Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberdellll»« Volks,ettun, erscheint leben Werktag Abend tn Wichen. Der HbonnemtnUpreiS beträgt wöchentlich 15 ®f(w monatlich GO Psg. rtn!chi.Bri»grrlobn- Durch dtc Polt bezogen vierteljäbrl.lLOMk. Redaktion und Ervcdltion Glesien, v-bnbotsirasic 23, Ecke Löwrnaasie. Televbon 2Ü08. Inserate kosten die 6 mat gcspalt. Kolonclzeile oder deren Raum 15 Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abend»?»br kür die folgende Nummer tn der Expedition auigebea. Nr. 207 Gießen, Dienstag, den 8. Scptcmlicr 1914 . 9. Jahrgang Eine Brüskierung der Sozialdemokratie. Aus Berlin meldete gestern das Wolffsche Telegraphen- Lureau folgende uns tiesbcfremdendc Nachricht: Im Anschluß an frülicre ähnliche Besprechungen fand am Sonntag im Rcichstagsgebäude unter dem Vorsitz des ersten Vizepräsidenten Tr. Paasche eine Beratung führender Mitglieder der bürgerlichen Parteien in der Absicht statt, den festen Willen der Abgeordneten zu bekunden, die sicher den Reichstag und das deutsche Volk hinter sich haben, auch im Kampfe zur See alle Kräfte der Nation bis zu Ende cinzusetzen. Der hohen politischen Bedeutung des gefaßten Beschluffes entsprechend, wurde sogleich nach Beschluß der Beratungen nachfolgende Mitteilung dem Staatssekretär des Reichs,narineamts zur Kenntnis gebracht: Die Unterzeichneten Mitglieder des Reichstages erklären sich bereit, in ihren Fraktionen und im Reichstage dafür einzutreten, daß alle Maßregeln des Reichsmarineamts, welche die Kriegsnot erheischen, in ctatsrcchtlichcr Hinsicht und bezüglich der Rechnungslegung genehmigt werden. Insbesondere sind sic bereit, einzutreten erstens für den sofortigen Ersatz verlorener Schisse, zweitens für die sofortige Durchführung aller 1012 beschlossenen Maßnahmen, drittens für den sofortige» Bau des 1015 fälligen Ersatzes, viertens für d,e Herabsetzung der Lebensdauer der Schiffe von 20 auf 15 Jahre. Unterschrieben und gezeichnet: Dr. Paasche, Freiherr von Kamp, Erzbcrger, Gröber. Tr.Wiemer, Graf Westarp, Schulz-Bromberg. Konservative, Zentrum, Nationalliberalc »nd Fortschritt- ler haben also diese bedeutsame Entschließung gefaßt, ohne die größte Partei des Reichstags hinzuziehcn. „Es gibt keine Parteien mehr" — so hieß es vor fünf Wochen — hundertfältig ist dieses Wort seitdem bei allen nur niöglichen Gelegenheiten wiederholt worden. Und nun auf einmal, wo cs sich um eine Frage handelt, die für die Verteidigungskraft Deutschlands von größter Bedeutung ist, um eine Frage, die zu gleicher Zeit aber in den Lebensnerv der parlamentarischen Volksrechte, in das Budgetrecht des Reichstags eingreitt, schasst die bürgerliche Welt wieder Parteien, indem sie die sozialdemokratische Fraktion, die parlainentarische Vertreterin von 4 Millionen erwachsener deutscher Bürger, von der Vor- besprechung über die Maßnahmen ausgeschlossen hat, die notwendig sind, um die Vcrteidigungsmöglichkeiten Deutschlands auch zur See der gebieterischen Notwendigkeit dieser außergewöhnlichen Zcitumstände anzüpassen. In diesem Ausschlüsse liegt eine Brüskierung, liegt ein so schweres Mißtrauen gegen die Ehrlichkeit der von unserem Vertreter in der Rcichstagssitzung vom 4. August 1914 abgegebenen Erklärung, daß uns die Kritik des Vorwärts, der dieses Verhalten der bürgerlichen Fraktionen als einen „nn- erhörten Vorgang" bezeichnet, lange nicht scharf genug erscheint, wenn wir auch meinen, daß wir in besserer Erkenntnis der vaterländischen Notwendigkeiten die Abrechnung für diese Brüskierung uns ruhig für spätere Zeiten aufhcbcn dürfen. And an der Unerhörthcit der den Vertretern der Sozialdcmo- kratie zuteil gewordenen Behandlung ändert auch die lahme Entwicklung der Vossischen Zeitung nichts, die jetzt versichert, daß es sich lediglich um Vorbesprechungen gehandelt hat, die die Grundlage für Verhandlungen mit dem Reichsmarincamt bilde» solle. Nächsten Samstag solle die eigentliche Versammlung der Parteiführer stattsinden und zu dieser sollen selbstverständlich Vertreter aller Fraktionen eingeladen werden. Mit diesem Verhalten gegen die Sozialdemokraten hat man dem Voterlande wahrlich keinen Dienst erwiesen. Was werden die Millionen von Männern, die draußen im Felde ihr Blut und Leben wagen ini Vertrauen darauf, daß man >den gegebenen Versprechungen gemäß ihre politischen Vertreter daheim als gleichberechtigt betrachtet und behandelt — was werden sie sagen, wenn sie hören, daß man ihre Vertrauensleute, daß man ihre Sozialdemokratie so beleidigt. Ja, was man da tat, ist eine schwere Beleidigung, zu der >das Verhalten der Sozialdemokratie wahrlich keinen Anlaß gegeben hat. Gewiß, die Wahrung der parlamentarischen Rechte des Reichstags, auch während des Krieges, fordert und muß die Sozialdemokratie fordern. Sie muß fordern, daß auch mitten im Kriege der Reichstag cinberufcn wird, wenn es sich nötig macht, neue Mittel für unsere Sicherung >zur See und zum Kampfe gegen unseren schlimmsten Feind bereit zu stellen, gegen England, das erklärt und gezeigt hat, baß es entschlossen ist, den Krieg bis zur militärischen und vor allem bis zur wirtschaftlichen Vernichtung des Gegners zu fuhren. Wir stehen durchaus nicht an zu erklären, daß '»* !^' erer Überzeugung angesichts der jetzigen Kriegslage auch die Sozialdemokratie in Konsequenz ihrer Stcllung- nahme vom 4. August gar nichts anderes tun kann, als alle Mittel zu bewilligen, von deren Notwendigkeit für die Or gaiiisierung des äußersten Widerstandes gegen England die Reichsrcgicruiig und die Äriegsleitung uns überzeugen. And wir glauben uns da in Uebereinstimmung mit unserem Der Drirft. Zentralorgan, dem Vorwärts, zu befinden, der heute zu der Meldung, daß unsere Gegner nur gemeinsam Frieden zu schließen sich verpflichtet haben, klar und deutlich schreibt: „Der Beschluß bedeutet die Notwendigkeit, den militärischen Zwang gegen die drei Verbündeten gleichzeitig so unwiderstehlich zu gestalten, daß jeder Einzelne zum Friedcnsschluß geneigt wird. Daß dadurch der Krieg länger werden kann, als wenn etwa Frankreich allein den Frieden schließen könnte, ist klar. Aber damit mußte von Anfang an gerechnet werden." Hier handelt es sich letzt nicht um Fragen des Militarismus und der militaristischen Politik. Hier handelt es sich um Fragen der nationalen Notwehr; es handelt sich darum, daß wir um der Freiheit und Selbständigkeit unseres Volkes, um unserer wirtschaftlichen Unabhängigkeit und um unserer Kultur willen, die zugleich die Grundvesten