18.15 H.21 XU >U 17.40 '17i 14.32 17.42 Organ für die Interessen der Provinz Oberhessen des werktätigen Volkes und der Nachbargebiete. v«, odrrbrMIäi» Volk»,eit«», erlLcint leben Werüaa Abend IN Dieken Der ildonnement»vrc>» beträgt wöchentlich IS Pfg^ monatlich w Vlg. emlchl. Brnigerlodn Durch die Polt bezogen vierteliäbrl.ILOMk. Redaktion and Lrvedltio» Dieben. Babnbokliralic 23. Elke LSwenuasse. relevbon 2008. Inserate tosten die ö mal gelpalt. Kolonelzctle oder deren Raum IS Psg. Bei arüßercn Aufträgen Ra.-atl. Anzeigen wolle man bi» aden»»7>br für die folgende Nummer >n der Expedition aufgede«. Nr. 234 Gießen, Freitag, den 9. Ottolicr 1914 9. Ilchrgaug lt. «.01 '0.51 4.78 828 114 714 Btt. m. Btt. U g >ill- > nie KrieBeiicr lins 6 ch LermSlieliSzillOlitz. (Hegen Ausbeutung der Kriegslist. Der Krieg macht viele arm, er niacht aber auch wenig« reich. |58 ist bisher die Erfahrung aller Krieg« gewesen, das; st« aus der | inen Seit« eine Summe von Not und Armut schufen, die sich nicht versehen läßt, dag sie aber auch aus der andern Seite bedeutende jernrögen wie Pilz« aus der Erde schießen lieben. So hat der Krieg on 1876/71 die Grundlagen siir zahlreickie modern« Riesenvcrmögen cschasicn. Aus Krtegslieferungen, Nahrungsmittrlvertrieb, aus llen Handelszweigen, in denen die kriegerische Umwälzung gestci- ertc Nachfrage oder vermindertes Angebot hcrvorries, ivurdcn da- ,als ungeheure Profite ge.zogeu. Und so ergab sich der erbitternd« lontrast, dab mancher Kriegs I j c s e ro n t nach dem Kriege in der guipoge fahren konnte, während so maiichcr Kriegs t e i l n e h n> e r. er sein Leben für das Vaterland in die Schanze geschlagen hatte, en Leierkasteii vor sich hinschiebcnd ans den Bettel ging. Soll sich diesmal wieder dergleichen ereignen? Es mutz durch- uL auerkaiint werden, dab die Behörden, bürgerliche wie militäri- he, den bcsteii Willen zeigen, solche Auswüchse energisch zu beschneien. Das sozial« Empfinden l>n sich gehoben und man erkennt cs in Beamtentum wie beim Militär als unanständig und schädlich, nenn versucht wird, die Not des Ganzen zur Bereicherung einzelner lersonen auszunutzcn. Ein« Bnndesratsvcrordnuna zur Festsetzung wn Höchstpreisen siir Getreide ist in Vorbercimng. Ander« Berord- ungen ähnlicher Art dürften folgen. Auf der andern Seite zeigt ch auch die Militärbehörde geneigt, der Ausbeutung der Arbeiter nd Angestellten durch Unteruehmer und Zwischcnmeistrr der ver- hiedcnen KriegSindnstricen «inen kräftigen Riegel vorzuschieben. lfer nützlich« Erlab ist zu diesem Zwecke schon herausgcgeben iordeii.. der recht hcrzerfrischntd zu lesen ist. Will man aber den Grundsatz, dab der Krieg aus feinen Soll nt Bereicherung einzelner Personen benutzt werden darf, ernstlich ur Aussiihrung bringen, so wird man mit solchen Verordnungen nd Erlassen nicht auskommen Es wird dazu auch einer steue r- olitischen Mabrcgcl bedürfen, zu der di« Handhabe glück- icheriveiie durch das Besitzsteuergcsctz vom 3. Juli 1813 gegeben ist. Ucses Gesetz belegt den Vermöge usz» wachs mit einer ganz «ringen Steuer von 6,75 bis 2,5 Prozent. Es liegt auf der Hand, aß dieses für di« FricdenSzeit geschossene Gesetz mit den Fordcrun- .«n der Kriegszeit in Einklang zu bringen ist. Wer am Kriege ooiel „verdient", daß er nicht nur ein beguemes Leben führen, son- >ern obendrein noch ein Vermögen zuriicklegen kann, der muß verblühtet werden, das auf Kosten der Allgenieinl-eit erworbene Gut der Allgemeinheit wieder zurrickzuerstattcn. Die Steuer auf den Bermligenszuwachs in Kriegszeitc,, darf also nicht weniger als 166 Prozeat betrage». . Eine entsprechende Acnderung des RcichsvermögenSzuwachS- steuergeietzcs vom 3. Juli 1613 kan» vom Reichstag nach seinem ^'edkrzuiemnienlritt im November i» wenigen Minuten beschlossen l - ttud dieser Beschluß, der eine Forderung der icll^tvcrständ- Irchsten Gerechtigkeit ist, wird eine ganze Reihe sehr heilsamer Folgen Haben. Wenn jeder dasjenige, was ihm während der Kricgszcit aus irrwerb an Beriiiüqcn zugeivachfen ist. der Rciäiskassc wieder zuiück- zuerstatten hat. dann hat keiner mehr ein Fntcrcsse daran, zu "! „ r, g e Löh n'e zu zahlen oder z» hohe Preise zu fordern. i zu sammeln, die Rost und Motten fressen, wird er sich lediglich tür die Kriegszeit ein beguemes Auskommen schaffe». in> livrigen aber wird er nach dem Gnindsatz handeln: Leben und Leben lasse». Entstellen aber trotzdem grobe Gewinn«, so wird sich der Untcr- neymer beeilen. das Geld, bevor es als Zuwachs der Stcuerkasse iL-"'“1? ®7östlid)fcit wieder auSzugcben. Daran kann er latitrltch nicht gehindert werden und soll er nicht gehindert iverdeit, >emi tveld wird in dieser Zeit notwendig gebrmicht. So anfechtbar in allgemeinen auch die Theorie des „Geld unter die Leute Uringens ist. so hat sie in der Kriegszeit doch eine gewisse Bercch- igrmg.^ Fedensalis ist ein gesteigerter Koiijum voikswirtschrsilich »orteilhofter als ein Zurückhalten der Mittel zum Zweck der kapitalsan Hausung. Da aber ein vorsichtiger Kausmann immer aus Gewinn kalku- ieren muß, wenn er nicht Verluste erleide» will, und da ferner in »anchen Getchästrn Prosit« erzielt werden durften, die sich b-im *®'® en oufessen und vertrinken lassen, ivird die Reich S- a s s c aus der lOOprozentrgen Kriegsstcuer mif den Vermögens- uwachs eine ganz gewaltige Einnahme erziele». Diese Einnahme ann zweckmäßig verwendet iverden, die durch den Krieg entstan- enen Schäden auszubesseru, den hunderttausend durch ihn hcrvor- erutcnen Nöten abzuhelfen. Was der Krieg bringt, soll auf diese "^üe dcnen zugute kommen, denen der Krieg alles genommen hat. . ist schlechterdings nicht einzusehen, welcher Einwand gegen Vorschlag erhoben werden kömite. Gerade diejenige», denen [?“’'* rt ihres Berufs oder Geschäfts der Krieg großen materiellen -orteil verspricht, sollten sich beeilen, ihm als erste zuzustimmeu. '«in m? dieser Zeit der allgemeinen Hingabe und Aufopferung wird z/i^nch in den Verdacht kommen wollen, daß er aus das gehe, um dort Gold zu suchen. Für jeden soll es selbst- tandlich sei», daß das, was er während des Krieges über feinen ^»art hinaus erwirbt, nicht selbst, sondern dem Vaterlandc gebürt. Ueberschutz, dieser Zuivachs ist aus den Mitteln der All- Tbran der Not des Ganzen entstanden, eö ist Gold aus den > anen und dem Blute eines leidenden, kämpfenden Volkes. englische Presse zur Lage im Westen. London, 7. Okt. (W.B. Nichtamtlich.) Die TimeS leidet aus Paris: Obwohl der Feind hier und da Glück ist dix moralische Haltung der französischen Gruppen unerschüttert. — Der Daily Telegraph ^-reibt: Die Kämpfe in Frankreich werden zweifellos Woche ur Woche heftiger. Falls es glückt, die Deutsckfen über die Grenze zurückzutreiben, wird es nicht inehr möglich sein, eine umgehende Bewegt,ng zu machen. Man wird einen Nahkampf erleben, der an Belagerungsoperationen mit Parallelgräben und Fortifikationen erinnert, die nur zwanzig Meter von einander liegen. Es wird unzweiselhast der größte und furchtbarste Abschnitt des großen Krieges werden. Portnqal »leacn Deutschland. Wie», 7. Okt. (Ctr. Frist.) Wie in diplomatischen Kreisen verlautet, besteht eine ernste Spannung zwischen Portugal »nd dem Tcntschen Reich. England will die portugiesische Regierung bewegen, aus ihrer Neutralität hcrauszutretcn und an den Kämpfen teilzunchmen. Die Neutralität Nttmürüens Wien, 7. Okt. (Ctr. Frkst.) Die rumänische Regierung hat ihre Gesandten von ihrem Entschlüsse, an der Neutralität fe st zu halten, verständigt. Ter Vorstos; in Polen. Paris, 7. Okt. (Ctr.) Frkst.) Daily Mail meldet aus Petersburg: Die Deutschen gehen in vier Säulen auf Siid- ostpolen vor, drei stoßen von Kalisch und Bendin ans Warschau vor, die vierte von Krakau die Weichsel