Drgtlir für die Interessen des werktätigen Volkes D* Cbttbelflldt» v»lti>,cln,n, erlchetnt leben Wkrttatz vdcnd tn «leken. Der «bonnementtpret» beträgt wcchentlick) IS P!g »anallick, 80 «fi ftnfdiL «rmactloün. Dur» die «oO bezogen i»er1eIiäbrl.l«Mt 8tedalii»n und Lrpebttto» Siede». Bobnbotdrade 22. «cke Lbwenaalie. Televb»» 2008. anftratr tosten die 8 mal grspall. rtalanetjcUe ober deren Raum lb «I» Oci orösiercn Aufträgen Rat att. Anzeigen wolle man dis abends 7 für die tolgenbe Kummer »> der Eppedition autaebe» Nr. 297 Gießen, Ticnstlils, den 22 . Dezember 1914 9 . Iaiirsslniü Friedensgerüchte. AnS Berlin wird uns geschriebcu: 3» Berliner Blättern werben Gerüchte initfictcilt und «atiu ich zugleich dementiert, wonach Bestrebungen im ('lange sein solle», im de» Fcstlandkrieg, fei es mir im C (t c 11 , fei es im C(lcn n n o festen zugleich zu Ende zu bringen, Rach der Kreuzzeitung er. ahlte inan sich am Samstag an der Berliner Börse, das, Grosisücst Grill und Gras Witte in Berlin seien, um wegen Einleitung von iricdcne-verhanülnngcn Fühlung z» nehmen. Ändere Leute wollen igar den französische» Bolschastcr Eambon wieder in Berlin gehen haben — was recht unwahrscheinlich ist, den» wenn Frant- eich insgeheim Verhandlungen einlcilen wollte, würde eö schwer- ch einen Mann schicken, de» jedermann in Berlin lennt. Es ist der sehr wohl möglich, dasi diesen (Gerüchten irgend ein Bahr- c i tj* fern zugrunde liegt, möchte er auch noch so klein sein. aS fortwährende Hervortreten von Friedensgerüchten verschiedener Art legt den ('ledantcii nahe, dasi von vssizicllc» oder nicht- sslzicllen Persönlichkeiten andauernd aus baldige Einstellung der cindscligkcitcn hingcwirkt wird. Lb dabei ein Frieden mit einer lacht allein oder mit allen zugleich angestrcbt wird, mag nach der Person der Vermittler, ihren Verbindungen nnd poli- schen Anschauungen verschieden sein. Bei der grosien Zahl der egncr, der Verschiedenheit ihrer Kriegslage nnd ihrer politische» »Icrcsic» ergibt sich eine grosic Zahl von möglichen Kombinatio- ,'n, die der Phantasie am weitesten Spielraum bieten. I» der Regel kommt ein Fricdensschlusi zwischen zwei tricq- ihrcnden Staaten erst dann zustande, wenn einer von ihnen die »»öalichkcit, weiteren Widerstand zu leisten, nicht bloß vollkom- cn eingeschcn, sondern auch ösfcntlich ancrkannt hat. 8b wäre ne Täuschung, wenn man annrhmen wollte, dasi einer von den egncrn Deutschlands sich jetzt schon zu cincm solchen Zugeständnis chucmen könnte. Es ist falsch, von einem Zusammenbruch ir russischen A r m e e zu sprechen, wie das in den letzten Tagen elfach geschehen ist. Was zusamuicngcbrochcn ist, sagt »ns die auptquartierkmeldung vom 17. Dezember, das ist d,c russische lsscusivc gegen Schlesien nnd Posen. Zn sonstigen Zusanimen- Ingcn soll man mit dem Wort Zusammenbruch etwas sparsamer ttgeheu und sich bemühen, die Tinge so z» sehen, ivic sie sind, cht wie nian sic gerne haben möchte. Ein Separatfrieden mit Rnftland könnte heute sicherlich nicht ick dem Diktat Deutschlands »nd Oesterreichs geschlossen werden, ndern nur aus Grund einer Verständigung, bei der es weder ieger noch Besiegte gibt. Mit seinem Abschlnsi iviirdcn die nilral,nächte Rusiland als gleichberechtigte Macht anerkennen, sie urden aber zugleich Strafte srcibckommcn, die »ach menschlichem mcsien dazu ausreichcn müßte», irra » kreich in kürzester stt zu zerschmettern. Dasi aber diese Kräfte auch wirklich an- twendct werden würden, ist kaum zu denken. Den» aus der len Seite würde einem solche» Krieg alle Volkstümlich- it fehlen, auf der andere» Seite würbe Frankreich schon rch die blosic Aussicht, den Krieg ohne russische t>ilfc weiter hren zu müsien, zum Einlenken gezwungen sein. Tenn was ankreich für das Frühjahr von England an Hilfskräften er- >rtet, ist nicht imstande, de» jetzt noch im Osten kämpfenden deuten Truppe» die Wage z» ballen. Tatsächlich sprechen die Berliner Gerüchte nicht nur von einem jeden mit .'llusiland, sondern von einem Frieden mit Rusitand > d Frankreich, sodasi dann nur der deutsch-türkisch englische Krieg rig bliebe. Dieser Krieg könnte dann nicht mehr als Landkrieg f französischem Boden, sondern mir als Tee- und Kolonialkrieg itergcsiihrt werden. ZndcS ist es geradezu ausgeschlossen, l Frankreich in seiner gegenwärtige» Lage den geringste» Schritt Anbahnung eines Friedens nnlernimmt ohne sich mit England Verbindung gesetzt zu haben, wie cs ja auch — trotz des bc- >nte» Charakters der russischen Politik — wenig ivohrscheinlia, das, Rnftland hinter dem Rücke» Frankreichs mit Deutschland bandelt. Entweder wird man also von jeder Friedensaltion er der Gegner annchincn müssen. dasi sie im stillen Einvei- > n d n i s mit den ander» unternommen ist. oder aber selbst nn sie ans eigene Faust erfolgt, ivird man damit rechne» dürfen, > sie in rascher Folge gleich gerichtete Aktionen auch der anderen gner auSlösen würde. Ei» Separatst jede mit Rußland ,» dem Zweck, > Kampf gegen den Westen bis zum W e i si b I » t e n zu führen, re ei» namenloses Unglück für Europa. Besondere rhandliinqen mit irgendeiner Macht, wäre cs selbst Rusila, h, dem Zweck, eine» allgemeinen Frieden zu erzielen, wii:- aber von der Masie des deutschen Volkes gebilligt werden, e dieser Friede» ausseben könnte, weih freilich kein Mensch, irde es gelingen, den Krieg abznbrcche» »nd auf Grund von reinbarungen einen Zustand in Europa herbeizusübre», der lerndcn Frieden verspricht, so wäre das die grösite und t n de rb a rste Tat der Weltgeschichte. Wer an solche W n >' r nicht glauben kann, der ivird alle» Gerüchten von Separat ' Kollektivfiieden im gca »würliacn Stadium des Krieges mit r stärksten Zweifel begegnen. Er wird sein Lhr auch denen schliesir». die die Dinge so darstcllcn als genügte» die bis- igen Erfolge deutscher Wassen auch nur aus einem der Kricgs- iupläyc schon zur Herstellung des Friedens nach deutschem b o t. Die «ras, der Gegner Deutschlands ist zwar c r uttert, aber nicht gebrochen. Roch weift keiner, wann > wie Friede» werden soll. Tie Russen,ncdcrlage in Paris. Rom, 21. Dez. Aus Paris wird telegraphiert, dasi dort rrmnachrichten über die kritische Lage der Rnsieu, ja io - den angeblichen Fall Warschaus verbreitet sind. Tie ruer Milttärkreise suchen das Publikum zu beruhigen. Tic behaupte», es handle sich nur u>» taktische Rot- Wendigkeiten »nd eine neue strategische Grnppie- ru»g der russische» Heere. Pkiantastischc Hoffnungen. Tie Tnriner Stampa meldet aus angeblich absolut sicherer Quelle, das: zwischen den Mächten des Dreiverbandes ein Vertrag zustande gekoinnien sei siir die Teilnahme von 500 000 Japanern am jkriege in Europa, die bis Ende des nächsten Frühjahres in Europa eintresscn sollen, salls es bis dahin den Verbündeten nicht gelungen sein sollte, die Dei>tsck)en aus Frankreich nnd Belgien zu vertreibe». Zn diesem Zlveck werden angeblich inzwischen die eine Million Soldaten des Lord Kitchener, ferner die Frei? willigen der Kolonien und weitere 700 000 Inder einkreffen. Diese, lächerlichen Zahlen angebliclicr Hilsshrnppeu zeigen nur die grenzenlose Verlegenheit der Feinde, Rach russischen Zeitungsnicldnngeii sioht sich Rusiland gezwungen, wegen Mangels an weste reu Rejervcn den Rekniten- Fahrgang 