i 1 i »IkszeitM« Organ für die Jntereffen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhcffen und der Nachbargcbiete. Dt« OberbeMlck» B»lk»,elt»n, erschein! jeden Werktag Abend In Gießen. Der LbonncmentSvrct» beträgt wöchentlich 1b Psg.. monatlich 60 Big. rmichl-Bringerlobn. Durch die Polt bezogen vierteljöbrl.IchoMt. Redaktion und Expedition Dies,««, Babnb»k!tra!,e 23. fficft LSwenoalle. relcvbsn 2008. Inserate kosten die 6 mal gcspalt. Kolonclzeile oder deren Raum 1b Vfo. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bi» abend« 7 Sbr für die folgende Nummer in der Expedition aufgebeu. Nr. 217 Gicßcn, Slimslug, Den 19. September 1914 9. Jahrgang Ei» angenehmer Bnndesgenosie. Nachdem Japan unter Berufung auf seinen Bündnisvertrag mit England an Deutschland den Krieg erklärt hatte, Härte inan zunächst aus dem fernen Osten nur, dag die Japaner nicht gedächten, durch einen Secangriff auf Kiautschau sich großen Verlusten auszusctzen, sondern dag sie vielmehr Lurch Vorschieben erheblicher Truppeninassen über chinesisches Gebiet den deutschen Posten absperrcn und so zur Ucbergabe zwingen wollten. Das würde natürlich längere Zeit dauern; aber die Japaner, als einzige Militärinacht in Ostasien, brauchen sich ja nicht zu beeilen; sie haben die unbedingte Ueüerlegcnheit und können so operieren, wie cs ihnen gut -erscheint. Den Engländern, die ihren mongolischon Freunden die Aufgabe übertragen hatten, die deutsche Station zu nehmen, -vüre es sicherlich sehr angenehm gewesen, wenn die Japaner in eineni wuchtigen Ansturm Kiautschau genommen und dann im Besitz dieses Postens auf weitere kriegerische Tätigkeit verzichtet hätten. Insbesondere konnte es ihnen nicht passen, wenn etwa Japan auch die deutschen Besitzungen in der Südsee zum Ziel seiner Eroberungspläne gemacht hätte. An sich ohne Bedeutung, bildet diese Jnselflur doch gewissermaßen die Brücke nach Australien, und dort herrscht die schärfste Abneigung gegen die Gelben, deren friedliche Ein- pxmderung seit Jahren gesetzlich unmöglich gemacht ist, die aber kauni noch ferngehalten werden könnten, wenn sie sich erst im Archipel festgesetzt hätten. Um den Japanern zuvor- zukommen, ist offenbar der englisch-australische Angriff auf die deutschen Inseln erfolgt. Doch die Japaner verfolgen ihre eigene Politik, und so ist ihnen höchst gleichgültig, was der „Bundesgenosse" darüber denkt. Sie wollen die Vorherrschaft in Asien und verlieren ihr Ziel nicht aus dem Auge. Wenn wirklich der Plan bestand, japanische Hilfstruppcn in Europa in den Krieg eingrcifen zu lassen — französische Staatsmänner, wie Pichon, gaben sich dieser Hoffnung hinl — die Japaner selbst wögen dazu freundlich genickt haben, aber an die Ansfühlung'dachten sie sicher nicht; denn in Europa ist für sie dauernd nichts zu holen. Und selbst wenn ihnen, wie behauptet wird, das französische Jndochina als Preis für die Unterstützung angeboten wurde, mögen sie klug berechnet haben, daß ihnen dies Gebiet doch verfallen sei und seine gewaltsame Wegnahme weniger Opfer kosten werde, als ein Kampf auf Frankreichs Schlachtfeldern gegen deutsche Truppen. Die Japaner warten geduldig Zeit und Gelegenheit ab, und diese wissen sie schlau zu fördern. „Ihr Bundesgenosse" scheint zunächst eine Probe davon erfahren zu sollen. Eine holländische Zeitung , das Allgemecn Handcls- blaad, gab, wie wir mitteilten, folgendes offizielle Com- muniquö der deutschen Gesandschaft im Haag bekannt: Tie deutsche Gesandschaft in Peking teilt amtlich mit: „Japan bestätigte offiziell der chinesischen Regierung den Ausbruch einer Revolution in Indien. Japan, um militärischen Beistand gegen Indien ersucht, hat Hilfe zugesagt, aber unter schweren Bedingungen: Freie Einwanderung in den britischen Besitzungen am Stillen Ozean, eine Anleihe von 200 Millionen Dollar und freie Hand in China. England hat diese Bedingungen angenommen." Mancher ist wahrscheinlich zunächst darauf gekommen, diese Nachricht als eine Täuschung zu betrachten. Denn wenn auch der Ausbruch einer Revolution in Indien eine Wahrscheinlichkeit ist, so mußte man doch annehmen, daß eine Erhebung erst erfolgen werde, nachdem England in Europa schwere Schläge erlitten. Doch scheint es, daß die Meldung des holländischen Blattes tatsächlich einen ernsten Hintergrund hat. Ein Berliner Mitarbeiter der Hamb. Nachr. telegraphiert: „Von zuverlässiger Teile wird bestätigt, daß die japanische Regierung tatsächlich in Peking eine Erklärung in dem Sinne abgegeben habe, daß Japan England die erbetene Hilfe gegen eine Revolution in Indien unter der Bedingung der freien Einwanderung in die britischen Besitzungen im Stillen Ozean, eines <-arlehnz von 200 Millionen Dollar und der Gewährung der rurr* 1 * n Gfiina zugesagt hätte. Es ist aber zweifelhaft, .jwe" Zweck und welche Tragweite die japanische Regierung „ °'. c ' et Erklärung verknüpft. Es kann sich ebenso gut »,n ein -EI* 8 Vorgehen Japans, wie um einen bloßen Bluff Negierung handeln. Es bleibt abzuwartcn, welche «Stellung England zu der Angelegenheit cinnimmt." Es ergäbe sich zweierlei: In Indien ist Revolution, der die englische Regierung sich nicht Herr zu werden getraut, und Japan fordert für seine Hilfe einen Preis, der England ruinieren muß. Nicht die 200 Millionen Dollar, die Japan als Sold verlangt, wären das wichtigste Opfer für England; vielmehr würde die Zulassung japanischer Einwanderung in die britischen Kolonien nicht viel weniger bedeuten als den V e r l u st dieser Kolonien. Neu-Seeland, Australien. Kanada haben bisher trotz dem japanisch-englischen Bündnisse durch die schärfsten Maßregeln die Japanercinwande- rung ferngehalten, gleichgültig, ob des Mutterlandes politische Pläne dadurch gestört werden möchten. Sie werden auch jetzt sich die Bedingung nicht auferlegen lassen, denn „das Hemd ist näher als der Rock", und während sie für die Einkreisungspolitik von Edwards VII. sei. Nachfolger Grey nur ein mäßiges Interesse haben, ist die „gelbe Gefahr" bei ihnen längst zu schwerster Sorge geworden; keine Kolonial- rtgicrung könnte cs wagen, ihrem Parlament die Aushebung der Ausschließungsgesetze vorzulegen; sie würde weggefegi, und der englische Gouverneur dazu! Aber das wäre für England noch lange nicht das schlimmste. Ob sich die Drciviertel-Unabhüngigkeit der selbst- regierenden Kolonien in eine vollständige verwandelt, wäre wirtschaftlich nicht von sehr großer Bedeutung; zur Zeit Eladstones hatte man dies kühl ins Auge gefaßt, und erst die Aera Chamberlain verbreitete die Idee des Greater Britain, des festen politischen Zusammenschlusses der Kolonien und des Mutterlandes. Wenn morgen die australische Cominonwealth ein ganz unabhängiger Bundesstaat würde, in den Handelsbeziehungen zu England würde kaum eine erhebliche Aendcrung eintrcten. Tie Gefahr, die Japans Dorgehen zeigt, liegt anderswo! Es handelt sich um Indien! Und es liegt eine nette Ironie darin, daß England die Hilfe Japans in In- dien mit einer ungeheuren Geldsumme und sonstigen Opfern bezahlen soll, angesichts der Tatsache, daß die Helfer nachher nicht mehr loszuwcrdcn wären, sondern sicherlich auf die eine oder andere Weise das ungeheure Gebiet zu ihrer „Einflußsphäre" machen würden. Korea, das die Japaner gegen Rußland „schützten", haben sie in aller Gemütlichkeit zu einem Untertanenland geinacht, das rücksichtslos ausgcplün- dcrt wird: die Mandschurei, die sie für China „sicherten", ist ihr Besitz. Und wenn sic nun für die Engländer Indien „beruhigten", so würden am allerwenigsten die Engländer davon Vorteil haben; sicher würden die Japaner das Land nicht mehr verlassen und sic würden die Herren sein, ob auch in Bombay und Kalkutta und. Delhi die englische Flagge flatterte. Mr. Grey hat in der Tat sein Land — oder vielmehr dessen lerrschendc Klassen — durch seine bourgeoisschliue Politik in eine gefährliche Lage gebracht. Um den Konkurrenten in Industrie und Handel zu vernichten oder wenigstens auf lange Zeit zu lähmen, wurde mit dem. Zarismus ein Pakt - geschlossen, wurden die beinahe erstorbenen Revanchegelüste Frankreichs wieder angefacht, wurden die Japaner ins Einvernehmen gezogen. Eine gewaltige lieber- macht sollte Deutschland zerschmettern, und die Vorbereitungen wurden systematisch getroffen. Daß sibirische Armeekorps an der österreichischen Grenze stehen, und zwar wohlversorgt mit allem, beweist, daß schon Monate vor der Kriegs- errlärung die Mobilisierung Rußlands begonnen haben muß; es beweist aber auch, daß schon vor Monaten die Japaner im Einverständnis waren, denn sonst konnte Rußland nicht, wagen, seine Trupepn aus Asien wegznnehmen. Daß Wochen- lang vor dem Kriegsausbruch die französischen Reservisten „zum Manöver" eingczogcn waren, zeigt ebenfalls die Vor- bereitung des Planes, wie die Mobilisierung der englischen Flotte „zur Probe". Alles stimmte, nur eins nicht: die angenommene schnelle Erdrückung der deutschen und österreichischen Heere zwischen den Russen und Franzosen, die Invasion des deutschen Küstengebiets durch die englische Seemacht. Die Rechnung Greys war, weil er den wichtigsten Posten — die Widerstandskraft Deutschlands und Oesterreichs — falsch einschätzte, verfehlt. Und nun kommen, da der Krieg länger dauert, andere Jrrtllmer zur Wirkung. Zunächst zeigt sich, daß der gelbe Hilfsmann nicht gewillt ist, die ihm zugewiesene Rolle beizubehalten, sondern daß er eigene Ziele verfolgt, was ihn in absehbarer Zeit auh einem lauen Freund in einen gefährlichen Feind verwandeln muß. Doch die Engländer, als deren Typus Mr. Grey betrachtet werden darf, haben keine Ursache, sich zu beklagen. Sic sind gewohnt, alle Welt als ihr Werkzeug zu betrachten, und stets haben sie, wie die Geschichte lehrt, den Bundesgenossen ohne Bedenken preisgegeben. „Der Mohr hat sein- Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen!" Nun scheint das Verhängnis zu nahen, daß gelehrige Schüler der englischen Politik deren „Grundsätze" gegen den Lehrmeister anwenden. „Denn alle Schuld rächt sich auf Erden!" FrattzösischeOsfisiert über die deutschen Stellungen. Kopenhagen, 10. Tept. Pariser Blättern zufolge geben französische Offiziere zu, daß die jetzige deutsche Stellung außerordentlich günstig sei. Im Rücken ist sie gedeckt von einem Retz von Eisenbahnen und Wegen, auf denen -ihnen schnell neue Lebensmittel, Munition und Ersatztrnppcn zugeführt werden tönnen. Die Franzosen haben dagegen, falls sic vvrrücken, ein Land vor sich, bas von ihnen verwüstet wurde, um das Vorrlicken der Deutschen zu erschweren. Trotz der verschiedenen Phasen des Krieges hofft man aber ans den schließlichcn Sieg der französischen Wafsen. — Nach einer weiteren Pariser Meldung haben der Präsident Poincare und die Regierung eine kurze Proklamation erlaflcn, wonach sie von Bordcanr nach Paris erst zurnckkehren würden, wenn das Land von dem Feinde geräumt sei. Der Berliner Lokalanzciger bemerkt dazu: Diese Pariser Meldung ist von großer Bedeutung. Jcdensalls hält Poincare die Hauptstadt Paris nicht für sicher genug trotz aller Telegramme, die über deutsche Niederlagen verbreitet worden sind. Die Versicherung, daß man trotz der verfchicdencn Phasen der letzten Tage doch noch mit dem schließlichen Siege der französischen Waffen rechnen könne, soll Frankreich nunmehr sowie das Volk auf einen Rückschlag vor» bcreiten. Die Resignation des Temps. Berlin, 17. Sept. Das Berliner Tageblatt meldet auS Kopenhagen vom heutigen Datum: Ein offizieller französischer Bericht über die Schlachtlage warnt vor übereiltem Optimismus. Sehr reserviert schreibt der Temps in einem Leitartikel über die militärische Situation: „Die Deutschen werden den Kampf fortsetzen bis zum letzten Mann. Unsere Truppen müssen den Deutschen auf ein Gebiet folgen, das sie selbst verwüstet haben, um den Deutschen ihr Vorrücken zu erschweren, und die Deutschen werden die Zerstörung, namentlich an Eisenbahnen, selbstverständlich vollenden. Dazu koinmt, daß unsere Truppen ganz erschöpft sind von einem zwanzigtägigen Marsch und Kampf. Wir dürfen uns daher nicht allzugroße Illusionen machen von den Kämpfen, die uns bevorstehen." Amtliches Schweigen in Fran!reich. Rotterdam, 17. Tept. Aus Pariser amtlichen Mitteilungen geht hervor, daß die verbündeten englisch-französischen Armeen vom 13. ab nicht vorgerückt sind. Im Übrigen wird über die weiteren Operationen nichts mitgeteilt. Seit elf Taften im Regen. Rotterdam, 17. Sept. Ans den Berichten von den Schlachten an der Marne geht hervor, baß seit 11 Tagen auf dem ganzen Schlachtfclbe heftige Regenfälle eingesetzt haben. Patcutraiib auch in Frankreich? Gens, 17. Tept. Im Figaro wird die Anregung gemacht, alle deutschen Patente auch i» Frankreich zu annullieren, wie cs England und Rußland für ihre Länder getan haben. Eine französische Proklamation an das deutsche Heer. Karlsruhe, 17. Sept. Bei Neustadt im Schwarzwald wurde von Hirtcnbubeii ein Kinderluftballou aufgesunden, an dem ein Zettel mit solgender Austchrist befestigt war: „An das deutsche Heer! Auf der ganzen Linie von der Marne bis zur Maas sind die dcutschc» Armeen im Rückzüge. Tic englisch-französischen Armeen folgen ihnen aus den Fersen. Zahlreiche Geschütze und Fahnen sind erbeutet. Prinz Friedrich Karl, der Sohn des Kaisers und Bruder des Kronprinzen, ist gefallen, indem er den Rückzug der 2. Armee deckte. Tic vollständige Ver- iiichtuitg der deutschen Armee ist in kurzer Frist zu erwarten." Na also! Ter Kamps liegen das Zarentum. Auch von den östlichen Kriegsschauplätzen liegen Nachrichten von wesentlicher Bcdcntung nicht vor. Man darf diese Ruhe wohl als ein Anzeichen dafür ansehen, daß sich auch im Osten bedeutungsvolle Ereignisse vorbereiten. In Rußland ist die Stimmung nach der Niederlage in Ostpreußen sehr niedergedrückt. Amtlich wird zugcstandcn,, daß zwei Korps vcrnichtet worden sind. In der russischen Presse zeigt sich das Bestreben, die öffentliche Meinung zu beruhigen: es heißt in diesem Sinne, daß diese Niederlage weder die Stimmung der russischen Armee noch Rußland selbst bedrücken dürfe. Ter Enthusiasmus, der unmittcbar nach Ausbruch des Krieges für England in Petersburg herrschte, hat nun eine wesentliche Abschwächnng erfahren.. Man erhebt gegen England den Vorwurf, daß cs seine Kräfte zur See zu sehr schone. Man ist auch ungehalten über die englisckic Berichterstattung, die Rußland als Qnanititi n^gligeable behandle und England die führende Rolle im Landkriege.zuzuteilen suche. Aus Kopenhagen wird ferner gemeldet, daß auch das Ergebnis der schwere» Kämpfe bei Lemberg in Petersburg eine Depression hcrvorgcrufcn hat, da die russischen Operationen nicht den erhofften Erfolg erzielt haben, sondern an dem hartnäckigen Widerstand der österreichisch-ungarischen Armee gescheitert sind. Der russische Gcneralstab hat zwar versucht, die Nachricht von den schweren Verlusten der russischen Armee und der Gefangennahme von vielen Tausenden Bon russischen Soldaten zu verheimlichen, doch hat sich die Meldung hiervon trotzdem verbreitet und dies hat die Mißstimmung noch gesteigert. Die Zahl der in Rußland einge- trofsencn Verwundeten ist überaus groß, sodaß beispielsweise in Moskau kaum mehr Platz ^ur Aufnahme der Verletzten vorhanden ist. * Die Deutschen als Freunde nnd Verbündete der Polen. Generalleutnant v. Morgen, bis zum Ausbruche des Krieges Kommandeur der 8t. Jnfantcricbrigadc in Lübeck, hat als Kommandeur einer Division an den Kämpfen in Ostpreußen teil- genommen und ist dann in der Richtung ans Warschau vorgerückt. Er