor der Gesundheits- komr ifsion ernannt. In Oesterreich warte» die Frauen noch immer auf die Durchführung der Vereins- und Versammluugssreilxit: als elu kleiner Erfolg ist die Zuziehung voll Frauen zur Wiener handelspolitischen Kommission anzusprechen, die die Konsumenlenintereffen bei Abschluß der Baskanhindelsverträge vertreten soll, Bo» Rußland ist nur Stillstand zu melden. Zwar sind Frauen zum Medizinischen Studium an der Universität Tomsk in Sibirien zugelassen worden, aber »ur aus dem Grunde, weis sich nicht gc- uüaend männliche Studierende fanden, Finnland leidet stark unter russischem Druck, seine Gesetzgebung ist dadurch jo gut wie lahm- gelegl. In allen Kulturländern sehe» wir ein Fortschreiteu der Frauenbewegung, In den angelsächsische» und den skandinavischen Staaten ist der Fortschritt am stärksten, in de» gerinanischeu »nd siavisllfen Staaten am schwächsten, und es ersüllt uns nicht eben mit Freude, das Deutschland und Oesterreich anstat! den skandittavische» »nd angelsächsischen Länder» nachzueiser», sich zu den Staat«,, halten, die nicht nur in bezug auf die rechtliche Stellung der Frau iveit zurück sind, sonder» die tiberhaupt die Reaktion in der Kulturivelt verkörpern. Zeyn Hevote für das praktische Leven. Der Rechtsschutz des Oesterreichischen Frauenvercins »icfjtet auf Grund feiner reichen Erfahrung folgende für die grauen aller Länder beherzigenswerten Gebote an die Frauen: 1. Unterschreibe nie ein Schriftstück, das du nicht aufmerksam durchgeiesen und völlig verstanden hast. Im Zweifel befrage die Rechtsschutzstelle für Frauen. 2. Leihe fein Geld aus, weder an Fremde, noch an Be- kannte oder Verwandte. Glaubst du es einmal ausnahms- wcise tun zu müssen, so tue es nur gegen Ausstellung eines ordnungsgemäß unterschriebenen und datierten Schuld- scheineS. Niemals aber borge an Minderjährige oder Leicht- fertige. Niemals übernimm Bürgschaften. Niemals lasse dich durch das Versprechen hoher Prozente zum Geldhergeben verlocken. Niemals lasse dich durch ein Eheverspreche» bewegen, einem Manne Geld zu geben. 3. Suche mit deinen Nebenmenschen ohne Gericht aus» zukommen. Prozessiere nur, wenn es durchaus sein must. Sei willig zum Vergleich; auch das Armenrecht schützt nicht immer vor Verlust. Bringe keine unnötigen Ehrenbeleidigungsklagen ein; sie sind oft auch für die Klagenden von Schaden, 4. Halte Frieden mit Nachbarn und HauSlentcn. Mache keine Tratschereien, höre auch keine an und erzähle sie nicht weiter. Schreibe niemals anonyme Briese. Lasse dich auch im Zorn nicht zu Schimpfworten hin- reihen. Alles dies kann zu Ehrenbeleidigungsklagen führen» die Zeitverlust, Geld- rind Arreftstrasen für dich zur Folge haben. 6. Gehe keinen Vertrag ein, bevor dir die Bedingungen ganz klar sind. Schließe jeden Vertrag schriftlich und vor Zeugen ab. Uebernimm keine Arbeit und keinen Dienst, auch nicht aushilfsweise, ohne genau die Bezahlung und alle Bedingungen zu vereinbaren. Versprich nichts, >oas du nicht halten kannst. Mache mit Mietern, Bettgehern und Kostgängern alles im vorhinein ab und womöglich schriftlich. Vereinbare Vorausbezahlung der Miete. 