1915 eiNtZuEerujen. Aus Paris wird gemeldet: Petit Fournal enchstlt tu verklausulierter Form die Rachricht, England habe wertere 80(100 Mann nach Flandern geworfen, Tie mutmassliche Kriegsdauer. Ter dänische General Nieuwenhuis veröffentlicht in der Nationa.ftiüi>ndc Betrailstuagen über die mutmaßliche Kricgsdauer, worin er ausführt, daß die Deut- scheu in Belgien, Frankreich und Polen überall so starke Stellungen einnehmen, das; es für die Treiverbandsmächtc mit sehr großen Opfern verbunden sein würde, die Deutschen hinausznwcrfcn. Es werde sehr lange Zeit erfordern, bis im Westen eine kräftige Rheinfront erreicht »nd im Osten 'Schlesien von den russisckien Geeren überschwemmt werden könne. (Nach der russischen Niederlage in Poleri würde General Nieuwenhuis die Aussichten des Dreiverbandes wohl noch geringer bewerten.) Deutschland habe in der Einjährig.Frciwilligen-Jnstitution einen großen Vorteil. Jährlich würden 10 000 Personen ausgebildct, die mit dem tüchtigen Osfizierkorps zusammen eine ausgezeichnete Re- ferne bilden, um die Offiziersverluste auszufüllcn. Deutschland sei bisher imstande gewesen, überall den Gegnern die Ttangc zu lialten. Tic Kricgsdauer werde hauptsächlich davon abhängen, ob dieses Verhältnis fortgesetzt werden und. ob das deutsche Volk unausgesetzt den Mut bewahre» könne. Wahrscheinlich werde der Krieg wenigstens bis in den Sommer hinein dauern. Die Beschießung der englischen Küste. ES wiid gemeldet, daß außer den Opfern, die direkt durch die Beschießung getötet wurden, eine Anzahl kranker Menschen irlfolge des Streckens gestorben seien. Im ganzen sind 122 Menschen unigekommen, 175 schwer und 374 leicht verwundet worden. Bei der Leichenschau in Scarborough stellte der Obmann der Geschworenen die Frage, ob man nicht eine Anklage wegen vorbedachten Mordes formuliere» könne. Der Ttaatsanwalt riet jedoch davon ab. da eine gerichtliche Verfolgung, die auf die Anklage hin ein- geleitet ivcrdcn müßte, in diesem Falle nur sehr schwer durchzuführen sei! Die Kreuzzcitung meldet: Ter gesamte durch die Beschießung von Hartlepool »nd Scarborough verursachte Materialschaden wird, soweit er Gebäude und Einrichtungs- gegenständc betrifft, auf über 20 Millionen Mark geschätzt. Prestftimme». Tie englischen Blätter schwelle» mich immer von Entrüstung d-arnber, dasi .unbesestigtc" Städte an der englische» Oirknstr von den Deutschen beschossen ivonden seien, nxn,-gleich sie selber sagen, dasi hauptsächlich in Scarborough die Hauser gelitten hätten, die hinter der Küstenartillerie ständen. Ta die Engländer die Kabel vollständig beherrschen nnd sie vorläufig ollem die Rachrichten Amerika übermitteln, so ist es ihnen gA,innen. die dortige Meinung bis jetzt zu beciirflusse» und auch Blätter wie der Rervnork American äusicrn sich ähnlich wie die englische Presse, indem sie davon sprechen, dasi die Beschießung von unbefestigten Städten und das Töten ihrer Einwohner keinen strategischen Wert habe und ungesähr genau so sei, wir wen» man die Badeorte bcschiesien wollt«, die der Stadt Rcwpvrk vorgelagert sind. Die Eocuinq Mail sagt, dasi die Beschießung keine glätizcnde Waisen tat, sondern einfach ein Mord gewesen sei. Wenn erst die Amerikaner Mitteilungen von Deutschland erhalten habe» ivcvden. wird sich wchl auch eine andere Auffassung dieser Beschiehuitg tundgeben. Neue Panik in Hartlepool. Wie die Bosiische Zeitung meldet, berichtet die Times von einer ncucn Panik in Hartlepool. Tie Behörden hatten den Lcwoh,u.ii! der Tradt durch Schutzleute mittcilcn lassen, daß vorläufig niemand sein Hans verlassen dürfe. Einige der Schutzleute gaben sogar den Rat, sich nach de» Abhängen zu flüchten, da eine neue Beschießung zu erwarten sei. Die Arbeiter wurden von den Schiffswerften nach Hanse geschickt * und die Folge war eine große Panik. Kinder und Frauen wurde» eilig aus der Ttadt gcsckiaftt. Arbeit. Verkehr und Geschäfte stockten den ganzen Tag. Die Eisenbalmdirektion mußte Ertrawagc» und ganze E'trazügc einstellen, um die Flüchtenden sortzusckxissen. Der Bürgermeister von Hartle- Pool hat heute eine Bekanntmachung erlassen, in der von einem Mißverständnis die Rede ift. Einige Todesfälle im, Hospital haben die Zahl der Todesfälle für West-Hartl.'vo-s allein aus 03 erhöbt. Der Krieg im Orient. Im Kaukasus. Konstaiitiiiopel, 20. De,;. (\V. B.) Amtlstlier ?(erstht. Unsere siegreich gegen Kotnr vorrückende» Truppen eroberte» einige cstigel. die die Stadt l>eherrsche». Konstantinopel, SO. Dez. (T. U.) Ti« Reis« des Zaren »ach Wladtkaivkas wird als «in «seichen dasiir angesehen, dasi Rusiland die Lage int Kaukasus für gefährdet hält. Man glaubt jedock) nicht, das; die Reis« einen Erfolg hat. Aegypten unter englischem Protektorat. Tie Verklärung Ver cuglischen Regierung. London, 10. Dez. <>V. I!. Nichtamtlich.) Das Presse bureau teilt mit: Der Staatssekretär des Aenßern zeigt an, daß angesichts des Kriegszustandes, der aus der Aktion der Türkei hcrvorgcgangen, Aegypten unter den Sckmtz Seiner Britischen Majestät gestellt sei und hinsort ein britisches Protektorat bilden werde. Tie Suzeränität der Türkei über Aegypten sei daniit beendet. Die britifdje Regierung »Derbe alle notwendigen Maßregeln zur Verteidigung Aegyptem- und zum Schutze der Einwohner und ihrer Interessen er- greisen. Oberstleutnant Sir Arthur Henry Mac Mahon ist zum britiick>cn Obcrkomniissar für Aegypten ernannt tvorden. London, 21. Dez. (T. l T .) Nach offiziellen Mitteilungen, hat Prinz Husiein dem fortgesetzten Drängen der Engländer nachgegebcn und den Titel eines Sultans von Aegypten on- genommen. (Hit stegreiches Gefecht bei Lüdcritzbucht. Kapstadt, 20, Dez. (»'. li. Nichtamtlich.) Meldnn - des Rcuterschcn Bureaus: In lssarnb, 30 Meilen östlich von Lüderitzbncht, hat am 16, Dezember ein (ßeseckit zwischen vor- dringenden englischen Truppen unter Sir Duncan Mackenzie und deutschen Truppen stattgcfnndcn. Ter Kampf, der über zwei Stunden dauerte, endete mit dem Rückzüge, der Engländer. Tie aufständischen Buren vor Bericht. Pretoria, 20. Dez. (»'. li. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterfchen BureauS: Ter erste Fall vor dem zur Aburteilung der Aufständischen eingesetzten besonderen Kriegsgericht wurde vorgestern abgeschlossen. Ter Bur va» der Linden wurde wegen des Versuchs, einen Ausstand zu organisieren, zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Meldung des Rcutcrschrn Bureaus aus Pretoria: Der letzte Führer der Aufttändischen im Freistaate, E o n r o y. wurde gefangen genommen. Aus Pretoria meldet das. Reulcrbureau: Der Bureit- sührer Kauptmann Fouric, ist voni Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden. Er wurde gestern erschossen. Sein Bruder, Leutnant Fourie, wurde ebenfalls zum Tode ver- urteilt. Das Urteil wurde jedoch in eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren umgcwandelt. Die drei nordischen Könige. Die Begegnung der Könige von Dänemark, Norwegen und Schweden ist beendet. Folgendes nichtssagende Eom- muniquk- ist gestern abend nach der Abfahrt des dänischen und norwegischen Königs veröffentlicht worden: Die Zusammenkunft wurde mittags den 18. Dezember mit einer Rede des Königs Gustaf eröffnet. Der Köniss hob darin den einträchtigen Willen