der deutschen und damit der internationalen Sozialdemokratie sind, ailch unsere letzte Kraft dran setzen müssen, um unsere Gegner nicht über uns siegen zu lassen. Und wenn auch unsere Er- folge zu Lande bis jetzt überwältigende sind , der Selbsterhaltungstrieb fordert von uns weitere Opfer. Wenn in Belgien die Führer der Sozialdemokratie ins klerikale Mini- sterium des Krieges willen eintrat; wenn in England das parlamenfarische Komitee der Trade Unions in einem Mani- fest die Teilnahme der Arbeiterpartei am Kriege b illigt; wenn in Frankreich ein Guesde und ein Sembat ins Ministerium der Nationalen Landesverteidigung eintreten — ein Sembat, der noch wenige Tage vor Kriegsausbruch erklärte: „Das Biinbnis mit Rußland ist eine Kulturschande: bei dem Gedanken, daß unsere Staatsmänner durch russische Horden Deutschland überfluten lasten können, daß wir mit unserem Gelde den Arm des Zaren gegen die Träger der großen »nd gewaltigen Kultur des Germanentums waffnen, must jedem Franzosen die Schamröte ins Gesicht st e i g e » !" und wenn wir jetzt hören, daß unsere Gegner zum Kampfe bis zu Deutschlands Vernichtung entschlossen sind, dann werden wir dasselbe tun, was Compdre Morel, der bekannte Führer und hervorragende Parlamentarier der französischen Sozialdemokraten, am 29. August in der HumanitS tat: wir werden, so wie es durch Morels Mund die französischen Genossen ihrem Volke zuschwurcn, dem unseren zu- rufcn: „Unser Blut, unser Fleisch, unser Leben gehört Euch!" Verlangen aber dürfen wir von allen Volksgenossen, die nicht auf unserem Boden stehen, und von der Regierung, daß sie uns Gleichachtung entgegenbringen und daß sic unsere Rechte und die des Volkes ehren. Die Absichten der französischen Heerführer. (flcmcnccau, der ''eine eigene Zeitung L'hommc libre cinstellte, verteidigte in Unterredungen den Generalissimus Joffrc wegen den Vorwilrf, daß seine Saumseligkeit den gesamten Norden preisgegcben habe, Temporisieren sei nicht ab- dizicren. Das Talent Joffres bedürfe der Zeit zur Entfaltung. Vorläufig könne das Ergebnis der Joffreschen Strategie, die Einkreisung des Gegners zwischen Paris und Nancy als befriedigend gelten. Wenn die Absicht der Franzosen richtig sein sollte, oder wenn die Franzosen ein neues Verteidigungszentrum um Dijon suchen sollten, wie bereits früher angedeutet wurde, daun bezweifeln wir nicht, daß die deutsche Heeresleitung auch diese Absichten der Gegner nicht unbeachtet läßt und sic durchkreuzen wird. Das geht auch aus den folgenden Darstellungen des französischen Kriegsniinisters und des englischen Oberkommandicrendcn über die Bewegungen der deutschen Armeen hervor. Ein Communique deS französischen Kriegsniinisters Millerand aus Bordeaux vom Samstag mittag besagt: Auf unserem linken Flügel scheint der Feind die Stadt Paris gänzlich unbeachtet zu lassen und ein anderes größeres Ziel zu verfolgen. Ter Feind ist bereits über Reims hinausgerückt und hat La Ferteö-Sous-Jouerre erreicht. Er berührt westlich Argonne. Dieses Manöver hat aber weder gestern noch heute einen Zweck gehabt. Ans unserem rechten Flügel in Lothringen und in den Vogesen geht der Kampf nur langsam und stückweise mit abwechselndem Erfolge weiter. Maubeuge, das dem heftigsten Bombardement ausgesctzt ist, leistet blutigsten Widerstand. Paris am Vorabend der Belagerung. Paris rüstet sich, nachdem die Regierung samt den Parlamcn- taricrn es verlassen hat und nachdem auch der russisch« Botschafter JswolSki der Tapferkeit bester«» Teil erwählt und aus Angst vor der kommenden Voltscmpörung nicht einmal irach Bordeaux sich getraut hat, sondern ins neutraleAuslandge- gangen ist, imnmehr ernstlich auf die Belagerung. Ter Polizei- präsckt von Paris hat bekannt gegeben, daß von jetzt ab nur ein« bestimmte Anzahl von Toren für das Publikum geöffnet bleiben, die übrigen sämtlich geschloffen weiden. Die Militärzonen und gewisse Pmiktc deS nördlichen WeickM-daS von Paris ivurden geräumt. Ist den Außengcmeinden find auf Anordnung der Bürgermeister dir Fahnen eingezogen ivordeu. In einem Umkreise von 30 Kilometer lxtt der Militärgvilverueur alle Häuser räumen lasten, die daim vollkommen zerstört wurden. Dieselben Maßregeln wurden auch in LcoalloiS-Perrct, SureSnes und Ehampignn getrofsen: den Einwohnern dieser Lite wurdemur eine kurze Frist gegeben, ihre Hab- seltgkcitcn zusammen,zurasteit. DaS Boulogner Gehölz wurde teilweise wegrastcrt, die Wege nach Paris verbarrikadiert. Alle überflüssigen Ester suchst man aus Parts abzusch-iebcn, indem mau nach den Gvcnzprovinzen im Süden und Südosten fortwährend unentgeltlich befördernde Züge lau>son läßt. Tage Ves Schreckens. Der Genfer Kurier bringt einen Pariser Privatbrief feines Korrespondenten, der bedcntsaine Auslastungen über die Zustände in der französischen .Hauptstadt nach dem Erlassen deö RegiernnHsmaui- festes enthält. Er schreibt: Tie Ankündigung der Regierung, sic ivevdc nach außerhalb iidersiedeln, erfolgte erst, nachdem die gesamte Regierung Parts schon verlasse» ha^e, andernsall-S wäre «s ihr nicht mehr möglich «e- inescn, zu cntikonsmeu. Denn sofort-m-ach Bckanntwerden des Manifestes strömten Hunlderltauscn.de von empörten Menschen mul» den, Eltzsä und nach der Place de la Eoncovd« und crösfueien einen Steinhagel auf die Gebäude, ohne daß di« Polizei nennenswerte Anstrengungen niachtc, die Me,istbcnmenge abzudrängen. Die beiden Vortore des Elyses wurden zertrümmert. Nur ganz wenig« Fensievfcheiben blieben ganz. Bis »ach MittevNlacht dauerte» die Kundgebrengen des Volkes gegen die Regierung, als plötzlich der Matin durch Anschiäge bckanntgab. daß die Regierung bereits Paris verkästen habe. Es war wie ein« entsetzliche Botschaft, die in das Volk drang, inid di« Revolution wäre vielleicht schon> in dieser Nacht zum Ausbruch ge- kommen, wenn nicht die Polizei zu deni radtkaieu Mittel gegriffen hätte, sämtliche elektrischen Lampen der Stadt auf eine Stunde .zu verlöschen. Paris lag in Nacht, Aber di« Wut des Volkes, das sich scineni Schicksal schmählich überlasten sah, war unaussprechlich. Bedenklich erscheint dom Korrespondenten di« passive Haiti«,g der Polizei. Auch eingczogen« Reservisten nahmen an den Kundgebungen teil. Auf dem Place de Rivoii fraternisierten di« dortig» Wache uud etiva 25 Soldaten offen mit den Demonstranten. Kleine KavaUeriegefechte vor Paris. IV. 8. Berlin, 7. Sept. Wie das Berliner Tageblatt über Gens erfährt, sollen im Norden von Paris kleinere Kavallarir- scharmützel