erließ an die polnische Bevölkerung folgende Proklamation: Einwohner des Gouvernements Lomza und Warschau! Die russische Narew-Armec ist vernichtet, lieber 1VOOOO Mann mit den kommandierenden Generalen des 13. und 15. Armeekorps sind gefangen, 300 Geschütze genommen worden. Die russische Wilna-Armee unter General Renncnkampf ist im Rückzüge in östlicher Richtung. Tie österreichischen Armeen sind im siegreichen Vorrücken von Galizien her. Die Franzosen und Engländer sind in Frankreich vernichtend geschlagen worden. Belgien ist unter deutsche Verwaltung getreten. Ich komme mit meinem Korps als Vorhut iveitcrcr deutscher Armeen und als Freund zu Euch. Erhebt Euch und vertreibt mit mir die russischen Barbaren, die Euch knechteten, ans Eurem schönen Lande, das seine politische und religiöse Freiheit wicdererhalten soll. Das ist der Wille meines mächtigen und gnädigen Kaisers. Meine Truppen sind angewiesen, Euch als Freunde zu behandeln. Wir bezahlen, was Ihr uns liefert. Von Euch und Eurer bekannten ritterlichen Gesinnung erwarte ich, daß Ihr uns als Verbündete gastfreundlich aufnchmt. Generalleutnant v. Morgen. Gegeben im Königreich Polen im September 1814. Ter Berwaltttttgschef in SrNvalki. Berlin, 17. Sept. Das russische Gouvernement Tuwalki, das nach der Meldung des Generalquartiermeistcrs von Stein von den deutschen Truppen besetzt und unter deutsche Verwaltung gestellt worden ist, hat nunmehr seinen Gouverneur erhalten. Infolge Anordnung des Kaisers ist der Recsierungspräsident von Mervclt in Münster zur besonderen Verfügung des Ministers des Innern zwecks Verwendung als Chef der Zivilvcrwaltung i» den okkupierten polnischen Lanbcsteilen berufen. Seine Vertretung in Münster hat der Geh. ObcrrcgierungSrat Reefe erhalten. Kohlenmann,l tu Notvrnßlanv. Stockholm, 17. Sept. Im ganzen nördlichen Rußland macht sich große Kohlennot geltend, da die Einfuhr aus England, das bisher Rußland zum großen Teile mit Kohlen versorgte, unterbunden ist. Jnsolgcbcsscn sind die Kohlcnpreisc gewaltig in die Höhe gegangen. Der Sieg über die Serben. Wien, 17. Scpt. Aus Berichten geht hervor, daß der Sieg über die Serben wesentlich größer ist, als anfänglich angenommen wurde, da die Serben mit bedeutenden Kräften m österreichisches Gebiet eingedrungcn waren. Es wurden mehrere heiße Kämpfe durchgefochten. Die Serben wurden völlig aufgerieben und in wilder Flucht über die Save zu> ruckgeworfcn, wobei die Oesterreicher eine große Zahl von Gefangenen machten. Die Verluste der Serben sind ungeheuer groß. Auf dem Gebiete der österreichisch-ungarischen Monarchie sind außer den Gefangenen keine serbischen Soldaten mehr. In den Gemeinden, in denen die Serben hausten, wurde die österreichische Verwaltung wieder eingesetzt und alle Beamten sind auf ihren Posten zurlickgekehrt. Auch die gefluchteten Bewohner, namentlich des Bezirks Ruma, der unter den Serben am ärgsten zu leiden hatte, sind in ihre Hemistätten zurückgewandert. Menschlichkeit und Wahrheit. Wir lasen, besonders bei Ausbruch des Krieges, nachdem die ersten französischen Gefangenen eingcbracht waren, daß die Franzosen schlecht gekleidet, schlecht verpflegt seien. Tic Gefangenen hätten Lackschuhe angehabt. Bei einem französischen Toten, der bei dem ersten Patrouillcngcsccht gefallen sei, soll in der Feldflasche Schnaps gesunden worden sein. Flugs wurde daraus in einzelnen Blättern geschlossen, baß die ganze französische Armee ans lauter verlotterten und zerlumpten Schnapsbrüdern bestehe. Run mag cS ja gewiß Vorkommen, daß einzelne Gefangene schlechte Schuhe hatten. (Der französische Reservist, der einrückt, bekommt eventuell Geld zum Ankauf von Schuhen.) Wer aber daraus Schliisic ans die Ausrüstung der gesamten französischen Armee schließen will, der täuscht sich sehr. Frage doch jeder einmal die zurückkommenden Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 64 Da Fandrem sah, daß seine Tochter weniger Umstände Machte, als er erwartete, ging sein Herz in Freude auf. Er zog sie in seine Arme, küßte sie und sagte ihr allerlei Ver- fprechungen und Tröstungen ins Ohr. — „Es kommt mir hart genug an," sprach er dann wieder laut, „dich von mir zu lassen, aber es muh so geschehen, und nun setze dich hier an meine Seite, Hanna, alles soll vergeben und vergessen sein. Kommst mit Björnarne zurück und feiern deine Hoch- zeit hier. Gott soll mir die ewige Seligkeit versagen, wenn cs nicht eine Hockzeit wird, wie sie niemals in Bergen ge- sehen wurde! Sollen Kinder und Kindeskinder davon erzählen. wie Uve Fandrems Tockter unter Krone ging, und wie er seine Gäste bewirtete, den Armen gab und Hospital und Kirche bedachte." Was er zu tun gelobte und was geschehen sollte, gab Stofs zu vielen andern Ausrufungen und Beteuerungen. Inzwischen wurde ein langes Mahl gehalten, der Wein nicht gespart, und unter Scherz und Lachen wurden die letzten Abreden genommen. — Jungfrau Hanna hatte ihre Koffer im voraus fast fertig gepackt, was Helgestad mit voller Befriedigung bemerkte und ihr noch ein Hochzeitskleid versprach, so schön und so teuer es irgendwo in der Welt aufzufinden sei. — Endlich kamen ein paar Nordländer von der Besatzung der Jocht, die Helgestad heraufbcstellt hatte, und trugen die Reisekosten ins Schiff, zuletzt aber, als es dunkel war, setzte der Kaufmann vom Lyngenfjord seinen Glanzhut auf den ^opf und tippte Hanna auf die Schulter. „Nuh!" sagte er, „nimmt alles in dieser Welt ein Ende, und das ist das Beste daran. Komm denn, Mädchen, nimm dein Mäntelchen und gibt dem Alten da die Hand. Sag' kein Wort weiter, gib ihm einen Kuß und eine gute Nacht, wie du immer tust. Bist in wenigen Monden wieder hier) tust dann al£ kamst d» von einer Lustfahrt ins Haus zuruck." deutschen Verwundeten: sie weiden, mit wenigen Ausnahmen, mit höchster Anerkennung von de» Leistungen und der Ausrüstung der französischen Soldaten sprechen. Tann der Hunger, den fast alle französischen Gefangenen haben sollen. Ja, glauben denn die Berichterstatter, die solches schreiben, daß cs nicht auch bei unseren deutschen Truppen vor- kommt, daß der Proviantwagcn, daß die Feldküche nicht rasch genug mit vor kommt, daß es ein oder zwei Tage, ja manchmal noch länger, keine ausreichende Nahrung gibt? Schon in den friedlichen Manövern kommt es vor, daß die Bagage abends nicht mehr an die biwackicrcndc Truppen herankommt, und Schmalhans Küchenmeister ist: wie vielmehr kann dieser Fall erst im Ernstfall, im Krieg cintretcn? Etwas mehr Einsicht und etwas weniger Ucbcrhebung könnte sicher nicht schaden. Wir hatten in den letzten Tagen Gelegenheit, einen größeren Transport französischer Gefangenen zu sehen und waren, nach allem, was wir sahen, überrascht über die Ausrüstung, die bei allen sehr gut war: auch die Schuhe waren durchaus feldmarschmäßig. Allerdings, die Kleider waren nicht mehr ganz ne»: aber man sehe sich doch einmal die Uniformen unserer ans der Front zu- riickkchrcndcn Krieger an. Glaubt man etwa, daß bas Kampieren in Wind und Wetter auf dem Ackerboden die Uniformen salonfähiger macht? Rur Unkenntnis ober noch Schlimmeres kann hier dem Gegner etwas anhängen wollen, was nicht wahr ist. Tie gleichen Erfahrungen, die wir gemacht haben, kommen auch in einem Artikel znm Ausdruck, der im Organ des Süddeutschen Eiseiibahnerverbandcs, der Südd. Post- und Eisenbahner- Zeitung (10. Septembers erschienen ist. Es heißt da u. a.: „. . . Es ist nicht jedem vergönnt, einen Blick in diese Wagen zu tun; jeder, der dieses Bild gesehen hat, wird es nie vergessen tönnen. Anssallend ist vor allem der Ernst und die Niedergeschlagenheit, die aus den blassen, übermüdeten Gesichtern ruhen. Kein Wunder. An Stelle von besiegten Banden, wie man sie zu Hause und in den Kasernen belehrte, finden sic ein