Vas Glatt decFcau Wöchentliche Geilage der Gberkeffischen VolksZeitung M Kummer l Ließen, Freitag den 9. Januar I9l4. 6. Sakrgang I i Z>ie Irauenbeweguug im Jahre 1913. Von irgend welchen prinzipiellen Errungenschaften der Frauen in Deutschland im vergangenen Jahre kann nicht de- richtet werden. Alle auf die Erlveiterung von Rechten abzielcnden Anträge und Petitionen sind rundweg abgelchnt worden: nnd wenn wirklich eimnal eine Volksvertretung beschloß, den Frauen ein Wahlrecht zu gewähren, so legte die Regierung ihr Veto ein. Aber natürlich gibt es nicht viele Parlamente in Deutschland, die zu der Erkenntnis vorgedrungen sind, daß die Frauen eine Erwciterrmg ihrer Rechte dringend brauchen. Im abgelauscnen Jahre trat nur der bayerische Landtag dafür ein, daß den Frauen das aktive Wahlrecht zu den Kaufmanns- und Gewerbegerichten, Handels- und Gewerbekammcrn gegeben werden müsse. Ta aber die Regierung sich äußerst zurückhaltend zeigte, werden die bayerischen Frauen Wohl trotz des Beschlusses vom 20. November noch lange auf die Einführung des Frauenwahlrechts warten können. Immerhin, die Tatsache, daß eine bundesstaatliche Volksvertretung sich von all den törichten und kleinlichen Vorurteilen, denen man fast überall begegnet, wo über Frauenrechte diskutiert wird, frei gemacht hat, gibt uns den Mut, zu hoffen, daß in absehbarer Zeit bei eifriger Propaganda auch an andern Stellen die Bedenken gegen das Franenwahl- recht zu den beruflichen Interessenvertretungen so gut. wie zu Kommune, Landtag und Reichstag überwunden werden. Wie dringend notwendig es ist. daß die Frauen selbst einen direkten Einfluß auf die Gesetzgebung gewinnen, bc- weist die Behandlung zweier für das weibliche Geschlecht außerordentlich wichtiger Vorlagen im Reichstag. Zum Staatszugehörigkeitsgesetz, das die Lebensinteressen der Frauen, die einen in Deutschland wohnenden Ausländer heiraten, sehr tief berührt, waren eine ganze Anzahl gut begründeter Frauenpetitionen ciugegangen, die durchiveg eine Abänderung der Bestimmungen verlangten, daß die Deutsche, die einen Ausländer heiratet, die deutsche Staatszngehörig- keit verliert und infolgedessen Ausländerin wird. Dieser Teil des Gesetzes kann die unangenehmsten Folgen für die Frauen nach sich ziehen, und zwar werden vor allein natür- lich die unbemittelte» unter ihnen am schwersten getroffen. Sobald der Mann arbeitsunfähig wird, oder stirbt, wird die Familie in das Heimatland des Mannes abgeschoben, und die Ehefrau, die vielleicht in dem Land vollkommen fremd ist, ja vielleicht nicht einmal die Sprache versteht, mag sehen, wie sie mit ihren Kindern durchkommt. Die sozialdemokratische Fraktion hat sich der Frauen- wünsche mit großen« Eifer angenoinmen. aber sie richtete nichts auS gegen die Opposition von rechts her. Nicht einmal die Fortschrittler stimmten für die Frauenpetitionen, hinter denen ein großer Teil ihrer weiblichen Parteimitglieder stand. Eine schwere Niederlage erlitte«« die Frauen auch «nit ihrer Forderung aus Zulassung weiblicher Schössen zu den Jugendgerichten. Trotz einer ausgedehnten Propaganda zahlreicher Frauenorganisationen, trotz des energischen Ein- tretens unserer Genosien für die weiblichen Schössen, wurde der Antrag abgelehnt. Von den bürgerlichen Parteien stimmten nur einige Fortschrittler nnd wenige National- liberale dafür. Ist es danach noch verwunderlich, daß der Antrag der Sozialdemokratie auf eine Wahlrechtsreform der bundesstaatlichen Parlainente durch einen Zusatz zur Reichsverfassung, der auch das Frauenwahlrccht vorsah, keine Gegen- liebe fand? Der Vertreter der Fortschrittlichen Volkspqrtei, Herr Kopsch, hielt es sogar für angebracht, ganz besonders vor dein Frauenwahlrecht zu warnem Er sah entsetzliche Konsequenzen voraus: man «verde auch den Kindern das. Wahlrecht geben «nüssen. So finden wir in der deutschen Gesetzgebung Mißerfolg über Mißerfolg. Und dieser trübselig stiinmende Rückblick läßt es noch unbegreiflicher erscheinen, daß die bürgerlichen Frauen sich an dem Rummel anläßlich des Regierungs- jubiläumS Wilhelnls 1L beteiligten. Was hat ihnen das starke Betonen des „nationalen Empfindens" geholfen? Die „nationalen Parteien" fangen sie dadurch doch nicht. Die werfen ihnen weiter ihre Jnternationalität vor «md denken nicht daran, auch nur die kleinsten Forderungen zu bewilligen. Jeder