Organ für die Interessen des der Provinz Oberheffen und werktätigen Volkes der Nachbargcbiete. Dt» vdrrdeMIch» VolkS»eltun» crlchcml irden Werktag Abend tn Sicken Der Abonnemcnt»vre>» beträgt wöchentlich lb Psg, monatlich 80 Ptg. «tnlchb Brtngrrlodn Durch die Post bezogen diertcljäbrl.llÄMk Redaktion and Ervedition Bietzen, Babnbokliraiic 23, (fbr lür die iolgende Nummer in der Ervedition ausgcben Nr. 224 Gießen, Montan, den 28. ScPtciiUicr IN!4 ö. Jahrgang } Brutalität als Staatsprinzip. Die Grundzüge seines Wesens, wie er sie im Frieden be- tätigt, kann ein Staat auch im Kriege nicht verleugnen. Je mehr er sich im Frieden bemüht, seine Bevölkerung nach srei- heitlichen Grundsätzen zu regieren llnd sie zu menschlicher Gesittung anzuleitcn, desto stärkere Gewähr wird er auch dafür bieten, daß sich seine Kriegführung in den Schranken der Notwendigkeit hält und alle Ausschreitungen zu sinnloser Zerstörungssucht und Mordlust vcrincidet. Wenn wir die Berichte von Kriegsgreucln kritisch uachprllfcn — und solche Prüfung ist in allen Fällen dringend geboten — werden wir uns immer fragen müssen, ob denn das Bild der feindlichen Kriegführung, das sich da ergibt, auch mit dem über- einstimmt, was wir von den Rcgierungsgrundsätzcn des kriegführenden Staates zu Friedenszciten erfahren haben, und je größer diese llebereinstimmung ist, desto eher werden wir geneigt sein, den Berichten, die uns von verübten unmenschlichen Taten erzählen, eine gewisse Glaubwürdigkeit bcizumessen. Man inuß nicht alles glauben, was aufgeregte Phantasie über die Greucltaten der zarischcn Soldateska in Ostpreußen erzählt. Aber man wird ohne weiteres zugeben, daß von allen Feinden, die Deutschland umringen, das zarischc Rußland derjenige ist, von dem man sich die allerschlimmsten Dinge vorsehen muß. Es kann eben niemand aus seiner Haut heraus, und man kann von den russischen Großfürsten nicht erwarten, daß sie die Bevölkerung eines' feindlichen Staates besser behandeln werden als ihre eigenen Untertanen. Die Gewalt, die das letzte Wort jedes Staates ist, ist Rußlands erstes und letztes Wort zugleich. Der Zarismus kennt kein anderes Regicrungsprinzip als die Herrschaft durch Schrecken. Wenn sie . erfahren, daß der russisch: General Postowski den Befehl gegeben hat, alle Förster von Romintcn zu erschießen und im Falle von Angriffen der Zivilbevölkerung alles mitleidlos zu vernichten, die ganze Be- völkerung zu töten und ihr Eigentum zu verbrennen, so klingr uns diese Nachricht nicht unwahrscheinlich, da der Zarismus bis in die letzten Jahre hinein mit ähnlichen Mitteln gegen seme eigenen unglücklichen Untertanen vorgegangen ist. Tie Kosakengrcuel der Revolutionszeit, die Judenverfolgungen, die ebenso scheußliche wie sinnlose Massennietzelei, die auf den Lenagoldfeldern verübt worden ist, liefern nur Bilder, die mit den neuesten Berichten aus Ostpreußen verzweifelte Aehnlichkeit haben. In manchen Fällen mag der Kulturchr- geiz des Russentnms.zn lobenswerter Zurückhaltung führen, und so ist das einwandfreie Verhalten des zarischcn Militärs in manchen Orten anerkannt worden, während sich an anderen wieder die Wahrheit des französischen Sprichworts mit erschreckender Deutlichkeit erwiesen hat: Wenn man den Russen kratzt, kommt der Tatar zum Vorschein. Auf ein anderes Blatt als die grausamen Befehle der militärischen Oberleitung gehören die Entsetzen erregenden individuellen Akte der Grausamkeit, die von einzelnen russischen Truppen oder einzelnen russischen Soldaten begangen worden sein sollen. Wenn cs wahr sein sollte, daß russische Soldaten Frauen mißbraucht, ermordet und verstümmelt haben, so wird es auch in Rußland unzählige Menschen geben, die solche Bestialität nicht anders beurteilen als wir. Auch die militärische Oberleitung wird sich hüten, solche Taten zu billigen und vor der Welt die Verantwortung siii sie zu übernehmen. Wir wissen aber auch, wie gerne man in Rußland beide Augen zudrückt gegenüber Ausschreitungen, die von rohen Anhängern des Zarismus an Andersgesinnte:, verübt werden. Es war doch kein Einzelsall, wenn der Petersburger Untersuchungsrichter die Plünderer der dcut- scheu Botschaft unter feierlicher Anerkennung ihrer „edlen vatriotischen Motive" aus der Haft entließ. Bei den Judenverfolgungen, die das unauslöschliche Brandmal Rußlands mlden, hat sich regelmäßig nicht nur kein Richter gefunden er verurteilte, sondern auch kein Staatsanwalt, der anklagte, mcht einmal ein Polizist, der die Ermordung unschuldiger r>rauen ung Kinder zu hindern suchte. -vn der Seele des russischen Volkes streiten sanfte Gut- mu igkcit und ursprüngliche Roheit miteinander. Die erste hat in der ehrwürdigen Gestalt Leo Tolstois ihre edelste Ver- l; Qr “ n 8 ^"vden, aber die zweite ist unter der Herrschaft des Hauses Romanow das leitende Staatsprinzip geworden. Wenn Philipp feine Spanier stolz liebte, so liebt Nikolaus seine Russen roh, denn nur ein rohes stumpfes Volk kann die zarische Gewaltherrschaft ertragen, gegen die sich alle menschliche Gesittung in ständiger Revolution befindet. Wir wundern uns also nicht, daß Rußland nach außen auftritt, wie es im Innern ist. Wir hegen auch keinen Haß gegen das russische Volk, das sich nach seiner Befreiung aus zarischer Knechtschaft dank seiner vielen vortrefflichen Eigenschaften als ein großes Kulturvolk betätigen wird. Aber Haß, unauslöschlicher Haß gegen das zarische S y st c m , diesen Feind des russischen Volkes und aller Völker! Mit ihm und mit ihm von all den Feinden allein darf cs in Ewigkeit keine Versöhnung geben! Das letzte französische Bnlleti». Paris, 25. Sept. (Judir. Priv.-Tel.: Ctr. Frkst.j In den ichten Bulletins heißt es: Im Zentrum haben die Deutschen östlich der Argonncn und auf dem Maasufer den Angriff mit besonderer Wucht fortgesetzt. D>e Kämpfe dauern mit wechselndem Erfolge an. In der Gegend von Nancy versuchte der Feind wiederum aus französisches Gebiet einzudringen und die leichten Tcckungsabtei- lnngcn zuriiikzudrängen. In den letzten Stunden trat im Zentrum und auf dem französischen rechten Flügel Ruhe ein, während aus dem linken Flügel die Kämpfe heftiger wurden. General Frcuch über Die Kämpfe an Ver Arsne. T. U. Haag, 25. Sept. General French erstattete Bericht über die Vorgänge an der Aisne bis zum 17. September. Seine Ausführungen besagen kaum mehr, als über die Operationen bereits bekannt ist. Cr betont gleichfalls, daß es ein Irrtum gewesen sei, von einem Rückzugsgefecht der Deutschen zu sprechen, daß die Deutschen vielmehr in ausgezeichneten Stellungen auf den Höhen am rechten Aisneufcr stehen. Tie deutschen Haubitzen beherrschen von dort aus das ganze Flußtal. Die Engländer haben schwer gelitten. Der Bericht sagt über die deutschen Truppen: Sie sind gut ausgebildct, lange vorbereitet, tapscr im Kampfe, geschickt, mutig, aber nicht wählerisch in den Mitteln, um zu siegen. Sic kennen nicht die Gesetze des „Fair Play" und schrecken vor nichts zurück. Zwar sind viele Erzählungen über ihr Betragen übertrieben und ihre Maßnahmen, um sich vor Angriffen der Zivilbevölkerung zu schützen, berechtigt, aber doch sind Grausamkeiten von ihnen verübt worden. Unsere Ulanen in» Nordwester» Frankreichs. WB. London, 25. Sept. Die Times meldet aus dem Nordwesten Frankreichs: Am 22. September hat eine Abteilung Ulanen nachmittags die Brücke bei Miramont zwischen Amiens und Arras gesprengt. Don besonderer Wichtigkeit ist nus der inimer noch sehr spärlichen Reihe der heute vorliegenden Meldungen der Bericht des deutschen Hauptquartiers über den gelungenen Turchbruchsvorstotz bei St. Mihiel, etwa in der Mitte zwischen Verdun und Toul. Damit ist in den östlichen Sperrfortgürtel gerade an der Stelle, die für das Vordringen unserer Truppen in das Reimser Schlachtenzentrum von besonderer Bedeutung ist, Bresche geschlagen worden. Die Be- dclilung eines Durchbruchs bei St. Mihiel und eines dortigen