entlang. Die Niederlage der Nüssen in Tbernngarn. Budapest, 7. Okt. (IV. 14. Nichtamtlich.) Einem amtlichen Berichte zufolge haben unsere Truppen die in Maramaros-Sziget eingebrochenen russischen Heeresteile geschlagen und bereits bis Nagybocsko verfolgt. Die Verwaltungsbehörden werden im Laufe des heutigen Tages ihre amtliche Tätigkeit wieder aufnehmen. Tie Beerdigung der in deni jüngsten Kampf bei llzsok gefallenen Russen dauert fort. Bisher sind 8000 russische Leichen begraben worden. Der Krieg in den Kolonien. Die Japaner aas de» Markchallinscln. Deutsche Kämpfe in Oslafrika. WB. Berlin, 7. Okt. Aus Tokio wird von amtlicher japanischer Stelle gemeldet: Eine Marineabteilung besetzte Jaluit, den Sitz der deutschen Regierung der Marschallinseln (Slldsee) widerstandslos. Für die englischen Kaufleute wurde die Einfuhr freigegeben. Die Marineverwaltung erklärte, die Landung sei eine rein militärische Maßnahme, eine dauernde Besetzung sei nicht beabsichtigt. Dazu wird der Franks. Ztg. geschrieben: Jaluit von den Japanern besetzt! Die Ziele der Japaner werden täglich klarer. Gestern die Meldung vvn der mili- lärischcn Besetzung der Tchantung-Bahn, die einer Inanspruchnahme der ganzen Provinz Schantung gleichlvmmt. Heute der Diebstahl der u ,, b c w a s f n c t e n deutschen Insel Jaluii. Tic japanische Regierung hält cs siir notwendig, diesen letztere» Schritt vor der ganzen Welt zu verteidigen. Militärische Gründe sollen die zeitweilige Besetzung veranlaßt haben. Lb Deutsche oder Japaner Jatnit besitzen, hat scdoch siir die kriegerische» Operationen in Ostasicn nicht die geringste Bedcntung. In Jaluit soll Amerika geschlagen werden Die ausgehende Sonne soll bas Sternenbanner aus den, Pacifischcn Ozean verdrängen. Japan will Weltmacht werde» und begnügt sich deshalb nicht »ichr mit Ländeicrwcrb aus dem asiatische» Kontinent. ES nützt den Wellbrand auf der anderen Halbkugel aus und greift keck „ach Besitztümern, die außerhalb seiner bisherige» Machtsphäre liegen. Dabei tritt es in offenen Gegensatz zu Amerika, lind in Amerika wird man die Gefahr erkciinen. Es ist bezeichnend, baß die Nachricht von der Vesetzuna der deutschen Insel Jap durch die Japaner eine amerikanische Mcldunq war, denn mit den Japanern auf Jap war die amerikanische Herrschasl auf den Philippinen bedroht. Jetzt steht die Regierung der Bereinigten Staaten vor der positive» Tatsache, daß die Jalnit-Jnsel zur iapanischen Kriegsbeute geworben ist und der gelbe Konkurrent sich dadurch unweit von Honolul» mitten im Pacifischcn Ozean festgesetzt hat. Der freche Raub der Japaner erweckt bei uns Verachtung. In Amerika muß er die größte Beunruhigung Hervorrufen. Und in England?- Tie Insel Jaluit liegt auch Australien gegenüber. Die Eile, die die Engländer zeigten, Samoa den Deutschen z» ncbmcn, hatte etwas Belustigendes. England wollte diese» ivichtigen Besitz nicht dem iapanischen Verbiindclen iibcrlasicn. Jetzt ist Japan England icdoch auf Jaluil zuvorgekommcn. Australien, das bisher ängstlich bemüht war, sich von de» Gelben rein zu ballen, wird dic'e Nachricht ivcnig Freude machen. WB. London, 7. Okt. In einer ofnziösen Mitteilung des britischen Kolonialministers beißt es: Die Feinde unternabmen im Monat Sevtember zahlreiche Versuche in Britisch - Ostafrika einzudringen und die llgandabahn abzuschneiden. Alle Versuche wurden zurück gewiesen. Rur eine Grenzstation wird von einer kleinen deutschen Abteilung aehalten. Die normale Truppenbesetzung ist durch englische Truppen verstärkt worden. V^B. Berlin, 7. Okt. Der Gouverneur von Kamerun meldet siegreiche Gefechte gegen Engländer und Franzosen, In diesen Gefechten sind die Oberleutnants v. R o t h - ftrcf) und Milbrat, Sergeant Jost. Sanitätssergeant Gustav K ü h n , Bezirksamtmann Rausch, Zollamtsvoc- steher G l o ck und Landmesser L y h n e gefallen. Die Kämpfe bei Cattaro. Mailand, 7. Okt. sEtr. Frkst.) Eorriere della Sera erfährt telegraphisch, der Berg Lovtschen wird unausgesetzt von de» österreichische» Forts i„ Eattaro mit Artillcricfeuer bestriche». Fast läglich fliegen auch österreichische Flugzeuge über die moutcncgrins- schcn Stellungen. Vergebens suchte» die Montenegriner sie her- uiiterzuschießcn. Auch über de» Hasen Antivari fliegen die Lester» reicher und zielen mit Bomben nach den französischen Schissen. Cinc ernste Frage. Die römische Tribnna schreibt zu dem letzten sranzüsische» Situationsbericht: Das französische und das deutsche Eommunique stimmen diesmal überein und sie werden auch durch zuverlässige Privatnachrichten gestützt. Danach scheint es, als ob der Plan der Franzosen, die deutsche rechte Flanke zu überslügcln, vallkvmmcn gescheitert und in das Gegenteil verkehrt worden ist, denn setzt scheinen die Deutschen die sranzüsische linke Flanke mit der Umgehung zu bedrohe». Daß dle Deutsche» de» Plan Josfres sofort ahnten, als sie die Bedrohung durch das Pariser Heer benicrkteu und in der gewähnten Promptheit Fürsorge trafen, indem sic starke Ttreitkräste dorthin marscn und damit den Ilmsasiungsplan unmöglich machte», weiß man. Man kann aber nicht ebne eine gewisse Ucbcrraschung die letzten Nachrichten lesen, daß sich die Tcutschen ihrerseits anschickc», den den Franzosen mißglückten Plan selbst zu versuchen. Woher konnten sie, die mit immer stärkeren Kräften Front gegen die russische Drohung im Oste» machen müssen, noch sa viele Truppen stellen, sogar Kavallerle, eine Wasse, die so viel Platz beim Transport wcgnimmt? Wir können nur noch einmal diese Frage stellen, die wir schon früher erhoben haben. Warum gelang es nicht den Franzosen, die nur zwei Drittel oder drei Viertel des deutschen Heeres vor sich haben konnten und alle Vorteile hatten, die der Kamps im eigenen Lande, die Unterstützung durch Festungen, mächtige Befestigungen nnd der Besitz eines ausgedehnten Verbindungsnetzes im eigenen Rücken mit sich bringt, die letzten Kräfte gegen den Feind zu sammeln ln eineni selbständigen Heere von nicht mehr als 156 666 bis 266 666 Mann, was das Gleichgewicht Herstellen mußte? Erst nach den, Ende des Krieges wird man vielleicht eine Antwort aus diese ernste Frage erhalten. (W. B.) Cine englische Anerkennung der deutschen Leistungen. Die Times schreibt: Tie kräftigen deutschen Operationen zu Lande grenzen an Tollkühnheit. Die Deutschen leisten anerkennenswerten Widerstand in ganz Nordfrankreich nnd beschränken sich ans dem rechten Flügel keineswegs auf die Abwehr. Sie machen große Anstrenglingen, um Antwerpen zu nehmen und haben einige Fortschritte gemacht. Sie drangen zugleich von Ostpreußen her in Ruß- land ein und, obwohl ihr Vormarsch nach dem Njemen in alle Winde zerstreut ist, zeugt er von ihrem Mut. Sie rücken jetzt mit großen Massen in einer Front von hundert Meilen in Siidpolen gegen die russischen Armeen an der Weichsel vor. Nur eine Nation mit fünf Millionen wafsengeübter Männer konnte soviele Unternehmungen zu gleicher Zeit versuchen. Tie Deutschen weisen im ganzen sehr gute Leistungen auf, und wenn sie nur wüßten, den Krieg anständig zu führen, so wären sie würdige Gegner. Präsident Lvilfon nr» Kaiser Wilhelm. Berlln, 7 Okt. kW. B. Nichtamtlich.) Die Norddeutsche Allge- meine Zeitung verössentlicht die Antwort, die vom Präsi» deuten der Vereinigte» Staaten auf das bekannte Telegramm Seiner Majestät des Kaisers eingegangen ist. Das recht gewundene Schreiben lautet: Ew. Kais. Mas. wichtige Mitteilung vom 7. Scpt. d. I. habe ich erhalten und von ihr mit größtem Interesse Kenntnis genommen. Ich siihle mich geehrt, daß Sie sich wegen eines unparteiischen Urteils an mich, als den Vertreter einer an dem gegenwärtigen Krieg wahrhaft unbeteiligten Nation gewandt haben, die den aufrichtige» Wunsch hegt, die