heldenhaftes Volk vor. Sic sehen, wie man sic niederzwingt und abtrans- portievt: sie sehen, wie das alles am Fädchcn geht, und in den Kummer um die eigenen Angehörigen mischt sich der Zweifel an die Glaubwürdigkeit der Offiziellen in Frankreich. Tie sahen sich belogen lind betrogen von ihrem eigenen Lande, und wir Eisenbahner können nichts anderes als sie bemitleiden. Eisenbahner! Zeigt euch dem Feinde gegenüber, auch wenn er gefangen ist, als Kulturmenschen. Man redet zurzeit viel von verdienter Schmach, und viele meinen, man sollte die Gefangenen möglichst kurz halten, sie drangsalieren. Man verweist auf unsere gefangenen Landsleute in Frankreich, denen cs sicherlich viel schlechter geht, als den französischen Gefangenen. Eisenbahner! An dem Gebaren der Franzosen und der Belgier wollen wir kein Beispiel nehmen. Unsere Soldaten sind hinausgeschickt, um gegen Soldaten zu kämpfen und werde» ihre Pflicht tun und nicht wehrlose Mensche» ansallen. Auch wir ivollen nicht an Wehrlosen unsere Vaterlandsliebe beweisen. Ernst und ruhig sollen sic befördert werde», so daß sie Achtung vor »ns Eisenbahnern haben, und ihnen die Lust vergeht, ivieder einmal mir einem derart gesitteten Volke anzubandel». UebrigenS sind die Gerüchte über die schlecht ausgerüsteten Franzose» teilweise aus der Luft gegriffen. Bei den Gefangenentransporten kann man sich hiervon überzeugen. Durchweg ist die Kleidung nicht zcrliimpt, wie cs sich viele ausmalen: freilich, an unsere feldgrauen Uniformen kommt sie nicht heran, aber sie ist zum mindesten ganz und war größtenteils bei KriegSbeginn neii, wie wir uns selbst überzeugten. Auch die Schuhbckleidnng ist nichi die schlechteste, natürlich läßt sich der Mangel an Einheitlichkeit fcststcllcn., Die Mehrzahl trägt genagelte Schnürschuhe und Gamaschen, welche sie selbst erstanden hahen. Von der Militärvcr- waltnng wurden ihnen 15 bis 20 Francs zum Kauf der Schuh- bcklcidung bewilligt. Das Typischste an dem französischen Linicn- soldatcn sind seine roten Hosen, auf die er sehr stolz ist, obwohl sie im Kamps geradezu ein ideales Zick abgebcn. Ucbrigens ist am Verhalten der Gefangenen während der Fahrt nichts auszujetzen. Da sitzen sic eng zusammen auf den Bänke» oder stehen in Gruppen und schauen einen groß an, wenn man in den Wagen kommt. Richtet man eine Frage an sie, geben sie bereitwilligst Auskunft. Ihr zweites Wort ist: Nous ne voulons pas la guerre. (Wir wollen nicht den Kricg.s Kommt man auf die Grausamkeiten und Heimtücke der Angriffe der Bevölkerung zu sprechen, so protestieren sic alle: O non, monsieur! sO nein, mein Herr!) Sie glauhcn cS nicht, daß Derartiges von ihren Landsleuten begangen wird, und erzählen, daß dasselbe auch in Frankreich von unseren Soldaten erzählt wird. Was ist nun die Wahrheit? Wahrheit ist, daß unsere Kameraden draußen sicherlich nicht vergessen, daß sie Deutsche sind! Wahrheit ist aber auch, daß wohl die größere Mehrheit nnjcrcr französischen Feinde nur den ehrlichen Kampf vom Soldaten zum Soldaten wünscht." Ter englische Feldzug gegen den deutschen Handel. Die englischen Finanziers und Industriellen bemühen sich in außerordentlicher Weiie, den deutschen Handel möglichst gänzlich voni Weltmarkt auszlischeidcn. Im Daily Citizen behandelt W. Pitt diesen Gegenstand. Einleitend „Ist auch eine Lustfahrt, ist eine Brautfahrt, laßt es eine lustige Fahrt sein," schrie Fandrem. „Alle Jahre muß ich dich haben. Kommst mit der ersten Reise zu deinem alten Vater und bleibst bei ihm, bis Björnarne dich im Hoch- sommer wieder abholt. Das alles schreiben wir in die Hei- ratspaktcn, Hanna, und jetzt geh, mein Kind, ich muß mich trösten, wie ich kann. Wenn ich dich wiedersehc, wird er, der dich liebt, hier bei dir stehen, und will euch beide in meine Arme nehmen und so lange festhalten, wie ich kann." „Und deinen Segen für mich und ihn," flüsterte die Tochter, ihren Kopf an seine Brust legend. „Nimm ihn, Kind, nimm ihn aus allen deinen Wegen," antwortete Fandrem, seine Hände auf ihre Brust legend. Helgestad unterbrach diesen Abschied, indem er Hanna zuriickzog und Fandrems Finger zwischen den seinen quetschte. „Gute Nacht, Uve", sagte er. „Leg' dich aufs Ohr, hast für heute genug, mußt morgen deinen Wein allein trinken." „Grüß mir alle am Lyngenfjord," rief der Kaufmann, in seinen Sitz zurückfallcnd, „und eile dich mit den Fischen, 'Niels. Je schneller sie hier sind, je besser, erste Preise, beste Preise. Laß gut sortieren beim Abnehmen. Vierzig Zoll Rundfisch — hoffe sind gespalten. Glückliche Fahrt, Herr Marstrand! Bringt den Baisfjord zu Ehren und seht zu, daß Euch kein Schaden geschieht. Leuchte ihnen, Lars, bis an den Tliri». Sind oben schon? Um so besser!" — Er streckte sich im Stuhl aus, deckte die Hände auf seinen runden Bauch und lachte still vor sich hin; dann füllte er sein großes Glas ein-, zwei- und dreimal und trank cs aus, Sckluck für Schluck, das Glas gegen das Licht gekehrt, schmunzelnd und pustend und die goldige Farbe des Weins mit seinen klaren pfiffigen Augen beschauend, die immer runder und schwimmender wurden. — „Es muß so sein," murmelte er, „das Mädchen mußte fort, konnte das unbehagliche Gesicht nicht länger er- tragen. Muß abgemacht sein, ehe Christi kommt, muß sich alles schicken, wie es soll. Helgestad ist der Mann dazu, alles in Ordnung zu bringen, wird's tun, hat größere Dinge vor. Ist der reichste Mann in den Finnmarken und wird reicher schildert er die Entwicklung des deutschen Exports seit dems Jahre 1961. Hier anschließend erörtert er dann die Gründe, warum es dem deutschen Handel gelungen ist, sich überall aus dem Weltmarkt Eingang zu verschaffen. Diese Erörterung ist für die deutsche Handclswelt sehr schmeichelhaft. Die deutschen Kaufleute, so bemerkt Pitt, wüßten sich viel besser, als die englischen dem Bedarf in den verschiedensten Weltteilen anzupassen. Einige Wochen Krieg seien aber genügend gewesen, alles dies zu zerstören. Die Waren für die Herbstsaison und für Weihnachten seien zwar zum großer Teil schon geliefert; sie lagern in London und anderen Handelszentren, sie finden aber jetzt keinen Absatz mehr, da dick öffentliche Meinung gegen Deutschland ausgebracht ist. Aber die schwarzen Tage des Krieges werden voruber- gehcn. Die große Masse, so sagt Pitt, wird vergessen unch verzeihen, nicht aber so die Leute von der Groß-Finanz unk» vom Handel. Er schildert dann Einzelfälle, wo deutsche Kaus- lcutc alles verloren haben; ihre Güter sind jetzt nicht verkäuflich, viele sähen ihr Lebenswerk zerstört. Pitt schließt! „Verzeihung für das vergossene Blut, für die Leiden der Frauen und Kinder, für die Angst und Qualen der Männer wird einst gegeben werden. Die Arbeiter Englands werden sich überzeugen, daß auch die deutschen Arbeiter den Krieg nicht gesucht, daß sie in einer Zwangslage waren, ebenso wie die englischen. Es ist eine Schlacht der Nationen, nicht de, einzelnen. Aber Deutschland hat das größte Verbrechen begangen, cs hat gegen das Eigentum gesündigt. Tie Besitzenden haben schon erklärt, daß dies die unverzeih- lichste Sünde ist. Die Legende „made in Germany" ist aus; den Hauptbüchern der zivilisierten Welt auszulöschen." Diese Bestrebungen der englischen Kaufleute und Fabrikanten wird von der englischen Regierung auf das eifrigste unterstützt. Wie wir dem oben genannten Blatte entnehmen« hat sich das englische Handelsamt bald nach Ausbruch des? Krieges an die Regierungen aller englischen Kolonien unk» Dominien gewandt und Berichte eingefordert über die finanzielle und kommerzielle Situation. Vor allem wünscht di« englische Regierung Auskunft darüber zu erhalten, wie es möglich sei, den deutschen Handel gänzlich zu zerstören. Aus mehreren Kolonien sind Antworten bereits eingegangen; aus