AnWs « iR i • t • Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberheffen und der Nachbargcbiete. Dir Oderdelkillbe BollSrcitun, crtcheint leben Werktag Abend in Gicben. Der AbonncmentspreiS beträgt wöchentlich IS Picr. monatlich w Pta. einlchl-Bringrrlobn. Durch die Post bezogen viertctjäbrl.lBOMk, Nedaktion und Ervediiion Liehen. Babnboilirabe 23, (ide Löwenaoöe. Televbon 2008« Inserate losten die 6 mal gespalt. Kolonclzcile oder deren Raum 15 Psg. Bei größeren Austrägen Rabatt. Anzeigen wolle man dir abrnt»7»hr sür die solgende Nummer in der Expedition ausgebe». Nr. 208 Gicßcii, Mittwoch, ocn 9. Scptcmlm 1914 9. Ilihrgan g Lemberg. Seit dem 4. September ist Lemberg, die Hauptstadt des österrcchischcn Kronlauds Galizien, von den Russen besetzt. Die Nachricht, die am 6. Septeinber abends bekannt gegeben wurde, kam nicht mehr überraschend, da die amtliche österreichische Kriegsbcrichterstattung schon seit Tagen die Lage vor Lemberg als überaus schwierig geschildert hatte. An anderen Stellen haben, wie gleichfalls bekannt, die Oester- reicher gegenüber den Russen bedeutende Erfolge errungen, sodas; die Gesanitkriegslage im Osten keineswegs als ungünstig bezeichnet werden kann. Die bedeutenden Ereignisse in Südpolen und Galizien erinnern uns aber daran, wo der Hauptfcind steht und was das Hauptproblem dieses Weltkriegs ist. Der Hauptfeind heißt Rußland und das Hauptproblem Oesterreich. Die Bedrohung der österreichischen Staatscinigkcit durch die groß- serbische Bewegung hat Oesterreich veranlaßt, Serbien den Krieg zu erklären, die österreichische Kriegserklärung an Serbien führte znr russischen Mobilmachung und diese wieder zur Kriegserklärung Deutschlands an Rußland. Unter dem Druck der russischen Drohung hat Oesterreich seine kriegerischen Maßnahmen gegen Serbien ans das notwendige Mindestmaß beschränkt und seine Streitkräftc im Norden eingesetzt. Das war uniso nötiger, als Deutschland zunächst seine Haupt- niacht gegen die westlichen Bundesgenossen Rußlands verwenden muß und überdies noch starke Kräfte brauchte, um den russischen Angriff auf Ostpreußen abzuwehren. Die dramatische Wucht, mit der sich die militärischen Ereignisse im Westen abspielten, hat in unserem Bewußtsein die Bedeutung der östlichen Vorgänge zeitweilig zurücktreten lassen. Anders aber stellen sich die Vorgänge für die Völker Osteuropas dar. Für Oesterreich, Rußland und die Balkanstaaten ist nicht Belgien und Paris, sondern das Gebiet des ehemaligen polnischen Reiches Zentrum der Ereignisse. Serbien erwartet die Entscheidung über sein Schicksal nicht von den französischen, sondern von den polnischen Schlachtfeldern. Und nur der militärische Zusammenbruch Rußlands kann bewirken, daß die slavischen Völker des Südostcns aus- hörcn, in Rußland die Schutzmacht des gesamten SlavcntumS zu erblicken. Oesterreich aber hat den Beweis zu liefern, daß es im Bunde mit Deutschland die Kraft der militärischen Selbstbehauptung ^besitzt. Dieser Beweis muß vollständig und ganz zweifelsfrei erbracht werden, wenn der Krieg für die Verbündeten wirklich siegreich enden soll. Die Zukunft Oesterreichs, die Macht und das Ansehen Oesterreichs im Osten müssen sichcrgcstcllt werden, genau so, wie die Macht und das Ansehen Deutschlands gegen Westen sichcrgestcllt werden muß. Nur diese Lösung gibt den beiden Zentralmächtcn Europas ein dauerndes Uebcrgewicht über die Mächte des Dreiverbandes. In einer Kriegskonfcrcnz der Berliner Presse am letzten Donnerstag hat der Vertreter des Gcneralstabs mit großem Ernst darauf hingewiescn, daß wir erst am Anfang des Krieges stehen. Dieser Hinweis war berechtigt und notwendig gegenüber einer Presse, die zwischen berchtigter Zuversicht und überstürztem Optimismus nicht die richtige Grenze zu ziehen wußte. In einem Monat ist mehr erreicht worden, als man zu hoffen gewagt hätte. Man soll aber wissen, daß, was noch vor uns liegt, wahrhaftig kein Kinderspiel ist! Die Fortsetzung der Kämpfe im Südosten. W. B. Wien, 7. Scpt. Es wird gemeldet: Aus den schon gemeldeten abermaligen Kämpfen der Armee Tank! gegen welche der Feind mit der Bahn namhafte Verstärkungen hcransührt, wurde bekannt, datz speziell die Gruppe unter dem Befehl des Generalleutnants Kcstranek einen starken Angriff der Nüssen blutig nbwtes und hierbei weitere 608 Gefangene einbrachtc. Sonst herrscht ans den Kriegsschauplätzen, soweit bekannt ist, auch heute relative Ruhe. Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: v. Höscr, Generalmajor. . ^cjtcrrcichischcs Kricgoprcsscquartier, 7. Scpt. Ter KriegS- ct,4)tctttntt e r der Frankfurter Zeitung meldet: Ein heute im ^^l'^narticr mitgeteiltcs Eommnnique des Korpskommandantcn r , "tnansky über die wechselnden Kricgsercignisic bei den Kämp- vom 11. bis 21. August meldet nähere Einzelheiten bietwr' " £ inc . ft' T die Kriegsgeschichte wertvolle Ergänzung der r» charstellungc» jener Ereignisse, die durch den aus höhc- Üh,<• »t j en Rücksichten befohlenen Abmarsch des KorpS trotz mußten "^ in ihrer Weiterentwicklung unterbrochen ivcrdcn Keine Prr»s;enfcittvliche Polenliga. Krakau, 7. Sept. Ein Warschauer Zahnarzt, dem es gluckte, die Errcnze zu überschreiten, erzählte: Alle Nachrichten iibcr die Bildung einer preusienfeindlichen polnischen Liga sind falsch. Aus russischen Militärkreisen wurde zwar die Initiative zu einer Der Krieg. derartigen Aktion gegeben, doch meldeten sich nur so wenige Personen zum Eintritt, datz der Gedanke an die Bildung einer solchen Legion fallen gelasicn wurde. Tic Stimmung für Oesterreich- Ungarn ist in Warschau außerordentlich freundlich. Die Russen wollen Warschau belagern lassen? Tas in Warschau erscheinende polnische Blatt Kurjer Wars- zawski bringt in seiner Nummer vom 24. August eine Proklamation des Generalmajors Türkin, des Stadtkommandanten und gegenwärtig gleichzeitig Kriegsgouverneurs von Warschau an die Bevölkerung der Stadt. Es wird darin vor allcni den in Umlauf gesetzten Nachrichten cntgcgcngetrctcn, wonach Warschau durch die russischen Truppen verlaßen und gar nicht vor dem Feinde verteidigt werden soll. Tas Gegenteil treffe zu, die Stadt werde befestigt und würde verteidigt werden. Gncral Turbin gibt der Einwohnerschaft Warschaus bekannt, daß die Stadt genügend verproviantiert und zur Verteidigung vorbereitet sei. Die Bevölkerung wird aufgefordert, Ruhe zu bewahren. Vom westlicher» KriegsschaupLatze licycn heute besondere Nachrichten nicht vor. Ein der Stompa in Turin von deni italienischen Hauptinann der Reserve Arnalco Cipolla aus Paris gesandter Brief besagt, die Engländer hätten sich offen über das völlige Unvorbc- reitetsein der Franzosen ausgesprochen. Cipolla sei in Lille auf französische territoriale Truppen gestoßen, die mit alten Grasgewehren bewaffnet gewesen waren. Die englischen Offiziere hätten besonders beklagt, daß die Franzosen auch in den Waffengattungen, die sie selbst erfunden hätten, -sich von den Deutschen überflügeln lassen. So hätten die D e u t - scheu über viel m c h r-A e r o p l a n e verfügt und diese sowohl bei Erkundungen wie in der Schlacht selbst mit viel größerer Geschicklichkeit gebraucht, als die Franzosen. Der Rückzug aus Lille habe sich in großer Unordnung vollzogen, kein Mensch hätte gewußt, wohin er gehen sollte. Cipolla betont, daß er nichts von Grausamkeiten der Deutschen gehört habe. Tie Engländer hätten Befehl gehabt, nachdem sie morgens in Lille cingerückt waren, abends wieder nach der Küste in der Gegend von Hazcnbrouck abzugehcn. Da kein Zug gefahren wäre, seien sie zu Fuß abgerückt. Schließlich sei ein Leerzug gesandt worden womit sie nach Staples gefahren seien. — Die Marokkaner und Senegalesen hüten am 2. Septeinber auf dem Durchmarsch nach Osten Paris passiert; der Vorbeimarsch hätte zwei Stunden gedauert. In Paris befänden sich viele englische und belgische Offiziere. Im übrigen liegen »och folgende Einzelnachrichten vor: W. B. Paris, 7. Scpt. (Nichtamtlich.) Es ist keinerlei Veränderung zu melden. Zwischen den znr Verteidigung vorgeschobenen Truppen und der Avantgarde des rechten deutschen Flügels kain cs zu eineni Zusammenstoß, der gestern größere Ausdehnung annahm. Die Franzosen rückten bis zum Ourco vor, ohne größeren Widerstand zu finden. Die Lage der Verbündeten ist int allgemeinen gut. Maubeuge setzt seinen Widerstand heldenmütig fort. W. B. London, 7. Scpt. (Nichtamtlich.) Ein amtliches Kommunique gibt einen allgemeinen Ueberblick über die französischen Operationen in