Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhcssen und der Nachbargebicte. Di« Oberbekstsch« VolkSreitun, erscheint leben Werktag Abend in Dieken. Der AbonnemcntSprei» beträgt wöchentlich IS Pfg„ monatlich 8) Psg. emichl-Bringeriobn. Durch die Post bezogen vierteljäbrl.IMMk. Redaktion und Trvedttton (Stellen. BabnboiKralic 23. »ckc SSwenaalle. Deledbon 2008. Inserate kosten die 6 mol gespalt. Kolonelz eile oder deren Raum U> Bsg. Bei gröberen Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bi» abend« 7 Lbr für die folgende Nummer in der Expedition ausgcben. Nr. 210 Gießen, Frcitlig, den 11. September 1014 9. Jahrgang Englands Anschlag gegen die deutsche Weltwirtschaft. Frankreichs Hoffnung ist vor allein England. Andererseits aber ist es England heißestes Bemühen, Frankreich, selbst auf die Gefahr der inneren Berblntnng hin, bis zum äußer- sten Widerstande aufzupeitschen; und der Beschluß des Dreiverbands, keinen Einzelsricden abzuschließcn, darf ohne weiteres letzten Endes auf einen erpresserischen Truck Englands zuriickgeführt werden, das ein ganz besonderes weltwirtschaftliches und weltpolitisches Interesse daran hat, den .Krieg möglichst lange auszudchnen. Denn von einem langen Kriege allein erhofft England die Vernichtung der deutschen Weltwirtschaft, jenes vielmaschigen Netzes, das »ns mit der Wirt- schaft der Völker der alten wie der neuen Welt verbindet. Zwar gibt es in England Stimmen, die einer Offensive gegen Deutschland das Wort reden. Die Offensive an der Seite Frankreichs, trotzdem sie nach den unzweideutigen Mitteilungen der in Maubeugc gefangenen Engländer über die in dieser französischen Festung errichteten englischen Waffcn- depots von langer Hand im Frieden schon vorbereitet war, ist an der Tatkraft des deutschen Heeres zerschellt, llnd da schlägt nun jetzt u. a. der Kriegsberichterstatter der Time-s vor, die britische Heeresleitung solle nicht nichr nur der dcut- scheu Initiative folgen, sondern selbst Initiative entwickeln und einen neuen Feldzug von der französischen, belgischen oder deutschen Küste aus beginnen. Deutschland lasse jetzt olle seine Küsten unverteidigt. Ein englischer Angriff könnte die Deutschen zwingen, 500 000 Mann an die Küste zu werfen. Wenn ein solcher Angriff zugleich die deutsche Flotte zwänge aus ihrer Höhle herauszugehen, so könne das die Engländer nur freuen. Aber diese Stimmen sind doch nur ganz vereinzelte, und auch die englischen Machthaber scheinen sich mit Recht von einer solchen Offensive gegen Deutschland nichts zu versprechen, uni so mehr, als ein Fehlschlag solcher Offensive ihnen die Gefahr des von ihnen besonders gefürchteten Einbruchs deutscher Truppen in England nahe rückt. Deshälb scheint England sein mangelndes Kriegsglück durch eine Lahmlegung unseres ll e b c r s c c h a n - dclz. eine Aushungcrungstaktik gegen Deutschland verbessern zu wollen. Unsere deutsche Volkswirtschaft soll nach jenen feinen Plänen durch Sperrung der Zufuhr aus den kolonialen Gebieten völlig ausgehungert werden. Unsere Kolonien, unser Außenhandel sollen gänzlich vernichtet wer- den. Und andererseits soll auch die sogenannte relative Kriegskonterbande, wozu auch die Nahrungsmittel gehören, von der englischen Kriegsmarine gekapert werden. Das bedeutet, daß auch neutrale Schiffe keine Lebensmittel mehr nach Deutschland bringen dürfen, daß ihre Ladung der Konfiskation verfällt, soscrn sic englischen Kriegsschiffen in die Hände fallen. Ja, England beansprucht sogar, solche Lebensmittel konfiszieren zu dürfen, die von neutralen Schiffen nach neutralen Häfen geführt werden, wenn diese Lebensmittel aus dem neutralen Staat nach Deutschland ausgcführt werden sollten. — Nach den völkerrechtlichen Abmachungen soll das zwar nur zulässig sein, wenn die Lebensmittel für die Hecrcsmacht oder für Behörden des feindlichen Staates bestimmt sind. Aber diese Klause! wird England wahrscheinlich nicht sehr beschweren — es wird in jedem einzelnen Fall behaupten, der Verdacht solcher Be- slimniung der Lebensmittel liege vor, auch wenn sic an private Händler verkauft seien. Wenn die englische Regierung überhaupt den Schein der Wahrung des Völkerrechts für nötig hält. Die Frage ist nur, ob die Neutralen sich diese englische Praxis stillschweigend gefallen lassen werden. Und wenn auch der Protest des kleinen Holland die englische Regierung nicht sehr rühren wird, so könnte es doch ein Ein- sprach der nordaincrikanischcn Union nicht jo kalt lasse». Daß England aui seine Aushungcrungspolitik große Hoffnungen letzt und entschlossen ist. sie energisch dnrchzuführen, zeigt auch der Umstand, daß cs die Verteidigung vor dem Priscngericht verboten hat, wenn deutsche Schiffe in Frage komnien. Don dielen Gerichten wird entschieden, ob die Beschlagnahme eines Swiffes zu Recht erfolgt und aufrechtzuerhalten ist. In die- Verfahren ist also den Führern solcher beschlagnahmter deutlchcr Schisse künftig jeder Rechtsbeistand versagt. Eine Bestimmung, die sich würdig anschließt der Ungültigkeitserklärung aller englischer Patente deutscher Firmen und dem Verbot, mit ausländischen Unternehmungen, denen ein dent- scher Teilhaber angehört, Geschäfte zu machen. Die englische Regierung will Deutschland wirtschaftlich mürbe machen. Daß Deutschland durch solche Maßnahmen schwer getroffen werden kann, ist klar. Es ist klar, daß Deutschland den militärischen Krieg — und mag er auch von allen Seiten rings uni uns herum auf uns einstürmen — nicht zu fürchten braucht, daß aber Englands Wirtschaftskrieg uns um die Früchte unserer militärischen Erfolge bringen kann. Ter englische Jdeengang ist übrigens schon in einer der letzten Botschaften Poincards zn spüren. Dort wird nämlich dem Sinne nach ausgeführt: Laßt euch Niederlagen beibringen, gebt Paris ans, ertragt das Schwerste und Schlimmste, — schließlich kommt die große Wendung durch Großbritanniens Ausdauer, und dann bekommt ihr alles mit vielfachen Zinsen wieder zurück, dann steht der deutsche Boden in allen gewünschten Quantitäten zu eurer Verfügung! An eines freilich hat England nicht gedacht, an einen Umstand. der uns mit Zuversicht erfüllen kann: das ist nämlich die Frage, wie lange Englands Verbündete, besonders Frankreich und Belgien, die englische Taktik aushalten können. Das beschränkte, kurzsichtige Selbstinteresse ist immer ein schlechter Berater. Tic mit England verbündeten Mächte werden die von englischer Selbstsucht eingegcbcne Argumentation schnell durchschauen, wenn dank den deutschen militärischen Erfolgen die Frage des Friedensschlusses trotz England für sic eine Existenzfrage wird. Gewiß, durch die Verlängerung des Weltkrieges können der Welthandel und die Wcltindustrie Deutschlands schwer geschädigt werden, aber niemals können sie so in Grund lind Boden ruiniert werden, als die der von Deutschland und Oesterreich geschlagenen Mächte: Frankreichs, Rußlands und Belgiens. Liegt Frankreich besiegt zu den Fußen Deutschlands, dann sind die Hanpthäfen und Haupt- zufuhrstraßen dieses Landes in deutschen Händen. Ter ganze Im- und Export Frankreichs ist völlig lahingelegt. Dieser Zustand wird für die Volkswirtschaft Frankreichs direkt inör- dorisch, wenn England mit allen Mitteln den Weltkrieg in die Länge ziehen sollte. Wenn das siegreiche Deutschland schon hungert, dann wird das besiegte Frankreich doppelt hungern. Aber wie Frankreich dürfte sich auch ein geschlagenes Rußland befinden, wenn ihm mit der Verlängerung dcS Krieges die für seine Volkswirtschaft lebensnotwendigen Ostseehäfen völlig gesperrt werden sollten. Sobald der Friedcnsschluß für Frankreich eine Frage um Tein oder Nichtsein ist, wird es sich aus der eisernen Um- klomnicrung Englands Befreien. England zuliebe wird eS sich sicherlich nicht massakrieren lassen! Vorwärts fielen 2li,t'-vcrpcn. WB. Poris. !