Ucöergangcs deutscher Truppen über die Maas ist bereits vorher schon von der französischen Presse zugegeben worden: denn diese hat die deutschen Angriffe auf Verdun so beurteilt, daß diese Angrisse die im Woävregebiet stehenden französi- scheu Truppen zur Hilfe herbcilocken sollten, so daß sich dort den Deutschen bei St. Mihiel eine Bresche öffnen könnte. Diese gefürchtete Bresche ist nun also geschlagen und zwar an einer Stelle, die wie der Namen des Sperrforts Eanip-dcs- Roniains schon zeigt, bereits von den alten Römern in ihrer strategischen Bedeutung erkannt worden ist, und wir dürfen hassen, daß nunmehr auch die Entscheidung in der Mitte der Schlachtfront, aus der in den letzten Tagen offensichtlich auf Heiden Seiten Abwarten der strategische Grundzug war, sich beschleunigen wird. Und zwar zu unseren Gunsten umw- mehr, als auch auf dem rechten Flügel die deutsche Offensive nach dem Bericht des deutschen Hauptquartiers, wie nach jenem der Times über das Vordringen deutscher Ulanen wieder vorwärts geht. Auch die englischen Blätter, die bisher nur von einer Flucht der Deutschen in Frankreich sprachen, sangen nun an, die Lage anders zu beurteilen. Das kann man zwischen den Zeilen des oben abgcdruckten Berichts des englischen Ober- bcschlshabers lesen: das gibt aber auch die angesehene militärische Zeitschrift Land and Water zu, in der Belloc schreibt, die jetzige Stellung der Deutschen sei eine der besten Tevensiv- stcllungen von ganz Westeuropa. Sie sei mit großer Sorg- falt ausgesucht und entspringt nicht dem Zufall und eiligem Rückzug, sondern sei die Linie, aus die die deutschen Befehlshaber von vornherein entschlossen waren, sich zurückzuziehen da es die beste Verteidigungslinie zwischen Paris und der Maas ist. Die ganze Form der Stellung niachc einen Angriff auf sie äußerst schwer. Auch die Times meint, daß ein An- griff auf die Stellung viele Menschen kosten würde, weshalb versucht werde, die Deutschen in der Flanke zu umgehen. Das sollte durch einen Angriff bei St. Quentin geschehen, der mit ganz frischer, Truppen unternommen wurde. Dieser Versuch ist aber bekanntlich durch den rechten deutschen Flügel vereitelt worden. Auch von französischer Seite, so von Oberst Russet in det Libcrtö, werden die Stellungen der Deutschen mit neuen Einzelheiten als riesig stark geschildert, worin einer der Gründe liegt, daß die Franzosen sie nicht stürmen wollen. Es heißt, die Deutschen befänden sich in Steinbrüchen, die angeblich vor zwei Jahren von einer deutschen Gesellschaft aufge- kauft und vollständig zur militärischen Verteidigung hergerichtet wurden. Mehrere sorgsam vorbereitete Verteidigungslinien liefen parallel hintereinander. Auch die Taktik des sich unsichtbar machen findet bei den Franzosen, wenn auch widerwillig, Anerkennung. Ein im Felde stehender französischer Journalist sagt darüber: Die Taktik, zu sehen, ohne selber gesehen zu werden, entspricht vollständig dem deutschen Charakter und ist durchaus nicht zu verachten. Tie Reiterei verschwindet, kaum daß sie aufgetaucht ist. Wenn die Infanterie aus ein paar hundert Meter herangekommcn ist, fängt sic mit Maschinengewehren an zu schießen, ohne sich sehen zu lassen. Sie versinkt in ihren Laufgräben, wo sie sich ungesehen bewegen kann, und maskiert sich hinter Hecken und Zweigen. Ihre Ilniform verfließt mit der Farbe der Erde und bildet immer eine nahe, aber nie greifbare Gefahr. Entdecken die Franzosen endlich die Laufgräben, so sehen sie die Feinde sich erheben und fliehen. Das ist aber nichts als eine List, um die Franzosen anzulocken, um sie dann mit dem Feuer der furchtbaren Maschinengewehre der weiter hinten verborgenen Infanterie-niederzumachen. Der Kamps ist für die Franzosen gleichsam die Verfolgung eines Gespenstes. Der Dom von Reims. London, 25. Sept. Die Times schreiben ans Reims, cs scheine, gar kein Grund für die Befürchtung vorhanden zu fein, daß ine Kathedrale nicht wieder hergestellt werden könne. Köln, 25. S-ept. Die Kölnisch« ZeiNrng meldet aus Berlin, daß die aus französischer Quelle verbreitete Nachricht, der Papst habe bei Kaiser Wilhelm oder der deutschen Regierung Verwahrung wegen der Btschädigung der Ägthodral« tn Reims eingelegt, unzutreffend ist. Richtig ist, dgß durch den preußischen Gesandten bei der Kurt« der Papst über den wirklichen Sachverhalt unterrichtet wurde und sich über di« erhaltene Aufklärung befriedigt geäußert hat. Ein deutscher Krankentransport von Fra ktircnrs überfallen. Berlin, 25. Sept. (Amtlich.) Nach einer dem Chef deS Fcldsanitätswcseiis vorliegenden Meldung ist im Etappengebiet eine Krankcntronsportabtcilung, die mit der Hcrbci- schaffung verwundeter Franzosen beauftragt war, am 23, September, vormittags von französischen Franctireurs über- fallen worden und bat dabei an Verwundeten und Toten einen Oberarzt und sieben freiwillige Krankenpfleger ver» lorcn. Deutsche Gefangene in Irland? WB. London, 25. Sept. Wie die Times meldet, sind am 22. September 4M deutsche Gefangene nach Irland befördert worden. Wie Frankreich zun» Krieg gerüstet hat WB. Wien, 25. Sept. (Nichtamtlich.) Der während des Krieges gefangene, aus Frankreich zurückgckchrte Qbcringcnicur Christen, welcher vor dem Kriege bei dem staatlichen Kraftwerk an der Rhone angcstcllr war, berichtet über feine Wahrnehmungen und Erlcbnisic in der Rcichspost, die dazu schreibt: Christens Aussagen sind insbesondere charakteristisch für die frühen Kriegsvvrbc- reitnngen Frankreichs, die selbst unserem Ultimatum an Serbien vorausgingen. Christen hatte Anfangs des Jahres Gelegenheit, mit dem inzwischen ermordeten Tozialistenführcr Jaurcs zu sprechen, der ihm schon damals im Verlauf des Gespräches mit- teillc, Frankreich hätte sich mit einer Macht zu Lande und zur See vcrbuudeu, um in naher Zeit Deutschlands Ende herbeiznführcn. Damals, erzählt Ehristcii, habe ich dieser Unterredung mit Jaurcs noch gar keine Bcdcutbug bcigcmesien. Erst als ich am 18. Juli auf einer Dienstreise bemerkte, daß in den Vogesen größere Truppcnmasicn zusammcngezogen wurden, erinnerte ich mich der Vorhcrsanuugcn Janrös. Am 21. Juli wurde bereits der Kriegszustand verkündet. Am 27. Juli bekam ich vormiltags meine Papiere mit der Aufforderung, Frankreich zu verlassen. Der Bahn- vcrkehr war aber bereits für Zivilpersonen gesperrt. Nachmittags wurde ich verhaftet und zusammen mit 179 Deutschen, Qestcr- rcichern und Ungarn in einen Keller gesperrt. Am nächste» Morgen ging cs unter Bewachung nach Toni. Auf dem Wege durch die Stadt wurden wir voni Publikum mit Steinen, Kies und Kot beworfen. Am Abend wurden wir in einem Eiskesser auf Stroh untcrgcbracht. Vom 2. August an wurden wir unter Kolbenstößen und Ohrfeigen gezwungen, um Toul Schanzen zu graben und Stacheldrähtc zu ziehen. Tie Schauzgräben hatten eine Breite von 1,30 Meter. Sic wurden mit Ttachcldraht bespannt. Unter uns befand sich auch ein gewisser Pank Chamber, Prokurist der Deutschen Woüfabrik Schlumberg in Bclfort, der 80 000 Francs Silber seiner Firma bei sich hatte. AlS er sich gegen die Wegnahme des Geldes wehrte, wurde er hinter die Zitadelle geführt, mußte sich dort fein Grab selber schaufeln und wurde dann kurzerhand niedergcschosscn. Am 10, August hörten wir Kanonendonner, und Schrapnellkugeln prasselten auf das Dach. Am nächsten Tage wurden wir besonders roh behandelt und schlecht beköstigt. Alles Geld mußte» wir hergcbc», ich allein 800 Francs Arbcits- geldcr und für 28 000 Francs Obligationen. Am 18. August hörten wir wieder Geschützdonner. Jeder von uns Lcsterrcichern und Ungarn gedachte im stillen unseres Kaisers, dessen Geburtstag wir im Herzen feierten. Krankenwagen brachten Verwundere in großer Menge, darunter 10 schwer verletzte Deutsche. Die Bevölkerung und die Soldaten benahmen sich gegen diese armen Schwerverletzten in schmachvollster Weise. Sic überschütteten sic mit Schmähungen und ließen sic