Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberheffen und der Nachbargcbicte. Dt« Oderbelülcd« Volks,eitun, erscheint jeden Werktag Abend tn Bietzen. Der Abonncmentdvrei» beträgt wöchentlich 15 Pfg.. monatlich 00 Mg. etnschl. Bringerlobn. Durch die Polt bezogen dicrteliährl.IBOMl. Redaktion und Ervcdition Stehen, BahnbokltraKe 22, Ecke LSwcnaasie. »elebbon 2008. Inserate losten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 1b Psg. Bei gröberen Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abend» 7 >br für die folgende Nummer tn der Expedition aufgeben Nr. 213 Gicßcn, Dmistag, Den 15. September 1914 9. Jahrgang Krieg und Revolution. Revolution in Paris! — Revolution in Petersburg! — Revolution in Berlin! — So wurde in allen Hauptstädten Europas zu Kriegsbcginn von geschäftigen Zeitungsvcr- käuseni ausgeschrien! Polen, Finnland, ganz Rußland hat sich erhoben, in Berlin sind erst Liebknecht und Rosa Luxemburg, dann sämtliche sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete erschossen worden. In Oesterreich weigern sich die Tschechen zu marschieren, man hat ihre Abgeordnete teils verhaftet, teils erschossen, in Paris toben schweren Strahen- kämpfc, die Schwarzcmecrflotte meutert — kein Wort von alledem war wahr! Uebcrall nahmen die Leute den Kuhfuß auf die Schulter und machchierten. Ueberall herrschte nationalistische Erregung, ja man versichert uns, daß in Rußland die Wogen der patriotischen Begeisterung besonders hoch gingen. Mit dem Kriegsausbruch schien überall jede revo- llutionärc Bewegung wie fortgeblasen. Und nichts ist selbstverständlicher als das. Tenn sobald der Krieg ausgebrochen ist, erscheint jede revolutionäre Bewegung als Begünstigung des äußeren Feindes. Und da kein Volk den Feind im Lande zu sehen wünscht, würde jedes Volk nach dem Kriegsausbruch mit den Revolutionären höchst unsanft verfahren. Es würde solche „inneren Feinde" einfach als Bundesgenossen des äußeren Feindes betrachten und dementsprechend behandeln. Hierbei ist das Wort Revolution natürlich im Sinne -einer gewaltsamen Erhebung verstanden, nicht in dem Sinne einer friedlichen Umwälzung, in dem cs die Sozialdemokratie stets aufgcsaßt hat. Gewaltsame Erhebungen nach dcni Kriegsausbruch sind in zivilisierten Staaten etwas Undenkbares, sie, sind, wie die Erfahrung zeigt, selbst in Rußland unmöglich. Das russische Volk hätte sicher von allen Welt- kricgsvölkern den meisten Anlaß, in einem eindringenden äußeren Feind den Befreier zu begrüßen, und daß solche Strömungen unter seiner Oberfläche wirken, ist durchaus wahrscheinlich. Sie sind aber nicht stark genug, um sich gegen- über der nationalistischen Hochflut offen ans Tageslicht wagen zu können. In einem späteren Stadium des Krieges oder gar nach dem Friedcnsschluß wird es mancherorts vielleicht anders nusschcn. Tenn ein Volk, das von seiner Regierung von Niederlage zu Niederlage geführt worden ist, hat allen Grund, das System, dem es das Elend eines verlorenen Krieges verdankt, so gründlich wie möglich zu revidieren. Ob freilich auch in solchem Falle gewaltsame Methoden Vorteil versprechen, ist eine Frage für sich. Wie furchtbar hat das geschlagene fianzösischc Heer 1870 unter den Kommunarden, wie das geschlagene russische Heer 1005 unter den. Revolutionären gewütet. Die furchtbare Schlagkraft geschlossener militärischer Verbände wird uns gerade durch den gegenwäc- tigeu Krieg mit furchtbarer Deutlichkeit bewiesen. Die deutsche Armee, so groß sic auch sein mag, bleibt doch in Frankreich eine Minderheit, der sich der geschlossene Wille einer bis an die Zähne bewaffneten Dierzigmillionen-Nation entgegensetzt: und doch kann sie immer weiter ins Land cin- dringen und sich dort behaupten! Wie muß sich da erst die Rechnung stellen, wenn die bewaffnete Organisation des Militarismus einer wehrlosen Volksmasse gegeniiber steht, die keine andere Waffe hat als die Verzweiflung? Jede Armee kann, solange sie geschlossen ist, den Versuch ltzincr gewaltsamen Erhebung Niederschlagen. Aber auch wenn in ihren Reihen Meuterei ausbricht, bleibt der Vorteil bei den geordneten Verbänden, deren Zusamenfassung der aufgelösten Elemente Herr bleiben wird, solange sich diese nicht in erdrückende« Uebcrmacht befinden. In der russischen Revolution ist es mehrfach vorgekommen, daß die eine Hälfte eines Regiments meuterte, während die andere der Fahne treu blieb. Die Meuterer wurden dann von den Treuge- bliebenen regelmäßig zusammengeschossen. So wenig also auch die Entfaltung des kriegerischen Apparats die Entstehung und den Erfolg gewaltsamer Erhebungen begünstigt, so bleibt es doch nicht weniger wahr, -daß der Krieg schon oft der Bahnbrecher revolutionärer Bewegungen gewesen ist. Denn das Elemcntarereignis eines öcrwgcs ruft solche Veränderungen der gesamten Verhältnisse ^sdor, er erschüttert das Seelenleben aller Einzelnen so tief, -daß durch ihn Mx im Lause der friedlichen Entwicklung cnt- ftnnoenen fragen in Fluß gebracht und zu rascher Lösung gebracht werden können. Die Gewalt übernimmt hier die Rolle des Geburtshelfers, aber trostlos wäre der Gedanke, -daß sie in allen Fragen des politischen und wirtschaftlichen Innenlebens der Völker das letzte Wort zu sprechen hätte. Der Äricg. Hat doch sie selbst in unserem Zeitalter der Technik und Organisation aufgehört, etwas rein Körperliches zu sein, auch sie verdankt ihre Kraft dem Geiste, der sie ordnet. So sind cs letzten Endes doch die geistigen Kämpfe, in denen das Schicksal der Völker entschieden wird. • Es sind nicht die großen Kanonen, die das letzte Wort sprechen, sondern die großen Ideen. Auch eine siegreich hcimkchrende Armee — von einer geschlagenen nicht zu reden — wäre nicht imstande, an dem eigenen Volke etwas zu verüben, was von der übergroßen Mehrheit als offenbares Unrecht empfunden würde. Sobald eine geistige Bewegung einen gewissen Grad erreicht hat, entstehen auch gewisse moralische Hemmungen, die jeden Mißbrauch der Gewalt gegen sie aus- schließen. Vollständig ohnmächtig bleibt schließlich die bloße Gewalt gegen Notwendigkeiten, die jeden Mißbrauch Gvn Gewalt gegen Notwendigkeiten, die sich aus der wirtschaftlichen Entwicklung selbst ergeben. Eine Wirtschaftsordnung, die ökonomisch nicht mehr aufrechtzuerhalten ist, läßt sich auch nicht militärisch stützen. Wir dürfen aber darauf vertrauen, daß der größte Krieg, den die Welt gesehen hat, auch die tiefstgreifcnden Umwälzungen im Innern nach sich ziehen wird. Und diese Umwälzungen können sich nicht zum Schaden eines