berhessische Bslkszeitiin«
der Provinz O
berhesien und der Nachbargebiete.
Dt. Vderd-Mi», Volks«.teun, erschein, I.d«, L^rria, «bmd tn «ieftc^ Sa LdonncmrnUpm» bKrägt wöchrnUich Id monail^, « V,L etnlchl.vriugerlodn. Durch d,e «°!t d.««p.n wmeljädrl ILVMt
M.dakiio» „»
» abend«7X>, lüe b>. folgend» Rümmer in der Eirrdwon autg.de»
299 Gießen, DonncrStlsg, Den 24. Tczcinlicr 1
914 9. Jahrgang
vom Meltbrieg.
Weltkriegs Weihnachten.
Gedaulr« flicnru l>ti Nacht übtr i'nub. Ans ctäbicu ud Dörfern ziehen sic frnncnb >» ungewisse Fernen, sch» ichtig schweife» sic von drnuften zurück. Pan jcdcm HauS »innen sic ihre Gräben durch cudlosc Tunkelhriten: aus
dem Schützengraben huschen sie mit Geistesschnelle heim »rchs Helle Fenster, in die warme Stube zu Weib »ud Miitb. I och auch banne klagende Rufe Hallen durch die heilige Nacht, I uze ins Leere, ins kalte ewige Schweigen. Stuben gitzts I«, in deuen kein Licht brennt, keine Hoffnung wacht. Durch I c ganze Weit geht ein stilles Weinen.
Tae ist Weihnachten 1914, uiib aus fltbnt ist Krieg!
tfiinf Monate sind vergangen, wir aber stehen »och Inner stammelnd vor dcm Ungeheuren und sragen: Wie
I ar es möglich!? Ist dies alles nicht nur ein entsetzlicher I raum, aus dem wir eines Morgens ausatmend erwachen I erde»? — Verbrannte in Trümmer geschossene Städte, i irheude Frauen und Kinder, hungernd, obdachlos in Winter ! ltc, vo» Schrclten zu Schrecken gejagt, Millioiienheere in i ft »ud West in zäh methodischen Schlachten ununterbrochen luindcr hinwürgend, Flieger in der Lust, die Tod streuen, auchcr tiej im Meer, die Schisse mit Tausende» vou Meu >>«» 'n de» ('srund zielten — Wrack und Trümmer, Schutt ud fische und stinkende Verwesung, Tier- und Menscheu- ichen chaotisch libcrcinaudrrgehäust: eine Lrgie von
chmnb nnd Blut! Ater dies alles ist nicht Traum und havmsic der Holle. Das in das wirkliche Bild der Welt, iscrer Welt seit fünf Monaten nnd selbst jetzt noch, da der llcndc Hohn der Glocken uus den Frieden ans Erden kündet!
- Hatte die Menschheit die Höhe ihrer Kultur zu Anfang i zwanzigsten Jahrhunderts nur erklommen, um sich umso :scr von ihr herabzustürzen und in der Bestialität seinen eligrschichtliche» Rekord auszustellen? All das, was wir jahrzehntelanger Arbeit geleistet, um der Menschlichkeit >d dcm Frieden i» nuferem Weltteil eine sichere Heimstätte schassen, soll für nichts gewesen sein? Alles, alles zu «mengebrochrn in einem Wirbel des Vernichtungswahns?
Das Schicksal hat uns tief in den Staub getreten, den ch beuge» wir unS nicht vor ihm. Wir müssen cs tragen, er wir dürsen es liajse». Nicht dieses oder jene» Volk — e Krieg selbst ist unser schlimmster Feind! Erst durch n Sieg über uns gewann er die Herrschast. Erst als die rannst des intcrilntionalen Sozialismus überschrien ivard I a Tausenden der cntsesscltcn Instinkte, erst als Jean laue, o siel, siel mit ihm die Fahne der Menschheit. I in Schicksal was Symbol. Dieses Haupt muhte mit allem, » es barg, zerschmettert werden, dann loar die Bahn frei ° alle wilde» Geister der Unzeit, die jetzt mit geschwungener iftrl die Welt regieren. Wir aber müssen warten, bis Irre Stunde schlägt.
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Das Vaterland i» Gefahr? Keiner, der da nicht seine licht tut. Doch schlägt nicht nur unter seldgrauen Röcken Herz für Volk »nd Land, unter Pickelhauben und Land rmmübcn denken auch Gehirne. Diese Männer tun ihre licht nicht nur heute und morgen, nicht nur solange der '-eg dauert, sondern nachher erst recht. Jetzt siche» ste als ndatcu mit Leib und Leben dafür ein, daki der Krieg nicht unser Laud kommt. Später, wenn wieder Frieden ist, rdrn sic als Bürger geistige Wehrpflicht üben wid.r iegsgeschrei und Kricasgelnste, auf das: das Unheil » i e ederkchre! Friede» ans Erden nnd Krieg dev' lege!
Wrihnachleu im Krieg ist freilich, seit e» eia
ristentum gibt und solange Wcihnae-ilen gefeiert wird, hls Ungewöhnliches. Seit Iahrtapseadcn kämpfen i« '» Kriegen Ebristcn und E -istcn gegcucinandrr. Ader n ersteum»« in der Weltgcjchicki-- ward es erlebt, da>: 1 J««l i ft f n z „ Hnnderttuuj enden gegen- «ander ins Feld rückten. Taft sie es taten, psandeu sic als ihre Pflicht, aber daft eS jo w e i: in , daft sie eS tun m u ft t e u , das erfüllt sic mit bren idem Schmerz. Häilc damit die Weltgeschichte auch über c Bestrebungen das Urteil gesprochen, und sollte der So lismus ebenso wie das Christentum, da cs Staatsreligion kd, seinen Frieden mit dcm Aestcheaden machen müsse»? . In dieser Zeit, die zu Einkehr und Besinnung mahnt, mgt sich uus der ganze furchtbare Ernst dieser Frage ins wufttjein. Wir fühlen, daft auch unsere Gedanken und lere Bestrebungen an einer Weltwcndc angclangt sind * Gissen, d«ft wir die Träger hoher geistiger nnd sittlicher
Werte sind, die der Zukunft gehören, und dan luir uns im Taumel dieser wilden Zeit nicht selbst verlieren dürsen, wen» nicht zugleich Unersetzliches zugrunde gehen soll. Der Sozialismus darf nicht zerbrochen und brschinnvi aus dcm Weltkrieg Heimkehr»«.
Die Sozialisten aller Länder habe» gehandelt, wie es die Umstände geboten. Sie werden, wenn das Morde» vor bei ist, einander offen ins Auge sehen und die Vrrantwor in,ig vor einander trage» können. Das Sckücksal hat sie ge- zwange», und sie sind alle diesmal die Besiegten. Ader aus dieser gemeinsamen Niederlage sollen sic die gemein same Krast schöpsc», später das Schicksal zu zwingen und Ticgcr zu sei». Die Hossnnng aus diesen Sieg über den Krieg, auf ein groftes Weihnachten des Erlösers Sozialis »ins, der den Friede» ans die Erde bringt, sic allein gibt uns Krast, das grauenvoll Schwere dieser Zeit zu tragen. Er löschte auch dieses- Licht, so wäre es Nacht für immer!
Zum Fall Weilt.
Vom Parieivo,staub wie vom V«.stand der iozialdciiwtraulchcn Neichstagsfraktio» erhallen wir zur Verössentlichniig folgende
Oiftcmiiitf.
Vou dem Abgeordnete» uusrrer Partei Tr. Georg Weist, habe» w,r seit Schluft der letzten Reichstagssesston keine Nachricht rrhaltrn. Auch unsere Nachforschungen blirtze» ohne jedc»Erst>lg. Bcstätigrn fick, die durch dir Presse gebrachten Mitteilungen, daft er in die französische Armee eiiigetrcteu ist, so hat er sich durch diese aus das schärsste zu vcrurtcilcndc Handlung selbstverständlich anfterhalb der sozialdemokratischen Partei Trutschlnnds »nd der Reichs- lagssraktiou gestellt.
Weitere Schritte werde» der Partei Vorbehalte».
Berlin, de» 22. Dezember 1911.
Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.
Der Vorstand der Sozialdemokratische» Reichstagssrakiion.
» . *
Fm Pariser Fiearo bat Xr. Weill eine „Erklärung" seiner öaiidlmigsiocisc veröffentlicht, die in dcutschrr tlebcrscvung folge»- dermaften lautet,
„An meine Freunde in Elsab-Lüthrinncn! Leit Kriegsauc bruch lieft ich. ohne zu protestieren u»d ohne zu dementiere», in der dculschc» Presse die vkrschirdcnstcu Nachrichten über mich verbreiten. Fch schulde meinen i» Ltroftburg geblicbcncn allen Eltern dieses völlige Lchweigen und zog vor. sie selbst in Unkenntnis zu lalle», als ne dcm Groll derer anSzusetzen, welche dort »ach die Herren sind. Feh«, wo meine Elter» in Lichcrbei« sind, habe ich die Freiheit, zu sprechen, wicdcrgcwonncn. sich trat an, 5 August in die französische Armee ein. Wir Elsas,- Lothringer versuchten während der harten Periode der Fremdherrschaft iinser Neckt und itiisere Hosfnung der höchsten Sorge um den Frieden „»tcrzuordue» »nd kämpsie» nur, nm im Friede» ein Regime zu erlange», welches mir erlaubt hätte, »nscrm Land seine Pcriönlichkeit und seine» Natwnalcharaktcr zu bc wahren. Dic,'c gewollte und überlegte Resia»alion bedauern wir nicht. Tank ihrer lönnen wir ebenso wie aüc andere» Franzosen überzeugt sei», nichts vernachlässigt zu haben, damit der Krieg vermieden werde. Unsere moralische «ras« in der augenblick- l,che» Krisis ist darum nur gröber, aber der Feind hat und die Sorge um den Friede,, vorgeschrieben. Gestern, noch während wir seine ganze Mach, sübltcn. hat er sich geweigert, die de- schridensten Forderungen anzucrkenne». I» seinem stolzen blin- den Wahn aing er so weit, das Bestehen einer eljaft-lohrinaische» Frage zu bestreiten. Fest hat er sie in ihrer ganzen Größe ge stellt. Durch de» Krieg, welchen er wollte und den er Eurova aufgczwtingcn bat. aab er u»s gleichzeitig unsere ganze Gedanken- srclbeit und die Handlunassreihei» wieder. Es gibt keine Ei»- schränkunge» für unsere Dossnunge» und für unseren patrioti. scheu Willen mehr. Wir werden in den Rahme» der französischen Nation zurUcklclircn. welcher wir durch unsere Geschichte und Traditionen angeboren Tas Völkerrecht, welches vor ZZ Fahren verletzt wurde, wirb völlig wieder hergcitcllt werde». Fndem ich i» die Armee der Republik eintra! »nd dadurch de» Kampf gegen das militarisierte. verpreuftte Deutschland, de» Unterdrücker der Freiheit aller Völker, wciierslihrie, bin ick überzeugt, nielnc Pslicht als sozialistischer Abgeordneter wohl erfüllt zu habe».
Georges Weil!, ehemaliger ReichStagSabgcordneter von Rcy." Tiefe mit phraienhasten Floskeln verbrämte „Erklärung" wird de» deutschen Genossen kaum verständlich sei». Und am wenigsten wird verstanden werden, wie man seine Pflicht «IS sozialistischer Abgeordneter ersüllt, indem man im Bunde mit dem schmachvollen blntbedecklen rusfischen Zarismus den „Samos gegen das militarificrie. verpreuftte Deutschland, den Unterdrücker der Freiheit aller Völker" führt, zu dessen Vertreter man erwählt war.
Aus Berlin wird uns zum „Fall Weill" geschrieben:
Am 5. August, am selben Tag, vielleicht zur selben Stunde, da Ludwig Frank als Freiwilliger in die dculschc Armee cin- trat, hat sich, wie wir jetzt erfahren, Georges Weill zum Dienst im
s r a » z ö s i sch e n Heer gemeldet! Die Tragik de» Bruderkrieges kommt uv» erschiiitcrnd zum Bewuftllei» i» diese», zähen A»S- ciiiandergehcn zweier Freunde »nd Kampsgenosse» Fn »»serer Eiinnerupg taucht eine Nische in der graften Wandelhalle de» Reichstage» aus, an deren runde», lisch an stillt» Sitziingstage» Frank säst täglich z„ finde» war. neben ihm last Immer Weill. umher ein Kranz von Parlamentär,er», de»,scheu »nd sranzüstschen Foiirnaliste». Da» Thema, bas a» diesem Tisch last auolchlieftiich besprochen wurde, oder auf das man nach allerlei Umwegen doch immer wieder zurückkam. war die Verständigung zwischen Dcutsch- innd »nd Frankreich
Eine» Tage» erschien an diesem Tisch der sozialdemokratische Saiuiucrdcvuliene Genoss« Albert Thomas, jetzt Geucralinlprktol der srauzSstschen Mililärwerkstälten. ein enthusiastischer Freund der Vrrsländigiinooidre F„ einem langen Gespräch zwischen ,I»n, Frank und einem deutsche» sozialdemvlratischen Fournaliste» tanchic damals zu« rrstcnnial das Projekt der parlamentarische» Annäherung aus. das später i» den bekannte» Berner Konferenzen seine Verwirklich,,,,g fand. Einer der ersten, die mit i» den Bannkreis diese,. Gedenkens gezogen wurden, mar Georges Weill, »nd »jemand wird ihm das Zeugnis versagen könne», daft er damals mit ehrlichem Feucreiler für diese» Gedanke» gearbeitet hat, wie iiberhaupi sür alle«, was in der Richtung z» einer ehrliche» nnd endgültige» Verstand,g»»g lag.
Es ist bekannt, mit welchrr Schnelligkeit der in jener »uler- hailung gelegte Keim zu einen, starken Reis emporwuchs. Hüde,, und drüben wurden auch bürgerliche Abgeordnete zur Teilnahme a» de» parlamentarischen Verslänbiguiigsbestreb,ingen heran- gc.zoge», nnd schon ans der zweite» Konserenz im Mai 1UI4 waren beide Parlamente de» Parteien nach so stark verlrelen, daft man aus eine verftändigungSwiUige Mehrheit im Reichstag wie in der französischen Kammer rechnen konnte. Zahlreiche Persönlichkeiten, die der radikale» Regierung Frankreich» nahcstandeii. waren ans der Konferenz anwesend Und in den letzten Tagen erst ist durch daS Zeugnis des iortichrittliche» Adg. Gothcin bekannt geworden, daft auch die dculschc Regierung bürgerliche Abgeordnete zur Teilnahme an dieser einer sozialdemokratische» Anregung entsprungenen Konscren, ermuntert hatte!
Dann kam der surchlbare Tag. der das alte» in Scherben schlug. Weill war damals auf Urlaub In Pari» und stellte sich beim Aukbruch der Krise der Redaktto» der Humanste zur Ber- fslgung, deren Beeliiicr Korrespondent er seit längerer Zeit gewesen ivar. Bis znn, Tage des KeiegSausbrnche» arbeitete Weill drüben wie wir hier für de» Frieden. Erst die Kriegserklärung bewirkte lene» siirchtboren Umschwung, der sich i» feiner Meldung als französischer Kriegssreiwilligcr kundgab. Frank und Weill nahmen am selbe» Tage die Flinte ans die Schnlicr, um gegeneinander z» käinpsen!
Nicht» gibt Aniasi daran zu zweifeln, daft Weill erst durch die seelische Katastrophe, die ihm der Ausbruch des Weltkrieges verursachte, zu seiner jetzige» für unS so lies bcklagcnS- ivertc» Stcllunanahiuc gelangt Ist. Solange er unter uns wirklr, war er kein Jcinb des deutschen Volker. Sonst hätte er weder in der deutschen sozialdemokratischen Fraktion noch Im Kreise seiner engere» Freunde einen Platz gesunden!
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Der töricfl im Orient.
Ter türkische Tagesbericht.
Konstantinopel, 22 . Dez. INV. ir Nichtamtlich.) Tas Haupiqunrticr teilt mit: An der kaukasischen Front über- raschte» unsere Truppen die Rune» durch einen Nachtangriss in ihren Stellungen bei El Agü» und Arhi, 30 Kilometer östlich vo» Kvpriiöj. Der Frind erlitt schwere Verluste an Tote» und Verwundeten u»d ergriff die Flucht.
Die indischen Besatzungstrnppe» von Aeghpten desertieren masscuweise nnd lanie» mit den Wasse» z» »ns über.
Tcr ^-eldsUfl sfc,ie«t Slegfspten.
Die türkische Arniec zur Befreiung Aegyptens l-ot vor- gestern von Dtiiiioskus unter dem Oberbefehl Tjema! Paschas ihren Vormarsch nach dein Suezkanal begonnen. Teer Bruder des Tckieiks der Senussi, Hehmet Senut'si, der kurze Zeit in Konstantinopel weilte und von hier nach Syrien abreiste, befindet sich im (>)e'olge Tjemal Paschass.
Tic Unsicherlicit ist Slcfiypten
Zürich, 22. Ir„ sEtr. Frkst.) AuL Petersburg wird gemeldet. Ruftboje Tioivo berichtet von einer aligen-.cinen grofte,, Ilusuher- hei« ü, Aeqvpten. Rdvvd. Raub und Pliindcnmg nähmen über- Hand, verschäcdene PoltzistkN seien aus rätselhaste Weite ermordet warten. T>e Engländer tlaztzen über mangelnde Tie- -piin unter den indischen Truppen.
Tie Besetzung von Slserbeidschau.
Petersburg, 22. Dez. (Elr. Frkfi. Wie die Rutzkoj: Slowo ans Teheran berichtet, haben die persischen Kurden mit den türkischen Truppen fast die ganze Provinz Aser- deldschan beseht, Tschulsa sei bedroht.
Tie Beschießung der syrischen Küste.
Konstaiilinopcl, 22. Dez. (Etr. Frkst.) Tie Beschießting ücr Küste nördlich von Alczandrette, die wirkungslos verlies, wurde nach kurzer Zeit eingestellt. Ter Oberkonimaiidterend- Djemal Pascha ließ den englischen Geschwaderchef wissen, daß sür jeden bei dein Bombardement offener Knstenflädte lein
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iseben einbüßcndcn ottomanisckien Untertan Vergeltungs- Maßregeln an den Engländern in den Konzentrationslagern ergriffen würden. Ter hiesige amerikanische Botschafter legte Protest gegen das von Tjemal angcdrohte Vorgehen ein.
