Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhcffen und der Nachbargebiete. die OberbcMIckie Volks,eltuna erschein, jeden Werktag Abend in Ließen. Der Abonneinentspreis betrag! wöchentlich 1b SB in., monatlich 10 Pfg. etnidiL Bringrrlobn. Durch die Polt bezogen viertcljäbrl.ILOMk. Redaktion und Ervedttlon Gießen. Babndolitrabe 23. «,1c Löwen,aste. Telcvbon 2008. Inserate losten die 6 mal gelpait. Kolonclzeile oder deren Raum 15 Psz. Bei gröberen Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis oben»» 7 »b, für die folgende Kummiti in der Expedition ausgeben Nr. 214 Gießen, Mittwoch, den 10. September 1914 9. Jahrgang Deutsch und international. In einer Reihe von Blättern, die sich mit den bekannten Ausciiiandcrfotziingen der sozialistischen Internationale bc schästigcn, wird der deutschen Sozialdeinokratic der Rat er- teilt, sie solle ihre Beziehungen zu den sozialistischen Parteien des Auslands ein für allemal abbrcchen. Nun sind diese Be- ziehungcn zur Zeit leider durch Len Kriegszustand ohnehin auf ein Minimum beschränkt und zum Teil ganz unterbrochen, so daß sich jene wohlwollenden Ratgeber mit dem gegenwär- tigen Zustand zufrieden geben könnten und sich über die späteren Sorgen der Sozialdemokratie nicht den Kopf zu zerbrechen brauchten. Ta aber die Frage aufgeworfen worden ist, sind wir es unserer Ucberzeugung schuldig, mit dem stärksten Nachdruck auszusprechen, daß wir jenen gutgemeinten Rat nicht befolgen werden. Die deutsche Sozialdemokratie hat vielmehr den festen Willen, imnier zu bleiben, was sie stets gewesen ist: deutsch und international! Die Gegenwart muß jedem, der noch aus den Tatsachen lernen kann, den klaren Beweis erbracht haben, dasi zwischen diesen beiden Begriffen kein Gegensatz besteht. International ist nicht antinational, und von der Verdächtigung, dasi die Sozialdemokratie im Kriegsfall das Spiel des Auslands spielen wolle, ist auch nicht ein Schatten übrig geblieben. Vor dem Krieg hat jede Sektion der Internationale der Sache ihres Volkes gedient, indem sie nach Kräften für die Erhaltung des Friedens arbeitete, nach dem Kriegsausbruch hat aber auch jede die Pflicht anerkannt, an der Verteidigung ihres Volkes mitzuwirkcn. Die vaterlandslosen Gesellen waren überall nur eine Erfindung der Gegner. Jnternatio- nalität war nie gleichbedeutend mit Vaterlandslosigkeit. Der Krieg läßt hinter den nationalen Gegensätzen alle -andern Interessen weit zurücktreten. Aber niemand wird den Krieg als einen idealen Zustand betrachten, der zu einer dauernden Einrichtung der europäischen Menschheit gemacht werden sollte. Der ewige Frieden hat Gegner, aber der ewige Krieg hat wohl keinen einzigen Anhänger. Selbst im Kriegszustand gibt es noch gemeinsame Interessen der Völker, wie die Vermeidung überflüssiger Grausamkeiten und vor allem die baldige Herbeiführung eines dauernden Friedens. Ist aber der Krieg erst zu Ende, dann treten auch wieder alle gemeinsamen Kulturintcresscn der Völker in den Vordergrund. Denn wenn man auch heute in deutschen Theatern nicht mehr Shakespeare spielt, weil er ein Engländer war, und wenn nian in deutschen Museen die Bilder französischer Meister versteckt, wenn man auch keine englischen Stoffe mehr trägt und sich nicht mehr nach französischem Schnitt kleiden will — so bleiben doch Wissenschaft, Kunst, Güteraustausch, sozialer Fortschritt international. Kein Volk kann und will auf die Dauer feine geistigen und materiellen Beziehungen zu den andern Völkern entbehren. Vor allem aber ist es die Jnternationalität der Arbeiterinteressen, die durch den 'Krieg wohl zeitweilig in Schatten gestellt werden, die aber nicht ausgeschaltet werden kann, solange die kapitalistische Wirtschaftsordnung besteht. Denn auch diese Wirtschaftsordnung ist eine internationale Erschci- nung und kann nur international bekämpft, nur auf Grund internationaler Erfahrung und Verständigung durch eine sozialistische Ordnung ersetzt werden. Für die Dauer kann cs nicht heißen',„Völker aller Länder bekriegt euch!", sondern es muß und wird wieder heißen: „Proletarier aller Länder vereinigt euch!" Nach den Verwüstungen des Krieges wird die Wiederherstellung der internationalen Beziehungen zwischen den Arbeitern der verschiedenen Staaten eine ungeheuer schwierige Aufgabe sein, aber sie muß gelöst werden. Je weniger die internationale Gesinnung Schaden leidet und je rascher jene Beziehungen wicderhcrgcstcllt werden, desto besser ist es für alle Länder. Weil die Internationale des Proletariats uoch nicht stark genug war, die Katastrophe zu verhindern, ist dieser Weltkrieg mit allen seinen Schrecken über Europa hereinge- brvchen. Je stärker der Einfluß ist, den die einzelnen Sck- rroncn der Internationale jetzt noch auf die Politik ihres Fundes ausüben können, desto besser sind die Aussichten auf öen raschen Abschluß eines dauernden Friedens. allen Völkern lebt die Sehnsucht, daß dieser Krieg bald zu Ende gehen und daß er der letzte Krieg sein möge. f lb ju^ et * e Nationen miteinander führen. Soll die'e «epnsucht ihre Erfüllung finden, dann werden sich die versprengten, gegeneinander geschleuderten Glieder der Internationale wieder zusammensindcn müssen, um aus den alten ,gniidamcnten einen neuen Bau aufzurichten, der allen Stür- incn der Zukunft gewachsen ist. Auf der Verwirklichung höchster Menschheitsideale ruht das Heil auch des deutschen Volkes und darum bleibt die deutsche Sozialdemokratie was sie ist: deutsch und international! Tic Lage itt Marschau. Ter Posener Kurier Poznansiki erhielt von einem Reisenden, der vor neun Tagen »och in Warschau war, folgende Information: Samstag vor einer Woche (20. Aug.) haben die deutschen Truppen Pabianicc beseht. Sonniag sind sie in Lodz cinmarschicrt. T-er Wcitcrniarsch bewegt sich in der Richtung nach Koluszkl. In Lodz arbeiten die Fabriken nicht, da eh au Kohle uiangclt, in der Stadt herrscht völlige Ruhe. Tic russische Reichsbank ist nach Warschau libcrfiihrt. In Warschau bcsindet sich gegen eine halbe M i l - l i o n russischer Truppen. Ter Polizeipräsident erließ eine Ütekanntmachung. daß im Falle einer Gcsahr von der Eltadclle aus Schüsse abgefeucrt werden. Frauen und Kinder könnten dann die Stadt mit in Bereitschaft stehenden Eiscnbahnzugeu verlaflen. Warschau ist unter Kriegszustand gestellt, die Fenster niiisieu nachts geschloffen gehalten werden, cs darf kein Licht brennen. Verdun von d-rr Deutsche» stark gefährdet. 1'. 17. London, 14. Scpt. Die Times schreibt in der Besprechung der militärischen Leige, daß Verdun wahrscheinlich tu Gefahr schwebe und starke Angriffe aushakten müsse. Das Blatt tröstet sich allerdings damit, daß Verdun ein sehr stark befestigter Platz ist und daß, im Falle die Verbündeten in offener Schlacht andauernd siegreich sein sollten, Verdun bald wieder entsetzt werden könnte. — Daraus scheint hervorzu- gcheu, daß man in Wirklichkeit im englisch-französischen Lager ■ ficr* bereits mit dem Fall von Verdun vertraut zu machen beginnt. Die ungeheure Widerstandskraft der Deutschen. T-U. Zürich, 14. Scpt. Ter Mailänder Korrespondent des Turiner Blattes Stampa hatte eine bemerkenswerte Unterredung mit einem französischen Tiviffonsgencral, der sich mit großer Anerkennung über das Verhalten der deutschen Soldaten in den Schlachten an der Marne ausspvach. Tie französische Armee sei zwischen dem Ornain und Paris beinahe doppelt so stark ivie die deutsche, aber trotzdem. Was für ein Feind! Bei Tagesanbruch sei »nr eine dünne Schützenlinie zn scheu, aber schon mittags bilde diese Linie eine starke Berschanzunq voller Soldaten. Was wir uns nicht erkläre» können, ist die ungeheure Widerstandskraft des Feindes. Wir werden jedenfalls noch lange und große Mühe haben, ihn zu iibcr-- m in den. Neues über die Unruhe» in Paris. Tie Uebersiedelung der französischen Regierung mit dem Präsidenten Poincarö nach Bordeaux ist dach nicht so glatt abgc- gangen, wie man „ach den telegraphischen Meldungen hätte meinen sollen. Ein Pariser Bericht des mit Frankreich snmpathisicrcndcii Eouric de Gciiövc, des Organs der Genfer Katholiken, spricht von bedeutenden Demonstrationen, die der Auszug von Regierung »nd Präsidentschaft am 3. September im Gefolge hatte. Es heißt in dem Berichte: „Tic Ankündigung der Regierung, sie werde nach außerhalb libcrsicdcln, erfolgte erst, nachdem die Regierung Parts schon seit sechs Stunden verlaßen hatte. Andererseits wäre cs ihr nicht mehr möglich gewesen, zu entkommen. Tenn sofort nach Bekannt, verdcn der Kundgebung strömten Tausende von empörten Menschen nach dem Elnsec und nach dem Konkordienplatze und cröffncicn ei» Steinbombardement gegen die Rcgicrungsgebäude, ohne daß die ausgcbotcnc Polizei nennenswerte Anstrengungen machte, die Menschcnmcnqen abzudrängen. Die beiden Vortore des ElnseeS sind zertrümmert, nur wenige Fensterscheiben des Palais sind ganz geblieben. 