Volkes vollziehen, das für die Aufrechterhaltung seiner Existenz nach außen eben erst das Leben in die Schanze schlug! Neber die Kämpfe östlich vor Paris von denen der Generalquartiermcister am vorigen Freitag meldete, schreibt der Kriegsberichterstatter der Fr. Ztg. aus dein Großen Hauptquartier-noch folgendes: Als die rechte Flügclarmee östlich von Paris ankam, erfolgte am 5. September ein Ausfall starker französischer Kräfte aus Paris auf die Linie Crepy en Valois—Meaux. Dieser Ausfall, der bei den Franzosen durch sehr starke Artillerie, zum Teil durch aus Paris mitgeführte schwere Batterien gestützt wurde, wurde von den Deutschen zurückgeworfen, die auf Paris nach- drängten. Im Anschluß an diesen Ausfall erfolgte südöstlich von Paris ein Vorstoß sehr starker englischer und französischer Kräfte auf die Linie Meaux—Montmirail; auch diesem über- legencn Angriff hielten die deutschen Truppen stand, waren jedoch genötigt, ihren rechten Flügel zurückzubiegen. Der Angriff der Franzosen und Engländer war durch, die hartnäckige Gegenwehr moralisch vollkommen gebrochen, so daß die Deutschen ihre rückwärtige Bewegung am rechten Flügel ausführten, ohne daß die Franzosen nachdrängten. Die erste deutsche Armee allein nahm trotzdem 4000 Gefangene und 50 Geschütze mit. Von den anderen Armee liegen hierüber noch keine Berichte vor. Die schwersten Kämpfe spielten sich am Abschnitt des Petit Morin ab. Tie Kämpfe in feindlicher' Darstellung. T. U. Rom, 12. Sept. (Gtr. Sin.) Die Tribuna erhält aus Paris folgende Darstellung der Operationen im Marnetal: Die Operationen begannen am Sonntag. Tie Schlacht dauert seit fünf Tage» ununterbrochen fort. Fachleute halten die Entscheidung für bevorstehend. An der 250 Kilometer langen Front stehen ans beiden Seiten nahezu 1% Million Streiter. Der deutsche rechte Flügel unter General von Kluck hat sich südlich der Marne, entlang des Morintals befestigt. Seine Stützpunkte sind im Westen Meaux, im Osten Vitry lc Francois. Nördlich dieser Ortschaft hat die Armee des Generals von Biilorv Stellung genommen, zwischen Reims und der Argonne die Armee des Generals von Sausen. Aus französischer Seite stehen zwei Armeekorps nördlich Tezannc- Vitrp. Dieser rechte Flügel ist in der Frontlänge an Verdun, Toui, Epinal angelchnt. F» der Hänptsrvnt känipfcn vier Armeekorps. Die Generale Gallien! und French hatten den Befehl, den rechten Flügel der Armee von Kluck zu bedrohen und einen Frontangriff ans dessen Stellung zu erleichtern, von Kluck, der die Absicht Joffrcs erriet, wollte seinen rechten Flügel verstärken, wurde aber von den Pariser Truppen angegriffen und zog sich später zwischen Fort Gauchcr und dem Petit Morin zurück. Ter Kanonendonner verzieht sich nach dem Nordostcn. U. Rotterdam, 12. Sept. eitcrte an einer Gegeiimaßregel des Bürgermeisters Mar. Er lieh durch seine im Amt gebliebene Polizei die Zcitungsvcrläuser verhaften und die Blätter beschlagnahmen, weil die Angabe eines Druckers sehltc: dieser ist inzwischen ermittelt und vor den belgischen Untersuchungsrichter geladen worden. Der Bcrichierstatter der Köln. Volksztg. teilt dann mit, das; Mar den deutschen Militärbehörden osten mit der Revolution Brüssels bedroht habe, falls ihm ein Haar gekrümmt werde: „Wenn Sie es wollen, können Sic die Revolution binnen zwei SNinden haben!" Inzwischen werden in Brüssel in aller Heimlichkeit Tagcsblät- tcr verkauft: auch der jetzt in Gent erscheinende Pcuple ist da- runter. Vielfach findet man in den Blättern irreführende und gefährliche Nachrichten. Tie Kölnische Zig. veröffentlicht folgende Ab- schrijt eines am 5. September In Brüssel verbreiteten Flugblattes mit „Lebten KrieqSnachrichten": „Aus der Times vom 29. August: Die Russen rücken-, «ach Berlin vor, sie stehen 50 Kilometer davor: Marsch der Russen aus Danzig. Aus der Times vom 29. August: Die Serben besetzen Men: großartige Begeisterung in Serbien: Aufstand in Oesterreich: tue Tschechen meutern und erschichen ihre Ossizicre. Aus dem Matin vom 39. August: Rothschild stellt Belgien 50 Millionen zur Verfügung: der Vogesenkamm ist von den Franzosen besetzt. Aus dein Dtaiin: Der Verrat Hollands bestätigt. ,r»lg«: Holland wird ausgehungert: die englische Flotte besetzt die Häsen. Halbamtlich: Tie französischen Truppen, die von den itaRenii« scheu Küsten kommen siiid im Anzüge, um den Verbündeten in Belgien Hilfe zu bringen: 200 000 Ftaliencr sollen gegen Oesterreich-Ungarn inarschicren." Tab derartige Flugblätter die Bevölkerung aufs äußerste erregen, ist klar. Es ist nur nicht abzusehen, welchen Zweck die Vertreter der städtischen Bchördeii Brüssels mit der Duldung dieses Unfugs verfolgen. Wie die Dinge jetzt liegen, wird gewaltsamer Widerstand der Brüsseler Ziviibehörden nur zur Folge haben, daß auch diese Stadt mit ihren jckchnen Bauwerken »nd daß unzählige Privatleute Opfer des Krieges werden. Der Reichskanzler gegen die englische Nentralitötskienchelei, W. B. Kopenhagen, 13. Sept. Ritzaus Bureau hat vom Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg nachstehende Mitteilung erhalten: Der cnntifrtie Premierminister hat in Der Guildhall in einer Rede für (fitflianb die Molle des Beschützers der kleineren, schwächeren Staaten in Anspruch genommen und von der Ncu- iralitäi Belgiens, Hoiiands und der Schweiz gesprochen, die von Deutschland gefährdet sei, Es ist richtig, wir habe» Belgiens Neutralität verletzt, weil bittere Not »ns zwang, aber wir hatte» Belgien volle Integrität und Lchadloshaitung zugesagt, wenn es mit dieser Notlage rechnen wollte, Belgien wäre ebenso wenig etwas geschehen wie z. B. Luxemburg, Hätte England als Beschützer der schwächeren Staaten Belgien unendliches Leid ersparen wollen, dann hätte es ihm den Rat erteilen müssen, unser Anerbieten anzunehmen. Geschützt hat cs unseres Wissens Belgien nicht. Ist also England wirklich ein so selbstloser Beschützer? Wir wissen genau, dass der frMizösischc Äriegsplan den Durchmarsch durch Belgien zum Angriff ans die unbeschiitztcn Rheinlandc oor- sah. Gibt es jemand, der glaubt, England würde dann zum Schutze der belgischen Freiheit gegen Frankreich ctngeschritten sein? Die Neutralität Hollands und der Schweiz haben wir streng respektiert und auch die geringste Grenzüberschrcitung des niederländische» Limburgs peinlichst vermiede». Es ist ausfällig, daß Asquith nur Belgien, Holland und die Schweiz, nicht aber auch die skandinavischen Länder erwähnt. Tie Schweiz mag er genannt haben im Hinblick aus Frankreich. Holland und Belgien