Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. C*H#l«tt»n» erscheint tebtti Werktag Abend tu m. Der ilbonnementlprei» beträgt wöchentlich 16 Psg„ monatlich g. etnlchl-Bringerlodrr Durch die Post bezogen dierteljäbrl.I-vMt Rcdakttoa »Nb tkrbedttion Sieben. Babnboibrabe 23. Ecke S»we««asie. reledbon 2008. Inserate kosten die 8 mal gespalt. Kolonctzcilc oder deren Raum 16 Psg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bi» abenb» 7 >br für die folgende Nummer in der Expedition ausgeben. »tt. 254 Gießen, Montag, den 2. Nolicmlicr li»14 9. Jlchrgang WMttlet ibcr 191* r ItEUuun g weitet n Lchilt U: tmoDii Slijd rchilir. ßttll, ton to ilimg Mi m ffle e italienischen Sozialisten nnd die Neutralität Italiens. urch die verspätet «nigekomnienen Nummern des Haupt- i der itolicmfdKn Portes vom 21., 22. und 23. Oktober er- wir lummehr Näheres über die 2lns«inonderlcvuiigeu Ul dein rtalteirischen Parteioorstande und den, Ehesredaktenr ivaiiti, Mussolini. Schon seit einiger Zeit machte sich, wenn ,icht besonders deutlich, eine gewisse Zweideutigkeit in der fung des Avanti von der Berechtigung der strikt passiven ingnahme Italiens den Kriegsgelüsten gewisser Kreis« gegen- .'emcrkbar. Deutlich traten di« Gegensätze innerhalb der non erst in einem von Mussolini uiitcrzeicknieten Artikel hcr- l welchem dieser sehr ausführlich seine persönliche Auffassung würden, der internationale Gedanke vmi nationalen ivürden .der internationale Gedanke von nationalen jungen in den Hintergrund gedrängt iverden könnte. Er ivies ers auf di« irredcntistische Bewegung in den italicnisch- gen Gebieten Oesterreichs hin und erklärte, es sei seine .eugung, dass bei «inein Eilig reisen Italiens, falls es infolge riegswirvcn in den betrcsscnden Provinzen zu einer Bolks- ng kommen sollt«, Pflicht auch der sozialistischen Partei sei, igierung zu unterstützen. Er betont zwar, daß es der Vcr- chcit des SozialiSinns widerstreiten würde, eine solche natio- 'Kiveguug zugunsten der ZtalienischOesterrcichcr einznlcttcn, iirse jedoch der Negierung in dieser Sache keinerlei Tchwicrig- niacl>eii. Ter Artikel erschien im Avanti am 18. Oktober, l. Oktober bringt das Blatt an erster Stelle einen Ausrnf n den Krieg mid gegen jeglichen Krieg. Gleich lschlug daran folgt der Bericht Über eine in Bologna am 20. iltcnen Parteivorstandssivung. in der di« „2!«»trafttätSfrage" idertl>albtägig«r Beratung nochmals eingehend besprochen Auch hier hielt Mnsioliui an seiner Anfsossung fest. Er folgende Resolution vor: „Obwohl der Vorstand der sozialistischen Partei Italiens , seiner prinzipiellen Gegnerschaft gegen de» Krieg fcstlsiilt. ist )kNst ins verschiedenen in den letzten Lagen im Avanti dargelcgien inden der Ansicht, daß die Formel von der absoluten Neutral!- arrbalt» einer immer vcrwickclteren internationalen Situation gegen- iigd äul r, die jetzt noch unbekaiiiiten Gefahren auSgcsctzt ist, allzu eng dogmatisch ist. Der Partei Vorstand behält sich deshalb vor, ?i llfcl 1 ■ < i | ’ cm eventnellen Krle>i je nach den Erelgnisien neue Bc- " " > I üllc zu iasien und neue Älsiußfolgcrungen zu ziehen." « iui Verlangen Mussolinis fand namentliche Abstimmung statt Ulli. jp * tm Remitat. daß seine Nesolittion mit allen gegen seine '? e Stimme verworsen wurde. Ein Mitglied des Parttivvr- ljghAklü! :s gab eine «was abweichende Erklärung gb. All dies hatte -Itllid " eeig«. daß Gen olle Musiolini sofort sei» Gesuch UNI Enthelmng -i ...I, ^ äcm , eines Ehefredaktcurs des Avanti dem Partclvor- gkuNI II c ubnwidüe. Er ggb dabcr die Erklärung ab, daß er dies Mlfititl! E er formen nicht dem Parteioorstande. sondern dem ,,»io>i^ ««kongresse verantwortlich sei, um dem Partcivorsiandc keine ffl 'S',™ 1 "' l" de» Weg zu legen. " -in^demtclben Tag« fand ein« genieinsame Sitzuna des P.rrt«i- ( .1 ^"des _ un: bei, Vorständen des italieinschen Gcwerktchafts- —' ... r, 45 > Un L Eifen-bahn eroerbandes statt, in der das obcn- ' Aimnfeli der Partei gntgehelßen imd gleichzeitig eine h r U - tlim o>iz aus der Parlier Hnmanite über die Zwangs- der Nissistl-ei, Behörden gegen sozialistisilzc Zeitungen s". o^^rwgszeit. Ter Avaitti schließt dieselbe mit folgenden . i , r .* orr ciponi)e,rt sder Humanitej fügt hinzu, daß agyaiyc keiner Kommentare bedürfe. Schade! Die Kommender sozialisinchen Prelle über die freiheitliche Politik des eten waren doch intercllant gewcien" icic wcingen Wort« find ein erfreuliches Zeichen dafür, daß iic ^agc auch f^tolicn allmählich ttwas objektiver beurteilt, ßH,oar^^- der Redaknonsw«l>iel wohl nicht ohne m 23. Oktober bringt der Avanti an erster Siellc eine Er- Po iftc i Vorstandes, Er schreibt u, a.: „Gerade der Beschluß, den der Patteivorstaiid mit voller eriegung vor einigen Tagen in Bologna genommen l>at, cn Namen an die Spitze der Zeitung zu stellen, soll bedeute», »lih-A; ***1!®, — das ausgesprochenste Organ der gaincn Gciamtheit in Z,allen — nicht Gefahr laufen soll, evertzeug individueller Ideen. Richtlinien oder Pläne zu l i r !L ric m:| H der sichere und treu« Dolmetscher nnd ! >^dcen, Slichtlinicn und Pläne der Partei sein. übernehmen die Redaktion des Avanti in einem ^ en 'ii!ü C . U9tn * 1 ^' Diel« Schwierigkeit rührt nicht von der ivn-!^L her — eine bedauerliche periönliche nrage, der» “ vetteren Kreiie ziehen wird — '.rü mit der inlernativnalen Situation der pvittschen 'aß bi^das . , . in Vcrvindunq . , e-i rciie Frage innerhalb der Partei kcii« weite- B, Sitm'm ^ n wirfi", steht aber noch dahin. Dem, schon i» dcr- »1 „na Blattes erscheint der Bericht iil>cr eine Bcr- » n f u „ m^l 1 *' die sich zu einer S i> in p a t h i e k u n d - ^ u s s o l in i gestaltete. Zum Schluß wurde ein« durch die der Parteivorftand aulgefordert y .g möglich «inen außerordentlichen Partei- ^ K emzuberusen. Der jrricg. Die neuen Crfolge der „Emden". l^inc russische Bestätiguttg. Berlin, 30. Okt. (^V. sj. Nichtamtlich.) Eine lrerspiit.-t hier eingetroffenc amtliche Meldung der Petersburger Tele- graphenagcntur aus Tokio b e st ä t i g t, das; der russische Kreuzer „S ch e m t s ch u g" und ein französischer Lorpcdojäger auf der Reede von Pcnang durch Tor- pcdoschüsse des deutschen Krenzcrs „Emden" zum Sinke» gebracht worden sind. Berlin, 30. Okt. (W. 11, Nichtamtlich.) Die Kriegszeitung des Berl. Lokalanzcigers meldet aus Kopenhagen: Der russische Marinestab teilt folgende Einzelheiten über den Untergang des russischen Kreuzers „S chemisch n 8" bei Penang mit: Am 28. Oktober, 5 Uhr früh, näherte sich die „Emden", die durch Ausstellung eines vierten Schornsteins unkenntlich gemacht war, den Schiffen, welche die „Einden" für ein Kriegsschiff der Verbündeten hielten. Die „Emden" fuhr mit voller Kraft gegen den „Schem- tschug". Sie erösfncte das Feuer und schoß einen Torpedo ab. der am Bug des russischen Kreuzers explodierte. Der „Schemtschug" erwiderte das Feuer. Die „Emden" schoß einen neuen Torpedo ab, der den „Schemtschug" z u in Sinken brachte, 85 Mann der Besatzung ertranken, 250 Mann, darunter 112 Verwundete, wurde gerettet. Die „belgischen lsireuel". Von ein«n Kandidaten des höheren Lehramts wird der Köl- nfschen Volkszeitung nachstehendes geschrieben: Trotz der wiederholten Riahnnngen der Prell«, öle wilden Gerüchte über die in Aachener Angenheilanstalten angel'lich iinter- gebvachtcn