>. Aus Ostende wird vom 7. September gemeldet: Tie Deutschen gingen gestern nordwestlich von Brüssel -wischen Gent — Gent in inzwischen, wie gemeldet, von deutschen Truppen besetzt worden — und Antwerpen vor. Alle Verbindungen zwilchen diesen beiden Städten sind unterbrochen. Bei Oordegm, in der Nähe von Wetteren löstlim von Gent), sand gestern ein Kriecht statt. Die Belgier mussten sich vor der feindlichen Uebermacht zurückiiehen: der Kommandant Eoimninck ist gefallen. WB. Antwerpen, 0. Scpt. Wie gemeldet wird, soll das südlich von Antwerpen liegende Land in einer Ausdehnung von 7NQnadrat- nieilcn überschwemmt werden, um die Deutsche» am Einmarsch zn hindern. Tie Wasscrtiefc wird zwischen einigen Zoll und mchrcreii Fuß schwanken. Keine Nüsse»» in Frankreich. Mailand, st. Sept. Die Turiner Slampa erklärt die Nachricht von der Landung rnssischcr Truppen in Frankreich als unrichtig. Eine neue Lchlacht um Lemberg. WB. W i c n, st. Scpt. (Amtlich.) Im Raume von Lemberg hat eine große Schlacht begvniicn. Oesterreich wieder in der Offensive. Kriegspressequartier, 9. Sept. (Meldung des Kriegsberichterstatters der Frks. Ztg.) Das längere absichtlich bc- wahrte Schweigen über die Entwicklung der strategischen Lagp im Raume um Lemberg darf nun gebrochen werden. Seit heute morgen ist dort nenerdings'eine große Schlacht im Gang. Tic um Lemberg versammelten österreich-nngarischen Kräfte haben die Offensive ergriffen. Schlechter Geist i», rnssischc»» Heere? Budapest, st. Scpt. Gestern tvase» hier etwa tausend rnssischc Gefangene ein, die sofort ihre Unisormstücke verkaufte», da sie seit der Mobilmachung überhaupt kein Geld bekommen hoben. Ein stnsantcrest. der als Artist in Deutschland die deutsche Sprache erlernte, erzählte u. a.: Die meisten von und tragen sich mit dem Gedanken, nie wieder nach Russland zurnckznkehren, wo es nur wenig zu essen, ober dasiir umsomehr Knntenhiebc gibt. Ein anderer Gefangener erzählte: Keiner wusste, warum eigentlich Russland zu den Waffen greife und erst in Oesterreich erfuhren wir von den Vorgängen in Serbien und von der Ermordung dcS Thronsolger- paarcs. Unser Sinn steht nicht dafür, sagte der Mann weiter, für ein Land zu bluten, dessen Sohne von den Osiiziercn wie Tiere behandelt werden. Unsere Komandanten beschimpfen nird prügeln uns. Wenn es aber in den Kampf geht, verstecken sie sich n>eit hinter die Front und lassen die Kompagnien allein vergehen. AIs man uns gesangen nahm, hatte der grösste Teil unscrer Offiziere schon lange Rcissaus genommen,^ Solche Erzählungen brauchen durck>ans nicht Gültigkeit für das ganze russische Heer zu haben. Sie zeigen nur, daß diejenigen russischen Soldaten, die im politischen Kampfe selbständig denken gelernt haben, ebenso abgeneigt sind, ihr Leben für den Zarismus hinzugeben, wie ihre deutschen und österreichischen Klasscnbrüder entschlossen sind, gegen das zarische Knutcntum auch den letzten Tropfen Blut zu opfern. Dieser Geist der Entschlossenheit zum Vernichtungskriege gegen die Gefahr des Zarentums ist auch das Zeichen, in dem mir einen Sieg des neuen österreichischen Angriffs bei Lemberg erwarten dürfen. Negierrutq und bürgerliche Presse über die Brüskierunts der Sozialdemokratie. Das Wolffsche Bureau hatte bekanntlich sofort nach Bekanntwerden der Sonderkonferenz bürgerlicher Fraktions- fllhrer folgende als amtlich bezcichnele Depesche versandt: „Zu unserer gestrigen Meldung von einer Besprechung unter Vertretern verschiedener Parteien des Reichstags über die Ergänzung unserer Secriistnng ist folgendes zu bemerken: Die über diese Besprechung gemachten Mitteilungen lassen in erfreulicher Dcutlicksteit den festen Willen erkennest, mit der deutschen Reg lern ug in diesem Kriege aus,zuhalten bis zum Letzten, und ihl nlle zn einer erfolgreichen Beendigung des Kampfes ersovdcrlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Angesichts der erhebenden Ein» miitigkeil, mit der der Reichstag am 4. August alle seine Beschlüsse gefasst hat, muss aber angenommen werden, dass es sich hier nur um eine Besprechung gehandelt hat, weiche eine gcmcinschasllichc Aktion aller Parteien vvrbeveiten soll. Selbstverständlich werden die pcrbündclc» Regierungen, soweit sie zur Fortführung deS Krieges etwa noch weiterer gesetzlicher Vollmachten bedürfen sollten — was sich heule nicht übersehen lässt -j- nicht unterlassen, dem Reichstage die erforderlichen Vorlagen zi, machen," Die Regierung zögert also nicht, ganz im Gegensatz zu den bürgerlichen Parlamentariern, nachdrücklich zu betonen, daß sie den verfassungsmäßigen Weg einschlagen werde, falls sie weitere Mittel zur Führung des Kriegs gebraucht. Dieser Dämpfer kühlt vielleicht den Eifer der Paasche und Konsorten ein wenig ab. Die bürgerliche Presse spricht sich übrigens fast ohne Aus- nahnie mißbilligend über die Scparat-Konferenz der bürgerlichen Parlamentarier aus. Ter Lokalanzciger erklärt die Aussührungeii des Vorwärts für berechtigt. Ein beteiligter Parlamentarier habe ihm zwar versichert, daß man sich selbstverständlich keinen Augenblick darüber im Zweifel gewesen sei, daß auch diese große nationale Frage nur Hand in Hand mit der Sozialdemokratie gelöst werden könne. Man habe zunächst nur einen Gedanken hinausgetragen, die weitere Erörterung solle dann im Bunde mit allen Parteien geschehen. Aber, so meint der Lokalanzciger, es bleibe trotzdem um so bedauerlicher, daß nicht auch schon dieser erste Schritt unter Zuziehung aller Parteien geschehen sei. — Das Berliner Tageblatt schreibt über die Nichtznziehnng der Sozialdemokratie: „Dos ist natürlich, nachdem von der Regierung selber, mid auch vom Kaiser, der Parteisried« proklamiert worden ist, durchaus ungehörig und daneben im höchsten Grade ungeschickt, (fit den Kreisen der RcichSregierung ist man. wie wir glauben sagen zu können, mit einer solchen Ansschliessung einer Partei nicht einverstanden." Die Tägliche Rundschau druckt die Kritik des Vorwärts ab und bemerkt dazu: „ES ist bedauerlich, das; man dem Vorwärts Anlass gegeben hat zu dem nicht unberechtigten Vorwurf, dass die bürgerlichen Parteien cs waren, die zuerst wieder einen Strich zwischen links und rechts machten." Und selbst der nationalliberale Deutsche Kurier, der sich begeistert hinter Paasche stellt, muß zugestchen: „sin einem aber hnt der Vorwärts recht, man hätte auch die sozialdemokratische Fraktion bei diesen Besprechungen zuziehcn sollen." Für die konservative Partei erklärt die Kreuzzeitung, daß sic nicht die Absicht hat, die Sozialdemokratie anszu- schlicßen: „Wie aus dem Wortlaute der Kundgebung hcrvorgcht, handelte cs sich zumeist mir um eine vorbereitend« Massnahme, die aber ans naheliegenden Ursachen ungmcin beschleunig! werden musste. Es werden sich irvcki Erörterungen und Verhandlungen aller Art anschlicssen, und mir glanben, sagen zu dürsen. dass aus konservativer Sette nicht die Absicht besteht oder bestanden Imt, den Kreis derer irgendwie einzuschränkcn, di« bereit sind, aus den Boden des Beschlusses zu treten." Am schärfsten kritisiert die Berliner Volkszeitung das Vorgehen der bürgerlichen Parlamentarier wie folgt: „Das Verhalten der bürgerlichen Parteien in dieser Angelegenheit ist der erste schrille Misston, der in die einmütige mater- ländische Bcrteidigungssti'mnning des deutschen Volkes getragen worden ist! Dass man die Flotte schneller verstärken will, als bisher, das kann man im Volke verstehen; ol>tv dass man den cingcschlagenen Weg ivählen zu sollen glaubte, das wird mau im S8i>Ife nicht verstehen Hoffentlich lehnt die Regierung das Angebot der Parteiführer, di: dazu keinerlei Auftrag ha-den, rundweg ab, um den fchtvcren Fehler, den die bürgerlichen Wortführer begangen haben, nickst zu verschärfen, Wünscht die Regierung eine Verstärkung der Flotte, die ihr der Reichstag sicherlich nicht versagen wird, so soll sie sich an den Reichstag wenden: dann wird auch die sozinld-emokro.Ische Fraktion tun, was die Lage des Vaterlandes erfordert, Aber die Vermehrung der Flotte als eine Gabe einzelner Parteiführer und Parteien hrngunehmen, dazu darf und wird sich die Regierung jetzt, ivo es in der Verteidigung des Vaterlandes tatsächlich keine Parteien gibt, unter keinen Umständen verstehen. Wenn sich einzelne Parteien durch falsche parlamentarische Maßnahmen kompromittieren, so braucht die Regierung diese bedauerliche Taktik nicht mitzumachcu. Es ist schlimm, sehr schlimm, das; di« bürgerliche» Parteien ln diesem Falle weder parlamentarisch klug, noch politisch taktvoll gehandelt haben! Ausdrücklich bemerken wir dabei, daß wir gegen eine beschleunigte Vermehrung unserer Flott« an sich in Anbetracht der lebten Verluste imd der internationalen Lage nicht den geringsten Cinwaüd erheben wcrdin," Wie der Vorwärts niitteilt, ist inzwischen die für Samstag geplante Konferenz aller Fraktionen abgesagt worden, da sie sich ja erledigt hat, nachdem die Regierung die klare Er- klärung abgegeben hat, dah sie im Falle der Notwendigkeit nicht unterlassen wird, dem Reichstage die nötigen Vorlagen zu machen. Die Neniralität Amerikas. Tbl, Berlin, 0. Sept. Gegenüber Börscngcriichtcn, wonach