MkWsche VolkszeituW Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhesien und der Nachbargebiete. Dt« vderbeliil»« Volks,cttun« erscheint icden Werktag Abend IN Sichen Der Abonnement«prei» beträgt wöchentlich IS SBfa„ monatlich SO Pf«. rtnschl.Bringrrlobn. Durch die Bost bezogen vieiteljäbrl.tLOMk Redaktion und Ervcdltton Dieken, Dabnbofstraüe 82. Ecke LSweniasie. Telebbon 2008. Inkcrate losten die 6 mal gelpalt. Kolonelzetlr oder deren Raum IS Ps«. Bei «roheren Austrägcn Rabatt. Anzeigen wolle man bi« abend« 7 »Kr für die folgende Nummer in der Expedition ausgeben Nr. 206 Gicßcn, Montag, Den 7. September 1914 9. Jahrgang Krieg und Fortschritt. Was ist der Krieg für den menschlichen Fortschritt? Die einen sagen, der Krieg ist ein Rückfall in den Urzustand der Menschheit, ist die schonungslose Vernichtung aller in Jahrzehnten geleisteten Kulturarbeit. Die anderen meinen, der Krieg ist der Sturm, der alles Morsche hinwegfegt, allem Kommenden, Kräftigen die Bahn bricht, er ist der Hebel des menschlichen Fortschritts. In Friedcnszeitcn haben manche Politiker nach dem Krieg gerufen, weil sie von ihm die Vernichtung der Sozialdemokratie erwarteten. Fürst Bülow hat aber als Reichskanzler einmal gesagt, keine Regierung könne den Weltkrieg wollen, denn jede Regierung wisse, daß der Weltkrieg nur der Sozialdeniokratic zugute kommen würde. Soweit gehen die Meinungen auseinander. Die größten Fragen der Menschheit werden nicht i n dem Weltkrieg, sondern nach ihm entschieden werden. Schon Lichtenberg hat treffend bemerkt, es komme nicht darauf an, daß in einem Reiche die Sonne nicht untergeht, sondern darauf, was sie bcscheint. Es nützt wenig, Angehöriger eines großen siegreichen Staates zu sein, wenn man dabei wirtschaftliche Not und politischen Druck erleidet, und man kann sich leicht damit abfinden, einem kleinen, mit keinem Kricgsruhm geschmückten Lande als Bürger anzugehören, wenn man dort frei und in seiner Existenz gesichert ist. Viel wichtiger als die Frage nach der künftigen Landkarte Europas ist die Frage nach seinen künftigen wirtschaftlichen und politischen Zuständen. Nach 1815 kam die Heilige Allianz. Nach 70/71 kam das Sozialistengesetz. Was kommt nach 1914? Diese bange Frage hört man da und dort aufwersen. Aber 1815 gab es noch keine Organisation, keine politische Presse im heutigen Sinn, kein Parlament. Dem Volk fehlten alle Waffen, um die Ausnutzung des Sieges auch die Reaktion abzuwehren. Und in den Siebzigerjahren tvar die Sozialdemokratie eine kleine Partei, die, schutzlos den tollsten Verleumdungen preis-gegeben, einein niächtigen Gegner gegenüberstand. Und auch d e m ist es nicht gelungen, sie niedcrzuhalten. Noch kein großer Krieg ist in einer Zeit geführt worden, in der das Organisationswescn und die Aufklärung der Massen einen relativ so hohen Stand erreicht hatten wie vor dem Ausbruch des Weltkriegs. Darum gehen alle geschichtlichen Vergleiche fehl. Wir erleben etwas Ungeheures, und noch nie hat die Welt einen Krieg von ähnlichen Ausmaßen unter ähnlichen Umständen losbrechen gesehen. Aufwärts oder Abwärts! Tie großen Entscheidungeii bereiten sich vor, vor denen die Bedeutung der Völkerwanderung und der Kreuzzüge verblaßt. Diese Elementargewalt wird uns entweder mit allem, was wir gedacht, getan, gewirkt, in den Abgrund schmettern oder sie lvird uns mit sich sortrcißcn, weiter und höher hinauf, als wir es noch vor kurzem in den kühnsten Träumen zu hoffen gewagt hätten. Wohin der Weg geht, wird das Volk selbst entscheiden. Es wird nach dem Kriege zeigen müssen, ob cs versteht, auch im Frieden zu siegen! Paris hört schon de» Kanonendonner! Amiens in deutschen Händen. Wie der Lokalauzeiger aus Rotterdam erfährt, hat der Bcrjcht- erstattcr der Times solacndcs an sei» Blatt gemeldet: „Das Lome- tal wurde vou den Frau,ose» nusgcgcbcn. Amte n ö i s» i» deutschen Händen. Nachdem ei» blutiger Kamps gclicsert und die Engländer aus La Acre zurückgezogen worden waren, wurde dieses Tvort von den Deutschen genommen. Ter dreitägige Kamp? bei Amiens erreichte seinen Höhepunkt in einem blutige» Geseiht bei Bioreul wo der Erfolg wieder aus deutscher «eite war. Die Verbündeten zogen sich i» guter Ordnung zurück." Der Daily Ehroniclc meldet, das, sich deutsche Truppen schon bei Ereil zeigte», und sogar bei Scnlis, so daß der K a n o n c n d o n n e r bereits in Paris zu v c r » c h in c n sein dürste. Während dem Mailänder Eorriere della Sera berichtet tüird, daß die Franzosen Paris preisgcben und ihr Ver- ^wigungszentrum in das Gebiet von Morvant zwischen -V/ion und Ncvers verlegt haben, so daß daS Oisetal jetzt offen '---'at.nach einer Privatnieldung der Fr. Ztg. General lpnllieni folgende Proklamation an das Heer inParis und die Einwohner von Paris erlassen: „Tie Mitglieder der Regierung der Republik habe» Paris verlassen, um aufs neue die Landesverteidigung zu entflammen. Ich haste j> cn Auftrag, Paris gegen den Eindringling zu verteidigen, und werde diesen Auftrag bis zum äußersten ausführcn." Die Pariser Presse soll einstimmig der Ansicht sein, daß das verschanzte .Lage; üan Pqxis lange widerstehen wird. Ob Der Krieg. das nach den Erfahrungen von Lüttich, Nan>ur und Givet