drei Stunden in der heißeste» Sonnenglut liegen. Als ich den Armen mit meinem Taschentuch Kühlung verschaffen wollte, wurde ich von einem Ofifzier mit dem Säbel zurllckgestoßen. Schon damals machte sich gegen die Regierung eine Mißstimmung geltend. Ter Mitteilung des Matin und des Echo de Paris von einer Besetzung Magdeburgs und der Belagerung Münchens wurde nicht viel Glauben geschenkt. Auch die Automobile, welche in Toul mit der Aufschrift „de Berlin" die Stadt durchfuhren, vermochten die Zweifel der Bevölkerung nicht zu zerstreuen. Christen berichtet, das Volk habe wenig Hoffnung auf ein glückliches Ende des Krieges und verlange bereits stürmisch nach einer neuen Regierung. In Toul habe er hohe Offiziere wiederholt die Meinung aussprechcn hören, daß eine neue Regierung sich dann an den Vertrag mit England und Rußland, nur gemeinsam Frieden zu schließen, nicht zu halten brauche, da für sic dieser Vertrag ja nicht bestehe. „Zeppolin" in Belgien. W. B. Amsterdam, 25. Sept. Reuter meldet aus Antwerpen: Ein Zeppelinluftschiff hat in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch längs der ersten Verteidigungslinie der befestigten Stellungen vor Antwerpen in der Richtung Moll—Siebe signalisiert. Wegen der starken Scheinwerfer ist das Suftschiff umgekehrt. W. B. London, 25. Sept. Nach einer gestrigen Rculcrmcldung aus Ostende hat ein Zeppeliuluftschisf die Stadt um 11 Uhr abends überflogen und drei Bomben abgeworfen, die ivcnig Sckiadcn angerichtet und nieniandcn getötet haben. Das Lustschisf kam von Thielt Uber Thorhout und kehrte in der Richtung Thielt zurück. Die erste Bombe fiel in den Bois de Boulogn«, di« zweite auf den Fischmarkt, di« dritte in ein Bassin. Der englische Mariueverlust Die Vernichtung der drei englischen Kreuzer durch das deutsche Unterseeboot „U 9" steht immer noch im Mittelpunkte des Interesses sowohl in England selbst wie in den neutralen Staaten. So schreibt der marinetechnische Mitarbeiter der Times: „Es ist das ernsthafteste Unglück, das die britische Marine seit Beginn des Krieges betroffen hat. Es enthält eine Lehre für die Flotte und die Nation." — Daily Chronicle bemerkt in seinem Leitartikel: „Gegenüber dem Verlust der vortrefflichen Mannschaft unserer Flotte ist kein deutscher Verlust zu verzeichnen. Wir werden schwerlich ohne viele besondere Vorsichtsmaßregeln unsere Dreadnoughts in solche Gewässer bringen, wenn nicht die Deutschen dasselbe tun." — Der sachmännische Mitarbeiter des Chronicle schreibt: „Ein Hydroplan würde es dem Beobachter ermöglichen, die Anwesenheit von Unterseebooten zu entdecken. Aber wie, wenn dieses um 7,30 Uhr morgens an einem Herbstmorgen erforderlich ist oder wenn der Gebrauch eines Hydroplanes nicht rötlich erscheint, weil er die Nähe der angreifenden Seemacht verrät?" — Daily Telegraph sagt: „Es muß zugegeben werden, daß der Angriff mit vollständigem Erfolg ausgefllhrt worden ist." Eine vollständig neue Methode des Seekrieges und der Secrüstungen erwartet nach den Erfahrungen des 22. September ein bekannter norwegischer Admiral im Kristianianer Morgenbladet: „Die englische Blockade der Nord- und Ostsee ist zum Tode verurteilt, da durch die gesamte englische Be- wachungskette und über 200 Seemeilen von der eigenen Basis entfernt, bis zum Kanal, jenem von England seit Jahr- Hunderten beherrschten Seeterritorium, sich ein deutsches Unterseeboot mit 20 Mann Besatzung schleichen konnte. Daß die vernichteten Panzerkreuzer älter sind, ist gleichgültig. Wie es gestern diesem in den Grund gebohrten Kreuzer- geschtvader erging, kann es niorgen der ganzen englischen Hochseeflotte ergehen. Tie Nord- und Ostsee sind nicht länger Besitz englischer blockierender Ungetüme. Eine neue Zeit, eine neue Methode beginnt, bedeutungsvoll für die kleinen Seestaatcn, da sie imstande sind, eine beträchtliche Zahl dieser nicht teuren und furchtbaren Seewasfen anzuschaffen." englische Nachrichtcnkricg. Kristiania, 25. Sept. Nachdem neusjch bereits das hiesige Morgenbladet auf Grund eines Briefes seines Londoner Korre- Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 71 „Gewiß, gewiß!" erwiderte Marstrand, ein wenig verwirrt. „Was fiel da auf dem Teck?" ries der alte Schiffer, sich oufrichtend. „Ich habe nichts gehört," sagte Marstrand. Helgcstad war an der Tür. „Bleibtl" rief er, und seine Augen nahmen einen wilden Ausdruck an. „Habt Euch er- hitzt, könntet Euch erkälten." „Laßt mich reden, Herr Helgcstad. hört mich," rief Io- Hann, nach seinem Arm fassend; aber ehe er ihn erreichen konnte, hatte Niels die Tür zugcschlagen und den Schlüssel im Schloß umgcdreht. Rasch sprang er die steilen Stufen hinauf. Der Himmel war mit schweren Wolken bedeckt, der Wind wimmerte durch Top und Takcl der Jacht, die an den langen Tauen schwankte, und draußen, an den Felswänden von Silben, flog die Brandung brüllend auf. In der Dunkelheit schlich Helgestad bis in die Mitte des Schiffes, bis an den Mast, wo er stehen blieb, denn auf Armeslänge vor ihm sah er eine Gestalt, an welche eine andere sich dicht anschmiegte. „So laß uns eilen. Hanna," sagte eine männliche Stimme. „Das Boot liegt dicht an der Seite; eine Leiter ist angeknllpft. Alles ist bereit." „Auch ich bin bereit, mein Henrik." antwortete sie. O! Gottes ewigen Donk, daß ich dich habe." .hierher," flüsterte Dahlen, „gib mir deine Hand. Wo ist der alte Schuft? Hat ihn Marstrand sestgemacht? Wohl bekomm es ihm!" „Halt ein!" schrie er Plötzlich auf und klammerte sich fest, denn in demselben Augenblick fühlte er sich von hinten um- spondenten miigctcilt hatte, daß skandinavischen, namentlich schwedischen und norwegischen Zeitungen der Eingang nach England verwehrt sei, wird mir dies heute nochmals ausdrücklich versichert. Das Verbot erging, weil skandinavische Zeitungen sich hergäben, die offiziellen Wolfs-Telegramme abzudrucken, während englische Telegramme demgegenüber nur in geringer Zahl aufträicn. In Wahrheit werden alle hiesigen Zeitungen tagtäglich von englischen Telcgranimcn schlimmster Torte oerartig überschwemmt, daß die deutschen Telegramme sich zu ihrer Zahl wie 1 : 10 verhalten. Köln, 25. Sept. Die Kölnische Zeitung meldet aus Berlin: Aus Kreisen der deutschen Geschäftswelt werden Tatsachen bekannt, wonach die de» Verkehr zwischen Südamerika und Deutschland vermittelnde englische Kabelgesellschast schon fünf Tage vor der Kriegserklärung Englands an Deutschland für den deutschen Handel wichtige Telegramme zwar angenommen und die Gebühr dafür eingestrichen habe, solche Telegramme aber absichtlich nicht befördert habe. In zwei Fällen ist erwiesen, daß telegraphische Zahlungsaufträge der Argentinischen Nationalbank an Berliner Banken von diesen nicht ausgesührt werden konnten, weil die telegraphische Anweisung in Buenos Aires zwar ausgcliesert, von der englischen Kabelgesellschast aber nicht befördert worden war. Berlin, 20. Sept. Aus London kommt über Rotterdam die Meldung, daß die britische Regierung die Einfuhr englischer Zeitungen in Holland vorläufig verboten hat. — Die Deutsche Tageszeitung bemerkt dazu, cs scheint in England außerordentlich unbequem geworden zu sein, baß man aus der englischen Presse in jüngster Zeit so manche Wahrheit über England erfahren konnte. Der Zusammenbruch des serbischen'Angriffs. Wie», 25. Sept. (Etr. Bln.) Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Essef: Uebcr das Ergebnis der einwöchigen Kämpfe niit den in Slawonien- eingebrochcnen Truppen berichtet das offiziöse Blatt Trau zusammeufassend: Ter gänzliche Mißerfolg des serbischen Einbruches liegt jetzt ganz klar zutage. Das Schlachtfeld war mit Leiche» serbischer Soldaten bedeckt. Es muß auf uns alle den Eindruck innchen, daß wir die Serben in Ruhe nach Slawonien kommen ließen, uin sie hier vollständig zu vernichten. Tie Serben drangen in einer Stärke von mindestens 30 000 Mann in Slawpnien ein und verschanzten sich in Wäldern und Gräben. Unsere Truppen rückten von zwei Seiten heran und bereiteten den Serben bei Jaksvot und Alt-Pacub eine furchtbare Niederlage. Artillerie und Maschinengewehre haben in den Reihen der Serben große Verheerungen ungerichtet. Bisher wurden 7000 Gefangene eingebracht. Tausende von serbischen Verwundeten und Toten liegen noch umher, während viele in der Save ihren Tod fanden. Srjrmien ist von serbischen Truppen vollständig geräumt. Es heißt, daß Generalissimus Putnik die serbischen Truppen geführt habe. Tie Bevölkerung in Syrmien und Slawonien hat sich wieder völlig beruhigt. In dem Bericht eines an der Front kämpfenden Offiziers heißt cs: Nachdem die Trina überschritten und der serbische Einfallsort nach heftigem, für den Gegner sehr verlustreichem Kampfe genonunen war, wurde der Vormarsch fortgesetzt. In der Befürchtung, daß die Serben den. Weg niit Flatterminen gesichert hätten, ließen wir zwei Herden vortreiben. Diese Vorsichtsmaßregel erwies sich jedoch als unnötig. Tie zurückgeworfenen Serben verschanzten sich in guten Stellungen, anscheinend in der Absicht, unsere Vereinigung mit unserer zweiten Gruppe, die über K. operierte, zu verhindern. Der serbische Plan mißlang vollständig. Unsere Artillerie hat es den wie immer unmöglich gemacht, ihre Positionen längere Zeit zu behaupten. Als unsere braven Leute hierauf unter Eljen- und Ziviorusen mit dem Bajonett vorgingen, flohen sie panikartig. Die Ortschaften, die die Serben als Schieß- punkte benutzt hatten, standen teilweise in Flammen. Inzwischen hatte unsere zlveite Gruppe einen scharfen Kampf niit von dem Prinzen Georg geführten serbischen Truppen. Auch diese wurden völlig geschlagen und das 5. serbische Infanterieregiment ganz aufgerieben. Man erzählt, daß Prinz Georg beinahe gefangen genoistmen worden wäre, als die Unsrigcn den Sturm unternahmen und die Feinde in die Flucht trieben. Wir sind heute den sechsten Tag in Serbien, treiben den Feind vor uns her und haben viele Gefangene geniacht, die sich größtenteils in jämmerlichem Zustande befinden. Bei uns ist die Stimmung ausgezeichnet. Wir haben wenig Verluste. Ter Gesundheitszustand der Truppen ist vorzüglich. Die serbischen Verluste. Wie», 25. Sept. Der Zeitung Budapest wird aus Sofioter Rcgierungskreisen milgeteilt, daß di« bisherigen serbischen Verluste an Toten, Verwundetcn und Eholerakrankcn über 00 000 beträgt. saßt und in die Lust gehoben. Hanna war von seiner Seite gerissen, kräftige Arme hielten ihn trotz seines heftigen Ringens. Seine Finger glitten von der Brüstung der Jacht ab, und mit einem Schrei, der schnell erstickte, sank er in das wogende Grab, das über ihm zusammenschlug. Mit einem Sprunge war Helgestad bei den Eisenbarren am Maste. Dort faßte er ein mächtiges Stück mit beiden Händen und warf es niit voller Gewalt dicht am Bord sein?-? Schiffes hinunter. Ein Krachen und Brechen folgte dem Wurfe nach; ein Hilferuf drang von unten herauf, und durch den Himmel zuckte ein rotes Feuer, dessen blendender Schein an den Felswänden hinfuhr und das schwarze Wasser einen Augenblick hell machte. Tie Stücke eines Bootes trieben darauf umher; ein paar Ruderstangen schaukelten auf einer hohen Woge, die eben schaumig und zersplittert in den Kanal geworfen wurde. Eia wütender Windstoß folgte ihr nach und ein Arm ragte aus der Tiefe, eine Hand streckte sich krampfhaft aus und versank. — Hclgestad blickte hinab, sein Gesicht war voll Hohn, voll gesättigter Rache und voll Triumph. „Wohl bekomme es dir selbst, du Narr!" sagte er grimmig, und ein langes Gelächter folgte. Tann wandte er sich uin. Hanna lag ohne Lebenszeichen in den Arnien des Bootsmannes, der sie hielt. „Hoho! Ole," murmelte der Schiffer, „hältst sie zu fest, mein Junge, hast ihr den Atem ausgedrückt." „Glaub's selbst, Herr," antivortete der langhaarige Mann. „Sie rührt kein Glied." Helgcstad nahm den schwachen Körper wie ein Kind in seine Arme. „Rufe die Männer," sagte er, „lös die Taue los, reeft die Segel doppelt, ich komnie sogleich." Er trug Hanna die Treppe hinab, stieß die Tür auf und schob sie hinein. Marstrand sah an dem Tisch, den Kopf in die Hand gestützt. Als er Helgestad sah und der Lichtschein auf das blasse Gesicht des Mädchens fiel, sprang er auf und Eholcrafall in Oesterreich. W. B. Wien, 25. Sept. (Nichtamtlich.) Heute ist fit Brünn oh Fall von asiatischer Cholera bakteriologisch festgestellt worben. *** Erkrankung betrifft eine am 21. September vom nördlichen Kriegsschauplätze cingetroffene, sofort in Spitalbchandlung vcr» brachte Militärperso». Was die deutsche Regierung vom Frieden erwartet. TT T . Rotterdam, 25. Sept. )Etr. Bln.) Ter Nieuwe Rotlcrdamsche Courant bringt folgende Berliner Meldung: Anläßlich der unwahren Gerüchte über die Geneigtheit Deutschland, Friedensverhandlungen anzuknüpfen, kann mit- getcilt werden, daß der Reichskanzler am 6. September einenr Reichstagsabgeordneten schrieb: Unter diesen Umständen müssen wir durchhalten, bis die Sicherheit Deutschlands in der Zukunft ganz verbürgt ist. Der Chef des Generalstabes von Moltke schrieb am 7. September an dieselbe Adresse: Am Ende des Krieges muß unser Vaterland einen Frieden erworben haben, der mit den beispiellosen Opfern in Uebereinstimmung steht, die das Volk in seltener Einmütigkeit auf sich genommen hat, einen Frieden, der für unabsehbare Zeit von keinem Feinde inefjr gestört werden kann. Tie Augst vor der mongolischen Gefahr in England. Das Giornale d'Jtalia meldet aus London, daß auf dringendes Ersuchen Englands das Angebot Japans, im europäischen Kriege mit einer halben Million Soldaten, die über die transsibirische Eisenbahn geschafft werden sollten, einzugreifen, von den Verbündeten abgelehnt worden ist. Die Gefahr einer mongolischen Intervention in Europa habe alle militärischen Bedenken der Verbündeten zuni Schweigen gebracht. — Auf die Furcht vor der mongolischen Gefahr und nicht so sehr auf die Furcht vor der Cholera ist wohl auch die Tatsache zurückzuführen, daß das indische Expeditionskorps nicht in Aegypten eintrifst. Man will wohl doch lieber die indische wie die japanische Armee in Indien sehen. Die Neutralen. Rumänicn bleibt neutral. Bukarest, 25. Sept. (Ctr. Bln.) Ter heutige Minister, rat beschloß, daß Rumänien neutral bleiben soll. Eine Nentralitätsknndgebnng ver italienischen Sozialisten. Rom, 26. Sept. Tie italienischen Sozialisten vcran. staltcten am 2-1. Sept. in Turin eine von einer enormen Menschenmenge besuchte Protcstversammlung gegen den Krieg und die strikte Einhaltung der italienischen Neutrali- tät. — Nach Schluß der Versammlung durchzog die Menge unter den Rufen: „Nieder mit dem Krieg!" die Hauptstraßen, Die Menge wurde schließlich von der Polizei zerstreut. Englands Lockung. Rom, 25. Sept. Das Gioinalc d'Jtalia erfährt aus Loudoitp daß England jede weitere Opposition gegen das Verbleiben Italiens auf den von ihm besetzten ägäischcn Inseln aufgebc. Tic schwedische Verteidigungsfrage gelöst. Stockholm, 26. Sept. Das Ministerium Hammarskjöld, das' gebildet wurde, um die Verteidigungsfrage zu lösen, hat seine Aemtcr dem König zur Verfügung gestellt, da die Frage jetzt gelöst set. Der König forderte die Minister aus, zu bleiben. Di« Minister beschlossen daraus, den Wunsch des Königs zu erfüllen. Türkei und Vereinigte Staaten. Washington, 25. Sept. lNichtamtlich.) Ter türkische Bo, schafter, Rustcni Ben, hat Präsident Wilson milgeteilt, er wcrX Amerika in zwei Wochen verlassen. Rustem Bcy soll den amerikanischen Protest gegen die Abschaffung des ErtcrritorialrechtS der Ausländer in der Türkei getadelt haben. Präsidentenwahl in Albanien. Mailand, 25. Cept. 28 Delegierte aus allen Landcsteilen Albaniens, mit Ausnahme von Skutari, Alcsfio und EpiruS wähl- ten, wie der Corriere della Sera meldet, gestern in Durazzo mit 10 Stimmen Mustapha Ben znm Präsidenten. Dieser übernimmt die Regierung bis zur Ernennung