stattgcfundcn hoben. Der Auszug der Pariser nimm! feinen Fortgang. Kein Tri»mphein;»«i, in Bordeaux. Der Einzug Poincare in Bordeaux nahm einen trüben Verlauf. Eine unzählige Volksmastc hielt die zum Bahnhöfe führenden Straßen besetzt. Die Männer waren ernst und still. Die Frauen hatten ein bekümmertes Aussehen. Viele, deren Männer, Brüder und Väter im Felde stehen, waren in Tränen aufgelöst. Die An- kunsi des Präsidenten wurde nicht wie sonst mit den Klängen der Marseillaise, sondern mit einem kurzen Trommelwirbel begrüßt. Doch brach bei der Vorbeisahrt die Menge in brausende Hochrufe auf Frankreich aus. Poincare war sehr ergriffen und weinte. Mittlerweile erschienen die Pariser Blätter in Bordeaux in Form kleiner Flugschriftei,. II», den Mut der Bevölkerung zu heben bestätigte Poincare den Noiabilitäten der Stabt sein volles Vertrauen. Er gab seiner Hoffnung über den Sieg der sranzösischc» Taktik Ausdruck und crklärie, Frankreich sei nicht geschlagen, seine Heere seien alle noch intakt. Kein Separatfriede! Amsterdam, 8. Sept., 0.30 Vorm. Ans London wird nach eine,» Prioaticlcgramm der Frks. Ztg. offiziell gemeldet: Sir Edward Greg, Paul Eambon «nd Gras Benckendorjs haben eine Er- llärung untcrzcichnct, nach der England, Rußland und Frankreich sich gegenseitig verpslichic», während des gegenwäriigcn Krieges keinen Separatfrieden zu schließen. Die drei Regierungen sind iibcrcin- gekommcu, daß für dc» Fall der Beratung von Fricdcnsbcdingiiugen keine der verbündeten Regierungen Friedensbedingungen stellt, ohne zuvor die beiden Vcrbündcirn befragt zu haben. Von Belgien ist in der Erklärung nicht die Rede. IV. 8. London, 5. Sept. (Nichtamtlich.) Morntng Post erklärt, England müsse das günstige oder ungünstige Schicksal der französischen Armeen teilen. Irgendwelche Trennung beider Kräfte bedeute deck Anfang der Niederlage. Die Zukunft der deutschen Sozialdemokratie. Mit der Zukunft der deutschen Sozialdemokratie be- schöftigt sich der freikonscrvntive Landtagsabgeordnete Landrat v. Dewitz im Tag. Auch er kann sich der selbstverständlichen Erkenntnis nicht verschließen, daß der Weltkrieg auch in der inneren Politik ungeheure Umwälzungen zur Folge haben muß. Er gesteht: Ein Zweifel an der uationalcn Gesinnung eines Volksgenossen ist fürderhin auSgeschlostcn. Wer eigenwillig Gut und Leben für das Vaterland cinscvt, kann nicht dem Skeptiker verfallen. Tie Sozialdemokratie . . . wird wiedcrkommcn, aber doch wohl in anderer Gestalt. Ihre nationale Feindschaft s!> ist von dem besten Stück eines gesunden Patriotismus überwunden. Man wird daraus voraussichtlich poche» und darf auch sozialen Lohn dafür fordern. Herr v. Dewitz hat sich in seiner Gegnerschaft gegen die Sozialdemokratie so verrannt, daß er auch jetzt noch nicht klar zu sehen vermag. Er hat noch iininer den Mut, von einer „nationalen Feindschaft" der Sozialdeinokratie, wenigsten: für die Vergangenheit, zu sprechen, obwohl doch die Sozial- fccntoiratic am 4. August nur ansführte, waS sie in ungezählten Erklärungen immer und immer wieder cmgekllndigt hat. Sie hat niemals ihre Liebe zn Land und Volk verleugnet, nur daß diese Liebe etwas anderes war als die gewisser Gruppen, die ein Patent auf den wahren Patriotismus zu besitzen glaubten. Darum ist es auch falsch und geradezu beleidigend, wenn Herr v. Dewitz meint, die Partei würde auf ihre Haltung „pochen", und sic dürfe auch „Lohn" dafür verlangen. Auf Selbstverständlichkeiten pocht man nicht, es sei denn in der Not, um Verleumdungen abzuwchrcn. Und „Lohn" verlangt die Sozialdemokratie nicht, sie erwartet nur, dasi sich jene Volksmasscn, die bisher das Märchen von der Vaterlandslosigkeit der Sozialdemokratie glaubten, nach den: Kriege ihr zuströmen und unter ihrer Fahne für die großen Ideale der Menschlichkeit, des politischen und sozialen Fortschritts kämpfen werden. Dann wird der „Lohn" auch nicht Ausbleiben, den die Sozialdemokratie nicht für sich, sondern für das Volk erwartet, und den sic auch nicht als ein von oben hcrabfallcndcs Gnadengeschenk betrachtet, sondern als einen im Kampf gegen widerstrebende Interessengruppen zu erringenden Gewinn. Herr v. Dewitz rechnet freilich anders. Er hofft aus nicht angegebenen Gründen auf einen Abfall der Massen von der Sozialdemokratie gerade jetzt, wo doch ihr Wesen als wahre Volkspartei auch für den Gegner klar erwiesen ist, und fügt hinzu: Das wird aber nur dann geschehen, wenn wir keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, dass selbst die prompte, gemeinsame mit den übrigen Volksgenossen betätigte Erfüllung der schwersten staatsbürgerliche,, Pflicht gegenüber dem äußeren Feind die Sozialdemokratie den bürgerlichen Parteien für den Innenstaat nicht gleichwertig macht, solange sic nicht ihr kommunistisches Programm begräbt. Es Hilst also alles nicht! Solange die Sozialdemokratie nicht vor der Kapitalistenklassc Kotau macht, ist sie den bürgerlichen Parteien „nicht gleichwertig". Das ist allerdings an sich eine ganz richtige Feststellung, denn wenn sich die Sozialdemokratie der Zumutung des Herrn v. Dewitz fügte, dann wäre sie wirklich genau soviel wert, wie die bürgerlichen Parteien. Aber so haben wir nicht gewettet, und die sozialdemokratischen Arbeiter verspritzen ihr Blut auf den Schlacht- fcldern nicht, um eine neue Gründerperiodc zu installieren. Indes hat's Herr v. Dewitz wohl auch etwas anders gemeint, er setzt das Wort „gleichwertig" für das Wort „gleich- berechtigt". Er will, daß die Arbeiterklasse, weil und so- lange sic Gegner des Kapitalismus ist, nicht als glcich- berechtigt anerkannt werden soll. Herr v. Dewitz und seine Gesinnungsgenossen wollen in Zukunft nicht mehr im Namen des Vaterlandes, sondern im Namen des Kapitals der Sozialdemokratie das gleiche Recht verwehren. Dieses Bekenntnis gegen den Gemeinsinn ist wertvoll, doppelt wertvoll in einer Zeit, die auch vom Reichen im Interesse der Volksgcsamtheit Opfer fordert. Man weiß jetzt wenigstens, wie das alles gemeint ist! Die Rieseiischlacht der Verbündeten geht weiter! Aus dem Kricgsprcsscquortier, 6. Scpi. Lemberg wurde am Freitag von den österreichischen Truppen freiwillig geräumt. Tic Russen beschossen noch Samstag morgen längere Zeit unsere verlassenen Stellungen. Di« österreich-uizgarische Hauptarmec hat Lemberg und seine Umgebung geräumt, nicht nur, iveil dort die militärische Vertvidi- gu.,ig Schwierigkeiten bietet, sondern auch, weil die Behauptung dieses Punktes bei der allgemein«» strategischen Lage nicht mehr vorteilhaft erschien. Tabei spielt« auch die Rücksicht mit. dass der Stadt eine durch strategische Notivcntigkeiten kcin«c-wcgs gercchlsertigtc Bcschiehung durch die russisch« Artillerie erspart werden soll. Tic zeitweilige Ausgabe der Stadt ist nur eine Episode nebensächlicher Art. Ter Kriegsberichterstatter der Franks. Zig. beurteilt die Ge- samtlog« uneingeschränkt günstig und vermutet, daß sich binnen kurzen, grosse Ereignisse abspielen werden. Ntifsischc Lüge. W. B. Berlin, 6. Sept. Ti« österreichisch-ungarische Regierung verösscntlicht folgende ihr vom Ministerium des Aeussern i» Wien zugegangene Depesche: Tie russische Meldung von der Schlacht bei Lemberg und der siegreichen Einnahme der Stabt ist erlogen. Tic offene Stadt Lvmberg ist aus strategischen und Humanitär«» Rücksichten ohne Kampf sreiwillig geräumt worden. Afraja. Ein nordischer Roman van Theodor Müggc. 