MrWscht Kükszeitmz Drgan für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberheffcn und der Nnchbargcbiete. Ofcctbciftirti» e»ll««cUnti. erlchenu itixn «Jrrflao Sdcnd tn •irten Da fiboananrniacrtiS beträgt »ccbentlid) 15 ®fn_ manatltdi M r für die folgen».- Summet m der Eivedttton autarken Nr. 293 Gicßeu, Tonncrstllg, Den 17 . Tczcuilicr 1914 9 . Jahrgang Nom LUeltlrriea. Ausfuhrverbot für Professoren! Ter Weltkrieg hol die deutsche Eielehrlenivelt au» dein poli- jchen Schlummer gerüttelt, Auch die Prosesiore» wollten in der eil der allgemeinen Cpfcrbcrcitfctjaft dem Baterlanb ihre H-Isc ich! versagen. Ein paar Füngcrc nahmen die ^liutc auf den llicken und marfchierten. Tie Mehrzahl, die nur geiftige Waffe, i führen gelernt Hai. sprang dehcrzl in den wildhraufenden lrom de» össentlichen Leben», um in Wort und Schrift die Zache :S Reiches zu verfcchien. Ter gute Wille ist über jede» Lob er- iben, aber der Erfolg ist leider unter aller Kritik. Zeit Wochen und Monaten geht durch die denlfche Presse ohne nterschicd der Partei ein Stöhnen und Wehklagen über da» nicht idenwoUendc Unheil, da» die braven Proscstorcn mit ihren Mieden id Tchristen im Inland und ganz besonder» im Ausland an> chten. jüngst war c». wie erinnerlich, da» linkolibcralc Berliner ageblatt, da» in ivohlvcrslandencr nationaler Pflichterfüllung it einer Berliner Philosophicproscsfor unbarmherzig in» Gericht na. Ter Mann hatte eine wilde Zchimpferci Über die Holländer die holländische Presse lanziert, offenbar in der Absicht, dam st e Gunst der neutralen Staaten zu gewinnen, Fetzt ist eS zur awechflung die hochkonfervative Teulfche Tageszeitung, die > i rechtigter Verzweiflung ein „Au»f»hrverbot für Professoren" an- gt und zur Begründung ». a. folgendes ansführt: „Bor einigen Wochen gaben Mitteilungen au» «chivedeu uns Anlaß zu einer abfälligen und bedauernden Kritik deutscher Gelehrter, die »ach Schweden gegangen waren, um dort die Wahrheit zu verbreiten. Einer von ihnen . . . hatte durch seine unglaublichen und teilweise höchst taktlofen, dabei der Wahrheit in» Gesicht fchlagende» und jeder politischen Einsicht völlig ent- l>ehrende» Aeufieiungen in Schweden lebhafte» Befremden erregt. Cfn Atollen und in Holland haben sich ähnliche Tinge zugctrageu, und jedesmal zum Schaden deutscher Fnteresten " »kurz, unter allen deutschen Politikern in amtlicher oder nicht- itlicher Stellung, in Parlament und Presie, konservativen, libe len, sozialdemokratischen herrscht gegenüber dieser unheinilichen osestorentätigkeit nur eine Stimmung, die sich am besten in n Wunsch zusammensasien läßt: „Um Gotte» Willen ifbüren!* Niemand zweifelt an der guten Absicht, aber alle d einig in ihrem Urteil. Tencn, die mit einiger Sachkunde für » Reich politisch arbeiten, würde der Anschluß irgend einer de bigen neutrale» Macht an die Tripleentcnte wahrscheinlich nicht siel Beklemmungen verursachen, wie die wohlmeinende Unter tzung, die sie von feiten fetter ungelernten Gelegenheitsarbeiter 'Oirett. Wenn bei der Tätigkeit der Profcsioren von einem Nutzen erhaupt die Rede fein kann, so besteht er lediglich darin, daß rch sie die öffentliche Aufmerksamkeit auf einen schweren Schaden unseren, Volksleben hingeleukt tvird. Tie deutschen Profcsioren d im allgemeinen vortreffliche Männer, die sich um den Forl- ritt der oerschiedcnsten Wisienschasteir große Berdicnste erworbet^ Kn. Ähre volitifche Bildung haben sie aber — von einigen »nahmen abgesehen — in sträflicher Weife vernachlässigt. An e Spezialfächer vergraben, haben sic niemals begriffen, daß e. e staatsbürgerliche und vaterländische Pflicht ist, sich ernftbatt t die Angelegenheiten der Allgemeinheit zu kümmern nttd sich über ein selbständige» Urteil zu bilden. Feder sozialdemokratische oletarier, der seinen Zahlabend besucht, politische Vorträge an- t und sich ernsthaft in die Lektüre einer politischen Zeitung vcr- ft, hat in dieser Beziehung viel mehr geleistet al» sie. Sie. d-c der gkistig-volitischett Aehrhastmachnng de» Volke» £ f f i - ere hätten sein solle», haben e» nicht einmal zum Rekrute tt tracht, und jetzt, wo e» darauf ankommt, feinen P.'ann zu stellen, tnen sie nur ihre bedauernstverlc totale Unbrauchbarkeit offenen Tiefe peinliche Erfahrung wird sich hoffentlich nach dem «riete chtbar erweisen. Wenn die Tcntfchcn wirklich, nach de» Reick»- izler» Wort, ein freie» Volk werden sollen, dann bedürfen sie, 'en vielen anderen guten Tingcn, auch einer tiefgreifenden form de» gesamten BildnngSwefenS. Attch vor dem .strieze ist von staatsbürgerlicher Erziehung und Politisierung der F.i- igenz viel die Rede gewesen, aber die Zustände, wie sie datna!» richten, ließen alle gut gemeinten Versuche vollständig scheitern, ihnen die Lebenslust fehlte, in der allein sie gedeihen konnten, Lust vollkommener Freiheit. Attch Politik lernt man am besten durch Uebnng. Ta» gilt den einzelnen wie für da» ganze Volk. Politik zn treiben um zu lernen ist in Friedenszeiten ebenso staatsbürgerliche icht wie die Ausbildung im Waffcnhandwcrk. Ta» gehört mit Rüstung, mit der sich da» Volk waffnen muß, utn im Kainvfe Nationen bestehen zu können, Kommt dann eine Zeit hgrtcr ifung. dann treten alle erworbenen Vorzüge hell in Erscheinung, r auch die Schäden werden erbarmungslos aufgcdcckt. Solche äden sind durch das Verlagen unserer geisttgen KriegSfrci- ligenfchgft au» den, Profcsiorenstandc zutage getreten. Tie neu geheilt werden, damit da» Reich künftig nicht mehr vor hen „Profcfforendiensten", wie wir sic diesmal schaudernd er- -n. zu zittern braucht. Tieustpflicht '.wischen IN und 52 Aaliven in Frankreich. Kopenhagen, IS. Tez. (5V. L. Nichtamtlich.) Politiken ldet aus Paris: Der .Kricgsminister will ein G5: ot> 2», wonach jeder waffenfähige Franzose zwischen 18 und Jahren dienstpflichtig ist. iuistsch« Besorgnisse. Keine Verlustlisten mehr. Tie Korrespondenz Rundschau meldet über Kopenhagen: Tie suchen russischen Bulletins sprechen von äußerst hcmgen Säntpsen ich'dolen und erwähnen nebenbei, daß der russische tte triugel msvlge des Auftoarchetr» überlegener Kräfte der Verbündeten einen sehr schwierigen Stand habe, wobei den ruisischen Truppen Gelegcniicit geboien sei, ilrrcii bewährien -Heldenmut neuer« ltch zu bekunde». Eine cmntlidje russisch^ Mitteilung vom 10 Tezcinbcr erklärt, daß gegenwärtig die russißhe Hccrcslcttung außerstande sei, genaue Taten über die Zahl der m den icvtcn Kämpfen hi Ru,fisch Polen und tu den Karpathen gehabten Gesalleneit. Bcrtvundeten und Eie- sgngeeirn at,zügelten. ES erregt i» Rußland bcsottder« Mißstimmung, daß gleichzeitig mtl dieser Mitteilung die Veröffentlichung der B e r 1 u ft I i ft c n ,m rufsiicktcn Amts- und im Mili- lärblaltc. die belgnntlich nur die Verluste an Offizieren