des neuen Fürsten und wird sofort die neue Regierung, den Statthalter und die Beamten er- nennen. blieb stehen, ohne ein Wort zu sagen. Angst und Entsetzen schnürten ihm die Kehle zu. Niels legte seine Bürde auf die Bank an der Wandseite. „Nehmt Wasser, rührt die Hände, Herr, helft ihr oder legt sie auf ihr Bett." „Was ist geschehen, was taten Sie?" fragte Johann heftig. „Laßt es Euch erzählen zum Lohn für Eure Mühe," antwortete der rauhe Mann, mit der Hand sein schweißnasses Haar zurückstreifend. „Tankt Gott für seinen gnädigen Beistand, Herr. Tie Jacht ist unter Segel, ich muß an meinen Posten. Kann ein Zoll zu viel rechts oder links uys zu Venen legen, die da unten ein tiefes, nasses Lager haben." Er stülpte die ölgetränkte Kappe auf, ging hinaus und warf die Tür in Schloß und Riegel. — Marstrand beugte sich über die Ohnmächtige, er wußte nicht, was er beginnen sollte. Gepolter und Geschrei war auf dem Deck, Laternen brannten, schwere Füße eilten hin und her. Plötzlich schlug Hanna die Augen auf und blickte dem Helfer starr ins Gesicht. „Redet, Jungfrau, sagt mir, tvar Henrik bei Euch, und wo ist er?" fragte der Junker anstvoll. Sic sah ihn mit irren Blicken an, dann aber, als sie den Namen hörte, schnellte ihr Körper krampfhaft auf. Ein Schrei rang sich aus ihrer tiefsten Brust, ihre Hände klammerten sich wie zum Gebet zusammen, sie wollte aufspringen und sank zurück. Ein Pfeifen und Schreien mischte sich mit diesem Schrei. Die Jacht stürzte wie von einem Berge in einen Abgrund, ihre Balken zitterten, die Planken ächzten und knarrten, schwere Stöße donnerten gegen ihre Wände, und durch die Dcckfugcn tröpfelte Wasser nieder. Das Schiff war aus dem schützenden Kanal ins offene Meer gelaufen. (Fortsetzung folgt.) Das internationale Kapital «nd -er Weltkrieg. Schon law ist dos Wirtschaftsleben der einzelnen Länder aufs «ngst« Detbunixm. Ti« kapitalistische Wirtschaft kann nur bestehen nls Weltwirtschaft. Das bedingt schon die Arbeitsteilung, di« zmn Warenaustausch sührt. Dabei sind die kapitalistisch am höchsten entwickelten Länder gegenseitig ihre besten Kunden. Die Rivalität der Kapitalisten der Großmächte bei ihrem Bestreben, die Welt zu beherrschen hat zu dem Weltkrieg« qeführt, der jetzt tobt, aber nichtsdestoweniger bleiben di« kapitalistischen Interessen anss engste verquickt, wobei jedoch der Kriegszustand die tollst« Verwirrung zeitigt, Bor allem ivaren in jedem Lande bei Kriegsausbruch graste Geldbeträge fällig, dir aus dem Ausland« siir bereits gcliescrte Waren zu fordern sind Mit Ausbruch deS Krieges hört« aber der Zahlungsverkehr zwischen den kriegführenden Staaten aus. Die englischen, französischen, belgischen, russischen, serbischen, japanischen Unternehmer erhalten kein Geld aus Deutschland und Oesterreich und umgekehrt. Aber selbst die Zahlungen aus neutralen Staaten laufen zum Teil nicht ein, weil dort angesichtz des Krieges ein Moratorium »erhängt wurde, die fälligen Wechsel also nicht cingrlöst werden. Für Teutschland kommt dabei noch in Betracht, hast bei dein überseeischen Berkehr ein erheblicher Teil der Waren nicht direkt verkauft wird, sondern durch Vermittlung englischer Handelshäuser. Selbst, wenn di« Ware direkt von Hamburg nach den Vereinigten Staaten verschifft wird, nach China oder nach einem südamerikanischen Staate, erfolgt die Zahlnngsregulierung vielfach durch ein engl i seines Handelshaus, Also ganz abgesehen davon, datz der Warenverkehr stockt, das; di« Schiffe in den Häfen sestliegen, iveil der Kaperkrieg tobt und es somit an Rohstoffen fehlt nnd der Export der Fabrikate nnmöglich wird, haben dt« Unternehmer mit dem Wegsall der fälligen Zahluw gen für früher geliefert« Waren zu rechnen, was ein« empfindlich« Schädigung bedeutet. Aber es kommt nicht nur der auf Warenaustausch begründet« Geidvcrkchr in Frage, sondern das Kapiial ist auch in dem Sinn« internattonal, daß es Anlage in aller Herren Ländern sucht, ohne sich viel um die noilonalen Grenzen zu kümmern. Ans der einen Seite handelt es sich dabei um Staatsanleihen, indem di« Kapitalisten eines Landes der Regierung eines anderen Landes Geld leihen, aus der anderen Seite inn wirtschaftliche Unternehmungen, di« die Unternehmer in fremden Staaten gründen oder an denen sie sich beteiligen. Fortwährend werden also Zinsen fällig, di« di« Kapitalisten der Länder solchen Kapitalexportes aus dem Ausland« zu erhalten haben und ebenso Zinsen und Prosit«, Gehen wir von Deutschland aus, so ist es wohl vorwiegend ein ».Gläubigerstaat", Die Reichs-, Staats- und Kommunalanleihcn sind nn Jnlandc aiftgenommen. Allerdings find wohl auch Anleiheschein« des Reiches und der Einzelstaaten von ausländischen Kapitalisten gekauft worden, von Franzosen, Belgien,, Engländern, iveil diese Papiere hohen ZinS abwerfen und weil sie Eiegenstand bcr Spekulation sind, aber man schätzt diesen Besitz fremder Kapitalien auf höchstens ein paar hundert Millionen Mark, Dagegen sind deutsche Kapitalisten vielfach Gläubiger anderer Staaten, An erster Stelle steht da Rirstland, Allerdings hat das Zarenreich seinen Kreditbedarf in den letzten beiden Jahrzehnten vorwiegend in Frankreich aufgebracht, aber erstens haben deutsche Kapitalisten vielfach ältere russische Schuldschein« im Besitz, zweitens wurden auch in neuerer Zeft Teilbeträge russischer Staatsanleihen in Deutschland eniitttert Iso 1902 rund 182 Millionen Rubel, 1905 rund 800 Millionen), drittens sind besonders Obligatiemsschulden der russischen Bahnen in Deutschland ausgenommen worden, viertens ebenso Kommunalanleihen russischer Städte. In einer Arbeit, di« 1905 in einem Sonderheft der deutschen M a r i n e r u n d s ch a u erschien, wurde der Besitz russischer Staatspapiere in Händen deutscher Kapitalisten auf 8 Milliarden Mark geschätzt. Seither ist er gestiegen und unter Zurechnung der städtische,, Anleihen dürste er wohl an 4 Milliarden Mark betragen, Auster Rußlanb sind Schuldner deutscher Kapitalisten die Türkei, Bulgarien. Griechenland, Serbien, von den amerikanischen Staate» besonders Brasilien, Argenttnien, Mexiko, In noch wett höherem Mast« ist indessen deutsches Kapital in ausländischen Unteriiehmungei, angelegt. Auch hier spielt Rußland ein« hervorragende Rolle, Weil die Profitrate in Rußland hoch war, gründeten deutsch« Kapitalisten dort zahlreiche Fabriken schon seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts, Als dann die russischen Zölle beständig erhöht wurden, nahm dieser Kapitalexport noch zu. In letzter Zett haben sich deutsche Kapitalisten ganz besonders an der Gründung und Vergrößerung russischer Banke» beteiligt. Es dürften auf solche Weise mindestens zwei Milliarden Mark deutscheii Kapitals in russischen Unternehmungen angelegt sein, auch wenn man jene Kapitalien nicht rechnet, deren Besitzer sich in Rußland ange- sirdclt hoben nnd russische Staatsangehörige geworden sind. Ferner Achtet sich der deutsche Kapitalexport mit großem Eifer nach Sudan,erika, dann noch Kanada und anderen englischen Kolonien, In den kanadischen Eisenbahnen nnd ben Goldgruben Transvaals sind «in paar Milliarden Mark deuttches Kapital angelegt, aber auch in Indien und Australien sind di« deutschen Kapita linke re sie» sehr stark vertreten. Auf der andere,, Seite ist freilich auch fremdes Kapital ln deutschen Unternehmungen angelegt. Aus früheren Jahrzehnten her stanmit die Beeinflussung der deutschen Gasindustrie Deutschlands durch englisches Kapital, In letzter Zeit macht« viel von sich reden die Beherrschung des Pciroleuwhondels durch den amerikanisck-cn Trust und das Eindringen englischrii Kapitals ii\ die Zigaretten- mdustrie. Ganz besonders verzwickt liegen bie Dinge in der schweren Industrie, Die Kohlen- >md Erzlager in Rheinland-Westfalen, in Belgwn, in Nordsrankreich und in Lothringen bilden qewiffermaßen mn Ganzes, Deshalb findet man denn auch französisch-belgisches stark nt deutschen Unternehmungen vertreten, deutsches in belgisihen und französischen. Insgesamt kann nian wohl das deutsche im Auslande angelegte Kapitol aus 30 bis 35 Milliarden Mark schätzen, und davon ist ein sehr erheblicher Teil jetzt also tm ftindlichcn Ausland. Dagegen dursten an 10 bis 15 Milliarden Mark englisches, französisches und belgiiches Kapital in Deutschland und seinen Kolonien angelegt lein. Das englische außerhalb des Heimatlandes angelegte Kapital wurde 1908 aus 81 Milliarden Mark geschätzt, davon 31,3 Milliarden in den englischen Kolonien. 