MrWschk Volks - Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberheffen und der Nachbargebiete. DK Ctcrtcfftl&t OoTOtcltnai erscheint leben SBcrftag Abend m Eletzen Der Lbonne»rnUvrei» beträgt »öchentllch lb Psg, monatlich lv Mg. etnlchl.Bringerlobn Durch die Post bezogen diertcljährI.IMMl. Siedakiion und Srvedttton Dieben. vabnb»«,ratze 22. «cke «»»ennakle. Delevbnn 2008. Inserate kosten die 6mal gelpalt. Kolonelzeile oder deren Raum td Mg. Bei gröberen Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man dt» abend« 7 Me für die folgende Nummer in der Eppedition mifgebe» Nr. 221 Gießen, Donnerstag, den 24. Septemlicr 1t) 14 9. Jahrgang Die Aufreizung zur Bestialität. Eine allerdings nichtamtliche, aber doch glaubhafte Depesche aus Bordeaux berichtet: „Clemenceau wirft im „Homme Libre" die Frage auf, ob die in Frankreich gefangen gehaltenen deutschen Verwundeten dieselbe Pflege erhalten sollen, wie die französischen Verwundeten. Er wirft dem Kom- niandeur des 18. Korps in Bordeaux, General Oulart, vor, Damen des Roten Kreuzes, welche sich weigerten, deutsche Verletzte zu pflegen, gesagt zu haben, daß sie sich durch ein solches Verhalten entehrten. Um den Beweis antreten zu können, dah die deutschen Verwundeten nicht desselben Mit- gefühls, wie die anderen würdig seien, führt Clemenceau eine Reihe angeblich von Deutschen begangener Grausamkeiten an, ohne jedoch irgend eine Beglaubigung dafür beizu- bringen. Die Veröffentlichung machte keinen giinstigeit Ein- druck". Herr Clemenceau gehört zu den in Frankreich nicht gerade seltenen Ecnsationspolitikern, denen es sich viel weniger um ein bestimmtes Ziel, als darum handelt, durch irgendeinen „Fall" die öffentliche Meinung gehörig in Erregung zu bringen. Zwar ist der einst so einflußreiche Poliftker inzwischen in das politische Altersheim, den Senat, gekommen, er übt aber durch seine Zeitung immerhin noch großen Einfluß. Insofern ist es leider möglich, daß seine Aufforderung zur Grausamkeit bei einzelnen Erfolg hat. Jedenfalls hat es die französische Regierung für nötig erachtet, im Sinne des Völkerrechts und der Genfer K.our, venfton eine Erklärung abzugebcn. Eine Note des Kriegsministers Millcrand bringt die Verpflichtung, den deuffchen Verwundeten sorgfältige Pflege angedeihen zu lassen, in Er- rnnerung. Es sei dies eine Pflicht, die durch die internationale Gesetzgebung und Bestimmungen der Genfer Konvention und insbesondere durch das Gefühl der Menschenfreundlichkeit festgelegt sei. Man müsse im Interesse der in Deutschland gefangenen Franzosen wünschen, daß dieses Gefühl auf Gegenseitigkeit beruhe. Der Minister erklärte, überzeugt zu sein, daß Aerzte und Sanitätspersonal den deutschen Verwundeten gegenüber ihre Pflicht mit wünfchens- lverter Hingebung erfüllen. Und er werde unverzüglich die- lenigen ihres Amtes entheben, die Verwundeten und Gefangenen gegenüber die von der Genfer Konvention festge- setzten Regeln der Menschlichkeit verletzen. Diese Kundgebung wird hoffentlich ihre Wirkung tun und denjenigen Franzosen, die etwa geneigt wären, Cle- menceaus Aufforderung zu folgen, ihre Verantwortlichkeit klarmachen. Jedenfalls liegt für die deutschen Familien, die verwundete Angehörige in Feindesland haben, ein großer Trost darin, daß auch dort das Gebot der Menschlichkeit Geltung hat. Gegenüber den unkontrollierbaren Schauer- jgcschichten, die leider durch einen Teil der Presse verbreitet werden, muß hervorgchoben werden, daß Beweise für ge- ftisscntliche Mißhandlung deutscher Verwundeter durch französisches Sanitätspersonal nicht vorliegen, daß dagegen Zeugnisse deutscher Offiziere und Mannschaften für das Gegenteil vorhanden sind. Die vorliegenden Bekundungen guter, men- schenwürdiger Behandlung deutscher Verwundeter in französischen Lazaretten mahnen, auch dem Gegner gerecht zu werden. Es ist ja immerhin möglich, daß da oder dort Der- nachlässigung deutscher Verwundeter oder gar Roheit gegen sie vorgekommcn ist. Doch die Schuld einzelner darf nicht der Gesamtheit des Volkes zur Last gelegt werden. Herr Clc- mcnceau vertritt glücklicherweise nicht die ganze französisch.' Nation, wenn er auch einer von ihren Ehren-Altcnteilern ist. Aber Herr Clemenceau begründet ja auch seine Aufforderung zur Grausamkeit, indem er aus angebliche Verbrechen der Deutschen hinweist. Welche, das geht aus der kurzen Depesche nicht hervor. Aber wir können uns die Liste auf- wachen nach dem, was in französischen und von Frankreich aus wit Nachrichten gespeisten Blättern zu lesen ist: Ermordung von Verwundeten, Töten unschuldiger Zivilisten, Schändung °j} Frauen usw. Ta wir unsere Krieger kennen, wissen wir, Ji h* Sügcn sind — obwohl es möglich ist, daß auch auf Rutscher Seite Missetaten Vorkommen können: unter Mil- c'stz-»!! b -°- duschen, wie unsere Heere sic umfassen, kann es ie ilvergändlich auch solche geben, die selbst durch die strengste drüben " gebändigt werden können. So ist cs hüben und . ^ cr Veröffentlichung des Herrn Clemenceau liegt aber eine Lehre, die auch bei uns Beachtung verdient: Durch die -Veröffentlichung von angeblichen Greueln werden die schlimmsten Instinkte aufgcpeitscht, und es kann eine Stimmung erzeugt werden, unter deren Druck der Krieg zu einem noch Wer Wrieft. schwereren Unheil wird, als er seiner Natur nach schon sein muß. Die Daily Mail vvm 12. September soll nach Mitteilung deutscher Blätter eine redaktionelle Aufforderung an die Angehörigen der im Felde stehenden Soldaten enthalten, Feldpostbriefe einzusenden, die über britische Heldentaten und deutsche Grausamkeiten berichten. Für solche Mit- teilungen wird das für Artikel übliche Zeilenhonorar versprochen. Das wäre nichts mehr und nichts weniger als die Aussetzung eines Preises für die Betätigung blutrünstiger Phantasie und die schlimmste Vergiftung der Volksseele, ein Verbrechen, dessen wir vorläufig selbst die gewissenlosesten Profitstrolche der englischen Sensationspresse nicht für fähig halten. Allerdings sind uns schon Berichte und namentlich auch Bilder zu Gesicht gekommen, die deutlich den „internationalen" Plan verraten, die deutschen Krieger als verabscheuenswerte Verbrecher zu brandmarken. Daß die Photographien „gestellt" sind, ganz nach der Art der Sensationsdramcn in den Kinematographenthcatern, sieht der Kundige sofort; die Masse aber wird an die Wahrheit glauben, denn es ist ja eine „Momentaufnahme"! Jedoch — dürfen wir unsere Hände in Unschuld waschen?! Auch wir haben eine Sensations- und Hurra-Presse von ziemlicher Verbreitung, und ihr Einfluß ist nicht zu unterschätzen. Diesem ist es zuzuschreiben, wenn ein sonst ganz friedsamer Bürger den Wunsch ausspricht, sämtliche drei- hunderttausend Kriegsgefangene möchten auf einem großen -Felde znsammengetrieben und niedergemacht werden. Die Sensations-Presse hat es auf dem Gewissen, wenn Roheiten gegen Gefangene Vorkommen und sogar Verwundete be- «chrmpft werden, wie allerdings ganz vereinzelt zu verzeichnen ist. Die schlimmste Wirkung kann aber die „Presse" auf den Geist unserer braven Soldaten ausüben, wenn sie diese, die natürlich jeweils nur einen kleinen Ausschnitt des Kampffeldes selbst sehen, in den Glauben versetzt, anders- w o geschähen unendliche Greuel. Zwar bezeugen die meisten Fcldpostkarten und Briefe der Kriegsteilnehmer, daß die Schreiber unter den schwersten Umständen ihre menschliche Gesinnung zu bewahren wissen und daß sie mit dem Feind von gestern, wenn er in ihren Händen ist, das letzte Stück Brot teilen. Aber auch ein gefestigter Charafter des einzelnen und die eiserne Disziplin der Gesamtheit muß leiden, wenn von der Heimat her Nachrichten kommen von Greucl- taten, die den Gegner als Auswnrf der Menschheit kennzeichnen. In einer großen Zeitung lasen wir soeben die aus einem Vrivatbrief geschöpfte Mitteilung eines — ungenannten! — Majors, wonach ein gefangener Franzose von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden sei, weil er vierzig (!) deutschen Verwundeten die Augen ausgestochen habe. Wir sind des sichern Glaubens, daß, wenn die Zeiftmg oder ihr Gewährsmann Ort und Zeit des Vorgangs mitteilen müßten, beide versagen würden. Aber der Schaden, der durch derartige Erzählungen angerichtet wird, ist unendlich. Bedenken denn die Verbreiter solcher Schauermären gar nicht, welche Seelcn- qual sie den deutschen Familien