Organ für die Interessen des der Provinz Oberhessen und werktätigen Volkes der Nachbargebicte. Dt« Qbcrdclsilcki« B»lf4jeltun« «rlchrint ledrn ffierftag kidend in (Kiefern Der itdonnementsprei» beträgt wöchentlich >5 Pfg, monatlich BO Mg. etnschl. Bringerlobir Durch die Polt bezogen vierteljäbrl.IMMb Rcdnkti»n und Ervedttton GteKeu. BabnbokKraKc 23. Ecke LSwenaalle. Deledbon 2008. Anserate kalten die 8 mal gclpalt. Kolonelzctle oder deren Raum 15 Mg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bi» abend« 7 »br tür die folgende Nummer in der Expedition aulgebe». Nr. 223 Gießen, Samstag, Den 26. ScptciiUicr 1914 9. Jahrgang Zn UnolMsts! für dir Mrrrrshrrrslhrrili. Am Mittwoch mittag meldete eine Depesche, die sich aus englische Berichte stützte und dann später die amtliche Bestätigung durch den deutschen Admiralstab erhielt, daß drei englische Panzerkreuzer, große, stolze Schiffe mit starker Besatzung, einem deutschen Angriff zum Opfer gefallen seien, Unfern der holländischen Küste sanken sie auf den Meeresgrund. und nur ein kleiner Teil der unglücklichen Mannschaften konnte durch zufällig herankomnicnde Handclsfahr- zcuge gerettet werden; an 2000 britische Seeleute sind, so ungefähr wird geschätzt, in den Wogen der Nordsee ver- fchwunden. Es war keine Seeschlacht, die diese Opfer forderte; die deutschen Kanipfschiffe hatten sich nicht mit überlegener Macht auf ein englisches Geschwader geworfen. Sondern ein winziges Unterseeboot, ein Fahrzeug, mit zwanzig todesmutigen Männern besetzt, hat der englischen Seemacht diesen fürchterlichen Verlust zugcfügt. Mit welchen Gefühlen in London diese Schreckensnachricht ausgenommen wurde, darüber kann man sich nach den unten abgedruckten Preßstimmen ungefähr vorstellcn; man kann sich denken, wie die Empfindungen der Engländer sind, die bisher unbedingt an die Sicherung ihres Gebiets durch die meerbcherrschende Flotte glaubten und die kaltblütig berechneten, daß beim Krieg zur Sec sic immer den endgültigen Sieg haben müßten, weil bei gleichen Verlusten stets noch eine ansehnliche SchiffSzahl für Großbritannien übrig bleibe, während der oder die Gegner alle Kampfschiffe, ^ingebüßt hätten. Und nun tut sich vor ihren entsetzten Augen die Möglichkeit auf, daß ihrer stolzen Flotte samt Dreadnoughts und Ucber-Dreadnoughts der Untergang bereitet werde durch «inen Weit schwächeren Gegner. Wurde vor gar nicht langer Zeit verkündet, die Berliner Zeitungen würden gleichzeitig mit der englischen Kriegserklärung die Nachricht mitteilen müssen, daß die deutsche Flotte vernichtet worden sei, so wird jetzt der schwarze DicnStag die größte Erregung Hervorrufen, Einige Monate ist cs her, da erörterte ein englischer Admiral in der Presse die Frage, ob cs sich fernerhin lohne, unter Aufwendung von Hunderten von Millionen schwere Schlachtschiffe zu bauen, die durch einen einzigen Torpedoschuß eines Unterseebootes vernichtet werden könnten. Ihm cntgegneten andere Fachniänner, daß trotz alledem und alledem die Entscheidung im Seekriege bei dün großen Schlachtschiffen liegen werde und daß etwaige kleine Schäden, die Torpedo- und Unterseeboote zufügen könnten, niemals den Ausschlag gehen würden. Von Unbefangenen wurde der Streit als Ausfluß der Nebenbuhlerschaft zwischen verschiedenen Rüstungssirmcn aufgcsaßt. Zweifellos hat das geschäftliche Interesse stark mitgcwirkt. Aber wie der Weltkrieg bereits verschiedene militärische Theorien über den Haufen geworfen hat und z. B. den verhältnismäßigen Unwert großer und sehr kostspieliger Festungssystcme erkennen ließ, so hat er auch ein weiteres gezeigt: den Unsinn der Standard- Formel, die das Stärkeverhältnis der englischen Flotte zur deutschen auf 16 : 10 bestimmen wollte. Mathematisch genau sicherte dieser Standard die Scehcrrschaft Englands — und das kleine Unterseeboot „II 9" hat die ganze Rechnung über den Haufen geworfen. Für die Zukunft wird das Ereignis vom 22. September eine gewaltige Wirkung haben! Es besagt, daß das meer- beherrschende Britannien, dessen Kriegsschiffe für immer dem englischen Handel das Uebergewicht sichern sollten, dieser Macht nicht mehr vertrauen darf, und daß es damit rechnen muß, seine durch brutale Mittel bisher aufrecht erhaltene Vorzugsstellung zu verlieren. Aber auch für die allernächste Zeit schon ist der Untergang der drei großen Schiffe ein böses Zeichen. Denn wie kann man noch hoffen, das Jnscl- ^ich vor einer feindlichen Invasion durch die Flotte zu be- “W^ten, wenn es einem einzigen winzigen Boot gelingt, in ,vopp zwei Stunden drei für unverwundbar gehaltene Kc- wlie zu vernichten. Das Vertrauen auf die Flotte muß in t-nglond einen schweren Stoß erlitten haben. Mit dem tollkühnen Streich des Hamburger Bädcr- oampferz „Königin Luise" fing es an! Vor den Toren Londons, in der Themsemllndung, legte in den ersten Kriegstagen das rasch ausgerüstete Schiff Minen, und ging . ^vcb selbst zugrunde, so verlor auch die britische Marine ct I!