Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oderheffen und der Nachbargcbiete. Die Obeebekliilii« Volks,ettun, erscheint jeden Werktag Abend in Bietzen. Der Abonnetnentlvrei» beträgt wöchentlich 1b Pfg, monatlich w Pia. etnschl-Bringeriobn. Durch die Post bezogen dierteljäbrl.lLÜMk. Redaktion und Srvedition (Stellen. Badnbofltralic 22. Sckc Löwenoalie. Televbon 2808. Inserate kosten die S mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Big Bei grötzeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bi« abend» 7», für die folgende Nummer in der Expedition aufgeb«». Nr. 211 Gießen, Samstag, den 12. September 1914 9. Jahrgang Ein Protest unseres Parteivorstandes gegen das Internationale Sozialistische Bureau. Das Exekutivkomitee des Internationalen Sozialistischen -Bureaus hat gemeinsam mit dem Vorstand der Sozialistischen Partei Frankreichs einen „Aufruf an das deutsche Volk" erlassen, ohne Verbindung mit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands auch nur zu suchen. Das Exekutivkomitee hat damit seine Befugnisse, die ihm jvon der Internationale übertragen worden sind, überschritten, was umso befremdlicher ist, als die sämtlichen Mitglieder Les Exekutivkomitees nur einem der bei der gegenwärtigen Katastrophe beteiligten Staaten angehören und deshalb notwendig befangen und einseitig im Urteil sein mußten. Als der Unterzeichnete Parteivorstand von dem Aufruf Lurch die ausländische Presse Kenntnis erhielt, hat er sofort Einspruch erhoben. Der Aufruf, dessen Wortlaut uns erst jetzt bekannt «wird, stellt die Vorgänge, die zum Kriege geführt haben, im Sinne der französischen Regierung dar und geht stillschweigend über alles hinweg, was gegen die Auffassungen der ver- ibündcten Regierungen Englands, Frankreichs, Belgiens und Rußlands spricht. Wir sehen davon ab, jetzt gegen diese Auffassung zu polemisieren, weil uns der Zeitpunkt hierfür nich: gegeben erscheint. Für eine fruchtbringende Auseinander- fetzung über die Haltung der einzelnen Mächte in den Tagen Dor dem Kriegsausbruch liegt zudem das Beweismaterial -bisher nirgends lückenlos vor. Die Einseitigkeit des Aufrufes geht schon daraus hervor, daß in ihm die Bedrohung des deutschen Volkes durch den russischen Despotismus nicht einmal erwähnt ist, d. h. diejenige Tatsache, die das deutsche Volk in seiner Gesamtheit am tiefsten erregt hat und für die Beurteilung der politischen Situation von wesentlichster Bedeutung ist. Ter Aufruf läßt also jede Objektivität vermissen. Weiter entnehmen wir den Nummern 3771 und 3772 der Pariser Humanitä vom 14. und 15. August 1914, die erst jetzt zu unserer Kenntnis gelangen, daß das Internationale Sozialistische Bureau mit Unterstützung der sozialistischen Partei Frankreichs die sozialistischen Parteien der neutralen Länder über die „Greueltaten der Deutschen" informieren will, um dadurch auf die öffentliche Meinung dieser Länder einzuwirkcn. Wir erheben auch gegen dieses einseitige Vorgehen des Internationalen Sozialistischen Bureaus öffentlichen Protest. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands hat stets alle Greueltatcn, wo sie auch immer vorkamcn, verurteilt. Ob deutsche Soldaten in Feindesland in diesem oder jenem Orte bei ihrem Vorgehen die Grenzen berechtigter Notwehr überschritten haben, darüber liegt uns zurzeit kein genügendes Material vor. Auch sind uns vom Internationalen Bureau hierüber keine Mitteilungen zugcgangcn. Wir fühlen uns aber verpflichtet, festzustellen, daß die deutschen Soldaten, die zu Millionen durch die Schicke der deutschen Partei und Gewerkschaften gegangen sind, keine Barbaren sind und an Bildung des Geistes und Herzens hinter den Soldaten keines Volkes der Welt zurückstchcn. Es ist bezeichnend, daß das Exckutivkonntce des Inter- nationalen Sozialistischen Bureaus wegen der angeblichen Greueltaten der Deutschen die öffentliche Meinung der neutralen Länder anrufcn will, während es sich über hinterlistige Ueberfälle belgischer Franktireurs auf deutsche Soldaten aus- schwcigt und von den Greueltaten der Russen ist Ostpreußen nichts zu melden weiß. Berlin, den 9. Scptcniber 1914. Ter Parteivorstand. Eisettbahntrattsportc. Rom, 10. Scpt. Auf der Bahnlinie Marseille—Lyon bewegen sich fortwährend Truppentransporte. Die Aufregung tu ganz Frankreich. Zürich, io. Ccpt. Ter Neuen Züricher Zeitung telegraphiert ?fI^°rrejpont>ent, der Frankreich bis zum 7. Leuten,der durrli- jLsm«. daß Flüchtling« berichten, die Franzoien l>ätlen den präch- j,i n, • ^ 0011 Compeigne angcziindet, um die Deutschen daraus ^Die Bahnlinien seien von Flüchtlingen aus der 0 v»n Lou«wy überstillt. Auf den Strecken iveftlich von Paris jw* s- tli'® 11 Militärzüge mit englischer Znsantcrie. Ossenbar ^? tuvt>ert unter Umgehung von Paris von Westen ge- „WW« kV imirzösische Gcucraistab bereite einen Frontivcchici Dür - Flüchtlinge aus Bar-Le-Duc berichten, man hatte die «tain zum größten Teile räumen müssen. Der Uorre- verzeichnet das Gerücht, daß der Gcireralisstmns Zossre durch General Pa„ eifert werden soll. Die Sä,lacht bei Eharieroi durch den Fehler eines Generals, der die Uebernnttlunz eines veriauint habe, verloren gegaitgen. Schon höre man das Dort verrat". Der lvanzösischc Generalltab scheine aus die Der irrreg. »rsprünglichc Absicht, den rechten deutschen Flügel umgehen zu lasten, verzichtet zu haben. Der Fall von Nancy müsse als bevorstehend angesehen werden. Die Belagcruttgsvorbeeeituttgei» itt Paris. Turin, 10. Scpt. Bei Gelegenheit der seit heute voni Seine- präfekten ungeordneten Zählung der jetzigen Bevölkerung von Paris müssen alle Einwohner unter Androhung kriegsgerichtlicher Strafen für falsche Angaben einen Fragebogen auSstillcn, der anher den üblichen Fragen diesmal auch noch besonders die Frage enthält, wieviele kleine Kinder des Betreffenden Milchernährung brauchen, imd ferner die Frage, ob der Betreffende mit Kohle, Koks oder Pctrolcnn, kocht. Gleichzeitig wird weitere Benutzung von Gas zu Heiz- ober Kochzwecken streng bestraft, Große Freud« und allgemeines Aufatmen herrscht in Paris infolge der durch Anschläge veröffentlichten Nachricht, datz die Deutschen vvn einer Unlzüngc- luug der Stadt fiir den Augenblick abgesehen hätten. Zeichnet die Kriegsanleihen! Wir stehen allein gegen eine Welt in Waffen, Vom neutralen Ausland ist nennenswerte finanzielle Hilfe nicht zn erwarten, auch für die Geldbeschaffung sind wir auf die eigene Kraft angewiesen. Diese Kraft ist vorhanden und wird sich betätigen, wie draußen vor dem Feinde, so in den Grenzen des deutschen Vaterlandes jetzt, wo cs gilt, ihm die Mittel zn schaffen, deren es für den Kampf um seine Existenz und seine Weltgeltung bedarf. Die Siege, die unser herrliches Heer schon jetzt in West und Ost errungen, berechtigen zn der Hoffnung, daß auch diesmal wie einst nach 1870/71 die Kosten und Lasten des Krieges schließlich auf diejenigen fallen werden, die deS Deutschen Reiches Frieden gestört haben. Vorerst aber müssen wir uns selbst helfen. Großes steht auf deni Spiele. Noch erwartet der Feind von unserer vermeintlichen finanziellen Schwäche sein Heil. Der Erfolg der Anleihe muß diese Hoffnung zerstören. Deutsche Kapitalisten! Zeigt, daß Ihr vom gleichen Geiste beseelt seid wie unsere Helden, die in der Schlacht ihr Herzblut verspritzen! Deutsche Sparer! Zeigt, daß Ihr nicht nur für Euch, sondern auch für das Vaterland gespart habt! Deutsche Korporationen, Anstalten, Sparkassen, Institute, Gesellschaften, die Ihr unter dem mächtigen Schutze