der letzten Woche und sagt: Eine Hauptaktion bat nicht stattgcfnndcn. Es gab Treffen, die lediglich Zwischenfälle bei der strategischen RUckzugsbewcgung der verbündeten Truppen sind, die verursacht wurde durch den anfänglichen Zusammenstoß in Belgien und durch die ungeheure Macht, welche die Deutschen nach dem westlichen Kriegsschauplatz geworfen haben. W. B. Paris, 7. Scpt. (Nichtamtlich.) Ein Kommunique von gestern abend besagt: Auf dem linken Flügel haben unsere Armeen den Kontakt mit deni rechten Flügel des Feindes an den Usern des Grand Morin unter günstigc— Umständen wieder ausgenommen. Jin Zentrum und an dem rechten Flügel dauert der Kampf an. Die Abdankung des Pariser Polifeipräsekten. Genf, 7. Sept. Tie unzureichende Fürsorge für die aus den Vororten massenhaft nach den, Stadtinncrn strömenden Faniilien war eine der Ursachen der Demission des Pariser Polizcipräfektcn Sermion. Sein Nachfolger ist der Hauptsekretär der Präsektur Laurens. Kämpfe bei Velfort? Aus Basel wird unter dem 5, September berichtet: Fn der Richtung von Bclfort ist b c s t i g c s 8 c s ch ü tz f c » c r vernehmbar, Etwas Genaues über die Kampfe in der Südwcsteckc des Elsaß und an der lothringischen Grenze ist nicht zu ersahrcn. Turch S«. Ludwig und Ncucnbnrg werden eine große Anzahl sr a n - z ö s i s ch c G c s a n g c n er und Verwundeter gebracht, während andererseits frische deutsche Truppen in der Richtung nach Altkirch transportiert werden, Nene Krieaskredite in Frankreich. Genf, 7. Sept. Verschiedenen französischen Ministerien, dem des Innern, des Krieges und der öffentlichen Arbeiten, wurden neue außerordentliche Kredite bewilligt, Ihre Gesamthöhe beträgt 022 259 750 Francs. MktlLerude Kolo«>ialtr«ppeu in Marseille. Mailand, 7, Sept. Tie Union berichtet ans Marseille: In der Stadt geht das behördlich unwidersprochene Gerücht, daß i» der Kaserne der Kvlonialtrnppen die ncncingczogcncn Mannschaften, denen die französischen Niederlagen bekannt waren, gemeutert haben, Tatsache ist, daß die Kaserne seit drei Tagen geschlossen und von jedem Verkehr mit der Zivilbevölkerung abgeschlossen ist, Fn den Kasernemcnts liegen zwei Ersatzregimcnter der Garnison Tunis. Paris als Festung. Angesichts der Einschließung und Belagerung von Paris, die in der nächsten Zeit bevorsicht ivcrdcn die nachfvlgcnden Aus- siihrungcn über die Pariser Festungswerke nicht ohne Jntcrcsic sein: Tic Bescstignngsanlagcn van Paris bestehen ans drei, ihrem fortifikatorischen Werte nach sehr verschiedenen Gruppen: 1. der festen Umwallung der Stadt; 2, der Linie der älteren Forts, welche beide unter dem Ministerium Thiers und unter der Regierung von Louis Philippe in den Fahren 1841—1844 mit einem Answande von 140 Millionen Francs ausgesiihrt wurden, wovon »ngesähr 75 Millionen Franken ans die Umwallung cnt- sicicn: 3. der Linie der ncnen Forts, Tic alte Umwallnng hatte bei einem Umfange von 36 Kilometern 93 bastionierte Fronten ohne Vorwerke, davon 67 aus dem rechten, 26 auf dem Unken Scine- llfcr. Zurzeit haben nur mehr einige Punkte im Süden »nd Osten militärischen Wert, der westliche und nordwestliche Teil ist daher von der Porte d'Anteuit bis zum Kanal von St. TcntS (Pantin) ausgelaffen worden. Nach einer im Fahre 1884 vorgenommenen Vermessung nimmt die ganze Stadtumwallung einen Raum von ungefähr 400 Hektar ein, was damals schon einen Wert von mindestens 242 Millionen Franken ergab. Tie Uncwaltung hat nur wenige und unzureichende Hohlbautc». Der Durchmesser beträgt von Norden nach Süden 9, von Westen nach Osten 10,5 Kilometer, die größte Ausdehnung von Point de Jour im Südwesten bis zur Porte de la Villctte 13,5 Kilometer. Turch die Umwallung führen 67 Tore, darunter 9 Eisenbahn- durchlässc. Tic älteren Forts, von denen die im Kriege 1870/71 sogar teilweise sehr stark beschädigten wieder vollkommen hcrgc- stcllt wurden, haben, wie in der Kölnischen Volkszcitung ausgesiihrt wird, gegenwärtig nur mehr Wert als Reduits und Nachschnb- magazinc für die weiter vorgeschobenen neuen Werke, Ter alte Fortsaiirtel hat 55 Kilometer Umfalrg, 19 Kilometer Tnrchmcsicr von Westen nach Osten und 16 Kilometer von Norden nach Süden. Tie durchschnittlich nur zwei bis drei Kilometer von einander entfernten und drei bis fünf Kilometer weit von der Umwallung vorgeschobenen Forts babe» sämtlich Bastionär-Grundriß, starkes Wallprosil, zahlreiche Traversen, trockene Gräben, bombensichere Unterkunftsräume, teils in Wallkascmatten ans den Kurtinen »nd Flanken, teils in freistehenden Reduits »nd Kasernen, aber keine Raveline; hingegen haben einzelne zur größeren Sicherheit Horn- und Kronwcrkc vorgclcgt. einzelne haben auch Kavaliere seine Art Bastion in älteren Festungen). Seitdem wurden in bezug auf Konstruktion und Material, wie auch auf Armierung wiederholt zeitgemäße Acndernngen, Verstärkungen und Vcrbcffcrungcn vorge- »ommcn, so erhielten beispielsweise verschiedene Forts Panzcr- ttirmc für je zwei 155-Millimetcr-Gcschützc. Fnsvlgcdcsicn wurden naturgemäß die ursprünglich ans 60 Millionen Franken veranschlagte» Kosten auch weit Überschritten. Der leitende Grundgedanke für die Nenbcfestignng war das Bestreben, zunächst die Stabt selbst gegen ein Bombardement zu decken, sodann den Feind zu einer möglichst große» »nd damit auch umso schwächeren Entschlicßnngslinie zu zwingen und ein möglichst großes Gebiet für die Verproviantierung zu sichern und für die Unterbringung der Armee außerhalb der Stadt zu gewinnen. Sv entstand der derzeitige große Jortgiirtcl, der eine» Umfang von 125 Kilometern, eine Ausdehnung von 35 Kilometern von Norden nach Süden und von 42 Kilometern von Westen nach Osten hat und einen Ftächcnraum von rund 500 Quadratkilometern umfaßt. Das verschanzte Lager zerfällt in drei große Gruppen: 1. bas verschanzte Lager des Nordens, zwischen der unteren Seine und der Ardcnncnbahn, deckt die voraussichtliche Angrisfsrichtnng: 2, das verschandle Lager des Ostens, zwischen der Ebene von St, Denis und der oberen Seine, begünstigt vorzugsweise die Osfcnsioc in der Defensive und beherrscht die Endpunkte der feindlichen Operativns- richtnng: 3. das verschanzte Lager des Siidwcstcns, am linken Teincnfer, begünstigt und erleichtert die Zufuhr in die Stadt aus dem Gebiete der unteren Seine und der Bcauve, weiche zunächst wohl der feindlichen Einwirkung noch am wenigsten ausgcscSt sind, Tie einzelnen Werke haben verschiedene Stärke, nämlich Besatzungen vv» 1200 und 600 Mann und Armierung von 60 und 24 schweren Geschützen, Die Batterien und Stcönilcn sind kleinere geschlossene Werke mit bombensicheren Nnterkunftsräumen, haben Besatzungen bis zu 200 Man» und in der Regel 6 Geschütze; einzelne Forts sind durch Annexbattericn verstärkt und fiankiert. Die Kriegslage in Belgien. W. B. London, 7. Sept, (Nichtamtlich). Aus Ostende wird gemeldet: Ein Teil des Landes, besonders Mecheln, ist von den belgischen Genietruppen unter Wasser gesetzt worden, Terniondc wurde gcräunit. Reservisten ans Lille erzäbltcn, daS Land fei mit einer Kriegskontribntion von 200 Millionen Francs belcgt worden. In Lüttich beginne sich Mangel an Nahrungsmitteln fühlbar zu machen. Gestern wurde aus einer „Taube" eine Bombe geworfen, die aber keinen Schaden anrichtcte. Heute früh flog eine „Taube" in großer Höhe über die Stadt Gent, anL der zwei Bomben geworfen wurden. sich auch schon gedacht, ab cs denn nicht möglich Iväor. daß wir und Frankreich uns im »alle eines russischen Krieges bewaffnet gegen- übersiehe» blieben, ohne uns anzusreise». Ich fr»a ihn, ob er in bcr Lage wäre, mir zu erklären, dach Frankreich aus einen derartigen Pakt eingehen wurde, Ta wir weder Frankreich zerstören, noch Gebietsteile erobern ivollten, könne ich mir denken, das; ivir uns aus ein derartiges Abkommen einlosicu würden, das uns die Neutralität Grohbritamriens sichere, — Ter Minister sagte, er wolle sich erkundigen, oerkannte auch nicht die Schwierigkeiten, beiderseitig bas Militär in Untätigkeit znrückzuhalten," Drittens um V-ß Uhr abends: . Meine Meldung von heute früh ist durch meine Meldung von heute abend aufgehoben, Ta positiver englischer Vorschlag überhaupt »licht vorliegt, erübrigen sich weitere Schritte im Sinne der mir erteilten Weisungen," Wie ersichtlich, enthalten diese Telegramme keinerlei Andeutungen darüber, das; ein Mißverständnis Vorgelegen habe, und nichts über die von englischer Seite behauptete Aufklärung des angeblichen Mißverständnisses. Ramfay Macdonald gegen die