Wahrheit kennen zu lernen und zu berücksichtigen. Sie werden, des bin ich sicher, nicht erwarten, daß ich mehr sage. Ich bete zu Gott, daß dieser Krieg recht bald zu Ende sein möge. Der Tag der Abrechnung wird dann kämmen, wenn, wie ich sicher bin, die Nationen Europas sich vereinigen werden, um die Streitigkeiten zu beendigen. Wo das Unrecht begangen worden ist. werden die Folgen nicht ausblcibcn, und die Verantwortlichkeit wird den Schuldigen auscrlegt werden. Die Völker der Erde haben sich glücklicherweise auf den Plan geeinigt, daß solch eine Abrechnung »nd Einigung stattsindcn muß: soweit jedoch ein solcher Plan unzureichend ist, wird die Meinung der Menschheit als letzte Instanz in all solchen Angelegenheiten ergänzend cingrciscn. ES wäre nnklug und wäre versruht siir eine einzelne — selbst für eine dem gegenwärtigen Kampf glücklicher- wcise fernstchciidc Regierung — und es wäre sogar »»vereinbar niit der neutralen Satlnna einer Nation, welche ivie diese an dem Kample nicht beteiligt ist. sich ein endgültiges Urteil zu bilden oder zum Ausdruck zu bringen. Ich spreche mich so frei aus, weil ich weiß, daß Tic erwarten und wünschen, daß ich wie ei» Freund züm Freunde spicchc »nd weil ick, sicher bi», daß die Zurückhaltiiiig des Urteils bis zur Beendigung des Krieges, wa alle die Ercignisie und Umstände in der Gesamtheit und in, wahren Zusammenhang übersehen werden könne», sich Ihnen als ivahrcr ?l»sdr»ck aufrichtiger Neutralität von selbst cmpsehlcn wird. Gezeichnet: Woodrow Wilson. Gute Worte für Frankreich. Neuerdings werden von deutscher Seite aus wieder Versuche gemacht, die Franzosen von den Engländern zu trennen und sie zu einem Separatfrieden mit Deutschland zu bestimmen. In dieser Richtung bewegt sich beispielsweise auch ein Artikel des Deutschen Kurier, in dem ein Herr Kammer- bauer den Franzosen klar zu machen versucht, daß ihr Erz. und Erbfeind eigentlich England sei und das; die Deutschen von jeher nur das Beste Frankreichs gewollt hätten. „Wer sich bemüht, richtig und voraus zu schauen, wird wissen, Lass nicht wir der Feind Frankreichs sind, sondern England. Wir Deutschen sind kein Volk des Hasses und haben auch Frankreich niemals gehasst. Es ist uns auch stets sern gelegen, Frankreich ernsthaft zu schädigen, trotzdem dessen inner« und äussere Politik stets und immer gegen uns gerichtet war. Wir wollten unsere Ruhe haben. Weiter nichts. Haben wir in diesem Streben hier und da ebnen kalten Wasserstrahl nach Bismarcks Art au den Scinestrand geschickt, so ist dies gcschcl>en. um überhitzte Gemüter zu beruhigen, wenn die Woge» der deutschfeindlichen Begeisterung gar zu sehr zu toben ansingen." Es werde, so heißt es ain Schluß des Artikels, eine Zeit kommen, wo Frankreich mit schlotternden Knieen der Freundschaft Englands gedenke und einschen lerne, daß es seine Kräfte abermals zum Nutzen Englands vergeudet habe, dessen einziges Ziel sei, Frankreich schwach zu erhalten und seinen Gang zum Grabe zu beschleunigen. Wir glauben nicht, daß Ausführungen dieser Art, wenn sie überhaupt bis zu den Ohren der Franzosen dringen, aur die, die es angeht, sehr viel Eindruck machen werden. Gewiß würde Frankreich sehr viel Blutvergießen verhüten, wenn es sich in einer nahen Zukunst von England trennte und mit den Deutschen einen möglichst günstigen Frieden schlösse. Aber die Versuche der deutschen Presse, die Franzosen für einen solchen Schritt zu gewinnen, wird man jenseits der Vogesen immer mit großem Mißtrauen ausnehmen, da man die deutschen Vorschläge mit Recht oder mit Unrecht für nicht ganz selbstlos ansehen dürfte. Frankreich hat außerdem im Lauf der Jahre sein Geschick zu fest an dasjenige Englands gekettet, als daß es ihm leicht würde, sich jetzt von deni Bundesgenossen zu trennen, und es gibt Leute in Deutschland, die an dieser Entwicklung nicht ganz ohne Schuld sind. So freundlich und liebenswürdig wie.es jetzt zum Exempel Herr Kammorbauer tut, hat man den Franzosen in den vorans- gcgangencn Friedensjahren nicht immer zugcredct, sondern ihnen im Gegenteil oft genug zu verstehen gegeben, daß sowohl gewisse Teile von Lothringen wie auch Stücke seiner überseeischen Besitzungen von Rechts wegen Denftchland gehören müßten. Wir sind weit davon entfernt, die Schuld der Kriegstreiber auf französischer Seite verringern zu wollen oder jene Politik zu verteidigen, die Frankreich um der Revanche willen ein Bündnis mit Rußland eingehen ließ, das vordem mit dem Gelde der französischen Rentner und jetzt mit dem Blute der Söhne des französischen Volkes sehr teuer bezahlt wird. Aber andererseits darf doch eben nicht vergessen werden, daß häufig genug die Versuche, mit Frankreich zu einem besseren Einvernehmen zu gelangen, an dem Widerstand derjenigen gescheitert sind, denen die Erhaltung gespannter Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich aus Gründen der Rllstungspolitik gelinde gesagt nicht un- sympathisch war. Uneinigkeitunter den französischen Politikern. Di« sozialistische Hnnilmitö schreibt: Genug der Lügen! Wir hatten uns vorgenommcn, während des Krieges kein Wort zu kritisieren. Aber die reaktionäre Presse nimmt cs zu leicht mit der Wahrheit kn der Absicht, die öffentliche Meinung verrückt zu machen. Ter Marin brachte am 26. Septenrdcr den bekannten Artikel, dass Krupp vor drei Jahren Terrain bei A!anbeuge gelaust und dort Bctonuntcrlagen für schwere Geschütze hergestellt habe, schon im Frieden, und der Tempo wiederholt dies« Meldung am 27. September. Die Humanste erinnert daran, dass diese Meldung bereits am 8. Juli 1911 energisch dcmentiert worden sei und dass das Gerücht keinen ernsten Hintergrund gehabt habe. Das Terrain sei von Gilbert in seiner Eigenschaft als Sekretär des belgischen Finanz- manncs Baron Empain gekauft worden und zwar mit Unterstützung französischer Banken. Wenn also ein Unterbau für schwere Artillerie dort gebaut worden sei, so seien französische Bankdircktoren an dem Verrat mitschuldig. Dan» fährt das genannt« Blatt fort: Deshalb rufen wir dieser reaktionären Lllgenpresse, von der Aktion srancaisc beginnend über die Libertc hinweg bis zum Matin zu: Berschonet uns mit solchen sensationellen Meldungen, da die meisten doch eben A f r a j a. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 81 4. Am nächsten Tage war der Gaard von Ocrenäcs voll Gäste und voll Arbeit. Ter Vogt war da und wollte ein paar Tage bleiben, um mit Helgcstad nach Troinsö heimzukehrcn: denn der alte Kauftuann hatte sich entschlossen, nochmals so- gleich nach den Lofodcn zu fahren und seine Fische selbst nach Bergen zu bringen. Alles war so rasch und gut gegangen daß er Fandrcm in Person den Erfolg mittcilen inußte, zugleich wollte er die Mitgift sestmachcn, und wenn er zurück- kehrte, sollte die Hochzeit sein. Im Geheimen stand es fest bei ihni, Hanna durste nickst eher wieder den Lyngcnfjord verlassen, denn als Björnarncs Frau und mit diesem. Da? Mädchen schickte sich zu seincin Wohlgefallen. Kaum war sic in dem neuen Neste warm geworden, als sie wie ein Vogel tat, dem es längst gehörte. Sie hals Jlda bei allen häuslichen Arbeiten, war in der Küche und den Vorratsräumen zu finden, stand in dem Kramladen, half wiegen und messen und schaute in die Rechenbücher, als hätte sie Jahr und Tag damit hantiert. Von ihren schönen Kleidern, ihrem Putz und feinen Fingern merkte man nichts, und dabei war sie freundlich und beweglich, nicht wie Gula, die sonst singend und lachend hier umhcrsprang, aber was sie tat, geschah froh, mit verständigem Sinn, und jeder im Hause sah sie gern an und sagte Gutes. Paul Pctcrscn allein schien nicht besonders von dieser Schwägerin erbaut zu sein, denn er fand sie ganz anders, als er sie sich gedacht