des Reichs erblüht und gewachsen seid! Erstattet dem Reiche Euren Dank in dieser schicksalsschweren Stunde! Deutsche Banken und Bankiers! Zeigt, was Eure glänzende Organisation, Euer Einfluß auf die Kundschaft zu leisten vermag! Nicht einmal ein Opfer ist cs, was von Euch verlangt wird! Man bietet Euch zu billigem Kurse Wertpapiere von hervorragender Sicherheit mit ausgezeichneter Verzinsung! Sage Keiner, daß ihm die flüssigen Mittel fehlen! Durch die Kriegsdarlehnskasscn ist im weitesten Umfang dafür gesorgt, daß die nötigen Gelder flüssig gemacht werden können. Eine vorübergehende kleine Zinseinbuße bei der Flüssig- machung muß heute jeder vaterländisch gesinnte Deutsche ohne Zaudern ans sich nehmen. Tic deutschen Sparkassen werden den Einlegern gegenüber, die ihre Sparguthaben für diesen Zweck verwenden wollen, nach Möglichkeit in weitherziger Weise auf die Einhaltung der Kündigungsfristen verzichten. Näheres über die Anleihen ergibt die Bekanntmachung unseres Rcichsbank-Tirektorinms, die heute an anderer Stelle dieses Blattes erscheint. Die bisher igcit Zeichnungen. Berlin, 10. Scpt. Auf die Kriegsanleihe sind bei der Reichs- bank bereits erhebliche Zeichnungen cinaeganacn. Unter den Zeichnungen befinden sich die Firma und Familie Krupp mit einem Betrage von 30 Millionen Mark. Tie russische Kampfesweise. Daß die Oesterreicher cs mit einem überaus zähen und durchaus nicht zu unterschätzenden Gogncr zu tun haben, dessen Kraft nicht allein in der numerischen Uebermacht liegt, geht aus einem Briet des Genossen Hugo Schulz hervor, der als Kriegsberichterstatter im österreichischen Kriegsprestequartier weilt. Er schreib! in der Wiener Arbeiterzeitung n. a.: Täuschen wir uns nicht! Der Sieg gegen russiichc Millioi.en- hecre ist schwer zn erringen, viel schwerer als gegen französische! biegen die Franzosen lasicn sich vernichtende Schläge führen, russische Heere lasten sich nur mühsam ans de», Felde drängen. Es ist bisher nie ihre Sache gewesen, im groben Stil« zu siegen, aber dasür haben sic auch immer Niederlagen grotzcn Stils zu rcrmciden gc- wutzt. Wie sckiwer es fei. russisch« Armeen völlig niderzuiverfen und durch einen entscheidenden Sieg anher Rechnung zu bringen, hol schon Napoleon erfahren müssen, und von seinen Siegen haben die bei Eylan, Fricbiand, Smolensk und Moskwa die allergeringste Durchschlagskraft gehabt. Tic Tatsache, datz russische Heere einen io anherordentiich zähen Gegner abgeben, liegt tief begründet im russischen Wese» und in der russischen Denkart. Ter Russe ist in, Kriege das wahre Oiegenbild des Franzosen, beste,, pathetisch- rittcrliche Ansfgstung des Krieges ihm völlig gbgeht. Der rnisiiche Muschik ist von Haus« aus passiv, friedliebend »nd wenig iaisreudigs die Merkmale. die Fahr hunderte alte Unterdrückung und Erstarrung fernem Charakter ausgeprägt haben, bestiumien auch keine militärische Physiognomie. Er versteht cS nicht so gut wir der Franzose, ein draufgängerischer Heid zu sein, dosür versteht er es, als Mätyrcr des stumpfen Gehorsams in stoischer Ergebung zu sterben. Beim französischen Militär schlägt der heihe Tatendrang sofort tu Panik um, wenn die Verluste ein gewisses Matz überschreiten. Sowie der Oicgner die Feuerüberlegenheit erlangt hat, ist der Wille des französischen Soldaten gebrochen, und zurUckfsuten.de sran- zösiichc Truppen sind ausgebrannte Schlacken, nrit denen mau nichts nichr Inn kann, als sic weg,versen. Sic verlieren alles Vcrtraueir in sich und in die Führung, schreien, daß sie verraten „ich verkauft sind, „nd es vergehen Woä>e„. ehe sie aus den Tiefen ihrer Demo» rälisatiwn wieder den Weg tu die Höhe sinden. Oianz anders der russische Muschik, bei dein sich die kriegerischen Hochgefühle nicht bis zur Siedehitze steigern, der aber dafür eine ganz auhcrordc„tliä>c, vielleicht ans der Eintönigkeit seines K-nechts- dafeinS erwachsende Fähigkeit hat, sich an die grühlichcn Eindriick« der Schlacht avzupafsen „nd Verluste zu ertvagen, die das normale- Mah weit überschreiten. Die Feuerüberlegenheit, die ihn zum Verla sie,, ferner Position zwingt, muh schon bedeutend sein uud meist nmh sich zn ihr noch die Drohung mit dem Bajonett geiellen. Sinir russische Truppen zum Rückzug gezwungen, s-o hat man sich daraus, geiaht zu machen, dah sie nur wenige Kilometer werter hinten in. längst vorbereiteten befestigten Aufnah,irsstellinigen erneuten Widerstand leisten werden. Der ctappe»,reise Rückzug unter Benützmig hintcreinanderlicgeiider „Vor"-. „Haupt"- und „Anfnahmsstcl- lungen" ist geradem charakteristisch für geschlagene russische Armeen, und wenn es bisher auch noch nie ehren: russischen Heerführer gesungen ist, wirkliches Feldherrentum zu bewähren, so hat doch mancher russisch« Generös als Rückzugskünstler Namhafligkeit zn, gewinnen vermocht. Dein russischen Führer fehlt im allgemein»» jede Neigung zu kühner, weit ausgreifender Aktion, jedes Vertrauen zun, selbstverständlichen Kommen seiner Uirterführer und vor allem die innere Ueberzengnng. dah seine Truppen amt) ohne erdrückende numerisch« Nebersogeyhekt im dtnyrftf etwas ans richten könnten. Daher ist für alle russischen Führer tiwisch die ängstliche Bc- dachtnahnie aus die rückwärtigen Verbindungen, die ftete Befürchtung, um saht z» werden, überhaupt alles, was in den Bereich der Sorge um den Rückzug gehört. Seine Reserven gibt der russisch« Heerführer niemals vollständig aus und wird eher die NKgltchikeit. die Sache doch iwch im letzten Moment zu feinen Gunsten zu entscheiden, fallen lasten, als die Sicherheit, den Rückzug decken zu, können. Deshalb ist es furchtbar schwer, russische Armeen mit einer einzigen Schlachtentschcidung allzu tun. und so heitz die Wünsche im Verein mit dem unverbrüchlichen Willen unicrer Truppen zum Siege auch da hi »streben, muh man sich doch anf ein anherordentiich langes Ringen gefasst inache,,. Auch die Fapauer haben das er- fahren müssen, als sich die geschlagenen Rüste» noch jeder Niederlage nur wenige Kilometer vom Schlachtfeld wieder fcstsctzten, nach der zwölftägigen Schlacht ain Schahv sogar rn inemittcibaver Sicht der Sieger sich niederlasteil konnten »nd selbst nach der Niederlage von Mulden, die doch stellenweise ein katastrophales Gepräge gehabt hatte, nur mn etwa siebzig Kilometer zurückgingen, um rn überraschend kurzer Zeit ihre zerrüttete Arniee wieder aufzu bauen. Tic Lozialdemokratic und der Krieg. Die von gewissen Scharfmacherkreisen für ihr Treiben entlohnte Scharfmacherprcsse vom Schlage der Post, Bcrl. Neuesten Nachrichten et tutti qaanti empfindet es geradezu unerträglich, daß sie sich in ihrer Hetze gegen ehrliche Arbeiter augenblicklich eine gewisse Reserve auscrlegen muß. Ten:- gcgenübec verdient Beachtung, was der Geh. AdmiralitätS- ra't Paul Koch in der freikon'ervativen Wochenschrift: „Da? neue Deiltschland" über den Krieg und die Sozialdemokratie schreibt. Er führt aus: „Eine heilige Pflicht aber wird es sein, wenn unsere Reserven und Landwchrlcute, die Grenadiere und MuZ- keticre, die Artilleristen und Pioniere, die Dragoner und Ulanen, die Flieger und Eisenbahner und mit ihnen die Matrosen und Heizer das keldgrane Ehrenkleid wieder ab- legen, dafür zu sorgen, und allen Fleiß daran zu setzen, die .Hemmnisse ihres wirtschaftlichen Gedeihens zu beseitigen. Wohl schreiten wir voran auf allen Gebieten der Polks- wirtschaft, das ist der Hauptgrund des grimmigen Hasse-? der Briten, aber auch bei uns ist es noch möglich und nötig, noch Mannigfaches zu leisten, damit der