zufügcn, die Angehörige auf dem Kriegsschauplatz haben? Erwägen sie nicht, wie solche Berichte auf die Moral unserer Krieger wirken müssen? Mit Entrüstung weisen wir die Lügen zurück, die gewissenlose Hetzer nach Art des Clemenceau und elende Sold- schreiber britischer Preßkapitalisten über unsere Volksgenossen im Waffenkleid verbreiten. Aber mit aller Entschiedenheit treten wir auch denen entgegen, die unser Volk aufzustachcln versuchen durch tendenziöse Schauergeschichten. Menschlichkeit auch im Krieg! So haben wir im Ansang des Völkcrringcns gesprochen, und heute wiederholen wir es! Denn nicht nur siegreich im Kampf wollen wir unser Volk sehen, sondern auch siegreich in Ehren! Im Westen nichts Neues. Nom französische» Kriegsschauplätze liegen heule Meldungen nur aus feindlichen Quellen vor. Dabei werden die vom deutschen Generalstab gemeldeten deutschen Fortschritte von den französischen Bulletins verschwiegen, dagegen französische Teilerfolge hcrvorgc- hoben. Andererseits zeigen englische und italienische Darstellungen, datz den Berichten des deutschen Hauptquartiers über das Vordringen der neuen deutschen Offensive und über das Abflauen der feindlichen Angrissslust durchaus Glauben beizumcsien ist. So schreibt u. a. im Petit Parisicn ein Oberstleutnant Rousiet: „Wir müssen Geduld haben und abwarten, denn in Anbetracht der starken Stellungen und der ansgesllhrtcn Befestigungen, die der Feind innc hat, können Aenderungen in der militärischen Lage nur langsam vonstattcn gehen. Fn der erbitterten Schlacht, welche diese Deutschen gegenwärtig mit um so größerer Energie liefern, als cs ihnen klar ist, daß dieselbe für sic eine Lebensfrage bildet, verteidigen sie sich nicht bloß, sondern versuchen auch anzugreifen. Trotz der äußersten Ermüdung ihrer Truppen zögern sie nicht, kräftige» Widerstand zu entscsscln und operieren mit unbestreitbarer Geschicklichkeit auch in der Nacht. Tic jetzt im Gong befindliche Schlacht tobt heftig, und »ach den Aussage» derer, die an den ersten beiden Schlachten teilgenommen haben, übcrtrifst diese sic bedeutend an Erbitterung." — Außer dieser Stimme eines Feindes seien hier noch die folgenden Meldungen wiedergegeben. Paris, 22. Sept. (Jndir. Priv.-Tel. Ctr. Frkst.) Die Schlacht an der Aisne, die bisher in unerhörter Heftigkeit tobte, ließ nach einem Bulletin am 2t. September etwas nach. Vorher hatte» nach der gleichen ossizicllcn Quelle die Deutschen eine lebhafte Tätigkeit östlich der Qise und nördlich der Aisne entfaltet. Aus dem Plateau von Craonne kan, es zu wiederholten Bajonett- kämpfen. Bei Reims beschoffen die Deutschen die französische Front mit schwerem Eefchütz. Im Zentrum halten die Deutschen die Gegend von Thiauconrt und beschießen Bottvnchütel (südöstlich von Metz). Rom, 22. Sept. Barzini schildert im Corriere della Sera seine Eindrücke von den Schlachtfeldern an der Marne. Während die Franzosen, sagt er, noch im Tode den Eindruck ungezügelten Vvrwärtsstürmens machen, bieten die deutschen Leichen das Bild der Ordnung und Disziplin. Die deutsche Armee, sagt Barzini, ist zurückgcgangcn, aber nicht besiegt. Tic mußte sich vor der llcbermacht zurückziehcn. aber es war keine Verwirrung, sondern nur eine Losmachung. Gewiß mußten die Deutschen da und dort Material und Verwundete in den Händen der Feinde laflen, aber das deutsche Heer in seinem Kern blieb intakt. Rotterdam, 22. Sept. Ter Kriegskorrespondent des Daily News meldet: Die deutschen Kanoniere bestimmen mit außerordentlicher Genauigkeit die Entfernungen. Gestern platzte eine Granate im englischen Hauptquartier. Die Verwirrung war groß, der Stab rettete aber sein Leben. 5 Kilometer, welche die Verbündeten in den lebten drei Tagen gewannen, haben sie entsetzliche Verluste gekostet. Das Feuer war von solcher Heftigkeit, dah cs unmöglich war, die Toten und Verwundeten wegzuschaffen. London, 22. Sept. Daily News melden auS Chateau Thierry vom 19. September: Gestern tobte ein wütender Kampf. Angriffe fanden tags und nachts statt. Die deutsche Infanterie wogte unaufhörlich gegen die Stellungen der Engländer und Franzosen. Die Angriffe waren eine Erholung gegen den entnervenden Granat- Hagel, der von den Hügeln kam, wo die Anwesenheit der Deutschen nur durch den aufsteigenden Rauch der Geschütze wahrnehmbar war. Die deutschen Kanoniere machen Fortschritte und bestimmen die Schußweite mit außerordentlicher Genauigkeit. Gestern siel eine Granate in bas englische Hauptquartier, wo sic eine vollständige Verwüstung anrichtcte Der Stab kam mit dem Leben davon. Die Verbündeten hatten schreckliche Verluste. Sie vernichteten drei deutsche Geschütze. Das Feuer auf die Perschanzungen war so heftig, dah es den Feldhofpitälern unmöglich war, die Toten und die Verwundeten wegzuholen. Berlin, 23. Sept. Die Times veröffentlichen aus Soiffons vom 19 September einen anschaulichen Ztericht über die Kämpf« in den letzten Wochen. Der Bericht enthüllt die furchtbar schwierige Loge der Engländer und Franzosen und gibt die entsetzlichen Verlust« zu, die unsere meisterlich operierende Artillerie ihnen zugesiigt l>at. Der Kämpf war im ivescntlichen ein Artillerieduell, welches dos gang« Flußtal zu einer Hölle mochte. Sehr wirksam erwlesen sich die deutschen Scheinwerfer. welche der Artillerie die seindlichcn Bewegungen vcrriel«». Die ganze Rockst auf den 11. September siel ein Granaten- regen übe: die Verbündeten. Am Montag beschoß die deutsche Artillerie die Höhen. An vielen Stellen mußte der Feind zurück. Fetzt erst begriffen die Verbündeten, doß sic sich täuschten, als sie in dem neuen Kampf ein deutsches Rückzugsmonöver vermuteten. Der Bericht schildert die ausgezeichnete Ve r schon zu ng der Deutschen. Ohne die Aufklärung der Flieger hätten die Verbündeten nicht die Stellungen der deutschen Kanonen festznstcllen vermocht. Die mangelhafte Orientierung mochte die Lage der Verbündeten besonders schrecklich. Bis Donnerstag dauerie der Kantps säst ununterbrochen fort. In der Mittivochnocht gestaltete sich der Angriff besonders entsetzlich. Lange Eisenbahnzüge Tchwcroerwnnhclrr legen dafiir Zeugnis ab. Lawinenglcich stürzten die Deutsche» auf den Feind, unaufhaltsam und mit voller Todesverachtung. Erfahrene Soldaten erklärten, bei den Operationen an der Aisne bewährten sich die Soldaten des Kaisers als Meister der Kriegskunst. Ein französischer Verwundeter bekannte, während dieser Kämpfe Hab« er di« furchtbarsten Stunden verbracht. Der Berichterstatter gibt ein packendes Bild des Schlachtfeldes. Während dieser Tag« regnete es. Schweres Gewölk verdunkelt den Himmel, Flieger nnikreilcn das Schlachtfeld, über meilenwclte Fronten hört man Kanonendonner, Granaten krepieren mit automatischer Regelmäßigkeit. Truppen ziehen hin und her. Der Boden ist mit Toten hciäi, die im Verein mit Pferdeleichen und zerbrochenen, Kriegsgerät einen schrecklichen Anblick ge- ivährcn und über den in ihren Erdlvchcrn nicht ganz pcrborgenen Leuten platzen unaufhörlich dir Granaten. Reims, ein Wahrzeichen deutscher — oder französischer Kulturschande? Ten Franzosen ist in ihrer schweren Bedrängnis Heil widerfahren. Die deutschen „Barbaren" haben nach den Meldungen einiger Blätter durch die Beschießung der Kathedrale von'Reims deren Basilika vollständig zerstört, nach anderen steht die Kathedrale gegenwärtig in Flammen. Die französische Regierung protestiert bei allen neutralen Staaten gegen diese „kulturschänderische" Tat der Deuffchen. Alle Pariser Blätter veröffentlichen äußerst heftige Proteste. Die Zerstörung der Kathedrale könne nur zur Folge haben, daß der Elan der Verteidiger des Rechts noch mehr angcfcuer: und ohne Zweifel die Augen der neutralen Staaten über den deutschen Militarismus geöffnet würden. Denn die Deut- deutsche WefdjiiOfcuer kräftig erwiderte, französische Soldaten lagerten in den Strassen: in der idanptstrasic befand sich ein Ar- tilleriepark, dahinter lag Infanterie. Stockholm, 22. Scpt. Stockholms Dagblad tritt den Verdächtigungen Delcussös und der Daily Mail entgegen, wonach die Deutschen die Rcimser Krönungskirche absichtlich beschossen häten. Das schwedische Blatt nennt die Behauptung widersinnig und weist darauf hin, daß die Deutschen doch nicht das von ihnen selbst darin angelegte Lazarett mutwillig beschossen hätten. — Es zeigt sich deutlich, Last die Presse der neutralen Länder