'Bis nach Mitternacht dauerten die Kundgebungen des Volkes gegen die Regierung, als plötzlich der Mail» durch Anschläge an feinen Tafeln bekannt gab, daß die Regierung bereits Paris verlassen habe. Es war wie eine Entscbcnsbotschast, die in das Volk drang, und die Revolution wäre vielleicht schon diese Nacht gekommen, wenn nicht die Polizei z» einem Radikalmittel gcariffcn hätte: sie ließ sämtliche elektrischen Lampen der inneren Stadt auf eine Stirndc verlöschen. Paris lag in Nacht. Aber die Wut des Volkes, das sich schmählich seinem Schicksal überlassen sicht, war eine unaussprechliche." Bedenklich erscheint dem Korrespondenten die passive Haltung der Polizei und die Teilnahme von eingezogenen Reservisten an den Kundgebungen. An der Place de Rivoli fraternisierte die dortige Wache von etwa 25 Soldaten offen mit de» Tcinonstranten. HrauzSsische Willkür. Luzern. 14. Scpt. Das Luzcruer Tageblatt fordert die schweizerische Bundesregierung auf, gegen ein: sranzöstichc Verletzung der Neutralität einzuschreiten. In Frankreich werden nämlich 1500 Schweizer gezwungen, aktiven Heeresdienst zu leiste», unter der Drohung, daß sic sonst ausgowicsen würden. Tie wirtschaftliche Notlage irr Belgieir. Ter deutsche Generalgonvcrncur in Belgien, Gcncralscld- marschall v. d. Goltz, hat einen Erlaß an die belgische Bevölkerung gerichtet, in dem er sie zur Ruhe und Ordnung auffordert und in dem auch der Satz vorkomint: „Soviel als möglich mutz der Handel wieder hcrgcstcllt, miiffen die Fabriken wieder arbeiten und muß die Ernte hcrcingcholt werden." Daß diese Mahnung in der Tai dringend notwendig ist, zeigt die folgende Schilderung eines Mitarbeiters, der Belgien in diesen Tagen bereiste: Tic Industrie dieses rndiisiriercichstc» Landes ist bis ans die Waffen-, Munition- und dergleichen Fabrikation, sowie den Kohlenbergbau völlig aufgehoben und die belgische Arbeiterschaft ist in der verzweifeltsten Lage. Gleich die erste Fabrikstadt, auf die man in Belgien von Aachen kvnimcnd trifft, VcrvierS, steht unter dem Zeichen des industriellen Todes. Wer erkennen will, was dies bedeutet, muß cs mit eigenen Augen gesehen haben. In Vcrvicrs herrscht die Textilindustrie vor. Sämtliche Spinnereien, Webereien, Appreturen nsw. liege» still. Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen sind brotlos. Ter Schrecken der Arbeitslosigkeit ist um so größer, als sich dazu eine ungeheuerliche Steigerung der Lebensmittelpreise, hervor- gernfcn durch Mangel an Lebensmitteln, gesellt. Die belgische Regierung kann zur Steuerung der Notlage nichts tun. Tic deutsche Regierung hat andere Sorgen. Nur die ^icnieindc Vcrvicrs tut einiges. Sic gibt Brotmarken in bc- Ichiänktcm Maße ans. Tausende und Abertausende von Frauen und Männern steht man vc>r Tagesanbruch, sobald ihnen das Verlasse» der Häuser gestattet ist, nach dem Gcmclndcamtc eilen, um eine Brotmarke zn erhaschen. Nur zu viele milsien unverrichteter Sache wieder umkchren. Die Vcrzweislung der Vervlersschen Arbeiterschaft ist riesengroß. Vcrvicrs ist immerhin eine Stadt von etwa 55 000 Einivohnern. Allein 500 000 Stiick Tuche werden in den Fabriken von Verviers und den anliegenden Gcnnnnden Tison und Hobln,ont angefertigt. Eine ebenso große Arbeitslosigkeit herrscht in Lüttich »nd in seiner llnigebnng. Wohl ist die Wassensabrikatio» in Hcrstal und in den Eockcrill-Wcrken von Tcraing in, Gange. Tie anderen Wafsensabrikcn aber und auch die Hausindustrie in Waffcntcilcn liegt vollkonimcn brach. Unterbunden ist jede Arbeit in den anderen Industriezweigen und vor allem in der Tcxtilbranchc. Auch in Lültich herrscht eine enorme Teuerung und großer Mangel an Lebensmitteln. Eine dumpfe Verzweiflung liegt über der Arbeiterschaft, die nicht flieh'» tonn, wie die besitzende Klaffe. Hinter Vcrvicrs bc.sinnci, die eigentlichen Schrecken dieses Krieges. Ganze Ortschaft«,, ganze Fabrikanlagen sind vernichtet, Hunderte von Arbeiterhäusern verfielen der Zerstörung: der armselige Hausrat wurde ei.» Raub der Flammen. Während in Vcrvicrs alle Fabrikanlak/en unversehrt dastehcn und der Betrieb jederzeit wieder ausgenonimen werden kann, sind in einer Reihe von Ortschaften ans dem IVege nach Lüttich und um Lüttich vielfach die industriellen Werke durch die Kämpfe zerstört. Lüttich selbst hat wen'gcr gelitten. Tie Zerstörungen betreffen hauptsächlich die Innenviertel der Stadt an der Universität, am Place verte. Freilich auch in den Vororten und Arbeitervierteln finden sich Svnrcn des 5kricges. Auch einige Fabrikanlagen sind davon betroffen. Aber in einer solchen Fabrikstadt, wie Lüttich, ließe sich das leichter verschmerzen. Der industrielle Tod in Lüttich, mit seiner nngchcuren Slot für die Arbeiter wird vielleicht nur solange anhaltcn, als der Krieg währt. Aber wie lange wird dieser Krieg dauern? Das ist die bange Frage, die aus tausende Lippen sich drängt. Durch das Tal der Maas bis nach Namnr, auf der Straße über Ans, Warcmmc nach Tirlemont, Löwen „nd Brüffcl ist der Krieg dahinaczoacn und bat alles wirtschaftliche Lebe» nicdcrgcwalzt. Gewiß, man sieht einzelne Bauern bereits wieder auf dem Acker oder im Garten arbeitet. Aber das landwirtschastlläje Leben erhebt sich >m Kriege sehr rasch wieder. Tie landivirtschasUicheii Produkte dienen der iSsibsterhalliivg und sinben im Kriege guten Absatz. Eine niedergetretenc Industrie bedarf erst des Friedens, bevor sie sich erholt. Deshalb, steht cs für den Industriearbeiter in Belgien so schlimm. Denn auch in Brüssel, Antwerpen, im Industriegebiete von Mons und Charleroi ist die Industrie tot. Der belgische Arbeit«.-« ist in seiner Notlage aller Unterstützungen und jeder Hilfe beraub«. Seine gewcrkschastlichen Organisationen sind in bcdränglercr Lage als in irgend einem anderen Land«: seine Konsiimvcrcine leiden unter der Teuerung in,-5 dcm Mangel der Lebensmittel, die der Krieg für sich requiriert. So liegt da» Briiten der Verzweiflung über Ärbcitcrmaffen. Tie jetzige dcntsche Regien,»g in Belgien muß. es als ihre erste Ausgabe ansehen, dem industriellen Leben dieses Landes aufzuhelfen. Das wäre in diefein Kriege eine Kultnrta!, «ne Tat auch zugleich der Sicherung unserer Söhne, die >n Belgien stelze». Tic Aufgabe ließe sich vielleicht leichter erfüllen, wen» von der deutsche,, Verwaltung sofort eine Kommission von Belgiern, die sich aus allen Parteien und allen Klaffen rekrutiert — Industriellen. Vertretern des Handels, der Arbeiter „iw. — berufen würde. Eine solche Koimnisston, di« die Verhältnisse des Landes durchaus kennt und von der man annebmcn müßte, daß ihr auch an der Wiederbelebung der Industrie liegt, könnte der dcntsche» Verwaltung bei der Erfüllung ihrer großen Ausgabe ivertvollc Dienste leisten. In Brüssel kciuc Privathäuscr zerstört. Berlin, 14. Scpt. Ter Briiffelcr Korrespondent des B. T. sendet folgende Erklärung: Ich kann den Deutsche», die hier in 4Klgien gelebt haben und jetzt nach der Flucht inn ihr Hab und Gut in Brüssel besorgt sind, Mitteilen, daß nach vorlänsigcn Prüsunqen ln den Privathäuser» nichts lierührt morden ist. Schädigungen haben nur Kaujleut« und Elasiivicrte in der inneren Stadt erlitten. Privat- häufer bliebe» meist ricrschont. Mar Hoä>dvrs. Tic Erklärung trägt den Ttecnpcl des deutschen Gonvcrnenicnts in Brüssel. Baudttrvcidc steht auf Reisen. W. F!. Berlin, 15,. Sept. Nach einer Meldninz der Rotlerdomer „Politiken" ist der Minister Vanderveldc nach London al»gercist, wo er gcstern einen Vorttraa über Belgiens Schicksal hielt. Von London reist Vanderveldc ,ia,h Amerika weiter, „m auch dort einen Vortrag mit Lichtbildern über Löivens Ruinen zu halte». Er wird unter den in Amerika lebenden Belgiern Geld für die belgischen Arbeiter sammeln. Angeblich führt er zu diesem Zweck einen Bries der bei. gischen Königin niit 'sich. Zeichnet die Kriegsanleihen! Die Kämpfe um Lemberg. WB. Berlin, 14. Scpt. Ans dem österreichischen Kriegs- pressequartier meldet der Kriegsberichterstatter des Berl. Tageb!. über die Ruhepause »ach der Lemberger Schlacht unter dem 14. Septcniber: Nachdem die österreichisch-ungarische Hauptarmee und die beiden Seitenflügel Anffenbcrg und Tank! die Ablösung dom Gegner glücklich vollzogen hatten, marschierten sic in voller Ordnung und unter Mit- nähme von 10 000 Gesungenen und 80 Geschützen ab. Trotz der gewaltigen Ucbcrniacht vermochte sie der Gegner nicht nennenswert zu beunruhigen. Die österreichisch-ungarischen Truppen nahmen das Bewußtsein eines relativen Erfolges mit, der einen mitbcstiinincnden Faktor für die spätere end- gültige Entscheidung bedeutet. Tie Truppen sind trotz der dreiwöchigen enormen Strapazen und Verluste und trotz der unerwartet gekommenen Wendung guten Muts und blicken lonimcnden Ereignissen mit Zuversicht entgegen. Das bisher schöne und sonnige Wetter ist in kaltes Hcrbstwettcr nnige- schlagen. Die Nordd. Allg. Ztg. schreibt zu diesen Vorgängen: Tie eingehenden Mitteilungen des Kriegsberichterstatters des Morgen über die Schlacht