wirtschaftliche Erfolg mit möglichst geringen Unkosten belastet wird, und damit dem Arbeiter ein möglichst großer Anteil vom Werte seines Arbeitsergebnisses zugewendct wkrden kann. . . . Wer aber gerecht und ehrlich ist, der weiß, daß noch allenthalben trotz aller Betriebsamkeit veraltete Anschauung. Zopf und Schlendrian die Erreichung des höchsten Erfolge? verhindern und daß viel gesündigt ist, mtra. et extra muros, in bester Absicht vielleicht und in erklärlicher Per- blendung, und daß wir dadurch dem Neid und dem Haß auch im Kreise unserer Volksgenossen allzu reichliche Nahrung boten." Ter ^ranklireurkrieg. Nun bestätigt auch der Korrespondent einer englischen Zeitung, des Daily Chronicle in Bordeaux, daß französische Franktireltrs Angriffe unternommen haben. Ei» Flüchtling aus einem Ardennendorf bei Vouziers habe ihm erzählt, daß junge Leute und Frauen bewaffnet wurden, die eine Ulanen- rufen. Für die Wahrheit dieses stehen n*ir mit unserem beruflichen Ehrenwort. Gez. Roger Lewis. Associated Preß: Jrvin S. Eobb, Saturday Evening Post: Philadelphia Public Ledger Philad.: Harry Hansen Chicago Daily New: Chicago James O'Tonnel Bennet John T. Mac Eutcheon Chicago; Tribüne Chicago. Wie der Zar weiter gegen das russische Volk wütet. Der Pariser Humanitä vom 27. August entnehmen wir folgende Mitteilungen: Die russische öffentliche Meinung verlangte, erwartete und erhoffte eine Amnestie für politische Vergehen. Die Regierung des Zaren bietet ihr aber Haussuchungen, Verhaftungen und Verfolgungen. In folgendem einige schwerwiegende Handlungen der Ochrana, welche die russischen Zeitungen melden: In Petersburg hält man die sozialdemokratischen Schrift- stcller P. Massiosf, F. Gurvitsch und den sozialistisch-revolutionären Schriftsteller Bykowsky fest. In Moskau hat man den sozialistischen Kandidaten bei den letzten Tumawahlcn, den Rechtsanwalt A. Nikitine, der die Arbeiter von der Lena in ihrem Prozeß gegen ihre Mörder verteidigt hat, gefangen gesetzt. In Samara unterdrückt nian die letzte sozialdemokratische russische Zeitung Saria Povoljia (Morgenröte der Wolga- Gegend) und man löst eine Gruppe von Arbeiterstudenten auf. In Kharkosf wurden zahlreiche Untersuchungen gegen Journalisten der Opposition vorgenommen. Kurz, die Regierung scheint ihre Ochrana gegen alle „Uebeldenkenden" losgelassen zu hoben, ganz wie zu den Zeiten der schlimmsten Kontre-Rcvolution. Das ist die Art der Regierung, zu antworten auf die einmütige Begeisterung des Landes gegen den „deutschen Angriff". Man hat einen Freiheitskrieg proklamiert, aber man läßt ihn im Innern begleitet sein von einer Verstärkung der Herrschaft der Verdächtigung. Gibt cs denn niemand in den Bureaus der russi- scheu Regierung, der Verständnis dafür hat, daß alle diese Repressalien die nationale Einheit zu zerstören drohen? Und welchen Glauben kann man den liberalen Versprechungen der Regierung bcimessen, welche so ungeniert und frivol den seit den ersten Tagen der Krise proklamierten nationalen Waffen- stillstand bricht? Soweit die Human itä. Unsere französischen Genossen werden hoffentlich bald erkennen, daß die Versprechungen aus liberale Reformen und auf nationale Autonomie der im russischen Reiche bisher unterdrückten Völkerschaften, mit welchen Nikolaus der Meineidige das russische Volk ködern will, eitel Lug und Trug sind. Die Absichten Japans. Stockholm, 10. Sept. (Priv.-Tel. der Frkf. Ztg., Ctr. Frkf.) Beim russischen Botschafter in Tokio, Malewsky, gab der Minister des Auswärtigen, Kato, eine Erklärung ab des Inhalts, daß Japan der Londoner Dreiverbands-Abmachung gegen einen Scperatfrieden beitrete. Kato versicherte, daß selbst die Besetzung Kiautschous nicht das Ende der japanischen Kriegshandlungen bedeuten werde. Da andererseits Japan versichert hat, auf dem europäischen Kriegsschauplatz nicht eingreifen zu wollen, wird die versteckte Drohung von Operationen gegen den weiteren deutschen Kolonialbesitz nicht gerade freundlichen Widerhall in Australien und Amerika Hervorrufen. 150 Millionen Mark Krieaskredite. WB. Tokio, 11. Sept. (Nichtamtlich.) Das Oberhaus bewilligte einstimmig die Kriegskredite von 53 Millionen Nen. LlnölandSenten. WB. Wien, lg. Sept. (Nichtamtlich.) Nachrichtenagenturen. Pressebureaus und Blätter in London und Petersburg verbreiten fortgesetzt phantastische Meldungen über angebliche Siege der feindlichen Armeen, sowie über die Zustände in Oesterreich-Ungarn, die ein Dementi nicht verdienen, da sie durch die Tatsachen täglich widerlegt werden. Offensichtlich verfolgt dieser lügenhafte, verleumderische Presseseldzug neben der Irreführung der össentlichen Meinung des eigenen Landes den besonderen Zweck, die niedergedrückte Stimmung der französischen Bevölkerung zu mindern »nd den Mut der Franzosen zu heben, die freilich eine wirksamere Unterstützung von ihren Bundesgenossen erwarten als durH Lügendepeschen. In der Pariser Humanitö vom 27. August finden wir eins Notiz, die sich aus Kopenhagener Meldungen beruft und die besagt) dasi die Bureaus des Vorwärts i» Berlin von Militaristen geplündert worden seien, dasi man die Truckpreffen zerstört habe unfr' daß in den Bureaus alles zerbrochen worden sei. Diese angeblichen Gewaltakte sollen eine Folge von Artikeln sein, in welchen der Vorwärts die Kaiserliche Negierung für die jetzigen und eventuell zu« lllnftigen fatale» Ereignisse verantwortlich gemacht haben soll. * WB. Berlin, 10. Sept. (Amtlich.) Eine „amtliche Mifi-ülttN« des englischen Generalkonsuls für die Niederlande in Rotterdam") die unter dem 4. September als Flugblatt in holländischer Sprache in den Straßen verteilt wurde, zeigt erneut, mit welchen Waffen unsere Gegner kämpsen. Sie lautet in Uebersetzung: „Wie wir vernehmen, sind zahlreiche Gerüchte im Umlauf) nach denen sogenannte Dum-Tum-Geschoffe im Besitz englischer Soldaten gesunden sein sollen. Ebenso verlautet, daß bei dem letzten Seegefecht bei Helgoland mehr Deutsche durch englische Kricgsschiffsboote hätten gerettet werden können; doch habe man sie ertrinken lassen, ohne alle möglichen Anstrengungen zu ihrer Rettung gemacht zu haben. Beide Gerüchte und Erklärungen sinh ganz und gar unwahr und böswillig in Umlauf gesetzt worben) Kein einziges Tum-Dum-Geschoß ist von englischen Soldaten' verwendet worden. Was die Beschuldigung anbetrifft, daß man die Deutschen habe ertrinken lassen, so muß sestgestellt werben^ daß die deutschen Offiziere auf die eigenen Mannschaften ge<> schosien haben, um ziz verhindern, daß sie sich von den durch die Engländer ausgesebten Booten aufnehmen ließen. Ferner steht fest, daß die deutschen Kriegsschisse auch auf die englischen Rettungsboote schoflen, während diese die verwundeten, im Wasser! treibenden deutschen Seeleute retteten." Hierzu bemerkt das Wolffsche Telegraphen-Bureau: Daß be^ englischen Soldaten Tum-Dum-Geschosse gesunden worden sind, be-t darf nach dem Telegramni des Kaisers an den Präsidenten der Vereinigten Staaten keiner weiteren Bestätigung. Tie unerhörte Verleumdung, deutsche Seeoffiziere hätten auf die im Wafler schwimmenden Mannschaften und deutsche Kriegsschiffe auf die bei Rettungsarbeiten befindlichen Boote geschoflen, steht zu tief, um eines Wortes gewürdigt zu werden. Das Cngländerheer eine demoralisierte Bande. Tic Londoner Times haben große Entrüstung hervor) gerufen in England. Das Blatt hat, wie wir aus einer holländischen Zeitung ersehen, einen ausführlichen SPszialberichp aus Amiens veröffentlicht über den Zustand der englischen! Trilppen