Organ für die Interessen des der Provinz Oberhessen und werktätigen Volkes der Nachbargcbicte. Die Obcrvekstlckie 8»kkS»ettun, erscheint leben Werktag Abend in Bietzen. Der AbonnementSprcir beträgt wöchenllich IS Pjg.. monatlich vo Pfg. ctnlckl. Brmgerlobn. Durch die Post bezogen vierteüäbrl.IMMd Redaktion »nd Erbcdition Stellen. BabnbotitraKe 22. «che Löwen,aste, relevbon 2008. Inserate kosten die 6 mal gestalt. Kolonelzeile oder deren Raum 16 Psg. Bei grötzercn Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man dir aben»47»br für die folgende Nummer in der Ervedition ausgebe«. Nr. 212 Gicßcn, Montng, Den 14. September 1914 9. Jahrgang Die gelben Bmidesgenosien der Gentlemen. Aus Ostasien, das auch zum Kriegsthcater geworden ist, laufen nur knappe Nachrichten ein, die sich, obwohl natürlich von England zensuriert, widersprechen. Nach der einen Mit- teilung sollen die Japaner bereits den Angriff auf Tsingtau begonnen haben, nach der anderen wieder sollen sie eine methodische Abschließung des deutschen Pachtgebiets planen, uni dies mit möglichst wenig Menschenopfern ihrerseits in Besitz zu nehmen, und die chinesische Negierung soll ihnen „erlaubt" haben, zu diesem Zweck Truppen durch die Provinz Schantung zu bringen. Wie dem auch sei, mit dem Verlust pon Kiautschau muß gerechnet werden und ist von Anfang an gerechnet worden. Dagegen erscheint es geboten, an der Hand japanischer Erklärungen zu erforschen, warum die Japaner in den Krieg gegen Deutschland eintraten und wie sic ihren Angriff auf ein Volk, von dem sic nie eine Unbill erfahren, entschuldigen. Das japanische Ultimatum an Deutschland führte als Vorwand das japanisch-englische Bündnis an. Tie deutsche Regierung gab auf dieses Ultimatum die allein richtige Anr- Wort, nämlich gar keine. Aber immerhin konnte man an- nehmcn, daß lediglich die altbekannte Gier der Japaner nach einem Hafenplatz an der chinesischen Küste sic zu ihrem Vorgehen bewogen habe und daß die Engländer selbst nicht einmal besonders erfreut seien über diese Auslegung des Bündnisses. Nun zeigt sich aber, daß es tatsächlich die Engländer waren, die das Hingreften ^hpr Gelben veranlagte. Und sie selbst verzichten einmal — wahrscheinlich nur aus 'Unüberlegtheit — auf die altgewohnte liebe Heuchelei und geben die Verschwörung mit den Japanern zu. Englische Zeitungen nämlich melden folgendes über eine außerordentliche Sitzung des japanischen Parlaments am vorigen Samstag in Tokio: Graf Okuma eröffnete die Sitzung und führte aus, jeder werde die Gründe und die Wichtigkeit der jetzigen Zusaminen- kunst begreifen. Er bat um die Unterstützung des Parlaments in den jetzigen Umständen und um Genehmigung des außergewöhnlichen Budgets. Darauf hielt der Minister des Aus- wärtigen Amtes, Baron Kato, eine Rede über die Gründe des Krieges. Er erklärte: Anfang August bat die englische Regierung um die Hilfe Japans in den Grenzen des englisch- japanischen Bundes. Deutsche Kriegsschiffe befanden sich in den Meeren des Ostens, und es war die Absicht Deutschlands, Kiautschau zur Basis für seine Kriegsoperationen in Ostasien .zu machen. „Wie jeder weist. ist der Zweck des Bundes zwischen England und Japan, den Frieden im Osten zn bewahren und die Unab- bängigkeit und Integrität Chinas zu schuhen. In einer Zeit, wo der Handel in Ostasien fortwährend bedroht wird, war Japan verpflichtet, der Bitte des Bundcsgenoffen nachzutomnicn. Das; Deutschland eine Basis für eine graste Aktivität im Osten besitzt, war nicht allein eine Bedrohung des Friedens, sondern Japan wird dadurch auch direkt in seinen eigenen Interessen bedroht. Japan hätte gewünscht, nicht in den gegenwärtigen Konflikt gezogen zu werden, aber es war seine Pflicht, dem Bunde treu zu sein." Also der englische Bundesgenosse hat gebeten, dringend gebeten, daß die mongolischen Japaner ihm Hilfe leisten niöchten, indem sie einen verlorenen Posten Deutschlands im fernen Osten überfielen. Und die Gelben waren so gut und großmütig, die Bitte deS wcltbcherrschenden Albion zu erhören und gegen das kleine Häuflein deutscher Männer, das dort draußen versammelt ist, eine Sec- und Landmacht aufzu- bietcn. Daß die beiden einander würdigen Verbündeten bei dieser Gelegenheit im salbungsvollen Herbetcn von Lügen wetteifern, gehört z» der ganzen Mache. Und auch darin haben zunächst die Japaner wieder einen Vorsprung, errungen durch den Eifer eines ihrer Diploniaten, der in Roin den Mikado vertritt. In einem Interview erklärte der javanische Botschaftsrat in Rom dem Vertreter der Stanipa gegenüber, der Kripg zwischen Japan und Deutschland sei dadurch entstanden, weil Deutschland Japan die n i ch t i n d e r Horm eines Ultimatums verlangte Zusicherung verweigerte, daß das deutsche Geschwader in Ostasien den Frie- öen und den Handel nicht durch kriegerische Operationen ^"de. Die Kriegserklärung Japans sei daher zum Schuhe seiner Interessen und zur Verhinderung der Lahm- legung seines Handels nötig geworden. steht zwar im schroffsten Widerspruch zu der Er- Ilarung des Barons Kato vor dem japanischen Parlament; [aber da der Botschaftsrat die Aufgabe hatte, in einem „neutralen Land für die vollendete Harmlosigkeit der japanischen Politik zu zcuacn. so mußte.er so lüacn.ävie es zur Erzeugung. der richtigen Stimmung praktisch erschien. Natürlich hat er im Vertrauen auf die Steigung der italienischen Politiker, alles Deutschland Ungünstige als erwiesen zu erachten, auch das leicht Kontrollierbare umgelogcn. So kann die Norddeutsche Allgemeine Zeitung sagen: „Dieser Versuch einer Rechtfertigung des japanischen Vorgehens gegen uns stellt die Wahrheit geradezu auf den Kopf. Von japanischer Teile ist ein Verlangen, wie das von dem japanischen Botschafter behauptete, vor der Ilcberreichung des Ultimatums an Deutschland nicht gestellt worden. Umgekehrt ist aber dem japanischen Geschäftsträger in Berlin gerade von deutscher Teile und zwar vor Ucberrcichung des Ultimatums, in Aussicht gestellt worden, dast das deutsche Geschwader in Lst- asien de» Beschs erhalte, sich feindseliger Handlungen in den ostafiatischen Gewässern zu enthalten, falls Japan in dem deutsch- englischen Konslikt neutral bleibe. Hieraus ist von japanischer Seite eine Antwort überhaupt nicht erteilt worden." Wer unbefangen zu urteilen vermag, wird diese Darstellung der deutschen Regierung als unbedingt richtig anerkennen müssen. Denn ihre innere Wahrheit ergibt sich ganz einfach aus den Verhältnissen. In Ostasicn sind nur wenige deutsche Kriegsschiffe, die Garnison von Tsingtau zählt einige hundert Mann. Dagegen unterhält England, schon wegen Indiens, der StraitS Settlements und seiner sonstigen Besitzungen, in jenen Gewässern ein mächtiges Geschwader, hat auch in Hongkong eine starke Garnison britischer und indischer Truppen. Japan hat seine ganze große Flotte und sein Landbecr bereit. Und dagegen sollte die Handvoll Deutscher „feindselige Handlungen" unternehmen und den Handel in Ostasicn „fortwährend bedrohen"? Tie Moral der Asiaten ist eine andere, als unsere, ihre ganze Denkweise ist anders, und so müssen wir uns eben damit abfinden, daß die Japaner auf dem Weg nach ihrem Ziel, der Herrschaft über Asien und den Stillen Ozean, nicht nur eine deutsche Station überfallen, sondern diesen Fric- densbruch auch vor geneigten Ohren mit handgreiflichen Lügen zu rechtfertigen versuchen. Daraus wird man lediglich die Lehre zu ziehen haben, die Japaner als Japaner zu betrachten und an sie weder im Guten noch ini Bösen den Matzstab unserer Sitten anzulcgen. Aber mit den Engländern oder vielmehr ihren herrschenden Kreisen werden wir eine andere Rechnung zu begleichen haben! Wir wollen nicht vergessen, daß die englische Regierung die Japaner gebeten bat, in den Krieg einzngreifen, der sich in Europa abspielt. Warum? Etwa weil Japan die Entscheidung zugunsten des cnglisch-russisch-französischcn Bündnisses herbeiführen konnte? Keineswegs! Frankreichs Schicksal könnte nicht gewendet werden, auch wenn ein japanisches Heer als Hilfstruppc in Marseille landete. Und wenn es Deutschland gelingt, das britische Jnselreich durch starke Schläge zu treffen, so würde Japans Macht dagegen keinen Schutz bieten. Nur dem wirtschaftlichen Konkurrenten Englands kann durch das Eingreifen Japans an einer. Stelle wirtschaftlicher Schaden zugefügt werden — sonst nichts! Diesen Schaden, den man in britischen Vorteil umzuwandeln hofft, herbeizuführcn ist der Zweck der britischen Bitte an die Japaner, dieselben Japaner, die als eine „minderwertige Rasse" aus den großen britischen Kolonien ausgeschlossen sind und wo sie zugelassen werden mit einer Kopfsteuer, die von stolzen Briten „Diehzoll" genannt wird, belegt werden. Tie ganze ungeheure Schmach der Verschwörung mit den Japanern trifft die englische Prositpolitiker. Und cs wäre eine verdiente Strafe für sie, wenn eintrete, was sehr wahrscheinlich ist, daß die einmal in Bewegung gesetzten Japaner sich nicht an Kiautschau genügen ließen, sondern die leicht zu- gänglichcn englischen Kolonien zur Beute machten. Cine Washingtoner Anfrage wegen Fapan unbeantwortet. Wien, 11. Scpi. Wie die Neue Freie Presse aus diplomatischen Kreisen crsähri, soll Amerika in England angesragi haben, ob die Londoner Regierung befriedigende Erklärungen abgcbcn könne, dast Japan keine mit der Integrität der amerikanischen Besitzungen im Tüllen Ozean in Widerspruch sichende Unternehmung beabsichtige. Aus diese Ansrage sei in Washington keine Antwort eingelausen. Englische