!< —V Stil 8. Organ für die Interessen des der Provinz Oberheffcn und werktätigen Volkes der Nachbargebiete. ie vbcrbcllftche BolkSzettun» erlcheint leben Werftag Abend tn Redaktion und auft, oula imij «, iS» wirf* littr. Ilern Seift* ciber, iftner. n jut :ii4« .ftfide, 8<9« \t.9- j W »g gilt' r«t- ^ negssteuer ans den Vermögens- Zuwachs. I Gegen den sozialdemokratische» Vorschlag, die Reichsvcr- I genszuwachsstcucr für die Kriegszeit aus Ist» Prozent zu cr- cn, sodaft also der gesamte aus Ausbeutung der Kriegsnot cnt- ideue Kapltalgcwinn wieder an die Allgemeinheit zurückflösic, idct sich eine süddeutsche Korrespondenz mit folgenden Ansrungen: „Daft die sür Deutschland cventl. notwendig werdenden »iricgsstcncrn lediglich durch eine B c s i v st c n c r aufgebracht I icrdcp könnte», ist vollständig ausgeschlossen, selbst ivenn man I lese Steuer — wie dies in einem Teil der Presse vorgeschlagen I nrd — auf 100 Prozent des Vermögenszu wachses wäh- I end der Kricgszeit bemessen wollte, stiege» einen derartigen I ila» sprechen so schwerwiegende finanzpolitische, volkswirtschast- I ichc und sogar stcnertcchnischc Bedenken, daft er ernstlich nicht in I ietracht kommen kann. Gegebenenfalls würde cs sich zweifellos I m eine Kombination von Besivstcucru, Verb r a u ch s - I euer» und B e r k c h r s st e n e r » Handel», deren Gcl- > angsdauer aber zeitlich ziemlich eng beschränkt wurde. Während ■ ämlich England wie Japan in ihren Kriegen auf eine aus- > eichende Kriegskosten-Entschädigung verzichten muftten , hat D Deutschland alle Aussicht, auch in diesem Weltkriege eine weit- I ehcnde Barcntschädiguna durchzusetzen." In diesen Betrachtungen äuftcrt sich zwar ein starkes Miftbe- cn gegen unser» Vorschlag, aber cs fehlt jede Beweisführung :n ihn. „Finanzpolitische, vvlkswirtschaftlichc und sogar steuer- nischc Bedenken", das sind Worte und weiter nichts. Steuer- > nisch ist die Frage, wie wir bereits gezeigt haben, durch das I ehcnde Gesetz vollkommen gelöst. In finanzpolitischer Bc- I ung entspricht der Vorschlag dcni Grundsatz der Leistung durch I Leistungsfähigen in vollkommener Weise. Volkswirtschaftlich I c cs aber geradezu ungeheuerlich, Verbrauch und V c r - I r zu belasten, um diejenigen, die aus der Äricgsnot Ver- I zensvorteile gewonnen haben, zu ent lasten. I Daft unser Vorschlag in den weitesten Kreisen Verständnis und c Zustimmung gefunden hat, zeigt u. a. eine Zuschrift, die der gdeburgcr Volksstimnic dazu zngcgangcu ist. Darin heiftt cs: „Mit Ihrem heutige» Leitartikel haben Sie sehr vielen, oclchc sonst vielleicht nickt auf dem Standpunkt Ihrer Zeitung liehen, aus der Seele gesprochen. Hoffentlich sorgen Sic sür Verbreitung dieses Artikels in alle» deutschen ft l ä t t c r n , so daft die Rcichsrcgicr » n g der öffentlichen vlcinung Rechnung tragen muft und in der nächsten Session eine Abänderung des betreffenden Gesetzes in dem von Ihnen angeregte» Sinne cinbringt. Wenn man im geschäftlichen Lebe» zur jetzigen Zeit sicht und stört, welche Niefensummen und Austrägc zn ganz enormem Preise uerqrbe» werden, welche Riesciivcrdicnste einzelnen, und säst I i immer ichon ohnehin sehr groften Firme» znsallcn, während der i »leine Kaiijman». Fabrikant oder Handwerker dasür gar nicht »1 >n „rage kommt, so kann man Ihre Forderung und deren Bercch- Itz>>gnag voll »nd ganz verstehen. Es bleibt der Armccverwaltnng H natürlich nichts anderes übrig, als da es sich um schnellste Liese- W ^ ""ftbsstdelt, die gröftien und leistungssähigstcn Firmen zu bc- m ' ""Nchligen, aber wo das ganze deutsche Volk so enorme Qpfer > "» st'Ut and Blut bringt, kann man auch verlangen, daft sich diese M qrotzen Häuser nicht aus Kosten des Staates und der Aligemcin- ■ lieft Riesenoerdienstc verschaffen. > »autcnde von kleinen Handwerkern, Kansleutc» nsw. sehen > tck gezwungen, da sie ins Feld muftten, ihre Geschäfte vollständig ■ tutzugeben, Frauen und Kinder der Rot überlassend, wenn sie ■ juniaromnien — vielleicht gar nicht oder als Krüppel — müssen ■ ic ganz von vor» ansangcn und sich alles neu ausbauen. Nie I »and bat gemurrt, jeder ist für Kaiser und Vaterland ausge- I »flc», aber bitter und wehe müfttc diesen Leuten nach Beeidigung > "Sieges zuniute werden, wenn sie sehen sollten, daft andere ■ ii dieser schweren Zeit, wo sic an der Grenze und in Fcindcs- and Rot und Tod kennen gelernt haben, an diesen selben Armeen kicsenvermögen verdient haben. a.an» kommt noch ein? dazu. Vielfach hört mau heute, ivenn tan mit Leuten spricht, welche mit der Armeeverwaltung arbci- ?n. das; sie nicht mitbrauchcn, da die Firma als Armeelieferant itig sei. Auf diese Art und Weise kommen eine ganze Anzahl I cei, die Verdienste fallen alio auch noch zum groften Teil Leuten In, welche bisher absolut noch nichts fürs Vaterland getan haben. >us allen diesen Gründen würden Sie üch ein lehr groftcs Ver- iknst erwerbe», wen» Sie immer wieder in Ihrer Partei die ngcregte Forderung stellen." Auch ans iinsercni Leserkreis find uns zustimmcndc Acuftr- gen zugegangcn. Es wird besonders aus die gewaltigen Gene der Lcderhändlcr. Militärcfsckten und Militärklcidcrfabrikcn zeiviesen, denen vielfach nicht einmal anständige Löhne für die 'öfter gcgcnüberstchcn. Konze»,traiion zur Riesenschlacht. London, 13. Okt. (W.B. Nichtamtlich.) Tie Morning- st meldet aus Petersburg: Hier werde» augenblieklich die Utgsoperationeu in Rußland völlig gebcini gehalten. Tie vre konzentrieren sich zu einer Riesenschlacht, deren Ilm* •fl alles übertreffen wird, was bisher gekannt wurde. Es ’ er , tvahrscheinlich noch eine Woche, bis lltachrichten von deutung zu erwarten sind. Nussische Niederlage in Persien. Konstantinopcl. 14. Qkt. (W. B. Nichtamtlich ) Jkdam cr- > von unterrichteter Seite, daft die persisch-kurdischen Stämme 'fts den dritten Angriff aus die Rüsten unternommen haben, ic wurden geschlagen. Die Kurden eroberten zwei Kanonen und men drei Lssiziere gefangen, ungesäbr äst Rnsten sielen. Die Ner Lrricg. -irr- "tlv Stadt Itrinin, wohin sich die rusfischcn Truppcnabteiiungcn slüchteten, ist voll von Verwundeten. Die Kurden sollen sich Urmia auf zwei Wegstunden genähert haben. Tic englische Getvaltlierrschnst in Aegvpteir. Konstantinopcl, 13. Okt. (Etr. Frkst.) England fährt in Aegypten ans dein Wege krasser Gesetzcsveracbtnng fort. Mir Zustimmung des vollkommen in englischen Händen befindlichen Regenten hat England unter der Form von Schatzbons eine Anleihe von 8 Millionen Pfund zu Subsidien sür Baum- ivollpslanzer aufgeiiommen; 5 Millionen sind hiervon durch die englische Regierung garantiert. Nach dem ägyptischen Staatsgrundgesetz kann Aegypten eine Anleihe nur mit Zu- siiiiimung des Sultans nusnehmen, aber diese ist in dem vorliegenden Fall nicht eingeholt worden. And Indien. Wien, 14. Skt. (W. B. Nichtamtlich.) Tic Südslawische Korrespondenz meldet aus Konstantinopel: Auf Grund von Meldungen türkischer Blätter in Teheran berichtet die Zeitung Scheine aus Aschabad in Indien, daft der Sohn des Emirs von Afghanistan mit einer Armee die i» d i s ch c G r c » z e angrifssweise überschritten habe. — Das gleiche Blatt meldet aus Timla: Das Erscheinen des Kreuzers „Enidcn" vor Madras ries eine groftc Bewegung unter der dortigen nationalistischen Partei hervor. Gegen englische Beamten wurden Attentate verübt, als deren Veranlasser Angehörige der indischen llnabhängigkcitsparici, der stärksten revolutionären Vereinigung Indiens, bezeichnet werde». Unter den kriegerischen Sikhs in Nordinbien ist eine revolutionäre Bewegung ausgebrochen. Die bedeutendste Zeitung „Sikhlandcswl Khalsa Gazctt ist von der Regierung unterdrückt worden. — Hinsichtlich der Uebersührung indischer Truppe» auf europäische Kriegsschauplätze wird erklärt, daft