ihnen ist ersichtlich, daß man überall bestrebt ist, den Jnten-s tioncn der englischen Regierung zu folgen, llcberall suchen! englische Firmen den deutschen Export an sich zu reißen. Daraus ist zu ersehen, daß. wie immer auch der Krieg: ausgehen wird, der deutsche Handel und die Industrie unk» damit die deutsche Arbeiterschaft auch nach dem Kriege noch auf lange Zeit hinaus aufs schwerste betroffen bleiben wird. Englands finanzielle Kräfte versagen? Kristiania, 17. Sept. Größtes Aussehen rust nach einer Meldung der Fr. Ztg. der Rücktritt des Generajdircktors Blakstad des mit cnqlischcn Millionen vor einem Jahr finanzierten Ricscnuntcr- nehmcns, des Ausbaues der Aurawasiersälle, die zirka 400 000 Pferdckräftc enthalten, hervor. Der Grund des Rücktritts ist nach Blakstads öffentlicher Erklärung die Weigerung englischer Banken^ die notwendigsten Mittel zur Verfügung zu stellen, da cs ihnen bet der schwierigen Lage des Londoner (Geldmarktes und infolge des englischen Moratoriums unmöglich sei. Die Schulden der Gesellschaft bclanfe» sich auf über zehn Millionen Mark. Hier ist man der Ansicht, daß das ganze Unternehmen cingeht, was das Morgen, bladet, das Organ der norwegischen Finanz, betont. Hunderte von norwegischen Arbeitern würden alsdann brotlos werden. Still,gnnn der „tglischen Textilindustrie. Amsterdam, 17. Sept. Der Telegraaf meldet aus London: Die Textilindustriellcn von Manchester befchlosicn infolge des Krieges die Stillegung von 50 ihrer Betriebe vom 15. September ab. lieb,, 80 000 Arbeiter werden von der Arbeitseinstellung betrogen. Die schütz,ndeu Flieger. Rotterdam, 17. Sept. Die englische Admiralität teilt mit, daß Marineflieger zur Beschickung von London täglich über der Stadt und Umgebung kreisen. Die englische Flotte vor Helgoland? Wie über Rom gemeldet wird, berichten englische Blätter: „Dk», englische Flotte erschien vor Helgoland und versuchte alles, »m die deutsche Flotte zum Pcrlaffen ihrer sicheren Refugien zu verlocken. Sic ließ sogar die Sirenen erschallen, um den Deutschen ihre An» wcrden. Marstrand — der dänische Narr — ist schade unt ihn — haha! Wollte, ich hätte den Königsbrief, ist aber an den Richtigen gekommen, und Hanna wird ihr Teil daran haben. Alles gut, alles wie Gott will!" — Hier legte der würdige Gildevorsteher seinen dicken Kopf ans die gepolsterte Lehne und schlief so fest ein, daß seine Haushälterin und sein alter Diener Lars ihn nach einiger Zeit nicht ohne Mühr wecken und ins Bett bringen konnten. Und noch färbte der Morgen kaum die höchste Spitze des» Floyfjclds, als die Ankerwinden der schönen Jlda sich drehten und bald daraus die Jacht mit der ersten Kühlte unter dem Slgnalturm fortschwamni. Alles war noch still im Hafenn Halbdunkel lag auf der schweigenden Stadt, der Fjord stieß leichte Nebel aus, die an den Felsengestaden hinzogen und die Fischerhüttcn umrauchten. Die lieblichen kleinen Täler verbargen sich noch im Schatten der Nackt, und wie das große Fahrzeug mancherlei Bogen und Schlangenlinien beschrieb, bald durch enge Wasserpässe lies, bald große Seebecken durch- schnitt, weckte cs das schlafende Meer aus, dessen flüsternde Wellen an die Klippen und Planken pochten und zu fragen schienen, wohin cs wolle und warum es seine Ruhe störe. — - Helgestad in seiner großen geölten Kappe und dem dichten Fischerwams stand am Steuer und lenkte die Jacht durch diese Labyrinthe. Tann und wann tat er einen Blick über niedere Klippen fort, wo die Kirche von Hammer schon ihre Spitze zeigte und der Alvcsund sich vor ihnen auftat. Ein leuhter Wind trieb das Schiss durch diese Felsenmasscn ziemlich rasch vorwärts. Hinter ihm blitzte die Sonne auf die hohen Eiskuppeln am Hardangcrsjord und schickte ihre Strahlen auf Wälder und kühne Felsinassen, welche ihre Füße nackt im Meer badeten und um ihre Köpfe leichte flatternde Nebelschleier trugen. Der Tag stieg herauf, und Helgestad horchte befriedigt in die Kajüte hinab, wo sich noch nichts regte. —> „Nuh!" murmelte er, „ist ein gutes Zeichen, ein gesunde, Schlaf. Wünschte, sie schliefen beide, bis die alte Kirche von Lyngcn sie mit ihrer Glocke aufweckte." lFortsetzung solgtZ Wesenheit kunt»»ü'brn. Groß war die Enttäuschung der Engländer, dab die Deutschen aus keinerlei Weise reagierten." Die arabische Gefahr Englands. WB. Wien, 17. Sept. Der Politischen Korrespondenz k,ird aus Kairo geincldet: Die Stellungnahme der Araber gegen die Engländer nimmt immer schärfere Formen an. Me aus arabischen Gegenden nach Aegypten gelangenden Nachrichten stimmen darin überein, daß die Araber England gegenwärtig als den ärgsten Feind des Islam betrachten. ' Gemäß der Weisung des Scherifs von Mekka versammeln sich jetzt täglich Tausende von Beduinen in der Gegend von Dscheddah und Jambo, um etwaige Landungsvsrsuche der Engländer zu verhindern und die heiligen Stätten des Islams zu schützen. Ferner finden in der Gegend von El-Arisch und Akkaba große Ansammlungen von Beduinen statt, um etwaiges englisches Eindringen zu bekämpfen. Eine offiziöse Neutralitätserklärung Italiens. W. B. Rom, 17. Sept. Di« Agenzia Stesoni veröffentlicht folgende Erklärung. Zu den leicht durchsichtigen Zwecken einer tendenziösen Polemik legt man speziell einen, Blatte di« Qualifikation bet, als offiziös und als Vertretung der Gedanken der Negierung über die gegenwärtig« international« Lage zu gelten. Tie Regierung hat keinerlei offiziöses Organ und hat niemand autorisiert, sich zum Interpreten ihrer Absichten und Entschluss« in der auswärtigen Politik zu machen. Tie Regierung, di« während der Tagung der Kammern wiederholt feierliche Beweise des Vertrauens des Parla- uientS erhalten hat und gegenwärtig von dem Gefühl beseelt ist, stark zu sein durch Uebercinstimurung mit d«r grohen Majorität des Landes, ist sich der schweren Verantwortung der aus ihr lastende» hohen Aufgaben bewusst. Sie wird sich dieser Aufgaben entl«dig«n, indem sic ihrem Genüssen folgt und sich ausschließlich von den i lallen ischvn Interessen leiten läht. Die Politik der Pforte. Wien, 16. Sept. Der Politischen Korrespondenz wird aus Konstantinopel berichtet: Die Diplomatie der Mächte des Dreiverbandes setzt ihre Bemühungen, die Politik der Pforte in die Bahnen dieser Gruppe zu lenken, mit zähester Beharrlichkeit fort. Die vollständige Ergebnislosigkeit der Ucberredungsversuche, die der Vertreter Englands in dieser Richtung unternommen hatte, hat den russischen Botschafter v. Giers keineswegs abgeschreckt, die Rolle des Werbers aus der Pforte zu.übernehmen. Er bedient sich der gleichen Mittel, wie sein Vorgänger, indem er vor den Augen der ottomanischen Staatsmänner lockende Bilder für den Fall des Entschlusses der Türkei für den Dreiverband, mit Drohungen für den Fall der Weigerung wechseln läßt. v. Giers war jedoch nicht von größerem Glück begünstigt, als Sir Edward Mallet. Alle Kunstgriffe, mit denen es der Diplomatie früher mitunter gelungen ist, in der Politik der türkischen Regierung Schwankungen herbeizuführen, verfangen jetzt nicht mehr. Die Ileberzeugung der Pforte hinsichtlich der Stellung, welche für die Türkei gegenüber dem gewaltigen europäischen Entscheidungskampse geboten ist, hat sich während des Verlaufes der Ereignisse des Krieges noch vertieft. Das öfter wiederkehrende Gerücht, daß der Abbruch der diplomatischen Beziehungen Rußlands bevorstche, daß v. Giers schon seine Koffer packe und daß ein russisches Ulli- matum überreicht werde, bleibt nicht bloß ohne Wirkung auf die leitenden Persönlichkeiten, sondern vermag überhaupt in den türkischen politischen Kreisen keine Bewegung hcrvorzu- bringen. Daß man sich in Petersburg vorläufig noch nicht zu raschem Handeln entschlossen hat, scheint aus der gedämpften Tonart des letzten in Umlauf