bei Lemberg bekräftigen den Eindruck, den der amtliche Bericht des österreichisch- ungarischen Generalstabcs hintcrließ. Lediglich strategische Rücksicht vcranlaßte den Befehl, die Truppen in eine Stellung zurückzunehmen, in der die Vorbereitungen für die weiteren Operationen getroffen werden können. Dieser Anordnung war kein Mißerfolg vorangegangen. Sie wurde im Gegenteil angcordnet, nachücui ein wichtiger Teilerfolg errungen war. Die große Uebermacht des Feindes in Verbindung mit der Uebcrmüdung der seit Wochen im Kampfe stehenden österreichisch-ungarischen Soldaten machte es un- möglich, auf der ganzen weit ausgedehnten Schlachtlinie die einzelnen Armeen vor der Gefahr von bedenklichen Ilanken- stößcn zu sichern, die ein gleichmäßiges Fortschreitcn der Operationen gewährleisten. Nach berühirtcm Muster dürften die Russen mit bekannter Wahrheitsliebe die Kunde von einem gewaltigen Siege in die Welt hinausgesandt haben. Das ändert an der unumstößlichen Tatsache nicht das geringste, daß das österreichisch-ungarische Heer aus übermäßig schwierigen Kämpfen ungeschlagen hervorgegaugen und sich zu neuen Unternehmungen bereit hält. Ter heldenmütige Kricgsgeist, den es seit Beginn der Auseinandersetzungen m:t dem Feinde so vielfach und in so erhebender Weise bewährt hat, ist ungebrochen. Aus den bisherigen glänzenden Leistungen könne die Erwartung geschöpft werden, daß die österreichisch-ungarischen Heerscharen mit frischer Kraft den Kanipf wieder aufnehmen und unter der hervorragenden Heeresleitung zum endgültigen Siege führen werden. Russische Rulimredercieu. IV. R. Wien, 14. Scpt. lNichtaiptlich.) Der russische Gcneral- stob hot eine« ausführlichen Bericht über die Kämpfe i» Galizien verbreitet, der von ununterbrochenen Liege» der russischen Truppen gegenüber den österreichisch-ungarischen und deutschen Armee» spricht. Es genügt, die kurzen, aber inhaltsreichen Meldungen des österreichischen Generalstabs diesen umfangreichen Berichten cnt- gegcnzusetzen, worin übrigens die Erfolge der Armeen Tankl und Ausscnberg zugegeben werden, wenn auch die heldenmütigen Rümpfe dieser Armeen als bloße Scharmützel bezeichnet werden. Die Tatsache, daß in diesen Scharmützeln 20 (100 Gefangene gemacht und etwa 200 Geschütze erbeutet worden sind, beweist hinreichend, welchen Anspruch ans Wahrheit die Berichte des russischen Generalstabes erheben dürfen. Wies auf dem Kauipffelde aussieht. Aus dem östcrrcichifch-ungarischcn Kricgsprcfsequartier wird der Bofl. Ztg. gemeldet: Am Freitag war es den Pressevertretern zum ersten Male vergönnt, in die Gcscchtslinic zu gelangen. In mehreren Automobilen ging die Fahrt zunächst nach einem Städtchen, in dcstcn nächster Aähc gekämpft wird. Tausend Trainsnhrwcrke, Munitionskolonnen, dampscnde Fcldkiichcn und seitwärts der Straße lagernde Fcldbäckcrcien bezeichnen den Weg. llcbcrall herrscht wunderbare Ordnung. Fm Städtchen selbst ist der Kampflärm deutlich hörbar. Raschfolgcndc Kanoncnschläge, kurze Stille, dann wieder ganze Ausscucrlagcn lasten erkennen, daß der Kamps im vollen Gange ist. Tuch find überall die Geschäfte offen. Tic Kinder spiele» ans der Straße. Nur verbrannte Häuser am Nordrandc der Stadt Afra ja. Ein nordischer Roman von Theodor Plügge. 61 „Ist denn dies eitle, stolze Mädchen imstande, dich zu be- glücken?" antwortete Marstrand. „Ist es nicht eine Puppe der cs bald leid werden wird, dein Schicksal, wie es kommen mag, zu teilen?" „Halt," rief Henrik, „jetzt frevelst du!" und plötzlich lvandte er sich gegen das dunkle Gebüsch und fuhr lachend fort: „Tritt hervor, süße Hanna, beweise ihm, daß er dich schmäht, ohne dich zu kennen. — Da ist sie, sie hat alles ge- hört, aber sie vergibt dir im voraus deine Sünden, und w:e wäre cs möglich, daß du nicht bereuen solltest!" Bestürzt sah der Funker, wie nahe ihm das Fräulein gewesen war, als er sein Urteil über sic füllte, aber seine Vcr- Wirrung vermehrte sich, als sie in fröhlichster Weise darüber scherzte. — „Ich habe nichts zu vergeben," sagte sic, denn wie hätte Herr Marstrand ein anderes Urteil fällen können, da ich dies durch mein Betragen reichlich verdiente. Es schien mir jedoch das einzige Mittel, mich vor dem Lyngfjord zu bewahren, wenn ich meinem fürchterlichen Schwiegervater zu beweisen suchte, daß ich nicht dafür paßte. Ich bin friih mutterlos geworden, Herr Marstrand, bin in Kopenhagen in einen, Erziehungshause gewesen, habe dann in Hamburg gelebt und soll »un nach einen, Familicnabkommcn, das ich verabscheue, mein Leben in einer Einöde beschließen. Ich will uichtl" rief sie, sich an ihren Geliebten lehnend, „ich mag mich nicht verhandeln lassen. Seit meiner Kindheit denke ich mit Grauen an diesen Helgestad, der mir schon damals oft mit der Ehre drohte, welche er nur jetzt antun will. Mein Vater ist gutherzig, er liebt mich, er wird niir verzeihen, allein nichts in der Welt würde ihn bestimmen können, einen dänischen Offizier zu seinem Schwiegersohn zu niack)en, so lange er es ändern kann. Alle meine Bitten sind vergebens gewesen. Die Gerüchte, welche in Bergen über niich und Henrik umlaufen, haben seinen Stolz empört, ich habe harte erinnern an de» Krieg. Spione sollen sie angczllnbct haben. Zwei Kilometer weiter ist bereits ein großer Teil des Schlachtfeldes zu übersehen. Auf einer weiten Ebene mit auf kleinen Erdwellcn verstreuten WaldparzcLen sicht man am Horizont die schwarzen Rauchwolken brennender Ortschaften dahinzichcn. Das ununterbrochene Geschützfencr verdrängt jedes andere Geräusch. Zur Linken liegt ein Wäldchen, über dem fortwährend weiße Schrapnellwolken sichtbar sind, aus denen gelbe Blitze zucken. Ter Wald wurde in schwerem Nachtangriffe genommen. Zur Rechten wird ein Fesselballon zeitweise mit Schrapnells bedacht. Im übrigen ist nichts als die berühmte Leere des modernen Schlachtfeldes zu sehen. Fn weiter Ferne sah man einmal ein paar schwarze Punkte, die plötzlich auftauchten, aber gleich wieder versanken. Offenbar waren cs im Feuer vorgehende Schwarmlinien. Inzwischen machte das Streufeuer russischer Schrapnells, die nur wenige hundert Schritte von uns vorn und rechts crplodierten. das Ausstichen von Tcckungcn nötig. Bald daraus schien sich das feindliche Artillcricscncr zu ent- fcrncn, da unser Angrisf ofscnbar Erfolg gehabt hat. Ter Rückweg führte uns an Abteilungen gefangener Rüsten vorüber, fast durchwegs kleiner, strapaziert ausscheudcr Leute. Aus dem kleinen Bahnhof wurden in wunderbarer Ordnung die Verwundeten wenige Stunden nach dem Gefecht mit Sanitätsziigcn, die eben Munition gebracht hatten, rückwärts geschickt. Rührend war die Sorgfalt der Sanitätsmannschaft und tadellos die Verbände. Tic Verwundeten wurde» nach Nationen zusammcngclcgt, um einander auf der Fahrt sprechen zu können. Die russischen Verwundeten schiene» sich wohl zu fühlen. Die englische Angst vor- den Minen. London, 14. Scpt. Tie Minengefahr in der slkordsc« beschäftigt die englische Presse sortgcsctzt. Im Sprechfaul der Zeitungen werden täglich Ratschläge gegeben, wie man diesen Minen begegnen könne. Conan Totste, der bekannte Tetcktiv-Novelleistchrciber und geistige Vater von Thcrlok Holmes bringt die Anregung, einen Apparat zu bauen, der vor dem Schiss herschwimntt und feindliche Minen zur Erplosion bringt. Fn einer seiner Novellen dürste sich eine solche Erfindung zweifellos äußerst erfolgreich darstcllen lasten. Fn Wirklichkeit dagegen dürfte sich eine solche Minenabwehr nicht cinsührc» lasten. Tie englische „Werbearbeit". London, 11. Scpt. Im cnglischcn Untcrhouse fragte der Abgeordnete der Arbeiterpartei, Thomas, den Ministerpräsidenten, ob es ihm bekannt sei, daß Arbeitgeber in großein Maßstabe unverheiratete Leute entließen, um sic dadurch zu zwingen, sich anwcrbcn zu lassen. Asguith war darauf gezwungen, die Antwort zu geben, daß ihm allerdings einige derartige Fälle bekannt geworden seien, daß cs sich aber nicht »m einen allgemeinen Brauch handle. Tic englische Werbetätigkeit scheint demnach zu Mitteln ihre Zuflucht zu nehmen, welche an die Tätigkeit der sogenannten Preßoffizicrc unter Georg III. erinnert, wo junge kräftige Leute den Werbern zugeführt wurden und man ihnen solange mit Wein und anderen geistigen Getränken zusctzte, bis sie den Wcrbe- kontrakt Unterzeichneten. Aufklärung ist in Amerika dringend nötig. In de» soeben eingctrofsenen amerikanischen Zeitungen von Ende August findet sich eine gleichlautende L o » d o n c r M c t d u n g, wonach „das deutsche Moratorium" bis Ende September verlängert worden sei. Es handelt sich hier »in eine ungewöhnlich dreiste Fälichung englisckier Provenienz, denn Deutschland hat bekanntlich lein Moratorium erlassen, kan» also auch keine Verlängerung dekretieren. Wie solche Mitteilungen drüben wirken, ergibt sich ü. o. aus einem der Franks. Zig. vorliegenden Brief einer amerikanischen Firma an einen deutschen Lieferanten: darin steht, Zahlungen könne man leider nicht