Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberheffen und der Nachbargebiete. Die CbctbeOlid)« Üolfoacttmio ttlcbeml leben Wertlag Abend In Bicken Der AbonncmentSprct» beträgt wöchentlich 15 Pi»., monatlich 80 SBfa. ftnictL Brnigerlodn Durch du Polt bezogen vicrteijährl.IlBMl Redaktion and kkrvcdttto» (Stellen. Babnbotsiralie 23, Elke Liwengallc. relevboa 2008. Jnlcrate loltcn die 0 mal geivait. Koionelzeile oder deren Raum 15 Pf» Bei arökcren Aufträge,, Ra att Anzeigen wolle man bi« abcn»» 7 »br für die folgende Nummer m der Expedition aufgebe» Nr. 228 Gießen, Frcitlisi, Den 2. Oktolicr 1914 9. Jahrgang Der sichere Frieden. Was ist der Zweck des Friedens? Sich selber zu erhallen! lind vaS ist der Zweck des Krieges? Einen neuen Frieden hcrbcizu- siihrcn, der die Sicherheit der Tauer in sich trägt! Ter Frieden ist der normale Zustand, dein jeder dauernden Bestand wünscht. Ter Strien ist die gewaltsame Unterbrechung dieses normalen Zustandes, und jeder will, das; er bald, aber nicht eher geschlossen wird, als bis die Fundamente seines sicheren Wiederaufbaus geschaffen sinü. In diesem Sinne haben sich kürzlich der Reichskanzler, der Gcneraisiabschef und der Staatssekretär des Rcichs- kolonialamtS übereinstimmend geäußert. Der gleiche Gcdankcngang kommt jetzt auch in der Aeußerung eines englischen Regierungsorgaus, der Westminstcr Gazette, zum Ausdruck. Nicht die Bernichtung Deutschlands, so wird dort auS- gesiihrt, sei Englands Ziel. Jeder Frieden, der Wunden und Rcvancheidecu zurücklasse, ocrschle seinen Zweck, und darum sei England bereit, sofern Tcntschland nach dem Grundsätze Leben und Lebcnlasien handeln wolle, den glimmenden Hoffnungsfunken nicht ouszulöschen. Wozu die Kreuzzeitung wiederum seufzend bemerkt: «AIS ob Tcutschland jemals einen anderen Grundsatz befolgt hätte!" Also auch hier, mitten im Krieg, Uebereinstimmung über das Ziel des Krieges. Zwar ist cS leider nicht möglich, eine» Krieg jo zu führen, das, er keine Wunden zurückläßt, und sein oberstes Gebot heißt nicht Lebe» und Lcbcnlaflcn. sondern Töten, um nicht getötet zu werden. Ist aber der Moment gekommen, in dem der eherne Mund der Kanonen verstummt, dann tritt das große Gesetz der Völkcrcrhaltung in sein volles Recht. Tann ist der Zeitpunkt gekommen für die Schaffung des dauernden Friedens, der keine immer wieder aufreißende» Wunde», keine Gedanken an Rache und Wicdcrvcrgcltung zuriicklaßt. lieber die Mittel, durch die da? gemeinsame Ziel zu erreichen ist, können freilich die Meinungen auscinandergehei, Ter eine wird meinen, cs sei notwendig, den Gegner so vollständig nicder- zuschlagen und zu erschöpfen, daß er auch bei bösem Willen aus Jahrzehnte hinaus an einen neuen Krieg nicht denken kann. Ter andere — und wir bekennen uns gern zur Rolle dieses andern — wird der Ausfüllung zuneigcn, daß im Kampf zwischen zivilisierten Völkern die Taktik der vollkonimcnen Erschöpfung nicht am Platze ist, daß es vielmehr die Aufgabe des Politikers ist, das siegreiche Werk des Militärs durch eine Politik der moralischen Eroberungen sortzusetzcn. Ter letzte Versuch, ein Volk durch völlige Niederwerfung zum dauernden Frieden zu zwingen, ist von Napoleon gemacht worden: rr betraf das deutsche Volk, insbesondere den preußischen Staat, der zeitweilig der fast vollständigen Vernichtung anhcimsicl. Aber gerade in diesem Krieg ist der Grund für die spätere Wieder- crneuerung des deutschen Volkes gelegt worden, wie er aus der andern Seite zum völligen Zusammenbruch der napoleonischcn Weltherrschast führte. Nur den Römern gelang es, im Kampsc mit tieicr stehenden Kulturen — ausgenommen die griechische — ein Weltreich zu begründen, in desien Innern durch lange Zeit der .vrteben waltete. Seitdem haben sich alle Versuche, durch Herrschaft eines einzigen Volkes über die andern den dauernden Weltfrieden z» begründen, als »topisch erwiesen. Und je mehr die Völker in die gleiche Reihe der Zivilisation cinrückten, desto unmöglicher wurde der Gedanke an einen Frieden, in dem ei» einziges Herrcn- voik^iiber lauter Kncchtvölkcr herrscht. . -t" gegenmürtinc Krieg ist entstanden, weil sich das Tcntschc ™ ct “* "urch die Einkreisung des sranzösisch-englisch-russischc» Dreiverbandes bedroht sah. Tie Mächtckönstcllation, die in den letzten Iuhren Europa beherrschte und die uns als Mittel zur Erhaltung Gleichgewichts gepriesen wurde, hat sich in Wahrheit als die Ursache de», surchtbarstcn Zusammenbruchs erwiesen, den unser Weltteil jemals erlebt hat. Zugleich sehen wir in Amerika und in Asien neue Kulturen aussteiaen, die sich in die Herrschaft der Welt teilen würde», wenn sich Europa in immer neuen Kriege» verbluten wollte. 3icl des gegenwärtigen Krieges muß also sein, den europaiichcn Genicinintcrellcn gegenüber der Außenwelt Au- erkennung zu verschaffen.' Wenn das Ziel der Kriege von 1 SRO und 1870 71 die Einigung Teutichlands war, so mußte in den Auge» weitblickender Staatslcnker das Ziel des großen Bölkertrieacs von 1011 die Einigung Europas sci». Tiefe Einigung läßt sich aber nicht erzielen durch die Vorherrichast einer einzigen Macht, sondern nur durch klugen Ausgleich der Interessen aller Beteiligten, durch einen großen Bund von 0! I e i ch b e r c ch t i g t c n. Möchten sich doch in allen Staaten, die an dem furchtbaren Ringen beteiligt sind. Kräfte linde», die für die Verwirklichung dieses großen fruchtbaren Gedankens tätig sein wollten! Wir kenne» die Meinung deü Reichskanzlers, des GeneralstabSchcsS, des Kolonialsekretärs, wir kennen auch die Aeußerung der englischen Westminstcr Gazette, wir willen in aller Verwirrung und Zerrissenst Überall stille und laute Gcsinuungsgcnollcn mit »ns im Bunde, '•«um wollen auch wir den glimmenden Funken der Hoffnung »>cht auslüschcn, die uns an, Ende des Bölkerringcns den großen, dauernden europäischen Frieden verheißt! Tie Franzose» wissen „nichts Neue 30. Tept. (Priv.