aber liegen England gegenüber an der anderen Küste des Kanals. Darum ist England um die Neutralität dieser Länder so besorgt. Warum schweigt Asquith von den skandinavischen Neichen? Bielleicht, weil er weift, daft cs uns nicht in den Sinn kommt, die Neutralität dieser Länder anzutastc»? Oder sollte England etwa für einen Vorstoß in die Ostsee oder sür die Kriegführung Rußlands die dänische Neutralität doch nicht für ein noli me tangere halten? Asquith will glauben machen, daft der Kamps Englands gegen uns ein Kamps der Freiheit gegen die Gewalt sei. An diese Aus- brucksweisc ist die Weit gewohnt. Fm Namen der Freiheit hat England mit Gewalt und einer Politik des rücksichtsloseste» Egoismus sein gewaltiges Kolonialreich begründet, im Namen der Freiheit hat es noch um die Wende dieses Jahrhunderts die Selbstständigkeit der Burcnrcpubiikc» vernichtet, im Namen der Freiheit behandelt cs jetzt Aegypten unter Verletzung internationaler Verträge und eines feierlich gegebene» Versprechens als englische Kolonie. Im Namen der Freiheit verliert einer der malayischen Schutzstaatcn nach dem ander» seine Selbständigkeit zugunsten Englands. Im Namen der Freiheit sucht es durch Zerschneidung der deutschen Kabel zu verhindern, daß die Wahrheit in die Welt dringt. Ter englische Ministerpräsident irrt sich. Seit England sich mit Rußland und Japan gegen Deutschland verband, hat cs in einer in der Geschichte der Welt einzig dastehenden Verblendung die Zivilisation verraten und die Sache der Freiheit der europäischen Völker und Staaten dem deutschen Schwert zur Wahrung übertragen. gcz. von B e t h in a n n - H o l l w e g. Der Ltos; gegen die Internationale. Ein Verhängnis, stärker als unsere Kraft, hat die europäischen Kulturvölker in einen Krieg hincingczcrrt, den keines von ihnen gewollt hat. Kein Volk! Wenn auch vielleicht außer dem Zaren auch die englische Regierung. In diesem Krieg tun die Sozialdemokraten aller Länder ihre Pflicht für das Vaterland. Wir haben volles Verständnis für die Lage unserer französischen und belgischen Genossen, die gegen Deutschland die Unabhängigkeit ihres Bodens und ihrer Kultur glauben verteidigen zu müssen. Wenn sie aber versuchen, die deutsche Sozialdemokratie ins Unrecht zu setzen und diesen Versuch gar unter dem Deckmantel der Inter- nationale anstellcn — siche den Ausruf des deutschen Partei- Vorstands in unserer Samstagausgabc — so überschreiten sie die Grenze des Rechts, das ihnen der ruhigste und entgegenkommendste Beurteiler zugestehcn kann. Die belgische und französische Sozialdemokratie haben in Genieiuschaft mit dem JntcrnationalenSozialistischen Bureau, das seinen Sitz bekanntlich in Brüssel hatte, jenen Aufruf au das deutsche Volk gerichtet, in dem sie dieses gegen die sozialdemokratische Partei und Reichstagsfraktion Deutschlands einzunehnicn suchen und gegen den der deutsche Parteivor- stand sich in seiner Gegenerklärung energisch gewehrt hat. Das Schriftstück soll von Flugmaschincn aus über Deutschland verbreitet werden, aber es ist wohl sicherer und einfacher, wenn wir selbst die Verbreitung übernehmen. Nach einer Einleitung über den gemeinsamen Kanipf der ganzen Internationale gegen die Kriegsgefahr fährt der Ausruf fort: Der Krieg ist ausgebrochen als ein Komplott, cingclcitct durch das Ultimatum Oesterreichs an Serbien. Weiter: da Serbiens friedliebende, versöhnende Antwort von Oesterreich abgcwicscn wurde, stand cs über allen Zweifel, daft das imperia- listischc Deutschland der Anreizer zum Krieg ist. Die Jiuernationale ist ständig in Beziehungen zur sranzöst- schcn Negicrui:» geblieben zur Unterstützung des cngitschcn Versuches einer schiedsgerichtlichen Lösung, in welchem sic die beste Aussicht aus Frieden sah, ivobci sie überzeugt ivar, daß die französische Regierung in aufrichtiger Weise den Frieden wollte. Die Versuche des Ministers Viviani wurden gutgeheiftcu von deutschen Sozialisten in Paris. Es steht aber zu fürchten, daft die deutsche Arbeiterklasse, von ossizicllcn Mitteilungen irregcsiihrt, keinen richtigen Blick für die ivcscntlichen Tatsachen hat. Wir lenken ihr Aufmerksamkeit aus die große Tatsache, aus welcher Deutschlands Vorhaben klar hervorgeht: die Verletzung des belgischen Gebiets, die falsche Behauptung, daß sranzöstschc Flieger Bomben ans Nürnberg gc- worfen haben, die Behauptung, daft französische Truppen in Belgien eingerückt seien in demselben Augenblick, als Frankreich eben England gegenüber das formelle Versprechen erneuert hatte, die belgische Neutralität zu achten. linier einem Vorwand hat dagegen Deutschland Belgien dazu verpflichten wollen, seiner Armee den Durchzug zu gestatten: aus Belgiens Weigerung hat es den Krieg erklärt, das neutrale Gebiet überrumpelt und Lüttich belagert. Ter Appell schließt mit der Versicherung, daß Frankreich und Belgien nur für den Grundsatz der Freiheit und des Sclbstbestimmungsrechts der Völker kämpfen. Wenn diese Wahrheit einmal ans Licht träte, würden die deutschen Sozialisten sie anerkennen müssen. Das Manifest ist für die französische Partei unterzeichnet von Guesdc, Longuct, Sembat und Vaillant. für das Internationale Sozialistische Bureau von Anscele, Bcrtrand, Huys- mans und Vandervelde. Die wesentliche Behauptung des Ausrufes — ganz abgesehen von den vielen einzelnen Schiefheiten und Unrichtig- leiten — ist falsch, und wenn wir an dem gütest Willen seiner llrhcbcr auch nicht zweifeln wollen, so niüsscn sic doch mit einer merkwürdigen Blindheit geschlagen gewesen sein, daß sie den Fehler nicht selbst gemerkt haben. Wie konnten sie diesen Aufruf abfasscn, ohne den Haupttcilnehmer dieses Krieges, Rußland, auch nur mit einem Wort zu erwähnen. Alles was Deutschland gegen Fsankrcich und Belgien getan hat, kann erst verstanden Werdens wenn man zuvor von Rußlands Vorgehen spricht. Auch die Ablehnung der serbischen Antwort durch die österreichische Regierung ist dadurch voll verständlich und gerechtfertigt worden, daß Rußland schon während dieser Verhandlungen eifrig mobilisierte. Das ist die wesentliche Tatsache, und Frankreich und Belgien büßen dafür, daß sic sich zu Bundesgenossen des russischen ZckriS- mus gemacht haben. Der Versuch des Internationalen Sozialistischen Bureaus, die deutsche Sozialdeniokratie als !o unwissend und einsichtslos hinzustcllcn, daß sie sich von der deutschen Regierung einwickeln ließe, ist zum mindsten nicht parteigenössisch. Wenige Tage vor Kriegsausbruch hat der jetzige französische Minister Genosse Marcel Sembat erklärt: „Das