der nordischen Reiche zur Neutralität hervor und betonte, wie wünschenswert ein Fortsctzen gemeinsamer Arbeit zwischen den Rcickien zum Nutzen ihrer gemeinsanren Interessen sei. Der König erklärte ferner, es sei das lebhafte Gefühl der Verantwortung vor der ganzen Welt gewesen, »nd die Besorgnis, irgend etwas, was zum gemeinsamen Nutzen der drei Völker gereichen könnte, z» versäumen, das ihn bewogen habe, ö,/ Monarchen Dänemarks, »nd Norwegens zur Beratung ein- gtiTabcn. Sic Rede König Gustafs kvnrkw llon König Haakon und König Christian beantwortet. Beide bezeugten ihre lebhafte Freude über die Initiative König Gustafs und sprachen die Hoffnung aus, daß die Zusammenkunft segensreiche Folgen für die drei Völker haben möge. Tie Zusani- menkunft endete am 19. Dezember uachniittags. Den letzte» Anstotz z» der Malmöer Begegnung hat. wie die SV 3. erfahrt, folgender Vorfall gegeben: Stör etwa drei bis dreieinhalb L>ochen waren die Treiocrbandmälhtc mit dem unverblümten Ansuchen an Norwegen und Schweden herairgetreten. den Hase» Rarwrk zur Einfuhr von KriegStontrcbande nach Rußland frcizugcben. Ta die Bahn von Rarwrk in Rordnorwegen aus 30 Kilometer über norwegisches Gebiet und von der Grenzstation Rüsgränsen bis zur f Im tischen Grenze Nordschweden- nach Nulea läuft, so bedeutete dieser Antrag etiren Verstoß gegen die Neutralität der beiden Staaten. Das Verlange» wurde daher glatt abgelehnt. Die belgischen Sozialisten nnd König Albert. Tas Verhältnis zwischen den belgischen Sozialisten und König Albert hat sich feit Beginn des Krieges wesentlich gebessert. Früher galt er als die Verkörperung des i» Belgien allmächtigen Klerikalismiis, jetzt aber bestehen anscheinend recht herzliche Beziehungen zwischen ihm und manchen Sozialisten. Schon kürzlich wurde von der Presse ganz richtig gemeldet, daß Vandervclde im Beisein des Königs eine anfeuernde Ansprache an belgische Truppen gehalten hat. Ter Abgeordnete Genosse Dcstrch der seit einiger Zeit Versammlungen in Italien abhält, angeblich um die Untcr- stützungsaktion für belgische Notleidende zu fördern, ist, wie Lcr Corricrc dclla Sera meldet, des Lobes voll über den tapferen belgischen König, der besser wie jeder andere augenblicklich die Wünsche und Hoffnungen des belgischen Volkes repräsentiere. Nachdemselben Blatte soll Destr6e in seiner Mailänder Versammlung selbst ein Hoch auf den König ausgebracht haben, Im übrigen erfolgt seine Agitation äugen- fcheinlich nur zu dem Zwecke, die italienische Arbeiterschaft zum Anschluß an den Dreiverband z» gewinnen. Dasselbe trifft auf die Versammlungen nnd Feste zu, -die der in Deutschland wohl mehr wie in irgend einem anderen Lande gefeierte sozialistische Lichter Maeterlinck in Italien abhält. In hinreißenden Worten schildert er die Greuel, die von den Deutschen begangen sein sollen, sowie die Pflicht des einzigen neutralen Großstaatcs, Italien, die Entscheidung zugunsten des Dreiverbandes hcrbeizuführen Gegen diese offenkundige Kriegshetze, die auch aus den Kreisen der französischen Partei eifrig gc- förbcrt wird, vernimmt inan ausfallcnderweise aus jenen sozialistischen Kreisen nicht den geringsten Protest, die so schweres Geschütz anffiihren, als deutsche Sozial- deniokraten ihnen den deutschen Standpunkt erklären, sie gar nicht zu einer Stellungnahme verleiten wollten. .Nur bürgerlichen Elementen wird diese Auspeitschung der öffentlichen Meinung in Italien zu viel. Huysmans, der Sekretär des Internationalen Sozialistischen Bureaus, war kürzlich mit der Mission betraut, im Aufträge der in Belgien befindlichen Parlanientsmitgliedcr dem König Albert eine Geburtstagsgratulation zu übcrbringcn. Hierfür ist ihm später ein herzliches Dankschreiben zngcgangen, das im Daily Citizen als ein „wertvolles historisches Dokument" veröffentlicht wurde. Anläßlich dieses Geburtstages fanden bei den in Holland lebenden Belgiern kleine Feierlichkeiten statt. Bei einer solchen Gelegenheit sprach auch H n y s in a n s, der den König Albert und die Königin mit herzlichen Worten feierte. Russische Schreckeusurteile. Die Pariser sozialistische Hnmanitss meldet aus Moskau: Das Kriegsgericht in Perm verurteilte 22 Arbeiter zum Tode, die während eines Streikes Unruhen verursachten, luofic! mehrere Wohnhäuser eingeäschcrk, ein Ingenieur, en> Polizcibeamtcr und 10 Fabrikarbeiter getötet wurden. 22 andere wurden zu Zwangsarbeit bis zu 10 Jahren verurteilt, 91 srcigcsprochcn. Enteignung deutscher Grundbesitzer in Rntzland. Schon seit längerer Zeit gehen Mitteilungen durch die Presse, bas; in Rntzland ein Gesetz in Vorbereitung ist, welches Deutschen nnd Tcstcrreichrrn jiir die Zukunft den Sic sitz von Grundeigentum untersagt, Ter Hemdclsvertragsverein Berlin ist jetzt im Besitze des Wortlautes dieses Entwurfs ui«d hat von diesem, sowie von dem — bisher cbcnialls im Wortlaut hier noch nicht bekannt gewordenen — russischen Zohlnngsvcrbote ei ne deutsche U e b c r s c tz u 11 g Hera nsg ege bc». Ter Gesetzentwurf ist der Duma unterbreitet worden, nnd seine Einnahme ist bei der gegenwärtig s» Rntzland herrschende stark nationalen Strömung mit Bestimmtheit zu erwarten, salls er nicht schon vor erlangter Genehmtgung des Parlanrrnts durch .Kaiserlichen Utas in .Krast gesetzt ivird. Jodsnfalls scheint inan die „Nationalisierung" deS Grund und Bodens mit grösster Bischlenntgung durchführen zu ivollen. ehe etiva der FriedcnSschlntz wieder ein Entsprechen der beteiligtvn AuSlandsstaalen ermöglicht. Das Gesetz richtet sich sowohl gegen die reiche-deutsche». östcr- reichifch-nngarischen und türkischen StaatSaNgchdrigen, welche in Rntzland Fmmobiliarrechtc irgendwelcher Slrt Hadem als auch — dies mit Beschränkung auf ein« bestimmte Anzahl von Gonverne- nients — gegm die zahlreichen nnd lebenskräftigen deulfchen Bauernkoionien, deren Mitglieder die nissische Stoatsae,,gehörig- keit besitzen, aber ihre Sprache, Religion und Sitte beibehalten Issibe». Ties« sollen jetzt entweder vollständig rnssistziert oder kurzerhand enteignet iverdcn. Tie Aniocndmtg des Gesetzes soll ausgeschlossen sein gegenüber solchen Personen, welche seit Geburt der griechisch-katholischen Kirche angehöron oder ihre slawische Nationalität nachweif«» oder als Kriegsfreiwillige, Gefallene bezw. Verwundet« oder mit Kriegsauszeichnungen Versehene ihren russischen Patriotismus betätigt haben. lNach Behauptung der russischen Regierung sollen sich in den Fahr«» 1806—1909 19, 19, 20 und 22 Prozent dieser Bauern dem Militär- dienft entzogen haben.) Tie Kopfzahl dieser Ansiedler geht in die Hunderttausend«. Fn deni jetzt vielgenannten Gouvernement Tu walkt z. SV besitzen sie 5 Prozent des Flächeninhalts. Dass die durch das Gesetz gewährte Aussicht ans Verteilung erheblicher F-lüchen gut knitiviertcn Bodens an russisch« Stauern nicht univcscntlich dazu beiträgt, den Krieg und die ganze jetzige Rogierungssirvnmng in den bäuerlichen Kreisen, wo ständiger Landhunger herrscht, populär zu machen, ist eine erwünschte Nebenwirkung dieses — als politischer Schachzug jedenfalls sehr geschickten — Gesetzes. Die Lage der deutschen Kriegsgefangeuen in Hongkong. Uebcr die Behemdlung der in Hongkong internierten deutschen Zivilgefangencn sollen nach umlaufenden Gerüchten bounimhigende Nachrichten eingegangen sein; u. a. wurde verbrenet, die Gefangenen wurden wie Kulis zu ganz unwürdigen Arbeiten wie Straßcnfegcn, Kanaircinigen nnd dcrgl. herangezogen. Eine neutrale Macht, die hierüber an Ort und Stelle eine Untersuchung veranlaßt hat, teilt jetzt nach der Nordd. Allg. Ztg, mit, daß an diesen Gerüchten nichts Wahres ist. Ein deutscher sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter französischer KriegsfreitviUigcr? Paris, 20. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Ter Reichs-- iagSabgcordnete für Rietz, Tr. Weil, ist am 6. August als Freiwilliger in die französische Armee ein getreten. Er erklärt, er sei überzeugt, dadurch das Mandat eines sozialdemokratischen elsaß-lothringischen Abgeordneten pflichtgemäß erfüllt, zu haben. Weil stammt ans einer französisch gesinnten elsaß- lothringischen Familie, seine Handlungsweise kommt seinen näheren Bekannten deshalb nicht überraschend. DieA»slieb,e„a des Urteils gegen Akilers. London, 20. Tez. CVV. B.) Nichtamtlich.) Tie Entscheidung des Krimiiial-ApellationShofes, durch die das Urteil erster Instanz lm Falle des Konsuls Ahlerü aufgehoben wird, betont, datz dir Geschworenen den Konsul nur schuldia sprechen konnten, wenn sic überzeugt waren, das, er »ach dem Wortlaut deS Statuts Eduards III. die Abreise von Deutschen nach der Kriegserklärung nnker,tützt hatte, s» der Absicht, dem Feinde U3 englischen Königs ZU Helsen. Ten (tzeschmoirnen wurde nicht di« alternative Frag« vorgelcgt, ob die Slbsicht des Angeklagten nur war. seine Pflicht als deutscher Konsul zu erfülle». Tie Geschworenen hätten möglicherweise zu einem anderen Spruch kommen können, wenn diese alternative Frage gestellt worden wäre. Die Beweisaufnahme habe nicht ergeben, datz bi« Hgitdlungcn des Angeklagten feindlich gegen die Fnteressen Englands waren, wen-,, stcn-s nicht notwendigerweise feindlich, Ta dieser materielle Punkt den Geschworenen nicht vorgelegt ivurde, mutzte das frühere Urteil aufgehoben werden. Patzzwang für Denischland. Mit dem 1, Fannar 1915 wird für de» Verkehr zwischen Deutschland und den, Anstand der Patzzwang eilig,c-sührt. Tte Ver- ordwung bestimmt: Bis auf weiteres ist jeder, der das Reichsgelnet verlasst oder der ans dom Ausbund in -das Reichsgebiet ei,»tritt, verpflichtet, sich durch eilten Patz silier seine Person anszuweifcn. Den Militür- bcschlshabern b-Ierbt vorbch-altcu. nach Benchni-ea mit den z:v ständigen LandcSbchörden ftrr einzelne Grenzbezirtc und bestimmte Zeiträume den Uebortrttt gewisser Slrtcn von Pci-sonc» über die ReichSgrcnz« auch mit «udercu Slnswcisc-n als Pässen zuznlgsscn.'k Feder Slusläi:d-cr, der sich im Reichsgebiet aushält, ist vcr- pllichtet, sich durch einen Patz nb-er seine Person anszuivcisen, Tie J Pässe müssen mit einer Personalbeschreibung und mit einer Photo-!» graphie des PatziuHaders aus neuester Zeit, mit dessen eigen-» händig,er Unterschrift unter der Photographie sowie mit einer amt-» lichcn Beschcinfgung darüber versehen sei», datz der Passinha-ixer» tatsächlich die durch dir Photographie dargestcllte Person ist nmä'-l die Unterschrift cigcnl>ändig vollzogen Istit, Tie Photographie ist ' «ruf dem Pas; anfzukleden und amtlich derart abznstonipcln, datz! der Stempel etwa zur Hälfte auf der Photographie, zur anderen Hälfte ans den, Papier des Passes angebracht bst. Ausländisch« Pässe, dig zum Eintritt in das Reichsgebiet verwendet iverdcn sollen, bedürfen autzerdem des Visa einer deutschem diplomatischen oder! konsul-arischen Vertretung, Tic Ssisicrung ist zu verweigern, wenn, Bedenken gegen die Person des Patzinhabers Heftchen, Ter Wiederausban Ostpreußens. Die Kriegshilfskommission für Ostpreußen hat eins Besichtigungsfahrt durch die von den Russen zerstörten Gebiete unternommen und im Anschluß daran in einer Sitzung die Richtlinien für den Wiederaufban der niedergebrannten Ortschaften fcstgestellt. Diese Grundsätze gehen dahin: „1. In verschiedenen Städten ist ein Umlegungsver- fahren nötig, für das gesetzliche Grundlagen zu schaffen sind. — 2. In stark zerstörten Orten werden Ortsstntutei gegen Verunstaltung zu erlassen sein. — 3. Die Bauord-! nnngcn für das flache Land und die Städte sind durchzuarbeiten, besonders im Sinne der Wirtschaftlichkeit und de? Stadtbildes. — 4. Eine einheitliche Bauberatiingsstellc für, die Provinz mit ihr unterstellten örtlichen Organisationen! ist erforderlich nnd durch geordnete Heranziehung der Bau- beratungsstellen in baupolizeilichen Angelegenheiten ^ist ihre Wirksamkeit zu fördern. — 5. Ein Handinhandgehen der! Staatsbanverwaltnng mit der Hauptberatungsstelle für einheitliche Gestaltung der Stadtbilder ist erwünscht. — 6. Die Auswahl der anzustcllenden Bauberater ist nicht auf Beamte zu beschränken, nnd ans praktische, technische und wirtschaftliche Erfahrungen ist der Hauptwort zu legen. Tie Bcsol- dun ist so zu regeln, daß wirklich geeignete Kräfte gewonnen werden können. — 7. Das Handwerk und die Architekten; schaft sind in erster Reihe zu berücksichtigen. Die wirtschaftliche Not i» den Lstseebädern. Ter Ostseeöähervcrbgnid auf Rügen hat der preutzischen Staats- regiepnng eine Denkschrift zugeh«,, laffen, in der das Sstrlaugen nach einer staatlichen Hi-lfsaktson begründet ivirh. Durch den Kriegs- auSbrnch erlitt die Stadefaison ent jähes Ende, die Gäste kehrten den Siadcovten fluchtartig den Rücken. Der Schaden, den die Rügcnfchm Badeorte erlitten Habens wirb auf etwa 5 Millionen Mark bezisiert. Tie Verfasser der Denkschrift vertreten die Slnsicht, datz dieser Schaden als Kriegsschade» erklärt werden und «ns Grund tx-S 5kriegsentschädigmMgcfetzes vergütet werden müsse. * » * Der Kampf im Osten. TaS Vorrücken der deutsch-österrcichifch-ungarischen Truppen in Russisch-Polen vollzieht sich, wie dem Berlince Tageblatt von dem galizischen Kriegsschauplätze geineldc! Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 143 „Du mußt ans den Lyngenmarkt kommen," sagte der Schreiber mit vollem Munde, „und wirst dir dadurch sogar den Dank des VogtS von Tromsö erwerben. Allerlei Streitigkeiten sind vorgcsallcn, Raufereien, kleine Diebstähle, llebcr- sälle nnd andere Ungebühr. Tie Wahrheit z» sagen, Slsraja, so bin ich auch deswegen zu dir gekominen. Tu hast Einfluß bei deinen Landsleuten. Halte sie in Ordnung, damit sie keinen Ucbermnt begehen. Du bist ein nachdcnkendcr, verständiger Mann, kannst somit zumeist die Folgen ermessen." „Du wirst mir keine Schuld geben, Väterchen," antwortete Afraja. „Niemand gibt dir Schuld," fuhr Paul fort, „aber dein Ligencr Neffe macht schlimme Streiche, sttzo ist er? Hast du ihn hier?" „Nicht hier," lachte dev alte Mann nach Lappcnwcise. „Tue ihm nichts, er ist jung, wird sich bessern." „Wenn er eine Frau bekommen hat," sagte Paul, „oder chat er sie schon? Hat er Jnngfran Gnla heinigeführt oder nicht?" Ä Afraja schüttelte sich vor Lackien und tat einen tüchtigen Zug aus der Rumflaschc. — „Es ist ein weiter Weg bis zuin Enare," rief er, „Mortnno hat Zeit, den Topf zu zerschlagen, Ivenn der Winterschnee gefallen ist," „Das heißt also in der Sprache gesitteter Menschen Gula hast du am Enaresec versteckt, und Hochzeit soll sein, sobald du dein Winterlager bezogen hast?" „Du bist