Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhcffen und der Nachbargebiete. oberdeutsch« Volks,ettun, erscheint lcden Werktag Abend in Kar Der AbonnnnentSpret» beträgt wöchcnllich 15 Pfg, monatlich ita. etnichl-Bringerlobn. Durch die Pott bezogen tncrtcIjäbrI.IL0Mk. Redaktion und (krvcdition Diesten. Babnbossteaste 23. Ecke Löweniasse. Deledbo» 3008. Rr. 247 Inserate kosten die 6 mal gclpalt. Kolonelzeilc oder deren Raum 15 Pf»> Bei gröberen Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bi» abtnM7Kit für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Gießen, Sllmstag, den 24. Oktober 1914 9. Ialirgaug Der Krieg. t aktiven >, der in -zeit noch inic not- 0(tt Lcib- öVcÄt, Ach von! bhardl. n s°"Äi e^.4 -® ran S»'*i R»£!!> tÄl iufpkn der Pnrtelprejse im Kriege. Unserem Chemnitzer Pariciblatt cninchmen wir — mit einigen ungcn — folgende bemerkenswerte Ausführungen über die oben der sozialdemokratischen Presse im jetzigen Kriege: Einmütig hat die sozialdemokratische Presse ihren Entschluß gegeben, nach ihren Kräften am deutsche» Liege miiznwirken. Lache unserer Briidcr im Felde ist unsere Sache. Wir dürfen Zeile schreiben, die ihre harte und blutige Arbeit erschwert verlängert. Vor ihnen tragen wir die Verantwortung, ihnen >ng und Organisatiott unbeschädigt und so stark wie möglich er zu übergeben, wenn sic aus dem Felde znrllckkehrcn und neuem im Bürgerrock für Brot und Freiheit kämpfen müssen, it w i r in Sicherheit leben können, opfern s i e sich. Wer nicht Artikel und jede Zeile daraushin prüft, ob er vor unseren >sscn im Felde bestehen kann, hat seine Pflicht während des ics noch nicht ersaht. Aus diesem Grundsatz folgt unmittelbar unsere Anerkennung Burgfriedens. Jeder innere Streit im Lande ist eine ^nung der Feinde. Wir stehen unbedingt zu dem Satz, Zchcidcmann nach Amerika schrieb: „In der jetzigen Kricgszcit as ganze deutsche Volk einig." Tie Parteipresse hat bas Recht, von dieser Gesamtpolitlk der Partei abzuwcichcn. verzichten überall auf Wahlkämpsc und lassen selbst bcbcutcn- tzegncr» der Arbeitcrsachc kampslos Mandate, die schon bisher lcsiv der kapitalistischen Parteien waren. Tie Gewerkschaften > ihren Kampfcharakter für die Kriegsdaucr aufgcgcben und ks sabgcsehcn von Ansnahmcfällcn) ausgeschlossen . . . Bel dieser Praxis werden Schwierigkeiten mit der Militär- r in der Regel nicht austretcn . . . Tas Geschrei über die ir, hinter dem sich vielfach der Mangel an fester Stellung- c zuni Kriegsproblem verbirgt, Hilst nur Deutschlands Fein- die Lüge verbreiten, als sei Deutschland ein zweites R»ß- I . . . Die Aushebung der Preßzcnsur wäre natürlich sehr cr- cht; sie wäre für die Parteiprcsse gänzlich unbedenklich. Leider es gewissen lote Sensationsblättcr, deren ganze pcllosigkcit anfz» decken wir schon früher nicht müde ge- en sind. Sie hat die Militärzensnr einigermaßen an die : gelegt, und der Ausnahmezustand des Krieges verbietet uns, Zensur so erbittert zu bekämpfen, wie das sonst der Fall würde. Tie Zensur hat lebhaft darauf gedrungen, daß jetzt keine cn Preßerörterungen für oder wider Annexionen spönnen werden. - Tas ist vielleicht die vernünftigste Maßregel, lic bisher getroffen hat. Oedcrcs Bicrbankgcschwätz als das ciftohdrcschen über das künftige Schicksal der Länder mitten Kamps, der noch keine FricdenSaussicht zeigt, ist selten in der tcntlichkcit geführt worden. Unsere grundsätzliche Stellnng- ">e, jedem Volke das freie S e l b st b e st i in m u n g s r e ch t nssen, ist jedermann in Deutschland viel zu bekannt, als daß wir 'cyt^ieden Tag vortragen müßten. Kein Mensch in vcrantwort- -r stcUimg nimmt an, baß deutsche Sozialdemokraten für '"^^ppub und Eroberungspolitik zu haben wären. . ^-kuftchlands Feinde haben, angestachelt durch England, ein u i, ■ ■ 1 siber deutsche Greuel erhoben. Es ist die ilc brituche Rc,t,odc. je&ett politischen Gegner mit der Hcuchel- »Itung über „AtrociticS" zu überfallen. Unsere Brndcrpar- }>Alande sind zum größten Teil prompt daraus hcrein- .5 n - über die Rnsscngrcnel in Ostpreußen haben sie bis- tyrcn Lesern nicht eine Silbe mitgetcilt. Um so kälter !' uns diese Vorwürfe. Wir wissen ganz genau, daß unsere Icke» Soldaten, unsere Million Gewcrkschaiter und Partei, i-*' keine Barbaren oder Hunnen sind. Wenn nus- ' ?? ^vabcten den deutschen Arbeiter, der immer strebend um Bildung bemüht hat. so b c s ch i n, p s e n , prallt dieser plcit Mit den Schützen zurück. Wir habe» schon eine ganze An- von ,rclbpostbriesc>i ans dcni Gouvernement Tuwalti stctom- in denen unsere Arbeiter sich umgekehrt bitter beschweren, die dcuttche Heeresverwaltung ihnen ncht erlaubt, Lebcnsmittcl- atc wegzunchmcn, auch wenn die eigene Zufuhr nicht ansreicht, kur einen harmlosen Hühnerdiebstahl die Offiziere strenge fen verhängt hätten! — Für die Franktireurs, die in veifeltcr Verteidigung ihrer heimatlichen Freiheit jedes vkmittcl für erlaubt halten, haben wir menschlich jedes Ver- »>-... Aber wir danken der deutschen Heeresverwaltung, daß egen die ,rrcischärler die härtesten Maßregeln ergriffen hat. ganze Anzahl unserer sächsischen Genossen sind in Belgien rüstigem Ucbcrsall zum Opfer geivordc». Wir könnten c-s keiner deutschen Arbcitermuttcr und keiner Arbeiterfrau vcr- ortcn, wenn wir nicht alle Maßnahmen guthicßcn, die weitere ^ Ersparten. Das Leben unserer Kampsgcnosscn steht uns nn- gt höher als die alte Bibliothek von Löwen und die Kathe- von Reims. _ Für die entgegengesetzte Aesthetenansfassung öci deutschen Arbeitern nicht das lciicstc Verständnis " kienkcn nicht entfernt daran, zu bestreiten, daß Miß ' Uebereilungcn vorgekommen sein mögen. Wir glauben vaß in Mülhausen kein Einivobncr ans deutsche Soldaten gc- n hat, sondern nur hier und da versteckte Franzosen. Dir r n } önfs tiefste, wenn falschem Verdacht und ungerechter ,i- putsche Mitbürger preisgegeben worden sind. Aber wir -»cht zu sagen, wie in der Erregung des Krieges solche umer vermieden werden könne». Waren einzelne Strafgc- eutschland nicht durch eine '/°l"i'che Fehler, so nutzen wir ™ Kritik daran ... fi ' r . wissen uns von jeder Kriegsbegciftcrung frei, e» LT vlekben unversöhnliche Gegner des Krieges Wir jj™ und überall — auch jetzt — die Begeisterung für den v Krieges willen, die Lust am Attackereitc» und Gcnmorden bekämpfen. Aber auf der andere» Seite könnten ,i.^ruppc,>, die — das niuß immer wiederholt werden — s ü r urc Brust dem Feinde darbicten, die ungcheurcii Leiden und » -ru.vrd Feldzuges nicht aushalten, wenn sic nicht von scste- > umpteutschlossenhcit beseelt wäre». Diese wollen wir ihnen erhalten helfen. Wenn wir dazu die Notwendigkeit des deutschen Sieges stark betonen und die deutschen Erfolge laut rllhnicn, so erlaubt das gütigst unserem Temperament. Wir hassen Lauheit, so gut im Wahlkampf wie beim Lurcmbnrg-Prozcß wie gegenüber dem Krieg. Was wir vertreten, verfechten wir mit Leidenschaft... Lieber alles andere als „neutral" sein, wenn des Volkes Schicksal sich entscheidet! „Nur offen wie ein Mann, für oder wider! Und die Parole: Sklave oder frei!" Wir sind mit ganzem Herzen siir die Partei der Kricgsiihrcnden, die Rußland und Europa Freiheit bringen soll. Es lebe Hindenburg, das große unbewußte Werkzeug der russischen Revolution! Wir haben nicht die mindeste Sorge darum, daß die, die draußen im Felde gestanden haben, kriegslüstern znrück- kommcn könnten. Hungern, dursten, frieren in den Schützengräben, Wunden und Krankheit leiden, täglich sterben sehen und vom Tode bedroht sein, schasst keine Kriegscnthusiastcn. Von denen, die aus dem Felde zurückkommen, werden Neunzehntel die Friedcnssache künftig begeistert sördern. Wie denn das deutsche Volk überhaupt nicht kriegslüstern gewesen ist. Wir haben beim Kriegsausbruch, als wir zum ersten Mal höhere Offiziere persönlich sprachen, erstaunt gesellen, wie ernst sie der Gedanke an den Krieg stimmte und wie weit sie von der Leunantsromantik und der Mordlust der alldeutschen Redaktionssttiben entfernt waren. Der Krieg legt den Mitkämpsern furchtbare Opfer und Entbehrungen auf, teilweise auch den Zurückgebliebenen, wenn auch diesen in jedem Falle unendlich viel geringere. Ist der Krieg gerecht und konnten wir ihn nicht vermeiden, dürfen wir jetzt nicht über die Opfer Heulmeiern. Ein verlorener Streik ist schlimmer als die Opfer, die der Streik während seiner Dauer kostet. Die Gelben, die aus angeblicher Rücksicht ans „Frau und Kind" die Kampsopscr scheuen, haben uns nie gefallen können. Jeder Arbeiterverein ist stolz auf ein Mitglied mit dem Eisernen Kreuz, Warum? Weil in seinem Mut, in seiner Aufopferung — „lieber einer als alle!" — jene >lrkrast tod - verachtender Solidarität wirkt, auf der unsere Bewegung und Zukunftshossnung beruht. Für die Sache des Ganzen Opfer bringen zu können — das macht den proletarischen Kampfgenossen aiis. Und gegenüber dem unabsehbaren Elend eines verlorenen Krieges sind die größten Kriegsopfer gering. Gerade der Arbeiter verliert im verlorenen Krieg beim scind- lichen Einfall das meiste. Siehe Belgien! Der Reiche kann rechtzeitig fliehen, der Arme muß verhungern. Jeder Feldpostbrief enthält de» Satz: „Seid nur sroh, daß wir den Krieg nicht im Lande haben!" Damit soll selbstverständlich denen kein Freibries