^ „ nCn Kreuzer. Darauf kam die Kreuzfahrt von ,,Gaben und „Breslau" im Mittelmcer, die eine gewaltig überlegene französisch-englische Macht nicht verhindern konnte, Algerische Küstenplätze zu beschießen. Dann wieder das Erscheinen deutscher Unterseeboote an der schottischen Küste, die Vernichtung des Kreuzers „Pathfinder" durch das deutsche Unterseeboot „II 21" und der Verlust des Hilfskreuzers „Oceanic", der wohl auch nickst einem „Schiffbruch" zuzuschreiben ist. Verloren gingen weiter der große Kreuzer „Warrior", einige kleine Kreuzer, Torpedojäger und sonstige Fahrzeuge. Dazu kommt der Schaden, den in fernen Meeren die deutschen Kriegsschiffe „Emden", „Königsberg" und „Dresden" der englischen Kriegs- und namentlich Handelsflotte zugefügt haben. Nicht einmal der Meerbusen von Bengalen hat durch die englische Seemacht geschützt werden können. Wie ist es denn nun mit der englischen Sechcrrschaft, die durch eine ungeheure Flotte der gewaltigsten Sccungetüme für alle Zeiten gesichert werden sollte? Wie ist es mit der Unnahbarkeit der englischen Küsten, die durch jene Panzer gedeckt werden? Das Wettrüsten zur See, bei dem England stets, die zahlenmäßige Uebcrlcgenheit haben mußte, hat sich als ein ganz falsches Spiel erwiesen. Die Milliarden, die Großbritannien in seinen Schifsskolossen angelegt hat, bewahren es nicht vor der Gefahr, daß unter Vernichtung der deckenden Flotte der Feind ins Land dringe, sichern auch nicht seine Handelsfahrzeuge in fernen Meeren. Und andererseits hat Deutschland nicht durch in geschlossener Front vorgehende Schlachtschiffe dem Feind die Idee der Unbesiegbarkeit geraubt. sondern verhältnismäßig geringe Kräfte haben die gegnerische Macht erschüttert. Ter Wagemut und die Todes- kühnheit unserer Seeleute haben die Erfolge gebracht; sie entsprangen aus dem Bewußtsein, auch in keckem Angriff die Verteidigung des Vaterlandes zu führen. Woraus sich die Lehre ergibt, daß nicht die Häufung der Kriegsmaschinen die Ueberlegenheit gibt, sondern der Geist, der die Menschen beseelt. Das auf See gemäß seiner Schiffszahl weit überlegene England hat es bisher nicht unter- nonimen, die Ucbermacht auszunützen, um den Krieg an die deutschen Küsten zu trogen. Wozu es seine Flotte verwendete, das war in der Hauptsache der Zerstörungs- und Raubkrieg gegen wehrlose deutsche Handelsschiffe, was ja auch durchaus dem eigentlichen Grund des Eingreifens Englands entspricht. Dagegen zeigt der 22. September, zeigen vorherige Ereignisse, daß die deutschen Seeleute alles einsetzcn, den bewaffneten Feind zu treffen und zu schwächen und so die Heimat zu schützen. Dieser Kriegsführung gegenüber kommt die alte Standard-Rechnung in die Brüche. Das wird, nicht jetzt, so doch später, auch in England eingeschcn werden, und dann kom- men vielleickst endlich ehrlich gemeinte Abrllstungsvorschläge. 18 Millionen Schaden der englischen .vandelsichiffalirt^ W. B. London, 24. Sept. Nach einer Meldung des Daily Telegraph ans Kalkutta bat der kleine Kreuzer „Emden" der Handelsschisfahrt in dem bengalischen Meerbusen einen Schaden von 18 Millionen zugefügt. Der (sittd'iick i» London. Amsterdam, 24, Tept. iPriv.-Tel, der Fr. Ztg.) Die englische Presse sucht nach Möglichkeit, den geivaltigen Eindruck abzu- jchwäche», den der Verlust von drei großen Kreuzern im Publikum hervorrnst, aber die Tatsache, daß alle Blätter jpaitenlange Leitartikel darüber bringen, zeigt zur Genüge, wie ernst der Vorfall genommen wird. Tie Dailn News sagt gerade heraus, das Unglück, das die britische Flotte in der Nordsee getroffen habe, sei das ernst- hasteste, das irgend eine der Mächte zur See bis jetzt in diesem Krieg erlitten habe. Dann zeigt das Blatt, daß die deutsche Flotte in ihrem Hafen sicher geborgen, sozusagen blockiert sei, während die englische Flotte die Aufgabe l>abe, die Ratte aus öem Loch zu locken, weshalb sie immer llnierseeangriffeu bloßgestellt sei. Einmütig mochte die Presie die verlorenen Schiffe als veraltet hinstellen, Tie Times tut dabei entrüstet, weil zwei der großen Kreuzer in Grund gebohrt wurden, während sie die Schiffbrüchigen der „Aboukir" retten wollten. Das Ereignis zeige, welch' tödliche machtvolle Waffe das Unterseeboot sei, das wahrscheinlich von Emden kommend, einen Aktionsradius von 2000 Meilen besitze. Tie Daily News betitelt ihren Artikel: „Ein neuer Schreck der Meere", und sagt, der Materialschaden sei zwar groß, man könne aber hoffen, daß der moralische Einfluß gleich Null sei. W. B. London, 24. Sept. Tie Times schlägt anläßlich des Unterganges von drei Kreuzern vor, die deutsche Küste mit einem Mineugürtel zu umgeben, um den Feind einzuschließen. IV. B. London, 24. Sept. Manchester Guardian sagt, man dürfe de» Verlust der Schisse nicht leicht nehmen. Hätten englische Unterseeboote in wenigen Minuten drei Kreuzer zerstört, so hätte man das eine brillante Leistung genannt. Was die Neutralen sagen. IV. 8. Rom, 24. Sept. Tie Vernichtung dreier englischer Kreuzer durch ein deutsches Unterseeboot hat hier ungeheuren Eindruck gemacht. Dr Erfolg wird von der italienischen Bevölkerung höher eingeschätzt, als die bisherigen Siege zu Lande. An dem Siege der deutschen Armee wurde hier ernstlich nie gezweifelt, daß aber auch die Flotte die englische Uebermacht zu schädigen imstande ist, hat man hier nicht geglaubt und darum ist die Wirkung der Nachricht eine um so größere. Stockholm, 24. Sept. iPriv.