0. Hüte dich vor Natenhändlern und kaufe möglichst nur gegen Barzahlung. Wenn du aber ein Ratengeschäft eingehst (du kaufst auf Raten immer bedeutend teurer als gegen bar), so überlege dir die Vertragsbestiminnngen sehr genau und halte die Raten pünktlich ein, auch wenn du nicht gemahnt wirst, denn der Ratcnhändlcr wünscht gerade, daß du etwa zwei bis drei Raten schuldig bleibst. Gerätst du in Rückstand, dann läufst du Gefahr, daß der Gegenstand dir weggenomme» wird und die eingezahlten Raten auch verloren sind. Lasse dich durch zudringliche Agenten nicht zur Bestellung unnötiger Sachen drängen; namentlich sei standhaft, wenn ein Hausierer dir Zeitschriften und Bücher in Lieferungen anpreist und dich zur sofortigen Unterfertignng deS Bestellscheines bereden will. 7. Lege deine Ersparnisse ans Sparkassenbüchel ein. Tritt der Bezirks-, Orts- oder Betriebskraakenkasse und womöglich einer Altersversicherung bei, aber nicht kleinen privaten Unternehmungen und Vereinen, die Spareinlagen nehmen, Kranken- »nd Altersnnterstützungen und Leichengelder versprechen, aber nicht immer verläßlich sind. Tritt den Vereinigungen deines Standes als Mitglied bei (Organisation der Handlungsgehilfen, Beamtinnen, Arbeiterinnen, Heimarbeiterinnen, Dienstboten nftv.). Der kleine Jahresbeitrag sichert dir gclvisse Vorteile, zahle ihn pünktlich. 8. Nimm keine Stellung an, über die du keine Auskunft erhalten kannst. Hüte dich besonders, wenn eS sich um eine Stelle im Ausland handelt. (Mädchenhändler, Mädchenhändlerinnen!) Auch bei den verlockendste» Anerbietungen keine Uebereilung! Wende dich zunächst vertrauensvoll an das Vormundschaftsgericht, wenn du noch minderjährig bist. 9. Bevor du ein Eheverlöbnis eingehst, erkundige dich genau nach dem Vorleben des betreffenden, hüte dich vor Trinkern. Prüfe, ob ihr beide gemeinsam imstande seid, eine Familie zu ernähren. Mädchen, vertraue nicht leichtsinnig, bedenke, daß «in Heiratsvcrspreche» nicht zur Ehe verpflichtet und daß deine Leichtgläubigkeit sehr traurige Folgen für dich haben kann! Behaudelt dich dein Ehemann schlecht und du willst dich von ihm scheiden lassen, so gehe nicht von ihm r Rat gefragt zu habe» und »leide es beim Polizeikoimnissariat, wenn du aus Furcht vor Mißhandlung aus der Wohnung fortziehst. 10. In allen Rechts-, Versicherungs-, Vertrags- und Vcr- ulögcuSangelegenheiten frage, ehe du handelst, erst um Nal bei einer Nechtsschutzstelle oder sonst bei vertrauenswürdigen, erfahrenen, sachverständigen Personen. Warum wird das Brot altbacken? Es regt sich durch die Bemühungen der Bäckergehilfenorgani- saiionc» endlich langsam das soziale Gewissen für das Unrecht, so viele tausend Menschen zu einer ihrer Gesundheit zerstörenden und ihre Lebensfreude vergili«»de» Nachtarbeit zu zwingen, nicht um ein Bedürfnis, sondern um den Luxus z» befriedigen, dass inan des morgens knusperiges, frisches Gebäck aus dem Frllhstückstische haben ivill. Würde man das Morgengebäck schon am Nachmittag des vorhergehenden Tages Herstellen, iväre es namentlich bei seuchtkühlcm Wetter schlasf, sonst aber hart und allbacken. Wertvoller als der Appell an die soziale Einsicht des Publikums, der letzthin wiederholt in diesem Punkte verlangt