mit« ttilten, „vorläufig" eingestellt wurde. Tic russischen Blätter erörtern die stticgsiage in Rnssifch-Poten auch in den letzlen Tagen sehr zinclickhaltend und führen aus. das, dicie Schlackst die gewaltigste im bieitcricen 11 vieren:rtattfe lei. Beide Gegner seien hartnäckig, stark und reich i I a g c n , die den raschen und auSgsthigcii Nachschub ermöglichen. Tics fei gewiß schiver aitszuiviegrii. Noivoje Wremja meldet, ititmcit des Flusse» Hmji wären die Rüste» nah: daran gcwcsctt. wie ein Eisenhammer aus die hart bedräng:.» Teulfche» tttedtrzuiansen, ai» jie da» plö»! ch: Aus- tapchcn au» der Gegend von Uutno vordringender deutscher Ver- ftärkutiigen.zwang, sich zuriickzuziehen. tllusskojc Slowo briont, der Ansgrng der Kämpfe in Russisch-Polen sei entscheidend sür den cinopäifchcn Krlchg. weshalb denn auch die Llerbiindeicn verzweifelte Anstreiigmigeii aufiveiideii und icdeii Nerv anspanucn, um ihre „voritbergeheiiden Erfolge" sicher zu stellen. Rustlauv iitcfit sretnve Qisiziere. Au» Stockhol ui wird der Frankf. Zig. berichiel: Ein hoher ritisischer Beamter de? fhmIWJen Pastamte» richtele an einen schwedischen R e s e r ve o s s i z i e r in Upsala ein Schreiben, worin Htm zugemrtlcl twiTbc. als Fnstrukicur der Rcicrvefovmotro- nen selbst in r u s! i >' ch e T i c n fi c jo treten und auch feine Kameraden zum Ticnstiibertntt zu überreden, Ten fchtvedrschen Offiziere» wurde zngcjschert, sie würden tat Falle eine» Kriege» zwischen Schweden und Rußland sre e» Clclctt bis zur Grenze erhallen. Außerdem stellie da» russische Schreiben ihnen Ratigerhöhung, lwhcren Gehalt und besondere Auszeichnung bei Friedensschluß in Aussicht. Ter hohe rufsifche Brieifchreibcr hotte sich al>er an den Unrechten gewandt, denn der tchtvedifche Ofiizicr wie» nicht nur die Lockung e-itriistet zurück, fondern forgte dafür, d-rß die russisch« heimliche Werbunge-arbeil in Schweden bekannt wurde. Nun suchte da» rti-'fischc Nachrichteiiamt die nnangcnchme Angelegenheit al» eine böswillige „deutsche Erfindung" darzustcllen und erließ folgende Mitteilung: „Bon deutscher Seite werden absurde Berichte iii»tr die rufsifche Armee verbreitet Tic Teutichen begniigcn sich nickst damit, in tcder Schlackst anaeblich Zehntanfeiide non Rüsten gefangen zu nehmen, sic n-ollcii fetz, auch mit solchen Phantastereien wie dieser liier die russische Regierung in Mißkredit bringen". Zu diesem amtlichen rnsstschen BerschleienmgSoersnch bemerkt das Stockholmer Allonbladet btlnbigt „Wir können nur tagen, daß di« Angabe» nickt aus Tcutickland stamm-ett. Uns tclbst bat da» Originaifchrciben de» russische« Beamten an den schwKnickten Offizier Vorgelegen, der tut» zu dicker Veröffentlichung bevollmächtigt hat. Tie Mittel, mil denen die rmnfche Regienin.' dem ok feit bar statk fühlbaren Lffizier»- mangel abzuhelfen tracktri und ctxniso da» vcninglückie rufsifche Tcmrnli berühren ief>i befremdend." Fratf.ö'iittie Ftisttz tittv r-etttsäle Loldateit. Bor dem Kriegsgericht dc» 0. Armeekorps erschien am Samstag, wie die Par-'lr Zcilnitren berichten, der Rkfcrveqesreite dc» sir. deutschen Jnsonterie-Neg'mentS Heinrich Poll. Tiudcnt der Rechte. 21 Fahre alt, unter der Anklage, ein -Ist Oktober in dem Gefangenenlager von Fstondnn einen anderen dentjchen Kriegs- gefangenen den Eliästcr Fvief Bringard an» Mülhausen miß' bandelt zn haben, weil er sranzosensrenudlichc Gefühle an den Tag gelegt habe Brinaard hatte aits dem Arm die Worte cintätowiert: „Vivc I-> France!" und Poll lost ihm angkdraht haben, er werde ihn nach der Rückkehr nach Tenifchland erschießen lasten. Poll stellte da» bestimmt in Abrede und vcrstcherie, daß Bringard im Gegenteil sich Elrobheitcn gegen ihn selbst erlaubt hatte. Tre, oon dem Negicrunaskommistar geladene Zeugen stellten die Angaben Post» in Abrede und dieser wurde zu drei ?.ifonatcn Gefängnis verurteilt. Ter Zufall will, daß sich da» Polizeiqcricht van H o , e b r o u ck am nämlichen Tage mit einem Fall zu besasten hatte, der beweist, wie korrekt die deutschen Truppen sich in Wirklichkeit in Feindesland verbalten. Al» die Ortschaft Bailleul von den deutschen Truppen besetzt war, machte ein Taalöhner namens Parmentttr ErpreffmtgSversuche an zablreickcn Einwohnern, indem er ihnen drohte, sic den Teutschen al» Spione zu denunzieren und sie erschießen zu fasten. Ein deutscher Offizier, den eine von Prrmen- tier bedrohte WirtSinhabcrin zu Hilfe rief, liest den Gauner sofort fcstnohmen und dem französischen Polizeikommistar übergeben. Er wurde nunmehr vom Gericht ,u drei Fahren Gefängnis verurteilt. Aus Velsiien. Amsterdam, 15. Tez. Pjd meldet aus SaS van Gent Fn Tlticit wird durch die deutschen Behörden der Benölkcrung eine dritte Warnung über den Besitz pon Waffen und Munition erteilt. Aste Personen, bei denen nach dem 15. Tezeuiber noch Walten gesunden werden sollten, sollen zum Tode verurteilt werden, ebenso diejenigen, die vom« Waffenbesitz anderer Pen'onen Kenntnis haben und die» nicht nngeben. Die Bewachung der Grenze wird ^ auf» äußerste durchgcsubrt Gestern sind aus der ganzen i-treckr von Selzaeta nach a.ede von Baum zu Baum Ttachei- drähtc gezogen worden. a ein Dutzend Bananen. Tie zwei Ecken des Kosfcrs waren mit Schlingen versehen, m» die Arm« darin sesi- ,zuhatte». Ein« dieser Schlingen ivar gerissen, in der anderen hatte der Flüchtling noch seinen Arm, als die Entdeckung erfolgte. Am mristen überraschte ein mit Sancrstoss gefülltes Kautschukkissen, das offenbar dazu dienen sollte, die Luft in dem kleinen Raum des Kossers zu ersetzen. schweizer Massnahmen ssege»Verlel»mdunqen Das Presscbtircau des Arineestabes der Schweiz kündigt an, den leichtfertigen Gerüchten über angebliche Greueltaten deutscher Truppen in Zukunft strafrechtlich cntgegenzntrete». Das Presscbnrcau führt zwei Beispiele an, unter diesen das Gerücht, deutsche Schwestern des Roten Kreuzes hätten Verwundeten Gift anstatt Serum eingeimpft. Dieses Gerücht habe sich, wie die anderen, als gänzlich haltlos herausgestellt. Die Mitteilung schließt: Qhne ans der Reserve der Neutralität hcrnnszntretcn, kann die Militärbehörde nicht um- hin, angesichts so Ichcreichcr Bciipiclc der Presse und der Bevölkerung klarzulcgen, gegen solche Semationsbcrichte aus der Hut zu sein. Tic geistige Wappnung gegen tendenziös - Bccinslussnng gehöre mit zu den Aufgaben der Neutralität, Die ,,abgehackte» Kinderhände". Wie die Kölnische Zeitung aus Duisburg meldet, hatte das Kriegsministerium wegen Beleidigung von Angchöri- g e n der deutschen Armee gegen den Schisssbcfrachter Emil V »t, einem Belgier von Geburt, Strafantrag gestellt. Vnt erzählte im Oktober in einer Wirtschaft in Ruhrort, dass seine Frau, eine Holländerin, in einem Krankenhaus zu Gent Kinder gesehen habe, denen deutsche Soldaten die Hände abgehackt