gesetzten Gerüchts hervorzugehen, nach dem der russische Botschafter der Pforte einige Zeit zur Ueberlegung lassen wolle. Sollte die türkische Ant- wort endgültig verneinend ausfallen, dann werde er Konstantinopel verlassen. In unterrichteten Kreisen kann inan nicht daran glauben, daß sich die Diplomatie des Dreivcr- bandcs wirklich noch Hoffnungen auf eine Sinnesänderung der türkischen Regierung hingibt. Minenopfer. Kopenhagen, 17. Sept. Eine zuverlässige Zusammenstellung der durch Minen verunglückten Handelsschiffe in der Nord- und Ostsee ergibt, dah 13 Tampscr und Segler seit dem Kriegsausbruch ans Minen ausgelaufen sind. Unter den gesunkenen Schissen sind 5 englische Fischdampfcr. Zwei Verluste entfallen auf die finnische Bucht. Ter Dampfer „Tnsla" ist unter Führung eines staatlichen Lotsen aus eine Mine aufgelaufen und der dänische Dampfer „Brctland" kam fast unbeschädigt davon. Sicht man von de» englischen Fisch- dampsern ab, die beim Austretcn von Mine» in der Nordsee eine noch nicht aufgeklärte Rolle gespielt habe», so sind tatsächlich acht Handelsschiffe den Minen zum Opfer gefallen. Die Gewissenhaftigkeit der deutschen Verwaltung in Belgien. Berlin, 17. Sept. sW. B. Nichtamtlich.) Ter Verwaltungs- chcf bei dem Gencratgouvcrncur in Belgien hat im Einvernehmen mit dem Rcichsamt des Innern und dem königlich preußischen Kultusministerium zum Schutze der in Belgien vorhandenen Knnst- schätze Maßnahmen ergriffen. Da die militärische llcbcrwachung der Museen verhältnismäßig leicht ist, bezwecken die Maßnahmen hauptsächlich die Sicherstellung der zahlreichen Kunstwerke, die anderswo, z. B. in Kirchen, Rathäusern und dergleichen nnter- gebracht sind. Diese müssen den Zugriffe» von Händlern und diebischen Landcscinwvhnern entzogen werden: auch gilt cs, alle Kunstwerke von Baudenkmälern bis zu den kostbarsten Werken der Kleinkunst vor achtlosen Beschädigungen z» schütze». Zur Bearbeitung aller dieser Aufgaben wurde der Direktor des Berliner Kunstgewerbemuseums, Geheimer Regierungsrat von Falke, einer der besten Kenner flämischer Kunst, der Zlvilvcrwaltnng Belgiens zugetcilt. Die Entsendung weiterer Kunstsachverständigcr ist in Aussicht genommen. Gcheimrat von Falke ist zurzeit damit beschäftigt, in Fühlung mit belgischen Sachverständigen an Kunst- stättcn wie Löwen, Namur, Andenne, Hny, Nivellcs und Lüttich örtliche Feftstellungc» zu treffen. Wicvicl organisierte Sozialdemokraten sind 1«»n Kriegsdienst eingezogen? Ter sozialdemokratisch« Bezirksverband M a g d c b u r g - A n - aal! hat ein« Zählung der zum Militärdienst cinbcruscnen sozialdemokratischen Parteimitglieder vorgenommen, die ei» interessantes Vjflrtms, gezeitigt hat. Der Bezirk umfaßt di« acht Neichk-Iagsivahl- >-«>>« des Regierungsbezirks Magdeburg und die zive, Wahlkreise des -^rzogtumH Anhalt. In diesen zehn Kreis«» hatte die Partei am i- «Juli d. I 28 642 männliche Mitglieder. Von ihnen waren bis znm 6. September, an ivelcheni Tag« die Zählung stattsand. 8162 «a « n Salinen einberufen. TaS sind nicht weniger ais , ..‘t_“ r 0 i *U t. Di« Zahl wird sich noch um ein beträchtliches «r- tzoyen, wenn erst die Einberufung des Landsturms in vollem Umsange durchgeyihrt tft. Unter den Em berufenen befanden sich 4 88 Funktionäre der Partei. In einer Anzahl Orte wurden sämtliche Funktionäre zum Kriegsdienst «ingczogen. Wie sich leicht ausrechnen läßt, stellen aller» di« organisierten Sozia Idem »- krai«n des Bezirks Magdeburg-Anhalt drei kriegsstark« Regimenter zur Verteidigung des Vaterlandes. Es würde sicher allgemeinem Interesse begegnen, wenn die Parteiorganisationen in, ganzen Reiche «ine gleiche statistische Ausstellung vornehmen würden. Tie Aufteilung der Welt. Auch der Professor der Philosophie Wilhelm Wundt hat in einem zu Leipzig gehaltenen Dortrag die Welt bereits auf- geteilt. Er will ni dem für ihn selbstverständlichen Falle des deutschen Sieges Frankreich schonend behandeln nnd ihm nur ein für allemal den Revanchegedanken austreiben. Schlimmer soll es England ergehen, das nach Meinung des Prof. Wundt für einen kleinen Inselstaat allzuschwer an seinem kolonialen Besitz trägt: Es wird uns reichlich zahlen müssen von dem, was es zu viel hat, wenn aus diesen, Kriege ein« gerechte Verteilung der kolonialen Kulturarbeit der Nationen hcrvorgehen soll. Im übrigen können wir Großbritannien jener ivcitercn Entwicklung seiner Kolonialmacht überlassen die Föhn Burns, der als ehemaliger Minister Englands Zustände kennen muß, in Aussicht gestellt hat. Auch Rußland muh sich gewaltige Abstriche gefallen lassen: Das heutig« Russisch-Polen wird tn der Vereinigung mit den deutschen und den anderen skavischen Ländern Oesterreichs den Schub und die Freiheit finden, die die österreichisch-ungarische Rtonarchie allen unter ihren Szepter vereinigten Nationen zuteil werden läßt, und di« in diesem Krieg« alle unter Oesterreichs Fahne zum begeisterten Kampf gegen Rußland mit den deutschen verwundeten Slawen dankbar bezeugen. Tie deutschen Balten, denen Rußland ihre Dienste so schnöde belohnt hat, werden als gerechte Sühne für die Mißhandlung, die sie erfahren, dem deutschen Mutterland«, dein das Herz der Besten unter ihnen allezeit treu geblieben ist, wieder zugcsiihrt werden. Wir wissen nicht, ob es Herrn Prof. Wundt ganz klar ist, daß wir, wenn wir die deutschen Balten in das deutsche Reich einverleiben, auch eine viel größere Zahl von Esthen und Letten mitverschlucken müssen, die für Deutschland unter Umständen doch recht unbequem werden könnten. Aber ganz davon abgesehen, möchten wir es für besser halten, daß auch die Herren Professoren darauf verzichteten, öffentliche Betrachtungen über die ihrer Ansicht nach notwendigen Annexionen anzustellen. Denn einmal hat es für Leute von Geschmack nnd Besonnenheit unter allen Umständen etwas peinliches, zuzusehen, wie das Fell des noch nicht erlegten Bären verteilt wird, nnd znm andern muß die Darlegung der Pläne der Annexionspolitiker die Gegner von neuen Gc- vietscrwerbungen veranlassen, ihre abweichende Meinung zu äußern. Da aber die Behörde eine Polemik Wider die Anhänger der territorialen Machterwciternng gegenwärtig nicht für wünschenswert erachtet, würde sic unseres Erachtens gut daran tun, auch den Annexionspolitikern während der Dauer des Krieges Stillschweigen zu empfehlen. Die zaristische Gefahr. Der frühere deutsche Botschafter in Rom, Gras A. von Monts, der sehr zum Leidwesen der Deutschen Tageszcilnng vor kurzem im Berliner Tageblatt angedcutet hat, daß Deutschland gegen Frankreich und England keinen Vernichtungskrieg zu führen habe, sondern so oder so mit den Veskmächten schließlich wieder zu einer Verständigung gelange» müsse, verbreitet sich jetzt an derselben Stelle über den r u s s i s ch e n F e i n d. Er gelangt zu folgendem Schluß: Mit unseren westlichen Nachbarn werden wir uns schließlich als Bewohner desselben Hauses, als Europäer, auseinandersetzcn. Aber mit Rußland in der Staatsform der asiatischen Despotie ist ein Ausgleich glatterdings unmöglich. Weder bei uns noch bei unserem Alliierten besteht ein Haß gegen das arme, unterjochte Volk, wir müssen uns indes sagen, daß nur allein die Millionen seiner Krieger die Basis bilden für das schändliche Treiben der jetzigen Machthaber. Wenn die Russen selbst sich nicht dieser Volksvcrderber entledigen können, so müssen wir das mit Blut und Tränen zusammcngekittete zarischc Regime Umstürzen, damit unsere Söhne und Nachkommen nicht ähnlich Furchtbares dnrchzukämpfcn haben wie die jetzige Generation. Wir freuen uns natürlich, daß dieses Verständnis für bas ivahre Wesen des Zarismus und die Notwendigkeit seiner Beseitigung, das noch vor einem Vicrtelsahr ausschließlich in der Sozialdemokratie eine Heimstätte