Heuchelei: Ter König von England hat folgende Proklamation an die englischen Kolonien gerichtet: „In den letzten Wochen haben sämtliche Völker meines Reiches, des Mutterlandes und der Kolonien sich geeinigt, um einen Angriff ohnegleichen auf Kultur und Weltfrieden die Spitze zu bieten Ich habe diesen unseligen Kampf nicht gesucht, im Gegenteil, meine Stimme hat sich immer zugunsten des Friedens erhoben. Meine Minister haben alles versucht, um die Spannung zu vermindern und die Tchwicrigtcitc» zu beseitigen. Konnte ich mich abseits halten, als gezeichnete Verträge, woran auch mein Reich sich beteiligte, vernichtet, Belgiens Gebiet verletzt, seine Städlemit- Untn-nmin In'jniuhl uiuiiV 9 .Irfl würde bann meine Ehre geopfert und die Freiheit meines Reiches und der Menschheit dem Untergang geweiht haben. Es freut mich, dast alle Teile meines Reiches meinen Entschlust billigen. Grostbritannien und mein ganzes Reich betrachten die absolute Respektierung des einmal gegebenen Wortes in Verträgen, welche von Fürsten und Völkern unterzeichnet wurden, als ein gemeinsames Erbteil. Meine überseeischen Völker zeigten, dast sic dem ernsten Entschlust, welchen ich fasten niustte, zu- stimmcn, indem sic mir Hilfe versprachen. Ich bi» stolz darauf, der ganzen Welt zeigen zu können, dast meine Völker in de» Kolonien ebenso fest entschlossen sind als diejenigen in meinem Königreich, die gerechte Sache bis z»n> besricdigcndcn Ende zu verteidigen. Damit ist die Einigkeit des Reiches glänzend ans Licht getreten." Eine elende Heuchelei! Hnchthans für Zahlungen an Deutsche: Loiidvn, 11. Sept. (Priv.-Tel. der Frkfl. Ztg., Etr. Frks.) Im englischen Parlament wurde ein Gesetzentwurf einge- bracht, wonach Zahlungen an das feindliche Ausland verboten werden, selbst zur Abwicklung von Engagemeitts, die vor dem AuSbruch des Krieges cingegangen sind. Die Büchcreinsicht soll in Verdachtfällen erlaubt werden. Ter Verkehr mit außereuropäischen Filialen deutscher Geschäfte wird gestattet sein. Verstöße gegen das Gesetz können mit sieben Jahren Zuchthaus bestraft werden. Hunnen in Ostpreußen. Dem Bericht eines Pfarrers T. aus dem ostpreußischen Grenzdorf Sch. an seine Vorgesetzte Behörde über die Vorgänge vom 2. bis 21. August entnehmen wir folgendes: .... Am Sonntag, den 16. August brachen die Rüsten mit zirka 5000 Mann hervor. Bei uns waren nur sieben Landwehrdragoner, welche nach einigen Schüssen davonritten. Tie Russen beschuldigten uns, daß Zivilpersonen geschossen hätten, und legten Feuer an acht Stellen an. Dann wurde Haussuchung gehalten nach militärpflichtigen Personen. Bei uns wurden einige Jünglinge verhaftet. . . . Am 16. August fanden sieben Zivilpersonen bei uns und in der Nachbarschaft den Tod. Sie hatten weiter nichts getan, als daß sie das Haus verlassen hatten, ettva, um die Kuh herauszulasscn oder dergleichen. Alle Männer unseres Ortes wurden gefangen genommen und sollten erschossen werden, wenn man nicht diejenigen Zivilisten nennen würde, welche geschossen haben sollten. Ich ging für das Torf um Gnade bitten und den Irrtum aufzuklärcn, weil kein Zivilist am Kampfe beteiligt gewesen war. . . . Dem Pfarrer ist es auch gelungen, die Bedrohten zu retten. Dann schreibt er weiter: Wir erhielten 18 Offiziere in Quartier voni Dienstag zum Mittwoch. Ter Sekretär des Generals, ein Deutscher, bestätigte uns, daß wir in der größten Lebensgefahr schwebten, denn bis dahin wären nur Elitcregimenter gekommen, aber die hungernde Masse, welche sich hinterher wälzte, würde keine Schonung üben. Die Lebcnsmitcl nahmen furchtbar ab. Der Hof stand voll Pferde. Man hatte ihnen das ungcdroschene Getreide als Lager gegeben, und so die Ernte des ganzen Jahres im Augenblick vernichtet. Ich fragte die russischen Offiziere, ob sie viel Proviantnachschub von der Heimat erwarteten, da die Lebensmittel mutwillig vernichtet wurden. Sic erwiderten, daß sie alles im Lande zu finden hofften. Unseren Gemeindevorsteher forderten sie am Abend vor sich und stellten ihm die Ausgabe, bis zum nächsten Morgen 33 Wagen zu beschaffen, um die russische Infanterie zu fahren. Wenn er die Wagen nicht zusammenbekäme, würde er e r h ä n g t. So mußte der Mann in dunkler Nacht von Ort zu Ort stolpern, um die Fuhrwerke zu beschaffen, was keine leichte Sache war, weil die meisten ihre Pferde fortgebracht hatten. Da wurde diese russische Besatzung von einer anderen ab- gclöst, aber nun stieg die Not vollends aufs höchste. Es blieb nichts anderes niehr übrig als die allgemeine Flucht. Jui ganzen Dorfe blieben nur wenige zurück. Sechs Wagen stark zogen wir in den Wald, stießen aber bald auf eine russische Patrouille, welche uns erst nach längeren Verhandlungen ziehen ließ, aber uns bis zu den Dörfern begleitete, in welche wir flüchteten. . . Vom französischeir Kriegsschauplätze liegen deutsche Nachrichten heute bis jetzt nicht vor. Nach einer Timesmcldung haben die Deutschen Arras im Departement Pas de Calais, eine Festung in der Linie Lille-Amiens besetzt. Im übrigen liegt nur eine Pariser Meldung des Kopcnhagcncr Blattes Politiken vor. der zufolge die Pariser Lioertä zur Kriegslage folgendes schreibt: „Die Nachrichten, die wir erhalten, sind allzu unklar, als daß wir daraus die geringsten Schlüsse ans die Resultate der ungeheuren, jetzt cingcleiteten Kämvkc ziehen könnten. L»e Scblacbt wird zweifellos Picle Tage fccntcrn und viele verschiedene Phasen haben. Wir müssen »ns daher hüten, Tcilsicge als endgültige Ergebnisse zu betrachten. Das Einzige, was wir tun können, ist unbedingtes Vertrauen zum Heer und seinen Führern zn haben. Gegenüber einem so fürchterlichen Gegner, wie das deutsche Heer, kann man nicht von einem Siege sprechen, ehe er nicht entschieden ist." französische Phantasiegebilve. Französische Flieger haben, ime holländische Blätter Mitteilen, über Lüttich Flugblätter hcrabgcworfen, die folgende Ausgeburten krankhafter Phantasie enthalten: Nachdem die Franzosen Metz, Slrahburg und Mülhausen genommen haben, dringen sie in Baden und in die Pfalz ein. Die Häfen von Hamburg. Altona, Kiel, Lübeck und Stettin haben sich nach einen« Bombardement durch die sranzösisch-englische Flotte übergeben. Tie Besetzung von Namur hat einer unmöglichen Anzahl von deutschen Soldaten des Leben gekostet. 50 WO Deutsche sind gefangen genommen, ttz Feidteveterien und eine große Anzahl Maschinengewehre fielen den Belgiern in die Hände. Bei Rüpel ist ein Zeppelin heruntcrgcjchofleu worden, das 81. russische Armeekorps rückt schnellstens aus Berlin vor, die Provinzen Schlesien und Posen sind durch zahlreiche japanische Regimenter besetzt worden. Dieser Kriegsbericht endigt mit den Worten: Mut, und wenn wir sterben sollen! Es lebe Belgien und sein König! Es leb« Frankreich und England! Die Licgesbeute der Bülowschen Armee. Hannover, 11. Sept. Generaloberst von Bülow erlief; nach den siegreichen Kämpfen vom 26. August einen Tagesbefehl an seine Truppen, der erst jetzt bekannt wird. Der Generaloberst gibt darin bekannt, daß der Kaiser ihm ,die vollste Zufriedenheit der bisherigen Leistungen der Armee ausgesprochen habe. In rastloser Verfolgung hätten die Truppen den Feind vor sich hergetrieben und dabei noch den Engländern Schläge versetzt, die diese übermütigen Gesellen sobald nicht vergessen werden. Reich war die Beute: 6 Fahnen, 59 Geschütze, 55 Maschinengewehre, 6800 Waffen, 80 Fahrzeuge und 10 400 Gefangene. Die Verwundeten in Frankreich. Eine Korrespondenz der Gazeiia bei Popo io aus Dijon schildert die frauzöschc Kriegssührung und erklärt dabei: „Das deutsche Geschoß hat die Eigenschaft, wenn es kein« Lebensorgauc verletzt, nur sehr leichte Berwundungen hervor;,,rufen, selbst Knochenverletzungen sind meist gmartig. Ein Miiitäarzt erzählte mir von Soldaten, die durch den Unterleib geschaffen sind und deren Wunden ohne irgcndivclche Operationen heilen." Darm sagt der Korrespondent weiter: „Fch sah auch Offizier«, einen bayerischen Infanterie- oberst, einige junge Ulaucuossizierc und einen preußischen Artilleriehauptmann: sie kauerten in Wageneckcn unter den Bajonetten ihrer Wächter und bewahrten dabei die Würde, die Gebildete niemals verläßt. Von diesen deutschen Gefangenen sind viele schwer verwundet. Gleichwohl schafft man sic nach den fernsten Garnisonen. Sterben sie auf der Reis«, so ladet mau sie einfach an der nächsten Station aus. Der Wahrheit dre Ehre: den sranzösischen Verwundeten geht es in Frankreich auch nicht viel bester. Ta kommt solch ein Zug von Bich,vagen und Waggons jeder Klaffe heran, von Laternen schlecht erhellt. Eine Menge verstümmelter Krüppel liegen ni den Wagen, olle in übelriechende schmutzige Binden gehüllt. Sie sind glücklich, ihre Glieder dehnen und einen Mundvoll frische Lust schöpfen zu können. Die Schwcrverwundeten bleiben unbeweglich wie Leichen in dein Waggon zurück. In zwei Viehwagen, aus Bahren gelegt, liegt ein Dubcud sehr schwer verwundeter Deutscher. Die Bahnbeamten beugen sich mit ihren Laternen grinsend über sie." Tic Meldungen des italienische» Blattes über die Wirkungen der deutschen Kefchosse iverden durch einen Bericht bekannter holländischer Chirurgen bestätigt, die die hauptsächlichsten Lazarett- stattonen Frankreichs besuchten und erklären, daß die Wunden der dort liegenden Soldaten, soweit keine Verletzungen der wichtigsten Organe vorliegeu, durchweg gutartig seien und schnell heilen. Ein französisches Lazarett. WB. Berlin, 11. Sept. sNichtamtlich.) In dem Briefe eines höheren deutschen Sanitätsosfizicrs, der zurzeit dem Lazarett einer lothringischen Stadt vorsteht, die drei Tage in den Händen der Franzosen war, heißt cs: Tic Franzosen haben in kindischster und rasendster Wut alle Wohnungen der deutschen Beamten und Ofsi- ziere zerstört und alles in nicht wiedcrgebbarcr Weise beschmutz!, und sie haben selbst aus dem Lazarett einen direkten Tchweincstall gemacht. Die französischen Kranken erzählen, daß sich di« französischen Acrzt« mn ihre eigenen Kranken nicht bekümmerten und Sektgelage abhielten, während die Verwundeten Qualen litten. Nur ein StabStzrzt machte eine rühmliche Ausnahme. Einwohner sagten, die drei Tage der Franzoscicherrschast hätten mehr als die ganzen 43 Jahre deutsche Herrschaft germanisiert. Die sranzöstschc» Verwundeten sind dankbar, daß sic in dem deutschen Lazarett Pflege und Wartung finden. Die Krankenschwestern und Krankenpfleger haben 1100 neue Betten eingerichtet. Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 59 Obwohl das Fräulein mit der ernsthaftesten Miene sprach, war Marstrand doch überzeugt, daß sic sich wirklich zu einer Spötterei hcrablicß. die er ihr nicht zutraute; ihr Vater schien jedoch von der Schilderung sehr erbaut zu fein. — »Hast recht. Mädchen!" rief er. „leben still und gottesfürchtig unser bescheidenes Leben, ohne Spektakel und Aufsehen ' zu machen. Nicht einmal die Familien kommen zusammen," fuhr er mit freudiger Genugtuung fort, „ist eine Seltenheit, »nenn sie sich besuchen, um eine Schüssel frischen Scy oder Syld zu verzehren." „Echt bergisch Blut", sagte Hanna, „läßt die Linke nicht wissen, was die Rechte tut." „Prächtig, Mädchen, prächtig!" fiel Fandrem ein. „So ist unser Wesen, sind uns selbst genug in unserer eigenen Ge- sellschaft. Es geht doch nichts über die richtige Erziehung. Herr", rief er mit einem Liebesblick auf seine Tochter. „Füllt EuerGlas und helft Euch zum besten Rippenstück. Wir trinken mit unseren Gästen gern, so lange sic wollen, aber wir laden eher den Satan ein als einen dänischen Rotrock." „Ruh!" sprach Helgcstad, „sehe in Bergen denselben Widerwillen gegen die Rotröckc, den wir im Norden gegen Finnen und Lappen haben , die in unsere Häuser dringen und sich uns angenehm machen wollen." „Es ist schlimmer, Niels, es ist schlimmer!" sagte Fandrem, dem der Wein in den Kopf stieg. „Ein Lappe ist ein garstiges Tier, aber er ist ein nützliches Wesen, das arbeiten kann, sogar im stände ist, Handel und Geschäfte zu treiben, Geld zu sammeln, seine Zeit Gott wohlgefällig zu verwenden, und das seinem Mitmenschen nichts kostet, vicl- niehr diesem Gelegenheit zn Gewinn und Vorteil gibt. Was aber Hai ein Soldat jemals der menschlichen Gesellschaft Nutzen gebracht? Sind du Drohnen ini Bienenkörbe Niels, Die Kriegs,nilliarden. Die Regierung geht jetzt daran, die ihr am 4. August vom Reichstag bewilligte Anleihe von 5 Milliarden Mark zn realisieren. Das Wort des alten Montccucilli von den drei Dingen, die zum Kriegführen gehören, nämlich Geld, Geld und »och einmal Geld, gilt auch heute noch, nur hat es eine wesentlich andere Bedeutung. Jener Feldherr des dreißigjährigen Krieges hatte es mit Söldnertruppen zu tun und wußte genau, daß der Grundsatz gilt: „5km Gold, keine Schweizer." Auf Papiere ließen sich die Landsknechte nicht ein; bekamen sie nicht blanke Taler und Goldfüchse in die Hand, dann machten sie einfach nicht mehr mit. Auch die Schwertfeger und Büchsenmacher verlangten blankes Geld und soweit der Staat eigene Geschützgießercien hatte, mußte er das Material bar bezahlen. Wenn also der Feldmarschall von Geld spricht, meint er bares Gold und Silber. Heute liegt die Sache insofern anders, als es soviel Metallgeld, wie die Staaten zum Kriegführen brauchen, wenn sie alles bar bezahlen wollten, überhaupt nicht gibt. In Deutschland z. B. sind an Goldmünzen vom Jahre 1872 bis Ende 1913 rund 5116 Millionen Mark geprägt worden und rund 181 Millionen wieder cingezogen worden, so daß 4935 Millionen gemünztes Gold in den Verkehr kamen. Wie viel von diesen Goldmünzen außer Landes gingen, wie viel eingeschmolzen, wie viel verloren gegangen sind, weiß inan nicht. Sicher sind aber erheblich weniger als für 5 Milliarden Mark Goldmünzen im Umlauf. An Silbermünzen bleiben, wenn man die Einziehungen berücksichtigt, rund 1,1 Milliarden, von denen aber wieder ein Teil auf diese oder jene Weise aus dem Verkehr verschwunden ist. Es könnten also die fünf Milliarden Mark, die das Reich als Anleihe aufnehmen will, garnicht aufgebracht werden. Aber es kommt auch garnicht darauf an, sondern die Anleihe ist eine Krcditoperation, bei der dem Staate die Verfügung über einen Teil des Reichstums des Landes zugesprochen >vird. In welcher Weise das geschieht, ist eine besondere Frage. Das Reich fordert jetzt die Besitzenden auf, ihm Geld zu leihen, und zwar nicht die fünf Milliarden Mark auf einmal, sondern vorerst einen Teil. Das Geld wird verausgabt, fließt der Volkswirtschaft wieder zu und dann kann eine neue Anleihe stattfinden. Jetzt sollen ausgegcben werden für eine Milliarde Mark Schatzanweisungen. Außerdem werden Anleihescheine angc- boten, indem man die Summe nicht begrenzt, sondern erst abwarten will, wieviel die Kapitalisten davon kaufen wollen. Der Unterschied zwischen den Schatzanwcisungen und den Anleihescheinen besteht darin, daß die ersten gewissermaßen Wechsel sind, die bis zu einer bestimmten Frist einzulösen, sich das Reich verpflichtet; die Anleihescheine dagegen sind Schuldscheine, auf die das Reich sich verpflichtet, Zinsen zu zahlen, aber den Betrag zurückzuzahlcn, behält es sich vor, wann es für gut befindet. — Die Verzinsung ist bei beiden Papieren fünf Prozent auf denNominalbctrag, aber die Papiere werden zum Kurse von 97s^ für 100 des Nominalwertes ausgegeben. Die Schatzanweisungcn sollen in Teilbeträgen von je 200 Millionen Mark vom 1. Oktober 1918 bis 1. Oktober 1920 halbjährlich ausgelost werden und die ausgclosten Stücke werden dann zum vollen Nominalwert eingelöst, d. h. der Besitzer, der 97s^ Mark gab, erhält 100 Mark zurück. Somit bezieht der Besitzer fünf vom Hundert Zinsen, während er 97s^ statt 100 gibt; außerdem macht er noch einen Gewinn von 2% Prozent, wobei je nachdem der Schein ausgelost wird, dieser Gewinn etwas früher oder später, durchschnittlich aber in fünf Jahren erzielt wird. Die durchschnittliche Verzinsung berechnet sich auf 5,63 Prozent. — Die Anleihescheine werden mit 5 Prozent verzinst, aber da der Kurs 97s^ ist, so ist die faktische Verzinsung 5,13 Prozent. Die Anleihe ist unkündbar bis 1924, es kann also während der nächsten zehn Jahre eine Reduktion des Zinsfußes nicht stattfinden, die Gläubiger sind sicher, in dieser Zeit den hohen Zinsfuß zu erhalten. Nach dem .Kriege dürfte aber voraussichtlich bald der allgemeine Zinsfuß sinken und dann wird die Nachfrage nach derart hochverzinslichen Pa- und müßten wie diese behandelt werden. Freilich hängen die Weiber ihre Herzen gern an bunte Troddeln, Quasten, und anderen Firlefanz, aber wenn ich meinen Schwiegersohn wühlen sollte zwischen einem Lappen und einem Rotrock, verdammt will ich sein, wenn ich dem Lappen nicht den Vorzug gäbe!" Gelächter und neuer Streit folgte diesen Aeußcrnngen, und ganz so wie am vorigen Abend wurden die Gläser so lange gefüllt und geleert, bis Fandrem sich ins Bett bringen ließ und Helgestad in seine Kammer wankte. Heute schien er sein vollgemessenes Maß empfangen zu haben. Ohne sich um seinen Gefährten zu kümmern, der unter allerlei Mühen ihm endlich auf sein Lager half, sank er in die Kissen und befand sich im nächsten Augenblick schon in tiefem Schlaf oder in Bewußtlosigkeit. Nach einiger Zeit löschte Marstrand das Licht aus und öffnete das Fenster. Im Hause war alles still, hinter sich hörte er die langen festen Atemzüge des Schlafenden, unter den Bäumen war es dunkel, aber der Himmel hing voll unzähliger Gestirne, die ein dämmerndes Licht verbreiteten. Nach langem Bedenken, Horchen und Umhcrschanen stieg Marstrand in den Garten und ging mit leisen Schritten vorsichtig bis an den breiten äußeren Gang. Eine Gestalt lehnte dort an derselben Stelle, wo Hanna den Stein an der steilen Felswand hinabwarf und kam ihm entgegen, als er unter den Bäumen hervortrat. Beim ersten Wort überzeugte sich Marstrand, daß es sein Freund sei. Der Kapitän war in einen Mantel gehüllt, sein Degen klirrte. Marstrand bemerkte, daß er ihn entblößt in der Hand hielt. „Wie?" fragte er, „du bist mit blankem Stahl bewaffnet?" „Eine nötige Vorsicht", antwortete Dahlen, das Schwert in die Scheide steckend. „Man würde hier zu Lande wenige Umstände mit mir machen, wenn mau mich zur Nachtzeit hier allein fände. Ein rascher Stoß würfe mich über diese Mauerbrüstung, und wenn l.4) morgen zwischen den Felsen achtzig Pieren groß sein, so daß den Besitzern die Aussicht winkte fü( mit Kursgewinn zu verkaufen. Somit haben die Eigentümer von Gcldkapital jedenfalls! die Aussicht, durch Herlcihung dieses Kapitals an das Reich ein glänzendes Geschäft zn machen. Tie Frage >st nur, ob? das Reich für Zinsen und Kapital Sicherheit tnctet. Hier^ kommt in Betracht, daß bei eincni siegreichen Kriege Deutsch-, land trachten wird, Kriegsentschädigungen zu erhalten. Dann zahlen die Schulden also die besiegten Völker. Ob diese Lösung möglich sein wird, ist freilich noch garnicht abzusehen. Aber ein Verlust könnte öie Gläubiger nur treffen. Wenn der Krieg mit einer solchen Niederlage enden würde, daß dem Reiche der Staatsbankerott