Die deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich
Berti», 22. Dez. (W. B. Nichtmnilich.) Tie Norddeutschc eilige meine Zeitung schreit» über die Lag« der deutschen Kriogs- gefemgenc» i» Frankreich: Das International« Koniiiec vom Roten Ären,: in Kens stellt einen von dem französischen Bevollmächtigten für di« Ueberwachung der Kriegsgefangenenlager erstatteten Bericht zur Verfügung, in dem cs heißt: „Ich habe die Gefangenenlager in Biane. Montandan. dllbertville, Rouen, St. Etiemie. Le Pun. Clermont und Aurillac besucht und kann versichern, daß die Behandlung der deutschen KriegSgesangen.cn dort überall korrekt ist. Alle für ihre tlntcrkunft, Kleidung und Verpflegung geirofseinen Einrichtungen müssen als aitsreichcnd bezeichnet werden. Ern Verbot. deutsch zu sprechen, besteht nicht. T«r briefliche Verkehr mit ihren Angehörigen ist den Gefangenen gestattet, indes hat man in «iirzelnen Lagern di« Beschräitkung dahin getroffen, dass pro Woche nur ein Brief von zwei Seiten, stellenweise auch zwei Briefe abzuschicken gestattet ist. Im übrigen gellen für alle Lager die gleicht:: ministeriellen Vorschriften. Die über die Behandlung der deutschen Krtegsgesangencn in Clernront-Ferrand in der deutschen und schweizerischen Presse verbreiteten beunruhigenden Gerüchte sind nicht begründet. Danach sollte es mit den Gesund-heitsverhältnissen :>n dortigen Gefangenenlager schlecht arlSsehen. Ein deutscher Ossizier (Sxrrr Böhmer-Neuscha-tel) sollte misshandelt worden sein. Tie Untersuchung durch einen französischen Arzt hat «rgcbcit, dag di« zusammen mit französischen Soldaten im Lager für einige Zeit internierten, jetzt anderweitig :ml«rg«brachten deutschen Krivgs- gesongenen, korrekt behandelt worden sind, und daß die Behauptung einer Mihhandlmig des. deutschen Offiziers nicht zutreffend ist. Die gisundheiilichcn Verhältmsse des im Gebirge gelegenen Lagers, in dem jetzt noch französisch« Soldaten liegen, sind durchaus nicht ungünstig.
Der Burenausstand.
TU. Aus Johannesburg meldet Reuter: Bei einer Parade erklärte der Justizininistcr, die südafrikanische Regie- rung habe nicht die Absicht, eine allgemeine Amnestie zu erlasse::. 4000 Buren befänden sich in Gefangenschaft, während 1800, die sich ergeben hätten, ans Ehrenwort nach Hause .gehen konnten, lieber die deutschen Kontributionen in Belgien
wird geschrieben:
Tie am kl). Dezember gefaßten Beschlüsse der Landtage der neun belgischen Provinze::, die der Bevölkerung Belgicirs vom Generakgouverneur auferlegl« Jahrcsk-vntritmkion von 48» Mil- lionen Franken durch Ausgabe von Schatzschcinen auszudringen, erledigten eine Rothe wichtiger Fragen. Bisher waren Kan» tribufioucrt einzelnen Städten aufcrlegt. Mehrer« Kontributionen konnten überhaupt nicht oder nur zuu: Teil beigrlrieben imrden. Wo eine Finauzierrrng möglich :var und erfolgt«, war sie sehr ver- schicbenariig: die vielfältigen Kapidalbeschafsungsartc:: ivarcn geeignet, Verwirrung in der: Kapitalmarkt zu bringen. Es erschien ferner nicht gerechtsertigt. daß die Kontributionen nur den Städten auserlegt war«::, während das wohlhabende flache Lai:d davon verschont blieb. Eine Vereinheitlichung der Kontributionen u:K> ihrer Auferlegung auf das ganze Land war daher geboten. Ten Weg einer Staatsanleihe oder der Begebung von Schatzscheinen durch das. Land Belgien wollte die deutsche Verwaltung schon aus völkerrechtlichen Rücksicht«: nicht betreten, danun wurde der Weg gewählt, die Kontribution den neun Provinzen anfzu«rlegcn und sie für die Aufbringung des Betrages solidarisch haftbar zu n:achen. Bei den Vorverhandlungen mit den Vertretern der äeputntivns permanentes zeigten sich deren Bestrebungen zum Entgegenkommen und selbst «ine gewisse Geneigtheit zu sachlicher Mitarbeit. Namentlich fand der Vorschlag der deutschen Verwaltung, di« Kontribution durch Schadschein« auszudringen, die von einem alle größere:: Banken Belgiens umfassenden Kon-sorti-um zu übernehmen und von der neu .zu schaffende:: Notenbank zu begeben sind, Verständnis bei den Provinzialvertreteri:. Sie begrüßen es ossenbar. daß dem Land« eine unmittelbare Belastung gegenwärtig erspart bleibt und di« Deckung der Schatzschcine ans die Fricdeuszeit übertragen wird. Mit diesen Verhandlungen wurde die Regelung der 3icguisition.cn verbunden. Die Requisitionen wurden bisher mit Bons bezahlt.
Afraja.
Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 145
„Und gibt es kein Mittel, um dieser schändlichen Sippschaft zu entgehen?"
„Ein Mittel," antwortete der Lappe, ihn starr ansehend, „ja, ein Mittel gibt es. Dies eine Mittel hilft uns beiden, es gibt kein anderes. Höre zu! Wie viele Kaufleute wohnen in den Sunden und Fjorden? Nicht fünfhundert. — Wer liebt sie? Niemand! — Sind es tapfere, starke Männer, die Wolf und Bär jagen können? Sie sind träge, trinken, zählen Geld, rechnen und sitzen in ihren Häusern am Herde. — Was sind wir dagegen? Ein Volk, das mehr als zehntausend Männer hat, Männer, deren Büchsen niemals fehlen, die nie müde werden, mag die Last groß' sein, und die in Sturm und Nebel niemals verzagen."
„Wie?" rief Johann erstaunt und erschreckt, „willst du Aufruhr anstiftenI Gegen König und Obrigkeit Krieg beginnen?"
„Nicht gegen König und Obrigkeit." sagte Afraja, „aber gegen unsere Feinde, die in deines Königs Namen jede Gewalt verüben."
„Er weiß nichts davon. Wüsste er es, oder wüsste es der Gouverneur von Trondhjem, es würde vieles nicht geschehen. Hoffe, dass Klaus HornemannS Bemühungen bald wirksame Hilfe bringen."
„Weiss er es nicht," sagte Afraja, „um so schlimmer für ihn. Wie kann er auch so viele hundert Meilen von hier König sein wollen? Nein, Herr, ich hoffe nichts, nichts wn: deinem König, nichts von seinen Dienern und nichts von dem alten Priester, der da meint, Christen müssten wir werden, so sei der Himmel für uns offen, in welchen alle, die uns quälen, eingehen wollen. Ich mag nicht da sein, wo sie sind, und wenn dein Gott ein mächtiger wäre, wie könnte er es dulden, solche Kinder zu haben?"
Marstrand hatte Zeit gefunden, sich zu bedenken. „Ick: nehme an, dass deine Erbitterung aus dir spricht," antwortete er, „dass aber deine Klugheit wohl überlegt, was die Folgen fein würden. Die Kaufleute und Ansiedler, die Quäner und Fischer werden sich nicht so leicht überwältigen lassen. Dein Volk lebt zerstreut über den ganzen Norden bis an das Eisineer hin. Du hast keine Gewalt darüber. Selbst die paar hundert Familien an diesen Fjorden sind jede für sich, oft in Feindschaft sogar, und nirgends ist ein Band, das st« bereinigen könnte. Glückte es dir aber auch,
deien Einlösung der Zeit nach Friedensschluss Vorbehalten blieb. Nunmehr sollen di« Requisitionen durch Barzahlung beglichen werde::. Besondere Beachtung erfordern: die Frage der Bezahlung der in Annverpen, Gerri und an anderen Siapelplätzen des Landes vorqefunderrcn Warenvorräte, über die di« Ro-Hstosfabtcilnng des KriegSministeriumS verfügt. Die belgischen Eigentümer werden volle Bezahlung für die Waren erhallen, sobald sie in Deutschland eingetroffen und nach ihrem Werte abgeschätzt sind. Diese Bezahlung soll in einer Weis« erfolgen, daß während des Krieges Geldnbcrtragungen von Deutschland nach Belgien nicht stattzu- finden brauchen.
Das Leben für den Zaren!
Einer Anregung des Ministerpräsidenten Viviani zu- folge richtete,, die sozialistischen Minister S e m h n t und G u c s d c an die Duma Mitglieder der äußersten Linken ein Telegramm, indem sic ihren Kameraden nahclcgen, ihre s ch a rs e Opposition gegen die Regierung aufzu geben und die Haltung der französischen und englischen Arbeiterparteien anzunchmcn.
Ist diese Nachricht wahr, haben Sembat und Guesdc wirklich so gehandelt, haben sie dem Zarismus auch das letzte Opser gebracht — dann muss es in Frankreich sehr schlimm sichen.
Das von den Deutschen befehle Gebiet Frankreichs.
Nach Berichten der statistischen Gesellschaft hat das besetzte französische Gebiet eine Bevölkerungszahl von 8 255 000 Seelen, also 8,20 Prozent der gesamten französischen Bevölkerung. Der Wert der unbebauten besetzten Gebiete beträgt ungefähr vier Milliarden, der Wirtschaftsgebäude 1,1 Milliarden, der Fabriken 1,5 Milliarden, der Geschäftshäuser 1,2 Milliarden, der Wohnhäuser 5,5 Milliarden, des Handels und Jndustriematerials eine Milliarde, der Gesamtwert der besetzten Gebiete ist demnach ungefähr auf 14,5 Milliarden zu veranschlagen. Ter Wert der Hypotheken- schuld der besetzten Gebiete beträgt ungefähr eine Milliarde.
Verarteiluna deutscher Krankenwärter.
Das Kriegsgericht des. 1». französischen Armeekorps in Rennes hat die krtcgsgesangcnen deutschen Krankenpfleger Robert Günther und Wilhelm Tiede zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt. Das Gericht nahm an, daß die Vcnurtetften einen Wands-chraift erbrochen und daraus Wäsche entwendet hättien. Tom Einwand der Krankenträger, daß sic die Wäsche zu Verbandszwccken gebraucht hätten wurde nicht geglaubt.
Englands Kriegsailsgabei».
London, 22. Dez. (W. B. Nichtamlich.) Daily Chro- nicle veröffcnlicht eine Unterredung des französischen Deputierten Louquct mit Lloyd Georges, in der der englische Schatzkanzler sagte, Englands Ausgaben betrügen für Heer und Flotte monatlich 45 Millionen Pfund Sterlin. England habe jetzt über 2 Millionen Soldaten und Seeleute unter den Waffen. Seit Anfang August habe man ohne. Wehrpflicht etwa iy 2 Millionen Soldaten rekrutiert und nian werde vielleicht auf 2i/> Millionen kommen. Vor dein Frühling würde % Million ausgezeichnet ausgebildetcr imd sehr begeisterter Soldaten das Erpeditionskhecr verstärkt haben.
Ein italienischer Dampfer vor Malta beschossen.
Mailand, 22. Dez. (Eir. Frist.) Als der italienische Dampfer „Letundro", der Gesellschaft „Sierlta" gehörig, eine Stmnde ngch dem iiblichen Hafenschbuß in La Valette auf Malta einlaufen wellte und mit der Hasenbehörde durch Signale sprach, wurde er durch einen vom Fort airsgegangenen Schrapnellschub getroffen, der die Schisssivand und den Schornstein durchlöcherte, sowie di« Kommandobrücke beschädigte. Menschen wurden nicht verletzt, doch trat eine große Panik ein. Auf Berlaiegen des italienischen Generalkonsuls schickte der Gouverneur sofort eine UntersuchungSkommissio::
an einigen Orten Häuser zu verbrennen und siegreich zu sein, ja, glückte dir, was nimmer glücken kann, die Niederlassungen überall zu zerstören, so würden bald genug Schiffe voll Soldaten und Kriegsvolk kommen, die fürchterliche Rache nehmen."
Afraja lachte vor sich hin. — „Lass sie kommen," antwortete er dann, „weit ist es bis an den Enare Träesk, weit bis an den Bumanafjord. Aus jedem Stein kann eine Lappcnkugel kommen, und deine Soldaten sind nicht Männer, die viele Tage durch Sümpfe waten und durch die Jauren steigen können, ohne gute Speise und guten Trank zu haben."
Der Junker musste dies zugebcn, aber je mehr er einsah, dass Afraja wirklich im Ernst sprach, um so mehr lehnten sich seine Gefühle dagegen auf. — „Wenn ich wüsste," sagte er endlich, „dass du zu solchen blutigen und verderblichen Taten greifen könntest, so würde ich tun, was meine Pflicht wäre, um es dir unmöglich zu machen."
Afraja antwortete mit einem Blicke, dessen Bedeutung Marstrand auch ohne Worte verstanden hatte. „Du würdest," sprach er langsam, „den Lyngcnfjord nicht wieder finden, wenn du den verraten wolltest, der dir Gutes getan. Aber du kannst es nicht, auch wenn du möchtest."
„Willst du mich zwingen? Gefangen halten!?"
„Du hast in Jubinals heilige Saita dein Haupt gelegt," erwiderte der Greis, „du hast von seinem Opfcrstcine dein Brot genommen. Ich habe den Allvater nicht vergebens gefragt, ob du sein Werkzeug sein sollst, alle Zeichen haben geantwortet, dass er dich ausgcnonnncn hat in seinen Bund."
„Was geht mich dein greulich heidnisch Zauberwcsen an!" antwortete der junge Mann heimlich schaudernd. „So wenig ich deinem Gotte dienen will, so wenig will ich etwas mit deinen unsinnigen Entwürfen zu schaffen haben."
„Du bist bestimmt dazu," sagte Afraja unerschütterlich „und Wirst das Gebot erfüllen. Glaube nicht, dass ich ver° nnnftlos leichtsinnig nnch in Gefahr begebe. Mortuno ist ein furchtloser Mann. Die junge Mannschaft aus allen Gammen ist bereit, ihm zu folgen. Wir l)aben Waffen und Pulver samt allem, was dazu gehört."
„Und beim ersten Schuss werden sie davonlanfcn," ries Johann, der an seinen nächtlichen Kampf dachte.
„Du," sprach Afraja, „du wirst bei ihnen sein und ihren Mut anfachen.",
„Wer? Ich!?" rief Marstrand, „eher möge meine Hand verdorren! Aber höre auf mit deinem Scherz," fuhr er ruhiger fort, indem er sich wieder auf den Felsblock setzte.
an Bors, um den Schabe» und bic Verantwortlichkeit scstznß»^ Am nächsten Btorgen lies bas Schiss in den Hasen cm, lief dann nach einer Nolaitsbesserung gegen Syrakus ans.
San Nemo, 22. Dez. (T. U.) Der italienische Dampfer $» Umberto", der von Barzelona nach Genna unterwegs war, würde von cin>em französischen Kreuzer angehalten uns unieriucht. Modell Passagier«: befand sich auch der früher« deutsche Miliiärattach^. in Paris, Major von Winterseld. Er wurde sestaenommen nach Toulon adgcführt. Er durfte aber nach Vorzeigung
Gcleitb riefen der französischen und englischen Regierung sein: Rci» fortsetzertz
Italiens Haltung.
Rom, 22. Dez. (TU.) Die Regierung lmt den Z«. tungcn strengstens verboten, irgendwelche Nachrichten mih. tärischer Natur oder Meldungen über Truppenbewegungen zu veröffentlichen. In der Presse ist das unverbürgte rücht verbreitet, dass der frühere Präsident Lonbct in ausserordentlicher Mission nach Rom komme.
Ein feindlicher Flieger über Stratzbnrg.
Straßbnrg, 22. Dez (WB, Nichtamtlich ) Heute nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr erschien ein feindlicher Flieger über unserer Stadt und ließ in der Nähe der Illkirchcr Miihlcnwcrke eia, Bombe fallen, die einen leeren Schuppen und Fenster eines Getreidespeichers beschädigte. Einige Sprengstiickc fielen in de» Handelshafen. Verletzt wurde niemand. Ter Flieger, der sich ir 1580 bis 170» Meter Höhe bewegte, wurde beschossen.
Dr. Liebknecht mii> die Genossen im Felde
Die Altenburger Volkszeiiung verössentlicht einen Feldpost bricf eines Genossen, der im Westen kämpft. Er schildert dari,
и. a. das Echo, welches das Verhalten Dr. Licbknrcksis in: Reichs tag in den Reihen der kämpfenden Parteigenossen gesunden hat Es heißt da: „Soeben erzählen mir meine Kameraden, daß Lieb
к, recht im Reichstage gegen die neuen Kriegskreditc gcftimm habe. Alle Kameraden finden das ungemein beschämend Ich habe die Zeitungen noch nicht, ich weiß also nicht, wie Ihr E,- dazu stellt. Das eine aber steht scsi, Liebknecht dürfte für sei, Verhalten wenig Zustimmung finden. Das zeugt von weni Disziplin der Partei gegenüber. Was sollte denn eigen« lich werden? Ist Liebknecht denn der Meinung, baß sich nute der russischen Knute besser leben läßt? Er scheir wenig Ahnung zu haben von den Arbeiten und den Entbehrung der im Felde Stehenden. Sei es wie es wolle, es wird a » ch ahn Liebknecht weiter vorwärts gehen, zum Siege tro allrdcm."
(Gemeinsame Siegesfeier.
In der Jnfanterickasernc zu Offenburg (Baden) h finden sich zurzeit etwa 60 gefangene Franzosen, die als Be wundste zuerst im dortigen Lazarett behandelt worden tooto Als vor einigen Tagen plötzlich von allen Kirchen die Glocke ertönten und alsbald Flaggen ansgehängt wurden, mach diese seltene Kundgebung einen sehr betrübenden Eindni auf die im Kasernenhofe sich erholenden Gcfangei^n', i wähnten einen Triumph über Frankreich zu vernehme Als sie aber erfuhren, dass Russland einen Schlag erlitt: hat, schlug die Stimmung in Helle Freude um: die Fra zoscn (Alpenjäger und Linicn-Jnfanteristen) schwenkten:h Käppis, erhoben Arme und Krücken, um in den Jubel d deutschen Soldaten einzustimmen.