die Neutralität der Bereinigten Staaten von.Amerika zweifelhaft sei, wird dem Vertreter der B. Z, am Mittag von dem amerikanischen Botschafter Gcrard versichert, das; alle Gerüchte, dcucu zufolge die Vereinigten Staaten ihre Neutralität anfgcbcu würden, barer Unsinn seien. Die Vereinigten Staaten würden ihre Neutralität auf das peinlichste und energischste wahren. Spanien streng neutral. WB. Berlin, 51. Scpt, Angesichts der in hiesigen Zeitungen, besonders aber in Provinzialbiattern, beharrlich anftauchenden Gerüchte und Nachrichten bezüglich der Haltung Spaniens in dem gegenwärtigen Konflikt ermächtigt uns der spanische Botschafter, zu erklären, daß, wie seine Negierung vom ersten Augenblick an iviederbolt bekundet habe, Spanien die strengste und vollkommenste Neutralität bewahren wird, wie es ihm seine eigenen Interessen »nd das Empfinden der öffentlichen Meinung raten. Holländische Knstenstädtc im Belagernngszttstand. Amsterdam, 9. Sept. Holland verhängt den Belagerungszustand über zahlreiche an den Flüssen und am Meer gelegene Orte in den Provinzen Seeland, Nordbrabant und Limburg. Es soll hiermit die Durchfuhr von Kricgskonter- bande an die kriegführenden Mächte besser als bisher verhindert werden können. Die Handelsschiffahrt soll aber nicht belästigt werden. Tie Regierung behält sich vor, zu entscheiden, ob die betreffende Fracht als Kriegskonterbandc zu betrachten ist oder nicht. England traut den Aegyptern nicht. WB, Konstantinopel, 10, Scpt. (Nichtamtlich.) Wie Tasvir-i- Efkiar erfährt, legen die Engländer in den letzten Tagen gegenüber der Bevölkerung Aegyptens großes Mißtrauen an den Tag, Einige Blätter bespreche» den zwischen Engla-nb, Frankreich und Rußland abgeschlosienen Vertrag, denen Wortlaut hier von der englischen Botschaft veröffentlicht worden ist: sie erblicken in diesem Vertrage ein Zeichen der Schwäche, Auch der Osmairische Lloich berichtet: Wie wir ans zuverlässiger Quelle erfahren, tritt in Aegypten die Aufftandsbeivcgunq immer kühner . Scpt. Deutsche Truppen bcscßtcn die Watsischbai. Die britisckzc Regierung bemerkt dazu: Die Bai kan» leicht wicdcr- gcwonuen werden, sobald die südafrikanische Regierung ihre Vorbereitungen beendigt hat, in Dcutsch-Tiidwestasrika cinzusallen. Wie es in Belgien anssießt. Die Norbd. Allg. Zig, bringt «ine weitere ausführliche Schilderung des Direktors der Deutschen Bank Dr, Helserich über den Zustand Belgiens, Tr, Hclserich fragt u, a,: Einig« Ortschaften sind .völlig zerstört: teils ist in diesen Ortschaften heftig gejochten worden, zum anderen Teile erfolgt« die Zerstörung wegen heimtückischer Ilebersälle nach friedlicher Kapitulation, So wurde die kleine Stadt Batlice niedergcbraunt. welk der Bürgermeister des Ortes nach einer Bewillkommiinnigsansprache den Führer der deutschen Abteilung nlcderschoß. Gleichzeitig wurde aus allen Fenstern ein wütendes Fcucr auf die in den Straßen haltenden Kolonnen eröffnet. Dagegen ist der große Fudustricort Vrrvicrs völlig unversehrt. Tie Stadt Lüttich selbst zeigt nur an wenigen Stellen Spuren des Krieges. Gegenüber der llnloersilät sind allerdings eine Altzahl Häuser znsa-iwmengeschaffcn, well nach der Besetzung der Stadt auf unsere Soldaten von hier geschossen wurde, wie be- hae.ipict wurde vou russischen Studenten. Tie schönst: Brücke LllttlchS und die meisten- Brücken int Maastal sind von den Belgier» ganz zweckloser Welse selbst gesprengt worden. Unsere Truppen errichteten in kürzester Zeit Notbriicken. Zwischen Lllltlch und Tirlemonk, wo unsere Truppen ln breiter Front sich vorwärts be- ,regten, sicht cS bis aus wenige Stellen friedlich ans, als ob nie der Fuß eines scindlichcn Soldaten sic betreten hätte. Nirgends hat man den Eindruck, als ob nufere Truppen ohne Not zerstört nnd verbrannt hätten. Von Löwen ist lediglich derjenige Stadtteil n.lebergebraiint, in dem die heimtückischen ilebersälle und die anhaltenden Straßenkämpfe stattgesunde» haben. Unsere Truppen selbst pcrsuchtcn zu retten, was zu retten war. In der Stadl Brüssel ist keinem menschlich:» Wesen auch mir ein Haar gekrümmt worden. Das Eigentum der Bürger wird aus da-S Peinlichste respektiert: Requisitionen der Truppen wie alle Ein.käusc der einzelne» Soldaten erfolgen gegen bare Bezahlung. Das große Fndustrie- bccken von Eharleroi ist so gut wie vollständig verschont geblieben. Alle Fabriken und Werke sind intakt. Zn der weiteren Umgegend von Maubengc sind die großen Ortschaften im wesentlichen nnbc- rsihrt, dagegen sind die Zerstörungen in der näheren Umgebung, so- ivcit sie im, Bereich der Geschütze d:r Festung liegt, erheblich. An dieser Stelle schaltet Dr, Helsscrich ein, daß die bei den Ausfälle« aus Maubengc gefangen:,, englischen Soldaten übcrelu- stlmmeud anssagten, daß sie ihre scharfe Munition ans einem in Maudeugc eingerichteten Depot erhielten, wobei zu beachten ist, daß das englische ttzewehrkaliber nicht mit dem französischen identisch ist, daß also speziell die Munition für die englischen Truppen be- rcitgchalten worden war. Bei den englischen Soldaten wurden große Mengen von Dum-Dum-Gcschossen vorgefu-nden. In der Gegend zwischen Sambrc und Maas kehrten die Einwohner zurück. Nachdem dort erbitterte Känepsc stattgefniiden hatten, haben sich die Einwohner überzeugt, daß der deutsche Soldat, solange man ihm nicht an-S Leben geht, der niedlichste Mensch der ganzen Welt ist. Im Tal der Maas wurde Dinant total zerstört, weil unsere Truppe» nach friedlicher Kapltitlatioii der Stadt »nd mehrtägigem Aufenthalt plötzlich von allen Seiten her von de» Einwohnern bc- schvsien wurden, Aus dem gleichen Grund: niußtc die Zerstörung eines großen Tcl-ls der Stadt Anden»« erfo'gen. Den meisten übrigen Orten des Maaslalcs ist von den Schrecken des Krieges nichts anzmnerken. Der Gesmiitclndriick ist, daß unsere Truppen mir dort zerstören, wo die bittere Notwendigkeit des Gefechtes es verlangte oder wo das Verhalten der Einwohnerschaft die schwersten Repressalien nötig machte. An zahlreiche» Stellen ist cs klar ersichtlich, daß unsere Truppen geradezu bemüht wären, die Zerstörungen auf den notivendigsten Umfang zu beschränken »nd alles zu schonen, ivas geschont werden durste. Eine der wlchtlgften Auf- gaden deS deutschen Generasgouuc rneniei, tS wird es sein, de» Wirt- schastsbctrleb, die Landwirtschast, die Industrie und das kaufmännische Gewerbe wieder ln Gang zu bringen. Auf Mine» gelaufen. WB. London, 51. Sept. Zwei weitere Schlepper sind in der Nordsee auf Minen gelaufen und gesunken. Es handelt sich um die Schlepper „Imperialist" und „Revigi". Zwei Mann der Besatzung des „Imperialist" werden vermißt. Reichsgerichts» äte als Kriegsfreiwillige. Eine Reihe von Mitgliedern des Reichsgerichts, meist vorgerückten Alters, von Anfang bis Ende 00, sind als Kriegsfreiwillige i» das Heer eingetreten. Sic stehen teils schon im Felde, teils bei ihren Regimentern in der Heimat. Von ihnen haben der Rcichs- gerichtsrat Könige und Reichsanwalt Tietz schon den Feldzug 70/71 als Kriegsfreiwillige mitgeniacht. In Wahrheit ein vaterlatt-slo?er Geselle! Ter Zentrumsabgeordneie Hans; veröffentlicht als Vorsitzender der Zcntrumsfraktion des Landtags von Elsaß-Lothringen eine gegen den katholischen Priester und Zentrumsparlamentarier Abb-i Wetterlc, der als Landesverräter nach Frankreich gcslohen ist, gerichtete Erklürniig, in der eS unter Bezugnahme auf den Artikel Wetterlcs im Echo de Paris heißt: Herr Wetterlc hat in einer geradezu verbrecherischen Weise dem Programm des Zentrums zilwidergehaiidelt. Er hat sich damit des schwersten Wortbruchs schuldig gemacht bezüglich der vor zwei Fahren der Fraktion bestimmt abgegebenen Ver- sprechungen durch seine llnierschrift. Als ehemaliger Abgeordneter hat er die Fraktion der Notwendigkeit enthoben, ihn als einen llnwiirdigen auszustotzen. Der letzte Satz ist nicht ganz richtig, denn Wetterlc hat ausdrücklich nur als „ehemaliger ReichslagSabgeordneter" unterschrieben. Die Landtagssraktion wird wohl Stellung nehmen müssen, weil Wetterlc solange Abgeordneter bleibt, bis er durch eine formelle Erklärung ober ein den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte mit sich sührendes Urteil die Abgeorbneten-Eigenschast verloren hat. Russische Schandtaten in Ostpreußen. W. B. Berlin, 5. Sept. (Amtlich.) Bel ihre», Eindringen in Telle von Ostpreußen haben die Russen zahllose Schandtaten und Grausamkeiten begangen. Aus der unendliche» Menge der darüber vorliegenden