droht. Diese Möglichkeit erscheint ja wohl nach dem bisherigen Verlauf des Krieges ltn- wahrscheinlich und die Gläubiger können darauf rechnen, dcaß das Reich als ihr Schuldner zahlungsfähig bleibt, daß es selbst, wenn die Einziehung von Kriegsentschädigung unmöglich wird,'die Zinse» aufbringt aus den Steuern und sonstig gen Einnahmen. Aber eine andere Frage ist, wer denn nun int Besitz b’ort Bargeld ist, um cs der Regierung zu leihen. Es kommt da! sowohl das Hartgeld in Frage, als auch die Banknoten, die! Anweisungen auf Gold sind, das in der Reichsbank lagert! Eigentümer dieses Hart- und Papiergeldes sind, abgesehen! von den verhältnismäßig geringen Beträgen, die sich in Häm den der Arbeitcrbevölkrrung befinden, die Geschäftsleute, diü Rentner, die Bankiers. Sie haben zumeist ihr Geld nicht in barer Münze oder Banknoten in ihren Gcldschränken, sondern sie haben es den Banken anvertraut. Zumeist wird also die Operation derart vollzogen, daß jene Kapitalisten, die dem Reich Geld leihen wollen, den Banken den Auftrag geben, von ihreni Gelde die neuen Schuldscheine des Reiches zu kaufen. Da das Reich dieses Geld alsbald wieder verausgabt, indem cs an die Lieferanten von Kriegsbedarf zahlt, so fließt es wieder in den Verkehr zurück. Ter Effekt ist also nur der! daß nach der Abwicklung der Krcditoperation eine Anzahl Personen, die vorher über Bargeld verfügten, nunmehr Bes sitzer von Schuldscheinen sind, die ihnen Zins abwcrfen. Es gibt indessen eine andere Schwierigkeit. Die meistrni Eigner von Gcldkapital lassen es nicht bei den Banken liege»! die geringen Zins zahlen, sondern sie treiben Handel mit Wertpapieren, Aktien und Schuldverschreibungen aller Art! In normalen Zeiten vollzieht sich nun die Sache in der Weisel daß jene Kapitalisten, die gewillt sind, ihr Kapital dein Staate zu leihen, d. h. die neuen Schuldscheine z» kaufen! vorher an der Börse ihre Wertpapiere verkaufen. Jetzt funk-t tioniert dagegen die Börse nicht, der Verkauf kann nur er-! folgen durch Vermittelung der Banken. Aber was noch schlimmer ist, ein großer Teil jener Wertpapiere ist zur Zeit! überhaupt schwer verkäuflich. Es befinden sich für ein paar! Milliarden Mark russische Staatspapierc in Händen deutsche« Besitzer, ferner Aktien französischer, russischer, belgischer, eng-j lischcr Unternehmungen, schließlich Aktien von Unternehm-! ungen, die in neutralen Staaten gelegen sind, besonders amerikanischer. Am günstigsten wäre, wenn solche Papiere am das Ausland verkauft werden könnten. Dann würde Kapital deutscher Kapitalisten, das bisher in auswärtigen Papicreru angelegt war, dem Deutschen Reiche zur Verfügung gestellt werden können. Ein solcher Verkauf an Länder, niit deneq Deutschland im Kriege steht, ist nicht möglich, weil die Ham delsbcziehungen abgebrochen sind. Es fragt sich aber, ob nnn in welchem Maße ein Verkauf in den neutralen Länderst möglich ist. Davon wird im hohen Grade der Verlauf dev Kreditoperation abhängen und man darf gespannt sein, wii^ sich das gestalten wird. Die deutfche Flotte in der Ostsee. Ungehindert geht in der Ostsee die Schiffahrt an den! deutschen Küsten vor sich und die deutschen Kriegsschiffe stoßen bis in den Bottnischen Meerbusen vor. Dort haben! sie sozusagen vor den Augen der feindlichen Flotte einen! russischen Handelsdampfer aufgebracht und versenkt. Die vorher an Bord genommenen Passagiere und die Besatzung wurden in einem deutschen Hafen an Land gesetzt und soweit siü fcindtichcr Nationalität waren, nach dem Vorbild der Gegner oder hundert Fuß tiefer gefunden würde, legte man michj ohne vieles Bedauern in mein Grab." „Und wem traust du solche Schandtat zu?" fragte Mars strand. „Aufrichtig, diese wie jede andere Schandtat, wenn stej etwas cinbringt, dem dickköpfigen, spitzbübischen Schuft, dep dich hierher gebracht hat." „Und was brächte es ihm ein, wenn er dich aus der WclL schasste?" „Ich will es dir sagen. Dich läßt er vorläufig am Leben! weil cs ihm Vorteil verspricht, mich möchte er an irgend eineist fußlangen Angelhaken den Haien vorwcrfen, weil meinü Taschen leer sind, sein Säckel aber sie mir füllen soll." „Ich verstehe dich nicht, Henrik", sagte Marstrand. „Warte noch einen Augenblick, so wird es dir klar werden. Ich halte den alten grimmigen Burschen für einen Galgenstrick der ärgsten Sorte, für einen richtigen Abkömmling jener Kinder der Nacht, die nichts sannen und nichts dachten als Verderben der Menschen. Er hat dich hierher geschleppt, erstens, um dir init Fandrems Hilfe deine Fische um einen möglichst billigen Preis abzuschwahen, um dann gemeinsam den Gclvinn zu teilen. Das hast du den beiden Ehrenmännern vereitelt; dann aber hat er dich in Fandrems Rechenbuch geliefert und dafür Bürgschaft geleistet, das heißt so viel wie Fandrem hat es ihm geborgt, und kann dafür alle Tage zu dir sagen, scher' dich aus deinem Kram, der nicht dir, sondern mir gehört. „Unsinn!" murmelte Marstrand. „Sollte das wirklich seine Absicht sein?" „Der Satan hole den alten Höllenbrand", rief Dahlen lauter, „dennoch aber wollte ich, er würfe dich morgen hinaus, damit deine Tollheit ein Ende nähme, als ein freier Mann unter Gaunern und Polarbäre» zu leben." „Und wer hat dir dies alles berichtet?" lFortsctzung folflt) alz Kriegsgefangene festgehaltcn. Es ist dies ein Beweis für die Wachsamkeit unserer Ostsccslotte, die das ganze Gebiet, soweit es nicht von Minen verseucht ist, überwacht und beherrscht. Gekapptes Kabel. Ä>3tcrdam, 11. Sept. Ans Honolulo wird gedrahtet, da« das 'Kabel zrvifche» Bamfield in Brttisch-Kolumbien von der Fauniiig- Jnscl vermutlich von dem deutschen Kreuzer Nürnberg gekappt worden ist. Ei» Bericht des Generals French über die englische Niederlage. Ter London Gazette vom 0. September entnehmen wir nachfolgende vom Fcldmarschall French hcrrührcndc Darstellung der bisherigen Operationen des englischen ErpcditionShcercs: Tic Engländer nahmen am 22. August eine Stellung von Atl, über Mons bis Binche ein. Nach de» Mitteilungen des sranzöstscheu Hauptquartiers nahm ich an, daß ich höchstens zwei deutsche Arnicc- korps vor meiner Front hatte. Unsere Stellung war vorzüglich. Am Abend des 23. August erhielt ich von General Iosfrc die unerwartete Meldung, daß drei deutsche Armeekorps gegen meine Front vorgingcn und ein weiteres Korps eine Umgchungsbewcgung von Tournay aus ausfllhrtc. General Iofsre teilte ferner mit, dag die französische Armee, die zur Rechten der Engländer stand, sich zurückziehe. Infolgedessen entschloß ich mich, auf eine vorher rekognoszierte Stellung zurückzugehen, die sich von Maubeuge westlich nach Jenlan südöstlich von Ealcncicnnes ausdehntc. Tic ganze Nacht hindurch fanden auf der gesamten Linie Kämpfe statt. Ter Rückzug wurde am 24. August unter fortwährenden Gefechten erfolgreich ausgeführt. Da die französischen Truppen noch immer zurückgingcn, hatte ich, abgesehen von der Festung Maubeuge, keine Unterstützung. Die entschlossene» Versuche des Feindes, nicine linke Flanke z» umgehen, überzeugten mich, daß der Feind beabsichtigte, mich gegen Maubeuge zu drängen und mich zu umzingeln. Ich glaubte keinen Augenblick verlieren zu dürfe», mich auf eine andere Stellung zurückzuzichcn. Diese Bewegung war gefahrvoll und schwierig nicht nur wegen der überlegenen Kräfte vor meiner Front, sondern auch infolge der Erschöpfung der Truppen. Ter Rückzug begann am 24. August früh nach einer Stellung in der Nähe von Le Cateau. Obwohl die Truppen Befehl hatte», Eambrai, Le Cateau und Landrecies zu besetzen und die Stellung am 24. August in aller Eile vorbereitete und verschanzt war, hatte ich doch ernste Zweifel, ob es klug sei, dort stehen zu bleiben und zu kämpfen, da ich Mitteilung von der ständig wachsenden Stärke deS Feindes erhielt. Ucberdies dauerte der Rückzug der Franzosen auf meiner Rechten an. Fch entschlost mich daher, weiter zurück- ßugehen, bis ich ein gewichtiges Hindernis wie die Somme oder Oise zwischen die britischen Truppe» und den Feind bringen und meinen Truppen Gelegenheit zum Ausruhcn und zur Reorganisation geben könnte. Ich wies daher die Korpsbefchlshaber an, sobald als möglich auf die Linie Vcrmond-Tt. Quentin-Ribemonl zurückzugchen. Am 25. August sind wir auf dem Marsche den ganzen Tag über vom Feinde bedrängt worden, der die Angriffe auf die erschöpften englischen Soldaten noch spät in der Nacht fortsetzte. Während der Kämpfe am 23. und 24. August habe ich General Sorbet, der drei französische Kavallericdivisioneu befehligte, um Unterstützung ersucht. Sorbet leistete zwar wertvolle Hilfe, war aber am 20. August, dem kritischsten Tage, infolge Erschöpfung der Pferde nicht mehr imstande, nns zu unterstützen. Am 20. August wurde es bei Tagesanbruch offenbar, daß der Feind seine Hauptkraft gegen den linken Flügel unserer Stellungen richtete, der von unseren zwei Armeekorps gebildet wurde, und General Smith- Dorricn meldete, daß er sich unter einem solchen Angriff nicht 'zurückziehen könne, wie ihm befohlen wäre. ES war unmöglich sür mich, Smith-Dorrien zu unterstützen, aber die Truppen zeigten eine prächtige Haltung gegenüber dem schreckliche» Feuer. Endlich wurde eS offenbar, daß, wenn eine vollständige Vernichtung vermieden werden sollte, der Rückzug versucht werden mußte. Um %4 II hr nachmittags wurde der Befehl gegeben, den Rückzug z» beginnen. Die Bewegung wurde durch die hingebendste Unerschrockenheit und Entschlossenheit seitens der Artillerie, welche selbst ziemlich gelitten hat, gedeckt. Das schöne