Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebicte. Die ObcrbcfRIA« Volks,ettuu, erschcmt leben Werfta, Abend In •itfcen Der Abonnement» vrei» beträgt wöchentlich 15 Ptg, monatlich M Via. etrilchl. Bringer lob» Durch die Bost bezogen vierteIjäbrI.IA)Mt Rcdakti«» und «rvcdttton GleKem Babnd»f»ral,e 23. Elke LSweiia-llc. Telepbon 2008. Inlcrale kosten die 6 mal geloalt. Kolonclzcüe ober deren Raum 15 Bla- Bei „roheren Aufträgen Ral-att Anzeigen wolle man b>» adenb»7Kdr >ür die folgende Nummei IN der Eivcdition autgedeu Nr. 230 Gicßcn, Montag, dcn 5. Oktolicr ÜU4 9. ^nlirflüiiß Krieg und Demokratie. In ganz Europa gibt es jetzt keinen Menschen, der an etwas anderes denkt ais an den Krieg, der von etwas anderem redet als vom Kriege. Das furchtbarste aller politischen Ereignisse hat das Denken nnd suhlen der ganzen Menschheit ganz in Besitz genommen. Der Gelehrte, der fern von allem politischen streit sein ganzes Leben in der Studierstubc verbrachte, und die Näherin, die in Sorge um ihren Erwerb sich nie um Organisationen, Wahl- vcreinc, Reichstag und Welthandel kümmerte, der Bürgersmann, der seinen Geschäften nachging und alles Politische vertrauensvoll der Regierung überließ, und der Bauer, besten politische Richtung vom Seelsorger bestimmt wurde, sic alle sind aufgcrütteit, und mit weit ausgcristcncn Augen starren sie in das ungeheure Chaos, aus besten blutigem Schoß sich eine ungewiste Zukunft entringen will. Es handelt sich nicht um das äußere Schicksal des Lande? allein. Denn wenn auch dieses jetzt weitaus im Vordergrund des allgemeinen Interesses siebt, so weiß doch jeder, daß der Krieg in den Ländern, die er ergriffen hat, auch gewaltige innere Veränderungen nach sich zieht. Wie es in England und Rußland, in Frankreich und in Deutschland nach dem Kriege aussehe» wird, weiß niemand. Aber bei den engen geistigen Wechselwirkungen, die gleich nach dem Friedcnsschluß sich wieder geltend machen, müsten die inneren Vorgänge des einen Landes auch die des andern mächtig beeinslusten. Mit dem Krieg sind wir in ein neues politisches Zeitalter cingctrctcn. Und dieses neue politische Zeitalter wird durch den Krieg eröffnet mit einer allgemeinen Politisierung der Massen. Heute stimmen alle darin überein, daß es jedermanns Pflicht sei, mit seiner ganzen Krakt für bas Wohl des Ganzen tätig zu sein. An viele von ihnen wird man freilich die Frage richten dürfen, ob sie sich auch früher nm das Wohl der Allgemeinheit gekümmert baben, für das doch auch in Fricdenszeitcn zu tun genug war. lieber die meisten von ihnen ist der Krieg gekommen wie der Dieb in der Nacht. Sie wußten nichts, ahnten nichts, und plötzlich war cs da. Alle Völker haben vor diesem Krieg den Frieden gewollt: wenn alle Völker dafür gesorgt hätten, baß sich ihr Wille bei den Regierenden Geltung verschaffe, wieviel wäre der Menschheit dadurch erspart geblieben? Manche Leute glauben heute die sozialistische Internationale als abgetan betrachten zu können, weil sie nicht imstande war, den Weltkrieg zu verhindern. Aber wo waren diese ! Leute vor dem Ausbruch des Krieges? Wenn ein politisches Bestreben einen Mißerfolg verzeichnen muß, weil es nicht überall die nötige Unterstützung gefunden hat, ist das ein Beweis für die U n - Dichtigkeit dieses Bestrebens? Oder ist das nicht vielleicht ein "eweis für die Notwendigkeit einer stärkeren Unterstützung? Politisches Masteninterestc ist noch nicht Demokratie, aber es mhrt unweigerlich zu ihr. Wenn das Schicksal einer Nation durch Ueinen Kreis von Mcnichen bestimmt wird, so kann das nur »-lchebeg, weil die Masten nicht das nötige Interesse aufbringen, um luh einen dauernde» und energischen Einfluß aus die Leitung oer Ltaaisgeschäfic zu erringen. Auch in den Formen einer rein oemolralischkn Vcrfastung kann infolge der politischen Indifferenz ? C T ein Einzelner oder eine kleine Minderheit in Wabr- i). nuenihcrrschend werben. Auch »ntcr unbemolraiischen Rc- ^eeungssormeii wird sich dagegen das allgemeine Volksbewußtsein f!ü «ir ma( * l . tn ' "osern cs nur mit der nötigen Entschiedenheit aus Jf“ /eitt. Tenn — das zeigt uns wieder mit handgreiflicher S «rl? " et Krieg — keine Regierung kann, wenn cs um Sein ? . , - ,!' c ’n licht, die unterstützende Macht dieses Volksbcwnßt- icmo entbehren. M, stumpfem llntcrtanengchorsam schlägt man § Griten der Volkshecre keine siegreichen Schlachten. Das -ton mutz bis zum letzten Mann von der llcbcrzcugnng dnrch- orungcn lcm, daß es kur sich selber kämpft, es muß aus tlcber- ^cugling, nicht aus bloßen Befehl hin Gut und Blut opfern, nur dann kann der Krieg ,„m Sieg geführt werden. «ine tyrannische Regierung wie die zarische hat im Fall einer .aeicriagc alles zu siirchten. Ein frcihcitliebcndcs Volk aber hat. F c - n " e t ” e ? r . ci .gesandt, um den Durchmarsch türkischer Truppen »rch die persische Provinz Aserbcidschan gegen die russische Horenze vorzubereitcn. Ser fkrieg. ^ine bulgarische Note an Serbien. Tic sZnstänVc in Makedonien. (Ctr. Frist.) Ter Südslawischen Korrespondenz wird aus Sofia gemeldet: Der bulgarische Gesandte in Nisch hat dem serbischen Kabinett eine Note überreicht, in der der serbischen Regierung nahegclegt wirb, mit Beschleunigung jenen Zuständen in Mazedonien ein Ende zu machen, die die bulgarische Oeffenilichkcit in ständiger Erregung halten und die Gefahren des Ausbruch» des Volkswillens gegen die Bedrückung der bulgarischen Stammesbrüder in Mazedonien in den Bereich der Möglichkeit rücken. Ter bulgarische Gesandte betonte, daß die Fortdauer der herrschciideu Zustände in Mazedonien den Entschluß der Negierung, ihre gegenwärtige Haltung zu bewahre», sehr erschweren müßte und sie zwingen könnte, Maßnahmen, die sie in diesem Falle sür richtig hielte, zu treffen. Dieser Schritt der Negierung hat in der Wiener Oeffcntlich- kcit sehr beruhigt, da man die Entschlossenheit bcf- Kabinetts kennt, die bulgarischen Intercsten zu wahren. Man meist auch darauf hin, baß sich nunmehr unzweideutig zeige, daß die Bemühungen der Triple-Entente in Sofia keinen Erfolg eirungeii haben und sich die Regierung weder einschiichtcrn laste noch auf Versprechungen von dieser Seite höre. So habe die Regierung die Zusage Rußlands, daß Bulgarien die Stadt Ischtip und 300 Quadratkilometer Gebiet in Mazedonien überlasten werden würden, falls Bulgarien Serbien militärisch unterstütze, gar nicht zur Kenntnis genommen. Die Stimmung im Lande, namentlich in Mazedonien, und dort besonders unter der Bauernbevölkerung, ist wegen der Vorgänge in Mazedonien derart scrbenfcindlich, wie vor dem zweiten Balkankrieg. Unruhen in der serbische!