Nachrichten teilen wir aber zunächst nur solche Fälle mit, die durch amtliche Ermittelungen bereits zuverlässig beglaubigt sind. Eine Reihe von Landräten sind von den Russen sestgeiiommen und „ach Rußland geführt worden. Der Landrat von Goldag , gezwungen worden, Vieh, das aus seinem Kreise von de» Riisi.n zusammengetrieben worden ist, nach Rußland zu treiben. Von vielen Gendarmen des Grenzbezirks fehlt jede Spur. Feststeht, daß ein Gendarm aus dem Kreise Pillkallen erstochen worden ist Der Gendarm aus Bilderweitschen wurde von den Russen gefangen genommen. Man hat gesehen, wie er auf einer Protze gefesselt durch Eydtkiihnen gebracht wurde, dann ist er erstochen worden. Seine Leiche lag aus dem Marktplätze in Kirbaty. Tie evangelischen Pfarrer in Kukowe», Kreis Marggrabowa und i» Szittkehmen, Kreis Goldap, weigerten sich, den Russen Angaben über die Stellungen unserer Truppen zu machen. Sie wurden deshalb in den Mund geschossen. Der eine ist tot, der andere wurde schwer verwundet ohne Hoffnung ans Genesung in das Krankenhaus nach Goldap gebracht. In einem Dorse im Kreise Pillkallen wurde» Frauen und Kinder zusannnen in ein Gehöft getrieben, die Hoftore geschlossen und das Gehöft in Brand gesetzt. Erst als die Eingeschlossenen in höchste Not und Bedrängnis gerieten, wurden die Tore geöffnet und die geguälten Leute herausgelassen. Auf dem Gutshofe in Szittkehmen wurde der alte Gutsbesitzer erschlagen. Die Witwe wurde genötigt, den Russen Speisen und Getränke zu bringen. Als alles aufgezehrt war, mußte sie in einer Gasse, die von russischen Soldaten mit ausgepflanztem Bajonett gebildet worden war, Spießruten lausen und wurde dabei schwer verletzt. In einem Torfe des Kreises Stallupönen wurden unter dev unwahre» Behauptung, daß ans dem Dorfe geschossen worden sei, eine Reihe von Bewohnern, darunter Frauen »nd Kinder, nach vorheriger Marterung erschossen. Ebenso wurden in dem Torfe Tchorellen im Kreise Pillkallen zehn Personen unter dem gleichen falschen Vorgeben niedergemacht. Fm Dorfe Radzen haben die russischen Soldaten fast alle Gebäude angezündet, fo daß im Augenblick fast das ganze Dorf in Flammen aufging Ans die unglücklichen Bewohner des Dorfes wurde mit Hieb- u»d Schußwaffen loSgegangen. Getötet wurden in diesem einen Dorf zwei Männer und acht Frauen: drei Männer werden vermißt. Aehnliche Vorfälle von Mord, Brand und Verwüstung werben ans zahlreichen Grenzorten gemeldet. Beim Mordbrennen gingen die Rüsten in der Weise vor, daß sie zunächst die Tomänengehöste als königliches Elgentuin mit allen Vorräten »iederbrannte», dann die Güter Wegnahmen und darauf die Dörfer anzünbeten Bis zum 15. August waren ans dem Gumbinner Bezirk sechs Domänen, aus dem Pillkaller Kreise allein über 15 Dörfer und Güter ntederge- brannt. Nach den vorliegenden Schilderungen sind die Russen bei diesen Mordbreiinerelen ganz systematisch vorgegangen. Den Truppen zogen mit Zündmaterial ausgerüstete Brandkommandos voran, welche die Häuser mit in Pelrolenm getränkten Schwämmen versahen und dann Brand anlegten Gewöhnlich wurden die Bewohner zuvor aufgefordert, die Häuser zu verlassen. Mancher Kommandant ließ gelegentlich die Wohnhäuser stehen und beschränkte sich aus das Abbrenne» der Ställe und Scheunen. Di« Vernichtung der Dörfer wurde häufig unter dem Vorwände vor- qenommen, daß aus ihnen geschossen worden sei. Fn Wirklichkeit ist dies niemals der Fall gewesen. Tie in den westlichen Gouvernements garnisvnierenden Truppe», besonders das Gardekorps, scheinen im großen und ganzen die Grundsätze des Völkerrechts eher beobachtet z„ haben. Gelegentlich warnten solche Trnppenführer, die bei frühere» Durchzügen eine ihren Wünschen entsprechende Aufnahme gefunden hatte», Pfarrer nnd Gutsbesitzer vor den Grausamkeiten ihrer eigenen später eintresfende» Kameraden. Eine Preisgabe der Neutralität Chinas zugunsten Japans^ \YU. Frankfurt, 10. Sept. Laut einem hier vorliegenden Exemplar des Nienwe Rotterd. Courant hat die chinesische Regierung nach einem Berichte des Korrespondenten des Times in Peking die Erklärung abgegeben, dah sie auf den Punkten innerhalb Lunkau, Laitschau und der Umgebung der Kiautschauber, welche durch die kriegführenden Truppen notwendigerweise passiert werden müssen, nicht die Verantwortung für eine strikte Handhabung der Unparteilichkeit iibernehmen könne. Die Regierung weise darauf hin, dah die kriegführenden Mächte die territorialen und administrativen Rechte Chinas und alles Privateigentuni in diesem Gebiete achten mühten. Tiefe Erklärung erlaubt Japan, so fügt der Korrespondent hinzu, von den hauptsächlichsten Wegen Gebrauch zg machen, um ein Heer hinter Kiautschau herum zu führen. Afra j a. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 57 „Seit wann ist es Sitte im Lande", fragte Helgestad, „dah ein Mann in seinem eigenen Hause sich von einem verhöhnen läht, den er nicht darin dulden will?" „Guter Freund," jagte der Kapitän, der eben gehen wollte, „wartet ab, bis man Euch frägt, und mischt Euch nicht in Dinge, die mich angehen." „Ruh!" grinste Helgestad, „will gern aus Eurem Wege gehen, junger Herr, hütet Euch nur. in mein Fahrwasser zu kommen." „Da ich kein Kabeljau, kein Hering und kein Dorsch bin," rief der junge Offizier, „auch kein unglücklicher Lappe, und ebensowenig ein Königsbrief mir das Vergnügen einer näheren Bekanntschaft mit Euch verschafft, so hoffe ich für alle Zeit davor bewahrt zu bleiben. — Frieden in Ihr Haus, Herr Fandrem, bewahren Sie mir ein gutes Andenken, und du, Marstrand, halte deine Augen wach, bis wir uns wieder- sehen." Er drückte seines Freundes Hand , und dieser fühlte einen kleinen Zettel zwischen seinen Fingern. Zugleich trat Dahlen seinen Rückzug an, warf unbarmherzig mit Fiihstöhen zur Seite, was ihn hinderte, und verschwand mit einem Fluche auf den schändlichen Geruch und mit einem Gelächter über die rollenden und fallenden Fähchen und Kistchen, die von dem künstlichen Aufbau an der Wand herunterstürzten. „Da seht hin," sprach Helgestad verächtlich, „das sind die Menschen, die sich besser dünken als wir durch Namen, Stand und Ehre, wie sie es nennen. Nutz! laßt ihn laufen: wünsche niemals mehr mit ihm Auge in Auge zu stehen, könnte anders enden wie heut. — Dort liegt das Papier, Herr Marstrand, und hier bin ich. Soll meine Bürgschaft gelten, oder meinen Sie ohne mich in Zukunft fertig zu werden?" Der Ton war so bestimmt und so drohend ernst, dah kein Zweifel war, Helgestad hatte seinen Entschluh aefaht. Er wußte aber viel zu gut, dah sein Schützling bedächtig war und nichts anderes konnte, als den Widerstand fallen lassen — Nach einigen Reden und Gegenreden kam eS dahin, dah Niels die Bürgschaft Unterzeichnete und mit Fandrem im Verein Marstrand nochmals bewies, dah dies eben so üblich wie recht sei, doch eben nur der Form wegen geschehe, da niemand zweifle, der neue Kaufmann am Balsfjord werde in Jahresfrist seine Zahlungen decken und dann ofsenen und unverbürgten Kredit haben. Ter ganze Tag verging jetzt damit, dah in den grohen Magazinen des Berger Handelsherrn die Waren besichtigt und ausgesucht wurden, welche die schöne Jlda einladen sollte. Helgestad selbst kaufte eine Menge Mehlballen nnd viele Leinen und Angeln, dabei prüfte und probte er, waS für Marstrand bestimmt war, und gab als ein erfahrener Mann diesem nützlichen Unterricht in Warenkenntnis der allerber- schiedensten Art. Das Wiegen, Packen, Zusammenschnürer, und Aufschreiben nahm viele Stunden fort nnd lieh dem jungen Ansiedler, für dessen Rechnung dies alles geschah, nicht viel Zeit, um an das Letzterlebte zu denken. Seines Freundes auffallendes Benehmen in Fandrems Hause und dessen harte und höhnende Worte hatten ihm wenig behagt, aber er muhte glauben, dah darin irgend eine geheime Absicht versteckt lag. Ter kleine Zettel, den Dahlen zwischen seine Finger geschoben hatte, enthielt ein paar Zeilen, welche seine Neugier noch mehr anregte». „Ich muh dich heut noch sehen," stand darin, „denn du sollst allerlei erfahren, was dich und mich betrifft Wenn die beiden alten Burschen ihre volle Ladung haben, waS nicht fehlen kann, so steige aus deinem Kammerfenster, du wirst mich im Garten finden." In Fandrems Landhause und bei Nacht wollte Dahlen ihn also aufsuchen, und was hatte er ihm zu entdecken? Mar- strand grübelte hin und her, ohne eine seiner Vermutungen festzuhalten. Ter Lärm der Geschäfte, das Geschrei der Arbeiter, das Getümmel im Hafen, die geräuschvolle