Krieger mit ausgestochcneu Augen endlich als Märchen zu betrachten, werden inmier aufs neue derartige Hirngelpinste verbreitet. Stuf einer Reis« in der llmgegend von Aachen bin ich wiederholt Lhveirzeng« sofchzer fchsaurigen Erzählungen gewesen. So gab ein Soldat in einer Wirtiehaft eines ztemlich großen Orte? bei Aachen am Stam-inttsche der „oberen Zehntausend", die mich in ihrer Gefellichaft duldeten, folgendes Pröbclzen zum besten: „Zch bin selbst in der Angenhcilonstalt des Negierungsbegirks Aachen, Stephansstraße geivesen. Ein« Schivester führte mich zu einem lchivarzbehangene», bunflcn Saale, denn sogenanmten „Totensaal", Dort lagen 28 Soldaten mit auSgestvch>en>en Augen, Bei meinem Eintritt brüllten sie mir vor Wut und Schmerz entgegen: „Stech' uns tot, wenn du unser Kamerad sein willst," Andere Soldaten bestätigten diese Erzählung, und die llmsttzcnden erklärten mir auf die Aeußcrnng von Bedenken, die ich mit Berufung auf di« in ber Kölniiclnm Volkszeitung veröffentlichte Zuschrift des .Hern, Sttft- prohstes Tr, Kaufiinmn abe, daS Parlomcnt in Le Havre zur gewöhnlichen Zeit am zweiten Dienstag im November zu einer Tagung einzubernfen. Beschlagnahmung deutscher Holzbestände in Rußland. Nach der Vossischcn Zeitung hat die russische Regierung alle deutschen Firme» gehörenden H o l z b e st ä n d e beschlagnahmt, gleichviel ob sic sich ans den nach Deutschland führenden Strömen zum Zweck der späteren Verslöhung oder auf Sägewerken in Archangelsk. Polen und Sud-Rußland befanden. Zum Teil wurden diese Hölzer angeblich für militärische Zwecke „regui- r i c r t", ohne daß ober eine Bescheinigung darüber erteilt wurde. Aus Aegypien. Kairo, 30. Okt. (Ctr. Frkft.) Tie ägyptische Regierung ldie in Wirklichkeit eine englische ist) beschloß, alle dienstfähigen Deutschen und Oesterreicher zurückzuhalten. Zum Kapitel Höchstpreise und Uuternehniergelvinn. In dankenswerter Weise haben sich die Militärbehörden bemüht, durch Festsetzung von Höchstpreisen der allgenieincn Notlage der minderbemittelten Bcvölkerungsschichten etwas entgegenznwirken. Wenn diese Höchstpreise in der Praxis auch den Charakter von Mindestpreisen erhalten haben, so war die Tendenz der behördlichen Verordnungen doch, in dieser schweren Zeit das Volk vor Uebcrvortcilung zu schützen. Zu den notwendigen Lebensbedürfnissen gehören namentlich hei der beginnenden kalten Jahreszeit auch die Steinkohlen. Diese den armen Leuten so billig wie möglich zu liefern, ist jetzt eine Forderung der Zeit. Anders denkt aber das Kohlensyudikat und die von diesem abhängigen Händler- Vereinigungen. In Elberfeld hatte.ein ini Proletarier- Viertel lebender Kohlenhändler die Ware etwas billiger gelassen. Das nahm der „Verein Eibcrseldcr Kohlenhändler" zum Anlaß, unterm 26 Oktober folgendes charakteristische Rundschreiben drucken und verbreiten z» lassen: „Den Herren Kollegen teilen wir hierburch mit, baß über Gust. Kronenberg, Lothringerstraße 18, die Sperre ver- hängt worden ist, weil derselbe di« festgesetzt«» Mindest- verkanfspreis« trotz mehrmaliger Verwarnung nicht «ingeholtcn hat. Wir ersuchen sämtliche Kollegen, dem Ge- ,rannten keine Ware, auch nicht in Fuhren. zu überlasten, ferner streng darauf zu achten, das, sich K. auch nicht durch Dritte Kohlen verschafft. Jeder must Kontrolle hierüber a u s - üben und wer trotzdem K. mit Ware versehen sollte, würd« natürlich ebenfalls die Sperre zu gewärtigen haben. Alle Kollegen sind hierdurch verwarnt und im eigenen Interest« wird ersucht, die Preise genau einzuhalten. (Höhere Preise sind natürlich zulässig.) Es soll von jetzt ab auf jeden Fall mit rücksichtsloser Sperre vorgegangen werden. Glück zentriere, das von Truppen fast ganz entblößt ist, weil diese bekanntlich Südwcstasrika angegriffen haben. Man er- Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 101 V',.Ei, Wingeborg," sagte der Greis lächelnd, „das ist ein -übler Empfang." ; „Mag sein," erwiderte der dickköpfige Quäner, „aber 'eines Tieres Natur stammt auch von Gott. Der Empfang gilt nicht Euch, Herr, sondern Eurer Gesellschaft. Seid Ihr nicht vor kurzer Zeit noch mit Lappen zusammen gewesen? Jst's nicht so?" „Ja," war Hornemanns Antwort, „Mortuno begleitete mich und trug mein Ränzchen bis dort oben, wo er mich verließ." „Seht Ihr wohl!" rief Wingeborg triumphierend. „Meine Hunde wittern, daß ein Lappe bei Euch war. „Es ist eine Äötterstimme, die aus den Tieren spricht." „Guter Freund," fiel Hornemann ein, „laß die Götter- stimme aus dir selbst sprechen, die da sagt: Liebet alle Menschen, denn sie sind Gottes Ebenbild. — Doch was tust du hier am Lyngcnsjord?" Wingeborg erzählte, daß er seine jährliche Federsammlung abliefern und Helgcstads Rückkehr erwarten wolle, um Rechnung mit ihm zu halten und Ankäufe zu machen. Nach einigen anderen Fragen blieb Egede draußen sitzen, im Hause aber sammelte sich die ganze Bewohnerschaft um den guten Priester, der für jeden freundliche Worte hatte. Klaus Hornemanns Anwesenheit war aber auch für Marstrand tröstend. Unverhofft fiihrte ihm sein guter Stern den Mann zu, bei dem er Rat und mancherlei Beistano suchen konnte und dessen Nähe selbst Paul Petersen bescheidener oder zurückhaltender machte. — Er war gewiß, daß der Schreiber vor diescin alten Mann mehr Scheu empfand, als vor irgend jemand: er wagte es nicht, die mancherlei lehrreichen Gespräche, mit denen der Abend ausgefüllt wurde, wartet, daß die Aufständischen versuchen werden, sich möglichst rasch in den Besitz von Kapstadt zu setzen. Sccvlo meldet aus London, daß De Wet vorgestern den Oberbefehl über die südafrikanischen Rebellen übernahm und die Bürger vom Nordvrangcstaat zu sich rief. General Beyers befehligt die Buren Westttansvaals, De Wet 2000 und Beyers vielleicht 7000. Großen Eindruck machte auf die Bevölkerung ein von den Deutschen erlassenes Manifest, das besagt, die Deutschen wollte» nur die englischen Truppen und nicht die Buren bekämpfen. Der Burenaufstattv Werk einer allgemeinen Verschwörung! Berlin. Zu dem Burenaufstand in Südafrika wird aus Rotterdam gemeldet: Die Erhebung der Buren sei jedenfalls das Werk einer allgeineinen Verschwörung, deren Anfänge weit zurückreichen. Die Buren seien schon lange mit der englischen Herrschaft unzufrieden, weil diese zu sehr das farbige Element begünstige und die reichen Naturschätze zu offensichtlich zugunsten der englischen Unternehmer und des Mutterlandes ausbeutc. Man erwartet, daß die Aufständischen versuchen werden, sich so rasch wie möglich in den Besitz von Kapstadt zu setzen. Den Londoner Times wird aus Toronto gemeldet: 10000 Kavalleristen aus dem westlichen Kanada sollen wahrscheinlich nach Südaftika gesandt werden, um an der Unterdrückung des Volksaufstandes teilzunehmen. Dieser, nimmt man in Kanada an, sei sehr e r n st e r Natur. Türkenfreundliche Demonstratio«! in Berti»»! IV. T. B. Berlin, 31. Okt. Vor der türkischen Botschaft fanden gestern abend große Zustimmungskundgcbungen statt. Aus der Mitte des Publikums wurden mehrere Ansprachen gehalten, die in brausend ausgenommenc Hochs auf den Sultan und den deutschen Kaiser ausklangen. Der Botschafter, General Mahmus Mukhtar Pascha hielt ebenfalls eine kurze Ansprache, in welcher er seiner Freude Ausdruck gab. Grüße der Deutschen nach seiner Heimat übermitteln zu