wurde, erscheint nun der Weg, den nian neueste»? von naturwissenschaftlicher Seite eingcschlagen hat, um die Bäcker von ihrer Nachtarbeit zu befreien. Dr. I. K a tz berichtet in der Zeilschrist flir Elektrochemie <1913) über lange Versuchsreihen, uni die bislang noch »»beantwortete Frage, war»,» das Brot altbacken wird, z» klären. Er kam hierbei zn dem etwas überraschend einfachen Resultat, dass dies durchaus von der Temperatur des Ansbewahrungsortes ab- hange. Auch wenn man Wasserocrlust vermeidet, wird Brot, das man nur 24 Stunden laug bei Zimmertemperatur, nämlich 0—25 Grad Eelsiiis ausbewahrt, hart, und nach 48 Stunden wird es sogar ungenießbar. Aiiders wciiii inaii es bei 09— 70 Grad EelsiuS aufbewahrt. Geruch uu-d Geschmack bleiben daun eiiiigc, wciiigstei,S drei Tage hindurch den; des frischen Brotes pu ge fahr gleich. Fa, mau kaiiii sogar altgewordcncS Brot wieder weseutlich verbessern, ivenn man cs höheren Teinperaturen ausscht. Dies wissen die Bäcker schon längst, und es ist «i» beliebtes Mittel, altes Brot durch kurzes Er- wärinen in: Backofen wieder aufzusrischrn. Aber der Zauber hält nicht lange an. Binnen kiirzestei», ost schon nach wenige.! Stunde», kehrt solches Brot in seinen altbackenen Zustand zurück. Dieser Weg, um das Altbackenwerden zu verhindern, erschien also lischt gangbar. Der Vorgang selbst ist ein phnsiologisch-chemi- scher, der sich vornehmlich in deii durch das Backen verkleinerte» Stärkekörnern abspeelt. Sic verlieren die Fähigkeit, Wasser auszunehmen, geben ihr eigenes deshalb an das Gerüst voii geroiiiiciic», Eiweiß ab, aus dc>i> das Brot außer der Stärke besteht. Das End- reiultot ist, daß sie dadurch härter iverdcii, womit aber auch die ganze Brotmasse zusannnendorri und zugleich aii Geschmack verliert. Das Ausweichen der Rinde bei Semmeln im ersten Stadium des Altwerdens scheint darauf z» beruhe», daß die Rinde jni verkleisterten Zustand eben dieses aus den Stärkekörnern austretende Wasser aiissaugt. Alte diese Prozesse kann man aber ebenso gui wie durch Wärme a»ch durch Kälte verhindern. Bei Null Grad und noch bei minus 2 bis 3 Grab vollzieht sich das „Altbackeiiwerdeu" immer schneller und intensiver, aber je tiefer man darunter abkühlt, desto langsamer erfolgt die ungünstige Veränderung, und schon bei minus 10 Grad ist Brot auch nach 48 Stunden nur mehr halb altbacken. Fit slüsslger Lust aufbewahrt bleibt e» tu Konsistenz, Geruch und Geschmack, wie es scheint, unbegreuzle Zeit hindurch dem srischgebackriien Brote gleich. ES sind aber daiuit noch nicht alle ungünstigen Einwirkungen des LageruS beseitigt. Zn lauge liegeudciii Brote treten gerne säurebildeud« Bakterien auf und schoii wenig Säure verdirbt den Broigeschmack auf das Empsindkichste. Auch kann durch Fcuchligkeii die Beschaffenheit der Rinde leiden »iiö das Brot seine Knusperig- keil verliereii. Beidcii Mißständen läßt sich nun ohne große Umstände »iid Kosten abhelsen uich der Erfinder dieser „euci> „Brotansbewahrungs- mcthode I»i Eiskeller" gibt sich der Hoffnung hiii, daß schoi, in naher Ziikunfi der Bäcker seine Ware ebenso lagern lafseii kann, ivlc der Brauer dar Bier und der Fleischerporieur die aus Australien oder Rußland bezogcneii gechlachtcleu Hammeln und Ochs:». Mit cinciii Schlag hört dann das Bedürfnis nach Nachlarbell im Bäckergewcrbe ans und Zehntausrnde der Gehllseii und kleliien Melsier können endlich «in meiischeiiiviirdiges Daseiii führen. Kkiz;i'ntrsäiter aus meiner Krarrkenkausjeit. Von Julius Z e r s a ß. (Schluß.) 