hatte. Hatte er ein übermütiges, verzogenes Mädchen vermutet, die sich nicht schicken mochte oder eine Dirne, die das Herz voll Hciniweh und die Augen voll Tränen hat, oder eine dünkelvolle und hochmlltiae. dje Helgestads Aerger und Härte heraussorderte, so sah er jetzt so erlogen sind, wie die erwähnte. Wir hoben es ernstlich satt. Tenn unsere Arbeiterfamilien leiden schon zu sehr darunter, dass sic ohne Nachricht von ihren Angehörige» bleiben. Wir wollen nicht zu ihren Aengsten noch andere hinzu fügen, die sic verrückt machen und in schlimmste .Hassabgründe und Rachsucht stürzen. Jetzt, wo unsere Kameraden für die Verteidigung des Vaterlandes in den Tod gehen, habt doch wenigstens so viel Scham, nicht so unverschämt zu lügen, indem ihr noch Erzählungen von Verrat erfindet. Belgische «ozinlister» in Holland. Aus Amsterdam wird der Franks. Ztg. geschrieben: Ter sozialistische belgische Abgeordnete Terwagne ist laut Telcgraaf hier angckommen, der Abgeordnete Destree wir- hier erwartet, um mit der holländischen Arbeiterpartei über da§ Zustandekommen einer internationalen sozialistischen Konferenz zu beraten. Terwagne berichtet, daß Antwerpen und die umliegenden Gemeinden schon seit einigen Tagen ohne Trinkwasser aus den Wasserwerken bei Waelhem seien. Er erzählt ferner, Liebknecht sei in Brüssel gewesen und habe Eaniille Huysmans, dem Generalsekretär des Internationalen sozialistischen Bureaus, die Hand hingehaltcn mit den Worten, er habe zu der Gruppe gehört, die gegen den Krieg gestimmt hätte. Huysmans habe die Hand ver- weigert, weil Liebknecht nicht öffentlich protestiert hätte. Terwagne will in Holland eine Propaganda für Belgien versuchen. Wenn Liebknecht so gehandelt haben sollte, wie hier berichtet wird, wäre seine Zurückweisung durch Huysmans durchaus angenicsscn. Die italienische Kewerkschaftszentrale gegen die deutschen „Barbaren". Das Zcntralorgan der italienischen Gewerkschaften, der Corsedcrazione bei Lavoro, veröffentlicht in seiner September- Nummer folgenden Artikel: „Tentonische .Kultur »nb Zivilisation. Die Nachrichten, bi« ans Belgien, dem interessantesten Kricgs- schauplatz, cintressen, überraschen, rühren und entrüsten. Tic Ritter der teutonischen Kultur und Zivilisation begehen Tchenss- lichkeiten, die unter die niedrigsten und abstoßendsten Grenzen des Erlaubten und Unerlaubten, des Glaublichen und des Unglaublichen herabgehen. Neutralität, Völkerrechte utid Verträge werden in zynischer und siecher Weise verletzt und ausgehoben: Sckzaren von Greisen, Weibern und Kindern nitt den Bajonetten vor den deutschen Truppen hcrgetrieben, um ans di« Feinde einen crpresscrischen Truck auszuübcn und sic ungestraft schlagen zu können: Städte dem Boden gleichgemacht und Kunstwerke zerstört: räuberische Brandschatzungen der Städte und der als Geiseln behaltenen Bürger: das sind die grossen Kultur- und Zivilisattonstaten, die von den teutonischen Vandalen, Barbaren und Briganten in Belgien verrichtet werden. Es ivärc nützlich, zu wisse», was die deutsche» Sozialisten und Gewerkschaster henken, sagen und tun diesen Dingen gegenüber: denn es widerstrebt uns, an ihre Einwilligung, Mitschuld und Mitverantwortlichkeit zu glauben. Aus diesen scheußlichen Taten der Barbarei, des Vandalismus und des Brtgantcntunis enthüllt sich das, was man ironischerweise deutsche Kultur uitd Zivilisation nennen kann. Hinweg mit solcher Kultur!" Sekretäre internationaler'Berufsvercine, die in Deutschland ihren Sitz haben, und Freunde der italienischen Gewerk- schaftsgcnosscn, haben auf Grund dieser Publikation an die italienische Gewcrkschaftszcntrale und an die Redaktion des gewerkschaftlichen Zentralblattcs längere Schreiben gerichtet, um die gegen die Deutschen erhobenen schweren Vorwürfe zu widerlegen. Sie haben daraus verwiesen, daß durch systematische Lügennachrichten der Nuslandspresse, namentlich der englischen und französischen Chaupinistenpresse, die Meinung des italicnischien Volkes völlig irregeführt wurde. Aus der ehrlichen Freundschaft der deutschen Arbeiterführer mit den italienischen und der guten Kameradschaft, die von deutschen Arbeitern den in Deutschland zahlreich beschäftigten italienischen Arbeitern gegenüber geübt wird, müßten die italienischen Arbeiter wissen, daß die deutschen Arbeiter zu den ihnen jetzt angcdichteten Schandtaten nicht fähig wären. An der Hand der zum Krieg geführten Tatsachen wird den Italienern nachgcwiescn, daß in Deutschland bis znm allerletzten Augen- blicke für den Frieden gewirkt wurde, und daß besonders die Arbeiterpartei jederzeit mit allen ihren Kräften dafür ein- gctreten ist. Hoffentlich ist bei den italienischen Genossen jetzt ein Umschwung der Meinung über die deutschen „Barbaren" zu seinem Erstaunen, daß der rauhe Mann im Gegenteil voller Zärtlichkeit lind Aufmerksamkeit gegen seine Schwieger- lochtcr war, die sein Lob aus allen Kräften zu verdienen suchte. — In Paul Pctcrsens Kopf regten sich darüber haß- siche Gedanken. Wenn er fort war, mit Jlda in Trom'ö wohnte, Hanna hier allein schaltete »nd waltete und Helgcstad wie den ganzen Gaard regierte, was konnte dann nicht alles geschehen?! Tic gierigen Augen des Schreibers sahen schon, wie diese schnellen Finger beiseite schassten, was sie fassen konnten, wie ihre freundlichen Blicke und ihr Lächeln von dem Schwiegervater beobachtet und anfgefangen wurden, als wolle er selbst die gefährliche, schlaue Hexe heiraten, nicht aber Bjornarnc, der wie ein Träumender umherging und gewnlt- sam ermuntert werden mußte, wenn er Rede stehen sollte. Paul empfand darum einen tiefen Widerwillen gegen Hanna, einen Widerwillen, der offenbar gegenseitig war, denn selten >s! cs, daß zwei Menschen, wenn Schicksal oder Zufall ihr Begegnen bewirken, der eine sich ungezogen fühlt, während der andere zurückgestoßen wird. Die geheimnisvolle Macht, welche wir Sympathie nennen, ist ein Spiel unbekannter Kräfte, die gleichmäßig Seele zur Seele ziehen oder w:e magnetische Pole Von sich abtreibcn. Paul Pcterscn versuchte es zuerst mit Heuchelei und Untertänigkeit, aber er mußte in Hannas Blicken bemerken, wie wenig er sich ibr damit empfahl; dann versuchte er es mit Spötterei, allein Fandrems Tochter hatte so viel Witz und Bosheit, daß er übel dabei fortkam. Er wurde geneckt, zu- rechkgewicsen, gefoppt, ausgelacht, und als er Lust zeigte, Frieden zu schließen, ging Hanna nicht darauf ein, sondern setzte unter allerlei Mutwillen den Krieg sort, der Helgestad und Olaf besonders, belustigte, weil beide dem Schreiber eine ordentliche Bezahlung wünschten. Währenddessen hatte die Jacht ihre Waren, die nach Oercnäes gehörten, ausgcladcn, dagegen viele andere Geräte eingetreten, zumal wenn sie erfahren, in wie großer An | | deutsche Gewerkschafter und Parteigenossen am Kricgsdi i j teilnehmen müssen. Heiv6 gcgett die Friede,»s-Propaga,,da. Paris, 7. Lkt. | ländcr in Russland vorgckommen sind, nicht verantioortlich macht werden kann. Die Lehrerin, nebenbei eine glühende deuts Patriotin, hat sich während der ersten Krtegswochen aus dem G> einer vornehme«« russischen Familie ausgchaltcn, ohne von priva oder amtlicher Seite irgendwie ernstlich belästigt worden zu sc Ja, sie hat sogar an Versammlungen und Kitndgebungcn teil, nommen und keinerlei Unfreundlichkeit dabei erfahren. Sie schre selbst: „So war ich nun fünf Wochen lang nach der Mobilmachu die einzige Ausländerin in dem grossen Dorf. Jeder wusste > s aber ich habe nicht die geringste Unfreundlichkeit erlebt." Man hat der Dame in rücksichtsvoller Weise sogar diesenig i Zeitungen vorcnthalten, in denen Nachrichten standen, die ihr u i erfreulich sein mutzten. Sic reiste dann über Kiew noch Petersburg und nirgendwo «t fuhr sie