englische Kriegspolitik. Ter Führer der englischen Arbeiterpartei, Rmnsay Macdonald, peröffentlicht in der Wochenschrift Labour Leder einen Artikel über den gegenwärtigen Krieg, der die Uebcrschrfft trägt „Eine Autivort an Sir Edward Grey". Macdonald untersucht, aus welcher Seite die Anstifter des Krieges stehen, und er stellt fest, daß die russisch« Mobik- niachung Dcutschllaud gezwungen habe, den Krieg zu erklären,, das; Rußland und Frankreich sich dann bemühten. sowohl durch öffent- lichcn Trnck wie auch durch List, England dahin zu treiben, fl* mit ihnen zu verbünden und ihnen im Kriege beizustehcn, Tann führt Maedonakd wörtlich fort: „Während der Nntcrhmidümybn war Teulschland bemüht, sich mit England zu verständigen und man wollte den englischen Wünschen m manchen Punkten «utgegenkmnmcn. Gre,, wies aber alle deutschen Versuche kurzerhand ab und weigerte sich, mit dom deutschen Botschafter über die Frage der Neutralität Englands zu sprechen, Ties haben Asqutth nnd Grei; in ihren Reden im Parlo- nicnt verschwiegen. War Grey nicht in der Lage, den Frieden zwischen Rußland und Teutschland zu ivahrei;, so arbeitete er doch vorsätzlich darauf hin, England in den Krieg hineinznziehen und bediente sich zu diesem Zwecke Belgiens, Grey bedeutete in den legten acht Fahren eine Bedrohung des europäische» Friedens, und seine Politik ist ein Unglück für England, AIS Asquith und Grey im Parlament versicherten, daß England durch feine Entente mit Frankreich keine VerpstichÄmgen habe, so war das buchstäblich ivahr, im Wesen aber unwahr. Aus der Rede Greys vom 3, August und aus dem Blanbnch kan» man ersehen, wie di« Entonte England in ihre Netze verstrickt hat, Bon 1900 ab gab es einen regelmässigen Gedankenaustausch zwischen französischen und englischen Heeres- und Marlnefiihrcrn, Es entstanden Pläne für eine Korporation zu Bester und zu Lande, In Uebercinstiurmung mit diesen Plänen ließ die sran-zö- sische Flotte die NorMiste Frankreichs unbewacht, Tie Pläne waren überdies ans die Vorstellung begründet, daß Belgiens Neutralität in einem allgemeinen Kriege nicht rcspettiert werde . . . Tie Pläne wunden nach Petersburg gesandt, und ein Großfürst (ju sagen wohlunterrichtete Autoritäten), der Beziehungen »u der deutschem Partei in Rußland hatte, sandte sic nach Berlin, Teutschland wußte all diese Fahre, daß zwischen England und Frankreich militärtschc Vereinbarungen getroffen worden sind nnd das; Rußland seine militärischen Operationen in Zusammenhang damit führen soll. So litten wir uns in das fna>d,zäsch-russische Bündnis eirrgemischt, daß uns Ser Edward Gre» am 3, ?lugnst ,sogen mußte, wenn unsere Hände frei seien, so wäre doch unsere "Ehre gebunden. So widerstandslos hatte sich England verpflichtet, für Frankreich und Rußland zu kämpfen, daß Sir Edward Erreg den Versuch Tcutschlands, ums außerhalb des Streites zu halte», kurzerhand abwics. Deshalb konnte er nicht die ganze Wahrheit dem Paria- nient sagen. Er hat uns v c r s ch w i e g c n , das; n i ch t d i c Unabhängigkeit, sondern nur die Neutralität Belgiens gefährdet war und ließ uns glauben, die Unabhängigkeit dieses Staates iväre gerade so gefährdet, wie seine Neutralität. Auch hat er ims das Gespräch mit den; deutschen Botschafter vom 1. August nicht mitgeteilt. Und warum? Weil Sir Grc», ohne Mitivisten der Nativ». England so sehr an Frankreich und Rußland gebunden und sich verpflichtet hat, an der Seite dieser Mächte zu kämpfen, daß er nicht mehr tu der Lage ivar, über Neutralität zu verhandeln. Englands Einmischung ist nur die Folge der Greyschcn Politik," Samoa von den Engländern besetzt. Mailand, 6, Scpt, Aus London wird gemeldet, der deutsche Gouverneur von Samoa, welcher am 29, August kapitulierte, ist als Gefangener nach den Fidschi-Insel» gebracht worden. Tcutsch-Tamoa, das einen Flächenranm von 2573 Quadrat- ktlometer hat, und dessen Hanptinseln Sawaii und Upolu sind, ist 1889 in deutschen Besitz gekommen. Die Bevölkerung zählt rund 35 009 Personen, darunter etwas über 500 Weiße, von denen aber »ur 300 Tcutiche sind. Ta sich dort nur eine kleine Polizeitruppc befindet, war ein ernstlicher Widerstand natürlich nicht möglich. Für den Verlauf des Krieges hat diese als eine Selbstverständlichkeit zu betrachtende Besetzung ebenso wenig Bedeutung wie die von Togo oder die Wegnahme von Kiautschou durch die Japaner. Die Entscheidung über den Krieg, und damit schließlich auch über die Kolonien kann natürlich nur in Europa fallen. Ein neuer Gcw-iltstreich Englands. Konstantinopel, 7. Scpt. Ter englische Koniniandant iw Kairo belegte nach einem Privattclegrainm der Franks. Ztg. den Reservefonds der ägyptischen Dette Publiqne mit Be- schlag, ferner die flüssigen Fonds der dortigen s>dh»ionalbank und des Finanzministeriums, insgesamt acht Millionen Pfund Gold, die mit einem Spezialschiff nach London gesandt wurden. Für den Gegenwert wurden Zwangsnoten ausgegebcn. Ein englischer Kreuzer gesunken. Amsterdam, 7, Sept. Ter Nicuwc Rottcrdamsäic Courant meldet, der englische Kreuzer „Pathsinder", gebaut 1904, ist auf dem Weg von Tync nach Newcastle aus eine Mine gestoßen und gesunken. Biele Menschen sind dabei umgekommen. Katzenjammer in England. W. B. Rom, 7. Sept. Der Londoner Korrespondent des; Giornate d'Jtalia stellt die bittere Enttäuschung ötzs eng- lischen Publikums fest, das vergebens auf eine große Seeschlacht niit der Vernichtung der deutschen Flotte wartet. Dieses Warten ist um so peinlicher, als das deutsche Landheeo täglich in Frankreich vordringe. Außerdem müssen die Eng-> ländcr von den fortwährenden Vorstößen der deutschem Torpedoboote hören. Einige deutsche Torpcdogcschwader hätten sogar die englische Blockade durchbrochen und seien an? der englischen Ostküste erschienen. Eine längere Dauer dieses Hangens nnd Bangens nnd der Untätigkeit der englischen Flotte werde auf die englische Volkspsyche höchst niederschmetternd Mrkcn. Keine Revolution in Odessa? Von heni soeben st, Hamburg estigetroffeaen Mitglied« der Hain-, burgischen Sonnenfinfbermsexpcbftion Herrn Dr. Grass wird dem Hamburger Fremdcnblatt berichtet: Tic über Rumänien gekommenen Nachrichten über den Ausbruch einer Revolution in Odessa mit Straßcirkämpsen, Erschießung von höheren Polizei»^ beamten und Offizieren. Beschießung der Stadt durch ein russisches, Kriegsschiff usw, sind unrichtig. Bis 29, August, an ivelchem' Tage ich Odessa verließ, herrschten jedenfalls in der Stadt und Umgebung vollkommenste Ruhe und Ordnung. Di: in Odessa zirrllcksi gehaltene» Deutschen befinden sich ebenfalls außer jeder Gefahr, lmö', ihre Verschickung in andere Gouvernements ist, wie die staatlichen, Behörden noch, am 29, August versicherten, vorläufig nicht in Altssicht genommen. Die Sympathien der Muselmanen. .Konstantinopel, 6. Sept. Der vom Tanin mitgeteilte Entschluß des deutschen Kaisers, die zahlreich unter den französischen Gefangenen befindlichen algerischen nnd tunesischen Muselmanen in Freiheit sehen nnd nach den, Sitz des Kalifates geleiten zu lassen, macht nach einer Privatmeldung der Franks. Ztg. hier ungeheuren Eindruck. Die Pariser dc«»tschc Sozialisten und der Krieg. In der ausländischen Presse ist ein anonymes Manifest erschienen, bas den Anschein erwecken soll, das, der deutsche sozialistische Lcseklub in Paris „nach der allgemeinen Mobilisation" Stellung gegen Teutschland genommen habe. Es muß fcstgestcllt werden, daß sofort nnch der Mobilmachung der Vorstand »nd die meisten Mitglieder des Lcseklnbs in die Heimat zuriickgckchrt sind und keinerlei Manifest hinterlasien haben. Tum Dum Geschosse. W. B. Berlin, 8. Scpt. Ter Kriegsberichterstatter des Berliner Tageblattes meldet aus den. Grossen Hauptquartier: Ich habe in. Fort Montmedn in den Gcschoßkammcrn unzählige Duni- Tnm-Patroncn gefunden In Montmcdy waren die Patronen noch so verpackt, wie sic ans der Fabrik gekommen sind mit der Auf- lchrift: Poudre b f. Vif« 1912, 8 Eartouchcs. Alle Verpackungen waren gleichmäßig verschnürt, so das; man die Fcchrik auf de» Die erste fiel auf das Dach einer Schlosscrwcrkstatt in der Rue Bicnfaisance, die zweite auf den Boulevard des Hospices. Es wurde nur Materialschaden angerichtet. Belgische Parlamentarier in Amerika. Tie Kölnische Volkszcitung berichtet, daß die belgische» Parteiführer de Wiart, Hymans und Vandervelde sich über England nach Amerika begeben hätten, um in den Bereinigten Staaten für Belgien und gegen Teutschland z» wirken. — Eine anderwcitc