hierfür in erster Linie die Besorgnis maftgebend war, die Truppe» könnten bei einer möglichen Aufstandsbewcgung eine bedenkliche Rolle spielen. Tie indische» Hilfstrnppen. Glcrtf, 13. Okt. (Etr. Frkft.) Außer den Ende September in Marseille cingetrosfenen Hindus, deren Zahl etwa 20 000 beträgt lind die mit der siidfranzöstschen Bahn an die englische Front befördert wurden, erwartet man die sofortige Ankunft weiterer 30 000. In Marseille ist ständig ein englischer Generalstab stationiert. Tas Easino de la Plage wurde z» diesem Zweck auf drei Jahre gemietet zur Einrich- tung eines Gcneralquartiers, dem speziell die Organisierung asiatischer tinb afrikanischer Truppentransporte obliegt. Tie Kanadier. Paris, 14. Okt. (IV. B. Nichtamtlich.) Dem Temps wird auS Montreal gcnicldct, daft die Stärke des kanadischen Frciivilligen- korps aus vier Dvppelkonipaguicn mit cinein Radfahrerkorps festgesetzt sei. Die Stadt Quebec werde ein Panzcrautv mit einem Schnellfei,ergeschntz stellen. Ta«! nntzlückliche Land. Tie Norddeutsche Allgemeine Zeitung schließt ihre Mit- teilungen über die mit der Neutralität Belgiens unvereinbaren Abmachungen von 1000 mit den Worten: „Sie (die Mitteilungen) mögen dem belgischen Volk die Augen öffnen, wem es die Katastrophe zu danken hat, die jetzt über das u n g ! ü ck l i di c Land hereingcbrochen ist." In gleichem Sinne läßt sich der offiziöse Berliner Lokal- ouzeiger vernehmen: „Roch zittert die Freude über den schnellen Fall Antwerpens in unseren Herzen nach, aber unsere Gefühle gegen den niftcr- , legenen Feind haben sich gewandelt. Kein Zweifel, anfangs, als die belgischen Franktireurs wild wider uns ausbcgchrte», cr- saftle uns grimmer Zorn, jetzt ist an seine Stelle lediglich Mitleid getreten." Tiefe Aeußerung-m des Mitgefühls haben jedoch das Mißfallen der alldeutschen Presse erregt. So schreibt die Tagt. Rundschau „Wir zitiere» das nur, uni dagegen zu protestieren, daft jeiuand schvu jetzt den Versuch macht, anstatt der deutschen Sache gegen Belgien die belgische Sache gegen Deutschland zu sühren. Das wäre ein neuer Qucrtreiber- versuch bedenklichster Art. Die Nation muft sich dergleichen an der Schwelle verbitten." Die Post will sogar im kleinen Belgien den Hauptfeind erblicken. Sie meint: „Gerade den Belgiern gegenüber wäre jede Nachsicht und überzarte Rücksichtnahme gründlich verfehlt. Sic haben die gebotene Friedenshand mit Hohngespött zurückgewiescu, so mögen sie nun auch die Stärke unserer Faust s ü h l e u. Es fehlt merkwürdigerweise hierzulande ja nicht au Versuchen, die Belgier jetzt nach dem Fall Antwerpens möglichst weift zu waschen." Wir sind gewiß, daß die Empfindungen des deutschen Volkes, in dessen Namen zu sprechen die alldeutschen Blätter wohl nicht bevollmächtigt sind, in diesem Falle mit den Aeußcrungen der Regienmgsvresse übereinstimmen. Das Ele>ld der Zivilbcvölkernilg. In der sozialdemokratischen Presse sind zahllose Feldpostbriefe veröffentlicht worden, die das Erbarmen ihrer Verfasser mit der vom Kriege betroffenen Zivilbevölkerung lebhaft zum Ausdruck bringen. Taß solche Enipfindungen echter Menschlichkeit indessen nicht nur aus die der Sozial- demokratie »ahestehende» Kriegsteilnehmer beschränkt,» sou- dcrn ganz allgemein sind, zeigt ein Brief eines süddeutschen Artillerieoffiziers, den die konservative Krenzzeitung ver- ösfcntlicht. Darin heißt es: „Mitleid crfaftt einen immer wieder, wenn man die unglücklichen Bewohner einer überbclcgtcn und ansiouragicrlen Qrt- schast erblickt. So lange wir hier sind, werden sic teilweise durch unsere Leute initgcsüttcrt. und das wird voraussichtlich geschehen, so lange auf weiteren Durchmärschcii deutsche Truppen hier Quarticr beziehen. Was aber dann? Und ist es nicht ein iammervollcS Los und Dasein, im eigenen Lande so der Gnade des Feindes ansgclicsert zn sein und mit den Brosamen vorlieb nehmen zu müssen, die von seiner Tafel absallcn, gedeckt mit den eigenen Feld- und Gartensrüchtcn und beseht mit dem Braten vom eigenen Vieh der französischen Bauern! Möge der Herr» gvtt unser Vaterland in Gnaden bewahren, ein solches Elend je wieder auskosten zu müssen." Dnrckz die Bcrwendung von Millionenheeren und die Vergrößerung des Kriegsschauplatzes ist naturgemäß di-' Verwüstung durch den Kampf viel riesenhafter, die Menge der durch den Krieg in Elend geratenen Nichtkämpfer viel gewaltiger geworden als je zuvor. Das ist der Weltkrieg, er ist um nichts weniger schrecklich, als ihn die Phantasie des Romanschreibers geschildert hat. Die Erinnerung an ihn wird für die Völker eine ewige Mahnung zum Frieden sein! Gin Wort an italienische Arbeiter. Das Zentralorgan der italienische» schäften, die Confederazionc del Lavoro, hatte ebenfalls in besonders ausfälligem Druck die Anschuldigungen der scindliche» Presse über angebliche deutsche Grausamkeiten veröffentlicht und zwar unter der schönen Ueberschrift: „Teutonische Kultur und Zivilisation". Taranshin richtete der italienische Sekretär in Karlsruhe, Lnigi Bossi, ein Schreiben an die Eonsederazione del Lavoro, in dem er u. a. auSfiiljrt: Wenn Ihr wieder einmal Urteile abgcben wollt über Dinge, die Ihr nicht persönlich untersuchen könnt, dann achtet ivcnigstcns ans die elcincntarsten Grundsätze jeglicher Rechtspflege, d. h. hö r t auch d e n A n g c k l a g t e n. Wenn die bürgerlichen Zeitungen Italiens unbesehen alle Lügen, die ans Frankreich und England kommen, weiterverbreiten, so ist das schlieftlich zn erklären, wenn auch nicht zu entschuldigen. Aber niemals dürfte sich ein Arbeiterblatt und noch dazu ein solches, das, wie das Eure sozusagen an der Spitze der Arbeiterbewegung Eures Landes marschiert, zu gleichem Tun hergcben. Denn cs ist eine i n f a in c Lüge, wenn behauptet wird, die deutschen Soldaten hätten Weiber und Kinder vor sich hergetricbeu. Woraus schöpft Ihr übrigens Eure Kenntnis der Tinge? Doch mahl nur aus den Meidungen der Agene Havas und der sranzösischcii Zeitungen. Warum lest Ihr nicht auch die deutschen Zeitungen? Sind denn die deutschen amtlichen Meldungen und Erklärungen vielleicht weniger glaubhaft als die obenerwähnten Quellen? Bis jetzt hat sich immer noch gezeigt, daft die deutschen Meldungen unbedingtes Vertrauen verdienen, sehr im Gegensatz zu den iranzösischen. Und auch jene infame Bc- schuldigungen, die Ihr in Eurem Artikel wiederholt, sind schon längst auf ihren wahren Wert zurückgeführt worden. Weiterhin möchte ich Euch fragen, warum Ihr in Euren» Artikel die Meldungen verschweigt, daft die Neutralität Belgiens durch die Franzosen schon verletzt war, ehe noch ein deutscher Soldat die Grenze überschritten hatte? Und warum sagt Ihr nicht, daft die scharfen Maftnahmcn des deutschen Heeres in Belgien nur einzig und allein durch das m c u ch c l m ö r d c r i- k ch e Verhalten der dortigen Bevölkerung provoziert worden ist? Ist es vielleicht lateinische Kultur, wenn sanatisterte Weiber den hilflosen Verwundeten die Augen ausstechen? Und soll ich Euch schildern, wie die Franzosen in Elsaft- Lothringen gehaust haben in der kurzen Zeit, die sie auf deutschcw Boden waren? In gleichem Sinne hat auch ein Vorstandsmitglied dis deutschen Bauarbeiterverbandcs ein Schreiben an den Vorsitzenden des italienischen Verbandes gerichtet. Hoffen wir, daß hiernach wenigstens die italienischen Arbeiter der Gerechtigkeit Gehör schenken. Traurig genug bleibt es aber, bemerkt die Franks. Ztg. dazu, wie in einer Zeit, in der Deutschland „sein Alles freudig setzt an seine Ehre", die Welt jede gehässige Verleumdung des deutschen Namens begierig ausgreift und weiterverbreitet. Gerechtigkeit für Alle — nur nicht für das angegriffene Deutschland! (^ine Llircrkcnttung aus neutralem Munde. Mehrere schweizer A e r z t e besuchten vor