-Tel., indirekt, Etr. Frkst.) Ein 'Uuetin vom 20. September nachts 11 Uhr nichts Neues. - ^'"drend man bisher in Paris das baldige, ja unmittelbar i;, Ende des Kampfes erwartete, übcrwiegt allmählich , "Eoerzeugung, daß die Pvsitionsschlacht sich noch lange hinziehen "',.A>>e furchtbaren Angriffe, alle Truppenvcrschiebungcn haben 00 , 1 - 5,e ?Mschtlinie ausgedehnt, ohne die Entscheidung hcrbeizu- Auch die Prelle, die in den letzte» Tage» fortgesetzt das «vorstehende Ende der Schlacht angckündigt hatte, bereitet jetzt das m Woovre leiden die Kämpfe unter schlechtem Wetter. Alle Der Krieg. dorther zuriickkchrenden Soldaten sind über und über mit Schlamm bedeckt. Viele Geschütze bleiben in den Sümpfen stecken. Englische Flottenschmerzen. (WB. Nichtamtlich.) Laut der Nationalzcitmig bringen englische Blätter imnier mehr Nachrichten über die Gefährdung deS englischen Sec Handels durch deutsche Kriegsschiff«. Tie Tail» Post in Liverpool teilt mit, daß HandclSkreise bei der Regierung vori'tellig geworden sind und verlangt haben, die englische Marine niüsie große Anstrengungen machen, um die beuischcu Kriegs- schisfe im Atlantischen Ozean ive-gzunchmen. — In der Times klagen die Kausleuie darüber, daß die zweihundert gekaperten oder fcst- gclegtcn und die 150 in neutralen väsen liegenden denischen Säsiffc fast ausnahmslos englische Ladungen an Bord hätten, woraus der englische Kaufmann nun vergebens tvaric. Rasche Abhilfe sei gc- boten, sei cs, daß man die Schisse mit englischer Besatzung weiter fahren lasic, oder sie au Neniralc verkaufe. — Tic Westminstcr Gazette weist ans die gewaltigen Schädigungen hin. welche der E i n f u h r h a n d c l mit gesrorencm Rindfleisch durch den Krieg erleide. Eine Schiffahrtslinie werde deninächst nicht mehr verkehren »nd damit wurden wöchentlich 6 Millionen Pfund gcsrovcneS Fleisch ans Argentinien fortiallcn. Achnlich stehe cs mit der Einsuhr aus Australien. Tas sei bedenklich, da viel Fleisch an die Truppen im Felde abgegeben werden müsie. Ter Marincmitarbciter Archibald K u r d vom Daily Telegraph schreibt: „Ehurchill hat kürzlich gesagt, wenn die deutsche Flotte nicht hcrauskäme.um zu kämpfen, werde sie wie eine Ratte aus dem Loch gegraben iverden. Leider wird nur das Loch durch Küstengeschütze, Seeininen, Zerstörer und Unterseeboote verteidigt. Tie Operation des Ausgrabcns wird daher nicht leicht sein und könnte gogenivärttg tatsächlich wohl nur unter beträchtlichem Verlust vot, Schissen und Menschen unternommen werden. Wir ivürden dabei viel, Teutschland aber nur ,v e n i g riskieren. Ehurchill l>at auch nicht gesagt, wann dieser Versuch gemacht werden soll. Er könnte natürlich die Geheimnisse der Admiralität de» Ausländern gegenüber nicht ausplaudern, wenn cs aber noch lange dauert, dann werde» die Teittschen die gegenwärtigen passiven Ver- icidlgungsopcrationen mit Unterseebooten sortsetze». Tars das geduldet werden?" Englische Offenherzigkeit. kW. B. Nichtamtlich.) Der militärische Mitarbeiter der Times tröstet sich über den Fall des Forts Camp des Romains folgendermaßen: Ter Fall des Forts ist sehr traurig. Aber der französische rechte Flügel besitzt sicher starke Reserven. Wir erwarten, das; im Laufe ganz kurzer Zeit die Deutschen wieder zurück- getrieben werden. Tie französischen Spcrrsorts sind niemals alü lange widerstandsfähig angesehen worden. Ihre Aufgabe war, die Zusuhrwege des Feindes zu sperren. Ties? Mission haben sic erfüllt. Tie Hauptinteressen richten sich augenblicklich auf die Gegend von Peronne, wo sich die feindlichen Heere in einer großen Schlacht befinden. Viele gute und erfahrene Offiziere haben kein großes Vertrauen auf die jetzt in der Bildung begriffene Armee. Nicht, weil sie die Onalität des MenschcnmaterialS an Körper und Geist be- zweifeln, sondern weil sic sie nicht vor Ablauf von achtzehn Monaten für fähig zum Feldzüge, zumal gegenüber der modernen Artillerie, halten, und selbst dann kaum, wenn sie durch Berufsoffiziere gut ausgcbildct werden würde. Aber die Anzahl der Offiziere ist nicht nur an sich beschränkt, sondern sie wird auch durch die großen Verluste fortdauernd verringert. Kein Geschäft tu machen? (WB. Nichtamtlich.) Tic Times schreib! in ihrer Besprechung des Buches von William Tawson am 20. September: „Es wird viel von der Gelegenheit gesprochen, die der Krieg bietet, um sich des deutsäicn Handels und der deutschen Absaßgebicte zu bemächtige». Hiervon ist vieles leeres Geschwätz. Ti« Handelsbeziehungen, deren wir uns dank unserer Flotte bemächiigen können, werdeti nicht lange in unserer Hand bleiben, wenn der normale Zustand wieder eintritt. Wie soll dann das dabei scstgelegtc Kapital wieder heranskvmmen? Tcuiichland hat sich teilten Handel ehrlich durch die Kenntnisse, die Intelligen,;, den Fleiß und die Anpassungsfähigkeit seiner Kanflente und Jngeniciire gesichert. Nur durch die gleichen Eigcnsämsten können wir die Absatzgebiete uns erobern undu dauernd betnlten " Tie Times empsichlt endlich den englischen Industriellen das Studium des Buches und die Nachahmung deutjcher Gcschästsmelhoden. Die Sperrung der Dardanellen. (Ctr. Bln.) Turck die Sperrung der Dardanellen wird am empfindlichsten die Getreideausfuhr Rußlands und Rumäniens nach England betroffen, in der gegenwärtigen Knegszcit überdies ganz besonders Rußland. Gewöhnlich unternehnicn die französischen Mcssageric-Tanipfer nur einmal wöchentlich eine Fahrt von Marseille nach Odessa. Seit einem Monat verkehrten die Tanipfer täglich. Sie führten kaum irgend welche Passagiere, dagegen starke Sendungen von Kriegsmaterial und Goldladungcn für Rußland. Das hört nunmehr auf. Gegen die Sperrung der Tardanellen hat England in Konstantinopel Dorstclliingen erhoben. Tie Pforte verwies auf die vor den Dardanellen kreuzende englische Flotte und erklärte sich bereit, die Sperrung aufzuheben. wenn die Flotte zurückgezogen würde. Konstantinopel, 30. Sepi. (W. B. Nichtamtlich.) Eine halbamtliche Note stellt zur Rechtfertigung der vollständigen Sperrung der Dardanellen scsi, daß eine englische „nd eine sranzösischc Flotte seit einiger Zeit am Eingang der Tardanellen kreuzten, wobei sie die ein- und ausfahrcndcn Schiffe anhicltcn, durchsuchten und die Besatzung ausfragten, was der Freiheit der Schifsahrt in den Tardanellen tatsächlich Abbruch tat. Deshalb hat die Regierung bcschlosicn, die Dardanellen zu sperren und nicht wieder zu öffnen, bis die geiianntcn Flotten sich von der Meerenge entfernt hätten und die bisherigen abnormalen Vcrhältnisie geschwunden seien. Der ästyptiiche Bijekönig und England. Aus Konstantinopel wird der Franks. Ztg. bcrickstct: Zur gestrigen Audienz des britischen Botschafters belm Kheüivcn von Aegypten erfahre ich aus der unmittelbaren llnigebnng des Khediven, daß der Botschafter an den Khediven im Namen des Londoner Kabinetts die kategorische Aufforderung richtete, sofort seinen Aufenthalt in Konstantinopel abzubrcchen. Die englische Regierung stelle seiner Hoheit bis auf weiteres eine Residenz in Neapel, Florenz oder Palermo zur Verfügung. Tie Reise dahin müsse auf dem Seewege erfolgen. Khedive Abbas entgegnete dem B»h ichaster kurz, er habe keinerlei Befehle Englands entgegenzunehmen. Sir Louis Mallet zog sich nach dieser keinen Zweifel aufkommen lassenden, aber in dieser entschiedenen Form nicht erwarteten Antwort des Khediven in sichtlicher Verlegenheit aus dem Audicnzsaal zurück. Aus der Umgebung des Khediven verlautet ferner, daß England plante, sowohl den Khediven und die Khediva wie auch mehrere mit ihm reisende ägyptische Prinzen und Prinzessinnen nach Malta als Geiseln zu schaffen, sobald sie auf dem Seewege die türkische Hauptstadt verlassen hätten. (Ctr. Frkst.) Die Perser gegen Rußland. Nach den in persischen Kreisen Konstantinopcls vorliegenden Nachrichten haben die schitischcn Geistlichen und die Oberhäupter von Kcrbclah und Ncdschcf (Türkei), die