Bestätigung hat diese Meldung bisher nicht gesunden. Noch ein gefallener Abgeordneter. Der bayerische Landtagsabgeordnete Loibl ist im Kampfe gegen Frankreich gefallen. Er war Landwchrhauptmann und hatte nach dem Tode des Majors die Führung seines Bataillons übernommen. Er stand im 45. Lebensjahre. Ucber die Haltung Schwedens erklärt die in Stockholm erscheinend« Norrköpings Tidniwgar, daß Schweden nunmehr eine Streitmacht von ungefähr 450 000 Mann auf die Bein« bringen könnte und daher wohl imstande sei, seine Neutralität zu sichern. Am Schluß der Ausführungen heißt es: die Neutralität, die wir bisher beobachteten, wollen wir auch weiter aufrecht erhalten. Ein Schweden, an die vielen Feinde Deutschlands ange- schlossen, ift aber etwas Undenkbares. Das mysteriöse Mißverständnis. Die Nordd. Allg. Ztg. wendet sich mit einer scharfen Erklärung gegen unwahre Angaben, die der englische Premierminister Grey im Unterhaus gemacht hat. Die Erklärung besagt: Nach hier vorliegenden Nachrichten hat Sir E. Grey im Unterhaus erklärt, die von der deutschen Regierung vcran- laßte Veröffentlichung des dcutsch-englischen Telegramm- Wechsels vor dem Kriege sei unvollständig. Fürst Lichnowsky habe seine Meldung über das bekannte Telephongespräch gleich darauf telegraphisch zurückgezogen, nachdem er darüber aufgeklärt worden sei, daß ein Mißverständnis vorliege. Dieses Telegramm sei nicht veröffentlicht worden. Die Times hat, anscheinend auf Grund von Informationen von amtlicher Seite, dieselbe Behauptung aufgestellt und daran die Bemerkung geknüpft, das Telegrainm sei von der deutschen Regierung unterdrückt worden, um England der Pcrfidie beschuldigen nnd Deutschlands Friedensliebe beweisen zu können. Wir stellen demgegenüber fest, daß ein solches Telegramm nicht existiert. Fürst Lichnowsky hat außer dem bereits veröffentlichten Telegramm, das um 11 Uhr vormittags aus London abgegangen war, am 1. August noch folgende Telegramnie abgesandt: Erstens um 1 Uhr 15 nachmittags: „. . . Der Prioatsekretär Str E. Grcys war eben bei mir, um usir zu sagen, der Minister wolle mir Vorschläge sür bi« Neutralität Englands machen, selbst für den Fall, daß wir mit Rußland wie mit Frankreich Krieg hätten. Ich sehe Sir E. Grey henk« nachmittag und werde sofort berichten." Zweitens um %6 Uhr abends: „Sir E. Grey las mir soeben die nachstehende Erklärung vor, die vom Kabinett einstimmig gefaßt worben war: Die Antwort der dentschcn Regierung bezüglich der Neutralttät Belgiens ist un- gemein bedauerlich, weil die Neutralität Belgiens die Gefühle dieses Landes angeht. Wenn Teutschland einen Weg sehen könnte, die gleiche positive Antwort zu geben, wie diejenige, die von Frankreich gegeben worden ist, würbe dies wesentlich dazu beitragen, die Besargnts imd die Spannung hier zu beheben, während cs auf der andern Seite äußerst schwierig sein würde, die öffentliche Stimmung in diesem Lande zurückzitdämmeu, ivenu eine Verletzung der Neutralität Belgiens durch einen der Kämpfenden stattfäichc, während der andere sie respektierte. Aus mein« Frage, ob er unter der Bedingung, daß wir die belgische Neutralität wahrten, mir ein« b«sttmntt« Erklärung über di« Neutralität Großbritanniens abgebcn könne, «rividcrt« der Minister, das sei ihm nicht möglich, doch würde dies« Foage ein« grosse Rolle bei der hiesigen öffentlichen Meinung spielen. Verletzten wir die belgische Neutralität in einem Kriege mit Frankreich, so würde sicherlich ein Umschwung in der Stimniung eintrctcn. di« es der hiesigen Regierung erschweren würde, eine freundliche Neutralität cinzunehmen. Vorläufig beständen nicht die geringsten Absichten, gegen uns feindlich vorzugehen. Man wurde dies, wemi irgend möglich, zu veoinctde» wünschen. Es ließe sich ober schwerlich eine Linie ziehen, bis wo- Wn wir gehen dürsten, ohne das, nia» diesseits einschrcitc. Er kani immer wieder auf die belgische Neutralität zurück und meinte, dies« Frage würde jedenfalls ctne große Rolle spielen. Er habe Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 55 Fandrem sah Hclgestad an, der mit einem Ausdruck von größtem Wohlgefallen Marstrand zunickte und dabei sagte: „Jeder Mann muß wissen, was er tut, und niemals bedauern, was daraus erfolgt. Ihr wißt, ist mein Wahlspruch, Herr Marstrand." „Abgetan also", sprach der Gildemeister. „Jeder nach seiner Weise. Will nichts bedeuten, wenn ein Mann seine Vorteile sucht, wo er sie finden kann. Zahle Ihnen den Preis der Kommission. Nach einer Stunde waren sie auf deni Wege zur Stadt. — Die Turmglocken schlugen siebenmal, der Morgen war wundervoll. Vögel sangen in den Bäumen, warm und sonnenvoll kam der Tag, aber Hannas Vorhänge taten sich nicht auf, und der kleine dicke Handelsherr zog dreimal seine ungeheure Uhr heraus, hielt sie ans Ohr, betrachtete Fenster und Haus, kehrte um, blieb stehen und ging endlich ärgerlich den beiden anderen nach, die schon am Signalturm standen und ihn erwarteten. Ani Hafen war längst die Arbeit in voller Tätigkeit. Der Gildevorsteher gab den Aufsehern, die ihn vor seinem Haust' erwarteten. Befehle, dann führte er Helgestad in seine Kon- torstube, wo Rechnungen und Handclskontos bereit lagen, und wo auch Marstrand Kontrakte unterzeichnen und die Verpflichtung eingehen sollte, nur mit Uve Fandrem in Bergen Handel und Verkehr zu treiben. Das Kontor des reichen Kaufmanns war klein und düster. Ein einziger, alter Buchhalter saß auf einem eben so alten Schreibbocke, denn trotz ihrer bedeutenden Geschäfte hatten die Handelsherren in der Stadt nicht viel zu schreiben. Sie bedurften weit mehr Arbeiter nnd Aufseher in ihren Magazinen als Gehilfen in der Schreibstube. In einem Winkel standen große Handlungsbücher hinter einem Gitterspind, das vor einem Jahrhundert vielleicht cinnial weiß angestrichen wurde, und die engen Fenster ließen eben nur so viel Licht in das Gewölbe, um ein paar nägelbcschlagene Juchtcnstühle mit hohen Lehnen und einen schwerfälligen Zahltisch zu erkennen. Der übrige Raum war mit Kisten und Kasten, Seehnndsfellen und Federbällen vollgestopft, und an der Wandscite stand ein künstlicher Bau hochaufge- tllrmter kleiner Fässer, die Marstrand bei seinen Bemühungen, sich durch dies Labyrinth zu schlängeln, beinahe über seinen Kopf zusammengestürzt hätte. Fandrcni rief ihm eine Warnung zu. „Ist ein feines Haus," sagte er, „mit tausend Ecken und Winkeln, die ei» weiser Mann besser benutzen kann als große Räume. Alles hat da seine Stelle, und sind lauter Leckerbissen, Herr Mar- strnnd, für gute Freunde, Honig und Hcdcmarken und Butter aus Flensburg." Sein Gelächter wurde durch die Mitteilung erklärt, daß diese Leckerbissen für die Mannschaften der nordländischen Schiffe bestimmt seien, deren Ladung Herr Fandrem kaufte, und welche nach altem Gebrauch mit Lebensmitteln beschenkt werden mußten. Das Beste und Frischeste wurde natürlich für diese unverdorbenen Magen nicht ausgesucht, daher kam cs denn, daß der Duft von Fett und Fleisch eine Mischung bildete, welche für den Uneingeweihten eben kein Rosenöl war. „Alles riecht gut, was Geld bringt," sagte der Gildcvor- stcher, „und wenn nian von Bergen spottend im Lande sagt, es sei viel weiter zu riechen, als zu sehen, so können wir nur wünschen, daß dies Wort niemals zu Schanden werde; denn je weiter man uns riecht, um so mehr Jachten liegen in unserm Hafen und um so höher türmen sich an der deutschen Brücke die Haufen Stockfische, Heringe und Tranfässer auf, deren Geruch uns so süß und wohlgefällig ist, wie den alten Gottheiten der Geruch ihrer Brandopfer, Widder, Schafe und Stiere, die ihren göttlick)en Nasen so besonders angcnchnl waren nnd doch eben auch nicht wie Ambra und Myrrhen gerochen haben können." ___ Nach diesem Witze zog Fandrem Marstrand an das Schreibpult, wo er ihn die Kontrakte durchlcsen und unterzeichnen ließ. Hierauf nahm Helgestad die Feder und stellte eine besondere Bürgschaft aus, durch welche er sich für den Betrag der Schuldsumnie verpflichtete, welche Marstrand an Waren im ersten Jahre von Fadrcm entnehmen würde. „Wie?" fragte der junge Mann erstaunt, „ist der Kredit, den Sie mir anboten, so gemeint, daß ein anderer für mich als Bürger eintrctcn soll?" „Ist Sitte so in Bergen," antwortete Hclgestad, „und tue es gern. Würde ohne Bürgschaft sich wohl so leicht niemand finden, der Euer Haus mit seinen Waren füllte." „Ich sollte denken," erwiderte Marstrand gereizt, „daß mein Besitztum, wenn nicht mein Wort nnd meine Ehre, Bürgschaft