die fortgesetzte» »n- crwiescncn Grcuclgeschichtcn über die „deutschen Barbaren" griind- lich verleidet sind. Zürich, 22 . Scpt. Die Neue Züricher Zeitung findet warme Traucrwortc flir den Verlust der Kathedrale vou Reims, sagt aber, eö muh mit allem Nachdruck der Auffaffung entgcgcngctrctcn werden, dass die Kathedrale absichtlich vom deutschen Heer unter Kanonen genommen worden wäre. Dah auch die französische Regierung in ihrem Protest diese Nusfassung sich ancignct itnd keck behauptet, einzig aus Zcrstörungssucht hätten dieTruppen dicKathc- drale einer systematischen Beschickung unterzogen, ändert an der offensichtlichen Unrichtigkeit dieser Behauptung nichts. Zn dieser Beziehung können wir uns unbedingt auf Mitteilungen des Gcnc- ralstabs verlassen. Es ist also daran sestzuhaltcn: die französischen Trupen selbst haben nichts getan, das Arlillerieseucr von Reims abzulcnkcn. Vom feinde aber diese Rücksicht zu erwarten, wäre doch recht naiv. Nicht nur de» Splitter in den Augen des niedcrn sehen! Das offiziöse Wolfsche Telegraphenburcau verbreitet folgende Meldung: „Le Journal brachte am 16. September unter der Ueberschrift „Kraukcuwärtermangel in der Marin«" ein Ministcrdckret, durch welches di« Mediziner mit vier Semestern und Pharmazeuten mit zwei Setnestern ermächtigt werden, in den Schisfsbcsatzungen für die Tauer des Krieg«, freiwillig Dienst zu nehinrn. Der Petit Parisien beklagt die mangelnde fürsorgc für die familicn der Krieger. 1,20 franks für die frau täglich und 0,50 Franks für jedes Kind seien augesetzt und würden in Paris anscheinend ge- zahlt, in den Ortschafte» der Umgebung seien wegen ausgebliebener Zahlung die familicmnütter mit mehreren Kindern in jämmer- lichcr Not. Zn Montgeron erhielt eine Mutter mit vier Kindern gänzlich ungenügende Naturalien. Aus ihre Beschwerde sei ihr erklärt worden, da augezeigt sei. dah sie nur drei Kinder habe, erhalte sic keine Utiterstützung. Das Blatt tadelt dieses Verjähren energisch, da der Vater der Kinder dem Lande Leib, Gut und Blut opfere. Petit Parisieu bringt ferner den Brief eines Bauern, der sich darüber hcschivcrt, dah man nirgends di« Requisitionen durch die tjdccrcsverioalluitg bezahlt erhalle. Man werde vou doni Stcuereinuehuicr zur Rccettc des finauccS, von dort zur Intendanz, von dort zum Generalkommando und dann wieder zum Seimatsbezirk geschickt, erhalt« aber nie etwas. Wir hätten es um des Ansehens der. deutschen inneren Wahrhaftigkeit willen lieber gesehen, wenn das Wolffsche Telcgraphenbnreau die Finger von der Verbreitung dieser französischen Preßstimmcn gelassen hätte, die doch den Anschein erwecken sollen, als ob die Kriegsfllrsorge in Frankreich besonders mangelhaft sei. In Wirklichkeit handelt es sich doch um Einzelklagen, wie sie bei uns in Deutschland auch erhoben worden sind und noch immer erhoben werden, ganz nach derselben Richtung sogar, und daß die französische Kricgs- unterstützung von 36 Francs = 28,80 Mark monatlich für eine Kriegerfrau und von 15 Francs — 12 Mark für ein Kriegcrkind schlechter sei als die deutsche, wird man doch beim besten Willen nicht behaupten können. Also mehr innere Wahrhaftigkeit! Der Handstreich der „Emden." WB Kalkutta, 22 . Sept. (Nichtamtlich. Reuter.) Die Offiziere und Mannschaften der von dem Kreuzer „Emden" in der Bai von Bengalen versenkten britischen Schisse sind gestern nachmittag hier angckommcn. Tic änderten sich anerkennend über die ihnen von den deutschen Offizieren erwiesene Höflichkeit. Der Streiszug des Kreuzers „Emden" begann ani 10. September. An diesem Tage nahm er den Dampfer „Zndus", der durch Geschützfeuer zum Sinken gebracht wurde, nachdem die Besatzung aus die „Emden" übergcführt worden war. Als der Kreuzer aus die Höhe der Bai kam, fing er alle drahtlosen Nachrichten auf, welche die Abfahrten aus dem Hafen meldeten, und kannte infolgedessen die Lage sämtlicher Schiffe in der Bai. Am 11. September sichtete die „Emden" den Dampfer „Loo", übernahm seine Besatzung und versenkte ihn. Der Dampfer „Kabinga" wurde in der Nacht zum 12. September genommen itnd zwei Stunden später der Dampfer „Killin". Während derselben Nacht wurden drei andere Schiffe gesichtet, jedoch nicht verfolgt. Am Mittag des 12. September »ahmen die Deutschen den Dampfer „Diplomat", der später versenkt wurde. Tann wurde der italienische Dampfer „Lariano" angchalten, aber an demselben Tage wieder frcigclasscn. Aus seinem Rückwege warnte der Dampfer mehrere andcrc Schiffe, welche zurücksuhrcn und so der Kaperung entgingen. Am 11. September nahm die „Emben^ den Dampfer „Tratbock" und' versenkte ihn durch eine Mine. Tie Besatzung sämtlicher erbeutete» Schisse wurde dann an Bord eines Fahrzeuges gebracht, bas den Befehl erhielt, nach Kalkutta zu fahren. Zwei deutsche Schisse begleiteten es bis innerhalb 75 Meilen von der Mündung des Hngli. ^ London, 22. Scpt. (Zndir. Priv. Tel , Etc. Fkft.) Der Daily Telegraph meldet aus Kalkutta, dass der von der „Emden" auf ihrem kühnen Streiszug angcrichtctc Schaden 15 Millionen Mark betrage. Der Erfolg des deutschen Kreuzers tväre noch gröber gewesen, wenn das italienische Schiff nicht eine Anzahl engpscher Dampfer benachrichtigt hätte. Eine französische Heldentat. Ocstcrrcichisch-ungarisches Kricgspreffcquartier, 22. i-eptbr. lPriv.-Tcl.l Am 10. September erschien eine französische Flotten- abtcilung vor der Znsel Pclagosa nächst der Halbinsel Tabioncello im Adriatischcn Meer und zeistörtc zunächst den Leuchtturm auf Pclagosa, der als internationale Wetterstation auch jetzt unter Schutz steht. Ei» Landungskorps vou Marinesolbatcn nahm danw den kinderreichen Familien der Leuchtturmwächtcr, die in ihrer völligen Abgeschiedenheit vom Festlande und wegen der Unfruchtbarkeit des Bodens auf die Verpflegung von auswärts angewiesen sinü,^die Nahrungsmittelvorräte und sogar die Wüsche weg, machte daS Trinkwasscr in den Zisternen ungeuicstbar und begab sich dann wieder an Bord. Ein Kommentar zu dieser Meldung ist wohb überflüssig. 150 OOO Nüssen umgekommeu. Züricher Blätter vcrösfentlicheu ein Telegramm des Reichskanzlers an den dortigem deutschen Generalkonsul, in deui aus- I geführt wird: „Von der Aimiec SasouowS sind die geringen Teile, die sich auÄ dcn schweren Niederlagen bei Tanneuberg retten konnten, in Auf»! lösitng über die Stareiv geflüchtet. Tie Armee Rennenkampff lNjcmen-Armcc) erlitte eine ähnliche Niederlage südlich von Inster^ bürg und konnte das, was ihr noch übrig blieb, nur durch schleunig^ Flucht über den Nieinen hinter die Festungen Olita und Kmonv retten. Nach vorläufigen Sckiätzungen sind allein bei Tannenhergj und in den Masurischen Sümpfen 150 000 Russen umgekommeu. Bis jetzt find in deutsche» Lagern nntcrgebrächt 200 000 Gefangen«, davon 5000 Offiziere. Die Gesamtzahl aller Gefangenen übersteigt 000 000, wovon über die Hälfte Russen sind, lieber 2000 Geschütz« aller Art wurden erbeutet." Russisches Erzpharisäei lum! Die Südslawische Korresp. meldet aus Sofia: Kambana meldet: Wie wir erfahren, läßt die russische Regierung durch ihren früheren Gesandten in Darmstadt, Botkin, eilst Schwarzbuch zusanimcnstellcn, das an die Kabinette gerichtet werden soll. In diesem Schwarzbuch stellt Botkin zahlreiche! Fälle dar, die angebliche Grausamkeiten der Deutschen gegen! die Bevölkerung Polens schildern. Wir sind, sagt Kambana^ überzeugt, daß diese angeblichen Grausamkeiten der Deutschen zur Kriegszeit nicht im entferntesten so furchtbar sein können, wie die Grausamkeiten, die von dcn Russen in Frie- denszeiten gegen die Polen, Kleinrussen, Finnen und andere Nationalitäten begangen werden,.die das Unglück haben, sich des Segens der russischen Herrschaft zu erfreuen. Die österreichische Offensive in Serbien. Magyar Hirlap meldet aus Mitrowitza: Seitdem österreichisch-ungarischen Truppen die serbischen Einbruches blutig zurückgeschlagen und Drina und Save überschrittcni haben, dringen sie siegreich in Serbien vor. Wir hoben be- rcits Drenovac erobert, nachdem wir die serbischen Truppens blutig zurückgeschlagen haben. Nach diesem Kampfe rücktenj unsere Truppen weiter vor und nahmen Pricinovic und Se<( varice ein, wo die Serben neue Niederlagen erlitten. Jetztz beherrschen wir die ganze Gegend, und unsere Truppenä welche südlich obiger Orte kämpfen, stehen mit unserer Armee! in fortwährenden: Kontakt. In Drenovac wurde ein Feld- spital ausgestellt. Ucber Sevarice werden Munition undj Nahrungsmittel an unsere Armee gesendet. Die Verhandlung gegen vie Attentäter von Serajewo. Agram, 22. Sept. Wie mit amtlicher Genehmigung auSk Serajewo gemeldet wird, ist di« Verhandlung gegen di« Mürber des Erzherzogpaares, Prinzip, sowie »egen Gabrinomitsch und Genossen: auf dcn November auberaumi. Sie wird mit Zustimmung der Be-, Hörde öffentlich sein. Tie Schriftstücke enthalten uugeheuveS. Material. Einzelne Zeugenaussagen umfassen bis zu 500 ©eiiwtJ Tic Verhandlung findet vor dem Ziviigericht und nicht, wi« ursprünglich beabsichtigt war. vor dein Milttärgcricht statt. scheu hätten ohne die geringste militärische Notwendigkeit den Tom zur Zielscheibe eines systematischen Bombardement? gcinacht. „War' der Gedank' nicht so verwünscht gescheit — man war' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen". Denn inan sollte meinen, die neutralen Staaten müßten ohne weiteres die elende Heuchelei erkennen, die hinter jenen Pro- testen steckt. Tie Franzosen haben wahrlich oft genug schon in ihrer Vergangenheit — man denke nur an das Heide!