Tätigkeit so vieler Menschen und die fortgesetzte Nähe Helgestads, ivelche die Vermutung erregen konnte, daß er absichtlich seinen Schützling nicht verlasse, um ihn in Aussicht zu behalten, alles vereint machte, dah bis zum Schluß des Tagewerkes Marstrand eifrig seinen Obliegenheiten nachkam. Seine Unverdrossen- heit und sein geschicktes Haudanlegen Ivurden dafür von Helge- stad viel gerühmt, als endlich Fandrem kam, um seine Gäste abzurufen und mitzunehinen. Sie gingen denselben Weg zu dem artigen Landhanse, fanden den Tisch gedeckt und Hanna sie erwartend, geputzt in einem »och schöneren Kleide, aber eben so schweigsam und eben so unbeweglich wie gestern. Fandrem versuchte einige freundliche Worte, doch diese hatten so wenig Wirkung wie Helgestads Scherze. Das Fräulein »ahm nicht den geringsten Anteil, und was sie gezwungen antwortete, war so kurz abstoßend und abwehrend, dah ihr Vater kaum seinen Zorn bemeisterte. Endlich war der Handel wieder Gegenstand der Gespräche; die Flasche ging umher, der Gildevorsteher hatte seine gute Laune wieder bekommen und sagte seinem guten Freunde allerlei schmeichelhafte Tinge. „Ein Mann wie Sie", rief er endlich, „wird vorwärts kommen, Arbeit macht das Leben süß; aufgepaßt auf alle Vorteile, heiht es in dieser Welt." „Ich werde mein Bestes tun", antwortete Johann, „arbeiten will ich fleißig, und mein Anfang ist gut, auch glaube ich, dah ich Sinn für den Handel habe und mir zu helfen weih, wenn andere Leute ohne Erfahrung nicht willen würden, wo sie angreifen sollten." „Recht so", rief der Gildemeister. „Selbstvertrauen muh ein Mann haben, wenn er Geschäfte machen will." (Fortsetzung folgt.) Sein Kriegszustand aus den italienischen Bahnen. WS Rom, 10. Sept. Agencia Stefani veröffentlicht folgendes Dementi: Die von der Gazette de Lausanne ans Bern unterm 7 September veröffentlichten Nachrichten, das, ans den italienischen Eisenbahnen der Güter- und Nachtverkehr für Private gegenwärtig aufgehoben sei, ist vollständig unbegründet. Ei» englischer Protest gegen England. London, 10. Sept. Die englische liberale Revue Nation Deröffentlicht eine ausführliche Abhandlung über den Krieg, welche darin gipfelt, daß England den Krieg ganz ohne - Krilnd, gegen alle Treu und Glauben vom Zaune gebrochen 'fra&e, daß England Frankreich niemals den Krieg erklärt haben würde, falls dieses in Belgien eingerückt wäre, daß Deutschland stets loyal gegenüber England gehandelt habe und daß England nur dem Zarentum und dem russischen Militarismus aufhelfe und den Fortschritt des russischen Bolkes hemme. Die englische Vergewaltigung der Kongoakte. Berlin, 10. Sept. Die evangelischen und katholischen Missionen erheben einen flammenden Protest gegen die Der- letzung der Kongoakte, Artikel 11, wonach kriegerische Ver- Wicklungen unter europäischen Mächten nicht auf afrikanische Gebiete übertragen werden dürfen. England hat den Be- mühungech von verschiedenen Seiten, cs zur Einhaltung der Kongoakte zu veranlassen, nicht entsprochen. Taruni ist der Protest erhoben worden. Seine Verbreitung im weitesten Ausland ist erforderlich. Der Aufruf soll in fremde Sprachen übersetzt und überall verbreitet werden. Eine englische Lüge. Kristiania, 10. Sept. Die Behauptung der Times, deutsche Handelsschiffe unter norwegischer Flagge hätten in gesetzwidriger Weise eine Linie zwischen Newyork und Brasilien eröffnet, erweckt hier die größte Entrüstung. Norwegische Rheder erklären diese Behauptung für eine Lüge. Das Morgenblad sagt: Man sei hier der Meinung, die ganze Behauptung der Times sei aus der Lust gegriffen. Der Minister des Aeutzeren hat eine Untersuchung eingeleitet, um aller Welt die Haltlosigkeit der Angabe der Times zu beweisen. Es gilt hier für sicher, daß die Meldung nur ein englisches Manöver gegen dse korrekte freundliche Haltung Norwegens gegenüber Deutschland därstellc. Alle hiesigen Blätter sprechen sich in diesem Sinne aus. Telcgrammwechsel zwischen Jossre und Kitchener. Rom, 10. Sept. General Jossre hat Kitchener ein Telegramni gesandt, in dem er ihm herzlichst für die dauernde Unterstützung dankt, welche die britischen Truppen der französischen Armee während des ganzen Verlaufs der Operationen gewährt hätten. Diese Unterstützung sei in diesem Augenblick von höchstem Wert und sic komme aufs kräftigste in dem Kampfe zum Ausdruck, der jetzt gegen den deutsche» rechten Flügel in, Gange sei. Lord Kitchener sagte in seiner Antwort: Die britische Armee freut sich, mit der französischen zusammenwirkcn zu könne», und England sei stolz auf die Hohe Aufgabe, seine Unterstützung gewähren zu dürfen, auf die General Jossre stets vertrauensvoll zählen könne. Die Gefangenenbehandlung in Frankreich. Newport, 10. Sept. Der Botschafter der Vereinigte» Staate» in Paris, Serrik, dem der Schutz der noch in Frankreich befindlichen deutschen »nd österreichisch-ungarischen Staatsangehörige» übertragen ist, hat beim sranzöflschen Minister des Aeußeren> Delcaste, einen energischk» Protest gegen die grausame und mcnichen- unwürdige Behandlung der in französischer Gesangenschast befindlichen Deutschen, sowie Lesterrcichcr und Ungarn erhoben. Del- casfe hat dem amerikanischen Botschafter Abhilfe dieser allem Völkerrecht widersprechenden Behandlung zugesagt. Die russisch« Hceresmacht in Galizien. Wien, 10. Sept. Der Kriogsberlchterstatter des Fremden« blattcs stellt in seinen Berichten fest, daß auf russischer Seite ungefähr 580 000 Infanteristen, 40 000 Reiter, 1500 Adaschinenigewehre und mehr als 2000 Geschütze an den Kämpfen der letzten Wochen beteiligt gewesen sind. Ein« gewaltig« Streitmacht, zumal diese Ziffern eher zu niedrig gegriffen sind, da die tockniischen Truppen, wie der Train usw., noch nicht einbegriffen wurden. Mindestens die Hälfte davon ist aber unter großen Verlusten zuriickgeschlaqen worden, sodatz die russische Armee ein« empfindliche Einbuße erlitten hat. Noch ist die Entscheidung nicht gefallen, aber die Bilanz der bisherigen Ereignisse ergibt für uns ein mehr als befriedigendes Resultat. Tic Bulgaren in Mazedonien. Bulgarische Freischarcn entfalten neuerdings wieder eine lebhafte Tätigkeit in Mazedonien. Die für den Transport von Lebensmitcln und Truppen äußerst wichtige Bahnstrecke, die Neu-Serbien mit dem Königreich verbindet, ist von bulgarischen Koinitatschis neuerdings wieder zerstört worden, nachdem cs ihnen bereits gelungen war, den Verkehr ans dieser Strecke für einige Zeit zu unterbinden, lftn russischer Diplomat bestreitet die russischen Truppenlandungen. IVB. London, 10. Sept. Ter russische Botschafter in London dementiert, daß russische Truppen in Frankreich an Land gegangen find. Frankreich holt den lebten Man» heran. IV. B. Bordeaux, 10. Sept. eilt gestern zusammengc- trctener Ministcrrat unterbreitete dem Präsidenten Poincar« einen Erlaß, durch welchen diejenigen Männer bis zu 45 Jahren, die bisher dienstuntauglich oder zurückgestellt waren, aufgefordcrt werden, einer neuen ärztlichen Untersuchung sich zu unterziehen. Diejenigen, die dabei als diensttauglich bc- suiidcn werden, sollen unverzüglich ansgchobcn werden. Diejcnigne, die sich auf den Erlaß hin nicht zur Untersuchung melden, werden als diensttauglich angesehen werden. Poincare fürchtet ei» Atcntat. T.