Französische Flottenverlnsie.
WB. Wien, 23. Dez. Von amtlicher Marincscitc wird meldet: Das französische Unterseeboot Enrie wurde, ohne zn ein Angriff gekommen zu sein, an unserer Kvsic von Strandbatieri und Wachtscucrschissen beschossen und zum Sinken gebracht. Besatzung wurde gefangen genommen.
Dos österreschisch-nngarischc Unterseeboot Nr. 12 griff am Dezember in der Otrantostraße die französische Flotte, bestes» aus Itz großen Schissen an, und torpedierte das Flaggschiff » Typ Eonrbct zweimal und tras beide Male. Die darauf ia l feindlichen Flotte entstandene Verwirrung, das unsichtige Akt und der hohe Seegang vcrhindericn das U-Boot, Gewißheit über! Schicksal des getroffenen Flaggschisfes zu erhalten.
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„Willst du mich versuchen, so nnisst du einschen, dass ich n muss dir bcistlinmen kann, obwohl ich zu deiner Hilfe allen guten Dingen bereit bin."
„Du bist kricgskundig," sprach Afraja, ohne darauf achten, „und viele fürchten dich. Wenn meine Brüder l bei sich sehen, werden sie standhaft sein, aber du bist a mächtig in deinem Lande und kannst dort deine Stim hören lassen. Man sagt, dass in Kopenhagen der alles r mag, der silberne Arme hat: nun wohl, Jüngling, Jubr wird dir diese Arme geben. Du soll ihrer Gier Schätze werfen, so viel sie haben wollen. Lass sie fordern und - Preis bestimmen, inn den sie uns unserer Väter Land t kaufen wollen."
„Wenn du so viel Geld besitzest," sagte der Junker staunt, „so lässt sich allerdings durch Unterhandlungen vi< bewirken, jedenfalls eine bessere und gerechtere Verwaltn Gnadenbriefe, Privilegien und eine strenge Aussicht n Kaufleutc und Vögte."
Afraja schüttelte hohnvoll seinen Kopf. „Fort sollen alle, wir wollen sie nicht länger dulden. Gäbst du ih unser Silber in Säcken, so würden sie morgen kommen, uichr zu holen. Hast du nicht selbst geraten, daß wir ih Furcht einfiössen müssten, wenn sie uns achten sollten? sollen Furcht lernen, denn du hast wahr gesprochen, J> ling. Jubinals Kinder werden zu ihnen hinunterste: Jubinal soll seine Opfer haben!"
Die grimmigen Blicke, welche er auf den Stein fr der manches blutige Opfer gesehen haben mochte, erschü' ten den dänischen Mann. Ein schrecklicher Gedanke durch seinen Kopf, dass er vielleicht selber dem schws' Götzen geschlachtet werden konnte, wenn er sich weil Afrajas Willen zu erfüllen, allein sein Stolz und seine « sträubten sich vor einer heuchlerischen Unterwerfung. ^ begann darum mit vieler Ruhe Afraja nochnials von 1 Gewaltsamkeit abzumahnen und stellte eine kaltblütige Ui suchnng über die Möglichkeit des Gelingens eines N»sn
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Versuchs an, die damit endete, daß er bewies, jener
nicht glücken. Dagegen aber schilderte er mit eindringi Wahrheit die Folgm, tvelche sich daran knüpften. 9^ f hässige Verleumdungen, alle Anschuldigungen grM unglücklichen Volksstamm würden dann erst vollen ®l_ al smden. Niemand würde mfhr seine Stimme erheben ko>> um ihn zn verteidigen: alle Schrecken einer fanatischen -1 folgnng würden nun erst cinbrechen und eure Vernw) | unter den grössten Greueln das Ende sein.
(Fortsetzung folgt.»
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Zur Bekämpfung der Buchdrmker-Arbeitskofigkeil.
An die Regierungen. Reichs- „nd -t-wt-bel^rden Stadt- und Gemeindeverwaltungen sowie Körperschaften de Handels, der Industrie und de- Gewerbes wend^nl ^ >auptvorstand des Deutschen Auchdruckerve^^ t Organisation der Unternehmer, und der Vorstand de» Der- andcs der r.euklchen Buchdrucker als Gehilscnverband niit olgenden, Ausruf zur Bcschafsung von Arbeiisokicaenbei, iir das schwerleidende Buchdruckergewerbe:
.Die Unterzeichneten Porstände der beiden „rufutn Arb.i,- cD*t. >md Arbe.tnelimeroigenil-.ion.n des Buchd?ück,ewerbe. wch.en d,e An,merk,amte., der Behörden au, den Umstand lenk " n« nnier den aeaenwartige» «riegsnöten da» aneitann- °,ui er' cn'w u!den°hat ^"chdruckgewerde mit a,„ aUerjchlinnn.
. nch daraus. dax Drucksachen, soweit sie siir Handel
!'d Industrie als Kataloge. Preislisten. PrvjpeUc und ähnliches «weudun-l linde«. .eg, mwlgc de« Daaiederl.eae,'» säst aller .eschasik »ich, gebrauch, werden, das, auch die für den Bnchha.,0 I f V“!'" 1 *" der sas, bis ,»m S,.Ui,and beichrankien
‘y 1 ^erlagsduchhanöel- bfjd)ujtiniiiia*li>~ sind, und fafc ein flrOHev Arbeite, und ^iimaljuieauoiaU siir die Zeitung tlrckereicn sich au- 5 « Beschränkung der Anzeigenteile der ^eit„», ?n nnd .leitjchriften ergibt
. 1,1 vier Nochen vor 2Scilrnachte,i. wie
des Mal, jo auch dieses i^ahr, ein lebhafterer (^cschästL>gang cin- titt, iü ist die An .ahl der Arbeilolosen im Biichdruikgewerbe dach '!» »UiUbrurr grosi. >oie die »achjolgen-e» Anaabrn aus einer mit ohtmogli.her sorgsali geslihrten 3tatiftit des »inunierzkichnelc» crbandcs der Deutlchcu Buchdrucker erweise», der m.l den 7(i lmmi (Italienern, die er beim Uricgsausdruche zählic. reichlich Ml Pro- r ge,amten Buchdruckcrgehilscn nmsasit Danach waren am 31.
11 still» — 22,5 Proz. der Wcinmt.jahl arbeitslos und !l *’ ~ > >,1 Proz. hatte» nur leiiweise Bcschäsiigung. trotzdem ' a»2 — 29.3 Proz. durch Heeresdienst und Abgang zu andern Be
rufen Z«m beweibe eulzogen wart», Fm Okiober 1913 betrug hie Zahl der Arbeitslosen 5,8 Pro».: nur leilwe.ie Beschäsiigte aal- es früher überhaupt nicht, obgseich säst 201IU0 Gehilfen mehr als jetzt ihren Erwerb fanden.
Auch ein Vergleich ml, andern Gewerben und Industrien fallt stark zuungunsten der Buchdrucker aus, denn eine edensalls am 31. tlwber ausgenommene allgemeine gewertschaftliche siatistil ergib! nur eine durchschnittliche Arbeitslosigkeit oo» 16.67 Proz. so dasi die Buchdrucker um rund 12 Proz. über dem !sieichsdurchsch„,t,e ftehei, oder, mit andern Worten, eine mehr als doppelt so grosic Arbeitslosigkeit haben.
^ Die Ardeitslostakeii im Buchdruckgewerbe war in de» einzelueü siädic» allerdings verschieden groß Ende November halte» Peeli» 31,82 Proz. arbeitslose und 2.22 Proz. teilwe.Ie delchan-p-.- Gthilsen, Dresden: 26,12 und 6,58, Hamburg: 25,21 und 26,54, Leipzig: 26,51 und 16.8U, Aachen: >6,58 und 27,11, Lirahburg:
15.68 und 16,38, libcmni«: 11,35 und 22,6 Proz. Aus der auderii stategor.e von Dnickvneu seien erwähnt: Audolsiadt: 42.16 Proz. Arbeitslose, cssendam a «.: 41,51 Proz. Arbciislole und 26.21 Proz. teilweise Btschäslitzle Bieleseld: 15.16 nnd 25,5 t, Wurzburg:
11.68 „,,d 37,12, Plane» (Bogtl.s: 12,21 und 26,56, Potsdam: 10,10 und 37,96 Prozent.
Diese anstcrordenilich hohe Aibeitslostgteil erioidcit uugemti» grosic materielle Cpicr, deren Bestie.lang dem Gehilfeuvci lande durch das aul Erhaltung gesunder Verhältnisse im Gewerbe ge- richitle Wirke» der seit vicrzig Fahre» bestehenden oordildliche» Darisgkmeinlchnfi der Deutschen Buchdrucker ermöglicht ivurdc. »infolge dieser so bedeutenden Aufwendungen werden die dssentliche» Mittel ganz erheblich enilastet. Waren in den Monaten August, sepirinber und Oktober v. ,1. -516 211 JH Unterstützung fiir 311167 ftÜgefKOit arbeitslose Tage notwendig, so i» de» ersten drei .6 r i e g »- m o n a t e n 1 711 8», iiff. für I 126 650 aibeitsiose ia.v Die gewahrte Unterstiitzung war demnach um 213,61 Proz, die Zahl der Tage um 227,61 Prozent Häher.
Wie die Buchdrucker, jo leide» auch die Rebenbcrusc stark durch die msolge des strieaes e.ngklrcicnen Verhältnisse. Bei den schrisl- giehern stieg die Arbeiislosenzisser sogar bis aus !8i Proz.
Wie schon erwähn, wurde, ist z» besiirchtcn, da» die Bcsieruua
lm Kcfchastsg.inge, S!f zur liest 5er 5nfiinTimf 5er mftgelelTkesi' Zahlen bestand, nach Weidnachlcii iviedcr verloren gr'ira wird, u»b da» dann wieder annähcrud so trostioje Zustande ciiilrele» werden/ wie sie im Aiigiift und seplember im Biichdritckgeiverbc bestandeil-. Die 8>'ailagc >v»rde dan.i aber siir die Arbeitgeber sowohl wie für die Arbeitnehmer noch viel schlimmer werden, weil die restcien' durch die vorausgegangetikti Sriegsmonale in ihrer ivirtschasUichen Lage sehr stark geschwächt worden, und die letzteren dadurch, dast' die meisten in ihre» Kaisen ausgesteuert sind, der Arbcilswse»- »nlerstutzung verlustig gehe».
linier solche» »injtdnden gibt ct nur ri» 32iitel der Abinise siir beide Gruppet, der Gcwerbcaiigkborigkn: dir Bci,i>«>tiiii-t von Ar- bkilsgelegeiiheil und die dringende Bine der unierzeichnelen tr» ganisaiioiicu geht dahin, dah bebärdlicherseiis analog dcr in ähu- lichci, »räUcn gllgkmein :ur Auskührung tvmmendcn sog. liotstgnd»-- ardeiien z.-oor »ich! besondere Arbriisgelegenheiten sti> jlnchdrucker gcschaisk». wohl aber jede B e s ch r ä » t n » g i n der Braus- iragung behördlicher Druckarbeiie» unirrblribt und dasi. soweit irgend angängig. Drucksache» jetzt in Arbeit, gkgedki, werde», de,e» Aiissühruiig sonst vielleicht erst ü» späterer -seit bewirkt worden wäre.
jtei dem grvhkn Anlcile des 2'itaidrnckaciverbks am InllureUen' vochiiande des dculschr» Volkes biiltcu dir Unlrrzeichnrlen sich einer ivohltzioltende» Ausnahme dieser Darlcgunae» und dcr Ersnllunq- ihrer Bitte versichert und sehen einem geil, günstige» Bescheide eiilgege»."
Wir sonnen »ns diesem letztere» Annscke nur anschliebe»,. rtcui Gewerbe leide! liitiachlicki während dieses Krieges so scksiver .'Jot, wie das im Ariede»»s>iuipse für die dentsrtie üuiltir sleis in erster Reiste stehende B»ck^>».lrr.:ewesbe.
?.KllIlii»klI. 8 itPN
Marktplatz II.
Uhrmacher und Grldarbeiter.
Aeichh-'Ilizrtz Lager tn Udre», «!ol». »nd Etldertoaren.
Lieferant des Konsvni < Verein» ülietzei! u. Umg. nud des Eisenbahn -kkagiiimveiein«,
— Man verlange Nadaltntark«. —-
Aufruf.
Als eine wichlige Ausgabe der Kriegtzsürsorge hat sich die Lchassuilg von „Tolvaten-
ritlirtl^' erwiese», die den in den Lazoreilen verpsleglkti Verwundeten nnd d:n zu threr rholung Beurlaubien, aber auch soniligen Angehörigen nnseres Heeres während ihrer freien fit kineii behagliche» Ausenlhall und (Gelegenheit jiun Lesen von Zeitungen, zi,m Lpiel, Bries- reibeti, gegenseitiger Aussprache und sonstiger Unlerhaliung bieten sollen.
Auch für unsere Sladt ist mit Beginn der kälteren IahrcszeU, die eine» längere» Aus» ihali im Freien nicht mehr gestaltel, die Bereilstellung einer jolchm ErholungSsiäll: besondnS inglich geworden.
Wir glauben in dem unteren §lock>verk des früheren „ (> o f e Ebel" die geeigneten äumlichkeilen gesundeii zu haben und haben dort, mit dankenswerter Genehmigung d:s ariiisonkoutiiillndos. vor einige» Tagen e>»
„Äoldntcnlscim"
öffnet, das den Soldaten, insbejondere den Verwundeten und ihren Anzchorigen täglich von > Uhr vormillags bis 8'/- Uhr abends offen stehen soll, i Freiwillige Helfer haben ihre dauernde Biilwirkiing bereits zugesagt.
- Ansiestchls der in die Äugen fallenden 'Aotwendi.slieit eines fofificu »eims für nufere ffraven /rrieger. d nen das Vaterland Io nurndlich nicl l v>rdanüen hat, hoffen wir lieinc Kehtbitte .fu Inn. wenn wir affe räfte unserer Sind! auffordern, zur 2 iküreilung der l icht unerhebliffZen offen für Miete, Einrichtung nnd Mnterhattiing des Soldatenheims ach Kräften veijuffcnern.
Aeilräije werden voll ter fficfchäslsffeffe der Hheryesffjchen Volü'- itung entgegengcnommeu.
Dcr Ansschtts; für ^rtichLmig erues „Loldatenheims":
»her, Dekan; Bücking, Laiidgcrichlrdiiektoi i. P.: KricSbergcr, Ltadluciordtietcr: Geh. Hoirat Pros c. Keomnie; Iunizral Gruncwald, Beigeerdnetcr: Dr. «üttgertch, Loi,dcer,chl»,räi>dint; Oich. fcofrnt of. Tr. »>aupi, UniD = i'iDliotlief»»2i:cltor: Geh. »ommciziciiral »cichelsteini; Tr. Hnschfcis. oviitzialtabbiiier' Uran Pro:, ^»öftlbäuin; Hos-itänn, ^bkistaatsanwalt: o'-mi, frorst, ssabri'aiit au cktechiinitgSiai «albfteis»; «ellcr, Lberburgermcister; Pros Tr. «S,.ig; Lange, Buchdnickir', >tz«r: Frau Cberftlentnant Naumann, Vorsitzende des allzciiicinen dei licheu !zr.i>-ciie-rc:-:r, O.--63. kgen: Tr. SanScr, Proviazial-Aabbiner: >rid. 2 iedi,i,ia!r,:l Pros Tr. Lommer, lllckto.-bei Lonbei wersitäl; Wilhelm rmueiver, :'.rrtiirr: I» iiiloficr, «eh. kirchenral; Schwade. Oiaraiso»»vi>nrrr, >erstab»arzt Tr. Siegert, Loiarendirckioe: gleheimeral Tr. Usinger, Pivvinziald.rekio:: Wiener.
Landgerichllrat und 2cr »es Zweiavenins Giehen vom .llloieu Kien»'_
loseren Mitgliedern zur Mil ung. das! die Pcrlcilunas len am
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!s-nf?k»e>» werden von -1)!on- roraien,aa. »e,i -18. Tez.
:der ausgetragen.
Ter Boritanv.
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Gcwölinl. Prelle ermätzigl.
Reicher über 00 000 Franzosen gesiegt hätten. Tatsächlich ftanöen am ersten Tage der Schlacht 105 000 Ocsterrcicher gegen 35 000 Franzosen, am zweiten die gleichen Ocsterrcicher gegen 70 000 Franzosen.
So ist das allgemeine Mißtrauen, das man gegen die Kriegsberichte haben muß, ganz besonders begründet gegen alle Zahlenangaben.
— Familiciiabend. Wie bereits mehrfach bekannt gegeben. veranstaltet die Gewerkschaftshaus-Kommission am zweiten Feiertag wieder einen Familicnabend in ähnlicher Weise wie den vor einigen Wochen abgehaltcncn. Durch (tzcsangsdarbictungcn des Gesangvereins „Eintracht", sowie durch Vorträge ernsten und heiteren Inhalts wird den Besuchern gute Unterhaltung geboten werden. Das; sich diese recht zahlreich einfindcn, darf wohl erwartet werden, zumal gegenwärtig gesellige Veranstaltungen zu den Seltenheiten gehören, da die sonst üblichen Dereins-Weihnachtsfeiern gänzlich ausfallen. Unter diesen Umständen kommt das Unterhaltungsbedürfnis zu kurz und wenn ihm die Verwaltung des Gewcrkschaftshauses Rechnung zu tragen sucht, dürfte sie gewiß Verständnis finden.
— Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Unteroffizier der Reserve Fritz Thomas, Lehrer aus Alsfeld, Res.-Jnf.-Regt. Nr. 221. — Unteroffizier Georg Becker, Ingenieur aus Gießen, Juf.-Regt. Nr. 17-1. — Reservist Heinrich Grün aus Lollar, Jnf.-Regt. Nr. 49. — Musketier Wilhelm S t c u I aus Muschcnheim, Jnf.-Regt. Nr. 168. — Wchrmann Heinrich Peppcl aus Ober- Seemen, Jnf.-Regt. Nr. 116. — Wehrmann Wilhelm Neu - m a n n aus Rudingshain, Jnf.-Regt. Nr. 116. — Freiwill. Wilhelm Ebert aus Butzbach, Jnf.-Regt. Nr. 221.
Tie KricgSvcrsicherung der Volkssürsorgc als Weih- »achtsgeschcnk! Tie Sorge um das Wohlergehen der Familien der inS Feld gezogenen Mitbürger ist als eine wichtige soziale Aufgabe allgemein anerkannt. Dieses Wohlergehen ist dadurch auf eine harte Probe gestellt, daß die Väter jetzt auch über Weihnachten hinaus im harten Dicnsw fürs Vaterland im Feld aushaltcn müssen. Das WeihnachtS- fest wird daher für die Frauen und Kinder in der Heiniat sehr getrübt und durch die Sorge um das Leben des Ernährers in vielen Familien noch unangenehm beeinträchtigt werden. Wer daher dazu beitragen kann, diese berechtigte, wenig freudvolle Stimmung zu heben, tut ein gutes Werk. Von vielen Seiten wird gerne dazu beigetragen werden Freude zu bereiten und auch das Fest diesen so schwer Be- trosfcncn zu verschönern. Diese Freude kann bereitet werden, wenn den Familien die Sorge uin ihr Wohlergehen beim Eintreten des schlimmsten Falles etwas erleichtert wird. Das könnte geschehen, wenn man den Frauen und Kindern von ausmarschiertcn Verwandten, Freunden und Kollegen zu Weihnachten Anteilscheine der Volkssürsorgc-Kricgsver- sichcrungskasse überreichte und ihnen damit die Gewißheit gäbe, daß man ihre Lage richtig einschätzt, an sie denkt und für sie zu sorgen bestrebt ist. Anteile der Kriegsversiche- rungskasse, die den Familien gefallener Kriegsteilnehmer nach Beendigung des Krieges eine größere Summe garantieren, sind sicher für Frauen und Kinder ein wirklich praktisches Weihnachtsgeschenk! Ein Anteilschein kostet 5 Mk.! Sofort nach Einzahlung der 6 Mk. ist die Versicherung rechtskräftig! Die Einzahlung kann erfolgen bei der Hauptverwaltung der Volksfürsorge in Hamburg, Beim Strohhause 38 (Pestscheckkonto Nr. 7053, Hamburg), oder bei den Rech- nungsstcllen der Volksfürsorge im Reiche. Alle Arbeiter- sckretariate, Getverkschaftskartelle, Konsumvereine und Vertrauensmänner der Volkssürsorgc sind zur Auskunft gerne bereit.
Tic Arbeitslöhne in Kricgszeiten und die Konsumvereine.
Die Calwersche Arbeitsniarkt-Korrespondenz bespricht die Frage der Arbeitslöhne in Kriegszeiten und bemerkt u. a.: Da gogcmvärtig an die Durchführumg größerer omhoitlicher Lohnbewegungen kaum zn denken ist, io hängt die Aufrecht- crhaltung leidlicher Arbeitsbedingungen bis zu einem gewissen Grade davon ob, wie weit die organisatorische Regelung der Lohn- verhältnisie vor dem Krieg in den einzelnen Gewerben schon gediehen war. Relativ an, besten liegen die Itcrhältnisse also dort, wo Tarifgemcinsthaftc» bestanden. Es hat sich meist gezeigt, daß hier Arbeitgeber- und Arbeiter znsaminonhingen, un, nicht nur die Tarisabmochungen nach Möglichkeit auch in Kriegszeiten dnrchznsiihren, sondern auch, um gemeinsam für die Beschaffung der nötigen Arbeitsgelegenheit zusammen«»wirken.
Es gibt bekanntlich keine Betriebe, in denen die tarifliche Regelung des Arbeitsverhältnisses so gründlich durch- gcführt tvärc, wie die Konsunigenossenschaftsbetriebe, derer Personal denn anch, alles in allem genommen, die Kricgs- zeit unter wesentlich günstigeren und geregelteren Bedingungen übersteht, als das Gros der übrigen Arbeiter. Vielleicht wird diese Tatsache nickt ganz unbeacktet bleiben, lvenn man einmal ein Urteil über die Bedeutung der Konsumvereine in Krieg und Frieden fällt.
Seid sparsam mit der Milch! So schwer cs uns fällt zur Sparsamkeit mit einem der wichtigsten Volksnahrungs- mittel anzuratcn, so niüssen wir cs doch tun, weil wir aus verschiedenen Nachrichten und Beobachtungen zu der Ucber- zeugung gekommen sind, daß nur verringerte Nachfrage nach Milch uns vor einer Verteuerung bewahren kann, die einer völligen Entziehung dieses Nahrungsmittels für die unbemittelten Volksschichten gleichkommen würde. Darum seid sparsam mit der Milch! Viel besser freilich wäre es, wenn sich die Behörden noch rechtzeitig entschlössen, durch erträgliche Höchstpreise der drohenden Milchtcncrung rechtzeitig und wirksam vorzubcugcn.
— Drei Feiertage hintereinander bringt uns das diesjährige WcihnachtSfcst und zu Neujahr giebts wieder eine ganze Feicrtags- grnppe, denn wegen des SamStagö diirflc cs sich kaum verlohnen, zu arbeite» anzusangen und viele Betriebe werden deshalb feiern. Nach den Anstrengungen der letzten Tage sind namentlich den Ladcniiihabcr» und ihren Angestellten ein paar Tage der Ruhe zu gönnen. Manche halten allerdings am zweiten Feiertage bereits wieder offen, was bei anderen als Lebensmittelgeschäften eigentlich nicht nötig wäre.
— Der kürzeste Tag war in diesem Fahre nicht wie sonst der 21., sondern der 22. Dezember, der Winter beginnt also erst an diesem Tage. Von jetzt ab nehmen die Tage bekanntlich wieder zn, aber sehr wenig, bis Ende des Monats nur 4 Minuten. Erst von Februar ab geht cs mit stärkeren Schritten dem Lichte wieder zn.
— Nach der Bauernregel kommt „der Winter gegangen, wenn die Tage ansangen zu langen." Das scheint in diesem Fahre zuzu- treffen, in den letzten Tagen ist die Temperatur erheblich gesunken und Frost eingetrctcn. Damit erfüllt sich zwar die Sehnsucht der Schnee- und Eissportler, wer aber bei den teueren Kohlen für Heizung sorgen niuß, dem ist es weniger angenehm.
— Verwendung der Eichenrinde als Gerbmittel. Bekanntlich wurde früher zum Gerben des Leders allgemein Eichenrinde benutzt. Große Eichenschälwaldungcn waren zur Befriedigung des Bedarfs der Lederindustrie an Schälrindc angelegt: Tausende von Arbeitern fanden in den Waldungen lohnende Beschäftigung. Je mehr aber die Lederindustrie dazu überging, das Gerben des Leders mit künstlichen chemischen Gcrbstosscn vorznnehmen, desto mehr ging der Eichenschälwald-Betricb, der die Konkurrenz mit den billigen künstlichen Gerbmitteln nicht auszuhalten vermochte, zurück, trotz der Versuche, den Waldbcsitzern und den Arbeitern zu Helsen. Ta nun während des Krieges die Zufuhr der aus dem Auslände bezogenen Gerbstoffe abgcfchnitten ist, richtet jetzt die badische Regierung — in Baden befanden sich besonders viele Eichenschälwaldnngcn — die Mahnung an die Waldbesitzer, die beabsichtigten Umwandlungen von Eichenschälwaldungcn cinzu- stellen. Sie empfiehlt den Waldbesivcrn, sich jetzt schon mit den Gerbereien zwecks Lieferung der Eichenrinde für nächstes Jahr in Verbindung zu setzen. Dasselbe empfiehlt die Regierung auch den Besitzern von Fichtcnwaldungen, da die Fichtenrinde ebenfalls ein guter Gerbstoff ist. Fn den hessischen und nassauischen Wäldern wurde noch bis vor wenigen Fahren viel Eichenrinde geerntet.
— Weihnachtsbäumc wurden in den letzten Tagen doch noch stark gekauft und da das Angebot nur gering war, gingen die Preise erheblich in die Höhe. Soviel man bemerken konnte, waren gestern nur noch geringe Vorräte am Platze.
— Ortskrankcnkasse Gießen. Nach dem Jahresbericht für bas Geschäftsjahr 1913, der dieser Tage erschien, zählte die Orts- krankcnkasie im Jahre 1913 durchschnittlich 0195 Mitglieder, 4745 männliche und 1450 weibliche. Tic Einnahmen betrugen im ganzen 245 050 Mark, denen 239120 Mark Ausgaben gegcn- iiberstchcn. Die hauptsächlichsten Einnahmeposten sind: Beiträge 213 220 Mk., Zinsen 4869 Mk., Ersatzleistungen 2758 Mk., sonstige Einnahmen 13 458 Mk. — Von den Ausgaben sind die größten Posten: Aerztliche Behandlung 48 582 Mk., Arznei und Heilmittel 26 810 Mk., Krankengelder an Mitglieder 81091 Mk. nnd an An- gehörigc 2979 Mk.. Wöchnerinuen-Unterstützung 2383 Mk., Sterbegelder für Mitglieder 2264 Mk., für Angehörige 900 Mk., Kurkostcn in Krankenhäusern 22 205 Mk., Kapitalanlage 3267 Mk., Berwal- tnngskosten 29 009 Mk.. sonstige Ausgaben 5327 Mk. — Als Kasfcn- bcstand verblieben 6536.25 Mk. — Ter Reservefonds beträgt 161 677 Mk.. es schien an dem vorgeschriebenen Betrage noch 31672 Mark. — Die Ausschußsitzung findet am Mittwoch, den 30. Dezeniber, abends 8% Nhr, im Saale des Gewerkschaftshauscs statt. Tic Tagesordnung lautet: 1. Abnahme der Fahresrcchnnng für 1913. 2. Wahl des Rechnungs-Ausschusses. 3. Vortrag über das Notgcsetz vom 4. August 1914 und die Kriegswochcnhilfc.
Keine Znlasiung weiblicher Angehörige ins Kriegsgcbiet. Das Generalkommando des 18. Armeekorps hat, wie wir bereits einmal meldeten, folgende Bekanntmachung erlaßen: Zahlreiche, beim Generalkommando vorliegende Gesuche um Ausstellung von Fahrtausweisen an weibliche Angehörige der im Lpcrations- und Etappengebiet stehenden Militärpcrsonen veranlaßen das Generalkommando, darauf hinzuwelscn, daß gemäß Verfügung des Kricgsministcriums vom 5. Dezember 1914, Tagebuch-Nr. 1437/14 c. A. 3, Fahrtausweise an weibliche Angehörigen grundsätzlich nicht erteilt werden dürfen. Nur bei unmittelbar bestehender Lebensgefahr darf in besonders zu prüfenden Einzelsällen von dem bestehenden Grundsätze abgcwichen werden, vorausgesetzt, daß die Genehmigung des Geucralguartiermcisters, des Armeeoberkommandos oder der Etappcninspcktion von Seiten des Gesuchstellers vorher cingeholt ist. Mit geringfügigen Abmilderungen bestehen die gleichen Vorschriften für den Bereich des Generalgouvernements Belgien.
Der Verkehr mit deutschen Kriegsgefangenen im AuSlandc.
Personen, welche sich wegen Ermittelungen und Auskünften usw. an das internationale Komitee des Roten Kreuzes in Gens mit Beziehung auf deutsche Kriegsgefangene im Auslände wenden, miißen zur schnelleren Erledigung ihres Gesuches durchaus folgendes beachten: Sie miißen die Gesuche sehr leserlich aus Briefpapier von großem Format skaufmännischcs Formats schreiben. Ter Umschlag muß einfach die Adreße tragen: „Rotes Kreuz lEroir--rvuges. Aaence des Prisonuicrs de ancrre Genf lSchweizs". Der Umschlag maß offen bleiben. Der Brief ist unfrankiert abznfenden, cs ist für Antwort keine Briefmarke, kein Rückschein und keine Antwort-Postkarte beizusligen. Die Briefe an das Rote Kreuz in Genf und von ihm sind portofrei. Niemals sind Postkarten zu Schreiben an das Rote Kreuz zu verwenden.
„Hier haußcn passiert nischt Neues." Daß das Ausbleiben von Nachrichten aus dem Felde nicht immer von der Feldpost verschuldet ist, zeigt ein Vorfall in einem sächsischen Dorf, über den das Risacr Tageblatt herichtet. Eine Frau, die seit Beginn des Krieges ohne Nachricht von ihrem im Felde stehenden Mann geblieben mar. ließ durch den Schullehrer einen Brief an die Koni- pagnie schreiben mit der Anfrage, ob ihr Mann noch am Leben sei. Als Antwort liefen folgende Zeilen ein:
„Liebe Lina! Das ist gcmeene, daß Du erst zum Schullehrer gegangen bist nnd hast schreiben laßen. Hier haußcn kassier nischt Neues. Wir schlissen nibber und die fchüßen ribber. Gruß Tein ..."
Nur die Ruhe kann cs machen! Es ist immerhin erstaunlich, daß bei den vielen „Schüßen" der Vatcrlandsvcrteidiger nicht ein mal sich hat anfeucrn laßen, zum Bleistift zu greifen, bevor seine Frau grobes Geschütz anfahrcn ließ.
Kurzer Wcihnachts- und Neujahrsurlaub. Mit Rücksicht aus den Ernst der Zeit wird den Truppen, die sich im Bereich des 18. Armeekorps befinden, nnr ein ganz kurzer Urlaub zu den bevorstehenden Feiertagen gewährt. Der Weihnachtsurlaub währt vom Donnerstag mittag 12 Nhr bis Sonntag abend, und der Urlaub zu Neujahr ist für die Zeit vom 31. Dezember mittags bis 2 Januar 12 Uhr mittags festgesetzt.
— Stadttheater. Tic erste Abonnementsoorstcllumg nach den Feiertagen findet an, Dien-Stag den 29. Dezember statt und bringt das neue Volksluftspiol „Ter Schlagbaum" von Heinrich Lee. Das Werk, das bereits in Berlin, Frankfurt, Wiesbaden (Hostheaters sein« Probe glänzend bestanden hatte, ist jüngst anch in Heidelberg und am Oldenburger Hoftheatrr mit großem Erfolg anfgefillrrt worden. Der Verfasser fuhrt uns in die Biedermeierzeit, deren Milieu nnd Eharaktere er mit großer Liebe und Plastik schildert, gleichzeitig spielt der damalig« Gegenlatz von Nord und Süd in ergötzlicher Weise mit herein. „Der Schlagbaaim" darf in gewestem Sinn« als aktuelles Werk gelten, schildert er doch die Kämpfe um das Zustandekommen des Zollvereins, d«r d!« Voraussetzung der späteren deutschen Einheit bildete. In der Neuheit, die unter der Regie von Direktor Steingoetter sorgfältig vorbereitet wird, wirkl fast das gesanite Personal mit.
y. Alten-Buseck. Da auf Beschluß der Ictzien Versammlung des VolksvcreinS für die Kinder der in den Krieg gelogenen Mitglieder ein« klein« Weihnachtsbeschcrung am ersten Wcih- n ach tStag e, nachmittags 3 Uhr. stattflnd«t, so laden wir hiermit die betreffenden Eltern mit ihren Kindern sowie di« Mitglieder nochmals dazu eig.
Briefkasten.
Einige Bürger, Gießen, Ihr« Einsendung wegen Ererzlerenö
der Berimindeien Hai dem Generollkommando Vorgelegen, das di« Verösf^ntlichnng nicht gestattet. — B.-Gießen, F.-Wetzlar. Der Artikel über den Fall Liebknecht in der Nr. 293 stammt von einem Kollegen. Wir kömien hinzu fügen, daß wir der dort im Gegenfatz zur 8. Volkszig. znm Ausdruck gebrachten Pdeinumg nicht zusiinmien.
— Stadttheater Gießen. Spiclplan. Dienstag, den 2g Dezember, abends 8 Uhr. 7. Dienstag-Abonnements-Vorstellunn „Ter Schlagbaum", Neuheit. Volkslustspicl in 4 Akten von Heinrich Lee. Ende gegen 10% Uhr. Gewöhnliche Preise lermäßigtj. Freitag, den 1. Januar, nachmittags 3‘A Uhr: Kindcr-Vorstellung- „Aschenbrödcl". Weihnachtskomödic mit Gesang und Tanz in 6 Riü der» von E. A. Görner. Ende 0 Uhr. Abends 7% Uhr: „Wie einst im Mai". Poße mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von Rudolf Bernauer und Rudolph Schanzcr. Mußt von Walter Kollo und Will» Brcdschneidcr. Ende 10% Uhr. Kleine Preise. — Sonntag, den 3. Januar, nachmittags 3% Uhr: „Die Schmettcrlingsschlacht"! Komödie in 4 Akten von Hermann Sndcrmann. Ende nach 6 Uhr! Volks-Preise. Abends 7% Uhr: „Der Schlagbaum". Neuheit!
Volkslustspiel in 4 Akten von Heinrich Lee. Ende gegen 10% Uhr Kleine Preise.