nach den Känipfen mit den Deutschen auf französi) schein Boden. Und was ist da berichtet svorden? Man lese, wie das entrüstete England darüber urteilt?: „es wird der Eindruck hervorgehoben, daß das britische Kriegshecr nicht nur große Verluste gehabt hat, sondern daß eigentlich nichts davoch übrig geblieben ist, als eine demoralisierte Bande." So etwas in den Times lesen zu müssen, muß freilich bitter sein. Aber was weiß das Blatt auf die heftigen An»! griffe, denen cs nach dem Aufsehen erregenden Bericht seines „besonderen Correspondenten in Amiens" ausgesetzt war, zu antworten? — „daß der Bericht dem Zensor Vorgelegen habe") A,«fr,«f der Trade UnionS Min freiwillige« Kriegsdienst. London, 10. Sept. Das parlamentarische Komitee des Trab» Union-Kongresses Hot an alle Fachvereinigungen Englaichs ei» Manifest gerichtet, in deui es außerordentlich scharf dagegen Stellung nimmt, daß eine längere Fortdauer dazu benutzt werden könne, die allgemein« Wehrpflicht in England einznsühren. Das Manifest sieht in der allgemeinen Wehrpflicht eine Belastung der finanziellen und persönlichen Kräfte des einzelnen, die auf joden Fall vermieden werden müßte. Um jedoch der wahren Demokratie zum Sieg zu verhelsen, müfle die englische Arbeiterschaft zeigen, was ein freies Volk ohne den Zwang der Wehrpflicht leisten könne. Infolgedessen müfle jeder, der es irgendwie könne, sich als Freit williger meldenc Zwei deutsche Handelsschiffe versenkt. Mailand, 9. Sept. (Priv.-Tel. der Jrklf. Ztg., Ctr. Bin.)!. Aus Bordeaux wird gemeldet, daß nach einer offiziellen Mit- tcilnng zwei deutsche Handelsschiffe im Atlantischen Ozeans durch französische Kreuzer versenkt worden sind. Eine reichsosfiziöse Würdigung des Genossen Frank. Der Tod des Genossen Frank wird von der bürgerlichen; Presse durchgehends mit warmer Anteilnahme besprochen. Einige Blätter, wie Berliner Zeitung am Mittag und Ber- patrouille aus dem Hinterhalt niederschossen. Das Torf sei darauf zerstört worden. Ferner wird gemeldet, daß in Belgien der Franktireurkricg weitet organisiert wird. Dem Berliner Lokalanzcigcr wird geschrieben: In mehreren Ant- wcrpencr Zeitungen, zum Beispiel dem Antwcrpcner Handelsblad, Metropole, Gazette d'Anvors usw., soll, wie man uns mitteilt, ein Aufruf veröffentlicht worden sein, worin das belgische Volk aufgcfordert wird, sich zu verteidigen, wie in der „güldenen Sporenschlacht", wo sich Greise, Frauen und Kinder in glänzender Weise hervorgetan hätten, wie die streitbare Macht. Das offiziös bediente Blatt bemerkt dazu: Tie Antwerpener Zeitungen würden mit der Veröffentlichung solcher Aufrufe eine schwere Blutschuld auf sich laden. Wenn das ohnehin durch französische und englische Siegeslügen verblendete belgische Volk sich zu neuen Gewalttätigkeiten gegen unsere Truppen hinreißen lassen sollte, so mühte daraus ein schonungsloses Strafgericht folgen. Inzwischen wird ja wohl der belgischen Regierung von befreundeter neutraler Seite nahegelegt worden sein, von der sogenannten Volkserhebung keinen Gebrauch mehr zu niachen, sondern die Kämpfe denen zu überlassen, zwischen denen allein der Krieg sich in ritterlicher und — soweit angängig — menschlicher Weise abspielen kann, nämlich den regulären Truppen. Belgien protestiert gegen „deutsche Greuel". Die belgische Regierung hat durch Vermittlung des spanischen Botschafters der deutschen Reichsregierung eine Protestnote zugehen lassen, über deren Inhalt italienische Blätter berichten: „Belgien, das den Frieden wollte, ist von Deutschland gezwungen worben, zu den Waffen zu greifen und gegen einen durch keinerlei Handlungen gerechtfertigten Angriff, der den feierliche» Verpflichtungen der Verträge zuwiderläuft, sich in der Notwehr zu schützen. Belgien ehrt sich selbst, indem es loyal mit Beachtung aller Regeln des Völkerrechts und des Krieges kämpft. Nach dem Einbringen deutscher Truppen auf sein Gebiet hat Belgien durch seine Negierung in allen Gegenden Maueranschlägen erlassen und täglich auch in den Zeitungen Versügungen bekannt gemacht, die den nicht am Kampfe beteiligten Bürgern verbieten, feindselige Handlungen gegen die in das Land einbringenden Truppen z» unternehmen. Die belgische Regierung erhebt lebhaften Einspruch gegen die von der deutschen Regierung zur Begründung ihrer odiösen Unterdrückungsmaßregeln verbreitete falsche Darstellung. Wen» einige den Kriegsregeln zuwiderlaufende Handlungen nach- zuweisen sind, so muß man vor ihrer Beurteilung die gerechte Entrüstung in Rechnung stellen, die die von den deutschen Soldaten begangenen Grausamkeiten im belgischen Volke hervorgerufen haben. Das belgische Volk sei außerordentlich friedlich gesinnt, aber zur Verteidigung seiner Rechte entschlossen und in der Achtung vor der Menschlichkeit gleichermaßen energisch." — Die belgische Note zählt sodann eine Reihe von Ausschreitungen auf, die angeblich bis znm 20. August von deutschen Truppen in Belgien begangen worden sein sollen. Die Note schließt dann mit den Worten: „Diese Tatsachen umfassen die Niedermetzelung unbewaffneter Bauern, Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen, Brandlegung von Dörfern und einzelnen Häusern, aus denen kein Widerstand geleistet worben war, und zahllose Diebstähle. Viele dieser Handlungen wurden von deutschen Soldaten in Gegenwart ihrer Ossiziere und oft sogar auf deren Veranlassung verübt. Es ist offenbar, daß der Zweck der deutschen Behörde der ist, die belgische Bevölkerung zu terrorisieren." Amerikanische Kriegsberichterstatter haben keine deutschen Greuel beobachtet. WB. Berlin, 10. Sept. (Nichtamtlich.) Nachstehende Erklärung der Kriegskorrespondenten hervorragender Organe der amerikanischen Presse wird uns zur Veröffentlichung übergeben: „Um der Wahrheit die Ehre zu geben, erklären wir einstimmig die „deutschen Greuel", soweit wir beobachten konnten, für unwahr. Nach zioei- wöchentlichem Aufenthalt im deutschen Heere, die Truppen über 100 Meilen begleitend, sind wir tatsächlich nicht in der Lage, auch nur einen einzigen Fall unverdienter Strafe und Vergeltungsmaßregeln zu berichten. Wir sind ferner nicht in der Lage, die Gerüchte bezüglich Mißhandlungen von Gefangenen und Nichtkombattanten zu bestätigen. Mit den deutschen Truppen durch Landen, Brüssel, Nivelles, Binche, Buissiere, Hautes-Wiheris, Marbes-le- Ehateau, Sorle-sur-Sambre, Beaumont haben wir nicht die geringste Unterlage für einen einzigen Fall von Zügellosigkeit. Zahlreiche Gerüchte fanden wir nach Untersuchung grundlos. Wir sahen überall die deutschen Soldaten ihre Einkäufe bezahlen und das persönliche Eigentum und die Rechte der Bürger achten. Nach der Schlacht von Buissiere fanden wir belgische Frauen und Kinder im Gefühl völliger Sicherheit. In Merbes-Ie-Chateau ivurde ein Bürger getötet, doch konnte niemand seine Schuldlosigteit beweisen. Flüchtlinge, welche von Grausamkeiten und Gewalttätigkeiten erzählte», konnten absolut keinen Beweis beibringen. Die Disziplin der deutsche» Soldaten ist hervorragend. Keine Trunkenheit kommt vor. Der Bürgermeister von Sorle-sur-Sambre hat unaufgefordert die Gerüchte von Grausamkeiten in der dortigen Gegend wider- Afraja. Ein nordischer Roman^on Theodor Mügge. 