ausgestellt werden, welche mutwillig die Leiden des Krieges vergrößern, den Brotwuchcrcrn, de» profitgierigcn Unternehmern, die aus bloßer Gewinnsucht jetzt die Löhne drücken, den hartherzigen Hauswirten, die unbarmherzig arme Frauen auStrcibcn. Soweit gegen sie Gesetz und Behörden nicht Rat schassen, an die mir uns in erster Reihe wenden, kann auf öffentliche Brandmark u n g n i ch t verzichtet werden. Diese Parasiten am Volkskörpcr haßt heute nicht bloß der Sozialdemokrat, sondern jeder anständige Mensch. Gerade im Interesse der Kriegführung müssen wir auf w c i t- gehende s o z i a l i st i s ch e Maßnahmen drängen. Ter Staat muß Lebensmittelversorgung und Arbeitsbeschaffung jetzt, da es ernst ist, i» weitestem Umfang aus sich nehmen: sonst droht Deutschland den Steg durch wirtschaftliche Schwäche zu gefährden. Der Sozialismus ist nie notwendiger gewesen als jetzt, und weitere Kreise als je verlangen nach ihm. Aber auch bei der Agitation für die notwendigen Maßnahmen des Staates haben ivir uns Zurückhaltung auszucrlcgcn. England lauert auf jedes Zeichen der Not im Lande, das seinen, AuShungerungeplaii ein wenig mehr Erfolg verspräche. Wir können unsere sozialistischen Forderungen, die heute Forderungen für Deutschlands Wehrhaftigkeit sind, wie unsere bisherigen Siege auf der Sozialpolitik beruhen, vertreten, ohne den Feinden Wasen zu liefern. Tic Parteiprcsse verliert somit während des Krieges viel von ihrem eigentlichen Wesen, genau wie die Parteiorganisation und die Kainpfgewerkschaften. Bon ihrem Wert verliert sic dadurch nichts. Wir halten F a h n c n w a ch t für künftige Friedenskämpfe. Wir liegen aus Vorposten und wachen. Töricht, wer darüber klagt, daß wir jetzt nicht schießen dürfen, wo cs unsere eigenen Kanicraden treffen könnte. Ihnen wollen wir später wieder die Waffe der Parteiprege in die Sand legen, kräftiger und schärfer, als sic vorher war. Eine Menge törichter Vorurteile gegen die Arbeiterbewegung und ihre Organe ist in diesen Wochen' dahingeschmolzen. Leichter als je können wir in weite Volksschichten cindringcn, wirklick Organ des ganzen werktätigen Volkes werden. Man tadelt uns, daß mir den Beifall früherer Gegner finden. Wir sind daraus stolz! Wir machen die Eselei jener Taktik nicht mit, die Lassalle als die Art zanksüchtiger Weiber für ewig gcktziinzcichnct: sobald der Mann ihnen reckt gibt, ändern sic ihren Standpunkt, bloß um weiter reifen zu können. Wir danken für diese Weisheit. Wir freuen uns jedes reuigen Nichtlesens unseres Blattes. Die Schlacht bei Nieuport. Amsterdam, 22. £ft. Hier wäre die Möglichkeit gegeben, tausenden von Arbeitern Arbeit zu verschasfcn. Auch handelt cs sich dabei nicht um Notstandsarbeiten im eigentlichen Sinne. Die in Aussicht genommenen RotstandSarbeitcn dürften nicht ein Sinken der Löhne oder ein Sinken der Lebenshaltung der Arbeiter zur Folge haben. Dies muß verhütet werden, indem i» erster Linie freie Arbeiter verwendet werden und zwar zu den Löhnen, die zwischen den Organisationen der Arbeitgeber und der Arbeit- nehmer vereinbart sind oder noch zu vereinbaren sind. Es bleibt aber noch eine große Menge von männlichen und weiblichen Bürgern, die durch den Krieg arbeitslos und völlig eristcnzlos geworden sind. Auch ihnen zu Helsen, ist Pflicht des Staates. Verschiedenen Gemeinden ist es bei ihrer finanziellen Lage nicht einmal möglich, diesen Leuten die Zuwendungen zu machen, die ihnen gemacht werden sollen. Hier muß Staat und Gemeinde Zusammenwirken und ganz besonders die Gemeinden mit de» Berufsorganisationen. Es geht nicht an, daß die Regierung sich nur auf die Entlastung lcistungsnnfähiger Lieserungtzverbände beschränkt. Die Angehörigen der Kriegsteilnehmer »lüsten durch die Unterstützung in den Stand gesetzt werben, nicht nur notdürftig ihr Leben zu fristen. Daß ihnen mehr gegeben wirb, als allein zum Leben nötig ist, das ist eine Pflicht des Staates. Tic Unterstützung muß in jedem Fall so gemacht werden, daß sie auch zur Zahlung der Wohnungsmiete ausrcicht. Wir müsten dabei ohne Kleinlichkeit und ohne umständliches Verfahren nach gleichen, besten Grundsätzen verfahren. Das Saus hat wiederholt einstimmig gewünscht, daß diese Unterstützung nicht als Armcnuntcrstiivllnq angesehen werde. Wir fordern die Vorlage eines entsprechenden Gcjctzcntwurses. So lange e? an einem solchen fehlt, ist immer damit zu rechnen, daß preußische Staatsbürger ihrer staatsbürgerlichen Rechte »nd ganz besonders des Wahlrechts für die Gemeindevertretungen verlustig gehen. Wir fordern auch, daß in die Kriegshilsskommissioncn Angehörige aller Bcrufsstänbc, auch der Arbeiter, hinzugczogcn werden. Dann fordern wir aber auch die Aufhebung aller bcstchendcn Ausnahmegesetze, damit alle Staatsbürger ohne Ansehen der Nationalität gleichberechtigt sind. In allererster Linie fordern wir auch Aufhebung des DrciklastcnwahlsgstemS und Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts. sBcifall links.j Das ist ganz besonders nötig an einem Tage, wo bas ganze deutsche Volk ohne llntcrschicd des Geschlechts die schwersten Opfer bringt und die ärmeren Schichten und ganz besonders die ärmeren Klassen so große Opfer bringen. sSehr wahr! bei den Sozialdemokraten.> Trotzdem die Vorlage weit hinter unseren Erwartungen zurückblcibt, werden wir ihr z u - stimmen in der Hoffnung, daß unsere Wunsche entsprechend erfüllt und die erforderlichen Gescbesünderungc» mindestens beim Wicdcrzusammcntritt des Landtages cingebracht werden. Ich schließe mit dem Wunsche, daß der entsetzliche Krieg zu einem baldigen gesicherten Frieden des deutschen Volkes und der Menschheit führen möge, und alles geschieht, was zur Erfüllung dieses Wunsches dienen kann. sBeifall.) Ohne weitere Debatte wurde dann die Vorlage in allen drei Lesungen einstimmig angenommen — ebenso später im Hcrrenhausc — worauf die Tagung nach einer Dankesrede des Präsidenten ge- schlosten wurde. Bundesralsbeschlüsse. Berlin, 22. Okt. (W .B. Amtlich.) Der Bundcsrat hat den Entwurf einer Bekanntmachung über die Geltendmachung von Ansprüchen von Personen, die im A u s l a n d e wohnen, angcnonimen: ferner den Entwurf einer Bekanntmachung über die Fälligkeit im Auslände ausgestellter Wechsel; den Entwurf einer Bekanntmachung betr. Ueberwachung ausländischer Unternehmungen; den Entwurf einer Bekanntmachung über die Ausdehnung des Gesetzes betr. den Schutz der infolge des Krieges an der Wahrnehmung ihrer Rechte behinderten Personen auf am Kriege Beteiligte aus Oesterreich -Ungarn; den Entwurf einer Bekannt- machung betr. weitere Verlängerung der F r i st e n deS Wechsel- und Scheckrechts für Elsaß-Lothringen, Ostpreußen usw.; die Vorlage über Pauschbeträge, die von den Vcrsicherungsträgern zu den Kosten der O b e r v e r - st ch c r u n g s ä m t e r zu entrichten sind; die Vorlage betr. Aenderung der Ausführungsbestimmungen zum Gesetz über die Schlachtvieh, und Fleischbeschau und die Ein stilles Entzücken erfüllte sein Herz; mehrmals war er im Begriff, eine der Blumen an seinen Rock zu stecken, aber er legte sie wieder fort, und als er endlich die Treppe hinabstieg, und Jlda ihn scheltend über sein langes Ausbleiben empfing, sagte er leise: „Ich stand bei deinen Pfleglingen, die zu mir sprachen und was sie mir sagten, war so lieb, daß ich alles darüber vergaß." „Vergessen darfst du nichts," antwortete sie, „aber laß uns heiter sein. Die Tage gehen und kommen und wenn sie Freude für uns haben, sollen wir Trost daraus schöpfen gegen das Leid, das ihnen nachfolgt." Und fünfmal kam die Sonne und verlor sich in kurze Nacht, welche jetzt wieder cingczogen war, denn der August war da: aber die Tage blieben mild wie schöne Sommertage, und wenn das Dunkel mit weichen Schatten am Fjord herauf- sticg und die Spitzen der höchsten Felsen allein noch ihre Rosenkränze trugen, trat der Mond über das finstere Horn des Kilpis und wunderbar klar glänzend streute er sein feines geheimnisvolles Licht über den schwarzen Wasserspalt und seine dreifache Schattcnstille über alle Klüfte und Tiefen. Kein Mensch kam während dieser Zeit in den Gaard. Die Männer waren alle entweder mit Helgrstad nach Bergen oder mit Björnarne nach Lappen gefahren. Was von alten Fischern in der Nähe übrig blieb, trieb Scyfang in den Strudeln von Aloen. Jin Hause aber gab es nur ein paar Mägde und da auf den Gütern in diesem hohen Norden von Ackerbau so wenig die Rede ist, wie von Viehzucht, Helge- stads drei Kühe und zwei Pferde in den Bergschluchten umher unter Aufsicht eines Knaben weideten, der sie aus- und ein- tricb, mochte das Wetter sein wie es wollte, so tvar von wirtschaftlicher Arbeit auch nicht viel die Rede. Die Vorrats- Häuser standen dicht verwahrt, der Kramladen machte kein Geschäft. ^),e Hirten auf ihren Alpen hatten, was sie bedurften einrvckaust, erst auf den Herbstmärkten versorgte sich das Vok mit allen Vorräten für den Winter; so blieb denn in dieser Zeit der Ruhe sür fleißige Frauen und Jungfrauen nichts zu tun, als Leinenzeug, Betten und Geräte in Ord- Vorlage betr. Aenderung der Vundesratsverordnung den Verkehr mit Kraftfahrzeugen. Leider, leider steht immer noch der Bnndesratsbeß aus, der Höchstpreise für Lebensmittel fcstsetzt. Und do, es dazu allerhöchste Zeit, wie selbst das Blatt der Agro die Deutsche Tageszeitung, zugibt! ZlaatlicheundbehördlicheKriegsmatzttah« Das bayerische Kriegsministerium hat die Stellen, militärische Aufträge zu vergeben haben, angewiesen, > Beschwerden über Gehaltskürzungen bei liefernden Fi, nachzugehen. Alle Lieferungsvcrträge müssen die Bcdin, enthalten, daß Gehalts- oder Lohnherabsctzungcn a, schlossen sind. Bei Zuwiderhandlungen der Lieferanten die Militärverwaltung das Recht, vom Vertrage zuri treten, ohne daß dem Lieferanten ein Entschädigungsanfi zustcht. Unternehmer, die die durch den Krieg geschasst besonderen Verhältnisse zur Ausbeutung der Angestellten Arbeiter ausnutzcn, werden von jeder Lieferung ai schlossen. Die Stadtverordnetenversammlung in Schöneb bei Berlin beschloß, die Staatsregicrung und den Lau um Annahme eines Gesetzentwurfs über Errichtung Mietämtern und Bewilligung von Mietunterstützungei Betrage von 40 Millionen Mark zu bitten. Die Gcmei sollen Zuschüsse zur Deckung der Kricgskostcn erhalten. Ter Teltower Kreistag beschloß, den Fam angehörigen der zum Heeresdienst einberufenen Arl # ✓ «j« jit ® jjtf«» jtiti & ■jtn gctreiö ificii. 