wirklich der Fall sein wird, darüber dürfte uns die nächste Zukunft schon Aufklärung bringen. Jedenfalls aber glauben wir nicht, daß die französische Armee ganz kampflos die Hauptstadt aufgcben sollte. Das wäre unter dem schier Un- glaublichen, das uns der diesmalige Krieg allerdings schon gebracht hat, wohl das Unglaublichste. Wir würden in einer solchen Maßnahme nur das untrügliche Anzeichen dafür erblicken können, daß die französischen Gewalthaber ohne Rückt sich auf die wahren Interessen ihres Volkes entschlossen wären, den Kanipf bis zum Weißbluten zu führen. Die Flucht aus Paris. » Der Pariser Korrespondent her römischen Tribuna schildert sehr anschanlich in einem Briese von, I, September die Flucht der gesamten Aristokratie auS den Pariser Vorstädten, namentlich aus dem Faubourg Tt. Germain und Tt. Honorc. Die entfloh aus Automobilen, di« hoch bepackt waren mit Koffern und Hausgeräten, nach dem Süden. Gleichzeitig find »am Norden zahlreiche Flüchtlinge ans de» Departements Tn Nord, Pas de Calais u. a, in Paris «ingctroffcn. Sie wurden gespeist und mttcrgebracht. Bald begann der Kampf um die Lebensmittel. In ivenigen Stunden ivarcn alle Geschäfte leer. Selbst das große LebenÄinittelhaus Patin mntzde schließen. In den Restaurants stiegen di« Preise fast aus das Dreifache. Boulogne sur-Mer geräumt! Ein Londoner Blatt vom 29. August bringt, der B. Z. ani Mittag zufolge, eine Central Ncws-Depeschc, die vom offiziellen Zensnrbnrean zugelassen wurde, des Inhalts, daß Boulogne-sur-Mer von den verbündeten Truppen geräumt wurde. Boulogne, einer der bedeutendsten Hafenplätze Frankreichs und mit Calais zusammen der wichtigste Ucbcrsahrts- platz nach England, der Hasen, durch den das englische Expeditionskorps den französischen Boden betreten hat, soll von den verbündeten Truppen unserer Gegner geräumt worden sein! Die Nachricht ist amtlich noch nicht bestätigt, aber sie hat nach der Frkf. Ztg. viel Wahrscheinlichkeit für sich, nach- dein der ganze Nordwcstcn Frankreichs in deutsche Hände geraten ist und die Franzosen sich um Paris — oder mehr nach dem Süden? — zu sammeln scheinen. Daß diese Stadt von 45 000 Einwohnern, obwohl sic Festung ist, im Stich gelassen worden sein soll, das ist weiter nicht wunderlich, da die Franzosen, wie schon gemeldet, eine Reihe ihrer Sperrbcfestig- ungen im Norden ebenfalls kampflos aufgcgebcn haben. Die Wahrheit über Löwe». Amtliche deutsche Darstellung. Das deutsche Konsulat ht Rotterdam hat dem Nieuwc Rotterdam sche Courant folgendes Telegramm des Berliner Ministeriums der auswärtigen Angelegen hei tan zu Berlin vom 30. August mit- gcles'lt: Die Obrigkeit hatte die Stadt Lowe» übergeben. Montag den 24. August begann in Löwen das Eingnarticren der Truppen, und der Verkehr mit den Einwohner» wurde speimdschastlich. Dienstag den 2S. August nachmittags rückten aus den Bericht vou einem zu erwartenden Ausfall die Truppen gegen Antwerpen aus. Der kommandierende General begab stch j,„ einem Auto nach der Front. Bloß Abteilungen des Landwchrbataillons Neust für die Eifenbahn- bcwachung blieben zurück. Als der zweite Tel! des Gcncralkvm- mandos den, kommandierenden General z„ Picrd i Ein furchtbarer Artilleriekampf. Bei Rambcrvillers ,im dcr Nähe von St. Die, kam es zwischen französischer und deutscher Artillerie zu einem Nahgesecht in ebnem Gehölz, Los so furchtbare Wirkungen hotte, das, nach 15 Minuten beide Teile auf Verabredung das Jener «mstcllteu und in der Richtung zu chrcn Truppenteilen zuvülKehrten. Selig sind die Barmherzigen. Ein Herr A. Kim-be hält sich im Berliner Lokal-Anzeiger, jenem Organ, das den abstoßendsten und abgeschmacktesten Auslassungen des Chanvinisnms totäglich seine Spalten öffnet, darüber auf, hast man in Breslau den gefangenen Rusien Linsen und Fleisch gereicht habe. Er behauptet, dah di« deutschen Hausfrauen ihre Fleisch- und Obstvorräte an die Sammelstellen gäben, damit sie den deutschen Verwundeten zur Labung gereicht würden und nur diesen. Deutsche Herzen» so sagt er, legten flammenden Protest ein gegen die Art, wie ive Breslauer des deutschen Namens Ehre wahrte». Wenn Herr Kunde die bemittelteren Volksgenossen mahnt, der deutschen Arbeitslosen zu gedenken und ihren Uebersluh im Jnler- efl« dieser Unglücklichen zu verwendeiz, so haben wir dafür ein volles Verständnis. Aber wir glauben, dass es möglich ist, trotzdem auch »och den gesaugeuen Feinden Fleisch zur Nahrung zu reichen und halten eZ tn jedem Falle für umnenschltch, die gefangenen Soldaten die etwaigen Sünden der gegnerischen Regierungen entgelten zu lassen. Was das Herrn Kunde Ausführungen besonders unerfreulich macht, ist dcr Umstand, daß er sie nicht nur init seinem Namen, sondern auch noch mit seinem Psarrerstitel zeichnet. Vielleicht schlägt der Verkünder des Evangeliums einmal di« Bergpredigt nach, um sich daran zu ertnnern, wte sein Herr und Meister über di« Barmherzigkeit gedacht hat. und vielleicht entstmtt er sich auch jenes Gleichnisses vom bariuherzigen Samariter, in dem der Nazarener den Pharisäern auSeinamdersetztc, dah die Nächstenliebe keine Grenze an den Schranken des Standes und der Nati!on finde. Wir nehme» an, dass auch Herr Kunde in Friedenszetten über diesen beliebten Text recht häufig gesprochen hat. Ein Tagesbefehl Joffrcs. General Joffre erließ einen Tagesbefehl über die Fehler der bisherigen Kampfcswcise der Franzosen. Der Grund dcr starken französischen Verluste sei ihr Vorgehen in zu dichter Ordnung ohne genügende Artillerie-Vorbereitung. Sofort nach Eroberung eines Stützpunktes muß dieser befestigt und mit Artillerie besetzt werden, auch müßte die Reiterei beim Vorgehen durch Infanterie gestützt werden, wie dies bei den Deutschen geschieht, welche die Infanterie auf Automobilen der Reiterei vorausführen. Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 53 Helgestad hob das Licht auf, das vor ihm auf dem Tisch stand, und beleuchtete das rotwangige, glänzende Haupt seines Verwandten. „Bist ein Muster von Mäßigkeit", sagte er. „Halte die Mäßigkeit fest, Johann Marstrand, oder sie bricht zusammen." Fandrein hatte dos andere Licht genommen und beleuchtete die gelben faltigen Züge des gewaltigen Nordländers. So standen sie sich gegenüber, Gesichter schneidend und sich anstierend unter schallendem Gelächter und allerlei herausfordernden Worten, bis Fnndrem in die Hände seines Dieners und seiner Haushälterin siel, die ihn ins Bett brachten, Helgestad aber unter Marstrands Beihilfe in die Kammer geleitet wurde, welche für ihre Nachtruhe bestimmt war. Allem Anschein nach war Hclgestad in einem schwer trunkenen Zustande, und sein Begleiter hatte Mühe, ihm Bei- stand zu leisten, kaum aber war er mit ihm allein, als zu seiner Verwunderung alle Zeichen des Rausches vcr- schwanden. „Bin so nüchtern, wie Ihr es sein könnt, Herr Marstrand", sagte er, sich aus den helfenden Händen aufrichtcnd, „habe es aber vorgezogen, ans diese Weise Fandrem in sein Bett zu bringen und seinen guten Rnf zu bewahren. Wäre große Schmach für ihn, wenn sein Kopf mit ihm umginge und seine Gäste nichts von der Bewirtung merkten. Hasse imd verachte die Trunkenheit, ist aber ein Erbstück dieses Volkes, das nianches Menschcnalter noch damit zu tun haben wird. Bergen ist eine nüchterne Stadt und Fandrcni ein Mann, der selten mehr trinkt, als er vertragen kann; müßt nach Tronthjem gehen, wenn Ihr sehen wollt, was durstig« Kchlen leisten können." Was er sagte, war allerdings nur zu wahr, es paßte je- doch ebensowohl ans Norwegen wie auf alle anderen Länder. Ueber die Beteiligung katholischer Geistlicher au Frauktireurstatcn in Elsaß-Lothringen und dieserhalb erfolgte Erschießungen waren bekanntlich allerhand Gerüchte verbreitet worben. Auf Anfrage des bischöflichen Ordinariats hatte der im Bereich detz 14. Armeekorps tätige Bezirkspräsidenl des Cberelsahes mitgeteilt, daß ihm keine derartigen Fälle bekannt seien. Auch mit eigener Wissenschaft hatte die bischöfliche Behörde erklärt, daß ihr unkorrektes Verhalten von Geistlichen nicht mitgeteilt worden sei. Nunmehr teilt auch noch General Deimling, der kommandierende General des 15. Armeekorps mit, „daß Fälle, wonach Geistliche sich während der Kämpfe des 15. Armeekorps im Ober- elsaß einer Unkorrektheit schuldig gemacht hätten, ihm nicht bekannt geworden sind. Damit sind die gegen die katholischen Geistlichen gerichteten Anschuldigungen zu deren Gunsten geklärt. Das Ganze bildet eine erneute Mahnung zur vorsichtigsten Ausnahme aller jetzt so wild herumspukendeu Beschuldigungen von Bevölkerungsteilen. Gegen die elsäsischen Geistlichen waren die Gerüchte bekanntlich zuerst durch eine» katholischen Geistlichen selbst und zwar in dem führende» Kaiholikenblatt, in der Köln. Volkszeitung, verbreitet worden. Kriegsfpeude des Deutsche» Lehrervereins. Ter Vorstand des Deutschen Lehrervereins beschloß, aus seiner Kasse 30 0V0 Mark als Kriegsspende zur Verfügung zu stellen, und zwar 10 000 Mark für das Rote Kreuz, 10 000 Mark für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen und 10 000 Mark für den Krlegsunterstützungsfonds des Reichs-Marineamtes. Außerdem spendete der Deutsche Lehrerverein 1000 Mark zur ersten Hilfe für die aus Ostpreußen und dem Auslände geflüchteten Kollegen. Konventionen und Gewerkschaften. Am 28. August hat in den Räumen der Berliner Handels- kantmer eine sehr interessante Konferenz stattgefunden. Der Geheimrat Lusensky legte im Auftrag des preußischen Han- delsminister den Vertretern der verschiedenen Textilkonventionen den Entwurf einer Bundesratsverordnung vor, durch die die Verbände genötigt werden sollten, auf Bestimmungen zu verzichten, die geeignet sind, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ihrer Mitglieder sowohl wie ihrer Abnehmek und Lieferanten in diesen Kriegszeiten zu verschärfen. Das Projekt der Regierung wurde aufs lebhafteste kritisiert, die Vertreter der Konvenftonen bezeichneten es geradezu als eine Illoyalität, daß man sie in dieser Weise überfalle, und ein Kommerzienrat aus dem Westen Deutschlands, der als der Inhaber der meisten Aufsichtsratsposten in weiteren Kreisen bekannt ist, gab sogar zu verstehen, daß die Annahme des Entwurfs durch den Bundesrat die Entlassung zahlreicher deutscher Arbeiter zur Folge haben würde. Es konnte so scheinen, als ob die rücksichtslose Jnter- essenpolitik der Kapitalisten triumphiert hätte. Aber das preußische