genug für jeden wäre." „Nuh!" sagte der Kaufmann unerschütterlich, «sprecht einmal wieder wie ein dänischer Junker, nicht wie ein nach- dcnkender Mann, der die Dinge betrachtet, wie sie sind. Wer soll wissen, ob die Balsclf einen Balken oder ein Brett liefern kann? Dazu gehören inancherlci Künste samt großen Mitteln. Denkt an Olaf, Herr Marstrand, tvelchcr jeden für einen Narren erklärt, der einen Schilling dafür aus seiner Tasch: holt. Endlich aber kalkuliert, ob ein Mensch in Bergen Euch kennt, denn ich allein." Marstrand war in hohem Grade mißvergnügt über die Entdeckung, daß auch durch dies neue Verhältnis seine Abhängigkeit von Hclgestad vermehrt werde. Er hatte im Gegenteil gemeint, damit den Anfang zu machen, seinen eigenen Weg cinzuschlagcn, und allerlei Pläne auf Fandrcms Wohlwollen nnd Kredit gebaut, jetzt war cs wieder nur Helge- stads Bürgschaft, die cs möglich machte, die harte Hand deS Berger.Handelsherrn zu öffnen. —Hclgestads Antwort zeigte ihm deutlich genug, wie sein Wohl in dessen Händen liege, nnd er glaubte in den gierigen Augen des alten ManncS Hohn über seine hilflose Lage zu lesen. Ter wüste Balsfjord war nichts ohne Hclgestads Geld. Er kain sich vor wie eine Fliege zwischen den groben Fingern dieses listigen Spekulanten, der sie nach Gefallen so lange flattern ließ, bis cs ihm Zeit fdjeinc, ein Ende damit zu machen. Tics Mißtrauen bemächtigte sich seiner in so hohem Grade, daß er alle Vor- sich vergaß. — „Ich mag Ihre Bürgschaft in diesem Falle nicht annchincn," sagte er gereizt. „Die Zahl niciner Verpflichtungen ist ohnehin so groß, daß ich sie nicht vermehren will.'! (Fortsetzung folgt.) ttftcn Blick erkannte. Ick, habe cinific Päckchen als Beweis an mich acnommcn. Tic Geschosse sind maschincnmässig ausgcbohrt. Das "och an der Spitze ist einen Zentimeter tief und einen halben Zentimeter breit. Auch fand ich bei gefallenen französischen Soldaten in den Patronentaschen angcscilte Geschosse. Im Felde herrscht grosse Empörung über diese Bestialität einer „Kultur- Englische Dementierkunst. In italienischen Blättern findet sich folgendcZ offizielle Telegramm aus London vom 31. August, zwei Tage nach der Schlacht bei Tannenberg: „Die russische Offensive hält auf der ganzen Front an. Die russischen Truppen greifen jetzt Graudenz an. Die vom deutschen Generalstab mitgeteilten Nachrichten über deutsche Siege in Ostpreußen sind un- beg, findet." Unterm Kriegsrccht. Das Kriegsgericht in Stettin verurteilte am Samstag den 39 Jahre alten, ans dem Gouvernement Pietrowo stammenden Arbeiter Grzegorski wegen vorsätzlicher Brandstiftung zum Tode. Der Angeklagte hatte am 4. August dieses Jahres in Neu-Arendsce bei Stralsund aus Rache gegen seinen Quartierwirt, der ihn wegen Gcwaltätigkcit vom Hose gewiesen hatte, das Wohnhaus anqc- zündct, das nebst einem Stall, einer Scheune und einem benachbarten Wohnhaus abbranntc. — Brandstiftung gehört zu jener Kategorie von Verbrechen, die nach den Kricgsgesctzcn mit dem Tobe bestraft werden. Maubeuge gefallen! 40000 Franzofen gefangen! (Amtlich.) W, B. Großes Hauptquartier, 8. Sept. Maubcugc hat gestern kapituliert. 40 000 Kriegsgefangene, darunter vier Generale, 400 Geschütze und zahlreiches Kriegsgcrät sind in unsere Hände gefallen. Ter Generalquarticrmcister: v. Stein. Der Vertrag des Sammelfricdcns in italienischer Beleuchtung. Rom, 8. Sept. Der zwischen den Mächten des Dreiverbandes in London abgeschlossene Vertrag hat nach Meldungen aus Paris die dortige Bevölkerung mit neuer Zuver- sicht erfüllt. Die römische Presse gibt der gleichen Auffassung Ausdruck. In hiesigen politischen Kreisen wird diese Auffassung nicht geteilt: dort betrachtet man vielmehr den Vertrag als ein Zeichen der Schwäche, weil er offenbar bestimmt ist, das durch die deutschen Siege heraufbcschworene Angstgefühl durch eine diplomatische Aktion vor der öffentlichen Meinung zu beschwichtigen. Auch wird die Frage erwogen, ob die Regierungen Englands und Frankreichs überhaupt berechtigt sind, einen solchen Vertrag, der wenigstens letzteres an den Rand des Verderbens führen kann, ohne Zustimmung der Parlamente abzuschließen. Der Papst als Jriedcnsvcrmittler. London, 8 Sept. Nack, einer Times-Meldung aus Rom wird eine der ersten Handlungen des Papstes ein Appell an die Mückte fein, den Krieg im Interesse der Menschlichkeit einzustellen. — Wie die Times weiter melden, habe Japan erklärt, dass es an dem Kriege in Europa nicht teilnehmen wolle. Es wolle sich nur die Vorherrschaft in den ostasiatischeu Gewässern und in der Südsec sichern. Die Türkei und Griechenland. Wien, 8. Sept. Die Südslawische Korespondenz meldet: Ihr Konstantinopeler Vertreter hat gemäß des Auftrages des Großwesirs eine Erklärung erhalten, nach der in den letzten Tagen die mit einer gewissen Absichtlichkeit verbreiteten Nachrichten über eine bedenkliche Wendung im Verhältnis der Türkei zu Griechenland grundlos sind. Die Ver- Handlungen mit Griechenland, die in günstiger Weise cinge- Icitet worden sind, werden von Halil Bey bei dem griechischen Delegierten erfolgverheißend fortgesetzt. Mit Griechenland wünscht die Türkei sich in Frieden über die Jnselfrage zu einigen und glaubt an die gleichen Intentionen in Athen. Verstimmung in Holland. Rotterdam. 8. Sept. Das langwierige Aushalten holländischer Dampfer durch französische Kreuzer beginnt hier Verstimmung zu erwecken. Neulich wurde wieder der Holland Amerika-Dampfer Nicuw Amsterdam, von Newnork nach Rotterdam unterwegs, angehalten und 4% Tag in Brest sestgehalten. Erbeutetes Flugmatcrial. Köln, 8. Sept. Ter Kriegsberichterstatter der Kölnischen Ztq. stellt fest: Bei der Suche »ach französischem Flugmaterial fanden wir bei Dcpcrdussin in einem Schuppen verpackt II) französische Doppeldecker und 29 Eindecker, mit der Trikolore und gefüllten Benzintanks. Augenscheinlich waren alle slugbcrcit. In einem andere» Raume der Dcpcrdnssinwcrkc in Reims wurden 39 bis 49 Gnomen und andere neuen Motoren gesunden. Sie sind in gutem Zustande: zahlreiches Ersatzmatcrial siel auch in unsere Hände. Der Gesamtwert des beschlagnahmten Jlugmatcrials beträgt eine Million. Der neue König von Albanien. Rom, 8. Sept. Mehrere Blätter erfahren aus Valona, dass ^.urhaii Eddin Efscndi, ei» Sohn des Sultans Abdul Hamid, durch die in Durazzo eingezogenen Aufständischen zum König von Albanien gewählt worden sei. Albanien soll ein von der Türkei unabhängiges Königreich werden. Ihm zur Seite steht ein Ttaats- rat, an dessen Spitze der wiederausgetauchtc Essad Pascha und der .Kommandant von Durazzo Jrfan Pascha stehen. — Dieser, ein büchst energischer Offizier, der in Lnbien gegen Italien kämpfte, stand anfangs in Diensten des Fürsten Wied, ging aber zu den Aufständischen über wegen Differenzen mit den holländischen Ossi- zieren. Parteinacknichten. Wieder frei. Genosse glich ard Wagner, der Redakteur unseres Braun- läiwcigcr Parteiblattcs, der vor einiger Zeit auf Veranlassung der Militärbehörde verhaftet wurde, ist jetzt wieder sreigelaffc» worden. Arbeiterbewegung, Ein Brudcrgruss des französischen Banarbciterocrbandcs. Der norwegische Socialdcmokraten veröffentlicht folgendes Schreiben, das dem Sekretär Ivcrscn des norwegischen Ba»- arbelterverbandes von dem Sekretär des französischen Bruderverbandes zugegangcn ist: Paris. 