3 l en, de« Assel»» mit & cl ftrfi 9» und Bitte jitfe erlal m »» nötig; » und sonstigen Bediensteten des Kreises vom 1. Novemb Meise Zufuhr während der Dauer des Krieges, sofern die Einbcru unverheiratet sind, 25 v. H., sofern sie verheiratet ta unsere 60 v. H. und für eheliche und den ehelichen gesetzlich g ,zjbts i stehende Kinder unter 16Jahr. für 1 Kind 10 v.H. und fii weitere 5 v. H. der Besoldungen oder Löhne zu gcwä b, ber nid äuffauf In diesen Füllen darf die Gesamtsumme der Bezüge 90 der Gehälter nicht übersteigen. Für Verwandte in steigender Linie und Geschwister, die von dem Einberu unterhalten wurden, werden je bis zu 10 v. H. gezahlt. Gesamtsumme der Unterstützung in allen Fällen darf 100 nicht übersteigen. — Der Kreistag stimmte schließlich de, lösung der Unterhaltungs- und Erncuerungspflicht der den Teltowkanal führenden Staatscisenbahnbrücken Zahlung einer einmaligen Summe von 405 000 Mark a Eiscnbahnvcrwaltung zu. Der zweruttdsiebzigftüttdige Sturm au Przemysl. Ter Krieqsbrrichterstatter unseres Wiener Parlciblaties, Schulz, schreibt über den russischen Awgrisj ans die galizischc F Przemqsl: Am 5. Oktober sctzien di« Rüsten energisch mit einem § angrrff gegen di« Siidostfrvnt unter gleichzeitigen denwisttrier Angriffen gegen alle anderen Fronten ein. rseucr der Fnsanteri, von gcivaltiger Wirkung, ebenso das der Maschinengcivehre n, Artillerie. So wurden die verzweifelten Anstrengungen der l zu Schanden, obgleich der Kamps kein« Minute aussetzte. Tudesverachdung cineucrtc» die Russen immer wieder ihre A> unter vortrefflicher Benützung des Spatens. Sie ging«, folgenden, Sck-cma vor: Aus der Schwarmlinie springt ein vor, das Zeitdcckblalt hält er als Schild vor sich. Er versck' gleich wieder und gräbt sich blitzschnell «in. Ihm folgt ein z »nd so fort. Fn der Linie, die abends erreicht ist, wird nach Laufgraben hcrgestcllt, der als Rückendeckung fiir weiteres treibe» des Angriffs dient, der auch nachts nicht auSsctzt. Ai russisch« Artillerie arbeitete vortrefflich, ober sic ivar ohne W gegen unsere Panzerungen, die kaum Beulen davontrugen, das Uiugelände. das Erdreich und stellenweise das Elaeis ivar> wühlt. Der «Schaden konnte immer sofort aitsgebessert werde nk gelui jeht der «rdiugs ta lonJ aud) nm bleib Vff-m - Hochs tzen M li°j Gr topft 1' »s de« 1 7. Au büffeln n i fetoi toi beste fit geiin) Tiefe! raije sür ittie iusb dt 6 er Sn ifien. 61 toirö SltWlMd Mescht nung zu bringen, die Schränke auszustatten mit dem gen, oder mit Männern und Brüdern Reisen zu mache, Vergnügungen zu genießen, so viel cs deren geben mo, Während der Vormittage unterstützte Johann bald bald dort seine Freundinnen, die ihn neckend zu k Diensten aussordcrten, oder er saß in der brcitblätt Laube von Schminkbohnen und las in einem der T die kürzlich Klaus Hornemann aus Tromsö geschickt Damals waren Holberg und Tullin die gefeierten Lieb schriftsteller der Dänen. Holberg, durch seine Geb Bergen ein Norweger, wurde schon um dessentwegc Lande mit Begeisterung verehrt und nun sandte der Priester zum crstenmale an den Lyngcnfjord eine t Bände voll Lustspiele, Gedichte und den satirischen R Nikolaus Klimms unterirdische Reise, den Holberg lat geschrieben hatte, von welchem jedoch sogleich eine setzung gemacht worden war. Mit Entzücken fiel Marstrand über diese «Schätze denn wie lange hatte er das Vergnügen entbehrt, Büc lesen und die Zeitung von Kopenhagen zu durchbl welche zweimal wöchentlich in einem kleinen halben erschien, von denen Hornemann mehrere beigclcgt hast« geistvollen Professor Holberg kannte er persönlich un! wie vieler Beredsamkeit erzählte er seinen aufmerksam« Hörerinnen Züge aus dem Leben dieses originellen, tt Gelehrten. Waren die häuslichen Arbeiten abgetan, cr eins der drolligen, slharf charakterisstschcn Lnsstpicl« das von Gelächter und Fröhlichkeit bis zum Schluß b« wurde. Kam dann der Abend, so machte cr mit den lungen Mädchen Spaziergänge über die Felsen am oder er ergriff die Ruder und trieb das kleine Boot üb spiegelglatte Meer bis zu einem schönen Wasserfall o irgend einem Vorgebirge, ans dem ein einsamer Baum wo man weit bis zu fernen Inseln und ans die Schn« von Scnjenöcn blicken konnte. lFortsetzung folgt.) ««Kt * u- loti bet | "nah, Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 247 Dieken, Samstag den 24. AKIoker I9t4. die ° SB J «ttroge ^digiing! ^ngeiteai, '«ftrung n 'Snione! unb 5en & r Errichtu! "techützungl ' t-ie m erhalten den Fa, «ufcnen L i> 1. Nodeniil die Sinl verheiratet en 0 S)-®. md fi ihne ju :r crtoonbtc i, dem ßinbci iüen bars IM idiliefelid) k igspM d« iahnbrülken 5 000 SKcrf d Heffen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Gegen den Lebensmittelwncher. Die Erörterungen über die Einführung von Höchft- ifcrt für Brotgetreide und Mehl find im Bundcsrat bereits zum Entwurf einer entsprechenden Verordnung gediehen. Verordnung soll im Laufe dieser Woche veröffentlicht den und wird hoffentlich nranchcn spekulativen Aufkäufern Getreide und Mehl einen Ttrich durch die Rechnung chen. Zu wünschen wäre es, wenn auch gegen den uner- ten, dem Verbrechen des Hochverrats gleich zu stellenden toffelwuck>er der BundeSrat vorginge. Und zwar nicht mit der Festsetzung von Höchstpreisen, sondern auch mit :m Verkaufszwange unter entsprechenden Strafandroh- en und gegebenenfalls mit Enteignimgsmatznahmen. Höchstpreisfestsetzungen, beschränkt auf einzelne Orte, wirkungslos. Sie müssen nnndestens immer für ganze irke erlassen werden. Und auch ein Verkaufszwang — ilichst unter Ausschaltung unnötigen Zwischenhandels — nötig; weil die Kartoffelerzcuger bereits überall da, wo ^stpreise festgesetzt wurden, mit völliger Zurückhaltung Zufuhr geantwortet und erklärt haben: „Wir vergraben er unsere Kartoffeln: wir können warten und im Früh- gibt's dann doppelt so hohe Preise!" Deshalb ist auch Aufkauf von Kartoffeln durch die Gemeinden zurzeit ein ?, der nicht zum Ziele führt, es sei denn, daß es einer Ge- nde gelungen ist, aus Holland Kartoffeln zu beziehen, wo jetzt der Zentner mit 1,60 bis 2,60 Mk. verkauft wurde; :dings werden infolge des Andranges der Händler nach and auch dort die Preise bereits wesentlich höher stehen, um bleibt nichts anderes übrig, als gesetzlick)e Bekämpf- des skandalösen Kartoffclwuchers. K r e i s a m t «türm Mi ikulabld* fe Misch! * h lil einem 3 jro Jemnjhid m st Stptor M*l (HKS Intim ftataws » ö Kt t/a -»nt jt von Seit ib Mimeß : ummtttbn W,e md 1 ,n russisch« ie Leute sch« der J»i« hjzeWmhi« Ensen M ausjelii«. Meter chte §i« ch"! ck iprinflt sich. 6t net» )tw>id's fl füt ich, i»8l<£ ! sie wat lA« ! — Höchstpreisr für Kartoffel». Vom eßen wird folgendes bekannt gegeben: Auf Grund des 8 1 des Gesetzes, bclreffend Höchstpreise, vom August 1914 und 8 1 der Bekanntmachung des Großh. Mini- riumö des Innern, bctrcsfcnd die Ausführung dieses Gesetzes, m 7. August 1014 werden die Söchstprcife für Spcisc- rtofseln mit sofortiger Wirksamkeit siir den KrciS Gießen wie lgt festgesetzt: für beste ausgclescnc Tpeisekartofscl» der Doppelzentner 6 Mk. ür geringere Ware der Doppelzentner 5 Mk. Diese Festsetzungen haben nur die Bedeutung einer Qber- enze für die Preise. Es ist selbstverständlich, daß geringere eise insbesondere dann gefordert werden, wenn die Beschaffenit der Ware oder sonstige Verhältnisse cs angemessen erscheinen sen. Es wird auf das Gesetz betreffend die Höchstpreise hinge- cn, wonach die Behörde einem Besitzer, der sich lveigert, zu festgesetzten Höchstpreisen zu verkaufen, die Ware bc- gnahnien und zn den festgesetzten Höchstpreisen auf inung des Besitzers verkaufen kann. Ferner kann ein Be- der die Höchstpreise überschreitet oder Vorräte verherin- , zur Geldstrafe bis 3000 Pik. oder Gefängnis bis zu tonaten bestraft werden. Daß die Höchstpreise nun endlich festgesetzt sind, ist ja S gut, allein das hätte schon vor -1 Wochen und für das ze Reich geschehen sollen. Ob den Konsumenten jetzt noch all gedient ist, fragt sich sehr. Immerhin ist den Konventen zu empfehlen, mit dem Einkauf nach Möglichkeit ückzuhalten, damit die Nachfrage nicht übermäßig ge- gert und die Preise dadurch in die Höhe getrieben werden. — Sozialdemokraten im Kriege. Nach einer Zusanunen- .... f un 8 des Tarmstädter Partcisekretariats sind im Wahl- l ' c ? Q * m I* Q & t • @ r o 6 • © c t o » aus 32 Orten mit 0 Parteimitgliedern 1333 Mann in den Krieg gezogen, 38 Prozem. Darunter befinden sich 76 Vorstandsmit- der. Es wird dabei noch bemerkt, daß die Orte, an denen Bauarbeiter, besonders Maurer und Zimmerer, über- gen, die meisten Kriegsteilnehmer aufweisen, während an Orten mit überwiegender Fabrikarbcitcrbcvölkerung der zentfatz viel niedriger ist. * Gefallene des Gieficner Regiments: Reservist Jakob 1 e s aus Kölschhausen, Kr. Wetzlar. — Gefallene aus Lberhessen und Nachbargcbietcn: sketier Georg Weber aus Dutenhofen, Jnf.