als oberste religiöse Instanz für die Perser gelten, eine Kundgebung an die Nation und die persischen Stämme gerichtet, in der es heißt, daß der Augenblick für die Befreiung P c r s i e n s v o m r u s s i s ch c n I o ch c gekommen sei. Der Führer des Stammes Rardar, Jalik Khan, soll mit den Schachscvennen die russische Grenze überschritten haben »nd in Transkaukasien bis Kisil Agatsch bei Lcnkoran vorgedrun- gen sein. Die Mohammedaner in Rußland. Konstaniinopcl, 30. Tept. (IV. 8. Nichtamtlich.) Tic hiesige offiziöse Agentur erfährt: Tie russische Regierung wollte muselmanische „Freiwillige" in den russischen Distrikten am Schwarzen Meer, insbesondere in Adschara, Tschurusku und der Umgebung Batums, in ihr Heer einrcihcn. Ta die Muselmanen sich weigerten, wurden die Notabel» eingekerkcrt. Die muselmanische Bevölkerung sci sehr erregt. Tie Einwohner Adscharas hätten zu den Waffen gegriffen. England und Holland. Amsterdam, 30. Tept. (Ctr. Frkst.) Ein holländisches Blatt nach dem andern niacht nun Front gegen die » n e r h ö r t c L a h m- lcgung des holländischen Handels durch En glaub. Nieuws van den Tag setzt auseinander, daß Holland ,mr sehr kurze Zeit ohne seinen internationalen Handel und seine Schifsahrt bestehen könne, und daß diese nun vollständig infolge des fortdauernden Hinhaltens und Ausbringens holländischer Schiffe stillicge. lieber das Anhalten von Konterbande könne man sich nicht beklagen, aber cs sci eine andere Frage, ob man sich nicht sehr beklagen iniisie über das Festhalten von Schiffen, die für den legitime» Handel bestimmt seien. Selbst Hollands Handel mit seinen eigenen Kolonien leide große Hinderung. In Deutschland suche man nachzuweise». daß England nicht für den gerechten Schutz der Neutralen knmps«, sonder» allein uni das Monopol auf dem Weltmarkt zu erobern, also um eine Krämersache, was das Blatt nicht glauben will. „Weiß England nicht, wie mau in Tcutschland daraus lauert, Fälle »ach- zuwelscn, die bartun, daß es England nicht nur aus den deutschen, sonder» auch auf den holländischen Handel abgesehen hat und daß England den deutschen Beschuldigungen Nahrung liefert?" (Franks. Ztg.) England «nt» Schweden. Stockholm, 30. Scpt. (W. B. Nichtamtlich.) Tie schwedische Prcsie drückt ihr Erstaunen und ihre Besorgnis darüber ans, daß Großbritannien gegen die Londoner Deklaration, die Großbritannien in diesem Kricac beobachten z» wollen sich bereit erklärte, Eisenerz als Kricgskontcrbande erklärt hat. Mit Verstimmung und nicht ohne Bitterkeit, so sagt das radikale TagcnS Nyheter, sehen wir diesen englische» Schritt, der das wirtschastliche Leben des aufrichtig neutralen Schweden sehr schwer trifft. Der Vorwärts wieder freigegeveu! Das Erscheinen des Vorwärts ist wieder gestattet worden, nachdem das Neichstagsmitglied Haase und der Geschäfts- sichrer des Vorwärts, Neichstagsabgeordncter Fischer, die gekeilte Bedingung aiigcnoiiimcii haben, das« mit Rücksicht ans die beim Kriegsausbruch hcrvorgctrctcnc Einigkeit des deutschen Volkes das Thema: „K l a s s r n h a ß u nd K l a s - s c n k a m p s " in Zntunst in der Zeitung nicht mehr berührt weiden darf. (?in beackiteuswerter Widerruf. Bei Ausbruch des Krieges machte in der deutschen Press« eine Nachricht die Runde, wonach in Brüssel ein gewisser Teckel ans Hohenzollern, der in der Nähe der Börse eine Schweinemetzgerci betrieb, von einem belgische» Volkshausc» getötet und sein Körper in Ltllktc zerschnitten worden sei, weil er sich geweigert, eine belgisch« Fahne auszuhängen Wie richtig cs war, bah wir seiner Zeit warnten, vorbehaltlos derartige Meldungen weiter zu verbreiten, zeigt sich seht, da dieser totgcsagte Teckel aus Rotterdam schreibt, er beslndc sich wohlbehalten in Holland, es gehe ihm ganz gut. Sicher sind Deutsch« um di« Zeit des Kriegsbcginus in Bcigie» misshandelt worden, aber in ungleich höherem Masse sind diese Fülle ausgebauscht und Übertrieben worden, Es ist zu begruben, dass auch hier di« Wahrheit durchbricht. Die Behandlung der Ausländer. Um den Tartarcnnachrichten entgegenzutreten, wonach die Ausländer in Deutschland ihres Lebens nicht sicher sein sollen, hat der Stuttgarter englische Geistliche Pecel-Weston an den Standard in London folgendes Schreiben gerichtete „Zu meiner Verwunderung habe ich gehört, dah in England Gerüchte über an Angehörigen des britischen Landes in Deutschland verübten Grausamkeiten verbreitet sind. Dari ich dazu meiner festen Ueberzeugung Ausdruck geben, dah solche Behauptungen bodenlose Lügen sind? Die Erbitterung gegen England ist in Württemberg so stark, wie in irgend einem anderen Teile Deutschlands, wenn nicht gar noch stärker. Ich weiß jedoch keinen einzigen Fall, dah britischen Untertanen etwas zugcstoßen wäre, was als Mißhandlung bezeichnet werden könnte. Meinc^ Frau und mir wird im Gegenteil von allen Schichten der Bevölkerung immer höflich und freundlich begegnet, und in dieser schrecklichen Zeit habe ich hier in Stuttgart überall freundliches Entgegenkommen gefunden. Der Wahrheit zu Ehren bitte ich Sie, diesen Brief veröffentlichen zu wollen." Vor einem deutschen Kriegsbericht. Amsterdam, 30. Scpt, (Gtr. Frist.) Zehn Bürgermeister und Sekretäre kleinerer Landgemeinden um Tangeren (nördlich von Lüttich) standen vor einem deutschen Kriegsgericht in Tangeren, da sie auf ein Telegramm des belgischen Generals Scheppcr hin Mannschaften der Jahresklasse 1914 cinberiefen. Nach deutschem Gesetz steht Todes st rase aus die Begünstigung derartiger feindlicher Rekrutierungen auf deutschen oder von Deutschen besetztem Boden, Zwei belgischen Advokaten wurde die Verteidigung gestattet, Sie wandten sich an das Nechtsgesühl der Deutschen und suchten nachzuweisen, das) zur Zeit der Rekrutierung die betreffenden Gebiete nicht vollkommen besetzt gewesen seien. Das Kriegsgericht sprach die Angeklagten frei, da nicht einwandfrei fcststand. ob die Gemeinden alle besetzt waren, Tie Freigcsprochenen warfen sich weinend in die Arme der Advokaten. In ganz Limburg, bis Uber die niederländische Grenze erregte die Sitzung grösstes Aufsehen. lFrankf, Ztg.) Das Versagen der Feldpost. wird von der Korrespondenz Piper damit zu entschuldigen versucht, dah sie nur eine Improvisation darstelle. Auch sie hätte z. B. bei den grohen Kaisermanövern wie im Felde zur Tätigkeit herangezogen werden müssen. Dann würde sie ausreichende Erfahrungen gesammelt haben, um jetzt ganz anders in Tätigkeit zu treten, als sie es bisher im Kriege tun konnte, als sic mit der Kriegserklärung aus dem Nichts geschaffen werden muhte. Aber bei der damaligen Stimmung für alle Rüstungsausgaben konnte man nicht noch mit zweifellos sehr bedeutenden Mchrforderungen für die Manöver kommen und muhte froh sein, das Nötigste zu erhalten. So sind jetzt wegen Mangels an Erfahrungen zweifellos Fehler begangen worden, die andernfalls, bei ausreichender Erfahrung, von vornherein ausgcschaltct werden konnten. Daß die Feldpost bei den großen Manövern nicht in Bewegung gesetzt wurde, ist richtig, aber damit kann ihr völliges Versagen nicht ausreichend entschuldigt werden. Die Be- förderung der Pakete haben jetzt die in der Heimat zurück- gebliebenen Truppenteile übernommen und diese Maßnahme hat sich, soweit sich bis jetzt llberieben läßt, ganz gut bewährt. Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 75 In Helgestads Mienen war zu lesen, daß er kalkuliere, tvas das Beste sei, und es dauerte ziemlich lange, ehe sein stilles Drcinschauen mit einem vergnüglichen Nuh enden wollte. Hanna betrachtete währenddessen die Geschwister, und ihre Augen hefteten sich auf Björnarne, den sie sich anders gedacht haben muhte, wie er wirklich war. Als sie ihn früher gesehen, war er ein fröhlicher Jüngling mit frischen Farben und hell schimmernden Augen voll Lebenslust und Einfalt gewesen, jetzt kam er ihr vor wie ein ernsthafter Mann, der zu denken und zu sorgen hatte. Vor sich hingebeugt sah er niederblickend auf eine Stelle, die Lippen zusammengeklcmmt und über etwas nachsinnend, was ihn ganz zu beschäftigen schien. — Jlda sang mit ihrem Bräutigam aus demselben Buche, aber Paul Petersens schlaue Augen waren in fort- gesetzter Bewegung, und sein Anblick machte den ersten widerlichen Eindruck aus Fandrems Tochter. Jldas klare hoch- gewölbte Stirn, ihr ruhiges Gesicht, das sanfte Lächeln darin und ihre religiöse Ergebung erregten Hannas Teilnahme. Sie sah in der Versammlung umher, da war kein junges Mädchen, das sich mit ihr vergleichen konnte. Mar- strand hatte ihr zuweilen von Jlda erzählt. Er hatte nicht gesagt, dah sie schön sei, aber er hatte ihren Verstand, ihren niilden Sinn und ihres Herzens Güte gelobt, jetzt fand Hanna Fondrem, dah Helgestad wirklich einmal die Wahrheit gesagt habe. Und diese Blume sollte an den häßlichen Schreiber mit dem gemeinen Gesicht verzettelt werden? Ein Blitz zuckte durch Hannas Herz, verzehrte den Haß darin und lieh cs in Mitleid aufslanimcn. Eine Ahnung sagte ihr, daß Jlda ihr nahe stehen müsse, daß deren Geschick ähnlich dem ihrigen sei: dah sie unmöglich den lieben könne, der ihr aui- gedrungen werge. und sic empfand ein sehnsüchtiges Ver- langen nach einer Freundin, einer Vertrauten, die eigener Die Krieiisankeifte. WB. Berlin, 30. Scpt. sAmilich.) Tie ReichSsinanzvcrwaltung beschloss, die ans die Kriegsanleihen gezeichneten Beträge voll zuzuteilen. Für den die aufgelegte Summe übersteigenden Betrag an Schatzanweifungen wird Rcichsanleihc zugetcilt, wofür durch die reichlich cingcgangencn Wahlzcichnungen die Möglichkeit geschaffen worden ist. Die Zeichner erhalten die Zuteilungsschreiben von der Stelle, bei der sic gezeichnet haben. Vom Empfang der Zuteilungsschreiben an können Zahlungen geleistet werden. Dcr p:e«tzsche Landtag. Berlin, 1. Okt. (Ctr, Blu.) Infolge dcr Kricgscreig- nissc wird dcr preußische Landtag ungefähr am 20. Oktobei wieder zusammentreten, um sich mit Vorlagen zu befassen, die ausschließlich durch den Krieg veranlaßt sind. Vor allem gilt cs, eine Hilfsaktion für Ost- und Wesr- Preußen einzuleiten. Man wird zunächst 100 Mil- lioncn fordern. Ferner sollen Vorlagen eingebracht werden betreffend Abkürzung des Enteign ungs- Verfahrens und die Schaffung eines Zentral- arbeitsnachweises. „Gruft eines deutsche» Fliegers". Der Berliner Lokalanzeiger läßt sich folgende Nachricht des römischen Mcssagero über den Flug des deutschen Fliegerleutnants v. d. Decken übermitteln: „Seine Taube erschien in grosser Höhe über dem Montmartre und strebte zum Eisselturm, dessen gewaltige Spitze das Nebelmeer überragte. Er umkreiste ihn vorsichtig und flog in dcr Richtung zum Trocadcro weiter. Dort warf er die erste Bombe, Sie fiel in die Nue Freycinet, gerade vor den Palast des Fürsten von Monaco und tötete einen Greis von 70 Jahre». Seiner Enkelin wurden beide Beine zerschmettert. Dann warf er Bomben in die Rue de la Rompc und die Rue Veneuse du Gesims. Tort wurde ein unbewohntes Haus zerstört. Endlich lieh dcr Flieger eine Bombe auf den Rennplatz von Auteuil fallen, die eine Kuh tötete. Drauf lieh er seine an einer Flagge befestigte Visitenkarte herunterfallen mit der Aufschrift: „Pariser, empfangt den Gruß eines deutschen Fliegers. Leutnant p. d. Decken." Paris ist eine Festung, und seine Bevölkerung muh mit den Schrecken und Gefahren einer Belagerung rechnen. Trotzdem wird es jeder Deutsche mit tiefem Schmerz empfinden, wenn statt der feindlichen Befestigungen und deS feindlichen Militärs wehrlose Zivilpersonen getötet oder verwundet werden. Man wird auch in Deutschland die Gefühle begreifen, die das Abwerfen einer Visitenkarte in Verbindung mit einem so tragischen Ereignis in der französischen Hauptstadt erwecken muß. Wir erleben einen Krieg, wie die Welt noch keinen gesehen hat, und es wäre entsetzlich, über ihn noch zu scherzen! Sichrem,§ der fflcischvrrsorgmiss. Die preußische Staat Sregierung hat Mittel bereitgcstellt, »in die Durchführung des Verbots, Kälber und Rinder vorzeitig zu schlack,- tcn, ohne Härte für die kleineren Besitzer sicher zu stellen. Es ist im wesentlichen beabsichtigt, den Uebergang von Zucht- und Magervieh, und zwar von Schweinen und Rindvieh, zu dessen Turchhaltung die Besitzer nicht imstande sind, an andere geeignete Züchter und Mäster zu ermöglichen. Hierzu werden die Landwirtschostskanimern teils den Verkauf des Viehs vermitteln, teils den Ankauf und Weiterverkauf selbst betreiben. Letzteres kommt namentlich in Frage, wenn in einem Bezirk ein grosser Uebcrsluß an einer Viehart und andererseits ein Mangel an entsprechenden Futtermitteln besteht. In solchen Fällen kann durch Ueberführung des Viehes in andere Gebiete mit einer günstigeren Verteilung dcr Vieh- und Futterbcstände ein gewisser Ausgleich geschaffen werden. Ter Staat wird die Hilfsmass- nahme dadurch unterstützen, dah er cs den LandwtrtfchaftÄammern durch Gewährung von Vorschüssen ermöglicht, den Käufern bei dcr Vermittlung des Biehverkanfs etwa erforderlich« Kaufpreisdarlehcn zu geben und bei dem eigenen Ankauf und Verkauf den Kaufpreis zu stuudcn. — Man hofft, aus dies« Welse auch di« Verschleuderung von Viehbeständen verhindern zu können. Die Fettetzung von .Höchstpreisen für G-treide wird auch in Handelskreiscn immer nachdrücklicher gefordert. Ein Börsenbericht der Magdeburger Zeitung aus Mannheim teilt mit, daß dcr Weizen in dcr letzten Woche eine weitere Preisstcigernng von 10 bis 12,50 Mark pro Tonne erfahren habe. Zu dieser erheblichen Preissteigerung schreibt der Berichterstatter: „Man geht wohl in dcr Annahme nicht fehl, daß dabei spekulative Einflüsse zum großen Teil mit dabei die Schuld tragen. Es ist zwar zuzugeben, daß Not voll auch die fremde fühlen und trostbedürftig Trost und Rat geben möchte. Mitten in dieser Betrachtung wurde das Lied beendet. Klaus Horncmann teilte den Segen