Bündnis mit Rußland ist eine Kulturschande: bei dem Gedanke», daft »nserc Staatsmänner durch russische Horden Deutschland überfluten lasten könne», daß wir mit unserem Geldc de» Arm des Zaren qeqcu die Träger der große» und gewaltigen Kulturs des Germanentums wassnen, muß jedem Franzosen die Schamröte ins Gesicht steigen!" Dadurch, daß er jetzt seine eigenen Worte so vollständig vergessen hat, wie sie der von ihm Unterzeichnete Ausruf vergißt, haben sich die französischen Sozialisten erst recht des Rechtes begeben, über uns Deutsche zu Gericht zu sitzen. W i r fühlen uns sicher in dem festen Bewußtsein, daß die deutsche Sozialdemokratie zur Erhaltung des Friedens alles getan hat, was in ihren Kräften stand. Ob das nicht noch mehr war, als was Frankreichs und Belgiens Sozialisten um des Friedens willen taten, das wird dereinst die Geschichte auswciscn. Aber ein Recht nehmen wir heute schon vor unseren französischen und belgischen Genossen in Anspruch: wir finden es ehrenwert, daß sie ohne viel nach den Ent- stchungsgründen des Krieges zu fragen, ihr Vaterland verteidigen, wir nehmen aber auch für uns dasselbe Recht in Anspruch. Aus die deutsche Sozialdemokratie wird der „internationale" Aufruf der Frynzosen lind Belgier keinen Eindruck machen. Er wird höchstens die Wiederanknllpfung internationaler Beziehungen erschweren. Unmöglich freilich wird er sie auch nicht mache». Tic Notwendigkeit, die Bande internationaler Solidarität zwischen den Völkern neu anzuknllpfeN und zu festigen, — sobald es die Zeitumstände wieder er- lauben — muß jedem einleuchtcn, der gesehen hat, welches Schrecknis für die Welt die Störung ihrer friedlichen Beziehungen bedeutet. Tie Internationale, die im Krieg ihrem ganzen Wesen nach funktionsunfähig sehn muß, wird mit deni Ende des Kriegs notwendiger werden als je zuvor. Um aber zur rechten Zeit wieder auf den Plan treten gu können, muß sie jetzt die Kraft haben — zu schweige nI Vom serbischen Kriegsschauplatz. W. B. Budapest, 13. Scpt. Die Blätter melden aus Esteg: Wie bas Blatt Drau aus Grund amtlicher sei ts erteilter Auskläruwgeu meldet, kann der Einmarsch der ctiva 15 (WO Mann betragenden serbischen Abteilungen in Syrmien als nichts anderes betrachtet iver-^ den, als ein Versuch zur Bcunrnhiqnrig. Wir besitzen, wie die Vernichtung der Timvk-Divisivn bei Mitrovitza beweist, in Syrmien genügend Truppen, um Angriffe zurllckzuwersen. Es muß betont ivcrdcn. daft die Behörden von Scmlin, Mitromitza und Rmna tadellos arbeiten. Die deutsche Dstscestottc rührt sich. Kopenhagen, 10. Sept (Ctr. Bin ) Dem hiesigen Blattes Politiken wird aus Stockholm berichtet: Die deutsche Ostscesiatte rsihrt sich. Nach Berichten von Personen aus den äuftcrsteu schwedischen Schäre» hat man Moittag morgen ein Geschwader von 20 Schissen bei Gotiond beobachtet. Außerdem berichtet man über ein deutsches Geschwader von 31 Linienschiffen, Kreuzern und Torpcdo- jägern: dieses sei in den nördlich liegenden Schäre» Montag Mittag sichtlxir gewesen, habe eine Stunde lang langsam in der Gegend ge- kreuzt und sei bann nach Osten abgedampst. Britische Geschwader auf der Suche. London, 13. Scpt. Nach einer Mitteilung der britischen Adnü- ralttät sind gestern und vorgestern von zahlreichen Gcschivadern und Flotillen Nckvgnoszicrunigsfahrien durch di« Nordsee bis nach der Helgoländer Bucht unternommen worden. Unterwegs wurden^ deutsche Schisse nicht angetrosfen. A^ortsetzttttg der Kaperei. London, 13, Scpt. (Etr. Blu.) Ei» englisches Kricgsschisf kaperte Sen Hapag-Dampser „Bcihaina" und schleppte ihn nach Kingston (Jamaika). Kämpfe i» der Südsee. London, 12. Sept. (Etr. Bln.) Tie Admiralität gibt ockannt, daß die Engländer am 10. September Hcrbertshöhe im Bismarck-Archipel besetzt haben. Die Deutschen leisteten Widerstand, worauf die Engländer die Station für drahtlose Telegraphie angriffen und vernichteten. Tie Engländer vcr» loren ihren zweiten Kommandanten: auch zwei Matrosen: sind tot, drei verwundet. Zwei deutsche Offiziere sowie fiinß Reserveoffiziere und dreißig Eingeborene wurden gefangen! genommen. Ans deutscher Seite gab es keinen Toten odey Verwundeten. ' 1 ■ t 1 Lo»,don hat Angst. Stockholm, tl. Scpt. (Eir. Bin.) Die britische Admiralität Hai einen Lufifichcrungsdicnsi durch Acropianc, die ständig über London kreuzen sollen, angcorbnct. Englands Jndiensorgen. Koiislantinopcl, 13. Sept. (Priv.-Tel. der Franks. Ztg., Ctr. Bin.) Die englische, zwischen Bagdad und Basra verkehrende Lynch-Schiffahrts-Linie hat ihren Verkehr eingestellt: ebenso hob England den daran anschließenden Verkehr von Basra nach Bombay auf. Diesen englischen Maßnahmen kann, da sonstige Störungen dieser einträglichen Linien nicht zu befürchten stehen, nur die Tendenz inncwohnen, wegen der zunehmenden Erregung in Indien dessen lebhaften Wechsel- Verkehr mit dem türkischen Reiche nach Möglichkeit zu unter, binden. Wie der Krieg dem englischen Handel schadet. Lausanne, 11. Sept. Die Gazette de Lausanne gibt eine Mit. ieilnng der Englischen Handelskamitzcr wieder, der zufolge im August die englische Einfuhr um 450 Millionen und die Aussulp: um 500 Millionen Franken gesunken sei, obivohl Großbritannien die Seewege beherrsche. Und Irohdcm bleibt John Bull grohmänlrg. London, 12. Sept. en, da von ihren Staatsbürgern viele tausend teilweise in wirtschaftlich wenig geschützter Stellung, z, B. als Arbeiter, mitten in der Türkei leben. Wir vermuten, daß auch die deutsche Regierung diese Neuregelung der NcchtSzustäwdc nicht ohne eine nähere Prüfung wird anerkennen wollen. Diese Prüfung kann aber mit Nutzen nicht sofort, sondern erst nach der Beendigung des Krieges in Europa vorgenommen werden, und wir hosfen, daß auch Italien in einen Aufschub bis dahin «inwilligen werde. Ferner hat der Präsident des Reichstages, Tr. Kaemps, an die sozialdemokratische Fraktion folgendes Schreiben ge- richtet: Unser Kollege, der Neichstagsabgeordnete Tr. Frank, Mannheim, fand im Kampfe für die Ehre des Vaterlandes den Heldentod. Zu dem schweren Verluste, den dadurch die sozialdemokratische Fraktion und der Reichstag erlitten, ge- statte ich mir. Ihnen meine aufrichtigste und herzlichste Teilnahme anszufprechen. Kaempf, Präsident des Reichstages, „Barbaren". .Ein zum Landsturm cingezogener Genosse schreibt unscrm Kölner Parteiblatt: „Bei B, in Belgien liegt ein Dorf F, In mesem kaufte der zweite Zug der 1, Kompagnie des 2, Landsturm- Bataillons Köln seine Butter und Eier, Eines Tages sah eine alte Bauerssran sehr gedruckt