hätten. Fn der Verhandlung vor der Strafkammer bestritt die Frau, ihrem Manne etwas Derartiges gesagt zu haben. Ter Angeklagte suchte sich dann dadurch bcransznrcden. dass er daS, was er erzählt habe, in belgischen Blättern gcicscn habe. Tie Strafkammer verurteilte den Belgier, weil er durch die Behauptung von unwahren Tatsachen Angehörige der deutschen Armee beleidigt hatte, zu s c ch s W o ch c n Gefängnis und sprach dem Kriegsministcrium die Befugnis der Vcrösfcntlichnng des Urteils zu. Vekrolcnmnot in Berlin. Fn Berlin macht sich gegenwärtig besonders in den von der ärmeren Bevölkerung bewohnten Stadtteilen eine recht fühlbare Petroicnmnot bemerkbar. Vielfach ist das Petroleum überhaupt nicht zu beschaffen. Ter Verein der Berliner Koloniaiwaren- händier, der sich mit diesen Missständen befasste, stellte fest, dass die Petroleumgescllschaftcn bei der Abgabe von Petroleum, bestimmte die Abcndstillc klingen ließ, und Mortuno gab ihin einen sausten Schlag, indem er ihm zugleich ein paar unbekannte rauh klingende Gurgel- und Kehllaute znrief. DaS Tie: bahnte sich seinen Weg durch die Büsche nach der Höhe, der Hinge Finne sprang voran und Marstrand glaubte, daß dies dasselbe mächtige Renntier sei, auf welchem er einst Afraja »n Balselfwalde gesehen hatte. So war denn alles zum Empfange vorbereitet worden, und heimlich belustigte es ihn, daß der alte Zauberer ihnc sein eigenes Leibroß entgegen geschickt hatte. Mortuno war darüber sehr schweigsam. Johann konnte überhaupt wenig von ihm erfahren, kaum gab er zu, daß wirklich in der Schlucht eine Herde Afrajas ihr Lager habe. „Du wirst schon sehen, wo du bist," sagte er, „wenn es Tag wird. „Afraja wird dann bei dir sein und dir viele Renntiere zeigen." „Tu führst mich also zu seiner Gamme?" fragte Marstrand. „Afraja wohnt überall," antwortete Mortuno. „Wohin er kommt, hat er, was er braucht und will." „Diener, Zelte und Reitpferde," lachte sein Begleiter. „Aber sind eure Rennticre so stark, so wundert es mich, daß ihr nicht alle auf den Fjeldern umherjagt." „Du bist im Irrtum," jagte der Lappe. „Selten findet sich ein Tier, das nicht nach kurzer Zeit mit seinem Reiter sich am Boden wälzte. Das hier ist eine Seltenheit. Es stammt voin weißen Meere, wo eine Insel liegt, Kola genannt, von dort kommen die größten und stärksten. — Du darfst überhaupt nicht glauben," fügte er hinzu, „daß die Rennticre, so sanft und geduldig sie scheinen, sich alle Unbill gefallen lassen, wenn man sie zwingt, Lasten zu schleppen, Schlitten zu ziehen, oder wenn Geräte und Zeltstangen auf ihre Rücke» gebunden werden, sobald cs ihnen jedoch zuviel wirb, geraten sie in Zorn, gehen mit Hörnern und Füßen auf ihren Herrn los. verfolgen ihn und werfen ihn zu Boden." - Er lachte ans und rief dann lebhaft: „Das Renntier ist klüger wie wir, es schafft sich kein Recht, und Gott mag wissen, wo wir unsere Angen hatten, sonst hätten wir längst von ihin lernen können." „Ist cs weit noch bis zu dem Qrte, wo dein Oheim uns Geschäfte bevorzugen, bie ihrerseits wieder dem Publikum nur dann Petroleum abgcbcn, wenn gleichzeitig auch andere Waren gekauft werden. Eine weitere Feststellung ging dahin, dass ^ Petrolcumvorräte noch auf Fahre hinaus reichen, dass die Geirll- schaftcn aber absichtlich mit dem Verkauf zurllckhalten. Tie Behörden sollten nun eingrcisen und Ordnung schassen. Weitere Höchsipreisbeslimmnnqen in Aussicht Wie Ser Deutsche Kurier aus bester Quelle crsährt, wer den der Entführung der bishcr-gcn Höchstpreise im Reich- gebiet eine ganze Anzahl wcikcrcr für diesen Monat folgen. Dem Bundcsrat liegen dahingchcudc Anträge von Bundes, regirrungeu vor. Unsaubere Geschäfte. Für Lebcnsniittelwucherer und sonstige patriotische Ge. schüftcmacher, die am Mark des Volkes saugen, ist jetzt Hoch, Konjunktur. ES melden sich aber auch schon wieder die Orden-ü schachcrcr oder ähnliches Gelichter. In der Tortmunde- Zcitung (Amtsblatt) Nx. 033, Sonntagsausgabc von 13. Dezember, ist folgende» sehr eindeutige Inserat enthalten PcrsSnlichc SlitSzeichitttiig. Uneigennützige Wohlsahrts- und Kriegsspendcn an Liam- lichcs Institut können allerhöchste Anerkennung finden. Ernst hafte Spender erhalten kostenlos Auskunft unter.... durt Taube u. Co., Berlin SW. 19. ES ist wohl z» erwarten, daß die Regierung rücksichtslo gegen die schmutzigen Geschäftemacher cinschreitet. Bezeichnen ist es, daß es noch Blatter gibt, did sich immer wieder zi Helfershclfcrdicnsten bereit finden. 3«>Il ans L'icbcsaaben. Für die Soldaten in den Lazaretten kommen auch sehr viel Liebesgaben aus dem Ausland«, Es besteht für diese Gaben di scibstvcrständlichc Bestimmung, dass sic zollfrei cingesührt werdr dürfen. Einer Ausnahme unterliegen nur Tabak und Zigarrci Diese Artikel müssen verzollt werden. Nach Baden werden Ziga- rcn und Tabak in erheblichem Masse aus der Schweiz eingeführ und da geschah nun das Unglaubliche, dass die ZvUocrwaltun wenn die verwundeten Soldaten oder die Lazarettverwaitungen st weigerten, den Zoll zu zahlen, die Tabakwaren „voischristsmässi, vernichtete. Das badische Rote Kreuz hat nun Schritte z, Beseitigung dieses Zustandes beim Bundcsrat getan und d badischen Lazarette veranlasst, bis eine Aenderung cintritt, bi Zoll für die Empsänaer zu zahlen, wenn'die Soldaten nicht seit dazu in der Lage sind. Ter Kampf im Rordwesten. Beschiestrina von Benrne. Ter Korrespondent des Daily Chroniclc in Veuri meldet, daß die Tcnlschen eine Anzahl Granaten auf d Stadt abschossen, die jedoch nur wenig Schaden anrichtete Einige Bürger verließen nnvorsichtigerweisc die Stadt, >v durch die Bevölkerung erschreckt wurde. Bald begann c großer Auszug der Einwohner, der aushörtc, als die dcutss - Aktion nachlicß. Deutsche Erfolge. Ein Korrespondent der Morning Post nicldet: In d .letzten Wochen ist bei Bcrry-au-Bac fast ununterbrochen i kämpft worden. Ter Truck der Deutschen ist dort sehr best und es für die Franzosen schwierig, die Stellung z» Haiti Tie Verteidigung hat viele Opfer gekostet, aber die Stell» müsse behauptet werden, weil sie eine gute Basis für k Aufmarsch nach Norden sei. Frankreich und seine Kolonien. Das Koioniaiministeriiim beabsichtigt, den grössten Teil i in Algerien stehenden Regimenter der Fremdenlegion zu and weiter Verfügung nach Fndochina zu senden. Die entsandten Tri pcn werden durch Kolonialtruppcn ausgcfüllt werden. Die So nialpolitik der Regierung stößt in parlamentarischen Kreise» i lebhafte Opposition. Man erklärt die grossen Rücktransport« n Marokko und Algier für unsinnig und höchst gcfährli Algier sei nicht im mindesten bedroht und in Marokko solle General Lyauten darauf beschränken, die kultivierten Küstcnstr geacn die Aufständischen zn halten. Auch das Schicksal der sr zösischcn Kolonien werde am?)serkanal