aus, und eben erhoben sich die Häupter, als ein Freudenschrei erscholl, denn die ersten, welche ihre Plätze verließen, entdeckten den alten Helgestad, zogen ihn vorwärts ins helle Licht und schrien seinen Namen, der in der nächsten Minute überall wiederholt wurde. „Nuh!" rief dcr Kaufmann, „bin da, Freunde und Nachbarn! Habe Gott meinen Tunk hier außen dargebracht uns habe gute Nachrichten für Euch aus Bergen, Steigt der Fisch mächtig und wird steigen von Woche zu Woche. Wird aus vier Spezies kommen die Vaagc und darüber: jetzt aber laßt mich meine Kinder sehen, habe sie lange entbehren müssen." An Jldas Arm und seinen Sohn an der Hand stand er endlich draußen im hellen Sonnenschein. Alle wollten seinen Handschlag und sein Wort. Die Marstrand kannten, drängten sich an diesen mit ihren Fragen und Glückwünschen. Jubel- gcschrci und Hurras schallten auch auf dieJacht nieder, deren Mannschaft den Felsen heraufklcttertc, und lange dauerte es. che Hclgcstad vor seincin Kirchcnhäuschcn den Schwarm der Neugierigen los wurde und mit seinen Freunden und Kindern einen kleinen Kreis bildete, dem er Hanna gehörig vorstellen und ihr Erscheinen am Lyngcnsjord erklären konnte. Er sagte freilich nicht sogleich, was seine eigentliche Absicht sei, allein es war keiner, der sie nicht erraten hätte. Hanna wollte das Land ihrer Mutter sehen, es hatte große Mühe gekostet, Fandrem zu bewegen, sie auf ein paar Monate zu missen, Björnarne sollte sie zurückbringcn. Daraus setzte sich jeder zusammen, was ihm gutdünkte. Der reiche Kaift- mann in Bergen war bekannt genug, eben so bekannt, in welchen Verhältnissen Hclgcstad zu ihm stand: Andeutungen über das, was einmal geschcben könne, wären früher schon in den Familien abgehandclt worden, wenn davon die Rede war, wen dcr junge Erbe von Oerenäesgaard einmal heim- das Angebot nur ein kleines blieb, dabei ist aber zu berücksichtigen, daß um diese Jahreszeit unsere Landwirtschaft stets durch vermehrte Feldarbeiten in Anspruch genommen wird, was natürlich in diesem Jahre, wo ein großer Teil der A>> beitskräfte unter den Waffen ist, sich erst recht geltend macht. Auch ist cs richtig, daß diesmal die jonst ausgleichcnd wirkenden starken Einfuhren fehlen, allein auch in unseren Handelskreiscn muß man sich hierüber klar sein, und nachdem von berufener Seite wiederholt fcstgcstellt war- den ist, daß die Versorgung Deutschlands mit Brotgetreide eine ausreichende ist, wäre dcr Gedanke einer Einführung von Höch st preisen wirklich nicht von dcr Hand zu weisen, worüber ja mehrfache Erwägungen stattgefunden haben. Das dürfte der spekulativen Unter- nchmungSlust rasch einen Dämpfer anfsetzcn." — Ganz unsere Meinung. Nur müssen die Höchstpreise sich auch in den Grenzen halten, die eine Ueberteuerüng dcr Brotkonsumenten ausschließen. Neue Beförderungovorschristen im Heere. DaS Armee-Verordnungsblatt hat die Bestimmungen vcrösfent. licht, nach denen die Beförderung zum Offizier während der Dauer des mobilen Verhältnisses wesentlich erleichtert und vereinfacht wird. Zunächst sind alle Forniaiicn bei dcr Osflzicrwahl und bei den Eingaben beseitigt. Auch die Ofsizicrwahl erioigt jetzt gewissermaßen kriegsmäßig. ES ist nicht notwendig, dass sich das ganze OfsizierkorpS zur Wahl versammelt und jeder seine Stimme schriftlich in ein genau vorgeschriebenes Protokoll niederlegt, es genüge, wenn die gerade erreichbaren Offiziere zusamitnenberufen werden und ihre Stimm« abgcben. Die Eingaben auf dem Instanzenweg« bis an das Militär-Kabinett können ans einer einfachen Meldebart« erfolge». Von zeitraubenden Nachfragen bei den heimatlichen Bc- zirkskommandos nach den häuslichen Verhältnissen soll Abstand genommen werden, wem: sic der Regimentskommandeur nicht für erforderlich hält. Besonders wichtig ist die Bestimmung über den Vorschlag von Unteroffizieren und Mannschaften, die sich vor de:» Feinde ausgezeichnet haben, zur OffizierSbeförderung. Eine Beförderung dieser Leute zu Fähnrichen findet nicht statt, sie werden gleich zn Ljfizieren ernannt. Eine neue Schlacht in Belgien. Kopenhagen, I. Oktober. Hier gehen Gerüchte, daß eine neue Schlacht zwischen Antwerpen und Brüssel im Gange sei, die östlich von Tcdcrnioiide in dcr Gegend von Mcrchten, Lanüazeei und Buggeiihont stattsindct . Eine belgische Divi- Fioit mit vollem Train sei aus Antwerpen ausmarschiert. Reaktion in Frankreich. wir. Rom, 1. Okt. (Nichtamtlich.) Der Berichterstatter des Avanti in Bordeaur bespricht die Handhabung der Zci- tuugszcnsur in Frankreich und gibt aus dem Matin Beispiele für seine Meinung, “bofe das 'französische «Volk immer ntchr in die Hände der Reaktionäre falle und daß schon deshalb die italienischen Sozialisten nicht auf die Seite Frankreichs treten könnten und Italien an dcr Neutralität unbedingt festhalten müsse. französische Knaben als! Soldaten. Eine Anzahl französischer GesongeneittranSportc erregte in Nürnberg auf vom Hauptbahnhos grosses Aussehen. ES waren einig« Hundert Mann gesangener französischer Sdldatcn im Atter von >4 bis 15 Jahren, die aus Aufforderung ihrer Schulbehörden sich zum aktiven Heer hatten anwcrben lassen. Auch in Wiirzburg passierten mehrere Züge von 14- bis 15jährigen gefangenen sranzösischen Soldaten die Station. Ucbrigens sind auch im deutschen Heere 14- bis 15jährige Knaben als Kriegsfreiwillige. ^ Nuss» che, engli'che, französische Kriegsschiffe in den Dardanellen. Ter Eorierc d'Jtalia meldet- aus. Konstnntinopcl: Tic russische Flotte aus dem Schwarzen Meer nähert sich dem Bosporus. Tic englische Mittclmccrslotte mit einem großen Teil dcr französischen Flotte versammelt sich in den Gewässern dcr Acgäis. Diese Flottcnkiiiidgcbuiig im Bos- porus und in den Dardanellen soll die Türken zur Beibchal- üttt,; der Kapitulationen und zur Ausgabe ihrer zweifelhaften Stellung gegenüber dem Dreiverband zwingen. Gern Sc» Lebensmittrlwitchrr. In Augsburg I>at die städtische Kommission zur lieber- wachung der LcbcnSmittelpreise festgestcllt, dass die Preise siir führen werde. Niemand zweifelte also daran, daß dcr schlaue alle Stiels sich die Schwiegertochter mitgcbracht habe, damit sie sein Haus, seinen Reichtum und ihren bestimmten Ehe- gcmahl kennen lerne. Es konnte nicht fehlen, daß bei diesen Betrachtungen allerlei Neid und Mißgunst aufkeimte, allein wer wird sich dergleichen anmerken lassen! Hanna wurde freundlich empfangen, und Jlda ging Arm in Arni mit ihr in den Kreis ihrer Freundinnen, uni sie von den Männern zn entfernen, denen Hclgcstad Rede stehen niußtc und wo es an Scherzen und Gelächter nicht mangelte. Während dies geschah, war Marstrand von Olaf in Beschlag genommen worden, dcr ihm viel von seiner Niederlassung zu erzählen halte und mit dcr ehrlichen Herzlichkeit seines Wesens seine Freude ausdrückte, ihn wohl und ganz wieder am Lyngen- fioib zu sehen. Wie sehr stach dieser Empfang von dem ab, dcr ihm von Björnarne sowohl