Zu dem Fonds für Liebesgabe» find bei dem Obcrbürgermcisle, weiter eingcgangen von:
Landgerlchlkdircklor Bücking« Dczomberrote 1000.4/, Bcomteni>cr«in Gießen 2. Ra!« 50 M, Tiorschutzverein Gießen 2. Rat« 500 M, Brreln städtischer Beamten 5. Rate 100 Al, Professor Dr. Erb 10 M, Frau Gcheimrot Pasch 200 M, von SckKlern und Schülerinnen der kaufmännischen Fachschule 31,10 M, vom städtiisäym Schlochlihof Erlös für verkauft« GobdschlägohLut« 47,05 Al, Allgemeiner Staats, eisenbahnvereßn 05 M, Gesellschaft Olnmp 100 .H, Ertrag eines Wohltatigkeltökoiizcrts durch Vtusikdireki-or Krauß: 72,Gl Al. an-Z der Sammelbüchse in der Restartratlon Krokodil 19,93 M. Stadt^ «eometer Wißner 4. Rate 20 AL, St. 50 Jl. V L. 10 Al, 31. N. 25 .H, K. 22,50 „H. Kreisani-tmanlii Hammerde 100 M, Flnanzrat Dr. Offen, bächer 5. Rate 20 .H, Kinder Lang ermann 9,72 M. von Beamten der Stadt Gießen Verzicht ans Zinsen ihrer WeihnachtSsparkaß« 85,02 AL, Lehrer V Müller 10 M, Landgerichtsrat Neu« „Hagen 4. Rase 25 Al, Gießener Lchrervcrein 5. Rat« 200 M, GiZflner Lehrcrinnenvercin 5. Rat« 145 Al, Stadtverordneten Krumm Dez einherrat 100 M, Frau Elisabeth Krumm 100 Al. Frl. Johanna Krumm 50 .11, aus verzichteten Einguarticrungsgeldirn 23,10 Al, zusammen 3191,66 M.
Mit herzlichem Dank für dies« Gaben wird um weitere Zu» Wendungen gebeten.
Standesamt Gießen.
Geborene.
Dez. 12. Dom Installateur Johann Hcitirich Fischer ein« Tochter, Anna Mari«. — 15. Dem Zahnarzt Ludwig Werlheim ein Sohn, Hans. — Dem Kaufmann Jakob Balihaier Häuser «in Sohn, Ernst. — 16 Den, Taglöhner Karl Mc-istl «ln« Tochter. — 17. Dem Arbeiter Ehrlstlan Kipper ein Sohn, Otto. — 18. Dem Reserve-Lokomotivführer Ernst Heinrich Karl eine Tochter, Hildegard Angnfte.
Ausgebolc.
Dez. 18. Justus Ernst, Schlosser, mit Emilie Naumann, beide in Löhlbach — 21. Ernst Wilhelm Mankus, Schniadentsister, mit Mari« Elifaboth T«ist, beide in Hornel.
Sicrbcfälle.
Dez. 16. Otto Karl Heinrich Peter Jäger, Student, 18 Jahre alt. Goethestr. 29. — Karl Wirst», Fuhrmann, 36 Jahre alt, Nenen- weg 6. — 17. Georg Dietrich Türner. Metzgermciftcr, 76 Fahr« alt, Neustadt 29. — 18. Anna Maria Kreiling, ged. Nebel. 75 Favre alt, Nodheimerstr. 2. — 19. Ernst Rnckelühauß, 4 Jahre alt, Frank- furterstraßc 77. — Heinrich Rohrbach, Metallgießer, 35 Jahre alt, Ostawlagc 40. — 21. Reinhard Wißner, Stadtgeometer, 59 Jastre alt, Hanselstr. 2. — 23. Karolin« Elise Helene Mankos, geb. Roch, 36 Jahr« alt, Weserstr. 8.
Im Felde gefallen:
Okt. 24. Heinrich Ludwig Jul ins Hghn. Kaufmann, Reservist, 28 Jahre alch Selterswcg 67, bei lc Onesnoii gesallon.
Höhere und erweiterte Mädschenschnle in Gießen.
Die Anmeldungen der Mädchen, die vom Beginn des kommen, den Schnlsahres ab unsere Schule besuchen sollen, werden Donnerstag, den 14., und Freitag, den 15, Januar, von 8% bis I Uhr, im Tchulhause, Nordanlagc 14, cntgcacngcnommcn, und zwar Donnerstag für die Höhere, Freitag für die Erweiiertc Mädchenschule. Vorznlcgcn sind OlcburtSnrknnde, Impfschein oder Wieder» impsschein und bei Kindern, die ans einer anderen Schule kommen, ein Abgangszeugnis. Mädchen, die erst schnlpsllchtlg werden, find bei der Anmelduitg vorzustcllen. Schülerinnen, die früher schon in unserer Schule waren und wieder cintrctcn sollen, sind ebenfalls anzumcldeii.
Anmeldungen nach der festgesetzten Zelt können nur berücksichtigt werden, insofern die betreffenden Klassen nicht schon vollzählig sind.
Gießen, den 23. Dezember 1914.
Großhrrzogliche Direktion:
Dr. Störiko.
Städtischer Arbeitsnachweis Gießen.
Es können eingestellt werden:
») bei hiesigen Arbeitgebern:
5 Dreher, 3 Former. 2 Schlosser, 2 Kupferschmiede, 1 Heizungs- und 2 Elcklromontenrc, 2 Schmiede, 1 Spengler, 1 Gerber, 2 Bäcker,
3 Schuhmacher, 3 Sattler, 1 Friseur, Taglöhncr u, HauSburschcn, Dienstmädchen.
b> bei auswärtigen Arbeitgebern:
6 Elektromonteure, 20 Eiicndrchcr, 1 Feucrschmied, Schlosser, Werkzeugmacher, Klempner nnd Installateure, 2 Bäcker und Konditor, 1 süngercr landwirtschaftlicher Arbeiter, Maurer, Handlanger, Erdarbeiter, Kalkbrcnncr, Stclnbrucharbelter und Taglöbner, Bau-, Rohr- und Rcparaturlchlosser sowie ungelernlc Fabrikarbeiter und Bleilöter für eine Fabrik bei freier Hinreise »nd ' hohem Lohn.
Es suchen Arbeit:
2 landwirtschaftliche Fuhrleute, 4 Schlosser, 1 Schmied, 2 Buchbinder, 1 Polsterer und Tapezierer. 16 Schreiner, 1 Kliscr, 1 Glaser,
1 Müller, 5 Schuhmacher, 3 Schneider, 4 Maurer, 7 Zimmcrlcutc,
6 Wclßbinder und Lackierer. Kanfleute, Schreiber, landwirtschaftliche Arbeiter und Knechte, Erdarbeiter, Taglöhncr, Kellner, Hans- burschen, Putz-, Wasch- und Laussraucn.
Städtischer Woßnmtasnachweis Gießen.
Ee sind zu vermieten:
1 Wohnung von 7 Zimmern evtl, mit Mansarde, 2 Dohiiunqen von 6 Zimmern, 1 Wohnung von 5 Zimmern und 1 Mansarden» zimmcr, 1 Wohnung von 5 Zimmern, 3 Wohnungen von 4 Zimmern, 2 Wohnungen von 4—5 Zimmern, 6 Wohnungen von J Zimmern, 4 Wohnungen von 2 Zimmern, 1 Wohnung von 2 Zim-1 mcrn ohne Küche, 1 Lager- oder Jabrikraum, 6 möblierte Zimmer, I davon 2 ncbcneinanderlicgende.
Zu mieten gesucht:
12 Wohnungen von 2—5 Zimmern
Die Marktpreise kür Vieh »»d Frucht und die Gießener Fletsch- und Brotpreise am 21. Dezember 1914
Schlachtviehpreise in Fra nkfnrt a. M.
Fleischs'rejsc in Gießen
Ochsen
Kälber
Schweine
50kg Schlachtgewicht 81-100 Mk. '/> „ . 75-96 Mk . . 7,-77 .
»/, kg86-96 Pfg. „ 80-84 .
. 80-98 .
Getreidcpreise In Mannheim.
Weizen I Roggen
100 Ire —.---Mk.
Brotpreiic i» Gießen
Weißbrot 2 kg 68 Pfg | Schwarzbrot 2 „ 64
Ccßor DaS (Betreibe auZgedroschen ist. Ter Besitzer solchen Getreides sann von den Behörden gezwungen werben, mi: den Mitteln seines landwirtschaftlichen Betriebes binnen einer zu bestimmenden Frist bas Getreide auszudreschen. Kommt er einer solchen Anordnung nicht nach, bann wird das Dreschen des Getreides auf seine Kosten vorgenommen. Weigerungen gegenüber den erlassenen Vorschriften werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr bedroht, insbesondere gilt diese Strafvorschrift auch für Personen, die das Vorhanden- sein von Vorräten, für die Höchstpreise festgesetzt sind, den zuständigen Beamten gegenüber verheimlichen.
folgen der Angstkäufe beim Kriegsanfang.
Als der Kriea ausbrach. liehen besonder« die zahlungsfähigere» »reise große Masten von Nahrungsmitteln mancherlei An aus Ihre -Speicher und in die Vorratskammern schleppen, lind die .kleinen" Leute glaubten auch vielfach. den letzte» Groschen schleunigst für den »aus von allerhand stapelsachen ausgeben zu miisten. So verdarben sich die unverniinsiig handelnden Konsumenten die Preise, während die Händler goldene Tage hatte». Nachher stellte sich dann heraus, dah auch während der Kriegslage immer noch Nahrungsmittel zu habe» waren, und zwar billiger als in den ersten Augusttagen. Und weiter sahen die falsch besorgte» Konsuinenteii, dah sich manche ihrer ausgestapelten Lachen gar nicht so lange aufbewahre» lasten. Ter Vorwärts schreibt darüber:
Gleich bei Ausbruch der Kriege» entstand bei manchen Krauen eine wahre Panik. Lie glaubten, dah schon bald gar kein Mehl, Salz, Zucker und so weiter mehr zm haben sei, und die Frauen des leidlich zahlungsfähigen Mittelstandes stürmte» die Mehlläden und kauften für alles verfügbare Geld Vorräte a» Nahrungsmitteln ein. So wurde der Mehlbebarf für ein ganzes Fahr gedeckt. Viele dieser „vorsichtigen" Hausfrauen werden nun wohl mit Schrecken sehen, dah sie jetzt Besitzer einer prachtvollen Mehlwiirmerznchl sind und ste in der Lage wäre», eine Nachtigallenmastanstalt zu gründen, vorausgesetzt, dah sie eine hinreichende Zahl der lieblichen Sänger erhalten könnte». Tie Panik der Hausfrauen wurde von wucherischen Mehihändlern hinreichend auSgenutzt. Man forderte und erhielt Preise, die die Mehlhändler, die über einige Vorräte verfügten, plötzlich zu reichen Leuten machten.
Tie so mit Mehlwürmern beglückte» Konsunienleii werden hosfentllch die Lehre nuS der Sache nehmen, dah sie dem »reise der Händler und ihren, Profitstreben entrinnen >i»d der Konsum- genostenschast beitreten, die sie vor Uebervorteilungen und vor schlechtem Einkäufen bewahrt.
Ter hessische Arbcitsniarkt im November.
Tic Arbcitsmarktlage im November ftanb noch ber. Mitteilungen bes Mitteldeutschen ArbeitSnachweisverbanbes unter dem Zeichen berKriegSlieserungen und brachte für den Arbcitsniarkt ungewöhnliche Verhältnisse. In allen Zweigen der Industrie, die mit Militüraufträgen versehen waren, insbesondere in der Metallindustrie, ferner in der Automobilindustrie, Werkzeugmaschinenbronche, Ledcrvcr- nrbeitung, bestand ein solcher Bedarf an Arbeitskräften, daß er nur teilweise gedeckt werden konnte. Besonders stark war der Mangel an Trebern, Bohrern, Fräsern, Schmieden, Wagnern, Sattlern, Tapezierern, Schneidern und Schuhmachern. In ziemlich bedeutendein Ilmfange wurde ein Ilebergang in andere Berufe beobachtet. Schreiner machen Wagner- arbeiten, Tapezierer Sattlerarbeiten, ebenso Hutniacher. Da zudem im vorigen Monat zahlreiche Einberufungen erfolgten, stieg die Geschäftstätigkeit der Arbeitsnachweise ganz außer- ordentlich. So wurden beispielSnwise in der männlichen Abteilung deS Arbeitsamtes Frankfurt a. M. 271t Stellen vermittelt, gegen 1550 im Vorjahre, in Cassel 802 (509), in Wiesbaden 781 (199), in Mainz 757 (353), in Tarmstao! 594 (117), in Osfenbach a. M. 438 (286), in Gießen 54 (08), in WormS a. Rh. 200 (223). Auch die elektrische Jndn- strie war gut beschäftigt, soweit sie mit Militäraufträgen versehen war.
Ungünstig waren die BeschästigungSverhLltnisse noch immer für die Gold-, Silber- und Gelbmetallarbeiter. Tie in den einzelnen Berufen noch vorhandenen Arbeitslose» snid zum größten Teil ältere und erwerbsbeschränkte Per- sonen, die auch in normalen Zeiten den Arbeitsmarkt belasten. Verhältnismäßig ain stärksten war die Arbeitslosigkeit im graphischen Gewerbe, hat aber auch hier erheblich abgenommen, da viele Buchdrucker und Schriftsetzer z» anderen Gewerben übergingen. Ter Korrespondent (Fachblatt des Deutschen Buchdruckerverbandes) teilt mit, daß im Buchdruckgewerbe in außerordentlichem Umfange Ueber- gänge in andere Berufsarten stattgesunden hätten: Bei der Eisenbahn als Babnarbeiter. Streckenarbeiter, bei der Straßenbahn als Schaffner und Wagenführer, bei der Post im äußeren und inneren Dienst, als Hilfsschutzleute, Ratsdiener, Landarbeiter. Fabrikarbeiter, Hilfsarbeiter in Sattlereien und Kürschnereien, als Brauereiarbeiter. Markthelfer. Provisionsreisende, Photographen und auch als Erdarbeiter.
Auch für daS Ban ge werbe war die Lage verhältnismäßig günstig, mit Ausnahnie der Maler und Weißbinder. An tüchtigen Bauarbeitern, Maurern, Ziinmerleuten, ferner Betonarbeitern »nd Erdarbeitern war teilweise empfindlicher Maiigel, so daß von den Arbeitsnachweisen von der Annonce im größten Umfange Gebrauch gemacht wurde. Zur Deckung des Arbeitsbedarss hat der Mitteldeutsche Ar- beitsnochweisverband in großem Umsange mit den Bürgermeistern i» kleineren Orten, in denen erfahrungsgemäß Bauarbeiter vorhanden find, verhandelt. Ter Erfolg ist jedoch gegenüber verhältnismäßig günstigen Resultaten im Oktober im November verhältnismäßig gering gewesen. Aus dem gleichen Grunde kannten auch Aufträge nach weiteren Ent- sernungen. speziell auch in Gruben (Lothringen usw.) nickt erledigt werden, da im Derbandsgebiet reichlich Arbeitsgelegenheit vorhanden war. Seitens der Eisenbahndirekticn werden die Arbeiten an größeren Bahnbauten dem Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband lausend mitgeteilt, so daß der Verband in immer größerem Umfange über die vorhandene Arbeitsgelegenheit orientiert war.
Die von den Städten eingerichteten N o t st a n d s - arbeiten wurden, soweit hier bekannt ist. in vcrhältnis- niäßig geringem Umfange in Anspruch genoninien.
tzm GastwirtsgeEerbe war die VermittlungS- iätigfeit für feste Stellen infolge der vielen Einberufungen
im letzten Monat nickt ungünstiger als tm Vorjahre. Da- gegen war für Aushilfskellner keine Nacktroge. In der Landwirtschaft war die Dermittlungslätigkeit im lebten Monat noch verhältnismäßig rege: es fdxrint jedock. alS ob im nächsten Frühjahr fick ein starker Mangel an Knechten bemerkbar machen werde. Tie Landwirtschaft?- kammern wurden vom Verband bereits darauf anjmerksam gemacht.
Aus dem weiblichen ArbeitSmarkt haben fick ebenfalls die Verhältnisse günstiger gestaltet, insbesonder- hoben die von einer Reihe von Städten eingerichteten Räb- ltuben und Notstandsarbeiten für Frauen sich eines außerordentlichen Zuspruches zu erfreuen. Bei der Vergebung von Militüraufträgen beteiligten sich viele Arbeitsnachweise direkt oder sie nahmen gemeinnützige Nähslnben hierfür in Anspruch. Das neu errichtete Armee-Bekleidungsamt Mainz- Kaslel Hot bereits einen großen Teil von Aufträgen in dieser Weise vergeben. Tie Einrichlung eines AusbildungskursuS für Strohhiitnäherinnen zum Ersatz der belgischen Arbeiter wurde in Frankfurt a. M. in die Wege geleitet. Auf dem Dienstbotenmarkt sind die Verhältnisse ähnlich wi auch in früheren Jahre». Um die Weihnachtszeit wird bekanntlich von Dienstboten wie auch von Herrschaften wenig gewechselt.
Zur lommmialcn Vorbcnsiiinls der KriegSieuchen.
öS ist bekannt, dah die Gefahr der Volksfeuche» nie so grvh ist ivie im Kriege. Tarum haben nufere Kommunen natürlich auch erst recht zur Kriegszeit die Pflicht, in weitestem llmsange ihre Ausgaben auf dem Gebiete der Gesundheitspflege zu erfüllen und vor allem die nötigen vorbeugenden Maßnahmen zu treffen. Fm allgemeinen hat man aber in unseren Ztädie» diese Pflicht in ihrem ganzen Umfange noch nicht erkannt. Tas wichtigste Organ für eine planmäßig vorbeugende kommunale Gesundheitspflege ist die Gefundheiiskommissio». und die fehlt entweder oder sie wirkt nicht so, wie es sein niiißte.
Fn Preuße» erisiiert seit 1890 ein Gesetz über die GesundheitS- kouimissionen. Tanach ist daS Arbeitsgebiet dieser Sommissionen recht weit. Aber es muß auch in der nötigen »mfasieuden Weile bearbeitet werden. Tie Kommission muß von Zeit zu Zeit und gerade jetzt in der KriegSzeit von Haus zu Haus gehen, jeden Winkel, jeden Graben, jeden Abzug untersuchen. Fn regelmäßigen Sitzungen miisien etwaige hygienische Mißstände der Stadt besprochen und Abänderungsvorschläge den städtischen Behörden unterbreitet werden. Welchen Nutzen solche gründliche und planmäßige gesundheitliche Arbeit bringt, bas hat man nur zu gut in Bad Ems festgestellt, wie Dr. med. Ernst seinerzeit berichtete. Also nicht nur aus dem Papier sollen die GesundheitSkommisstonen stehen, sondern draußen im Leben der Stadt sollen ste ivirke», und zivar gründlich. Solche vorbeugende Arbeit stellt die batte und auch die billigste Maßnahme gegen den Ausbruch von Seuchen dar.