-Tel., Ctr. Bln.) Die Vernichtung der drei englischen Panzerkreuzer durch ein einziges deutsches Unterseeboot macht in Schweden tiefen Eindruck. Man sieht sich infolge der deutschen Ueberlegenheit mit dieser technischen Waffe zu einer Umwertung aller maritimen Werte gezwungen. Der Glaube, daß Englands Teeherrschaft durch seine Tchifssriesen unbedingt gesichert sei, ist in den nordischen Staaten ins Wanken geraten. Die Niesenschlacht ein Fcstungskrieg. Paris, 24. Sept. (Etr. Frkft.) Tie letzten Bulletins hatten ganz unwesentliche Veränderungen des Schlachtbildes an der Aisne fcstgestellt. Diese Tatsache wurde heute durch eine offizielle Note näher erklärt; die Note besagt: Die Schlacht an der Aisne dauert nun schon seit Tagen. Ist es nicht wunderbar, daß sie Erinnerungen an den russtsch-japani- scqen Krieg erweckt? Zuerst stand nian im offenen Felde und eine allgemeine französische Offensive setzte gegen den Feind ein, der sie nicht erwartete und nicht Zeit gehabt hatte, ernstliche Tcsensivstellungen vorzubereiten. Dagegen nimmt der Feind jetzt an der Aisne Stellungen ein, welche die Natur selbst in vielen Punkten sehr stark macht und welche der Feind andauernd hat verbessern und für die Verteidigung einrichten können. Die Schlacht an der Aisne nimmt daher auf einem großen Teil der Front den Charakter eines Fcstungskrieges au, wie er in der Mandschurei seinerzeit stattgcfnndcn bat. Mann kann hinzufügen, daß die außergewöhnliche Kraft des gegcnüberstchendcn Ariillerieniaterials (deutsche schwere Geschütze gegen französische 75 mm-Kanonen) den Feldbefestig- ungen besonderen Wert gibt, in denen die beiden Gegner stehen. Es handelt sich also darum, die TranchSe-Linien zn erobern, die alle von Nebenwcrken, hauptsächlich Stachel» drahtvtzrhaucn, verteidigt werden und mit Maschinengewehren besetzt sind, die sich in der Schußrichtung kreuzen. Daher können alle Fortschritle nur langsam erzielt werden. Häufig schreiten Angriffe nicht mehr als einen halben oder ganzen Kilometer am Tage fort. Mailand, 24. Sept. lCtr. Bln.) Der Eurriere della Sera meldet aus Paris: Der schon seit 10 Tagen andauernde Kampf nimmt immer mehr den Charakter einer Belagerung an und aller Wahrscheinlichkeit nach wird er auch so enden. Eines Tages wird ganz plötzlich nach dem langen Kampfe die Nachricht austauchen, daß in die Verteidigungslinie eine Bresche gelegt wurde, die den Widerstand auf der ganzen Linie unmöglich macht. Ter Berichterstatter fragt sodann, wer nach seiner Meinung die Bresche schlage. Niemand könne sagen, ob das Ende nahe sei. Ein unheimliches Dunkel lagere über de» Ereigniffe» und das Publikum müsie alle Kraft und Geduld zusammennehmen, um seine Wiß- begierde zu mäßigen. Lt ic's auf den Tchlachtfclve a«iösiel,t. Rom, 24. Sept. ai>der»ö «rkciinen, wie Rußland ein ganzes Volk seinen impcrialistjschcn Gefühlen hin- gcopsert hat. Geflunkert. IV. B. Wie«, 24. Scpt. Die ans Rom datierte Meldung der Daily News, daß die Serben und Montenegriner Serajcrvo, das von den Ocsterreichern nach einer vollständtgen Niederlage ausgegebeil wprden sei, besetzt haben, ist eine dreiste Erfindung, welche durch di« heutigen Meldungen des Gcneralstabs über das siegreiche Vordringen der österreichischen Truppen auf serbischem Gebiete aitd> die entschiedenste Widerlegung findet. Solch« und ähiiliche Meldungen beweisen, wie skrupellos «in Teil der feindlichen Prcffe es wagt, der Welt die schamlosesten Lüge» aufzuttschcn. Die Stimmurifl in der Türkei. WB. Wien, 24. Sept. Die Politische Korrespondenz schreibt aus Konstantinopel: Tie feindselige Stimmung, die seit dem Ausbruch des Krieges bei dem türkischen Volke gegen den Dreiverband herrscht und sich in der setzten Zeit noch verschärft hat, findet auch in den jüngst veröffentlichten Flugschriften gegen Rußland und Frankreich ihren Ausdruck. Die Kricgsnachrichtcn an den Mauern der Konsulate des Dreiverbandes erregen bei den Türken Unwillen. Zu geräusch. vollen Straßenkundgcbungen kommt cs jedoch nicht, da die Polizciorgane niit Ruhe die Bevölkerung in Schranken halten. Das englische Moratorium. London, 24. Sept. Das cngli'che Moratorium wird nach dem 4. Oktober nicht verlängert. Tie Wirtschaftslage in London «nd Paris. Christinnia, 21. Sept. Der Londoner Korrespondent des Morgcnbladet berichtet über die wenig erfreulichen wirtschaftlichen Verhältnisse in London und Paris. Man spüre cs auch in London sehr, daß kein Bankleben in Paris herrscht, da der größte Teil der französischen Bankbeamten bei den Fahnen ist. Das französische Moratorium sei gerade noch ini richtigen Augenblick gekommen, sonst hätte die Pariser Handelswelt einen Zusammenbruch erlebt. Pariser Schecks auf London werden nicht notiert. London macht die größten Anstrengungen, ein normales Valuta-Verhältnis mit New- Zork zu erlangen. Ncw-Aork wolle London kein Gold über- lassen. Der in New-Fork nntcrnonimene Versuch, daß Gold in Kanada für England deponiert werden solle, habe in Wellstreet keine Unterstützung gefunden. Englische Luftschiffe über Düffeldorf. Rottcrdnm, 25. Scpt. (t*Ir. Bln.) Ucbcr den