1k. Der S e I b st ni v r d « r. Der ganze Saal lag schiasend in der Mondhelle vor Mitternacht. Alle Gesichter waren friedlich, aller «ten, war tief. Allen kmig der Schlaf sein traumleiscS Lied in die Seel«. Und man tvnnt« deullich i«hen. ob dies«« Traumlieb fröhlich war. N»r mich floh dir Schl«! >,nb ich wgr picht glücklich, Ich starrte dem Licht »ach. das in meine Augen sluielc, und ich sah, da ich beim Fenster lag. deutlich de» volle» glänzenden Sommermoud, wie er zart und leise mit den Geranien am Fenster und inlt den Linden lm Garten spielte. Wie seine Lichtwellen über die Rosen huschle», über das Gras: immer weiter sah ich — o, die Gedanken iönucn weiter sehen als tausend Augen, sah, wie sie da draußen in den Anlagen hinter den Mauern unseres Gartens sich reckten und neckten, küßien und umarmten. Ja dort hinten lag der Weiher mit den weißen und schwarzen Schwänen, da schsosscn sich die Wege, Hecken und Anlagen an rings um die schöne Stadt. Von Äe.in- user bis zu Mainufer, ein grüner Kranz um die schön« Stadt. Wie weit das auch laa in der Nacht, wie das Leben sich auch scheinbar an unseren Mauern stieß, ich spürte es aus der Ferne hcrannahcn, geleitet von Bogenlampen und Lichtern, Gesang, Spiel und Tanz, lachend und weinend: Arbeit und Feiertag. Dos ivar die Welt, war die Freiheit, das Leben. Das liebe, laulc, lustige' Lebe». Kaum dreißi« Schritte von mir fing es an. lind überall außer Gefängnissen dieser und jener Art war das Leben. Die Elektrische raste vorbei und es war einen Augenblick wie ein schrister Ruf: Das bin ich! Ich! Daun wieder Ruhe und Nachdenken. Was ist das Lebe»? Was ist der Tod? Keine Antwort. Die Uhr tickt emsig, als häkle sie die größte Eile. Der Mond steht ruhig und silberhell gehen seine Licht- wcllen hernieder. Wer bis du, Leben, daß wir dich so lieben? Wn» lst dein Begehren, daß wir dich immerzu frage», ohne daß du antivortest? Warum sind wir dir unterka«, warum zittern ivir um dich? . . . Leben! . . . Die Uhr schlug zwölf. Zwölf mal klang es hell von allen Klocken in dl« lauschende Nacht, zwölf mal wie Worte, wie die eine Frage: Leben. Halb eins. Der Schlaf ist wie cl» saunlger Gott und flieht... Eins. Es klingelt draußen auf dem Gang. Ter Wächter jchlurcht über den Weg unter drin Fenster vorbei mit dem Schlüsselbund. Das Tor stiegt zurück. Zivri helle Lichter blenden l-crcin, acht Pfcrdehufe trabe» über icn Kies. Sonst hört man nichts. Aber das ist nicht nötig, denn man weiß, ums los ist. Es ivird lebhaft. Unsere Schwester verläßt ihren Verschlag; Schwestern- und Männerstimmc» slüstern draußen aus dein Gang. Tann wird cs still und die Gedanken haben »ene Nahrung. Den» das Schicksal ist ja so grausam reich o» Mittel». Eine halbe Slundc später öffne» sich breit die beiden Türen unseres Saales und der Operativnsivage» glellet herein. . . Ein neuer Gast. Tic