wie von Jlda zu teil geworden war. Tie Jtingfrau hatte ihm die Hand gereicht und ihn mit einigen ruhigen Worten willkommen geheißen, Björnarne aber dies kaum getan, vielmehr die Augen von ihm abgc- wandt und etwas rasch vor sich hin gemurmelt, was wie ein, Gruß klang. Tie Kälte dieser Aufnahme verletzte den jungen Mann. Rndumhcr war Freude und Scherz, Gruppen junger und alter Leute lagerten sich in dem frischen Grün, ans den Hütten wurden Vorräte aller Art herbeigebracht, geschäftige Frauen und Mädchen kamen mit Tassen und Kannen, Feuer flammten zwischen den Steinen auf, die zu Küchen umgeschaffen wurden. Spiele wurden verabredet, Tanz wlltc die Lust vergrößern, frische Zweige wehten von den Hüten und Mützen, Lieder wurden angcstimmt, die Kehlen wie die Füße probiert, und manche Männer, welche Marstrand wenig kannten, Familien, die er kaum einmal gesehen hatte, liefen mit gütigen Blicken und warmen Worten auf i?n zn, fragten und lobten, hatten Teilnahme für ihn und luden ihn ein, mit ihnen den frohen Tag heiter zu begehen. lFortsetzung folgt.) Fleisch. insbrsonder« für Kalbfleisch. gegenüber bon Viehern- kausSpreisen vic lzu hoch find. Der Atagistval Hot mm beschlossen, di« Metzger zu verwarnen und hat sernrr den beiden Mctzgerinnun- ,en eröfinet, da» ein« städtische Fleischverkaufs st eile in Betrieb gesetzt wird, wenn nicht unverzüglich ein« entsprechend« Herabsetzung der Preis« ersolgt. Der Kampf um Kiantsckou. Rotterdam, 30. Sept. (Ctr. Bin.) Die britische Gesandtschaft hat eine Depesche des englischen Auswärtigen Amtes erhalten, datz die japanische Regierung berichtet hat, daß ani Samstag die japanischen Truppen die Deutschen angegriffen haben. Diele hüten die vorgeschobenen Stellungen zwischen den Flüssen Paische und Listun besetzt. Keine internationale Konferenz? Amsterdam, 30. Sept. (IK.) Das Internationale Sozialistische Bureau in Brüssel bat den Vorstand der holländischen Partei, die Einberufung einer internationalen Konferenz in die Wege zu leiten. Dieser aber hat beschlossen, eine solche Einladung z. Zt. nicht ergehen zu lassen, vielmehr durch eine Rundfrage bei den angeschlossenen Parteien eine Ent- scheidung darüber herbeizusühren, ob es angesichts der Isolierung Brüssels nicht ratsamer ist, das Internationale Sozir- listische Bureau vorläufig in ein neutrales Land zu verlegen. Die Neutralität in Italien WB. Rom, 1. Oft. Die Versaimnlu-ng der liberalen Deputier- kcn hat folgenden Beschluß gefaßt' Di« liberalen Deputierten erkennen die Rcchtmäßigkcit der Neutralitätserklärung an. welche die Regierung beim Kriegsausbruch abgegeben hat imd versichern von Neuem, daß sic volles Bertraner, zur Regierung haben, von der sic annchmcn, daß sie der hohen Pflichten und der großen Verantwortlichkeit gegenüber Italien sich bewußt ist. Sie vertrauen darauf, daß die Regierung mit Vorbedacht und Tatkraft dir obersten nationalen Interessen wahr zu nehmen wissen wird. — Nach Schluß der Versammlung überreichten die Abgeordneten ihren Beschluß dem Ministerpräsidenten. Der Wirtschaftskrieg gegen England. Berlin, 1. Lkt. Das Reichsgesetzblatt veröffentlicht eine Bekanntmachung des Bundesrats betresfend das Zahlungs- Verbot gegen England. Bis auf weiteres ist es danach verboten, Zahlungen nach Großbritannien und Irland oder nach den britischen Kolonien mittelbar oder unmittelbar in Bar, in Wechseln oder Schecks, durch Ueberweisung oder in sonstiger Weise zu leisten, sowie Geld oder Wertpapiere abzuführen oder zu überweisen. Verlängerung des ungarischen Moratoriums. Budapest, 1. Oft. Das Amtsblatt veröffentlicht ein« Verordnung über di« Verlängerung des Moratoriums um 2 Monate. Nachwahl für Ludwig Frank. Karlsruhe, 1. Okt. Wie nunmehr amtlich bekannt gegeben wird, ist die Ersatzwahl für den auf dem Schlachtfeld« gefallen«» Vertreter des 11. badischen Reichstagswahlkrrises (Mannheim-Schwetzingen- Weitheim), Dr. Frank» ans Dienstag, den 17. November anberaumt worden. Hessen nrrd Nachbargebiete. »ietzrn und Umgebung. Es geht einUchlacht... Es geht eine Schlacht . . . mit schwerem Gang. Am Weichsclfluß? Am Wasgcnjoch? Die Stille redet. Tagelang. Wir wissend nicht. Und wissend doch. Es rinnt ein Ruf. Durch Frühlichtgraun. Durch alle Nächte. Heimatwärts. Es schwillt ein flüsterndes Gerann Von euerm Blut in unser Herz. Es schallt ein Schrei- Es schallt ein Schuß. Es trifft uns in die eigne Stirn. Es zieht ein heimlich steter Fluß Von euerm Herz in unser Hirn. Es weht der Allerseelenwind. Wir schreiten alle einen Schritt. Und die wir fern vom Felde sind, Wir kämpfen mit; wir sterben mit. Alsrcd Kerr. Ausbeutung deutscher Soldaten. Gegen die Ucbervor- leilung unserer Soldaten wendet sich die Süddeutsche Tabak- zeitung mit folgenden Ausführungen: »Unter allen Umständen muß verhindert werden, daß unsere Krieger durch fliegende Marketender und ähnliche Troßknechte in so schamloser Weise übervorteilt werden, wie c» jetzt teilweise geschieht. So wurde der Süddeutschen Tabakzcitung berichtet, daß dieses Gesindel den im Felde stehenden Soldaten ordinärste Ripprnzigarrcn zu 10 Pfg. und 15 Pfg. pro Stück und 10 1 Pfg.-Zigaretten zu 50 Pfg. verkauft. Diesem Treiben muß ein Ende gemacht ivcrdcn! Don den Himmtlserscheinnnsien im Oktober. Der Sternenhimmel hat es trotz des Kricgslärms, der di« ganze Well durchtost, vermocht, ein kleines Stück Interesse aui sich abzulenken. Ter „St r i c g 3 1 o m e t" hat das zuwege gebracht und wir wollen unz dessen freuen, ganz gleichgültig, wie diese „Leistung" d«s Kometen zustande gekonnnen ist. ES liegt aber im Interesse der Himmelskunde und der Leffenelichkeit, jeder Legendenbildnng cnt- gegenzittreten. AuS der Hmrinelskunde ist genug Spuk imd Aberglauben in die Köpf« gedrungen, und es erfordert sicher mehr Arbeit mid Mühe, es daraus wieder zu entfernen. als es hineinzubriugen. Milden „Kriegskometen" ist es «in« eigen« Sache. Nicht alle Jahre finden glücklicherweise auf der Erd« Kriege statt, wohl aber haben wir all« Jahre «inen oder mehrere Kometen. Früher war das anders, da prophezeite man „Erdbeben, Krieg und Feuersnot", wenn ein Komet am Hiuim«! als Zuchtrute Gottes erschien, weil Kometen- ctscheinungen nur selten waren. Seit Christi Geburt sind rund 500 uwli^r« Kometen gezählt worden. Seit der Erfindung des Fernstes aber haben wir außerdem noch fast 400 teleskopischc kennen Ownrt, also solche, die nur mit dem Fernrohr sichtbar sind. Ehedem "suchte wohl des öfteren ein Krieg mit einem Kometen zusammen- tft»en. jetzt aber sind bi« Kometen häufiger, als die Kriege, denn wir entdecken jährlich etiva 3 bis 6 solch« Himmelskörper, iveil uns "s^.oirnrohr und die photographische Platte dabei Hilst. Und das mit bei Vervollkommnung dieser Hilfsmittel noch besser iver- l!