Machtzuwachs der Frauen ist ihnen verhaßt. Sie sehen die Gefahr, die ihrer eigenen Vormachtstellung dadurch droht, recht gut, und ans diesem Grund wehren sie sich auch mit aller Kraft gegen das Vordringen selbst der konservativen Frauen. Bekanntlich hat sich im April die „Vereinigung konservativer Frauen" konstituiert, aber die Opposition in der konservativen Partei gegen diese Neu- gründung lvar so heftig, daß sich der Parteivorstand genötigt sah, enge Grenzlinien für die Wirksamkeit der konservativen Frauen zu ziehen, was natürlich nicht besagen will, daß die Vereinigung konservativer Frauen nicht mit der Zeit ans eigener Machtvollkommenheit ihr Tätigkeitsgebiet erweitert, trotz Pastor Werner und trotz Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation. Die sozialdemokratische Frauenbewegung hatte im Jahre 1913 einen schweren Verlust zu beklagen. Ihr Vorkämpfer uird aufrichtigster Freund, August Bebel, starb im August, und mit der Trauer der Sozialistinnen vereinigte sich die vieler bürgerlicher Frauen, die den Tod des unermüdlichsten Streiters für Fraucnrcchte beklagten. Die Zunahme der Zahl berufstätiger Frauen auch in den Kreisen des Bürgertunis zwingt die Frauen zu einer Stellungnahine in wirtschaftlichen und polittschen Tages- fragcn und drängt ihnen den Kampf uni Rechte auf. Auch ini vergangenen Jahr sind wieder zahlreiche neue Stellen für Frauen von der Post- »nö TelegraphenverwMung sowie von der Eisenbahnverwaltnng geschaffen worden. Von beiden wurden die bisherige Tätigkeit der Frauen lobend anerkannt, aber die Neueinstellung so vieler Frauen ist doch weniger auf ihre Tüchtigkeit als aus ihre Billigkeit zurückzuführen. Tparsamkeitsrücksichtcn waren maßgebend. Tie Arbeiterinnenorganisationcn-haben im Jahre 1913 stetig zugenommen. Das geht schon daraus hervor, daß dir Zahl der weiblichen Dertrancnspersonen in den der Gcneral- kommission der Gewerkschaften angcschlossencn Kartellen aut 8-t gestiegen ist. Trotzdem haben wir keinen Anlaß, uns in Sicherheit zu wiegen. Die Nationalliberalen im Reichstag und der Deutsche Handelstag hielten es für nötig, für eine Verschlechterung der durch Gesetz gewährten Ruhezeit für Arbeiterinnen einzntrcten. Ter frühzetiige Samstag- nachinittagschluß sollte hinten herum wieder aufgehoben wer» Len, Und ebeiiso Kurden für die Beschäftigung der Arbeiterinnen in Ueberstunden besondere Erleichterungen verlangt. Der beste Beweis dafür, datz wir beständig auf der Hut sein müssen, damit nicht die Scharfmacher die Erfolge, die in zähen Kämpfen von der Arbeiterschaft errungen sind, wieder vernichten! Nur ein kräftiges Weiterarbeiten an den gewerkschaftlichen und den Parteiorganisationen gibt uns die Gewähr dafür, daß sie ihre Pläne nicht durchführen können, und gerade für die nächste Zeit stehen uns ja besonders ernste Kämpfe bevor. Wie stark die Frauen an der Gestaltung der Wirtschaftspolitik und der Sozialpolitik interessiert sind, muß ihnen gerade jetzt in dieser Zeit ständig wachsender ArbeitSnot klar werden. Jede Frau, die nur mit einiger Aufmerksamkeit die Dinge um sich herum betrachtet, muß erkennen, von welcher Seite sie Hilfe und Unterstützung erwarten kann. Die bürgerlichen Parteien haben im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und für die Arbeitslosenversicherung fast durchweg versagt. Die Sozialdemokratie stand allein; sie erfüllte ihre Pflicht, und sie versuchte auch, die größte Not der Arbeitslosen vor Weihnachten zu lindern. Werden die Arbeiterinnen und die Arbeiterfrauen, die noch nicht bei uns sind, aus dieser Tatsache lernen? Wir hoffen es, und was wir dazu tun können, um die vielen Gleichgültigen, die noch abseits stehen, für uns zu gewinnen, soll geschehen. Das Jahr 1914 muß einen großen Zustrom zu den 210 000 weiblichen Gcwerksckiafts. Mitgliedern bringen, und die Zahl der in der Partei organisierten Genossinnen, die bis zmn März des vergangenen Jahres auf 141115 gestiegen war, soll noch um ein beträchtliches anwachsen. So wollen wir das neue Jahre beginnen, und die Zu- verficht, daß die sozialistischen Ideen auch bei den Frauen sich durchsetzen werden, wird unsere Arbeitskraft stärken, unfern Eifer für die Sache lebendig halten. Auf mich fiommf es nicht an! So sagen noch immer sehr viele Frauen, wenn sie aufgefordert werden, der Fraucnorganisation beizutreten. Auch Ihnen können