Eingreifen der Kavallerie leistete wesentliche Hilfe bei der Vollendung dieser sehr schwierigen und gefährlichen Operation. Glücklicherweise hatte der Feind zu schwer gelitten, um eine Verfolgung energisch burchzuführcn. Ich kan» diesen kurzen Bericht über die ruhmvolle Haltung der britischen Truppen nicht schließen ohne hohe Anerkennung den wertvollen Diensten Emith-Torriens zu zollen, der den linken Flügel der Armee am 20. August gerettet hat. Ein belgisches Zeugnis für Deutschlands Friedensliebe. Laut einer Veröffentlichung der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung wurde am 31. Juli i» Berlin unter einer Deckadresse ein Bericht des belgischen Geschäftsträgers in Petersburg vom 30. Juli an den belgischen Minister des Aenßern zur Post gegeben. Ter Brief wurde wegen des inzwischen eingctretencn Kriegszustandes von der Post nicht befördert, später zur Ermittlung des Absenders geöffnet und sodann wegen seiner politischen Bedeutung dem Auswärtigen Amt zugestcllt. Der Bericht schildert die politische Lage in Petersburg am 30. Juli und besagt u. a.: Unbestreitbar bleibt nur, daß Deutschland sich hier ebenso sehr wie in Wien bemüht hat, irgend ein Mittel zu finden, um einen allgemeinen Konslikt zu ver- ineiden, daß es dabei aber einerseits aus die feste Entschlossenheit des Wiener Kabinetts gestoßen ist, keinen Schritt zurückzuwcichen. und andererseits auf das Mißtrauen des Petersburger Kabinetts gegenüber den Versicherungen von Oesterreich-Ungarn, daß cs nur an die Bestrafung und nicht an eine Besitzergreifung Serbiens denke. Tsasonow hat erklärt, daß es sür Rußland unmöglich sei, sich nicht bereit zu halte» und nicht zu mobilisieren, daß aber diese Vorbereitungen nicht gegen Deutschland gerichtet seien. Heute morgen kündet ein offizielles Communiqe an die Zeitungen an, daß die Reservisten in einer bcstinimten Anzahl von Gouvernements zu dcu Fahnen gerufen sind. Wer die Zurückhaltung der offiziellen russischen Eommuniques kennt, kann ruhig behaupten, daß überall niobil gemacht wird. — Heute ist mau in Petersburg fest davon überzeugt, sa. nian hat sogar die Zusicherung, daß England Frankreich beistehcn wird. Dieser Beistand fällt ganz außerordentlich ins Gewicht und hat nicht wenig dazu bcigctragcn, der Kriogspart«! Oberwasser zu verschaffen. Tie russische Regierung ließ in dcu letzten Tagen allen Serbien freundlichen und Oesterreich feindlichen Kundgebungen freien Laus und versuchte in keiner Weise, sic zu ersticken. Heute früh um 4 Uhr wurde die Mobilisierung bekannt- gegeben. Die russische Marine ist von der Verwirklichung ihres Erncucrungs- und Ncorganisationsplancs noch so iveit cntsernt, daß mit ihr wirklich kaum zu rechnen ist. Darin eben liegt der Grund, warum die Zusicherung des englischen Beistandes so große Bedeutung gewonnen hat. Jegliche Hoffnung auf eine friedliche Lösung scheint dahin zu sein: das ist die Ansicht der diplomatische» Kreise. Tic Norddeutsche Allgemeine Zeitung bemerkt gegenüber der ocrleunidcrischen Erklärung unserer Feinde, durch Deutschlands schrofscs, jede Verständigung unmöglich machendes Verhalten zuni Kriege gezwungen worden zu sein, daß das vorliegende Dokument als Beweis dafür wertvoll sei, daß man in diplomatischen Kreisen Petersburgs noch am 30. Juli, also-zwei Tage vor der deutschen Mobilmachung, die Nebcrzeugung batte, Deutschland habe sich in Wien wie in Petersburg die größte Mühe gegeben, den österreichilch- 1 c Tl>ifcf)cn Konflikt zu lokalisieren und den Ausbruch eines allac- uienicn Weltbrandes zu verhindern. Das Blatt macht darauf aus- merksam, England habe durch die Zusicherung, cs werde in einem Kriege nicht neutral bleibe», sondern Frankreich geoen Tcmichiani, bcistehen. der russischen Kriegs Partei den Rücken gestärkt und bannt wesentlich zur Provozierung des Krieges bciqe- tragen. Schließlich sei dieses Dokument auch noch deshalb von Interesse. weil sein Verfasser die Versicherungen Rußlands, nur tu einzelnen Gouvernements würden die Truppe» zu den Fahnen gerufen, eine allgemeine Mobilmachung finde aber nicht statt, für Schwindel hält. Die Firigkeit der deutsche» Marine. FVli. London, 11. Sept. (Nichtamtlich.) Unter der Spihmarke: „Schnelligkeit! Schnelligkeit!" schreibt der Daily Telegraph: Die Nachricht, daß fünf schnelle deutsche Kreuzer ihre Arbeit, britische Handelschiffe zum Sinken zu bringen, im Atlantischen Ozean noch fortsetzen, trotzdenr sie von 24 englischen Kreuzern und außerdem von zahlreiche» französischen Schiffen verfolgt werden, zeigt den Wert der Schnelligkeit/ Biele Jahre lang hat Deutschland schnelle Kreuzer gebaut und besitzt jetzt neun, die eine Schnelligkeit über 27 Knoten habe». Seit Ersparnisse in der britische» Marine gemacht werden mußten, um die Parlainentsmehrheit zu befriedigen, mußte sich die Admiralität so gut wie möglich mit älteren und langsameren Schiffen behelfen. Sie datieren von der Zeit vor Erfindung der Schifssturbine. Der Krieg bat nns daher wohl mit einer starken Ueberlcgenheit von Kreuzern gefunden, aber kann, einer läuft schneller als 25 Knoten, die meisten langsamer. Es gibt keinen englischen Kreuzer im Atlantischen Ozean, dem die deutschen Kreuzer nicht entfliehen könnten. Unsere Geschäftsleute müssen unter diescni Mangel leiden. Ein Gefecht tu Ostafrika. WB. Verls», 11. Sept. (Nichtamtlich.! Nach englischen Nach- richicu hat i» der Nahe des Songwc-Flusscs au der Grenze von Dcuisch-Ostafrika und Britisch-Niassaland zwischen deutschen nnd englischen Truppen ei» Kamps stattgcsundcn, wobei aus beiden Seiten mehrere Europäer gesallcn seien. Aus der gleiche» Quelle wird auch von Toten und Verwundeten in Kamerun berichtet. Eine amtliche Bestätigung liegt bisher nicht vor. Kampflose Wahle». In Heidelberg-Eberbach und in Mannheim haben demnächst Reichstagsersatzwahlen stattznfindcn.. In Heidelberg verteidigt die nationallibcrale Partei, deren Kandidat Dr. Obkircher ist, den Sitz, in Mannheim die Sozialdemokratie. Die Heidelberger Zeitung empfiehlt, schon allein aus Rücksicht auf den kaum zweifelhaften Sieg Obkirchers dem Kandidaten keinen Mitbewerber entgegcnzustcllen, nnd die Mannheimer Volksstinime schließt sich dem an, indem sie betont, die Zeiten feien wirklich nicht dazu angetan, einen politischen Kampf auszutragen. Vom serbischen Kricgsschanplad. Wien, 12. Sept. (Nichtamtlich.) Amtlich wird bekannt- gegeben vom 10. September abends: Die Schlacht bei Lemberg dauert an und das Angrisfsgebiet gewinnt allmählig an Raum. Tic serbische Armee hat die Drina überschritten nnd ist bei Syrmien eingebrochen, wo die Abwehr eingcleitet ist. Die Kampfesiveisc der Serbe». Prag, 12. Sept. Die Bohcmia gibt eine dleußcrung eines verwundeten Hauptmaiins über die Kampseswcise der Serbe» wieder. Darnach ist der serbische Soldat tapfer, schießt aber schlecht. Di« serbische» Schütze» und Komitatschis fitzen aus den Bäume», um österreichisch-ungarische Lsfizierc abzuschicßcn. Die ierbisely: Artillerie ist vorzüglich, was dadurch erklärlich ist, daß sie i», eigene» Lande käinpst, wo sic das Tcrrai» kennt und vo» der einheimischen Beoölkeruiiq unterstützt wird. Wo ösicrreichischc Truppe» hinkom- mcn, werden Strohhausen abgebrannt, um de» Serbe» die Richtung der Ocsicrrcichcr anzugcbc». Auch wurden unterirdische Kabel nach allen Stellungen der Derben entdeckt. Der serbische Soldat ist nicht feig. Manch« gaben sich gefangen deshalb, um de» Ocstcrreicher» falsche Angaben z» machen, oder zu meucheln. In der durch die Mcuchclei entstehenden allgemeinen Verwirrung suchen die gefangenen Serben dann zu entkommen. Weiber schießen mit Gewehre» und Kinder werfen mit Granaten. Ein verwundetes serbisches Mädchen vo» 12 Jahren, das im Spital liegt, rühmt sich, 10 Bomben ans österreichisch-ungarische Soldaten geworfen zu haben. Der Sieg in Ostpreutzc« ist vollständig! Hindenbur,) zog über die russische Grenze! W. B. Ero'ges Hauptquartier. 12. Sept. (Amtlich.) Die Armee des Generalobersten v. Hindenburg hat die russische Armee in Ostpreußen nach mehrtägigen Kämpfen vollständig geschlagen. Der Rückzug der Russen ist zur Flucht geworden. Generaloberst v. Hindenburg hat in der Verfolgung bereits die Grenze überschritten und bisher 10080 unverwundete Gefangene und etwa 80 Geschütze gemeldet. Außerdem find Maschinengewehre, Flugzeuge und Fahrzeuge aller Art erbeutet worden. Die Kriegsbeute steigert sich fortgesetzt. Der Generalquartiermeister v. Stein. Rund V 4 Million Kriegsgefangene in Tentschland. W. B. Berlin, 12. Sept. tAmtl.s Bis zum 11. September waren in Deutschland rund 220 000 Kriegsgefangene untcrgcbracht. Davon sind Franzose» 1830 Lsfizierc und 30 700 Mann; Ragen 1340 Ossizicrc und 01 480 Mann; Belgier 740 Offiziere und 40 200 Mann; Engländer 130 Ossizicrc und 7 458 Mann. Unter den französischen Offizieren sind 2 Generäle, unter de» russischen 2 Kommandierende und 13 Generäle, unter den belgische,, der Kommandant vo» Lüttich. Eine große Zahl weiterer Kriegsgefangener besindet sich im Transport zu den Gcfangencnsagern. Erfurt, 12. Tept. iNichtamtlich.) Ter frühere Lanbwirtschafts- miniftcr v. Ballhauscu. Mitglied des Herrenhauses ist im Alter von 70 Jahren nach längerem Leiden gestorben. Heften nnd Nachbar gebiete. Gieße» und Umgebung. Wir wollen kein feiges, kein halbes Geschlecht, Kein tröstendes Wort uns zum Hohne, — Wir wollen für jeden sein heiliges Recht, Für jeglichen Arbeit, die lohne, Und Freude, wo brennend die Träne jetzt fällt. Und Frieden der ganzen, der seufzenden Welt, Und dem Volke der Zukunft Krone! Achtung Landsturmpflichtige! Zur Formierung des Landsturm. Ersatz-Bataillons Gießen werden folgende Jahrgänge der Infanterie — nur gediente Leute — herangezogen: 1. 