88 „Selbstvertrauen muß jeder Mensch haben, wenn er in schwierigen Lagen nicht untergehen soll", antwortete Mar- strand. „Aber Vorsicht darf nicht fehlen", fiel der Gildcmeistcr ein. „Die goldene Regel jedes Kaufmannes ist, nichts zu unternehmen, wozu seine Kräfte nicht ausrcichen. Spekulation ist die Seele des Handels, doch wer ins Blaue ohne Mittel spekuliert, gerät in Schwindel. — Langsam gehen, aber sicher gehen, das ist die Sache. Geh langsam an, kommst oben an, heißt das alte richtige Sprichwort, das jeder sich merken inuß." „Nicht jeder, Herr Fandrem, denn bei allem, was ein Mensch unternehmen mag, gibt das Gliick den Ausschlag. Spekuliert so vorsichtig, wie Ihr wollt, alles wird zu schänden werden, wenn das Gliick Euch verläßt; unternehmt das Ge- wagteste, und cs wird gelingen, wenn die große Göttin Glück Euch den Finger reicht." „He! und Sie sind solch ein Sonntagskind der Glücksgöttin, wie ich meine?" rief Fandrem lachend. „Ich habe wenigstens den Mut, es sein zu wollen", antwortete der junge Abenteurer. „Früh Hab ich des Glückes Mißgunst erfahren, warum soll ich nicht glauben, daß cs jetzt mir treuer sein wird? Leicht will ich cs keinem Widersacher machen, mich anszustechen. Ich will mein Glück festhaltcn bei jedem Zipfel, und wer das Unglück nicht fürchtet, hat immer die meiste Aussicht auf Erfolg." „Wünsche Ihnen alles Gute", rief der Handelsherr, sein Glas erhebend, „und daß kein Tag kommen möge, wo Ihr Glücksschiff auf eine blinde Klippe läuft." In dem dicken rotem Gesicht war eine Teilnahme zu bemerken, die sich vermehrte, als Marstrand antwortete: „In der ganzen Welt, »vo Menschen nach einem Ziele ringen, stellt sich Glück gegen Glück. Jeder hat seinen Anteil daran, es fragt sich nur, wer das Meiste bekommen hat. Die sich die Stolzesten und Sichersten dünken, ihre Pläne auf das Geheimste und Künstlichste machen, werden oft am leichtesten von Gegnern besiegt, die sic kaum beachten. — Recht muß man tun, Herr Fandrem. das Gewissen muß immer in Ordnung sein, und der Kopf nicht allein, sondern auch das Herz an der rechten Stelle sitzen, so kann man es mit jedem Feinde aufnehmen. Es steht in der Bibel geschrieben: Seid klug wie die Schlangen, doch ohne Falsch wie die Tauben, und das ist ein richtiger Spruch, der hilft ans vielen Nöten." Diese letzte Antwort machte einen verschiedenen Eindruck auf die Tischgcnosscn. Fandrem brummte vor sich hin und trank sein Glas aus, seiner Tochter Gesicht wurde auf einen Augenblick so belebt, wie es noch nie gewesen war, Hclgestad aber begegnete den Augen des kühnen Sprechers, und beide suchten zu verstehen, was in ihnen vorging. „Ruh!" rief der Nordländer, dann in seiner bedächtigen, kurzen Art, „kalkuliere, daß jeder tue, was er kann, und das Ende den Meister lobt. Recht hat, wer oben schwimmt und was er anfängt auch ausführt. Denke, hat jeder niit sich selbst abzumachen, was er Gewissen heißt, sagt das eine dies, das andere jenes, ist aber Herr Marstrand ein Mann, der seine stolzen Worte wohl noch in mancherlei Sturm und Wetter er- proben mag.". „Dann wird cs sich zeigen, ob ich Ihr Lob verdiene." „Ob das Glück anshält," sagte Niels, ihn angrinsend. „Ich denke, Herr Fandrem, es soll bald zeigen, daß ich Hclgestads Lehren wohl verstanden habe", rief Marstrand lebhaft. „Ich zweifle nicht daran und achte Sie dafür", antwortete der Gildevorsteher, sein Glas ausstreckend. „Wäre der Kapitän ein Mann Ihres Schlages, bei Gott! — er schlug mit dem Heft des Messers, das er in der Hand hielt, auf den Tisch — er sollte an meinem Tische sitzen und meinem Hause willkommen lein." „Henrik Dahlen ist, soweit ich ihn kenne, ein ehrenhafter und wackerer Mann", sagte Marstrand, der für seinen Freund sprach. „Ein dänischer Windbeutel, ein Hans Narr in roten Hosen, ein Unglück für das Land, das solche Faulenzer ernähren inuß", rief Fandrem heftig. „Wollte Gott", fuhr er; mit einem Seufzer fort, „Norwegen wäre, was es ehemals war, ein freies und selbständiges Reich und Bergen wieder eine Stadt, die sich selbst ihre Gesetze machte. Damals stand es besser mit uns als jetzt, wo die Dänen Blutsauger aller Art, Zöllner, Richter, Priester und verdammte Soldaten uns über den Hals schicken." „Die schönen Jungfrauen von Bergen werden milder darüber denken", rief Marstrand belustigend. „Was sagt Jungfrau Hanna dazu?" „Bah!" rief ihr Vater ärgerlich, „haltet Euch ehrbar, Herr, und fragt sittlich erzogene Jungfrau nach solchen Dingen. Bergen ist, dem Himmel sei Tank, kein solches Sodom wie Tronthjem, wo die dänischen Offiziere in die Häuser der besten Familien kommen, und Bälle samt anderen sündigen Lustbarkeiten die Jugend verderben." „Wird denn in Bergen nicht getanzt?" fragte Marstrand. „Wir leben in einer ehrbaren Stadt", antwortete Hanna, „wo man nicht von dergleichen Possen weiß. Hier hören wir glücklicherweise nur von Stockfischen und Heringen und statt der Musik die Töne der Winden an den Packhäusern und den Gesang unserer teuren Freunde, der Nordländer, deren Gcselb- schaft uns so wohl tut. Unser schuldloses Vergnügen besteht darin, zur Sommerzeit hier oben in freier Luft und im Winter auf der deutschen Brücke am warmen Ofen zu sitzen. Zweihundert Tage iin Jahre regnet es regelmäßig in Bergen, wenn es nicht zur Abwechslung schneit; so nehmen wir denn jeden Sonnenstrahl wahr »nd freuen wir nns über Gottes gute Gaben, zu denen man freilich am wenigsten die dänischen Soldaten rechnen darf." «Fortsetzung folgt.) Tiner Morgenpost, gedenken Franks in ausführlichen zu Kerzen gehenden Nachrufen. Auch die offiziös bediente Kor- Srrvandcnz Berliner Politische Nachrichten schreibt: „Die Mannheimer Volksstimme meldet, daß der bekannte sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr. Ludwig Frank gefallen ist, als Held auf dem Felde der Ehre, bei einem Sturmangriff in der Nähe von Lunäville am 3. September. Mit ihm, der, obwohl 40 Jahre alt, als Kriegsfreiwilliger sich sofort bei der Fahne gemeldet hatte, verliert die deutsche Sozialdemokratie einen ihrer besten Köpfe, der nach dem Tode Bebels die Anwartschaft auf die erste Führerstelle besessen haben soll. Im Reichstag ist Dr. Frank als ein glänzender Redner hervorgetreten; persönlich erfreute er sich überall, bei allen Parteien, der größten Hochachtung. Er hat sein Blut als Held und Deut- scher für das bedrängte Vaterland vergossen; und wir hoffen, daß dem blutgetränkten Boden, auf dem er mit so vielen Gesinnungsgenossen Schulter an Schulter und in unverbrüchlicher Trene mit den übrigen deutschen Brüdern gekämpft hat und gefallen ist, eine neue und edle Saat entsprießen wird, die das gebrachte schwere Opfer wert ist und die das einige große deutsche Vaterland bedeutet, stark und selbstbewußt nach außen, treu, vertrauensvoll und parteipolitisch unzerrissen im Innern, wie es jetzt durch die große Stunde mit einem Schlage geschaffen worden ist." Dir Einbrrusnug des preußischen Landtages. Köln a. Rh., 11. Sept. Wie die Kölnische Volkszeitung schreibt, besteht die Absicht, den Landtag noch in diesem Spätherbst einzuberufen, um ihm eine nötige Vorlage betreffend Notstandsarbeiten vorzulegen. Kricgsvorbereitungen der Türkei? Rom, 11. Sept. Die Turincr Stampa spricht von Kriegsvorbcrcitungcn der Türkei. Envcr Pascha soll mit seinem kriegerischen Anhang mehr und mehr Boden gewinnen. Eine heutige Meldung des Mcssagcro scheint dies zu bestätigen. Darnach stehen Armeen zwischen Jaffa und Gaza bereit, in Aegvpten cinzumarschicren. Tic Küste Syriens sei von türkischen Schiffen blockiert. Die letzte Milliarde entscheidet. Kopenhagen, 11. Sept. Die Berlinske Tidende meldet auS London: Lloyd George empfing eine Deputation der Vereinigung englischer Städtevorsteher wegen eventueller Staatshilfe an die Gemeinde während des Krieges. In einer Rede über die Aussichten des Krieges