wir die Worte Lassalles zurufen: . . Woher kommt cs denn aber, dich ihr, die Ihr uiisere Idee» teilt, unsere Ansichten und Bestrebungen mit eurer Sympathie begleitet, das-, ihr noch nicht eingezeichnetc Mitglieder seid? O, ich kenne den altbekannte» Grund dieser Erscheinung wohl! Man klatscht Beisall, man syinpathisicrt, aber man Iaht gewähre» und behält sich vor, an den Früchte» der Beivcgnng tülzunehmen, die andere mit ihren Krusten erarbeitet haben werden! Ich frage aber euch, ist das ein männliches, ist das ein e i » e s A r b e i t e r s w ii r b i g e S B « n e h m c n? Welches ist der Unterschied zwischen einem Arbeiter und einem Schmarotzer, wenn nicht der, dah letzterer von fremder Arbeit leben und da ernten will, wo er nicht selbst gesäet hat? . . . Euch also, die ihr nicht von fremder Arbeit lebe» wollt, und da ernten, wo ihr nicht selbst gesäet, euch, die ihr mich mit eurem Beifall und Akklamation begleitet, euch ermahne ich zur Scham! Unsere» Mitgliedern aber rufe ich folgendes zu: Nicht ans unsere Bevollniächtigte» dllrft ihr euch für die Agitation verlassen, sondern jeder einzelne von euch mutz diese Agitation zu seiner Ausgabe machen." Won» alle Frauen immer gesagt hüten: „Auf mich komnit es nicht an," wer würde sich um die Frauen kümmern, wer würde in der Gesellschaft nach ihnen fragen? Spietzeusf. Am Zimmerplatz, auf dem in den Feiertagen die Arbeit sichte, versammelten sich große und kleine Kinder, uni sich ihre Weihnachtsgeschenke zu zeigen. Sie stellten ihre Sachen auf, blätterten in den unzerreißbaren Bilderbüchern. Einige Jungen schoben ihre Kugeln auf die Kegel los, ließen Blech- tierc umhcrrasseln und Maschine» keuchen; Mädchen warfen Bälle in die Lust und setzten ihre Puppen auf die Balken. Sic zogen sie aus utid an und wieder aus und zupften an ihnen herum, vom Kopf bis zu den Füßen. Die Kinder be- suchten einander, bewunderten und tauschten sich ihre Sachen aus. Und da redete es sich heruin, daß die Schulcr-Kindcc picht? hatten, garnichtS als leere Blätter und gewöhnliche Werkzeuge, die man zu Hause auch besaß — ohne Weihnacht. Als sich die Kinder darüber einig waren, wie ärmlich das sei und wie lächerlich, standen sie um die Schüler-Kinder herum und die Mädchen kicherten, während die Buben allerlei Bemerkungen niachten. Sic beobachtete», was die wohl mit ihrer traurigen Herrlichkeit begännen. Aber es war noch nicht viel zu sehen. Fritz Schüler kramte weiches Holz aus seiner Wcrk- zeugkiste hervor und kratzte mit seinem Bleistift herum, und seine Schwester zog auch nur Linien auf dem Papier. Und dann sagte Fritz: „Euer Zeug wär' mir viel zu langweilig. An dem Geluinpe ist man nur darauf neugierig, wie man's. wieder kaput kriegt." Die Kinder waren so erstaunt über diese Antwort, daß sic sich davoninachten. Da bekam auch das Mädchen Mut und rief ihnen nach: „Solche Puppen, wie ihr habt, Hab' ich ein Dutzend zu Hause. Aber die dummen Köpf' mag ich nimmer anschaue». Reden können's auch nichts G'schcites und die Strümps' und Hoserl Hab' ich ihnen schon hundertmal gewechselt. Ja!" „Dös is an Aff!" erwiderte ein Kind, „gehts weiter!" Dann waren die Schüler-Kinder wieder allein. Der Bub hatte seine Hebungen mit dem Bleistift fertig und machte sich nüt der Säge an das Holz. Es war eine mühselige Arbeit, die er langsam und sorgfältig begann, schließlich konnte er dann in dem vorgczeichneten Strich weitersägen. Dann begann er auszuhöhlen und drückte und formte im Schweiße seines Kindcrgesichts. Es kam ein kleines, zierliches Ding heraus, das neueste Boot hatte ec sich hergestcllt, schmal, lang, wie sie jetzt pfeilschnell durch die Seen schießen. In der kleinen, flachen Oeffnung waren nur zwei Sitzbrctte. Nun schnitzte er vier zierliche Ruder dazu, genau so, wie er sie gesehen hatte, und befesttigte sie mit Stiftchen rechts und links ain Rande des Bootes. Das Schwesterchen hatte in ihrem Heft den Nikolaus gemalt, mit dem Mantel, den: Sack und der goldgeschmückten Nute, gerade so, wie man ihn zu Hause vorgespielt hatte. Der weiße Bart wallte weit heriinter, aus dem Sack aui Rücken standen die Weißen und roten Perlen der Zählmaschine hervor. Damit war sie schon fertig. Sie hatte noch seine Stiefel mit Schnee bestäubt, da sah sie, was Fritz zusainmen- bastelte. Nun begann sie zwei sitzende Kerle zu zeichnen, bis an die Hüsten nackt und