Unannehmlichkeiten. Obwohl man bemerkte, dass sie Au ländcrin war, behandelte inan sie sehr freundlich. Auch die oste rcichischen Gefangenen, denen sie unterwegs begegnete, wurden sc aut behandelt, und die Dame sah, wie man ihnen Zigaretten u> Aepfel schenkte. Alles in allem, muss man aus dem Bericht den Eindruck g winncn, dass Uebergrisfe gegen Deutsche in Russland jebcnsalls , den Ausnahmen gehören. Jin Zusammenhang damit mag erwähnt werden, dass dem b kannten Dr. Karl Peters, der seinen Wohnsitz in England hati I und der bei Beginn des Krieges nach London eilte, um sein, I Hausstand dort aufznlöscn. von der englischen Regierung die Rü> i kehr nach Deutschland gestattet worden ist. Wenn inan in Englai l daran dächte, deutschen Privatleuten wegen ihrer Staatsangchöri I fett Unannehmlichkeiten zu bereiten, so würde man sich sicher!i I gerade an Karl Peters haben halten können, der von scher in zah I reiche» Artikeln und Reden seine Gegnerschaft gegen England an! i schärfste betont hat. Treue Kameradschaft. fif f 1 ' pi c l W?. (M# 1 Jj# &*<' «nb i" 1 ß-nT' Jin# ,, sein, fr*" Mesi [ ° Ulf „irden, Mg«" „i-d-' der &«* stW d % meldest Stcgimei Mn geradeb Mlevid gegen b formten Tie amtet 3 r-s ton den solzendei liooen, li 7200 000 üstickük Snitart 220 M 1 Mieii von denn Brüssel n Der gnbuftri« Berliner jleifts « der Aust insofern allen A wciterhi Tänemo Verbotes mm< Dies, liner Er laßen hol siostMss Im Grazer Arbeiterwillen gibt Genosse Eduard Lindne der Glasarbeiter in Gösting ist und als Gefreiter eine württembergischen LandwchrrcgimcntS die blutigen Schlachte, in Frankreich mitgemacht hat, bei Epinal durch zwei Schüsf in die Waden verwundet und bis 2. Oktober in die Heimo beurlaubt wurde, folgende Schilderung über den Geist, dr in der deutschen Armee herrscht: „Die Begeisterung, de Glaube an den Sieg sind in Deutschland unbeschreiblich. Wa zuversichtlich die Bevölkerung glaubt, glauben auch wi roldatgn. Deshalb mußten auch die Franzosen so oft darai glauben. Mannschaft und Offiziere sind eins, beide habe, zueinander eisernes Vertrauen. Wir kennen keine Borge setzten, sondern nur kommandierende Kameraden. Wi wickeln uns in eine Decke, wir schlafen nebeneinander, w« essen oft ans einem Topfe und wir trinken aus einem Becher In der ganzen Armee gibt es nur noch einen Titel, den all und Stoffe unter ihr Teck gepackt, welche Marstrand t>oi Helgestad kaufte, um seine Tätigkeit sogleich mit allem Nack druck beginnen zu können. Der Ansiedler sehnte, sich so schnel wie möglich sort. Sein Haus stand fertig am Dalsfjord, Wal ohne ihn geschehen konnte, war geslhchen, nun mußte er selb! Hand ans Werk legen. Helgestad rechnete mit ihm zwe Tage lang; alle Vorräte wurden ihm übergeben, alle Lister durchgesehcn, und endlich fand sich, daß sinne Gcsamtschul! zehntausend Spezicstalcr, mit Einschluß der verbürgter Schuld an Fandrem, betrug. Dagegen sollte Helgestad die Fische von den Lofoden veo kaufen »nd den Ertrag abschreiben lassen: es ließ sich jcdoik vorausschen, daß dies kaum die Hälfte jener Summe decken würde. „Stuhl" sagte Hclgestad, „ist immerhin ein wackerer Am sang, den nicht jeder macht; bleibt aber die Hauptsache fist Euch der Wald an der Balself. Ten faßt an mit aller Kraft, hat Euch Gott dazu den rechten Kopf gegeben." Er schlug den Deckel eines mächtigen Eiscnkastcns oni und deutete ans sechs Beutel von Leder, die oben zugeschnü» waren. — „Hier," fuhr er fort, „sind die sechstausend Spezis die Euch vor der Hand zu Diensten stehen. Sind richtig fl?* zählt, nehme die Verantwortung aus mich. Seid mir sown scchzchntauscnd schuldig, sage cs aber nochmals: Laßt es fnn!' zig Tausend oder sechzig sein, kommt zu mir, wenn eS nöM ist, soll Euch nicht fehlen." J Marstrand schrieb ohne ein Wort zu sagen, und Hclgesftb steckte eben so schweigend das Papier, nachdem er es durch' gelesen, in eine alte, braune Lcdertasche zu anderen Schu^' Verschreibungen und Dokumenten. Dann gingen die beiden Männer in die Pack- und Warenhäuser, wo die letzte H^ an die Ausrüstung der Jachten gelegt wurde, und so verzins der Tag, welcher der letzte sein sollte, den der Besitzer des Baisfjord hier verlebte. (Fortsetzung folgst) Der! lllizenr Wt: „ tefclbf *tbie Hn o d Hiebt #t! 55V ... seilt en 8 ! 2)ieei Wlt i| susolge 'pkech ö u m s ji °»'tu Seit 6 ««tu , 30 m August fiel sie auf 28 000 (102 000). Kn lausenden Monat dürste st- unter 5000 kommen. Der Kanips um Antwerpen. Z» der Ankunft englischer Hilfstruppen in Antwerpen läßt sich das Berliner Tageblatt aus Antwerpen melden: --eit drei Tagen geht ein ununterbrochener Zug von englischem Truppen mit Geschützen durch die Stadt. :r:ie englischen Hilsstrnppcn werden von der Bevölkerung mit Begeisterung empfangen und begrüßt. Die Leute schätzen die Zahl der Engländer auf 30 000 bis 40 000. Ein Blatt hält dieses jedoch für übertrieben. — Der Gcmeinderat von Antwerpen hat einer Meldung des Berliner Lokalanzeigers Zufolge in geheimer Sitzung den Entschluß gefaßt, der Militärbehörde sein volles Vertrauen auszu- sprechen und sich damit einverstanden zu erklären, daß b i § zum Aeußersten Wider st and geleistet wird und lieber zuzulassen, daß die Stadt beschossen wird, als zu kapitulieren. — Der Militärkommandant von Antwerpen betont in einem Aufruf an die Bevölkerung von Ant- werpen die Notwendigkeit zu einer Verstärkung des Heeres. Demnach werden alle wehrhaften Männer von 18 bis 30 Jahren aufgefordert, sich als Kriegsftciwillige zu melden. (Ctr. Bln.) Russisch- Vorsicht. ... Der Reichspost wird aus Krakau gemeldet: Nach dem jüngsten Siege Hindenbnrgs und dem Beginn der gemeinsamen Offensive Deutschlands und Oesterreich-Ungarns hat die russische Staatsbank Warschau neuerdings verlassen unt> ist nach Moskau übergesiedelt. Auch die Warschauer Universität, die bei der ersten Räumung Warschaus nach Kiew Stiegt wurde, dann nach Warschau zurückkehrte, ist abermals nach Kiew verlegt worden. In russischen Blättern darf über die Tatsachen nichts berichtet werden. Vorbereitungen in Louvon. Rotterdam, 8. Okt. (Ctr. Frkst.) Der englische Minister des Innern erließ eine neue, vorläufig bis zum 1. November geltende Verordnung, derzufolge alle Lichter und Laternen in London, welche von oben herab sichtbar sind, womöglich an ihrer oberen Seite bedeckt, die Beleuchtung der Läden eingeschränkt und ununterbrochene Lichterreihen teilwciie gelöscht und schließlich Lichter mit unregelmäßigen Zwischenräumen angezündct werden müssen. Tie Times melden, daß seit Anfang des Krieges 600 000 Soldaten eingestellt worden seien, davon allein 86 000 in London. Ausweisung von Sozialistensührern auS Paris? Nach Pariser Telegrammen hat General Gallieni sämtliche Führer des sozialistischen Arbeitcrstzndikats, darunter mehrere Deputierte, wegen rcgicruiigsseindlicher Agitation in der Bevölkerung aus Paris ausgewiescn. ' Verbot englischer «nd holländischer Zeitungen in Frankreich. Wie a«ö Bordeaux gemeldet wirb, hat ein« amtliche Vcrösteitt- üchung das Verbot der Einfuhr englischer und holländischer Zeittm- gen M Frankreich bis zum Jahresschluss ausgesprochen. Hochspan,»»„fl an» Balkan. Aus Petersburg meldet der Draht, dass der russische Gesaudte in Sofia beaustragt worden sei, sich der Beschwerde des serbischen Gesandten über die Teilnahme der Bulgaren an den Ausständcn in Ren-Serbien anzuschliessen. Die beiden Gesandten deuteten, an, dass es nötig werden könnte, die Vorstellung in Form eines Ultimatums zu wiederholen dem in diesem Falle sich auch Griechenland anschliesscn würde. Ter rumänische Gesandte tut alles, um zu vermitteln, aber die allgemeine Ansicht scheint die zu sei», dah die Spannung sich seht dermassen entwickelt habe, dass es sich als unmöglich erweisen werde, eine