Unmöglich ist solch ein Arbeiten aber ohne einen städtischen Tesinfektor, der eventuell elnzugreife» bat. Aber ein städtischer TeSinfektor fehlt merkwürdigerweise meist noch, obwohl die Kosten hierfür gewiß für größere Städte nicht hoch sind, direkt gering im Verhältnis zum Nutzen und obwohl jede kleinere Stadt gewiß eine Persönlichkeit besitzt, die sich für solche Arbeit im Nebenanite eignet. Aust,ilten zur Ausbildung gibt es zur Genüge (ln Breklau, Köln, TreSden, Fena und an anderen Orten.)
Wir wollen hoffen, daß die jetzige Zelt überall die Gesnnb- heitskommissionen z»m Leben, zum wirklichen, schaffende» Leben rust und daß sie dann auch nach dem Kriege bei ihrer bedeutungsvollen Arbeit verharren.
Nervöse Kinder und der Krieg.
Eine beherzigenswerte Mahnung, vor Kindern inanche Einzelheiten der kriegerischen Ereignisse nicht zu ausführlich zu behandeln, enthält eine Mitteilung über nervöse Störungen bei Kindern, die Dr. Otto Katz in der Berliner Klinischei, Wochenschrift macht. Tr. Katz beobachtete eine ausfällige Hausung von sonst verhültnismähig seltenen nervösen Störunge» bei Kindern während der Kriegszeit. Es handelt sich um „Angstzuständc", deren Bild fast völlig den bei Er- wachscncn so häufig beobachteten Zustände gleicht. Ti.' Kinder waren ganz gesund und fangen nun plötzlich an schlecht auszusehen. Sir werden blaß, schlapp und zeigen einen müden Gesichtsausdruck, der unzweifelhaft eine leichte, melancholische Beimischung hat. Ter Appetit fehlt; von Zci! zu Zeit höreii die Kinder zu spielen auf. träunien vor sick hin liiid laufen unruhig hin und her. Tann beginnen sie wieder ihre Beschäftigungen; doch eins der Kinder, ein Mäd- ckjcn von sechs Jahren, das früher viel gespielt hatte, spielte jetzt überhaupt nickt mehr. In zwei Fällen stellten die Eltern gleich die Verniutiing aus, daß die Kinder sich sehr über den Krieg erschrocken hätten, »nd auch in anderen Fällen ergab sich dieselbe Ursache. Es war zwar nicht immer der Krieg an sick, aber Einzelheiten, die sie z» hören bekamen hatten aus die Kinder gewirkt, insbesondere die Erzählung von Greiicltatcn. Tic Kinder stammen alle von „nervösen" Eltern, bei dem sckiwerstcn Fall lag eine ernstere Belastung von der Mutier vor. Läßt man sich nun von Kindern eine genaue Schilderung dessen geben, was in ihnen vorgeht, so beschreiben sic ihre Empfindungen ungefähr folgendermaßen: „Ich bekomme plötzlich solche Angst, »nd wenn das dann eine Weile gedauert lut, dann habe ich keine Angst mehr." Bei der Frage, worüber sie sick ängstigen, bekam der Arzt zweimal die Antwort, sie müßteir an die und die Greucltat denken, die ihnen erzählt worden sei. Aus die Frage, ob sie denn immer daran denken müßten, antworteten sie: „Nein, jetzt nicht mehr, jetzt weiß ich oft nicht mehr, weshalb ick Angst habe." Sie schildern dann ein ganz unbestimmtes Angstgefühl. Unzweifelhaft hängen diese Zustände mit psychischen Störungen zusammen, die die Kinder durch Erzählungen vom Kriege erlitten haben. Tie Behandlung, die in erster Linie natürlich eine psychische sein muß. hatte in fast allen Fällen gute Erfolge, und die Symptome verichwan- den wieder. Nur bei dem besonders schweren Fall des sechsjährigen Mädchens war der Zustand hartnäckiger und besiertc sich nur sehr allmählich.
Ter 51. Vcrbandstaq der hessischen lnndwirtschiift- lichen Genossenschaften
fand am Samötag in Tarmstadt unter Beteiligung von 176 Vertretern au« allen Provinzen statt. Ter Geschäftsbericht konstatiert eine allmähliche Erholung von den schweren Schäden, die das hessische landwirtschaftliche Genossenschaftswesen seit Niedermobau
unseligen Angedenken» heimgesucht hatten. Zu Beginu des neuen Keschäsisjahres bestanden 3 Zentralgenosienschasten. 303 Spar- und Darlehenskassen, l r >7 Bezug« . 20 Molkerei-, 27 Winzer-, 8 Milch- verweriuug»., 2 «ornhaus-, 2 Waller-, 13 Trelchgeuosseiischasiei:, je 1 Brennereigenvllenschast. Sauerkraulsabrik. Baugenolleuschast, Houigverlaussgenolleuschast, VeriverliiugSgenosseuschaft für land- wirtichafllickie Krzeugnille. Weidend«»-. Schistsversichernngs^ genollenschasi, 2 Spargel-. Obst- und Gemllsebanvereine, 1 Earbid» verein und 1 Verivaliungs» und Verwertuugsgesellschast siir Immobilie», zusammen 007 Geiiolleusck'gsie» mit 01400 Mitglieder». gegen 077 Genolleiischasten mit 70 730 Mitgliedern. Unter den Aiisgeschiedenen liulolne Auslösima oder Aufkündigung) be- finde» sich 4-c Tarlehenskaslen, 1-1 Konsumvereine, I Zuckerfabrik, I Kornhausgenollenschast uiw. Tie RevIfionslSligkeit ivar eine umfangreiche, hier und da auch erfolglose, sodaß Ausschluß eiu- treie» mußte. Tank einigem Zusammensleheu, sowie dem Not-, siandsdarlehen des Staates mit 1 Million Mark u»d Bereitstellung eine» westeren ShxMti durch den hrfsisclirn Staat von 2 Mllioncw Mark war es möglich, durch die schwere Kris!» hindurchzukvmnienä Tie »nlerstellnng ber neuen Zeniraikalle »nier siaailiche Aussicht liefe da» Vertrau«» im GeiwllenschculSwcse» wieder eiitlelnen. — F» der Tiskulsion wurde niehrseitig die Beibehaltung des Instituts des Verband,c-Keller-Fnspeklors bei de» Winzergenollenschasten gesordert. Tirektor Mager von der Zeuiralkasse siitzrie Klage, daß Mängel, trotz Aufllhruua im Nevisionsberichl, von einzelnen Oie» uosieuschafte» «ich, abgeslelli würben. Man könnte doch »ach bru gemachten trüben Erfahrungen endlich eiuseheu. wie »ölig Ordnung im Kalleuwese» ist. Manche Geuosieuschaste» scheinen in- dessen aus dem Siandpunkie z» stehen, daß sie auch elnmaj sündige» dürsten, nachdem in Tarmstadt so viel gefsindigt worden ist Einsalscher Weg sei e» auch, das ganze überflüssige Geld l» Hupotbeke» anzulege», weil sich da» einmal sehr rächen könnte. Man sollte jetzt, da auf dem Lande »eberfluß an Geld ist, da» Geld znsainme»- balien und bei der Hesienkasie einzahle», dainii man e» nach dem Kriege für inlenstve Wirtschaft wieder habe» könne. (Zustimmung.) Tie FahreSrechnuna für 1013 wurde geuehmigi und Enilafinng, auch für die noch rückständig,» Fahre 1013 nn-d 11)11 erteilt, nachdem in der letzten Bilanz die allen Mängel beseitigt worden sind. Ein Antrag Tanienheii». der die Fahiesbeltrage der Verbands- geiivllenlchaste» abftufc» wollte je »ach Umsatz, wurde »ach längerer Tiskulsion dem VerbandSaiislchiiß zur Beardeltniig überwiesen. Sin weiterer in ähnlicher Richtung lausender Antrag au,> ZI. Fohanu war zurückgezogen, .stur Abänderung der Satzungen des Verbandes wurde eine Kommission bestellt. Fn de» Verbands- ausschuß wurden durch Zurul gewählt: Oekouomierat Wolter-
Lengfeld, Tirektor Grilueivald-Babenhause», Haminann-Biebe»- heim. Stell-Georgenbaule», Weidmann-Höchst, Ritz-Tarmstadt. 26»- Ostheim, Geheimer Regierungsrat Bichmaun-Tarmstadi, Schmlbl- Echzell. Birkensioä-Raustadt. KlooS-Viibel, Siang-Schoilen, Keller- Spießheim, Löfch-WaldiilverSheli», Sch»ittck-2t>e»del»heim, Weru- l>ez-Nierslern. Bester 2!. Fohann und Acheubach-Weinviaheii». Mit eine». Hoch aus da» hessische Genosieuschafisweseii schloß der Vcr- bandStag.
Ocffcnllichc Nahrnchsmittelversoranng.
Daß die Versorgung der Bevölkerung mit NalirnngS- miltcln durch kapitalistische Privatbetriebe im Ernstfall gänzlich versagen würde, war vorauSzuschen und nimmt nnS deshalb nicht weiter wunder. Es ist erfreulich, daß inan jetzt auch ini anderen Lager diese mangelnde Organisiernng cin- sicht. Wir wiesen sckwn twrschiedentlich auf die Aussagen von Wisscnsckiaftlern wie Praktikern hin, die eine Regelung ocS NohrungSniittelwescns durch den Staat verlangten. Auch der Aerztlichc Verein in Franksurt a. M. sprach sich jetzt i» Diesem Sinne aus und verlangte, daß der Staat die Produktion wie den Verkauf in die Hände nehme. Einen Schritt ist nian auf diesem Wege jetzt in Schlvedcn iveiler gegangen. Nach de». Verschlage des LebenSniiltclaiiSschiisseS werden dort jetzt der Sozialen Praxis zufolge 60 000 Tonnen Weizen, die siir einen zweimonatlichen Nornialverbranch genügen, von Staats wegen anfgekanft. Allerdings geschieht dies nickt aus einmal »nd nicht zu vorher bckanntgcgcbenen Zcitpunktcn, um nicht den Spekulanten die Preissteigerung leicht zu machen, sondern zu verschiedenen Zeiten und in ungleichen Mengen. Sollte dergleichen nicht auch in Deutschland möglich sein? Allerdings dürste der Verkauf nnr für die Bedürftigen stattfinden, solange eS sich nicht um den ge- samten LcbenSmittclvorrat handelt.
Tic Allhlcupl'llntllsie im Kricqc.
Tcr Zeitgenosse ber Weltkriege von 11X4 ersähet nichts von den Zahlen der Heere, die im Felde siehe», nichts von den Mallen, die an einer Schlacht beteiligt llnd, er weiß auch nicht, wie viele Tote und Verwundeie der Krieg erfordert. Nur über die Zister der Gelangenen wird er uugelähr unterrichtet. Aber wir willen, daß mit dem Leben von Hunderttausenden, von Millionen zu rechne» ist, und die Schätzungen unserer Phantasie können nicht leicht übertreiben. Gerade, weil die Zahle» der Opfer zu groß sind, solle» sie im Tunkeln bleiben, lo lauge der Krieg dauert.
Tagegen spielt in der Kriegsgeschichte der Vergangenheit die phaniasistch erhöhte Zahl eine bedeniende Rolle. Fast immer wird übertrieben, selten nnlerschätzt. immer bedarf jede überlielerie Zahl strenger willenschasilicher Nachprüfung. Tie „Zahlenhnpnose", wie diele Erscheinung von Hand Delbrück, den, Versasier der unvollendeten „Geschichte der Kriegskunst" genannt wird, bezauberte schon die Kriegsberichterstatter des Altertum». Gleich der Ahnherr der Geschichtsschreiber, Herodot, erzählt allen Ernstes, daß Lerre» mit 4 200 000 Mann nach Griechenland marschiert wäre: da» wäre ein Zug von 420 Meilen Länge. Lenopho» läßt bei Knnnara 900 000 Perser von 13 000 Griechen besiegen. s preußische Heer Friedrich II. von 32 705 Waschfrauen ins Feld igleltet worden fei. „ ... ,
Begreiflich ist. daß man bei Niederlagen zur eigenen «nlschul- gung die Zahl der Gegner inS Unermeßliche steigert. Friedrich »ilhelm III. von Preußen behauptet, daß er bet Auerstadt 1300 -gen feine 50 000 Mann 70—80 000 Franzosen gehabt habe chn «ahrheit wurde fein Heer von 27 000 in die Aucht geschlagen, bei auch der Sieger erhöht zur Mehrung seines Ruhmes die eereszisser de» Feindes. Ein öfteireichischer Gcneralsiablcr be- iupiet über die Schlacht bei Aspern (1809), daß " 000 Oester-
Beilage zm Oberhefsischon Volkszeitung Nr. 299
Hießen, Aonnerstag den 24. Aezemver 19f4.
Hessen und Nachbargebiete.
Gieren und Umgebung.
Unser Weihnachten.
Verstummt, ihr Engel und ihr Hirten,
Verstummt ihr trägen Litanei'«!
Eh' nicht gelöst der Völker Bürden,
Kann Friede nicht ans Erde» sein.
Wie lönnten Frcndcnlieder schallen,
Wo Unterdrückung herrscht und Rot,
Ein solcher Sang, cd war ein Spott,
Dem Menschen wär's tcin Wohlgefallen,
Wohlauf, zum jkampse, auf -,imi Siege,
Damit es Fried' ans Erden wird,
Damit der Menschheit Feind erliege,
Ter freie Volks,zcist triumphiert, lind wenn vertilgt die letzten Reste Des Elends ltnü der Sklaverei,
Wenn alle Menschen froh und frei,
Dann feiern wir ErlösnngSfeste! Kegel.
Weihnachtsbotschaft 1914.
Das „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen", das einst die himmlischen Heerscharen den Hirten auf dem Felde verkündet haben sollen und das alljährlich in allen Kirchen wiederholt wird, klingt dieses Jahr wie schneidender Hohn. In das Tönen der Weihnachtsglocken und der Choralgesänge mischt sich das Brüllen der Geschütze, das Krachen der Bomben und anderer Werkzeuge, welche die Wissenschaft znr Masscn-Mcnschcnvernichtiing erfunden hat. lind vielleicht schreien itnd stöhnen z» gleicher Zeit Tausende Verwundete, Verstümmelte und Sterbende aus den Schlachtfeldern, versinken Hunderte mit ihrem Eisenschiff in unergründliche MeercStiefe! Tausende Witwen »t>d Kinder werden au den Weihnachtstagen, die sonst für sie Inbegriff der Frende »nd des Glückes waren, uni den Verlust des Gatten und Vaters weinen; Tausende Mütter jammern um ihre Söhne, es trauern Geschwister und Bräute. In der Tat, es kann keinen größeren Widerspruch geben, als den zwischen der Weihnachtsbotschcist und der grauenhaften Wirklichkeit. Diese Widersprüche schafft der Kapitalismus, der letzten Endes auch den Krieg verschuldet hat. Das fluchwürdige System, dessen Beseitigung das Ziel der Sozialdemokratie ist. Und che, dies Ziel nicht erreichst ist, sind wir nickt sicher, daß sich die Kriegsgrenel wiederholen. Für dieses hohe Menschheitsideal weiter zu arbeiten, dazu muß uns das Weihnacktsfest dieses Jahr besonders dringend mahnen. — Der Wunsch „Fröhliche Weihnachten", den wir sonst einander zuriefen, paßt Heuer nicht, denn es sind traurige; wünschen wir deshalb, daß wenigstens ein Teil der Weihnachtsbotschaft bald in Erfüllung gehe: Friede!
Weihnachten und Kinvcrspielzeng.
Der Parteipresse schreibt eine Genossin:
„Neulich belauschte ich eilt Paar spielende Kinder, die sich über Weihnachten unterhielten. Ein kleiner Knirps und ein noch kleineres Mädchen äußerten diese Meinung: „Ter Weihnachtsmann ist über die Grenze gegangen, um einzu- kaufen, und nun kann er nicht zurück, weil Krieg ist, und nun wird er wohl gar nicht zu uns kommen!" Die beiden schienen zu ahnen, daß dieses Jahr mit dem Weihnachtsmann nicht viel los sein wird.
Aber die Mutter sck>afft und sorgt auch int Elend des Krieges für ein paar Gabe», die sic ihren Kleinen am Weih- nachtsfest geben kann, und schon jetzt ist sie erfüllt von den Gedanken, was für Spielzeuge für die kleinen Jungen und
die kleinen Mädchen ausgewählt ivorden sollen und können. Tie Kaufläden bieten ja wieder eine Auswahl, die fast verwirrend wirkt: und mehr als je drängt sich in diesem Iaht das Kriegsspielzeng in den Vordergrund. Es begegnet sich da mit dem von den Ereignissen beeinflußte» Sinn so vieler Kinder, die schon seit Wochen und Monaten vom Krieg und Kriegsgeschrei mit fortgcrisscn finb. Und nicht allein in ihren Spiele»: schon seit AuSbruch des Krieges sieht man sie zahlreich — manchmal armselige Würmchen — an der Hand ihrer Eltern in feldgraiter SDfiifec oder in voller Uniform spazieren: ein Zeichen, daß auch diese Eltern den Wünschen ihrer Kinder »achgaöen, oder cs gar für ihre Ausgabe halten, deren Freude am Soldatenspielen und am Krieg noch besonders zu fördern.
Sollen wir Arbcitermütter diesem Kindersinn miscrer Jungens nun auch systematisch Vorschub leisten? — Dann böte sich ja bei der Auswahl der Weihnachtsgeschenke eine besonders passende Gelegenheit. Aber wir sagen nein! Wir haben trotz deur Kriege in unseren erzieherischen Ausgaben nicht iimzulernen. Wenn die Nationen den Krieg jetzt auch notgedrungen führen müssen, so sind und bleiben wir doch grundsätzlich Gegner des Krieges. Wir betrachten den Krieg und das Soldatentum als etwas zu Ueber- windcndcs, uns gilt nur der Friede als heilig, die friedliche Verständigung der Nationen erstrebenswert. Diesen Sinn sollten wir auch unseren Kindern einpflanzen, und zu diesem Zweck verbannen wir schon aus ihren Spielen, was die Freude am Krieg und dem Dölkerhaß in die jungen Herzen senkt: die Kanonen und Flinten, Helme, Säbel und Soldatenanzüge.