mit struppelig verschwitztem Haar auf ihren Köpfen. Sie fuhr, uni das noch beutlitfjcr zu machen, mit den Fingerspitzen auf den schwarzen Köpfen herum. „Die, wo ich gesehen Hab'," sagte sie, „waren nämlich ganz verbrannt," und sie übernialte die Leiber braun. Dann schnitt sie nach diesen gemalten Gestellen Pappdeckel aus und klebte sie darauf. Als der Bruder das Schiff mit einem Namen versah und die Enden der Ruder bunt machte, setzte die Kleine ibre zwei Leute stark nach hinten geneigt auf die leeren Sitzbretter, so, daß sie die Hände bei den Stiften befestigen konnte. Der Vordermann wurde, wo sein Oberkörper aufhörte, mit einer roten Schwimmhose bekleidet, aus der er seine Beine, die man ja doch nicht sah, unter die Oeffnung des Bootes steckte. Aber der Hintermann, dessen untere Teile nian gar nicht sah, bekam nnr das Viertel einer weit- niaschigen, luftigen Hose. Bruder und Schwester hatten im Eifer die anderen Kinder vergesse». Plötzlich waren sie von einem Schivarm umringt, die Mädchen schrien vor Vergnügen und die Buben wälzten ein Waschfaß heran und schleppten Wasser, um zu sehen, ob das Boot auch schwimmen könne. Es schwainm. Vom Plätschern der Kinderhände inr Wasser bewegten sich die Rudcrchen, und die zwei Bootsmünner lehnten sich so sicher zurück, als könnten sie jede Wette gewinnen. Tie Kinder standen und sckiauten entzückt zu. Sie hatten ihre Kegel, Kugeln, ihre Soldaten und Bälle stehen lassen. Die Zinnsoldaten lagen aus der Erde und niemand gab ihnen Befehle. Die Schildcrhäuschen waren übcrrannt worden, die Bälle hüpften nicht mehr. Puppen lagen auf dem Gesicht oder streckten ihre Porzcllanbeinc erschreckt in die Höhe. Niemand zog die Maschinen auf und die Tiere niußten reglos liegen bleiben. Denn die Kinder wollten sehen und hören. Jeder wollte nun auch sägen und schnitzen und malen. Sie hatten heiße Köpfe und prügelten sich fast. „Ich kann alle Augenblicke was anderes machen," sagte Fritz. „Wenn ich will. Immer wieder was Neues." Das kleine Mädck>en malte seinen Nikolaus, den Onkel Doktor dieses Stratzenviertels, den Truthahn und den Pfau, den der Bierwirt an der Ecke sich hielt. Die gröberen Mädchen wünschten von dem Kinde solche Figuren und sie gab sie ihnen. Als ein Schulmädel für sich den Dr. Eisenbarth erworben hatte, stellt« sie ihre lächelnde rosarot gekleidete Schlafpuppe einsam in eine Ecke und sagte: „Deh, du bist fad." Dann wandte sich sich wieder den lustigen Puppen und dem selbstgcschaffencn Spiel der Kinder zu. Skizzenvlätter aus meiner Kraukeußauszeii. Von I u l i u s Z e r f a ß. I. Gespräch über bas Sterben. Das Leid ist ein Läutcrnngsverfahrcn Gottes, sage» bie Christen. Eine Ermahnung an bie Schwächlichkeit des Menschen, ein Erinnern an die Sündenhaftigkeit und Unvollkommenheit unseres Wandels, ei» Wink znm Denken an das, was hinter Leid und Krankheit steht: Gott und der Tod. Die Chirurgen »nd Mediziner sind nur Handlanger Gottes, ihre Macht ist Gottes Macht, ihr Versehen ist Gottes Wille. Tenn also sieht geschrieben: Der du die Menschen lassest sterben. . . Mein Opcraiionsarzt war ein gottloser Mensch. Manche starben ihm, aber viele verdanken ihm auch Leben und Gesundheit. Er schnitt gern, aber er schnitt gut. Die meisten Operationen gelangen ihm. Aber er glaubte nicht an einen Gott. Da denke man. . . Nun man denkt an so mancherlei !m Läuterungsbette des Leids-, umgeben von nichts als Leid, gefesselt wie «in Tantalus, dc„ Qualen preisgegebcn und nur von der Weisheit, den, Geschick der Wissenschaft und seiner kämpsenden Kraft zu erlösen. Man denkt viel. Man ist ja jung. Es ist Sommer. Draußen busten die Wiesen in, ersten Schnitt, die Rosen blühen. Tic Tage leuchten hell herein vom prunkenden schweren Grün gedämpft, aber sie verlieren ihren Glanz, sobald sie in den langen Icidweißcn Saal schweben über &c» weihen Linnen und die weihen Gesichter und Hände. Und bie Nächte recken ihre tranmblaiien Augen herein, diese Juninächte mit ihrer hellen Sehnsucht. Man denkt. O man möchte diesen Herrscher Gedanken abschütteln, man möchte das rastlose Gehirn zum Raste» zwingen. Darum greift man zu den Karten, zuni Dambrett, greist zum Buch, »nd die Folge? Das Gehirn arbeitet imnicr nur enisigcr. Es ist nicht zur Ruhe zu bringen. So ist jeder Tag. und für jede Ablenkung ist man dankbar. Sogar wenn sic vom Pfarrer kommt. Und der