Entladung zu verhindern. Italienische Kriegsrüstungen? Aus Rom wird nach Paris telegraphiert, das italienische Parlament habe 50 Millionen Lire zur Fortsetzung der militärischen Vorbereitungen bewilligt. Die griechische Regierung habe Italien wissen lassen, daß sie nichts gegen eine italienische Besetzung Volonas einzuwcndcn haben würde. (Ctr. Frftt.) Die österreichische Offensive in» Osten. IV. 8 . Wie», 8. Okt. Von hiesiger amtlicher Stelle wird ge- meldet: Unsere Offensive hat gestern, da und dort unter kleineren Gefechten, überall ihre Ziele erreicht. Ein von einem Erkundungs- slugc über Przemysl zurllckgekehrtcr Gcneralstabsosfizier berichtet, dass die Verteidigung der Festung mit der grössten Tätigkeit und Umsicht geführt wird. Mehrere Ausfälle der feindlichen Linien wurde» zurückgebrängt und zahlreiche Gefangene gemacht. Alle Angriffe der Russen sind unter furchtbaren Verjuften im Feuer zurück- geworfen wordrn. Fn den Karpathen östlich vom Biskoper Sattel ist kein Feind mehr. Der bei Marmaros Sziget eingebeochene Gegner ist geschlagen worden: die Stadt ist in unseren Besitz znrück- gelangt. Poincarö wieder in Bordeaux. Haag, 8. Okt. Dailv Erpress meldet aus Bordeaux, bah Präsident Poincare und die französische Regierung wieder in Bordeaux cingetrofsen sind, nachdem sie den französischen Truppen auf dem Kriegsschauplätze einen Besuch abgestattct hatten. Der französische Konsul verlässt Antwerpen. Rotterdam, 8. Okt. Der französische Konsul in Antwerpen rst mit dem Konsulotsarchiv heut« nacht nach Roseudaal abgereist und fährt von dort nach dem Haag werter. Ein deutsches Torpedoboot ln Grund geschossen. T. U. Berlin, 8. Olt. Wie wir erfahren, ist am 6. Oktober nachmittags das Torpedoboot 3 118 während des Vorpostendienstes in der Nordsee durch den Torpedoschuss eines englischen Unterseeboots verloren gegangen. Fast die gesamt« 80 Mann stark« Besatzung konnte gerettet werben. 8 116 gehört einem alten Typ an und hätte nach dem Flotteugesetz dieses Jahres durch ein neues ersetzt werden müssen. Tie Mannschaft konnte durch eigene Streitkrästc geborgen werben. Das englische Unterseeboot ist nach Londoner Telegrammen ohne weiteren Schaden wieder zur englischen Küste gelangt. Die Kriegsleistung der Stadt Berlin. Tie Kämmereiverwaltnng der Stadt Berlin berechnet die Auf- nnmdungen für städtische KriegKIeisttinge» ans ein Fahr mit 100 Millionen Mark, die nur durch eine Erhöhung der Gemeindesteuer ausgeglichen werden können. Zur Unterstützung Arbeitsloser ivaren für di« ersten drei Monat« je 500 000 Mark bewilligt worben, im ersten Monat sind aber bereits 800 000 Mark für diesen Zweck aus- gegeben worden irnd mit dem Eintritt des Winters dürften diese Ausgaben noch ein« weitere Steigerung erfahren. Vereinbarungen über Ttadtverordnetenwahlen. .. Der sozialdemokratische Verein Breslau gab am Montag Abend seine Zustimmung zu einer Vereinbarung sämtlicher Parteien, nach welcher bei den diesjährigen Stadtverordnetcnwahlcn von einem Wahlkamps abgesehen und jeder Fraktion diesenige Zahl von Mandaten garantiert wird, die sie bisher besag. Von den 16 Genossen, di« in der Versammlung sitzen, scheiden diesmal vier aus, ihr« Sitze werden aus weitere sechs Jahre von unserer Partei besetzt. Gegen das Abkommen erhob in der von 400 Mitgliedern besuchten Versammlung niemand Widerspruch, di« Annahme erfolgte einstimmig. Erledigtes Rcichstagsmandat. Der Reichstagsabgeordnete des Wahlkreises Czarnikon-Kolmar- Filehne, Gutsbesitzer Ritter (Kauf) ist gestern nachmittag gestorben. Hesieu nnd Nachbargebiete. Giessen und Umgebung. Wer wuchert am meisten? Das ist die Frage, die jetzt diejenigen beschäfttgt, die aus der Kriegsnot persönliche Vorteile gezogen haben. Die Kleinhändler beklagen sich über die Wuchcrpreise der Grossisten, diese zetern über die Preisaufschläge der Fabrikanten, und diese schieben ditz Schuld auf die Verteuerung der Rohmaterialien. Ter Bäcker klagt über die wucherische Preispolitik der Mühlen, und diese bezichtigen di? Agrarier, die Getreidepreise in die Höhe getrieben zu haben. In Wahrheit ist keiner zu kurz gekommen, und nur der Konsument hat den Schaden zu tragen. So haben sich u. a. die Grossisten der Nahrungsmittel- brauche in Köln in einer Eingabe an den Gouverneur der Festung gegen Höchstpreise im Großhandel gewendet. Das hat den Verein der Kolonialwarenhändler Kölns zu einer Gcgeneingabe veranlaßt, in der es unter anderm heißt: Hätten di« Grossisten die Preis« nicht so riesig gesleigert, würde der Tetaillist kein« Veranlassung gehabt haben, di« Preise in die Höh« zu setzen. Die Zugeständnisse des Verbandes, dass ein Teil der Großhändler di« Regelung der Preise aus Grund der starken Nachfrage etwas streng gehaubhabt hätten, zeig« schon genügend, dass nicht die Detaillisten, sondern ihre Lieferanken die Teuerung der Lebensmittel verursacht habe. Fast kein einziger Artikel ist zu nennen, auch nicht von alten Lagerbeständen, sür den kein höherer Preis vom Tetaillisten gefordert und gezahlt worden ist. ... Dt« Behauptung der Tetaillisten, dass von ihnen eine zehnprozenkige Kriegszusage verlangt wurde, kann bewiesen werden: wenn auch der Ausdruck „Kriegszulage" nicht ganz korrekt sein sollte, so wurde die Preissteigerung doch von den Grossisten oerlangk, auch für solche Waren, die ihnen bisher keinen Pfennig mehr gekostek haben. . . . Auftälligerweise wendet "ch der Verband gegen die Festsetzung von Höchstpreisen für den Großhandel. Unsre Bitte arftf min dahin, dass, nachdem man dazu übergeht, für den Produzenten Preise sestzulegen, auch für den Großhandel dieselben Aiaßnahmen treffen muß, den« der Kleinltznidel sowohl wie auch der Konsument kann dadurch nur Nutzen haben. Hoffentlich werden diese gegenseitigen Vorwürfe die Behörde erst recht veranlassen, den Wucherern auf allen Ge- bieten das Handwerk zu legen. Täuschen wir uns nicht: die Not im Innern wird wachsen. Wir sehen dem Winter mit ernsten Sorgen entgegen. Diejenigen, die vom Hauch des! Kapitalismus so vergiftet sind, daß sie von Arbeitslosen, von Kriegcrfrauen und Kriegervätern besondere Vorteile erpressen, müssen viel schärfer angefaßt werden, als es bisher geschieht. Der Kampf gegen die Franktireure des Wirtschafts- icbens ist nicht minder wichtig wie der in Feindesland. Wer dem Wucher wehrt, leistet wertvolle vaterländische Arbeit. Arbeitslosigkeit, Armenpflege und „Kriegssürsarge". Das Großh. Ministerium des Innern hat in einem Dv.s- schreiben an die Großh. Kreisämter erneut als Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit und Sorgfaft die Verhütung der Arbeitslosigkeit bezeichnet ilnd das Zusammenarbeiten aller örtlichen Arbeitsnachweise von Arbeitgebern, Arbeitern, Korporationen usw. mit dem öffentlichen Arbeitsnachweis wiederholt dringend empfohlen. Da aber trotz aller diese Maßnahmen eine Inanspruchnahme der Armenpflege vielfach wohl kaum vermieden werden könne, sei es weiterhin nötig, daß die Gemeindeverwaltungen rechtzeitig mit den Arbeitgebern und Arbeiterorganisationen Fühlung nehmen, um zu verhüten, daß die Armenpflege in übermäßigem »nd überflüssigem Umfange in Anspruch genommen werde. Das Großh. Ministerium weist hieran anschließend darauf hin, in erster Linie sei stets darauf Bedacht zu nehmen, daß nach Möglichkeit Arbeitsgelegenheit geschaffen werden muß. Hier müßten gerade die Kommunalverwaltungen in ihrer Eigenschaft als Arbeit- nnd Auftraggeber Mitwirken und die bereits in Angriff genommenen Arbeiten nicht etwa aus Anlaß des Krieges unterbrechen, sondern ungesämnt fortführen. Zu wünschen sei auch, daß sie diejenigen Arbeiten, die zwar beschlossen, aber noch nicht begonnen seien, unverzüglich in Angriff nehmen. Bei Ausführung dieser Arbeiten müsse Rücksicht