Angriff auf die Lufijchisshallc in Düsseldorf ist das Verl. Tageblatt in der Lage, mitzutcitcn: Der Flieger, der am Dienstag abend ans die Düstel- dorfcr Lustschisfhallc Bomben warf, ist auch nach einer Meldung aus London ein englischer Flicgcr gewesen. Die englische Admiralität hat darüber folgendes bekannt gegeben: Ein englisches Lustschissgcschwader griff nm Dicnstng die Lustschiffhalle in Düsscl- darf an. Nebel verhinderte die Operationen. Leutnant Eollet warf drei Bomben aus die Satte, der angcrichtcte Schaden ist nicht bekannt. Das Flugzeug Eollet wurde getroffen. Alle Flugzeuge kehrten unversehrt »ach ihrrm Ausgangspunkt zurück. Ein Steckbrief gegen Werter^. W. B. Eotmar, 24. Scpt. Das Kriegsgericht erläßt heute einen Steckbrief gegen den katholischen Priester und Redakteur Emil Wetterte aus Eolniar, welcher flüchtig ist. Gegen Wetterte wurde ,die Untersuchungshast wegen Krivgsvcrrats verhängt. Es wird ersucht, ihn zu verhaften und ihn in das Bezirksgesängnis Colmar oder an die nächste Militärbehörde zu weiterem Transport auszuliefern. Gleichzeitig ist das gesamte Vermögen, welches der Genannte besitzt oder welches ihm später zusällt, mit Beschlag belegt worden. auch voller Sorgen saß. Es hatte sich gefunden, daß die kleinen Täler umher alle fruchtbar waren. Mancherlei Kolonisten konnten darin angesiedclt werden. Doch, was Haupt- sächlich meine Aufgabe blieb, den Wald an der Balself nutzbar zu machen, das wollte nimmer gelingen. Es ergab sich, daß die Bäume aus der Wildnis nicht fortgcschafft werden konnten. Der Strom mit seinen vielen tiefen Fällen ließ sie nicht schwiinmcn, nirgends wollte eine Sägemühle passen, und nach einer Reihe nutzloser Versuche, die viel Geld kosteten, sah ich alle Mühen scheitern." „Kaunas denken, kann's denken!" rief Helegstad, spöftsch auflachend, indeisi er sein Glas leert. „Ich befand mich in einer üblen Lage," fuhr Marstrand fort, „und sonderbarerweise kam es mir vor, als streckten sich von allen Seiten Hände nach mir aus, und als hörte ich Stinimen, die mich hart schalten und einen Toren nannten. Alle hatten mich verlassen, da sah ich, wie in einer dunklen Nacht, in der ich kein Licht erkennen konnte, es plötzlich hell um mich wurde, und ich erkannte Afraja, der an meinem Bette stand, und dessen kleine rote Augen wie Feuer funkelten." „Kenne sie," sagte der Kaufmann, „kenn die Diebsaugen des grauen Luchses." „Er grinste mich an und tanzte um mich her mit Wunder- lichcn Sprüngen. Bist ein Weiser Mann von dem großen weisen Volke, das sich klüger dünkt wie wir, rief er mit seiner heiseren Stimme, will dir aber zeigen, Väterchen, will dir zeigen, wie du es machen mußt, um deine Bäume zu schleifen und deine Sägemühle zu bauen. Und er führte mich zu einer Stelle, schwang seinen langen Stab, und plötzlich stand eine Mühle mit doppeltem Rade über dem Wasser. Tann winkte er in den jähen Felscngrund hinab, und ich sah einen selt- sainen Bau von Balken, ans festen Stützen stehend, der von einem Quell schlüpfrig naß gehalten wurde, und auf dieser Rinne schossen die Bäume blitzschnell von der Felsenwand hinunter, daß man sie ohne große Mühe auf das Sägewerk bringen konnte." Die französische Regierung ist nach London gereift. T-JJ. Mailand, 25. Sept. Alle in Bordeaux erscheinen- de» Blätcr bringen die übereinstimmende Meldung, daß Präsident Poincars, Ministerpräsident Viviani »nd der aus Paris zurückgekchrte Briand sich am 20. September nach London begeben haben, um init der dortigen Regierung persönliche Rücksprache zu nehmen. Keine Intervention Italiens. 51 II. Rom, 25. Sept. (Nichtamtlich.) Ein Mailänder Blatt brachte die Nachricht, daß zwischen der italienischen und der französischen Regierung auf Anregung der englischen Regierung Verhandlungen zum Zwecke der Intervention in dem gegenwärtigen europäischen Kriege stattsändcii. Diese Nachricht ist, wie Agrnzia Stcsani mitteilt, durchaus unbegründet. Tie militärische Lage in französischer Beleuchtung. Genf, 25. Sept. (Ctr. Bln.) In einer Betrachtung der militärischen Lage, die recht zuversichtlich klingt, heißt es u. a.: Seit einigen Tagen konzentrieren die Deutschen thre Tätigkeit auf die Höhen, die im Osten das Plateau dev Argouncn begrenzen und die Maas beherrschen. Wenn es dem Feind gelingt, unsere Linie zu durchbrechen, würde ey die Armee von Nancy von ihrein Gros abschneiden und könnte dann mit dieser getrennten Gruppe manövrieren. Liegt aber die Möglichkeit auf einen Erfolg vor? Ist nicht gerade der gewählte Angriffspunkt der stärkste unserer Linie? Der Kraftaufwand der Deutschen ist allerdings nicht zu unter- schätzen. Sie haben in der Gegend von Verdun ihre 420 Millimeter-Mörser aufgestellt, deren gewaltige Verheerungs- rrast sich vor Lüttich, Namur und Maubeuge bewährt hat. Der Bürgermeister von Brüsirl. Köln, 25. Sept. Der Bürgermeister von Brüsiel ist, wie erst jetzt bekannt wird, von den deutschen Behörden wegen herausfordernden Verhaltens verhaftet, aber nachdem er sich entschuldigt, wieder freigelassen worden. Tanzgesellschast in Bordeaux. Gens, ^5. Sept. Ter französische Deputierte Emanucl Brousse veröffentlicht in dem dortigen Hauptblatt