versäumt die Gelegenheit nicht, die günstig ist. Tenn im Leid werde» die härtesten Herzen zart. Alle Sinne sind «mpfänglich, das Gemüt ist elegisch-friedlich gestimmt, weich ivie Wachs ist die Seele und laßt sich formen. Der Tod kommt und geht täglich. Die Sinne empfangen säst nichts als Traurigkeit, und dieses sind die Stunden, scheinbar so eingelegt für di« Boten des Himmcls. Eines Tages kam auch der Geistliche zu mir. Ich hatte nach der Operation eine vicrivöchige Kleberzeit hinter mir und war »ach den Aeuherungcn der Pflegerin nur soeben aus Versehen den, Sensenmann entgangen. Der Pfarrer begann nach der bewährten Methode. Aber er sah bald, daß er wirksamere Mächte bewegen müsse. Also sprach «r mit großer Eindringlichkeit: „Besinnen Sic sich vor Ihrer Todesstunde und bedenken Sic, dah dieser schweren Stunde keiner entgeht, ohne nach seinem Gott, wie nach einem rettenden Anker zu rufen." Ich reckte mich ein ivenig, sah ihm in die Augen und sagte säst ebenso fest: „Gestatten Sic mir eilte Frage, Herr Pfarrer, oder vielmehr eine Frage mit gleichzeitiger Antwort: Warum sind die Toten säst alle so häßlich?^ „Diese Frage und Ihre Antwort wird aber doch nur von bedingter Bedeutung sein, fiir die Frage, die ich angeschnitten habe," entgegnet« der Pfarrer. „Scheinbar," erwiderte ich. „Nur scheinbar. Für mich ist sic viel inehr als Symbol. Während für mich bas Sterben «in natürlicher Abschluß ist. bedeutet der Vorgang für Sie «ine» Ucbergang, bei dem Sie sogar noch dem Nngläubigsten »nd dem Verderbtesten durch einen Signalschrei ln die Ohren deli Anschluß an die Seligkeit dadurch verschaffen zu können glaube», daß Sic und er glauben: er glaubt. Deshalb schrecken Sic in der Todesstunde eines Menschcll nicht davor zurück, einnlal ihn, z» sagen, ivas er in dcll niciste» Fälle:: nicht weiß, daß er sterbe» muß, und daß er »>it der rein platonischen Genliitshandlung „Ich glaube und bereue" eine Anweisung auf die Seligkeit mitnähme. Mit de» andern Gläubige» machen Sie es ähnlich. Dadurch haben Sie erreicht, daß in der Tat bie ineistcn Gläubigen nieder den Tod hcrbeisehne» noch in Frieden und Freude mit ihrem Lebe:, abschließe» können. Man hetzt sie l» Angst bis zur Verzweiflung, und ihre Züge verzerren sich im Sterben, als stünden sie init ein«» Fuß in der Hölle und mit dem andern im Himmel. Haben Eie noch nie gesehen, wie solche Sterbende sich aufbäumen, wie bie Augen, die tonlos zuckenden Lippen, di« krallenden Hände, ja wie der ganze Körper nach Befreiung ^o» körperlicher und seelischer Qual und Beklemniuna schreit? Und dann stehe» Sie dabei, pferchen Körper und See!« in bie Hlllle der Gottesfurcht, bie Furcht vor Gott, ihrem einzigen Retter, ein. Endlich, wenn Sie der beglückende Tod erlöst hat, liegen sie da, verzerrt und häßlich, baß sich die Lebenden, die vielleicht erst Tage ober Wochen vorher mit ihnen gelacht und geplaudert haben, vor ihnen fürchten." „Aber," sagte der Pfarrer, „ans das, was Sie hier sagen, kommt es doch eigentlich beim Sterben garnicht an. Vielmehr ist doch das Enischeidende: Glauben Sie an ein Fortlcben nach dem Tod« oder sind Sic der Ansicht, basi alles menschliche Leben mit dem Tode ab- gcschioffcn sei und >:ur den Zweck habe, der menschlichen Gesellschaft angehört zu haben?" Ich erhob mich wieder ein wenig »nd antwortete: „Wenn ich Ihnen nun die gleiche Frage umgekehrt so stellen wurde: Glauben Sic, baß die Menschen nur zu dem Zwecke da sind, baß es Tod. Himmel und Hölle gibt? Darüber wollten wir ja auch nicht streiten, denn über diese und andere Fragen trennt »ns ein« ganze Welt mit tausend Fragen. Was ich wollte, war nur dies: Waruni macht man das Leben zu einer so nutzlosen Sach« und das Sterben zu einer so furchtbaren und häßlichen Abgangsszene? Waruni guält man die Menschen in einer Stunde, da sie der Ruhe und des Friedens bedürfen? Warum foltert man sie fast ihr ganzes Leben lang mit dieser einen Stunde, als gäbe es sonst nichts zu tun, als dieser einen Stunde zu leben." „Das kommt daher, weil Sie Leben und Tod mißverstehen." „Nicht im geringsten. Herr Pfarrer. Ich begreife woh!, daß man sich mit solchen Dinacn beschäftigt, aber nicht, baß man sich und die Menschheit ausschließlich damit beschäftigt. Und was ich weiter nicht billige, ist, wie gesagt, daß man diesen kurzen Augenblick z» einer theatralisch-häßlichen Szene