kurzem unter Führung des Nationalrats Rcgierungsrat Walter die Freiburger Militärlazarette. Nach ihrer Rück- kehr sandten sie an den kommandierenden General des 11. Armeekorps in Freiburg ein Dankschreiben. Nach dem Dank für die Ausnahme,^ die sie gefunden haben und nach warmen Worten der Anerkennung für das Gesehene heißt es in dem Schreiben: „Mit ganz besonderer Freude haben wir auch gesehen, wie ausgezeichnet die zahlreichen verwundeten F r a n z o i c » verpflegt und behandelt werde». Alle Franzosen, mit Renen wir sprachen uub denen wir sagten, dass wir Schweizer seien, haben freudig und dankbar anerkannt, daß sie in jeder 4 Richtung ganz gleich n>ic die deutschen Verwundeten behandelt würde». Was der Deutsche erhalte, das komme auch ihnen zu gut. Tie Acrztc und das Pflegepersonal erweisen ihnen stets nur Gutes und Freundliches, Alle diese Aeusscrungen, die mit unseren eigenen Wahrnehmungen übcrcinstimmen, haben uns speziell als Angehörige eines neutralen Staates ungemein sympathisch berührt und es drängt mich, Erzellenz, auch Ihnen gegenüber der Hochachtung vor diesem wahren Edelmute, der auch vor dem verwundeten Feinde nicht Halt macht, Ausdruck zu geben. Ich habe heute meinem Kollegen, Herrn Rationalrat A d o r in Gens, dem Präsidenten des internationalen Bureaus des Roten Kreuzes, meine Eindrücke beim Besuche der Freiburger Lazarette geschildert. Fch bin überzeugt, dast Herr Ador alles tun wird, um falsche Ansichten zu korrigieren und ans eine gute Behandlung der in Feindesland geratenen deutschen Verwundeten hinzuwirken." Unterzeichnet ist das Schreiben von dein Führer der Acrztc, dem obengenannten Herrn Rcgicrnngsrat Walter. Die Gewalttätiakeitc» gegen Deutsche im Auslände. Rach einer Meldung des Reuen politischen Tagesdienst teilt der Ministerialdirektor a. D. Fust zu der Ausdehnung seiner bisher aus Belgien beschränkten Tätigkeit als Rcichskommissar zur Erörterung von Gewalttätigkeiten gegen deutsche Zivilpersonen aui das gesamte icindliche Ausland folgendes mit; Jene Erörterungen erstrecken sich auf alle von Behörden, behördlichen Organen oder Privatpersonen in Feindesland verübten Gewalttätigkeiten gegen Leib, Lebe» oder Gut deutscher und österreichisch-ungarischer Zivilpersonen. Die gegen deutsche Militärpersmic» verübten Grcucldatcn werden nicht von ihm. sonder» im preußischen Kriegsministeriumi erörtert. Schadenersatzansprüche, die mit Gewalttätigkeiten obiger Art ursächlich zusammenhängen, find entweder unmittelbar bei dem Reichs- kommissar, Berlin. Wilhclmstvassc 74, schriftlich oder bei einer der an zahlreickren Orlen des Deutschen Reiches bestechenden öilfs- und Rechtsauskunftsstellen für Flüchtlinge anzubringen. Schadenersatzansprüche dagegen, die ohne einen solchen ursächlichen Zusammenhang mit Gewalttätigkeiten ans der allgemeinen Kriegslage heraus, aus Handel und Wandel, aus kausmäimischc», gewerblichen oder ionstigeu Rechtsverhältnissen geltend gemacht werden, sind, ioiveit sic sich ans Belgien beziehen, unmittelbär bei ixm Herrn Verwallungschcf heim Generalgouverneur in Belgien, Exzellenz von Sandt, in Brüssel, sür das übrige Ausland beim Auswärtigen Amt anzumelde». Ten Schadens- anmeidungen sind tunlichst vollständige Verzeichnisse oder Nach- Weisungen, der Gegenstände, auf die sie sich beziehen, beizusügen, und alle tatsächlichen Angaben so gewisscnhait zu machen, als sic cihlich crbärtct werden können. — Prcffenachrichten. nach denen die Erörterungen der Gewalttätigkeiten gegen Militär- oder Zivilpersonen zu einem gewissen Abschluss gebracht und bestimmte Summen zur Tilgung der Schadenersatzansprüche bereit- gestellt seien, entbehren der Begründung. Das gleiche gilt von allen Mitteilungen, in denen die Rückkehr nach Belgien als unbedenklich hingestellt oder gar empfohlen wird, In Wirklichkeit kann der noch wenig geklärten Verhältnisse wegen dazu nicht geraden werden. Rur solche Personen, die erhebliche Interessen persönlich wahrnehmen müssen, sollten au die Rückkehr denken. Sie müssen sich, solange ein regelmässiger Personenverkehr nacht besteht, die notwendigen Ausweise (Passagierschein «ach Belgien und Erlaubnis zur Benutzung der Militär- und Transportzüges verfchasfen. Arbeitsuchende oder Mittellose können einstweilen nur dringend vor übereilter Rückkehr gewarnt werde». Schliesslich ersucht der Reichstominissar, darauf ansmerksam zu machen, dass ihm Mittel zur Gewährung von Unterstützungen an Flüchtlinge nicht zur Verfügung steheu, Rußland als „Befreier". Die vorübergehende Besetzung eines Teiles Galiziens durch die russischen Truppen hat der russischen Regierung, wie allen jenen Kreisen, die seit Jahr und Tag die Angliederung der ruthcnischcn Gebiete Oesterreichs an Rußland forderten, den Kamm mächtig anschwellen lassen. Welch ei» Programm das offizielle Rußland — denn nur dieses ist sür diese Schritte verantwortlich — in Galizien ankündigte, geht am besten aus der Rede des russischen Gencralgouvcrnenrs in Lemberg, Graf G. A. Bobrinsky hervor, die dieser, nach den Mitteilungen der russischen Presse, anl 23. September vor einer Deputation der Zivilbevölkerung Lembergs hielt. Vor allem — erklärte er — sei daran festzuhalten, daß das östliche Galizien und Lemberg von altersher Teile des „einigen großen Rußlands" seien. Deshalb müsse die Neuordnung in diesem Gebiete ans russischen Grundlagen liegen! Er werde hier russische Sprache, russisches Gesetz, russische Ordnung einführcn. Allerdings werde diese „Reform" allmählich cingcfiihrt werden. Zunächst jedoch würden russische Gouverneure, Kreisvorstehcr und russische Polizei eingeführt werden. Ter Landtag werde überhaupt nicht einbcrufen werden; Landschasts-, Stadtverordneten- und Gemeindeversammlungen dürfen bis Ende des Krieges nicht stattfinden. Sämtliche Verbände, Vereine, Klubs usw. seien geschlossen; neue dürften nur mit Genehmigung des Gcneralgouverncurs gegründet werden! Ties alles beziehe sich auf die „alten" russischen Gebiete Ostgaliziens. Was jedoch das polnische Wcstgalizien betreffe, so würde dort — nach der „Befreiung" dieses Gebietes durch die russischen Truppen — die vom Großfürsten Nikolai Nikolajcwitsch angekiindigte Autonomie cingcfiihrt werden — allerdings nur unter der Bedingung, daß die polnische Bevölkerung den russischen Truppen uns den russischen Behörden gegenüber eine „gute Gesinnung" an den Tag legen würde! So sieht die „Befreiung" ans, die das offizielle Rußland über die Grenzen zu tragen gedenkt. Wirtschaft, krise in Rutzland. Korrespondenz Rundschau incidet über Kopenhagen: Der Verlaus der kürzlich geschlossenen Rishni-Roivgoroder Messe, die im wirtschaftlichen Leben Russlands eine wichtige Rolle spielt, Hot die ökonomische Misere des russischen Reiches offenbart. Tie Verkäufer ivarcn in bedeutender Anzahl zusammenoekommen, da die Warenvorräte dinxh die vicisach unterbundene Ausfuhr und die Abnahme des innere» Verbrauches sich angchäust haben. Tie Nachfrage hingegen erivies sich als allzu oering, und auch die wenigen Kauflustige» konnten ihren Bedarf nicht befriedigen, weil der allgemeine Geldmangel die Krcdiiverhältnisse ungünstig be- cinslusst. Besonders lag der Pelzhandel darnieder, der sonst aus der Messe von Rishiii-Rowgorod sich äusscrst lebhaft gestaltet, jetzt aber infolge der Sperre des ausländischen, insbesondere des Leipziger Absatzgebietes brachlag, 2imcrik>i, du hast es besser! Und dabei bleibt doch im eigenen Lande auch noch genug z, tun. Tenn der Krieg Ivirkt wie der höchste Schutzzoll, da e den Export aus den europäischen Staate» aufs schwersj. I hemmt und ihn für einige von ihnen so gut wie völlig unter I bindet. Tic Veruneinigung der. Staaten Europas kann leich I die wenn nicht formelle so doch faktische Gründung der Ve« I einigten