weißen Laken enthüllen sich, zwei Betten entfernt legt man sh,, nieder. Die dingen sind noch geschlossen, den Kopf umschlingt der breiie weiße Verband. ES riecht nach Ehloro- form und böse Erinucrnngen tanchcn ans. Alles ist erwacht und neugierig. Man muß doch wissen, ivas man für Kollege» bekomint. Endlich, als ivir wissen, daß er sich wegen einer Dirne erschießen ivollte, daß er Oberkellner ist. kann man sich um die Sorge diese» lieben Nächsten weiter bcniiihcn und schließlich ohne ihm geholfen zu haben, wciterschlasen. Während die anderen sich ans die andere Seile dreh:», liege ich noch lange wach und denke »ach, ivarui» einer ivohl das Leben, das gcliebt« Leben, sortwersen könne, als sei der Tod der einzige Zweck des Daseins. Wie man das Leben nicht liebe» könne. Gegen Morgen schlief ich ein und schlief bis zum Kaffeeläuteu. Ter Selbstmörder wurde zweimal von seiner ungüicklick.cn Liebe besucht und beschenkt. Wir bencidcien weniger die rancheute Seide, die sie ninfkoß. das gepuderte Puppengesicht, das sie trug wie eine Fürstin ihren Schmuck, ihre» Dust, den sie ansstromic, als die Tinge, die sic ihn, brachle. Nack, dein zweiten Mal kam sic nicht mehr. Er sagte, sie wird de!» reiche» Hund doch »achgelansen sein, und beruhigte sich. Er fiua wieder an, >vic ein gestriegelter Llu>. kellner «»szusehen, rauchte heimlich Zigaretten, spielte versteck: Skat und gewann, kurz, er saßic das Leben iiberhaupt aus, als habe er cs nie verächtlich behandelt. Hier könnte man den inrnschlich-sachmännischen Ausdruck: Er hat Glück gehabt, ohne Ucberhrbung anwcndcn. Denn es heiß! doch mehr als Glück habe», sich a» der Schläfe eine Kugel in den Kopf zu jagen, ohne den gerinasten Schaden davonzutragen. Tie Kugel saß zwischen Augen und Nasenbein, aber sie saß wohl und hinderte keinen Mensche», außer de» Opcratiousarzt, dem es jedensalls nur um das Experiment zu tu» war. Dafür ivar der Obrrlelluer, schon ivcil cs »in Leben und Tob ging, aber nicht zn haben. Er bliel> standhaft und sagte: „Es laufen so viele mit Kugeln herum und cs geht ihnen ganz gut dabei. Außerdem ist mir zurzeit mein Leben lieber." Dabei blieb es. Er ging mit seiner Kugel im Kopf hinaus und verlangte nicht einmal den Revolver, in dem noch vier gebrauchsfähige Kugeln staken, zurück. Hl. „Fäll Unser Operationsarzt glanble, ivlc gesagt, an keinen Gott, aber er schnitt gern und gut. Sel)r oft kam er zur Visite aus dein OpcrationSsaal gerann!, mit der Zigarre im Mund, die Gmnmi- schiirze iimgebiinden und mit Blni bespritzt wie ein Metzger, Wir »amiten ihn auch nur „Metzger", Jedoch, ivarnni soll man einen Menschen wegen seines Metiers gering achten? Macht bock, der Berns überhaupt erst den Mensche». Aber der Berussmensch soll Iciuc Dankbarkeit verlangen, wenigstens nicht der sogeuaunlc Jdeai. berussmensch. Unscr Oberarzt siel einuial dabei hinein. Dag war so. Ein Mann kommt herein mit einem vrrci ierten ZeiLrHiiKL^ o Der „Ober" untersucht ihn und faitt: „Der muß amputier! iverLen " Eine Stunde später kommt der Chef, betrachtet sich auch die Angelegenheit »nd schnauzt: „Ist das alles? Das hatten Tie mit Seifenbädern ebensogut daheim heilen können " Mit