1895, 1894, 1893, 1892 und 1891. 2. Von 1897 und 1896 diejenigen Leute, die das 39. Lebensjahr vollendet haben. Sie haben sich Dienstag, den 18. September, nachmittags 2 Uhr, in: Hofe der Zeughanskajernc zu stellen. Wollene Unterkleider und etwa im Besitz befindliche brauchbare Fuß« ockleidung ist mitzubringen. Nicht rechtzeitige Gestellung, wird als Fahnenflucht angesehen und nach Kriegsgesetzen! streng bestraft. Pakete zur Absendnng an die int Felde befindlichen An-' gehörigen des aktiven Regiments werden, wie das Ersatz-' Bataillon des Jnf.-Reg. 116 mitteilt, täglich von 9—12 Uhr! vormittags nnd von 3--7 Uhr nachmittags im Wachtgebändi? der neuen Kaserne zur Versendung ins Feld angenommen^ — Tote des Gießcncr Regiments. Voni Regiment 1U> sind weiter als gefallen bekannt geworden: ReserveleutnanL Karl Eichhof, Kreisamts-Hochbanmeister in Wetzlars Musketier Ludwig Schön ans Staufenberg: Reserveleut^ nant Willy To dt, Regiernngsbaiiineister in Staufenberg) — Gerechtigkeit auch dem Feinde, linier dieser llebcrschrist schreibt eine deutsche Genossin, die viele Jahre in Belgien gelebt hat, dem Vorwärts: Die schreckliche Abrechnung zwischen den Völkern hat mit einem Schlag alle Bande zerrissen, die sich von Volk z» Volk schlingen und im Lauf der Dinge auch den Haß vom Mensche» zum Menschen aufgerichtet. — Wir, die wir gestern im fremden Laub, bas uns Zuflucht und Existenz geboten und schließlich Heimat geworden war, noch unter Freunden lebten, mußten, mit einem armseligen Bündel als ganze Habe, vor der Erbitterung »nd dem Zorn derer flüchten, die eben noch unsere Freunde und Gastgeber gewesen. Biele Ausländer haben Ungemach und sogar Mißhandlung erdulden müsse» und konnten sich nur durch rasche Flucht vor dem Volkszorn retten. Aber »eben diesen Tatsachen! darf — der Menschheit in den furchtbaren Wirren der Gegenwart! zum Trost — die Kunde nicht untergeben, daß sich die menschliche Gesittung des einzelnen oft unbeirrt und siegreich behauptete, daß Hunderte dcni plötzlich zum Feind gewandelten Fremden Hilfe und Schutz boten und die Tragik der Stunde oft genug gepreßten Herzens mit den Flüchtlingen mit empfanden. Tie Objektivität ist auch im Augenblick der erbittertsten Kämpfe Oiebet: und wenn cs richtig ist, daß Deutsche in Belgien bei ihrer Flucht rücksichtslos und unmenschlich behandelt worden sind, so werden Hunderte mir' mir darin übcreinstimmcn, daß sic großmütige» und tätigen Bei-' stand gefunden haben, daß viele Belgier Deutsche zur Oircnze ge^ leitet, ihnen Wäsche, Nahrungsmittel und Oield für die Flucht zuge- trage» haben und ihnen auf jede Weise behilflich waren. Auf deitz Bahnhöfen sah man deutsche und belgische Frauen sich weinend um-' armen und zwischen nnverhehlten Zornesworten gegen den „Fcind"^ der eben cinqezoge» war, tauschte man Händehrückc und rief sich! „Auf Wiedersehen!" zu. Um nur ein paar kleiner Zuge aus diesem Tagen zu gedenken: Ein vlämischcs Dienstmädchen, das bei einer! bekannten wohlhabenden Familie bcdienstet war, weigerte sich mit aller Kraft, von ihren flüchtenden Tienftgeberii ihren Lohn anzu-j nehmen. Die hätten jetzt die 50 Francs nötiger als sie, erklärte sie. Der Hauswirt des Nachbarhauses — ein Wallone — übernahm es' freiwillig, das Haus der flüchtende» Familie während deren Abwesenheit zu übernehmen. — Eine andere deutsche Familie ans, Brüssel erzählte mir, daß ihnen Nachbarn, mit denen sie nie inj intimeren Verkehr waren, in den kritischen Tagen nach dem Ausbruch des Krieges ihr Haus für die Tauer des Krieges angcbotcn hatte». Eine andere deutsche Bekannte überließ ihren kleinen Jungen ihrem belgischen Dienstmädchen, das ihn zu ihren Ber-i wandten mitnahm, während das 13jährige Mädchen der Bekannten^ von einer belgische», übrigens sehr national gesinnten Lehrerim ausgenommen wurde. Aehnliche Fälle zählt die Genossin aus ihrer, ciaeneu Erfahrung „och mehrere auf und schließt: Hundert ähnlich« Dinge erzählen niir bekannte deutsche Flüchtlinge aus Belgien, als ich sie im Ausland wiedertraf. Wo so schwere Anklagen gegen die Gesamtheit des belgische» Volkes erhoben werden, erfordert die Gerechtigkeit die Feststellung, daß Belgier in hunderten von Fällen unbeeinflußt von ihrer Erbitterung sich gütig, hilf- reich und menschlich gegen die Deutschen gezeigt haben. — „Fort mit der Ausländcrci!" To tönt es letzt aus der bürgerlichen Presse und wir sehen viele Firmenschilder mit aus-s ländischen Namensbczeichiiiingei, verschwinden. Dieses Erlebnis ist zwar begreiflich, aber nichtsdestoweniger zeigt cs eine gefährliche Unkenntnis der Eifernden hinsichtlich unserer volkswirtschaftlichen Bedürsniffe. Deutschland kann so wenig wie die GrotzNaa:en, mitz denen cs jetzt >m Kriege liegt, aus gewisse Waren, die vornehmlich oder nur im Ausland erzeugt werden, dauernd verzichten. Ferner ist Deutschland in so hohem Maße auf den Export seiner Jndnstrieprodnktc angewiesen, daß die Abschlicßnng des Auslandes vor unserer Ausfuhr aleichbedeuiend mit der Brachlegung eines sehr großen Teiles unserer Industrie wäre. Eben darum wirkt! der Krieg verheerend auf die Gcsamtwitschast der kricgssührciidcm Länder ein, weil im 20. Jahrhundert ungleich mehr noch wie im' vorigen das Wirtschaftsleben der Kulturländer mit tausend und! abertausend Fäden ancinandcrgcknllpst ist. Im ferne» Amerika! sowohl wie im »och cntscrntcrcn Australien verspürt ma» die, schlimmen volkswirtschaftlichen Wirkungen des großen Krieges wie erst aar in den unmittelbar beteiligten Ländern! Riesig ist schon' die Arbeitslosigkeit, die Ernähr»,igsnot der erwerbslosen Familien in England, Frankreich, Belgien, Deutschland, Oestcircich-llnaarn,' Rußland, Auch in dieser Beziehung fordert der Krieg unerhörte Opfer, um so mehr, je länger er dauert. Darum werden sich alle einsichtigen Menschen hüte», das Furchtbare noch zu verstärken, sogar über die Dauer des Krieges hinaus. Denn der Boykott der ausländischen Waren, zu dem mit den, Ruf: „Fort mit der Ausländcrci!" angeregt wird, würde naturgemäß die Boykottierten zu Olcgenmaßreqcln ansporne» „nd die Folgen Hütte» in erster Linie die Industriearbeiter zu tragen, bei nns wie in Frankreich, Belgien und England, Lassen wir uns durch unvcrniinstiac Schreier das Hebel nicht noch vergrößern, Hoifcn wir vielmehr aus einen baldigen, glücklichen Frieden, der das friedliche Zu- samnienarbeiien der Kulturnationen dauernd gewährleistet. Wenn die blinde Nachäsferci des Ausländischen, nur weil cs „ausländisch" ist, verpönt werden soll, so ist dagegen nichts einznwcndcn. Aber diese Nachäfferei finde,, wir hübe» »nd drüben nicht in der breiten Rolksmassc, weder i» der Kleidung »och in sonstigem Gc- liaben. Es ist hinreichend bekannt, daß sich gerade nntcr den Hoch- stiuierte», die gewöhnlich auch den Chauvinismus stark vslegc», die besten Kunden a,isländischer Modefirmcn besindc». Wen» auch diese Leute zukünftig die einheimischen Handwerker und Geschäftsleute berücksichtigten, wir hätten acmiß nichts dagegen einzu- ivcude», Ta nun gerissene inländische Firmen dazu übergehen, im deutsche» Inlande befindliche Filialen ausländischer Konkurrenzfirmen in nicht zu verkennender Absicht namhaft zu machen, so niöae man rechtzeitig bedlsickcn, daß zahlreiche deutsche Untcrnehmcrgcsell- schaften, „ainciitlich salchc der Bergwerks- und Hüttenindustrie, auch Zweigniederlassungen in, Auslande besitzen, deren Eristcnz durch einen nur durch prafitlüstcrne Selbstsucht diktierten „Patriotismus" schwer bedroht ist, Lasten wir cs also mit den jetzt unabänderlichen Kricgsareneln genug sein »nd baue» wir der weiteren Zerklüftung der Knlttirvölkergemeinschaft vor, indem wir ihre natürliche Zusainmengehörigkeit betonen. Damit leisten wir unserem Vaterlande den beste» Dienst. Eine Olcfahr für Verwundete. Von ärztlicher Seite schreibt nian der Frankfurter Zeitung aus Heidelberg: Manche der hiesigen Verwundeten leiden an Durchfälle», die sich bis zu blutigen Diarrhöen mit ruhrartigem Charakter steigern können. Daß damit eine Gefahr für die Verwundeten, aber auch für die Zivilbevölkerung entsteht, liegt auf der Hand. Nach Meinung der Acrztc ist der Genuß von rohe in L b st eine der Hauptursachen dieser Durchfälle, Das Publikum wird bcshaib dringend ersucht, Liebesgaben in Form von rohem Obst nur an die Lazarettküche, aber nicht an die Soldaten abzugcben. Die Verwundeten sollten rohes Obst ohne ärztliche Erlaubnis nicht genießen. — Die Verlustlisten, Das Kriegsministcriuin gibt bekannt: 1. Die Verlustlisten sind nur durch Postabonucment (monatlich 00 Pfennig) zu beziehe», dagegen nicht beim Zentrainachweisburca» erhältlich. 2. Auskünfte erteilen: a) Das Zentralnachwciscbiircau, fccS KriegkministeriumS, Berlin, Dorothcenstraße 18, über Ver- »vundetr und Elcfallenc des Heeres; es kann schriftlich nur Anfragen beantworten, die aus den bei jedem Postamt erhältlichen rosa Antwortkarten gestellt sind. b) Das Zeutralnachweiscbureau des Reichömariueamts, Berlin, Malthcikirchslraßc !