Handelsministerium gibt jetzt einen Erlaß heraus, der in den nachdrücklichsten Wendungen die Konventionen mahnt, ihre Lieferungs-, Abnahme- und Zahlungsbedingungen während des Krieges nicht nur nicht zu verschärfen, sondern vielmehr der gegenwärtigen Wirtschaftslage anzupassen, wenn sie eine gesetzgeberische Beschränkung ihrer Tätigkeit vermeiden wollten. Es werden eine Reihe von Grundsätzen ausgestellt, die unbedingt eingehalten werden müssen und die in der Hauptsache die möglichste Erleichterung der Zahlungsverpflichtungen für die Abnehmer zum Gegenstand haben. Es wird unter diesen Umständen den Verbänden nichts anderes übrig bleiben, als sich zu fügen, denn das bekannte Ermächtigungsgesetz vom 4. August gewährt dem Bundesrate das Recht, auf dem Wege des Zwanges das durchzusetzen, wozu sie sich freiwillig nicht verstehen wollen, und nach allen Er- fahrungen, die wir gemacht haben, wird der Bundesrat kein Bedenken tragen, von seiner Ermächtigung Gebrauch zu machen. So wenig man sich entschließen konnte, in Friedens- zeiten dem Terrorismus der Konventionen zu Leibe zu gehen, so wenig Rücksicht wird jetzt auf die Lamentationen sonst hochmögender Kommerzienräte genommen. Ein Vergleich liegt nahe. Gegen die Gewerk schaf- te n sind Gesetzgeber, Richter und Verwaltungsorgane in den Jahren, die hinter uns liegen, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu Felde gezogen, unter der Begründung, daß die Organisationen der Arbeiter Brutstätten des Terrorismus seien, daß sie die Freiheitsrechte des einzelnen bedrohten und daß sie sich sozusagen zu einem Staat im In den besten Gesellschaften der damaligen Zeit war Trinken das hauptsächlichste Vergnügen »nd der Rausch keineswegs eine Schande, aber in Norwegen wurden die Gastmähler mit Virtuosität betrieben, und Tronthjem war, bis auf die neueste Zeit, ganz besonders berüchtigt oder berühmt. Nur zu häufig verwandelten sich jedoch die Hochzeitsfeste und Kindtaufen in Blut- und Leichenszenen, und Hclgestad erzählte, während er sich zum Schlaf anschicktc, wie bei solchen Gelegenheiten die Frauen mit dem Branthcmd für ihren jungen Mann zugleich dessen Sterbehemd nähten und kein Gesetz bis jetzt mächtig genug gewesen sei, die Messcrkämpfe zu verhüten, wclck)e so vielen schon das Leben gekostet hätten." „Ist in, gleichen Maße schlecht und dumm für Männer, sich wie unvernünftige Tiere zu morden", sagte er endlich, „um am nächsten Tage wie Weiber über ihre Taten zu meinen." „Jmnier besser", anftvortctc Marstrand, „als schlechte Taten niemals bereuen." „Falsch, Herr", cntgcgncte Helgcstad. „Was ein Mann tut, soll er voraus bedenken, doch was er ausgeführt hat, soll ihm niemals Schmerzen machen. Habe meinen Kopf und meine Hände, die nichts können, was dcr Kopf nicht will." — Er richtete sich auf den Ellenbogen im Bette auf und sah Marstrand an. — „Wollt in Eure Kammer gehen", sagte er, „wartet noch einen Augenblick. Sagt mir, wie Euch Fan- dremS Tochter gefallen hat?" „Ich habe keine Gelegenheit gehabt, mir ein Urteil zu bilden." „Seid eine Däne", sprach Helgestad, „das heißt, ein Mann, der sich zu schmiegen und zn ducken weiß, wo er es für klug hält. Lese in Eurem Gesicht das richtige Urteil. Ist ein stolzes, verzogenes Mädchen, eitel und verdorben in ihrem Gemüt." ^ „Dann, Herr Hclgestad, kann ich nicht begreifen, warum >-ie diese Puppe in Ihr Haus führen wollen, wohin sie nicht paßt." 2 iäate herausgebildet haften. Tue' Gewaltherrschaft, die die Kartelle und Konventionen in weitestem Umfange ausübten, wurde unbeachtet gelassen. Was bei den Arbeitern eine Niedertracht war, war für die Verbände der Unternehmer eine unabweisbare wirtschaftliche Notwendigkeit; was bei den Arbeitern gegen die guten Sitten verstieß, war bei den Kapita- listen ein sittliches Gebot dcr Selbsterhaltung. Und nun ist der Krieg gekommen, und cs stellt sich her- aus, daß die bis dahin verfolgten und drangsalierten Ar» bcitervcrcinigungen dcr Gesamtheit sehr wertvolle Dienste zK leisten vermögen. Ihre Unterstützungscinrichtungen tragen, dazu bei, der Massenverarmung entgegen zu wirken, ihrL Organisationen leisteten wertvolle Hilfe bei der Vermittlung! von Erntearbeitern, ihre Mitwirkung bei den Aktionen zugunsten der Arbeitslosen und der Angehörigen der im Felde' stehenden Männer wird dankbar empfunden. Die Regierung, hatte nicht nötig, die Gewerkschaften auf die Pflichten hinzuweisen, die der Krieg ihnen auferlegte, sie, die viel mißhandelten Stiefkinder der Gesetzgebung, wußten, was sie zu tun hatten. Den Verbänden der Kapitalisten, aber, die sich im Frieden der Gunst der maßgebenden Stellen zu erfreuen hatten, die sich nicht bei jedcni Schritt von lauernden Polizeiaiiger^ überwacht sahen, denen muß jetzt auseinandergesetzt werden^ was Patriotismus ist, denen muß inan mit Gewaltmaß- regeln drohen, um sie zu veranlassen, auch nur vorübergehend die Rücksicht auf ihren Geldbeutel'der; Rücksicht auf das Gemeinwohl nnterznordnen. Englands Wirtschaftskrieg gegen einen neutralen Staat. Der Eity-Korrespondent des Stockholmer Dagblad Nagt darüber daß wegen dcr dcutschsrcundlichcn Haltung Schwedens die englischen Importfirmen die schwedischen Meiereiprodukte boykottieren Auch