aus. Ich fragte sie, warum sie so traurig E, chic alte Frau brach in Tränen aus und sagte mir ans frangö- man ilite Tochter sei soeben an der Geburt des fünften Kindes ge- ltorven. Das Kind lebt: der Vater sei im Krieg. So etwas ist zu liaurig für einen seden Menschen. Ich sprach mein Beileid aus, so gut es auf französisch ging. Den Fall meldete ich meinem Zug- fiiyrer, und dann wurde schnell ein großer Kranz ans blühender Erika gebunden und durch ein Schreiben unser herzliches Beileid ausgelprochen. Das Begleitschreiben enthielt folgendes: Sehr geehrte Frau! Bei dem Hinschcideii Ihrer lieben Techlcr lMntlcr von vier Kindern), welche in dem Augenblicke, einem Kinde das Leben zu geben, von der Welt abbcruscii wurde, sprechen wir deutsche Landstiirmmänncr ans Köln am Rhein unser innigstes Beileid aus. Möge cs Ihnen dennoch vergönnt sein, ihre Enkel zu guten Menschen großzuzichc», und Ihnen dadurch ein Trust für den großen SckMerz erstehen. Die Landstiirmmänncr des 2. Bataillons der 1. Kompagnie, der 2. Zug, welche z. Z. in B. iicgcn." Der Tabaktrust unter staatlicher Kontrolle. Tie deutschen Unternehmunsien und Fabriken des Tabak- trnstes wurden, wie der Deutsche Kurier erfährt, am 7. September in Gemäßheit der letzten Bundesratsverfügung der deutschen Staatskoutrolle unterstellt. „Einzug in Berlin 191-1". Die B. Z, a. M. meldet: Nach brieflicher Mitteilung eines Berliner Arztes fand man ln einem Kasten der erbeuteten russischen Geschütze hundert Stück einer frisch geprägten Kiipscrmünzc, die auf der einen Seite das Bild des Zaren, auf der andern Seite die Aufschrift: „Einzug j» Berlin 1811" trügt. Die Suffragette» mache» »robil. Die sattsam bekannte» englischen Sussragctten treten jetzt gegen Deutschland ans den Plan. Miß Pankhiirst erläßt in Londoner Blättern einen schwülstigen Aufruf und feuert alle Suffragetten znm Kampfe gegen die dcnischc Gefahr an. — Wenn die Suffragetten etwa nach dem Festland transportiert werden wollen, wird die englische Regierung diesen Wunsch gewiß mit ganz besonderem Vergnügen erfüllen. Tie Kämpfe vor Paris in holländischer Beleuchtung. Rotterdam, 14. Sept. Zu den englischen und französischen Siegesmeldungen schreibt in Erörterung der Lage der Reue Rotterdamsche Courant: Nachdem der südöstlich vorgeschobene deutsche rechte Flügel, um der llmzingelung durch von Westen kommende feindliche Hilfstruppen zu entgehen, nach Norden zurückgezogen worden war, war ein entsprechendes Manöver im Zentrum zur Wiederherstellung der Front eine selbstverständliche Notwendigkeit. Schcilern der französischen Anleihe. Berlin, 14. Sept. Nach dem hier eingetroffenen Financial Commercial Chroniele vom 22 . August hat Staatssekretär Bryan auf eine Anfrage bezüglich einer weiteren Anleihe erklärt, daß Anleihen von amerikanischen Bankiers an irgendwelche kriegführenden ausländischen Nationen mit dem wahren Geist der Neutralität nicht vereinbar seien. Daraufhin haben I. P. Morgan n. Co. offiziell angekündigt, daß die Verhandlungen wegen Gewährung einer Anleihe von 100 Millionen Dollars an Frankreich fallen gelassen worden sind. Gegen eine schweizerische Anleihe feien nach Bryans Erklärung keine Einwendungen zu machen. Darnach wäre also der französische Anleiheversuch in Amerika gescheiterk. Der englische Lügenapparat. London, 14. Scpt. Sir Edward Grey hat dem Unterhause Mit- teilunq davon gemacht, daß die englische Regierung Maßnahmen geirofscn habe, um den durch deutsche Agenten verbreiteten Nachrichten in neutralen Ländern cntgegenzutrctcn. Sumniarischc Auszüge der offiziellen Nachrichten werden regelmäßig an die englischen Vertreter in den ncntralcn Ländern telegraphiert und dort in weitestem Maße verbreitet. England besonders schädliche Meldungen deutscher Agenten wurden dementiert. Dieses Vorgehen habe eine ausgezeichnete Wirkung gehabt. Seiiillii wieder frei. Budapest, 14. Sept. Tie Blatter aus Vukewar melden: Der Stadtrat von Semlln hat an die Redaktion des Blattes Srijemski Novine folgendes Telegramm gerichtet: Nach einer Mitteilung des hiesigen Militärkommandos ist jede Gefahr bezüglich der Stadt Semlin geschwunden, indem unsere Truppen die Serben auf der ganzen Linie über die Save zurllckgcdrängt haben. Indische Truppen unterwegs, Rotterdam, 14, Scpt. Eine Rcuiermeldung berichtet: Es ist kein Geheimnis, daß Indien bereits zwei Infanteriedivisionen und eine Kavallcriebrigadc nach Europa abgcsandt hat. Weitere drei Kavallcricbrigaden werden unmittelbar folgen, sobast eine indische Armee in einer Stärke von 70 000 Mann nach dem Kriegsschauplatz abgchcn wird. Ein deutscher Konsul hingerichtct, Köln, 14, Sept. Nach einer Meldung der Kölnischen Zeitung aus London haben die russischen Behörden den deutschen Kvnsul in Abo in Finnland unter dem Vorwände der Spionage hinrichten lassen, Ter Aufstand in Indien. Stockholm, 14. Sept. Aus London meldet Götheborgs Morgenpost die erste englische Bestätigung des indischen Aufstandes. Obgleich in der Presse für das Publikum bestimmte schön gefärbte Berichte herausgegeben werden, verhehlen sich die maßgebenden englischen Kreise nicht, daß sie bis vor wenigen Tagen die Situation in Indien verkannt haben und daß die ansgebrochene Meuterei zu ernsteren Besorgnissen Anlaß geben kann. Havarierte englische Kriegsschiffe in iiciitralcn Häfen, Wien, 14, Scpt, Aus Athen wird gemeldet daß havarierte englische Torpcdobootszcrstürcr in den italienischen Hafen Brindisi geflüchtet sind. Tie Gefahr eines amerikanisch-mexikanischen Krieges. XX B, Kopenhagen. Berl. Tit. meldet aus London: Von jvohluntcrrichtetcr Seite wird mitgcteilt, daß das Verhältnis zwischen Präsident Wilson und dem mexikanischen General Caranza, dem wirklichen Obcrmachthnbcr der Republik Mexiko, sehr gespannt ist, weil dieser in ziemlich nnverschäm- 1cm Tone forderte, daß die Truppen der Vereinigten Staaten Vcracrnz räumen sollen. In den letzte» Tagen sind starke amerikanische Truppcnmaffen nach der mexikanischen Grenze abgcgangen. Ein schweres Brückciiunglück, XV. B. Budapest, 14. Scpt, Bei den Ausb-esserilligsgrbcitcn an der Kettenbrücke riß das Seil eines Kranes, mit dem mehrere Zentner schwere Eisenstücke in die Höhe gehoben werden sollten. Das in die Diese sausende Eisenstück durchbrach einen Teil des Geländes, wodurch von den Arbeitern 8 schwer und viele leicht verletzt wurden, Ein neuer Bcrlnst der deutschen Kriegsmarine. WB. Berlin, 14. Sept. (Amtl.) Am 13. Sept. vormittags wurde S. M. Kleiner Kreuzer Hela durch einen Torpedo- schuß eines feindlichen