ein weiser Mann, Väterchen, ein weiser Mann!" lachte der Lappe. „Warum hast du Gula aus meines Vaters Hanfe gestohlen?! fragte Björnarne ungeduldig, „WaS zuni Henker!" fiel der Schreiber ein, „darin gebe ich ihm recht, jeder Vater hat über sein Kind zu gebieten. Was sollte sie denn auch in Orcnäesgaard? Jlda kann sie nicht mitnchmcn, ich möchte sie in Tromsö nicht haben; deine junge Frau kann sie eben so wenig brauchen. Es bliebe also niemand übrig als Olaf, der sie als. Haushälterin nach Bodöen mitnehmen könnte. Wirst sie ihm geben, Afraja?" „Laß ihn am Enare ihre Gammc suchen." „Lieber Bären und Wölfe als solche Brut!" sagte Olaf. „Nimm es nicht übel, Afraja." sagte Paul, „es ist mit diesem unempfindlichen Mann wie mit einer Nuß, sein? Schale ist hart, aber sein Kern ist süß. Er liebt dich mehr, wie du denkst, und würde dich ans seinem Rücken an den Lyngensjord tragen, wenn du es erlauben wolltest. Vorläufig aber hat er eine andere Bitte an dich. In wenigen Tagen ivird er eine weite Reise antreten, dazu bedarf er seines Wetter und guten Wind. Tu bist ein Zauberer, all: Welt sagt cs, und in alten Büchern steht schon von den Seid- inänncrn oder Hexenmeistern, die König Olaf verbrennen ließ, daß sie Wind und Wetter besprechen, Stnrin und Sonnenschein machen könnten. So sage uns denn, weiser Afraja, ob du wirklich zu den „Viclkönnigen" gehörst, wie sic die alten Sagen nennen. Rücke heraus mit der Wahrheit, sitze nicht so nachdenklich da. Willst du meinen gutem guten Freund Olaf hier feinen Wind zaubern und ihm rasche Fahrt verschaffen?" Afraja schüttelte mit einem schlauen Lachen den Kopf. „Warum lvillst du nicht, alter Gauner?" fragt« Olaf, seinen Büchsenkolben anfstoßend. „Schreib deinen Hokus- vokns, ich will dir einen Taler dafür geben." „Tn nennst cs so," antwortete der Lappe, „wa§ willst du also damit?" „Kümmere dich nicht darum." fiel Paul ein; „glaubt er nicht an deine Wunder, so tue ich cs, und bitte dich, bekehr? ihn. Fischer haben mir erzählt, daß du ihnen gute Mittel verkauft hast, und immer ist ihr Fang reich nnd glücklich gewesen. Ist es nicht so? Sage selbst, ob cs wahr ist?" Afraja lachte vor sich hin, dann nahm er, ohne etwas zu erwidern, aus der Tasche, die an seinem Gürtel hing, ein eckig geschnittenes Stückchen Messing, das fast wie ein menschlicher rohgcsormter Kops anssah. Er faßte cs an einem Ende, das andere mußte Olaf sesthalten, und während er etwas vor sich hinmurmelte, umwand er es mit einer dünnen Sehne, die er gleichfalls ans der Tasche holte. Als dies gc- schchen war, band er drei 5lnotcn darauf, und bei jedem hatte er einen Spruch, dann überreichte er es dem Nordländer, der zu der ganzen Zeremonie ein höchst ungläubiges Gesich! machte. „Was soll ich mit dein Bettel tun?" fragte Olaf. „Trage es bei dir," sagte Afraja, „Wind und Weller werden dir zu Diensten sein." „Unsinn!" schrie der handfeste Mann. „Denkst du, alte: Narr, daß ich deinen Betrug glauben soll? Genug mit den :paß, laßt uns gehen." ^ _ I Er war im Begriff, das Amulett in die qualmende Herd asche zu schleudern, als der Schreiber seinen Arm festhie! und nachdenklich sagte: „So sollst d» Afrajas Bereitwillig keit, uns durch seine Zauberkunst zu dienen, nicht lohnen Du sollst cs dankbar annehinen nnd kannst versuchen, wa cs dir nützt." Er steckte es in Olafs Rock und setzte seinen Hut au „Gib Afraja seinen Taler," fnh? er fort, „nnd dann fol mit uns, wenn wir noch zur Nachtzeit den Lyngensjord c> reichen wollen. Ans Wiedersehen auf dem Markt, Aftaj Du sollst zufrieden sein." _ _ _■ So gingen sie aus der Gannne, nachdem Händeschüttel und die lustigen Späße des Schreibers Frieden und Freu»! schaft besiegelt hatten. Afraja begleitete sic. Als Marstross ans seinem Versteck hervortrat, sah er sie alle an der waldige Schlucht stehen, tvo die Rcnntiere weideten. Sie schasste in die Tiefe, und Peterscns Angen verfolgten den Lauf i» Wassers und die hohe Jclscnmaucr, welche gegen den Küss Mstieg. Endlich schien Afraja ihnen Ratschläge über ihrt Weg zu erteilen, dann gingen sie quer über das Fjcld ur verschwanden zwischen den Stcinmassen jenseits des Wasser Marstrand war beunruhigt über dies sonderbare Z kammentrcfsen. War es wirklich bloßer Zufall, der seine eh maligen Freunde hierher führte, oder welche geheime Abi>e hatte sic dazu angetricben? — „Sie sind fort," rief/ Afraja entgegen, „weißt du gewiß, daß sic mich nicht d> vermuten, und hast du keine Sorge über sic?" „Sie wissen nichts von dir," erwiderte der alte Aö'3 und leise lachend setzte er hinzu: „Mich wollen sie auf ^ Markt haben, und Afraja wird kommen — kommen wird nnd mit dem weisen Vogt seine Rechnung machen." IFortsetzung folgt.) I f 1 0 1 5 Ii ti ii 5 fl I 1 II t i fi i ! ! Wub, bewundernswert exakt. Tie österrcichisch-ungarische Armee legte bis zu 50 Kilometer an einem Tage zurück an- gcsichts der russischen Wintcrverhältnisse eine ftaunensw-rt- Lcistung. Misjstlmmuttg gegen den englischen Bundesgenossen. ... » m «WH* » e Susanne melde, ein bedeutsames «ingeftändnis ihres Pariser Korrespondenten wegen der herrschenden' M.ßstin,. mung zwischen .rrankreich »nd England. Ta» Volk murre überall ans den Straßen, die Erbitterung sei »unerkennbar. England» Armee entiprachc nicht Englands Poliii, T,c bisherige Hi„e sei ilnbcdcutcnd. Ja, England wolle absichtlich zu eigenem Vorteil den Lrieg in die i.'änae Ziehen. Tie Regierung beherrsche keineswegs die sranzo,ische Meinung. Falls da» Volk über,eng, sei, das, Eng. land egoistisch auf seine sicheren Inseln siyc und seine Hilfe nicht in vollem Umfange leiste, werde da» Volk den Einsliisterungcn nall, geben und einen Tcparatsriedcn mit Deutschland abschließrn miiffen. Frankreich und die russische Niederlage. Nach Mitteilungen aus Paris beginnen die Franzosen endlich zu erkennen, dag die Russen eine schwere Nie- derläge erlitten haben. Tie Zeitungen sprechen nicht mehr von russischen Siegen. Ter Militärkritiker des Petit Journal. General Berthaux. sagt, daß die letzten russischen Kriegsberichte unverständlich seien und äußert die Hoffnung, daß man bald werde klarer sehen können. Ter Exzelsior, der auch die fränzösisckßm Kriegs- berichte klarer und detaillierter wünscht, hcgrcift nicht, daß Rußland trotz seiner vielen Millionen Soldaten nicht längst die O c st c r r c i ch c r und die Deutschen z u - r ü ck g c w o r f c n habe. Das Blatt erklärt die Langsainkcit des russischen Vormarsches durch die Schwierigkeiten der Verproviantierung ihrer Heercsmasscn und äußert die Zu- verficht, daß Rußland schließlich entscheidend triumphieren wird. Die Not in Paris. Ein Baseler Brief der Nallonalzeltung bespricht den Kohlen, nigngel in Paris. Bei der leichte» Bauart der Hauser und bei dem Fehlen der Borscnster müsien sehr viele sricrcn, die schon zu den wohlhabende» gehören. Tie Arbeitslosigkeit hält an und stellt gewaltige Ansordcrungc» a» die Armcnvcrwaltuiig, die täglich mehr alS 60 000 Personen speist, und zwar nicht nur in den Armen, vierteln, sondern Tausende holen sich Unterstützung, die sicher noch nie in ihrem Leben genötigt waren, sich etwas schenken zu lassen. Untergang russischer Trausportdampser. Budapest, 21. Tcz. (T. U.) Wie aus Bukarest gemeldet wird, sind zwei russische Transportschiffe mit Munition für Serbien auf der Donau explodiert und gesunken. Niemand konnte gerettet werden. Basel. 