herabgewürdigt hat. Nun sagen Sie allerdings, daß erst die Todesstunde allgemein, und stir viele der letzte Appell an ihr Scclcnhcit wäre und daß ich, ebenso wie die »leisten andern, womöglich erst in dieser Stunde nach dem letzten rettenden Anker Gottes tasten würbe. Was in dieser Stunde ist und sein wirb, kann ich nattirüch heute nicht im voran? sage», Liber ich kann doch schließlich ans der Erfahrung urteilen. Sehen Sie, man sagt mir erst jetzt, daß ich cigeittlich nur ans Berschen dem Tode entgangen sei. Ich weiß allerdings von dieser ge- sährlichcn Lage nichls und bin auch nicht von einer einzigen seelischen Empfindung daraus aufmerksam geworden. Einfach wohl deshalb, weil der physische sowie der psnchiiche Mensch In diesen, Stadium allmählicher Auflösung weder phnsisch »och psychisch Uber sich im klaren ist. Deshalb bin ich der Ansicht, daß die große Mehrzahl der Menschen durch die Pforte des Nichts ginge ohne es zu wißen, wenn cs ihnen nicht noch laut in bie Ohren gcschrien würde, b!oß nm einer kirchlichen Form zn genügen. Das ist sa gerade bas Schöne des Todes, daß er anslöscht »nd allen Zusammenhang mit der materiellen Welt verwischt. Deshalb, ließe man den Menschen so sterbe», er ginge hin wie eine Blume und sein Leben löste sich auf wie der Strom ins Meer. Aber die Menschen sind ja grausamer als die Natur, trotz ihrer vermeintliche» Religion, und die Schöpfung ist nicht so widersinnig wie ihre denkenden Geschöpfe. Das Sterben ist der einzige Moment des Lebens, ivo sich der Mensch wieder mit den. All versöhnt. Darum, iveil dieser Augenblick schön sein sollte, gssicklich und friedlich, scheuche man die Natur nicht aus ihrer Andacht, sondern lasse sic groß und schön vollenden, was sic schuf. So sollte man lebe» und sterben." „Sic sind ein Atheist," erwiderte der Geistliche hieraus. „Nennen Tie es, wie Sie wollen," sagte ich zum Schlusi. „Und ich wollte ja eigentlich nicht mit Ihnen über Gott und Gottesbegriffe streiten, sondern nur für die vielen Sterbenden, besonders in den Spitälern, wo inan trotz Medizin »nd Wissenschaft am ärgsten sündigt, um eine» ruhige» Abschied plädieren. Denn ich habe viel und Furchtbares gesehen, als sch Menschen »in mich sterben sah." Der Geistliche warf noch einen Blick nach meinen Büchern auf dem Nachttisch, deren drei oberste mit den Namen Goethe, Carncr! und Ibsen ihn scheinbar »och zu einer Frage reizten. Er ging aber mit freundlichem Gruß daran vorbei, sagte Lebewohl »nd trat zum nächsten Patienten. Ich legte mich erniüdet in die Kissen zurück. fForisetziing folgt.) Aus Wett und Leben. Verbrannte Kinder. Eine erstaunliche Statistik Hai Dr. Brenü Im Londoner Lancct über die Sterblichkeit von Kindern durch Verbrennung veröffentlichi. Wir erfahren daraus, baß in den sechs Jahren von 1906 bis 1911 allein in England »nd Wales rund 7800 Kinder durch Verbrennung ums Leien gekommen waren, weiians bi« meisten wahrscheinlich durch Eittziiiibung der Kleiber. Die Untersuchung unterscheidet eine Reihe von Altersstufen bis znm LU. Jahr »nd zwischen Knaben und Mädchen. Was zunächst das Geschlecht betrifft, so sind die Nnglücks- fälle bei Mädchen bebeulend häufiger als bei Knaben. Stuf jene entfielen rund 4900 auf dies« 2900. Man geht keinesfalls fehl In der Annahme, daß dieser Unterschied zn ungunsten der Mädchen hauptsächlich durch bie Kleidung bedingt wird. Diese Vermutung wird noch mehr verstärkt durch den Umstand, dah vom vierten Lebensjahr an das Mißverhältnis zum Nachteil dc§ weiblichen Geschlechts immer in ehr ivächsk. Bis zur Bullendung des dritten Jahres sind Knaben" und Mädchen gewöhnlich gleich gekleidet, und während dieser Zeit stellt sich die Statistik der Verbrennungen folgendermaßen: im ersten Lebensjahre 214 Knaben, 234 Mädchen: >m zweiten 443 Knaben, 466 Mädchen; im dritten 840 Knaben, 623 Mädchen. Die Summe der drei ersten Lebensjahre ergibt also ein Mehr für die Knaben, das vielleicht durch deren größere Lebhaftigkeit zu erklären wäre. Im vierten Lebensjahr kommen nur noch 580 Knaben im Gegensatz zu 720 Mädchen durch Verbrennung ums Leben. Im fünften sogar nur 368 Knaben gegen 775 Mädchen. Für das spätere Alter werden nur noch Gruppen von je siins Jahre» aufgestellt, und die größere Gefahr des weiblichen Geschlechts tritt immer mehr hervor. Im Alter zwischen siins und zehn Jahren verbrannten 1427 Mädchen