einen, die nichts weniger als ernste Lebcnssiihrung der tonangebende» Staatsmänner in Bordeaux scharf charakterisierenden Artikel. Jene Zeitung ist beschlagnahmt und ihr Erscheinen für 14 Tage untersagt worden. Tie Pariser monarchistische Action Francaise konnte sich aber eine Nummer verschasfcn und veröffentlichte darauf eine Stelle daraus. Herr Emanucl Brousse erzählt, wie es in der Nacht und in dein Morgenstunden in dem Restaurant „Zum seiften Kapaun" zugcht, wo man genau, wie zur Glanzzeit des Pariser Maxims, ans den Tischen die vcrwogcnste» Tanzkunststücke aufsührt, während unten auf der Straße das Dienstauto wartet, das frisch aus Nizza cin- getrosfcne Marschall Nil-Rosen schmücken. Namen nennt der Verfasser nicht, oder doch? Er durchsicht eben die Zahl der Toten und Verwundeten, deren Liste auf dem Tisch vor ihm liegt, während das Schreien und Johlen der Tanzgesellschast zu seinen Fensteri» hercindringt. Clcmenceaii gegen die Regierung. Kopenhagen, 25. Sepl. Clemenceau greift die Regierung neuerdings wieder heftig an. Er erklärt, die Regierung sei schuld an der allgemeinen Verwirrung der Stadtverwaltrung. Alle Verbindungen seien unregelmäßig und deis Handel völlig ins Stocken geraten. Die Abwesenheit der Regierung von Paris habe veranlaßt, daß sie ohne jede Autorität sei. «Auch gegen die ungenügende Pflege der verwund deten Soldaten führt Clemenceau einen hefstgen Kampf. Landung französischer Artillerie in Aiitivar!. Gens, 25. Sept. Nach Meldungen aus Bordeaux gab der Marine- minister bekannt, daß die französische Flotte in Antivari schwere Artillerie gelandet habe. Eine italienische Ncutralitätsmaßnahme. Berlin, 25. Sept. Tie italienische Regierung hat die strengsten Anordnungen getroffen, daß jene Gruppe von Anhängern der republikanischen Partei, die kürzlich kriegsbegei- stcrt alis Jmola, Faenca unb der Umgegend von Bologna ob- rcisten, bei der Grenze arretiert werden. „Ein Schrei von deutschen Sozialisten". Uuicr diesem Titel druckt nach dem Londoner Standard die New» york-Timcs vom 2. September eine angeblich von der Berliner Zweigniederlassung der internationalen Gruppe von Sozialisten er« Hclgestad hing mit seinen Augen am Munde des Erzählers. „Ist ein mächtig sonderlicher Traum," murmelte er, „aber wüst und schwer, ich kann das Hexenwesen nicht begreifen." * „Ich will es Ihnen klar machen." sagte Marstrand, „denn mir schweben alle Einrichtungen, die ich sah, so deutlich vor, daß ich sie aufzcichncn kann." „Bin begierig," rief Hclgestad, den Tischkasten aufziehend und Schreibzeug samt Papier suchend. „Laßt sehen, waä der Hexenmeister aufbaute." Mit ihm zugleich stand Hanna auf. Leise nickte sie Marstrand zu, und wie Helgestad den Kopf vom Suchen auf- rrchtete, war sie hinaus. „Malt es hierher," sagte der Kaufniann, und Marstrand nahm die Feder und zeichnete das Felsental, die Balself und den Strom in der Schlucht; dann von der schroffen Felswand hinunter einen künstlichen Bau, der nichts anderes war als eine Holzrutschc, wie sie jetzt vielfach in Bcrgländern ange- wcndct werden, um Baumstämme von hohen Gipfeln herunter zu schaffen. — „Seht hier," sprach er erklärend, „hier werden die Bäume gefällt, von ihren Aesten befreit und dann auf diese glatte schiefe Ebene geschafft, in welche Wasser geleitet ist, damit das Holzwcrk sich nicht erhitzt. In kalter Zeit mag es frieren, auf dem Eise werden die Bäume noch besser rutschen und wohlbehalten an diesem Punkte ankommen, wo die Sägemühle erbaut werden ninß. Es ist offenbar die beste Stelle, denn sie liegt vor den Fällen der Elf, die von hier aus bis an den Fjord nur wenige Schwierigkeiten bietet." Helgestad hatte sich weit über den Tisch gelegt und be- trachtete die Zeichnung mit gieriger Aufmerksamkeit. „Ist richtig," sprach er, darauf hinstarrcnd, „kalkuliere, muß ge- lingen. War ein weiser Traum, Herr Marstrand, mag er gekommen sein, woher er will." — Er richtete sich auf und sah seinen Genossen lauernd an. „Seid ein kluger Mann!" ries er aus, „muß Euch loben; seid ein treuer wahrer Freund, der mir nichts verschweigt. Denke, ja. Jst's nicht so?" (Fortsetzung folgt.) s-ssene Adresie: „An unsere Brüder in der zivilisierte» Welt" ab. Wir stellen fest, daß non sozialdemokratischer Leite nichts derartiges veröfientlicht wurde. Keine Verhandlungen zwischen österreichischen und deutschen Sozialdemokraten. Tagens Nyheder wird aus Göteborg berichtet, datz nach einer Mitteilung des Berliner Korrespondenten der Götc- horger Handelszeitung Genosse Tr. Adler-Wien in den letzten Lagen in Berlin mit deutschen Sozialistenfiihrcrn über die Lage in Oesterreich verhandelt habe. Tie in diesem Blatte gemachten Angaben über den Inhalt der Unterredung mit Gen. Dr. Adler sind falsch. Ein Fischkutter gesunken. Rotterdam, 25. Sept. Nach einer Meldung aus London ist der Fischkutter „Kimarak" in der Nordsee anf eine Mine gelaufen und gesunken. Von der Besatzung kamen sechs Mann um, drei wurden gerettet. sBerl. Tagcbl.) Das indische Expeditionskorps kommt nicht nach Aegypten. IV. London, 25. Sept. Die Truppen, die aus Indien für Aegypten versprochen waren, sind wegen der Cholera nicht ein- getroffen. Hefieu