- berger Schloß — bewiesen, wie wenig Achtung ihre Heec- führer vor Kultur- und Kunstwerken des Feindes besitzen, und sie haben auch in diesem Kriege, ganz so wie 1870 beim Straßburger Münster, gezeigt, daß es ihnen nicht die geringsten Kulturgcwisscnsbisse bereitet, Kirchen und anders Bauwerke zu militärischen Stützpunkten zu machen und dadurch der Zerstörung durch feindliches Feuer auszusctzen. Welche klägliche Heuchelei: seht gegen die Beschießung des Reimser Doms zu protestieren, nachdem man dieses Bauwerk planmäßig selber dadurch der Beschießung ausgesetzt hat, daß man Reims zu einer starken Festung gemacht hat. Wer eine historisch wertvolle Stätte zur Festung macht, und wer in dieser Festung gerade die zu schützende Stätte zmn Stütz- Punkt seines Angriffs macht, der trägt die Schuld daran, wenn im Kanipfc dann ein Werk zerstört wird, an dem die Kunstfreunde aller Länder ein Interesse haben. Und am Tom von Reims haben die Deutschen gerade ein besonderes Kunstintercsse, nicht nur weil in ihnen die Pietät vor der Kunsterbschaft vergangener Zeiten am tiefsten steckt, sondern auch weil es sich hier ja um ein Bauwerk der von den Deutschen besonders verehrten Gotik handelt. Die deutschen Heerführer, die erwiesenermaßen so außerordentliches Gewicht darauf legen, daß der deutsche Heercsgcist mit dem deutschen Volksgciste im Einklang bleibt, würden eine schwere Verletzung auch ihrer militärischen Pflichten begangen haben, wenn sie durch frivole Zerstörung eines so hervorragenden Kunstwerks dcn deutschen Dolksgeist verletzt Hütten. UiTb solche Verletzung ihrer militärisck)en Interessen werden ihnen doch auch die Feinde — wenn sic schon sonst an ihre Kunstfeindlichkeit glauben mögen — nicht zntrauen, um so weniger als feststeht, daß der Reiniser Dom in dcn Tagen, in denen die Deutschen die Stadt bereits in Besitz gehabt haben, selbst , nach französischem Zeugnis planvoll geschützt und geschont wurde. Das steht fest, andererseits aber steht fest, daß die Franzosen den Dom in frivolster und herausforderndster Weise in dcn Tagen der Belagerung zu einem hervorragenden Stützpunkt ihrer militärischen Operationen gemacht und die Deutschen gezwungen haben, wenn sie nicht pflichtvergessen Tausende von deutschen Soldaten opfern wollten, den Dom zu beschießen. Und das muß doch bei gllcr Ehrfurcht vor der Kunst bestehen bleiben: höher als alle künstlerische Schöpfungen des Menschen stehen die Schöpfer solcher Werke, stehen die Menschen und ihr Leben ist wichtiger als das Bestehen auch des größten Kunstwerks. Ucberhaupt, ist es nicht wie eine bittere Satire der Menschen- und Kulturgeschichte: eine große Protestbewegung gegen die Zerstörung eines Menschenwcrkes in derselben Zeit, wo kein Mensch daran denken darf, Protest gegen die Zerstörung hundert- tausender von Menschenleben zu erheben? Wir fragen nun: ist die Beschießung des Reimser Doms eine deutsche oder eine französische Kulturschandc? Wie gesagt, die Sache wäre wirklich zu dumm, wenn nicht ans die heuchlerische Protesthetze der Franzosen das »ns Deutschen an sich so ungünstige gesinnte Ausland hineinfallcn würde und die Neutralen noch mehr von uns abgestoßcn würden. Allerdings haben wir noch immer die Hoffnung, daß der schlaue Plan an deni gesunden Sinne der Menschen schließlich doch zugrunde gehen wird. Kühl beurteilende Auslandsstimmen. London, 22. Sept. Tie Times melden aus Paris: Drei Amerikaner, die am Freitag in Reims eintraseu, erklärten, daß dar Blut von den Treppcustufcu der Kathedrale herabströmt. Die Franzosen hätten augenscheinlich die Beschickung herausgcfordert, indeni sic Artillerie in der Stadt aufstcllteu. London, 22. Sept. Die Times meldet aus Paris: Theoretisch ivurdc das Bombardement von Reims durch die sranzössschc Artillerie hcrausgefordcrt, die in der Stadt aufgcsicltt mar und das Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 68 Die Spötterei des alten Spekulanten trug insofern ihre Fruchte, daß Hanna, um ihr zu entgehen, wirklich Hand ans Werk legte und sich geschickt genug als Anfängerin benahm. Teils mochte sie Helgestad freundlich erhalten wollen, teils war es ein Zeitvertreib, oder sie beschwichtigte damit die Un- ruhe ihres Herzens, die sie immer wieder antricb, in jeder Bucht und jedem Felsenspalt nmhcrzusuchcn und mit Helge- stads Glas am Auge alle fernen Inseln und Sunde zu durch- forschen, ohne jemals die hohen spitzen Segel des Luggers zu entdecken. Je Näher der Abend kam, um so höher stieg ihre Vangig- und vor ihr öffnete sich ein breiter Meeresarin mit kleinen Felseninseln und Felsenbrocken übcrsät, hinter denen eine langgestreckte Küste in duftiger Ferne auftauchte. Zur Linken aber rollte die unermeßliche See in breiten Wogen, auf deren schäuniigen Gipfeln das Abendlicht funkelte. Helgestad stand am Steuer, Wind und Wetter musternd. — „Nutz!" sagte er, indcin er Hanna angrinste, die sich neben ihn gestellt hatte, „wirst bald einen Tag erleben, bei dem es lustig hcrgeht. Sieh hin, dort die lange, dunkle Leiste, an der die Brandung auffliegt, das ist Staatenland. Müssen ab davon und ins hohe Meer hinaus, wo der Südwest der schönen Jlda eins ausspielen wird." Die Fahrt an Norwegens Küste geht fast immer zwischen dcn unzähligen Inseln und Felscngruppen hin, welche aus den Revolutionen der Natur übrig geblieben sind und jene die in dcn Fels eingelassen waren: ein Beweis, daß dieser Platz häufig als Nothelfer benutzt wurde. Noch aber war die Mannschaft der Jacht damit beschäftigt, als, fast unkenntlich in der Dunkelheit, dicht vor der Bucht ein Boot sichtbar wurde, das seine Segel zusammengezogen hatte und von zwei Männern gerudert ward. Ein dritter stand an der Spitze und' schrie die Jacht an: „Gottes Friede mit euch," rief er. „Wo kommt ihr her?" ' Hclgestad lehnte über das Tafarell und blickte scharf nach, dem Boote. „Von Bergen," war seine Antwort. „Seilt spät auf dem Wasser." „Sind's gewöhnt," schrie der Mann zurück. „Sind Fischer von Scllöen." „Hast Fische, Mann? Bring sie her," forderte der Nordländer. kett. Wo war das rettende Boot geblieben, und was sollte aus ihr werden, wenn es nicht erschien? Marstrand beruhigte sie, so gut er konnte. — „Mir ist es nicht zweifelhaft," sagte er, „daß der Lugger in der Nacht an uns vorbeigcgangen ist und an dem bestimmten Platz in irgend einem Versteck uns auflauert." „Und wenn er ausbleibt? Wenn ich vergebens hoffte? Wenn ihm Unheil begegnet ist?" murmelte sie angstvoll. „So wird er morgen kommen oder uns Botschaft schicken." „Er muß kommen, wenn ich nicht verzweifeln soll," war ihre Antwort. „Ich wurde es nicht ertragen, keinen Tag mehr mich verstellen können mit dieser Angst !m Herzen." „Hat Helgestad falsch gesehen," fragte Marstrand, „wenn er Ihnen große Willenskraft zuschreibt?" Sie schwieg und sagte dann ruhiger: „Er kennt mich nicht, aber er hat recht, von mir etwas zu erwarten. Ich habe allen Mut notig, um nicht vor seinen Blicken zu erstarren, die mich zuweilen eiskalt überlaufen." Die Dämmerung war tiefer geworden, rote Abendwolken lösten sich von einem dunklen Wolkenrand ab und zogen über den Himmel hin. Die Jacht flog rascher vor den, Winde wunderbaren Straßen und Sunde bilden: zuweilen aber