und nur 380 Knaben. In den beiden nächsten Stufen bis zum 15. »nd weiter bis zum 20. Lebensjahr, bleibt di« Zisser für die Mädchen mit 369 bezw. 261 immer noch erschreckend hoch, während sie für die Knaben und Jünglinge aus 47 bezw. 33 sinkt. Eine Engländerin Miß Synge hat erst vor kurzem ein größeres Werk über Kinder- kleidnng herausgegebcn und darin den ärmeren Kreisen nach der Beobachtung in den Schulen ein« besonder: Aufmerksamkeit gewidmet. Daraus geht hervor, daß die Kleidung der armen Kinder meist nicht nur dürftig ist, sondern aus höchst entzündlichen Stoffen bestehr, sodaß unter Umstände» «in Funke genügt, um die Kleider blitzschnell in Flamtncn zu setzen. Stuf die Gefahr der neuerdings aus den Markt gebrachten Flanellettc ist schon ost besonders hingewiesen worden. In jeder Hinsicht sind die Mädchen dabei benachteiligt, weil einmal ihre Röcke viel umsangreicher und ausgedehnter und daher deni Feuersangen mehr anSgejctzt sind, sodann aber die Trägerinnen auch mehr an der B.wcgung hindern. Für die armen Klaffen kommt außerdem in Betracht, daß ein Schutz gegen die Kälte gewöhnlich nur darin gesucht wird, daß ein Mädchen mehrere Unter- röckic erhält, da es zu einem Manie! nicht reicht, und dadurch wird di« Oiesahr selbstverständlich in jeder Richtung vermehrt. Ein Punkt ist freilich zu berücksichtigen, daß die Mädchen später mehr zu Hans gehalten und auch mehr mit Aufgaben beschäftigt werden, die sie mit dem Feuer, namentlich in der Küche, in Berührung bringt. Anderseits haben die Knaben crsahrnngsgemüß — trotz Paulinchen im „Struwwelpeter" — mehr Neigung dazu, mit Streichhölzern oder Feuer zn spielen. Leider werden keine Zahlen sür die einzelnen Jahre niitgeieilt, denn man sollt« meine», daß durch das allmähliche Verschwiitüen der Petroleumlampe die Zahl solcher ilngiückssälle abnehme» miiß. Die sicherste Art brr Beleuchtung durch Elektrizität, die auch den Gebrauch des Feuerzeugs immer mehr ausschließt, wird' allerdings wohl nach lange nicht bis i» die ärmeren Volksschichten «indringen. Die Mode des freien Halses. Das schlechte Wetter, das mit Regen und Nebel in diesen Tag«» einsetzie, bringt gewöhnlich den niedrigen offenen Kragen aus der Toiletie, weil man sich nicht gern mit freiem Hals einer Erkäliung auösetzt. Aber die Straßentoiletten behiclien die niedrigen Kragen und den kleinen Halsausschtiiit. Der neue Stil der Halsirachl triumphierte über die äußer» Hindcrnisie. Es ist eine schöne Mode, und niemand wird vom ästhetischen Standpunkt aus diesen steifen hohen Krage» mit de» häßlichen Stäben, die an der Haut rote Flecke zurückließen, eine Träne nachwcincn. Dieser enge, den Hals fest umpreffcnde Abschluß der Bluse und des Kleides war eine jener fragwürdige» modernen Ersinbungen, die die Geschichte der Moden früher nicht kannte, denn selbst bei de» höchsten und breiteste» Kragen, bei den „Mühlsteinen" und „Kranscn- rädcrn", sorgte man dasllr, daß sie vom Halse gehörig abstande». Tie Anmut des JrauenhalscS wird sich »»»mehr wieder in voller Schönheit osscnbaren; freilich ist die Sprache des Halses ebenso beredt wie verräterisch. Ein Sprichwort sagt, daß, wenn >»a» baS Alter einer Frau aus ihrem Gesicht erräi, man «s an ihrem Halse bestätigt finden kan». Frauen, deren Schönhcitslinien also bc- reils gelitten haben, werden sich zu dieser indiskreten Mode nur ungern cnischließcn, und so ist sie denn hauptsächlich den jungen Frauen Vorbehalten. Für ei» schönes und Irisches Gesicht aber ist der niedrige Kragen eine so entzückende Folie, daß das schöne Geschlecht so bald nicht zu dem hohen engen Kragen von ehemals zurückkchre» dürste. Tie neuen Kragen bestehe» aus Spitze, Stickereien, Pelzen »nd Feder», schmiege» sich weich »nd unanssüllig so »m de» Hals, daß sie den vorderen Hais ganz frei lasten. Als Halsschmuck werden mit Vorliebe bunte Phantasicketten getragen ans große» Bernstein- perlen oder Koralle», Jeit, Lapislazuli u. a. Sie bringen eine lustige »nd farbige Note in die Mode des freien Halses. Weiblich« Rechtsanwälte. J»S Susfrägii (StimttireW, kJ Lrgan des Weltbundes siir Frauenstimmrecht, hat an die Landes- organisationen eine Reihe von Fragen gerichtet, di« daö Rcchts- studiuin der Frauen betreffen. I» welchen Ländern werden Frauen zur Rechtsanwaltschaft zngelaffe»; in ivelchen Ländern können sie Rcchtswisseiischast studieren. In