die Einfuhr von schwedischem Holz, Holzmasse und Papier leidet beträchtlich. Paris im Belagcrmigszusiand. Die neuesten Nachrichten über die Zustände in Paris besagen: Der Polizeipräfekt Hennion hat im letzten Augenblick vor der Abreise der Regierung abgedankt. Offiziell wird al< Grund Krankheit angegeben. Der neue, durch ein ministerielles Dekret ernannte Polizeipräseft heißt Emil Lambert. Obgleich Paris nunmehr vollständig unter der Militärs gcwalt steht, sind sämtliche Bureaus der Seinepräfrttur und der Provmzialverwaltung geblieben. Sie bilden zusammen mit der Polizeipräfcktiir und der Kommunalverwaltung dass Komitee der öffentlichen Sicherheit. Nachträglich wird ge- meldet, daß außer dem amerikanischen auch der spanische Bot/ schafter in-Paris geblieben-.sei und zwar auf ausdrückliche Au-« Weisung. J Ein deutscher Parlamentarier als Opfrr drr Rnssrn. Der frühere langjährige, konscrvattve ReichStagsabgeordnet< v. Rauter aus Kanotcn ist, nachdem er dort ans drr Flucht vor den Russe» schwer erkrankt war, im Alter von 78 Jahren gestorben. Er vertrat von 1802 bis 1912 den oftpreußischen Wahlkreis Rastend»«»» Gerdaucn-Frirdland. Englische Schande. Dem Stettiner Generalanzeiger wird von seinem Berichterstatter folgendes geschrieben: Fort von Mons noch Valenciennes unter dem Roten Kreuz. Kein Stimmungsbild, dafür fehlt nach 50stündiger Bahnfahrt und nach dem eben Erlebten die Sftmmung. Nur. ein kurzes Wort de^ Aufklärung und Warnung. Keine halbe Stunde ist es her, da wurden uns in Hos etwa 300 gefangene Engländer vorge^ führt und dabei wurde uns durch den Major bekannt gegeben, welche unglaublichen Unmenschlichkeiten und Greueltaten! sich die Träger der britischen Naftonalität gegen unser«; braven Truppen und vor allem gegen unsere Verwundeten haben zu schulden kommen lassen. Nicht genug, daß sie die Hände aufheben, die weiße Fahne schwenken, um beim Heran- nahcn unsere Truppen hinterrücks zu schießen, viel schlimmer sind die Enftetzlichkcitcn gegen unsere Verwundeten. Und das sind behördlich beglaubigte Tatsachen, nicht Gerüchte imd nicht Gerede. Der deutschen Ansprache unseres prächtigen; Majors folgte eine zwar recht stilisierte, aber dafür um so verständlichere englische an die britischen Bestien: Bei der ge» „Warum paßt sie nicht?" „Fragen Sie sich selbst, ob dies eine Frau für den ein» fachen, gutherzigen Björnarne ist. Wenn Sitz vom Lyngen- sjord sprachen, antwortete sie mit verächtlichen Blicken, und bei den Erzählungen von dem Leben in Oerenäes-Gaord füllte sich ihr Gesicht mit Hohn und Gelächter." Helgestad nickte bcistimmcnd dazu. „Habt einen guten Blick", sagte er, „ist richtig so. Aber Fandrems Tochter ist ein Vogel mit goldenen Federn, wäre der ein Narr, der ihn aus seiner Hand gäbe. Ist ein altes Versprechen zwischen uns, Herr Marstrand, habt es gehört; liegt jedoch Leine und Haken noch auf anderem Grunde." — Er grinste pfiffig vor sich hin und fuhr mit gedämpfter Stimme fort: „Fadrem ist ein schwacher Vater, so klug er auf der deuftchcn Brücke iw seiner Schreibstube sitzt, wcnn's Nordländer oder Spanier sind, mit denen er zu tun hat. Eine Eule nistet auf seinem Dache und hat ihn wach geschrien. Habe einen Ton davon gehört, Herr. Frage nichts danach, sehe nur, daß ich zur richtigen Stunde gekommen bin mit meinem Wort und sprach cs darum frisch ans, als ich mit ihm allein auf dem Signal- bccken ging. Fürchtet Schimpf an Ruf und Name, ist ihm also willkommen, Hanna an den Lyngenfjord zu bringen. Wollen sic da zur Arbeit »nd Ordnung gewöhnen; bin ohne Sorge, wird fromm und gehorsam werden." — Ein grimmiges, leises Lachen zuckte um seinen Mund, Haß und Spott blitzten aus seinen Augen. „Und wenn Einsamkeit, Gram und Heimweh doch mehr tun als Ihre Erziehung?" fragte Marstrand mitleidig. „Bah!" antwortete Helgcstad, „laßt sie blaß und mager werden; ist finnmarkiges Blut in ihren Adern, das wird sei» Recht geltend machen. Wcnn's aber nicht sein sollte, wenn Fandrem sckiwach genug ist und ihr eitel verdorben Sinnen gewähren will, so mag es so sein, aber dann soll er mir Reise und Mühe bezahlen. Habt gehört, daß ihr halbes Vermögen als Reugeld Björnarnc zufallcn soll." sF-ortsehung folgt.) ringsten Aufsässigkeit Maschinengewehre in 50 Mir. Entfernung und niemand von Euch bleibt am Leben. Unbe- schrciblich tvar die Erbitterung unserer Acrzte, die selbst unsere verstümmelten Verwundeten gesehen haben. Die Ruhe lehrt wieder. Die Rückflüsse bei der Städtischen Sparkasse in Essen haben nch derartig gestaltet, bah diese in beschränkten, Umsange wieder .pypothekcngeldcr ausleiht und zwar mit der Bestimmung, baß die Sauarbeiten von Essener Firmen ausgeführt werben. Für die Ostpreußen. Die Stadtverordneten von Essen bewilligten 50 000 Mark zur Unterstützung der aus Ostpreußen Geflüchteten. Eine parlamentarische Rckrutierungskommission. W. B. £ o n S o n , 5. Scpt. Ten Zeitungen zufolge sind Schritte getan worden, um eine parlamentarische Rckrutierungskommission zu bilden, der Vertreter aller Parteien angchSren solle». Ihre Präsidenten werden Asguith, Lard und der Vertreter der Arbeiterpartei Hindcrscn sein. In Südafrika zurüikgehaltcn. W. B. London, 5. Scpt. Das Reuterbureau meldet