nnd Nachbargebiete. «fetzen u,,v Umgebung. Sorgt für Verbreitung Eurer Zeitung! Noch niemals dürften wohl die Zeitungen mit größerem Interesse verlangt und gelesen worden sein, als in der gegenwärtigen Zeit. Das trifft besonders auch auf die Arbeiterfamilien zu. Kein Wunder. Ihre Männer, ihre Söhne und ihre Brüder sind cs, die in Masse und in erster Linie den schweren Kriegsdienst verrichten müssen. Da must man wissen, was brausten vorgcht. In den kommenden Wochen und Monaten wird sich dieses Interesse noch mehr steigern. Die Zeitung ist die direkte Vermittlerin zwischen Heim nnd Austenwelt. Parteifreunde! Es ist richtig, dast jetzt in vielen Familien das- Geld rar ist und nur für das Nötigste ausgegcben werden kann. Euere Zeitung gehört aber zu diesem Notigsten. Haltet sie und werbt neue Leser! — Verteuerung der Lebensmittel. Die Preistreiberei zur Verteuerung der Lebensmittel wird ganz systematisch fortgesetzt. Für die Produzenten in der Lebensmittelindustrie gibt es, wie es scheint, nur ein Ziel und Bestreben: die Zeit des Krieges auszunutzen, um so viel wie möglich Profit ein- zuhcimsen. Die gemeingefährlichen Treibereien der Getreideproduzenten und Mühlcnfabriken sind schon öfter gekennzeichnet worden. Jetzt wird vom Frankfurter Fruchtmarkt am Mittwoch berichtet, daß eine weitere nicht unerhebliche Steigerung der Getreidepreise zu verzeichnen gewesen sei. Der Weizen erfuhr einen Prcissprung auf 26 bis 26.50 Mark, Roggen einen solchen auf 22.60 bis 23 Mk. Die Preissteigerung beruht nach dem Urteil Sachverständiger in dem Mitzverhältnis Zwischen Angebot und Nachfrage infolge des Ausbleibens ausländischer Zufuhren. Infolge dieses Preissprunges haben auch die Mühlen eine weitere Erhöhung des Preises für Weizenmehl 0 um 50 Pfennig, auf 40 Mark für 100 Kilogramm (2 Zentner) eintreten lassen, nachdem sie erst am 18. September eine Erhöhung um 50 Pfennig anf 39.60 Mark bekanntgegcben haben. Es wird zwarmngekündigt, dass die Rcichsregierung Höchstpreise für Getreide und Mehl fcst- zusehcn im Begriffe sei: aber die Regierung nimmt sich zu dieser Entschließung offenbar sehr lange Zeit. — Wo soll das noch hinführen? Es ist klar, daß diese fortgesetzte Preis- trcioerci eine weitere Steigerung der ohnehin schon hohen Brotpreise zur Folge haben muß. Was hat es für einen Wert, wenn die Preise festgesetzt werden, wenn die ganze Ernte zu hohem Preise verkauft ist? Geht es so fort, dann muß das Volk hungern, während sich die Agrarier die Taschen füllen! — Gefallene aus Obcrhcssen und Nächbargcbictcu: Unterossizier Georg Schiefer st ein aus Ober-Bessingen; Inf.- Ngt. Nr. 83.— Unteroffizier Otto Becker ausMufchcnheim; Jnf.-Rcgt. Nr. 83. — Gefreiter Wilhelm Loh aus Dutenhofen, Kr. Wetzlar. — Gefreiter d. Reserve Moses L ö b aus Berstadt; beide Jnf.-Reg. Nr. 88. — Reservist Adolf Drescher aus Krofdorf: Jnf.-Rcgt. Nr. 174. — Wilhelm Hagener aus Berzhausen. — Reservist Martin Jung. Lehrer aus Edingen; Rcs.-Regt. Nr. 81. — Konrad Becker aus Ober-Ofleiden. — Berichtigung. Infolge Druckfehlers war der Name des im Krage gefallenen Unteroffiziers Tigi Hiepc in Wetzlar (Sohn des t. Beigeordneten! in unserem Blatte falsch wiedcrgegeben. — Gefährliche Jugend-KriegSspicle. Ueberall steht man setzt die Schuljugend mit Helm, Säbel nnd Gewehr herumziehen nnd einander „Schlachten" Ikefern. Diese Spiele mögen der Fugend Spatz machen, vom erzieherischen Standpunkte aus sind ste jedenfalls nicht zu befürworten, in dieser Richtung üben sie keinen günstigen Einfluß aus. Das haben wir an dieser Stelle schon öfters ausgesprochen. Aber auch sonst sind diese sogenannten Spiele nicht ungefährlich und cs hat dabei schon manche Wunde abgelebt. So lesen wir in unseren, Frankfurter Parleiblalt darüber: Es bleibt nicht mehr beim blotzen Hurraschreien und lustigen .Klappern mit den Holzschwertern; jetzt knallen sogar schon die richtigen Pistolen, wirkliche Mcster nnd Degen in der Luft, und man geht ,nit dem Feinde schon nach russischer Methode um; auch wirkliche Verwundete lätzt man schon aus der Walstatt. Auf der Ginnhcimer Höhe fand an, Donnerstag,,ach,nittag zwischen den „Tchwälmcr- strätzern" nnd den „Tosiensträtzern" eine Schlacht statt, an der Hunderte von Fungen beteiligt waren, die aber schlictzlich in verwerfliche Roheiten ausartctc. Rücksichtslos zerbrach man den „Besiegten", lauter kleinen Bube», die hübschen Fahnen, band ihnen die Hände ,,„d Fütze und fesselte sie schließlich an den Bäumen so fest, datz sie vor Schmerze» laut aufschrien und durch Erwachsene befreit werden mutzten. Andere wurden in ärgster Weise mit de» Säbeln geschlagen, zum Teil sogar blutig. F» de» Händen der „Führer" blitzten wirkliche Piftojen, aus denen glücklicherweise bis jetzt in die Luft geschosfen wurde. Ein Bürschchen von 5 Fahren erhielt durch einen „Schwerterschlag" eine klaffende Kopfwunde und »intzte einem wirklichen Arzt zugeführt werden. Gegen derartige Auswüchse froher Jugendspiele sollte baldigst eingeschritten werden. — Agrarische Preistreiberei. W^' aus Frankfurt berichtet inird, beabsichtigten die Vereinigten Landwirte von Frankfurt und Umgebung den M i l ch p r e i s zu