- Armee. Sofia, 2. Okt. (Etr. Bln.) Tos Blatt Utro schreibt: In der serbischen Armee machen sich revolutionäre Erscheinungen bemerkbar. Das Offizierkorps und die Mannschaft ist ttnzufricdem Die letzten Aufstände in drei Artillerie- Regimentern sind keine vereinzelten Vorfälle. Man teilt mit, daß meuternde Soldaten eines Jnfanterie-Regiments ihren Oberst erschossen hätten. In zwei anderen Regimentern soll der Oberstleutnant ermordet worden sein. Serbische Ar- tillcristcn erzählten, sic hätten die Rohre der Kanonen mit Dynamit gefüllt, damit die Kanonen explodierten. Die serbische Armee steht vor einer traurigen Krise. Russische Brutalität. lCtr. Frkst.) Die österreichisch-ungarische Regierung hat den Regierungen der neutralen Staaten eine die polnischen Legionen betreffende Verbalnote zukommen lasten. Gegenüber der Erklärung des russischen Obcrkommandierenden, daß die polnischen Legionen in Galizien beim Kampfe gegen russische Truppen Explosivkugcln mit abgeschnittencr Spitze verwenden, woran die Weisung geknüpft wird, diese Legionen nicht als Kriegführende anzu- nchmcn, stellt die österreichische Regierung fest, daß die polnischen Legionen als Teile der österreichisch-ungarischen Armee gelten und daß an ihrer Spitze ein österreichischer General steht. Was die angebliche Verwendung jener Erplosivkuacln betrifft, so erklärt die österreichische Regierung, daß weder die polnischen Legionen, noch irgend ein anderer Teil der österreichischen Armee sich solcher Projektile bedient. Daher wäre die Nichtannahmc der polnischen Legionen als Kriegführender eine flagrante Verletzung der Haager Bestimmungen, wogegen die österreichische Regierung schon jetzt kategorischsten Protest erhebe. Verwundete russische Gesa,,gone im Reservcspital des Roten Kreuzes in Wien haben an das russische Rote Kreuz eine Zuschrift gerichtet, worin sic die tiefste Dankbarkeit für die humane Pslege in Wien ausürücken und im Namen der Menschlichkeit, Brüderlich, feit und Liebe das russische Rote Kreuz bitten, die verwundeten Oesterreicher in Rußland in derselben humanen Weise zu behandeln. Ter Brüsseler Bürgermeister kriegsgefauge,». Köln, 2. Okt. Erbürgermcister Mar in Brüssel wurde für die Kriegsdauer als Gefangener nach Deutschland gebracht. Kitcheners „Millionenlreer". lCtr. Frkst.) Tie Agenzia Ttefani bringt Londoner offiziöse Meldungen über die riesigen Schwierigkeiten, die England findet, um das von Lord Kitchcner angekündigte „Millioncnheer" cinzu- kleibcn und auszurüsten. In den Magazinen ist noch nicht einmal der kleinste Teil der nötigen Bestände vorhanden: so gut wie alles fehlt: Gewehre, Kanonen. Maschinengewehre, Uniformen, Wintcr- wäichc und Wolldecken. Namentlich erregt der Mangel schwerer Fcldartillcric Besorgnis, weil deren Herstellung sehr langsam vor sich geht. Tie Wersten arbeiten fieberhaft, da der Wachdienst der Flotte, namentlich zu Sturmzcitcn, viele Schisse ruiniert. lFr. Zig.) Indische Truppen in Frankreich. (W. B. Nichtamtlich.) Dem Petit Marseillais zufolge nahm der kommandierende General des 15. Jnipcktionsbezirks am Dienstag eine Parade über in Marseille angekommene indische Truppen ab. schwindclnachrichten in neutralen Ländern. Auch in den neutralen Ländern werden über Deutschland und über den Krieg die unglaublichsten Nachrichten verbreitet. Wir geben in Nachfolgendem eine Probe der Schwindelnachrichtcn, die in Griechenlands Hauptstadt, in Athen, in der letzten Zeit verzapft worden sind: 11. September: Auf Ersuchen der Ententemächte wird Japan deutsch-afrikanische Kolonien angreisen. Verbündete haben bcschlosien, künftigen Frieden in Brüsicl zu diktieren. 12. September: Französischer Vorniarsch Elsaß sortdaucrnd. Erfolge werden nur von Gegnern gemeldet. 13. September: Engländer und Franzosen nahmen 0000 Deutsche gefangen, bei Reims wurden deutscher Artillerie 160 Geschütze abgenommcn. Zwischen Löwen und Briisiel wird ein deutsches Korps abgcschnittcn. Eisenbahn über Lüttich im Besitz der Belgier. Russische Strciikräfte 5 Millionen stark, weitere 3 Millionen in wenigen Tagen bereit. 11 deutsche Armeekorps unter Oberkommando des deutschen Kronprinzen in Ostpreußen cinge- Irossen. 5 deutsche Armeekorps sind in Kiel zum Transport nach Ostpreußen cingcschisft worden, wahrscheinlich zum Flankcuaugrisf gegen russische Armee bestimmt, welche Königsberg belagert. Belgien von Deutschen geräumt, nur noch bei Antwerpen stärkere Truppen. 11. September: Deutsche scheinen wegen stürmischer französischer Verfolgung in sluchtartigcm Rückzuge über Grenze zurückzu- gehen, um sich bei Straßburg und Metz zu verteidigen. Zwei deutsche Divisionen in Ostpreußen vernichtet. 13. September: 200 000 Russen sollen in Boulogne, weitere 200 000 in Antwerpen landen. Große Bewegungen seien bei Allos, Belgier durch Russen verstärkt, haben Deutschen rückwärtige Verbindungen abgcschnitten. Bauern, Sachsen, Württemberg sind geneigt, sich vom Deutschen Reich zu trennen. 16 September: In Berlin herrscht Verzweiflung wegen russisch-französischer Erfolge: jeder Verkehr hat anfgchört. Deutsche in Belgien überall im Rückzüge, Lüttich ist schon geräumt. Ter Kaiser wird Oberkommando in Ostpreußen übernehmen, Prinz Adalbert ist in Ostpreußen gefallen. 17. September: In Marseille 50 000 marokkanische Truppen gelandet. 800 000 Russen Vormarsch gegen Wien. In Berlin und Wien ist man einig, daß sofort Frieden geschlossen werden muß. 18. September: 300 000 Russen werden von Archangelsk nach Belgien gebracht. König Albert übernimmt Oberkommando von neugebilbctem Heer von 600 000 Mann, wird über Deutz, Belgien, in Deutschland cinbrechen. 19. September: Deutscher Angriff in Ostpreußen hat ausge- hört, Deutsche ziehen sich zurück, von Rußland versolgt. 20. September: Großer Teil der indischen Truppen ist nach Bclfort transportiert. Sic wollen von dort nach Lothringen ein- dringcn. Deutschland will Frieden annehmen, wenn es seine Gebiete behält. Sächsische Armee wurde vollkommen zersprengt. Oesterrcichische Armee hat nur noch ein Viertel ihres Gcfechts- wcrtcs. 21. September: 50 000 Mann indische Truppen in Marseille eingetrosscn. Portugiesische Truppen eilen England zu Hilfe. Durch die letzten Mißerfolge hat der Kaiser an Volkstümlichkeit verloren. Volk wegen Krieg mißgestimmt. Tausende der zum Militär Einberufenen desertieren. 22. September: Deutschland hat Oesterreich verhindert, Fricdensvorschlägc zu machen. Deutschland hat der Türkei versprochen, ihr Acgnpten, Tunis und Tripolis zurückzugebcn, wenn Aegypten der Entente Krieg erkläre. 23. September: Schlacht an der Aisne wirb mit Rückzug der Deutschen von Maubeuge und Namedy enden. In Deutschland beginnt man mit Niederlagen zu rechnen. Kruppsche Fabriken sollen für diesen Fall vernichtet werden. 21. September: Deutschland hat Brüssel unterminiert und wird cs in die Luft sprengen, wenn es die Stadt räumen muß. 25. September: Deutsche sind in der Schlacht bei Soldau geschlagen. Ter Kaiser übernimmt das Oberkommando in Ostpreußen. Frhr. v. d. Goltz hat neue Friedcnsanerbietungen gemacht. Wegen großer Disfercnzen werden sich die deutschen Staaten von Preußen trennen, bevor die Vernichtung des ganzen Reiches erfolgt. 25. September: General Kluck seines Kommandos enthoben. Beim Rückzug des rechten deutschen Flügels eroberten Verbündete 64 Eisenbahnzüge mit Kriegsmaterial. 