können. Er wolle nicht viele Worte machen, in dieser schweren Zeit, in der die Türkei an der Seite Deutschlands kämpsc. Er fordere die Menge auf, in die deutsche Nationalhymne einzustimmen. Russische Hasc»»»»ot. Kristiania, 31. Okt. Einer dem Ministerium des Aeußern vorliegenden Meldung zufolge herrscht seit einigen Tagen in Archangelsk eine Temperatur von Minus 15 Grad. Also werde der Hafen von Archangelsk, der heute nach Sperrung der Dardanellen und der Besetzung der Ostsee durch die deutsche Flotte, Rußlands einziger Zugang in europäisches Gebiet sei, nicht lange mehr eisfrei sein. Russische Schiffe gesunken! Rotterdam, 81. Okt. Die beiden russischen Dampfer „Jalta" und „Kazbeck" sind im Schwarzen Meer auf Minen ausgelaufen und gesunken. Die Besatzung des „Jalta" wurde gerettet, ein Teil der Besatzung des „Kazbeck" ertrank. Bulgarien bleibt rufseirfein-lich. Der Korrespondent des russischen Blattes Utro Roßja meldet aus Sofia, er habe mit dem russischen Gesandten in Bulgarien eine Unterredung gehabt. Dieser habe ihn ermächtigt, zu berichte», daß die Stimmung in Bulgarien durchaus russcnfeindlich sei. Alle Versuche des Gesandten, Bulgarien umzustimmen, seien erfolglos geblieben. Er habe seiner Regierung davon Mitteilung gemacht. Englische Rücksichten aus »»eutrale Handelsinteresiei». Dw amtliche Londoner Gazette meldet, daß die englische Regierung beschlossen habe, die Londoner Deklaration mit einigen Einschränkungen wieder in Kraft zu setzen, um dem neutralen Handel Erleichterungen zu verschaffen. Doch Bergeltungsmasinahmen gegen England? IV. 1. B. Dresden, SO. Okt. sRichtamtlich.) Der Dresdener Anzeiger halte gestern an den Staatssekretär des Auswärtigen v. Jagow ein Telegramm gesandt, wegen der Behandlung der Deutschen in England. Daraufhin ist heute abend folgende Antwort eingegangcn: Auf Ihr gestriges Telegramm ist der amerikanische Botschafter in London veranlaßt worden, sich persönlich über die Behandlung der deutschen Gefangenen in England Ansklarnng zu zu unterbrechen, wagte auch nicht, über die Moral des Priesters und Heidenbekehrers zu spotten und seine gutherzigen Aussprüche lächerlich zu machen. Der alte Priester hatte nichts als seinen freudigen Gottesglauben, seine klaren Augen, seine sanfte Stimme und sein Weißes Haar, Paul Petersen erachtete ihn als einen Narren und elenden Phantasten, der nur von Dummköpfen verehrt werde, aber der Nimbus dieser Verehrung lag so geheimnisvoll um den Greis, daß Paul, mochte er tun, was er wollte, sich der Ansteckung nicht entziehen konnte. Er saß stumm in der Ecke und grübelte über seine Pläne. Sobald er konnte, entsernte er sich, und Björnarne folgte ihm nach, endlich aber blieb Klaus mit Marstrand allein, der ihm sein Herz ausschllttete und ihm bis tief in die Nacht seine Angelegenheiten mitteiltc. „Freund Johann," sagte endlich der Priester, „ich bin kein praktisch befähigter Mann für solche Dinge, mein R.it kann daher nur zweifelhaftes Gewicht für Sie haben. Hätten Sie früher sich an mich gewandt, so würde ich allerdings da- gegen gewesen sein, daß Sie, jung und unerfahren, sich auf so große, weitgehende und kostspielige Unternehmungen ein- lassen wollten. Hclgestad hat Sie dazu ermuntert, sein? Pflicht ist es somit. Sie kräftig zu unterstützen, und wie ich ihn kenne, wirb er cs tun, da Sie überzeugt sind, daß Ihre begonnenen Arbeiten eben so nötig wie notwendig waren, um zum Ziele zu führen." „Ich bin aufs bestimmteste überzeugt," antwortete Mar- sirand, „daß ich nwhr ausgeführt habe, als Helgestad erwarten konnte, und zweifle nicht im geringsten daran, daß im nächsten Sommer schon ein Erfolg möglich ist, der alle Spöt- ter zum Schweigen bringt." „Dann arbeiten Sie rüstig fort, und kehren Sie sich nicht on die tadelnden und verdammenden Stimmen. Ich muß Sic immer wieder mit mir vergleichen," fuhr er sanft lächelnd sort. „Sie stehen freilich vor mir da in blühender verschaffen, und soweit die Klagen berechtigt sind, „i größten Nachdruck aus sofortige Abhilfe zu bestehen. Ein i ein,gegangener Bericht des amerikanischen BotschasterS üb> Besichtigung mehrerer Gcfongeiielager lautet befriedig Bcrgeltungsmaßnahmcn wegen der Gciangeny, Deutscher in England werden, wenn die englische Regier,» Aufforderung zur Freilastung nicht unverzüglich kommt, alsbald durchgeführt werden. Beschickung Sewastopols durch die Tür Frankfurt a. M., 31. Okt. Nach einem Privattclcg, der Fr. Ztg. hat der türkische Kreuzer „Sultan Jawus S dir russische Secsestung Sewastopol beschossen und die in Brand gesetzt. Hessen m»d Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Erfüllung der Parteipflichten. Von jedem, der sich als Angehöriger der deutschci zialdeniokratic betrachtet wissen will, muß man verlcl baß er nach seinen besten Kräften die Pflichten erfüllt I ihm als Parteigenosse erwachsen. Im Kriege ebenso u Frieden. Erste Pflicht ist selbstverständlich für Weit breitung unserer Grundsätze und unserer Anschan l zu sorgen. Immer mehr und immer neue Dolksge müssen mit dcni vertraut gemacht werden, was wir n i immer mehr müssen unsere Forderungen begreifen uw stehen lernen. Uni dies zu erreichen, ist vor allem die w I Verbreitung der Parteizeitung notwendig und zu uns Gehörige muß das Seine dazu beittagen ui I seinen Bekanntenkreisen Leser für die Oberhessische zeitung zu gewinnen suchen. Der Krieg hat in die lll unserer Leser große Lücken gerissen-, mehr als der viert ! aller organisierten Arbeiter und Parteigenossen ist zu | Waffen cinbernfen, diese Lücken müssen wieder aus, werden! Und das ist sehr wohl möglich, wenn jeder Pflicht tut. — Jetzt heißt es zwar: „es gibt keine Pc l mehr" — allein nach dem Kriege wirds wieder anders I> Es wird zukünftig sein, wie es bisher war: nur die demokratische Presse vertritt die Interessen der Arls Deshalb müssen wir für Erhaltung und Stärkung i, Organisationen und unserer Presse sorgen! — Halte! I die Frankfurter und anderen Klatsch- und Sensations! | vom Halse — sie haben noch nie einen Satz für Eure Eurer Interessen, Euer Wohlergehen geschrieben. Jederzeit hat aber die Oberhessischc Volkszcitun | Interessen des arbeitenden und minderbemittelten vertreten. Deshalb mutz es heilige Pflicht der Arbeite! ihr Blatt zu unterstützen und für dessen Weitcrverbr | zu sorgen. Selbstverständlich bringt die Oberhessische zeitung die Nachrichten von den neuesten Ereignisse gleicher Zeit, wie die übrigen Blätter. Erfüllt also Eure Parteipflicht! I)i( !Ä txn # p\ Sc» !!!