29,7 Mlliardc» im übrigen Auslaiid und zwar in erster Linie in den Bereinigten Staaten und den siidamerika- nischcn Ländern, Heute dürsten die Beträge noch wesentlich höher sein. — Frankreich hot über 40 Milliarden Mark im Ausland« an- Kelegt, davon an 10 Milliarden ft, Rußland, dann große Beträge in der Türkei und den übrigen Baikonstaaten in den eigenen und in englischen Kolonien. _ Der Kriegszustand bedeutet, baß di« Zinsen und Profite aus diese Kapitalien zu einem großen Teil« nicht regelmäßig gezahlt winden. Ob dabei die deutschen oder die englischen und französische» Kapitalisten mehr geschädigt werden, ist eine müßige Frage, Es dürft« hüben wie drüben der Wirrnisse genug geben. Wenn aber heute die Kapitalisten der einzelnen Länder wütend gegeneinander toben, so wird sich nach dem Kriege sehe bald das alte Verhältnis wieder heraussteilen, denn ein« „nationale" Wirtschaft der einzelnen rander im Sinne der vollständigen Isolierung vom Ausland« ist wcht mehr möglich und deshalb bleibt di« „golden« Internationale" sicher bestehen. Deutsche Pflichttreue. derlln, 26. Sept, lAmtlich) Die oberste Heeresleitung ,ds> einer Erknndbngsfahrt von einer Route nach *n hinein, bei der der aus der Lokomotive stehende lübrer « M Bader den Heldentod fand, hat sich der Lokomotiv- neb»n , ou * Tarnowitz vortreffliche benommen. Weck erhieli rinen ®Ä’ tmann Bader stehend außer einer Verletzung durch l einfn Schuß durch bie Lunge, Trotz diclcr schweren V 14 ® c en Indien und Großbritannien gesunken. Herrscht zwar in Indien nicht mehr ein« Aktiengesellschaft, so fehl! es doch nicht an Grundsätzen, die denen einer Aktiengesellschaft durchaus nicht unähnlich sind. Sicherlich herrscht nicht mehr die gleich« Rücksichtslosigkeit in Indien, wie zu den bitteren Zeiten, als War - rcn Hastings Gencralstatthalter von Bengalen war. Sicherlich hat England siir diese Kolonie Aufwendungen gemacht, um die Hungersnöte nicht mehr so furchtbar wirken zu lassen, obgleich nach genug Hungersnot dort herrscht. Sicherlich hat man zur Bekämpfung der Pest mancherlei Maßregeln ergriffen. Es fehlt nicht an Eisenbahnen, an mancherlei Schulen» aber bi« armen Inder müssen siir alles zahlen, z. B, wurden di« australischen und kanadischen Truppen, die im Burenkrteg« in Südafrika wirkten, von England bezahlt, di« indischen Truppen dort aber von Indien, Wie zurzeit des Buren- kricges ist es auch heute. Ami 17, September dieses Jahres, haben beide Häuser des englischen Parlaments tu London den Beschluß gefaßt, die Regierung Indiens, das heißt zu deutsch: hie Steuerzahler Indiens zu ermächtigen, die Kosten siir die Ausrüstuna der indischen Erpcditions-Armcc zu bezahlen, dieser Ex- pedittonsarmec, die anscheinend nach Europa, aller Wahrscheinlich- keft nach aber nur nach Aegypten geht, Wi« im Burenkrieg«, so ist auch henke Indien ein« Milchkuh für ben englischen Militarismus. Di« gleichen Indier, die ihr Blut auf den Kriegsschauplätzen des englischen Imperialismus vergießen müssen, die gleiche» Indier werden als Privatleute, als Arbeiter ln dem übrigen englischen Koloniaigebiet nicht geduldet, Austtalien» Kanada, Südafrika verbieten und erschweren die Einwanderung indischer Arbeiter, Tie englische Koloni« Natal in Südafrika verlangx 60 Ntark Steuer von jedem astatischen Arbeiter, der sich ohne Kontrakt in Natal aushält — nur für die Ausenthaitsberechttgung, Diese Besttmmung gegen die Einwanderung chinesischer und japanischer Kulis wurde auf die Inder angewandt. Im Jahre 1913 wurden indische Kontraktarbeiter in Südafrika bei dem Streik so brutal behandelt. daß in Proteitoersanimlunge» in Indien unter Beteiligung indischer Großer dagegen aus das Schärfste protestiert wurde. Dabei ist die Auswanderung der indischen Arbeiter wegen bed in unserem gestrigen Artikel schon nachgewicsenen gewaltigen Bevölkerung eine unbedingte Notwendigkeit, trotz der zunehmenden Industrialisierung Indien?, vor allcni auf dem Gebiete der Textilindustrie, die freilich von Großbritannien selbst nicht gern gesehen wurde, Indien als Agrarstaat und als Rohbaumwollprodiizciiten zu erhalten, schien England wegen der Versorgung seiner Bevölkerung mit Getreide ttnö seiner Spinnereien mit Rohstoff ebenso wichtig, wie es das Streben hatte, Indien zur ausschließlichen Abnahme englischer Jndustrieprodukte zu nötigen. Den Weg nach Indien sich gegen alle Gefährdung zu sichern, war für Großbritannien eine der wichtigste,t Aufgaben. Deshalb galt cs als ein Geniestreich des konservativen Premiers Bcacvn- fieid, sich die Mehrheit der Aktien des Tuczkanals zu sichern, um die wichtigste Straße, de» raschesten Weg nach Indien, in die eigene Hand zu bekommen. Freilich ist der Zuezkanai eine neutrale Wclt- handelsstraße nnd für alle Schiffe, Kriegsschisse und Handelsschiffe aller Länder, frei. Nur hat die englische Diplomatie, die sich schon so häusig der Diplomatie der anderen Länder überlegen erwiesen hat, de» berühmten Konjtantiiieplcr Vertrag vom 29. Oktober 1888, ivvuach der Suezkaual in Kriegs- nnd Friedenszeiien siir alle Handels- und Kriegsschiffs ohne llnterschied der Flagge frei und offen sein soll, durch den einen Vorbehalt, den die Mächte anerkannt hatten, für sich umgeformt, Großbritannien hat erklärt, daß diese Vertragsbesttmmungcu insoweit die englische Regierung, binden, als sie vereinbar sein würden mit dem vorübergehenden Ausnahmezustand, in dem sich zurzeit Aegypten besindet, und „als sie während der Dauer der Besetzung durch die Truppen seiner britischen Majestät die Freiheit des Handels der britischen Regierung beeinträchtigen sollte". Die Großmächte haben nicht begriffen, daß Großbritannien aus seiner Stellung, wie aus der ägyptischen niemals weichen würde, wenn es aus ihr nicht herausgedrängc wird. Und so ist nun über ein Vierteljahrhunbert das Suezkanai- abkommcn ein einseitiges Abkommen zugunsten Großbritanniens, was man wohl in diesen Kriegsläuften fühlen dürfte. Durch die Aussaugung der indischen Bevölkerung bis auf den' letzten Tropfen Blut sollte ermöglicht werden, daß die Mohammedaner gegen die Hindus stets ausgchctzt werden. Aber diese Mohammedaner sind heute nicht mehr die ivilligcn Werkzeuge Großbritanniens und seiner Beamten, die nur ans kurze Zeit in das Land kommen und mit ihm niemals vcrslochten werden. Der Gegensatz zwischen Hindus und Mohammedanern nimmt ab. Das dankt Großbritannien seiner Politik der Einkreisung Deutschlands, die es zu dem Abkommen mit Rußland, die zur Gleichgültigkeit der Türkei, zur Feindschaft gegen Persien geführt hat. Der Umschlag der Stimmung der indischen Mohammedaner gegen Großbrttannien läßt sich genau versolgen und ungeheuer eindrucksvoll gestalten, wenn man daneben die ivichtigstcn Date» der europäischen Politik Großbritanniens stellen wollte. Aber das ist in einer Zeitung nicht gut möglich. Wir wollen nur einige Daten aus der letzten Zeit anführen, aber auch sie werden schon manches zeigen und lehrenh 26. Dezember 1912, Der indische Nationnlkongreß wird in Bankiporc eröffnet. Ter mohammedanische Präsident des Empfangskomitecs tadelt in schärfster Weise Englands Saitling gegenüber der Türkei und die Intoleranz der englischen Minister gegen den Islam, Er hebt hervor, daß hierin bei Hindus nnd Mohammedanern völlige Einigkeit der Gesinnung bestehe und spricht die Erwartung aus, daß diese