29. September: Entscheidender französischer Sieg auf beiden Flügeln, General Kluck gefangen und Selbstmord verübt. Manifest der British Loc.allst P-irty. Die British Socicilist Party hat am 15. September ein Manifest über die englische Rekrutierung für den europäischen Krieg herausgegebcn. In dem Manifest heißt es u. a.: „Die Regierung hat alle politischen Parteien eingeladen, sich zu einer Kampagne zu vereinigen, die ihr die für den europäischen Krieg nötigen Rekruten sichern soll. Die British Socialist Party hat, während sic beharrlich für den Frieden wirkte, immer dos Recht der Nationen auf Verteidigung ihrer nationalen Existenz, wenn nötig auch durch Waffengewalt, vertreten. Anerkennend, daß die nationale Freiheit und Unabhängigkeit unseres Vaterlandes durch den preußischen Militarismus bedroht sind, wünscht die Partei natürlich, daß die Fortführung des Krieges z» einem schnellen und erfolgreichen Ende führen möge . . ." Nachdem das Manifest sich ». a. über die Rekrutierung und über die zur sozialen Fürsorge während des Krieges notwendigen Maßnahmen ausgesprochen hat, fährt cs fort: „Die Regierung appelliert an die Hilfe des Volkes in einem Kriege zur Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit und der Selbständigkeit der freien Staaten Eiiropas. Wenn dem so ist. mag sie erklären, daß sie an einem Rachekrieg gegen das deutsche Volk nicht teilnehmcn will und daß sic sobald als möglich nad) einem vernünftigen und ehrenvollen Frieden streben will . . ." Zum Schluß heißt es dann: „Wir strecken, erfüllt von Freundschaft und Eintracht, unseren Kameraden in Englanü und Deutschland unsere Hände entgegen, ebenso wie denen in Belgien, Frankreich und Rußland, indem wir anerkennen, daß sie für die Tragödie nicht verantwortlich sind, in welcher sie jetzt Gut und Blut opfern müssen. Wenn dieser bruder- mörderische Krieg vorbei sein wird, so hoffen und vertrauen wir, daß dann für die internationale Sozialdemokratie die Zeit und Gelegenheit kommen wird, den europäischen Frieden wirklich und endgültig zu sichern. Wenn Vertreter der Partei eingeladen werden, an der allgemeinen Kampagne für die Rekrutierung teilzunehmen, so rät die Partei ihnen, diese Einladli^igen anzunehmen und von der gemeinsamen Tribüne aus im Sinne des Parteiprogramms und der oben erörterten Politik zu wirken." England gegen Holland. (Ctr. ftrfft.) In Holland beginnt sich Mangel an Weizenmehl fühlbar zn machen: die Bäcker behaupten, daß sie nur noch für einige Tage Vorrat hätten, Das Reichsbureau für Verproviantierung gibt bekannt, daß 48 000 Tonnen Getreide ans Amerika für die Regierung unterwegs seien, basi aber ein Teil davon durck, England in Plymouth zurllckgehalten werde, iveil man die Schiffe auf Konterbande untersuchen wolle. Das niederländische Dampfschiff „Rotterdam" wurde ebenfalls in Ply- mouth angehalten, da es K u p f e r als unterste Fracht im Laderaum hatte. Kupfer aber von England als Konterbande betrachtet wird: es muß nun die gesamte Fracht ausgefchisft werden. Der holländische Gesandte in London Marees van Sw i» deren ist nach Rotterdam gekommen, um mit den zuständigen Stellen darüber zu beraten, wie den langen Verzögerungen der Fahrten holländischer Schiffe vorgebeugt werden könne, (Franks, Ztg,j England gegen Schweden. (Ctr. Frkst.) Die fortgesetzten Verstöße Englands gegen die Londoner Deklaration bildet nach wie vor in ganz Schweden den Gegenstand scharfer Kritik. S v e n s k a D a g b l a d nennt die englische Willkür den härtesten Schlag, mit dem England das neutrale Schweden hätte treffen können. Hier wird nach dem deutschen Beispiel die Einsetzung ciucs Ausschusses von Vertretern der I n d u st r i e, der Landwirtschaft und der Reedereien erwogen, der die Abwehr des empfindlichen englischen Eingriffs in die schwedische Ausfuhr durchführen soll. Die straffe deutsche Organisierung des Wirtschaftslebens — so sagt die Stock- holmer Presse — verdiene nicht nur uneingeschränkt Lob, sondern müsse so bald wie möglich in Schweden n a ch g e - ahmt werden. Schwedische Sympatiebcweise. Einem Privatbrief, den man der Franks. Zbg. zur Verfügung stellt, entnehmen wir folgendes: „Meine Bahnfahrt durch Schweden nex ein Triumph z ug. Schwedische Offizier« bemühten sich um uns. Ein kommandierender General, General W r a n g e l vom 6. schwedischen Armeekorps, las uns die an ihn gerichteten offiziellen Depeschen über die Kriegslage vor. Die Osfiziere waren begeistert über die deutschen Erfolge, In Stockholm singt das Volk deutsche Lieder, An deutschen Wirtschaften wehen deutsche Fahnen neben den schwedischen. Tie ganze Bahn ist militärisch bewacku und die schwedische Armee ist mobilisiert. Eine aufrichttgere Freude als in Schweden über die deutsch-österreichischen Siege könnte kaum sein. Die Offiziere baten uns, wir möchten die deutschfreundliche Gesinnung der schwedischen Nation möglichst bekannt geben." französischer Schwindel. Die französische Presse ist in letzter Zeit hervorragend tätig gewesen, Schwindelnachrichtekl in die Welt zu setzen. So geht zurzeit folgender Armeebefehl durch die französische Presse: „. .. . Armee. Gcneralstab. 3. Bureau Nr. . . . September 1914. Während eines nächtlichen Angriffs haben die Deutschen eine Kolonne französischer Kriegsgefangener vor sich her marschieren lassen. Diese Tat wird zur Kenntnis allen unseren Truppen gebracht, damit: 1. sie aus ihrer Hut sind gegen eine solche feige List: 2. jeder Soldat weiß, wie die Deutschen ihre Kriegsgefangenen behandeln. Unsere Truppen sollen nie vergessen, daß, falls sie sich Iriegs- fangen geben, die Deutschen sie den französischen Kugeln bloss- stellen. _ (Namensunlerzeichnung des Kommandanten,)" Afra ja. Ein nördlicher Roman von Theodor Mügge. 77 „Keine Spur von ihr. Björnarne meinte, sie sei geraubt, Paul Peterscn sagte, sie sei verliebt, und Jlda weinte, ich habe sie niemals weinen sehen. Darum machte ich mich'mit auf, um das Lappenmädchen zu suchen, und lief durch die Sümpfe, bis wir den Hexenmeister, ihren Vater, fanden, der in den Kilpisjauren mit seiner Herde steckte." „Sie war nicht bei ihm?" „Wenn dieser alte Gauner sich besser verstellen kann, wie ein Christ es begreift, so wußte er nichts von ihr. Er schwor mit tausend Schwüren bei Jubinal und bei Pckel, daß sein Auge sie nicht gesehen habe und gab uns greuliche Ver- wünschungen aus den Weg." „Armes Mädchen I Arme Gula!" sagte der Junker be- trübt. „O. daß ich nicht hier war, ich hätte ihr Schicksal zum Guten geleitet." Olaf schüttelte den Kops. „Du hättest nicht mehr tun können, wie Björnarne getan hat. und kannst nicht betrübter sein wie er. Die Dirne war seit längerer Zeit schwermütig oder wie man cs nennen will, und wenn cs nicht ein schlechter Spaß wäre" — er sah seinen Begleiter lächelnd an — „so könnte man wirklich sagen, wie Paul Peterscn sagt: Die Liebe hat die kleine Hexe toll gemacht." Ihr Gespräch wurde durch Helgestad unterbrochen, der Marstrand rief und winkte und, als dieser näher kam, ihin zurief: „Seh es Euch an, daß Ihr die Neuigkeit schon wißt. Nutz, mag sie lausen und Rennticre melken oder bei dem alten Schuft Teufelstränke brauen oder meinetwegen auch