>, über alle Angehörige der Marine, c) Das Auswärtige Amt über deutsche Maatsangehörige im Ausland, auch soweit möglich über deutsche Kriegsgefangene i„ Feindesland, d) Die Bezirkskommandos an Kriegsfreiwillige. Das Schloß des Baitenbergers. Tic Neue Fricdbergcr Tageszeitung ist demokratisch geworben. Ihr Habens die Battcnberger Prinzen und der Zar besonders angetan. Auch gestern lasen wir t» ihren Spalten solgenden geharnischten Artikel: „Wie wir aus zuverlässiger Seite wisse», ist das Angebot der Frau Gräfin von Erbach-Tchönberg, das Schlosi Heiligeuberg den Zwecken des Roten Kreuzes dienstbar z» machen, einzig und allein der Absicht entsprungen, dadurch einer drohende» Sequestration des Schlosses vorzubeugcn. Als die Gräfin keine Gegenliebe gesunden hat, reiste sic schmollend von Schönbcrg ab. Wenige Tage daraus bemühte sich der Justizrat Kleiusch,nibt von Tarmstadt in langatmigen Ausführungen zu beweisen, bah das Schlosi Heiligeuberg zu Jugenheim nicht dem englischen Admiral und Landesverräter gehöre, sondern als Familiencigcntum der Battenberger, zu denen auch die Gräfin Erbach-Schönbcrg gehört, zu betrachten sei. Auch das ist nicht zu- tressend; zu der Zeit, als Justitrat Kleinschmidt seine Erklärung vcrösscntlichtc, ist cs wohl der Fall gewesen. Man hat nämlich, um einer drohenden Beschlagnahme vorzubcugen, das Schlosi schleunigst auf de» Rainen der Familienangehörigen eingetragen. Bei Ausbruch des Krieges gehörte das Schlosi den, Prinzen Ludwig von Battenberg allein. Aus dem Grundbuch dürste sich diese Tatsache leicht festflellc» lasicn. Inzwischen hat der Landtagsabgeord- ncte Dorsch bei dem Grosih. Etaatsministcrinm zu Darmstadt beantragt, das Schlosi Heiligeuberg bei Jugenheim durch den hessische» Staat beschlagnahmen zu lasten. Unterm 2. September kam die Antwort des Staatsministers, baß das Staatsministcrium nicht in der Lage sei, dem Gesuche eine weitere Folge zu geben, da selbstständige Anträge eines Mitgliedes der Stände schriftlich bei der Kammer, der das Mitglied angehört, eiuzurcichcn seien. Landtags- abgcordnetcr Dorsch wird daher, wie wir erfahren, einen diesbezüglichen Antrag in der Zweiten Kammer cinrcichen." Bertrauenspersoncn sür die Kriegskindcrpslege gesucht! Ter Hilfsvcrein Tcutschcr Frauen zum Besten der Kinder im Felde stehender Männer sucht im ganzen Reiche, in Stadt und Land, freiwillige Helferinnen als Vertrauenspersoncn zur Errichtung von Zweigstellen und als Mitarbeiterinnen. Meldungen werden a» die Vorsitzende Frau Else von Rothe, Berlin W. (56, Preußisches Herrenhaus erbeten Warnung vor Schwindler». Der Grundstein veröffentlicht in seiner Nr. 35 folgendes: „Während des Krieges mästen die Kassierer der Zweigvereine mehr als je Vorsicht walten lasten, damit der Verband nicht durch irgendwelche Gauner geschädigt wirb. Mit welcher Frechheit jetzt vorgegangen wird, zeigt folgender Fall: Im Zweigverein Rotenburg i. H. kamen drei gut gekleidete Männer, anscheinend Maurer, zu der Frau unseres Kassierers Göz, der ein- ge,zogen ist. Sic legten eine angebliche Vollmacht vom Verbauds- vorstand vor und verlangten das gesamte Material des Zweigver- cins mit de» Geldern und Wertsachen der Lokal- und Hauptkaste, ivcil ja augenblicklich doch die meisten Mitglieder eingezogcn wäre» und sich die Fortsiihrnng des Zweigvereins vorläufig nicht lohne. Tie Burschen mutzten in diesem Falle mit leeren Händen abziehen. — Der Fall zeigt, basi in den Zweigvereincn die größte Vorsicht am Platze ist. Zweigvereinskassicrer oder deren Frauen möge», wenn ihnen verdächtige Burschen nahen, diese sofort festnchmen lasten. Wenn der Berbandsvorstand jemand mit der Kontrolle der Kaste eines Zwcigvercins beauftragt, so wirb bas entweder ein bekanntes Vorstandsmitglied oder der Bezirksleiter sein." — Zahlungsfristen sür Wechselschuldner. Von der Handels- t a m m cr wird uns folgendes geschrieben: Durch Verordnung vom 6. August 1914 hat der Bundesrat die Fristen für die Vornahme einer Handlung, deren es zur Ausübung oder Erhaltung des Wcchsclrcchts oder des Regreßrechts aus dem Scheck bedarf, bis auf weiteres um 30 Tage verlängert, soweit sie nicht am 31. Juli 1014 abgelaufen waren. Den Wechsclgläubigern ist cs dadurch möglich, ihre» Schuldnern 30 Tage Kredit zu geben, ohne daß sic befürchten müssen, ihren Regreß gegen die Vvrmänner zu verlieren. Es scheint nun vielfach die Meinung verbreitet zu sein, daß auch der Wechselschuldner einen gesetzlichen Anspruch auf die verlängerte Protcstfrist habe: diese Auffassung ist aber durchaus irrig. Wohl aber muß cs als dringend wiinschenwert bezeichnet werden, daß der Wcchsclgläubjger auf die durch den Zwang der gegenwärtigen Verhältniste gcschasfcne» Rotlage des soliden Wechsclschuidners in tunlichst weitem Umfange Rücksicht »in, m t. Eine solche Rücksichtnahme ist um so mehr geboten, als auch die Gerichte in bürgerlichen Rcchtsstrcitjgkcitcu Zahlungsfristen bis zu drei Monaten bewillige» und, falls eine Zahlungsfrist nicht bestimmt ist, die Vollstreckung in das Vermöge» des Schuldners für die Dauer von längstens drei Monaten einstcllcn können. — Theater-Eröffnung. Bekanntlich begann die Spielzeit bei innerem Ttadtthcater regelmäßig am 1. Oktober jeden Jahres. Von den zuständigen Stellen ist die Frage erörtert worden, ob cs angesichts des Kriegszustandes überhaupt angezcigt sei, das Theater zu erösfnen, da cs schiverlich besucht werden würde, weil viele Familien in Trauer versetzt, andere wieder in ungünstige wirtschaftliche Lage geraten seien. Man kam aber doch „ach eingehender Besprechung dazu, den Thcaterbetrieb nicht ganz cin- schlascu zu lasten, sonder» am 1. November die Spielzeit zu cröfsncn. ES sollen nur zwei AbonnemcntSabcndc statt bisher drei eingerichtet und ausierdcn, natürlich Sonntags gespielt werden. F ii r die Eröffnung des Theaters auch während des Kriegszustandes sprachen eine Reihe Erwägungen. Würde man es den ganzen Winter gcschlosten halten, so trage das Theater überhaupt dauernden Schaden davon, weil ein Teil des Publikums sich des Theaterbesuchs wieder ganz entwöhne, der ihm Bedürfnis geworden fc! und cs liege doch im allgcmcincn Jntcrcstc, das Theater als Erzichpngs- und Bildungsstätte zu erhalten lind da für diesen Winter schwerlich viel andere Veranstaltungen stattfinbcn würden sei das Theater die einzige Erholungsstätte und würde vielleicht mehr als sonst ausgesucht. Nicht zuletzt miistc auch an das Personal gedacht werden, besten Eristenz auch auf dem Spiele stehe. Diese Gründe gaben den Ausschlag für die Eröffnung der Spielzeit zu dem oben angegebenen Zeitpunkt. — Sturm und Regen, lieber dos Wetter der letzte» Wochen konnten wir uns im ganzen nicht beklagen. Herrlich strahlte die Sonne vom wolkenlosen Himmel herunter und kein Bauer konnie sich schöneres Erntewetter wünschen. Daher konute auch die Getreideernte gut und rasch cingebracht werden und natürlich wurde auch die Grnmineterntc günstig beeinflußt Seit Samstag ist aber die Witterung »mgeschlagcn, cs kühlte erheblich ab und die Nacht zum Sonntag brachte gehörigen Sturm, und Regen, der gestern noch den ganzen Tag anhielt. So stark ivar der Sturm, daß Ziegel und Tchiescr von den Dächern geweht ivurdcn. Auch zahlreiche Bäume wurde» entwurzelt oder Acste al-gebrochen, letzteres ist z. B. an den Pappeln am Sck>l«chlha„sc der Fall, wo ziemlich starke Aeste vom Winde abgebrochen und heruntergeworfen imirden. Großer Schade» ist an den Obstbäuinen «„gerichtet. Mastenhaft sind Acpfel, Birnen und Zwetschen herunlergeschüttelt worden und d>r von den, Fallobst immer ein großer Teil zugrunde geht, ist bedeutender Schaden verursacht worden. Den Obstbaunibesitzern ist z» raten, für das Auslesen des Obstes sofort besorgt zu sein, da dieses bekanntlich schnell verdirbt. Gegen de» verfrühten Siegesjubel. Mit folgende,, vernünftigen lind sehr notwendigen Benrcrkungen leitet der Kriegsberichterstatter Tr. Rongard seinen am 6. September aus dem Großen Hairpt- gnarlicr abgesandten Bericht ein: „Tie erste Periode des Krieges auf dem westlichen Kriegsschauplatz nähert sich ihren, Ende. Der Aufmarsch der verschiedenen Armeen ist de», aufgcstelltcn Plane entsprechend bnrchgcsührt, und die Franzosen sind, ebenso wie die Belgier und Engländer, Überall geschlagen worden. Unsere Erfolge sind »ngeheuee imd irbertrefsen weit das, was wir erhofft haben. Allein sic find noch keine endqiltigcn. Die feindlichen Armeen im Westen sind wohl geschlagen, aber noch nicht vernichtet. Wir haben noch nicht, wie im Kriege von 1370, ganze Armeen gefangen genomine». Die Gegner sind noä> innner in der Lage, sich aufs neue zu sammeln, und sind auch dabei, es zu tun. Ein neuer Kricgsplan muß ausgestellt werden, und wir dürfen uns nicht darüber hinweg- tänschcm daß uns noch schwere Kämpfe bevorstchen. Rach allen de» vielen und großen Erfolgen kann cs auch »ns zuftoßen, daß wir an irgend einer Stelle Mißerfolge verzeichnen müstcn. Beizeiten uns dies vor Augen halte», ist unsere Pflicht, damit nicht Rückschläge irgendwelcher Art den frohen Siegesjubel in sein E5egeirteil verkehren können und wirtschaftliche Schäden im Gefolge haben. . . Liebesgaben aus Preungesheim. 