Unterseebootes zum Sinken gebracht. Die gesamte Mannschaft wurde gerettet. Der stcllv. Chef des Admiralsstabs: Behacke. Keine Cholera in Königsberg. XVB. Berlin, 14. Scpt, (Amtlich,) Gegenüber einem hier ausgetretenen Gerüchte, daß in Königsberg und in den benachbarten Gebieten Ostpreußens die Cholera ausgebrochen sei, ist zu< stänbigerseits festgcstellt worden, daß bis jetzt weder in der Stadt noch im Regierungsbezirk Königsberg Fälle von Cholera vorqc- kommen sind. Auch in den an den Bezirk Memel grenzenden russischen Bezirken herrscht keine Cholera. Ei» deutsches Patroulleustückche». Berlin, 14, Scpt, Die Vossischc Zeitung erfährt aus Babenhausen: Der Fürst Fugger-Babenhausen, der beim Gardekorps steht, hat bei einem Patrouillenritt mit 20 Mann eine ganze eng. lijche Schwadron gefangen genommen. Hessen m»d Nachbm gebiete. «ieffe» u»d Umgebung. — Die antisemitische Staatsbürgcrzciiuiig, welche jetzt nur noch als Wochenblatt erscheint, hat jetzt ihre Not, einen Drucker zu finden. Das Blatt erzählt selber darüber: Direktor Tr. Tietzsch, der Leiter der Lindendruckerei, die die Zeitung bisher druckte, erklärte ihr vor einigen Wochen plötzlich, er dulde nicht mehr, daß die Staats- biirgerzeitung antisemitische Artikel bringe.' Auf den Vertrag aufmerksam gemacht, meinte Tr. Tietzsch, das fei ihm gleich, daun breche er den Vertrag. Er verbiete der Zeitung den Antisemitismus nur in ihrem eigenen Interesse, denn, wenn jetzt in der Kriegszeit antisemitische Ar- iikel erfolgten, würde das Volt die Redaktion stürmen una die Redakteure totschlagen. „Warum", rief Tr. Tietzsch, „wollen Sie antisemitisch bleiben? Wir sind doch jetzt alle Brüder!" Ter Leiter der Lindendruckerei ging so- gar noch weiter. Er weigerte sich, einen Leitartikel abzusetzen, worin die Schriftleitung auseinandergesetzt hatte, „was Deutschland ini Falle von Sieg und Niederlage zn hoffen und zu fürchten habe". Tr. Tietzsch erklärte solche Ausführungen für takilos. „Ta wir die Ueberzeugnng gewannen," so schließt die Staatsbürgerzeitung, „daß Tr. Tietzsch darauf ansging, unsere Staatsbürgerzeitung zu ruinieren, wie er auch seinerzeit unser Zwölf-Uhr-Nachtblatt ruiniert hat, so sind wir von der Linüekldruckerei fortgegangen und lassen jetzt unser Blatt in einem anderen Truckekeibetriebe Herstellen," Allerdings hat der Drucker einer Zeitung nicht das Recht, in deren redaktionelle Führung hineinznreden, aber wenn die Staatsbürgerzeitung von ihrem Drucker so behandelt wird, läßt das erkennen, daß sie völlig auf dem Hund ist, — Frauen gegen den Krieg. Arnoldo Cipolla, der, Pariser Berichterstatter der Stampa (Turin) macht auf einen' Faktor der öffentlichen Meinung in Frankreich aufmerksam, der bisher merkwürdig wenig beachtet worden ist, obgleich er von jeher in der Geschichte Frankreichs eine große, oft selbst ausschlaggebende Rolle gckspielt hat. Das sind die Fram°«, und die französischen Frauen sind, so versicherte nach der Fr. Ztg. der italienische Schriftsteller auf Grund seiner Beobachtungen, im Grunde ihres Herzens erbitterte Gegnerinnen dieses verhängnisvollen Krieges. Die französischen Frauen haben nach ihm nie an der Kriegsbegeisterung teilgenommen: sie haben von vornherein die Empfindung, ja die Ueberzengung gehabt, daß dieser Krieg von Frankreich schnell und ganz verloren werden müsse. Sie, deren Männer ins Feld gerufen wurden, deren Heimstätten! verödeten, haben das ganze Elend ermessen können, das dieser Krieg über ihr Land gebracht hat und noch bringen wird. Auch ist die französische Frau selbst in sehr umfassendem Maße im geschäftlichen und industriellen Leben tätig und vermag daher die Katastrophe', der das französische Wirt-, schaftsleben durch den Krieg ausgeseht ist, wohl zu beurteilen. Sie wird die Stimme der Menschlichkeit bald erheben, uni, ihr Anrecht ans Leben zur Geltung zu bringen. — Tvtc des Gicßencr Regiments. Als gefallen sind vom Regiment 116 weiter festgestellt worden: Feldwebel Heinr. Dl o in b e r g e r ans Stumpertenrod; Reserveleutn. Eduard Castringius, Lehramtskandidat. — Tcr Sturm von Samstag Nacht und Sonntag, der in unserer Gegend viel Schaden anrichtete, hat in der Wet- leran, in Friedberg und Nauheim noch schlimmer gehaust. Wie von dort berichtet wird, wurden Bümne geknickt und die Obsternte zum größten Teile heruntergeschüftelt. — Die amtlichen Verlustlisten liegen noch einer Bckauni- machung des Kreisamtes in Gießen auf dem Amtszimmer Nr. 2 des Oberbürgermeisters aus, serncr aus der Polizeiwachtstubc in der Wcidcngasse und auf der Polizeiwache am Sclierstor, Ferner auf den Biiracrnicistcrcien in Ellerstadt, Großen-Buseck, Griinberg, Hungen, Lang-Köns, Lich, Lollar, Londorf, Lumda, Obcr-Bcssingcn, Villingen und Wieseck, In unserer Erpediiion Bahnhofstrabe 23 liegt die amtliche Verlustliste ebenfalls ans. — Die gestern eingctroffenc hatte einen ganz erheblichen Umfang, sie umfaßte nicht weniger als 02 Seiten. Schau das zeigt, daß unsere Verluste nicht gering sind, was ja bei der heutigen Waffentechnik auch sehr begreiflich ist, wo die Maschinengewehre ans beiden Seiten furchtbar blutige Arbeit verrichten. — Viele in Gießen und Umgegend, deren Angehörige bei den 1I8crn stehen, sind noch über das Schicksal derselben im Ungewissen. — Militärschneiderei, Ans Wornis wird geschrieben: Wenn das Tchneidergcwcrbe in der gegenwärtigen Kricgszeit nicht von den BeklcibungSämtcrn der verschiedenen Armeekorps beschäftigt würde, würde dieser Berns vollständig brach liegen. Bei den Schneidern macht sich zur Zeit in den meisten Städten eine berechtigte Mißstimmung über die Verteilung der Arbeit geltend. Ucbcrall machen sich bei Vergebung der Arbeiten Zivischcnuntcr- nehnier beinerlbar und drücken dadurch den Lohn für die Schncidcr- gcsellen ganz wesentlich herab, da sic einen erheblichen Teil des von der Militärverwaltung für die Anfertigung bezahlten Betrages für die Vermittlung beanspruchen, Sv ist es auch in Worms, Einige Bekleidungsämter lassen bei der Firma L. Jsay Militärröckc an- fertigen und bezahlen 8,50 Mk, für einen Rock, Tic Firma läßt die Arbeiten durch hiesige Kleidcrsabriken Herstellen und diese erhalten 0,50 Mk. pro Stück, Die Schneider erhalten nur 5 Mk. für die Arbeit, Daß die Vcrdienstvcrlcilnng bei diesem System eine sehr nngcrcchtc ist, liegt ans der Hand, Die erstcrc Firma verdient bei der Vermittlung an jedem Ruck 2 Mk,, der eigentliche Arbeitgeber 1,50 Mk, und muß dafür seine Wcrkstelle zur Verfügung stcllcn, Nähgarn liefern und die Versicherungsbeiträge für die Arbeiter bezahlen, Sv bleibt dann für die schwere Arbeit bei dem dicken Militürstofs nach 5 Mk, für den Arbeiter über. Es ist dringend nötig, daß bei dieser Arbeit die Zwischenunternehmer auSgcschaltct werden, damit den Arbeitern bei anstrengender Arbeit wenigstens das Allernvtwendigste gewährt werden kann. Die Kleidcrsabriken sind sicher bereit, die Arbeit direkt vvn der Militärverwaltung zn übernehmen, lieber die Wirkung drr modkriirn Jnsanlcrie Spisigeschossc verbreitete sich in einem Aussatz der Umschau ans Grund der Er- sahrungcn des Balkankricgcs 1912/13 der Hauptmann Ocselc, In feuern Ävicflc lauten jmti ersten Male, tmS zwar auf türkischer Seite, die modernen Spitzgeschosse, wie wir in unserem deutschen ftitfautcTiCflcftfiofi !