Vielleicht können wir trotzdem nicht vollständig hindern, daß durch Einflüsse von außen her die Sinne unserer Kinder kriegerisch werden, daß sie an blutigen Kriegsschilderungen Gefallen finden und über unsere Feinde grausam denken. Aber gerade weil diese Einflüsse jetzt stärker als jemals sind, haben wir selber alles zu vermeiden, was dieser kriegerischen Welle Vorschub leisten könnte. Wir wollen schon beim Spiel unserer Kleinen darauf hinarbeiten, daß ihnen der Krieg als das erscheint, was er ist und als was ihn schon einer unserer größten Dichter der Welt denunziert: ein roh, gewaltsam Handwerk!
Als das Ideal, das der Menschengeist sich als Höchstes stellt, ersehnen tvir einen Gesellschastsziistand, unter dem die Nationen sich brüderlich die Hände reichen. Zum Kampf um diesen Zustand gehört auch Heldenmut, gehören Treue und Tapferkeit! Und zu diesem Heldenmut wollen wir unsere Kinder entflammen."
Wir können diesen vernünftigen Gedanken nur ans vollem Kerzen zustimmen. Und man sage uns nicht: ja, die Kinder machen sich doch Holzsäbel, wenn wir ihnen keine blechernen kaufen — sie stülpen doch Papierhelme auf den Kopf, wenn wir ihnen keine feldgraue Mütze schenken. Es ist eben ein Unterschied zwischen dem, was die Kinder cins NachahmungStrieb tun und was wir, Eltern deshalb nicht verhindern können und zwischen dem, was von uns aus Gedankenlosigkeit oder gar mit pädagogischer Absicht geschieht.
Es gibt anderes Spielzeug genug, um unseren Kindern eine bescheidene Weihnachtsfreude zu machen, Beschästigungs- spiele und Baukästen, wie z. B. den Tadobaukasten. Und nicht zuletzt denke man an gute Bücher. Kreidolsmärchen- bücher und ähnliche für die jüngeren, Robinson, die Doktors- samilie im hohen Norden und dergleichen mehr für die größeren.
Htiüiming der Verjiihrnng von Forderungen infolge des Krieges.
Am st, Dezember verjähren die im Fahre 1912 entstandenen Ansprüche der Kansleute, Fabrikanten, Handwerker und Kunsl- jicivcrbctrcibendc» für die Lieferung von Waren, sowie Ausführung von Arbeiten: sind die Leistungen für den Gewerbebetrieb des Schuldners bestimmt gewesen, dann tritt die Verjährung am II.
Dezember nur dann ei», wenn cs sich um Leistungen aus dem Fahre 19t» handelt. Sonstige Forderungen aus dem Fahre 1912, die nn> Nt, Fanuar verjähren, find unter andcrcni Forderungen der Eiastwirte fiir Speisen, Getränke, Gewährung von Wohnung und Beköstigung. Mietsorderungen für die Miete von bewegliche» Sachen, Gehalts- und Lohnforderungen von Angestellten, gewerblichen Arbeitern und Tagelöhnern, Ferner tritt die Verjährung ein bei Vorschüssen, die der Arbeitgeber im Fahre 1912 geleistet hat, auch die im Fahre 1919 fällig gewordenen und seitdem rück-- ständigcn Zinsen cinschliestlich der Tilgungsraten, sowie die Mict- und Pachtzinsen für nnbeivegliche Sacken verjähren am 91. Dezember,
Hinsichtlich der Unierbrechung der Berjährmig durch den Krieg ist in diesem Fahre zu beachien, aast das Gejev vom 4, August eine Hemmung der Verjährung vorsieht, Sic gilt für die Zeit der Einberufung znm Kriege, innerhalb der der Eingezogene natürlich verhindert ist, seine Rechte wahrzunehmen. Die Verjährungsfrist ivird »in die Dauer der Verhinderung verlängert. Kehrt also ein an, 1, Oktober cingczogeiicr Krieger an, 1, April 1915 heim, so tann sein Gläubiger eine sonst am 91. Dezember dieses Fahret« abgelansene Fordern»« noch sechs Monate nach Eintritt der Verjährung, also bis einschließlich zum 99. Funi, geltend machen. Ist dagegen der Krieger aus irgend welchen Gründen nach vier Wochen entlasten worden aus de» Diensten des Heeres oder der Marine- dann läuft die Verjährungsfrist nur bis zum 28. Fanuar 1915,
Da den Gläubiger» vielfach die vorzeitige Entlastung eines- Schuldners nicht bekannt werden wird, und somit die Gefahr der Verjährung von Forderungen besteht, ist aus Handels- »nd Ge- ivcrbekrcisc» beim Bundcsratc der Antrag gestellt ivorden, durch ein Rotgesetz einheitlich die Verjährungsfrist oller derjenigen Forderungen hinauszuschicbcn, die in ruhigen Zeiten avi 91, Dezember dieses Fahres verjähren würden.
Abänderungen der Bestimmungen über die Höchstpreise.
T-er Rcichsanzeigcr veröffentlicht eine Verordnung des Bundesrats, die Bestiurmnngen enthält Über die Konfis- kation von Warenvorräten, für die Höchstpreise festgesetzt sind. Die Verordnung wurde offenbar dadurch veranlaßt, daß die Besitzer von Getreide, Kartoffeln usw. ihre Vorräte znrückhalten. Die wesentlichste Bcstinimung der neuen Verordnung ist folgende:
„Das Eigentum an Gegenständen, für die Höchstpreise: festgesetzt sind, kann durch Anordnung der zuständigen Behörde einer von ihr bezcichneten Person auf deren Antrag übertragen werden. Die Anordnung ist an den Besitzer der Gegenstände zu richten; sie ist nicht ans die einem Landwirt zur Fortführung seiner Wirtschaft erforderlickten Vorräte zu erstrecken. Das Eigentum geht über, sobald die An- ordnung dem Besitzer zugeht.
Der Anordnung hat eine Aufforderung der zuständigen: Behörde zur Ueberlassung voranziigehen. Die Aufforderung hat die Wirkung, daß Verfügungen über die von ihr betroffenen Gegenstände nichtig sind; den rechtsgeschäftlichen Verfügungen stehen Verfügungen gleich, die im Wege der' Zwangsvollstreckung oder Arrestvollziehnng erfolgen. Die, Landcszcntralbehörde, in deren Bezirk sich die Gegenstände befinden, kann bestimmte Personen ermäckstigen, eine solche Aufforderung zu erlassen; die von einer hiernach ermächtigten! Person erlassene Aufforderung wird unwirksam, wenn sie nicht binnen einer Woche, nachdem sie dem von ihr Betroffenen zngegangen ist, durch Erlaß von der Behörde bestätigt wird.
Ter von der Anordnung Betroffene ist verpflichtet, die Gegenstände bis zum Ablauf einer von der Behörde in dev Anordnung zn bestiniinenden Frist z» verwahren. Tie Behörde kan» eine Bergütung für die Verwahrung fcstsetzen.
Der Uebernahmepreis wird unter Berücksickstigung des Höchstpreises sowie der Güte nnd Verwendbarkeit der Gegenstände von der höheren Verwaltungsbehörde nach Anhörung von Sachverständigen endgültig festgesetzt. Handelt es sich um Gegenstände, deren Höchstpreis sich zu bestimmten Zcit-i Punkten ändert, so ist der zur Zeit der Anordnung geltende Höchstpreis zu berücksichtigen."
Die Beschlagnahme von Getreide kann auch erfolgen.
Politische und unpolitische Plonderei.
Don was wäre in diesen Tagen anders- zn reden, als vom Kriege, tvenn einer anfängt zu „plaudern"? Mir gchts nicht anders, obwohl ich so lange nichts gesagt habe Begegnen sich zwei, so kann man ganz getrost drauf schwören, daß sie mit dem dritten Worte ihrer llnterhaltnng beim Kriege sind. Und gar vieles Merkwürdige kommt bei der Erörterung dieses Gegenstandes heraus, ich muß schon gestehen, daß ich in den fünf Monaten des Kriegszustandes mehr an Merkwürdigkeiten, Widerspruchsvollem, Widersinnigem gehört und erlebt, als vorher in 20 Jahren. OJe- rade jetzt, wo wieder die christliche Friedensbotsck)aft von allen Kanzeln verkündet wird, tritt der schreiende Widerspruch zwischen dein, was gepredigt nnd gelehrt wird und der Wirklichkeit grell zutage. Seit 2000 Jahren wird das „Friede auf Erden" gepredigt; viele große Geister »nd bedeutende Menschen haben für den Weltfrieden herrliche Worte gesprochen, nicht bloß das, sondern ihr Leben lang gekämpft — nnd wir sehen, daß die Völker sich zerfleischen, wie es in der Menschheitsgeschichte noch nie der Fall war. Es genügt nicht, daß der eine den andern mit Flinte, Kanone und Säbel zu vernichten strebt, mit solchen Kleinigkeiten mag man sich heutzutage in unserem christlichen und Humanitären Zeitalter nicht mehr abgeben, beute werden durch die mit Hilfe der Wissenschaft ausgeklügelten, raffinierten Mordinstruinente Hunderte, Tausende Menschen mit einem Schlage in zerfetzte Leichnanie verwandelt. Und wem ein solckicr Winz gelungen, dessen Ruhm erfüll! den Erdball, er ist ein unvergleichlicher Held. Daß noch kein Vertreter des Christenliuns an das fünfte Gebot er- innerte, ist eine der Merkwürdigkeiten, die wir heute erleben. Eine noch wunderbarere ist die Tatsache, daß jeder Kriegführende sagt, ec wollte keinen Krieg und — doch haben »ch alle an der Kehle. Und gerade wie bei einer Rauferei in einem bayerischen Torfwirtshaus: keiner weiß zu sagen, warum man sich eigentlich prügelt!
Ins Ungeheure gehl, was an Werten vernichtet und zerstört wird. Täglich fast kommen Nachrichten, daß dies oder jenes Kriegs- oder Handelsichiss auf eine Mine gelaufen und untcrgegangen sei. Viele Leser denken sich dabei nichts oder nehmen es gleichgültig hin. Ein größeres Kriegsschiff kostet aber 10 bis 60 Millionen Mark nnd noch mehr. Und in wenigen Minuten verschwindet ein solches Wnnderwcrk der Technik, durch einen einzigen Schuß vernichtet, von der Wasserfläche! Viele Millionen verschlingt der Völkermord täglich! Wie oft sträubt sich der Staat, die Behörden, oder auch eine Landes- oder Gemeindevertretung gegen Aufwendung einiger hundert Mork für einen nützlichen und knlturförderndcn Zweck; Debatten darüber gehen oft monatelang — jetzt spielen Hunderttausend,: gar keine Rolle. Das dicke Ende für die Steuerzahler wird aber sicher »och Nachkommen und manchem Bauchgrimmen verursachen.
Von dem allgemeinen Durcheinander werden noch andere Merkwürdigkeiten geboren. Durch die Entwicklung des- Weltverkehrs sind die Beziehungen der Völker inniger, ist die Vermischung stärker geworden, zahlreiche Deutsche sind mit Franzosen und Engländern blutsverwandt »nd umgekehrt, sie stehen sich jetzt als „Feinde" gegenüber. Man las sogar in einem Falle, daß Brüder durch eine zweite Ehe ihrer Mutter sich als Feinde gegenübcrstanden. So zerreißt der Krieg alle Baude der Verwandtschaft, Freundichaft und - Parteigenossenschaft. Tiefe Meinungsverschiedenheiten hat der Krieg zweifellos in unseren Reihen hervorgcrnfen, die heftige Auseinandersetzungen nach sich ziehen werden; doch hege ich die Ueberzeugnng, daß, nachdem der Sturm
vorüber und man klarer sieht, wir uns bald wieder auf dein Boden unserer bewährten Grundsätze zusammenfinden wer- den. Unsere große Bewegung wird keinen dauernden Schaden davontragen, nur müssen wir alle kühlen Kopf behalten.
Unterdessen verstehen es viele Profitjäger, die Kriegswirren für ihre Taschen nutzbringend zu gestalten. Trotz aller Maßnalnne» der Behörden sehen wir, daß mit den notwendigsten Lebensmitteln des Bolkes vielfach schändlichster Wucher getrieben wird. Und zwar von Leuten, die sich sonjt als ganz kernfeste Patrioten aufspielen. Doch vielen steht der Prosit höher wie der Patriotismus, was man schon oft zn erfahren Gelegenheit hatte. In dieser Hinsicht lmt der Krieg keine Umwälzung gebracht: die Plnsmacherei ist noch immer oben!
Sonst sehen wir aber Veränderungen mancherlei, die ini Sinne unserer Bestrebungen und Forderungen liegen. Daß die Behörden das Eigentum Privater beschlagnahmen und ini Interesse der Gesamtheit verwerten, hätten sich vor einem halben Jahre wohl mir wenige träumen lassen. Und man hat kein Wort von „sozialdemokratischem Terrorismus" gehört, mit dem man früher bei jeder Bagatelle bei der Hand war: schon wenn Arbeiter ersnckit wurden, einer Organisation beizutreten oder ein Partciblatt zn lesen! Man darf zwar die Wirkungen des Krieges auch nach dieser Rich- tnng nicht überschätzen, aber soviel steht doch fest, daß er tausendfache Beweise für die Notwendigkeit sozialdemokraü- scher Organisation der Volkswirtschaft gebracht hat. Ob nach dein Kriege die gemachten Erfahrungen weiter wirken werde», müssen wir abwartcn. Unsere Losung aber, für die wir mit aller Energie weiter kämpfen werden, wird di.'s:lb- sein, wie bisher:
Friede, Freiheit und Wohlfahrt für alle Menschen!
Viitstyeivungsrämpse tui Westen ;
Das Luchen nach der „schwachen Stelle"
Der Berner Bund vermutet in den Vorstößen der Ver- vundcten auf dem weltlichen Kriegsschauplatz reckt erns,,.^- Versuche, in die deutsche Front ein,! brich," US f' e ' “ möglich, zu sprengen. Man nimmt an. daß di eie Angrisfsbcwcgungen noch keineswegs abgeschlossen seien, son- dern auf der ganzen Front sich weiter abwickeln wurden b,S vielleicht eme Stelle sichtbar würde, an der an den eigentlichen Durchbruch gedacht werden könnte. Ctrote- gisch genommen, müßte diese am ehesten an dem Nordflügel liegen, wo bisher schon die blutigsten Kämpfe stattsanden Doch wurde bei e.ner so weit gespannten Front wohl auch schlechthin ein verwundbare stelle ausfindig zu machen sein. UM auch dort einzuhaken. Die allgemeine Lage im Westen sei stark gespannt. Jeder Tag könne Ucberasch. »ngen bringen. Beide Parteien würden ihr letzte! ycrgebenl sie seien einander ebenbürtige Gegner.
<»ute Stimmung der Deutschen.
TaS holländische Prcflebureau meldet, daß die Franzosen grossc Anstrcngungen machen, um sich in den Besitz der Eisenbahnlinie Roule^-Menin zu setzen, »m dadurch aus die Tculschen an der Linie Mcnm-Noubair-Lillc einen Truck au»,Hüben. Trotz der Zu- suhrung grotzer Ariillericmriigcn ist ihnen der Vorstoß nicht ge. I » n g e n. Tic von Aper,, hcianstihrenden Rarschstrasscn werden weiterhin von der dcuischen «rlillerie beherrscht.
Berichte aus Selzacte schildern, wie der Berliner Lokalanzelger meldet, die Massnahmen gegen eine mögliche Sperrung der «chclde und einen Angriff aus den «rohen Schiftahrlskanat Keilt.Tcrncuzcn seitens der c u g l i s ch e n F l o t t e. Ter Mittel- Punkt ist die ZothuiS. ein etwa 1 stilomctcr langer Gcbäudekomplcr, der teils von Mauer» umgeben, in einem dichten Nadclgehöl, längs des »anal» liegt. Tiefe Position ist stark mit Laufgräben und schweren Batterien bescstiat und beherrscht den »anal und die Eiscn- bah». Zahlreiche Sandkähne ron Baggern gefüllt mit Sand- und Basaltstcinen liegen fllr eine eventuelle itanalsperrung bereit. Tic Stimmung der deutschen Truppen ist erheblich an gefeuert durch die Meldungen von dem n e n e n S i c g e der deutschen Truppen in Pole n. Tie Soldaten sagen, jetzt werden wir auch bald mit den Franzosen und Engländern fertig, die Belgier zählen wir nicht mehr mit.
Auf dem Wege nach Warschau!
Unter der Ucbcrschrift „Auf dem Wege nach Warschau" heißt cs in einem Bericht der Bossischcn Zeitung: Der
Tecolo erfährt aus Petersburg: Die Schlacht dauert am
linken Weichselufer von den Flüssen Dzure und Rewka bis Nida fort »nd wütet besonders zwischen Socheczcv und Szicrnicwicc, wo die Deutschen besonders stark sind, um sich den Weg nach Warschau zu öffnen. Die Zerstörung in den von den Russen und darauf folgend von den Deutschen okkupierten Teilen Polens ist unbeschreiblich. — In der Kreuzzeitung wird hcrvorgehofcn, daß unsere Truppen iiz den heftigen Känipfen an dem Bzure» und Rewka-Abschnitt an vielen Stellen die Ueberwindung des Gegners erzwangen. DaS Blatt setzt hinzu, in glücklicher und harmonischer Weise wirken die Generalstäbe der deutschen >md österreichisch- ungarischen Armee zusammen.
Polnischer Attsstand in Lemberg?
Rotterdam, 23. Deg. (W. B.) Ti« N. W erzählt zur Be- grlluduug der harte» russischen Mohucchmen In Lemberg, daß dort ein förmlicher Aufstand vorbereitet worden sei. und zwar von Soldaten der polnischen Legion mit Hilf« des polnischen Roten Kreuzes und von Aerzteu. Soldaten hätten sich während der Einnahme von Lemberg in di« Spitäler geslückstc« und sich dort wie Kranke und Verwundete benommen. Ti« Verschwörer hätten in den den Kascnien gegenüberliegend«! Häusern Maschinengewehre und Kanonen ausgestellt und Waffen unter die revolutionär gesinnte Bevölkerung verteilt.
Ter Füsirer der französischen Lehrer stcwerkschaften flcfallcu.