entschieden, und das Feh von 38 000 Mann, die zu ungewissem Ende in Marokko mit SOI' erwartet?" fragte Marstrand, der Mortuno nichts andc antworten mochte. „Tu bist ihm näher wie dein Balsfjord." „Und Gula wird bei ihm sein?" Mortuno schwieg. Sic zogen weiter durch die Nackt. Der Himmel b darüber mit zahllosen Sternen. Das Rennticr Plätsche durch Wasser, das ein weites Becken zu füllen schien, welchem der Schimmer der Gestirne wiedcrspiegelte. „Und ist dies der Urevand?" fragte Marstrand wie! „So normen ihn die Männer deines Volkes," antwor Mortuno, „es ist Jubinals heiliger See." — Plötzlich fl inerte ein roter Schein in der Ferne, und das Tier stieg seinem Reiter aus dem Wasser auf den festen Boden, lnuncr höher und steiler sich erhob. Hunde bellten l> aber Marstrand fragte nicht mehr, denn er wußte, daß jetzt in Afrajas Nähe war. Nach einiger Zeit kamen n rcre Männer mit großen, brennenden Holzspähnen ih entgegen und wechselten ein paar Worte mit Mortuno, den Leitzauni des Rcnntiers ergriff und cs zwischen gc> tigen Felsblöcken zu einem spitzen Zelte führte. Als Marstrand absrieg, leisteten sie ihm Beistand. T tuno führte ihn höflich in die braune Gamme. Der Vc derselben war mit Birkenblättcrn dicht bestreut: ein Fe Platz befand sich in der Mitte, über welchem an einer lo> Kette eine eiserne Toppellompc schwebte. An der ei Seite befand sich ein Sitz von Birkenreiscrn, an der and> ein weickzes Lager von Moos mit Linnentückern bedeckt, ncbcn lag eine Anzahl warmer Decken und Pelze. „Verweile hier," sagte Mortuno, „Afraja ladet dich Ruhe ein." „Und wo ist er?" fragte der Junker. „Wer inag es wissen? Wenn es Zeit ist, wird er bei sein. Bist du müde, so schlafe unbesorgt, hast du oder Durst, so findest du hier, was wir geben können.' deutete dabei aus den Herdstein, wo Brot und Speist" J Flaschen und Krügen standen, und verließ dann däs t , indem er seine Bitte wiederholte, Marstrand nsti^ I duldig seinen Oheim erwarten und dessen Gastfrenndb I sich gefallen lassen. j (Fortsetzung folgt.) Wmpfcn, könne an wichtigeren Stellen verhängnisvolle Folge» Das Schicksal der Russen in Unaarn. Budapest, 16. Tez. Ter Pesti Hirlap meldet: Tie letzte Abtcftung russischer Truppen, d.e in da- -aroser Kpmi.at ..-gedrungen waren, »,t ge,lern völlig ausgerieben worden. Un,cre Truppen hatten den Feind zwischen Bo-kop und Napedobra angegriffen und fluchtartig znrückgeschlagrn Tir Russen verloren mehr als 1200 Tote und Verwundete E,w» M, Mann wurden gefangen genommen, viele Maschinen gewchrc und Munition erbeutet. Tie Verfolgung wird fort- gesetzt. Italiens Neutralität. Rom. 1«. Tez. Wie zu erwarten war, hat auch die Senat»- ?rHrf- m r i tr * iJf» C * n# U « a n W und vieldeutige Au». aller Redner der Regierung volle Freiheit der cnd- gllltigen Entschließungen gelassen, ober auch keinen Fingerzeig siir die Bewahrung oder das «ufgeben der Neutralität geliefert. Tie Prelle kann daher die Lenaisdeballe je nach dem Parteistanbpunkte interpretieren. Lsfenherziger als alle anderen Redner kennzeichnen dargelottt die wahren Motive der KriegSparlei. Er sagte: Die Aufgabe oer italienischen Neutralität zugunsten des Drei« verbände» wllrbe uns den Umsturz und Hivei schwere Kriege zu ^ribe und zur Lee aufnötigen. Ter gegenwärtige ungeheure Konjiikt muh mit der völligen Niederwerfung eines Teiles enden Jedenfalls muh leder einsichtige die Lrganisati-n, Stärke und Schlagkraft Deutschland» bewundern. Es «st nicht daran zu denken dah Italien die Waffen gegen feine Berblindelen kehren würde. Revolutionäre Russen. Ueber die Verhängung des versckzärsten Kriegszustandes über Petersburg bringt das Stockholmer Tagblad inter- cssante Einzelheiten. Es wurde eine weitverzweigte Verschwörung ausgedeckt. Die Petersburger Universität sowre alle anderen Hochschulen sind polizeilich ge- schlossen worden. Nach einer der Wiener Politischen Korrespondenz aus Bukarest zugehenden Mitteilung berichten aus Rußland dort eingetroffene Reisende, das, nicht nur die Führer der sozio- listischcn, sondern auch überhaupt alle radikalen Mitglieder der Duma verhaftet worden sind. Der Hessische Kriegslandtag. Tie hefsischc Zweite Siänbekammer trat heute zusammen. Aus dem Platze bei gefallenen Abgeordneten Tr. Borhcimcr, Lamperi- Heim-Worms, lag ei» Lorbeerkranz, in dcsien rotweißer Schleis« das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse prangte, mit dem der Gefallen« ausgezeichnet worden ist. Tir Abgeordneten sind vollzählig erschienen. Tic Abgeordneten Weber und Lutz sind mit dem Eisernen Kreuz geschmückt, die Abgeordneten Finger und Nrsiadt tragen seldgran. Bei der vorläufigen Bildung der Zweiten Kammer berust Tr. Best den im Jahre 18:18 geborenen Abg. Schönberger zum Alterspräsidenten. Tiefer beruft zu Schrlst- führern die Abgg. Finger und Damm, die dieses Amt bisher schon bekleidet hatten. Durch Zuruf wurde der bisherige Präsident Kühlcr-Worm» znm 1. Präsidenten wiedcrgewählt. Der Alterspräsident Schönberger drückt den Wunsch aus. dasi er bald das Ende diese» mörderischen Krieges erleben möge. iBcisall.) Präsident Köhler dankt für seine Berufung als Präsident des ÄriegS- landtoges und hofft, dost recht bald die Zeit kommen werde, wo er das Amt in die Bände der Abgeordneten zurllcklegen könne. (Beifall.) Der Abg. ikorcll-Angenroth wurde zum zweiten und der Abg. Dr. Schmitt-Mainz zum dritte» Präsidenten gewählt. In der Ersten Kammer erfolgte die vorläufige Bildung in gleicher Weise durch den StaatSrat Willbrandt. Anstelle des verstorbenen ersten Präsidenten, Graf Görtz-Schlitz. hat der Groß- hcrzog de» Fürsten SolmS-Lich berufen, der bisher zweiter Präsi- dent war. Als zweiter Präsident wurde der Fürst Leitungen und als dritter Freiherr von Heyl gewählt, der das Amt bisher schon inne hatte. Ter Eröfsnung des gesamten Landtags erfolgte um 12’/i Uhr Im Saale der 2. Kammer durch den Staatsminister Tr. v. Ewald. Zu der vorläufigen Bildung der Zweiten Kammer ist noch nachzutragen, dast die Präsidentenwahl, weil sic durch Zuruf vorgenommen wurde, nach der neuen Geschäftsordnung ungültig ist. Daher wurde eine Zettelwahl vorgcnommcn, die das gleiche Reful- tat zeitigte. In zwei Wablnängen wurden die Schristfllhrcr und deren Stellvertreter gewählt. Ans Vorschlag des Abg. Tr. Osann wurden zu Schriftführern Tamm (frcis.) und Raab lSoz.s, als deren Stellvertreter Lutz und Finger gewühlt. In der Ersten Kammer würben zu Sekretären (Schriftführern) gewählt Freiherr v. N i c d e f c l uitd Fürst Fsenburg-Bir- st e i n. als deren Stellvertreter Dr. Strecker- Mainz und Land- gerichispräsidcnt Hange»- Mainz. Um 12V* Uhr kamen die Herren der Ersten Kan,n,er in den Sitzungssaal der Zweiten Kammer und nahmen aus der Rechten Platz, während die Abgeordneten der Zweiten Kammer sich aus