« Taß einer von den häufigen Kometen auch einmal mit dem entsetzlichen Weltkrieg znlammenfällt, in dem sich jetzt di« Menschheit l'OtjIttt, ist also kein Wunder. Der jetzige Komet „Delavan" wurde bereits im vorigen Jahre entdeckt. Er ist seitdem immer heller geworden, sodatz er jetzt mit bloßem Auge alz schwaches hcll-S Wölkchen sichtbar stt. Am t. Okt. findet man ihn, wenn man den Hellen Löwenstern Regulus mit dem Tie Heeresverwaltung sollte diese fliegenden Verkäufer nur mit Passierscheinen unter Kontrolle der Verkaufspreise, an unsere Truppen hcrankommen lassen. Vor allem aber sollte ihnen das Handwerk durch reichliche Beschaffung von Tabakfabrikaten seitens der in Betracht kommenden Organisationen gelegt werden." t Der Entwurf einer Bekanntmachung über die Unver bindlichkcit gewisser Zahlungsvcreinbarungen, dem, wie schon gemeldet, der Bundesrat seine Zustimmung erteilt har. setzt die sogenannte Goldklausel, die sich namentlich im Hypc- thckcnverkehr findet, außer Kraft. Der Gläubiger kann mithin die ihm in anderen Zahlungsmitteln, als in Gold ange- botene Zahlung unter Berufung auf die Goldklausel nicht mehr ablehnen. Die Bestimmung ist geschaffen infolge der gegenwärtig erschwerten Beschaffung von Gold und zum Schutze des in der Rejchsbank aufgespeicherten gelben Metalls. — Gefallene des Gicßener Regiments: Vizcfeldwebel Louis Korber aus Reiskirchcn bei Wetzlar. — Gefreiter Friedrich Brück aus Blasbach, Kreis Wetzlar. — Musketier August Reitz aus Flensungen bei Mücke. — Gefallene aus Obcrhesscn n»d Nachbargcbictcn: Musketier Valentin G e r ch aus Landenhansen, Kreis Lautcr- l>ach, Jnf.-Regt. Nr. 118. — Landwchrmann Georg 0er- l a ch aus Rodheim a. Bieber, Jnf.-Regt. Nr. 82. — Aus der letzten Verlustliste. Vermißte: Musketier Wald schm idt aus Gießen, 8. Komp. Jnf.-Rcgt. 118. Gefreiter Stamm aus Waldgirmes (Kreis Wetzlar), 5. Komp. Jnf.-Regt. 118. — Versichert die Fcldzugoteiliichmcr! In der hessischen Kriegsversicherung wurden bis jetzt in Oberhessen 2900 Anteilscheine (zu 10 Mk.) gelöst, in Starkenburg dagegen 3800 und in Rhcinhesscn sogar 4600. Demnach wurde die Einrichtung bei uns am wenigsten in Anspruch genommen. Es wäre aber im Interesse der Hinterbliebenen sehr zu wünsche», wenn man auch bei uns sich des Segens der Versicherung mehr erinnern wollte. In vielen Fällen haben Arbeitgeber für ihre im Feld stehenden Arbeiter Anteilscheine der Kriegs- Versicherung gelöst. In manchen Dörfern ist man auch so vorgegangen, daß die Gemeinde die eine Hälfte des Betrages (5 Mk.) für jedes ins Felde gerückte Gcmeindemitglied bezahlt hat. Die andere Hälfte gab dann die Familie des Kriegers. So wurde bereits für manchen Haushalt, dessen Ernährer täglich deni Tod ausgcsctzt ist, durch die Aussicht auf eine einmalige Unterstützung wenigstens ein kleiner Trost geschaffen. Kommt der Krieger gesund wieder, dann sind die 10 Mk. nicht verloren, sondern man weiß, daß sie anderen Familien zugute kommen. Also heran, Gemeindevorstände und tut Eure Pflicht, indem Ihr auch Eure Bürger veranlaßt, von dieser segensreichen Versicherung Gebrauch zu machen. — Das Schwurgericht verhandelte am Donnerstag niorgen gegen den 29 Jahre alten und seither nur wegen Aertelns mit Hast vorbestraften Taglöhner Ludwig gut- manski aus Raczice wegen Totschlag. Ter Angeklagte war bei dem Landwirt Horn in Fauerbach bei Fricdbcrg be- schäftigt und hat sich dort als fleißiger und arbeitsamer Mensch erwiesen. Am Sonntag den 16. August d. I. hielt er sich nachmittags mit einigen seiner Landsleute in dem sogenannten „Polcnhaus" (einer Zusammenkunftsstätte polnischer Arbeiter) auf, wo reichlich dem Schnaps zugesprochen wurde. Der Angeklagte ging dann nach Hause, wo er mit dein ebenfalls bei Horn beschäftigten Dienstknecht Scheid noch ein größeres Quantum Stachelbeerwein, das ans dcni Keller seines Ticnstherrn stammte, vartilgte. Schließlich hatte aber Furinanski immer noch „Durst", und er ließ sich von Scheid ein Fläschchen Bier holen. In: weiteren Verlaufe des Abends müssen Beide dann in Streit geraten sein, denn Scheid soll mit einer Stallaterne nach dem Angeklagten geschlagen haben, worauf dieser eine Bierflasche ergriff und auf Scheid einhicb, dem die S-chädeldccke zertrümmert wurde, was seinen Tod zur Folge hatte. Scheid wurde am Montag morgen von seinem Dienstherrn, der ihn wecken wollte, tot im Bette aufgeftmdcn. Furmanski leugnete zunächst und wollte von der ganzen Angelegenheit nichts wissen. (Jr behauptete, daß noch ein Dritter, den er, wenn er ihm vorgc- stellt würde, sicher wicdercrkenncn würde, bei ihnen gewesen sei und daß nur dieser als Täter in Frage kommen könn.. Später gab er allerdings zu, daß er den Scheid geschlagen habe, nur behauptete er, daß dies in seiner (Furmariski's) Stube geschehen sei, als er von Scheid mit der Laterne angegriffen wurde. Tie Jnaugenscheinnabme am Tatorte ergab icdoch mit Bestimmtheit, daß Scheid die tödlichen Schläge in seinem Bette erhalten hat. In der heutigen Verhandlung ist der Angeklagte, der totale Betrunkenheit vorschützt, im letzten Schwanzstcrii des Großen Bären verbindet, auf dieser Verbindungslinie etwa ein Drittel von dem Bärenstcvn entfernt. Er ist ungefähr 3. Größe, also mit freiem Auge zu sehe». Ein Opernglas läßt ihn erheblich besser sehen. Und da der Komet noch aßman>i lsttt einiges Allznmcyeri'che beseitig«, dafür anderes ausgenommen. So ist bcson- dcrs dankenswert der letzte Abschnitt, di« Beschreibung der neuen Haniburgcr StaatSsternwarte. die ein Beispiel der Einrichtung und der Arbeitsweis« eines solchen Jnstttuts gibt. Man kann sich nicht mit allem cinverstandcn erkläre», namentlich nicht mit dem 10. Abschnitt, der die Frage nach dem Werden der Welten behandelt mid keineswegs auf der Höbe steht, da er di« Arbeite» Arrhenins' und Poincarcs nicht berücksichttgt, aber im ganzen ist das Buch «ins der besten Bliäicr, das seine alte Aiizichungskrast siä>«r behalten min), um so nrchr. als angesichts der zahlreichen neue» «roßen Tafeln und der Vermehrung des Inhalts der Preis nicht höher wurde. Mrflcrmciflcr erklärt, Baß Sie Angelegenheit geregelt sei, indem der Unterricht in der Fortbildungsschule wieder ausgenommen würde. Von der Militärbehörde wird die Erbauung eines Des- infcklionshauseö für die Unterosfizicrschule gewünscht, wofür 8000 Mark bewilligt werde». Ein Schmerzenskind bleibt die Deckung der Rcparaturkosten. die nicht gering sind, für bas hiesige Lehrerseminar, und wird endlich Klarstellung verlangt über die Zahlungspflicht, Bekanntlich soll das erst vor wenigen Jahren von einem Rcgicrungsbaumeister hcrgestcllte Lehrgebäude schwere Fnnda- mentierungsfehler aufweiscn, wodurch der Stadt bereits erhebliche Kosten für Reparatur entstanden und teilweise der Aufenthalt in diesem Gebäude als gefährlich galt, da sich große Risse in dem Mauerwerk zeigten. Sodann schlägt der Bürgermeister vor, die Stadtverordnetenwahlen wegen des Krieges zu vertagen, um den Wählern im Felde ihre Rechte nicht zu beschneiden, Tie Stadt- vcrordnetcn-Vcrsammlung stimmt dem vernünftigen Vorschlag