hören diese auf; die Wogen des Atlantischen Ozeans und deS nördlichen Eismeeres rollen dann ungebrochen gegen die mächtigen Fclscnmassen des Festlandes, und oft müssen die schwerfälligen Jachten viele Tage in irgend einem Schlupf- Winkel warten, ehe sie dcn gefährlichen Weg über das stürmische Meer wagen. Auch Helgestad wollte cs nicht unternehmen, bei Nacht Staatenland z» umschiffen, obwohl der Wind halb und nicht 5U heftig war. — „Sollst ruhig schlafen," sagte er, „will alle Sorge für dich tragen; hoffe, wirst morgen ruhiger in deinem Bette bleiben, wenn draußen das Spritzwasser über die Buge schlägt. Siehst dort die spitzen Felsen vor uns? Ist das Eiland Silben. Hat kein Mensch dort eine sichere Wohnung, ist aber dennoch Gottes Wohltat und von seiner Hand getmut, denn in der Bucht können zwanzig Jachten auf einmal wie in Abrahams Schoß geborgen liegen." Nach einer halben Stunde trat die schöne Jlda unter den Schutz der hohen Wände von Silden, alle Bewegung hörte auf, und leise vom Windzüge an die sichere Stelle geführt, wurde das Schiff an einem der großen Eisenrings befesftgt, » „Wollen unser» Fang erst machen," versetzte der Boots- führer. „Liegen unsere Netze fertig, und um elf Uhr kommt erst die Flut." „Heini und Stern!" lachte Hclgestad, „müßt gute Augen haben. Rat' euch, fahrt nach Hanse, wird eine wilde Nacht werden." „Nacht oder nicht," war die Antwort, „finden int Dunkeln, was wir suchen." Ein Gelächter begleitete diese Worte, das an Bord der Jacht wiederholt wurde, während das Boot in dem Kanal versck>wand, der ans der Bucht zwischen den Felsen hinlaufcnd sich in eckigen Windungen gegen das Meer öffnete. „Sind tapfere Bursche," sagte Helgestad. „Ist eitt schweres Werk, um ohne Zagen daran zu gehen; werden von Glück zu sagen haben, wenn der Morgen sie frisch und fröhlich findet." Hanna drückte sich leise zitternd an Marstrand, und als Hclgestad sich entfernt hatte, flüsterte sie in heftiger Aift- regnng: „Er war es, cs war seine Stimmei Jetzt, Herr Marstrand, jetzt gilt es, allen Mut zu bewahren. Was haben wir an der Zeit?" (Fortsetzung folgt.) Der Krieg in den Kolonien. » Deutsche Truppen im Kaplaud. Die Frankfurter Zeitung bringt anS London eine Depesche, der ans Kapstadt gemeldet wird: Die Regierung kündigt an, daß deutsche Truppen aus Deutsch-Tüdweslafrika zwischen Nakob and Upington in das Kapland eingcdrnngen sind und sich dort verschanzt haben. Man hält die deutschen Truppen für nicht sehr zahlreich. Schwierige Lage der vengläuder iu Liidwcstafrika. London, 22. Sept. Di« Times meldet aus Kapstadt: Der Rücktritt des Generals Beyer, des Oberbefehlshabers der südafrikanische» Miliz, versetze die Regierung in eine schwierige Lage. Es bestehe eine starke Opposition gegen offensive Maßnahmen in Deutsch-Tüdcwstafrika und zwar nicht nur bei den Anhängern des Generals Herzog, sondern auch bei einer Anzahl Buren, die sonst die Regierung unterstützen, namentlich in der Oranje-Kolonie, im Transvaalbczirk, im Bezirk Lichtenberg und den Grenzbezirken der Kapkolonie. Tie Buren sind loyale britische Untertanen, halten aber die Offensive gegen Deutsch-Siidwestasrika für unpolitisch und überflüssig. Die Japaner vor Kiantschon. Stockholm, 20. Sept. sPrlv.-Tcl., Etr. Bin.) Rach hier vorliegenden Meldungen soll ein deutsches Flugzeug ans die japanische Vorhut bei Tsingtau eine Bombe geworfen und 30 Mann getötet haben. Mailand, 21. Sept. (Priv.-Tel., Etr. Bln.) Aus Tokio liegen Meldungen vor, wonach japanische Truppen, die mit der Flotte Zusammenwirken, in der Bai von Lauschan gelandet sind. Eine kriegsfeindliche Bewegung in Japan? Wien, 22. Sept. Die Corrcspondcnz Rundschau meldet: Nach Nachrichten aus Peking ist in Japan eine heftige 2k- wegung gegen den Krieg wahrzunchmen. Bei Haussuchungen in Tokio wurden Ausrufe vorgefunden, deren Inhalt in der Erwägung gipfelt, daß Japan, anstatt Krieg mit Deutschland zu beginnen, lieber die Frage der Mandschurei und Mongolei hätte aufrollen sollen. Tie japanische Regierung handele unpatriotisch und stehe offenbar im Solde Englands, das Japan nur verwende, uni die Kastanien aus dein Feuer zu holen, aber sich niemals dankbar erweisen werde. Diese Proklamationen fanden sich auch in den Kasernen in Tokio und Aokohama vor. In der Priesterschaft von Kioto soll gleichfalls lebhafte Mißstimmung wegen des Krieges herrschen. In Osaka entfalten die Agitatoren eine lcbhaftc Tätigkeit, besonders unter den Arsenalnrbeitern, die aufgcfor- dert wurden, sich der neuen, großen „Gelben" Bewegung anzuschließen und die Regierung zu stürzen, die Japan in die Abhängigkeit Europas bringe. Die Entente nnd die dänische Neutralität. Kopenhagen, 22. Sept. Lebhask erörtert wird hier ein Artikel des Tenrps, in dem die dänischen Minenspcrrungcn in den Belt«» und im Oere-Sund behandelt werden. Das französische Blakt äußert. daß bi« dänisch« Negierung doch wohl keinen unmöglich«» Widerstand gegen diejenigen fremden Kriegsschiff« zu leisten versuchen würde, di« ohne Hilfe dänischer Lotsen di« Hindernisse beseitigen würde», die sich «kn»a ans dem Weg« befänden, de» sie zurückzulegen hätten, um di« Blockade der deutschen Ostseehäsen einzu- Iciten. Das dänische Rcgierungsovgan Politiken betont demgegenüber, daß der Temps nicht darül>«r im Zweifel sein könn«, daß Minenspcrrungen in dänischen Durchfghrtsgewässern berechtigte Ncutralitätsmaßnahmen seien, und hebt hervor, daß man in Däne- inark nur einer Ansicht sei. nämlich daß das Land sein« loyale Neutralität bewahren müsse und daß diese von allen Seiten zu respektieren sei. Der Balkan nnd der Krieg. Türkische Zolle» Höhung. Wien, 22. Sept. Das österreichische Handelsministerium meldct entgegen anderslautenden Gerüchten aus Konstantinopel, daß die kürkiiche Regierung lediglich die Erhöhung d«s allgemeinen Warenzolles auf 50 Prozent und zivar von, 1. Oktober ab für die nach diesem Tage cing«führt«n Waren beabsichtigt. Der neue Herr in Albanien. Köln, 22. Sept. Der Korrespondent der Kölnischen Zeitung i» Sofia erfährt von besonderer Seite, daß der in Risch weilende Essad Pascha, llb«r dessen dortigen Aus«ntl>a>t Sie serbisch« Regierung nichts habe verlauten lassen, ein« niohamedanische Abordnung aus Albanien empfangen habe, di« ihm den albanilchen Thron angebotcn habe. Er habe ihn angenommen und gewisse bisher nicht bekannt gegeben« Bedingungen gestellt. Die finanzielle Kriegsrüfiniltz. Mohr als 4200 Millionen Mark sind statt der zunächst aufgelegten 1000 Millionen Mark der Kriegsanleihe gezeichnet worden. Dieses günstige Ergebnis hatte zur Folge, daß die Termine für die Einzahlung der gezeichneten Beträge hinausgcschoben werden konnten. Wie die Berliner Politischen Nachrichten mitteilen, lvar ini Reiche keineswegs ein Mangel an Geldmitteln für die Kriegführung eingetreten. Auch ohne die Einnahmen, die nlinmehr ans den Anleihen der Reichskassc znfließcn, hätten noch für lange Zeit hinaus ausreichende Mittel zur Verfügung gestanden, denn die Reichsbank wäre, wie ihr letzter Ausweis mit einer Bardeckung von fast 45 % erkennen läßt, zur Uebcrnahme von Rcichsschatzanweiiungen und Tarlchnskassenschcinen auch weiter noch in der Lage gewesen. Jedoch niußte, wenn der Status der Reichsbank ein befriedigender bleiben sollte, eine weitere Belastung durch Gewährung von Darlehen vermieden werden, es mußte aus die Ablösung des kurzfristigen Schatz- anwcisungskrcdites Bedacht genommen werden, sobald die Verhältnisse dies angezeigt und durchführbar erscheinen lassen. lieber die Verwendung der Anleihe sagt die offenbar aus dem Reichsschatzamt stammend« Notiz: „Demgemäß werden aus den Kriegsanleihen zunächst die von der Rcichsbank ge- währten Darlehen zurückgezahlt, die alsdann zur Befriedigung der Bedürfnisse der Kriegführung nicht weiter in An- spruch genommen werden dürfte. Wie weit man mit den nunmehr verfügbaren Mitteln von rnnd 4/,l> Milliarden Mark auszukommen hoffen darf, dafür dürfte die Anberaumung dcZ setzten Einzahlungstermines einen Anhaltspunkt oictcn. Die Wahl dieses Zeitpunktes deutet darauf hin, daß oie Mittel, die für erforderlich erachtet werden, bis hinein m das neue Jahr gesichert sind, da der bisher eingeschlagcne Weg zur Deckung der benötigten Ausgaben, falls die aus den Anleihen fließenden Mittel in Anspruch gcnoinmen sind, aufs neue beschickten werden könnte. Jedenfalls wäre kaum ein