Staaten von Allamerika zur Folge haben, d. h, der 1 Ucbcrgang der Weltführung von Europa au Amerika, I diesem Zusammenhang erscheint dann auch der Kampf, bcti I die europäischen Staaten untereinander uni die Wcllheir,I schaft führen, in einem etwas eigentümlichen Lichte. Zu fpät I wird man vielleicht bemerken, daß es neben den nationale« U Rivalitäten, an denen sich der Weltbrand entzündet hat, auch! noch ein sehr wichtiges gemeinsames a l le u r op ä i s chxz s Interesse gibt. Französische Nerve». Die Departements von Paris haben auf Vorschlag des Hern Paul Escudier beschlossen, bei dem Militärgouverneur vorstellig „ werde», damit Massnahmen gegen die Verbreiter falscher Nach richten getrossen werden, wie sie im Laufe der letzten Wochen i, Umlauf gesetzt wurden. Fi, den Strassen, Eafes und Verwaltung» gcbäudc» wimmelt cs von Leuten, die mit Nachrichten hereinstürze»! ivic z. B.: 1UUV0V Deutsche niit einem Schlage gefangen genowa men . . . oder . . . von Kluck zur Ergebung mit KriegsehrM bereit . . . oder . . . eine grosse Schlacht gewonnen, oder ab« niemand weis; wo nsw. Alfred Eapus von der Akademie francah schreibt im Figaro, ein hoher VcrwaltungSbcamter habe ihm g» sagt, dass eine geschickt und psychologisch gut organtsterte Spionage zur gegenwärtigen Stunde nicht besser arbeiten könne, wo unser Nerven schon derart erregt sind, daß wir bei der allergeringste, Depression zusammenbrechcn. Wir haben täglich zwei offiziell! Communiques. Sic sind nüchtern, aber ausrichtig. Wir wolle, sie sorgsam studieren und ihren Inhalt zu verstehen suchen, abo nicht darüber hinaus. Wir müssen „ns mit diesen, Halbdunkel be gnügen und unsere Nerven zu meistern suchen. In dieser Ergebun, kommt auch eine der Formen, seinen Patriotismus zu betätige« zum Ausdruck. Der Ausbruch des Weltkriegs hat auf dem amerikanischen Kontinent, in Südamerika nicht minder wie in den Vereinigten Staaten zunächst die schlimmste wirtschaftliche Verwirrung hervorgcrufcn. Aber allmählich kehrt die Ordnung zurück, und man beginnt sich darauf zu besinnen, welche gewaltigen Vorteile für Amerika aus der Lähmung der euro- peitschen. Wirtschaft zu gewinnen sind. So predigt die nord- amerikanische Presse, wie wir einem Ncwyorker Brief der Frankfurter Zeitung entnehmen, den verschiedenen Zweigen der Warenerzeugung täglich, sie sollten sich die gegenwärtige Lähmung des englischen, deutschen und französischen Handels zunutze machen und in Südamerika festen Fuß zu fassen suchen. Tie in Betracht komrncnden Länder des lateinischen Amerika verbrauchen jährlich im Ausland hergestellte Waren ini Werte von 1300 Millionen Dollar, wovon ans England 320, auf Deutschland 220 und aus Frankreich 100 Mil!, entfallen. Es müßte doch mit merkwürdigen Dingen zn- gchcn, wenn die Union ans dem Unvermögen Europas, seine Kunden z» bedienen, nicht dauernde Vorteile schöpfen könnte. In Verfolg dieser Anregung hat bereits eine „Allameri- kanische Handelskonfcrenz" in Washington stattgcfnndcn, bei der die Regierung durch mehrere Mitglieder vertreten war. Auf dieser Konferenz sind allerdings mancherlei Beschwerden gegen die Praxis des nordamcrikanischen Kapitalismus erhoben worden, so daß sich die Frankfurter Zeitung zu der oplimistischen Schlußfolgerung berechtigt glaubt, die Gefahr des Verlustes der europäischen Kundschaft sei für Europa noch nicht in greifbare Nähe gerückt. „Allerdings", fährt sie fort, „wenn der Krieg sehr lange dauern »nd sich in den Ver- kchrsvcrhältnissen keine Besserung ergeben sollte, müßte der Südamerikaner ans neue Bezugsquellen bedacht sein znid sich schließlich an die veränderten Gcschästsmethoden gewöhnen. Ter fromme Präsident der Vereinigten Staaten, Herr Wilson, betet jeden Tag zu Gott, daß der schreckliche Krieg bald enden möge. Die amerikanischen Trnstmilliardärc sind wahrscheinlich nicht weniger fromm, aber sie beten gewiß, daß der Krieg noch recht lange dauern möge. Jedenfalls tverden sie die gewaltigsten Anstrengungen machen, um wäh- rend des Krieges ihr wirtschaftliches Herrschaftsgebiet nicht nur auf Südamerika, sondern auch auf Ostasien zu erstrecke». Keine versenkten Dampfer. Nach einer Meldung der Weser-Zeitung erhielten du deutschen Reedereien eine amtliche Aufforderung des Reichs kanzleramtes, Vertreter nach Antwerpen zu senden, um di, ihnen gehörigen Schisse in Empfang zu nehmen. Die Me! oung, daß wenigstens der Lloyddampfer „Gneisenau" ver senkt worden sei, ist unrichtig. Alle Dampfer schwimmen. Der russische Kommandant gegen den F-ieischwnchcr. In W e h l a u waren die Fleischpreise auf 40 und 50 Pfg pro Pfund festgesetzt, als die Russen dort waren. Nach den konservativen Wehlauer Organ hatte ein Flcischcrmeistci 90 Pfg. für das Pfund Kalbfleisch genommen. Das halt, der russische Kommandant erfahren nnd er hatte dem Bürger mcistcr mitgeteilt: „Fch will nicht, dass, wer Geld hat, Braten isst und der Arm nicht. Es ist Vieh genug da. Setzen Tie sofort billige Fleisch preise fest und bestrafen Sie den Mann mit 25 Rubel. Wein er bis zum andern Mittag nicht bezahlt hat, lasse tch ihm all Vorräte sortnehmen und seinen Laden schlicssen." Es wurden jetzt Verkaufspreise festgesetzt, mit denen de Kommandant einverstanden war. Tie Strafe betrug 50 Ml und der Fleischcrmeistcr mußte sie nach vielem Sträube« zahlen. Einer, der von» Kriege nichts wntzte. Es gibt in Deutschland einen Menschen, der bis vor tu mp Tagen vom Weltkrieg nichts wusste. Dieser Mann ist der jährige Peter Edlbauer, der Bewirtschafter einer Baude tm SHic?tn= gebirge, aus der er das ganze Jahr in Gesellschast seiner etwa 50- jährigen Tochter lebt. Edlbauer hatte keine Ahnung von den Ereignissen der Gegenwart. Zettuitgcn liest er nicht, nnd der Brich träger, der die Einberufungsbefehle auszutragen hatte, ersparte sch den Weg ins Gebirge, weil er das Alter des Wirtschafters kann«. Dieser Tage nun erfuhr der Greis durch einen Touristen w« Krieg, Er glaubte aber den Erzählungen nicht, fuhr nach BreSl« nnd erkundigte sich bei einem Militärpvstcn, ob denn wirklich Äritj sei. Der hielt den Mann sür einen Witzbold und wies ihn barst ab. Erst später erfuhr der Wcltsremdling die Sachlage in einet Wachtstubc. Vorwärts in Belgien! In Ostende gibt man sich, wie der Vossischen Ztg. aus dem Haag berichtet wird, keiner Täuschung über die baldig Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 86 Die Ausschiffung gmg vor sich, und die ersten Tage des neuen, wilden Ansiedlerlebens vergingen Marstrand in Ver- Wirrung und Unruhe. Tic Räume des Hauses wurden mit den Kisten und Kasten, Ballen und Geräten gefüllt. Es ge- hörte eine beständige Aufmerksamkeit und Aufsicht dazu, um eine erste Sonderung und Ordnung zu erinöglichcn, aber Hclgcstad hatte für einige bewahrte nnd verständige Leute gesorgt, die imstande waren, Marstrand zu unterstützen, und dieser selbst zeigte einen jolchen Uebcrblick und solche Ruhe in seinen Anordnungen, daß bald die Tätigkeit geregelt lvard und alles nötige in Uebcrcinstimmung ausgcsührt wurde. Nach einer Woche war das Hauswesen notdürftig cinge- richtet, die Arbeiter untergebracht, das Schiff entladen, Boote für den Fischfang eingerichtet, Stellen ausgesucht, um sür d>e verschiedenen Familien Hütten zu bauen, und überall kam die Arbeit in Gang, überall war Hoffnung und Lust in den Ge- sichtern. Die Jacht hatte bedeutende Vorräte an Mehl und Lebensmitteln aller Art mitgebracht, und Marstrand teilte reichlich davon aus, ohne an Wiedererstattung zu denken. Für die erste Zeit gab es hier kein Schuldenkonto. Die Fischer inußten für sich selbst sorgen, die Holzschläger erst sich Wohn- ungen schaffen, der Gaard und sein Kramladen erst eingerichtet sein, das ganze sonderbare Uhrwerk dieses Lebens mußte erst aufgezogen werden. Mit der