-Reg. 168. — Kanonier Hermann H i n t e r l a n g , Metzger Kleinlindcn, Fcldartilleric-Reg. Nr. 25. — Leutnant der roc Karl Sckmitz, Betriebsingenicur der städtischien ißenbahn in Gießen, Jnf.-Reg. Nr. 168. — Gcft. Fricdr. d e aus Mainzlar, Jnf.-Reg. Nr. 115. Postverkchr mit unseren deutschen Kriegsgefangenen. Postsendungen an diese sind zugelassen: offene Brief- ungcn ohne Nachnahme, nämlich offene gewöhnliche fe, Postkarten, Drucksachen, Warenproben und Geschäfts- ere, ferner Briefe und Kästchen mit Wertangabe ohne 'nähme, Postpakete bis 5 Klg. ohne Nachnahme. Tic düngen sind gebührenfrei. Sie müssen den Vermerk ssgsgefangenensendung" tragen. Postanweisungen sind nur nach Frankreich zugelassen. Hierbei sind die ^ Auslandsverkehr vorgesehenen Formulare zu ver- Die Postanweisung ist an die Obcrpostkontrolle in a Schweiz) zu adressieren; die Adresse des deutschen gefangenen, für den die Geldsendung bestiimnt ist, ist J 81 Rückseite des Abschnitts genau anzugeben. An der -te, wo sonst die Freimarken aufgcklebt werden, ist der fterk „Kriegsgcfangenensendnng. Tarftci" niederzu- ivcn. Es empfiehlt sich, Postsendungen erst dann an g-gefangene abzusenden, wenn sic ihre Adresse mitgeteilt 11 r, ® er ^ e t> r "ach Frankreich können, auch wenn der nthaltsort des deutschen Kriegsgefangenen nicht bc> „ txrpanmw* das EleaSwl ttw mit d -iftn zu m°^ gen geben » e Nb-"M »- ucckeud i“ bet breitb» einem jj* h , beließ „ sandte d ,'atwlM" , en ® clbeI3 f olleich -bi-'° , „ i cntbÄ^^ i« butd* n< 1 orig"^.,-; ten . ■. 'S El tfet m" 5 3& :ie sind fannt ist, Sendungen an ihn abgesandt werden, dann mit der äußeren Adresse zu versehen: A la croix iou^e francaise Commission des prisonnieis de sperre Paris 9 rue Matignon. 2?on jetzt ab sind nach Großbritannien Postanweisungen für Kriegsgefangene oder von solchen zugelassen. Tic Postanweisungen sind auf der Vorderseite des für den Auslands- verkehr bestimmten Formulars mit der Adresse des König!. Niederländischen Postamts in s'Gravcnhage zu versehen, während die Adresse des Empfängers der Geldsendung auf der Rückseite des Abschnitts genau anzugeben ist. An der Stelle, die sonst für die Freimarken zu dienen hat, ist die Bemerkung „Kriegsgefangenenscndung. Taxfrei", anzubringen. In s'Gravenhage werden die deutsch-niederländischen An- Weisungen in niederlündisch-englffche uingeschriebcn. In der Richtung aus Großbritannien nach Deutschland sind Postanweisungen der Kriegsgefangenen noch nicht zugelassen. — Gefallene des Gicßener Regiments. Als gefallen werde» werter folgende Angehörige des ssnsalitcric-Regiments Ar, 1tl> bekannt: Reservist Heinrich stung ans Gr-vtzcnlendcn. — Unteroffizier Emil Werner, Kanfinann «>s Aeuhof bei Leihgestern. — Tambour Karl Krämer ans Rntdershmisen. — Einfähriger- Untcrvsfizrer Wilhel-i» Schäfer aus Gambach. — Gefreiter Heinrich Cordes aus Friedbcrg. — Landwehrina-nn Hermann Gersten me »er aus Darmsta dt. *rt «ViMsk Zur gcsl. Bcachtmig! Diejenigen unserer Träger, welche noch mit der Abrechnung im Riiekstonde sind, bitten wir wiederholt dringend, diese sofort zn bewerkstelligen. Orte, die länger wie zwei Monate im Rückstand bleiben, werden wir für die Folge veröffentlichen. Weil, kr AM.Mjjcituna, Gieße» — Mit der Kariosscl-PreiStreibcrci beschäftigten sich am Toiiiicrsiag die Offenbachcr Stadtverordneten. Lberbiirger- meistcr Dr. D u l l o forderte in feinen Ausführungen zur Ergreifung von Gegeninaßnahmcit auf, die jedoch nach seinem Dafürhalten nicht in der Festsetzung von Höchstpreisen für einzelne Gemarkungen bestehen dürfe, sondern die vielmehr für das ganze Reich gleichzeitig zur Einführung gelangen müsic fwie wir das ebenfalls schon öfter ansgefiihrt haben), damit werde am besten das Zurückhalten und Verschleppen der Fclderzeug- nissc durch die Landleute sowie eine durch Masienauskauf etwa entstehende Panik verhindert. Angesichts der diesjährigen nuten Ernte bestehe absolut keine Gefahr für eine wirkliche Rot. Ta aber das Vorgehen einzelner Gemeinde» oder Bnnbesstaatcn keinen durchgreifenden Erfolg verspreche, niüsitc unter allen Umständen die einzulcitenbe Hilfsaktion einen allgemeinen Charakter tragen. Nicht nur der Städtetag und die einzelnen Ministerien, sondern auch Reichstag und Bnnddsrat müßten zur Erreichung dieses Zieles mobil gemacht werden. Tladtv. Karl Ulrich erachtete cS für unumgänglich notwendig, daß eine Fcstfetzung der Höchstpreise für sämtliche Lebensmittel im ganzen Reiche erzwungen werden müsse. Schließlich nahm das Kollegium einstimmig einen vom Rechte- und Finanzausschuß vorbereiteten Antrag an, wonach der Hbcrbiirgcrmcister ermächtigt wird, beim hessischen Ministerium dahin zu wirken, daß der Bevollmäcknigte der hessischen Regierung beim Bundcsrat eine Festsetzung der Höchstpreise sämtlicher Lcbcnsmiitel beantrage. Ebenso sollen die Führer der Reichstagssraktionen sowie der deutsche Städtetag in gleichem Sinne zum Eingreifen ausgcsvrdcrt werden. Gleichzeitig wurde die Errichtung eines KartoffelklcinverkaufS von seiten der Stadt beschlossen. Aufklärung der Italiener. Die Handelskammer schreibt uns: Das Hamburgische Kolonialinstitut Hamburg gibt Anfang November eine Schrift zur Ausklärung der Italiener heraus. Den Inhalt der Schrift bilden llcbcrsetzungcn geeigneter deutscher Zeitungsartikel über politische und wirtschastlichc Vorgänge seit Beginn des Krieges. Sie enthält etwa 16 Seiten außer 8 Seiten in Tiefdruck hcrqcstelltcr Abbildungen nach Photo- gram,nen sDrnckjpicgel 30 : 22 Zentimeter). Das Hamburgische Kolonialamt ist bereit, die Schrift deutschen Firmen zum geringen Preise von 10 Psg. pro Stück (ausschließlich Postgeld) zwecks llebcrsendnng an (jjeschästssreunbe i» Italien zur Verfügung zu stelle». Wir geben anheim, sich direkt mit dem H a m b n r g i - scheu K o l o n i a l i n st i t u t, Nachrichtenstelle, Hamburg 3 6, in Verbindung setzen zu wollen. Die neue Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige ist am 1. Oktober in Kraft getreten. Die Entschädigung für Versäumnis von Zeit betrug bisher für Zeugen 10 Psg. bis 1 Mk. für jede angesangenc Stunde. Dieser Satz wird aus 20 Psg. bis 1,o0 Mark erhöht. Die Frage, ob eine Versäumnis des Erwerbs durch die Zeugenschaft eingetrclcn ist. soll jetzt nach freiem Ermessen beurteilt und dabei die Lebcnsvcrhältnisse und die regelniäßige Er- wcrbStätigkcit des Zeugen berücksichtigt werden. Auch die Sachverständigen erhalten eine höhere Entschädigung. Sie betrug bisher 2 Mk. für jede angesangenc Stunde. In Zukunft geht „c bis 3 Mk. Liegt eine besondere Leistung der Sachverständigen vor, io kann der Satz bis aus sechs Mark für jede angcsangene Stunde erhöht werden. Bisher durften höchstens zehn Stunden in Ansatz gebracht werden. Diese Einschränkung ist aufgehoben. Besteht für eine bestimmte Leistung ein üblicher Preis, so wird dieser den Sachverständigen auf Antrag gewährt. Für eine Teilnahme an TerS mincn erhält aber der Sachverständige nur die gesetzliche Gebühr. In bürgerlichen sslechtsstreitigkeiten können die Parteien sich vor Gericht zu einer bestimmten Vergütung des Sachverständigen verpflichten. Tiefe Vergütung wird dann gewährt, wenn der ent- fprechepde Betrag an die Staatskasse gezahlt worben ist. Die Rcise- cntschädignng für jeden angcfangenen Kilometer des Hin- und Rückweges wird von 5 aus 10 Pfg. erhöht, wenn nicht die wirklichen Kosten zu gewähren sind Für bas erste Nebernachten wurden bisher bis zu 5 Mark für jede weitere Nacht bis zu 3 Mark gewährt. Künftig gehen diese Sätze bis zu 7,50 Mark und 4,50 Mark. Oeffent- liche Beamte erhalten die Vergütungen wie siir ihre Dienstreisen als Zeuge und Sachverständige, wenn ihr Erscheinen vor Gericht durch ihr Amt bedingt. Warnungen. ES liegt Veranlassung vor, daraus hinznwcisen, daß Besuche von Angehörigen bei den in, Felde stehenden Truppen ans militärischen Gründen nicht ziigelasscn werden können. Reisen, die zu diesem Zweck in das Operationsgebiet unternommen werden, sind daher vergeblich und sühren daher zu einer schmerzlichen Enttäuschung. Es muß deshalb dringend vor ihnen gewarnt iverden. — Es ist zur Zeit aus mililärischcn Gründen nicht möglich, die Benutzung von gewerblichen Unternehmungen im In- und Auslände für die Vermittelung des Brief- und Tclcgranimvcrkchrs zwischen Deutschland und dem feindlichen sowie dem neutralen Anslande zuznlasse». Inserate dieses Inhalts find unzulässig. Das Publikum wird ans diesem Grunde gewarnt, mit gewerbsmäßigen Korrespvndenzvernlitliern, hinter