-U. Genf, 10. Sept. Wie aus Paris hierher gemeldet wird, hält vor dem Sause des Präsidcuten Poincare in Bordeaux eine Leibgarde Wache, weil man Attentate befürchtet. Ein Sohn des Kaisers verwundet. W. B. Berlin, 10. Sepi. sAmtl.) Der Prinz Joachim von Preußen (der jüngste Sohn des Kaisers) ist durch ein«» Schrapuell- sckuß verivundet word«n. Ti« Kugel ging durch den rechten Oberschenkel ohn« den Knochen zu verleben. Ter Prinz war als Ordonnanzoffizier auf dem Gefcchisselde tätig gewesen. Er ist in das nächst liegende Garnisonlazarett übergeführt worden. Ein englischer Hilfskreuzer gesunken. W. B. London, 10. Sepi. Tie Admiralität gibt amtlich bekannt, daß der als Hilfskreuzer armierte Ozeandampscr „Ocianic" von der White.Star-LInie gestern in der Nähe der Nordküste Tchott- lands Schissbruch gelitten hat. Das Schiss ist vollständig verloren. Cffijicrc und Mannschaften sind gerettet. Zu Ludwig Franks Tode. Wie die Mannheimer Volksstimme berichtet, haben sich die Famitienangchörjj,cn des Genosien Frank im Einvernehmen mit den Parteiinstanzcn von Mannheim mit der Heeresverwaltung in Verbindung gesetzt, um die Erlaubnis zur Ausgrabung und Uebcr- führung der Leiche nach Mannheim zu erhalten. Nach einer Mit- teilung des Generalkommandos ist die Genehmigung erteilt worben. lieber die Beweggründe Franks, als Freiwilliger an die Front zu ziehen, teilt Genösse Südeknm in der Völkischen Zeitung einiges mit. Als Frank gleich bei Zusammentritt des Reichstags sich zum aktiven Dienst gemeldet halte, und als seine Freunde ihn ini Hinblick auf seine spätere Notwendigkeit davon abhallcn wollten, ant- ivortcte er ruhig: „Einer muß die Fuudamcntc gesehen haben." „Seine stetige aus de» Grund der Tinge gerichtete krastvollc Geistesart", so sagt Südeknm, „sein fester Wille und zugleich auch die Gabe, dem inneren Erlebnis und bcm Schwung des EnischtusteS die rechte Form zu leihen", stecken in diesem Ausspruch. Elldekum charakterisiert den gefallenen Helden als einen Herold der inter- »aiivnaleu Verständigung und doch einen kernfesten Deutschen, als einen Mann derben und fast bäuerlichen Wesens, umflosien von, Zauber hoher Kultur. Er zitiert einen Brief von Frank, der aus dem Jahre 1012 stammt und auf einen Artikel Slldekums anspielt. Die Ansicht, die darin zum Ausdruck kommt, ist nicht neu, aber wenn mau mit ihr das Wort zusammenhält: Einer muß die Fundamente gesehen haben, dann gewinnt man einigen Aufschluß über die Motive, die Frank in diesen Krieg getrieben haben. Er schrieb damals: „Also ist auch Dir der Faden der Geduld einmal geriffcn, — jetzt verstehst Tu wohl spspchologisch) meine Ailmersdorser Keneralstreikrebe bester (als bei einer vorausgcgangenen Diskussion). Wenn man bei uns nicht cinsieht, daß mit der Sozialdemokratie sehr wohl eine Politik zu machen wäre, und wenn die reaktionären Kräfte nicht einsehcu wollen, daß gegen die Sozialdemokratie auf die Dauer doch eben keine Politik zu machen ist, bann gehen wir in Deutschland schweren Zeiten entgegen, aber ich hoffe, daß wir beiden noch eine gründliche Acnderung der jetzt freilich beinahe unerträglichen Verhältnisse erleben werden. Tn hast ganz recht, daß es so, wie zuletzt nicht weiter geht." Und er bekräftigte seine Anschauung später am 31. August, als er an SUbekum den letzten Brief schrieb, der begann: „Heute geht's fort an die Front! Endlich! Soeben kam der telegraphische Marschbefehl." In diesem letzten Briese hieß es: „Ich habe während dieser anstrengenden, aber wohltuenden Wochen meiner militärischen Wiederausfrischung manche Stunde zum stillen Nachdenken übrig gehabt und manchmal über das gesonnen, was werden soll. Ich laste mich nicht davon abbringen, daß in diesem Kriege die Grundlagen für einen unabsehbaren Fortschritt gelegt werden. Doch darüber mündlich viel, viel mehr!" Die Kugel, die Frank getroffen hat — so meint hierzu dle Frankfurter Zeitung — hat mehr vernichtet als nur ein Menschenleben. Da? fühlen auch die berufenen Vertreter aller politischen Parteien und die e r n st e Preste und sie alle senken in ehrlicher Hochachtung die Waffen vor dem toten Gegner. Nur Blätter vom Schlage einer Ossenbacher Zeitung, die sonst wegen jeder Selbstverständlichkeit ein großes Ruhmcsgemüse ihren Lesern vorsetzt, geht stolz und kühl über Franks Tod hinweg. Es ist auch bester so. Von Beileidskundgebungen mögen noch folgende abgedruckt werden: Berlin, den 8. September 1914. An den Landesvorstanb der Sozialdemokratie Badens. Die Todesnachricht unseres treuen Freundes Frank hat uns tief ergriffen. Mit Frank, der wie tausend andere unserer Brüder auf dem Schlachtfelde verblutete, verliert die Svzialdemokratic einen ihrer Besten. Seine Begabung und Tatkraft berechtigen zu den größten Hoffnungen. Ter Svzialdemvkratie Badens, die von dem Verlust am schwersten betroffen wird, übermitteln wir unser herzlichstes Beileid. Der Parteivorstand. An den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei, dahier. Gestatten Sie auch uns. Sie unserer herzlichsten Teilnahme an dem unersetzlichen Verlust zu versichern, welchen nicht nur Ihre Partei, sondern das ganze fortschrittlich gesinnte deulschc Volk durch das jähe Hinscheiden Ludwig Franks erlitten hat. War er auch nicht Mitglied unserer Organisation, so durften wir ihn doch insofern zu uns zählen, als er einer der begeisterten Vorkämpfer des Gedankens der Verständigung der Völker war. Schrieb er doch noch wenige Tage vor seinem Ansmarsch an ein Vorstandsmitglied unseres Vereins: „Ich teile Ihre Aiischamingen durchaus, daß daS Ziel des Krieges dauernde Freundschaft der europäischen Westmächte sein muß. Da ich aber Soldat bin, kann ich auf absehbare Zeit für die auch mir erwünschte Zusammenarbeit zwischen proletarischer und bürgerlicher Friedensbewegung wenig zu tun." Mit Recht sagt die Volksstimme in ihrem Nachruf, daß Deutschland den Verstorbenen nach dem Krieg, bei den großen Umwälzungen, welche dieser zur Folge haben wird, nötiger hätte als je, und in diesem Sinne betrauern auch wir den viel zu frühe» Tod des Verstorbenen anfs tiesste. Mit vorzüglicher Hochachtung! Ortsgruppe Mannheim der deutsche» Friebcnsgescllschast: A. v. Harder, Vorsitzender. Otto Wüst, Schriftführer. An den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Mannheim. Das deutsche Volk trauert heute um einen seiner Vesten. In Ludwig Frank ist ein Mann von uns geschieden, der weit über den Rahmen seiner Partei hinaus sich Achtung und Zuneigung erworben hatte. Was er für Mannheim und für Baden war, misten wir alle. Ihm ward das beste Los, für sein Volk zu wirken und sur dessen Freiheit zu sterben. Dennoch stehen wir tief erschüttert vor der Tatsache seines Todes und sprechen der Sozialdemokratischen Partei in Mannheim unsere herzlichste Teilnahme aus. Fortschrittliche Volkspartei in Mannheim. Karl Vogel. Verehrl. sozialdemokratische BttrgerauSschuß-Fraktion Mannheim. Sehr geehrte Herren! Wir stehen unter dem erschütternden Eindruck der Nachricht, baß Herr Reichs- und Landtagsabgcordiictcr Dr. Frank gleich, nachdem er auf dem Felde erschienen war, gefallen ist. Er starb den Heldentod für unser bedrängtes Vaterland. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren! Ihre Partei er-' leidet mit dem Hinscheiden des Herrn Dr. Frank einen schweren Verlust, zu dem wir Ihnen unsere herzliche Teilnahme aussprechcn. Mit vorzüglicher Hochachtung Nationalliberale Bürgerausschußfraktion Ter Vorsitzende: König. An den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei hier! Namens der Zentrumspariei des hiesigen Bezirks, sowie der Zentrumsfraktion des Biirgcrausschusscs gestatte ich mir, der Sozialdemokratischen Partei das innigste, tiefste Beileid anszu- sprechen zu dem schweren, fast unersetzlichen Verlust, der Ihre Pariei durch den so raschen Tod Jhrers Führers, Reichstagsabgc- ordnetcn, StadtverordiictcnTr. Frank, betroffen hat. Wenn die Zentrumspartei auch in langem politischem Kampfe oft mit ihm die Waffen gekreuzt und seine Ziele bekämpft hat, kv wußten wir aber doch, daß er i» ehrlicher Ilebcrzeugung mit der ganzen, ihm eigenen Kraft für die von ihm richtig gehaltenen Grundsätze eintrat und das Beste des Volkes, wie insbesondere auch unserer Vaterstadt wollte. Seine Besähignng und Tatkraft, sein Opfersinn und persönlicher Charakter wurde» auch von uns anerkannt und hochgeschätzt. Nun hat er i» der Not der Zeit, da wir alle um die Ehre und Existenz des großen Vaterlandes kämpfen, daS Höchste, sei» Leben, für die Verteidigung des VatertandcS eingesetzt und hingegebcn. Diese höchste PslichtersUllung hat die Bewunderung aller gefunden und wird ihm ein immerwährendes ehrenvolles Andenken sichern. An der tiefen Trauer Ihrer Partei, an dem Verluste Ihres hochbcsähigten, wohlverdienten Führers nimmt die Zentrnmsparlci herzlichsten Anteil. In vorzüglicher Hochachtung für die Zentrumspartei I. G i e ß I e r . Amtsgerichtsdirektor. An die Redaktion der Volksstimme, Mannheim. Anläßlich des Heldentodes des Rcichstagsabgcordnetcn Dr. Ludwig Frank ivrechcn wir Ihnen und der Sozialdemokratischen Partei unser ticsgefühltes Beileid aus. Möge 5aS, was er nü» nicht mehr selbst verkünden kann, in seinen Werken sortleben. Hochachtungsvoll H a l m. Fr. D o h m a n n. Für de» Verband der Deutschen Handlungsgehilfen Leipzig, Geschästsstclle Mannheim. Hcsieu nnd Nachbargebiete. Gießen nnd Umaebung. Das hessische Regierungsblatt zmn Tode Franks. linier der lleberschrist „Tr. FvankS Heldentod" schreibt di« Darmstädter Zeitung, das amtliche Organ nuferer hessischen Regierung: „DaS Schicksal geht oft soltsa-n« Weg«. War «in Mensch, der Fähigsten einer, der zu hunderten Aiale-n gegen de» Mitftari«nw-ft gegen unser Staatsspstcm, gegen die heutige bürgerliche Gesellschaft: gegen all« tatsächlichen und oermoindlichen Schäden unseres Vaterlandes Sturm lief. In sarkastischer Form, in leidenschaftlicher, in humoristischer, in gehässiger, in allen Arten und Tönen: in verletzender und in versöhnlicher Weise. Aber trotz alledenr: «in Monn, den man achten mußte, der aus seiner Ueberzengnng wenigstens kein Hehl machte, wcmr sie auch von unserem Standpunkt« in den meisten Fällen nicht gebilligt werden konnte. Kern Haupt seiner Partei, aber doch der geistigen Fichrer einer, besten gemäßigterer Auf- faffung des Sozialismus wegen vor allem die süddeutschen Sozial Demokraten in ihm einen ihrer Bosten verlieren. Kein leerer Phrasenheld und Kosuistiker, kein dogmatischer Gritbler und Haarspalter, aber ein praktischer Politiker durch und durch, ein Führer mit klaren, Blick. Und als Mensch eine vornehme und hilfreich« Natur. Das alles war Dr. Frank bis zum Augenblicke der Modi!