größten Anstrengung aller Arbeitskräfte ließ Marstrand sein Vorratshaus bauen und, was an Bäumen und Holzwerk noch nicht vorhanden war, im Walde fällen, aber er lernte dabei kennen, mit welchen Sckjwierigkciten er zu kämpfen hatte, um einen nur einigermaßen brauchbaren Zugang zu dem Felsental der Balself zu gewinnen, lieber steile Spalten niußten Brücken gebaut, ein Weg mußte angelegt, geebnet und erhöht werden, nnd oftmals erforderte es eine bedeutende Erfindungsgabe, um das Hindernis zu beseitigen, das erst nach manchen mißlungenen Versuchen verschwand. Dieser Weg zum Bergwaldc wurde nach nnd nach die Hauptaufgabe des unternehmenden Besitzers, der vom Ma- langerfjord Arbeiter kommen ließ, jeden mietete, der herbei- zuschafscn war. und namentlich nach tüchtigen Zimmerlenten nnd solchen, die von der Anlage einer Schneidemühle einige Begriffe haben konnten, nnihersuchte. Aber wie wenige Menschen dieser Art waren hier anzutreffen! Mit Mühe und nach vielen Versprechungen wurden ein paar Nordländer dazu bewogen, die sich in Lcnvig aufhielten und sich rühmten, Mühlen in Trondhjcm und im ganzen Norderamt erbaut zu haben. Als sic jedoch das Dalselftal sahen, den wilden, tiefen Strom, die jähen Wände, die abschüssigen Gründe, erklärten sie cs für unmöglich, auch nur eine Stelle aufzufinden, wo eine Mühle gebaut werden könnte. Marstrands bares Geld allein war imstande, sie dazu z» bewegen, nach seinem Willen und seiner Anweisung Hand ans Werk zu legen und den Der- such wenigstens zu wagen. Je mehr die Schwierigkeiten wuchsen, um so mehr steigerte sich die Energie des jungen Ansiedlers, obwohl steigende Sorgen nach und nach ihre schwarzen Flügel über seinem Kopfe zusanimenschlugcn. Von der frühesten Morgenstunde bis in die Nacht hinein war er geschäftig, bald bei den Ar- beiiern, die das Packhaus vollendeten, bald bei den Mühlenbauern, bald bei denen, die am Wege schafften, oder in de» Seitentälern am Fjord, wo seine Holzhauer auch tätig waren. Kam er ins Haus zurück, so erwartete ihn neue Arbeit und neue Not. Viele Menschen forderten von ihm Nahrung, Geld nnd Belehrung. Er mußte Streite schlichten, inußte Miß- vergnügte beruhigen, mußte seine wirtschaftlichen Verhältnisse ordnen nnd sollte zugleich ein Kaufmann sein, der seinen Nutzen wahrnahm nnd seine Rechenbücher zur Hand hatte. Die Berge der Halbinsel an, Ulvssord bevölkerten sich mit ziehenden Lappcnfamilicn, und das Geklingel der Renntier- glocken tönte von den Alpen, der Knall der Büchsen hallte über den Mecresarm, und abends kamen Männer in braunen > Hemden, spitze Ledermützen ans den Köpfen und Komager- an W den Beinen, die neugierig den Arbeiten zusahen und Vögel,! Rcnnticrhörncr und Felle zum Tausch gegen Pulver, SBU’i I und Messer oder gegen Zwirne und Nadeln brachten. So standen die Sachen, als zu Marstrands größte! Freude eines Tages Olaf Veigand in sein Haus trat. Wb ein Wesen höherer Art empfing er den ehrlichen, einfache» Olaf^ der seinen herzlichen Enipfang eben so herzlich erwiderte. Tic Neuigkeiten, welche er mitbrachte, waren nicht vo« besonderer Art. Hclgcstad war noch nicht zurück, der Schr«' ber führte dagegen ein unbeschränktes Regiment, das i’ allerlei Austritten Anlaß gegeben hatte. Jlda, die sonst dnrä ihre Ruhe und verständige Tüchtigkeit cinzuwirkcn wußtt hatte nur untertänige Sanftmut gegen ihren herrschsüchtigv Verlobten, der sic übermütig nnd anmaßend behandelt« Björnarne aber war ganz von ihm abhängig und Tcufelsmittel, wie Olaf sagte, ein Bursche geworden, W niemand wiederkcnnc. Um nichts kümmere er sich, öfter sei er mehrere Tage lang in die hohen Fjelder gelaufen wie ein Wilder, abgehungert und zerrissen, wieder heim-f kehrt. Es müsse ihm etwas angetan sein, ein Trank gegeb^ oder ein Hexenspruch über ihn gesprochen sein, denn j*il Augen sähen zuweilen aus, wie die eines Wahnsinnigen V* seine Glieder bebten wie im Fieber, wenn man ihn l oder ausforschen wollte. „Die einzige, die dein Schreiber ff I j Spitze bietet", berichtete Olaf weiter, „ist Hanna, und ^ Freude ist's, zu sehen, wie sie ihm sein Teil gibt, obgleich - nichts hilft. Nicht geringer ist auch ihre Liebe zu Björns Len sie zu schmeicheln und zu streicheln weiß, allein er dient cs nicht, denn je mehr sie es tut, je ungeberdiger er. In mcincnt Aerger und weil ich es nicht länger ertrag konnte, bin ich fortgelaufen, tief hinein in die Jauren beinahe um mein Leben gckomnicn." «Fortsetzung Wat.) K Sw $Dii ü»3 ^ rinen ° jjjgtert ief ° r m. vel jpild, _9 ment sä qcfiiriM !i* (?) »i ein, des inantcnl daß nie Ter gouremt piss'" j» im Seift in D 1 Wunde bloß« R der engli engt“ Bericht- Truppen franlreid Generals Verstärk) sranzäsiss scheu Ge sonnte. W. beMtii Zeppelin schisse ko Wganc die Zepp bleibe de Tee an den i wird mi nehmen i Stillen l breiten i ichützen i den, chinl asiatischen seinen Ve m Sonjti kiWnten. thmwien ichiWahn Besen u Sfiti SH ik-A 7" M ! f »et, u» h 7'I.i °"ßer j »ent t (l S' >i, ?'« fas "«jjöai) , fö" Üch | ‘"nou e,', Hi A« Sr S? ( i Ja Ankunft der Deutschen hin. Tie wohlhabenden Familien haben bereits ihr Gepäck nach Holland gesandt. Nach Meldungen aus Oostburg hat man dort am Sonntag und Mon- tag Schüsse aus der Richtung von Ostende gehört. Man glaubt allgemein, datz zwischen Brügge und Ostende heftige Lämpfe im Gange sind. Die Situation in Antwerpen. Die Verhandlungen zwischen der holländisck)cn Regier- ung und der deutschen Verwaltung von Antwerpen haben einen befriedigenden Erfolg zu verzeichnen. Die holländische Regierung wird nunmehr das Nötige zur baldigen Rück- beförderung der belgischen Flüchtlinge unter ihrer Auf- sicht veranlassen. Wie dem Berliner Tageblatt aus Antwerpen berichtet wird, ging der Wechsel vom belgischen zum deutschen Regiment schneller und leichter und viel ruhiger vor sich, als man gefürchtet hatte. Die Bevölkerung ist den Deutschen freund- lich (?) gesinnt. Bei einer Wiener Juwclenfirma traf ein Telegramni ein, des Inhalts, daß die Safes in der Antwcrpcncr Tia- mantenbörse und im Tiamantenklub ganz intakt seien und daß niemand für seinen Besitz zu fürchten brauche. Pessimismus in England. Ter Londoner Korrespondent des Nieuwe Rotterdomschc Courant schreibt, datz man in den Londoner Klubs sehr pessimistisch über die Kriegslage in Belgien und Frankreich zu sprechen beginne. Man sei allmählich von der gewaltigen Wehrkraft Deutschlands überzeugt. Ter Optimismus, der sich noch vor einigen Tagen bemerkbar gemacht habe, sei verschwunden. Antwerpen sei eben sür die Engländer mehr, als ei» bloßer Name. Die Deutschen in einer großen Hafenstadt gegenüber der englischen Küste bedeute eine P i st o l c auf die B r u st der Engländer. 