welchen sich häufig auch nnlauterc Persönlichkeiten verbergen mögen, in Verbindung zu treten. — Das Gtsaiigkuenlagce auf dem Trieb ist nun fcrtiggcstcllt. Es bedeckt ein riesiges Viereck von mindestens 150 000 Quadratmeter». Eine große Anzahl Hallen sind errichtet, die ein Bretterverschlag umschließt. Die Herstellungskosten erreichen eine fabelhafte Höhe: man fpricht von 1'/- Millionen Mark. — Bereits vor 6 Wochen ivar die Ankunft einer großen Zahl Gefangener angc- kiindigt; cs war bereits Brot dafür gebacken worden. Allein es sind bis jetzt noch keine eingetrosscn. Wenigstens finden sic, wenn sie kommen, ordentlich hergcrichicte Unterkunft. Es iviirde aber auch nichts schaden, wenn sic überhaupt ausblicbcn und lieber der Krieg zu Ende ginge, was allgemein gewünscht wird. In dem Falle würde man nichts dagegen haben, wenn die Kosten für das Lagxr umsonst aufgewendet worden wären. — Ein Gesangenentransport französischer oder belgischer Gefangener fuhr gestern durch Gießen. Es waren meistens SanitätS- ieutc, die nach Ohrdruf gebracht iverden sollen. Eine Anzahl Zivilisten, die bei diefem Transport ivare», wurden hier behalten. — Man kann oft bemerken, daß das Publikum sich oft fast die Beine ausläuft, ui» die Gefangenen zn sehen und dann werden die Leuten angestarrt, als ob cs sich um Wundertiere handelle. In anderen Städten ist bei Ankunft Gefangener sogar gejohlt und qegröhlt worden. Das ist höchst ungehörig und für die jedenfalls in keiner beneidenswerten Situation befindlichen Gefangenen beleidigend und niederdrückend. Diese haben so wenig Schuld am Kriege wie wir und haben ihn sicher so wenig gewollt. Man soll deshalb mit ihnen anständig verfahren und ihr Los soviel als möglich zu erleichtern suchen, nicht aber sie verspotten und verhöhnen. Wenn größere Trupps ankommcn, wird jedenfalls die Polizei derartige Ausschreitungen verhüten. Aber jeder, der Anspruch daraus macht,, Anstand zu besitzen, wird von selber die Leute nicht belästigen. — Die Musterung des unausgcbildctcn Landsturms lpit l>e-. gvim-en. Zu stellen l>al«en sich: Montag, den 20. Oktober 1914, vormittags 8 Uhr, im Saal bau Cafä Leib lWalltorftraße 38)1 in Gießen für di« in den Jahren 1894 bis einschließlich 1885 g>c- boroneu LandsliirrmipfkichtiMn aus den Oiemciiidcu Leihgestern, Lich mit Hof Allbarh, ColnHairsen und Miihljachjen, Lindensdrrech, Lollar. Londorf, Lumda, Mainzlair, Münster, Muischenhcim nrit Hos-Güll, Nieder-Bessiii>g«n, Nomionvotch, Obbornhofen, Ober-Bessin gen, Ober- Hörgern, Odcnha-uifcn mit Appenborn, Oppenrod, Qneckbarn, Rabertshausen mit Ringelshause«. Reinharvshain, ReiMrchrn, Rod- hcim mit Hof Graß, Rädchen, Röthges, Rüddingshauscn, Rutctrs- hansen mit Kirchberg, Saasen mit Bollnlbach, Beitsberg und Wir- bcrg, Stangenrod, Stauf«n>berg mit Frbodolhansen, Stciwbach, Steinheim, Stockhaufen, Trais-Horloff, Treis a. d. Lda., Trohe,' Utphe, Villiwgenj. Watzenborn mtt Steinbeixi. Weickartshain,; Weitershain, Wiefeck. — Vom städtische» Wasserwerk. Ans dem Bericht des städlifchen Wasserwerks für das Rechnungsjahr 1018 ist folgendes zu ont- iiehmen: Der Erguß der Quellen bei Großen-Bufcck und im Stadt- waldc, sowie di« Förderung der Pumpstation Qireckborn hat Inr Rechnungsjahre 1913/14 gegen das Vorjahr um 39 826 »nbi'k-- metcr — 2,20 Prozent ziigenoimnen. Die Rlchrabgabe von Wasser an Private lietrug 36 055 Kubikmeter — 2,66 Prozent; der sogenannte Verltift berechnet sich imi 23 030 Kubikmeter — 9,55 Prozent niedriger als der des Vorjahres. Die stärkste Abgabe in vierund- zwanzig Stunden belnig 7149 Ktchiknicier, die geringste 3139 Kubikmeter. — Die Länge des Hauptrohrnetzes und der Zubringerlcitungen betrug am Schlüsse des Jahres 94 398 Meier mit 3261 Kirbikmoder Rauminhalt: cs iraren 13 öffentliche Ventil» brminen, 2351 Haus- und Gartouanschlüsie und 354 Straßen-^ htzdraiiten, davon 63 Ql»erfl»rhydrant>cn an die WasierleiNing an- geschloffen. Das Dorf Queckborn. das bekanntlich Wasser von der. Stadt Gießen unentgeltlich erhä-lt, zählt 124 Hauöanschlüsse, ^ 3 Ventilbrnnnen nnd 13 Hydranten. Tie Arbeitsleistung der vier Pumpmajchinen in Queckborn berechnet sich auf II 648 Stunden, die durchschnittliche Arbeitsleistung für de» Beniebstag ivar 328,48 Millionen Kilogramm Meter. Der Kohlenverbraul, für 1 Wasser- Pferdestärke betrug 1,16 Kilogramm. — Das Wasser wurde wieder laufend chemisch und bakteriologisch »»tersiicht. es war immer, von einwandfreier Beschaffenheit. Das wirtschisilichc Ergebnis ist wieder zufriedenstellend, der Reingewinn von 54 261,96 R!ark ist um 23 261,96 Mark höher als im Boranfchlag vorgesehen. D:r Bt-utdo- gcwinn beträgt 150540,51 Mark. Tie Schuld des Wasserwerks be-- trug am 1. April 1914 1422 716,59 Mark gegen 1280 238,93 Mark am 1. April 1913. — Der Betriebsleiter der städtischen Straßenbahn. Herr Ingenieur Karl Schmitz, ist ani 14. Oktober an den im Felde cr-- haltenen Wunden gestorben. Er ivar als ReservcleuNiant mit dem Infanterie-Regiment Nr. 115 int Felde. Seitdem nufer« Straßenbahn in ZKlricb ist, hat Schmitz die Leitmia derfclbcn. Bon der Arbeiterschaft in, Elcktrigilätswcrk war er als wohlwollender Vorgesetzter sehr geschätzt, es konnte nie Klage geführt werden, daß er Arbeiter ungerecht behandelt hätte. Kreis Metzlar. h. Zur Kartosfelsragc. Ter Wetzlgrer Bnrgcrnieifter gibt bekannt, daß voreilige Kardoffeleiukäus« nicht geniacht werden sollen, da die Negierung m Kürze Höchstprersc scstfctzcn ivcrdc, nachdem die durch städtische 21ehördcn scftgcsetzten nichts gefruchtiet haben. Er bezeichnet die jetzigen Preis« als jeder Beschreibung spottend; ferne bisherigen Bemühungen, durch die Stadt größere Mengen Kartoffeln preiswert zn beschaffen, seien vergeblich gewesen. Das ist der wahre Patriotismus uiisorer Agrarier. Festznskellen ist jedenfalls, daß der neue Bürgern«iiter in Wetzlar ernstlich bemüht ist, den Ledensmttlelwnckzcr von der hiesigen Einwohnerschaft fern zu halten nnd das muß anerkannt werden. Möge er darin fest bleiben und «in steifes Rückgrat lwi den Stadtvätern darin finden. h. Kricacopscr. Rach den Verlustlisten h»tt der kleine Kreis Altenkirchm bis jetzt bereits 344 BaterlandsVerteidiger zu beklagen. Darnitter befinden sich viele Tote und Schwerverletzte. Vereinskalender. Sonntag, 2 5. Oktober. Gießen. Fabrikarbeiter-Verband. Nachmittags 3 l'hr Versammlung im Gewerkschaftshaus. Alle Mitglieder erscheinen! Mon tag, 2 6. Oktober. Gießen. Holzarbeiter. Abends nach AvbeitSschluß im Gewerdschaftshans Mitglicdervevsainmlims. Das Erscheinen jedes Kollegen ist Pflicht. Telegramme. Der französische Bericht. Der letzte amtliche französische Kriegsbericht, der m später Nacht in Gynf ausgegeben wurde, bereitet die öffentliche Meinung allmählich auf eine Katastrophe vor. Er spricht von furchtbaren Kämpfen zwischen der Meeresküste und BassSe, die deutscherseits mit überlegenen Kräften unternommen wurde, schweigt aber über Erfolge. Er erwähnt lediglich wichtige Positionen, die von den Verbündeten trotzdem behauptet wurden. Ueber Bordeaux wird gemeldet: Der Feftungskomman- dant von Calais hat die polizeiliche und militärische Absperrung von Calais angeordnct. Der Zivilbevölkerung wurde eine Frist von sechs Tagen zum Verlassen des Fest- ungsgebietcs gestellt. Italienischer Bericht. Nach Mailand wird gemeldet: Die Schlacht in Flandern dauert an, nachdem die Deutschen bedeutende Verstärkungen erhalten haben und auf drei Fronten sehr heftig kämpfen. Auch die Reiterei, welche sich in dem durch den Wasserlaus durchzogenen Gelände schwer bewegen kann, sitzt ab, stellt Schützengräben her und kämpft mit dem Karabiner. Die Belgier stehen bei Dixmuiden, die Engländer und Franzosen an anderen Punkten. In der Richtung auf Menin schieben sich Kräfte der Verbündeten in das von den Deutschen besetzte Gebiet weit vor. (Das ist eine gefährliche Sache für die Verbündeten. D. R.) Die meisten Ortschaften an diesem Fluh, beispielsweise das wiederholt in den französischen Berichten genannte Warneton, sind halb belgisch, halb französisch. Die Leiden der Beschossenen. Lille hat sehr unter der Beschießung gelitten, wenn mau der Pariser Presse glauben darf. Ta» Rathaus und die Mauritius- kirche sollen schwer beschädigt sein. Viele Paläste des Zentrums sollen in Trümmern liegen. Auch Arras soll wiederum beschossen werden. Beide Türme der Kathedrale sollen zerstört sein. Viel« Dörfer der Umgebung von Lille wurden durch die Beschießung von beiden Seiten zerstört^ Neue Niederlagen der Russen! Gegen 5000 Gefangene. Wien, 23. .Lkt. (W .B.) Amtlich wird perlautbart: 23. Oktober, mittags: Während gestern In der Schlacht süd-, sich von Przcmysl hauptsächlich unsere gegen die feindlichen Stützpunkte entsandte schwere Artillerie das Wort hatte, ent- iuickcltc sich heute ein heftiger Kampf am unteren San, wo inir den Gegner an mehreren Punkten auf das westliche User übergehen liehen, nm ihn nngrcifcn und schlagen zu können. Dir übcrgegangcnen russischen Kräfte sind bereits dicht an den Fluh gcprch t. Bei Zarzecze machten wir über 10 0 0 Gefangene. Teile unseres Heeres erschienen nberaschcnd vor Jwangorod, schlugen zwei feindliche Divisionen und nahmen 3 6 0 0 Ru s s e n gcsangcn, erbeuteten eine Fahne und fünfzehn M a s ch i n e n g c w c h r c. Bei der Rückkehr von einer erfolgreichen Aktion an der Save stich unser Fluhmonitor „Tcmcs" auf eine seindliche Mine und sank. Von der Besatzung werden 33 Personen vcrmiht, die übrigen wurden gerettet. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Generalmajor. Der Kampf um Lemberg. Die Russen, die ursprünglich ihre Truppen bis auf eine kleine Besatzung aus Lemberg zurückgezogen hatten, warfen nach dem Entsatz von Przemysl durch die k. k. Armee außerordentliche Verstärkungen nach Lemberg. Gegenwärtig liegen dort 80 000 Mann. Tag und Nacht arbeiten sie an den Befestigungen der Stadt. Die Bevölkerung wird zur ' Mitarbeit bei der Errichtung von Schützengräbeir und sonstigen Schanzanlagen gezwungen. Die anfangs milde Behandlung der Bewohner ist einem rücksichtloscrev Regime gewichen. Es fehlt an Nahrungsmitteln. Die Raubanfülle mehren sich allabendlich. Die Russen wollen Lemberg um jeden Preis halten. Verfolgung der Deutschen in England. Danscnde verhaftet. Aus Amsterdam wird der Franks. Ztg. geschrieben: Tie Absicht, die di« Engländer in der letzten Zeit mit ihrer ganz besonders auffällig betriebenen Tpionenriecherei verfolgten, liegt nun klar zu Tage. Es ist eine Verschleppung der in England wohnenden Deutschen i>n di« noch vom Burenkrieg her übel berüchtigten Köngen traftonslager geplant. Nach der Tailp News werden von, Minister des Innern zivar fcin-e Mitteilungen über diese Angelegenheit an die Presse gemacht, es fanden darüber jedoch Miuisterratssitznugen statt, in denen Mac Kenn« sich mit dem Premiermtn.istcr besprach. Man glaubt, daß sich die Maßregel auf alle Männer im Alter von 17 bis 45 Fahren erstrecke. Fn Manchester wurden die Verhaftungen mit großer Strenge durchgeführt. Die Zahl der dort Fcstgonoinmencn beträgt einige Hn«° dlrt, die der Fcstgcnlomnienen rm ganzen Lande beläuft sich ans Tausende. Ain späten Nachmittag operierte eine kleine Armee von (tzehcimpolizisten in der Innenstadt von Manchester, die die Leute direkt von den Geschäften weg verhaftete, was naturgemäß große Sensation erregte, denn die meisten dieser Leute wären bekannt« Persönlichkeiten. Mancher hervorragende Mann der Handelswelt wurde von den Verfügungen der Regierung betroffen, so große Aktionßesiver und Leiter wichtiger Unternehmungen. Man nahm die Verhaftungen gegen Abend vor, da die PoUgei nach Möglichkeit Aussehen vermeiden wollte. Bei keiner der Verhaftungen wurt« der Polizei Widerstand entgegengesetzt. Eine große Anzahl der Vcat- hafdungen wurde durch die dseomanry und durch die Polizei von Rcadlng. vorgcnommen. Alle Häuser wurden durchsucht, von denen bekannt war, daß sie von Deutschs» gemietet waren oder Deutschen gehörten. lieber die Vorgänge veröfsentlicht Reuter aus London noch folgendes: Der augenfällige Mißbrauch, den, verschiedene Deutschs, die in Frankreich und Belgien gewohnt haben, trieben, indeni sie als deutsche Spione sich unter die belgischen Flüchtlinge mischte«, hat bei dein englischen Publikum große Entrüstung hervorgernseit. Die Polizei Keß nun alle Deutschen und Oestcrreichcr, die imstande sind, Waffen zu tragen, in gut eingerichtet- Konzen tratiou s - lagcr bringen, d. h. nur wenn es besonders gefährliche Personen sind. Ungefähr 100 wurden in den letzten Tagen verhaftet. Die Behörden von London zeigen sich ungewöhnlich tätig und sie suchen ganz speziell nach den Deutschen, die die Erlaubnis haben, Bars oder Kaffeehäuser zu halten. Wieder ein englisches Unterseeboot gesunken? London, 23. Okt. (W. B. Nichtamtlich.) Tie britische Admiralität gibt bekannt, das: das britische Unterseeboot „E 3" beträchtlich überfällig ist. Man befürchtet, daß es in der Nordsee gesunken ist. Die Sperrung der Nordsee. Stockholm, 23. Okt. (Ctr. Frkft.) Hiesige fachmännische Kreise neigen nicht zu der Ansicht, daß die englische Admiralität sich den auf sehe »erregen den Vorschlag der Times, die Nordsee von Schweden bis Calais z» blockiere», zu eigen machen wird. Aus strategischen Gründen hält man den Plan für versehlt. iveil er geradezu die denisch« Flotte zu Uobersällcn hcraussordere, zudem verstoße eine Sperrung der Nordsee — von einer KIlstenblockade könne man nicht reden — gegen das Völkerrecht. Astonbladet verweist ans die eudgegenstehenSen Bestimmringen der Haager Konvention rm-d der Sccrechtsbcklaration von London. Di« hiesigen Handelskrise sichen dem englischen Vorschlag. Lessen Verwirklichung eine schwere Hemmung des nordische» Handels bedeuten würde, selbstverständlich ablehnend gegenslber. Nene Erfolge des Kreuzers „Karlsruhe" Dreizehn englische Dampfer versenkt! London, 23. Okt. (W. B. Nichtamtlich.) Das Reuterschc Bureau meldet aus Las Palmas: Ter deutsche Dampfer „Crcfcld" ist in Teucrisfa cingclauscu mit den Mannschaften von dreizehn britischen Dampfern an Bord, die der deutsche Kreuzer „Karlsruhe" im Atlantik versenkt hat. Die Gc- samttonnagc der versenkten Dampfer beläuft sich aus 60 W Tonnen. Schlechte Stimmung in London. London, 23. Okt. (W. B. Nichtamtlich.) Der militärische arbeiter der Morning Post schreibt: Während die Stimmung y Parts optimistisch bleibt, heißt es. die Stimmung in London fe niedergedrückt. Die deutschen Kriegsnachrichten behaupt I dies und einige Londoner Blätter schein«» ziigustimnien. Tie »en, scheinen zu glauben, daß wir sicher genug wären, weil den Deutschs, nichts Entscheidendes gelungen ist. Das ist eine gefährliche Sty, fassung. Den Verbündeten ist ebensowenig etwas Entscl-eidechq gelungen. Die Deutschen bleibe» im Besitz fast ganz Belgiensunj eines Teiles von Frankreich. Die Lage ist nicht danach angetz^ I zu jubeln, es ist nun »gebracht. über den Feind zu ivitzeln wt f seine militärische Kraft und seinen Mut zu unterschätzen. — J«, ; Verfasser des Artikels polemisiert ohne Namen zu nemiep. geg, i den militärischen Mitarbeiter der Times, der gesagt hat, daß zeq Drittel der jetzt im Felde stehenden deutschen Truppen zweiten «« dritten Ranges seien, mehr oder weniger ankgebildet und bis, 45 Fahren alt. Der Mitarbeiter der Monüngpost sagt: TatsäiW.l wurden alle diese Truppen der zweiten und dritten Linie früh, unter den Fahnen ausgebildet. lieber di« Hälfte davon ist nnch, scheiglich 32 Fahre oder jünger. Man sagt uns. wir sollten diq Truppen rächt überschätzen, die Jugend der Tcrvitoriaksoldatcn «t, sc rer beiden Armeen würde die Mängel der Arusbftdung ersetze,. Wir sollten also unsere Trnppn« tns Feld schicken, bevor sie vvlls an »gebildet sind, gegen deutsche Trtippen, deren Wert nicht gen, bekannt ist. Der Aus-gang werde zeigen, iver am besten abschweiS, würde. Die Morningpost sagt: Es wäre vm Sport. Aber ein Krig zumal mit Deutschland, ist keim Sport. Das Risiko fsir sisisi Glrtckspiele ist gtt groß. Die Verteidigung von Tsingtau. Rotterdam, 23. Okt. (Ctr. Bln.) Die Festung Tsiugtz» ist von zwei japanischen Kriegsschiften und dem englische Linienschiff „Triumph" bis heute ohne Erfolg beschossen woi den. Am 14. Oftober wurde dabei das Oberdeck de „Triuniph" durch einen schweren Hanbitzentreffer durck schlagen. Das detftsche Kanonenboot „Jaguar" ist leicht bl schädigt worden. 32 500 entwasfnete Belgier in Holland. Amsterdam, 23. Okt. (tftr. Frkft.) Der Nieuwe Rotterdmirfi Couran-t meldet ans Ternenzen: Noch gestern wurden hit ziemlich große Trupps von internierten Soldaten durchgesiihrt. B zum 21. Oktober stn-d hier 32505 internierte Soldat« durchgekommen, darunter 360 k>ffisvcre. Englands Gewaltherrschaft über Aegypten. London, 23. Oft. (Ctr. Frkft.) Die ägyptische Regierun befahl den in den Häfen des Suezkanals liegenden deut scheu und österreichischen Schiffen ab zu fahren, wodurch sie den englischen Kaperschiffe ausgclicfert werden. Die englische Regierung leih den hiesigen Vertretern ausländischer Staaten diese Mas regel unter dem Ansdruck ihrer Billigung mit. Städtischer Wohuuugsnachweis Gießen Es find zu vermieten: t Wohnung von 7 Zimmern evcntl. mit Mansarde, t Bohnu» von 5 Ziminern und 1 Mansardenzimmer, 1 Wohnung von 5 Zir i mern, 2 Wohnungen von 4 Zimmern, 1 Wohnung von 4—5 Sir mern, 3 Wohnungen von 3 Zimmer», 2 Wohnungen von 2 Zir mern, t Wohnung von 1—2 Zimcmrn, 1 Lager- ober Fabrikranr 9 möblierte Zimmer, davon 2 nebeneinander liegende. Zu mieten gesucht: 20 Wohnungen von 2—5 Ztmemrn, 1 Wohnung von 3- Zimmcrn mit kl. Lager. Bekanntmachung. 