zwingender Grund gegeben, daß der Reichstag, der Ende November zu einer kurzen Tagung znsammcntritt, sogleich mit einer neuen Kriepskreditvorlage befaßt werden müßte. Die Aussicht wird hoffentlich ebensosehr zur Beruhigung ängstlicher Gemüter und zur Wiederbelebung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse beitragen, wie der Uuistand, daß der außerordentlich glänzende Erfolg der Kriegsanleihen eine sehr erfreuliche und wertvolle Stärkung der Reichsbank bedeutet, die dadurch für die Durchführung ihrer Aufgabe, ge- rade in kritischer Zeit die erforderlichen Wirtschcifts- und Kreditmittel zur Verfügung z» halten, wejentliche Unterstützung und Erleichterung erfährt." Zurückgezogenes Majestätsbeleidignngsverfaüren. Tie Anklage gegen den Simplizisflmus wegen Majestäts- bekcidigung, die in der ani Montag in München beginnenden Schwnrgerichksperiodc zur Verhandlung kämmen sollte, ist zurückgezogen worden. Feindliche Flieger über Düsseldorf? IVB. Düsseldorf, 22. Sept. (Nichtamtlich.) In der Nähe der Luftschiffhalle wurden heute, >vie die Düsseldorfer Zeitung meldet, von einem feindliche» Flugzeug zwei Fliegerbomben abgcworscn. Schade» wurde, abgesehen von einigen gesprungenen Fensterscheiben, nicht «»gerichtet. In und vor Paris. Paris, 22. Sept. Tie Passicrkarten, Kelche die Erlaubnis erteilen, Paris mit cineni Automobil zu verlassen, sind nunmehr eingczogen worden. 800 Feuerwehrleute sind ans Paris auf die Schlachtfelder geschickt worden, um sie zu säubern und die Tausenden von Leichen, welche noch immer dort liegen und die Luft verpesten, zu verbrennen oder zu begraben. Im belagerten Antwerpen. Lhristianio, 23. Sept. I» der Zeitung Astenposten heißt cs in einer Schilderung Antwerpens: 'Beinahe jeder zweite Mann auf der Straße ist in Uniform. Die ganze belgische Armee, etwa 200 000 Mann, lagert um die Stadt. Um 8 Uhr werden alle Lichter gelöscht wegen der Zcppeltngesahr. Der Feind ist nur etwa drei Meilen entfernt. Man hört den Kanonendonner. Viele Leute haben ihr ständiges Quartier in de» Kellern. Flieger über Holland. Rotterdam, 23. Sept. Gestern morgen fiel ans einem sehr hoch über der Stadt schwebenden Flugzeug eine Bombe aus die holländische Stadt Maastricht. Einige Fensterscheiben wurden zertrümmert. Der Materialschaden ist nicht groß: es wurden einige Kühe getötet. Vermutlich handelt es sich um einen Irrtum. — Ter Bcrl. Lokalanz. bemerkt dazu: Man ist versucht, zu glauben, daß es sich um einen französi- scheu oder einen englischen Flieger handelte, der statt aus deutsche Truppen, auf die holländische Stadt seine Bomben hat fallen lassen. Möglicherweise ist es derselbe Flieger, der in Düsseldorf versuchte, die dortige Luftschiffshallc z» zerstören. Russinnen in der Schweiz verhasiet. Genf, 23. Sept. Wie gemeldet wird, wurden in Zürich zwei Russtune» dem Untersuchungsrichter des Militärgerichts über- miesen, welche verdächtigt werden, die Bildung eines polnischen Freikorps in der Schweiz betrieben und so deren Neutralität verletzt zu haben. Bauunglück. Stuttgart, 23. Sept. Beim Bau der neuen Stuttgarter Kai- anlageu bei Mülheim am Neckar sind 5 Personen ertrunken. Schneesall in den Bogeic». Karlsruhe, 23. Sept. Ans dem Hochplateau der Vogesen und des Schwarzivaldes ist während der letzten Tage starker Tchneefall eingetretcn. Sozialdemokraten im Kriege. Leipzig, 23. Sept. Die sozialdemokratische Parteiorganisation des Leipziger Bezirks (11., 12., 13. und 14. Wahlkreis) haben eine Erhebung veranstaltet, wie viele ihrer Nickglieder zu den Fahnen cinbcrufen worden sind. Das Ergebnis stellt fest, daß von 40 934 männlichen Mitgliedern insgesamt 10 835 im Felde stehen, das sind 26 Prozent. Es werden also vier kriegsstarke Regimenter von der sozialdemo- kratifchen Parteiorganisation in Leipzig gebildet. .Hessen „nd Nachbargebiete. Giessen und Umgebung. — Unsaubere Konkurrenzmanover. Wie die nationalistische Hetze zum Geschäfte machen benutzt wird, zeigt sich m einem Zcitnngskampfe, den eine Anzahl „patrioti- scher" Unternehmer der Gummi-Industrie gegen die Dnnlop- Gummifabrik in Hanau führen. Ganze Seiten Inserate werden in verschiedenen Zeitungen losgelassen, um zu beweisen, daß die genannte Fabrik ein „englisches" llntec- nehmcn sei. Daß dabei nur Geldbeutel-Interessen in Frage kommen, nnlerliegt keinem Zweifel. Tie Herrschaften bezeichnen es als „eine unglaubliche englische Anmaßung" der Duulopfabrik, wenn sie in der Presse die Mitteilung verbreitet, daß sie als rein deutsche Firma nicht beabsichtige, sich einer Erhöhung der Gummipreise anznschließen. Die deutschen Firnicn haben sich nun auch der Heeresverwaltung verpflichtet, für die ganze Dauer des Krieges diese Preise zu berechnen, die sie vom 1. Tage der Mobilmachung an in Rechnung gestellt haben, obwohl die Gumniiprerse um 60 Prozent gestiegen seien. In dcui Inserat wird dann weiter gefragt, wer die deutsche Tunlop Company sei und zum Schluß wird ihr der gute Rat gegeben, sic möge sich nur recht ruhig verhalten, sonst könnten cvcntl. Maßregeln ergriffen werden, die auf gut deutsch bedeuten, daß die Unternehmer-Chauvinisten der deutschen Gnmmi-Jndustrie cs fertig bringen, der Tnnlop-Fabrik das Licht ansznblasen nnd dadurch Hunderte von Arbeitern brotlos zu machen. Das ganze Pamphlet zeugt von recht niedriger Gesinnung. Tie deutschen Industriellen sollten sich doch einmal in ihren eigenen Reihen umschaucn, sagte dazu mit Recht unser Frankfurter Parteiblatt. Haben sie sich bisher gescheut, mit französischem, englischem oder russischem Kapital zu arbeiten? Mit aller Schärfe nnissen wir uns gegen diese chanvinistische, unpatriotische Kampfesweisc der deutschen Unternehmer wenden, die sich nicht scheuen, in dieser schweren Zeit noch mehr Unglück über die deutsche Arbeiterschaft zu bringen. — Tote des Gicßcncr Regiments. Vom Jnf.-Rgt. 116 lind weiter als gefallen bekannt geworden: Musketier Hcinr. Weigand aus Heuchelbeim. — Musketier Fr. Gernand aus Hcuchelheim. — Musketier Heinrich Zecher aus Staufenberg. — Einjähriger Gefreiter Hermann Möbus, Bankbeamter aus Gießen. — Gefreiter Heinrich Steyh auÄ WcitcrShain. -- Landwchrmann Hermann Tickermann/ ans Wetzlar. Bisher zählen ivir 18 Gefallene bei den 116ern- — Gesallklie aus Obcrhcsse» und Nachbargebirtent Wilhelm Jung, Lehrer ans Hcuchelheim, Jnf.-Regt. 88. — 1 Leutn. d. Reserve Krause aus Gießen, Jnf.-Regt. 87. — Vom früheren Gießencr Oberbürgermeister Gnauth ist am 15. Tepteniber ebenfalls ein Sohn im Kriege gefallen, der Hess. Regierungsbauineister Adolf Gnauth, der a/s Re» servelentnant des Feld-Artillerie-Regts. 25 in Darmstadt amt Feldzüge teilnahm. ^ — Liebesgaben fiir die 118er. Wir werden um Ausnahme deÄ ,»»lp.sn-e» ersuch!: Nachdem bekannt geworden war, daß die Be«i fövderung v 2 „ Liebesgaben von den Sanunelstetlen aus mit Rücksicht! nick die stark« Jnanspruchnahmc der Bahnen durch Truppen- und. Munitionstransiporte nicht mit der wünschenswerten Schnelligkeit erfolge» kann, hat sich unser« Stadtverwaltung seit einiger Zeit mit 1 dem Plan befaßt, Liebesgaben mittels ttrajtwagen abgehci, z» lassend In dankenswerter Weist litten sich der hiesige Oberhesssiche Auto-! mabilkliib ii»fr mehrere Krastivagenbesitzer dem Herrn Oberbürgermeister gegenüber bereit erklärt, ans eigen« Gefahr und Kosten! Liebesgaben an di« Formationen des hiesigen Regiments (Linie. Re»- scroe und Landwehr) zu befördern. Darauf hat di« Stadtverwaltung! durch einen ihrer Beamten in Tarmstadt — «n wo kürzlich schmr! eine Kraslwagentollonne mit Erfolg nach Frankreich abgcgangen ivar — und bei dem Generalkommando in Frankfurt a. R. persönlich Erkundigung über diese Transportniögtichkeiten c!»ziehen lassen.- Durch das tatkräftige Eingreifen der Großherzogiii ist cs m ermöglicht worden, daß wiederum ein Automobilzug von Darmstabt abfahren konnte und cs Ist unsere Stadtverwaltung nach längeren! Verhandlungen gelungen, die hiesigen Kraftwagen der Darmsladterj Kolonne anMschlleße». Diese Darmstädter Kolonne, di« bei ihrer, ersten Fahrt teilweise unter erheblichen Schmierigkeiten bis Sedan! und »»eitev gelangte, hatte sestgestellt, daß tn den dortigen Kriegs- imd Feldlazaretten — wo viel« 118er liegen — namentlich Zigarren) Tabak, Dauerwurst. Streichhölzer und Verbandmaterial erwünscht seien. Die städtische Verwaltung (jat daraufhin unverzüglich das, Nötig« teils selbst beschafft, teils von der Leitung des hiesigen Roten! Kreuzes und durch das opferwilltge Entgegenkommen hiesiger Firmen geliefert erhalten, Di« hiesige Automobilkolonnc — bestehend aus den Wagen der Herren Geh.