der Linken plazierten. Auster de» Ministern waren auch die Staatsräte zahlreich erschienen. StaatSminister Tr. v. Ewald erössnctc den ÜriegSlandtag mit einer längeren Ansprache, in der er des großen Mutes der hessischen Regimenter gedachte, die brausten geschloffen mit den anderen deutschen Brüdern in den Kamps um unser Dasein getreten sind. Er sllhrte die Ausgaben an, die dieser Kriegslandtag zu bewältigen habe, und übermittelte Grüße vom Grostherzog, der die Zuversicht hege, daß die zu beschließenden Maßnahmen deS Landtages die wirtschaftlichen Krüstc des Landes erhallen, und daß das Ziel recht bald erreicht und ei» dauernder sicherer Friede erkämpft werde. Für den znrückgetretenen Prälaten Flüring wird Prälat Euler und für den verstorbenen Grafe» Görtz-Schlitz wird deffen Sohn als Mitglied der Ersten Kammer vereidig». Fürst Solms-Lich brachte ein Hoch auf den Großherzoa au», bei dem die Sozialdemokraten stehen bleiben, aber nicht einstimmten, und liest sich ermächtigen, dem Grostherzog ein BegrüßungStelegramm zu senden. Hierauf verließen die Mitglieder der Ersten Kammer den Eaal. Präsident Köhler erösfnetc hieraus die erste ordentliche Sitzung der Zweiten Kammer. In seiner Ansprache betonte er besonders die kinmlltiakeit des deutsche» Volkes und brachte ein Hoch aus Heer und Vaterland aus. Er begrüßte die in llnisorm erschienenen Abgeordneten besonders und gedachte des gefallenen Abgeordneten Tr. Borbeimcr, sowie des am 7. Oktober verstorbene» Grafe» Görtz-Zchliv. deren Andenken die Kammer durck Erheben von den Sitzen ehrte. Tie bisherigen AnSfchüffe wurden wiederoewählt. Nächste Sitzung morgen vormittag Ist Uhr Vartein«, ckiricht:: Ter Fall Liebknecht. Zur Angelegenheit Liebknecht schreibt e Leipziger Bol Zeitung: ^Jn einem nicht kleinen Teil »: £•-■ Parteipreffc ir Kenoffe Liebknecht zurzeit Spießruten la. icn. Er hat durch Ic Abstimmung in, Rcich-iag einen unerhörten T>rzipli»drnch gangen, so wird erklärt, einen TiSzipünbruch, den st» Partei nicht gefallen lasten kann und darf. Ter Bolkswille Hannover, der bei Bug-elbcwilligungsasfärcn sehr milde: u Tlsziplinbrcchcr zu urteilen pflegt«, ist besonders eifrig. Er noch einen zweiten Tisziplinbruch Liebknechts entdeckt, nam lemc dem ReichStagSpräsidente» eingereichte, von diesem »nt drückte Erklärung, die die Abstimniung begründete. Ter Volkswille findet das Verhalten de» Genoffen Liebknecht „ungeheuerlich", feine Duldung wäre der Anfang vom Ende der Partei ufw. Das VoikSbialt für Anhalt meinte, man könne Liebknecht» Verhalten nur verstkhen, wenn er anch die Konsequenz und den Mut bezeige, sich au« eiaenem Entfchluß von dieser Fraktion und dieser Partei zu trennen und eine eigene, eine neue Partei zu bilden. E» fehlt auch nicht an Stimmen, die deutlich den A»»- schinß Liebknecht» fordern. Am deutlichsten werden einige GewerkschaftSblätter. In der letzten Rümmer de» Korrcfpoiidenzblaitt» der Generalkommission wird zwar nicht der Ausschluß direkt gefordert, dafür aber wird gesagt: . . Wer in einer solchen Lage deS Landes die zu feiner Verteidigung und Aufrechterbaitung seiner Selbsländigkeii geforderten Mittel verweigerk, kan» damit nur bekunden, daß es ihm gleichgültig ist. wenn die feindlichen Heere die Verwüstungen de» Kriege» mi, ihrer ganzen Schwere, die der beutige Krieg mit sich bringt, ln bas eigene Land binrintragen . . * Genoffc Liebknecht kann sich jetzt in der Oessentlichkelt nlcht verteidigen. Es müßte daher unser« Erachten» für die Partei- preffe «in selbstverständliche» Gebot de» Anstande» sein, die Sache so lange nicht zu erörtern, bi» ihm die Möglichkeit ossencr Sprache gegeben ist. Entscheiden kann, da» wiederholen wir, nur der Parteitag. Und che er zuiammentritt, wird noch Gelegenheit zu genügender Autsprach« setn. Wir find anderer Ansicht, al» unser Leipziger Parieiblatt. Zunächst dürste noch vor dem Parteitag die Reichltag»- f r a k t i o n zu entscheiden haben, ob sie einen Mann noch in ihren Reihen dulden kann, der so wie Liebknecht ln Lebentsragen der Partei entgegen den Bcschlllffen der Fraktion handelt. Wir begreifen aber auch die zarte Sorge nicht, die au» obigen Au», sllhrungen um die Erholtung Liebknechl« für die Partei spricht. In viel, viel weniger wichtigen Fällen von Tisziplinbruch habe» gerade Parteiblätter wie die Leipziger VolkSzeitnng die Beseitigung der Sünder au» der Partei gefordert. Wir erinnern hier nur an den Fall Hiibebrand. Warum soll sich übrigen» Liebknecht jetzt nicht vertetbiaen können? Er konnte doch trotz seiner ersten Abstimmung im Auslände die ReichStagsfraktion wegen des Beichluffes vom •!. August angreifen, die dagegen jedenfalls wehrlos war. Man muß sich schon auf den Standpunkt Rosa Luxemburgs stellen, die nicht Liebknecht, sondern die anderen 110 sozialdemokratischen Rcichsingsabgeordiiclen de» Bruch» der Ti»- zjplin und der Partelgrundsätzr schuldig bält, um noch den schützenden Schild über den TiSziplinbrecher Liebknechl halten zu können. Hessen und Nachbargebiete. und Umgebung. — An unsere Leser. Durch einen plötzlich eingekretmen Wechsel in unserem Trägerpersonal sind gestern verschiedene Abonnenten nicht in den Besitz unseres Blattes gelangt. Tas- selbe konnte den Betresfenden erst I>eute morgen zugestellt werden. Bei nicht pünktlicher Zustellunzi in den nächsten Tagen bitten wir um Nachsicht und sofortige Mitteilung an unsere Geschäftsstelle, damit Abhilfe geschaffen werden kann. — Unsere Beleuchtung. Immer empfindlicher macht sick die mangelnde Zufuhr von Petroleum fühlbar, die-Menge, welche gebraucht wird, kann nur zu einem Bruchteile geliefert werden. Daß rumänisch« Petroleum wird zu enorm hoben Preisen angcboten, wobei es fraglich ist, ob und wie lange dieses noch geliefert werden kann. Diese Verhältnisse zwingen dazu, den Bezug von Gas und elektrischem Strom nach Möglichkeit zu erleichtern und in verschiedenen Städten sind in dieser Beziehung Reformen geschaffen worden. Zum Beispiel wurden von den Berliner städftschen Gaswerken die weitgehendsten Erleichterungen für den Bezug von Gas vorgesehen. Dort iverdcn in Häusern, welche noch keine Gaszuleitungen haben, diese auf städtische Kosten hcrgestellt, sobald ein hinlänglicher Gasverbrauch in Aussicht steht. Gasabnebmer, welche eine Sicherheit nicht hinter- lcgen können, erl-alten an Stelle von gewöhnlichen Gas- mefsern Munzgasmesser (sogenannte Automaten) miets- und kostenfrei aufgestellt und das Gas zu einem Preise geliefert, welcher unter Zugrundelegung des gewöhnlichen Gaspreises berechnet wird. Es werden mittels dieser (neuen) Münz- gasmesser für 10 Pfg. 750 Liter GaS und, falls solche Münz- gasmesser zur ausschließlichen Entnahme von Gas für Heiz- zwecke, zum Motorbetrieb oder zur zentralen Warmwafser- versorgung benutzt werden, sogar 