machen, da ja die deutschen Banke» alle gc- schlostcn seien! Tie Reichsrcgiernng wird nnverziiglich Schritte tu» müssen, um bas neutrale Ausland — nicht mir Amerika — über diese Falschmeldung aufzullären. Tic deutsche Kriegsanleihe. Berlin, 14. Sept. Der Andrang zur Zeichnung der deutschen Kriegsanleihe war heute an der Berliner Sparkasse und deren Zweigstellen ungemein groß. Vielfach stockte der Be- iricb längere Zeit, weil cs nicht niöglich war, das Pnbliknin so schnell abzufcrtigcn, wie cs verlangt wurde. Bei der städtischen Sparkasse ninßten zeitweilig Hilfskräfte eingestellt werden. Oberst von Reuter gefallen. Köln. 14. Sept. Tie Kölnische Zig. meldet: Nach den Mitteilungen mehrerer in Brüssel eingclieserker, verwundeter Ofsizicrc ist in Frankreich »un auch Oberst von Rcutcr, der frühere Kommandeur des 09. Fnsantcric-Regiments in Zaber», au der Spitze des Grcna- dier-Rcgiments Nr 12 gefallen und zwar als Kommandeur desselben Regiments, an dcstcn Spitze auch sein Vater 1870 siel. Auftritte erlebt. Jetzt hat er den Anträge Helgestads mit Freuden ergriffen, uni mich bis ans Ende der Welt zu schaffen, und lieber mag ich untergehen, wenn er sich dafür von dem errettet, was er Schmach und Schande nennt." — Sie schwieg einen Augenblick und sagte dann im sanfteren Tone: „Seit dieser Zeit habe ich meinen Frohsinn verloren, doch meine Hofsnung nicht aufgegeben. Vereinsamt, wie ich bin, habe ich geduldig erfüllt, was ich soll: ein freudiges Gesicht konnte ich dem Vater nicht mehr zeigen, der unväterlich mich von sich stieß, und dessen Zorn ansbrach, sobald er Henriks Namen hörte, dennoch haben wir uns oft und heimlich gesehen. Gott verzeihe mir die Sünde! wenn cs eine ist, aber hat der Himmel Eltern solche Gewalt verliehen? Sind Kinder so ganz ihre Geschöpfe, um Leib und Seele wie Sklaven hin- zuwerscn? Tie Gesetze sagen es, die heiligen Gebote drohen den Ungehorsamen mit Fluch und ewigem Verderben, die Sitte fordert demütige Unterwerfung und verachten die Uebertrctcr — ich glaube es nicht, ich kann cs nicht glauben, daß meine Liebe ein Verbrechen ist. — Wie konnte sie das sein? Wo ist der Makel, der ihn trifft? Wo ist die Schande, die seine Nähe bringt? Wer weiß Böses von ihm zu sagen? Und das ist unsere Geschichte, Herr Marstrand; unzählige Male ist sie vorgckommcn und hat mit Kummer und Unglück geendet. — Was sagten Sic heut an meines Vaters Tische? Sic sagten, der großen Glücksgöttin müsse nian vertrauen, sci» Glück verteidigen gegen Arglist und Falschheit. Mein Herz habe ich verloren, aber niein Kopf ist erfüllt von dein Gedanken, da z» sein, wo mein Herz ist, und den nimmer zu lassen, der es mir genommen hat." „Nun, Freund", sagte Dahlen, „kannst du zögern, uns ücizustehen?" „Nein", erwiderte Marstrand, „ich will helfen, tvo ich eS vermag: aber gibt es keinen andere» Weg als de» gcsährlichcn und zweifelhaften, den du gehen willst?" „Es gibt keinen anderen, der weniger gefährlich wäre. Meine Maßregeln sind gut getroffen. Vor allen Strafen ihrer verdammten Gesetze bin ich geschützt. Verfolgung ist Ft'ä"ks Leiche kann noch nicht heimgebracht werden. Mannheim, 14. Sept. Ter Plan der Heinibringung dev Leiche des Reichstagsabgeordnetcn Tr. Frank vom Feindesland nach Mannheim, der von einer Abordnung der Mann- hcilncr sozialdemokratischen Partei Ausgang voriger Woche versucht wurde, war nach der Mannh. Volksstimme nickt von Erfolg begleitet. Die militärischen Operationen gestä'ten vorerst noch nicht, an die Ausführung des Planes Hera', zu- treten. Das sozialdemokratische Blatt anerkennt gerne und dankbar das große Entgegenkommen, das die Militärbehörden sowohl in Berlin wie in Karlsruhe und auf den Etappen- stationen für die Ausführung des Planes bekundeten. Immer mehr Greneltaten der Nüssen. Amtsvorsteher Graap vom Kirchdorfe Ab schwangen. ' „ e !? P r. Eylau, erzählt, daß am 29. August eine deutsche Kiirnsstcrpatrouillc auf die Russen geschossen hätte. Als daraus die Russen nach dem Torf gekommen wären, hätte» sic zunächst den Lehrer Hochwald, Vater von sechs Kinder», erschossen. „Tann wurden all« Ortseinwohner in zwei Hälften geteilt und nach beiden Enden des Torfes abgeführt. Hier mutzten sich die männlichen Bewohner über tö Fahren ,» Reih und Glied stellen, während Frauen und Kinder einig« Schritte von »ns entfernt Ausstellung nehmen mußlen. Noch ahnten wir nicht, was die Russen mit uns beabsichtigten, doch ließen ihre grimmtgen Mienen das schlimmste befürchten. Fetzt erst cröfsncte uns der russische Lssizier, der übrigens die deutsche Sprache säst vollkommen beherrschte, daß, weil von Zivilpersonen des Torfes auf ein russisches Auto geschossen wäre, alle ausgestellten männliche,, Personen standrechtlich erschossen werden würde». Ter Fammcr unserer Franc,, und Kinder, die nach den Bestimmungen des Offiziers Augenzeugen dieses entsetzlichen Massenmordes als abschreckendes Beispiel sein sollten, ivar herzzerreißend. Trotzdcni wir all«, an meiner Seite mein sünszehn Fahre alter Sohn, dem „ns bevorstelienden Ende niutig entgcgenschantcn, schnitt uns das entsetzliche Weh und die traurige Zukunft unserer Frauen und Kinder gewaltig ins Herz. Noch einmal schwor ich dem die Erekution leitenden russischen Ossizicr unter nochmaliger Abgabe meines Ehrenwortes, daß nicht von Zivilpersonen, sondern von der deutschen Patrouille geschossen wäre. Gleichzeitig zeigte ich dom Offizier ein Dankschreiben eines russische» Obersten vor, das letzterer mir für die gute Bewirtung seinerzeit übergeben hatte. Ob nun die Angabe meines Ehrenwortes oder das Dankschreiben des Obersten den russischen Offizier milde und nachgiebig gestimmt hat, konnte ich nicht ermessen. Genug, er ließ sich von dem herzzerreißenden Jammer der Frauen und Kinder crivcichcn, und nahm von einer Erckution der einen Hälfte gegenüber Abstand. Schlimmer erging es freilich der anderen Hälfte unserer Dorfbewohner. Hier waren alle Tränen und Bitten der Frauen vergeblich. Eine krachende Salve vom ent- gcgcngescvten Ende des Torfes belehrte uns, daß ein Teil unserer Mitbewohner, zirka 40 an der Zahl, unter der mörderischen Gewalt, tat eines brutalen Feindes das Leben ausgchaucht hatte. Unter den Opfern befand sich auch ein 80 Fahre alter Arbeiter, der mir 50 Fahre treu gedient und jetzt sein Gnadenbrot bei mir bis zu seinem ttaurigen Ende erhalten hatte." Tie Darstellung des Amisvorstchers Graap zeigt, wie leicht di« Menschenleben im Kriege wiegen, sie zeigt aber auch, wie leicht Unschuldige hingemordct werden können. Die Vorsorge, daß Soldaten nicht meuchlings von Zinilpersonc» niedcrgemacht werden, ist gewiß notwendig und wichtig, aber wie bas hier erzählte Beispiel zeigt, »niß be! der Untersuchung der Schuld auch mit peinlichster Gewissen- Hastigkeit zu Werke gegangen werden. Daß bei de» Russen solche Gcwisscnhafligkeit nicht obwaltet, daß anscheinend vielmehr von oben hcrnntcr rücksichtslosester Krieg auch gegen die Zivilbevölkerung des fcindlickic,, Landes gepredigt wurde, zeigt folgende Veröffentlichung des deutschen Kriegsberichterstatters v. Koschützkn der Vossischen Zeitung: „Nachstehend zwci empörende Tatsachen, die ich an zu ständiger Stelle erfahre: 1. Ter russische Generalissimus Rcnncnkamps hat den Befehl erlassen, „durch eine besonders couragierte Kompagnie all« Förster der Romintener Heid« aufhcben u>nd erschießen zu lassen/ 2. Ter, inzwischen gcsangenc. General Martes hat befohlen, alle Ortschaften im Bereiche der russischen Truppen zu verbrennen und alle männlichen Einwohner zu erschießen, auch wenn diese sich nicht an dom Kampfe beteilige», noch die Hcrgabe von Nahrungsmitteln usw. veriveigern." Fch habe bisher falsche Gerüchte über eine grausame Kriegs- sührung der Russen sogleich dementiert, sobald ich den Tachvcrhalk fcststellen konnte. Hier handelt cs sich dagegen um die zivcisctlos, z. T. aus den Akten des Generals Marios, sestgestcllte Tatsache, daß russische Heerführer eine immenschliche Kriegführung befehle». Fch weiß nicht, ob die europäische Kriogsgeschichtc der letzten 200 Fahre einen ähnlichen Fall ailfziuveisen hat. Aber ich glaube, daß die öffentliche Meinung sich gcgen die Einfitzrung astatischer Barbarei ans deutschem Boden mit dom Verlangen anslehnrn wirb, die Völkcr- nicht möglich, und den Spaß habe ist umsonst, den alten Taugenichts Helgestad geprellt zu haben, wo er cs am wenig- sie» erwartete." Sie gingen auf und ab und besprachen, was geschehen sollte. In drei Tagen konnte die Jacht auSIaufen, am Ausgang des Fjords sollte der Lugger sic erwarten. Zeichen wurden verabredet zur Verständigung, die Begünstigung der Flucht übernahm Marstrand, aber er forderte dafür, daß Hanna nochmals vorher alle Mittel versuche, um ihres Vaters Sinn zu ändern. „Es wird vergebens sein", antwortete sie, „allein ich will nichts sparen, uni mich selbst zu überzeugen, daß mir kein? andere Wahl bleibt." Ein falber Dämmerschein hing an den Spitzen der