'Man beginne auch, die französischen osfiziellen Berichte anzuzweiscln. Das Zuriickwcichcn der verbündeten Truppen in Nordsrankrcich beweise, daß deren Kräfte in Nord- srankrcich doch nicht so groß sind, als sie von dem französischen Gcneralstab angegeben werden. Man befürchtet, daß die deutschen Verstärkungen aus Belgien den in Nordfrankreich kämpfende» sranzöstschc» Flügel umzingeln werden und kritisiert den französische» Generalstab, der bisher noch keine Entscheidung bringen konnte. Die Zeppelinangst in England. W. 15. London, 13. Okt. (Nichtamtlich.) Tie Time? beschäftigen sich in cineni Leitartikel mit einem eventuellen Zcppclinangriff auf England. Das Blatt sagt: Falls Luftschiffe kommen, wird dies ohne die geringste Wirkung auf den Ausgang des Krieges fein. Wir wissen recht gut, wie wir die Zeppeline empfangen sollen. Das Blatt meint, Belgien bleibe der Hauptplatz der zukünftigen Operationen. Japan vertra^sbrüchig gegen England! Der Rotterdam jche Courant enthält ein Telegramm von Greg an den englischen Gesandte in Bangkok, I» diesem Telegramm wird mitgctcil«, daß zwischen England und Japan ein Einvernehmen dahin besteht, daß die japanische Aktion sich nicht über den Stillen Ozean und zwar über die chinesischen Gcwäsicr hinaus erstreiten darf, außer wen» Japan seine Schisse im Großen Ozean schützen müßte. Ebensowenig darf Japan seine Aktion westlich von dem chinesischen Meer und nicht aus srcmdcn Landbesitz aus dem asiatischen Fcstlandc außer aus deutschen richten. Japan hat also seinen Vertrag mit England gebrochen. Kranzolenausweisung aus Abessinien. Konstantinopel, 13. Okt. csbtricht öcö Grösst» Hlliisitlsilsirtiers. Weitere Erfolge im Westen und Osten. Einnahme von Lille. Tic Kathedrale von Reims. — 11 000 Russen gefangen, folgendes Telegramm des Gcneralgouvcrncurs der süüasri- laniichcn Union hat nach einer Reuter-Meldung der englische Ctaatssckrctär der Kolonien empfangen: „Seit der Entlastung des Generals Beyers als Kommandant ms siidasrikanischen Heeres zeigten sich verschiedene Tatsachen, die daraus hinauslauscn, daß unter den Truppen des Nordwcstcns der Kapprovinz Unruhen im Gange waren, die aus Befehl des Oberstleutnants Maritz entstanden. Tie Regierung beschloß, ihn von tcincin Kommando z» entheben. Major Ben Brouwcr wurde i» o»3 Lager des Obersten Maritz gesandt, um jhu zur Rechenschaft za ziehen. Doch Ben Brouwcr wurde bei seiner Ankunst durch Maritz gefangen genommen. Dann wurde Ben Brouwcr wieder in -»reiheit geletzt, aber man gab ihm ein llltimatum mit, worin gesagt wurde, daß, wen» die Regierung der südafrikanischen Union ihm lRaritzs nicht vor Sonntag, den 11., »in l(t Uhr morgens, x !5 n, ’ en gegeben hätte, und wenn nicht den Generälen Herzog, de Wet, Beyers, Kemp und Müller die Erlaubnis gegeben werde, un Lager des Maritz mit ihm zu konferieren, so werde er einen Angriss aus die Truppen des Obersten Brit »ntcrnchmen und in r Eindringen Major Ben Brouwcr erklärte, daß Maritz außer über seine eigenen Truppen noch über ein deutsches Kontingent verfüge. Außerdem hat Maritz alle Offiziere und Soldaten verhaftet, die sich weigerten, sich an die Deutschen anzujchlicßen. Ma>or Ben Brouwcr gab Kenntnis von einem Abkommen, das Maritz mit dem Gouverneur der deutschen Kolonie von Tüdwesi- asrika gctrojsc» »nd »ntcrzcichnct hatte, worin die Unabhängigkeit der Union als Republik garantiert wurde, in Tausch sür die Walfischban ^ind andere Teile des englischen Grundbesitzes, die an Dcutsch-Siidwcstasrika überlasten werden sollen ,ferner vcrpslich- tctcn sich die Deutschen, nnr dann in das Gebiet der südafrikanischen Union ciiizudriiigcn, wenn Maritz darum ersuche. Maritz behauptet, genügend Waffen, Munition und deutsches Geld zu haben. Die englische Regierung trifft die strengsten Maßregeln und wird den Belagerungszustand über ganz Südasrika verhängen." Aufruhr it» Lüd Afrika ? Neue große Verlegenheit Englands? . WB. Großes Hauptquartier, 14. Okt. Von Gent aus bcsindct sich der Feind, darunter ein Teil der Besatzung von Antwerpen, im Kligcn Rückzüge nach Westen zur Küste. ' Unsere Truppen folgen. Lille ist in unserem Besitz. 4501) Gefangene sind dort gemacht worden. Die Stadt war durch die Behörden den deutschen Truppen sisgenübcr als offen erklärt worden. Trotzdem zog der Gegner bei einem Umsastungsvcrsuch von Dünkirchen her Kräfte dorthin mit Anstrag, sich bis zum Eintrcsjcn der llnijastiingsarmcc zu l! » »i öeese natürlich nicht cintras, war die einfache Folge, »ft die zwecklos verteidigte Stadt bei der Einnahme durch unsere gruppen Schade» erlitt. . . Von der Front des Heeres ist nichts neues zu inclocii. Dicht "ft der Kathedrale von Reims find zwei schwere sranzösischc Batte- "ufgcstellt. Ferner wurden Lichtsignalc von einem Turin der Kathedrale beobachtet. ES ist selbstverständlich, daß alle unseren Truppen nachteiligen scindlichcn Maßnahmen und Streitmittel bekämpft werde» ohne Rücksicht auf die Schonung der Kathedrale. Die Franzosen tragen also jetzt, wie früher, alle Schuld daran, wenn der ehrwürdige Bai, weiter ein Opscr des Krieges wird. Aus dem östlichen Kriegsschauplätze find im Kampfe bei Schir- windt die Russen geworfen und haben 3000 Gefangene, 28 Geschütze und 12 Maschinengewehre verloren. Lqck ist wieder in »nscrcm Besitz. Bialla ist vom Feinde geräumt. Weiter südlich sind beim Zuriickwcrscn der russische» Vor- truppcn aus Warschau 8000 Gefangene und 25 Geschütze erbeutet worden. Hessen und Nachbargebiete. Gies;e» und Umgebung. Tie Gtmeiinlützigcn Bmwcreiiic und der Krieq. Auf dem, am Sonntag i-i Gustavs bürg abgehaltencn diesjährigen Verbands tag der hessischen gemeinnützigen Bauveretiie behandelt« Laiiüesivohmingoinspektor Grctzschel-Tarmftadt das Thema „Die gemeiiinüvigcil Bauvercine uiid der Krieg". Er führte ». a. aus: „Jeder, der die llVeiuunge» und Strömungen im öffentlichen Leben zu beobachten Gelegenheit hatte, weiß, daß in den letzten Jahren der sozialpolitische Sinn in Deutschland stark im Abnahmen begriffen war, daß sich sogar eine ausgesprochene und direkte Gegnerschaft gegen di« Fortsetzung der fc-cutfriKK Sozialpolitik bveit- machtc. Ter große Lehrmeister Krieg hat dici« Leute hinwcggcfegt. Er führte eindringlich vor Augen, ivie besonders nötig cs das deutsche Volk hat, ein starkes und gesundes Geschlecht hcranzuziehen. Jetzt ist wohl jedermauu überzeugt, daß in überfüllten und gesundheitlich nicht einivandfrciei, Wohnräumen ein solches Goschleckit nicht erwachsen kann. Jeder fühlt heute wohl mehr als je, daß in solchkii Wohnungen auch die Vaterlandsliebe und HeimatSliebc nicht gedeihen kann. Und damit vergleiche man die Meinungen And Iliitcrlastuiigcn, denen man vor dem Kriege vielfach begegnet ist! Eö ist noch kaum ein Vierteljahr her. daß der Gemeinderat einer ländlichen Gemeinde die Bürg schaftsübernahm c sür eine zu gründende Baugruostenfchaft ablehnte mit der Begründung ». a.. es bestehe sonst Gefahr, daß viele Kinder in die Gemeinde kämen, wenn man ärmeren Familien die Beschaffung eines kleinen Eigenheims crlcichkcre, solche Fomikkrn sollten forlgchen, wenn sie am Orte kein« ausreichende Wohnung finden könnten!! Die Wohnungsfrage besteht sür kinderreiche Familien stets. Ta muß der Staat ein- greifen. Es darf nicht mehr Vorkommen, daß solche Familien von einer Wohnung zur anderen gejagt werden. Keinesfalls aber bei Bauvcreinen. Diese müstcii in der jetzigen schwierigen Zeit vor allem ans di« Ansrcchterhaltung eines geregelten Geschäftsbetriebs bedacht sein. Wo der Krieg Lücken in den Aufsichtsrat gebracht hat. müsten diese ausgefüllt werden, sofern die Beschlußfähigkeit behindert worden ist. Tie Ergänzung nimmt man unter dem ausdrücklichen Vorbehalt vor, datz die Zuwahl nur solange gilt bis der bisherige Inhaber des Amts zurückgekehrt ist. Der Vorstand muß ans alle Fälle vollzählig sein, tbn ergänzt man am besten aus Mitgliedern des Anssichtsrais. Von besonderer Wichtigkeit ist die Frage des Berhältnistes zu den Mieten, und Käufern von Ge- „osteiifchaftSwohnuiigcn. Das Mietezablen ist eine selbstverständliche Pflicht, andererseits muß aber auch die schuldige Rücksicht obwalten gegenüber den im Felde stehenden oder aus Ansatz des Kriegs arbeitslos geworbenen Familienvätern. Da? Mietestunden genügt in der Regel nicht, denn der .Heimkehrende wurde dann einen, Berg von Schulden gegcnübertretcn. In Fällen zweifelsfreier Bedürftigkeit sollte man die Miete einfach erlösten, oder an Stelle des bedürftigen Schuldners die Zinsen zahlen. Das werden freilich nur wenige Genossenschaften können. Wohl aber ein tcil- ivciscr Erlaß der Miete und Zufchüffe zur Zinszahlung, Auch käme in Frage, die Miete oder Zinsen vorlagsweise für Exil Schuldner zu leisten und eine Deckung der auslaufcndcn Schulden in späteren Ratenzahlungen zu ermöglichen. Eine Kündigung von Miel- oder etwaige