>N eine* besitzen, und wie sie heute auch in der französischen Armee fast durchgängig zur Einführung gelangt sind, zur Anwendung. Die neuen Spitzgeschosse habe» mit den neuzeitlichen kleinkalibrige» Geschosse» das leichte Geivicht, die geringe Größe gemeinsam. Aber ihre schlanke Form befähigt sie, den bei erheblich vergrösterter Anfangsgeschwindigkeit auch wesentlich stärkeren Luftwiderstand leichter zu überwinden. Ein Nachteil äst freilich, daß solche Geschosse mit langer schlanker Spitze, bei denen der Schwerpunkt weit hinten liegt, die Neigung haben, sich zu drehen und mit dem Hinteren Teil voran zu fliegen. Die moderne Technik hat durch hohe Anfangsgeschwindigkeit, straffere Zuführung und schnellere, sichere Notation einen stabileren Flug gewährleistet und damit die Verwendung solcher Spitzgeschosse erst ermöglicht. Die gesteigerte Anfangsgeschwindigkeit gibt dem Geschoß gleichzeitig eine gestrecktere Flugbahn und dadurch ausgedehntere bestrichene Räume sowie eine größere Gesamtschußweite. Die straffere Führung vermindert die Streuung und gewährt größere Treffähigkeit. Vor allem zeichnet sich das Spitzgeschoß natürlich durch eine größere Durchschlagskraft aus. Ties zeigt sich besonders deutlich bei ividerstandsfähigere» Zielen. Beste Nickelftahl- platten von 5 Millimetern Stärke werden von dem Spitzgeschoß noch auf 100 Meter, solche von 3 Millimeter noch auf 500 bis 000 Meter durchgeschlagen, wogegen das Nundkopfgeschoß 88 die 5 Millimeter starken Platten überhaupt nicht, die 3 Millimeter starken nur auf 200 bis 300 Meter durchschlägt. Daraus ergibt sich, daß die 4 bis 5 Millimeter starken Schutzschilde der Jeldartillerie bei einer Entfernung von unter 300 Meter keinen Schied mehr gewähren. Was die Wirkung auf den menschlichen Körper anbelangt, so unterscheiden sich glatte Weichteilwunden nicht von denen anderer Mantelgeschosse. Kopf- oder Magenschllsse bei gefülltem Magen sind aus nähere Entfernungen fast immer tödlich. — Auf größere Entfernung, auch bei Anstreifen des Geschosses an Zweigen oder bei sehr spitzem Einfallwinkel kommen häufiger Querschläger vor. Hierdurch werden einmal größere Wunden erzeugt und außerdem die Olesahr der Wundinfektion durch Mitreißen von Kleiderteilen in die Wunde erhöht. Die auf bulgarischer Seite tätigen Aerzte. die die Wirkung der türkischen Spitzgeschosse studieren konnten, haben auch bezeugt, daß 32 Proz. der Gewehrmunden infiziert waren, während dies im russischjapanischen Krieg nur bei 15 Proz. der Fall war. Endlich nimmt bei einem Querschläger auch die Kraft des Geschosses rascher in der Wunde ab, die Wirkung ist ein häufigeres Steckenbleiben in der Wunde. Im Balkankrieg blieb das Geschoß in 12 bis 13 Proz. der Wunden stecken, gegenüber 5 Proz. im allgemeinen. Weiter reichende Knochenzersplitlerungen und mehr Gefäß- und Nervenzerreißungen sind gleichfalls folgen der Querschläger. Im ganzen ist also die Wirkung der Tpitzgeschosse gefährlicher, als die der Rundkopfgeschosse. — ^unendlicher Brandstifter. Am Freitag verhandelte die Gießenei Strafkammer gegen den erst 15jährigen Lehrling Hesse aus Gießen wegen Brandstiftung. Der Jüngling batte ein Vergnügen daran, weiter zu sehen, weshalb er mehrfad, Scheuern in Brand steckte, sowie auch Feustervortstiuge und sonstiges Brennbare. Wie er angibt, hat er im Kino öfter Brände gesehen und daran soviel Vergnügen gehabt, daß er sich noch weiter den Gettuß verschaffen wollte und zwar in natura. Es ivnrde aber mit der Zeit bekannt, daß Hesse diesem merkwürdigen Sport huldigte und weil die Sache nicht ganz ungefährlich ist, ivnrde er eingelocht. Er kam immer noch gut weg. Kür drei Verbrechen der Brandstiftung erhielt er 10'/- Monate Olefängnis, woraus man ihm 3 Monate Untersuchungshaft als verbüßt anrechnete. Qbwohl durch die brenzlichen Taten des Angeklagten erheblicher Schaden angerichtet wurde, rechnete man ihm seinen jngenblichen Unverstand als mildernd an. — Die Raupenplage hat in unserer Gegend doch einen ganz bedeutenden Umfang angenommen, wovon viele Gärten mit den kahl gefressenen Gemüsepflaitzen trauriges Zeugnis ablegen. DaS Ablesen des Ungeziefers oder schon der Eier hätte vor Wochen schon energischer betrieben werden müssen: oft genug wurde darauf aufmerksam gemacht. Es sei noch daraus hingewiesen, daß die kleinen gelblichen, übersponnenen Häuschen, die man oft bei einer Raupe sieht, Puppe» fOoccusj der Tchlupfwespe sind, die sehr viel zur Vernichtung der Raupe beiträgt. Diele Dingerchen darf man also nicht zerstören und ablöten. — Butzbach Tie männlichen Strasgefaugeneu aus Rocken- berg sind nach Butzbach in das Zellengesängnis gebracht worden, das dadurch zum Teil leer geworden ist, daß eine große Anzahl Bestrafter begnadigt worden sind. Dieser Tage ivurden die Gefangenen nmquartiert, der Umzug, der ja geschlosseneu Wagen erfolgte, dauerte drei Tage. Kreis Alsfeld-Laitterbacki. ». Schlitz. Der gräflich Gvrtzsche Forstmeister R i e g e r , welcher ■"«IS Rittmeister der Reserve mit in den Krieg gezogen war, ist gefallen. In den Kreisen der Sck>litzer Einwohnerschaft erfreute sich Rieger keiner besondere» Beliebtheit, weil er bei vielen Gelegenheiten gar zu sehr bas Interesse des Grafen in den Vordergrund stellte. Streii Wetftar. X Rechtsauskunft. Wegen der militärischen Eiiiderufuug unseres Bezirkssekretärs in Eoblenq sindet die festgesetzte Sprechstunde in Wetzlar nicht statt. An deren Stelle wird durch Beschluß des Gewerkschaftskartells j e d e n M i tt w o ch beim Kollege» A. Fant h in Wetzlar. Waldscknnidtstraße 3011., von vormittags 10 bis mittags 1 Uhr unentgeltliche Rechtsauskunft erteilt. Kreis Marburg-ttirchhai«. X Feuer in Marburg. In der Nacht zu,» Samstag geriet ein »eben der Oelmühle gelegenes Gebäude, in dem Qelsässer ausbcivahrt