genommen werden, möglichst viele Personen — gegebenenfalls unter Verkürzung der üblichen Arbeitszeit — Verdienst zu gewähren. Eine Beschäftigung freiwilliger Kräfte habe dagegen ganz zu unterbleiben. Ferner müsse man versuchen, bei Vergebung neuer Lieferungen den Firmen zur Bedingung zu Machen, Massenentlassungcn von Arbeitnehmern oder Lohnkürzungen zu unterlassen. Auch bet Unternehmern, die sich bereits im Besitz größerer Aufträge befinden, würden dahingehende Bemühungen vielfach nicht ohne den gewünschten Erfolg bleiben. Den Gemeinden wird weiterhin in dem Erlaß nahegelegt, bei Anstalten, wie zuin Beispiel die der Straßenbahnen, die zunächst eine Einschränkung des Betriebes hätten eintreten lassen müssen, alsbald den früheren Betrieb in vollem Umfange wieder aufzunehmen und zu diesem Zweck eine entsprechende Zahl neuer Arbeitskräfte einzustellen. Die vorstehenden, hauptsächlich für den Arbeiterstand gegebenen Hinweise seien aber vielfach auch ans andere Kreise, insbesondere ans die der kaufmännischen nnd technischen Angestellten, anwendbar. Auch hier dürften solche Stellenlosen nach Möglichkeit bei der Vergebung geeigneter, Arbeiten, z. B. im Kanzleidienst, zu berücksichtigen sein. Kriegszustand auf den Eisenbahnen. Die offiziösen: Berliner Poliftschen Nachrichten veröffentlichen folgende Mahnung: „Seit Ausbruch des Krieges ist im Eisenbahnverkehr, wie uns von der maßgebenden Stelle mitgeteilt wird, mehrfach die Wahrnehmung gemacht worden, daß die Ordnung in den Zügen — namentlich in den D-Zügen — zu wünschen übrig läßt. Bei einer ganzen Anzahl von Reisenden besteht die aus dem Gedanken „im Kriege ist alles gleichgültig" hervorgehende Neigung, sich über die bahn- polizeilichen Ordnungsvorschriften hinwegzusetzen und im Zuge da Platz zu nehmen, wo es ihnen gerade paßt. Nichtraucherabteile werden von Rauchern, Frauenabteile von Männern besetzt. Andere Reisende wiederum geben sich gar nicht die Mühe, einen Platz in der ihrer Fahrkarte entsprechenden Klasse aufzusuchen, sondern setzen sich ohne weiteres in eine höhere Klasse. Es hat die Weisung ergehen müssen, solchen Reisenden gegenüber mehr als bisher auf Ordnung zu halten. Unser Volk, das sich von jeher durch Ordnungssinn ausgezeichnet hat und dessen wehrfähiger Teil zurzeit täglich unvergängliche Beweise seiner straften Manneszucht liefert, sollte auch im Bahnverkehr Unregelmäßigkeiten, wie die vorstehend geschilderten, aus freien Stücken vermeiden. Jeder Reisende sollte bedenken, daß ein Verstoß gegen die Ordnungsvorschriften eine Benachteiligung der übrigen Reisenden dar- stcllt und den Eisenbahnbediensteten in den Zügen und auf den Bahnhöfen ihre jetzt besonders schwierige Aufgabe erschwert. Und dann noch eins. Es ist gewiß ein begreifliches Verlangen, von den Erlebnissen der aus dem Felde heimkehrenden verwundeten Krieger zu hören. Aber ein solches Bestreben darf sich nicht zu einer Belästigung dieser Krieger in den Eisenbahnzügen auswachsen. Die Staatseisenbahn- vcrwaltung hat in zahlreiche Schnellzüge besondere Abteilwagen für einzeln reisende Verwundete eingestellt. Es ist nicht zu billigen, wenn andere Reisende sich unaufgefordert in diese Wagen mithineinsetzen oder die Verwundeten durch ihre Bitten und Fragen veranlassen, nicht dort, sondern mit ihnen in den Durchgangswagen Platz zu nehmen. Damit leistet man solchen Verwundeten, die schon mehrere Tage unterwegs und der größtmöglichen Ruhe dringend bedürftig sind, ganz gewiß keinen Dienst; übrigens werden diejenigen Verwundeten, die Lust haben, sich mit anderen Leuten zu unterhalten, schon von selbst da Platz nehmen, wo es ihnen behagl." Die Militärbehörde gegen Gehaltskürzungen. Der stellvertretende Gouverneur der Festung Metz, Generalleutnant Pelkmann, hat folgende bemerkenswerte Bekanntmachung er- lassen: „Das Gouvernement hat in Erfahrung gebracht, Laß einzelne hiesige Geschäftshäuser verabredet haben, während Lcr Kriegszcit ihren Angestellten, die sic weiter beschäftigen, nur die Hälfte des bisherigen Gehalts zu bezahlen und die Angestellten sich in ihrer Notlage diesen Bedingungen haben fügen müssen. Abgesehen davon, daß das ganze Verhalten dieser Firmen ein ungesetzliches ist, werden sie darauf aufmerksam gemacht, daß, falls die Angestellten nicht ihr volles Gehalt, und zwar auch für die verflossene Zeit, ausbezahlt ec- haltcn, der gesamte Güterverkehr für die in Frage kommenden Geschäfte unter Vorbehalt weiterer Maßnahmen gesperrt werden wird. Die Angestellten werden ersucht, diese Geschäfte bei der Ueberwachungsstclle des Gouvernements namhaft zu machen." — Auch gegen die Arbefterlohndrücker und Tarifbrecher müßte ähnlich vorgcgangen werden, wie ja auch z. B. das bayerische Kriegsministerium mehreren Lohn- drückerfirmen die bereits erteilten Aufträge wieder entzogen hat. Strümpfe für unsere Soldaten. Cs ist vielfach der Wunsch geäußert worden, eine brauchbare Anweisung, wie man für unsere Soldaten stricken soll, au veröffentlichen, um so eine größere Einheitlichkeit der hergestellten Sachen zu erzielen. Wir geben in folgendem die Anweisung, wie sie von der Barmer Wohlfahrts- zentralc bekannt gegeben wird. Socken: Sehr gute Wolle, möglichst in grauer, sonst Heller Farbe. Mit Nadeln Nr. 7 oder 8 lose gestrickt. Aufschlag 78 — 82 Maschen. Bcinlänge 28 — 30 Zentimeter, zwei rechts — zwei links gestrickt: ganze Fußlänge 28—32 Zentimeter. Ferse mit Beistrickgarn genügend breit und lang. Fußspitze runde Minderung mit 7 Maschen nachstrickcu und durch Bei- strickgarnc verstärkt. Pulswärmer: Dieselbe Wolle wie zu Socken, aber nur feldgraue Farbe. Lose aufschlage» 00 — 64 Maschen, zwei rechts, zwei links gestrickt: lose stricken: Länge 25—28 Zentimeter, Abmasche» sehr dehnbar. Man stricke die Pulswärmer nur rund und mache keinen Einschnitt sür den Daumen. Im Gegensatz zu dieser Anweisung wird in Düsseldorf empfohlen, in die Pulswärmer Einschnitte für den Daumen zu stricken. Beide Formen sind brauchbar. Eisenbahn-Güteroerkehr. Di« Kgl. Eisendahndirektion rn Frankfurt a. M. schreibt uns: Bei der dauernden Beanspruchung eines sehr erheblichen Teiles des Güterwogeuparks durch di« Heeresver- waltuitß und den Einwirkungen des Kriegsbetriebcs aus den Wagen- umlaus wird die Wagcngestcllung in diesem Herbst voraussichtlich besonders großen Schmierigkeiten begegnen. Es ist daher unbedingt nötig, daß jeder einzeln« Verkchrstreidendc sich im Interesse der Allgemeinheit möglichst« Beschränkung bei der Inanspruchnahme des Güter,vagcnparks auferlegt und vor allem das Ladegeschast nach Möglichkeit beschleunigt. Tie durch die Eisenbahnvcrwaltung jetzt zu treffenden besonderen Maßnahmen sind im Interest« der gesamten Volkswirtschaft notwendig, zu deren Förderung jetzt jeder Verfrachter Opfer bringen muß. Franksurt a. M., 10. Lkt. Ein großes Schadenfeuer Ist heute Nacht in einem Holzschuppen des Ostbahnhofs entstanden, wodurch der Schuppen und 4000 Säcke Mehl, die dem Proviantamt gehörten, vernichtet wurden. — Wcitere3MtllionenMark sollen für die Kriegssürsorge bewilligt werden, da öle bereits bewilligten 2 Millionen aufgebraucht sind. Der offizielle Bericht. Die Schlacht im Westen steht! Antwerpen vor dem Fall! Die Nnsten sind wieder in Ostpreußen! Großes Hauptquartier, 8 .Oktober, abends. (Amtlich.) Pom westlichen Kriegsschauplatz sind Ereignisse von entscheidender Bedeutung nicht zu melden. Kleine Fortschritte sind bei St. Mihiel und im Argonnen- Walde gemacht. Vor Antwerpen ist das Fort Breendonck ge- ii v in in c n. Der Angriff auf die innere Fortlinic und damit auch die B c s ch i e ß u n g der dahinter liegenden Stadtteile hat begonnen, nachdem der Kommandant der Fcstniig die Erklärung abgegeben hatte, daß er die Ver- nniluortung