Seifenbädern ist der Fiirger tatsächlich in acht Tagen heil geworden. Eine- Tages bleibt der Ober stehen und nimmt die Sache genauer in Augenschein. „Na ja, es ist ja gut. Bewegen Sic nial den Finger. Ra, dann bewegen Sie ihn dach mal." Der Alte schwitzt fast Tränen, aber es geht nicht. Ta greift der Ober zu und zerrt ihn hin und her, daß es kracht. Ter Alke schreit natürlich pur Schmerzen. „Aber Mann, ivarnm schreien Tie den» so! Sind Tie doch froh, daß Sie ihn „och haben. Sehn Sic, wenn cs mir nachgcgangen märe, könnten Tie ihn jetzt im Spiritus nach Hause tragen." Tarauf entließ er ihn nnd wandte sich zum nächsten Objekt. Tiefen Kall rächte wenig« Tage später einer ans dein Gebiet der Medizin derart, das, die Patienten des ganzen Hanfes tagelang sich darüber amüsierten. Konimt da an einem verregneten Oktoberfonntag mittags ein „alter Feger"hcrein uud lagt zum Asiistente» der inneren Abteilung, er sei Inngenlrant und könne nicht mehr weiter. Tasi dem so ivar, darauf dcntelen zumindest seine, ausgelaufenen Schuhe und seine zerrissenen Kleider. Ter Arzt untersuchte ihn aber nicht an den Schuhen oder durchlöcherten Hosen, sondern fetzte sein Hörrohr an die Brust und sagte ihm 'dann, Latz er absolut nichts finden könne. Schließlich mutz das der Mensch selbst doch besser wissen! T«uu wo kämen wir hin, loenn die Aerzt« zu jedem Kranken sagen wollten: Ich finde nichts. Kein Mensch braucht dieser Objektivität, die das Subjekt als ein Subjekt behandelt, zu glauben. Also Lachte auch der Feger und sagte: „Ich habe cs ü o ch auf der Lunge." Der Assistenzarzt aber behauptete: „Sic haben nichts an und ans der Lunge." Nach kurzer Debatte endigte die Verhandlung mit folgendem Wortspiel: „Sic wollen mich also nicht ausuehmeu?" „Nein." „Nicht?" „Nein, sag« ich Ihnen." „Gut. Tic werden mich doch aufnehmcn." Stolz verließ der Feger das Zimmer und ging hinaus vor das Tor, wo er sich aus der sehr belebten Straße so lange wie er ivar aufs Trottoir sallcn lieb. Tic Krankendiener mutzten ihn aus der Bahre hcrcinholcn. Im Gang begegnete der Transport dem Assistenzarzt, nnd der Feger rief ihn höhnisch an: „Ich habe Ihnen doch gesagt, daß ich nicht iveitcr kann." Nach drei Wochen war, wie er sagte, fast nichts mehr auf der Lunge, als er einige Pfund schwerer, mit neuer „Klust" »nd neuen „Trittchen" lächelnd die gastliehe Stätte verließ. Und er hatte außerdem bewiese», daß ein Patient durchaus nicht dümmer zu sein braucht als sei» Arzt. Hus Well und Leben. Eine chinesische Helen Keller. Man schützt die Zahl der Taubstummen in China aus 400 000; wie viele davon auch blind sind, ivird nicht angegeben, aber unter diesen Tanbblinden ist eine andere »eleu Keller erstanden, wie die tn Philadelphia erscheinende» Sunday-School-Timcs z» erzählen wissen. Auch hier ist eine Seele aus der tiefsten Dunkclheit der Sinne errettet worden und lebt nun im Lichte des geistigen Sehens, in de», sie sich weiter »nd reicher entfalten wird. In China ist die Not dieser der wichtigsten Sinne beraubten Stiejkinder des Lebens noch viel größer als anderswo. Während der BolkSglanb« den Blinden eine gewisse Feinheit des inneren Gesichts und Klugheit zucrkennt, verachtet