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Die Gefangenen wurden hauptsächlich bei Miseren Ausfällen ge- ,nacht. Merkwürdigerivcise sind viele von ihnen wahnsinnig. Ti« Forts haben garmcht gelitten. In ein Fort schlugen 250 Volltreffer «in, sie blieben aber ganz wirkungslos. Jn einen entlegenen, schwach besetzten Infanterie-Stützpunkt waren Russen cin- gedrinigen. Unsere Besatzung, etwa hundert Mann, wehrte sich verzweifelt mit Bajonetten und Gcivehrkolbcn, bis Hilfe kam. Sämtliche Russen, sofern sie noch nicht niedergemacht waren, wurden gefangen. Tie Belagerungsarniee zählt« siius Korps, zumeist Truppen, die hauptsächlich ans den Aelagerungskampf gedrillt sind. Am 8. Oktober ließ die Heftigkeit der Angriffe nach. Die Truppen wurden zurückgezogen, aber von den Nuferen energisch verfolgt. Ter Rückzug vieler russischer Abteilungen geschah sluchtartig. Die Lsfensiv« unserer Hauptarnice war so wirksam, dass Przemysl nunmehr entsetzt ist. Rirr an der Lstfroni demoitstrieren noch russische Gruppen, wahrscheinlich um den Abzug zu verschleiern und zu decken. Die Gelagerima von Verdun. Der Londoner Daily Telegraph meldet aus Tt. Louis, dort sei ei» drahtloses deutsches Tilegromi» eingctrosscn. wonach die Belagerung von Verdun gute Fortschritte inachr. Verschiedene Forts seien bereits genommen, die übrigen stünden vor der Ucbergabc. Diese Meldung findet aber in Cnglnnd und Frankreich keine» Glauben. Ter Rottcrdamcr Korrespondent der Daily Mail meldet, die Deutschen entsalten an der May große Atlivität. Die deutschen „Verschwörer" in Marokko. Berlin, 22. Okt. sW. B. Amtlich.) Durch amtliche Erniittluu- g«n ist di« Nachricht bestätigt worden, daß ein« Anzahl von in Marokko lebenden Deutschen in Casablanca wegen angeblicher Verschwörung gegen das französisch« Protektorat vor ein Kriegsgericht gestellt wurden. Es handelt sich um folgende Deutsche: Karl Ficke, Kratc, Brandt, Mar Witt, Waetgcn, Foennics Seyfert, Rehkorn, Mohn, Grundier, Geysen, Dobbcrt, Bazlen. Tic Vertretung der deutschen Fntercffen in Marokko nehmen die Vereinigten Staaten von Amerika wahr. Speziell in Casablanca vertritt sie mangels eines ourerikanischeu Lstrussboantten der dortige italienische Konsul. Die amerikanischen und italiemschen Behörden treten nachdrücklich für unfeve bedrohten Landsleute ein. Ti« deutsche Negierung hat alle Schritte getan, um den Sachverhalt cnrfzuklären und den rn französischer Gewalt befindliche» Deutschen jede irgendivie mögliche Unterstützung zukommen zu lasten. Die französische Regierung ist davon in Kenntnis gesetzt worden, das, die deutsche Regierung für jedes widerrechtliche Vorgehen gegen die aitgeschnidlgteii Deutschen inderrjicksichislosesten Weise Rechen schaftforüern werde. Repressalien gegen Frankreich nnd England auch in Oesterreich-Ungarn. Budapest, 22. Okt. (Ctr. Frkft.) Um den feindseligen Akten Frankreichs und Englands gegen das reichsdentsche und österreichisch-ungarische Kapital, soweit dasselbe in Eng- land oder Frankreich investiert oder von dort abhängig ist, zu begegnen, wurde in einer gestern abgehaltenen Minister- bcsprcchung über die gegen Frankreich und England zu ergreifenden Wirtschafts- und finanzpolitischen Retorsionen beschlossen, entsprechende Repressalien demnächst im Verord- pungswege in Kraft treten zu lassen. Eine gute Antwort. Das Rcuterschc Bureau meldet aus Konsianiinopcl vom 19. Oktober: Auf die britische Vorstellung über die fortgesetzte Anwesenheit deutscher M a n n s ch a f t c n auf türkischen Kriegsschiffen hat die Pforte end- züliig erwidert, das, dies eine innere Angelegenheit sei. Unruhen in Portugal. Halbamtlich wirb gemeldet: In der letzten Nacht erlitten Ciscn- Mtm und Telegraphen Verbindungen durch Sabotage eine zeilwcilige SjjMwfl. Sie wurden aber bald wieder lwrgcstcllt Augen- oncknch herrscht wieder Ordnung, außer in Braganza und Mafra. Erhebmigen »ersucht wurden, die aber schnell untcrdriickt wur- Ein« Bande Ausständischer, die von Masra auszog, wird jetzt von Trupps verfolgt. Der sriihere Oberst Adrian» Bcca sckzeint «w Haupt der mißlungenen Erhebung zu sei». Er wurde in braganza sespgenommen. Tven Hedin über Deutschla»«d. Der schwedische Forschungsreiscnde Sven Hedin, der sich an der Deutschen Front iin Westen befindet, sendete am 5. d. einem Freunde einen Brief, den das Sydcvenska Tagbladct veröffentlicht. Hedin schreibt, daß er vom ersten Tage an nicht einen Augenblick an dem Ausgang des Krieges zweifelte. Nachdem er mit eigenen Augen so viel gesehen und sich ganz nn Mittelpunkt der Geschehnisse befinde, verstehe er klarer als jemals, das; das deutsche Volk, das für seine Existenz kämpft, siegen mutz. Es finde eine Völkerwanderung der Germanen, die für das eigene Dasein, ihre Zukunft und ihre Grötzc kämpfen, gegen Westen statt, wie sie die Welt nie gesehen hat. Von der entgegengesetzten Richtung, von der Front gegen Deutschland, gehe auch ein gewaltiger Strom, das seien die Verwundeten und auch die Gefangenen. Er habe gesehen, wie die Gefangenen behandelt werden, und habe mit mehreren hundert französischen Gefangenen gesprochen. Diese sprechen ausnahmslos mit Dankbarkeit von der milden und humanen Behandlung, die sie geniesten. Tic erhalten die gleiche kräftige warme Nahrung wie die Deutschen. Hedin lebt das ritterliche Verhalten der Deutschen hervor. Teutsch- mnd würde nicht eine Kugel über die Grenze gesendet haben. Den» es nicht gegen seinen Willen dazu gezwungen worden Hedin rät den neutralen Staaten, die Zcitungs- Meldungen kritisch zu lesen, da die Welt nie so ungeheure i-"gen gesehen, wie sie jetzt über Deutschland verbreitet wer- den. Hedin könne bei seiner Ehre beteuern, datz der Kaiser z»m Aenherstcn alle Mitel anwcndcte, um den Krieg zu vermeiden. Amerikanischer Protest ftegen England. Washington, 22. Okt. (SB. B. Nichtamtlich.) Die Presse erörtert lebhaft die Beschlagnahme des Standard-Oil-Schiffes „Brindilla" durch einen britischen Kreuzer. — Tie'Ncwhorker Zeitung American spricht von der Wahrscheinlichkeit eines heftigen Protestes. — Tie Washington Post schreibt: Ti neutrale Schiffahrt der Unionstaaten, die Ladungen der uei. trc-len Staaten übermittelt, ist nach dem Völkerrecht ein Liecht der Neutralen und von der Untersuchung nnd Beschlagnahme befreit. Ta die Unionstaaten mit allen Nationen Freundschaft halten, würde nian Geduld üben, wenn fremde Kriegsschiffe versehentlich amerikanische Rechte beeinträchtigen. Aber wir können nicht dulden, wenn irgend eine Nation das Recht beansprucht, Schiffe mit Cargos für neutrale Häsen ohne Verbindung mit den kriegfübrcndcn Nationen 311 bc lästigen, zu durchsuchen und zu beschlagnahmen. tSfjina und Japan. Zürich, 22. Okt. (Ctr. Frfii.) Die chinesische Regierung verharrt auf den, Standpunkt, datz die Besetzung der Scharr tung- ba h n durch Japa n und di« Beschlagnahme d-es gesainten deutschen Eigentums m der Provinz Schantung eine schwere Verletzung der Neutralität Ehinas bedeute. Tie Nachricht aus Washington, daß A ni crika diesen Standpunkt teile, i*u in Japan Eindruck geinacht. Japan verflicht, die anrerikanischc Regierung zu überzeugen, das; die Station W ei sie» der Schau tu ngbahn ein« Proviantbasts der Deutschen sei. Viele Amerikaner sind Miteigentümer der von den Japanern besetzten Bergwerke jn Schap- tltNg. Im Hause des Jammers. In dem Gebäude der Kriegsschule in Berlin hat das Kriegs Ministerium die Zentralstelle für Auskünfte über Verwundete und Vermißte unlcrgcbracht. Die langen Fronte» des roten Ziegel- banes sind mit Verlustlisten beklebt, deren Lektüre unausgesetzt eine dichtgedrängte Menge sich angelegen sei» läßt. Fast Tag für Tag dieselben Gesichter — mit airgstcrslllltcn Mienen werden die langen Listen studiert, man will wissen, ob der Gatte, der Vater, der Bruder nicht etwa verwundet, vermißt oder gar ein Opfer des Todes auf dem Schlachtfeld geworden ist. Mau sicht nur tiefernste bekümmerte Gesichter und auch der tcilirahmlosc Straßcnpassant wird ernst, wenn er durch diese Mcnschenmasscn sich durchdrangcn mutz. Aber ernster noch wird bas Bild, wenn man in das Gebäude eingctrcteu ist und die prächtige Freitreppe erklommen Hai. Papp- tafcln mit der Aufschrift: „Zur AnskunftSstellc" zeigen den Weg, der in einen großen Saal mündet, der sonst wohl bestimmt ist, Lehrzwcckcii zu dienen. Hier sind lange Tafeln anernander- gcschobcn, hinter denen Beamte des Kriegsministeriums ihres Amtes wallen. Nicht wie sonst: preußisch-schneidig, sondern teilnehmend-gefühlvoll. Vor diesen Tischen drängt sich unausgesetzt eine dichte Menge. In halblautem Tone werden die Anfragen gestellt, auf eine» Zettel geschrieben imd zur Fcstftcllung weiterge- gcbcn. Ein Stabsarzt erkundigt sich nach dem Schicksal seines Bruders, ein junges blondes Weib, in deren Antlitz Schmerz und Kummer deutliche Spuren gezogen haben, will wissen, wo ihr vor vier Wochen als verwundet gemeldeter Mann geblieben ist. Neugierig ängstlich um sich blickend, schmiegen sich zwei Kinder an die Mutter an. Des Fragens ist kein Ende. Bange Erwartung, Furcht und Hosfnnng spiegeln sich in den Gesichtern derer, die, aus lange» Stuhlreihen sitzend, der Antwort harren. Die Minuten werden zur Ewigkeit — diese bange Qual der Ungewißheit! Endlich werden Namen aufgcrufeu. Tie Frau mit den beiden Kindern tritt vor, ihre Augen leuchten auf vor Freude, ihr Mann lebt, er liegt schwerverwuudet in einem ihr näher bezeichnctcn Lazarett. Instinktiv, wie zu Gebet, falten die Kinder die Hände und die Gruppe drängt dem Ausgang zu. Plötzlich gellt ein Aufschrei durch den Saal. Hilfsbereite Hände stutzen eine Frau, sic erhielt die Auskunft, ihr Mann sei tot. Man geleitet sic sorgsam nach einem Stuhl, Diener stürzen herbei sie bringen Wasser. „Mein armer Mann", „meine armen Kinder" — schluchzend stößt es die bedauernswerte Frau hervor. Tief ergriffen sind die Umstehenden, kein Auge bleibt trocken. — Auf einer der hintersten Stuhlrcihen sitzt ein altes bäuerliches Ehepaar. Ter Mann hält die Hand der Fron in der seinigen. Tie beiden alten Leute weinen still vor sich hin, den Sohn, der ihnen eine Stütze sein soll, haben sic verloren. Kaleidoskopartig wechseln die Bilder. Tie