-Rat Dr Gail, Dentist, O. Graes und Direktor Stocke — konnte bereits in der Nacht vom 21/22. d. Bl. nach! Mainz abgehcn. wo sie mit dem Dainistädter Transport zusainmen- tras. Hierdurch» ist es möglich gcrvorden, die notwendigsten Liebesgaben aus die rascheste Weise unteren braven tapferen 116crn w- zusühren, die dies« ersten Gaben aus der Hciniat mit größter Freud« und Dankbarkeit begrüßen werden, lieber den Verlauf der Fahrti wird später berichtet werden. Um auch den in der Front befindlichen Forniationkn der 116er Liebesgaben zuführen zu können, hat der Herr Oberbürgermeister bereits unterm 10. d. Ms. Verhandlungen mit dem Generalkom» mando eingeleitet, die zivar noch nicht abgeschlossen sind, aber ,w der Hoffnung berechtigten, daß schon in aller Kürze ein größerer Krast- wagenzug von hier abgehen kann, der den kämpfenden Truppen dl« Liebesgaben möglichst bis an die Fiont hevanbrtngen soll. Ans den, Aufruf tu heutiger Nummer zur Stiftung von Liebesgaben zu diesem Zivrck wird verwiesen. Bei der jetzigen Jahreszeit wird unseren Kric-gcrn namentlich warmes Unterzeug erwünscht sein. I« schneller und reichlicher gegeben wird, nm so eher kann die zweite Denüting abgchen. — Das Fahr geht seinem Ende zu, der Herbst hat begonnen und es hat sich schon eine sehr bedeutende Kühle eingestellt. Da mutz mau auch bald wieder an die Anschaffung eines Kalenders denken. Schon vor mehreren Wochen ist der allgemein beliebte „Neue Welt-Kalender" erschienen, auf den wir anfmcrtsam machen möchten. Wie alljährlich, so bietet er auch diesmal wieder einen sehr reichen und gediegenen Inhalt, aus dem wir folgendes an- führen: Kalendarium. — Postalisches. — Beachteiisipertc Adressen. — Statistisches. — Rückblick. — Messen und Märkte. — Im Kreiß- lauf des Jahres. — August Bebel (mit Illustration). — Unsere Toten (mit Porträts). — Die Kinder. Erzählung von Elara Bicbig (mit Illustrationen). — Tie Wirkungen des Sports auf den menschlichen Organismus. Van Eurt Biging (mit Zeichnungen). — Gesinde und Herrschaft. Von Jda Baar (mit Illustrationen. — O stürmt nur, stürmt, ihr Fragen. Gedicht von R. Seidel. — Die Hungerschlacht. Gedicht von Seävola. — Unsere Bilder. — Allzu scharf macht schartia! Eine lustige Geschichte voll Emil Uuqer (mit Fllustration). — Der Panamakanal. Vau Hermann Wendel (mit Illustrationen). — Hüt' dich. Sklave! Gedicht von Adolf Mätze. — Die Kultur der Arbeit und ihre Stätten. Von Hugo Hillig (mit Illustrationen). — Der alte Landstreicher. Erzählung von Paul Eitel (mit Illustrationen). — Es keimt die Saat! Gedicht von Fritz Droov. — Fliegende Blatter. — Die Stiefel von Nr. 13. — Volks- kalender-Prophezciungeii. Von Adolf Glaßbrcnner. — Für unsere Rätsellöser. — Hierzu vier Bilder: Holländische Wohnstube. — Fischerboote. — Kühe aus der Weide. — Winter. — Außerdempj Ein Kunstblatt lBildnis Bebels). — Ein Wandkalender. — Gewerkschaften und der Krieg, lieber den Mitglicberstan!» des Metallarbeitcrvcrbandes in der dritten Kriegs- wvche schreibt die MetaUarbeitcr-Zcitniig: Es haben nur einige wenige Verwaltungen keine Berichte gesandt. Von einem Teil dieser Verwaltungen ist dazu noch anzunehmen, daß sie überhaupt nicht berichten können, weil sie vom Verkehr abgeschnittcn sind. In den 398 berichtenden Verwaltungen waren zu Anfang der Berichts- woche 408 377 Mitglieder. Zum Militär sind abgcgangcn im Laufe der Woche 21 893: aus anderen Gründen sind abzurechnen 4146: der Gesanitabganq beträgt somit 25 839. Am Schlüsse der Woche waren noch vorhanden 382 538 Mitglieder. In den ersten zwei Kriegswochcn sind 121 550 Mitglieder abgegangen, davon 140198.. zum Militär: es sind in den drei ersten Kriegswochcn also 131 891 1 Mitglieder unseres Verbandes zu den Fahnen berufen worden. Das sind bei Zugrundelegung der Mitgliederzahl vom 1. Juli dieses Jahres 24,3 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen ist bei der Zählung vom 1. September dieses Jahres auf 76 711 fest- gestellt worden. In Wirklichkeit ist die Zahl der Arbeitslosen sicher höher. Berichte liegen nur von 381 Verwaltungen mit 357 164 Mitglieder vor: über rund 28 000 Mitglieder wurde nicht berichtet. Auch dürfte sich et» Teil der nichtbezngsberechtigten Arbeitslosen nicht gemeldet haben. Das ergibt sich schon aus der geringen Differenz zwischen der Gesamtzahl der Arbeitslosen und der Zahl der bczugSbercchligten Arbeitslosen. Diese beträgt 75 407: das sind 19,7 Prozent der am Schlüsse der dritten Krtcgswoche noch vorhandenen Mitglieder. Tic Ausgabe für Arbeitslosenuntcr- stützunq hat sich bedeutend gesteigert: cs kamen tn der dritten Kriegswüchc 438 752 Mt. zur Auszahlung gegen 338 711 Mt. in den zwei ersten Kriegswochcn. Es sind also in den ersten drei Kriegswochcn bereits über '% Millionen Mark an Arbeitslosenunterstützung ausbezahlt worden. Achtung, arbeitslose Sattler! Für Militärarbciten werben fortwährend Sattler verlangt. Sattler, auch wenn sie nicht auf Militärarbeit eingearbeitet, sondern nur im Nähen geübt sind, sollten sich umgehend schriftlich oder mündlich beim Zentralvorstand des Sattler- nnd Portefenillerverbandes, Berlin 30., Brückenstraßc 10 b, melden, — Wiesest. Unter den im Kriege Gefaltcncn haben wir auch unseren Genossen Panl Zeidler zu beklagen, der am 22. August von einer tödlichen Kugel getroffen wurde. Er wohnte erst 1 Jahr tn Wlcseck, hat sich aber während dieser Zeit die Achtuna aller erworben, die ihn kennen, sein gebtcaencs Wese» und tanteren Eharakter schätzen lernten. Zeidler ist in Zossen bei Berlin geboren, erlernte das Tapczicrcrhnndwerk und war zuletzt Dekorateur bei der Firma Hartman» in Gießen. Seit langem gehörte er der gewcrkschaftltchci, nnd politischen Organtsatio» an, er ließ cs aber »licht mit dem Mafien Anschluß flenufl fein, sondern er suchte durch fleißiges Studium in die politischen und wirtschaftlichen Fragen einzubringen. Unser Genosse war erst 28 Jahre alt, hinterläfit Frau und eine» IV-jährlgen Jungen, an denen beiden er mit großer Liebe hing. Die Wiescckcr Genoffen werden dem so früh dem KriegSmoloch Geopferten ein gutes Andenken bewahre». — veuchelheim. Tie Schrecken des Krieges schlagen täglich neue Wunde». Auch der hiesige Arbeiterbildungsverein und die Freie Turnerschast hat den Verlust von drei braven Genossen zu beklagen. Am 22. August siel Genosse Heinrich Weigand, der besonders für die Freie Turnerschaft einen schmerzlichen Verlust ticöeutet; er war deren Turnwart und ein vorzüglicher Turner. Auch persönlich ivar er seines angenehmen Wesens wegen bei allen, die ihn kannten, beliebt »nd geachtet. Er hinterläfit Frau und ein Kind. — Ferner fielen am 8. September, wie bereits in der Oberh. Volksztg. erwähnt, die Genossen Wilh. Hildcbranb und Wilh. S t e i » m ü l l e r. Diese beiden waren Landwehrmünner, während Weigand sich bei dem aktiven Regiment befand. Wir verlieren in ihnen drei überzeugte, brave Geuosien und unser Ort drei tüchtige, solide Bürger. Wir werden ihnen stets ei» ehrendes treues Andenken bewahren. Aus unserem Orte sind ferner noch zwei junge hoffnungsvolle Männer gefallen und zwar der beim Infanterie-Regiment Nr. 88 in Mainz als Einjähriger dienende Lehrer Wilh. Jung, ein sehr gebildeter und intelligenter Rann, von dem als Lehrer Tüchtiges zu erwarten war und ferner der Schlaffer Fr. G e r n a u d t, ein fleißiger und tüchtiger Mann. Beide waren noch unverheiratet. Ehre ihrem Andenken! Kr-i» W-Hlar. X Steuerermäßigung infolge des Krieges. Der preußische Jiinmzminister Tr. Lende hat an die Steuerbehörden einen Ruub- erlafi ergehen lassen, in dem es heißt: „Infolge der kriegerischen Ereigniffe ist mehrfach die Frage ausgewarfen worden, ob der Krieg als ein an fie rge w ö hn l i cher Unglücks fall im Sinne des 8 63 des Einkommensteuergesetzes anzusehen ist. Diese Frage beantwortet sich aus Artikel 80 V der Anweisung vom 2. Juli 1806, wo zum Ausdruck gebracht ist, daß nicht als mifiergewöhniiche Unglücksfälle gelten wirtschaftliche Vorgänge. die aus einen oder aus eine Mehrheit von EriverbSzweiaen im allgemeinen einen nachteiligen Einslnfi üben, wie Stockungen im gewerblichen und .sdandelsverkebr oder ungünstige