er die Taube», die von Teufeln besessen sei» sollen. So wachs«» die Taubstumme» denn heran in völliger Vertiertheit, nnd dies gräßliche Schicksal rührte eine heldenmütige Frau, die es aus sich nahm, Licht in die finstersten Finsternisse der menschlichen Existenz zu tragen. Es ist Miß Carter, die Lehrerin der „chinesischen Heien Keller", der kleinen Wang Fung-Jing. Wie die amerikanische Taubblinde sich ohne die bewunderungswürdige Geduld ihrer Lehrerin Miß Snllivan nicht z« dem „modernen Weltwunder" entfaltet hätte, so verdankt auch die kleine Chinesin ihrer Lehrerin alles. Vor 24i Jahre» kam sie, ohne die geringste Erziehung, als ein dumpfes, unbeseeltes Geschöps, dessen innere Onale» sich in wilde» Wutausbrüchen äußerten, nach der Tanbstnmmenschule in Schefu, die Miß Carlcr zusammen mit einer chinesischen Lehrerin, Mrs. Se», gegründet hat. Für die Ncivyorkerin ivar cs zunächst uncichlich schwer, Ihr hohes Ziel in China zu verfolge». Tie mußte die chinesische Sprache lerne» und wurde von de», Volke als eine Fremde, deren Beginnen man nicht verstand, mißlranisch und feindlich behandelt. Aber sie ließ sich nicht abschrcckcn, und wie sic überhaupt in ihrer Schule mit de» taub- stamme» Kindern schöne Resultat« erzielte, so ward ihr als bester Lohn die taubblindc Fnng-Iing beschert, die sich durch ihre Erziehung in erstannlichen Fortschritten aus einem vertierten Wesen zum denkenden und fühlenden Menschen entwickelte. Drei Monate dauerte es, bevor das Kind so iveit war, das Wort Puppe, das man ihr im Blindcnalphabct in die Hand buchstabierte, mit dem Gegenstand zu identifiziere», den man ihm iu die Hand gelegt hatte. Manchmal wollte Miß Carter die Geduld verlieren, aber als dann erst ein ivenig Licht in dies dunkle Gehirn gebracht war, da ließen die Butanfälle der Klein nach; sie lernte schneller nnd hatte nach lü Monate» sich die Brailicsche Blindenschrift angeeignet. Ter Vcr- faffcrin des Aufsatzes, die die Taubstnmmcnschule besuchte, lernte die neue Helen Keller »ach einer 2!4jährigen Ausbüdmig kennen. Fmi-g-Mng bewegt« sich sicher und höchst manierlich und hielt sogleich die Handflächen hoch, „in von ihrer Lehrerin zu hören, was sie tun sollte. Miß Carter gab ihr in Englisch den Auftrag, im Garten einige Blume» für den Gast zu pflücken. Bald kehrt« sie mit einem großen Strauß zurück uud überreichte ihn mit frennd- iicheni Gruß. Tabci entdeckte sie, daß sie draußen im Garten ihr Haarband verloren hatte und war darüber sehr traurig. In Brailleschrift schrieb sie aus ihre Tafel: „Ich habe mein Haarband uuter de» Blumen verloren." Sie wurde nicht ruhig, bis man es ihr wieder gebracht hatte, und versvlgte alles mit größter Aufmerksam- kalt. Miß Carter ist jetzt dabei, der Kleinen nach dem Bellschen System das Sprechen beizubringe». Bei dieser für Sehende berechneten Methode muß Fung-Iing ihre Finger ans Miß Carters Zunge, Lippen und Kehle legen, dann ihre Finger aus di« eigene Zunge lege» und de» Ton gemäß der richtigen Zungenstellung heransbringen. Sic ist bereits so weit, daß sic einzelne Worte richtig spricht. Als die Lehrerin ihr Haar berührte, sagte sie deutlich das chinesische Wort snr Haar „Fa". Tnrch