steigern, sie wollen von den Händlern 18 Psg. fiir den Liter haben. Und das jetzt, wo erstens das Futter in überaus reichlicher Menge vorhanden ist und zweitens die Löhne der Arbeiter und das Einkonimen der meisten Geschäftsleute zur Hälfte bis Dreiviertel weniger geworden, bei manchen sogar ganz iveggefallen ist. Unter diesen Umständen würde eine Erhöhung des Milchpreises ein unerhörtes Attentat auf die Milchkonsumenten bedeuten. Und selbstverständlich würde die Volksgesundheit damit ganz empfindlich geschädigt. Es mutz noch darauf hingewiesen iverdeu, datz die Preiserhöhung der Milch von 1911 mit dem damaligen Futtermangel bcgriindet, es ist aber den Landwirten garnicht eingefallen, den Preis in de» folgenden Fahren wieder herabznsetzcn. — Konsumverein Gieße». Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des .Konsumvereins Gießen nnd Umgegend ist auf Sonntag, den 18. Oktober, nachmittags 3 Uhr festgesetzt. Sic sinket wiederum im großen Saale des Gewerkschattshanses statt. — Tchwurgerichtsverhandlungen. Vor dem Schwurgericht, dessen Sitzungsperiode fiir das 3. Quartal nächsten Montag beginnt, gelangen folgende Fälle zur Aburteilung: 1. Montag, 28. September, 9% Uhr: Wilhelm Müller ln Ruppertsburg wegen Notzuchtsver- such, Staatsanwalt: Oberstaatsanwalt Hofmonn. Verteidiger: Justiz, rat Tr. Jung. 2. Dienstag. 29. Sept., 81t- Uhr: Johannes Mar» chewka ivegen Notzucht, Staatsanwalt: Gerichts-Assessor Knautz, Bert.: Jnftizrat Metz. 3. Mittwoch, 30. Sept., 8'/o Uhr: Ehriftian M ll n ch in Harbach wegen Meineid: Staatsanwalt: Gerichts-Assessor Knautz, Bert.: Rcchtanwalt Römhelü. — 4. Donnerstag, 1. Oktober, 8% Uhr: Kathar. Götz ln Gießen wegen Kindestöimig; Staatsanwalt: Oberstaatsanwalt Hosnian», Bert.: Rechtanrvalt Engisch. 5. Freitag, 2. Oktober. 8!ü Uhr: Karl Heinrich Schneider in Obermörlen wegen Meineid: Siaatsanwalt: Gerichts-Assessor Knautz, Bert.: Justizrat Katz. — 6. Samstag, 3. Oktober, 8% Uhr gegen Heinrich Hamel und Karl Ripper in Gießen ivegen Raub: Staatsanwalt: Gerichts-Assessor Knautz, Vert.: Rechtsanwälte Dr. Spohr nnd Dr. Aron. — 7. Montag, 5. Oktober, 8!4 Uhr: gegen Wilhelm Weller in Klein linden wegen Rotzuchtsversuch: Staatsanwalt: Oberstaatsanwalt Hofmann, Verteidiger Rechtsanwalt Kochs. — 8. Dienstag, de» 0. Oktober. 8% Uhr gegen. Ehefrau Schmitt, Christian Noll und Ehefrau in Gießen wegen Meineid nnd Verleitung zum Meineid: Staatsanwalt: Gerichts-Assessor Dr. Eckert, Vert.: Fusttzrat Katz und Rechtsanwalt Homberger. — 9. Mittwoch, 7. Oktober, 8% Uhr: gegen Ludwig Fnrmanski aus Raczice wegen Totschlag: Staatsanivalt: Gerichts-Assessor Tr. Eckert, Bert.: Rechttzanwalt Leun. Feldpostbriefe mit Wertangabe. In der letzten Zeit werden bei den Postanstalten zahlreiche Feldpostbriefe mit Wertangabe auf- geliesert, die nach ihrem Inhalt tWaren usw.) nicht als Eleldbriefe im Sinne der Feldpostdlcn-stvrdnung gelten können. Ti« Zulassung von Geldbriefen hat nur einer tatsächlichen Geldiibermittelnng dienen sollen, namentlich von höheren Beträgen, die durch Postanweisungen infolge Beschränkung deren Höchstbetrages oder aus anderen Gründen nicht übermittelt werden können. Die Verwendung dieser Versendungsform für Zigarren, Schokolade u. dgl. bedeutet «inen Mißbrauch, unter dem der Feldpostbetrieb stark leidet. Die Postanstalten haben deshalb angewiesen iverden muffen, künftig alle hiernach unzulässigen Feldpostbriefe mit Wertangabe unbedingt zurnckzuwcisen. — Liebesgaben für die 118er. Ter Aufruf zur Stiftung von Liebesgaben für unsere im Felde kämpfenden Krieger hat bei der hiesigen Bürgerschaft lebhaften Widerhall gefunden, wie dies die bereits gestifteten zahlreichen Gaben erkennen lasien. Im besonderen sei hierdurch nochmals ans die Stiftung warmer Unterkleider hingewiesen. Wollene Hemden, Unterhosen, Strümpfe, Leibbinden und Pulswärmer sind bei der jetzt einsetzcndcn kalten Jahreszeit die begehrtesten Artikel. Davon kann »le zuviel herbei» geschafft werden. Die Sachen brauchen zwar nicht neu zu sei», sie müsien sich andererseits allerdings in einem Zustande befinden, um den gedachten Zweck erfüllen zu können. So könne» z. B. Puls»; wärmer durch Abschneibeu der Füße ohne weiteres aus abgängigen oder zu klein gewordenen Kindcrstrümpfcn hergcstellt werden. Ke-, brauchte Leinen- oder Flanellappen können mit wenig Mühe und Kosten zu Leibbinden, Ohrenschützern oder Fußlappen verarbeitet werde». Tie letztere» sind im Felde fast ebenso begehrt, wie Strümpfe oder Socke» und sind — da ungesäumt — viel schneller und billiger hcrzustellen als Strümpfe. Wenn es ermöglicht werden soll, den größten Teil unserer 118er — also mehrere 1000 Mann zu bedenke», dann ist sehr viel nötig. Säume daher keiner, sein Scherflei,i alsbald beizulrage», auch die kleinste Gabe wird danken!» angenommen. — Nächtliche Ruhe. Früher mußte öfter Klage geführt werde» über den Lärm, der in de» Straßen Gießens vielfach nachts verübt wurde. Bis lange nach Mitternacht ertönte gar nicht selten „Gesang" in den Wirtschafte» und anf den Straßen, zum nicht geringen Verdruß derjenigen, die die Nacht znm Schlafe benutzen wollten, wozu sic ja eigentlich auch da