54 Jetzt verstand Marstrand Hclgestads ganzen Plan nnd dessen Pfiffigkeit, die ihn empörte. — „Wenn aber die Nadel sich umkehrt," rief er aus, „und Euch selbst den Finger blutig sticht, wenn Björnarne sic nicht mag, die weder Herz noch Sinn für ihn hat, was dann, Herr Helgestad?" Der Kaufmann fiel in die Kissen zurück, zog die Nachtmütze über die Ohren und brummte, sich auf die andere Seite werfend: „Ist Unsinn, Herr, um den kein vernünftiger Mensch seinen Schlaf versäumen soll. Nehmt das Licht und geht in Eure Kammer. Björnarne will die Jungsra» nicht, die sein Vater ihm zuführt?! Eher schwimmt kein Fisch mehr in den großen Westfjord. Will sic nicht? — Ist lustig an- zuhören. Sage Euch, Niels Helgestad will, und damit ift’s genug." Am nächsten Morgen hatte der Hausherr seinen Rausch ausgeschlafen, aber auch die Genugtuung, dasi Helgestad erklärte, in keiner besseren Verfassung gewesen zu sein, was ihm seit Jahren nicht passierte, und was er nicht wieder zu erleben hoffte als an Hannas und Björnarnes Hochzeitstage. Der Gildcmeistcr machte dazu kein so ganz heiteres Gesicht wie gestern, und seine Blicke flogen von der Kaffetassc zu dem verhängten Fenster seiner Tochter hinauf: aber er brachte nach einigem Besinnen und Ucberlegen die Angeleockli- bcit in Ordnung. „Hanna soll dich begleiten," sagte er, „so schwer es mir auch werden mag, sie von niir zu lassen. Es ist gut, daß sie geht und selbst sicht, wo sie wohnen und leben soll. Mag Björnarne ihr Herz gewinnen, damit sie freudig ja sagt, und mögen beide dann kommen und meinen Segen holen. Ihr Erbe soll ihr werden; an ihrem Hochzeitstage zahle ich eine Mitgift, wie sic cs für Uve Fandem paßt." Die Ausnutzung der Liege im Zentrum. Das Frankfurter österreichisch-iingariichc Generalkonsulat stellt dem W. B. folgende Mel bimsen zur Verfügung: Tie Arm« Auffenberg nutzt ihr«,, Sieg von Zamosc-Komarow Lurch stürmisch« Verfolgung das Feindes aus nub vermehrt von Stunde zu Stunde ihre Troplxwn. Ter Angrfff der Armee Dankl auf Lublin dauert fort. Von den Blättern veröffentlichte Nachricht«,, über den Untergang der „Zenta" konstatferen den Heldenmut unserer Offiziere und Nkannschaften und die Barbarei des französischen Geschwaders, das die primitivsten Forderungen der Menschlichkeit missachtend, di« mit den Wellen ringenden Seeleute ohne Not ihrem Schicksal überließ. Die erste polnische Freiwilligenlcgion. T.-U. Kattowiss, 6. Sept. In Krakau wurde feierlich dtc erste polnische Fveiwilligenlegion unter österreichisches Kommando gestellt. Im Namen des polnischen Nationalkomitces verlas der Präsident «in Manifest, ivonach der vom Kaiser zum Befehlshaber ernannte Generalmajor Barzynsky mit einer Ansprache die Legion übernahm. Das einzige Bestreben der Legion werde der Kampf mit den, Feinde sein. Es solgte daraus di« Vereidigung der Legion aus die Kaiferidcc. Ten Schluss der Feier bildete di« Parade vor der Generalität und dem National-komilec. Siegreiches Gefecht ver Oesterreicher gege» die Montenegriner. W. B Wien, 5. Sept. Aus dem Kriegspresscbureau wird amtlich gemeldet: Das Armeckomniando hat heute folgenden Befehl er- lassen: „Die im Grenzrauine von Autovac stehende dritte Gcbirgsbrigadc hatte schon vor kurzer Zeit einen schneidigen Einbruch auf montenegrinisches Gebiet unternommen, der von Erfolg gekrönt war. Nach kurzer Zeit der Ruhe uutcr- nahm diese tapfere kleine Schar am 30. August neuerlich einen Vorstosi gegen die vor Bileca stehenden, an Zahl überlegenen montenegrinischen Strcitkräfte. In heldenmütigen mehrtägigen Kämpfen gelang cs der unter dem Kommando des Generalmajors Heinrich von Pongracz stehenden tapferen Brigade, die Montenegriner unter großen Verlusten zurück- zuwcrfcn und ihnen ein schweres Geschütz abzunchmcn, sowie die hart bedrängte Grenzbefestigung von Bileca völlig zu befreien. Ich betrachte es als Ehrenpflicht, diese von Heldenmut und Opferfreudigkcit zeugenden Taten der tapferen dritten Gcbirgsbrigade allen Kommandos und Truppen sofort mit dem Beifügen bekannt zu geben, dasi ich selbstverständlich nicht ermangele, diese Ruhmestaten unserer Kameraden im Süden Seiner Majestät alleruntcrtänigst zu melden, gez. Erzherzog Friedrich, General der Infanterie." Englische Schiffsverlnste. Das englische offizielle Presscburcau teilt mit, dass bas englische Torpedoboot „Spccdy", gebaut 1898, ferner das Tampsboot „Lindscll" auf Minen an der englischen Ostküstc gestoßen und gesunken sind. Daily Telegraph berichtet, dass ausser dem bereits belanntcn Verlust der Grimsby-Bootc noch der Verlust folgender Boote, die anscheinend ans Minen gestossen sind, zu befürchten ist: „Argonaut", „Eastor", Riclco", „Lobelin" und „Ajax", von denen Rettungs- gürtcl und zahlreiche Schiffstrümmer ans der Nordsee gesichtet wurden. Die Südslawische Korrespondenz meldet ans Konstantinopcl: Wie an unterrichteter Stelle verlautet, liegt im Hafen von Aleran- dria ein schwer beschädigter englischer Kreuzer, der deutliche Spuren einer Bcschiessnng aufweist. Ansscrdcm liegen dort ein zweiter englischer Kreuzer, ein Torpedujägcr »nd zwei Torpedoboote, die nach Port Said flüchteten, im Dock in Reparatur. 