im Sumpfe liegen bis zum jüngsten Tagcl Will mich nicht darüber ärgern am gesegneten Morgen: setzt Euch zu uns Herr Marstrand, und reicht dem Vogt Eure Hand, der ste nach Euch ausstreckt. Kalkuliere, müßt ihm danken und Paul Schon das Fehlen der näheren Bezeichnung der Armee, des Ortes und des Namens des Kominandanten kennzeichnet das Machwerk als groben Schwindel, der den Zweck hat, den Haß gegen die Deutschen zu schüren und die deutschen Soldaten als die Teufel in Menschengestalt hinzustellen, gegen die sich die Franzosen mit aller ihnen innewohnenden Kraft zu wehren haben. Es ist bezeichnend, daß die französische Wehrmacht solcher verwerflicher Auspeitschung bedarf. Gottesdienst in Namur Heinrich Binder, der Kriegsberichterstatter des Berliner Tageblatts, erzählt: In den engen Gassen von Namur ein Raunen und Tuscheln. Eine Aufregung, die gross war und, wie ein Fieber, durch die ganze Stadt griff. Man hatte schon vieles erlebt. Aber was man jetzt sah, ließ den Glaube» an den Himmel wanken. Man hatte den Marktplatz in Flammen aufgehen sehen. Wahnwitzige Bürger hatten aus den Häusern und aus dem Stadthaus aus eine Kompanie deutscher Soldaten geschossen, die in Reih und Glied zum Appell angetreten stand. Die blutige Antwort war schnell gegeben worden. Deutsche Artillerie war aufgefahren und hatte in wenigen Stunden die Tat gesühnt. Das alles hatte man erlebt. Hatte täglich auch mit stumpfem Schauder das Richteramt vollziehen sehen an heimtückischen Mördern, die aus dem Tunket der Gassenwinkel heraus tödliche Freikugeln gegen deutsche Soldaten gesandt hatten. Das alles war wie ein wilder Traum, in Wut und Entsetzen vorbeigerollt. Aber jetzt schien der Himmel einzustürzen. Ter Bischof von Namur ging am hellen Tage über die Strassen. Und ihm zur Seite schritt der königlich preussische Haupi- pfarrer der Garnison Namur. Und die Erde tat sich nicht aus! Ter Himmel schickte keine zuckenden Blitze, Kein Schweselregen hüllte die ketzerische Stabt, den stolzen Sitz des Bischofs, in strafende Wolken. Dabei wussten die Leute noch nicht einmal, was sich alles begeben halte. Tr. Wessel, der in Friedenszeiten an St. Nikolai in Berlin wirkt und dem jetzt die Seelsorge der deutschen Garnison Namur obliegt, hatte in einem grossen Saalbau für seine Soldaten eine Kirche eingerichtet. Diesen Saal hatte der Bischof, der ihn vor Jahresfrist selbst gemietet und für seine Zwecke in der Gemeinde benutzt hatte, dem evangelischen Pfarrer Überlassen. Seine Toleranz ging noch weiter. Er gab aus der Kathedrale eine Kanzel her und stellte ein Harmonium in den grün geschmückten Raum. Und der Sonntag brachte den ersten Gottesdienst. Es waren wohl an tausend Soldaten, die sich eingefunden hatten. Die Grösse und der Ernst der Zeiten schließen die Herzen auf, und bas Gemüt wird empfänglich. Des Glockentones Fülle klingt ahnungsvoll selbst denen, die mit Faustens zweifelndem Wissen nicht mehr an die Botschaft glauben; die in solche» Tagen aber im Gebet wieder eine neue Welt erstehen sehen. Und das Wunderbare wurde durch den Zufall des Krieges Ereignis, Preußen, Württemberger, Bayern, Pommern, Hanseaten, Hessen und Märker, Schwaben und Friesen saßen vereint in dem Saal. Tr. Wessel sprach von der Kraft und der Größe der allumfassenden Mutter Heimat, Nach der Predigt forderte er die Soldaten aus, den Choral der Deutschen zu singen. Da klang und guoll es mächtig aus tausend Kehlen durch den Raum: „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt," Kurz darauf' zitterten die Glocken der Kathedrale über die Stadt, Die Kirche, ein üppiger Kuppelbau der italienischen Spät- renaiffance, war mit Menschen gefüllt. Bürger und Bürgerinnen von Namur und dazwischen deutsche Soldaten katholischen Klaubens, die zu dem gleichen Gott beteten. Vor einem vergoldeten Gitter, das in weltlich-kecker Linienführung die sinnbetörende berauschende Kunst des Rokoko aufleben lässt, saß eine Reihe verwundeter deutscher Soldaten, Gebete und Gesänge rauschten feierlich-leise durch die müde Helle des Raumes, Die Stimmen liefen ineinander, teilten sich, liefen nebeneinander her und vereinten sich dann wieder in der Flut des Orgelklanges. Und über allem zitterte Kerzenlicht. . . . Später ging ich mit Dr. Wessel durch die Stadt. Ein feiner Regen hllllte alles ein. Der Pfarrer erzählte von seiner Tätigkeit hier draußen. Er erzählte, wie er, bewehrt mit einer schützenden Waffe, die in den Kasematten der Forts arbeitenden Soldaten aufsucht und in die hallenden Gänge dort draußen Zuspruch und Lebensfreude bringt. Er erzählte von einem Schwerverwundeten, der zwei Stunden Wegs von Namur hoffnungslos in einem Lazarett daniederlag. Es war ein Landwehrmann aus Berlin, der Frau und Kinder daheim hatte. Sie hatten ihm den Unterkiefer weggeschossen. Sprechen konnte er nicht, und er atmete schwer in seiner letzten Stunde, Als der Pfarrer mit ihm sprach, ließ er sich einen Zettel geben. Dann schrieb er. Es war kein letzter Gruss an die Lieben, Kein Abschiedswort und keine Klage Ter Pfarrer nahm das Blatt Papier, aus dem in kritzlicher Schrift zn lesen stand: „Ist es wahr, dass die Russen in Berlin sind?" Da verklärte der Pfarrer ihm die letzte Stunde durch die Mitteilung der Wahrheit. Das war Gottesdienst in Namur, Eisundene Lchauet gekchichten. (Ctr. Bin.) In Köln war das Gerücht verbreitet, daß in einem Lazarett in Aachen ein ganzer Saal voll Verwnn- Pctersen ein Helles Gesicht machen, haben beide Eure guten Worte verdient, denn ist alles, was Ihr wünschen könnt, in Richtigkeit." Der Vogt hatte sich inzwischen erhoben und kam dem jungen Ansiedler ein paar Schritte entgegen. Sein blauer Rock mit hochstehendein Kragen und Litzen verkündete den hohen Würdenträger; der kleine dreieckige Hut. den eine breite Goldtresse cinsaßte, saß majestätisch ans dem dicken, feurigen Kopse, Schnallenhosen von schwarzem Sammet und lange blanke Stiefeln vollendeten nebst dem spanischen Rohr die würdige Erscheinung. — In seiner Jugend war der Vogl Offizier in der Landarmee gewesen, und noch trug er ein Tanebrogsband im Knopfloch: seinen Körper hielt er militärisch gerade und seine grauen Augen blickten energisch ans dem trotzigen Gesicht. „Seien Sie willkommen, Herr Baron, ich habe mich lange auf diese Stunde gefreut," sagte er, seinen Hut lüfteno. „Habe Sie in Tromsö vergeblich erwartet und mich endlich selbst aufmachen müssen. Ihnen meinen Respekt zu beweisen." Marstrand entschuldigte sich und sprach seinen Dank aus. Der Vogt hielt seine Hand fest und nötigte ihn, neben sich zu sehen, dann reichte er ihm ein gefülltes Glas, stieß auf sein Wohl an und freute sich, überall Rechtes und Gutes von ihm zu hören; endlich aber zog er ein großes Taschenbuch von Leder aus seinem Rock und händigte Marstrand ein Papier ein, rcchtsmäßig ausgefertigt mit Unterschrift und Siegel, durch welches ihm das Tal der Balsfjordelf, die Nebentäler z» beiden Seiten sanit den Usern in bedeutender Ausdehnung als freies Eigentum für ewige Zeiten übergeben wurden, mit Einschluß des Eilands Strömmen