zu und bleiben die ausschcidenden Stadtverordneten vorläufig bis zur Neuwahl in ihrem Amt, lieber Klagen bctr. Einquartierung wird bekannt, baß die Militärbehörde die Vorkehrungen der Stadt nicht beachtet hat, wodurch Ungleichheiten entstanden sind. Auch hat die Bäckcrinnung abermalige Erhöhung der Brotprcise angckündigt, da das Mehl immer teurer würde. Hieraus wurde in eine nichtösfcnt- liche Sitzung eingetrctc», — Ein bedauerlicher Ungliickssall hat sich am Mittwoch in Burgsolms ereignet. Durch ein »mfallendes Jauchcfaß wurde das vierjährige Söhnchcn des Mechanikers Söhn getötet. Das Kind hatte in der Nähe des Fasses gespielt, welches derart auf cs fiel, daß bas Genick gebrochen wurde, 7 .. Oberbiel bei Wetzlar, Im Wctzlarcr Anzeiger vom 30, September schreibt ein Veteran von 1870/71 über die sogenannten Liebesgaben für die Fcldzugsteilnehmer, wobei er hcrvorhcbt, daß nur gute Sachen gestiftet werden sollten, sonst lieber gar nichts, und behauptet, baß 1870/71 viel Schund gespendet wurde. Der Mann hat mit seiner Mahnung sehr recht, denn anch in Oberbiel schämten sich einfache Arbeiterfrauen, die von einer Psarrfamilic geschenkten Wäschestücke zur Ablieferung an die Sammclftelle zu bringen, vielmehr ist der bekannte Lumpensammler M. als Empfänger dafür In Aussicht genommen. Ja ja, es geht nichts über christliche Nächstenliebe, und nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Bereiuskalender. Samstag, 3, Oktober. Weßlar. Gesangverein Hoffnung, Singstunde. Abends 8(4 Uhr Telegramme. Das Ringen im Westen. Neue Fortschritte! Großes Hauptquartier, 1. Okt., abends. (W. B. Amtlich.) Am 3st. September wurden die Höhen von Rohr und F r c s n c y (nordwestlich von Noyon) den Franzosen entrissen. Südöstlich von St. Mihiel lvurde» am 1. Oktober Angriffe von Toul her zurückgcwicscn. Die Fron zoscn hatten dabei schwere Verluste. Ter Angriff auf Antwerpen schreitet erfolgreich fort. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz keine Veränderungen. Das fällige Bulletin. (Ctr. Bln.) Der gestern nachmittag 3 Uhr 25 ausgc- gebcne französische offizielle Schlachtbericht lautet: Auf uw jerein linken Flügel im Norden der Somme fährt die Aktion fort, sich mehr und mehr nach Norden zu entwickeln. Zwischen Oifc und Aisne hat der Feind einen heftigen Angriff auf Traccelemont unternommen. Im Nordwesten des Waldes von Laigle wurde er unter Verlusten zurückgeschlagen. Im Zentrum Ruhe auf der ganzen Front von Reims bis zur Maas. Zwischen Argonnen und Maas leichtere Vorstöße seitens der Franzosen. In Woevre rückten die französischen Truppen nach heftigen Kämpfen mit den gegnerischen Truppen vor, besonders im Osten von St. Mihiel. Auf dem rechten französischen Flügel zwischen Lothringen und den Vogesen ist die Situation unverändert. Was die Engländer wissen. Rotterdam, 2. Okt, (Etc. Bln.) Eine Depesche der .Times aus Nancy voni 24. September besagt: D i e Deutschen rücken w i e d e r v o r. Sie besetzten Domevre, Blamont, Circcy, Badonvillcrs sowie Thiauvourt und Nomeny. Der Ort Nomeny ist dem Erdboden gleich gemacht, ebenso wie Gcrbervillgrs. Die Deutschen rücken durch das Dczouse-Tal vor. Die Beschießung Antwerpens. Rotterdam, 2 . Okt. (Ctr. Bln.) Aus Antwerpen wird gemeldet: Beim Fort Waclhcm sprengten die Deutschen das Pulvermagazin. Sic sollen die dortigen Trinkwasserwcrke zerstört und die Plätze Licr und Hcrenthals besetzt haben. Der Kampf gegen die Nnsicn. Ei,» ruisisches Bulletin. (Etr. Bln.) Ein Petersburger Bulletin besagt: Tic Deutschen befestigen die die galizische Grenze beherrschenden Hügel im Süden des Gouvernements Kieler, mit dem offenbaren Zweck, den Vorstotz eines HilfskorpS.von Schlesien nach Krakau zu decken. Ein heftiger Kampf scheint in diesem Gebiet bevorzustehen. Schwere Niederlage der Serben. Budapest, 1. Okt. (Ctr. Frkft.) Ein neuerlicher E i n - fallderSerben auf kroatisches Gebiet hat abermals mit einer schweren Niederlage der Serben geendet. Unsere Armeelcitung hat einen neuerlichen Vorstoß der Serben planmäßig gefördert, um die Serben auf unserem Boden fassen zu können, was, wie aus Mitrowitza gemeldet wird,'vollständig gelungen ist. Ter Einfall, der Montag erfolgte, endete mit einer vernichtenden Niederlage der Serben, die Tausende Verwundete, Tote und Gefangene hatten. Nur wenige erreichten wieder das serbische Ufer. (Franks. Ztg.) Das Eingreifen der Afghanen. Ein neuer Feind der Russen und Engländer. Konstantinopel, 1. Okt. (WB. Nichtamtlich.) Ein hiesiges Blatt gibt die Meldung des offiziösen afghanischen Organs Aradjulah Barnlasghan wieder, nach welchem der Emir von Afghani st an eine Streitmacht von etwa 4 0 0 0 0 0 Mann regulärer Truppen unter dem Oberbefehl seines Bruders Naer-Ullah Khan mit dem Aufträge entsandt habe, die Stadt Peschawar, den Schlüssel I n d i c n s zu b e s c tz c n , und eine andere aus 300000 Mann bestehende afghanische Streitmacht unter dem Befehl des Thronfolgers Narcc Jere gegen Rußland. Die Fratckf. Ztg, schreibt dazu: Tie zur Stunde kaum z>, übersehend« Bedeutung dieser Nachricht liegt nicht in der unmittelbare» Bedrohung der russischen Besitzungen in Mittelasien und des britisch-indischen Reiches durch die Strcit- krästc des Emirs, die mit einiger orieutaiischcr Schätzung bezissert worden sein mögen. Das Emirat kann im Kriegsfall vermutlich kaum mehr als 200 000 Mann ins Feld stellen. Aber der kluge Emir von Afghanistan, der Jahrzehnte lang als Pusser den diplo- mattscheu sntnifcn von Rußland und England ausgesetzt war und ron beiden Mächten reichliche Tribute zu gewinnen verstand, hat sicherlich den scheinbar unerhört kühnen Schritt, gielchzeittg gegen di« beiden größten Mächte Asiens vorz »gehen. nickst vh>w genaue Kenntnis der Lag« gewagt. Wenn er wirklich Pesckmwar besetzt l>at, kann er von dort aus den mohammedanischen Norden Jn- die» S in Flammen setzen, fo daß ihm das Mogulenreich fast von selber zuzicle. Rußland aber wäre sür die Dauer des europäischen Krieges sicherlich nicht inistairdc, den Einbruch gewaltiger Scharen in Türke st a n zu verhindern, denen mühsam durchgc führte „SW rnhigung " mit einem Schlage vernichtet werden feutc an während 2 Wochen im Stadthaus, Gartenstraße 2, Seitenbau, zur Einsicht offen, Innerhalb einer weiteren Frist von zwei Wochen, nach Ablauf der Ojfenlegungsfrist, kann der in der Heberolle als beitragspflichtig in Anspruch Genommene gegen di« Beitragsbevcch- nung bei dem Vorstande der land- und forstwirtschaftlichen Bcrufs- ge nassen schalt Einspruch erheben I (Licht, Dampf und Heißluft) bei allen Kasssen zugelassen kratz u. Frau, Schnlgtr.il . St>-dtpi»l i.KBiiiByVs;-,r, , r« ÜColonialw. | Heinrich Möser, Gießen Welzen- u. Roggenmehlc Sämtliche Futterartikel cnqroa Rübol, Leinöl en detail fiebr. Berdoi ^ lofitr. 27. S chuhwape ti K. Döring m«. 0 , hml/Or Schuli ur ,Üüte Mützen (ü :. 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