18. August 1914. Lieber Genosse Ivcrscn! Trotz der furchtbare» Katastrophe, in die der Militarismus uns gestürzt hat, verbleiben mir unerschütterlich in dem Glauben an den schlicsslichcn Sieg der internationalen Arbeiterbewegung, o,e un» den Frieden und die völlige Befreiung der Arbeiterklasse Iichern wird. w Außchuss unseres Verbandes zur Pflege internationaler Verbmöungcii hat auch beschlossen, die Beziehungen zu unseren ausländischen organisierten Genossen so weit dies eben möglich ist. aufrecht zu erhalten, in der Hoffnung, dass nach Kricgsschluss e» uns erlaubt sein wird, die Bande der Brüderschaft und Solidarität zwischen alle» in der internationalen Bauarbeiterorganisation stehenden Genossen zu erneuern. Wir wären glücklich, gerade unter den gegenwärtigen Verhältnissen die gleiche Versicherung von Euch zu empsangen. Mit Brudcrgruss A, P i c a r t. Ludwig Frank f g Ludwig Franks Heldentot ist nunmehr bestätigt & durch folgende Meldungen: ^ W. B. Berlin, 8. September. Bei einem Sturmangriffe in der Nähe von Luneville fiel am Z 3. September der sozialdemokratische Reichstags- > Abgeordnete Dr. Frank - Mannheim. Dr. Frank , I liegt nun mit zwei Mannheimer Landsleuten I zusammen bei Baccardt begraben. Berlin, 8. Sept. Der Vorwärts berichtet: I Genosse Dr, Ludwig Frank-Mannheim ist bei einem Z Sturmangriff zwischen Luneville und Epinal am 3. September gefallen. Dr. Frank wurde durch I einen Kopfschuß getötet. Das Gefecht, dem Dr. Frank B zum Opfer fiel, war fein erstes. Dr. Frank, der b landsturmpflichtig war, hatte sich zu Beginn des F Krieges als Freiwilliger auf Beförderung gemeldet p und war nach kurzer Ausbildung zur Front abgerückt. Z Heffeu nnd Nachbar gebiete. «ietzen und Umgebung. Höhere Kohleupreise. Das Kohlensyndikat hat feine Drohung wahr gemacht und die Preise von Hausbrandkohle um 3 Mk. die Tonne erhöht. Dieser Aufschlag gilt aber nur für die Mengen Hausbrandkohlcn, die von den Händlern in diesem Winterhalbjahr mehr abgenommen werden als im Somerhalbjahr. Sogar ein Blatt wie die Tägliche Rundschau schreckt vor einem Tadel nicht zurück nnd fürchtet, daß sich das Kohlensyndikat durch die Preiserhöhung zu seinen vielen Feinden neue erworben hat. Die Art, wie das Kohlensyndikat die Preise erhöht hat, zeigt am deutlichsten seinen Mangel an Patriotismus, aber auch seine Geschäftsgcwandtheit. Es erhöht nur die Preise von Hausbandkohle und hofft dadurch die Industriellen von einer Protestbewegung abzuhaltcn. Die Erhöhung der Preise soll aber nur für die Mengen gelten, die in dem kommenden Winterhalbjahr mehr abge- nommen werden als im Sonimerhalbjahr. Ta im Winter bedeutend mehr Kohle als im Sommer gebraucht wird, so werden sich die Kohleupreise im Handel nach dem an das Syndikat zu zahlenden Höchstpreise richten und die Händler einen sehr beträchtlichen Gewinn erzielen. Damit soll auch eine mögliche Opposition der Händler von vornherein unterdrückt werden. Das Kohlcnsyndikat, das seinen Mitgliedern unerhörte Gewinne garantiert nnd durchaus unrentablen Werken noch zu einer sehr anständigen Rente verhilft, das Kohlensyndiknt, das die Kapitalverbesserung vieler Gesellschaften ermöglichte nnd förderte, weigert sich, in Kriegszeiten auch nur einen kleinen Teil der Lasten zu tragen und verlangt von den Verbrauchern von Hausbrandkohle, also zuni größten Teil von der armen Bevölkerung, daß sie die reichen Zechen schadlos halten. Ter Kampf flcgen die Kriegsarbtitslosigkeit. In Erkenntnis der Tatsache, daß die beste Linderung der Kricgsnot in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit liegt, hat das Rcichsamt des Innern nach eingehenden Besprechungen mit den Vertretern von Industrie und Handel sowie mit denen der Arbeiterverbände bestimmte Grundsätze über die Mittel und Möglichkeiten ausgestellt, die zur Einschränkung der Arbeitslosigkeit und ihrer wirtschaftlichen Folgen ergriffen werden können. Im Anschluß an diese Grundsätze wendet sich nun auch das hessische Ministerium des Innern an sämtliche ihm unterstellten Behörden, nicht zuletzt auch an die Kommunalverwaltungcn, mit der Aufforderung, diese möchten innerhalb ihrer Zuständigkeit nach Kräften bei der Einschränkung der Arbeitslosigkeit Mitwirken, ebenso wie es nach der nur zu begrüßenden Ansicht des Ministeriums eine ernste Pflicht auch des Einzelnen ist, nach seinen Kräften dazu bcizutragcn, daß der Arbeitslosigkeit nach Kräften gesteuert wird. Das Ministerium bespricht in seinem Erlaß zunächst die Mittel zur zweckmäßigen Verteilung der vorhandenen Ar- öeitsmengcn. Bei der Arbeitsvermittlung soll durch Zusammenarbeiten aller örtlichen Arbeitsnachweise von Arbeitgebern, Arbeitern, Korporationen usw. mit dem öffentlichen Arbeitsnachweis dafür gesorgt werden, daß der örtliche Ar- bcitsbcdarf schnell gedeckt wird. Soweit diese Deckung örtlich nicht möglich ist, sollen die Verbandsnachweisc für ihren Be- zirk möglichst in Fühlung mit den wirtschaftlichen Vertretungen und Verbänden aller Richtungen die Ausgleichung Herstellen. Soweit dann in einem Verband Arbcitcrnach- srage oder Uebcrschuß auch nach Benehmen mit dem Nachbar- vcrbande nicht auszuglcichen ist, wird die Rcichszcntrale der Arbeitsnachweise für die Ausgleichung bemüht sein. Ferner macht das Ministerium auf die Beachtung des Grundsatzes: „Keine Einstellung unentgeltlicher Kräfte" aufmerksam. Wo Bchörden freiwillige Kräfte als Boten. Tchreeb- persvnal usw, eingestellt haben, sollen diese unverzüglich entlassen nnd durch bezahlt« Kräfte ersetzt iverdcn, solang« arbeitsfähige Arbeitslose vorhanden sind. Die Unterrichtsverwaltimgen sollen mit der Beurlaubung von Lehrkräften und Schüler» zurückhaltend sein nnd sie nur in wirklichen Notfällen — auch bei landwirtschaftlichen Arbeiten — gestatten. Auch Privatunternehmer sollen darauf hingewiesen werden, daß es gegenüber der bevorstehenden großen Arbeitslosigkeit patriotischer ist, l> der Ansicht des Ministeriums grösser« Liebcstätigkcil als eigene unentgeltliche Beschäftigt«»« in freien Stunden, Solche Tätigkeit soll ebenso wie die Beschäftigung der Schülerinnen im HandarbcitSunterricht sich grundsätzlich mir auf solche Arbeiten erstrecken, die nicht von gewerbliche,, Lahnarbeitcrinnen ausgcsiihrt ivcrben, z, B, aus Stricken von Pulswärmern oder Strümpfen oder ans ähnliches. Die Behörden solle» nach Möglichkeit ans die srei- Ivilligen Organisatstmen ' der Llebestätigleit cinwtrken, dass st« grundsätzlich thre Arheitcn möglichst durch bezahlte Kräste aussühren lassen und sich nur für die Lenkung und di« Organisation chreiximt- sicher Kräfte bedienen. Weiter macht das Mtiebstcrium darauf ausmerksam, dass es wirtschaftlich falsch ist, Arbeltskrästr zu irngnnsten der iiber kein anderes Einkommen verfügenden einznstellcn, für di« durch den Bezug von Ruheg«l>alt, Witwen- und Waisengcld oder Renten bereit» einiger-' maßen gesorgt ist. Nachdem der Erlass dann vor nmiötige Cinschränknngen des- persönlichen Bedarfs in den Kreisen der Wohlhabenden gewarnt hat^ besonders vor der Entlassung von Hauspersonal, wendet sich dos Ministcrtnm mit Entschiedenheit gegen die Einschränkung der Betriebe, Die Handels- oder sonstige Vertretungen sollen: die Unternohmer daraus hinivekseii, chre Betriebe möglichst aufrecht! zu erhalten und, wo angängig, aus Lager oder mit verkürzter Arbeitszeit zu arbeiten. Ferner sollen Untcvnehnicr ihre technischen und kaufmännischen Angestellten, wenn irgend möglich, nicht entlassen, sondern sich nötigenfalls mit ihnen lUver Gehaltskürzungen einigen. Namentlich soll aus die Vcrkehrsansdaiten zerr Anfrccht» crhalkung ihres vollen Betriebs erngcwirkt werden. Soweit Ge- iverbe darunter leiden, dass ihnen die Rohmaterial i«n jetzt nur zu erhöhten Preisen oder nur gegen Barzahlung geliefert werden, haben die Bchörden aus die entsprechenden Rohstossverbände, Kartelle,! Handelskammern, Handwerkskanimenn usw. dagogeü einznwirken- ' Dabei weist das Atinistcrinm in dankenswerter Weise auf bas Verhängnisvolle der lieber- imd Nebenarbeit hin. Damit möglichst' viel« Personen Beschäftigung erhalten könnet,, solle gegenwärtig ginndsätzlich keine Uebcrarbelt gemacht werden. Ans den, gleichen Gesichtspunkt erscheine es geboten, dass Behörden, besonders auch Kominunalvcrwaldungen, ferner Körperschaften und Private bhreft Angestellten oder Beamten Nebcimrd-eit nicht mehr noch Hause geben und diese Arbeit an Beschäftigungslose übertragen, deren cs unter den Handlungsgehilfen sehr viel« gibt. Auch die Verkürzung der Arbeitszeit, diese alte Forderung der Arbeiterorganisationen einpsiehlt da-s Mmiftertum als Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Im zweiten Teile des Erlasses werden dann die Mittel zur Beschaffung verniehrter Arbeitsgelegenheit erörtert, und zwar zunächst die Betätigung der öffentlichen Körperschaften. In der gegenwärtigen Lage werde die Sckxfffnng neuer Arbeit durch größere Aufträge in erster Linie von öffentlichen Körperflyaften ausgehen müssen. Auch wenn die öffentlichen Aufträge nur einen kleinen Bruchteil der normalen Beschäftigung der deutschen Volkswirtschaft ausmachen, so sei ihre Wirkung in dieser Zeit der Stockung sehr bedeutend. Durch gleichmäßiges Vorgehen aller öffentlichen Behörden werde das allgemeine Vertrauen gckrästigt und daniit erste Voraussetzung zu erweiterter Privatunter- nchmung geschaffen. Die öffentlichen Körperschaften können sich zurzeit am ehesten die erforderlichen Mittel verschaffen und auch Ausgaben zu Gunsten der Zukunft gegenwärtig in Angriff nehuien. Endlich sei zu berücksichtigen, daß besser als Armcnunterstützung in jeder Hinsicht die Gewährung von Arbeit ist. — Mit Unterstützung