«> äiefe Soul Stil »k !»t) iiejt ttlBf ich» {reife IMltl tedinif Nr! jijori (ä: J olabt i di MI ii 5 ihn !»M Mbl men Herbst ist's! Herbst ist's! Durch die Wipfel der Bäume streicht ein t kühler Hauch. Ein Todesahnen zieht durch Wald und Flui vereinzelt, bann mehr und mehr, in ungezählter Fülle flatter um Blatt zur Erde nieder, in bunter Farbenpracht den « vollsten Teppich webend. Alles welkt, alles erstirbt! J Auch durch die Mcnschenhcrzcn zieht ein düstres We» Todeshauch. Die Kriegsfuric, jenes mcnschenmorbcnde ll> zwingt in diesem größten aller Völkcrkricge der zivilisierte seinen grauenhaften Stempel auf. Herbst ist's auch im Menschenleben! So manche | Menschcnknospe, die vor nicht allzu langer Zeit noch in Kraft ihrer Entfaltung zustrebte, sic liegt jetzt draußen: w geknickt. Ein Opfer des Weltkrieges, aus dem Felde der ü fallen! Durch die Menschheit geht ein Todesahnen. Gleich i Herbstwind durch die Bäume rauscht, so streicht ein Tot durch die Reihen unsrer kämpfenden Brüder, Tod und Beri bringend. Gleich wie die Blätter fallen, so sinken auch su mit ihrem Herzblute die Erde färbend. Und daheim — wie viele Menschenblumen welken seelisch zerrüttet durch den Verlust von im Felde gebliebenei Angehörigen! Herbst ist's eben auch im Menschenleben, ll ist alles nur vorübergehend! Unter der Rinde sammeln und Strauch schon neue Kräfte, um beim Wiedcrerwaö '»«s lob «pt , * | Ü0 » Jugendkraft, und in Ihren Ihren Augen wie in ganzen Wesen ist eine Energie, die mein altes Herz er Aber wir sind uns dennoch ähnlich. Wie mich Unwi ^ und Böswilligkeit schmähen und verleumden, so fal * Zungen der Menschen, die nur für das Gewöhnliche ui? gebrachte Sinn und Verstand haben, über Sie her. „Meine Fehler," erwiderte Marstrand, „hat Olaf 1» gezeigt. Ich habe für mein Haus bisher zu wenig meine Ausgaben sind zu groß gewesen, es ist vieles Wirrung und Unordnung, weil ich mich nicht darum ki i» konnte. Das soll von jetzt an geschehen." „Es ist zu viel für Sie," sagte der alte Priester, ii)» sich zu ihm beugte und die Hand auf seine Schulte it „Ihr Haus sicher aufzurichten, gibt es nur ein M ^ eine wackere tüchtige Frau, die Frieden und Ordnung k bringt." Marstrand machte ein abwehrendes Zeichen, inder * Augen durch das stille Zimmer laufen ließ, als fürchte ‘ es jemand höre. I „Ich könnte Ihnen eine Mitteilung machen," fuh * fort, „doch muß ich glauben. Ihnen damit wehe zu tur ich Erinnerungen aufwecke, die nicht angenehm für S „Erinnerungen, die nicht angenehm sind?" wie' Marstrand, mit einem Seufzer an seine Stirn fassend 1 habe ich mancherlei." „Es handelt sich um ein arnies, getäuschtes M sagte der Priester nach einem augenblicklichen Schwc ^ „nicht.durch Sic absichtlich getäuscht — nein, so ist ^ gemeint, sondern durch ihr eigenes Herz irre geführ es ist eine unglückliche Geschichte, eine Geschichte de . mctS, traurig und trostlos, denn cs ist keine Hilß fiinhrr trnoon die Sünden ifirnr Väkev ein Ttlnckl Cm fcij feil ft % Kinder tragen die Sünden ihrer Väter, ein Flucki ucn Geschlecht zu Geschlecht, und die von Haß und Vc> ^ Getroffenen müssen leiden vom Unrecht, mag ihre Sc. - rein sein von aller Schuld." (Fortsetzung JC 11 '-r-. ;»ottd ( . '“>«1 - anb bi, etc. )tfn. deutsch! li»> Ceti I «full; ebenso c für Sfj. Anscher 33o[fsfle - mit t eisen m em bist >>g unj Togtt ir hessische in dir j der dien 'N ist j, der ous nn jebet feint $; ander-b > lt t dir i der Sä ätfunj Li - Halte mjcücn* iir Gurt bm, >!k-;rii!N! ittcltcn l t Sfrbcili- eiterrerb: rbeisische! kreign,n licht! reicht mi Mid 0 - illc flatt ittjt ben bt! striS Si jtbenbe I jtoiüli«* g manch I ! noch in | tauften; t ielde bet l it rin t* d und 8f 'tu auch' ten tw® gedlitd» 1 [nlebcn. ; K slMINN lieb ttetn^ wie » es Herz'' nich U°° ei>,!° ^. nie her. 1 „hat £; k , u wem! [ baruw r ' sag •A *cn. 1 als' i# (ü# *«■■£ g ? 'V ]U'° che" ft ein, irre-5 «st"F fet5« c ms '5 „ «natut in neuer Pracht und Schönheit des Menschen Auge zu er. freuen. Im Herzen der Menschen derselbe Vorgang: Ties im Innern E^es jeden keimt bereits das Leben einer neuen Zukunft' Vor- Iaufi!! noch schleierhast und in Nebel gehüllt, aber mehr und mehr -ur Wahrheit sich durchringend, tritt einem jede» die grofte Zukunft vor Augen: der Frieden! Ter Völkersrieden, welcher beim Viedererwachen der Natur alle Nationen umspannen möge um alle Völker kraftvoll aus der höchsten Stufe des sittlichen Wertes -u vereinigen. Ein Landsturmm ann im B uchdrucker-Korrespondent. Der Kampf um die Kartoffel. Nunmehr meldet sich auch die hessische Landwirt- schaftskammer zum Wort. In einer etwas lang g°- ratenen Erklärung wird die neue Behauptung aufgestellt, die Kartoffelernte 1914 sei „erheblich geringer wie 1913". Daß sie nicht so reichlich wie im Vorjahre ausgefallen ist, weiß jedes Kind; aber die vorliegenden Ernte-Zchätzungs- zisfecn rechtfertigen noch lange nicht das von der Landwirt- Ichastskammer gebrauchte Maß „erheblich geringer". Die Landwirtschaftskammer sagt weiter: „Im Großhcrzogtum Hessen fällt die Ernte gerade in einigen wichtigen Kartoffel- anbaugebieten erheblich unter dem Mittel aus. In den an- deren Bezirken ist die Ernte nicht um so viel größer, daß dieser Ausfall gedeckt werden kann." Es scheint also, daß die Landwirtschaftskammcr eine besondere Vorliebe für das Wörtchen „erheblich" hat und es ist sehr zu bedauern, daß die Kammer nicht die einzelnen Bezirke anführt, damit eine Prüfung ihrer Behauptungen möglich wäre. Daß die Ernte- mengen in den verschiedenen Bezirken Hessens differieren, ist doch keine neue Entdeckung, aus der sich die Höhe des Kar- tosfelpreises, wie sich solche die Landwirte denken, erklären ließe. Sodann setzt die Landwirtschastskammer auseinander, daß die Landwirtschaft anstelle der zu teueren Kraftfutter- mittel in erhöhten! Maße besonders Kartoffeln zur Viehzuchi verwenden müsse. „Hieraus dürste hervorgehcn, wie unberechtigt die Forderungen nach den sehr billigen Kartossel- preisen sind. Unsere Landwirte sind alle bereit, die Volks- crnährung sicher zu stellen. Die deutsche Landwirtschaft ist hierzu auch jetzt in der Lage; man muß sieaber darin unter st ützen, damit sie in wirtschaftlicher und betriebstechnischer Beziehung dieser Forderung gerecht werden kann." Für das Kriegsjahr 1914 wird dann ein Preis von 7 Mk. bis 7,50 Mk. für ausgelescne Speiscware frei Keller gefordert. Zum Schlüsse der eigenartigen Publikation heißt es: „Es ergeht daher an die Bevölkerung, besonders in der Stadt, die Bitte, Maß zu halten in den Forderungen, die man an die Landwirtschaft stellt und jetzt in Kriegszeiten von dieser nicht dasselbe zu verlangen, wie in Friedenszeiten. Die Landwirtschaft ist bestrebt, ihrer Aufgabe, unser Volk mit den von ihr erzeugten wichtigsten Lebensmitteln zu versorgen, voll und ganz nachzu- komnien. Man unterlasse daher scharfe Zeitungseingesandt-; und sonstige Aeußerungen, die meist von Unberufenen kommen und auch nicht berechtigt sind. Solche Mitteilungen dienen nicht dazu, das Verhältnis von Stadt und Land to zu gestalten, wie es die Zeit erfordert und wie es der Wunsch der Landwirtschaft ist." Sollte die Landwirtschaftskammer glauben, daß ihre „Mitteilung" diesen Zweck zu fördern geeignet wäre, so dürste sie sich damit doch sehr stark auf dem Holzwege befinden. Nickst e i n Wort der Mahnung zur Be- sonnenheit an die Kartoffelbauern bringt die Landwirt- schaftskammer auf. Wohl aber sollen sich nach ihrer Meinung die guten „Städter" tapfer den im Schwünge stehenden Kartosselwuchcr gefallen lassen. Alte liebe Methoden klingen überhaupt aus der Erklärung der Landwirtschaftskammer. „Stadt und Land" bedeutet auch hier eine Täuschung. Denn unter dem Kartoffelwucher leidet ebenso der Teil der nicht Ackerbau treibenden Bevölkerung, der auf dem Lande wohnt. Tort müssen sich beispielsweise Geschäftsleute aus „GeschäftS- rucksichten" Kartoffelpreise von den Bauern gefallen lassen, die denen der Stadt um nichts nachstehen. Darum ist auch dcr^ Einwand der Landwirtschastskammer mit mangelhafter nubrgelegenheit nur ganz bedingt, keinesfalls aber in der erwähnten Allgemeinheit stichhaltig. Kein Wort auch