Frankreich. Holland, Schiveden, Norwegen, Dänemark, einige» Kantonen der Schweiz, Kanada, Australien, Ncu-Seeland, den Vereinigten Staaten, Finnland und teilweise i» Indien, Aegypten und Rußland köiineu Krauen Rechtsanwälte ivcrdcn. In einigen anderen Staaten dürfen sie zwar Jura studieren, aber der Berus des Rechtsanwalts bleibt ihnen vcr- schloffcn. Zu diesen Ländern gehören: Tentschland, Großbritannien, Belgien, Rumänien, Italien, Südafrika. Aber es gibt auch noch Läiidcr, in denen die Kraue» nicht einmal zu», Rcchtsstndium zu- gclaffe» werden, so z. B. in Oesterreich. Wie die Bedingungen in Serbien, Bulgarien, Portng.il und Island sind, konnte nicht fest- gestellt werden. Die Kraucnstiinmrcchtsorganisationen dieser Länder haben nicht geantwortet, doch darf wohl angenommen werben, daß Island, das den Frauen das politische Wahlrecht gab, ihnen das Rcchtsftudilii» n»d den RechiSanwaitsberuf nicht verschließt. In Italien, Großbritannien und Rumänien ist bereits mehrfach versucht worden, die Gleichbercchligung der Frauen ans diesem Gebiete durch- zusetzcn. Die Genossin Tr. Thercja Labriola hatte sogar bereits in einige» Prozessen als Verteidigerin fungiert, trotzdem erklärte der oberste Gerichtshof, daß Frauen nicht zur Rechtsanivaltschaft zngc- lasse» ivcrde» könnte». Po» dem rumänischen KaffativnShof ist in der nächsten Zeit eine Enijcheidung in der Frage zu erwarten. Frau Ella Regrutzi hat aus ihre» Antrag Ausnahme i» die Rechtsanwaltschaft von Jaffy gefunden, aber die höhere Instanz machte den Beschluß rückgängig. Sic wandte sich darauf an den KassationS- gerichtshos, der als letzt« Instanz zu entscheiden hat. chesmrdtieitspüecie. Die Erhaltung der Kinderzähne. (Sin höchst wichtiger Faktor zur Erhaltungcher Kindcrzähne ist daS richtige Kauen. Nach Tr. John- ston ist da? Erhalten der normalen Funktion im Mund« von größerem Wert für di« andancrnde Gesundheit der Gewebe als der stete Gebrauch von Mundwässern und anderen künstliche» Mitteln, nicht nur in der Jugend, sondern auch int höhere» Alter. Wenn die Gewebe erkrankt sind, so ist der Gebrauch von antiseptischr» AnSspü!»»- gc» a», Platze, aber, wenn Personen, die cS gar nicht brauchen, beständig gurgeln und spüle», bewirken sic ost mehr Schaden, als Nutzen. Besonders könne» Kinder durch de» beständigen Gebrauch von Zahnmittel» mehr gcschädigl als in ihrer Gesundheit gefordert werden. DaS Problem der Erhaltung der Zähne ist mehr als halb gelöst, wenn das Kind dazu angehaltcn wird, auf beiden Seiten des Mundes z» kauen, damit das Email poliert »nd das Zahnfleisch hart und widcrstanbssähig bleibt. Natürlich ist dies bei der Nahrung unserer heutigen Zivilisation schwierig, da die Speise so zubercitet wird, daß gar nicht gründlich gekaut zu werde» braucht, darum werden wir zur Benutzung der Zahnbürste gezwungen. Nun ist es aber äußerst wichtig, in der Jugend schon die Zahnbürste richtig zu ge» brauchen, damit Zähne »nd Zahnslelsch gesund bleiben. Ein Kind muß zum richtigen Gebrauch der Zahnbürste so gründlich erzogen werden, daß cs für immer an Reinlichkeit gewöhnt ist. dann wird cs auch im späteren Lek>e» niemals vernachlässigen, feinen Mund zn reinigen. Wenn ei» Mensch stets daran gewöhnt ist, die Zähne 51 t bürsten, bevor er sich abends nicderlegi, wird er niemals sein Bett mit Behagen auisuchen, wenn sein« Zähne nicht rci» sind. Bei der Pilegc der Kinderzähne handelt cS sich sowohl um die Pslegc der Milchzähne, so lange sie bleibe», wie um die Pslegc der bleibenden Zähne, sobald sic hcrvorkvmmen. Am Laus und Kof. Pjrjscr aus Brenneffil». Ein Psesscrcrsatz, der dem Nalur- pscsser gleicht, billiger und siir Krank« sogar zuträglicher ist, kann aus der Brenneffel gewonnen iverde». Ma» erntet die Brciiiieffcln zu diesem Zweck kurz vor der Blüte, trocknet »nd zerkleinert sic. Daraus werden sie mit Wasicr, Essig, Salz, Oel und Alkohol etwa 2 Stunden lang gekocht, bis bi- Brenneffel» eine wrißgraue Farbe augcnommcn haben und der größte Teil der Flüssigkeit verdinistet ist. Aus 60 Teile Breniieffeln komme» 10 Teile Wasicr, 20 Teile Alkohol. 5 Telle Del. 3 Teile Eisig und 2 Teile Salz. Di« Masse wird sodann getrocknet, z» Pulver zerstoße» »>id kan» daraus wie der Natiirpscsser z»m Würzen jeder Speise benutzt werden. ,>!>> die Krankenkost bietet er sogar gejuiidheitlichc Vorteile vor dem Nalurpfesfer.