hatte, nun auch von Leuten geteilt wird, die wie der Graf A. Monts auf hervorragende» diplomatischen Posten Gelegenheiten hatten, Welt und Menschen kennen zu lernen. Ein e»tschcide»der Sieg im Weste». Großes Hatiptquarticr, 18. Sept., vormittags, amtlich. Zur Ergänzung der Meldung von gestern abend. Das französische 13. und 4. Armeekorps und Teile einer weiteren Division sind gestern südlich Nohon entscheidend geschlagen worden und haben mehrere Batterie» verloren. Feindliche Angrisse gegen verschiedene Stellungen der Schlachlsront sind blutig znsammcngebrochcn. Ebenso ist das Vorgehen sranzösischer Alpenjäger am Vogescnkamm Breuschtal zurückgcwicscn worden. — Bei Erstürmung des Chateaubrinnont bei Reims sind 2500 Gefangene gemacht worden. Auch sonst wurden in offener Feldschlacht Gefangene gemacht und Geschütze erbeutet, deren Zahl noch nicht abzu- jchcn ist. Unser Ostheer. Großes Sauptguarticr, 18. Sept. vormittags, amtlich. Unser Osthccr setzt seine Operationen im Gouvcrneincnt Snivalli fort. Teile gehen anf die Festung Osowiec vor. Tic italienische Neutralität. Rom, 18. Sept. In einem Leitartikel führt der Popolo Romano aus: Das italienische Kabinett besteht aus Ehren- männern, die keinen Treubruch begehen werden. Wer dies will, ist ein Bernfshetzer oder ein unreifer Bursche, ganz abgesehen von der Nolle, welche ausländisches Gold bei dieser Sache spielt. Die italienische Negierung und das Volk weiß was die Ehre ihnen gebietet. Die sozialistischen Dumamitgliedcr. Bukarest, 18. Sept. Nach einer Petersburger Meldung beschlossen die sozialistischen Dumaabgeordneten sowie die Abgeordneten der Arbeiterorganisationen, den Dnmasitzungcn, in denen Kricgsvorlagen der Regierung zur Ansschrcibung neuer Stenern zur Verhandlung gelangen, sorta» fernzublciben. Englische Arbeiter für die Franzose». Wien, 18. Sept. Die englische Regierung soll sich mit der Absicht tragen, 1(1000 Erdarbeiter für die Armee anzuwerben und dem fianzösischcn Oberkommando siir Schanzarbeiten zur Verfügung zu stelle». Die Schwarzen in Paris. Berlin, 18. Sept. Das Berliner Tageblatt schreibt: Ter Pariser Korrespondent des Corricre della Sera entwirft ein überaus drastisches Bild der Negerinvasimi, die zurzeik Paris überflutet. Hinter den seltsam kostüierten schwärzest Regimentern komemn endlose Reihen schwer beladener Last« kamele aus Afrika. Sie überschwemmen den Boulevards! Sebastopol. Es sei ein Schauspiel wie im alten Rom, dos ebenfalls seine Barbaren-Legionen gegen den Feind aufbot. Die Cholera in Risch. Saloniki, 18. Sept. In Risch ist die Cholera aiisgetreten. ES wurden bereits zahlreiche Fälle festgestellt. Tilsit nach der Russenzeit. Berlin 18._ Sept. Nach dreiwöchiger Herrschaft der Russen isl die Stadt Tilsit wieder von den Eindringlingen befreit. Aist Dienstag ist die Tilsiter Zeitung wieder von neuem erschienen, di« einen begeisterten Artikel über unsere Truppen bringt und fest« stellt, daß es das Verdienst der Stadtverwaltung sei, die Nusserr zu einer Haltung in Tilsit veranlaßt zu haben, wie sie eine solche ist keiner anderen von ihnen besetzten Stabt gezeigt haben. Ein ftanzösischcr Ministerrat. Bordeaux, 18. Sept. (Privattelegr.) Der Ministerratt der gestern unter Poincarss Vorsitz tagte, beschäftigte sich ausschließlich mit der diplomatischen und militärischen Lage^ Die Minister Doumergue und Thomson waren abwesend«" Doumergue weilt im Marnegebiet, Thomson führt im Nord« dcpartement und in Pas de Calais die Untersuchung übev die Bedürfnisse der Bevölkerung. ■'.. Italien geht nicht nach Albanien. WB. Rom, 18. Sept. Agcncia Stcfani meldet: Tiq ausländische Blättermeldnng, daß Italien in Balona (Albanien) Truppen lande oder im Begriffe sei, eine Landung vorznnehmen, entbehrt jeder Begründung. Das englische Parlament vertagt. Kopenhagen, 18. Sept. Titcnde meldet aus Londons Das Parlament vertagt sich morgen bis zum 18. Oktobers Die Home Rule-Bill und das Gesetz über die Entstaatlichung der Kirche in Wales werden Gesetz, sie treten jedoch auf Grund des Auffchubgesetzes erst nach dem Kriege in Kraft« Wien braucht nicht um Frieden zu bitten. IV. B. Berlin, 18. Sept. Das Wiener Korpsburcau gibt be« kannt: Die Meldung der Prcflr des feindlichen Auslandes, daß Oesterreich-Ungarn wegen angeblicher Einleitung vo» Friedens- Verhandlungen das Terrain sondieren lasse, ist durchaus tendenziös erfunden. Hesse,l nnd Nachbargebiete. «ietzen und Umgebung. — Die „Wacht am Rhein". Wo stammt das Lied her, das man jetzt jeden Tag unzählige Male singen und pfeifen! hört und wer ist sein Verfasser? Wohl die wenigsten derjenigen, die es hinausschmettern, werden darüber eine Kenntnis haben. Verfasser des Liedes ist der im Jahre 1819 iw Taiheiin bei Tuttlingen geborene Dichter Max Schnecken« b ii r g e r , der es im Jahre 1840 herausgab. Von dem am! 5. September 1815 als Sohn des mit 20 Gulden Gehalt an« gcstellten Stadtniufikus Wilhelm in Schmalkalden geborenen! Musiklehrcr in Krefeld, Karl Wilhelm, wurde es im Jahre 1854 vertont. Nur allmählich wurde das Lied bekannte Zuerst wurde es von einer größeren Sängerschar in Kiesels an, 11. Juli 1863 gesungen. Es geriet jedoch fast in Per« gessenheit, und erst 1870, in der Begeisterung über die deutschen Siege fand es seine Stellung als Nationalhymne, die es bis heute unbestritten behauptete, soweit kriegsbegeisterte Patrioten in Frage kommen. Der Komponist Karl Wilhelist jedoch war ein Sonderling, Bis 1863 verblieb er in Krefeldi Nach Niederlegung seiner Stellung zog er nach Schmalkalden zu seiner alten Mutter, bei der als menschenscheuer Pessimist lebte. Selbst der Siegeszuq seiner Melodie durch die deutschen Gaue vermochte ihn nicht zn ersreuen. Die Begeisterung für den Komponisten war wohl zu überschwenglich, um in deni so zurückgezogenen Wilhelm nicht Mißtrauen undj Verbitterung zu erwecken. Im November 1870 kostete er dennoch seinen Triumph ans. Er wurde nach Berlin eingeladen und erhielt eine Audienz bei Hofe, um dann ins Zirkus Renz am 20. November 1870 zum letzten Male seinü eigene Schöpfung zu dirigieren. Durch Bismarcks Vermittelung erhielt Karl Wilhelm eine jährliche Dotation von 300Q Mark aus der Nationalspendc. Er starb jedoch bereits ans 26. August 1873 in Schmalkalden. Nach dem 70er Kriege wurde die „Wacht am Rhein" bis zum Ueberdruß gesungen, gespielt und gepfiffen, so daß dis Melodie schließlich ein Schrecken aller derjenigen wurde, ^>ie ein feineres musikalisches Empfinden besitzen. Damals wav cs auch, als der bekannte Frankfurter Dichter durch das ewige! Wacht am Rhein-Gedudel zu folgenden Versen veranlaßt wurde: Die Wacht am Rhei, — nlcrr hat kää Ruh, Merr heert se alsfort drille. Merr wisset ja, zum Deiwel zu, Un ääch um Gotteswille. Heint Nacht um Zwelf ehrscht schlaf ich ein. Da stolpern Zwää voriwwer Und drille laut die Wacht am Rhei, So daß ich usfwach driwwer. Ich haww' en ääch mein Dank gezollt: „Ihr Männer ihr, ihr brave! Wacht ihr am Rhei, so viel derr wollt, In Frankfurt laßt mich schlafe!" — Bnbenkrieg. Wie der Krieg überhaupt verrohend toirkt — oft auch bei Leuten, die man als gebildete angesehen hat, so übt er auch auf die Jugend vielfach nachteilig ein. Vor kurzeni wiesen wir bereits einmal darauf hin, daß jetzt bet der Schuljugend die „Kriegsspiele" wieder in Schwung gekommen sind und oft einen bedenklichen Umfang an- nehoien. Die Jungen bewaffnen sich init Holzsäbeln, alten Degen, Spießen und Eisenstangen und gehen damit gegen! einander los. Dabei kann es leicht zu schweren Verletzungen kommen, noch leichter kann das passieren, wenn sich die Buben mit Steinen Wersen, was auch mit zu dem kriegerischen Programm gehört. Die ganze Kriegsspielerei sollten die Eltern energisch bekämpfen nicht nur wegen der Gefahr der Verletzung, sondern