hat die Landwirtschaftskammer gegen diejenigen ihrer Mitglie- _ die z. B. den Darmstädter Kartosfelmarkt z» wicder- - eiten Maien kurzerhand mit ihrer angefahrenen Ware ver- netzen, weil ihnen der Höchstpreis nickst genehm war, der sich 1 n m b 18 frei Keller auf 6 bis 7,50 Mk., also auf den jetzt von der Kammer als angemessen bezeichneten stellte! Oder mocyte die Landwirtschaftskammcr glauben machen, daß diese „patriotischen" Landwirte ihre Kartoffeln wieder nach Haust . . u I n Viehfutter zu verwenden? In „Friedens- zeitcn hörten wir stets, das deutsche Volk müsse ein Opfer bringen, damit die Landwirtschaft im Kriegsfälle das Vater- laiid mit Nahrung versorgen könne. Nun da wir im Krieg stecken, verlangt die Landwirtschastskammer vom deutschen Volk, daß cs die Landwirtschaft weiter unterstützen niüsse. Von, Fabrikanten und Geschäftsmann fordert das Vaterland, daß sie in den jetzigen Kriegszciten ein Opfer bringen und den Betrieb aufrechterhaltcn müssen; vom Angestellten und Arbeiter wird verlangt, daß sie sich mit weniger Verdienst begnügen sollen. Aber die hessisch« Landwirtschastskammer scheint das heute allein die ernste Stunde beherrschende Wort „Opfer" nicht zu kennen. Fürwabr, wenn die allgemeine Wehrpflicht nicht bestände, man wäre versucht zu glauben, die Landwirtschastskammer möchte behaupten, auch hier müßte die Landwirtschaft eine Ausnahme-Vorzugsstellung "wnehmen. * Darmstädter bürgerlichen Zeitung finden wir folgende „Augenblicklich hat sich die Kartoiselveriorgung der Städte vi»n ”1* Mahren Kalamität auSgeioachien. Nicht etiva, weil es .-'s.DlMt nicht genügend Erdäpfel gegeben hätte, sondern, weil der nr iS!* Höchstpreis der Stadtverwaltungen mit dem Berkaujs- »er Landwirt« in keinen rechten Einklang zu bringen ist. “ n ganzen Dache die Schuld beizumessen ist. soll hier -,'sh. Mr Erörterung stehen. Wie Ist nun diesem momentanen Mift- abzuhelfen'? Unsere Hausfrauen müssen sich nämlich dieses entmaI >»»> dem alten haliSväterltcben Standpunkt srei- n„rr n ;> öaü 65 ,urr Weihnachten werden kann, wenn der Keller »oller Kartoffeln liegt. Derselbe Sturm, der zurzeit der SKotol- machung mir die .Kolonial Warengeschäfte ein setzt«, wird jetzt in gleicher Weise aus di« „Kartoffel" gelaufen. Kein Wunder, daft der Preistreiberei wieder Tür und Tor geöffnet wird. Diese etwas ctndämnien helfen, muft ieder Hausfrau Aufgab« dadurch st!"- daft man hn Einkauf des ganzen Winterbedorfs etwas Zurückhaltung übt, indem man vorerst oder überbauet nicht {einen flanucn Winterbedarf einlegt. Man behilft sich einstwcilei, mit einem Zentner. Regelt vorerst feinen jeweilige» Bedarf nach Pftrtiner und Münchener Muster mit jentneritwifen Bezügen. J„ einigen Wochen wird sich der Preis fchon drücken, zumal, wenn Volland sein Ausfuhrverbot wieder aufhebt. Bis zun, Frühjahr bunte cs sich dann zeigen, datz die Landwirte nach Cefftwt ihrer allzu reichlich angelegten Mieten von selbst ihre Ware anbieten imd zwar zu einem Preis, der wefentlich unter dem Herbstprets liegt. Dem Konsumenten erwachst aber dadurch noch der weitere Vorteil, daß ihm kein- Kartoffeln ciiigctrockuet noch versoltll sind. ES lieg t daher lediglich an dem Publikum seldst, n>enn es den momentanen Preistreibereien der Landwirte durch «in etivas besonnenes Zurückhalten einen Riegel vorschiebt." — Gefallene des Oitfiener Regiments. Unteroffizier Karl Stein müller aus Langgöns. — Res. Gustav Fuhr aus Fellerdillen. — Res. Otto Weller aus Wieseck. — Unterofjij. d. L. Samuel Leon Hardt aus Offenbach (Landwehr-Rcgt.). — Res. Karl Geiß aus Höckersdorf. — Aus den Verlustlisten. Füsilier Adolf Valentin aus Krofdorf, schwer verwundet (Jnf.-Regt. Iir. 80). — MuSk. Karl TichI H. aus BrauNscls, vermißt. — Mn-sk- Gg. Ried aus Mistelfeemen, Kr. Schotten, vermißt. (Beide Jnf.-Regt.) Nr. 81.) — Gefallene aus Lberhefsen und Nachbargebieten. Webr- niann Konrad Wingefeld aus Wetzlar, Jnf.-Regt. Nr. 81. — Res. Mar Müller aus Saasen, Jnf.-Regt. Nr. 80. — Res. Wilhelm Will aus Waldgirmes, Jnf.-Regt. Nr. 167. — Unterofsiz. Gustav Grosse, Techniker auf den Buderns- werken in Wetzlar. — Die Kartoffelpreise. Jetzt sind nun in ganz Oberhessen und auch in den benachbarten preußischen Kreisen Höchstpreise für Kartoffeln festgesetzt, meistens auf 0,50 Mk. Soweit wäre das ja in Ordnung. Aber — was nützt der Höchstpreis, wenn man keine Kartoffeln dafür bekommt? Am Samstag waren auf dem Gießener Markte wieder keine Kartoffeln angefahren, Bauern und Händler waren ihm fern geblieben. Von vielen Seiten hört man. daß bei den Produzenten wie auch bei den Großbändlern in Gießen gewaltige Mengen lagerten, die aber nicht herangefahren werden, weil man den Preis gerne noch weiter in die Höhe treiben möchte. Ungeachtet der festgesetzten Höchstpreise verlangen die Großhändler wahre Phantasiepreise, höhere als in den teuersten Jahren, und das bei der reichlichen diesjährigen Ernte! Man will dem Volke auch dieses notwendigste Nahrungsmittel in unerhörter Weise verteuern. Es lväre Sache der Behörden, ganz energisch einzugreifen und nach den Vorschriften des Gesetzes zu verfahren. Was nützen alle schönen Vorschriften, wenn sie nicht durch- geführt werden? Die Besitzer der Kartoffclmengen lachen über die amtlichen Bekanntmachungen. Es darf kein Tag verloren werden, sofort muß geschehen, was das Interesse der Gesamtheit erfordert! Wird lange gezögert, so kann cS passieren, daß große Mengen des Nahrungsmittels durch etwa eintretenden Frost zugrunde gehen. — Bei dem stadst- schen Kartofselverkauf in der Neustadt herrschte am Samstag solcher Andrang, daß die Frauen im Gedränge fast ohnmächtig wurden. Man sagt uns auch, daß Herrschaftsdamen mit Dienstmädchen dort eingekauft und mehrere Male daS Höchstqnantum, bis zu dem abgegeben wird, entnommen hätten. — Eine Fabrik von KriegSdenkmälera hat sich bereits airfüeton. In der Frankfurter Ztg. war darüber zu lesen: In einer Berliner Betoufirma ist man eben dabei, ein stattliches Musterbuch mit Er- innerungsbenkmäiern a» das glorreiche Fahr 1914 zusammen- zustelleu. Natürlich wieder der unter dem Deckmantel des Patriotismus auigemachte Kitsch in allen Größen und allen Preislagen. Gegen diese industrielle Ausbeutung der fliehenden Blutströme mus, schon heute energisch Protest erhoben werden. Nicht allein aus künstlerischen Gründen und nicht etiva nur im Nonien der deutschen Künstler, di« sich hier um winkend« Ausgaben gebracht sehen: die verletzte Scham begehrt aus gegen di« mtt solchen Fabrikaten beabsichtigte Spekulation. . . . Auch allerbest« Gesinnung darf nicht wieder an Objekten mit solch peinlicher Entstehungsgeschichte bekundet werden. Es ist ja noch lange nicht Zeit und wahrlich nicht geichmackroll, von dem wahrscheinlichen Bedarf an Siegesdenkmälern zn reden. — Drohende Zuckerteuerung. Tie deutsche Zuckerrübenernte wirb nach den vorliegenden Abschätzuimen außergewöhnlich gut aus- fallen. Die Rüben weisen einen Zuckergehalt aus wie nie zuvor. Bei der Bedeutung, die dem Zucker als Nahrungsmittel znkvmmt, ist das natürlich, gerade in den jetzigen Kriegszeiten, sehr zu begrüßen. Es wäre für die Volksernährung von größter Bedeutung, wenn die gewaltigen Zuckermengen, die vorairsstchtlich in diesem Jahre produziert wenden können, zu billigen Preisen abgesetzt würden. Das paßt aber den