- nrachung. Da kam mit einem Schlag der Uebersall unserer Feinde gegen unser Vaterland. Derriijchlands Friedensliebe wurde zu Bode,« getreten, Deutschlands Selbständigkeit sollte unter die Borcrhäiide der Briten, Denischlands Kultur unter die Nägelstiefel der Kosaken, Denischlands Sitten unter das Niveau des Montmartre geraten. So ivar's in London, Paris und Petersburg ausgeheckt. Der greise Bebel hätte — wie «r selbst gestand — in einem solchen Falle das Gewehr aus den Buckel genommen.. Auch Lud-ivig Frank, dessen internationale Politik stets der Verständigung Denischlands und Frankreichs, der Sicherung des Friedens gewtdnret war, dessen Werk noch im Vorjahre der Berner Friedenskongreß war, auch er siihltc mit Bitterkeit die insamen Leidenschaften des feindlicher« Anstandes. Diesen Krieg hielt Frank in Uebereinstinmiung mit seiner ganzen Partei nnd mit dem ganzen deutsche,« Volk fiir ge- recht, lind darum war er einer der ersten, der die Flinte als Freiwilliger auf die Schulter nahnr. um mitzukämpsen. Er zog — diel Umstände sägten es so — gegen Frankreich, das er im Frieden liebte. In Wahrheit aber nnd nach seinem inneren Empsindeit zog er mit gegen Rußland zu Felde, das Land der Knechtschaft und der Verderbtheit. Als einer der ersten sollte er fallen. In der Blüte seines Lebens — er ist kaum 40 Jahre alt — trat das Unheil seinen Körper hinweggemüht, gegen das «r im Leben so tüchtig ankämpfte. Der Krieg, der unerbittliche Krieg, der unserem Vaterlande aber die Einigkeit wieder gab. Und so entbehrt Dr. Franks Heldentod auch der Tragik nicht: er ist der erste Blutzeuge für das hehre Worb unseres Kaisers, daß es in Deutschland keine Parteien nrehr gibt) Daß es nur noch ein einiges Vaterland gibt. Ter Heldentod Dr.^ Franks braucht nichts mehr guszu'Iöschen. was die Andersgesinnte,« an niiang-cnehinen Erinnerungen mit seiner Person verknüpfte.! Denn was Dr. Frank «inst in ungestiünem Drang und heftige,« Debatten an Trennendem ansrichtete, das hat alles schon seine vaterländische .Haltung hiniveggcräumt, die er sofort nach Kriegs-' ausbruch amiahni. Tie Feinde seines Vaterlandes waren auch seine Feinde. Er hat es ihnen gezeigt als tapferer deutscher Soldat als einer der Bielen, die ihr Leben für Deutschlands Unabhängigkeit opferten, als einer der Wenigen, deren Namen in der Geschichte fortleben wird. Er starb den schönsten Tod, den er sterben tomite. Sein Andenken wird nicht eine Partei, sondern sein ganzes Volk ehren und wahren." — Gegen die Preistreiberei, die bei Beginn des Krieges von den Großlieferanten von Getreide- nnd Lebensmitteln^ geübt wurde, ergriff die Militärverwaltung energische Maß-, nahmen, die auch Erfolg hatten. Allein trotzdem sind jetzt trotz der reichlichen Ernte die Preise verschiedener lcmdwirt- schaftlicher Produkte höher als früher nnd zeigen auch keine Abwärtsbewegung. Das kommt daher, weil die Militärver- waltnng selbst höhere Preise bezahlt, als es normaler Weise richtig wäre und wirkt somit selber preistreibend. Viele Kleinhändler nnd Konsumenten klagen niit Recht darüber.^ Zum Beispiel würde der Hafer viel zu teuer bezahlt, auch Mehl und Stroh. Für Speck und Dörrfleisch zahlte die Militärverwaltung beim Einkauf im großen dieselben Preise, als sie im Klcinverkanf sieben. Natürlich lassen sich das diö Metzger und Lieferanten gerne gefallen, die Konsumenten haben aber den Schaden. Jetzt, wo viele Arbeiter keinen oder sebr geringen Verdienst haben, fiiyt die Verteuerung der Lebensmittel doppelt schwer ins Gewicht. — Kinderei. Es ist kaum zlt glauben, tvas in der gegenwärtigen Zeit für Ansichten, Vorschläge und Wünsche zutag« gefördert werden. Jin gestrigen Gieß. Anz. will einer un&c-' dingt eroberte Geschütze in Gießen ausgestellt haben. Er schreibt deni Blatte: „In Tarmstadt wurde in den letzten Tagen ein namhafter Teil der Siegesbeute an Geschützen ii. bergt, unter großem Jubel der Bevölkerung eingcbracht. Einige Geschütze haben am Landcsdenknial Aufstellung gefunden. Wäre es nicht möglich, auch unsere Stadt leihweise mit etwa zwei erbeuteten Geschützen zu bedenken und dieso öffentlich, etwa an der Zeughauskaserne, aufzustellen?" Was ist denn der Stadt nnd ihrer Bevölkerung für eine Wohltat geschehen, wenn zwei Kanonen dastehen. Was ist Interessantes und Belehrendes daran? Nach ein paar Tagen sieht sie niemand mehr an. Ilebrigens stehen auf dem Gleiberg ein paar, die von ehrwürdigem Alter nnd zweifellos historischer Bedeutung sind, man kann sich bei ihrem Anblick in die schöne Zeit des Rittertums versenken. . . Mehr Gemcinsinn — mehr Verstand! Immer wieder wird uns — so schreibt die Frkf. Ztg. — von Fällen berichtet, in denen, allen Mahnungen znm Trotz, wirtschaftlich starke Firmen in rigoroser Weise Vorgehen. So schreibt man »nS auch heute von einem besonders krassen Fall: Ein kleiner Zigarrenhändler in einer hessischen Stadt mußte infolge des Krieges seine Zahlungen einstellcii. Um das Konkursverfahren zu vermeiden, bot er seinen Gläubigern 83 X Prozent, was ihm nur dadurch möglich war, daß seine Frau mit ihrer Mitgift zurücktrat. Ais Antwort aus diesen Verglctchrvorschlag beantragte eine große vberhcssische Zigarrenfabrik, die gegen ihn eine Forderung von sage und schreibe 80 Mk. hatte, die Eröffnung des Konkursverfahrens. Sie hat diesen Antrag auch da»» nicht zurückgenomme», als ihr die tatsächlichen Bcrhällnistc als wahrheitsgetreu mitgetcilt worden waren. Daß eine deutsche Firma gegen einen deutschen Kaufmann wegen einer Forderung von 80 Mark in dieser großen und schweren Zeit Konkursqntrag stellt, ist so ungeheuerlich, daß die Festnagelung eines solchen Geschäftsgebarens in der breitesten Oeffcntlichkeit erforderlich erscheint. Das Vorgehen ist umso unerhörter, als dadurch unnötigerweise eine Existenz wirtschaftlich vernichtet wurde. Möge ein solcher Fall vereinzelt bleiben. — Und wir meinen, cs wäre, um der Wiederholung vorzubeugen, gut gewesen, den Namen der Fabrikfirma zu erfahren, damit die Händler und Raucher auch anderswo sich danach hätten richten können. — Tote des Gicßcncr Regiments. Gefallen ist ferner am 28. August der Vizefeldwebel Hermann Hn p P e l, Kaufmann in Gießen. Ter Bruder des Gefallenen steht ebenfalls bei dein Gießcner Regiment im Felde. Allgemeine Teilnahme wird der Mutter des Gefallenen entgegengebracht, die von mancherlei Schicksalsschlägcn schon hart betroffen wurde. — Entsprnngcnkr Geisteskranker. Amtlich wird mitgeteilt: Der gemeingefährliche Frauenlustmör- der, geisteskranke Kellner Ludwig Waldschmidt, geh. 16. Mai 1877 in Gladenbach, ist am 31. August 1914 auS einer Heilanstalt entsprungen. Waldschmidt ist 1,65 Mir. groß. Gestalt schwächlich, Haare hellblond, rotblonden Schnurbart, hat graublaue Augen, bogenförmige Augenbrauen. — Ei» Durchbrenner. Gestern vormittag wollte mm einen dein Metzgermcister Ed. Sack gehörigen Ochsen nach dein Schlachthof transportieren. Diesem schien aber «ine Ahnung aufzudämmern, daß man ihm ans Leben wollte und war jedenfalls nicht geneigt, es kampflos hcrzugcben. ES gelang ihm z» endlonanen und lief nach der Nodheimerstraße zu, wo er feinen Verfolgern abermals entwischte und t» großen Sprüngen über die Wieselt lahnabivärts rannte. Sein« Verfolger, die feinen Freiheitsdrang nicht zu würdigen wußten, hinter ihm drein und schließlich erwischten sie ihn zwischen Dutenhofen und Heuchelheim und führten ihn den, Schlachthose wieder zu, ivo d.rS brave Tier jedenfalls inzwischen sein Leben lassen mußte Kreis ffriedberg-viidina«« Bad-Rauheim. Bis zum 31. August 1914 sind 26 179 Kurgäste 'ongokominen. Bäder wurden bis zum 31. August 1914 329 212 abgegeben. Jwrtdaiier des Kurbetriebes! Kreis Wetzlar. X Krosdors. Zn der Notiz in der Oberh. Volksztg. von vorgestern benierkt die Wittvc des vorige Woche beerdigten Ernst Pfeiffer, daß Lehrer Hoffman» ihr nachträglich !