an der Meeresküste von Tromsö. Alles war bündig, genau und bestimmt abgefaßt, es war unmöglich, daß Marstrand nicht dafür seinen freudigen und lebhaften Dank ausdrücken konnte. „Es ist also alles zn Ihrer vollen Zufriedenheit eingerichtet?" fragte der Vogt. dcier liege, denen in Belgien die Augen ansgestochen worden seien. Tie Kölnische Volkszeitung wandte sich daraufhin an den Stiftsprobst Dr. Kaufmann in Aachen mit der Bitte, sestzustellen, was an diesem Gerücht wahr sei. Die Antwort lautete: „Ich teile Ihnen das Zeugnis dcS Chefarztes eine! hiesigen Lazaretts, eines berühmten Augenarztes, mit, den ich gerade, weil er Augenarzt ist, auch befragte. Er schreibt mir: Es gibt in keinem der Aachener Lazarette einen Saal, der mit Verwundeten gefüllt ist, denen die Augen ausge- stochcn sind. Meines Wissens ist überhaupt kein derartige: Fall hier in Aachen beobachtet worden." Ter Papst al» Zyritdensve» mittler. Ti« Kölnisch« Zeitung bringt ein Telegramm ihres römischen Korrespondenten, wonach der Tcnips meldet, dass sich der Papst persönlich betätige, um de» Frieden wieder hcrzusiellcn. Er habe bereits Briese nrit den: Kaiser von Oesterreich gewechselt. L'attvtagsebgcordncter Aasenelever gefalle». Di« Wattenscheider Zeitung meldet, dass nach amtlich bestätigten Mitteilungen der Landtagsa-bgeordnete für Golseiitirchen, Assessor Hasenclcvcr von der Gelsenkirchen er Bergwerksaktiengrsellschaft am 1!), September in Frankreich gefallcri ist. Der Verstorben«, der dem prenstächen Landtag seit 1913 angehört«, war Mitglied der national- liberalen Fraktion. Vom westlicheil Kriesisschailplatz. Der französische Bericht. Das gestern nachmittag 3 Uhr ausgegebene amtliche französische Kommunique lautet: Am Westslügel dauert die Schlacht sehr lebhaft an, hauptsächlich in der Gegend von Rohe, wo die Deutschen bedeutende Kräfte angehäuft zu haben scheinen. Die Aktion verbreitet sich immer weiter nordwärts. Die Schlachtfront verlängert sich bis in die Gegend südlich von Arras. In Woevre macht unsere Offensive Fortschritte, hauptsächlich in der Gegend zwischen Apre» mont und St. Mihicl. Auf der übrigen Front wurden beiderseits nur unbedeutende Operationen versucht. (Eft. Frkst.) Die Operationen gegen Antwerpen. Aus Antwerpen meldet das (feindliche) Reuterbureau von gestern: Die Deutschen bombardierten die ganze Nacht hindurch unsere Forts. Wir erwiderten das Feuer kräfftg und lieferten den Angreifern den Beweis, daß unsere Streit- kräfte unversehrt sind. Heute morgen wurde das Artillerie- duell auf der ganzen Front fortgesetzt. Da die Deutschen sich wiederum nach Mecheln wagten, beschossen unsere Trnp- pcn die Stadt. Das Fort Waelhem wurde schwer beschossen. Auf das Dorf Reempst in der ersten Befcstigungslinie schossen die Belgier 2y 2 Stunden. Znr Lage in Osten. Ein russischer Bericht. Ter Times-Berichterstatter in Petersburg meldet, daß man sich am Vorabend wichtiger Ereignisse befindet. Polen sei nach dem Urteil des russischen militärischen Sachverständigen, des Obersten Schumski, dazu bestimmt, der Schauplatz der größten Schlacht dieses Krieges zu werden. Die Absicht der Deutschen sei, dir Russen zu zwingen, entweder Galizie» zu räumen oder eine entscheidende Schlacht zu liefern. So- ivcit vorauszusehen sei, werden aber die Russen diese Kollision vermeiden. Die Deutschen, sagt der Berichterstatter weiter, zeigen große Kampfeslust. Sie versuchten Osnowiece zu erobern, das am anderen Flügel der Front liegt. Anscheinend haben die Deutschen das Vertrauen, daß sie in der Schlacht siegen werden. Jedenfalls sei die Aussührnng des neuen und großartigen deutschen Planes nicht mehr fern. Vom serbischen Kriegsschauplatz. Wien, 3. Okt. Amtlich wird bekannt gegeben: Unsere in Serbien befindlichen Truppen stehen seit zwei Tagen im Angriffs- kämpfe. Bisher schreitet die eigene Offensive gegen den überall stark verschanzten, hinter mit Drahthindernissen geschützten Stellungen postierten Gegner verlangsamt aber günstig fort. Mit der Säuberung der von den serbisch-montenegrinischenTruppen undJr- regulären beunruhigten Gegenden wurde energisch begonnen. Hierbei wurde ein komplettes serbisches Bataillon umzingelt und als kriegsgesangen abtransportiert. Die von den Serben verbreitete Behauptung über die Vernichtung der 49. Honveddivision ist ein neuerlicher Beweis der lebhaften serbischen Phantasie. Diese Division befindet sich, wie die —— — „Diese Akte enthält mehr, als ich erwarten durste," erwiderte Marstrand. „Der Besitz ist fast größer, als ich ihn wünschte." „Weise benutzt ist nichts zu groß," antwortete der Beamte. „Der König hat noch viel zu vergeben, was, in die rechten Hände gebracht. Seiner Majestät und dem Lande Nutzen sck)asfen wird. Und dafür bin ich hier," fuhr er fort, „das ist meine Pflicht, die Würdigen auszusuchcn, aber auch zu sorgen, daß Bettler und Landstreicher nicht ihr Wesen treiben können. So habe ich denn nicht gefragt, Herr Baron, ob das Stück zu groß sei, habe gegeben, was gefordert wurde." „Sie haben alle meine Bitten reichlich erfüllt, Herr Bogt," sagte Marstrand, „erfüllen Sie nun auch diese, mich einfach bei meinem Namen zu nennen. Den Baron habe ich in Kopenhagen gelassen, als ich den gestickten Rock auszog, hier in meinem neuen Vaterlande heiße ich Johann Marstrand, der Kaufmann von der Balsclfgaard, will es vlc:ben und, so Gott mir bcisteht, meiner Mitbürger Wohlwollen verdienen." „Nutz!" rief Helgestad, „ist ein wackeres Wort, wohl ausgesprochen und mag gedeihen unter Euren Händen!" Auch der Vogt nickte und grinste Beifall; es wurde angestoßen darauf, Glas auf Glas folgte, von guten Lehren, Sprüchen und Wünschen begleitet. Sie saßen im Schatten der sanstwehenden Birken. Die Sonne stieg höher hinauf und vor ihnen breitete sich ein lebensvolles Bild aus. Dir lungcn Männer und Mädchen sammelten sich auf einer ebenen, dazu erwählten Stelle zum Tanze; an anderen Orten bildeten sich Gesellschaften, die mit schweren, runden Steinen nach dcni Ziele warfen; weiterhin knallten die BUch'/en nach einer Scheibe, auf der ein Bär gemalt war, und Preise waren ausgesctzt. Andere Gruppen saßen und logen unter bunten Fahnen und Flaggen, Lachen imd Lust war überall. sFortsebung folgt.) Serben sich ju überzeugen wiederholt die Gelegenheit hatten, in bester Verfassung in der Eefechtsfront und hat ebenso wie bei Vizcgrad auch in den Kämpfen der lebten Woche rühmlichst teil- genommen. Potiorek, Fcldzeugmcister. l^ine russische Unverschämtheit. Sofia, I. Okt. Der hiesige russische Gesandte hat namens seiner Regierung um die Bedingungen zur Durchfuhr von Aricgs material sür Serbien über Bulgarien ersucht. Der Rinisterrat beschloß, dieses Ersuchen mit Berufung aus Artikel 2 -er Haager Konvention a b z u w e i s e n . sowie auch ans dem Grunde, weil die Regierung auch weiterhin strenge Neutralität bewahre» wolle. Die russischen Sendungen von Kriegsmaterial gingen bisher mit Schissen aus der Dona», wogegen niemand Ginspruch erheben konnte, da die Donau neutral ist. Bulgarien und Serbien. Der bulgarische