875 Liter abgegeben. Wer nicht im Besitz der erforderlichen Beleuchtungskörper und Kochapparate ist, kann solche bei gleichzeitiger kostenfreier Aufstellung eines Münzgasmessers von den Gaswerken geliefert erhalten und bezieht für 10 Pfg. 675 Liter Gas: in dem Gaspreise ist der Mietzins für sämtliche vorgehaltenen Einrichtungsgcgenstände einbegriffen. Diese letztere Art von Münzgasmcssern ist in Berlin bereits feit Jahren eingcführt. Auch Gasheizöfen stellen die Gaswerke mictsweise auf. — In anderen Orten sind auch für den Bezug von elektrischem Strom Erleichterungen geschaffen worden. In Gießen wird darüber gegenwärtig in den betreffenden städtischen Kommissionen beraten. Hoffentlich führen die Beratungen dazu, daß es allen Einwohnern ermöglicht wird, ihre Wohnungen diese Leucbtmittcl zuzuführen. Tas liegt auch im Interesse der Entwicklung der städtischen Werke und schließlich würde es auch dazu beitragen, daß die ungeheuren Gewinne der Pctrolcum-Kapitalistcn nicht ins 11 ngemessene steigen. — Tic Maul- und Klauenseuche in Gießen. Einer Bekanntmachung des Krcisamts zufolge werden in Rücksicht auf die Maul- und Klauenseuche folgende Bezirke gebildet: 1. Sperrbezirk: Ter von der Neustadt, Westanlage von der Neustadt bis zur Bahnhofstraße und von der Babnhos- straße, Westanlage bl.- »r Neustadt begrenzte Stadtteil: 2. Beobacht »na-gebiet: TaS Gebiet der Stadt Gieße:: mit Rusncsi : > dee Sperrgebiets. Familien llntcr'iüüung für die Kriegsteilnehmer. Es fei darauf hingewicfen, daß nach einem Erlaß des Reichs- kanzlers im Falle der Bedürftigkeit auch die Familien der- jenigcn Mannschaften Anspruch auf Unterstützung hoben, die im Herbste dieses Jahre ihre Xtenftpffidüt beendet hatten, u&cr nickt entlassen worden sind, ferner die als Kriegsfreiwillige eingetrcten sind. Wir weisen auf die Bekanntmachung des Oberbürgermeisters in der hutigen Nummer bin. — lieber »je Behandlung deutscher Gefangener in Frankreich fanden wir ineicr Tage noch mehrere in einem Parieiblatt abgedruckte Brtere. dir wir im Anschluß an unsere gestrigen Bemerkurn- gen die: wiedergtzben wollen und in denen die Schreiber sich mit Beipileguna ut'w. zufrieden eitiären. In einem Briefe an» Bevge- rac. 28. September heißt «S: „Ich bin bei Bitrp de la Franeois verwundet worden, Hab« sechs Tage auf dem Schlachtfelde ohne Nahrung gelegen mid bin in französische Hände gefallen. Ich erhielt einen Scbuß m den rechten Fvf,. Am 2st. Leptcinber hat eine jung« französische Dam« vom Roten Kreuz dao Geschoß sehr geschickt ent- l«rm. Wir haben e» sein »>;. Gr» Effen ist vorzüglich und reichlich. Auch die Franzosen sindsehrsreundlich mit UNS. De, Ort. ivo wir sind, ist Ivst Kiloincrcr von Tßirdcatir und 800 Site» nwter von der deutschen Grenze entfernt ..." In ttuent arideren Briese, der vor einigen Tagen in der Leipziger BoskSztg. abgednickt wurde, schreibt ein Krieger seiner Fran u a.: „Ich bin noch bm-uer gcsuird. iva- ich mich oon Dir huzfa. Ich gebe immer arbeiten, dos >si ai>er kein gaznuegenes. fänder» freiwilliges. Ti« Franzose» findgut miku»» iah geben» >o.rs ln ihren Kräfte» siehr. Tnrch da» Att'eiten vergeht di« Zeit (mw* leichter. Wir ^kommen «ich Löhnung vom Staat, d Znmme.v und für die «rtxil etivaü anher- dem To» Effen if, g>tt und genug. Ich hosse, daß di« Sache nicht: mehr so lange dauert, denn ich denke doch so mazuhmal an die liebe Heinutt. Ich sudle mich fo gang rvn Gott und aller Welt ad,ze- sch6«ffen. In der Hossnnng. daß wir Weihnachten zu Hause ui um- s«rm Heim seierii SVmwtv oerbleibe nb Dein lieber Mam».' — Natürlich ivollc» wir damit inchl sagen. Giß unsere t^oia,i,«-nen überall so gut l-ehaindoli werden. — Burgfrieden und ArbeiiSvrehällni». Vom Tabak>»k- dei I« rv« rba n d wird geschrtebvii: Gleich zu TKgitm de» We»- kriegoz sind die Gowerdsichogten dazu iii>evgegatigen, im ,fuiereff« Burgsr.edene keine wirtschaftlui»«» Kample .zu suhrcn und nnogiuhii. alle Fragen da» Arbeiisoerhülriüffea dnrckt Bildmzg von Arboibe gerneiu-ichallen zwischen Aihkiigeberm und Ailwitnelnuer» >>der deren Oraamsatioiien ,-n regeln. Anch die Verwainiiigsstelle Giesen des TadaSarbkiter-rrerbarndes hat zweinml den versinh gemacht, mit dem Vorstand de» liieren«» der Tahakinduftriellen «in« solche !i>eveni- barnng ju drefseiz. wurde at>er jedroinal al>,iervlefeik uitk der Lllott» vieruna. daß di« Tal'aksaf'rthonten chren Ariwidcrn iveit eingcgen- kommrn witrhen. — Wie diese» Entgcgeiisoiiniwn me» «nisstehi schein« di« Firma Rinn -V Eloos duräi die neueste Einfübrimg beweisen zu wollen, die jetzt m allen Orten, ivo Frlialen sind, die vier zehntägige Lohnzahlung «iizgesichrt hat Taß diesoo eine Verschlechterung de» Arbein»verhälni,>ffos bedeutet oibl di« Firma salbst zu. ivonn anch nur für die «ffken 1s Tage. Tie Arbeiter bctraäne» diese Neuoniführirng für eine daiierndr Ver schiechtcrung, weich« beionders hart in der gegenwärtigen .Zeit empfunden ivird: einmal dodnrch. n»otl die GefchästSIeuic ihr« Ware» nur iwck, gegen t>ar veraf'solgeiz, und da die Lebend mittel ge. waltig grfiiegrn sind und andersetts di, Enikonunen der FamUieii dadurch gefchmälert sind, weif von den mersten Angelsilrige am Kriege teiinrhmen. — Gegen die Aendzrung m der Lolnuahituig habe» die Arbeiter in rwrschirdonen Orden energifch, sogar durä> unierschrioberne Schrntsdückc dagegen protestiert. er zunächisl noch vcvgeblich. Al» Grund sür di« lltägiige Lohnzof-Irnzg gibt die Firma Mangel an geeignetem Personal an. Tein ist entgvgeiizudoitcn» daß es stellenfose Kanfleute genug gilt, daß sogar einige geziviinge» sind, andere Arbeiten zu ierrichtrn. Dieser Grund koniint für m><- absolut nicht in Betvacht. wir glauben vielmehr, annetzmen zu dsirien. haß öle Firina jetzt den Zelthuitkt für gekonuneit siecht, um dem fäx>n vor 7, Fahren gehegten Plan zur Durchflchrnnill ZU bringen., welcher durch den eiicrglschcn Protest der Arbeiter damals gesäxiicrt ivar. War vielleicht damals auch Mangel an geeiguercn Kvisle» di« Ursache? Di« Tadatorteiirr Ivanen afßo bmnhcht, den B>rvgsv>ede» wübt zu stören, sehen desizatb nicht ein, nachdem dies«» von anderer Sette erfolgt, daß st« die Hände rnhig in den Täzoß legen nitd sich «inlullen laffen mit dem Gedansen: ist KriegSzott", wo inan sich alles bieten laffen muß Gewiß, di« Arbeiterschaft legt sick» sehr viel Entbehrungen auf. aber st» ivrrd sich auch ,v»«z entschieden gogeu Maßnoirnrcn iveiwenz welche unbevechttg» mid umdegrtindek sind. - An die Tabakarbeiier evgehi die Mahnung, an der Onganisatwn schnuhalten und die Lohn- irnb Arbeitsbedingungen nicht verschlechtern laffen: da» sind ivir den fn den Krlvg gezogenen Kollegen ßizuidigl Laßt «ich nlcht etnsthllch- tern, durch» die Worte. Jl if« Krtegszeil": gerade dcolzalb darf die Lage der Arbeiter nicht nach