auch aus sittlichen Gründen. Es weckt gerade nicht die besten Triebe, wenn die Kinder mit allerlei Waffen aufeinander losjchlagc». Auch nicht, wenn zwei bis dreijährige Kinder mit einem, wenn auch blechernen Säbel hrrumlaufev. — Tote des tziiesicner Negiments. Am 8. September siird vom Landwehr-Bataillon des 116. Regiments gefallen: Unteroffizier Ltto K u h s e, Vollzichungscamter in Wetzlar. — Landwehrmann Karl Häuser aus Niederweisel. — Feldwebel-Leutnant Heinrich Bernhardt aus Gießen. — Dizefcldwebel Eugen Fifchbach, Kaufmann in Gießen. — In der gestern angekommenen Verlustliste Nr. 26 ist des 116. Regiment noch nicht erwähnt. — Mict- und Hypotheken,unsrn. Am 1. Oktober d. I. sind die Riet- und Hypothckcnzinsei, für das dritte oder vierte Kalender Vierteljahr zu entrichten. Biele Mieter werden hierzu nicht in der Lage sein. Man denke nicht nur an den kleinen Mann, sondern auch an Inhaber von Geschäftsräumen oder Wirtschaften, deren Betriebe am 1. Oktober seit zwei Monaten vielleicht vollständig stillstchc». Beim Ausbleiben der Mietzahlungcn wird aber in den meisten Fällen auch der Hanseigeniiimcr zur Zahlung seiner Hypotheken zinsen anstcrstande sein. Die Bcrordnung des Bundcsrais von, 7. August 1!>l4 gestattet nun den> Richter, Zahlungssristen bis zu drei Monaten zu bewilligen, vorausgesetzt, datz cs sich um eine vor dem 31. Juli entstandene Geldforderung handelt. In Laien- und auch in Iuristcnkrciscn herrscht vielfach die Ausfassnng, das, die Forderungen, die die am t. Lttubcr zu entrichtenden Miet- und Hypvthckenzinsen zun, Gegenstand haben, nach den, 31. Juli ent standen seien, soweit sic das Entgelt für den Monat Anglist und die folgenden Monake darstelltcn. Diese Ansicht ist unvereinbar mit dem Wortlaut und dem Sinn der genannten Berordnung. Das Entstehen einer Forderung ist zu unterscheiden von deren Fälligkeit. ErstercS tritt bei einer durch Rechtsgeschäfte begründeten Forderung durch den Vertrags schiltst, letztere durch Zeit ablaus ein. Tie Fälligkeit ist Boranssetzuug der Klagbarkeit, ge hört aber nicht zun, Begriff deS Entstehens. Mithin sind die HypothekcnzinS- und die MietzinSsorderungen, letztere sind übrigens leine Zinsforderungen im technischen Sinne, bereits zur Zeit der Hypothekenbestellung nnd des Mietvertrages entstanden. Diese Auffassung steht im Einklang mit den, Sprachgebrauch des Bürgerlichen Gesetzbuchs, das j» 8 515 bestimmt, dast schon durch den Mietvertrag der Vermieter zur Gebrauchsiiberlassung und der Mieter zur Zinszahlung verpflichtet ivird: ferner spricht 8 1158 nicht von der Entstehung, sondern von der Fälligkeit der Hypothckenzinscn. — Das Stiesclpusten. In dem Briese eines Rcservc-Untcr- osfiziers, den der Berliner Lokalanzcigcr mitteilt, wird erzählt: „Da habe» wir z. B. die Stube 8» belegt mit 12 Gemeinen, wovon sind 1 Oberlehrer Dr. M. und 3 Oberprimaner vom Gymnasium in>O., 2 Maurer, ein Arbeiter und Landwirte. Am Sonntag war ich zufällig ans dieser Stube. Der Oberlehrer war als Oberhaupt mit einem nassen Lappe» am Aufwischen, der eine Oberprimaner an. Schrubben und die andere» am Wasserlragc», Staubwischcu und was sonst zun, Revierrcinigen am Samstag gehört. . . . Am Freitag voriger Woche gab .ich meine Stiefel zum Putzen einem Rekruten. Als er dann die Stiesel zuriickbrachte, fragte ich beiläufig, was er im Zivil wäre. Zur Antwort bekam ich: „Referendar". Solche Dinge kommen alle Tage vor." — Die Stiefelputzfragc war ehedem bekanntlich ein bürgerliches Haupt- argumcnt gegen den „Zukunftsstaat". Ganz besonders wollte der llcisinnigc Führer Eugen Richter damit „beweise»", dast die Durchführung der sozialdemokratischcii Ideale nndurchsiihrbar seien. — Schreite» des Krieges. Im Vorwärts schreibt jemand: Am IN. September suhr ich von Aachen nach München-Gladbach. In Aachen mar in das Eisenbahnabteil ein verwundeter Soldat cin- gcstiegen, begleitet von einem jungen Mädchen, anscheinend seiner Braut. Das Mädchen bemühte sich mit großer Sorgfalt um den Verwuiidctc» und versuchte auch, ihn durch munteres Geplauder auszuheitcrn. Aber düster blickte der junge Soldat vor sich hin. Endlich schien de», junge» Mädchen die Geduld auszugehcn. Es rief: „Aber Will', mach doch nicht immer dies schreckliche Gesicht! Lach' doch inal!" Da schaute sie der junge Mann an und mit einer dumpfen Stimme sagte er: „Lachen? Mir ist das Lachen vergangen, Bert'. Wenn einer gesehen hat, was ich gesehen Hab' — der kann nicht mehr lachen." — Der Konsumverein Gieftcu und Umgegend bittet uns um Abdruck der nachstehenden Notiz: Auf eine vor einigen Tagen an die Oberpostdircktio» in Daruistadt gerichtete Eingabe erhielten wir heute den schriftlichen Besdxnd. daß kein Einspruch seitens der Kaiserliche,, Oberpostdircktio,, mehr erhoben wird, wenn Angehörige der Neichspost- und Telegraphenrerwaltung des Bezirks Darmstadt dem Konsumverein als Mitglied bcitrctcn. Tie Verkehrsämter in Gicsten und Butzbach sind lnlreits von der Kaiserlichen Obcrpostdirck- iion dahingehend verständigt worden. Hiernach ist nunmehr auch in Giestcn wie bereits in vielen anderen Städten de» TtaatSbcarnten und Unlerbeamten. sowie ollen Angehörigen wieder gestattet, die Vorteile, die der Konsumverein Gicsten so vielen anderen Mitgliedern bietet, auch für sich i» Anspruch z» nehme». Wir hoffen, dast recht viele Post- und Telegrophenbeamtc und Arbeiter nunmehr ihre Amneldunq zu »»seren, Verein bewirken und ihre Kollegen von der Aushebung des Verbots in Kenntnis setzen. Die Anmeldung kan» jederzeit i» einer der 10 Verieilungsstcllen oder im Bnrean. Schanzenstraße 18 erfolgen. Das Eintrittsgeld beträgt 50 Psg. — Vom Weiter. Nun ist die Jahreszeit so weit vorgeschritten, dast der Sommer endgittig Abschied genommen hat und schöne, wornic Tage jedenfalls nicht mehr viel z» erwarten sind. Seit dem Sttirin nnd Regen am Tamstog nnd Sonntag ist die Temperatur fortgesetzt gesunken und man kann schon von herbstlicher Kühle sprechen. Schon fällt das Laub und wird von, Winde durcheinander gejagt, in Massen bedecktes den Boden. Uebrigens hat der Wind leider nicht blos Laub lhcruntcrgcschiittelt, sondern auch sehr viel Obst, strichweise ist fast nichts aus den Bäumen hängeii geblieben. Unter diesen Umständen ist von der Obsternte nickst mehr viel zu erwarten. — Nachts ist es schon ziemlich kühl, in der vergangene» Nacht war das Thcrniometer ans 8—0 Grad Reanmnr gesunken. — Mainzlar. Die hiesige Firma Schcidthauer und Gicsting hat rin« Anzahl Räume, in denen 80 Betten gesttllt ivcrdcu können, dem Roten Kreuz als Lazarett zur Versiigung gestcllt. Diese Zimmer sind mit allen modernen Einrichtungen vertreten, elektrischem Licht, Dampfheizung und Bäder. KreiS Mrtzlar. X Zur Eiuguartierung. Ter Bürgermeister von Wetzlar gibt bekannt, dast Beschwerden über Eiiiquartieruna nur »och schriftlich cinzureichc» sind. DaS hier seit Wvchcu cinguarttert« Landwchr- daiaillon hat gestern abend Wetzlar verlassen. Seine Zusainineii- sctzung bestand aus Männern des Kreises Wetzlar und des Dillkreises. X Kriegoopscr. Der srühcre Polizeibcantte. ipälcr Boll- ziehungsbeamter der Stadt Wetzlar, Herr Otto K u h s e , ist als Unteroffizier des Landwehr-Bataillons Nr. 118 sGietzeus auf dem Schlackstsclde gesollcn. Kuhse, der hcreits 47 Jahre alt ivar. ging als Freiwilliger mit in den Krieg und hiuttrlästt Frau und Kinder. — Ter Reservist Heinrich von Mohr aus Stcindorf mußte als Angehöriger des Infanterie-Regiments Nr. 81 ebenfalls sein Leben aus dem Schlachtselde lassen, v. Mohr war 25 Jahre alt: er hinter- lästt Frau und Kinder. Verantwortlicher Rcdakleur: F. Vetters, Giehen. Verlag von Krnmm & Eie.. Gießen. Druck: Verlag Ossenbacher Abendblatt, G. m. b. H„ Ossenbach a.M. 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