der Angehörigen von Kriegstcil- nehincrn scheint es in manchen Orten recht schlecht bestellt zu sein. In einer Anzahl Orte haben die Frauen, deren Männer in den Krieg gezogen sind, bis heute noch keinen Pfennig Unterstützung erhalten, trotz wiederholter Reklamation bei den) Bürgermeister. Ta wird ein großer Lärm von Kriegsfürsorge gemacht, aber die Bedürftigen erhalten nichts. Es sollte doch von den Behörden mal nach den) Rechten gesehen werden. Den betroffenen Frauen wäre aber zu raten, sich an die Krcisbehördc zu wenden, wenn sie vom Bürgermeister abgcwiesen werden. — Parteimitglieder im Kriege. Von den Mitgliedern unserer Wahlvcrcine im Kreise Gießen sind etwa 30 Prozent cinbcrnfen worden. Von 8 der größten Vereine, die zusammen 816 Mitglieder zählen, sind 107 Mann cingezogen worden: bei einer Anzahl anderer Vereine sind aber fast sämtliche Mitglieder fort, so daß im Kreise rund 30 Prozent der Parteimitglieder in den Krieg gezogen sind. Dieser Prozentsatz dürfte für ganz Deutschland zutreffen. Wenn man die Angehörigen der Gewerkschaften mit in Betracht zieht, so kann man annehmen, daß etwa-ein Drittel der Armee von der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften gestellt wird. — Tote des Gicßcncr Regiments. Im Wctzlarer Re» scrvclozarett st a r b am Montag der Musketier Karl kcintmcr aus Glashütten, Kreis Schotten. — Vrcwiindcte kamen in der gestrigen Nacht wieder etwa 70—80 an, darunter befanden sich auch eine Anzahl schwer verletzte. Im ganzen sind in den Gicßener Lazaretten etwa 830 untergcbracht, darunter 40—50 Franzosen. Letztere befinden sich im Garnison-Lazarett, die übrigen in den Kliniken, den. Siechenhause, im Saale Steins Garten usw. In Marburg sind ebenfalls viele Verwundete untcr- gebracht worden. Tort wurde am Montag der erste verstorbene Verwundete, ein Franzose, mft Namen Clement B e r g a r i beerdigt. Pfarrer Dr. Weber widmete dem Verblichenen, der 25 Jahre alt, in seiner fernen Heimat Frau und Kind, Vater und Mutter hintcrläßt, herzliche Worte und verband daniit einen Hinweis auf die schwere Dcrantwortting, welche diejenigen aus sich geladen, die unser Vaterland in diesen Krieg stürzten. Eine Ehrensalve bildete den Abschluß der Trauerseier. — Der Kriegszustand säubert. Uns wird geschrieben? In Frankfurt geht man gegenwärtig dem Dirnen- und Zuhältertnm scharf zu Leibe, Die Straßen werden, besonders in den Abendstunden, von allem lichtscheuem Gesindel gesäubert und freigehalten. Aber auch in anderer Beziehung hat sich der Krieg als reinigendes Element erwiesen. Seit Jahren prangte an den> „Kölner Hof" (Besitzer der bekannte „deutschvölkische" Hermann Laos und Absteigequartier des Reichstagsabgeordneten Werner-Gießen) die rnehrfache Inschrift: „Jüdischer Besuch verbeten!" Sofort nach Ausbruch des Krieges wurden diese de»> Verband „altrussischcr Lente-Ehre machcnderGJiischnftcn überpinselt unb ausgelöscht. Tcr Geschästsontisemltismus bat sich liier mal wieder in seiner ganzen unverhüllten Nacktheit gezeigt; denn in dem Kampfe um Geschäftsinteressen und angebliche „Neberzeiignngstreue" sind die e r st e r e n Sieger geblieben. Die hessische Landwehr und die Festung Mo»tm4dp. Das grobe Hanptgiiariicr hatte am 31. August gemeldet, da» die Festung Montmädy gefallen sei, nachdem der Kommandant mit der Besatzung gefangen genommen worden war. Wie dem Hess. Dolksfrcund, unserem Darmstädtcr Parteiblatt, initgetcilt wird, wurde diese Festung, ein Fclsenncst, in der Nacht voni 28. zum 29. August von hessischer Landwehr besetzt, nämlich vom zweiten Bataillon des Landwehr-Regiments Nr. 118, unter ihrem Regimentskommandeur Oberstleutnant Gros. Die Besetzung in der Nacht war so überraschend, daß unsere Artillerie, als sie am folgenden Morgen zur Beschießung der Festung auffuhr, entdeckte, daß Mont mädy schon von der braven Landwehr eingenommen war. Große Vorräte, 31 schwere Feldgeschütze nsw. fielen in die Hände unserer Truppen. — Antisemitische Hetzerei. Das Hamburger Familicnblatt berichtet aus Nürnberg: „In diesen ernsten Zeiten haben alle sonstigen Unterschiede onsgchört. (Das stimmt wohl nicht ganz. Red. d. Obcrh. Volksztg.s Draußen aus dem Feld wie hier in der Stadt betätigen sich Angehörige aller Stände und Konfessionen in treuester Pflichterfüllung fürs Vaterland. Die einzigen, die diese Eintracht stören und auch in diesen Tagen ihre hetzerische Wühlarbeit sortsctzcn, sind zur Schmach für unser Nürnberg — einige hiesige Antisemiten. An einer ganzen Reihe jüdischer Geschäftshäuser der inneren Stadt wurden rote Zettel mit antisemitischen Schmähungen angeklebt. Es genügt wohl, solche Gemeinheit der Gesinnung und der Tat ohne weitere Bemerkung hier niedriger zu hängen. — Die Zettel solle» Bruchstücke aus Reden des Abg. Werner- Gießen enthalten haben. Masuren. Das Land der Masuren, das jetzt durch die russischen Grenzllbcrsällc in den Bereich des össentlichcn Interesses gerückt ist, wurde im Osten zuerst von der Geißel des Krieges betroffen. Ein schönes Land! Hügel nnd Seen wechseln in bunter Folge ab. Zwischen den Masurischen Seen viele kleine Kanäle. So umspannt ein einziges großes Wassernetz das lachende Hochland. Weh dem, dem hier nicht von Jugend auf Weg und Steg bekannt ist. Gefahr droht ihm. ähnlich wie dem Fremden in den russischen Sumpfniederungcn. Eigenartig wie das Land sind auch die Leute Die Masuren, ein polnischer Volksstamm protestantischen Glaubens, sind ein kräftiger, meist blonder Menschenschlag. Große Anhänglichkeit an den heimatlichen Boden ist ihnen eigen. An allen Sitten nnd Gebräuchen halten sic treu fest. Auch sind sie gutmütig, bieder nnd gesellig untereinander. Bekannt ist ihre große Sangcs- frcude. An den langen Winterabenden versammeln sich die jungen Mädchen mit ihren Spinnrocken i» einem bestimmten Hause, mir Vorliebe dort, wo der Hausbesitzer als Musiklicbhaber und gewandter Geschichtenerzähler einen guten Ruf hat. Beim emsigen Spinnen lauschen dann alle den alten masurischen Märchen und Sagen, und während die Spindel schnurrt, erklingt ein Volkslied nach dem andern. Die masurischen Volkslieder zeichnen sich meist durch tiefes Empfinden aus und die Sangesweiscn tragen das Gepräge echter Einfalt und unverdorbenen Gcsühls in sich. Die masurische Sprache ist wenig schön. Sie ist sehr arm an Begriffen ilnd ein schwerverständllches Gemisch aus allen möglichen slawischen Brocken. Wer längere Zeit in Masuren zubringt, tut gut, sich die Landessprache anzueigncn: denn dem Fremden, der nicht masurisch spricht, begegnen die Eingeborenen mit schwer überwindlichem Mißtrauen. Das masurische Familienleben ist streng patriarchalisch. Tic Familienmitglieder hängen sehr aneinander, geben aber niemals ihrer Zärtlichkeit irgendwelchen Ausdruck, sobald Fremde dabei sind. Die Lebcnsgcwohnheiten, wie Kleidung, Wohnung und Esten, sind äußerst einfach. Einem Laster aber frönen die masurischen Männer: nur allzusehr huldigen sie dem Genuß von Branntwein. Sonst aber leben sie genügsam und fleißig auf ihrem Stück Land, das sic sorgsam bebauen. Mehr und mehr dringt auch die deutsche Sprache vor. Heute wird sie von den meisten Masuren wenigstens einigermaßen verstanden. Stehen so die Masuren auch nicht auf einer sehr hohen Kulturstufe, so sind sie doch alles in allem rin sympathischer Menschenschlag. Die Ausgabe der neuen Scheine zu 2 Mark soll am 11. d. M. beginnen, während die Scheine zu einer Mark erst später in den Verkehr kommen. Die Beschränkungen des Postverkchrs mit der Rheinpfalz sind ausgehoben. Dcmuach werden vcrschlostene Postsendungen jeder Art, insbesondere auch Pakete für Ort« in der Rheinpfalz bei dem Rcichs- postanstatten zur Beförderung wieder angenommen. — Vom Eisenbahnverkehr. Vom gestrigen Tag« ab verkehren folgende Schnellzüge auf der Main-Weserbahn: ab Frankfurt 8.29 Vm., an Gießen 9.44, ab Gießen 9.55, an Betzdorf 11.32, an Siegen 12.04, au vage» 2.25, an Esten 3.38, an Dortmund 3.18, an Köln-Deutz 1.12. Ter Gcgenzug fährt ab Köln-Deutz nach Frankfurt 8.44 Vm., ab Dortmund (1.50, Esten ab fi.20, Siegen ab 7.38, Betzdorf ab 10.35, Gießen ab 12.20, Frankfurt an 1.33 Nachm. — Die Bevülkcrungsziffcr der am Krieg beteiligten Rationen beträgt im ganzen 825 Millionen. Von diesen 825 Millionen Menschen sind 118,2 Millionen Deutsche und Oesterreich-Ungarn, während alle übrigen <700,8 Millionen) unsere Feinde sind. Es zählen Einwohner: Oesterreich-Ungarn 51,4 Millionen, Deutsches Reich 66,8, Rußland 107, Grotzbridaim:«« 