Zuckerkapitallisten nicht in den Kram. Da ihnen die Airsft>hrmögl.ichckeit fast vollständig genommen ist, — was das bedeutet, zeigt die Tatsache, daß 1912 für 130,2 Millionen Mark Zucker erportiert wurde, zumeist »ach England —. sind sie lediglich ans den Jrlanbsmarkt angewiesen und müssen mit einem starken Fallen der Zuckerpreste rechnen. In der Tat sind die Groß- handelspreiie für weihen Zucker schon jetzt auf 17—18 Mark pro 5V Kilogramm gefallen und zahlreiche Abschlüsse auf dieser Basis mit den Händlern getätigt worden. Die Rohzuckerfadriken und Rafsin«- rien Hoden nun an bau Bundesrat den Antrag gestellt, gefetzliche Mindestpreise von 10% Mk. für den Zentner Rohzucker und einen Höchstpreis von 21 Mk. für den Zentner weiften Zucker festWlegen. Gleichzeitig sollen die laufenden Verträge mit den Großhändlern, die auf der Preisbasis von 17—18 Mark für den Zentner weißen Zucker abgeschlossen worden sind, und Mengen be- treifeir. die den Zuckerverbrauch bis Ende des Jahres decken würden, für ungültig erklärt werden, Tie Nafsinerien wollen nämlich den Höchstpreis von 21 Mark für den Zentner weißen Zucker erzielen! Die Folge davon wäre natürlich eine starke Verteuerung des Zinkers im Kleinhandel und dem Volke würde milder einmal ein wichtiges Nahrungsmittel in ein Genutzmiitel verwandelt, das es sich nur selten leisten könnte. Das Vorgehen der Raffinerie» zeigt abermals, mit welch grenzenloser llnverschämtheit dos Kapital die Zeitläufte ansnntzen will, um Ertraprofite zu erzielen, Wir erwarten mft Bestimmtheit, daß die Regierung im Interesse der Allgemcmheit das Ansinnen des Zuckerkapitals von sich weisen wird. — Sinder und der Krieg. Dieser Tage hat in Berlin ein Pfarrer in einer „Mütterlonseren," darüber gesprochen, „wie man mit den Kindern vom Kriege reden soll," Nach dem Bericht eines Berliner Blattes führte er in seinem Vortrag u. a. folgendes aus: „Man hüte sich, den Kindern die Grauiamkeiten des Krieges im einzelnen zu erzählen. Und man hüte sich noch mehr davor, der kindlichen Seele den Glauben an die Menschheit zu' nehmen. Nichts ist verwerflicher, als in ihnen den Klauben erstehen zu lassen, daß alle Russen, Franzosen oder Engländer Unmenschen sind, Tas Kind kennt keine Mittelwege, lim so ernster wird die Pflicht, ihnen zn sagen, das; auch unter den feindlichen Nationen Mütter und Kinder sind, die den Vater und Bruder in den mörderischen Kampf ziehen lasten mußten. Den Saß gegen alles Unwahre und Heuchlerische zn lehren ist notwendig und gesund. Aber man verhüte, das, in Kiiiderseelen der Haß gegen Völker eingepslanzt wird; daß die feindlichen Völker selbst den Frieden wollen und nur die Opfer bestimmter Gruppen sind, kann jedem Kind leichlfatzlich dargetan werden. Ein anderes Kapitel aber ist das Mitleide» des Kindes, das wissen soll, wie schwer und eisern die Zeit ist, in der wir lebe». Eine geringere. Weihnachlsbescherung als sonst soll eS mit Verständnis hinnehmen und mit dem Wunsche, daß das vorjährige „Mehr" den verwundeten Kriegern in den Lazaretten zugesührt werde. Besonders und mit andächtiger Stimmung soll ihnen vom Ziel des Krieges gesprochen werden: vom Frieden! Daß wir um des Friedens willen kämpfen, muß den Kindern immer wieder eingeprägt werden und dazu der Glaube, daß für alle Völker dieser Erde dereinst ein dauernder Friede erscheinen werde. Tann werden die Eltern zur Aufklärung des Kindes das getan haben, was sie nach ihren Krästen zu tun vermögen." Man kann solchen Grundsätzen über Belehrnng der Kinder wohl zuftiinmen. — AuS dem Feldbriese eines Mainzer Parteigenossen, den unser dortiges Parteiblatt veröffentlicht, sei folgendes wieder-! gegeben: „Ans Deinem Briese ersehe ich, daß es vor der Mobilmachung sehr bunt zugegangen ist in Mainz. Daß diese Leute sich die Greuel eines Krieges nicht vorstellen konnten, ist klar. Ich meine, wenn ei» Krieg nicht abwendbar ist, kann man seinen Patriotismus immer noch zeigen. Da braucht man vorher nicht ein groß Geschrei zu machen; den» wenn diese Leute jetzt im Felde; stehen, werde» sie auch sehen, was eS heutzutage heißt, eine» Krieg führen. Die Erlebnisse zu schildern, ist ganz auSgeschloffen, da muß man dabei gewesen sein, denn hier sieht man Sachen, die nicht zn schildern sind, To wie heute jedes Gefecht geführt wird, so war eS 70 nicht bei der größten Schlacht, Heute wird die Artillerie de-! nutzt, um die Schützengräben zu befeuern und was es da für Menschen kostet, kann ich Dir kaum beschreiben. Nur bei den Franzosen kostet es doppelt so viel wie bei uu». Man liegt meistens 5—0 Tage im Schützengraben und wirb von feindlicher^ Artillerie beschösse», daß die Erde dröhnt. Da gehören Nerven! dazu, um stand z„ halten! Bei dem Feind ist's natiirlich gerade so, bloß mit dem Unterschieb, daß die Franzosen dann in milder Flucht aus ihren Gräben rausspringen. Das ist für uns das Signal zum Angriff, Unter heftigem Artilleriefeuer gehtS vor-I wärts, alles wird niedergemacht, was unsere Flinte erreicht, WaS! sich ergibt, wird gefangen genommen. Daß so ein Angriff bei nnSi viel Menschen kostet, ist natürlich. Das Gejammer und Geschrei! der Verwundeten klingt einem in den Ohren, was einem nur nod( mehr erregt, so daß man jeden Kerl Niederschlage» könnte, den man erwischt, obwohl diese armen Kerle doch nur frivol ln den Krieg getrieben werden. Daß ich noch lebe wundert mich sehr» denn wir sind keine 10 Mann aktiv mehr in der Front." — Das Heilverfahren bei der Angestellten-Versicherung. Stellte sich das Direktorium der ReichSversichernngsanstalt bisher auf den Standpunkt, daß bas Heilverfahren während des Krieges infolge Aerztemangelö zu ruhen habe, so hat es sich nachträglich zn einem größeren Entgegenkommen entschlossen. Tie Soziale ArbeitS-l gemeinschaft der kausmännischen Verbände hat jetzt auf eine Ein-j gäbe vom 1t. September die Mitteilung erhalten, daß das Direktorium der ReichSversichernngsanstalt einen neuen Beschluß gefaßt hat, nach dem das Heilverfahren auch während des Krieges dann durchgeführt wird, wenn es sich um tuberkulöse Erkran-j klingen der Lunge handelt. Weiter heißt eS in dem Bescheides „Die Durchführung der übrigen Heilverfahren dagegen muft insolge der durch den Kriegsausbruch eingetretenen Verhältnisse, inSbe»! sondere wegen des dadurch gezeitigten Mangels an geeigneten Heil-i statten, die sich fast durchweg der Militärverwaltung als Lazarette zur Verfügung gestellt haben, zunächst noch ruhen. Falls in diesem Zustande im weiteren Verlauf des Krieges eine gli listige Wendung eintreten sollte, wird die ReichsverstcheriingSanstalt den «er»; änderten Umständen Rechnung tragen und auch die Heilverfahren! nach Möglichkeit in dem früheren Umfange wieder aufnehmen," — Eine sozialistische Stadtverwaltung im Kriege, Die fron-, zöstsche Stadt Toulouse hat seit Jahren eine sozialistische Stadtverwaltung, aber noch nie hat diese soviel silr die arbeitende Bevölkerung tun können wie seit Ausbruch des Krieges, Vom 12. bis 31, August, schreibt der Genosse Redouee aus Toulouse, haben wir 350 000 Portionen Lebensmittel verteilt. Besondere städtische Milchverteilungsstellen sorgen dafür, daß alle Kinder der Bedürftigen Milch erhalten. Die Familien der Eingezogenen erhalten eine Unterstützung von mindestens 1 Mark täglich, aber auch zahl-, reiche Arbeitslose sind zu