ist. Das hat jevt gründlich anfgehüri. Schon bald nach elf sind die Straßen menschenleer, hier nnd da eilt noch einer nach Hause. Fast unheimliche Ruhe herrscht! Es ist, als wenn ein schwerer Druck auf allen lastete, was ja irt der Tat auch der Fall ist. Viele Wirtschaften sind leer und schließen frühzeitig. An sich ist ja die Ruhe ganz gut, ein Zeichen von Solidität — aber, wenn man auch noch so sehr nächtlichem Lärm abgeneigt ist — man wollte ihn lieber in Kaus nehmen, wenn der jetzige Zustand aufhörie und die Leute wieder ihrer Arbeit nach-i gehen nnd sich ihres Lebens freuen könnten! Hosscntlich ist daSi Völkerringen und die Masienvernichtung von Menschen bald zip Ende, das uns alle mit schwerer Sorge bedrückt. — Die Fassadcnmaiier der früher Friede! und Asprionschen Brauerei in der Fohannessiraße wird gegenwärtig abgebrochen. Das Grundstück wurde bekanntlich von dem Verein sür Armen- und! Krankenpslege ersteigert. «rei» Wetzlar. 'X Tod durch llnvorsichiiglcit. Von einem Militärzug stürzte zwischen Ems und Niederlahnslcin ei» Unteroffizier ab und wurde sofort getötet. Ter Mann hatte sich trotz der Warnungen der Bahnbeamten auf der Plattform aufgehalten und wurde beim Durchfahren einer Kurve hcruntcrgcschleudert. Uebrigens sqh man bei den Militärzügen vielfach, daß die Leute auf den Dächern der Wagen hernmkletterien, ivobei mehrere Nnglücksälle vorgckommci» sind. Telegramme. Wieder cttt Sperrfort genommen. IVB. Großes Hauptquartier, 25. Sept., abends. (Amtlich.) Ter Fortgang der Operationen hat aus unserem äußersten rechten Flügel zu neuen Kämpfen geführt, in denen eine Entscheidung bisher nicht gefallen ist. In der Mitte der Schlacht- front ist heute, von einzelnen Vorstößen beider Parteien abgesehen, nichts geschehen. Als erstes der Sprrrforts südlich von Verdun ist heute Camp-des-Romains bei St. Mihicl gefallen. TaS bayerische Regiment „non der Tann" hat ans dem Fort die deutsche Fahne gehißt und unsere Truppest haben dort die Maas überschritten. Im übeigen weder im Westen noch im Osten irgend'^ welche Veränderungen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gietzen. Verlaa von Krumm & Cie., Gießen. Druck: Verlag Osfenbachcr Abendblatt, G. m. b. H.. Offenbach a. M. Kartoffelpreise. Die bihcrigen Vcrkaussprcise sür Kartossel» stehen, in einen, starken Mißverhältnis zu der überaus reichen Ernte. Nach Ansicht Sachverständiger ist ei» VerkanfsprorS von 3,5 Pfg. im Kleinhandel schon überaus hoch. Ich ivrise darauf hin, daß ich genötigt bin. Höchstpreise für die Kartosscl» sestznfetzen, wenn von jetzt ab »och höhere Preise als 3,5 Pscnnig fiir das Pfund im Kleinhandel beansprucht werden. Gießen, den 25. September 1914. Ter Oberbürgermeister: Keller. D.Klimiikii, Achen Marktplatz II. Uhrmacher und Goldarbeiter. Reichhaltiges Lager 7» Uh««», Gold- und Silderwart». Lieferant de» Konsum - Vereins Gießen u. Umg. and der Eisenbahn-Konsumoeieins. — Man vertange Rabattmarken. —- Feldpost-Pakete an Soltlaten dos 18. Armeekorps sind erlaubt in vorschriftsmässigen Kistchen mit wasserdichter Wachstuchhülle versandfertig laungfenschützer Kniewärmer Leibbinden Kopfschützer ' e r ' a d ü Grosse Mengen. Socken Strümpfe Hosenträger Taschentücher Normal-Hemden Normal-Hosen Unter-Wämse Wollene Sweaters Nur prima Sachen. — Zum grossen Teil an Angehörige des Regiments geliefert. I I Bahnhofstr. 14 Kaufhaus Katz, Giessen, Bahnhofstr. 14 Schriftliche Bestellungen werden prompt ausgeführt. i Preis 40 Pfg. ist ein getroffen« Preis 40 Pfg. Bestellungen erbittet baldigst Oberhejsische Vottszeitrmq, Gießen, Vahnhofftraße 23 . Tel. 2008 . Ratiomler maueildienß Allgemeiner JeuWr Araneuverein Hvtsgr-uppe Kietzen. Z>as Kierpacken, Schreiben und Adreffieren von Aetdpost- Sendungen besorgt bereitwilligst und unentgeltlich Montag, Mittwoch und Ireitag von 9—1t Mgr vorm. Südanlage 4, 2. IranI?rofeslor Kal'öfleiich. | legi vßroeriiGkter Saisos verkaufen wir unser gesamtes Lager in J Fahrrädern ß i solange Vorrat reicht, zu II! (■öliel .V Giessen, Südanlage 20. Telephon 102. u jl WK'ssi'ii, ouuaiuaye Lu. icic|jiiuh iut. 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Prof. Dr. INoloff Die Entstehung des gegenwärtigen Krieges. „ ». „ 15. „ 22 . „ 2 t). November 5. „ 12 . „ 10. „ 26. Dezember 3. Tr. Kinkel Der Krieg und die deutsche Kultur. Dr. Skaiweit Der Krieg und die deutsche Volkswirtschaft. Dr. Schian Die ©creditigfeit gegenüber unseren Feinden. Dr. Elbs Aus der Entwicklung der chemischen Industrie in Deutschland und, England. Dr« Krüger Die vaterländische Dichtung in den großen Kriegsjahren. Tr. Leist Vom Recht der Zukunst. Dr. Bchaghel Der Krieg im altdeutschen Epos. Dr. König Die Verwendung der Naturkräfte im Kriege. Dr. Eck Ter SchoUe Carlylc, Deutschland und England. Zin» Mm not! KjMblikbklim im ftlk (icfdilcurt fliirßrnrr. Eintrittskarten — eine JU 30 Pfg., zehn ,n Mk^2.50 — sind in den Buchhandlungen von FrceS, SciterSweg, Koch, ScllerSwcg,- Legier, Südanlage, Schneider, Ncneubäncn, sowie Ernst Balser» Mäusburg und abends an der Kasse zu haben. in jeder Ausführung und Preislage. lliä! z Co. 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