aus Kapstadt: Etwa 800 deutsche und österreichische Reservisten werden als Kriegsgefangene in einem besonderen Lager bei Johannisburg zurückgehalten. Vom Mbrct. W. B. Ancona, 5. Scpt. Der Prinz von Wied ist aus der Abreise von Albanien hier cingctrosscn. Er hat an das albanische Volk eine Proklamation erlassen, in der er seine Wiederkehr in Aussicht stellt. Vom galizischen Kriegsschauplätze. Die Berliner Zeit am Mittag meldet vom österreichisch-ungarischen Kriegsquartier vom 4. September: Auf dem östlichen Eeländeabschnitt des Kriegsschauplatzes wurde heute (Freitag) nicht gefachten. Dagegen schreitet der Angriff auf Lublin fort. Die Armee Auffenberg verfolgt die russische Armee fortgesetzt. Die siegreiche Schlacht bei Samosc wurde erst nach heißem Ringen entschieden. Der Höhepunkt des Kampfes war jedoch das Ringen um Komarow, wo die Russen unter General Plehwe gewaltige Anstrengungen machten um die Stellung der Oesterreicher zu durchbrechen. Die Entscheidung fiel aber erst durch das auf beiden Seiten von Huszwa vordringcnde Korps Borowitfch und durch das Korps des Erzherzogs Loses Ferdinand, die den Feind im Rücken bedrohten. Durch die Erstürmung des in stark verschanzter Stellung sich befindenden Ortes Tyschowze wurde der Gegner zu schwierigem Rückzuge nach Norden und Nordosten gezwungen, der sich in eine regellose Flucht verwandelte. Es wurden 13000 Gefangene gemacht, 200 Geschütze und viel Kriegsmaterial erbeutet. Hesse« nnd Nachbargebiete. «iehe« und Umgebung. Sorgt für Kohlen! Es währt nicht mehr lange, dann hält die kalte Zeit wieder ihren Einzug. Mehr wie je zuvor ist diesmal der Winter ein Schreckgespenst für das werktätige Volk. Unendlich grob ist doch jetzt zur Kriegszeit die Zahl derer, denen es in ihrer wirtschaftlichen Not an dem nötigen Heizmaterial fehlen wird. Und bei der weit herrschenden Unterernährung wird sich die Kälte besonders unangenehm und besonders verderblich fühlbar machen. Das sollten unsere Kommunen schon jetzt bedenken und sich die nötigen Mengen Heizmaterial zur Ueberlassung an die Bedürftigen, den Armen unentgeltlich, den Minderbemittelten, die zahlen können, zum Selbstkosten- preise, sichern. Es würde nicht das erstemal sein, daß deutsche Gemeinden die Kohlenversorgung in den Kreis ihrer kommunalpolitischen Aufgaben hincinbeziehen. Schon in früheren wirtschaftlich schweren Jahren, als die Kohlenpreise eine außerordentliche Höhe erreichten, hat eine Reihe von Gemeinden, nicht zuletzt auch Offcnbach, Kohlen in größeren Mengen angekauft und in kleineren Mengen, gewöhnlich zwischen 1 und 5 Zentner, zum Selbstkostenpreise abgegeben. Die Erfahrungen, die man damals gesammelt hat, waren recht günstig. So hat z. B. in Mülhausen im Elsaß die An- nähme eines Antrags auf städtischen Kohlenvcrkauf die Wirkung gehabt, daß sofort einige größere Kohlcnfirmcn der Stadt erklärten, die Kohlen nun bissiger als bisher liefern zu können. In einigen Städten, wie in Offenbach, hat man bereit? einen städtischen Koksvcrkauf eingeführt. Dieser Koksverkauf kommt dann nur den Minderbemittelten zugute, da nur eine bestimmte Menge Kols dem Gaswerk entnommen werden kann. Auch derartige Versorgung mit Heizmaterial würde in den Städten mit eigenem Gaswerk bereits eine wesentliche Erleichterung bringen. Auf jeden Fall muß man die nötigen Vorkehrungen treffen, daß die Abgabe von Heiz- niatcrial nur den Minderbemittelten zugute kommt. TaS ist besonders wichtig, wen» nur der Koks des Gaswerks zur Verfügung steht. Daß die Kohlenprcise sehr in die Höhe gehen werden und die Maßnahme der Kommune auch regulierend auf den Marktpreis wirkt, ist einleuchtend. Auf diese Weise kommt die städtische Kohlenpcrsorgung auch allen anderen Kreisen der Stadt zugute. Daß diese Maßnahinc wichtig ist und daß sic einen Notstand in ganz ausgezeichneter Weise zu heben oder wenigstens zu lindern vermag, ist unzweifelhaft. In dieser Zeit, in der die Kommunen sich mehr wie bisher ihrer sozialpolitischen Pflichten bewußt sind, wird unsere Mahnung vielleicht euch nicht vergeblich sein. Menschen unter Menschen. , Ter Krieg der Staaten hat nicht nur du- wirtschaftlichen, son- auch alle menschlichen Bande zivische» de« Völkern ge- wl>. Wir habe» cs mit tiefer Beschämung erleben miissen. dasi in * s Belgien. Rußland leider zum Teil auch i« Oesterreich lins v«, uns in Deutschland, kurz überall mild gewavdcne Spießer w* r!. rci r C ®H r fat harmlose Ausländer in den Eascs und ans den Straßen überfielen, sie prügelten, vcrihühnken, »lißhandelten, i mrivei t^ie zufällig ln einem anderen Lande gebäre:». Bürger eines anderen Staates, Abkömmlinge einer anderen Rasse waren. Weg- gcwischt schien im Augenblick der Kriegserklärung jswe höchste Er- rimgenschaft menschlick-er Kulturentrvicklung: die Achtung vor der Persönlichkeit auch dos thegners, Man haßte den einzelnen, der am Kriege so unschuldig war ivie einer der uns«ren, man beschwipste Leute, di« den Krieg ebenso verfluchten wie wir. Als die Verwundeten- und Gefangenentransport« in unseren Städten cinitrafen, hotte sich die Wut des ersten Augcnb-ltcks einiger- in.oßen gelegt. Die wildgowordenen Spießer und unreifen Bürschchen waren angesichts der ungeheuren Tragik