187 Gefangene des Straf- gcsängnistcs Preungesheim haben aus ihrem Arbeitsverdienst insgesamt 000 Mark für das Rote Kreuz und 253 Mark für die in Ostpreußen durch den Krieg Geschädigten zur Verfügung gestellt. Irgend eine Anregung hierzu mar von keiner Seite erfolgt. Die Summe würde wesentlich höher sein, wenn nicht die Direktion vielfach die gestifteten Beträge gekürzt hätte um das Arbeitsverdienst den Gefangenen selbst oder ihren Angehörigen zu erhalten. Einzelne Gefangene haben Beträge von 30 und 10 Mark gespendet. — Hcuchlhcim. Aus unserem Orte ist noch der Zimmermann Aug. Volkmann im Kriege gefallen. Er ivar zuletzt in Montabaur beschäftigt und stand bei einem rheinischen Regiment. — Rach «in anderer, von hier stammender Krieger, namens Wagenbach, soll durch unvorsichtiges Handl>abeii einer Granate (wahrscheinlich handelte es sich um einen sogen. Blindgänger) tödlich verletzt worden sein. X Darmstadt 12. Sept Reue Kriegsbeute der Hessen von, Schlachtfoldc in Frankreich kam gestern hier iu etwa 50 Kanonen an. Der Griesheimer Exerzierplatz wird teilweise zu einem Gefangenenlager sür 10000 Mann derzeit herge- richtet. Das neue große Militärlazarctt, das erst 1010 fertiggestellt sein sollte, wird jetzt in, Bau so beschleunigt, daß cs wohl im Dezember dieses Jahres schon seiner Bestimmung zuge- ftihrt werden dürfte. Prell Wetzlar. X „KricgSbrotc" hatten auch die Wctzlarer Bäcker gebacken, wie aus einer Bekanntmachung des Bürgermeisters hcrvor- gehi. Danach wurde bei einer Revision in vielen Fällen «in bedeutendes Mindergewicht bei den: Brot festgcstellt, das regelmäßig 3)4 Pfund wiegen soll. Ter Bürgermeister setzt dotier Höch st preise für Brot fest und .zwar Weißbrot 00 Psg., Gemisch- tes Brot 55 Pfg., Roggenbrot 53 Pig. für den 354 Pfund-Laib. Die Preise mit Gewichtsangabe sind in den Verkaufsstellen auSzuhängen. Wo das Gewicht oder die Preise nicht «ingehalien werden, sollen die Waren beschlagnahmt und die Namen der Geschäftsinhaber veröffentlicht werden, h. Verstorbener Krieger Im Lazarett in Ehri ngshan sen starb der Grenadier Wilhelm Gebauer, der dort, ivie in der Samstagnummer der Oberst. Volksztg. erivühnt wurde, an einer furchtbaren KoPsverictziing dar»! oder lag. Er stand bei dem 10, Grenadier-Regiment und stammte aus Schlesien. KriegsversorWiq der Witwen und Waisen. Gesetzlich ist die Unterstützung der Witwen und Waisen der im Kriege gefallenen Soldaten geregelt. Die Angehörigen der im Felde gefallenen oder infolge einer Kriegsdicnstbeschädigung gestorbenen Offiziere und Soldaten erhallen danach Unterstützung. Denn cs sich »m den Tod infolge einer „Kriegsdienstbeschädigung" handelt, wird Unterstützung nur gezahlt, sofern der Tod vor Ablauf von 10 Jahre» »ach dem Friedensschluß erfolgt. Als Angehörige gelten Witwen und eheliche oder legitimierte Kinder. Es kann aber auch den Verwandten aufsteigendcr Linie für die Dauer der Bedürftigkeit ein Kriegs c l t c r n g e I d gewährt werden, wenn der verstorbene Kriegsteilnehmer vor Eintritt in das Feldheer oder nach seiner Eiillaflung aus diesem ihren Lebensunterhalt ganz ober überwiegend bcstritien hat. Die Höhe des Kriegswitwengeldes richtet sich danach, ob der Witwe für den Todesfall ihres Mannes eine auch für die Friedenszeit geltende Versorgung znsteht. In diesem Falle beträgt die Unterstützung für die Witwe eines Gemeinen oder einer andere» Person des Untcrpersonals 100 Mark; swenn der Witwe tcinerlci andere Unterstützungen zu- stehcn 100 Mark): für die Witwe eines Sergeanten, Unteroffiziers, Zugführer-Stellvertreters oder SektionSsührcrS der freiwillige» Krankenpflege oder eines Unterbeaniten mit einem pensionsfähigen Dicnstciiikoinmcn von 1200 Mark und weniger: 200 Mark, iwcn» der Witwe keinerlei andere Unterstützungen zustchen 500 Mark): für die Witwe eines Feldwebels, Vizefeldwebcls, Scrgeanlen mit der Löhnung eines Vizefeldwebels, Zugführers der freiwilligen Krankenpflege oder eines Unterbeaniten mit pcnsionßsähigem Dicnsteiiikoniine» von über 1200 Mark: 300 Mark (wenn der Witwe keinerlei andere Unterstützungen zustchen 600 Mk.>: sür die Witwe eines Hauptmanns, Oberleutnants, Leutnants oder Feld- ivcbcllciitnants 1200 Mark: sür die Witwe eines Stabsoffiziers 1500 Mark lwcnn der Witwe keinerlei andere Unterstützungen zu- stehcn 1600 Mark): für die Witwe eines Generals oder eines Ossizicrs in Generalstellung 1500 Mark, lwcnn der Witwe keinerlei andere Unterstützungen zustchen 2000 Mark), Das Kriegs w a i s c n g c I d beträgt für die Waisen, denen beim Tode des Vaters auch in Fricdcnszeitcn Unterstützungen zu- kommcn, für jedes elternlose Kind einer Militärperson der Unterklassen eines Angehörigen der freiwilligen KriegSkrankenpflege oder eines Unicrbcamlcn: 110 Mark lwcnn keine andere» llntcrstüyun- gcn zu beanspruchen sind, 210 Mark): für jedes vaterlose Kind einer Militärperson der Unterkiasicn, eines Angehörigen der frci- willigen Krankenpflege oder eines Unicrbeamten 108 Mark: lwcnn keine anderen Unterstützungen zu beanspruchen sind 188 Mark): sür jedes elternlose Kind eines Offiziers 300 Mk.; sür jedes elternlose Kind eines'Offiziers/der nicht eme'RegtmeuISkoinmank-urskellunr inne hatte, 300 Mark, für jedes elternlose Kind eines Generals oder eines Stabsoffiziers in Generals- oder Rcgimcntskvmmgn- denrstellung 225 Mark: für jedes valerlosc Kind eines Offiziers' 200 Mark: für jedes vaterlose Kind eines Ossizicrs, der nicht eine Regimentskommandeurs,eliung inne hatte, 200 Mark: fün.cdes vaterlose Kind eines Generals oder eines StabsossizierS ir !»>cne- rals- oder Regimentskommandcurstellung 150 Mark. Das Kriegs c l t e r n g e l d beträgt jährlich höchstens a für den Vater und jeden Oiroßvatcr. für die Mutter und jede Großmutter eines Offiziers 150 Mark, b) für den Vater und jeden Großvater, für die Mutter und jede Großmutter einer Militärperson der Untcrkiasien, eines Unterbeaniten oder eines Angehörigen der frei- willigen Kriegskrankenpflegc 250 Mark. Die oben angeführten Sätze werden auch an die Hinterbliebc- iien der bei der freiwilligen KriegSkrankenpflege im Kriege beschäftigten und gesallcnen Personen bezahlt. Telegramme. Die fünftägige Schlacht bei Lemberg. WB. Wien, 13. Sept. Amtlich wird gemeldet: In der Schlucht bei Lemberg gelang cs unseren an und südlich der Gvrdcckcr Chaussee eingesetzten Streitkrästcn, den Feind »ach fünf tägigem heißem Ringen znrückzudrängc», 10 000 Ge- sangcnc zu machen und zahlreiche Geschütze zu erbeuten. Tiefer Erfolg konnte jedoch nicht voll ausgcnutzt werden, da unser Rordslügel bei Rawa Ruska von großer Uebermacht! bedroht wurde, die über die neue russische Grenze sowohl gegen die Armee Tankl als auch in dem Raume zwischen dieser Arincc und dem Schlachtsclde von Lemberg vordrang. Angesichts der sehr bedeutenden Ueberlegenheit des Feindes war es geboten, unsere schon seit 3 Wochen fast un» unterbrochen heldenmütig kämpfende Armee in einem guten Abschnitt zu versammeln und für weitere Operationen bereit zu stellen. Ter Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: v. Höser, Generalmajor. Der Stellvertreter des Reichskanzlers zu Franks Tode. Vom Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatsminister Dr. Delbrück, ist bei dem Präsidenten des Reichstags ein Schreiben folgenden Inhalts eingegangen: „2m Kampfe um Deutschlands Verteidigung fiel als erstes Mitglied des Reichstags Abgeordneter Ludwig Frank auf dem Felde der Ehre; er besiegelte damit die Gesinnung, die er durch Eintritt als Kriegsfreiwilliger bekundet hatte, mit dem Tode. Ew, Hochwohlgeboren beehre ich mich zu ersuchen, dem Reichstag den Ausdruck meiner wärmsten Teilnahme an dem Verluste, den er durch den Tod Franks erlitten hat, zu übermitteln." Eine neue Schlacht in Frankreich. IVB. Berlin, 13. Sept. «Amtlich.) Auf dem westlichen Kriegsschauplatz haben die Operationen, über die Einzel- hcitcn noch nicht veröffentlicht werden können, zu einer neuen Schlacht geführt, die günstig steht. Die von dem Feinde mit allen Mitteln verbreiteten, für uns ungünstigen Rachrichtrp sind falsch. Ein Anssall aus Antwerpen zurückgcwiesen. In Belgien ist heute ein Anssall aus Antwerpen, den drei belgische Divisionen unternahmen, zurückgeschlagen worden. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetter«, Gießen. Verlag von Krumm & Cie, Gießen, Druck: Verlag Offcnbacher Abendblatt. G. m. b. H., Osfenbach a. M. Wochcttmarktpreise in Gietze« am 12. September 1911 Butter per Pfd. 1.10—1.20 Mk. Milch Liter 22 Pfg. Hühnereier Stück 9—10 Psg Gänseeicr Stück — Pig, Käse Stück 6—8 Pfg. Käsemotte 2 Stück 5—8 Pfg. Tauben per Paar 0.80—1.20 'Ulf. Hühner per Stuck 1.20—1.80 Mk. Hähne per Stuck 1.50—2.t>0 Mk. Gänse per Pfuud 0.00—0 00 Pfg. Enten per Stück 0.00- 0.00 Mk. Olhscnflcisch per Pfd. 0.86—0.92Mk. Kalbsieisch per Pfd. 86—90 Psg. Kuh- u. Rinds!, per Pfd. 80—81 Psg. Schweincsicffch per Pfd. 70—90 Pfg. Lammclsieisch per Pfd. 70—96 Pfg. Kartoffeln p. Ztr. 1.00 —1.30 Mk. Neue Kartoffel» p. Pfd. 1—5 Psg. Zwiebeln per Pfund 6—8 Blumenkohl per Stet. 15—91 Pfg Grüne Bohnen p. Pfd. 10—1 Psg Gelbe Rübchen Päck 5—6 , Kohlrabi Stck. 5—6 P,g. Römiichkohl Päkchc» 5—8 Ptg. Gurken Stck. 10—15 Psg. Gurken, kleine Stück 3—5 Pfg. „ im Hundert 2—3 Mk. Weißkraut p. Haupt 10—20 Pfg. Kopfsalat per Kopf 2—5 Pfg, Aepfct per Psnnd 10—15 Pfg. Birnen Pfund 12—20 Pfg. Pfirsiche Pfd. 25—30 Pig. Falläpsel Psd. 5-6 Psg. Ncineklauden Pfd. 10—11 Pfg, Zwetschen Psd. 7—8 Pfg Gießgit & G* ©* G> G> G* G* G» G> G* & Wir haben für unsere Leser eine sehr exakt bearbeitete UebersichtsRarte sämtlicher Kriegsschauplätze Europas io 8 Farben, Qrösse ca. 60X70 cm, herausgegeben, welche sämtliche Kriegsschauplätze mit ihren Grenzen, Orten, Festungen, Flössen und Eisenbahnen, soweit sie von der Militärbehörde zu veröffentlichen gestattet sind, darstellt. Preis nur 70 Pfg 1 . OberhessischeVolkszeitung,Gießen Bahnhofstrasse 23 Telephon Nr. 2008 Versand nach auswärts gegen Einsendung des Betrages zuzüglich lOPfg. Iin Porto 3 «3 §5 *3 ■3 «3 -3 *3 la WM Zmebk!» haltbare Hcrbsiwarc per I*fd. 5 Pig 1 . vom Lager Schau,cnitraüc 10 per Acilincr. Pr. 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