höchsten Berge, als Marstrand die Liebenden verlassen wollte. „Nimm sie mit dir", tagte Dahlen, „ich bleibe sonst, bis der Himmel verräterisch Bergen erzählt, was hier geschah. Sei ipr Schlitz, Marstrand, und wo es auch sein mag, ich will dafür dein treuer Genosse sein." Er legte beide Hände um Hannas Kopf, suchte ihre Züge zu erkennen und zog sie dann an sein Herz. „Es schlägt für dich bis auf den letzten Schlag," sagte er. „Glaubst du fest daran?" „In Ewigkeit, mein Henrik", flüsterte sie. „Tann lebe wohl und sci bereit. Vertraue meiner Liebe und deni Glück!" Mit raschen Schritten eilte er an der Mauer hin, und auf dein jähen Pfade, der am Bergabsatze nicdcrführte, war er schnell verschwunden. „Lebe wohl!" ries Hanna ihm nach, und sie horchte, bis er unten in seine Hände schlug. — „Er ist fort", sagte sie dann, „er ist schnell und klug, ich habe keine Furcht. Gestern lag er dort unter den Btischen und erwartete den Stein, an welchen ich mein Briefchen gebunden -hatte. Sic kanien dazu, und ich wußte nicht, wie ich mich der »nbeqnemen Gesellschaft entledigen sollte, bis ich es für das Beste hielt, ohne Antwort sortzugchen." llFortsetzunti folgt.) rechtSschänder, sobald sie gefangen werden, nicht als Soldaten, sondern als Verbrecher zu behandeln. Von großem Interesse ist anch der Bericht des Kricgsbericht- «rstatters des Ber!, Tageblatt Paul Binder von den, ostclbischen Krieg-'schauplatz Darin wird unter anderem auch geschildert, was die seht heimatlosen Ostpreußen von den Kosaken zu erleiden halten, Einen Pfarrer erschossen die Russen nur, weil er nicht wußte, ob deutsch«-' Militär in der Nähe sei, Ten besten Weizen warfen sic ihren Pferden gehäuft vor, Tann zeigten sic aus die Trauringe und limt diese nicht schnell genug abgezogen wurden, machte sie eine Bedang, als ob sie die Hände abhacke,, würden, ^Tic russische Darstellung der russischen Niederlage in Ostpreußen. Berlin, 14. Sept. Nach einer Meldung des Berl, Lokal- anzcigers gibt eine amtliche russische Meldung den Rückzug der Russen in Ostpreußen zu. Sie besagt: Am 10. September wurde eine überwältigende Bewegung der deutschen Truppen gegen den linken Flügel der Arniee des Generals Rcnnen- kampf bekannt. Diese Bewegung veranlaßte die Russen, sich zurückzuziehcn. Im ersten Augenblick unternahmen die Russen zur Beseitigung der deutschen Offensive aktive Operationen, aber dann stellte sich heraus, daß sic sich einem über- mächtigen Gegner gegenüber befanden; an jener Front dauert der Kampf an. Keine französischen Meldungen mehr über die Schlacht bei Paris. Rotterdam, IS, Sept. Seit gestern ist in Paris jegliche Meldung aus dem Hauptquartier unterblieben, während sonst zweimal täglich mehr oder weniger aussiihrlichc Hauptgnarticr- mcldnngcn verösfcntlicht wurden, Reuter und Havas erklären dies dadurch, daß der Gcneralstab zu sehr beschäftigt sei. Ter Ausfall der Antwerpcner Garnison zurückgcschlatgen. Rotterdam, 15. Sept. Eine amtliche belgische Mitteilung besagt, daß die belgische Antwerpcner Armee sich nach viertägigen teilwcisen Kämpfen vor der Urbcrmacht des Gegners auf Antwerpen zurückgezogen habe. Tic Verluste seien unbeträchtlich gewesen, doch sei der Kampf mit größter Erbitterung geführt worden. Russische Amnrtruppcn, Berlin, 15, Sept. In einem Lazarett des preußische» Ostens wurden unlängst russische Kriegsgefangene cingeliefcrt, die durch ihre Schlitzaugen und das sonstige unverkennbare mongolische Aussehen auffielen. Aus Befragen nach ihrer Herkunft teilten sie mit, baß sie vom Amur stammten und schon im Frühjahr nach der russischen Grenze transportiert worden seien. Diese Erscheinung bestätigt nicht nur, daß Rußland den Plan des Angriffs gegen uns schon seit lange» Monaten vorbereitet hatte und zum Kriege unbedingt entschlossen war, sondern auch wie zeitig zwischen Rußland, England und Japan das ganze Spiel abgekartet war. Tenn ohne entsprechende Zusicherungen Japans hätte Rußland nicht wagen können, Amurtruppc» aus Ostasien an seine europäische Wcstgrcnze zu werfen. Die englischen Verluste, Rotterdam, 15. Sept, Bis zun, 7. September betrugen die Verluste der englischen Armee in Frankreich und Belgien nach Angabe des Hauptgarticrs an Offizieren: 73 getötet, 225 verwundet und 291 vermißt, an Soldaten: 273 getötet, 1571 verwundet und 16 296 vermißt. Wieder ein gefallener Abgeordneter, Budapest, 15, Sept, Ter Abgeordnete Tr Ernst Dahinten, Mitglied der Mehrhcitspartci, Vertreter de-s sächsischen Wahlbezirks Siebenbürgen, der als Honvcdleutnant auf dem südlichen Kriegs- ichauplatz gcfochtcu hat, ist verwundet worden und gestorben, Ministerpräsident Graf Tisza widmete dem ersten gefallenen ungarischen Abgeordneten der liberalen Parteigruppe einen warmen Nachruf, Am Vorabend des mexikanischen Krieges. Newyork, 15. Sept. Villa verlangte energisch, Carranza solle die Vereinigten Staaten auffordern, Veracrnz zu räumen. Carranza verhandelt darüber mit Wilsons Vertreter. Die bereits gemeldeten Unruhen im Staate Pncbla sind offenbar ernst. Frankreichs finanzieller Ruin vor der Tür. Berlin, 15. Sept, Rach der Voff. Ztg, verschärft sich die finanzielle Lage Frankreichs unheimlich schnell zu einer Zahlungskrisis, Rach Pariser Informationen werden die Coupons der Pariser Stadtanleihe und die Psandbricsc des Oreäit loncier nicht bezahlt. Tics ist um so schwerwiegender, als beide Wertpapiere bisher als das Ideal der Vcrmögensanlage besonders für die kleine» Sparer galten. Die Regierung macht die größten An- ftrcngnngen, um einzelne große sranzösiichc Banken zu halten, deren Schwierigkeiten bereits ein offenes Geheimnis sind, Tic Einzahlungen aus die im Juli heransgebcnc neue 3'/-prozcntigc Anleihe gehen unter diesen Umständen nnr in ganz geringen Beträgen ein, Englands Furcht vor einer osfenen Seeschlacht, IV, B. London, 15. Sept, Tic Times schreiben in einem Leitartikel vom 12, September: Admiral Fcllicc leistet dem britischen Reiche einen unvergleichlichen Dienst, indem er die deutsche Flotte von der Nordsee sernhält. Eine große Seeschlacht zwischen der englischen und deutschen Flotte könnte genau die Lage hcrbcisührc», welche die Einleitung des deutschen Floitcngcseßes vom Fahre 1996 skizzierte. Wir sd, h, Englands würden siegen, aber der Preis könnte so hoch sein, daß wir auf lange Zeit aushörcn würden, die größte Seemacht zu sein. Hesieu nnd Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Die Fra,reu und der Krieg. Die Zeitschrift der amerikanischen Frauenstiininrechr- kerinnen The- WomanZ Journal vom 8. August bringt eine kurze Notiz über den Krieg. Sie erinnert an die furchtbaren Opfer, die der Krieg von allen am Kampfe beteiligten Nationen fordert, Opfer die weit über den Krieg selbst hinaus fortdauern und schließt mit den Worten: Laßt uns unser äußerstes tun, um den Tag zu be- schleunigen, an dem die Wünsche der Mütter ihr volles Gewicht in den öffentlichen Angelegenheiten haben, denn wir wissen, daß wir, indem wir das tun, den Tag beschleunigen, an dem Kriege nicht mehr sein werden. Frauen und Friede, beides schien uns zusammcnzuge- hören, untrennbar miteinander verbunden. Wenn erst die Frauen das Wahlrecht besitzen, dann haben wir die stärksten Friedensgarantien. So sagten viele Frauen, und sic glaubten, was sie sagten. Und doch ist es nicht wahr: das lehrt uns die Zeit, in oer wir leben. Tausende von Frauen haben mit Begeiste- ™y>8 in den Kriegsruf cingestimmt. Tausende, die selbst ^ohne und Gatten hergeben niußten, ließen sie freudigen ^ovZcns ziehen. Es waren auch nicht nur die reichen Frauen, die sich als Militaristinnen gebärdeten, bis weit in den Mittelstand, ja bis hin zu der Arbeiterklasse reichte der plötzlich erwachte Nationalismus. Deutschland war bedroht, da wurde alles, was man bis dahin gelehrt hatte von Völker- friede, von der Kulturmission der modernen Staaten, vergessen. Die Mobilisation warf alles über den Haufen. In dem Klirren der Waffen, unter den Schritten der ausrllcken- dcn Soldaten erstarb der Ruf nach dem Frieden. Das würde nicht anders sein, wenn die Frauen das Wahlrecht hätten. Auch sic wären machtlos gegen die Waffenpolitik eines Militärstaatcs, genau so wie unsere große starke Partei machtlos war. AIS die Lage sich soweit zugespitzt hatte, daß nur noch auf den Schlachtfeldern in dem entsetzlichen Ringen der Völker, die Konflikte ausgetragen werden konnten, da blieb ihr nichts anderes iibrig, als die Mittel zu bewilligen, die das deutsche Heer stark und schlagfertig machen sollten. Eine Verweigerung der Kredite häte die Schwächung der deutschen Waffen und damit die sichere Niederlage bedeutet. Das konnte niemand wollen und niemand verantworten. Aber wird nun in aller Ewigkeit damit gerechnet werden müssen, daß Kriege die Kulturarbeit der Völker immer wie- der vernichten? Wenn ein Volk in all seinen Gliedern den Frieden will, so wird es vor allein ernst an sich selbst arbeiten müssen. Es darf nicht dulden, daß