Einigkeit einen engeren Zusammenschluß herbeiführen werde, 4, August 1913, I» Eawupur kömmt es wegen Niederrcißung einer Moschee zum Zwecke der Straßcnvcrbreiterung zu Unruhe» der Mohammedaner, Dreizehn Denionstranten »nd ein Polizist werden erschossen, dreißig Demonstranten »nd vierzig Polizisten verwundet, 5. August 1913. Es verlautet, daß die indischen Mohammedaner-! unruhcn teilweise auch aus politische Gründe zurückzuführeir sind. Die Mohammedaner verlangten von der Regierung das Verspreche», daß sie nicht für die Abtretung Adrianopels an Bulgarien eintreten werde. Großbritannien ist vor allem eine Handelsnation und des- ivegen ist es bei jeder Beurteilung der englische» Politik von großer Wichtigkeit, zu zeigen, was das Land, dem die Absichten GroßbritauulenS gelten, für seinen Handel bedeutet. Von der gewaltigen Ausfuhr Großbritanniens ist seit dcni Jahre 1854 nur in fünf Jahren weniger wie ein Zehntel nach Indien gegangen, !n allen übrigen Jahren mehr wie ein Achtel der Gesamtausfuhr Krohbritaniiiens, Noch viel wichtiger ist aber die von Großbritannien betriebene Ausbeutung durch die Bemächtigung aller produktiven Anlagen in Indien, Ties kommt znm Ausdruck in dem ungeheuren Kapitalexport Großbritanniens nach Indien, Er nimmt zwar ab, aber nur deshalb, weil schon so »ngchenre Massen englischen Kapitals in Indien wirken. In abgerundeten Millionen Mark ging englisches Kapital nach Indien im Jahre 1908 263, im Jahre 1909 307, im Jahre 1910 360, im Jahre 1911 193, im Jahr- 1912 75, im Jahre 1913 76. immer Millionen Mark, Dazu kommt noch, daß mit gewaltigen Gehältern englische Beamte und Offiziere in Indien erhalten werden und daß ihnen dann Indien bis zum Lebensende riesige Pensionen senden mutz, die nicht in Indien, fon« der» im Mutterlgnde verzehrt werden. So ist Indien die Milchkuh Großbritanniens. Der Verlust Indiens wäre der Zusammenbruch zahlreicher großer Unternehmungen, Es wäre von einem Verhängnis für Großbritannien, wie man sich ein größeres nicht vorstcllcn kann. Freilich, ob Indien wirklich sich aufraffen kann, aus eigener Kraft die englische Herrschaft abzuschütteln, das kann niemand Voraussagen, und cbens» schwer ist es, zu ahnen, was Japan im Schilde führt. Tic französische Bestätigung des deutschen Durchbruchs bei Mihiel. Frankfurt a. M., 26. Setzt. Tie Franks. Ztg. gibt folgendes Extrablatt heraus: Nach dem amtlichen Pariser Bulletin vom 25. September, 3 Uhr nachm., finden im Zentrum außerordentlich heftige Kämpfe statt, bei denen die Deutschen an der Maas nördlich von Verdun sehr wichtige Erfolge davontrugen. Lestlich der Argonncn hat der Feind (die Deutschen) von Varcnncs auf das rechte Ufer der Maas vorge- ftostcn. Es ist ihm gelungen, auf den Höhen an der Maas bei Hnicaun Chatcll Fust zu fasten, er geht auf St. Mihiel vor und hat die Forts Parochcs und Camp-des-Romainech beschossen. Ter äghptische Konflikt. IVB. Wien, 26. Setzt. (Nichtamtlich.) Tie politische Korespondcnz erfährt ans London über Holland: In unterrichteten Kreisen bestätigt man, dass zwischen dein Vizckönig Abbns Pascha und der englischen Regierung ein scharfer Zwiespalt entstanden ist. Zur Ucbcrwachnng der Regierung habe Abbas Pascha gegen das Vorgehen der Engländer in Acghptcn einen sehr entschiedenen Einspruch erhoben und ihnen daS Recht bestritten, dort nach ihrem Gutdünken eine Mobilisierung zu verfügen und andere entscheidende Maßnahmen zu treffen, wie cs in den letzten Wochen vorgckom- mcn sei. Selbstverständlich sei an eine Rückkehr des sich in Konstantinopel befindlichen Bizckönigs Abbas Pascha bis auf weiteres nicht zu denken. Das englische Hauptquartier über die deutschen Haubitzen. Rotterdam, 20, Sept, Wie aus London gemeldet wird, ver-> öffentiicht das englische Hauptquartier einen Bericht über die Operationen bis zum 2V. September. Darin heißt es: Ter Aufmarsch war lanasam, aber unmtlerbrochcn. Die Entscheidung kann noch einige Tage ausbleiben. Die Deutschen sind stark infolge ihrer schweren Geschntzc. Man nimmt an, daß die Deutschen die Artillerie benutzen, die zur Belagerung von ParÄ bestimmt war. Die deutsche» Haubitzen richten viel Schaden an und werden ausgezeichnet bedient. Aber der englische Soldat ist nicht leicht empfänglich für deutsche Einflüsse und lässt sich auch nicht durch die mächtigen Granaten beunruhigen. Die deutschen Haubitzen machen beim Schicssen viel schwarzen Rauch und werden deshalb von den englischen Soldaten Kohlcnkasten oder Jack Johnsons genannt. Eine englische Flotte vor den Dardanellen. Wien. 2ll. Sept. Aus Konstantinopel wird der Boss. Jtg. gemeldet, dass eine englisch« Flotte vor den Dardanellen erschienen ist und dort kreuzt. Der Kaperkrieg. Haag, 26. Sept. Der Hilfskreuzer „Kronprinz Wilhelm" hat bas englische Schiss „Indian Prince", das nach Trinidad fuhr, In den Grund gebohrt Das deutsche Handelsschiff hat IS Mann des Engländers nach Santos gebracht. Englische Bombcnwcrscr über Holland. Haag, 26. Sept. Die Vermutung, daß die am Dienstag über Mastricht geworfene Bombe englischer Herkunft ist, wird von der englischen Regierung bestätigt. Diese hat sich für das Versehen damit entschuldigt, daß dichter Nebel geherrscht habe, der dem Flieger unmöglich machte, scstzustellcn, wo er sich befand. England hat auch Schadenersatz angeboten. Massnahmen der bayerischen Heeresverwaltung. München, 26. Sept. Das bayerische Kriegsministerium hat die an zwei Firmen erteilten Aufträge für Lieferungen für di« Heeresverwaltung wieder zurückgezogen, weil die betreffenden Firmen die Gehälter für ihr Personal und die Arbeiter ohne Grund gekürzt haben. Hessen rmd Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Wackere Frauen. In der letzten Nummer der Holzarbeiterzeitung finden Eir zwei bemerkenswerte Briefe von Arbeiterfrauen, die die Verwaltungsgeschäste des Holzarbcitervcrbandcs für ihre zum Kriegsdienst eingezogenen Männer übernahmen und tatkräftig weiterfllhren. Eine dieser Frauen schreibt u. a.: „Traurige Umstände veranlassen mich. Ihnen Ihr wertes Schreiben an meinen lieben Mann selbst zu beantworten. Er ist heute früh mit den vielen anderen in den Kamps gezogen. Sämtliche Verwaltungsmitglicdcr der hiesigen Zahlstelle sind mit ein- gczogcn worden, und es ist auch keiner mehr da, der fähig wäre, eine Funktion zu übernehmen. So haben wir, die Frau F. und ich, uns entschlossen, die beide» Funktionen zu übernehmen, auf Anraten unserer lieben Männer, da wir doch mit der Sache schon ein wenig vertraut sind . . . Die Kasse kann jederzeit revidiert werden. Ich möchte Sic bitten, ei» wenig Geduld mit uns zu haben und „ns Aufklärung zu geben, wenn wir etwas nicht verstehen." In dcm Briefe der anderen Frau wird der Stuttgarter Gauleitung des Holzarbeiterverbandes u. a. geschrieben: „Teile Ihnen mit, dass bei uns sämtliche Betriebe geschlossen und unsere Kollegen bereits alle auf dem Lande bei der Gctrcide- und Ochmdernte beschäftigt sind. Einige sind in Ulm bei den Armierungsarbciten und einzelne (darunter auch der Mann der Briesschrciberin) haben in Ulni Arbeit gesunde» . . . Die Verwaltung ist bis jetzt in meinen Händen und der Herr El. soll sich von Kollegen R. sagen lassen, ob ich Herr werde. Leider haben wir nur noch 6 Mk. in der Kasse, und eben doch eine» arbeitslosen Kollegen und sieben Familien zu unterstützen. Bier cin- berusene Kollegen sind ledig. Kollege Max E. liegt schwer verwundet mit Brustschuss in Ulm und Kollege Joseph E., einer unserer Tüchtigsten trotz seiner Jugend, ebenfalls schwer verletzt im Westen. Der entsetzliche Krieg mit seinen Folgen reißt alle Familien auseinander. Also, wenn sich die Kollegen wieder scharen, dann werde ich. im Verein mit Kollegen F., alles tun, um unsere Sache ins reine zu bringen und hochzuhaltcn. Sobald etwas von Belang sich ereignet, werde wieder Rachricht geben." Das Interesse, daß diese Arbeiterfrauen der Gewerkschaft ihrer Männer cntgegenbringen, und die Energie, mit der sie die Verwaltungsgeschäfte für ihre verhinderten Männer führen, ist in hohem Maße anerkcnnens- und nachahmenswert. Alle Gewerkschaftsmitglieder, die angesichts der sich auftürincnden Schwierigkeiten von Kleinmut und Verzagtheit befallen werden, mögen sich an diesen Frauen ein Bei- spiel nehmen. Solange der Geist, der aus den zitierten Briefen spricht, die deutsche Gewerkschaftsbewegung belebt, brauchen wir um ihre Zukunft nicht besorgt zu sein. Höchstpreise für Brot und Schweinefleisch hat der Land- kat des Kreises Gelnhausen in folgender Weise festgesetzt: Brot. 1. Schwarzbrot: Das Pfund 1t Pfennige. Sfuf jedem ausgehobcnen Brot nmß mit Kreide das genaue Gewicht und der Preis ersichtlich gemacht fei». Nicht aus- gehobenes Schwarzbrot hat 4 Pfund zu wiegen. Bei Prot, das einen Tag alt ist, ist eine Gewichtsdifferenz von 15 Gramm für das Pfund zulässig. 