unendliche Liebe und Geduld ist aus diesem freudlosen Wesen ei» glücklich«» Geschöpf ge» ivorden, das fröhlich mit den anderen Mädchen verkehrt »nd das einen brennenden Wissensdurst zeigt. Ihr größtes Vergnügen ist, von Miß Carter unterrichtet zu werden, und ihre beständige Bitte: „Lehr mich etwas Neues!" Die erstaunlichen Fortschritt«, die Fnng-Ning in verhältnismäßig kurzer Zeit gemacht hat, taffen erhoffen, daß auch diese Taubblindc dereinst in ihrer Ausbildung ein Zeugnis dafür wird oblegen könne», wieviel der Menschcngeist über die Natur vermag. chelimdöeiispllc«ze. Körpergewicht und Gesundheit. Das Körpergewicht ist ein wichtiger Indicator für die Gesundheit, unter noruialcn Verhältnissen soll das Körpergewicht in »nbctlcidetem Zustande in Kilo der Körperlängc in Zentimeter unter Abzug von 400 entsprechen. Ein Mann, der 170 Zentimeter groß ist, soll daher ein Gewicht wm 70 Kilo auswcisen. Starke Abweichungen nach unten oder nach oben, sind imnier als bedenklich zu bezeichnen. Nicht minder wichtig ist es. ans starke Gewichtsabnahme oder -Zunahme zu achten, da auch diese fast immer mit krankhaften Zuständen verbunden sind. So findet sich regeln,äßia eine Gewichtsabnahme bei zehrenden Kon- stitnttonskrankhriten. z. B. bet der Tuberkulose, bei», Krebs, Zuckerkrankheit nnd Adcrnverkalkung. Tie Gewichtszunahme Ifängt gewöhnlich mit der Fettsucht zusammen. In den Blättern für Votks- gefundheitspstege wird ausgcsührt, daß durch das Essen bedeutend mehr Erkrankungen l>ervorgccnsc» werden, wie durch das Trinken und daß die meisten Menschen es nicht versieben, ihr Körpergewicht i» zulässigen Grenzen zu halte». Das tatsächlich verschiedene Verhalten im Körperansatz beruht hauptsächlich in den verschiedenen individuellen Vcrlchltuisscn. cs konimt ans das Temperament a», auf die Lebensweise, aus die seelischen Verhältnisse, auf das Maß größerer oder geringerer geistiger Tätigkeit. Alle diese Faktoren sind außerordentlich maßgebend dafür, ob aus den genossene» Speisen eine Ausspeicherung im Körper erfolgt oder diese restlos verbraucht werden. Geistig sehr rege Personen und Nervöse haben gewöhnlich ei» niederes Körpergewicht und wird letzteres gehoben, dann geht auch gewöhnlich die nervöse Ucb«rrcizn»g zurück. Aur Laus und Kol. T«r Lehrmeister im Garten »nd Kleintiers,os. lVcrlag Hach- mcistcr ». Thal, Leipzig.) Inhalt der Nr. 1. WaS sich anS Zierkürbisse» machen läßt. Von Job. Schneider. M. Abb. — Roscnrost. Von :)!. Türke. — Tav.eräpscl. Von Professor Tr. Brägelniann. — Tie Ausnutzung der Hauswände durch Obstspaliere. Von Fritz Bacr. M. Abb. — Efeu ans Samen. Von W Braun. M. Abb. — Ter gewöhnliche Frostspanner sElvimatobia brnmata LZ. Bon Alex. Reichert. M Abb. — Weiße Malaien. Von «7 Boas. M. Abb. — Meine Hühnerzucht Von Tr. Mehring. — AnS meiner Imkc>- praxis. Von Jos. Prnscha M. Abb. — Vorbereitung der Kaninchen snr die Ausstellung. Von K. Klüiver, CberSwalde. M. Abb. — Arbeilskalender für Januar — Kleine Mitteilungen — Hauswirt» sihaft — Meinungsaustausch — Fragckasten — Feuilleton: Ter weiße Hase (Forts) Bon Julius R. HaarhanS. — AuSstekI»n>t«- kalciider — Ans der Geschäftswelt — Literatur — Patentltste.