Aufrechnung von Geschästsguthabcu der Mitglieder gegen die Rückstände wäre einmal ein Verstoß gegen das Gesetz und znn, aiiberc» eine Schwächung des genossenschaftlichen Organismus. Zur Beseitigung jener Notfälle werden die Bau- vcrcin« wohl die Mithilfe der bcstergestelllcn Genossen in Anspruch nehmen. In die in den Gemeinden zu bildenden Ausschüsse wäb- rend des Kriegs müsten auch die Bauvereine eintreten, wie z. B. in Vilbel. Tic Baugenossenschaft Friedbcrq hat den zum Militär einberufenen und dem Arbciterslande angehörigen Genossen während der Dauer des Krieges die Miete um 25 Prozent ermäßigt, euch in Aussicht genommen. im Falle eine Deckung durch den diesjährigen Reingewinn vorzniichinen. Der Bauverein Alsfeld beschloß. solche Miete bis auf weiteres auf die Hälfte hcrab- znfetzcn und die noch rückständige Miete ZN stunden. Der Vorstand der LandeSvcrsicherungSanstalt hat sich bereit erklärt, mährend des Kriegs auf di« Tilgungsraten zu verzichten. Weiter schnitt der Referent die Frage an. ob man jetzt au die Erstellung neuer Kleinwohnungen dcnken dürfe Wenn auch das Wohnungsbedürfnis verringert sein mag. da sich viele Familien jetzt erst recht mit kleinere» Wohnungen behelfen, so ist doch nicht der Wohmingsmangel verschwunden, der an manchen Orte,, recht drückender Art ist. Soweit Bauvcreine finanziell so stark sind, um das Risiko aus eignen Schultern tragen zu können, mögen sie sich der Frage annehuien, wie das in Mainz uiid Darmstadt bereits in Aussicht gestellt ist. Im übrigen können aber Bauvercine nur an die Sache Herangehen, wenn die Gemeinden ihnen das Risiko ganz oder wenigstens zum größten Teil abiichmcn. Und was- soll denn aus den vielen Ban- Handwerkern «sw. werden wenn jetzt nicht gebaut wird!? Hier müssen sich die Regierungen zu großen Aktion«» entschließen, um vorbeugend zu wirken. Von einigen Bangcnossciifchastcn ist bisher schon der gemeinsame Bezug vo-n Kohle» und Kartoffel» gewiegt worden Soweit nicht Konfiimverciuc da siiid oder sonstige billigste Möglichkeit, mailten sich das die Bauvcreine ivciter ange- lcgen sein lasten. Ein weiteres ist die zweckmäßigste Bcwiriichaft- tung der Kieingärten. Die Bauvereine könnten ihre Mitglieder auch in die Kricgsversicherungskasfcn cinkaaifen. Wir mästen in dieser Zeit alle zusammenstehen, um uns der Kämpfer draußen würdig zu zeigen und dem Vatcrlandc zu dienen. Ans dem Geschäftsbericht war von Interesse: es bestehen derzeit in Hessen 45 Bauvcreine. davon 38 in Genostenschaftsiorm. Ti« errichteten 1013 zusammen 83 Häuser int Werte von 770 000 Mark. Hinsichtlich der Unterstützung und Beteiligung der Gemeinden an Banvercineii ist eine Wendung zum besseren ganz nuverkeuiibgr. Allerdings gibt es noch reichlich Fälle aktive» oder passive» Widerstandes, namentlich ssthren die Hausbesitzer einen scharfen Kanipf gegen die Bauvercine. Der Bau vvu Arbeiter- wohnhäuserii wurde in de,, letzten Jghrcu etwas vernachlässigt. Ansprüche der Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen. Von den Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Militär- Personen der Unterklasse erhalten: die Witwe eines Feldwebels, Dizefeldwcbels, Sergeanten mit der Löhnung eines Dizcfeldwebels jährlich Mk. 600, die Witwe eines Sergeanten, Unteroffiziers, Zugfiihrerstellvcrtrcters jährlich Mk. 300, die Witwe eines Gemeinen oder einer anderen Person der Unterklassen jährlich Mk. 100, jede vaterlose Waise von Militärversonen der Unterklassen jährlich Mk. 168, jede elternlose Waise von Militärpersoncn der Unterklassen jährlich Mk. 210. Außerdem kann Eltern und Großeltern eines Gefallenen, die bisher von ihm ganz oder überwiegend unterstützt wurden, im Falle der Bedürftigkeit ein Kriegseltern- geld von jährlich höchstens 230 Mk. für die Person gewährt werden. Die Lebensmittelpreise. Der am Montag in Frankfurt zu- sammengetretene H c s s i s ch c H a n d e I s k a n, in c r t a g, dem ein Vertreter des Ministeriums des Innern beiwohnte, nahm folgende Erklärung an die Reichsregierung an: „Der heute versammelte Hessische Hanbelskammertag hält cs einstimmig für sehr wiinschens- ivcrt, daß einer anorniale» Steigerung der Preise sür bestimmte LebenSbedürsnissc siaatlichcrseits entgcgengctretcn werde. Als geeignetes Mittel dazu crichcinen in erster Linie die Beibehaltung der bcstchciidcn Staffeltarife und ihre Ausdehnung auf Gerste, Hafer und Hülsensrüchtc. Ferner hält der Handelskammer- tag die Einführung von H ö ch st p r e i s c » für Weizen, Roggen, Gerste, M !i h > c n c r zc u g n i s s e, Hafer, Hülsensrüchtc, K a r t o s s c i » und Futtermittel grundsätzlich sür wünschenswert, jedoch darf diese Festsetzung nur von einer Rcichszcnlrale aus geschehen. Es müsse» dabei die verschiede,icii ProduktionSgcbictc und verschiede,larligcn Qualitäten berücksichtigt, eö muß ferner eine richtig bemessene Spannung zwischen Rvhwarc und den cinzclnci. Zwischen- »nd Fertigerzeugnissen cingesnhri, auch der llnierschicd zwischen Großhandels- und Kleinhandelspreisen berücksichtigt »nd dem Handel die Erfüllung seiner Aufgaben gewährleistet werden. Ter Handclskammertag bittet die Rcichsregicrnng, mit Vertretern der verschiedenen Produktionszwcsge und des Handels in eine be s ch l c u n i g t e B e, r a t u n g zur Lösung der Frage esnzutreten." -— Schunderzeugnisse erbärmlichster Art sind die sogeiiannten K ri e g s w i tz k a r i e n . die mm, auch i„ verschiedenen Gießen er Geschäften ausgestellt sieht. Ist es ichou au sich eine Grschmackivsig» seit, dumme Witze zu reißen, augcsichbs des Jamaners, den der Krieg über Htiiiderttoaisend« bringt, so sind diese Produkte aiißergewöhn-- lich niedrige Macknverke und man muß sich ivunderu, daß cs an-> Üäudige Gcschästsleuie über sich geiviniieui, solches Zeng au ihren Fenstern aus>zustellrn. Natürlich ivird der Deutscki« immer als der „Kvaftsoppei" bärge st eilt und die Gegner als Haiiswürfte, dre mit Leichtigkeit iiicdevgeavo-rse» werden. Sogar Soldaten im Felde hal>rn de» Schiind abgelehnt. Das rJ>cinii England zu richten. Die deutschen Konsulate im neutralen Ausland find nach einer Miticiliing von WolfsS Bnvoan nicht in der Lage, eine Vcnnittlnng für Wcilerbcsördcriing von Briefen ein- trct-en su lasten. Di« von den Fricdensvereincn im neaitrwlcn Ausland sür die Bemitziing aller kriegfiihrcnden Länder eingcrichtelen Vcrmittlnngsstclle,, im Haag und in Bern l>aben inzwiichcn Taufende von Sendungen besördcvt. Ebenso konnten die englisä>en Fricdcnsorganifationen D-cntschc mit iiiibckannten Adreffen ausfindig m a ch c n u n d ihnen b e i st e h e n. Beide Stelle,, können erreicht ivcrden durch die Lrilsgrupven der Denifckien FriedenS- gesellfchast oder durch deren Sekretariat, Stuttgart, Werf- m e rs ha lde 11. De» ju befördernden Briefen ist folgendes bei- zulegen: Eine iiitcrnaiioiial« A »t w o r t m a r k« , bei den Postaii- stalten erhältlich, siir di« Beförderung vom neutralen Ausland in daS feindliche Ausland. Das Porto zur Beförderung von Denlfch- land nach den, noutralen Ausland. Tann ist »och z» beachten, daß Briese in deutscher Spraetlc nicht überall in die feindiicheii Länder hineingelasten werden, obschon das hie und da doch gelnaigcn ist, namentlich bei Briefen, welche an die Kriegsgefangenen gcrickstet sind. Zweckmäßig sind aber die Briefe in der Sprache des Landes abzufasten, an das sie gerichtet sind. Briefe nach ßlußland können nach unseren Erfahrungen auch ftainzöstsch geschrieben sein. Evtl, sind das Sekretariat der FriedLi,sgesellsä>a!te>i oder die Vermittlungsstellen tm neutralen dinsland auch bereit. Uebersetzungen an- zufertigen. Die Briefe dürfen felbstverstäiidtich nichts cnthattcn, ivas von der Zenfur der beiden Parteien deanftandet werden konnte. Briefe für deutsche Kriegsgefangene