2. Weißbrot (das ist Brot, das aus 1 Teil Roggenmchl und 2 Teilen Weizenmehl besteht): Das Pfund 16 Pfennige. Zur Durchführung der Kontrolle dürfen Weißbrote nur mit einem genauen Gewicht von 2 Pfund oder 4 Pfund abgegeben werden. 3. Die 3 Pfennigweckcn (Weißbrötchcn) müssen mindestens 45 Gramm wiegen. — Ter Höchstpreis für Schweinefleisch, Blut- und Lebcrwurst wird aus 65 Pfennige das Pfund festgesetzt. Schwartcnmagen das Pfund auf 80 Pfennige. Tic Festsetzung der Höchstpreise für Rind- und Kalbfleisch steht noch bevor. — Diese Festsetzungen der Höchstpreise schließen nicht aus, daß niedrigere Preise gefordert werden, wenn die Qualität der Ware und sonstige Verhältnisse cs angemessen erscheinen lassen. Eine Preissteigerung allein auf Grund der Fest- setzung von Höchstpreisen darf nicht vorgenommcn werden. Zuwiderhandlungen werden bis z» 3000 Mark Geldstrafe und mit Schließung der Verkaufsstelle bestraft. — Stadtverordneter Friedrich Helm gestorben. Nach kurzem Krankenlager verstarb am Samstag der Stadtv. Kauftuann Helm iin 64. Lebensjahre. Ter Verstorbene, welcher eine Weinhandlung betrieb und Vertreter mehrerer Versicherungsgesellschaften war, gehörte seit 1905 der Stadt- verordncten-Versammlung an, außerdem betätigte er sich an vielen Vereinen, so war er Geschäftsführer des Vereins Kreditreform, gehörte deni Vorstand des Gießencr Verkehrsvereins an, wo er für die Hebung des Fremdenverkehrs in Gießen tätig war. Außerdem hatte er noch eine Anzahl weiterer Ehrenämter inne und namentlich betätigte er sich lebhaft für Förderung des Turnwescns. In der Stadtver- ordneten-Versammlung ergriff er nur selten das Wort, war aber, in einer Anzahl Ausschüssen tätig. — Stadtverordneten-Sitzung. Für die Sitzung am Dienstag den 29. September, vormittags 11 Uhr, ist folgende Tagesordnung vorgesehen: 1. Auslosung von Schuldverschreibungen. 2. Mitteilungen. 3. Gewährung einer Unter- stützung für die durch den Krieg heimgesuchte Provinz Qst- Preußen. 4. Wiedereröffnung des Theaters. 5. Fahrpreis der Straßenbahn. 6. Gesuch des Ludwig Reuß um Erlaubnis zum Betriebe einer Kaffecwirtfchaft im HauS Scltcrswcg 46. — 7. Desgleichen des Hans Schmitz zum Schankwirtschaftsbetricbe im Haus Sonncnstraße 13. 8. Desgleichen des Ernst Albrecht zum Schankwirtschaftsbetricbe int Haus Kaiserallee 24. lieber geringfügige Gewichisüberschrciiungen bei den Feldpostbriefen, deren Meistgewicht besttrumungsgemäss 250 Gramm beträgt, werde» die Postaristaltcn fortan nach amtlicher Mitteilung hiirweg- schen. Bisher wurde über di« Jnnehaltung des Gewichts streng gewacht, was vielen Verdruß erzeugt«. — Unbelegte Lazarette. Aus Bad Salz hau seit wirb uns mitgeteilt, dass dort grosse Vorbereitungen für Aufnahme von Kranken und Verwundeten getroffen worden sind. Es stehen dort ISO Betten zur Verfügung und ein Arzt und vier Schwesterir sind bis jetzt noch untäiig. Sogar ein Schieneiiglois soll bis direkt aus Heim geleit und um Notfall« fei die Nidda«r Feuerwehr bereit, Tranäpor-te zu besorgen. In den jetzt leerstehenden Pensionen könnten auch noch viele nniergebracht iverdcn. Dieser Hinweis ist jedenfalls angebracht, zumal in verschiedenen Städten fein Raum mehr vorhanden sein soll. sOb letzteres rich-tig ist, können wir im Augenblicke nicht nachprüsen: doch wollten wir den Anregungen des Einsenders Raum geben. Red.) — Vom Lande wird mitgeteilt, dass viele Arbeiten, die jetzt notwendig sind, wie KartoffelauHmechen, das Feld zur Wintersaat bestellen ustv., jetzt liegen bleiben muss, weil die Männer einbernfeii sind. Das trifft besonders diejenigen Familien hart, die fremd« Leute nicht ernstellen können. Verschiedenen kleinen Landwirten, welche zum Landsturm eiubcrufen worden waren und zur Erledigung der erwähnten Arbciieu Nrlanb haben wollten, wurde solcher verweigert. Es wäre zu wünschen, dass Urlaubsgesncke zum Zwecke der Erledigung notwendiger landwirtschaftlicher Arbeiten beriick- sichtigit würben. — Höchstpreise für Kartoffeln droht der Oberbürgermeister festzusetzen, wenn im Einzclverkauf mehr als 3% Pfennig für bas Pfund verlangt werden. Dieser Preis sei ohnehin als ein überaus hoher zu bezeichnen. — Aus der letzten Verlustliste. Vermisste: Musketier Georg Peter, Wallenrod, Kr. Lauterbach. — Musketier Sali Bracher, Wktiengs, Kr, Büdingen. — Musketier Georg Schup p, Oberbrcchen (Lahn). — Musketier Karl Vierheilig, Herch:nhain, Kreis Büdingen, sämtlich Jnfanterie.-Regiment 118, Worms, — Die in den bisher erschienenen Vcrlustlistcn ansgefiihrden Tote», Verwundeten und Vermißten find imgesähr aus 9-3 000 Mann zu schätzen, — Gefallene aus Obcrhcsscn »nd Nachbargcbiete», Musketier Ludwig Ho hm an n aus Giessen. — Musketier Heinrich Rcitz aus „Dodenau, Krs Giessen" (soll vielleicht heissen: Gettenau, Kreis Fricdbcrg?) — Musketier Philipp Böhmer aus Geilshausen. — Musketier Fe Ising aus Ober-Gleen, Kr, Alsfeld, — Musketier H, Becker ans Ruppertsburg, Kr. Schotten, sämtlich beim Jnsantcric-Regiment Nr, 118 Worms, — Gefreiter der Reserve Martin I m i g. Lehrer aus Eringen, Kr, Wetzlar. Infanterie-Regiment Nr. 81.,- — Musketier Karl Hofmann a»S Wetzlar, Jnfanteric-Regimeni Nr, 41, — Unteroffizier Wilhelm Rcineck aus Oberkleen, Grenadier-Regiment Nr, 6, — Gardist Ehristian Jüngling ans Orleshausen, Kreis Biidinaen, — Gardist Joh, Bapt. Lanfenbcrg aus Wetzlar, — Gardist Ludwig Iunk aus Wcilcrshain, Kreis Giessen, — Gardist Jakob Leinweber aus Marburg, — Unteroffizier Wilhelm Rull- ni a n n aus Gebern. Kreis Schotten. — Gefreiter Otto Kämmer aus Rnvpertcnrod, Kreis Alsfeld. — Bizcfcldwcbel Heinrich Rau aus Licderbach, Kreis Alsfeld, sämtlich beim Lcibgardc-Jnfanterie- Regimcnt Nr. 115 Darmstadt. Streit Nlsfeld-La» kg 86—96 Pfg. . 70-75 . . 70-96 . Gctrcideprcise in Mannheim. Brotpressc in Giessen Weizen 100 kg 26.-- 26.25 Mk. Roggen . . 22.-- 23- . Weißbrot 2 kg68 Pfg Schwarzbrot 2 . 60 „ Verantwortlicher ReLaklcur: I. Vetters, Giessen. Verlag von Krumm & Cie,, Giessen. Druck: Verlag Olsenbacher Abendblatt, G. m. b. H , Offcnbach a. M. Vorträge in Der neuen Aula Der Universität je&eu Donnerstag, abends 8'| 4 Uhr. Oktober I. Prof. Dr. Roloff Die Entstehung der gegenwärtigen Krieges. ,, 8. „ Dr. Kinkel Ter Krieg und die deutsche Knllur. „ 15. „ Dr. Skalweit Der Krieg und die deutsche Volkswirtschaft. ,, 22. „ Dr. Schian Die Gerechtigkeit gegenüber unseren Feinden. „ 29. „ Dr. Elbs Aus der Entwicklung der chemischen Industrie in Deulfchland und England. November 5» , Dr. Krüger Tie vaterländische Dichtung in den grossen KricgSjahren. n 12. . Dr. Lei» Vom Recht der Zukunft. „ 1». . Dr. Behaghel Der Krieg im alldeuiichcn Epos. ,, 26. „ Dr« König Die Verwendung der Naturkräfie im Kriege. Dezember 3. , Dr. Eck Ter Schotte Carlyle, Deutschland und England. Jntti Kefir» non Kntkrblikdciik» im Mk Miltner Gikßrnrr. Eintrittskarten — »in« zu 30 Pfg., zehn zn Mk. 2.50 — sind in den Buchhandlungen von Frees, SelterSwcg, Koch, Seiterswcg. 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