15 englische Fischdampser gekapert. Nach einer Londoner Meldung gibt die dortige Admiralität offiziell bekannt, vier deutsche Torpedoboote hatten am 5. September 15 englische Fischdampfcr in der Nordsee samt Ladung gekapert und nach Wilhelmshaven gebracht. Kämpfe «m der griechisch-bulgarische» Grenze. Das strittige Gebiet von Oktschilar an der griechisch-bulgarischen Grenze war in den letzte» Augustlagen der Schauplatz heiliger Kämpfe zwischen den griechischen und den bulgarischen Truppen. Letztere versuchten nach der griechischen Darstellung sich plötzlich in den Besitz der Bahnstation Oktschilar zu setze» und die Griechen ans für sie höchst wichtigen Positionen zu vertreiben. Obgleich die bulgarischen Truppen zahlreicher als die Griechen gewesen' sein sollen, misslang der Versuch, „nd die Bulgaren wurden angeblich mit schweren Verlusten zurückgcschlagcn. Artillerie griff ebenfalls während des Kampfes ei». Auch auf griechischer Seite soll cs empfindliche Verluste gegeben haben. Tie Bulgaren haben bisher an der Grenze gegen Ncuscrbien und Griechenland, d. h. in dem Gebiet von Strumnitza und Oktschilar, insgesamt an die 80»«» „Zahlst die Trcißigtansend so oder so," antwortete Helge- stad, die Hand ansstrcckcnd. „Mag also sein," sprach Fandem. „Es ist freilich eine große Summe," fügte er hinzu, „ich will dich aber zufrieden stellen und Hanna glücklich wissen. Wird jedoch von eurer Seite ein Hindernis bereitet, so bist du mir verpflichtet." „Kennst Niels Helgestad," war die Antwort. Der Vertrag war somit nochmals durch Wort und Handschlag beglaubigt, und während des Frühstücks wurden nun die Geschäfte besprochen. Die Jacht sollte heut völlig a»s- gclccrt sein und dann sogleich ihre neue Ladung einnehmen. — Mit dem vierten Tage sollte Helgestad die Reise beginnen, und bis dahin war viel zu beschaffen. Alle für Marstrand destimmten Vorräte mnsiten ausgesucht und verpackt werden; der erfahrene Kaustnann entwarf alsbald den Bestellzettel, und es fand sich im ersten Uebcrschlage, daß die dafür zu zah- iende Summe wohl achttausend Taler betragen würde. Dagegen bewilligte Marstrand abschläglich seine Fische, die noch auf den Gerüsten am Westfjord hingen, und es wurde abgemacht, daß sic bei der nächsten Fahrt an Fandrem geliefert werden sollten. Ter Kaufmann bot ihm an, den Handel sogleich zu- beschließen und einen bcstiinmtcn Preis für die Vaage von achinndvierzig Pfund fcstzusetzen, wofür «r drei Spczicstaler zahlen und endlich sogar noch einen Vicrteltaler zulegcn wollte, allein, wie verlockend er sein Anerbieten auch machte und mancherlei Künste dabei anwandte, und wie ihn Helgestad unterstützte, der für diesen Satz ihm alle seine Vorräte antrng, Marstrand wollte sich nicht dgzu entschließen. „Mit dir", sagte Fandrem zu seinem Vetter, „kann ich solchen Handel nicht cingehen aus einfachen, offenen Gründen. Ter Fisch kann weit billiger werden, denn so schlimm steht cs nicht, wie man cs macht. Deine großen Vorräte brächten mir alsdann großen Schaden; überdies aber muß ich dir bar zahlen, während ich hier mit diesem jungen Mann, Mann zusammengezogcn. Tie Zahl der bulgarischen Baiidcninit^ glieder ist ebenfalls in den letzten Tagen wieder gestiegen. BergeblichL» Liebeewerbe,» in Spanien. . Tick. Mailand, 5. Sept. Tie llnionc meldet aus Madrid: Der! Impartial bringt einen Artikel über die in den letzten Tage» stattgefundenen Einwirkungen Frankreichs und Englands auf die spanische Regierung. Das Blatt versichert, dass Spanien ein Auf- geben seiner Neutralität unbedingt ablehnc, desgleichen die ihr an- gebotcne Polizeistclle in Französisch-Marokko, Ettttland als Aristister Japans. Tokio, 6. Sept. In der gestrigen außerordentlichen, Sitzung des Landtages gab nach einem Privattelcgramm dev Franks. Ztg. der Minister des Acußern einen Ucbcrblick üben die letzten Ereignisse. Er erklärte, daß anfangs August Großbritannien mit Hinweis auf den Vertrag Hilfe vom Japan erbeten habe, ca deutsche Kriegsschiffe den englischjapanischen Handel bedrohten und man sich in Kiantfchoir auf den Krieg vorzubcrcitcn scheine. , Drr Reichckinrzler air die Amerikaner'. IV. B. Berlin, 7. Sept. Di« Norddeutsche Allg. Ztg. brnigl folgende Mitteilung dez Reichskanzlers an di« Vertreter der Umtob- press und der Associatedpress«: Grosses Hauptquartier, den 2. Sept. 1914. Ich ivciss nicht, was mir» in Amerika über diesen Krieg denkt. Ich nehme an. dass dort inzwischen der TelegrammWechsel dos Kaisers mit dem Kaiser von Russland und dem König von England bekannt geworden ist, der iui- ividevleglbch di« Bong«schichte und das Zeugnis dafür nbtegt, wie deb Kaiser bis zum letzten Augenblick bemüht ffcmefen ist, den Frieden! zu erhalten. Diese Bemühungen imitzten aber vergeblich bleiben, bet Russland unter allen Umständen zum Kriege entschloss«,, ivar und England, dass durch jahrzchnie hindurch den dcnl schiel ndlkchcn Nationalismus in Russland und Franlkreich ermutigt hatte und di^ glänzende Gelegenheit, di« siel» ihm bot, di« lo oft betonte Friedend-! liebe zu bewähren ungenützt vorübergehen ließ, sonst hätte ivenigstensi der Krieg Deutschland mir Frankreich, uitb England vermieden werden können. Wenn sich einmal die Archive össne», so wird di« Welt erfahren, ivs« oft Teulschland England dle sroundschaflliche Hand ontgcgenstrcckie. aber England wollt« die Freundschaft mit Deutschland nicht. Eifersüchtig ans di« Entwickelung Deutschland nnd in« Gefühl, dass «y> durch, deutsche Tüchtigkeit und deutschen Fleih ch sogenannte NotftandSarbeiten können ihn nicht außer Kraft setzen. Wir empfehlen unseren Mitgliedern weiter, die Arbeitszeit nach Möglichkeit zu verkürzen, um so für di« arbeitÄose» Gehilfen wenigstens teilweise Arbeitsgelegenheit zu schassen, Die vielfach er»»»» gestellten Stnsrageu (!!), ob während des Krieges niedrigere Lohnsätze gezahlt iverden können, müssen wir aus das entschiedenste verneinen. Es wäre unmoralisch und höchst nnpatriotisch, wenn Arbeitgeber di« Notlage der Arbeiter aus- nutzen wollten, um di« Löhne hsrmtterzudrücken, Tic Verteuerung der Lebensmittel wirkt auf unsere Gehilfen nm so mehr, als diese infolge der schlechten Arbeitsgelegenheit in de» letzten Jahren Ersparniste nicht machen konnte». Jeder Gehilfe, der sich zu niedrigeren Löhnen anbictct, als der Tarif es Vorsicht, wacht seinen Kollegen genau so gut Tchmutzkonkurrcnz als die uns leider durch unsere Fachpresse so oft gekennzeichneten Meister. Wem, wir aus der einen Seite solche Handlungsweise verurteilen, dürfen wir sie andererseits nicht gutheißen, um so mehr, als Angebote der Ge- hilscn auf Lohnminderung nur durch die äußerste Not hervor- geruscn werden. Als selbstverständlich muß «S gelten, daß tn der jetzigen Zeit der Arbeitslosigkeit Uebcrstunhen nnd Sonntagsarbeit zu unterbleiben haben," Diesen erfreuliche» Standpunkt teilen auch die Militärbehörden, so weit sie als Vergeber von Arbeiten in Frage