übernehme. Die Luftschlsfhalle in Düsseldorf wurde von einer durch einen feindlichen Flieger geworfenen Bombe getroffen. Das Dach der Halle wurde durch, schlagen und die Hülle eines in der Halle liegenden Luftschiffes z c r st ö r t. Im O st c n erreichte eine von Lonisha anmarschierendc russische Kolonne L Y ck. Das französische Bulletin. Paris, 8. Lkt. (Ctr. Frkft.) Das gestern abend 11 Uhr ausgegcbcne Bulletin besagt: , Abgesehen von den beiden Flügeln, wo deutsckie An- griffe zurückgeschlagen wurden, herrschte fast vollkom- n: e n e Ruhe auf der ganzen Front. Auf unserer Linken ist deutsche Kavallerie nördlich von Lille festgehalten worden. Bei Chaulnes haben wir das verlorene Terrain wieder- gewonnen. Im Zentrum haben wir auf einigen Punkten Fortschritte gemacht. Auf der Rechten liegt nichts Neues vor. Das Ende der Schlacht ist n o ch n i ch t a b z u s e h e n. Tie Front, die ursprünglich beim Walde von Compiögne endete, hat sich immer mehr nach Norden verlängert und nunmehr bei Armentiöres die belgische Grenze erreicht. Die Deutschen haben durch Heranziehung großer Verstärkungen die drohende Umfassung ihres rechten Flügels, die bereits im vergangenen Monat von der Pariser Presse angekündigt wurde, vereitelt. Tie französischen Bulletins melden nun schon seit Wochen nur unbedeutende Veränderungen der Front, und in der Tat sind die Stellungen der beiden Heere, abgesehen von der Verlängerung der Schlachtlinie, kaum verschoben, alter auch die geringsten Verschiebungen sind Ergebnisse schweren Blutvergießens: ja, auch wo die Lage unverändert blieb, ist häufig ein Ort dutzendmal geräumt und wieder gestürmt worden. Man nimmt an, daß die Gegner über ungefähr die gleiche Stärke verfügen, da keiner durch die Abgaben an den Westslllgel eine solche Schwächung erfahren hat, daß ein Durchbruch möglich wäre. Die Befchießmcg Antwerpens. Brüssel, 8. Lkt. (W. B. Nichtamtlich.) Gemäß Ar- tikel 26 des Haager Abkommens betreffend die Gesetze des Landkrieges ließ General v. Beseler, der Befehlshaber der Bclagerungsarmee von Antwerpen, durch Bermiftlung der in Brüssel beglaubigten Vertreter neutraler Staaten gestern nachmittag die Behörden Antwerpens von dem Bevorstehen der Beschießung verständigen. Die Beschießung der Stadt hat um Mitternacht begonnen. Aus holländischen Quellen berichtet die Franks. Ztg.: Nieuws van den Dag meldet aus Rosendaal: Seit Mitternacht wird Antwerpen beschossen. Die Deutschen haben die Ncthe überschritten und schweres Geschütz in Stellung gebracht. Zunächst erfolgte eine Beschießung des SUdost-Teils, wo die Vorstadt Berchem schwer litt, dann auch eine des Nordost-Teils. Ein Zeppelinkreuzer warf eine Bombe auf die Oeltanks von Hoboken, die infolgedessen teilweise in Brand gerieten; man ließ daraufhin das Petroleum der anderen Tanks auslaufcn. Englische Truppen haben mit schweren Schiffsgeschützen hinter dem inneren Festungsgürtel Aufstellung genommen, wo sie die Verteidigung sort- setzen. Politiken meldet aus Antwerpen: Den Blättern zufolge hat die Regierung erwogen, der Stadt das Bombardement zu ersparen: die weiße Flagge sollte gehißt werden, sobald die zweite Festungslinie gefallen sei. Aber die Bevölkerung scheint die Verteidigung der Stadt bis zum letzten Haus zu verlangen. Es sallen jetzt ziemlich viel Bomben von deutschen Flugzeugen auf dicStadt, Sydsvenska Dagbladet vom 7. Ottober berichtet: Churchills Reise nach Antwerpen galt der Beratung über eine etwaige Flucht des Königs Albert nach England. Nach dem Stockholmer Aftonbladet soll die Besatzung Antwerpens auf Transportdampfern, die auf dem Fluß verankert liegen, nach England und von dort nach anderen Teilen' des Kriegsschauplatzes gebracht werden. Weitere Forts vernichtet. Amsterdam, 8. Okt, (Ctr. Frkft.) Der Maasbode intlbet aus Putte, daß die Dcutlchcn i» der vcrqanqcnc» Nacht und heiite srüh auch über das Fort Broechem anrücktcn, eine andere Hccres- abteilung marschierte über West,»alle aus Fort Wlineghem, das in wenigen Stunden vernichtet war. Fort Wyncghem Ist das erste Fort des inneren Festungsgürtels. Fort Schooten vom äußeren Festungsgürtel, nordöstlich von Antwerpen, suchte de» Einmarsch auszuhalten. wurde aber rasch zum Schweigen gebracht. Bei dirscm gewaltigen Anrücken war da-, belgische Heer gezwungen, über die Schelde zurückzuweichcn. König Albert auf der Flucht? Ter Antwerpener Berichterstatter des Amsterdanier HandelSblad meldet aus Rosendaal: Mitten im Gedränge sei in Antwerpen der königliche Kraftwagen mit dem König und der Königin erschienen. Er sei über die militärische Schiffbrücke auf die andere Seite der Schelde gefahren und war bald außer Sichtweite gekommen. — Aus Sas van Gent meldet das Dias-Bureau: König Albert ist heute Morgen 8 Uhr in Selzacte an der'holländischen Grenze auf belgischem Gebiet angekommen. Briefkasten. E. H., Gieße». Ein Vcrlosungstcrmin für die Lotterie der in diesem Sommer stattgesiindenen Gießener Gewerbe-Ausstellung ist unseres Wissens noch nicht festgesetzt: nach einer früheren Erklärung der Ausstcllungsleitung muß aber die Verlosung stattfindcn, da ja zahlreiche Gegenstände dazu angckaust worden sind und über das eingegangene Geld nicht ohne weiteres anderweit verfügt werden kann. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & Cie., Gießen. Druck: Verlag Offcnbacher Abendblatt. G, m, b, H„ Ottenbach a. M. Kokspreise. Die Sommcrpreise für Gaskoks bleiben bis aus Weiteres bestehen, cs kostet 1 Zentner ab Gaswerk: bei Abnahme von mindestens bei Abnahme von mindestens bei Abnahme von mindestens bei Abnahme von mindestens bei Abnahme von über Stiickkoks Mk. 1,20 Mk. 1,15 Mk. 1,10 Mk. 1,05 Mk. 1, Nußkok? Mk. 1,30 Mk. 1,30 Mk. 1,25 Mk. 1,20 Mk. 1,15 0 Ztr. 36 Ztr. 200 Ztr. 400 Ztr. 800 Ztr. Im Gaswerk findet nur Verkauf von über 5 Zentner statt, die meisten hiesigen Kohlenhändler verabfolge» Gaskoks auch in Mengen unter 5 Zentner zum Preise von Mk. 1,20 sür Stück- und Mk. 1,30 für Nußkoks pro Zenkncr. Für die Anfuhr an das Haus werden 10 Pfg. für den Zentner berechnet. Für Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich die Preise außerdem um beu Betrag der Oktroi-Rückvergütung von 4 Psg. für de» Zentner. Gießen, 6. Oktober 1014. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. _ Ste ding.__ Bekanntmachung. In den Wagen der städtischen Straßenbahn wurden in der Zeit vom 1. Juni bis 30. September d. I. nachfolgende Gegenstände gefunden: 26 Schirme, 5 Spazierstöcke, 9 Paar Handschuhe, 4 Geldbörse», 3 Handtäschchen, 4 Pakete mit Inhalt, 3 Bücher, 2 Körbchen, 1 Haar- und eine Zahnbürste, 1 Kindermütze, 1 Rcisekisscn, 1 Schürze, 1 schwarzer Umhang, 1 Brosche, 1 Armband, 1 Paar Strümpfe und 1 Schlüssel. Die obigen Sachen können auf dem Bureau der Elektrizitätswerke und Straßenbahn, Lahnstraße 28, Zimmer Nr. 4, in Empfang genommen werden. Gießen, den 2. Oktober 1914. Elektrizitätswerke und Straßenbahn der Stadt Gießen. S t o l t e. _ Bekariiitmachuna. Aus der L»l;-Leng-Ttistung sind die diesjährigen Zinsen an bedürftige Witwen und Waisen zu vergeben. Meldungen nimmt das städtische Armenamt, Asterweg 9, bis zum 15. Oktober d. Is. entgegen. Gießen, den 6. Oktober 1914. Der Oberbürgermeister. Keller. Allgemeines | Sternberg's Feen Seile Ist die Beste erbaltlieb i. d. Kolonialw. llo^chafL Bier Handlungen , ernaunen i. a. Kolonial w.i,obenan, j HAu.omCilc.l jj Fahrräder g SöbeB & Appel Alicestr. 25 Tel. 736 Adler-Autos u. Fahrräder Kontrollkassen, Reptwkst. Tja'iiJe - Einrichtung. Chr. Zimmer Bahnhofstraße 12 Spez.; Kupferkessel. Baugeschäfte] s Jean Dern & Cie., Gießen gegr. 1883 Westanlage 31 Baumaterialien-Großhandlg. Zementwsrenfalr. m. Motorbetrieb |Blumengesch. 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