chauvinistische Instinkte zum Ausbruch kommen, es muß versuchen, jede unberechtigte-, die Angehörigen der anderen Staaten verhetzende Großmäuligkeit zu bekämpfen. Es muß lernen, die eigenen Fehler nnd Schwächen erkennen. Das kann nur ein Volk, das durch und durch demokratisch ist, und davon sind wir in Deutschland leider noch weit entfernt. Wir haben eine starke junkerliche Schicht, aber anch unser Bürgertum, ja selbst große Teile der Arbeiterschaft können nicht als demokratisch angesprochen werden. Das wird noch lange Zeit hinaus so bleiben, wenn nicht eine intensive Erziehungsarbeit einsetzt. Hier ist nicht die Schulung durch die Partei gemeint, sondern die systematische Erziehung durch Familie, Schule und öffentliches Leben. Erst wenn mehrere Generationen eine solche Er- zichung zur Demokratie genossen haben, kann sie das Lebens- Prinzip eines Volkes werden, und erst dann darf man den Sieg der Kultur über die Kanonen erwarten. Was essen wir zur Kricgszeit? Rubner, der große Hygieniker, hat in seinein Werke „Volkscrnührungsfragcn" eine Liste über den Nährwert von Nahrungsmitteln bekannt gegeben, die für uns besonders jetzt zur Kriegszeit von Wert ist. Denn wenn wir jetzt nur über.einen begrenzten Betrag für die Ernährung verfügen, so miissen wir bestrebt sein, mit diesem Betrage wenigstens möglichst viel Nährstoffe für unseren Körper zu erwerben. Rubner gibt in seiner Liste bekannt, wie das Verhältnis der einzelnen Nahrungsmittel an Nährwert zu einander ist, wenn man von jeder Sorte für eine Mark erwirbt. Darnach sind die billigsten Nahrungsmittel Kartoffeln, Erbsen und Sckiwarzbrot. Das billigste Gemüse ist Grünkohl, das billigste Nahrungsmittel aus dem Tierreiche die Milch, das billigste Fleisch der Hering, das billigste Obst die getrockneten Aepfcl. Auch das mindeste Rindfleisch ist ein relativ teures Nahrungsmittel; am billigsten sind hier die sog. Kuttclflccke. Die Tabelle unterlieg! natürlich gewissen Schwankungen durch Ort, Zeit, Zutaten usw. Immerhin vermag sie uns einen Ueberblick darüber zu geben, was uns für unser Geld die meiste Nahrung bietet. In dem Werke ist auch besonders für die jetzige Zeit die Feststellung interessant, daß die Margarine nach G. Abel? Untersuchungen ein Speisefett ist, das der Butter nicht nur nicht nachsteht, sondern sie sogar in gewissem Sinne übertrifft, wenn sie aus dem Fett frisch geschlachteter Tiere hcrgcstellt wird. Das sollte eigentlich zu einer genauen staatlichen Kontrolle der Margarine-Fabriken zwingen. Mit einem Kilo- gramm Margarine kauft man etwa 880 Gr. Fett, mit einem Kilogramm Butter 840 Gr. Fett, Ein Nahrnngs- und Ge- nußmittel, das noch viel zu wenig Beachtung findet, ist der Kakao. Er ist nämlich eins unserer wichtigsten Nahrungsmittel. Er konimt dem Nährwert des Fleisches gleich oder übcrtrifft ihn. Der Kakao enthält im Durchschnitt 18 bis 19 % Eiweiß, 26 bis 31 % Fett und 28 bis 34 % Kohle- Hydrate, also alle in Betracht kommenden Nährstoffe. Dazu ist im Kakao Eisen, der wichtigste aller Mineralstoffe, relativ reichlich vorhanden. Darum verdient auch der Kakao jetzt zur Kricgszeit die ihm gebührende Beachtung. — Noch keine Unterstützung. Von vielen Landorten wird Klage geführt, daß die Frauen der Kriegsteilnehmer noch keinen Pfennig Unterstützung erhalten haben, obwohl sich die Männer schon 5—6 Wochen bei den Fahnen befinden. Auch wiederholte Beschwerden bei den betreffenden Bürgermeistern hatten keinen Erfolg, cs wurde den Frauen einfach erklärt, es sei kein Geld da, oder es sei noch nichts angewiesen: in einzelnen Fällen hieß es auch, es gäbe keine Unterstützung. Viele Familien befinden sich infolgedessen in größter Not- läge. Da werden Gelder in Masse gesammelt, man preist die Opserwilligkcit des Volkes in allen Tonarten, aber — die Angehörigen der Krieger bekommen nichts! Ten Frauen vom Land ist zu raten, sich direkt an das Krcisamt zu wenden. Es sei bei dieser Gelegenheit noch darauf hingewicsen, daß unter gewissen Uniständen auch Eltern eines gefallenen Kriegers Unterstützung zu beanspruchen haben. B e d ü r f - t i g e Eltern und Großeltern können, wenn ihr Sohn oder Enkel im Kriege gefallen oder an den Folgen einer Verwundung gestorben ist, oder an einer sonstigen Kricgsdicnstbe- schädigung vor Ablauf von 10 Jahren nach dem Friedensschluß stirbt, ein Kricgs-Elterngeld erhalten. Es wird aber nur dann gezahlt, wenn der verstorbene Kriegsteilnehmer vor Eintritt in das Feldheer oder nach seiner Entlassung aus diesem zur Zeit seines Todes oder bis zu seiner letzten Krankheit den Lebensunterhalt der Eltern oder Großeltern ganz oder überwiegend bestritten hat. Das Kricgs-Elterngeld beträgt für den Vater und jeden Großvater, fiir die Mutter und jede Großmutter eines Soldaten der Unterklasse, eines Unterbeamten oder eines Angehörigen der freiwilligen Kriegs- Krankenpflege höchstens 250 Mark. — Tote des Gicsiencr Regiments. Weiter wurden als gefallen vom Jnf.-Regt. 116 sestgestellt: Hauptmann Eduard Mattel; Reservist Heinrich Wagner aus Gießen. — Ein Barackenlager für Gefangene wird gegenwärtig^ auf dem Trieb errichtet. Es werden etwa 100 Holzbaracken hcrgcstellt, die heizbar sein und für etwa 10 000 Mann Raum gewähren sollen. Umfriedigt werden die Baracken mit Stacheldraht. — Brotaufschlag. Wie wir hören, soll der Brotpreis in den näochsten Tagen hcraufgesetzt werden und zwar um 4 Pfg. der Laib. Veranlassung dazu sind die gesteigerten Mehlpreise, die von den Großmühlen bei Beginn der Mobilmachung in unerhörter Weise in die Höhe getrieben wurden und feitbem trotz behördlicher Preisfestsetzungen und trotz der guten Ernte noch nickt aus die frühere Norm hcrabgegnngen sind. — Tie Großmühlen haben jetzt goldene Zeit. Das süddeutsche M ü h I e n s y n d i k a t, bei dem die „Jllkirchner Mühlen- wcrke" bei Straßburg i. E. die führende Rolle spielen, arbeitet mit solchen Riesenvcrdicnstcn, daß sic in der Lage sind, ihren beiden Direktoren die Kleinigkeit von je 400 000 'Mark Jahrcsgchalt zahlen zu können. Ta jedoch dem süddeutschen Mühlcnsyndikat die seitherige hohe Rentabilität nicht genügt, so benutzte cs die Zeit vor und während der Mobilmachung und setzte den Preis für den Doppelzentner Weizenmehl von 30 auf 42 Mk. in die Höhe. Die bereits ab- geschlossenen Liefcrungsverträge führte die Gesellschaft, unter Berufung auf die Kriegsklausel, nicht aus. Auch mit Festsetzung von Höchstpreisen, da sie nur fiir einen engumschriebe- ncn Kreis erlassen wurden, war dem Syndikat nicht bcizu- kommcn. Dieser allgemeinen Gefahr für die Volkscrnährung vorzubeugen, hat die sozialdemokratische Partei in Mainz in Form einer Interpellation bei der Stadtverwaltung die Errichtung einer städtischen Mühle auf genossenschaftlicher Basis, unter Zuziehung von Bäckern, in Anregung gebracht. Das ist ganz recht, nur dadurch kann jener Beutcpolitik nachdrücklich entgegengewirkt werden, Staatsbehörden und Stadtverwaltungen sollten dabei energisch mithelsen. Tie hessischen Verlustlisten, Amtlich wird mitqetcilt: Eine Zuschrift aus Hcsicn an das Preußische Kricgsministcrium beklagt sich darüber, daß die hessischen Verluste nicht vcrüsscntlicht würden. Tic Zuschrift beruht auf einem Irrtum, Das hessische Kontingent ist ein Teil der preußischen Armee und seine Verluste werden unmittelbar nach Eingang der Verlustlisten veröfsentlicht, ebenso wie dies bei anderen preußischen Truppenteilen der Fall ist. Wenn bisher in den Verlustlichcn nur wenige Truppenteile des hessischen Kontingents anfgefiihrt waren, so hat das seinen Grund darin, daß die Truppen ihre Verlustlisten noch nicht fcrtiggcstcllt haben, oder daß die Verbindung zwischen den Truppen und der Heimat unterbrochen war, Tic Kriegsanleihe. Tie hessische Lanbeshypothekenbank ersucht uns folgende Mahnung zu veröffentlichen. Kapitalisten und Vermögensverwaltungen lombardiert Wertpapiere und zeichnet damit Kriegsanleihe! Kapitalisten und Vcrniögensvcrwaltungen, die augenblicklich nicht über flüssige Mittel verfügen, können trotzdem größere Betrage auf die Kriegsanleihe des Reichs zeichnen. Tie Besitzer von Wertpapieren können sich nämlich die Mittel zur Zeichnung auf die neue Anleihe durch Verpfändung eines Teiles dieser Papiere bei den Kriegs- darlchenskassen sReichsbankanstalteni beschaffe» Ter Lombard- Zinssatz ist für diesen Zweck auf 6 Prozent ermäßigt worden, Tie neuen Schatzanwcisunge» und die neue Rcichsaulcihc rentieren nach Bcrcchnnngcn der Fachpresse durchschnittlich etwa zu 5'/- Prozent, Tic Zeichner müßten also vorläufig einen Zinsverlust von etwa j% Prozent auf sich nehmen. Dem steht aber die Möglichkeit eines erheblichen Kursgewinns bei günstigem Ausgang des Kriegs gegcn- iibcr. Aber selbst wenn die lombardierten Effekten demnächst mit einem erheblichen Kursvcrlust verkauft werden müßten, so würde dieser Verlust voraussichtlich dadurch ausgeglichen, daß an Stelle von 3’/* Prozent oder 4 Prozent Papieren 5 Prozent