Geschäftsträger in Nisch überreichte nach einer Meldung aus Sofia dein serbischen Kabinett eine Note, in der die Ordnung der mazedonischen Zustände niit Rücksicht auf die Gefahr eines bulgarischenVolks- aufstandes gefordert wird. Wirkung »et Dardanellknsperre itt Nuhland. Tie Tardancllensperre rust nach dem B. T. in russischen Handels- und Jndustrickrcisen große Erregung hervor. Die Börsenkomitees von Odessa, Cherson, Nikolajew und Rostow trachten im Verein mit dem Petersburger Börsenkomitee eine Aktion cinzulciten, um die verhängnisvolle Wirkung der Dardancllenspcrre aus die wirtschaftliche Lage Rußlands zu verhüten. In Odcssacr Handclskrciscn klagt man über das egoistische Vorgehe» Englands, das die Sperre verschuldete. Die Lage in Aegypten. Tic Lombardia in Mailand berichtet der Nationalzeit- tung zufolge: Tie Lage in Aeghpten steht unmittelbar vor der Krisis. Tas Ministerium weigert sich, die RcgicrungS- gcwalt des englischen Kommandanten anzuerkcnncn und seine bisherigen Verfügungen zu veröffentlichen. Ter Ministerpräsident, der sich nach Konstantinopcl eingeschisst hatte, wurde von Bord des Schiffes zurückgcholt. Ter englische Kommandant liest alle öffentlichen Gebäude militärisch besetzen. Aus dem Palast des Ähcdivc ist die englische National- slaggc aufgezogen, neben der vorläufig noch belassenen tür- fischen Fahne. (Ctr. Bln.) Das norwegische Moratorium. WB, Ehristiania, 3. Oft. Das Moratorium für AuSlands- forderungen wird wahrscheinlich um einen Monat verlängert werden. Russische Niederlagen in Südost. W. B. Wien, 3. Okt. Tic Neue Freie Presse meldet aus Budapest, dast die Russen unter sehr schweren Lcrlnstcn über Osiog hinausgctricbeu worden sind. W. B. Wien, 3. Okt. Rach einem Bericht der Süd- slavischen Korrespondenz sind die Spitäler und Kasernen in Odessa mit Schwervcrwundeten überfüllt. Nach Mitteilungen von russischer militärischer Seite hat die österreichisch- ungarische Artillerie wahre Verwüstungen unter den Russen angcrichtet. WB. Budapest, 3. Okt. Das Ungar. Korr.-Bur. meldet: Unserc Truppen haben in der Gegend von Ockocrmczoe die In siegreichen Kämpfen bei Maramaroser eingebrochcne» Russen geschlagen. In der Gegend von Toewesmezoc haben unsere Truppe» gleichfalls den Kamps mit den Russen aufgcnommcn, deren Versagung binnen kurzem erfolgen wird. Vor Paris nichts Neues. W. B. Großes Hauptquartier, 3. Oktober abends. Auf dem französischen Kriegsschauplatz sind heute keine wesentlichen Aendemngen eingetreten. Die Dardanellen bleiben gesperrt! Konstantinopel, 3. Oktober. (Ctr. Frankfurt.) Alle Versuche der Ententemächte, die Türkei zur Oeffnung der Dardanellen zu bewegen, sind gescheitert. Hessen nnd Nachbargebiete. Giessen und Umgebung. Sorgt sür Verbreitung Eurer Zeitung! Noch niemals durjtrn wohl die Zeitungen mit grösserem Interesse verlangt und gelesen worden sein, als in der gegenwärtigen Zeit. Tas trlsjt besonders auch auf die Arbeiterfamilien zu. Kein Wunder. Ihre Männer, ihre Söhne und ihre kruder sind es, die in Masse nnd in erster Linie den schweren Kriegsdienst verrichten müssen. Ta must man wissen, was dlitusten vorgcht. In den kommenden Woche» und Monaten wird sich dieses Interesse nach mehr steigern. Tic Zeitung >ir die direkte Vermittlerin zwischen Heim nnd Außenwelt. Parteifreunde! Es ist richtig, dast jetzt in vielen Fa- inillen das Geld rar ist und nur sür das 'Nötigste nusgcgcbc» werden lau». Euere Zeitung gehört aber zu diesem Nötigsten. Haltet sic und werbt neue Leser! Gefallene des Gicstcncr Negimcnts. Vom Jnfantcrie- ^stüncnt Nr. 116 werden als gefallen weiter gemeldet: Einsährig-Gefreiter Heinrich Har res aus Ober-Glecn, Kreis Alsfeld. — Am 8. September Wehrniann Phil. B u ch - tolcck aus Grosscn-Vuseck. — Am 15. September Offizier- Stellvertreter Tr. phil. Ludwig Hoffman n aus Giessen. — Am 18. September Feldwebel Heinrich Hüttcnberger aus Giessen. — Am 24. September Wehrmann Karl Stein, Kaufmann aus Gießen. — Gefreicr d. R. Heinrich Rome r aus Lollar. — Am 25. Sept. Unteroffizier Heinrich Klein aus Treis a. d. Lumda. — Unteroffizier Hermann Dörr, Hornist Heinrich Martin aus Aßlar. — Rescrv. Ferdinand ° un 9 aus Heuchclheim (gest. 2. 10. in Betzdorf). — Wehr- '"arm Karl Haas aus Wiescck. — Leutnant d. R. Tr. Christel Bär, Lehramtsasscssor, aus Nidda. — Gefallene aus Lbcrhcsscn und den Nachbargcbietcn: Hauptniann der Landwehr Adolf Moritz aus Wcilburg. ^^'Aegt. Nr. 81. — Musketier Hermann Ikler aus bi- — Unteroffizier Louis Deibel aus Staufenberg. — -lUsketier Theodor Neeb aus Hopfmannsfelü, Kr. Lauter- oach. — Musketier Hch. Flach aus Oberau, Kr. Büdingen. — Musketier Joh. Haas 1. aus Ober-Seemen, Kr. Schotten. ~ Reservist Peter König aus Lber-Mörleu, Kr. Friedberg. Reservist Otto Kratz aus Nidda. — Reservist August Rieß aus Wölfersheim, Kr. Friedberg. — Musketier Wilhelm 2^ kh aus Wcitcrshain. — Reservist Kötter aus Niedcr- erlenbach. Kr. Friedberg-, sämtlich vom Jnf.-Regt. Ist. 168 rn Butzbach und Fricdberg. — Wchrmann Ludwig Sauer aus Stangenrod. Kr. Giessen. Jns.-Regt. Nr. 81, Frankfurt. — Reservist Ludwig Schneider aus Vetzberg. — Reservist Karl Pfaff aus Wetzlar, Jägcrbataillon Nr. 11. — Reservist -vraugott Hart mann, Jnf.-Regt. 81. — Leutnant d. R. Wi!h. Heß, Rcgieriingsbaumeistcr aus Leihgestern, Jnf.- Regt. Nr. 81. — Reservist Ludwig Zahrt aus Hausen, Tragoner-Regiment Nr. -1. - Aus den neueste» Verlustlisten. (Nur Tchwerver- wundcte und Vermißte aus Oberhessen »nd Nachbargebieten.k Wehrmann Christ. Günzler aus Giessen, vermißt. — Wehr- nraun Karl Hcrth aus Eckartsborn, Kr. Friedberg, vermisst. — Wehrmann Ludwig Rahn aus Ulrichstein, vermisst. — Gefreiter Ottomar Krug aus Stcinbach, Tillkreis, schwer verwundet. — Unteroffizier Hch. Ullrich aus Lautcrbach, schwer verwundet. — Unteroffizier Heinrich Wagner aus Nicderohmcn, schwer verwundet. — Gefreiter Friedrich Reuter aus Niederweisel, Kr. Fricdberg, vermißt. (Vor- stehende beim Jnf.-Regt. Nr. 81.) — Gefreiter Karl Lust ans Bermutshain, Kr. Lauterbach, vermisst. — Musketier Heinrich Schmidt I■ aus Nainrod, Kr. Alsfeld, schwer verwundet. — Musketier Gustav Schäfer aus Büdesheim, Kr. Friedberg, verwundet. — Cinj.-Freiw. Unteroffizier Hans Theis aus Butzbach, schwer venvundet. — Bataillons-Tambour Kart Schäfer aus Steinberg, Kr. Giessen, schwer verwundet. — Reservist Wilhelm Gorr aus Münzenberg, vernrisst. — Re- servist Philipp Schmück aus Büdingen, vennisst. — Unter- ossizicr d. R. Albert Kraft aus Ortende^, schwer verwunder. — Reservist Otto Erck aus Estoldcrbach, Kr. Büdingen, vermisst. — Gefreiter d. R. Richard Stork aus Berstadt, vermisst. — Reservist Friedr. Zimmer aus Nieder-Mörlen, vermisst. — Gefreiter d. R. Ludwig Richter aus Nicderweisel, Kr. Friedberg, schwer verwundet. — Reservist Hch. Michel auS Steinfurth, Kr. Friedberg, verntißt. — Reservist Wilh. Dallwitz aus Steinbcrg, Kr. Schotten, schwer verwundet. — Reservist R. Wilh. Stübs aus Assenheim, Kr. Friedberg, vermißt. — Reservist Russland aus Niederwöllstadt, verniisst. — Vrzefcldwcbcl d. N. Schaab auS Butzbach, schwer verwllndet. — Reservist Henscl aus Dortelweil, schwer verwundet. — Reservist Ernst Klehm aus Münster, Kr. Friedberg, schwer verwundet. — Gefreiter der R. Grieb aus Gambach, vermisst. — Reservist Bücher aus Bingenheim, vermisst. — Reservist Meyer II. aus Kirchgöns, vermißt: sämtlich vom Jnf.