kommen. Das hat z. B, die Spandauer Militärbehörde dadurch zu erkennen gegeben, daß sie an den Verband der Sattler und Portefeuiller wegen Vermittelung von Arbeitskräften herangetreten ist und jetzt hat die gleiche Auffassung ein Hanptmann vom Bekleidungsamte des Gardekorps sogar in einer Versammlung von Arbeitern vertreten. In den Kreisen der Arbeiter Berlins, die Bekleidungsgegenstände für das Militär machen, herrscht nämlich große Unzufriedenheit über die Löhne, die ihnen von den Unternehmern gezahlt werden. Die Berliner Ortsverwaltung des Schneiderverbandes hatte sich daher mit den Militärbehörden in Verbindung gesetzt, um festznstellen, ob die von ihnen gezahlten Preise nicht eine angemessene Entlohnung zulassen. lieber das Ergebnis dieser Feststellung wurde darauf in einer Versammlung Bericht erstattet. Da hat sich nun ergeben, daß die Bekleidnngsämter nicht die Absicht haben, die Löhne zu drücken. Sie schreiben den Arbeitgebern vor, daß sie ihren Arbeitern ortsübliche Löhne zahlen, d. h. die in der betreffen- den Branche üblichen. Diese Löhne werden auch nachgeprüft, Ter Verband hat die Militärbehörde ersucht, die Unternehmer zu verpflichten, daß sie die erforderlichen Arbeitskräfte nur durch den Arbeitsnachweis einstellen. Die Zwischenmeister sollen bei diesen Arbeiten völlig auSgefchaltet werden. Der Verfannnlung wohnte, wie gesagt, auch ein Hauptmann vom Bekleidnngsamt des Gardekorps bei, der folgendes ausführte: „Die Bestrebungen, welche Ihr Herr Vorsitzender hier vorgetragen hot, unterstützen wir aus das wärmste. Wir wolle» nicht, dost Leute, die selber nicht arbeiten, sich an den von uns vcrtzcbene» Arbeiten bereichern. Auch wir sind dafür, daß das Zwischcmneister- system, das Schwibsnstem, unbedingt beseitigt wird. Jeder Fall ungenügender Entlohnung, der uns bekannt wird, wird nachge- priist. Im Frieden lassen wir sehr viel in unseren eigenen Werkstätten arbeiten »nd zahlen gute Lohn«, Ein kleinerer Teil wird in Strafanstalten angeserttgt. Die Drillich- und Köpersack,cn werden an den Verein Frauenhrlf« vergeben, der im Frieden 200 bis 300, jetzt ctiva 700 Arbeitcrmnen besckhistigt. Außerdem geben wir im Frieden unsere Arbeiten nur an solche Meister, von denen wir wissen, daß sie wir eins ge Gehilfen beschäftigen. Die Arbeiten Ansprüche an das Bekleidmigsämt ungeheuer groß unh man muss die Arbeiten nehmen, wo man sie herkrivgt. Daß sich da hin uni» wieder ein Zivischenmerster eingeschlichen hach war nicht zu vermeiden: aber wenn wir bas erfahren, greisen wir sofort ein Ich unsere» Verträgen vdttangen wir, daß die ortsüblichen Arbeits- löhne gezahlt werden. Die Preise find so festgesetzt, daß diese Löhne in jedem Falle gezahlt werden können, Sv verfahren wir auch während des Krieges, Für alle Arbeiten, bbe in der Kriegs-' zeit angeserttgt iverden, zahlen wir 20 Prozent mehr als int, Frieden," Tie Ausführungen des Hanptmanns fanden stürmischer^ Beifall, In laute Ueberraschungsrufe brach die Versammlung aus, als der Vertreter des Bekleidungsamtes einzeln^ Preise bekanntgab. Es wurde festgestellt, daß die Arbeitslöhne weit hinter den Tarifsätzen zurückbleiben, ja daß ofst kaum die Hälfte der den Unternehmern gezahlten Preise qtt A rbeitslohn bezahlt wird. Der Vorsitzende des Verbandes) Kunze, gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Militär-f Verwaltung bereit ist, gemeinsam mit den Arbeitern für diL Ausschaltung unehrlicher Elemente unter den Arbeitgebers zu wirken und dafür zu-sorgen, daß auskömmliche Löhne gezahlt werden.. Das dürfte auch außerhalb Berlins sehr not-^ wendig sein. Gefährliches Krieqsspiel. Dem Berliner PKizeit«nicht vom 2, September entnehmen wirf bas Folgend«: Am' vssvner Straße angeschosten ivurbe die 14jährige Schülerin! Elisabeth H,, Ful-dasiraße 4/5 aus Neukölln. Als sich tue Kleine, auf den, Wege vom Riiigbahnhof nach der elterlichen Wohmmg be-> fand, ertönte plötzlich in ihrer Rühe ein Schuß >mb im nächsten.' Augenblick verspürte die H, einen brennenden Schmerz am linken! Oberschenkel. Wie sich Iierans-steUte, hatte das Mädchen ein«« Schuß erhalten. Das Geschoß war durch die Kleider in das Bein» ctngcdrungcn. Der unheimliche Schütze konnte leider nicht ermöt-i telt werden. Auch darüber, ob eine grobe Fahrlässigkeit oder die veriversliche Tat eines Schützen vorl-t-ogt, konnte nichts festgcstellst werben, — Een ähnlicher Fall eroigne-ie sich an der Ecke d«r Lau) sener- ».nd Wrthelniinensttaße in Oberschönewcide, Dort hat der Zeibungsverkämer Max Lange aus Berlin vinen ZctttingSftandü Als er gestern ahnungslos seine Zeitungen seitbot,, wurde ansl einem Nachbarhaus plötzlich «tu« Lustbtichse abgeseuert, und dass Geschoß traf L, im Gesicht. Am Nasenbein, nnmittclbar unter dem! Auge, erlitt der Getroffene eine starke Blutverlctzmig. Einem halbe,, Zenttmeter Iiöher und das Auge wäre verloren gewesen.^ Der Urheber der Schießerei konnte auch hier leider nicht ausfindig, gemacht werden. Diese Vorfälle sind leider sehr bezeichnend. Die Jugend aus Heist Straßen ist jetzt von dem Gedanken an den Krieg so stark beherrscht) daß sic nichts anderes mehr kennt, als im Spiel die Taten der Er-> ivachseieen nachahmen. Solange sie dabei Holzsäbel und Kinder fl indeir onivcndet, ist di« Sache verhältnismäßig harm-los. Aber es läßt sich begreifen, wen,, die älteren Kuaden den Wunsch haben, sich auch mit: gefährlicheren Waffe» zu versehen itn& „Heldenstücke" zu verüben) di« denen der Großen möglichst nahekom-m-en. Insbesondere für die Arbeitereltern erwächst hier di« dringende Aufgabe, die Kinder nach! Mögtichkeit von diesen, Treiben zuruckzuhalten. Die Jugend soll sich! gewiß der Siege freuen, aber es muß verhindert werden, daß dieses Freude sich in Tate» der Roheit äußert, und es wäre sehr zu nnüi*j scheu, daß gerade die Arbeiter mehr als es bisher zu geschehen, scheint, ihre Kinder auch über die, Schatten seiten des Krieges unterrichteten. Es ist «ine heilige Pflicht, die konmiende Generation er-' kennen zu lehren, daß es trotz allem für ein Volk noch erhabenere: Ziele gibt, als Tüchtigkeit im Kriege und daß mtter allen Umständem die Unvollkommenheit der menschlichen Natur und die Desorgam-) sation der Menschheit zu beklage» sind, die den Krieg bisher zw einer entsetzlichen Notwendigkeit gemacht haben . Die Feldpost. Warum den Angehörigen verschiedener Truppenteile ihre Post) scndungen aus der Heimat nicht oder so spät zugestellt wurde», da-, für liegen heute verschiedene Erklärungen vor. So schreibt