unterstützen. Etwa 15 000 der Letzteren erhalten täglich das nötige Brot in den Brotverteilungsstellen unentgeltlich. Um die Arbeitslosigkeit einzudämmen, wird die Stabt den Bau von ?lrbeiterwohnungen ln großem Stille unternehmen. Von ben dabei zu zahlenden gewerkschaftlichen Löhnen wird die Hälfte in Gutscheinen ausgelegt werden, die in den städtischen Brotläden in Zahlung genommen werden. Auch werden umfangreich^ Vorbereitungen getroffen, um der ärmeren Bevölkerung, sobald die rauhe Jahreszeit beginnt, wärmere Kleidung und Brenn, Materialien liefern zu können. — Patriotischer Unfug. Kam da neulich ein junger Offtzicr im ein Bsrliner Cafe. Als er den Mantel ablegte, wurde das Eiserne Kreuz auf seiner Brust sichtbar. Sofort brach die Musik ab und begann bas „Deutschland, Deutschland über alles". Die ganze Besatzung, vom Kapellmeister bis zum Pikkolo, besieht jeden eintretem- den Soldaten, damit der Trick ja auch gelingt. Der junge Offizier hatte aber kaum begriffen, als er auch schon den Mantel wieder umwarf und das Lokal verließ. „Wir haben", so äußerte er zn einem Freunde, „ein einzigmal im Felde das Lieb gesungen, nach, einer großen blutigen Schlacht, da standen »ns allen die Tränen in den Augen — da steht einem solch patriotischer Kaffeehaus-Klimbim nicht mehr an!" Gießener Stabttheater. W o ch e n s p i e l p l a n. Dienstag. 3. November, abends 8 Uhr: 1. Dienstag-Nbonnements-Vor- stellung: Minna von Barnhelm, Lustspiel in 5 Aufzügen von G. E. Lessing. Gewöhnliche Preise. — Freitag, 5 November, abends 8 llhr: 1. Freitag-Abonnements-Vorstellung: Zwischen den Schlachten. Schauspiel in 1 Aufzug von Björnstjerne Björnson. Hierauf: Wallensteins Lager, von Friedrich Schiller. Gewöhnliche Preise. — Sonntag, 8. November, abends 7-/- Uhr: Wie die Alten sungen, Lustspiel in 4 Akten, von Karl Niemann. Kleine Preise. «ret» Marvura-Kirchhai«. — Streit in einer Gemeindeoerwaliung. Das Laiibgerichi Marburg hat am 5. Mai de» Bürgermeister der kleinen Stadt Amöneburg, August Nacken, wegen wissentlich falscher Anschuldigung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. In der Ge- meinderatssitzunq vom 20. März 1013 wurden die an eine Aus- schrcibung eingelaufenen verschlossenen Angebote vorgelegt. Der Beigeordnete Amtsgerichts-Sekretär Sch. riet, die Angebote zuruckzugeben, da die Vergebung nicht auSgeschellt oder sonst bekannt gemacht worden sei. Es wurde dann beschlossen, einen neuen Termin für die Angebote auszuschellen und die Angebote mündlich entgegen zu nehmen. Sch. sagte dann, es sei wohl das Beste, die schriftlichen Angebote die nun keinen Wert mehr hätten, zu vernichten, dann entstehe kein Mißtrauen. Die anderen Gememde- ratsmitglieder, auch der Angeklagte, stimmten zu. Der Angeklagte schob die Briese Sch. hin und dieser warf sie, nachdem er sie zerrissen hatte, in den Ofen. Lange nach dieser Sitzung, »amlich am 15. Dezember 1913, nachdem er auf eine Anzeige des Beigeordneten Sch. hin verantwortlich vernommen worden war, erstattete der Bürgermeister eine Anzeige bei der Staatsanwatt- schaft gegen den Beigeordneten Sch., in welcher er diesen oer Widerrechtlichen Vernichtung von Urkunden, nämlich jener schriftlichen Angebote, beschuldigte. Das Gericht hat angenommen, daß er diese Anzeige wider besseres Wissen und zwar ans Rache erhoben hat, da er wußte, dag Sch. die Briefe mit Zustimmung des Gemeinderates, dessen Eigentum sie waren, in den Ofen geworfen hat. — Die Revision des Angctlagten, der Verkennung des Gesetzes und die Ablehnung von Beweisantrügen riigte, wurde vom Reichsgerichte als »»begründet verworfen. Telegramme. LlMsbmiht des ßrop •öiiiijjtiuutttiei's. Die Schlacht am Kanal schreitet fort. 1800 Engländer «nd Franzosen gefangen. W. B. Kroges Hauptquartier, 1. November vorm. (Amtlich.) In Belgien wurden die Operationen durch Ueberschwemmungen erschwert, die am Pser-Ppreskanal durch Zerstörung von Schleusen bei Nieupoort herbei- gesührt worden sind. Bei Ppres sind unsere Truppen weiter vorgedrungen. Es wurden mindestens 300 Gefangene gemacht und einige Geschütze der Engländer erbeutet. — Auch die westlich Lille kämpsenden Truppen sind vorwärts gekommen. — Die Zahl der bei Vailly gemachten Gefangenen erhöhte sich auf etwa 1500. In der Gegend von Verdun und Toul fanden nur kleine Kämpfe statt. Im Nordosten standen unsere Truppen auch gestern in unentschiedenem Kampfe mit den Nüssen. Feindliche Ansichten. Nach der Metmmg der Pariser Militärkritiker ist es nicht mehr da? einzige Ziel der Deutschen, di« Häfen am Kanal zu besetzen, sondern vielmehr auch die So n, n «- Al >i n d u n g zu gewinnen, um eine Linie herzustellen, die unendlich lange haftbar sei. Der deutsche Rückzug durch Belgien, den die Franzosen wiederholt angekiindigt hätten, sei danach keineswegs nahe, vielmehr sei die Lösung noch unabsehbar. Der Korrespondent der Tailn Mail berichtet, da» die Kämpf« nördlich von Lille mit verzweifelter Erbitterung zwischen Engländern und Bayern ausgesochlen würden. Meliere Tage hätten die Engländer gegen eine bedeutende Nebermacht gestanden und unter dem bayerischen Arttlleriefeuer, das in den Schützengräben Verheerungen anrichtcte, gelitten. Sie hätten andauernd die Stellungen wechselweise gesttirmt und wieder verlassen: auch zwischen Le Basse« und B e t h u u e kam es zu erbitterten Kämpfen. Die großen deustchen Geschütze, di« die Entferimugen gen« abgeschabt, hätten furchtbare Verheerungen aiigerichtet. Wieder ein englischer Kreuzer vernichtet. W. B. London, 1. November. Von hiesiger amtlicher Stelle wird unterm 31. Okt. gemeldet: Ein deutsches Torpedoboot brachte heute im englischen Kanal den alten Kreuzer Hermes, der von Dünkirchen zurückkam, durch einen Torpodoschuh zum Sinken. Beinahe alle Offiziere und Mannschaft wurden gerettet. Wie dem W. B. von deutscher amtlicher Stelle mitgeteilt wird, liegt eine Bestätigung der Nachricht deutscherseits noch nicht vor. (Hermes stammt aus dem Jahre 1898, hatte 5700 Tonnen, legte 20 Seemeilen zurück und hatte 480 Mann Besatzung.) Oesterreichische Tagesberichte. W. B. Wien, 31. Oktbr. Amtlich wird verlautbart: '31. Oktober mittags: Nächst der galizisch-bukowinischen Grenze, nördlich Kuty, wurde gestern eine russische Kolonne aller Waffen geschlagen. In Mittelgalizien behaupten unsere Truppen die gewonnenen Stellungen nordöstlich Turka bei Stary Sambor, östlich PrzemysI und ani un cren San. Mehrere feindliche Angriffe im Raume vo >. Risiko wurden abgewiesen. Dort sowohl wie euch oei Skole und Stary Sambor wurden hunderte von Rügen gefangen. Die Operationen in Russisch-Polen verliefen auch gestern ohne Kampf. Der Stellvertreter des Chefs des Eeneralstabs: v. Höfer, Generalmajor. Weitere Operationen unserer Verbündeten. Wien, 1. Nov. (IV. 1i.) Amtlich wird verlautbart! 