In den Kämpfen an der Küste fiel am 30. Oktober der Sekretär des französischen Lehrcrvcrbandcs, der Genoss? Chalopin. Der Kassierer derselben Gewerkschaft, Bcrrv. war einige Tage zuvor gefallen. Chalopin und viele seiner Kollegen haben in den letzten Jahren Disziplinarstrafen, Maßregelung usw. über sich ergehen lassen müssen, weil sic cs wagten, die Lehrer zur gewerkschaftlichen Betätigung her- anzuzichcn. Ans dem denkwürdigen Lehrerkongreß in Chambdry wurde der Anschluß an die allgemeine Arbeiter- bewegung sowie Unterstützung der antimilitaristischen Pro- paganda beschlossen. Seitdem kannte die Vcrfolgungswn: der Regierung keine Grenzen mehr.
Trotzdem kämpften und sielen die Verfolgten fllr ihr Vaterland treu und tapfer. So was nehmen die französi- schcn Sozialisten auch nur den deutschen Genossen ii b c l. für die französischen Genossen ist es s e l b st v c r st ä n d l i ch. daß sie ein Vaterland verteidigen, das sie verfolgt'
Tic Reichsbank seht den Diskont herab.
W. B. Berlin, 23. Dez. Tic Reichsbank bat heute den Diskont auf 5 Prozent und den Lombardzinsfnß aus 6 Prozent herabgesetzt.
Telegramme.
Tagesbericht des Ach» Haiiptailartiers.
Abgewiesene Anflriffe der Engländer «>«d Franzo en.
Das grofze Ringen in Polen.
W. B. Großes Hauptquartier, 23. De;., vorm. (Hin; lich.) Angriffe in den Dünen bei Lombarzpthe und südlich Bixschootc wiesen unsere Truppen leicht ab. Bei R i ch e b o u r g - I'A v o u 6 wurden die Engländer gestern wieder aus ihren Stellungen geworfen. Trotz verzweifelter Gegenangriffe wurden alle Stellungen, die zwischen R i ch r - b o u r g und dem Kanal d'Airc L La Bassö den Eng länoeru entrissen waren, gehalten und befestigt. Seit dem 20. Dezember sielen 750 Farbige und Engländer als Gefangene in unsere Hände. 5 Maschinengewehre und Mincn- wcrser wurden erbeutet.
Zu der Umgegend des Lager? von Chat» ns ent- wickelte der Feind eine rege Tätigkeit. Angriffe nördlich i l l c r v , südöstlich Reims, bei S o u a i n und Perthes wurden von uns zum Teil unter schweren Ver- lusten für die Franzosen abgeschlagen.
In L st - » n d W c st p r e n ß e n blieb die Lage un verändert-
Die Kämpfe um den Bzura- und Rawka-Ab- schnitt dauern fort..
Ans dem rechten N i l l c a » s e r ist dir Lage unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Ter ttampf im Westen.
Ter englisch, Bericht.
Ter Bericht deS Augenzeugen im englischen Haupt- anartier vom 17. dS., der am 21. Dezember in den englischer. Zeitungen vcröftcntlicht wird, kann nur von kleinen Angriffen und Gegenangriffen an der Bier sprechen und wendet sich dann kleinen Episoden zu. Da er seinem Publikum keinen großen Erfolg vorzusetzcn mebr in der Lag« ist, io toird das alte Märchen, daß die prenßische Landwehr kriegs- müde sei, wieder ousgeftscht und dann aufs neue ein enormer Sieg der Zivilisation verkündet. Tie Deutschen gäben das Tragen von Pickelhauben auf und trügen dafür die Feldmütze. Ten Widerstand, den die verschiedenen Angrifte der Verbündeten finden, vergleicht er mit den Kämpfen Anfang Oktober, als die Engländer und Franzosen die bclgische Grenzc zuerst erreichten. ?lber einen großen Unterseizied macht er, das ist, daß die Deuftchen in bedeutenderer Stärke da sind und daß ihre Stellungen viel stärker sind, als vor zwei Monaten. Es handelt sich nicht mehr um ftolierte Punkte, die zu zerstören sind, sondern um eine ungeheure Front, die an verschiedenen Stellen von mehreren, äußerst gut gewählten und sorgsam erbauten Erdwerkcn verstärkt ist. Diese Zone sei ein vollständiger Jrrgang von Schanzen- gräbcn mit Hindernissen. Selbst wenn man Grund und Boden gewinne, so gebe das nur furchtbar langsam und der Augenzeuge muß zugestehen, daß, wenn in manchen Depeschen angegeben worden ist, daß Grund gewonnen wurde, dieser sich oft nur auf einige Pard beschränkt. Es ist ein regelrechter Festungskrieg, der geführt wird. Das Vorgehen könne nur wieder im Schützengraben geschehen und cs läßt sich von beiden Seiten nur dadurch ein Vorteil erringen, daß das feindliche Befestigungswerk zerschossen oder durch Minen in die Luft gesprengt wird.
Tie Situation ln Belgien
wirb in einan Felbpos«brief, tattert vom 13. Dezember 1914, wie folgt geschildert:
Belgien, den 13. 12. 14.
Lieber Fritz!
Tie Bevölkerung hier in Belgien war in all«; Orten, In n>elchen wir gelegen haben, sehr gut und zutraulich zu ich ». Sie halfen uns. wo sie konnten,, gern. Das traf überall ba za. wo di« französisch« Sprach« herrscht«: dort bat e» uns bisher am besten gesallen. Doch als rvir das französische Sprachgebiet über, schritt«; hatt«n, ändern- sich der Sinn und Eharakter der Be- ivohner gegen uns. Zwar sind di« armen L«ttc auch noch zutraulich und bitten uns uni Brot. Wir tun auch viel für si«: wir gaben ihnen Brot mid Esson. denn wir fühlen ihnen noch, wie sic von der Not gedrückt werden, Jetzt dürfen wir ihnen nur noch Brot geben, das wir nicht ausesicn. Die besseren Leut« dagegen gehen stumm an uns vorüber und sehen uns nur von der Seite an, als ob sie uns mit dem Blick vergiften nullte Als wir in den letzten Tag«» wieder einmal voni Landsturm ab gelöst wurden, zogen wir weiter, der Front entgegen. Wir kamen aus Feldwache in ein kleines Tor», das von den belgischen Truppen arg zerschosicn worden ist. weil sie zu kurz geschossen hatten. Di« Leute hier sind vor den Augen uns gegenüber freundlich, doch sehr hinterlistig und falsch. Man mutz sich sehr vorschen. Viel- sich inutztei; icho» Haussuchung«» vorgcno-ininen werden, bei welchen trotz des bekannten Verbots Ke wehre und Patronen vor- gefun-dcn wurden. Auch ist auf uns schon mehrfach aus den, Hinterhalt heraus geschossen worden. Einmal wurde, als ich aus Wache war. ein grosser Hund auf mich gehetzt. Nach einem ab- gegebenen Schreckschuss zog sich der Angreifer mit seinem Hund zurück. Eine am andern Tage vorgenomnienc Uniersuckmng sörbcrie nichts Positives zutage. Der Verdächtig« behauptete, sein Hund habe sich von der Kette loc-gerissen gehabt und er sei dann zurückgerufti, worden. Der nntersiichrnde Feldwebel schenkte diesen Angaben Glauben und dir Sache war erledigt.
Ter österreichisch-ungarische Tagesbericht
Neue Kämpfe a» der Front.
Wien, 23. Tcz. (W. B.) Amtlich wird verlautbnrt: 23. Dezember, mittags: Unsere Opcraftonen in den Kor-
pathcn nehmen einen g ü n st i g e n Verlauf. Im Latorcza- Gebiet wurde ein russischer Angriffsversuch bei Volocz (Vülovez) a b g e w i e s e n. Im oberen Ung-Tale machten unsere Truppen gestern 300 Gefangene bei Fcnyvosvölgy und drangen dann weiter vor. Auch nordöstlich des Luykower Passes in der Richtung gegen Lisko gewann unser Angriff Raum. Das ofsiziclle Communiqu^ des russischen Gcneralstabcs vom 18. Dezember behauptet, daß uns an dieser Front 3000 Gefangene und auch Geschütz? und Maschinengewehre abgcnommcn wurden. Diese Angaben sind erfunden. Unsere hier auftretende Kampfgruppe verlor an Toten, Verwundeten und Vermißten zusammen zwei Offiziere und 305 Mann: nicht ein Geschütz, nicht ein Maschinengewehr siel in die Hände des Feindes.
Tie hefftgen Kämpfe bei Krosno, Jaslo, Tuchow und am unteren Tunajec halten an. An diesem Fluß erneuerten die Russen auch in der vergangenen Nackt ihre vergeblichen verlu st reichen Angriffe. An der Nida st e b t vorerst der Kampf. Nächst der Mündung dieses Flusses wurde eine Brücke des Feindes über die Weichsel in Brand geschossen. Südlich Tomaszow wurde von unseren Truppen ein Nachtangriff kaukasischer Regimenter abgeschlagen.
Tie Kämpfe unserer Verbündeten um den Ratvka- und den Bzuraabschnitt dauern fort. An der ganzen Front ist somit eine neue Schlacht im Gange.
Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Ter Feldzug gegen Serbien.
Eine amtlich, Darstellung.
Wien, 23. Dez. Meldung des k. k. Korr.-Bur. Amt» lich wird bekannt gegeben: Tic nach dem siegreichen Vorgehen in Serbien erfolgte Zurücknahme unserer K r ä s t e bat verschiedene, teilweise ganz imbegründeic Ge- rüchte entstehen lassen. ES soll daher hiermit auf Grund jener Erhebungen, die ohne Verzug auf allerhöchsten Bcfebl von einer hohen militärischen Vcrtranensperson an Orl und Stelle gepflogen worden sind, Aufklärung gegeben werden. Nach den crkämpsten Erfolgen hat das O b c r k o in in a n d o der Balkanstrcitkräfte die Erreichung de8 idealen Zieles aller Kriegführung, die völlige Niederwerfung des Gegners, ins Auge gefaßt, dabei aber de» zu überwindenden Schwierigkeiten nicht genügend Rechnung getragen. In- folge der Ungunst der Witterung tvaren die ohnehin durch unwirtliches Terrain führenden N a ch s ch u b I i n i e n in einen solchen Zustand geraten, daß c« uinnöglich wurde, der Armee di? nottvendigc Vcrpslcgung und Munition zuzu- sübren. Da gleichzeitig der Feind neue .Kräfte gesammelt batte und zum Angriff überging, mußte die Offensive abgebrochen werde». ES war ein Gebot der Klugheit, die Armer nicht unter den ungünstigen Verhältnissen zum entscheidenden Kampfe zu stellen. Unsere in Serbien einge- drungenen Streitkräste sind, den widrige» Verhältnissen nach- gebend, zurückgegangen: sie sind aber nicht ge- schlagen. Sie sehen ungebrochenen Mutes neuen Kämpfen entgegen. Wer unsere braven Truppen nach den, besclitver- lichen Rückzüge gesehen hat, der mußte erkennen, welch hoher Wert ihnen innewobnt. Daß wir bei diesem Rückzug cinpfind- lickze Verluste an Mann und Material hatten, war unvermeidlich. Hierbei sei festgestellt, daß die über das Maß unserer Verluste verbreitete» Nachrichten über die Tatsachen n>eit hinausgehen. Seit einer Reihe von Tagen stelzen die von allerbestem Geiste beseelten Truppen in guten Unterkünften. Sie werden mit alleni Erforderlichen versehe» und harren ihrer Verwendung. Bisher kam es an der Grenze nur zu unbedeutenden Plänkeleien zwifck>en Patronillen. Seine Majestät geruhten, den Oberkoininandanlen aus seine aus Gesundheitsrücksichten gestellte Bitte von dein Kommando zu entheben und an seine Stelle den General der Kavallerie Erzherzog Eugen zu ernennen.
Ter amtliche Bericht sagt also deutlich, daß infolge erheblicher Fehler der Leitung daS österreichisch-ungarische Heer zu einem völligen verlustreichen Rückzug gezwungen wurde. Der Oberkominandierend«, General Potiorek, hat deshalb „aus Gesundheitsrücksichten" den Abschied bekommen und der Krieg gegen Serbien geht von da wieder an, wo er Anfang August begann. Eine recht peinliche Sache, die peinlichste sogar für uns und unsere Verbündeten in diesem ganzen Kriege.
Französisches Parlament.
Paris, 23. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Präsident Deschancl eröfsnete die Kammcrsitzung und erklärte in einer Ansprache, die Vertreter Frankreickis müßten der Helden gedenken, welck)c seit fünf Monaten für das Vaterland kämpften. Frankreich sei niemals größer gewesen-, niemals und nirgends habe nian herrlichere Tugenden gesehen. Deschanel gedachte der verstorbenen Deputierten, namentlich der ans dem Schlachtsclde gefallenen Parlamentarier. — Jni Senate er- öffnete Tubost die Sitzung mit einer Ehrung siir das An- denken der verstorbenen Senatoren, insbesondere des Senators Rcymund (Departement Loire), der bei einem Erkun. dungsflug in der Stäbe von To»l vor den; Feinde gefallen ist. Er drückte sodann namens des Senates Bewunderung für die Arniec »nd ihre Führer und das Land aus. — 3« der Kammer verlgs sodann der Ministerpräsident Viviani die Regierungserklärung. Bon den ersten Sätzen an wurde er durch Beisallsrufe unterbrochen. Die Deputierten hörten die Erklärung stehend an und brackzen in Beifall auS, als Viviani erklärte, Frankreich werde bis zur endgültigen Befreiung Europas kämpfen. Als er von den Syinpathicbczeugungen des Auslandes und dem Willen Frankreichs, das Izeldenmlltige Belgien wiederherziistellen und den preußischen Militarismus zu zerbrechen, sprach, über- tönten Beifallsrufe und Ruse: Es lebe Belgien! die Stimme Divianis, der seine Rede längere Zeit unterbrechen mußte. Tie Sätze über die Gewißheit des Erfolges, über den Gene- ralissiniuS, die Armee, die gefallenen Soldaten, die Festigkeit des Kredits u'nd über die günstige Finanzlage fanden leblzaftcn Beifall. Am Schluß der Rede erhob sich ein Bei» iallssturm. Eine Anzahl Gesetzesvorlagen, die morgen erörtert werden sollen, wurde im Bnreau der Kammer nieder- qelegt. Tie Tribünen waren dickt besetzt. Sämtliche Botschafter und Gesandten der verbündeten und neutrale» Mächte waren anwesend, darunter Berti« und Tittoni. Alle Deputierten wohnten der Sitzung bei. Das Haus vertagte sich um 3V 2 Uhr nachmittags auf den 23. Dezember.
Kopenhagen, 23. De,. (Ctr. Frkst.) Jede Tiskilsston über bi« von der sranzösischen Negierung vorgelcgten Gesetzesvorschlägc tu den Kammern wird bis F a n u a r verschoben werden. Ter Fustiz- ministcr legte dem Ministerrat den Entwurf eines Gesetzes über das Verbot des Handels mit Angehörigen feindlicher Staaten vor. Ter Finanzgesetzvorschlag der Regierung wird Tonnerstag von den Kammern behandelt.
Die Regieruttsiserklärung.
die wir ihrer Länge wegen nicht abdrucken können, schlägt eine wenig würdige, in niedrige Schimpfereien ausartenden Ton gegen den Feind an und unterscheidet sich dadurch wie durch ihre unerftäglich geschwollenen Phrasen erheblich von den würdigen und ritterlichen Ausführungen des Reichskanzlers im Deutschen Reichstage vom 2. Dezember. Nicht mit Unrecht nennt die Franks. Ztg. diese französische Regierungserklärung ein „Schimpftnanifest". __
Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Giessen. Verlag von Krumm & Cie., Gießen.
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Geschichtlicher Roman au« dem deutschen Bauernkriege von 1525 von Roderl Schweichei
Die größte deutsche Bauernerhebung hat in diesemRonian ihre künstlerische Darstellung gefunden. Der Verfasser führt uns gleich im Anfang in eine höchst lebendige, charakteristische Szene, die schlagend offenbart, um was es in diesen verzweifelten Kämpfen der Bauern ging: um die Befreiung von den drückenden Feudallasten, um einen gerechten Anteil an Grund und Boden, Wild und Fischfang und kirchliche Freiheit. Das Auftreten Luthers gab der längst vorhandenen llnzuftieden- heit einen mächtigen Aufschwung und verschaffte dem politischen und wirtschaftliche» Kampf eine religiöse Grundlage; denn das Evangelium sah in allen Menschen Brüder und wandte sich hauptsächlich an die Mühseligen und Beladenen. Darüber hinaus sahen Weiterblickende daS Leil in der Errich. tung eines nationaldeutschen, christlichen Reiches — ein Lim- stand, der im Linblick auf den Weltkrieg der Gegenwart von besonderem Interesse ist.
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Alles in Allem: Dies starke Werk eines Mannes, der mit Lerz und Tat stets auf Seite des schaffenden Volkes stand, ntuß das brennende Interesse jedes Arbeiters, jeder Arbeiterin finden. Wer den Roman schon kennt — man kann ihn gern zweimal lesen! — hat hier Gelegenheit, sich eine illustrierte Ausgabe für wenig Geld zuzulegen, denn das Werk wurde von Prof. Damberger-München mit künstlerischen Bilder» geschmückt.
Reben dem Lauptroman bieten wir unsernLesern zunächst
Sewastopol
Novell« von £to Tolstoi
In dieser höchst zeitgemäßen Novelle führt uns der berühmte russische Dichter in die Zeit des Krimkrieges, da die vereinigten Armeen der Franzosen, Engländer, Türken und Sardinier den ersten Kriegshafen der russischen Flotte im Schwarzen Meer einschlossen und eroberten. Der Verfasser befand sich als junger Offizier in.der Festting und schildert aus eigener Anschauung ticfergreifend Leben, Leiden und Kämpfe der Verteidiger, ihren Mut und ihr Verzagen, ihre Tugenden und Laster. Er beschönigt nichts, er verschweigt nichts. — Da Sewastopol auch im gegenwärtigen Kriege eine bedeutende Rolle spielt. Lasen der ntssischcn und Angriffsobjekt der türkischen Flotte ist, werden die meisterhafte» Schilderungen Tolstois mit außergewöhnlichem Interesse gelesen werden.