der! Gcncralquarticrmcister v. Stein: „Aus Papieren, die in unsere Hände gefallen sind, geht hervor, daß der Feind durch das Vorgehen der Armeen der Generalobersten von Kluck und von Bliion» nördlich der belgischen Maas vollständig überrascht worden ist., Noch am 17, August nahm er dort nur deutsche Kavallerie an. Die Kavallerie dieses Flügels unter Führung des Generals von der Marwitz hat also die Armcebewcgungen vorzüglich verschleiert Trotzdem würden diese Bewegungen dem Feinde nicht unbekannt^ geblieben sein, wenn nicht zu Beginn des Aufmarsches und Vor« Marsches die Fcldpostsendungen zuriickgehalte» worden wären. Von Hccresanqchörigc» und deren Familien ist dieses als schwere! Last empfunden „nd die Schuld der Feldpost bcigemesten worden) Im Interesse der arbeitssreudigen und pflichttreuen Beamten der: Feldpost habe ich mich für verpflichtet gehalten, hierüber eine Auf-' klärung zu geben." Ferner teilt bas W. B. amtlich folgendes mit: Am 1. September ist in Frankreich ein Lastauto mit zahlreiche» Postsäcken für bas Fetdpostamt des Gardekorps und für die Feldexpeditionen der l.i „nd 2. Garde-Infanteriedivision sowie die 19. und 20. Infanterie-! bivision aus bisher nicht ansgeklärter Ursache in Brand geraten..' Tic Post wurde durch baS Feuer vollständig vernichtet. Es ist nicht' ausgeschlossen, daß der Brand durch Selbstentzündung von Zündhölzchen oder sonstigen seuergefährlichen Gegenständen, die in Feldpostsendnngen verpackt waren, entstanden ist. Anläßlich dieses Vorkommnisses wird daraus aufmerksam gemacht, daß Zünb- Hölzchen wie überhaupt alle durch Reibung, Luftziidrang, Druck oder sonst leicht entzündlichen Sachen mit der Post nicht versandt werden dürfen Durch Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot werden in erster Linie unsere im Felde stehenden Truppen geschädigt^ weil Sendungen mit leichtcntznnblichcn Gegenständen eine ständige Gefahr für die übrigen sehnsüchtig erwarteten Feldpostsendnngen bilden, * Und schließlich ermahnt ein höherer Feldpostbeamter, um die Arbeit der Feldpostbestclluna nicht unnütz zu verzögern, keine Bier« und Ulkkartcn zu schreiben. Auch möge man nicht zu viel Zigarren- und Tchokolabenbrlcfe senden, keine zu dicken Briese, die fast schon Pakete sind. Es handelt sich draußen um Millionen von Streitern, die Feldpost kann unmöglich ganze Eisenbahn,vaaen solcher Briese bestellen. Unsere Truppen leiden keine Not, im Westen erhalten sie alle Bedürfnisse geliefert, auch Zigarren nnd Tabak, Man tut bester, Liebesgaben den Truppcnteilen zu überweisen, die die Ber- tcilung selbst vornehmen. Die Feldpost soll in erster Linie dem Nachrichtenvcrkehr dienen. Ihn aufrecht zu erhalten, ist. schon schwierig. Darum nicht so viele 250 Gramm-Briese an die Feldtruppen, die diese Sendungen, wie die Dinge einmal liegen, vorläufig nicht erhalten können!_ n. Unternehmer-Praktiken. Reckt tvenig vaterländisch«? Gesinnung zeigt sich im Verhalten einiger Bauunternehmer.! So wurden z, B. vorige Woche in Wetzlar vom Bauimter- nehmer H. in der Zeitung Maurer gesucht. Viele Maurer waren froh »nd es begann auf das Geschäft des Herrn H. eilt solcher Sturm von Arbeitskräften, daß es ihm schon iwch einigen Stunden zuviel wurde, denn am Samstag bat eik eine Reihe um Arbeit, anftagende Maurer, abgewiesen, weil werden auch immer nur in kleineren Posten vergeben, sodaß eine ‘V, «vTSr "Xsi „ Weitergabe an Zwischennzeister ansgeschloffen ist. Jetzt ssnä-j Roch gläubig schlägt das Türkcnheer T Die Schlacht zum Ruhme seines Allah, wir haben keinen Odin mehr, tot sind die Götter der Walhalla. Seid was ihr wollt, doch ganz und frei ans dieser Seite wie auf jener, verhaßt ist mir die Heuchelei der kriegerischen Nazarener. Die schriftliche Anmeldung nicht vergessen. Sämtliche Män»- schasten, die zum Lanüsturm-Insantcrie-Bcrtaillon II Tarmstadt cingczogen waren und wegen zeitiger oder dauernder Untauglichkeit entlassen worden sind, haben sich unter Vorlage ihrer Militär- papierc beim Hauptmeldeamt II Darmstadt schriftlich anzn- meldc». Wer die Anmeldung verabsäumt hat, möge sic sofort nach- holen. Warnung vor dem Zuzug nach Lüttich. DaS Bezirkskommanbo Darmstadt schreibt: Nach Mitteilung des Gouvernements Lüttich ist eine Beschäftigung von Arbeitern wegen Stillstandes der Betriebe in Lüttich gänzlich ausgeschlossen. Arbeiter werden daher dringend vor Zuzug nach Lüttich gewarnt. Preiserhöhung von Konserven. Tic deutschen Konfcnxmfcbritcu haben sich „genötigt gesehen, eine Preiserhöhung von durchschnii.tiicf) 10, für ringeln« Torten bis zu 80 Psg. oiittreten zu lassen. Die vom Verbände deutscher Konservenfabriken früher beschlossenen Mindestpreis« sind von diesen wieder freigegeben worden. „Deutsche Verlustlisten". Tie im Reichs- und Staatsanzeiger als Beilagen erscheinenden Verlustlisten können jetzt im Post- (Einzel)-Abonnement bezogen werden. Der Bezugspreis beträgt monatlich 00 Psg., vierteljährlich 1,80 Mark, ohne Bestellgebühr. Tie Bestellungen aus dieses Abonnement nehmen sämtliche Post- anstaltcn des Reiches entgegen. Die zu bestellenden Listen führen die Bezeichnung „Deutsche Verlustlisten". Sie enthalten die Verluste der gesamten deutschen Armee »nb der deutschen Flotte. Der Einzclbezug der Verlustliste bei der Erpedition des Reichs- und Staatsanzeigcrs hört mit Einführung des Postabonnemcnts auf. Die Maul- und Klauenseuche herrscht fort in Groß-Bicbcr- a u, Kreis Dieburg, in Rüsselsheim, Kreis Groß-Gerau, in Mackcnheim, Kreis Heppcnheini, in Rodhcim, Kreis Fricdbcrg, in Stadecken, Essenhcim, Zornhcim und Ober-Olm, Kreis Mainz, in Welgesheim und Zotzenheim, Kreis Alzey, in Ober-Ingelheim, Dromersheim, Bubenheim, Engclstadt, Ockenheim, Ellvillcr Aue, Horrweiler, Frei-Wcinheim, Gcnsingen und Aspisheim, Kreis- Bingen, in Hahnhcim und Mommenheim, Kreis Oppenheim. Die Seuche wurde festgestellt in Messel, Kreis Tarmstadt, in Siedelsbrunn, Kreis Heppenheim, in Schornsheim und Wallertheim, Kreis Oppenheim. — Kricgsuntcrstiißung ist keine Armcnuuterstüßuug. Der preußische Minister des I>:»!«r.n erörtert in einem Erlaß vom 23. August di« Frag«, ob Unterstützung:,, aus öffentlichen Mitteln an Personen, di« durchs den Krieg arbeitslos- aeivorden und in Nct geraten sind, für die Empsängcr den Verlust öffentlicher Rechte zur Folge hab«„, und weist als maßgebend aus dais- ReichSgesetz betresseud dl« Einwirkung von- Armcnuiitersttitzung aus öffentlich« Rechte vcen 15. März 14)01) hin, in welchem bestimmt wird, daß >:>lS Ari,nu»t«r- stützitng-n nickt aiizufchen sind, Unterstützungen, die nur in der Form vereinzelter Lciftu.