423, Frankreich 39,0, Belgien 7,4, Serbien 4,3, Montenegro 0,3, Acmpte» 10, Japan 47, Marokko 8 Millionen. Bei Rußland ist aber dessen asiatisches Gebiet und hei England besten überseeische Länder, z. B. Indien Eanoda »sw. mitgcrechnet. — Vichpreisc und Kartosselpreise. Aus dem Kartosselurarkte in Frankfurt sanken die Kartoft'elpreis« erheblich. Jui Waggon kosteten 1 00 Kilogramm 0—7 Mk. : gestern wurde für den Doppelzentner 5%—0% Mk. bezahlt. Auf dom Haiiptviehmarkt machten die Schw c i ne p r c i s e erneut ciu« Abwärtsbewegung von 2—3 Pfennig pro Pfund Schlachtgewicht durch. Vollfleischige Schweine von 80—100 Kilogramm Lebendgewicht standen pro Psund Schlachk- gewicht 59—01 Pfennig, Voll fleischige Schwein« unter 80 Kilogramm Lebendgewicht, öre am Montag der Vorwoche mit 00—02 Pfennig gehandelt wurden , standen gestern 58—00 Pfennig im Preise. Ten gleichen Preisrückgang zeigten die 3. und 4. Qualität Schweine. Die Ochsen sanken im Preise um 1 —4 Pfennig pro Pfund Schlachtgewicht. Bullon und Kühe behaupteten durchweg ihre seitherigen Preise, während bei den Kälbern eine Haussebewegung einsetzte. Der starke Austrieb von 2519 Schweinen konnte bei gedrücktem Handel nicht gcräinnt werden, sodaß ein Ucberstand verblieb. — Ein Krankenauto, von Herrn Kommerzienrat Heichelheim gestiftet, stand gestern zur Besichtigung im Hose der Bürger- mcisterci. Es ist für 4 Krankenbahren sehr praktisch eingerichtet »nü zeichnet sich durch ruchigen Gang aus. — Watzcnborn-Tteinbcrg. Während zu der Erntezeit den Landwirten von alle» Seiten Hilfe angeboten und geleistet wurde, zcigcn sich diese zun, Teil rücksichtslos, sogar schofel gegen ihre ArhcitS- krästc. Diesen werden die Löhne in unerhörter Weise gekürzt, am liebsten iviirde inan ihnen garnichts bezahlen und ganz unisonst arbcilen lassen. Und dies zu einer Zeit, in dcr alle landwirtschast- Itchcn Produkte sehr gut im Preise stehe». Vielfach lasten sich auch die Arbeitsleutc mit einem Bettelpfennig abspeisen und verstehen nicht, ihre Rechte zu wahren. Knecht« und Mägde sind des Glaubens, daß durch den Krieg das Arheitsrdrhältnis sofort gelöst werden könnt« und erklären sül> dann mit den crbärmlichstcu Löhnen einverstanden. Von eiwcim hiesige» Bauer lvurde einem 19jährigen Mädchen, das bei ihm im Tagelohn für 1,50 Mk. pro Tag gearbeitet hatte, sage und schreibe fünfzig Pfennig für den Tag a»geboten! Und cs liegen allein non unserem Orte noch mehrere ähnliche Fäll« vor. Das beste rväre, die Namen jener Menschen in der Zeitung zu veröffentlichen, welche d!« durch de» Krieg hcrvor- «rusc»«» Verhält»,ff« dazu bciiutzcn, sich auf Koste» armer Arbeiter besondere Vorteile zu verschaffen. Solche Leute gehören öffentlich an den Pranger gestellt! fivdi Wetzlar. m. Tod bei dcr Arbeit. Im Hofgut« Löwental bei Nauheim geriet am Montag der Arbeiter Konrad Müller aus Oberkleen in die Sclbstbindcprcstc, wobei ihm dcr Kopf zermalmt wurde, so daß der Tod sofort cintrat. y. Krofdorf. Wie die Obcrh. Voltszeitung berichtet hat, wurde vorige Woche der erste im Kriege Gefallene, Genoste Pfeiffer, unter großer Beteiligung dcr Einwohnerschaft beerdigt. Wie üblich begleitete auch dcr Lehrer mit den Schülern die Leiche. Es erregt aber Entrüstung im Orte, daß Lehrer Hoffmaim gleich an, andern Tage die 01c buh reu für die Begleitung in dcr Höhe von 1,50 Mk. von den Angehörigen einsorderte. War das denn s o eilig und überhaupt, hätte es nicht schöner ausgesehen, wenn in diesem Falle auf die Gebühren verzichtet worden wäre? — Der Sohn des Gc- nietnderats 01cn. Stork ist in einem Gefecht des 1 lß. Regiments ebenfalls erheblich vcrivundct worden und liegt in cinem Gießcner Lazarett. Telegramme. Eine Schlacht vor Paris? WB. Berli » , 9. Scpt. Nach einer Rottcrdanicr Meldung des Berliner Tngcblattcs wogt gegenwärtig vor Paris £üi eine allgemeine Schlacht. Tic Mitteilung besagt »netter, daß dcr französische linke Flügel mit dem dcntschcn rechten Flügel Fühlung genommen habe: die englische» Truppe» hätten sich bei», Angriff auf die dcntschcn Armeen beteiligt. Nach dem Messagero sei die große Schlacht südöstlich von Paris im Gange: ans dieser Richtung vernchnic man in der Stadt den Geschützdonner. > Deutsche Truppen auf den» Schauplatz der österreichisch-russischen Riesenschlacht. Wien, 8. Scpt. Wie aus Krakau gemeldet wird, hatten die russischen Truppen am 20. August Radom (südwestlich Iwangorod) in Russisch-Polen verlassen. Art' 27. morgens kehrten die Russen aber in Stärke von 2000 Mann wieder zurück. Als sich abends die Nachricht verbreitete, daß deutsche Truppen herannahten, entstand unter den Russen eine fürchterliche Panik. In großer Hast und Unordnung verließen sie die Stadt. Die russische Infanterie hielt 6 Werst hinter Radom. Als sich nun russische Kavallerie-Partrouillen zeigten, glaubten sie, cs sei der Feind und begrüßten sie mit einem Hagel von Geschossen. Es gab viele Tote und Verwundete. 9 verwundete Pferde kehrten am 28. ds. Mts. ohne Reiter in die Stadt zurück. Am 29. August besetzten die Deutschen Radom. Ter deutsche Kommandant ließ sofort 18 polnische Häftlinge frei, darunter zwei Frauen. Uni die gleichen Kämpfe handelt es sich offenbar bei folgender Meldung: IV. 8. Breslau, 8. Sept. sNichtamtlich.) Von dem hiesigen stellvcrlrctcnden Oicneralkommando wird dcr Schlesischen Zeitung mitgctcilt: Unsere schlesische Landwehr hat gestern nach einem siegreichen Gefecht 17 Ossizicrc und 1000 Mann vom russischen Gardc- korps und dritten kaukassischcn Korps gefangen genommen. Immer wieder Dum-Dum-Geschosie. WB. Großes Hauptquartier, 8. Sept. Immer wieder finden unsere Truppen auf der ganzen Front bei den gefangenen Franzosen »nd bei 62 Engländern Dum-Dum-Gc- schosse in fabrikmäßiger Verpackung, wie sie von der Heeresverwaltung geliefert sind. Diese bewußte grobe Verletzung dcr Genfer Konvention durch Kulturvölker kann nicht scharf genug verurteilt werden. Das Vorgehen Frankreichs nnd Englands wird Deutschland schließlich zwingen, die barbarische Kriegführung seiner Gegner mit den gleichen Mitteln z» erwidern. Gent verhandelt. Amsterdam, 8. Scpt. Da die Dcutschcu zwischen Antwerpen und Gent vorriicken, hak dcr Bürgermeister von Gent Abgesandte zu Unterhandlungen an den deutschen Befehlshaber geschickt. Bekanntmachung. Die Gcschästsstiinden des Vcrsicherungsamteö und der Gerichls- schrciberci des Gewerbe- und Kausmannsgerichts — Geschäftszimmer: Kartciistraße 2, Seitenbau — werden bis ans weiteres von 8 Uhr vormittags bis t Uhr nachmittags festgesetzt. Innerhalb dieser Stunde» kann auch in dcmjclben Geschäftszimmer die Anrufung des Tchiedsamts für Mictsstreitigkeitcn erfolgen. Die Vergütungen für Verpflegung der in Bürgcrwohnungcn untergebrachten Truppen iverdcu am gleicher Stelle in den Stunden von 3 — 7 Uhr nachmittags gezahlt und zwar zunächst für die Mannschaften der Reserve und Landwehr. Gießen, den 7. September 1914. Der Oberbürgermeister. Keller. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlaa von Krumm & Eie., Gießen. Druck: Verlag Osfcnbachcr Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M zu verkehren, ist Pflicht eines jeden organisierten Arbeiters. Durch den Besuch desGewerkschaftshauses unterstützt der Arbeiter sein eig. Heim. Ia Speisen u. Getränke. Billig.Logii 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Wir haben fÜl* UflSCl 6 LCSCI* eine sehr exakt bearbeitete UebersichtsRarfe sämtlicher Kriegsschauplätze Europas in 8 Farben, Grösse ca. 60X70 cm, herausgegeben, welche sämtliche Kriegsschauplätze mit ihren Grenzen, Orten, Festungen, Flüssen und Eisenbahnen, soweit sie von der Militärbehörde zu veröffentlichen gestattet sind, darstellt. Preis nur 70 Pig 1 . OberhessischeVolkszeitung,Gießen Bahnhofstrasse 23 Telephon Nr. 2008 -0 «0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Versand nach auswärts gegen Einsendung des Betrages zuzüglich lOPfg. für Porto Martin Sri, (Hießen Schrilstrasrc 5 Zigarren - Spezial-Geschäft empfiehlt seine ans rein überseeischen Tabaken hergestclltcn Fabrikate bestens MMkilu.ZlMillos,R,uich-, Kan-11. Lchnupstabiikt. Spezialnarke Leander 10.50 12.50 14.50 16.50 18.50 20.50 MelinlilianH Friedrich Magnus Inhaber: Ebr. Maanuö Gleiten, Seltcrswcg 81 Telephon 916. XMlX Koks, Briketts, Holz Ia Nubkoblen I. II. III I» Antbrazitkoblc» Ia Hüttenkoks und GaSkokS vorzüglich für Zentralheizungen Ia Etiorni-BrikcttS Ia Union Briketts I» Brcunbolz Lieferung in jedem Quantum frei Haus zu den billigsten Tagespreisen