20. Tez. (WO. Nichtamtlich.) Wie die Basler Nachrichten aus Paris melden, stehen vier neue russische TrcadnoughtS vom Typ Gang»! unmittelbar vor ihrer Fertigstellung. Italien und Aegypten. Laut einem Züricher Telegramm der Kölnischen Zeitung chat der italienische Abgeordnete Caille eine Interpellation ringereicht, wie die Lage Italiens ini Mittelmccr durch das englische Protektorat in Aegypten sich gestalte. Nene Tostalistenverhaftnngen ln Rnstland. Rom, 21. Dez. (T. ü.) Wie die Vittoria aus Bukarest erfährt, wurden in Petersburg 30 Sozialistenführcr verhaftet, die sich nach der Hauptstadt begeben hatten, um gegen die Einkerkerung der sechs sozialistischen Dumamitglicdcr zu protestieren. Die Gärung im Reiche tvächst. So soll rin revolutionäres Komitee Millionen aufrübrerischer Aufrufe im Volk und in der Armee verbreitet haben. Anstralien und Japan. Kopenhagen, 2t. Tcz. (TU.) TaS japanische Parlament ersuchte nach Petersburger Meldungen die Tokioter Regierung um Ablehnung des Verlangens der australischen Bundesregierung, die Operationen der japanischen Flotte aus den Raum nördlich des AcquatorS zu beschränke». Ter letzte Französische Abendbericht. W. B. Paris, 20. Dez. Amtlich, 11 Uhr abends. Auf der gesnmlc» Front keine Acndcrung. Einheitlicher Höchstpreis sür (berste. W. E. Berlin, 21. Tcz. Amtlich. Durch Verordnung deS Dundcsrates von, 19. Dezember ist die bisher bestehende 08 Kilogramni-Grenze bei Gerste gestrichen worden, sodaß vom 21. Dezember an ein einheitlicher Höchstpreis für Gerste aller Gewichte besteht. Dieser Gcrstcnhöchstpreis ist überall dem Roggcnhöchstprcis gleich, sodaß er z. B. in Berlin 222. in Leipzig 225 „nd in München 237 Mk. beträgt. Partei-Nachrichten. Leonhard Täuscher tot. Leonhard Tauscher, der 71jährigc Veteran der deutschen Tozial» bcmokratic, ist Rittwochnacht in Stuttgart gestorben. Tie össeni- lichc Wirksamkeit Täuscher» beginnt mit den ersten Anfängen der dcntschcn Sozialdemokratie. Schon Anfangs der Wer Jahre betätigte er sich in de» Arbeiicrvcreincn sortschritilichcr Richiung, schloß sich aber bald noch Lassalle» Tode dem Allgemeinen Teuischen Arbcilcrvcrcin an. dessen Führer für Bayern er wurde. In Augsburg, wo Täuscher »ach »ichrcrcn Wandersahrcn. sich nicdcrlicß, stand er auch an der Spitze der Gcivcrtschasirbcwcgung und wurde Präsident der Organisation der Maiiusakinrarbeilcr. sowohl an dem in München erschienene» Proletarier, aiS auch a» dem in Augsburg herauSgcacbcnc» Volkswillc» war er eifriger Mitarbeiter »nd später Redakteur. Zahllose Gefängnisstrafen hatte er zu ertragen und doch gelang es ihm. das Augsburger Preßniiicruehmen dnrch alle Gefahren Iiindurchzufteucr», bis schließlich das Soziali- siengcsctz die Organisation und die Prcflc zertrümmerte. 1S70 iibersicdcltc Täuscher nach der Schweiz und wurde Geschäftsführer der Genostenschasisdruckerci Hottingen, die de» Sozialdemotrat ber- stelltc. Pon Zürich aus hat Täuscher wacker mitgekämpft an der Bezwingung de» AusnahmcgeseveS und seiner Väter. 18SS iibcr- siedclie er mit dem S»zialdcinokrat nach London, uni nach dem Fall des Sozialistengesetze« nach Stuttgart zurückzukchrc» und ins Tiev- sche Geschäft einzi,treten. Von 1898 bis 1002 lag die politische Rc daktion der Schwäbischen Tagwacht in Täuschers Händen. Auch in dieser Stellung blieben ihm Gefängnisstrafen nicht cripart. Bei den Landiagswahlcn 1900 sandte ihn der Be,irk Cannstatt in den Landtag. Bei den Gcmcinderatswahicn 100.5 übertrugen ihm die ^n:tt- gartcr Gcnosicn ei» Tiadtratsmandat. Beide Vertrauensstellungen bekleidete Tanlchcr bi« zu seinem Tode. Zir'a 'li Fahre hindurch hat Tanscher seine Kraft in den Ticnsi der Sozialdemokratie gestellt. Sein ganzes Leben und Wirken war icjt rcrwachicn mit der Entwicklung der Partei. Schon bei de» We.h'en -:on Zollpnrla-nent cj6o!)cn ihn die Arbeiter Augsburgs als ihren !»a.ididatcn auf den -child. Während feines Aufenthalts in Württemberg war er einer der rührigsten Agitatoren der Partei. Eine ilnerschiilterlichc llebcr- 'cugungstrcuc, ei» unbesiegbarer Jdeali»mn», ei» reiner Ebarakter, ein Harmlos-Iindiickirs Gemüt. ans dem echte Freundschaft den Mitkämpfern gegenüber entsproß, zeichneten Leonhard Tauscher au». Hessen und Nachbargebiete. Wicfjfii »nd Umgebung. — Beschlußfähigkeit der Stadwerordneteiiversaininlung Bisher stand die Beschlußfähigkeit des Gicßcner Stadt- Parlaments ..aus des Messers Schneide'. Noch der Städte- Ordnung ist die Lersoininlnng beschlußfähig, wenn ein Stadtverordneter mehr als die Hälfte der gesetzlich vorge- schricbcnen Zahl anwesend ist. Tie gesetzlich vorgcschriebene Zahl sind in Gießen 30, es muhten also 19 Mann anwesend sein, wenn die Versammlung beschlußfähig sein sollte. ES ,v7ren aber in letzter Zeit nur noch 23 Stadtverordnete vorhanden, die Bcschtntzjähigkcit war also in Frage gestellt, wenn n»r wenige schsien. Noch immer hat der Prozeß wegen der vor mehr als 13 Monaten erfolgten Nenwahl sein Ende nicht erreicht und noch immer bat diese Dahl keine Gültigkeit. Es wird auch noch eine Zeit dauern, bis die Salbe erledigt ist, oder Neuwahl vorgcnoininen werden kann. Vorläufig ist aber durch das neue, vom Landtage beschlossene Gesetz die Beschlußfähigkeit gesichert. Das Gesetz seht verschiedene De- slimmungcn der Städtc-Ordnung außer Kraft, unter an- derem auch die über die Beschlußfähigkeit. Danach ist nicht mehr nötig, daß ei» Stadtverordneter mehr als die Hälfte d-r gesetzlich vorgeschriebenrn Zahl anwesend ist, sondern es heißt jetzt die „ortSonwesende Zahl'. Ortsanwesend sind gegenwärtig 23 Stadtverordnete, die Beschlußfähigkeit ist also bei Anwesenheit von 13 vorhanden. Das gilt nur für die Dauer des Kriegszustandes. — Gefallene au« Lberhessen und Nachbargebikten. Freiwilliger Hermann S i e r aus Gießen, Jnf.-Regt. Nr. 173. — Wehrmann Heinrich Strauch, Bäckermeister ans Gießen, Jnf.-Ncgt. Nr. 117. — Heinrich Siegling aus Gießen, Pionier-Bataillon Nr. 1. — Heinrich Balser ans Alback. Jnf.-Regt. Nr. 222. — Behandlung deulscher Gefangener in Frankreich. Aus dem Briese eines verwundeten und in Frankreich gefangenen Kri««»- teilnehmcrS wird in der Köln. Ztg. svlgcndes mitgeleilt: Hospital Saint Joseph. Carn, 10. November. . . . auch ich n'iißtc dein Kriegsgoit einen Tribut zahlen». Ich wurde am 22. beim Sturm auf Tirmulden venvundet und wurde voin belgischen »nd fvanzösischcii Roien Kreuz gusgenommen »nd verbunden, lag einige Tage im Hospital von Calais, imivbe von dort mit einem Tamvfer nach Cherbourg und dann mit der Eisenbahn nach Caen befördert. Auf dieser Esienda Herfahrt erhielten wir von der 2^e- völserung Liebesgaben. Obst. Wein. Brot, getmckenes Ol'st. Milch, Brote niit Marmeladen »nd viele andere Sachen. Ich und meine Kamevadrii liailen das Gefühl, als irnnn wir durch Tentschland sichren und nicht als tEc so »gerne dnrck, Frankreich. Die Verpilcnmig in diesem Hospital ist sehr gut. das Esten ausgezeichnet: wir erhalten niorgiuis Kaffee niit Brot, niittags Suppe. Kanosfcln. Ficischi Geinisi«, Bwt und Wein, abends Suppe, Kartvfscln. Ge- iiills«, Brot >md Wein. Auch erfreuen wir und einer sehr guten Pfluge und