oder Anfragen wegen solcher richtet man am besten an das Internat i o n a ( c Komitee des Roten Kreuzes lErinittetuiigs- Burcau), Genf tSckiweiz) rue cke I^tbenec 3. Tie Adresse in latcini scher Schrift: am besten auch die etwaigen Aniragen. Will mmi über den Verbleib eines Angehörigen, der vernmtlich in Gefangenschaft geraten ist, etivas erfahren, so mntz natürlich Isamc und Vornamen des Gefuchten sowie sein Truppenteil und Rang genau angegeben werden, ebenso Datum und Ort, wo er zuletzt gesehen, gefangen, verletzt wurde. — Will man einen Brieni an einen in Frankreich Kriegsgefangenen gelangen lasten, so würde man den Brief mit genauer Adresse tn ein Cmaoert mit der Sldresse des Ko- niitecS in Genf stecken »nd dieses ersuchen, den beiliegenden Brief gcfl. weiter zu befördern. Beide Eouverts maiß man offen lasten (mit Klammern verschließe». Das einfache Briefporto nach der Schweiz beträgt 20 Pfg, — Das genannte Komitee verniitteit auch Gcldscndnngen. — Neuestens wird übrigens amtlich bekannt gegeben, daß Postsendungen von Kriegsgefangenen und iür sollst« ganz allgeinein angenomni«'» und befördert iverden. Es bedarf also dazu keiner Mrmittetun», voraus'gesetzt nattirlich, daß die Adressen bekannt sind. — Etwas über Antwerpen Tie von den deuiichcn Tnlppen besetzte belgische Seestadt Anttverpcn hat sich neben London und Hamburg Mn größten Hafen der Stordfee entwickelt. 5% Kilometer erstrecken sich die Kaimauern an der Schelde, die hier mehr einem Meerbusen, denn einem Flusse gleicht. 8 große Hafenbasstns Üedeckmi ein« Fläche von 04 Hektar und bis in die Stadt erstreckt sich die Wirkung von Ebbe und Flut. An den Hafenmauern jedoch schlägt der Puisschlag des wirtschaftlichen Lebens ungestüm. Laufende fleißiger Hände sind beschäsiigt, den Bäuchen der dort lagernden Schisse ihre kostlmre Ware zu «ntnehinen und andere Güter der Wirtschaft zu verstauen. Rast reiht sich an Maft. Ruderboote lavieren geschickt durch die Menge der Schiffe und flinke Traelboote beloben das glänzende Bild. Ozeandampfer lause» ein oder stehen zur Abfahrt bereit und schrill warnt der Ton der Sirene de» kleinen Kollegen vor den riesigen Ungetümen. An den Ufern drängen steh hiesige Ä)!cnschcnmaffcn und begeistert klingt die Brabaneonn«. die belgische Marseillaise, wenn einer der Schiffsunaelüme seine Anker sichlet zur Fahrt nach der südlichen Pracht dos Kongos. Anttverpen ist der inächtigstc Konkurrent Hamburgs. Im Jahre 1812. dein lctzlen, für das uns eine amtlich: Statistik vorsiegt, kamen nämlich im Hafen von Antwcrpeii Schiffe mit 13 757 000 Nettorcgistertons atr, gingen Schiffe mit 13 722 000 Tonnen aus diesem Hasen ad. Vergleicht man daanit nuferen größten denifchen Hafen Hambnra. so ergibt fick, daß in demselben Jabre dort Schiffe mit 13 568 000 Tonnen «iiikiefen und solche mit 13 837 000 Tonnen abfnhren. Der einkommende Verkehr war also in Atittvcrpen etwas grös-r. der ausgehende Verkehr etwas kleiner als der von Hamburg. Dageaen hat Bremen nur 4’A Millionen Tonnen, Amsterdam — der holländische Konkurrent — rund 11% Millionen Tonnen. Allerdings, Antwerpen verdankte seinen gewattigen Güterv'rkchr in erster Linie W c st d e n t s ch l a n b. Die Industrie des Rheinlandcs benützt immer noch in erster Linie Anttverpen zur Aus- und Einfuhr. Die belgasche Handelsschisfahrt wäre auch gar nicht imstande, den gewaltigen Schiftsverkehr hervorzuruscn. Vom Frankfurter Fruchtmarkt. Bei fester Tendenz war das Angebot an Brotfrncht nicht sehr groß. Infolgedessen notierte Landweizen 26,50 und 27 Mk. Der Konsum »erhielt sich abivartcnd. Roggen gesucht, bei kleinem Angebot 23—25,50 Mk.: Gerste gefragt, bei steigenden Preisen 23,50—24 Mk.: Hafer behauptet bei unveränderten Preisen 23—23,35 Mk.; Mehl stetig, 39,75—40 Mk.: Roggenmehl 33,50—34 Mk., ruhig: Futtermittel fest, Wcizciiklcic 16—10,50 Mk., Biertreber 15,50—16 Mk. Holländische Berichte. Tie Nieuws berichtet aus Ostende vom Montag und Dienstag, das; die Deutschen sich auf drei Wegen der K ü st e nähern, von Wern (nördlich von Lille) über Dizinuiden, von Courtrai über Thonrout und von Eecloo über Brügge. Ueber die Gefechte in Belgien wird in den holländischen Blättern berichtet, daß sie sich zwischen Eecloo und Gent ab- spielcn, nämlich bei Somergcm, ferner, dah die Deutschen bereits von da aus weitergezogen sind bis Maldeghem. Sic haben die Brücke bei Stroobrügge an der holländischen Grenze besetzt. Zspern ist vollständig von den Deutsch c u u »> schlo s s c n. Das Nieuws van den Tag meldet noch, dah die Deutschen gestern abend die Grenz- station E s s ch e n besetzt haben und dah sie einen Kommissär nach Roscndaal geschickt haben, um mit dein StationS- konimandanten den Verkehr über die Grenze zu regeln. Auch Assenede ist besetzt. Aus allen hier eingclnufenen allerdings ziemlich unvollständigen Berichten ist zu ersehen, dah der Vormarsch nach der Küste geregelt und s y st e m a - tisch seinen Weg niniiut. Der Bericht von der Uebersiedelung der Regierung nach Havre hat einen tiefen Eindruck in Belgien geniacht. Nieuws van den Dag meldet aus Sclzaete vom 13. Otto- ber: Tie gestern hier eingetroffenen Deutschen stellten die von den Belgiern zerstörte Brücke her. Landwehrtruppen waren morgens damit beschäftigt, westlich von Selzaetc Laufgräben auszuwcrfen. Einige Bahngelcise waren zerstört, die Telegraphen- und Telephonapparate sind von; Bahnhof weggcnommen, in der Richtung auf S e e b r ü g g e ist an- scheinend ein Gefecht im Gange; den ganzen Vormittag über lvar von dort Kanonendonner vernehmbar. Der militärische Mitarbeiter des Nieuwe Rottcrdcnnsche Courant äuhert sich wie folgt über die Lage: Mit der Absicht der Verbündeten, den deutschen Flügel zu umgehen, ist es nun aus. Ta die Deutschen ihren Vormarsch längs der Küste sortsctzen können, laufen die Verbündeten Gefahr, in Nordfrankreich in eine schwierige Lage zu geraten. Die Lage ist fast verzweifelt! Die Berichte der englischen Blätter über die Lage in Nordfrankreich sind kleinlaut. Daily Mail gibt zu, dah am Donnerstag die Lage fast verzweifelt war und Alles verloren fei, wenn es den iin Dreieck Touai-Bethune- Arras aufgestellten Deutschen gelinge, bei Lens durchzn- orechen. Die französische Presse stickst zwar die Bedeutung der verblüffend rasch bewirkten Besetzung von Lille durch die Deut- scheu zu verkleinern, muh aber zugestehen, dah die hervorragende deutsche Manövericrkunst den französischen linken Flügel vor eine neue, höchst schwierige Aufgabe stellt, die voraussichtlich erbitterte Känipfe zwischen Arras und Albert sowie bei Hazebrouk bedingt. Von den französischen Schlackst- feldern wird der Tod von drei bekannten Radfahrern, Pou- lain, Lapeze und Trousselicr gemeldet. Phrasenhelden. Der Temps bemerkt zur Verlegung ber belgischen Regierung nach Havre: Belgien könne aus den bedingungslosen Schutz strank- rcichs rechnen. Die Verbündeten würden die Waffen nicht nicder- Icgen, ehe der König im Triumph nach der Hauptstadt zurückgefiihrt worden sei. Der polmsch-aalizische Feldzug. Wien, 14. Olt. '£z ^ & ä £ ö 5 _ IIL - - ° ~? o — O S = = = '■? “ S || " <^S:S O “ II vä *"* 3 CT — ~ ||3=S» S$> || Orz 11 -j r> g' k_L Jw sT 23 Ca~Z*. » tZTSJa «’s -• o s r j< 3 ? ^ ©' o" s ^2 — ^5 => « — —■ ft) E s. ' / ") Cr — bO* M : to 2 ■S' « ft> « g, £ > * o iS - ft) f A J~iß £2 --^5' ~ If £ © * § s W : *|i II 3 S CS) zj: 'TÄ JtS — — CA — ^ CA — -- » |T rr. " 2 3 2^-3-* = -ft)EK *" ' 5 2, §• % | 5 3 Z - £ |'S| i 51 'S. ä‘ I .= * ~ = 2 — 2 3 2.S-» ^.2 ' 5 f ä «s ff. F ~ aim-fPri-i! s ‘-ü ä -t — _.» “ o ^ ^ 2 =.e iss s" z «^ ^ = ' £ 5 '^'^ Eucs s. 2 oi’ — E" —-C~ O* O ^ 5 O \~CA ~ er a, g *-! * g; Co C5? tr — ~ Ss ^ ~ ä TT- sz " 2 £ = ■ s 3 = - •« 2. 2 :2.' 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