1 . November mittags: In Russisch-Polen entwickeln sich neue Kämpfe. Angrisfe auf unsere Stellungen wurden zurllckge- schlagen und ein feindliches Detachement zersprengt. Die mehrtägige erbitterte Schlacht im Raume nord- östlich Turka und südlich Stary Sambor führte gestern zu eineni vollständigen Sieg unserer Waffen. Der hier vor- gebrochene Feind, zwei Infanteriedivisionen und eine Schützenbrigadc, wurde aus allen seinen Stellungen ge- ivorfen. Czernowitz wird von unseren Truppen behauptet. — Das namentlich gegen die Residenz des griechisch-orientali- schcn Erzbischofs gerichtete Artilleriefciier der Russen blieb ohne nennenswerte Wirkung. Wie», 1. Nov. (IV. Ii.) Amtlich ivird verlautbart: 31. Oktober. Die Erfolge unserer Truppen, die bei ihren! seinerzeitigen Einbruch in die Macva dort auf starke, mit Drahthindernissen geschützte Befestigungen stießen und in diese erst vor zwei Tagen nach langen schwierigen Kämpfen bei Navnje Bresche schlagen konnten, erfuhren heute eine ocmerkenswerte Fortsetzung. Trotz verzweifelter Gegenwehr der Serben und ungeachtet der schwierigen Passierbarkcit der teilweise sumpfigen Macva drangen heute unsere sämtlichen über die Save und die Trina vorgegangcncn Truppen in breiter Front weiter vor und nahmen dort die Orte Crnabara, Banovopoljc, Radenkovic, Glusci, Tabanovic. P o t i o r e k, Feldzeugnicistcr. Die Gärung im Kaukasus. Wien, 31. Oktbr. (Ctr. Frkst.) Die Korrespondenz Rundschau verbreitet folgende Konstantinopeler Information: Die Lage im Kaukasus habe eine ernste Zuspitzung erfahren. Es bestehe eine lebhafte Gärung unter den Mohamedanern gegen Rußland. In Tiflis komme es fortwährend zu Zusammenstößen der Bevölkerung mit dem Militär. Ein verheerender Brand habe die schönsten Gebäude der Stadt eingeäschcrt. Die Behörden behaupten, er sei von Revolutionären gelegt worden. Man habe auch den Plan eines Attentats gegen den Statthalter aufgc- deckt, dessen Rücktritt bevorstehe. Die russische Presse beurteile die Lage als sehr ernst. — In Odessa soll eine geheime Verhandlung gegen 70 Revolutionäre, Leute von der Schwarze-Meer-Fiotte, eröffnet worden sein. Rücktritt des italienischen Ministeriums. Mailand, 31. Oktbr. Der Eorricre della Sera meldet: Sa- landra ichlägt dem heutigen Ministerrat den Rücktritt des gesamte» Kabinets vor, weil zwei der wichtigsten Porteieuilles verwaist sein. Voraussichtlich wird der König Salandra mit der Bildung eines neuen Kabinets betrauen, das dann eine breitere parlamentarische Basis haben dürfte. Rom, 31. Oktbr. Agenzia Stesani meldet: Der Schatzmeister Rubini gab heute den Entschluß kund, von seinem Amte zurückzu- treten. Infolgedessen entschied sich das ganze Kabinct dahin, gleichfalls aus dem Amte zu scheiden. Ministerpräsident Salandra teilte dem König diesen Entschluß mit. Der König behielt sich seine Entscheidung vor. Die Türkeuflotte im Schwarzen Meere. Mailand, 31. Oktober. (Ctr. Frkst.) Einer Meldung des Secolo aus Petersburg zufolge soll ein türkischer Kreuzer zwei russische Kauffahrteischiffe bei Kertsch in der Meerenge zwischen dem Schwarzen und dem Asowschen Meer versenkt haben. Rach rumänischen Berichten sollen die Türken außer dem Staftonär Donetz auch andere Schiffe mit vielen Opfern versenkt haben. Ein türkischer Kreuzer beschoß Odessa eine Stunde lang unter dem Schutz des Nebels und fuhr unbehelligt davon. - Abreise aus Kottstatttiiiopel. Konstantinopel, 31. Oktober. Der französische und der englische Botschafter verließen ebenfalls heute (über Dedeagatsch) Konstantinopel. Städtischer Arbeitsnachweis Giessen. Es können eingestellt werden: a) Bei hiesigen Arbeitgebern: 1 Bauschlosser. 1 Schmied, 2 Installateure für das Gaswerk, 1 Müller, 1 Schuhmacher, landwirtschaftliche Arbeiter, 2 Dienstmädchen, welche gut kochen können, 1 Lehrmädchen. Lehrlinge: 1 Gärtnerlehrling. b) b « i auswärtigen Arbeitgebern: Elsendreher, 1 Müller, 1 Metzger, 1 Schuhmacher, landwirtschaftliche Arbeiter »nd Knechte, Drainagcarbciter, Erdarbeiter, Maurer, Zimnicrlcute, Betonarbeitcr, Taglöhner. Lehrlinge: 1 Schuhmacherlehrling. Es suchen Arbeit: 1 Schmied, 8 Schlosicr, 1 Spengler, 2 Buchbinder, 3 Polsterer und Tapezierer, 5 Schreiner, 1 Glaser, 2 Schuhmacher, 3 Schneider, 8 Weißbinder und Lackierer, 1 Stukkateur, 4 Kausleute, Schreiber, landwirtschaftliche Arbeiter und Knechte, Taglöhncr, Kellner, Hausburschen, Putz-, Wasch- und Lauffrauen, Lehrlinge: 1 Schlosierlehrling, 1 Glascrlehrling. Städtischer Wohuungsnachweis Gießen. Es find zu vermieten: 1 Wohnung von 7 Zimmern cvent. mit Mansarde, 1 Wohnung von 5 Zimmern und 1 Mansardenzimmer, 1 Wohnung von 5 Zimmern, 2 Wohnungen von 4 Zimmern, 1 Wohnung von 4 — 5 Zimmern, 3 Wohnungen von 3 Zimmern, 4 Wohnungen von 2 Zimmern, 1 Wohnung von 1 — 2 Zimmern, 1 Lager- oder Fabrikraum, 8 möblierte Zimmer, davon 2 nebencinanderliegcnbc. Zu mieten gesucht: “ 18 Wohnungen von 2 — 7 Zimmern. ' _ GelimdeverpachLmrg. Montag, den 9. November werden nachfolgende städtifch- Grundstückr «« Ort und Stelle me ist bi elend verpachtet: vormittags 9 Uhr beginnend mit Zufanimenfniift auf der Kaiserallee an der Kreuzung mit der Wolfstrah: 95 Trieboicriel am Mittelweg 34 Tricbviertol a:i der Lichcrsiraße zivischeu Eisewbah» m«d Wald nachmittags 2 Uhr beginnend mit Zusammenkunft auf der Franlk- iurierstvahe an der Kreuzung mit der Klinikstrabe 4 Grundstücke an der westlichen Klinikstvcche. 16 Grundstücke «f der Lähninsel. 1 ki-ngefriedigler Garten auf dem Hamm, 3 Grundstücke auf der HchlÄch hinter der Pulver,- h 1 Acker am Wismarer Weg cm der Lahn. Gießen, den 31, Oktober 11)14. Der Oberbürgermeister: I. B.: ßriiniticid. Bekanntmachung. Tie Zinsen der Friedrich Hcycr von Rosenscldschen Stiftung mit 87,28 Mk. sind am 21, Dezember 1914 an solche evangelische, ivürdige Stadtarmcn zu verteilen, die selbst und deren Eltern und Großeltern in Gießen geboren sind und das Bürgerrecht besitzen ober besaßen. Meldungen nimmt das Städtische Armenamt, Asterweg 9, bi? 10. November 1914 entgegen. Gießen, den 29. Oktober 1914. Der Oberbürgermeister. (Armcnverwaltung.) gez. Keller. Wochcnmarktpreise in Gießen am 31. Oktober 1914 Butter per Pfd. 1.10-1.20 Mk. Milch Liter 22 Pfg. Hühnereier Stück 10—11 Pfg Gänseeier Stück — Psg. Käir Stück 6—8 Pfg, Kasematte 2 Stück 5—8 Pfg. Tauben per Paar 0.88—1.20 Mk. Hübner per Stück 1.20—1.80 Mk. Hähne per Stück 1.50—2.50 Pik. Gänse per Pfund 0.70—0.75 Pfg. Ochsensteifch per Pfd. 0.80-0.92MÜ Kalbfleisch per Pfd. 70—75 Psg. Kuh-u.Rindfl. per Pfd. 80—84 Pfg. Schweinefleisch per Pid. 70—90 Psg Hammelfleisch per Pfd. 70—96 Pfg Kartoffeln p. Malter 5.50—8,50 Mk Kartoffeln 2 Pfd. 7 Psg Zwiebeln per Pfund 10—12 Pfg Blumenkohl per Stck. 15—30 Pfg Kohlrabi Stck, 5-10 Psg Weißkraut p. Haupt 8—12 Pfg Rotkraut p, Haupt 15—25 Psg Wrüng v. Haupt 10—20 Psg Aepfcl per Pfund 8—20 Pfg Birnen Pfund 8—15 Pfg Nüsse 100 Stück 40—45 Psg Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Gießen. Verlag von Krumm & Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m.b.H., Offenbach a. M Wir ernpfekt'err: Znhatt: «E" 5 vorschriftsmäßig bedruckte Feldpostbrief Umschläge nebst Briefbogen sowie 5 Feld Postkarten. Preis nur Pfg. Aklhcjs. Msjtlt»»z Eicht«, äi| 1f Wasserdichte 11 . I^alirräiler kaufen Sie gut bei ZaüoöSchupp. Hießen Walltorstr. 68. Tclcvlwn 237. Reparaturen billigst. Ankauf von Alteisen, Limivc», Knochen. Papier, Kupscr, Meiiina, Zink, Zinn, Blei, bei Louis Rothenberger Neuenwca 22. Ali kiiijchiillm cvcntncü mit Kabinett sofort zu vermiete» _Schisserbcrgerweg 2. Direktion: Herma»» Ltciuaoctter DicnStna, de» 3. Nov. 1911, abcnbS 8 Ubr: I. Dienstags-Abonn. »Vorstellung. Lustspiel in 5 Aufzügen — von G. E. Lessing. — 1 Ende gegen 10"; 2 Uhr. Gew. Preise. wmm mwm J ee [Dilitar Schuhhaus in besten Qualitäten . 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