-gen zur Hebung einer augenblicklichen Notlage gewährt werden: Zur Begründung dieser Vorschrift ist in den Motiven des Gesetzes ausgeführt, cs entsprechen nicht den sozörl- poiitischcn Anschauungen der Gegemvart. daß jemand, der infolge einer augenblicklichen Notl-atze gc.zwiengen fei, die öfsenLche Armenpflege in Anspruch zu nehmen., wichtige öffentlich« Rechte verliere: man werde von einer solchen Person nicht sagen können, daß sic nicht mefjr die zur Ausübung öffentlicher Rechte wirischaftlick-e Selbständigkeit besttze. Hiernach besteht kein Zweifel, daß die durch den Krieg cinge- trcten« Arbeitslosigkeit als eine solche augenblickliche Notlage gelten muß und b-em zu folge die im Hinblick hierauf gewährten Unterstützungen,, di«, auch wenn sie wiederholt gewährt werden, doch nur vereinzelte Leistungen sein werden, nicht al» Armenuntcrstütznn- gcn anznsehen sind. Das Gesetz hat hiernach erfreulicher weis« Vorsorge getroffen, baß die drück:,idc Lage der zahlreichen Personen, die ohne Vcrich.nl- dcn durch den Krieg arbeitslos- und unierstützunqdbedürftig geworden sind. Nicht noch durch den Verlust öffentlicher Reche erschwert wird. — Blutdurst. Blut! schreien nun auch schon die Kinder. Wenigstens solche, die den Berliner Lokal-Anzeiger lesen. Aber nicht erwachsene Kinder, sondern kleine, z, B. ein Fritzchcn, das statt Milch nun auch mal Blut kosten möchte. Es dichtet den im Felde stehenden Vater zum Geburtstage an: „Lieb Pgpichen, ich denke dein, Auch wenn ü» nicht tust bei uns sein. Ich weine mir nicht die Augen rot, Tenn du schlägst ja die Feinde tot. Ach liebes Pgpichen, ich bitt, Bring mir nur einen einzgc» mit. Doch bitte, eine» möglichst heilen, Damit ich ihm lann mächtig keilen." — Ach ja, cs geht nichts über das treue deutsche Gcmiit! Pslcgc der Pscrdchusc im Sommer. Nicht nur durch mangelhafte Tränkung und Ueberanstrcngung leiden die Pferde im Soni- mcr, sondern auch Lurch ungenügende Pslcgc, die Len Pserdchufen zuteil wird. Die Hufe der Pferde werden bei der Hitze besonders leicht rissig. Es- ist daher dringend nötig, daß der Huf an Sohle und Hnswand täglich mit reinen, Wasser längere Zeit gewaschen und begossen wird. Ohne Feuchtigkeit kann der Huf der Pferde nicht gedeihen, er wird rissig und spröde, was durch Einfetten nur verdeckt wird. Werbet, die Hufe der Pferde regelmäßig mit Wasser gereinigt, so ist das Einscttci, hinterher entbehrlich. — Die Gicßener Freilichibühnc gab am Sonntag den im Siechen- Haufe uMeogobvachtmi Verwundeten auf der Waldbühne am Fichte »topf eine SorftcU.niflk im der eine Reihe Vorträge ernsten und heiteren Itchafis gelitten und Gedichte rezitiert ivurdcn. Dabei wurden in« Verwundetem auch mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Für Donnerstag nachmittag von 3—5 Uhr ist eine ähnliche Veranftaldimg vorgesehen. KreiS Wetzlar. I. Gleiberg. Als «in Opfer dos Krieges fiel nufer Genosse Wb. Laucht in den Kämpfen des Gi«ßcn«r Regiments. Lauch! war 25 Jahre alt und noch ledig, er war als Tadakarbviter bei Gail in Gießen beschäftigt. Di« Genossen iverdeir ihm ein ehrendes Aichemkeu beivahreu. Telegramme. Ab;;. Frank gefallen? Uebcr den Rcichsiogsabgeordneten Genossen Dr. Ludwig Frank, der als Kriegsfreiwilliger am letzten Montag zur Front abginq, sind vom Schlachtfeld«, in Franzöfisch-Lothringen widersprechende Nachrichten nach Mannheim gelangt. Nach cincr Postkarte, die ein Kriegsteilnehmer an eine Mannheimer befreundete Familie sandte und die der Mannheimer Generalanzeiger abdrnckte, ist Dr. Frank am 8. September gefallen: die Mannheimer Volksstimme dagegen schreibt, daß nach einer Mitteilung anderer Gcfechtstcilnehmer Dr. Frank nur leicht verwundet sei. — Nach weiteren der Frankfurter Zeitung zngcgaiigcncn Nachrichten ist leider kaum zu zweifeln, daß Frank am 8. ds. Mis. in Französisch-Lothringcn tatsächlich gefallen ist. 560b Serben gefangen! W. II. Wien, 7. Skpt. Ans dem Äriegopresscquarticr wird amtlich gemeldet: Das Armeeoberkommando erließ am 7. September folgenden Befehl: Es gereicht mir zur bcson- deren Freude, hekanntgeben zu können, daß ungefähr 4000 Manu serbischer Truppen bei dem Versuche, östlich von Mitrowitza iu unser Gebiet cinzubrcchen, gefangen genommen wurden. Bei dieser Gelegenheir wurde von unseren Truppen im Süden auch serbisches Kriegsmaterial crbcutrt. Ties ist sofort allgemein zu vcrlantbarcn. Erzherzog Friedrich, General der Infanterie. W. B. Wien, 7. Sept. (Nichtamtlich.) Nach späteren Meldungen erhöht sich die Zahl der bei Mitrowitza gefange- »eit Serben auf 5000. Vereinskalender. Mittwoch, 0. September: Wetzlar. Kartellsitzung. Die Gewerkschastsvorständc werden ersucht, fiir die in den Krieg Eingezogene Ersatzdelegierten z» bestimmen. Gekanntmachung. Wir suchen, zmn sofortigen Eintritt einen tüchtigeir. zuverlässigen möglichst verheirateten Kraftwaigenffihver für dauerirdc Stellung. Lohnan-siprüchc unter Beifügung von Zeugnissen imi> Angabe von Referenten sind zu riritzen a n di« Direktion der Etsk-tvizitätSwerkc und der Straßenbahn der Stadt Gießen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & Eie., Gießen, Druck: Verlag Lssenbacher Abendblatt. G. m. b. H„Offenbach a. M. Als Opfer des Krieges ist unser langjähriges Mitglied Reservist bei dem Inf.-Rgt, Nr. 116, Gießen | gefalle». Wir verlieren in dein Dahingcschiedenen einen eifrigen Turngcnosscn und werden ihm allezeit ein ehrendes Andenken [ bewahren. Freie Tiiriierschnft Gleiberg. Aui den Schlachtfeldern Frankreichs siel unser langjähriger treuer Mitarbeiter e /*, nt Reservist im Jnf.-Rcgt. Nr. 110. Er war u„8 jederzeit ein braver, rechtschaffener Kamerad, dessen Andenken unvergeßlich bleibt. Die Arbeitskollesten der Karitabakfabrik Gg. Phil. Gail in («iessen. fast 11(11 billig zu verkaufen. Bahnhosftr. 14 , 3 . Fahnen Hannover Vereins •Hednrfsartlkel. i cs* & E- & & £ s* G* Sä s Wir haben flll Uf1S6I*6 LCS01* eine sehr exakt bearbeitete Uebersiditslarfe sämtlicher Kriegsschauplätze Europas in 8 Farben, Grosse ca. 60X70 cm, herausgegeben, welche sämtliche Kriegs- Schauplätze mit ihren Grenzen, Orten, Festungen, Flüssen und Eisenbahnen, soweit sie von der Militärbehörde zu veröffentlichen gestattet sind, darstellt. Preis nur 70 Pigr. OberhessischeVolkszeitung, Gießen Bahnhofstrasse 23 Telephon Nr. 2008 Versand nach auswärts gegen Einsendung des Betrages zuzüglich lOPfg. ffir Porto Friedrich Badenstedt.