meisten Besucher verlassen enttäuscht nnd doch noch von einem Hoffnungsstrahl beseelt die Halle: „Das Regiment hat noch nichts gemeldet." Auch uns ward eine negative Auskunft, und erschüttert kehrten wir diesem zum grause des Jammers gewordenen Gebäude den Rücken. Die deutschen Unterseeboote. Die Tut des deutschen Untersceboctcs, das das englische chiff „Gliira" vor der norwegischen Küste versenkt hat, er- regt in der Presse großes Aufsehen. Ter norwegische Admiral Börrisscn schreibt in; Morgcnbladet: Es ist, als befinde sich alles in einer Verwandlung. Jn London erörtert man ernsthaft die Notwendigkeit, sich auf den Schutz gegen deutsche Luftbataillone über London vor- zuberciten. Die Taten des deutschen Kreuzers „Emden" sind groß, stellen aber nicht eine neue Methode dar. Alle alten Begriffe geraten ins Wanken. Welche Fernblicke eröffnet nicht die Tat des deutschen Unterseeboots? Die Kreuzer müssen mit Volldampf verschwinden, sobald er aufschnellt. Das Unterseeboot war 60(1 Tonnen groß. Es würde keine Schwierigkeiten machen, viel größere mit einem größeren Aktionsradius zu bauen. Wie können die englischen Kreuzer Englands Handel und Verbindungen über See gegen diele „Pest", wie die Times sie nennen, beschützen? Die Times erhalten ein Telegramm über Angriffe zweier deutscher Unterseeboote auf zwei britische Kanonenboote, die in ein Gefecht mit deutschen KUstcnbattcricn an der französischen Küste verwickelt waren. Englische Torpcdooboote kamen zu Hilfe, sodaß die deutschen Unterseeboote sich znrückziehen mußten. Dcntschenverfolgttna in England. W. 15. London, 23. Okt. (Nichtanitlich.) Tie Polizei hat gestern 120 Deutsche und Oesterreicher verhaftet und sie in das Militärlager gebracht. Jn Brighton forderte die Polizei die anwesenden Deutschen und Ocsterrcicher ans, die Stadt binnen einiger Tage zu verlassen. Infolge der Campagne der Jingopresse hat eine große Anzahl bekannter Hotels alle deutschen und österreichischen Angestellten ent- lassen, darunter den Stellvertreter und Geschäftsführer des Hotels Earlton Ritz. Tie Beute von Taunenberg. Rotterdam. 23 Okt. Der Kriegsberichterstatter des Nieuwe Rotierdaidsche Courant, der das Schlachtfeld in Ostpreußen besucht hat, schreibt, daß die Beute von Tairncnbcrg so gewaltig gewesen sei, daß die Deutschen 1820 Güterwagen brauchten, «m sic sorizu- schasfen. Amerikanischer Protest gegen England. Aus Washington lvird über London telegraphiert: Der Staatssekretär des Auswärtigen, Brqan, teilt mit, daß die Bereinigten Staaten gegen die von einem englischen Kriegsschiss vorgenommene Beschlagnabrne des ainerckanischeu Petwscuindampsers „I. T. Rocke« scllcr" Protest eingelegt haben. Tie Presse zur Landtagssitznng. Zu der gestrigen preußischen KricgStagung sagt das Berliner Tageblatt: lieber die praktisch« Seit« der Tagung hinaus ragt die «inmiitig« Bekrutdung zum Siege. Jn beide.» Häusern fand sic ein stürmisches Echo. Als im Abgeordnetenhaus« der Präsident zum Schluß seiner Anssprache das Volk in Waisen und seinen Kriegsherrn lwchlcbcn ließ, dnrchbranstc vielleicht zmn erstrnmole im preußischen Parl.rrnem ein donnerndes Hurra das ganze Haus, dem sich auch die äußerste Linke nicht verschloß. Im Berliner Lokalanzciger heißt es: Wie am !. August im Reichstage, so ist gestern in, preußischen Landtage vor aller Welt dargekan worden, daß Volk nnd Volksvertretung geschlossen hinter der Regierung stehen und daß wir bereit sind, ohne «in Wimpcrnzuckcn auä> die größten Opfer zu bringen, um die Feinde ringsum nicdcrzuringcn und dann weiter, um die Wunden, zu hcileit, die der Krieg geschlagen hat. Jn der Vossi scheu Zeitung schreibt der Abgeordnete Pachnrckc: Von neuem hat sich deutscher Opfermut nnd Sicgesnülle glänzend offenbart. Gcn>attig nur die Summe, die das Staatö- ministerium forderte, unge,vöhnlich die Vollmacht, die es beanspruchte. Aber die Volksvertretung gewährt« beides in dcr Ueber- zcngitng von dcr dringerrden Notwendigkeit, hier im großeli Etil« zu Helsen. Die Tägliche Nuitdschau wünscht, das; di« Krast tmier- ländischcr Gesinnung auch bei der im nächsten Jahre notivcndigen, vielleicht längeren Tagung des Parlaments anhAt und selbst bei dcr Erörtcrirng von Einzel fragen eine verftündni sbeveite Vcrkehrs- fvrm zwischen den einzelnen Parteien zeitigt, iiccf) der sich der bessere Teil des Volkes von jeher gesehnt habe. Ob die Beknndnng dcr Eozialdeniokraten an, Platze gewesen sei, darüber könne man streiten. Jedenfalls seien die sozialdemokrakisck»eri Wünsche leidenschaftlos und in sachlicher Form vor- gctragen ivordcn. Andererseits iväre die Wirkung dcr Sitzung ohne das Sonüerverhaldeir der Sozialdemokraten ,mch außen hin von poch größerer, moralischer Durchschlagskraft gewesen. In der Post liest man: Die Wünsche der Genossen, die, wem, sic ernstlich zur Erörterung gestanden lchtten, nur geeignet' gewesen wären, den heiligen Burgfrieden unter den Parteien zu gefährden, ivurdcn vom Hause mit eisigem Schweigen eurdgiegengewo-mmeu. Tie N cu c st e u Nachrichten äußern: Wiederum kommt der Treitwnnngsstrich, die Brrrchstclle, die Scheidelinie: die Sozialdemokratie. Ganz sicher ist gcstcrn kein Aula ß Vorstände» geivcsen, daß die Sozialdemokratie sich gegen die Gesamtheit der bürgerlichen Parteien zu stellen, oder stimm» ngsmocheird von ihr abzumeicheil nötig gehabt hätte. Revisioi« der Geiioisin Luxemburg vertvorfcn. Vor dem Reichsgericht in Leipzig wurde cm Donnerstag über die Revision verhandelt, die Genossin Luxemburg gegen das auf ein Jahr Gefängnis lautende Urteil der Frankfurter Strafkammer eingelegt hatte. Die Revision wurde verworfen und damit ist das Urteil, das so großes Aufsehen erregt hatte, rechtskräftig geworden. Bleibt Portugal neutral? W. R. London, 23. Okt. Daily Chronicle meldet: Tie kürzlich umlaufenden Gerüchte von einer bevorstehenden Einmischung Portugals in die kriegerischen Ereignisse sind unbegründet. Die Schlacht bei Nieupoort. W. R Amsterdam, 23. Oki. Tklcgraaf meldet aus Sluid vom 21. Oktober: Viele Häuser in Ronssclaer siche» in Brand. Ei» Teil der Einwohner ist gcflllchtrt. Tic Dcuischc» beschießen Nicn- poort, das von den Verbündeten bcseßt ist, von Mariakccrkcn bei Ostende aus. Tie Verbündete» aniworien 00 m Lande und von den englischen Kriegsschiffen aus, die bisher aus dcr Höhe von Nicu- poori stehend, sich jetzt Ostende genähert haben. Vom Damme bei Ostende aus kann man den Geschützkampf beobachten. Takatschio das Opfer eines deutschen Torpedo. T. U. Berlin, 23. Oki. AuS Shanghai wird über Rotterdam gemeldet: Sicherem Vernehmen nach ist der japanische Kreuzer „Takatschio" vor Tsingtau nicht ans eine Mine gelaufen, sondern durch den Angriff des deutschcii Torpedobootes „8 !M>" vernichtet worden. Das Torpedoboot wurde nach dem Angriff 60 Seemeilen südlich von Tsingtau auf den Strand gesetzt nnd gesprengt. Die Mannschaft ist gerettet. !lizesbttilht lies Grche» SllHtliUrtierS. Erfolgreiche deutsche Angriffe im Westen. Nnsffsche Angriffe im Osten abgewiesen. W. B. Großes Haiipiquariier, 23. Oki, vormitiagS. sAmilich.) Ap> N s c r k a n a l wurden gestern Erfolge errungen. Südlich D! x m u i d c n sind unsere Truppen vorgcgangen. Westlich Lille waren unsere Angriffe erfolgreich. Wir sctzien uns in den Besitz mehrerer Orischasicn. Auf der übrigen Front des Westhecres herrschte im wesentlichen Ruhe. Im O st c n wurden russische Angriffe In der Gegend von A u g u st 0 w zurückgeschlagcn und dabei mehrere Maschinengewehre erbeutet. Vom südöstlichen Kriegsschauplätze liegen »och keine abschließenden Meldungen vor. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & Eie., Gießen. Druck: Verlag Osscnbachcr Abendblatt, E. m. b.H., Ofsenbach a.M. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen. Es können eingestellt werden: a) Sei hiesigen Arbeitgebern: 2 Bauschlosser, 1 Schmied, 1 Küfer, 1 Müller, 1 Bäcker, 1 Schuhmacher, 1 Schneider, 1 Fnhrknccht, landwirtschaftliche Arbeiter, 2 Dienstmädchen. b> bei auswärtigen Arbeitgebern: 5 Eüendrcher, 1 Müller, 1 Metzger, 1 Glaser, 1 Schuhmacher, landwirtschaftliche Arbeiter und Knechte, Drainagcarbeitcr, Erdarbeiter, Maurer. Zimmcrleute, Bctonarbciter, Taglöhner. Lehrlinge: 1 Schuhmachcrlehrling. Es suchen Arbeit: 2 Schmiede, 1 Installateur, 8 Schlosser, 2 Spengler, 3 Bnch- binder, 3 Polsterer und Tapezierer, 7 Schreiner, 1 Glaser, 2 Schuhmacher, 3 Schneider. 3 Weißbinder und Lackierer, 1 Stukkateur 5 Kaufleutc, Schreiber, landwirtschaftliche Arbeiter und Knechte, Erdarbeiter, Taglöhner. Kellner, Hausburschcn, Putz-, Wasch- und Lauffrauen: Mädchen zur Erlernung der Haushaltung. Lehrlinge: 1 Schloffcrlchrling, 1 Glaserlchrliinv_ Reichb-iIsigeS Lager in Gold- und Silberware«. Lieierant de» Konsum - Bnein» Gseßen » Uuig. und des Eisenbahn-Konsumverein?. — Man verlange Rabattmarken., I.Kllliliiikli.Gietzeis Marktplatz II. Uhrmacher und Golbarbeiter. Todes - Anzeige. Nach langer schwerer, mit grosser Geduld ertragener Krankheit starb in der chirurgischen Klinik zu Giessen mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel Carl Häuser XI. im Alter von 39 Jahren, was wir Verwandten, Freunden und Bekannten tiefbetrübt mitteilen. Steinberg, den 22. Oktober 1914. 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