sagte der Finanz- minister: Es ist die letzte Milliarde, die den Krieg entscheiden wird. Die erste wird Deutschland ebenso gut ausbringen können wie England, aber nicht die letzte. Man muß aber damit rechnen, daß Deutschland alles aufbieten wird, um den Krieg solange als möglich fortzusehen, bis es sich bequemen wird, die Bedingungen anzunehmen, die England für den Iriedensschluß stellen wird. Ei» schwedilchcr Sozialist für einen Kulturbund mit Deutschland. Stockholm, 11. Sept. Nach dem hiesigen Dagblad erklärte der bekannte schwedische Gelehrte und Sozialist Pros. Stessen: Ich vermag in einer unlöslichen staatsrechtlichen Föderation »nscrcs Landes mit Norwegen. Dänemark und Holland, eines Bundes, dessen Rückgrat das Deutsche Reich oder eine weitere politisch« Entwicklungssorm Teutßhlands bilden würde, kein Unglück für unser Volk zu sehen. Der Einzug der Deutschen in Brüssel. Mailand, 11. Sept. Der Corriere belle Sera bringt einen Artikel Über den Einzug der deutschen Truppen in Brüssel, der durch die Objektivität und die Wucht seiner Darstellung auffällt. Der Korrespondent schildert den endlosen Einmarsch des deutschen Heeres. Zuerst Infanterie mit Train, bann Reiterei mit einem unendlichen Wald von Lanzen und schwarz-weißen Fähnchen, dann Kanonen, Kanonen, Kanonen und so fort, ohne anfzuhörcn. Es ist eine Masse grün-grauer Uniformen, die sich in der Ferne der Landschast in deren Grün verliert. Ter Eindruck ist ein gewaltiger; es scheint ein automatischer Organismus, etwa Dämonisches, Ungeheures, Gewaltiges und Mächtiges. Stunden- und stundenlang fahren die Kolonnen an uns vorüber, bis die Augen müde werden. Tie Monotonie des Borübcrznges wird nur dann und wann von dem Klang der Pfeifen und Trommeln oder von dem Gesang patriotischer Lieder unterbrochen. Plötzlich übcrkommt die Zu- schauermengc ein sonderbares Angstgefühl. Von Soldaten umgeben geht ein gefesselter Bauer daher mit blassem Gesichte, man wird ihn erschießen. Der Korrespondent fährt fort: Die Haltung der Deutschen ist korrekt. Sie sind ernst und verschlossen. Die Ausrüstung der deutschen Soldaten ist einfach wunderbar. Das Lcderzeug glänzt: da ist nicht ein einziger Unteroffizier, der nicht einen Feldstecher hätte, auch viele gewöhnliche Soldaten haben ihn. Außerdem besitzen alle eine elektrische Lampe. Was ferner allgemein bewundert wird, ist die Einfachheit, ja Eleganz der Feldküchen, die wie kleine Lokomotiven mit ihren Schornsteinen erscheinen. Der Korrespondent schildert zuletzt seine Fahrt durch Deutschland, um nach Italien zurückzukchrcn. Wenn wir Paris und Brüssel in solcher Verödung zurückgelaffen haben, überrascht uns das Leben und der Verkehr, die überall in Deutschland herrschen. Welcher Fubel in aller Augen, selbst in denen der Knaben und alten Frauen, wenn immer neue Siegesbotschaften kommen. Tie Toten zählen nicht, die Hauptsache ist, baß man siegt. Hessen nnd Nachbargebiste. «ietzen und Umgebung. — Auskunftsstelle über Verwundete. Im Stadthaus, Zimmer Nr. 2, ist eine Auskunftsstelle über die in den hiesi. den Lazaretten untergebrachten Verwundeten eingerichtet. Ihr Zweck ist, den Angehörigen aus Anfrage mitteilen zu können, ob und wo ein bestimmter Verwundeter sich hier befindet, gegebenenfalls auch, wohin er entlassen worden ist. Nicht möglich ist es leider, allgemeine Anfragen zu beantworten, z. B. ob sich hier Verwundete aus diesem oder jenem Orte oder Truppenteile befinden. Auch die vielfach verbreitete Meinung, im Stadthause liege eine allgemeine Verlustliste unserer Truppen auf, ist irrig. Es handelet sich, wie gelallt, nur um ein Namensverzeichnis aller in Gießener Lazaretten verpflegten deutschen Verwundeten, das durch Vermerkung des Zu- und Abgangs auf dem Laufenden gehalten wird. Den Angehörigen unserer Soldaten wird hier- durch ein zeitraubendes und beschwerliches Herumfragen bei den einzelnen, zum Teil weit auseinander liegenden Lazaretten erspart. Das Einigungsamt für Mictstreitigkcitcn hielt gestern chnter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters im Sitzungssaale der Stadtverordneten seine erste Sitzwng ab. In sämtlichen Fällen ist eine Einigung zwischen Vermieter nnd Mieter erzielt worden. — Holzarbeiter Verband. Am Montag abend 6 Uhr hält der Ortsverein Gießen eine Mitgliederversanrmlung ab, ans die auch an anderer Stelle hingewiesen sei. Jeder Kollege soll für guten Besuch der Versammlung sorgen. Tie Frauen der ins Feld gerückten Kollegen sind freundlichst eingeladen. — Vieh- und Flrischpreise. Vom Lande wird berichtet, daß die Viehpreise, besonders die Preise der Schweine außer- ordentlich niedrig stehen. Im Metzgerladen merkt man davon aber nichts; die Fleisch- und Wurstpreise sind noch immer die alten, oder sind doch nur herzlich wenig herabgesetzt worden. In dieser Zeit, wo viele Leute schlechten oder gar keinen Verdienst haben, sollten wenigstens die Metzger nicht mehr als zu normalen Zeiten verdienen wollen. Wie aber gestern bereits bemerkt wurde, trägt die Militärverwaltung einen Teil der Schuld, weil sie zu hohe Preise für die Lebensmittel zahlt. — Viehmärkte tu Gießen. Tie Abhaltung von Schweinemärkten in Gießen wird von jetzt ab wieder gestattet; die Rindviehmärkte jedoch bleiben noch verboten. — Auf dem neuen Friedhose anr Rodberge ist für die hier verstorbenen Krieger ein Platz abgeteilt. In dieser Woche sind auch mehrere Franzosen, die im hiesigen Lazarett ihren Wunden erlegen waren, beerdigt worden. — Renten verwundeter und arbeitsunfähiger Krieger, Für die Soldaten im Felde und ihre Angehörigen entsteht nun auch die Frage: Was bekommen wir, wenn der Krieg den Gatten und Vater verwundet und arbeitsunfähig macht oder den Braven in heldenmütigem Kampfe verbluten läßt? Aas wird dem zurück- kehrcnden verlebten Krieger gezahlt? Maßgebend für die Rente des Verwundeten und erwerbsunfähigen Kriegers ist das Gesetz über die Militärversorgung vom 21. Mai 1900. Danach beträgt die Rente bei völliger Er- wcrbsUnfähigkeit, also wenn der Verwundete gar nichts mehr verdien kann, für Feldwebel ....... M0 Mark Sergeanten ...... 720 Mark Unteroffiziere ...... 000 Mark Gemeine....... 540 Mark. Bei teil weiser Erwerbsunfähigkeit wird entsprechend weniger gezahlt. Fn bestimmten Fällen der Verwundung gibt es eine V e r st ü m m c l u n g s z u l a g e. Sie beträgt bei dem Verlust einer Hand, eines Fußes, der Sprache, des Gehörs auf beiden Ohren monatlich 27 Mark, bei Verlust oder Erblindung beider Augen monatlich 54 Mark. Die VcrstUinnieiungszuiage kann bewilligt werbe» bei Störung der Hand, des Armes usiv., wenn die Störung so hochgradig ist. daß sic dem Verlust des Gliedes gleich zu achten ist oder bei schweren Gesundheitsstörungen, die fremde Wartung und Pflege nötig machen. Neben der Rente wird noch in jedem Falle eine Kriegs- Zulage gezahlt, die monatlich 15 Mark beträgt. Zu dem Fonds sür Liebesgaben sind bei dem Obcrbürger- meister weiter cingegangen: von Sanitätsrat Dr. Schliephakc und Frau 100 Mark, von S. H. Sondheim 30 Blark, vom Kegelklub Humor 20 Mark, vom Sparverein Hassia 23,40 Mark, von Ungenannt 5 Mark, von der Fleischcrinnung sNebeneinrichtungen) 250 Mark, von I. Althans 7,50 Mark, von Kaufmann Adam Bender 20 Mark, von Geh. Medizinalrat Dr. Gcppcrt 100 Mark, von Frau Kommerzienrat Emmclius 50 Mark, vom Gießener Lehrcrvcrein 150 Mark, Inhalt einer Sammelbüchse ans der Restauration Herbert 20,10 Mark, Inhalt einer Sammelbüchse, ausgestellt bei der Verteilung der Einanarticrnngsgeldcr 145,84 Mark, von