> Mt. geschenkt habe. Den Zettel mit der Anforderung von 1,80 Mk. für Leichen- begleitung habe er ihr geschickt, weil er den Jungen ihre 80 Psg. fürs Läuten geben wollte Zweitens häte er ihr mich dmnit kund tun wollen, daß er 1,80 Mk. für Begleitung der Leiche ihres Mannes de tarne, weil dieses ein Teil seines Gehaltes ivärc. Und dann hätte er ihr was schenken ivolle». Nun, die Sache ivärc tvohl etwas einiacher zu machen gewesen. Herr Hoffmanu konnte der Wittvc einfach schreiben, meine Rechnung macht 2,40 Mk. und hier übergebe ich Ihn«» noch 2,70 Mk. Damit wäre die ganze Sache erledigt gewesen. Ein Durchbruchsversuch der Pariser Armee abgewiesen! Die deutsche Maasarmee im Bormarsch! — In Lothringen steht die Schlacht. — Im Osten nener Kamps. (Amtlich.) WB. Großes Hauptquartier, 10. September. Die östlich Paris in der Verfolgung an »nd über die Marne vorgedruiigeucn Heeressäulen sind bei Paris tpid zwischen Meaux »nd Montmirail vvn überlegenen Kräften niigcgrisfcn worden, habe» in schtvcrrii zweitägigen Kämpfen den Gegner niisgchaltcii lind selbst Fortschritte gemacht. Als der Anniarsch neuer starker feindlicher Kolonnen gemeldet wurde, ist der Flügel zurückgezogen worden. Der Feind ist an keiner Stelle gefolgt. Als Sicgcsbcutc dieser Kämpfe sind bisher 50 Geschütze »nd einige Tausend Gefangene gc- nicldet. Tic westlich Verdun kämpsciidc Heeressäule befindet sich in sortschrcitciidcm Kampfe. In Lothringen und in den Vogesen ist die Lage unvcr- ändert. Auf dem östlichen Kriegsschauplätze hat der Kampf wieder begonnen. Ter Gcineralquarticrmcistcr: v. Stein. Eilt neuer Tieg in Ostpreußen. Das russische Nordheer völlig geschlagen. WB. Großes Hauptguarticr, 10. Sept. Generaloberst v. Hindenburg hat mit dem Lsthecr den linken Flügel der noch in Ostpreußen befindlichen russischen Armee geschlagen und sich dadurch de» Zugang in den Rücken des Feindes geöffnet. Ter Feind hat den Kamps ausgcgcbcii und befindet sich in vollem Rückzüge. Tas Osthcer verfolgt ihn in nordöstlicher Richtung gegen den Njeme». Ter Gciieralqnartiermcister: v. Stein. Vorwärts bei Verdun! WB. Großes Hauptquartier, 10. Sept. Ter deutsche Kronprinz hat heute mit seiner Armee die befestigte scindliche Stellung südwestlich von Verdun genommen. Teile der Armee greisen die südlich von Verdun liegenden Sperr- sorts an; die Forts werden seit gestern durch schwere Artillerie beschossen. Ter Gencralqnartiermcistcr: v. Stein. Der österreichische Offensibkampf bei Lemberg. TU. K. K österreichisch-ungarische Hauptquartier, 10. Sept. Im Gebiet von Lemberg ist der von öfterreidiifrticr Seile mit großer Energie auigcnommcnc Osfensivkampf gegen die dort konzentrierte russische Armee in vollem Gange. Nähere Mitteilungen werden vom Hauptquartier vor dcr Entscheidung der Schlacht nicht ausgegcbcn. _ Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & Cie., Gießen. Druck: Verlag Osfcnbacher Abendblatt, G. m. b, H.. Offenbach a. M. Die Marktpreise für Vieh und ssrnckit und die Gießener Fleisch- n»d Brotpreis« am 7. September 1914, Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. Fleifchpreise in Gießen Ochsen Kälber Schweine 50 kg Schlachtgewicht 74—98 Pf. '/. . . 67-90 Ps. '/- . » 58-61 . '/. llg86-96 Psg. *It . 70—75 •lf . 70-96 . Getreidcpreise in Mannheim. Brotpreisc in Gießen Weizen Roggen 100 llg 28.— — 25.50 Mk. . „ 21.25 — 21.50 „ Weißbrot 2Irg64Pfg Schwarzbrot 2 . 55 „ Standesamt Gießen. Geborene. August 28. Den, Lackierer Friedrich Wilhelm Heinrich Reuling ein Sohn, Karl Ludwig. — 29. Dem kominisiarischcn Eiscnbahn- tliiterassistente» Jakob Emil Friedrich Karl Otter eine Tochter, Marie Margarete. — 31. Dem Kutscher Adolf Heinrich Peter Georg Johann Karl Wagner ein Sohn, Karl Wilhelm Heinrich. — September 2. Dem Erdarbeiter Heinrich Dippel eine Tochter, Katharina. — 3. Dem Kaufmann Charles Louis Datz ein Sohn, Ernst Ludwig. — Dem Oekonoine» Johann Heinrich Prciß ein Sohn, Karl Helmut. — 4. Dem Bäckermeister Wilhelm Heinrich Dippel eine Tochter, Katharina Margareta Barbara Gertrud. — 7. Dem Eisenbahngchilse» Johannes Fleischhauer ein Sohn, Hans. — Dem Feldwebel Valentin Joseph Wenzel ein Sohn, Hermann Georg. Aufgebote. September 4. Frid Johann Christian Hahn, Hilssheizer In Gießen, mtt Elisabeth Grimm in Groß-Umstadt, Eheschließungen. September 8. Gottfried Schmittdiel, Vizcfelbwebel in Worms, mit Katharina HanSrath in Gieße». — 10. Heinrich Julttnanii, Eiscnbahn-Aushilssschafsner in Gießen, mit Elise Korell in Billertshausen, Kreis Alsfeld. Sterbefällc. September 4. Katharina Siegclatz, geb. Berth, 79 Jahre alt, Bahnhofstraße 81. — Marie Horn, geh. Schombcr, 77 Jahre alt, Schifsenbergeriveg 2. — 5. Ottilie Mathilde Cäcilie Friedrich, 2 Monate alt, Credncrstr. 38. — Karl Heinrich Schneller, 4 Monate alt, Erlcngassc 15. ■— August Spahr, geb. Baiser, 70 Jahre alt, Llchcrstraßc 106. — 9. Lina Wilhelmine Ottcrbcin, 2 Monate alt, Rodhcnnerstraße 41. — Ferdinande Heinrichs, geb. Eckel, 80 Jahre alt, Sudanlage 5. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen. Es können eingestellt werden: a ) Bei hiesigen Arbeitgebern: ( f c O»'ic&, 1 Sattler, 1 Bäcker, 2 Schuhmacher, 3 Schneider, 1 Weißbinder, 1 Hausbursche, landwirtschafti. Arbeiter, 1 Schweizer, 1 Ehausseur, 2 Dienstmädchen. d) bei auswärtigen Arbeitgebern: 1 Schmied, 1 Schlosser, 2 Bäcker, 5 Schneider, 2 Dienstmädchen. rt, " d,fl f t,itI,e Arbeiter und Knechte; Streckenarbeiter und 1 Müller. Lehrlinge: 1 Schuhmachcrlchrling. Es suchen Arbeit: 8 schlaffer, 1 Elektromonteur, 3 Mechaniker, 5 Polsterer unk -rapezicrer, 12 Schreiner, 1 Müller. 1 Bäcker, 3 Maurer, 2 Zimmekl leute, 6 Weißbinbcr und Lackierer, 1 Glaser, 1 Stukkateur, 2 Heizer, 6 Kaufleute, Schreiber, landwirtschasllichc Arbeiter und Knechte, Erdarbeiter, Taglöhner, Kellner, HanSburschc», Putz-, Wasch- und Lanzfrauen. «>raort,aier Woi,nnnasimchweiS Gießen. Es sind zu vermieten: 1 Wohnung von 8 Zimmern nnb 2 Mansardenzimmern, 1 Wohnung von 5 Zimmern, 2 Wohnungen von 4 Zimmern, 1 Wohnung von 4—5 Zimmern, 3 Wohnungen von 3 Zimmern, 1 Wohnung ooti 1 Zimmer, 1 Wohnung von 1—2 Zimmern, 1 Lager- oder „abrikraum, 1 Werkstatt, 1 dreistöckiges Lagerhaus mit Pferdcstall und Heuboden, 2 möblierte Zimmer. Zu mieten gesucht: 30 Wohnungen von 2—6 Zimmern._ Bekanntmachung. Von den für den kommenden Winter in den städtischen Waldungen ausßuavheitenden Fichtendeckreiser hat die Stadt 2000 Wellen an Private abzugeiben. Wer solche zu bezichcn wünscht) wolle dies ailSbald aus dem Stadthaus, Gartenstvaßr 2, Zimmer Nr. 15, anzeiqen. Der Preis der Well« beträgt 30 Psg. und ist tri der Bestellung zu entricht«!» Die Lieferung erfolgt frei vor das Haus. Weniger als 5 Wellen werden nicht abgegeben, Gießen, den 10. Sepettnber 1914. Der Oberbürgermeister. ______ I. B.: Grünem ald. _•_ Vcrannrmaarnng. Mit Genehmigung Großh. Mntsgerichts werden die Dienststunden des Ortsgerichtcs Gießen von heute ab festgiesetzt auf täglich 10 bis 12 Uhr vormittags. Gießen, den 10. Scpettnbcr 1914. _______ Simon, Beigeordneter. lü siilWk Zmkdtlli haltbare Herbsnvare per »I*fg. vom Laaer Schon,cnftrahc 16 Mk. 4.5O per Zentner. Ankauf von Alteisen, Lninven, Knochen, Vavicr, Knvtcr, Messina, Zink, Zinn, Blei, bei Louis Rothenberger Rennweca 22. Schönster Ausflugsort der Rabenau. 2 große Säle, Gartenwirtschaft. Vereinen. Touristen bestens empfohlen. — Gut qcpslcatc Biere. — Um geneigten Zuspruch bittet R. Schmidt. 8 emeines Sleraöerg’s Feen Seilet Ist die Beste erbälilich i. d. Koloniale, (lesehifl I ÄuYo mcib Ic"üj Fahrräder Chokolade u. Konfitüren Elvira Jost £‘j e s: " | Brauereien und | Bierhandlungen S Götael & Appel Alicestr. 25 Tel. 736 Adler-Autos u. Fahrräder ^Kontrollk assen, ReptwkBt. I Bäcker- und Konditoreien Georg Erhard Walltorstraße 19 ff Bäckerei und Konditorei billig und gut d.gesmt. Arboitschftempf. Bade- Einrichtung ]. H. Jhring, Lieh Telephon 1 Bierbrauerei mit eigener Mälzerei Anerkannt vorzügliche helle und dunkle Export - Biere Union- Brauerei Aktlen-Ge seil sch. Giessen empfiehlt Ihre ff. Biere und Kraftbier mit geringem Alkoholgehalt. Chr. 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