ivurden, in Brand. Tie Feuerwehr eilte rasch herbei und es gelang ihr, bas Umstchgreisen der Flammen ans die benachbarten Mühlengebäude und die Wohnhäuser zu verhindern, wobei die Mannschasten des Iägerbataillons Hilft leisteten. Durch den Brand ist erheblicher Schaden angerichtet worden. Bercinskalender. Mittwoch,10. September. Wetzlar. Abends 9 Uhr Kartellsttzung. Wichtige Angelegenheit. Besondere Einladungen ergehen an die Delegierten nicht mehr. Ein glänzender Beweis von Hilfsbereitschaft und Solidarität. I» Nürnberg haben die städtischen Arbeiter einen glänzenden Beweis dafür erbracht, wie stark in ihren Reihen der Geist der Hilfsbereitschaft und der Solidarität ist. Um einer möglichst großen Zahl von Arbeitslosen in städtische» Betrieben Arbeitsmöglichkeit zu verschaffen, hatte dort der Magistrat den bisherigen städtischen Arbeiter» de» Vorschlag gemacht, vorübergehend die Arbeitszeit von 54 aus 30 Stunden wöchentlich zu verkürze» und sich dementsprechend mit einer Lohnvermindernng von 37 Prozent einverstanden zu erklären. Im ungünstigsten Falle bleibt nun den bisherigen städtischen Arbeitern ein Mindestlohn von 15 Mark (bet Frauen von 7,50 Mark» für die Woche gewährleistet, der sich je nach der Zahl der vorhandenen Kinder auf 10—19 Mark erhöht. Eine große Versammlung der städtischen Arbeiter hat zu dieser Regelung mit erdrückender Mehrheit im Interesse ihrer arbeitslosen Klaffenbrüber die Zustimmung gegeben. Vielleicht hätte angesichts solcher Qpferwilligkeit der Magistrat trotz der Kriegslage es ermöglichen können, das; nicht die vollen 37 Prozent abgezogen zu werden brauchten. Aber dem sei jetzt, wie es sei. So ist jetzt durch die Qpferwilligkeit der städtischen Arbeiter allein auf diese Weise die Möglichkeit geschaffen worden, für viele Hunderte von notleidenden Familie» zn sorgen. Die neueingestellten Arbeiter erhallen den der zugewiesenen Arbeit entsprechenden Anfangslohn gemäß der geltenden städtischen Lohntasel. Mit Recht konnte Oberbürgermeister Tr. Geßler erklären, daß dieser Beweis des Solidaritäts- gefühls ein Ruhmesblatt der Nürnberger Arbeiter bleiben wird. Mancher Arbeitgeber könnte sich daran ein Beispiel nehmen. Telegramme. Die Russen im Osten vernichtet. Ei» russischer Verwaltungsbezirk in deutscher Verwaltung. WH. Grosses Hauptquartier, 14. Sept. (Amtlich.) Im Osten schreitet die Vernichtung der russischen Armee sort. Tie eigenen Verluste sind berhiiltnisuiüssig gering. Tie Armee b. Hindenburg ist mit starten Kräften bereits jenseits der Grenze. Das Gonperiiement Snwalki wurde unter deutsche Verwaltung gestellt. W. B. Großes Hauptquartier, 14. Sept. (Amtlich.) General v. Hindenburg telegraphierte an Seine Aiaftstät: „Die Wilna er Armee 12., 3., 4., 20. Armeekorps, 3. und 4. Reservedivision, fünf Kavalleriedivifionen) ist durch die Schlacht an den masurische» Seen und die sich daran schließende Verfolgung vollständig geschlagen. Die G r od n o e r Reservearmee <22. Armee- koips, Rest des 0. Armeekorps, Teile des 3. sibirische» Armeekorpsl bat in besonderem Gefecht bei L tz ck schwer gelitten. Der Feind bat starke Verluste an Toten und Verwundeten, die Zahl der Gesangenen steigert sich, die Kriegsbeute i st außerordentlich Bei der Frontbreite der Armee von über 100 Kilonieter, den nngeheuren Marschleistungen von zum Teil 150 Kilometer in vier Tagcki, bei den sich auf dieser ganzen Front und Tiefe abspielenden Kämpfen kgm, ich den vollen Umfang noch nicht melden. Einige unserer Verbände sind scharf ins Gefecht gekommen, die Verluste sind aber doch nur gering. Die Armee war siegreich ans der ganze,, Linie gegen einen hartnäckig kämpfenden, aber schließlich fliehende» Feind. Die Armee ist stolz daraus, daß ein kaiserlicher Prinz in ihren Reihen gekämpft und geblutet hat. Gez. Hindenburg." Vor Paris noch keine Entscheidung. Ei» französischer Durchbruchsversuch zurnck- geschlageu. W. B. Großes Hauptqortier, 14. Sept. lAmtlich.) Im Weste» finden auf dem rechten Sceresflügel schwere, bisher unentschiedene Kämpfe statt. Ein von den Franzosen versuchter Durchbruch wurde siegreich zurückgeschlagen. Sonst ist an keiner Stelle eine Entscheidung gesalle».______________ Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & Eie., Gießen. Druck: Verlag Qftenbacher Abendblatt. G. m. b. H., Offenbach a. M. Bekanntmachung. Betrisst: Die Bildung der Schöffen- und Schwurgerichte. Di« Urliste für die Schöffen und Geschivorencu liegt von Mittwoch, den 10. September bis Mittwoch, den 23. September ds. Is. auf dem Stadthaus, Zftumer Nr. 9, zu jedermanns Einsicht offen. Innerhalb der Offtiiftgungssrist kann gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Urliste Einspruch erhoben werden. Gießen, den 12. September 1914. _ Der Oberbürgermeister: _ Bekanntmachung Tie amtlichen deutschen Verlustliste» liegen von jetzt ab auj dem Stadthaus — Zimmer Nr. 2 — auj der Polizeiwache in der Weiden- gassc und auf der Polizeiwache am Selterstor zur Einsicht offen. Gießen, den 14. September 1914. Der Oberbürgermeister: Keller. Setter MnW Brtlzfor. Unsere Mitglieder, die im Laufe dieser Woche zum Militär einrücken, iverden im eigenen und im Interesse der Familien gebeten, die Derbandsbiichcr im Vrtbauds- burean, Schaiizenstraße 16, 1 abzugebcn. In jedem Buch ist anzugeben, ob der Einrnckendc verheiratet ist und wieviel er in diesem Fall Kinder unter 14 Jahren hat. Die Bücher sind aber immer erst dann sofort ab- zuliefcrn, wenn der Einriickcnde die Gewißheit hat, daß er vorläufig bei der Truppe bleibt. Der Borstand. I. A.: Albin Mann. £At«tjw.w g Wegen vorgerückter Saison f : verkaufen wir unser gesamtes Lager in *ra § Fahrrädern J a 0 solange Vorrat reicht, zu U® t »seipüieii ttp Preisen, J o“ Gttbel tte Agipcl J Giessen, Südaniage 20 . Telephon 102 . \ WWiTÄWAPWdvrf Wir: empfeßt'm: Inkatt: 5 porschriftsmästig bedruckte Feldpostbrief- Umschläge nebst Briefbogen sowie 5 Feld- Postkarten. Preis nur A-W PIg. Lbkkljcss. M^cihntfl ßSicjjcn, 'Zahnhhsstrliic - 23. - Martin Krug, Wen Schulstrasze st Zigarre» - Spezial - Geschäft empfiehlt seine aus rein überseeischen Tabalen hergestcllten Fabrikate bestens äijimttüi ii. Wmll»!, Ruch-, Am-Jipm'liilait. la Wicht (jikitbclii haltbare Herbsiware per I*fd. 5 I*f g*. vom Laaer Schanzenitratze 10 2ttf.4.5© per Zentner. Fahrräder taufen Sie gut bei IakoöSchupp, Hießen Walltoritr. 68. Telephon 237. Nepuruturen billigst. Tüchtiges DitllstMllM gegen hohen Lohn sofort gesucht. Ludw. 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