mehr verschlechtert werde», damit ein- zelne ihr Einfomme» steigcrn- — Unbrauchbare Tarlehnokaffeiischeiiie. lieber da» Verfahren mit Ta rieh» ssa ffenschr i neu, die für den Uml.nif nicht nichr geeignet sind, hat der Bnndesrat, wie schon kurz berichtet, eingehende Bcitim- nmngen getroffen. Eie betreffen beschädigte, unlirauchlnir geioor. den«, nicht mehr umlams-sähiq«, nachgemacht« und versälsäü« Scheine Die Hauptverwaltung der Darlehn.skaffen muß sür belckßidinte oder „ichrauchbar gewordene Scheine für Rcchnuna de« Reichs Ersatz leisten, ivrnn da» verletzt« Stiick niehraI»dleSälfte l>rtragt. Auch sonst kann auSrnalnvsweise Ersatz gederstet werden. Tie ReirltS- und Lmideskaffc» nelniien besehädigte Schrine an. geben sie aber nicht wieder au». Von den Obeupofßkaffen, der Generasttaatskaffe. den Regierinigs- und BezirckShanptfaffen sowie den Landes,entraKaffen werden sie sogar nn«getauscht. Glicht mehr nmiauisssähige Scheine iverdcn durch di« Roichzbanf vernichtet. — Pökele an deutsche Kriegegesaugene in Frankreich erleide» dadurch Verzögerungen, daß die französischen Eisenbahnsiaiionc», denen die Beförderung der Pakete obliegt, die Ansschristcn nur schwer oder gar nicht entziffern können, weil sie häufig unleserlich und mit deutschen Buchstaben geschrieben sind. Es empfiehlt sich daher, baß die Absender mindestens den Rainen der Be stimmungs-Eiscnbal-nftalion. sofern diese bekannt ist, sonst den Bestimmungsort in der richtigen französischen Schreibweise und tn lateini sichen Buchstaben groß und deutlich an- geben. Ist der Aufenthaltsort des Empfängers nicht bekannt, so kann da» Palet auch ohne diese Angabe abgesandt werden: ober auch daun ist möglichst deutliche Schrift und, wenn bekannt, die Eingabe der ^Region" oder de» Landesteil», wo der Empfänger sich befindct sRord-, Süd-Frankreich), sehr zu empsehlen. — Sladithealee. Vom Thcalerbureau wird geschrieben: Auf vielfache Slnsragen hin sei das Programm der Weih- nachtsfciertagc schon jetzt bekannt gegeben. Es wird gegeben an, 2ö. Dezember, abend», „E o l b e r g", Schauspiel von Heylc (kleine Preise): am 26. Dezember nachmittags ni weißen RötzI" iBolkspreise), am 20. Dezember abends „A l S ich noch im Flllgclkleid^ sklcine Preise); om 27. Dezember nachmittag» „Aschenbrödel" IVolkspreise) und am 27. Dezember abends „W i e e i n ft i m M a i" lgewöhnliche Preise, ermäßigt'. ES werben schon jetzt Vorbestellungen für sämtliche Feiertage im Theaterbureau angenommen. — Das KreiSgesiindheiisoutt in Gießen ist von der Moltic- straßc nach der Gartcnstraßc 10 verlegt worden, Telephonnummce 717. hauptsächlichster Amtdtag ist Dienstags. — Postdienft während der Weihnachis.zeil. An, Sonntag, den 20. Dezember, findet in Gießen eine einmalige Brief- und Geldbestcllung und eine zweimalige Paketbestellung statt. Tie Post schalte r sind für die Annahme von Pakete» von 8 Uhr vormittags bi» 7 Uhr nachmittags, sür die übrigen Gegenstände wie gewöhnlich (von 8—9 Uhr vormittag» und 12—1 Uhr nachmittags, geöffnet. Am 1. WeihnachtSfeiertag wird «ine einmalige Paketbeslellung, am 2. Festtage eine Geldbestellung ausgesührt: Briefbestellung und »chalterdienststundeii wie an Sonntagen. Die Landbestellung fällt am 1. Feiertage g a n ; a u s. Am 1. WcihnachtStage kann die Verzollung von Paketen auf dem Hauptsteueranil von 11—12 Uhr erfolgen. — Tieinberg. Es sei nochmals besonders auf die Freitag abend 0 Uhr im grünen Baum stattsindende Tabakarbeiterversammlung aufmerksam gemacht. Es wirb besonders die Tabak- arbeiter und Arbeiterinnen interessieren zu erfahren, welche Antwort die Firma Rinn u Claas auf das oon ihnen Unterzeichnete Tchrisfttück gegeben hat. Da die Veriammlung pünktlich beginnt, wird erwartet, daß alle pünktlich erscheinen. «reis Weßlar. n. Steigeeung der Höchstpreise. Für ffische Landbutter ist jetzt der Marktpreis auf 1.40 Mark, der Ladenpreis aus 1,45 Mark festgesetzt worden. Bei den bisher niedrigeren Höchstpreisen, kam so gut wie gar keine Butter auf den Markt und bei den jetzige« können sich Minderbemittelte keine mehr kaufen. Bäuerliche Kriegs-, sllrsorge. ti . Fei qat geholfen. Auf Sie mehrfachen Proteste gegen die niedrige Vergütung für Verpflegung der Landsturmleute, die für das Gefangenenlager abkommandiert sind, sollen nun keine Abzüge vorgenommen werden. n. Arbeits-Jubiläum. In der Handschuhfabrik von Friedrich Mandler in Wetzlar feierte der seit 25 Jahren ununterbrochen dort beschäftigte Sandschuhmacher Joseph H e r m e l sein Arbeits- jubilänm. Westerwald und Unterlah». X Tödlicher Unfall durch ein Benzinfeuerzeug. In Braubach a. Rh. erlitt der 10jährige Paul Becker dadurch schwere Brandwunden, dast die Benzinkammer seines Taschenfeuerzeuges explodierte. Im Krankenhaus starb der junge Mann an den Wunden. Telegramme. TMsbericht des to|en Hlnichmtitts. Neue Angriffe bei Nienport abgewiesen. In Polen vorwärts. W. B. Großes Hauptquartier, 16. Dezember vormittags. kAmtlich.) Im Westen versuchte der Gegner erneut einen Vorstoß über Nicuport, der durch das Feuer seiner Schiffe von See her unterstützt wurde. Das Feuer blieb gänzlich wirkungslos. Ter Angriff wurde abgewiesen. 450 Franzosen wurden gefangen genommen. Auf der übrigen Front ist nur die Erstürmung einer vom Feinde seit gestern zähe gehaltenen Höhe westlich S e n n- h e i m erwähnenswert. Von der o st p r e u ß i s ch e n Grenze ist nichts Neues zu melden. In Nordpolen verlaufen unsere Angrifssbewegungen normal. Es wurden mehrere starke Stützpunkte des Feindes genommen und dabei etwa 3000 Gefangene gemacht und 4 Maschinengewehre erbeutet. In S ü d p o l e u gewannen unsere dort im Verein mit den Verbündete» kämpfenden Truppen Boden. Die oberste Heeresleitung. Schwerer Schaden —Panik in England! Berlin, 16. Dezbr. (2B. V. Amtlich.) Teile unserer Hochseestreitkräfte haben einen Vorstotz auf die englische Ostküste gemacht und am 16. Dezember früh die beiden befestigten Küstenplätze Scarborough und Hartlepool beschossen. Ueber den weiteren Lauf der Unternehmung können zur Zeit noch keine Mitteilungen gemacht werden. Der Chef des Admiralstabes: v. Pohl. Amsterdam, 16. Dez. (Ctr. Bln.) Die britische Admiralität meldet: Scarborough und Hartlepool an der englischen Küste sind durch deutsche Kriegsschiffe beschossen loorden. Die englischen Schisse begannen ihrerseits den Kampf, der noch sortdauert. Die beiden Städte liegen an deni nördlichen Teil der Ostküste Englands, Scarborough gehört zur Grafschaft Jork, Hartepool zu Durham. Beide Städte sind etwa 76 Kilometer von einander entfernt. » London, 16. Dez. (Ctr. Bln.) Der Angriff der deut- schen Kriegsschifse auf die englische Küste scheint eine Erregung ohnegleichen hervorgerufen zu haben. Reuter meldet darüber: Die Beschießung von Scarborough hat heuee morgen um 8 Uhr begonnen. Die Bevölkerung raste in großer Aufregung aus ihren Häusern und es begann eine Flucht nach dem Bahnhof, wo gerade zufällig ein Zug bercitstand, mit dem man nach Hüll abfahren konnte. Verschiedene Gebäude sind beschädigt. Der Maschinist eines Zuges sagt, daß er drei Schornsteingruppen in Scar- borough sah, die getroffen Waren. (Franks. Ztg.) Aus Hüll wird berichtet: Die Behörden von Scar- borough empfingen heute morgen die Nachricht, daß ein Ar- griff auf die Küste vorbereitet werde. Alles wurde sorgfältig für die Verteidigung hergerichtet. Artillerie und Infanterie begab sich nach den ihnen zugewiesencn Plätzen. Nach späteren Berichten war es neblig, als die Beschießung begann. Zahlreiche Frauen und blinder liefen in ihren Nachtgewändeni auf die Straße. Ungefähr 40 Granaten explodierten. Zwei Kirchen wurden beschädigt: von ver- schiedenen Häusern wurden die Dächer eingeschossen. Ueber 20 Personen getötet, 60 verwundet. Berlin, 16. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Rach englischen Meldungen sind in Hartlepool über zwanzig Personen getötet, achtzig verwundet und beträchtlicher Schaden angerichtet worden. Ter Gasometer brennt. Tie Beschießung der Festung West- Hartlepool begann zwischen 8 und 9 Uhr früh. In Scar borough sind zwei Kirchen beschädigt und mehrere Dächer eingestürzt. In Whitby soll die historische Abtei teilweise zerstört sein. Tie Bevölkerung flieht in das Innere des Landes. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & Cie., Gießen. Druck: Verlag Osfcnbachcr Abendblatt, 8. m. b. H., Lsfenbach a. M. Dercinskalender. Donnerstag, 17. Dezember. Gießen. G e w e rk s cha s t s k a r t e l I. Abends 8(s Mir im Gewerksthastshaus Sitzung. Das Erscheinen aller Delegierte» ist Pflicht. Samstag, 10. Dezember. Lanterbach. Sozialdemokratischer Wahlverein. Abends 8'/- llhr Versammlung bei Wirt Scharinann. Alles cr- , scheinen. Sonntag, 2 0. Dezember. Gieße». Staats- und Gemeindearbeiterverband. Jtachmittags 3 Uhr Bevsamimtang tat GeioerkschastshauS. Tabakarbeiter-Versammlungen finden statt: Steinberg. Freitag, den 18. Dezember, abends 9 Uhr, in, grünen Baum. Krofdorf. Samstag, den 10. Dezember, abends 8 Uhr, bet W. Abel. Launsbach. Sonntag, den 20. Dezember, nachmittags 3 Uhr, bei Friedrich Pfasf. Wißmar. Sonntag, den 20. Dezember, abenbs 8 Uhr, bei Bittendorf. Heuchelheim. Montag, den 21. Dezember, abends 9 Uhr, bei August Rinn. Tagesordnung in allen Versammlungen: Die Antwort von Rinn u. Cloos, oder wie sich diese Firma den Burgfrieden denkt. Referent Kollege Alfred Kiel-Gie ßen._ Cu ttuitfl. Für die Weihnachtsfeier der Kinder organisierter Kriegsteilnehmer und Arbeitsloser gingen weiter ein: Von der Freien Turnerschaft Gießen 15 Mark, vom Verband der Handels- und Transportarbeiter 15 Mark, von Ungenannt 1 Mark, von Ungenannt 50 Pfg. von Gg. Ebert 3 Mark, von R. N. 2 Mark, von £. D. 3 Mark, Summa 39,50, bereits quittiert sind 374,50 Mark, insgesamt 414 Mark. Für diese Gaben dankend, bittet um weitere Zuwendungen A l b i n M a n n. Familienunterstützunq für zum Kriegsdienst einberufene Mannschaften. Nach einem, der Auslegung des Reichsgesetzes vom 28. Februar 1888 <4. August 1914) dienenden Erlaß des Herrn Reichskanzlers haben im Falle der Bedürftigkeit ebenfalls Anspruch auf Familien- nnterstützung die Familien derjenigen Mannschaften, die -1 im Herbste dieses Jahres ihre 2- ober 3jährige Dienstpflicht beendet hatten und nicht entlasten worden sind, b) noch nicht militärpflichtig waren oder eine endgültige Entscheidung über ihr Militärverhältnis noch nicht befaßen, aber als Kriegsfreiwillige eingctreten sind. Diesbezügliche Anträge werden im Stadthaus — Zimmer Nr. 13 — vormittags entgegengenommen. Gießen, den 14. Dezember 1914. Der Oberbürgermeister: Keller. Vekarmtmnchnriq. Von dem Anlchen der Stadt Gießen von 1907 findet eine Auslosung der am 1. April 1915 zurückzuzahlenden Schuldverschreibungen nicht statt, da entsprechender Ankauf stattgestlnden hat. Gießen, den 12. Dezember 1914. Der Oberbürgermeister: . z _ Keller. Die Marktpreise für Bieh und Frncht und die Girßener Fleisch, und «rotpreise am 14. Dezember 1914 Schlachwiehpteise in Fra»kfnrt a. M. Fleiichpreste in Gießen Ochsen Kälber Schweine 50kg Schlachtgewicht 81—104 Mk. „ . 64—8tz Mk „ 74-76 . kg86-96 Pfg. . M-84 . . 80-96 . Getreideprcise in Mannheim. Brotpreise in Gießen Weizen 100 kg —.---.— Mk. Roggen „ . —.---— . Weißbrot 2 kg 68 Pfg Schwarzbrot 2 „ 64 , Verstorbene. Ludwig Heuser in Gießen. Der empfiehlt zu den bevorstehenden Weihnachts- und \en jahrstage n seine anerkannt guten und preiswerten Waren, insbesondere ft', Illelile und alle Backartikel, sowie diverse Weine, ft. l*unschesseiizen, Pfefferkuchen, Lebkuchen, Zigarren in allen Preislagen, Zigaretten usw r . usw. Wir machen unsere Mitglieder auf unsere aufmerksam, auch sind leere Feldpost-Kartons in verschiedenen Grössen in sämtl. Verteilungsstellen zu haben. Wer noch nicht Mitglied unseres Vereins ist, bewirke sofort seine Anmeldung. In einigen Wochen: 209 Neiitldimp. gute Vögel, zu verkaufen. Wolsstraße 10, 2, Bekaimtmachurm. Von der Anleihe der Siadt Gießen von 1905 findet eine Auslosung der am 1. April 1915 zurück,zuzahlenden Schuldverschreibungen nicht statt, da entsprechende Stucke angekauft sind. 61 i e tz e n, den 12. Dezember 1914. Der Oberbürgermeister: Keller. sind als lUls-Menke sehr beliebt, praktisch. Billig und gut zu haben bei OieKsen Marktstrasse 24-26. wie Hemden Hotten Jaehen Westen Strümpfe, Nocken I'nsslappen Kniewärmer Knptsrhützer Schals Halstücher Pulswärmer Handschuhe SehieOhandschuhe Hosenträger empfiehlt in grosser Auswahl Spezialgeschäft Franz Bette Mäusburg 10. Direktion: HermannSieinaoetter ikrritaa, den 18. Dezember 1914 abends 8 Ilbr; 6.Freitag-Abonnements-Vorstellung Neuheit! Neuheit! Als ich «0 im (?in fröhliches Spiel in 4 Auszügen von Albert Kehn, u. Martin Frehsee Gew. Preise ermäßigt. Ende nach Iw/, llhr. Itiltscher I(ibntorbfitcr*3>frlmiils Verwaltungsstelle Gieße». Tnblikarbcitcrvclflmlmlmlgtn finden statt in Steinbergj: Freitag, den 18. Dezember, abends 9 Uhr im grünen Baum. girofdorf: Samstaa, den 19. Dezember, abends 8 Uhr bei Wtw. Abel. ILuiinsbacli: Sonntag, den 20. Dezember, nachmittags 3 Uhr bei Gastwirt Pfaff. Hilmar: Sonntag, den 20. Dezember, abends 8 Uhr bei Gastwirt Bittcndors. iileiicht'lheim: Montag, den 21. Dezember abends 9 Uhr bei Gastwirt August Rinn. Tagesordnung in allen Versammlungen r Die Antwort von Rinn & tlloos, oder me sich dirsk Firma den Kurtzfrikkit denkt. Referent: Kollege Alfred Kiel-Gießen. Regen-Scliime für Damen und Herren in grösster Auswahl. Schul-Schirme in solider Ausführung. Reparaturen und Neubeziehen Wasserdichte Westen das schönste Geschenk für jeden Soldaten.