-Regt. Nr. 168 in Butzbach. — Musketier Karl Becker ans Wetzlar- Niedergirmes, vermisst: Jnf.-Regt. Nr. 81. — Reservist Wilhelm Pfeiffer aus Niedergirmes, vermisst. — Sozialdemokraten im Kriege. Vom Frankfurter Sozialdemokratischen Verein sind nicht weniger als 3003 Genossen in den Krieg gezogen. Darunter sind 2 Vorstandsmitglieder, 18 Mitglieder der Distriktsleitungen, 92 Wahlbezirksführer. — Antisemitische Redereien im Lichte der Tatsachen. UnS wirb geschrieben: In einer früheren Nummer der Oberh. Volkszeitung wurde bereits darauf hingewiesen, daß die Angriffe, die Abgeordneter Werner gegen die jüdischen Soldaten erhob, sich angesichts des jetzigen, geradezu erdrückenden Tatsachenmaterials als Verleumdungen erwiesen haben. Die neueste Nummer des Hamburger Familicnblattes bringt wieder eine ganze Reihe amtlich bestätigter Fälle, in denen jüdische Soldaten sich durch Ausdauer, Tapferkeit, Mut und Geistesgegenwart ausgezeichnet haben. Ein junger österreichischer Artillerieoffizier, Oskar Singer, leistete sogar ganz Hervorragendes. Leider wurde e r, dem alle Blätter und seine Vorgesetzten eine glänzende Laufbahn voraussagten, ähnlich wie Frank-Mannheim bei einem Ansturm tödlich getroffen. Auch i» der deutschen Armee wurde neuerdings wieder eine stattliche Anzahl jüdischer Soldaten mit dem eisernen Kreuz ausgezeichnet. Die Fälle verdienten keine besonderen Erwähnung: denn die Leute haben eben wie jeder andere Deutsche ihre Pflicht getan. Aber im Wahlkreis Gicßcn-Grünbcrg-Nidda liegt die Sache anders. Hier weht noch immer bas antisemitische Banner und ein Schandblatt wie die Deutsch-Sozialen Blätter entblöben sich nicht, auch jetzt noch die antisemitische Hetze fortzusctzc». Ta überdies Abgeordneter Werner-Gießen seinerzeit höhnisch darauf hinwics, ivie cs käme, daß bei dem Luftschiffahrtswese» keine Juden zu finden wären, sei aus der Fülle des uns vorlicgen- Materials der folgende gleichfalls amtlich bestätigte Spezialsall herausgegriffcn: „Mar Elias, Sohn des Herrn David Elias in Hannover, Ingenieur bei dem Luftschiff Zeppelintz, hat am 20. September das Eiserne Kreuz erhalten." — Soeben kommt die Nachricht, daß auch ein G i c ß e n c r, einer von den drei am Feldzug teilnehmenden Söhnen des Herrn Jakob L ö b, Steinstraße 15, mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde. — Straßenraub »m zehn Pfennige! Zwei noch sehr jugendliche Sünder saßen am Samstag vor dem Kießener Schwurgericht auf der Anklagebank, der eine hat eben das 18. Lebensjahr überschritten, der andere hats noch gar nicht erreicht. Auf sic ist der hier gebräuchliche Ausdruck „Nichtsnutzer" anwendbar: sie kamen trotz ihrer Jugend schon mehrfach mit dem Gericht in Konflikt, wenn auch kleinere Vergehen halber. Beiden macht die Arbeit keine rechte Freude, weshalb sic ihr möglichst weit aus den, Wege gehen, wobei sie aber auf Abwege geraten, wie das in solchen Fällen immer geht. So gings auch am 8. Mai dieses Jahres. Die beide» Angeklagten, nämlich der Hausbursche Hch. 6 a m c l und der Taglöhner Karl Kipper unternahmen an diesem Tage einen Ausflug nach dem Schisfenberger Wald,^ zwei ihrer Freunde waren noch mit von der Partie. Auf der Straße nach Hausen begegnete» ihnen zwei Schuljunge», die Brüder Stumpf aus Hausen, die in der Stadt Maiblumen vertäust hatte». Tic wurden von H. gefragt, was die Maiblumen kosteten, und auf die Antwort: „10 Pfennige" erwiderte er mit einer unanständigen Redensart. Darauf liefen die Jungen fort, die vier Burschen ihnen nach, Hamel faßte den kleinen Stumpf am Arm und forderte unter Bedrohungen mit dem Messer 10 Psg. von ihm, die er schließlich auch erhielt. Durch entsprechende Gebärden wurde Hamel dabei von dem Klipper unterstützt. Angsterfüllt kanien die Jungen nach Hause und erzählten, was ihnen zugestohen war. Ter Oberstaatsanwalt meint, daß trotz der Bagatelle, die von den Burschen erobert worden sei, ein schwerer Eingriff in die öffentliche Sicherheit vorliege, der Tatbestand der räuberischen Erpressung sei erfüllt. Er ersucht, die hierauf gestellte Tchuldfragc bezüglich acs Hamel zu bejahen und den Kipper der Mittäterschaft schuldig zu sprechen. In Bezug auf de» letzteren, der noch nicht 18 Jahre alt ist, war die Frage gestellt, ob er die erforderliche Einsicht in die Strafbarkeit seiner Handlungsweise besessen habe: der Staatsanwalt zweifelt nicht daran und will auch diese Frage bejaht wissen, zugleich will er beiden Angeklagten mildernde Umstände zubilligen. Rechtsanwalt Dr. Spohr als Verteidiger des Hamel hält die ganze Sache für einen unüberlegten Jugendstreich, kann zwar bei dem vorliegenden Eingeständnis nicht für nicht- schuldig eintrctcn, möchte aber mildernde Umstände im weitesten Umfange zucrkannt wissen. — Rechtsanwalt Aaron tritt für Freisprechung seines Klienten Kipper ein, dessen Beteiligung ander Tat nicht nachgewiesen sei. — Die Geschworenen bejahten die Schnldsrage bei Hamel und billigten ihm mildernde Umstände zu: bei Kipper wurde die Schnldsrage ebenfalls bejaht, doch die Frag) nach der erforderlichen Einsicht in die Strafbarkeit seiner Tat wurde verneint. Letzterer erzielte infolgedessen Freisprechung, während Hamel zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Dreimal zum Tode vcrueieilt. Das im Ried (Proo. Starken- burg) geleg-:,,e Dörfchen Hofhein, wurde am Morgen des 13. Fun« durch Feueralarm aus dein Sä,lose geschreckt. Aus dein Haus« des Bäckermeisters Back drang dicker Rauch. Als sich die Fcuerivehr Eingang verschafft hatte, bvt sich ein grauenvoller Anblick dar. In der Schlafstube lagen erschlagen die Bäckerscheieut« Back und ihre' zwei erwachsenen Töchter. Di« Leiche der Frau war vollständig ver-> kohlt, die des Mannes halbvcvbrannt: die beiden schwer verletzte»! Mädchen gaben »ach Lebenszeichen von sich, das älteste erlag aber bald im Krankenhaus seine» Verletzungen. Der Verdacht lenkte sich sofort auf den bei Back bed ien steten Bäckcrbursehen PH. Flörsch,: der flüchtig gegangen war. Es gelang auch schon an, gleichen Nach miitag, de» Verbrecher in dessen Heimatsort Monzernheim (Rhein- hesscn) festzmiehme». Flörsch, ein schwächlicher Mensch mit Glatze und blonde.» Schnurrbart, 30 Jatrre alt, leugnete anfangs entsche- den. Er erzählte, mit dem Meister oft Krach wegen zuviel Bruch gehabt und dann,, gekündigt zu haben. Am fraglichen Abend sei ev nach Worms zun, Bäckerball gegangen. Unterwegs habe er einen- thm unbekannten Kollegen getroffen, der ihin zugesagt hatte, ihn an, Morgen am Backofen in Hofheim zu vertreten. Das müsse der Täter sein. Inzwischen aber hatte man ermittelt, daß Flörsch bei seinen in Westhofen und Alzen wohnenden Angehörigen Bemerkungen lmtte fallen lassen: er habe tn Hofhein, alles z-usaminrngeschlagen