Rcichsanleihe eventuell mit Riickzahlungsgewinn treten würde. Wenn z, B, 190 090 Mk, 4 Prozent Papiere, die zuletzt mit 96 Prozent notiert waren, zu 90 Prozent verkauft werden müßten, so wäre der Erlös 90 000 Mk, und cs würden jährlich 4000 Mk, Zinsen Wegfällen. Es ist dabei also mit einem sehr erheblichen Kursrückgang gerechnet. Wenn siir diese baren 90 000 Mk, 5 Prozent Rcichsanleihe zu 97,50 gezeichnet würden, dann könnten nominell 92 300 Mk, bezogen werden, die sich jährlich mit 4615 Mk, verzinsen würben. Es würde also ein jährlicher Zinsgcwinn von 615 Mk, zur Verfügung stehen. Die Frist zur Zeichnung läuft mit dem 19, September ab, Tic beteiligten Kreise werden darauf aufmerksam gemacht, daß auch die städtische Sparkasse Zcichnungsstcllc siir die Kriegsanleihe ist, Kricgsspendcn von Lehrcrvcrcinen, Kürzlich berichteten wir über die KricgSspende des Deutschen Lehrervcrcins, Nun treten auch seine Zweigvereine mit namhaften Summen hervor: Ter Sächsische Lchrcrvcrein mit vorläufig 60 000 Mark teils zur Ilntcr- stiitzung der Familien von Kriegsteilnehmern, teils zur Linderung der Not, die durch Arbeitslosigkeit entsteht, teils für Lehrerfamilicn, deren Ernährer auf dem Schlachtselde gefallen oder durch den Krieg dienstunfähig geworden sind, Ter Lchrcrvcrein Hannover-Lindeu bewilligte als erste ,KricgSspende 12 MO Mark, der Münchener Lchrcrvcrein 10 000 Mark, der Bayerische Volksschullehrervercin 10 000 Mark, der Dresdener Lchrcrvcrein MOO Mark, nnd viele kleinere Lchrcrvercine stellte» 1000—3000 Mark fiir Kriegszwecke zur Verfügung. Das Turnen der Schuljugend, Da? Großh. Ministerium de? Innern, Abteilung für Schulangelegcnhcilen, hat an die unterstellten Großh, Direktionen, die Leiter der höheren Bürgerschulen und an die Großh. Krcisschulkommissionen folgendes Ausschrcibcn ergehen lassen: „Um den übrigen Unterricht während des Krieges aufrecht zu erhalten, ist cs vielfach nötig gewesen neben den andere» technischen Fächern den Turnunterricht einzuschränken oder ganz ausfallcn zu lassen, Ter Ernst der Zeit fordert aber neben einem geregelten Unterrichtsbetrieb in erhöhtem Maße die körperliche Ausbildung der männlichen Fugend durch Turnen und Spielen. Bei dem Mangel an Lehrkräften werden die Turnvereine des Landes auf Ansordern gewiß bereit fein, hier helfend einzu- grcifen. Wir empfehlen Ihnen daher, im Benehmen mit den am Schnlort bcstcheudcn Turnvereinen alsbald die zur Durchführung erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Hierbei ist davon auszu- gche», das; die Beteiligung der Schüler, soweit sic sich nicht im Rahmen der üblichen Untcrrichtsstundcnzahl hält, eine freiwillige sein soll, daß aber die Schule mit allem Nachdruck auf eine allgemeine und regelmäßige Beteiligung hinwirkt. Wegen der gleichzeitig durch Durchführung gelangenden Maßnahmen zur mili- tärijchen Vorbereitung der Jugend lvergl, Tarmstädtcr Zeitung Nr. 211) kommen siir den vorliegenden Zweck in der Regel nur die Schüler bis zum 15, Lebensjahr einschließlich in Betracht, Ter Großh. Landesturninspektor ist angewiesen, sich mit Ihnen, insbesondere den Großh, Kreisschnlkommissionen wegen der Durchführung in Verbindung zu setzen. Tic Großh, Krcisschul- kommisfionen wollen die Ortsschulvorstänbe alsbald mit Anweisung versehen." Fiir notleidende Patentinhaber hat der deutsche Bundesrat folgende KricgSerleichtcrnnge» in Kraft treten lassen: S 1. Das Patentamt kann bis auf weiteres einem Patentinhaber, der infolge dek- Krieges außerstand gesetzt worden ist. die noch § 8 Abs, 2 des Patentgesetzes vom 7, dlpril 1891 fällige Fahresgebiihr zu zahlen, auf Antrag die Gebühr bis zum Ablauf von längstens neun Monaten vom Beginn« des laufenden Patentjahrcs an st u n d c n und die Zuschlagsgcbiihr <8 8 Abs, 3 a, a, L,s erlassen, Tic Entscheidung des Patentamtes ist unanfechtbar, 8 - Für Patente, die am 31, Juli 1914 noch nicht erloschen ivaretl, ist di« SNindung auch dann -ulässig, mciiu sie nach Ablauf der gesetzlichen Zahlungsfristen (8 8 Abs. 3 fl. a. C.) beantragt ist. Wer durch den Kriegszustand verhindert worden ist, dem Patentamt gegenüber ein« Frist einzuhalten, deren Versäumung nach gesetzlicher Vorschrift einen ReckstSuachtcil zur Folge hat, ist wieder in den vorigen Stand einzusetzen. Die Wiedereinsetzung mutz innerhalb einer Frist von zwei Monaten beantragt werden. Fm übrigen sind die Bestimmungen der §8 233 ff. der Zivilprozeßordnung entsprechend anzuwenden. 8 3. Die Vorschriften der 88 1, 2 finden zugunsten von Angehörigen ausländischer Staaten nur dann Anwendung, wenn in diesen Staaten nach einer im Rcichsgesetzblatt enthaltenen Bekanntmachung den deutschen Rcichsongehörigcn gleichartige Erleichterungen gewährt werbcn. Zu dem Fonds für Liebesgaben sind bei dem Oberbürgermeister weiter cingcgangen von: Rechtsanwalt Tr. Rosenberg und Frau 1000 Mk., Profesior Tr. Bernbeek 20 Mk., der Reisegesellschaft Wart- burgia 60 SW., Kasernen Wärter Wilhelm Tchnek 5 Mk., N. N. 20 Mk., N. R. 60 Alk., vom Verein der Gastwirte von Gießen und Umgegend 250 Mk., vom Bibliothekar Tr. Hepding 15 Mk., vom Gabelsberger Stenographenvcrein 100 Mk., vom Tomenvcrein Gabelsberger 25 Mk.. vvn-.N.N. 50 Mk.. N.N. 10 Mk., H.Jughardt jr. 30 Mk., der Arbeiters«l>ast der Eisenbahii-Nebcnwcrkstätte 85 Mk., Adols Bür- rrcr 10 Mk., Forstmeister Köhler 30 Mk., Fräulein Fda Karle 30 Mk., Fräulein Marie Will 50 Nkk., Obcrpostschasfner Haas 5 Mk., Konditor Jakob Kräuier 30 Ällk, Frau Profesior Schmidt 20 Mk., Spcngler- meister Louis Mootz 15 Mk., Inhalt einer Sammelbüchse aus der Restauration Krokodil 33,10 Mk., Inhalt einer Sammelbüchse, ausgestellt bei der Auszahlung der Einquarticruugsgelder 211,35 Mk., von Karl und Emll Heinrich Müller 40 Mk., von Wirt Jean Arnold 61,50 Mk. zusammen 2308,85 Mark. Mit herzlichen! Tank für dies« Gaben wird um weitere Zuwendungen gebeten. Paketscndungcn an die Truppen. Das Generalkommando des 18. Armeekorps gibt bekannt: Es wird hiermit zur ösfentlichcn Kenntnis gebracht, daß von der Feldpost Pakete von mehr als 250 Gramm Gewicht an die Angehörigen des Feldheeres zurzeit n icht befördert werden dürfen und daher von den örtlichen Postau- stalten auch nicht angenonmien werden. Wer beabsichtigt, Angehörigen des Feldheeres Pakete zu senden, hat das Paket, das möglichst nicht über 5 Kilogramm schwer sein soll, an den für den Feldtruppenteil zuständigen Ersatztruppenteil zu richte». Tie Adresse würde zum Beispiel für «ine der 6. Kompagnie Infanterie-Regiments Nr. 81 angehörenden Person wie folgt zu lauten haben: An das Ersatzbataillon Jnsantcrie-Regiments Nr. 81 in Frankfurt a. M. Zur Weiterbeförderung an: 18. Armeekorps, 21. Infanterie- Division, 12. Infanterie-Brigade, Fnsantcric-Rcgiment Nr. 81, 2. Bataillon, 6. Kompagnie, Gefreiter der Reserve .... X..... Ausdrücklich wird bemerkt, daß dieses Verfahren nur aus diejenige» Personen des Feldheeres Anwendung finden kan», welche sich bei Truppenteilen bcsinden. die z»m Verband des 18. Armeckorvs oder 18. Rescrvekorps gehören oder bei Truppenteilen stehen, die ihrer Numniern- usw. Bezeichnung noch als vom 18. Armeekorps hervovgegangen betrachtet werden könnet!. Diese Angaben müsien aus der vom Absender auf das Genaueste onzugebenden Adresie hervorgehen. Dem Verderben aufgesetzt« E ß io« reu sind unter keinen Umständen ab zu senden, da längere Zeit verstreichen kann, bis das Paket in den Besitz des Empfängers gelangen wird. Es wird daher auch ersucht, Pakete nur dann abzusenden, ivenn der Empfänger die llebcrsendung gewisser Gegenstände selbst gewünscht hat. Die Anordnungen anderer Armeekorps sind hier nicht bekannt, cs kann daher bezüglich derselben hier auch keine Auskunft gegeben werden. Der Standort der Eisatztruppcn kann bei der örtlichen Post- anstalt erfragt werden. — Brüder als „Feinde" im Kriege. In der Nähe von Josingcn (Kanton Aargau, Schweiz) wohn! ein« Fra», die voir Geburt Scknveizeri« ist. Sie heiratete einen Deutschen und gebar ihm zwei Söhne. Nach dem Tode ihres Mannes heiratete sie wieder, einen Franzosen, und schenkte ihm ebeiisalls zwei Söhne. Als nun der Krieg ausbrach, mußten die beiden Aeltcftcn in die deutsche, die beiden Jüngeren in die französische Arniec cintretcn. Tie Brüder wurden so „Feinde" und sind, wie die Neue Aargaucr Ztg. berichtet, alle vier jm Kampfe gefallen. — Kann sein, der Bruder ist vom Bruder erschossen worden! Mag cs immerhin ein sehr seltener Fall sein, daß sich Brüder als Feinde gegcnüberstehcn, aber tausendfältig sind doch die verwandtschaftlichen Beziehungen der Angehörigen der verschiedenen Völker geivordcn und viele Tausende müsien die Wassen gegen ihre Blutsverwandten sühren. Aber ist nicht gleich schlimm, daß Hunderttausend« sich gegcnüberstehcn, die durch die Bande der Wahlverwandtschaft enger einander verbunden sind, wie Bande des Bluts cs verniögcn? Empören sich nicht all« Sinne bei dem Gedanken, daß unser Freund Frank vielleicht von