Bureau- vorstehcr Wilhelm Eidman» 10 Mark, von Rentamtmann Weimer 1. Rate 30 Mark, von Bauunternehmer Geora Becker 50 Mark, vom Allg. Staats-Eisenbahn-Verein 1. Rate 05 Mark, von Frau Louis Lvtz Ww. 100 Mark, von GerichtSschreibcr W. Ranft 20 Mark, von Geh. Hofrat Dr. Fromme 20 Mark, von Hans Küchel nnd Kurt Branbach 2 Mark, von Oberbibliothekar Dr. Ebel 2. Rate 15 Marl, von Professor Dr. F. 50 Mark, von Heinrich Arnold Ww. 12 Mark vom Taubstummenverein Gießen 20 Mark, vom Club in der Restauration Schiffcnbergcr Tal durch E. Häuser 18,50 Mark, von einem Rechtsanwalt überwiesene Prozeßkosten 15,25 Mark, von der HeimkricgShilsc 5 Mark, von Kt. 10 Mark, von der Dienstags- Kcgclgcscllschast im Ease Ebel 30 Mark, von Landgerichtsdirektor i. P. Bücking 2. Rate 1000 Mark, vom Lehrcrinncnvercin Gießen 106 Mark, vom Beigeordneten Krcnzien 100 Mark, von SB. Michel Ww. 50 Mark, zusammen 2719,05 Mark. Mit herzlichem Dank für diese Gaben wird um weitere Zuwendungen gebeten. Nimmt die Beschäftigung im Baugewerbe zu? Man könnte es fast ans folgenden Zahlen folgern: Während gm 25. August in Frankfurt a. M. an 211 Bauten gearbeitet wurde, ist innerhalb von 10 Tagen bis zum 5. September die Zahl der Bauten auf 247 gestiegen, also um 36 gewachsen. Entsprechend hat sich die Zahl der beschäftigten Arbeiter von 2219 auf 2708 vermehrt. Tic Zahl der Rohbauten bctrnn 89 am 5. September gegen 61 am 25. August. — Die Freilichtbühne veranstaltete am Donnerstag wieder eine Vorstellung für die Verwundeten. Diese wurde» von der Bürgerschaft, die zablreich erschienen waren, wieder reichlich mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Getangsvorträge »nd Rezitationen gaben Fra» Lcrch. Frl. Strack, Dunbar und die Herren Dvor- kowski, Wallau und Göttig. Sie ernteten reichen Beifall. X Kriegsopfer. Aus Ehringshaulen wird dem Wctzlarer Anzeiger folgendes Elcndsbild oefchrieben: „Aus der Elcndshiittc wollen wir heute berichten: denn diesen Namen verdient unser schönes Kaiserin Angustc-Victoria-HauS jetzt. Die ganz schweren Fälle werben aus Wetzlar zu uns gebracht. Und was die armen Verwundeten a u s z u h a l t c n haben, ist unsagbar. Kauni kann man essen, wenn bas Stöhnen durch das ganze Haus dringt. Wie schmerzlich mar es für den Steinmetz Schäfgen, als wir ihm die Hand amputieren mußten. Aber andererseits ist er doch froh, baß die unerträglichen Schmerzen in der zerschmetterten Hand ein Ende haben. Was hat der.arme Wilhelm Gebauer aus- zuhaltcn, ber mit schwerem Kopfschuß licat und der Tag und Nacht gehalten werden muß, damit er den Verband im Fieberwahn nicht abreißt. Sein Vater eilte aus Schlesien herbei, um den jüngsten Sohn noch einmal zu seben, mußte aber bald wieder fort, da die Mutter mit der Landwirtschaft allein daheim ist: 5 Söhne stehen im Felde. Nnd nun erst der arme Karl Poka. Auf Vorposten durch die Hüfte geschossen, stürzte er vom Pferde, blieb hilflos auf dem Gesichte liegen, wurde erst am 3. Tage gefunden. In der ganzen Zeit den Fliege» prcisgcgcbcn, ist sein Zustand » n b e s ch r c i b - l i ch. Nach der Amputation des rechten Beins sagte die Operationsschwester: Das Herz steht einem still, wen» man solchen Jammer sehen muß. Er ist aanz armer Leute Kind, dicht an der russischen Grenze tn Oberschlesien zu Hause." — Herrenloses Fahrrad. In der Gießener Zeughauskascrne wurde ein Fahrrad Marke „Opel" mit der Fabriknnmmer 11332 oder 15 339 aufgesunden, welches schon seit Wochen herrenlos dort gestanden hat, das offenbar von einem Diebstahl herrvhrt, da die Fabriknummer bis zur Unleserlichkcit verbeult ist. Es hat schwarzen Rahmenba». ebensolche Felgen, Torpedosreilauf und sehr große Ilebcrsetzung. Ter Eigentümer kaim sich bei der Kriminalpolizei Großh. Polizeiamt in Gießen melden. Kr«i< Wetzlar. st. In der Stadtvcrordnetensißung am Dienstag wurde die Anlage eines Friedhofs sür Kricgsgräbcr beschlossen, im schon mehrere verwundete Krieger in Wetzlar gestorben sind. Die Kommission schlägt dafür einen Play in der Verlängerung der Mittelallee vor, ans dem sür später eine gärtnerische Anlage gedacht ist. — Zur Nnt« rstütz „ ng der gesckmdtgtcii Orte iit- Ostpreußen schlägt der Bürgermeister Kühle vor. 3000 —5000 Mk. zu bewillige», bici j aber nicht von den 50000 Mk. genommen werden sollen, die dem HikssauSschuß bewilligt wurden sind. Stadtv. Beck schlägt 3000 Mark vor, die nicht der obigen Snimne entnommen iverden sollen.,. Stadtv. Ger lach älißert die optimistische Ansicht, daß die 50 000; Mk. nicht ausgcbraucht werden könnten. Er scheint von dep bestehen--1 de» und noch zu erwartenden ivirtschaftlichen Notlage, die durch s die Arbeitslosigkeit hcrvorgerufen ivorden ist. Fein Bild zu haben. ' Es werden 3000 Mk. bewilligt, die von den 50 000 Mk. des Hilfs- | ansschusseis zu entnehmen sind. — Sodann stellt der Bürgermeister I den Tringlichkcitsantrag, der K r! egsvers i cher u u g für die Rheinpro-ving beizntrelcn. Danach sollen bedürftigen Familien die 'Beiträge zu dieser Versicherung vorschußweise von der Stadt be- ' zahlt werden und kämen zirka 250 Familien in Frage. Dafür wer- den 2000 Mk. bewilligt, die ebenfalls den 50 000 Mk. entnommen iverden. st. Kriegsopfer aus Wetzlar. Im Lazarett zu Eoblenz verstarb der Reservist Will». Watz von Wetzlar, wohnhast Steiudorfer- - straße, der beim Reserve-Regiment Nr. 81 schwer verwundet wurde. Beschäftigt war W. in der Gießerei der Firma Leitz. — Weiter ist seinen Wunden in Saarbrücken erlege» der Leutnant der Reserve im Iitfaiitcrie-Regiment Nr. 70, Oskar Esser von Wetzlar. st. Gcländcankaus. Wie von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, bat die Stadt Wetzlar das Besitztum der Frau des verstorbene». Juftizrats Alicseld am Hausertor für 60 000 Mk. angekaust. I. Krosdorf-Gleiberg. Morgen, Sonntag, nachmittags 3 Uhr, findet im „Schiwarzen Walfisch" eilt Parteibesprechung der zurück- : gebliebenen Mitglieder statt. Genosse Rob. T i ßm a u n - Frankfurt wird einen Vortrag halte» über den- gcgcnwärttgen Krieg. Ebenso wird cr AuÄunjt erteilen über Angelegenheiten der zur Fahnen einbcrusenen Mitglieder und Angehörigen. Es ist daher er. ivllnscht, daß alle Mitglieder nnd Frauen der cingezogeuen Genossen erscheinen. Vereinskalender. Sonntag, 13. September. Wißmar. Tabakarbeiter-Vers am mlung bei Wirt ; Bittendors nachinittags 3 Uhr. Hcuchclheim. Abends 8 Uhr Tabakarbciter-Versamme lung bei Wirt Aug. Rinn. Montag, 14. September. Gicßeu. H o lza rbe i t e r v e r b an d. Abends 6 Uhr. gleich nach Feierabend, Mitgliederversammlung im Geiverkkchasts-Hause. Tagesordnung: 1. Unsere Organijatton nnd ihre Aufgaben in der gegenwärtigen Zeit. Referent: Kollege F. Heinemaiin, Frank- > surt a. Al. 2. Kartellbericht des Kollegen Schcckcr. — Alle Mitglieder erscheinen! Telegramme. Wieder eine russische Niederlage. ^Vk). Berlin, II. Sept. sAintlich.) Das 22. russische Armeekorps (Finnland) hat versucht, über Lyck in den Kampf in Ostpreußen einzugreifen. Es ist bei Lyck geschlagen wurden. Fortschritte bei Lemberg. Oesterreichisch-Ungarisches Hauplquarticr, den 11. Sept. Dis Schlacht lobt heute mit unverminderter Energie fort. Die österreichisch-« ngarii che Offensive macht, wie es der Ausdehnung und der ungrhureu Masse der beiden sich gegen itb erstehen den Heere entspricht. langsame aber sichere und stetige Fortschritte. - Adelt, Kriegsberichterstatter. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & £ie., Gießen. Druck: Verlag Osfenbachcr Abendblatt, G. m. b. H., Ossenbach a. M. Bekanntmachung. TaS 2. Ziel Schulgeld des Realgymnasiums, der Oberrealschule, der Gymnasialvorschwle und der Höheren und Erweiterten Mädchenschule für das Rechnungsjahr 1914 kann in den nächsten 8 Tagen noch ohne Kosten an die Stadtkasse bezahlt werden. Schiller, die die Nolprüsung abgelegt haben, müssen da? 2. Ziel Schulgeld bezahlen. Gießen, den 11. September 1914. Der Ttadircchner: M ä s e r. Henkels Bleich-Soda. Verwertung von Schweineborsieri. Die im hiesigen städtischen Schlachthos anfallenden Schweine- borsten lGesamtschlachlungeu z. Zt. jährlich zirka 12 009 Schweine) sollen vom 1. Oktober 1914 an anderweit vergeben werden. Die Abnahme der Borsten hat in dem anfallenden nassen und ungereinigten Zustande zu geschehen. Die hierzu nötigen lustdicht verschließbaren Ansnahmegefäße sind von dem Abnehmer in ausreichender Zahl der Schlachthofverwaltung zur Verfügung zu stellen. Angebote hierauf werden bis 22. September d. I. an den Oberbürgermeister der Stadt Gießen erbeten. Gießen, 10. September 1914. - Der Oberbürgermeister. Keller. Reichhaltiger Lager in Utir«», Gold- »nd Stlderlvarcn. Lieferant de» Konsum»Verein» Mnrl/»nln»r II Gießen u. Umg. und be« Etsen- IriarKlplaiZ ll. bahn > Konsumocicins. Uhrmacher nnd Goldarbeiter. > — Man verlange Rgbattinardpi. r-> .taiiiMicfP 5% Deutsche Reichsschatzanweisungen 5 % Deutsche Reichsanteche, unkündbarbis i.Oktober 1924. (Kriegsanleihen.) Zur Bestreitung der durch den Krieg crwachsenenen Ausgaben werden 5°/o Reichsschatzanweisungen lind 5°/o Schuldverschreibungen der Reichsanleihe hiermit zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt. Bedingungen. 1. Zeichnungsstell« ist die Reichsbank. Zeichnungen werden bis einschließlich Sonnabend, den 19. September, mittags 1 Uhr bei dem Kontor der Reichshauptbank für Wertpapiere in Berlin und bei allen Reichsbank-Hauptstellen. Reichsbankstellen und Reichs bank-Rebcnstellcn mit Kasteneinrichtung cntgcgengenommen. Die Zeichnungen können aber auch durch Vermittlung der Königlichen Eeehandlunq (Preußischen Staatsbank) und der Preußischen L-ntral-Eenossenschastskasse in Berlin, der Königlichen Hauptban! in Nürnberg und ihrer Zweiganstalten, sämtlicher deutschen Banken, Bankiers und ihrer Filialen, jeder deutschen öffentlichen Sparkasse sowie jeder deutschen Lebensvcrsicherungsgesellschaft erfolgen. 2. Die Schahanwcisunqen werden in Höhe von Mark 1000 000 »»« aufgelegt. Sie sind eingcteilt in 5 Serien zu je 200 Millionen Mark und ausgefertrgt in Stücken zu! 100000, 50000, 20000, 10000, 5000, 2000, 1000, 500, 200 und 100 lllkark mit Zinsscheinen zahlbar am 1. April und 1. Oktober jedes Jahres. Der Zinsenlaus beginnt am 1. Oktober 1914, der erste Zinsschcin ist am 1. April 1915 fällig. Die Tilgung der Schatzanweisungen erfolgt durch Auslosung von je einer Serie zum 1. Oktober 1918, 1. April 1919, 1 Oktober 1919 I. April 1920 und 1. Oktober 1920. Die Auslosungen finden im April und Oktober jedes Jahres, erstmals im April 1918 statt; die Rückzahlung geschieht an dem auf die Auslosung folgenden 1. Oktober bezw. 1. April. Welcher Serie die einzelne Schatzanweisung angehört, ist aus ihrem Text ersichtlich. Z. Die R-ichsanleihe ist in derselben Stückeeinteilung von 100000 bis 100 Mark ausgefertigt und mit dem gleichen Zinfenlauf und den gleichen Zinsterminen wie die Schatzanweisungcn ausgestattet. 4. Der Zeichnungspreis beträgt: a) für diejenigen Stücke der Reichsanleihe, die mit Sperre bis 15. April 1915 in das Reichs- \ schuldbuch einzutragen sind, 97,'™ Mark für je 100 Mark Nennwert, | unter _ b) für alle übrigen Stücke der Reichsanleihe und für die Schatzanweisungen 97,™ Mark f zinsen, für je 100 Mark Nennwert ' Die zugeteilten Stücke an Reichsschatzanweisungen sowohl wie an Reichsanleihe werden auf Antrag der Zeichner von dem Kontor der Reichshauptbank für Wertpapiere in Berlin bis zum 1. Oktober 1915 vollständig kostenfrei ausbewahrt und verwaltet. Eine Sperre wird durch diese Niederlegung nicht bedingt, der Zeichner kann sein Depot jederzeit — auch vor Ablauf dieser Frist — zurllcknehmen. Die über voll gezahlte Beträge ausgefertigten Depotscheine werden bei den Darlchnskassen wie die Stücke selbst beliehen. Zeichnungsscheine sind bei allen Reichsbankanstalten, Bankgeschäften, öffentlichen Sparkasien und Lebensversicherunasgesellschaften zu haben. Die Zeichnungen können aber auch ohne Berwendung von Zeichnungsscheinen erfolgen, und zwar brieflich mit etwa folgendem Wortlaut: „Aus Grund der öffentlich bckanntgemachten Bedingungen zeichne ich: nom. Mark 5°/o Reichsschatzanweisungen nom. Mark 5°/o Reichsanleihe und verpflichte mich zu deren Abnahme oder zur Abnahme desjenigen geringeren Betrages, der mir auf Grund gegenwärtiger Anmeldung zugeteilt wird. Soweit meine Zeichnung auf Schatzanweisungen bei der Zuteilung nicht berücksichtigt wird, bin ich einverstanden, daß statt Reichsschatzanweisungen auch Reichsanleihe zugeteilt wird. . . ,, . { Ich bitte um Zuteilung von Reichsanleihe, die mit Sperre- bis 15. April 1915 für mich in das i» 1 » . r 1 ?.! Reichsschuldbuch einzutragen ist, zum Preise von 97,5» Mark. Ich bitte um Zuteilung von Stücken zum Preise von 87,5» Mark. Die mir auf meine Zeichnung zugeteilten Stücke sind dem Kontor der Reichshauptbank für Wertpapiere in Berlin zur Aufbewahrung und Verwaltung zu übergeben." Die Zuteilung erfolgt tunlichst bald nach der Zeichnung. Ueber die Höhe der Zuteilung entscheidet das Ermesten der Zeichnungsstellc. Anmeldungen auf bestimmte Stücke und Serien können nur insoweit berücksichtigt werden, als dies mit den Interessen der andern Zeichner verträglich erscheint. Die Zeichner können die ihnen zugeteilten Beträge vom Zuteilungstage ab jederzeit voll bezahlen; sie sind jedoch verpflichtet: 40°/o des zugeteilten Betrages spätestens am 5. Oktober d. I. 30°/o .. .. .. .. „ 26. Oktober d. I. 30°/o „ „ „ „ „ 25. November d. I. zu bezahlen. Beträge bis 1000 Mark einschließlich sind bis zum 5. Oktober d. I. ungeteilt zu berichtigen. Die Zeichner erhalten vom Reichsbank-Direktorium ausgestellte Zwischenscheine, über deren Umtausch in Schuldverschreibungen bezw. Schatzanweisungen das Erforderliche öffentlich bekanntgemacht werden wird. f>. Das Nichtzutreffende ist fortzulaffcn. 7. ». 9. Berlin, im September 1914. Reichsdank-Direktorium. H avenstein. v. Grimm. Edgar Borrmann, Giessen Telephon 165 Eisenwarenhandlung Neustadt empfiehlt: 4- und 6 eckige Orahtgeflechte, Stacheldraht, Spanndraht, GartenstHtzen eiserne Schiebkarren, Giesskannen, Kokosfaserstricke, Bast. Baumkratzer, Baumschützer und Baumsägen, Kecken-, Reben- und Rasenscheren. 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Ministeriums des Innern mit Rücksicht auf die engetretene Mobilmachung bis auf weiteres zurück- gestellt worden. Gießen, 4. September 1914. Die städtische Pserdcmarkt-Deputatiou. Grllncwald, Beigeordneter. Bohnerwachs, Teppicgkebrnisschnen, staK. Bfirstenwaren, Scheuer- u. Putz »eher, sowie sämtl. Haus- u.Küchengeräte empfiehlt billigst Edgar Giessen Telephon 165 . Nemtsit 11 . Billige, Bezugsquelle für WiederrerkihTfar. Faimk u.'Verkauf ssteUe Walflforstrasse 24 . Wir empfehlen unsere vorzügl. Marken im Einzel- rerkanfe zu 6, 0, 1 , 8, 10 Pfg. und höher (Abgabe auch einzelner Kistchen) und offerieren gleichzeitig div. Zignrretten, Bauch- und Kautabak. Unsere Verkaufsstelle ist Werktags von 7—8 Uhr und Sonntags von 11—3 Uhr geöffnet. Die Geschäfts! eitu««. C. F. Schwarz Söhne Inhaber: Gg. 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