und alles Geld mitgenommen, das sie sich im Kornackcr holen könnten.! Numnehr bcguemte er sich zu einein Bekenntnis des scheußlichen Verbrechens. Mit einem Beil erschlug er nacheinander die vier Personen, dann schleppie «r den Bäckerincistcr vom Backosen zu den anderen ins Schlafzimmer, iibergoß dort die Betten mit Pettoieum und zündete sie an. Da in Ooshcim elektrisches Licht eingeführt ist. brauchte di« Familie Back ,n,r wenig Pettoieum. Am Donners,ag vor der Tat hotte Flörsch beini benachbarten Händler eigens dt« Pclroleiimkanne füllen lassen, die sich dann unter einen, -er Stetten vorsand. Er gab iveiter an. das gesamte Geld, etwa 2000 Mark, in einem Kornfeld zwischen den rheinhcsstichcn Orten Herrnsheim und: Abenheim versteckt zu haben. Als der Verbrecher an den Tatort ge-! führt wurde, mutzte die erregte Mensch-eimien« mit der blanken' Waffe zurnckgehallen werden: nichtsdestoweniger bekam Flörsch dabei einige Schläge ab. Das Geld fand sich am bezeichncten Orte. — Am Donnerstag begannen die Verhandlungen gegen Flörsch vor dem Schwurgericht in Tarmstadt. Tie Anklage vertrat Oberstaatsanwalt Dr. Schwarz. die Vcrieiiigung fi'ihrte Rechtsanwalt Earnier. Am Samstag wurde die Verhandlung zu Ende gesiihrt. Flörsch wurde wegen Mordes an der Fannl-ie Back drrima l zum Tode, wegen des M or dv c r s n chS an der Anna Back zu l-ebenslängttcheni Zucht Haus, wegen Brandstiftung zu 15 Jahren Zuchthaus sowie zum Verlust der bürgerliche» Ehrenrechte ,md zu Polizei Händen der Deutschen befindet. Die Forts sind vollständig zusammengeschosscn mit Ausnahme von Waelhem. Die eroberten Forts sind durchaus von modernster Kon- struktion, sie übertrafen die zum Teil 20 und 30 Jahre alten Forts von Lüttich nnd Naniur um ein bedeutendes. Im Jahre 1908 erst wurde aus Betreiben Leopolds II. die Anlage des riesigen neuen Fortgürtels nach langem Wider- streben der Kammer durchgesetzt und zwei Jahre später mit dem Ban begonnen. Leopold II. dachte damals daran, Antwerpen zu einer gegen England gerichteten Kanone zu machen, das ihm wegen des Kongostaats viel zu schaffen machte. Tie Deutschen hoben nun den festesten Teil der Position in Händen, sodass üher den Fortgang der Operation kein Zweifel sein kann. Tie eroberten Forts sind: die sehr starken Forts. Waelhem mit St. Kathcrine, die Rcdouten Dorp- veld und Bo schb eek, Fort Konrnghoyckt, die Rcdoute Tallaert, das starke Fort Lier und wahrscheinlich auch die etwas weiter zurückgelcgene Schanze an der Eisenbahn bei Dussel, von der die Belgier sagen, daß sie durch die Deutschen stark beschossen wurde. Da die Belgier ferner sagen, die Deutschen seien von Lier vertrieben und nach Ressel abniarschicrt, so heisst das für den, der die belgische Ausdruckswcise verstehen gelernt hat: Nachdem die Deutschen Lier zusammengcschossen haben, beginnen sie ihre' Arbeit bet Fort Ressel. Cmcschwer eNiederlagederRusien 3000 Russen gesungen! W. B. Grosses Hauptquartier, 3. Oktober abends, m Osten sind das 3. sibirische und Teile des 22. Ar- leckorps, welches sich auf dem linken Flügel der über en Njemen vordringenden russischen Armeen befinden, ach zweitägigem erbitterten Kampfe bei Augustow ge- hlagen worden. Ueber 2000 unverwundete Gefangene nd eine Anzahl Geschütze und Maschinengewehre sind cbeutet worden. Königsberg, 4. Okt. (W. B. Nichtamtlich.) Tas stell- crtrctcnde Generalkommando i» Königsberg hat van dem iencralkommando die Ermächtigung erhalten, über die crcits gemeldeten Kämpfe bei Augustow solgcndc cr- iinzendc Meldung in die Presse zu bringen: Die Russen nd in zweitägigen Kämpfen bei Suwalki am 1. »nd 2. Ok- ,ber geschlagen worden. Sie verloren 3 00 0 Ge- a u g e n e, 18 Geschütze, darunter eine schwere Batterie, ielc Maschinengewehre, Fahrzeuge und Pferde. Verantwottlichcr Redakteur: F. Beiter«, Gießen. Verlaa von Krumm & Cie., Gießen. _ nick: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. st. Auf dem Felde der Ehre staib am 9. September den Heldentod fürs Vaterland beiVitry iuFraukieich mein innipstgeliebter und herzensguter Mann, der treusorgende Vater seiner Kinder, unser guter Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager, Onkel und Neffe Landwehrmann 7. Comp. Landwehr-Inf.-Reg. Nr. 116 Wieseck, den 4. Oktober M14. In tiefer Trauer: Marie Haas geh. Rodenhausen und Kinder Familie Rodenhausen „ H. Haas m L. E. Haas Familie L. Botz „ K. Bonner „ Wilh. Peppier. Neuheiten für Herbst und Winter Unter tausenden und abertausenden Mustern der ersten und grössten Fabriken Deutschlands suche ich die schönsten und besten Qualitäten aus Ulster Paletots Die neuesten Schöpfungen der deutschen Mode in | Codenjoppen %/lnzüge gelernten J 3 ozener_ JCänlel Py/acs Ein Besuch ist unbedingt lo hnend! Streng reelle Bedienung! von den einfachsten bis zu den elegantesten Ausführungen sind grössten- = teils eingetroffen s Billigste Preise! Marktsfrasse U, 3 SisS. *©3> ü 2. tj> $3? s ■£ 6) a> 2 orf* § ÄS 2 =-3-~ 5" 6) - m- 3 . <£&' 3 ra 0 , = 'S'-T* « Sieg,*. 2 3 *“t n ra* 2« “• " 5 ".. - i .-77-e CT ca §5-«:- w-» 2 5 Si ♦» f ?f -• o ' ’ ^ M ** 3 .T* £ CT er 2 .^ o » " 0 S ^hSjj | 3 w=a. ro •f,S» ^ Cr E. - 2 h < 2 C r^CT 52 ^ IT S'n,' ~ = '§V~ ' £2ca a* " ff äs S n S! a »-i 3 2. 2. ~ § sS aS* SS 3 2 - «e © CS* ja 3 2 ^ ^ 5 3 H»; -S' G) ^5 *-*- Or »„«-cf —- Ci -2 ü3 « » f e *>S§ ZZv —- lila 0-0 I 5 S-» © it-c 2 3 2 CS* ® o 3 o o S 3 3» » *H| » S zyt: 3 3 3 £ ö 3 3 ~ 2 «K 2. 3 »«>3 = § 2 . 2 .« rt (y3 S'C- W 2 .«< 2 .-S>(s)Sa 0 3 2.3 3#S 3 S 3 2 , 2,3 3 [je n? ra S 5 er Cr 3^ 5? 3 j» 3 3 So 3 3 3 = s> CT fff-2ff of- 3 o-“a-2 f3*~®3 c 2«cS 5- r? 3 3 f ff 5 q, Sa' 3 öS ■ 3 l|^3 o* i* <£* M) _ K , k_i. 3 Cö 0 B =■= 2 f o 2 .Cj 3 2 . c* o 2 5 3 a' rt j? Z 2 öt W sft' CTD W »O 3-=> 3< C5 ^ fflfl 3 O 3 2 ? 3 o D O f« — A 3’ | S < »= : a’j'gfi og> 2 .g| 2.5 -"As-As = 2 s© 3 «- 3 " öa »s" ä§®5; «'sS-o«”: °0'S Soi M S, ta * * 3 I fißÄ? ; fl 2 |o § ?St 3 ff*s--{ ä^||g' 2 .: 5 - I 2, ^ 5. 3 CO 1 3 C *50 m 3«? 3 roW 3 5 o . 2. 3 | ^K.S-- : 3 ü 5 1 «J? 2.5 = ra*«, 3 <|r : 'JorC | * B' 3 O: C -ET I P *5 T. r a 2 3 ui s» J'S* i ''***-«" • Gcbt. Wiudccket s Gießen un- ^ätoäcf« anSt>Ürle , U lflel: «npt«Hl«n sich »um iBtiuq bon «olowUlk xtttn an SBicbttwtfiufer H. Abel. Wetzsteinitr. IS. I. ■HBHHMMMMMhi TeSephon 49S Todcs-Anzeige. Am 9. Septcmber starb in Frankreich den Heldentod fürs i : Vaterland mein innchstgeliebter Sohn, unser guter Bruder Liiinnig Astieidkl im Alter von 26 Jahren. I» tiefer Trauer: Frau Elisabrthk Llhiitidkr Wtwt., gc&. KW nebst Kindern. Vetzberg, den 3. Oktober 1914. Wir empfehlen: Jetdörief-Mappen Inhakt: fmk- 5 vorschristömäsjist bcvrnckte ^zldpostbrief- „mschläste »»ebst Bricshogen sowie 5 Feld- Postkarte». Preis nur £0 Pfg. Lberhejs. Nollsjeitmiz öieiicn, !""S r ‘- 3 n , o ^ ($) " oF3 2 ' ~F g» r J- -. <-l O 0 " 3 ^ I - CT » » r* | >r'c-ß KS WC ^ -L I r^I-2 i 6 S «?3 ee i 1 ST co c « » 3 «.gSk-- «»22? s ? ff si OS«' \.f |5.« ""2 3 =« (i)S «3 r. 3 -"s' Pr. Spkisk- Ulli MIMillWIn empfiehlt zu billigsten, Toge«preir. I. Hantel 9tenenbcne 7. TeltN«» 126.