der Kugel eines Mannes gefallen ist, der ihm auf der Vcrständigungskonserenz zu Bern die Hand gedrückt hat? Fürchterlich ist dieser Krieg und untilgbar die Schuld seiner Urheber! — Vor der Gießcner Straskammer hatte sich gestern ein 20 Jahre altes Mädchen aus Berstadt wegen Kindesaus - s c tz u n g zu verantworten. Am 22. Juni dieses Jahres wurde in der Nähe von Frlcdberg in einem zur Gemarknng Ockstadt gehörigen Weizenackcr ein etwa l^ijähriges Kind von einem Landwirt gesunden, welcher in der Nähe mit Grasniähcn beschäftigt war und das Schreien des Kindes gehört hatte. Ter Mann nahni das Kind auf und eine im Wagen vvrübcrfahrcnde Tame nahm es mit nach Friedberg, um es dort bei der Polizei abzuliefern. Es stellte sich heraus, daß das Kind am gleichen Tage von seiner Mutter, der nunmehr Angeklagten, im Säuglingsheim abgeholt worden war. Pvrhcr sprach sic bei einer Familie in Fricdbcrg vor, wo sic daö Kind untcrzubringen suchte. Tie betreffende, als Zeugin erschienene Frau hatte dabei aus deni Gespräch und Benehmen der Angeklagten den Verdacht geschöpft, daß diese etwas mit dem Kinde, das noch nicht lausen konnte, vorhabc. Bald wurde die Angeklagte als Mutter des Kindes ermittelt und in Haft genommen. Tie gibt an, daß sic nicht die Absicht gehabt habe, den Tod des Kindes herbci- zuführcn, sondern sie habe damit gerechnet, daß cs durch sein Schreien bald bemerkt und ausgenommen werden würde. Nach Hanse ivolltc sic cs. der zu crivaitcudcn Vorwürfe wegen, nicht bringen, obwohl cs dort ganz gut hätte aufgezogen werden können. Aus der Beweisaufnahme ergibt sich, daß die Angeklagte sonst ar- beitssam und fleißig war (in Köppern befand sie sich 3'/* Jahr in Stellung). doch ist sic ziemlich leichtsinnig veranlagt, sic sicht bereits wieder ihrer Niedcrkunst entgegen. Das Gericht erkannte auf 1 Jahr Gefängnis, von welcher Strafe die erlittene Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht wird. — Gestohlene Ziege In der Nacht zum Dienstag wurde hier aus einem in dem Allenfeld gelegenen Stall eine Tchweizerziege, ein halbes Jahr alt, gestohlen. Sachdienliche Mitteilungen über den Verbleib des Tieres und des Täters nimmt die Kriminalpolizei des Grvßh. Polizeiamts entgegen. — Maul- und Klauenseuche. In Rendel wurde in dem Gehöft des Landwirts Heinrich Kitz die Maul- und Klauenseuche scst- gestcllt. Die Seuche ist durch Klaucnvieh eines Händlers aus Büdesheim cingcschleppt ivordcn. «rei< Wetzlar. X I» der 21. Verlustliste sind u. a. solgende Angehörige des Jnfanterie-Rcginicnts Nr. 160 1. Bataillon in Diez angeführt, die aus dem Kreise Wetzlar stammen: Gefreiter der Reserve Karl Dicht aus Aßlar, verwundet. — Unteroffizier der Reserve August Krast aus Waldgirmes, vermißt. — Gefreiter der Reserve Hch. Wilh. Heinz aus S t o ck h a u s c n , vermißt. X Deutsche in Feindesland. Der für Niederschelden (Dillkrcis) neugcwähltc Pfarrer von der N a h ui e r in Schöncbcrg (Oberlausitz) befand sich bei Kriegsbcginn in Riga auf Urlaub. Da er bis heute nicht zurllckgckchrt ist, wird angenommen, daß er sich in russischer Kriegsgefangenschaft besindet. — In englischer G c - sangenschaft. Wie die Siegblätter berichten, ist der Ingenieur Otto Er inert aus Betzdorf den Engländern in die Finger geraten. Herr E. befand sich aus einer Reise von Newyork nach Deutschland auf dem Dampfer „Potsdam", der bekanntlich an der Sttdwestküftc von England durch die Engländer beschlagnahmt wurde. Kreis Mordiirg-Kirchhain. G Marburg. K r i e g s s a m m l u n g e n. Für die Familien unserer Krieger hat die Stadt Marburg 5000 Mark bewilligt. Durch freiwillige Sammlungen gingen bis jetzt 15 000 Mark ein. Profesior Andre gab 3000 Mark, einige andere 1000 Mark, es gab aber auch „bescheidene" Millionäre, welche 10, 200, 500 Mark gaben. — Für die geschädigten Ostpreußen bewilligte die Stadt Marburg 2000 Mark, auf Sammlungen gingen bis jetzt etwas über 1000 Mark ein. In de» Dörfern des Kreises wird meist für bas Rote Kreuz gesammelt. Partcinachrichten. Tic Neue Zeit macht ihre» Lesern folgende Mitteilung: Der Kriegszustand hat das Erscheinen aller Zeitschriften arg behindert, deren Verbreitungsgebiet ein größeres ist. Bei der Neuen Zeit kamen dazu noch besondere Schwierigkeiten dadurch, daß die Redaktion in Berlin und die Druckerei in Stuttgart war. Um diese Schwierigkeit zu beseitigen und das Blatt unseren Lesern rascher zugchen lassen zu können, haben wir uns entschlossen, die über ein Mcnschenalter lang bestehende und bewährte Verbindung der Redaktion mit der Stuttgarter Druckerei für die Zeit des Krieges zu unterbrechen und unsere Zeitschrist in unserer Berliner Partcidrnckcrci Herstellen zu lasien. Die bisherigen Verzögerungen und etwaige weitere Unregelmäßigkeiten im Erscheinen bitten wir mit der allseitigcn und tiefen Störung unseres Verkehrswesens rechtfertigen zu wollen. Wir werden uns bemühen, auch während des Krieges unsere Schuldigkeit zu tun und den Standpunkt unserer Partei entschieden und klar zum Ausdruck zu bringen. Redaktion und Verlag der Neuen Zeit. Aufgehobene Konfiskation. Die Konfiskation des Wahren Jakob Nr. 732 und der Gleichheit Nr. 23 ist aufgehoben worden. Der Verkauf dieser Druckschriften ist also gestattet. Telegramme. Die Schlacht bei Verdun. Deutsche Teilerfolge. WH. Grußes Hauptquartier, 15. Scpt., abends. (Amtlich.) Der aus dem rechten Flügel des Westhccrcs seit zwel Tagen stnttfindcnde Kamps hat sich heute aus die nach Osten anschließenden Armeen bis nach Verdun heran nusgedrlmt. An einigen Stellen des ausgedehnten .Anmpsseldcs wäre,, bisher Tcilcrsolgc der deutschen Wassen zu verzeichnen. Im übrigen steht die Schlacht noch. Auf dem östliche» Kriegsschauplab ordnet sich die Armee von Hindcnburg »ach abgeschlossener Verfolgung. — In Ober- schlcsien verbreitete Gerüchte über drohende Gefahr sind nicht begründet. Der serbische Einbruch zuiückgeworfen. W. B. Wien, 15. Tept abends. sAmtlich.) Die über die Save cingebrochcnen serbischen Streitkrästc wurden überall zurllckgc- worfen. Syrmicn und Banat find daher vom Feinde vollständig frei Der Stellvertreter des Chefs des Gciicralstabs, v. Höscr, Generalmajor. Englands Spiel um Kopf utib Kragen. Amsterdam, 15. Scpt. Das angesehene Algemcen Handelsblad gibt folgendes ats ofsizicllcs Eommunique der deutschen Gesandtschaft im Haag bekannt: Tie dentschc Gesandtschaft in Peking teilt amtlich mit: Japan bestätigte offiziell der chinesischen Regierung den Ausbruch einer Revolution in Indien. Japan, durch England um militärischen Beistand gegen Indien ersucht, hat Hilfe zugcsagt, aber unter schweren Bedingungen: freie Einwanderung in den britischen Be- sißungcn am Stillen Ozean, eine Anleihe von 200 Millionen Tollar und freie Hand in China. England hat diese Bedingungen angenommen. Vereinskalender. Samstag, 19. September. Launsbach. Freie T n r » erschüft. Abends '/-9 »hr Sßct' sammlung bei Friede. Pfaff. Pünktlich ersch einen! Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M Bekanntmachung. Betrifft: Die Bildung der Schöffen- und Schwurgerichte. Di« Urliste für die Schössen und Geschworene» liegt von Mittwoch, den 16. September bis Mittwoch, de» 23. September ds. Js. auf dem Stadthaus, Zimmer Nr. 0, zu jedennanniS Einsicht ofien Innerhalb der Ofsenlegungsfrist bann gegen die stftchtigkcit und Voll, ständigkeit der Urliste Einspruch erhöhen werden. Gießen, den 12. September 1811. _ Der Oberbürgermeister: & ß^ ß* ©- Kum Mo & ß* ß* ß* ß' ß' ß* Wir haben für unsere Leser eine sehr exakt bearbeitete Uebersichts&arte sämtlicher Kriegsschauplätze Europas in 8 Farben, Grösse ca. 60X70 cm, herausgegeben, welche sämtliche Kriegsschauplätze mit ihren Grenzen, Orten, Festungen, Flüssen und Eisenbahnen, soweit sie von der Militärbehörde zu veröffentlichen gestattet sind, darstellt Preis nur 70 Figf. OberhessischeVolkszeitung, Gießen Bahnhofstrasse 23 Telephon Nr. 2008 Versand nach auswärts gegen Einsendung des Betrages zuzüglich lOPfg. für Porto «3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 3 Wir empfehlen: Inhalt: 5 vorfchristsmätzin bcvrnckte Feldpostbrief Umschläge nebst Briesbogc» sowie 5 Feldpostkarten. Preis nur £0 Pftj. Aerhess. ÄlkszeitW töiejp, ED □ ED 53 ED ED ED ED ED ED ED ED für Stadt und Landkreis Giessen Giessen, Asterweg 9, nnt. Stock Sprechstunde: Jeden Donnerstag 6—7*/j Dbr abends. Unentgeltliche ärztliche Untersuchung von Alkohol- kronken. Rat und Beistand für sie und ihre Angehörigen, auch hinsichtlich der Helium?. Auch schriftliche Anfragen werden von der Trinker- Fürsorgestelle beantwortet BllhilWriiht - 23. - ED ED ED ED ED ED ED E 3 ED ED ED ED ED EXDE3E3QfiX]QQEä!EIIE]QE3El!E£IliLlGDEil XMülX Koks, Briketts, Holz In Nubkoble» I. 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Invalidenversicherung für den mr Monat Juli 1914 ftönrten noch bis zum 28. ds. Mts. ohne Koste» bezahlt werden. Hießen, den 16. September 1914. Aer Vorstand. I. A.; Atb. Lenk.