Bchmidlung: jede wm den Schwestern hat schon fast au jldtni von uns etwas Gute« getan: e» wirb toi « eine ausopscrnde Pflege zuteil, und man Ivrt das Gefühl der Geborgenheit fast wie zu Hause. Mein Oberleutumit und Feldwebel liegen auch ver- nnindet bei mis im Lazarett. Eö ist hier eine herrlich« Gegend, lachende Sonne den ganzen Tag. Tos trägt viel zur Gesundung bei. Ich habe den Wunsch, daß alle Verwundete» so gut verpflegt werden möchten wie ivir. Ich befinde mich auf dem Wege der Beste, ruitg »nd hoffe, fn einigen Wochen wieder auf den Bernd zu sein. Und ein in Limoges bcsrndlichcr Gefangener schreibt — der Mitte August geschriebene Brief wird in der Leipziger Bvlksztg. abgcdruckt — an seine Frau: Schon lartgr wollte ich Dir schreiben». aber Tn kannst Tir schon denken, wie es im Kriege hcrgeht. Ich bin verwundet worden »nd zwar am linken Oberschenkel tti der Hllftgegcnd. Ti« Wuitde sit nicht bcbeutenb. Ich werde in «in paar Wochen gesund »nd mniiter heriimlanfkn: »wiirentan liege ich und kan» schleckt laufen. Ich bin in französischer Gefangenschost. Bcunrnhige Dich aber deStvvgen mcht: wir haben «S sehr gut. haben ein« giitc ärztliche Behandlung und gute» Esten. Ans dom Transport nach hier sind wir cbeiilalis gm arptlegt worden. Von Zivilpersonen wurden wir mit Kaffee. Misch Aepfcln. Wein, der hier lehr billig ist (Liter 10 Pfg ). Schokolade. Brot »sw. bewirtet. Natürlich ai-gesehen von einigen Rowdy«, die cs überall gibt. Tie Fvanqosen sind sehr komeradschastlich. wir verkehren mit ihnen noch bester als bei un«. Nur hat es Schwierigkeiten mit der Sprache, wir habe» aber einige, die der französischen Sprache niachtig find, und wir kommen gaitz schön aus. Natürlich werden wir von Soldaten bewacht, ivir dürfen ohne sic nichts unternehmen Wollen wir aus den Hof, das heißt, die lausen können, so muß ein Posten mit. auch zum Waschen isiw.. Aber das stört uns nicht, wir sind eben Kr!«»sgtsangene. Hossentlich iüniert der Krieg nicht mehr lange, dann hat alles die« ein Ende. Es werden aber auch Fälle recht üdler Behandlung bekamit. di« verschiedentlich deutsche Zivilistru zu erdulden hatten, die in Fiankreich in Koiizentnativuslogcr gebiacht worden waren. Unter anderem hat man sogar frani'östich« Frauen, dir mit deutschen Männern verheiratet sind, in das ihnen gänzlich fremd« Tensich- land abgefchobcn. wo sic hilf- und mittellos dastehen. — Ter Schuß des Toten. Eln seltsames Geschichtchen von der Westfront wird dem Elsässer mis Saargennind von einem Augen» 'engen berichtet: Ein heftiger Kampf war entbraimt. In der Front stand «in Lothringer eben ün Begrisfe. zu schießen. Fm selhen Augenblick traf lim ein« ,'eindiiche Kugel ins Herz, fofrcfi er auf feer T'ell« tot liegen blieb. Noch nn Tod hielt er lein Gewehr krampfhaft umiaßt. Nach der Schlacht wurden di« Toten und Verwundeten aiifgelcsen. Ein Soldat wollt« dem toten Kameraden das Gewehr abnebincn und aus der Hand ziehen. Ta fuhr der Abzugsbügel zu. und die Kugel drang dem Soldaten ln dir Brust, daß er zuriickiiel und nun nut dem ondcan Toten in ei« geininfaines Grab gebettet wurde. — ?Iu»sprache polnischer Romen. Ein Sprochkunbiger des Polnsichen schreibt: Polnische Orisiiamen wie Przemysl. Zabri-e und das im Tagesbericht des Großen Hauptanartiers genannte Pr.zasnns, gelten grmeinhm als „mivus'prechlich'. Wer sich aber etwas mit de» polnischen Svrachrooeln vertraut gemacht hat. dem mackt die Sacke keine großen Tckivierigkeiien. Mau muß nur willen, daß die Biichstabrnrcrbindurg r, im Polnischen einen einzig«» Konsonanten dorstrllt, der wie das sranzösiiche g vor e und ich (al'o weicktes sch>. noch einem andern vorangehenden Konionanien aber wie unser bent-'ches fch ansgk'proche.i wird. TaS auslautende l lrs ist das nur dem Polnische» eigene sogenannte diirchttrichen« l) ist stumm. Przemysl wird also, da alle polnsichen Wörter cusnahmsloS auf der vorletzten Silbe betont werben. .Psck'tmnß" iTo-i o-,f der ersten Silbell ausgesprochen. Zabrze wie .Sabsckt" (das cinsacke z cmsvrich-t unserem weichen s). Pr-asnysz wie „Pickaßniich" Zabr-e wird dem deutschen Zeitungsleser, da belcr bedeutende Ort d:s oberschlcsilchen Jndustriebezirts durch Beschluß seiner Gemeindevertreturg in Zukunst Hinbenbura benannt i'oin ivird. nicht mcbr v'«l zu schossen machen. Beiläufig bemerkt, bedeutet das slawische Work Zabrze (= Zaborz«: za = hinter, bor = Wald oder brfestigter Ort, cnsitandrn aus dem de»sichen „;t»rg") soviel wie „hinter dem WaldiL" oder „hinter der Burg'. — Tie Großb. Bezirtskasse Gieße» 1 hat am 28. Dezembers leinen Zahltag, ti werden daher an diesem Tage dort weder Zahlungc» gelelsiet noch cntgegengcnommen. Siadttheaic«. Von morgen Mittwoch ab werden im Thcatcr- burca» £>ic IttUeiis fiir die sämtlichen Vorstellungen der Wcih- iiachisscicriagc «»»gegeben. Am Mittwoch iind Donnerstag dieser Woche ist die Thcaierkastc von 10—1 Uhr geöffnet, am Freitag, den' erste» Feiertag von 11—1 Uhr. Krri« Wetzlar. ". Steigende Teuerung. Der Wcvlarcr Bürgermeisier gicbt bekannt, daß infolge der gestiegene» Mehlpreisc. gemischie» Brot auf «0 »nb Kornbrot aus 5K Psg. im Höchstpreis sesigesetz« wird. Ter kommandierende General v. Pioey und der Odcrpräsidcnt der Rhcinprvvinz. Freiherr v. Rheindabe». ertasten einen «usrns. ivo- »ach die Bcvölkeruna zur Sparsamkeit mir der WeihiiachlSbäckerei ausgcsvrdct wird. Der Landral de» Kreises Allcnkirche» erachtet e» al» Pslicht, diesen Ansrus zu beherzigen. n. Reue Verkaiisssielle des Wetzlarcr Konsumvereins, vinciii längst vorbandciir» Bedürfnis hat der Wetzlar-Braunsclscr Kon» snmverein abgeholsc». indei» er in der Neustadt eine neue Verkaufsstelle errichict hat und zwar im Hause des Herr» Karl Oehler. Die Eröffnung ersolgic am 21. Dezember. Zweifeilo» hat auch der hiesige »oiisuinvcrcin dem steigenden NahriingSmittclwuchcr ent» gegengcwirk«. soviel in seine» Kräslen stand. st. Peirotenm-Mangek. In K a tz c » s,, r I i»> Kreise Wetzlar mußle der Unterricht der ländlichen Fortbildiiiigsschiile iviederhoit wegen Pelroieiimmangel «»»falle». Telegramme. !i>gksbericht Scs Wroficn •üniiptnuiirliffB. Die neue f» «in;ösische Offenfive und ihr Znsammeklbrnch. Wki. Großes Hauptquartier, 21. Trz, vorm. (Aml- (ich.j Französilchc Angrilsr bri R i « u p o r t ivurdrn auch grstrrn abgkwitsrn. Zwischrn R i ch r b o u r g- L^A r o n r »nd drin »anat T'A y r e ü La Bo ssee grissr» »nsrrr Truppr» dir Sirllungr!» der Engltindkr und Jndrr an. Tie seindlichrn Schüßcngrädki, winden grsiürmi »nd der Feind au» (rinen Siriiiiiige» »»irr schwere» Verlusirn grworscn. Wir rrbruikic» t Grschllli. « Maschinengewehre, 2 Minriiwkrser und »ahmen 279 Engländer »nd Inder, darunter 19 Cffiliere, grsangr». Ter de! dloirc Taine de Lorriic am 1 s. SqinlR an dcn Segnet verlorene Schützengraben ist zurückeroderi. In der Gegend S o u a i n — M a s s i g r s lnocdöstlich Cha- lon»> grissrn die Franzosen gestern hesllg an »nd drangen ai» einer Stelle b>» in unsere Vorgräben vor. Ihre Angrissr brache»! jedoch sämilich in nnskrein Feuer zulamme» 1 Ossiliere »nd 010 Man» ließen die Franzolen in unskre» Händen. Eine große Zahl gefallener Franzosen liegt vor »nseren Siellungen. In den Argonnen »ahmen wir eine wichllgr Waldhöhe bei Le Four de Pari», eroberien :> Maschinengewehre, I Re- oolverkanonc »nd inachien 27.7 Franzoicn z» Gksangeiien. Tie große RegsamkeU der Franzosen vor unserer ganzen Front ist erklärlich durch solgende», bei einem seanzäsilchrn Cf filier ge- sundenen Arineebesehl de» General Jolsre vom >7. Tezember 1911: Armeedesehi btt General Jasser vom >7. Tezember 1911. Seil 4 Monate» sind die heslige» und »ngeiählien Angrisfe brr Feinde nicht imstande gewesen, uno zu »urchbreche». Ueberall haben wir ihnen siegreich wideriiande». Ter Augenblick ist gekoininen, um die Schwäche auozunlltze», die sie uns bieten, nachdem wir uns verstarki haben a» Menschen und Malerial. Tie Stunde des Angriff» hat geschlagen. Nachdem wir die deutschen Kräsle In Schach gehalien haben, handelt e» sich darum, sie zu breche» und unser Land entgültig von de» Eindringllnge» zu befreien. Soldaien! Mehr als semal» rechnet Frankreich ans euren Mut, eure Energie, euren Willen, um jeden Peel» zu siegk». Ihr habt schon gesiegt an der Marne, an der Pser, in Loihringen und in den 2togese,i und ihr werdel zu siege» verstehen bi» zum schließlichen Triumph. ^ Jasser. In Ost- »nd Wesipreuße» Hai sich nichts Wesentliche« ereignet. In Polen sorischreitender Angrils gegen die Siellungen, in denen der Feind Front gemacht Hai. Tie obersie Heeresleliung. (?in Armeebefehl des bayerische»» tkronprinien. Tas Armee-Obcrkommandv der 9. Armee hat »ach der Frankfurter Zeitung unterm 8. Tezember von Lille an« folgenden Armee, bcfehl ausgegeben: Seit einer Reibe von Wochen befindet sich da» Erste 4laycrisch« RcscrvckorpS im langsamen, aber unnnterbrochen sorlschreitcnbc» ?lngrisf aus starke Stellungen de» Gegner» östlich und nordöstlich von slrra«. Schützengraben ans Schützengraben wurde dem Feind« cntristen: alle seine Gegenangriffe unter schweren Verlusten fiir den Feind abgeschlagen. Hunderte von Gefangenen gemacht. Tic» alles unter schwerstem Ariillericseucr des Feindes, dem eine gleiche Kraft entgegenzustcllcn bi« jetzt nicht möglich war. Rach den hier vorliegenden Nachrichten hat bas Vorgehen des Armeekorps auf den Feind einen starken Eindruck gemacht. Ich spreche dem Armeekorps für seine aufopscrungsvolle Tätigkeit meine rückhaltlose Anerkennung aus »nb möchte sein Vorgehen allen Teilen der Armee alS musterglillsg sür kommende Zeilen empsehlen. gez. Rupprccht, Kronprinz von Bayern. Be-chie^nng von Leebrüqge und Ocyst. Das Handelsblad meldet au« Slui«: Eine heftige Beschießung der Küste wurde heute morgen um 2,40 Uhr beobachtet. Es waren englische Schiffe, die miss neue Seebrügge und Heyst bombardierten. Etwa 30 Sckjüsse wurden abgegeben, doch die Deutschen beantworteten das Feuer nicht. Ein englisches Geschwader in Sckzsachtordniing fichr gestern nachmittag außerlmlb der Tragweite der deutschen Geschütze an Srebrügge vorbei. Tie Minenflefahr an der englischen Küste. Kopciihagen 21. Tcz. (Ctr. Frkft.) Die neue Minen« gefahr an der englischen Küste zeigt sich viel ernster, als ursprünglich angenommen wurde. Längs der englischen Küste zwischen Hüll und Newcastle finden sich so viele sckwiin- uiende Minen, daß das Befahren des Gewässers äußerst ge- führlich ist. Tie englische Admiralität hat nunmehr die Fahrt auf Hüll und Grimsby verboten, weil engsische Fischerboote, die ausgcsandt waren, um Minen auszufischen, entdeckt haben, daß das Gewässer mit Minen überfüllt ist. Viele dänische Schiffe die sich gestern im englischen Kanal befanden, erhielten von englischen Ltriegsfchiffen die Weisung, durch dcn St. Georg-kanal nördlich um die Shetlandsinseln nach Dänemark zu fahren. Ter österreichisch-ungarische Tagesbericht Wien, 21. Tcz. (W. B.) Amtlich wird verlautbart: 21. Tezember, mittags. In den Karpathen macht unser 'Angriff im oberen Flußgebiet der Latorcza gute Fortschritte. Nordöstlich des Lupkotver Passes an der iiiiiic nördlich Krvsno Tnchom und am unteren Dunajec wird heftig weiter Städtischer Wohnnngsnachweis Gieße«. gekämpst. Tic Lage in Südpolen hat sich nicht geändert. Ter Stellvertreter des Chefs des Generakstabs: v. Höfer, Generalmajor. _ Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Kietzen. Verlag von Krumm L Cie., Kietzen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, K. m. b. H., Offenbach a. R. Bereinskalender. Donnerstag, 2 4. Dezember: Krofdorf. Freie Tnrnerschaft. Versaininlnng bei Aitwe Abel. _______ Quittung. Für die Weihnachtsfeier der Kinder von Kriegsteilnehmern Und Arbeitslosen ginge» weiter ein: Von Frau Baum 1 Marl, von H. M. ans L. 2 Mark, von H. Th. 1 Mark, von Frau L. 3 Mark, von Ungenannt 2 Mark, vom Weitzbindcrverband 5 Mark, vom Mctaliarbkiterverband -il> Mark, von, Kewerkschaststnrtell 00 Mark, Innung 114 Mark, bereits quittiert 441 Mark, insgesamt 355 Mark. Mir die Kabcn dankend, bittet um weitere Zuwen- bnngen. _ Albin Mann. KcwertjchastSkartcll Kietzen. Die KciverkschastSvorständc werden gebeten, ihre Arbeitslosen zu veranlassen, die schulpflichtigen Kinder, die an der Weihnachtsfeier teilnehmcn wollen, beim Kartell- vorsiirendc» bis s p ä t e st c n s Mittwoch, 23. Dezember, anzumclden! 8s sind zu vermieten: 1 Wohnung von 7 Zimmer evtl, mit Mansarde. 1 Wohnung von 6 Zimmer. 1 Wohnung von 5 Zimmer und 1 Mansardenziin- mcr 1 Wohnung von 5 Zimmer. 2 Wohnungen von 4 Zimmer. 2 Wohnungen von 4 3 Zimmer. 5 Wohnungen von 3 Zimmer. 3 Wohnungen von 2 Zimmer. 1 Lager- oder Fabrikraum. 6 möblierte Zimmer, davon 2 nebeiieinanderliegendc. ' . Zu mieten gesucht: 111 Wohnungen von 2—5 Zimmer. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen. Cs können eingestellt werben: s) b e r h i e s i g e n A rbeitgebern: 3 Dreher, 3 Former, 2 Schlaffer, 2 Kupserschmicdc, l Seizungs- und 2 Elektrvinonteure, 2 Schmiede, 1 Spengler, 1 Kerber, 2 Bäcker, I Käser, 1 Megger, 1 Schneider, 3 Schuhmacher, 3 Sattler, 1 Friseur, 1 jüngerer laubwirtschastlscher Arbeiter, Dienstmädchen, b) b « j auswärtigen Arbeitgebern: li Clektrvmoutcure, 2» ikijcndreher, 1 Fcuerschmicd, Schlosser, Werkzeugmacher, Klempner und FnstaUateure, 1 Bäcker und Eon titor,• landwirtschaftliche Arbeiter und Knechte, Maurer, Sand- langer, Erdarbeiter, Kalkbreiiner, Steinbrucharbeiter und Tag Ivhner, Bau-, Rohr- und Reparaturschlosser sowie ungelernte Fabrikarbeiter fiir eine Fabrik bei freier Hinreise und hohem Lohn. 8s suchen Arbeit: 2 landwirtschaftliche Fuhrleute, 3 Schlosser, 1 Schmied, 2 Buchbinder, 1 Polsterer und Tapezierer, 15 Schreiner, 1 Klascr, 3 Schuhmacher, 3 Schneider, 6 Maurer, 5 Zimmcrleute, 8 Wcitzbinder und Lackierer, Kausleuief^Selstcider, Zandwirtichasiliche Arbencr''>u3 Knechte, Erdarbeiter, Taglöhurr, Kellner, HanSburschen, P„n-. Wasch- und Lausfrauen. Verstorbene. Heinrich Rohrbach, Metallarbeiter in Kietzen, 33 Fahre. — Frau Katharina K ü »> », c l in Wieset!, 33 Fahre all, — Fra» Philipp F ii » g c r IV. in Reisiirckcn. Gtlvei kschaftshimv Gichcn Samstag, 86. Dezember (8. Weihvachtsfeiertag), abends präzis 8 Uhr ^ ' - besiehknd in- . -.. , . ernsten rmd heiteren Vorträgen nnd humoristischen Darbietnngen. ZV Eintritt »»«ständig frei.-»« Z« rtcht zahlreichem Besuch ladet fteundlichst ein _ Die Verwaltung. Für W eiltmaclt t eil empfehle alle .Sorten Sclmliwaren in zxnten Qualitäten zu billigsten Preisen Willn, Slerbesrt ^ Iark< i ,B4i