der Schlachtfelder kleinlaut geworden. Würde und Erisst geivaunen di« Oberhand. Und doch gibt es noch gedankenlose und herzlose Leute, die es nicht nntcr- lasscn könneiß wchrlos« Gesängen« zu schmähen, mit dem Tod« ringende Bcrivuudote noch aus den Tragbahren zu beschimpfen. Tie Dummheit sieht eben im einzelnen den Feind, und die blinde Rachsucht ist den Erwägungen der Vernunft und Menschlichkeit unzugänglich. Uni so «rsreuticher ist die Tatsache, daß allmechlich auch in der ernsten ^ bürgerlichen Presse — dl« Seissations- und Blute auchprrsse wird nie den Weg zum Bessern finden — der human«, kulturelle Standpunkt wieder di« Oberhand gewinnt. Ans den Lazaretten und Gefangenenlagern kommt di« Stimm« der Versöhnung. Und diese mahnende Stimme, die aus den Lazaretten und Gesangcneulogen zu uns dringt, sie kündet uns nicht mir die Grauen des Krieges, sondern jene groß«, heilig« Tassache, daß die Liebe doch stärker ist als der Haß. Das stille Heldentum. Die Jndustriebeamten-Zeitung, das Organ des Bundes der technisch-industriellen Beamten, veröffentlicht nachstehenden Brief der Fran des Bundesobmanns in Eilenburg an die Zentralleitung des Bundes: Ich gelange heute in den Besitz Ihres Aufrufes zur Sammlung freiwilliger Beiträge, welchen ich sofort unter den noch zurückgebliebenen Mitgliedern zirkulieren lassen werde und ein eventuelles Ergebnis sofort an Ihre Adresse absenden werde. Mein Gatte, der Obmann der hiesigen Verwaltungsstelle, ist bereits am Mittwoch ins Feld gezogen. Ihrem Wunsche gemäß hat eine Ersatzwahl für ihn sowie für den Kassierer (der auch fort mußte) stattgefunden. Leider ist mir in all den Wirren Ihr Formular abhanden gekommen. Ich teile Ihnen nachstehend die Ersatzmänner mit: für den Obmann: Mitglied Rr. 12 550 G. Sch..... für den Kassierer: Mitglied Nr. 40 009 P. B..... Alle brieflichen und Zeittingssendungen wollen Sie aber nach wie vor an meine Adresse senden, da ich selbst stets die Erpedition aller Eingänge von der Zentrale vorgenommen habe und auch mit allem ziemlich vertraut bin. Die eigentliche Arbeit unter den wenigen hier zurückgebliebenen Kollegen werden natürlich, jeder aus seinem Gebiete, die beiden vorbenannten Herren erledigen. Als geringe Beihilfe zur Entlastung der Bundeskassc werde ich die im Juli gehabten Portoauslagen und auch die künftigen gern aus meiner Tasche decken. Ich möchte auch nicht verfehlen, Sie zu bitten von meinen Diensten in der Bundesverwaltung Gebrauch zu machen, wenn sie hinsichtlich Schreibarbeit von Nutzen sein könnte». Im übrigen hoffe ich zuversichtlich, daß diese ernste Zeit dem B. t.-i. B. nicht dauernd schaden wird: denn das Gute bricht sich doch immer wieder Bahn! In diesem Sinne mit Bundesgruß! Frau Hclma M..... Alle Achtung vor dieser tatkräftigen Frau, die sich in den Dienst der Organisation ihres Mannes stellt, in dem Moment, wo er selbst als Kriegsbcteiligter diese Arbeit niederlcgcn muß. Da sieht man keine Spur von Kleinmut und ängstlichem Gejammer über das harte Schicksal, das die Gatten auseinanderrelßt und eine ungewisse Zukunft birgt, wann und ob sie sich Wiedersehen werden. Diese Frau ist sich bewußt, daß cs für sie eine Ehrenpflicht ist, an ihrem Teil mitzuwirken an der Aufrechterhaltung der Berufsorganisation ihres Mannes, damit diese möglichst ohne Fährnisse durch die Kriegswirren geführt werde. Diese Frau hat begriffen, welche Bedeutung die Bernfsorgam- sation für ihre Angehörigen hat, doppelt haben muß, wenn der Krieg vorüber und die natürlichen Gegensätze zwischen Unternehmern und Arbeitnehmern durch die Berufsorganisationen wieder zum Ausgleich gebracht werden müssen. Unsere Arbeiterfrauen werden sich durch diese Bcamten- frau sicher nicht beschämen lassen wollen in der Klassenerkenntnis. , — Eine überflüssige Mahnung, wenigsten für Arbeiter und sonstige kleine Leute, wird von dem Wolffschen Telcgraphen-Bureau verbreitet. Es heißt darin: „Es steht fest, daß noch große Mengen Gold von dem Publikum verborgen gehalten werden. Der in einzelnen Fällen so wohlgelungene Versuch, das vorhandene Gold durch Ver- traucnspersonen einzusammeln und behufs Umschmelznng in Banknoten (? Red.) an die Reichsbank abzuführen, sollte allgemeinste Nachahniung finden. Geht mit solchen Bemühungen eine zweckmäßige erneute Aufklärung Hand in Hand über den Geldwert unserer Banknoten und über den Mangel an patriotischer Gesinnung, der in deni Einbehalten des dem Reiche- notwendigen Goldes liegt, so kann es am Erfolge nicht fehlen. Tie Verstärkung des Goldbestandes der Reichsbank ist für die Kriegszcit nicht nur von außerordentlicher wirtschaftlicher, sondern auch von hervorragender politischer Bedeutung." Es inag sein, daß es noch viele Leute und Stellen gibt, wo noch Gold gemünzt und ungemünzt zu finden ist. In den Bankhäusern, bei den Kohlen- und Eisenbaronen, den Fürstlichkeiten und großen Gutsbesitzern. Bei Arbeitern, Handwerkern und kleinen (Geschäftsleuten wird mans aber vergeh- lich suchen, da ist nicht nur kein Gold, sondern auch kein Papier nnd Silber mehr vorhanden. Hoffentlich heben sich die Geschäfte bald wieder, sonst steht uns eine wirtschaftliche Katastrophe bevor. — Arbeitslosigkeit und Arbcitsmangcl. Die