Ernten, daß vielmehr als derartige Ilnglückssälle nur anzusehen sind Krankheiten oder Todesfälle unter den eriverbenden Mitgliedern einer Familie, Viehseuche». Brandschäden, lieberschivemmungen und ähnliche, mit örtlicher oder iitdividueiler Beschränkung wirkende Naturereignisse. Hiernach kau» der Krieg als solcher nicht als ein außergewöhnlicher llngliicksfall gelten: wohl ober kann er in einer Einzelwirtschaft, weitn z. B. im Betriebe einer Landwirtschaft Felder verwüstet oder im Betriebe eines Gewerbes Gebäude oder Maschinen zerstört worden sind. Wirkungen äußern, die für den Steuerpflichtige» eine so wesentliche und dauernde Schmälerung des Einkommens herbeiführen, dafi die Annahme eines aufiergewöhn I ichem Unglücksfalles gerechtfertigt erscheint. Gehen diese Wirkungen so weit, daß die Erwerbstätigkeit ganz eingestellt worden ist, so ist der Anspruch auf Ermäßigung wegen Fortfalls der Quelle gegeben. W e g- fallderEinnahmeguelle ivird auch überall da onzunohmen sein, wo kaufmännische oder gewerbliche Atigestellte durch die jetzigen Jeitverhältniffe gezwungen worden sind, in eine wesentliche Herab- seßnng Ihrer bisherige» Geholtsbezüge zu willigen. Ueberall kann die Entscheidung nur nach den Umstände» des einzelnen Falles getroffen werden, und sie wird im allgemeinen erst am Ende des Sleuerjahres ergehen können, weil erst dann festgestellt werden kann, ob eine dauernde und nicht etwa nur eine vorübergehende Beeinträchtigung des Erwerbes Vorgelegen hat." n. Kriegsopfer. Immer grösser wird die Zahl der Lpser in Stadt und Kreis Wetzlar, die das Schlachtfeld fordert. Als tot sind weiter bekannt: Ernst Albrecht, Hauptmann im Gencral- stab 4. Res.-Korps, Wilh. Reineck, Unteroffizier der Landwehr Grenabier-Reg. Nr. 6, aus Oberkleen, Reservist Wilh. Schütz, Jns.-Neg. Nr. 116 (Gießen), ans Oberndorf, Musketier Peter E l a u d n , Jns.-Neg. Nr. 88, aus Nauborn, Sich H i e g e, Fahnenjunker, Fcldartillcrie-Reg. Nr. 59, aus Wetzlar, Landwehrmann Hermann Dicker mann, Jnf.-Reg. Nr. 116 (Gießen), ans Wetzlar, Matrosen-Artillerist Aug. H a m e I aus Wetzlar, Musketier Karl Feith, Jnf.-Reg. Nr. 45, aus Wetzlar, Reservist Heinr. Schory, Jnf.-Reg. Nr. 81. aus Hermannstein. u. Konsumverein. Sonntag den 27. September, nachmittags 3 Uhr, hält der Wetzlarer-Brannfelfer Konsumverein seine diesjährige Generalversammiung im Schützengarten in Wetzlar ab. Tie ernste Zeit erfordert jetzt, daß die Mitglieder zahlreich erscheinen und sich um die Jntereffen ihres Vereins kümmern. n. Ein junger Held. Der Infanterist Karl Römer aus Vetzberg kam gestern in Wetzlar verwundet an, geschmückt mit dem eisernen Kreuz, das er für hervorragende Leistung auf dem Schlachtfeld sich verdient hatte. Römer dient beim Jns.-Reg. Nr. 88 und war vor seiner Militärzeit ein einfacher Arbeiter. X. Fellingshausen. Ter Musketier Philipp Wagner von hier, der mit dem Reserve-Regiment Nr. 83 ins Feld gezogen ist, wurde am 28. August bei Jonc» verwundet. Telegramme. Die Schlacht in Frankreich. WB. Großes Hauptquartier, 23. Sept., abends. (Amt lich. Auf dem rechten Flügel des deutschen Westheeres, jenseits der Oise, steht der Kampf. UmsassnngSversuche der Franzose» haben keinerlei Crfolg gehabt. Ostwärts bis an den Argonnenwald fanden heute keine größeren Kämpfe statt. Ocstlich der Argonucn ist Varenncs im Lause des Tages genommen worden. Der Angriff schreitet weiter fort. Die gegen die Sperrforts südlich von Verdun aiigreifendcn Armee- teiie haben heftige, aus Verdun über die Maas und aus Toul erfolgte Gegenangriffe siegreich abgeschlagen, Gefangene, Maschinengewehre »nd Geschütze erbeutet. Das Feuer der schweren Artillerie gegen die Sperrsorts Trvvon, Les Paroches, Camp des Romains und Livuville ist mit sichtbarem Crfolg eröffnet worden. In Französisch-Lothringen und an der elsässischen Grenze lviirden die französischen Vortruppe» an einzelnen Stellen zurückgedrängt. Cinc wirkliche Entscheidung ist noch nirgends gefallen. Aus Belgien »nd ans dem Osten ist nicht Neues zu melden. Die Beschießung von Reims. W. B. Großes Hauptquartier, 23. Sept. (Amtlich.) Der Ober- kommandierende der bei Reims kämpfenden Truppen hat der Obersten Heeresleitung heute folgendes gemeldet: Wie nachträglich festgestellt worben ist, ist ans die Kathedrale von Reims auch ein Mörserschuß abgegeben morden. Nach einer Meldung des . . ten Armeekorps ist das notwendig gewesen, weil es nicht möglich war. mit dem Feuer der Fcldartillcric die deutlich erkannte feindliche Beobachtungsstelle von der Kathedrale zu vertreiben. Von Oesterreichs Krie§sschnwplätze«. WB. Wien, 23. Sept., mittags. Amtlich wird gemeldet: Am russischen Kriegsschauplatz wurde in den lebten Tagen, von einigen unwesentlichen Kanonaden abgesehen, nicht gekämpft. Unsere Truppen sind ungeaehtet der andauernd ungünstigen Witterung in vorzüglicher Verfassung. In Serbien ringen unsere Balkanstreitkräfte mit größter Zähigkeit um ihren Erfolg. Sehr wichtige Positionen sind bereits in unserem Besitz. In diesen Känipsen wurden auch Geschütze genommen. WB. Wien, 23. Sept., abends. Amtlich wird gemeldet: Soeben angelangte Nachrichten vom Balkan-Kriegsschauplatz lassen erkennen, daß nunmehr die beherrschenden Höhen westlich Krupanj (Jogodajah, Biljeg, Crni), um welche tagelang erbittert gekämpft wurde, sämtlich in unserem Besitz sindi und daß hier der Widerstand der Serben gebrochen wurde. Daß, es wegen der Kämpfe des Gros unserer Balkan-Streit- kräfte einzelnen serbischen oder montenegrinischen Banden gelingen konnte, in jene Gebiete vorzudringen, wo nur wenige Gendarmen und die unumgänglich nötigen Stcherheitsbesatz- ungen zurückgeblieben sind, kann bei dein Charakter des Landes niemand überraschen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Generalmajor. Vercinskalcnder. Freitag, 2 5. September. Wetzlar. Gesa» gvc rein Hoffnung. Diese Woche Freitag, abends 9 Uhr. Zusammenkunft, nicht Samstag. Samstag, 2 6. September. Wetzlar. W a h l v e r e i n. Abends 8% Uhr Versammlung bei Schreier. Sonntag, 2 7. September. Gießen. Staats- und Gemeindearbeiterver- band. N a chmi ttags 3 Uhr Versammlung im Gewerkschastshaus. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & Eie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. dF 1 Feldpost-Pakete ais Soldaten «les IS. Armeekorps sind erlaubt Wichtigste Bekleidungsstücke in vorschriftsmässigen Kistchen mit wasserdichter WachstuchhUlle versandfertig Xiimgfexischützer Socken Normal-Hemden Kniewärmer Leibbinden Kopfschützer J*“; Grosse Mengen. Strümpfe Hosenträger Taschentücher Normal-Hosen Unter-Wämse Wollene Sweaters Nur prima Sachen. — Zum grossen Teil an Angehörige des Regiments geliefert. Bahnhofstr. 14 Kaufhaus Katz, Giessen, Bahnhofstr. 14 Schriftliche Bestellungen werden prompt ausgeführt. Wir haben für unsere Leser ei eine sehr exakt bearbeitete Uebersichtskarte sämtlicher Kriegsschauplätze Europas in 8 Farben, Grosse ca. 60X70 cm, herausgegeben, welche sämtliche Kriegsschauplätze mit ihren Grenzen, Orten, Festungen, Flüssen und Eisenbahnen, soweit sie von der Militärbehörde zu veröffentlichen gestattet sind, darstellt. Preis nur 70 Ptg*. OberhessischeVolkszeitung,Gießen Bahnhofstrasse 23 Telephon Nr. 2008 Versand nach auswärts gegen Einsendung des Betrages zuzüglich 10 Pfg. für Porto Liebesgaben fiir dns Jlrpinit Kaiser Wilhelm Kr. 116. Wringende Kitte! Den Linien-, Reserve- und Laudwchrtruppen des hiesigen Ncgimeiits, die sich in schweren Kämpfen heldenmütig geschlagen haben, sollen in aller Kürze Liebesgabe«» auf die rascheste Weise zugesührt werden. Die Bürgerschast der Stadt Giessen wird hiermit aufgeruscn, die in erster Linie notwendigsten Liebesgaben, namentlich: Wollene Kemden, wollene Unterjacken, wollene Socken, Auklappe» aus Leinen oder Aiieöerluch, ungesäumt, etwa 45 ein im Huadrai, Pulswärmer, ^Leibbinden, Tabak. Zigarre», Streichhölzer, Aauer- wurst, Schokolade, Dörrobst usw. reichlich und möglichst sofort zu spenden. Es wird gebeten, auf den Paketen — namentlich Inhalt zu vermerken. Sl»n»ahrncstellc der Ltadt: Stadtknabenschnle täglich von 8 bis 12 mich 2 bis 6 Uhr. Annahmestelle des Rote» Krc»»zes : Alte 8 bis 6 Uhr. Gießen, den 22. September 1914. Der Oberbürgermeister: Keller. Zweigverein vom Roten Kreuz: Alice-Frauenverein: Wiener. Frau Gebhardt. bei Wäsche — den an der Nordanlage Klinik täglich von