Handwerkskammer zu Wiesbaden schreibt: „Infolge des Krieges ist im allgemeinen verminderter Geschäftsbetrieb und Arbeitslosigkeit von selbständigen und unselbständigen Handwerkern eingetreten. In einzelnen Handwerkszweigen, wie z. B. Bäcker, Metzger, Schuhmacher, Müller, Dachdecker und Sattler, fehlt es an geeigneten Arbeitskräften. Auch bei den Schneidern, die zur Zeit zwar noch versehen sind, kann leicht derselbe Zustand eintreten, weil voraussichtlich größere Mengen von Militärbekleidungsstücken zu liefern sein werden." Mit dem Mangel an Arbeitskräften dürfte es jeden- falls noch nicht so schlimm bestellt sein, besonders nicht, soweit Schneider, Dachdecker nnd Schuhmacher in Frage kommen. In Gießen wenigstens sind von Schneidern viele arbeitslos nnd auch von anderen Berufen. Im Holzarbeiterv e r-b a-n d wurden am 22. Slug. gezählt: 50 218 arbeitslose, 35 381 einberüfenc und 60914 noch in Arbeit stehende Mitglieder. Von der Zählung wur- den aber nur 160 343 Mitglieder erfaßt, während der Verband bei Beginn des Krieges 192 000 Mitglieder zählte. Ueberträgt man das Verhältnis, das sich durch die Zählung am 22. August ergab, auf diese Zahl, so ergeben sich: Arbeits- lose 65 890, Einberufene 42 380, in Arbeit stehende 83 730. — Unnütze Gasferci. Arn Samstag gegen abend fanr wieder ein Trupp Verwundete in Gießen an, unter denen sich' auch Franzosen befunden haben sollen. Da ist es 'denn sehrj bedauerlich zu sehen, daß sich in den Straßen, welche die, Autos nach den Lazaretten durchfuhren, eine Menge ßeuiej ausgestellt hatten, als ob sie einen Festzug erwarteten. Was! ist da eigentlich zu sehen? Ein paar unglückliche Menschen,! die peinlich berührt sein niüssen, wenn sie, von Schmerz ge-! peinigt, von einer Menge Menschen angegasft werden. — Totc dcö Gicsicncr Regiments. Bisher sind folgendes Angehörige des Gießener Regiments als tot bekannt: Feld-l webet Ludwig W e h r u m ans Watzenborn: Hauptmann und Kompaniechef Hans Haehling von Lanzenauers Unteroffizier Karl Haibach; Ernst Pfeiffer, Reservist, in Krofdorf: Einj.-Freiwilliger Kurt Neumann: Ober- lentnant Wilh. Ebel: Leutnant Karl v. Gr o l m a n , Gießen: Unteroffizier d. Reserve Karl Hirz aus Watzenborn^ — Wohltätigkcit btt Kirchen im Kriege. Der Deutsche Monistcnbund Mk. 10 000,—, der Evangelische Oberkixchen- rat Mk. 20 000,—, die katholische Kirche Mk. 0,00. Die Angc^ stellten der Slrbeitcrbewegung haben alle auf einen erheblichen Teil ihres Gehalts verzichtet. Bei den Geistlichen bei>> der Konfessionen ist ähnliches bisher noch nicht bekannt geworden. Das Vermögen der privilegierten Kirchen Deutschland beträgt über 3 Milliarden, das des Deutschen Monistenbundes nicht ganz Mk. 100 000,—! In Oesterreich konnte die Kirche „leider" nichts spenden, da „die from- nlen Stiftungen von den Klöstern nickt angetastet werden,' dürfen". Das Vermögen der katholischen Kirche in Oester-j reich allein beträgt wenigstens 1 Milliarde. Die Besugniffe des hessischen Tcrritorialkommifsars. DaA Regierungsblatt veröffentlicht eine Verordnung, durch dick dem Territorialkommissar bei der Festung Mainz bis auf weiteres die Befugnis erteilt wird, den Verwaltungsbehörde!!! für den ganzen Bereich dieser Festung Weisungen zu erteilen,j soweit cs sich um die Anwendung von Gesetzen und die Durchführung von Anordnungen des königlich preußischen Gou^ verneincnts der Festung Mainz handelt, die betreffen: die! Fremdenpolizei, das Spionagewesen, die Landwirtschaft.! Handel ilnd Gewerbe nnd die Gesundhcits- und Veterinärpolizei. Insbesondere steht dem Territorialkommissar auch die Befugnis zu, im Einvernehmen mit dem genannten Gouvernement Slusländer aus dem Festungsbereich, gegebenenfalls auch aus dem Großherzogtum Hessen, anszu- weisen. Das Staatsministerium ist ermächtigt, diese Befugnis des Territorialkommissars noch auf weitere Gebietes auszudehnen. _ Wo man sich um Armecliescrungen bewerben muß. Di^ stellvertretende königliche Intendantur des 18. Armeekorps teilt folgendes mit: Da bks jetzt für die Truppen des? 18. Armeekorps ein Bcklcidungsamt noch nicht besteht, wollew sich etwaige Bewerber um Lieferungen von Armce-Be^ kleidungs- und Slusrüstungsstücken an die nächstgelegenew Beklcidungsamier in Eassel, Coblenz und Straßbnrg wenden^ die z. Z. den Bedarf für das Arnicekorps decken. Das gleiche gilt nainentlich auch für Arbeiter und Slrbeiterinnen, die Beschäftigung bei der Slnfertigung solcher Stücke suchen, z. B.- Wäsche, Drillichzeug, Ttichbekleidung, Hilsbinden, Hclmübcc- züge usw. — Die Wciterverbreitung der Notiz auch in anderen Zeitungen des Korpsbezirks wäre zweckmäßig, damit die durch den Krieg arbeitslos gewordene Bevölkerung Kenntnis von Dienststellen erhält, an die sie sich wenden kann. lieber den schriftliche» Verkehr mit dem Generalkvmmando ersucht uns dieses den Interessenten folgendes bekannt zu «eben: „Dcnr stellvertretenden Generalkommando 18. Armeekorps gehen in letzter Zeit derartig viel« persönliche Gesuche, Briefe in dienstlichen und privaten Angelegenheiten, sowie Zuschriften aller Art über patrioti- schc Wünsch« nnd Erfindungen, nn-ter Uebcrgehnng der vvrgeschricbe- nen und üblichen Zwischenbehörden zu, daß cS trotz erheblicher Brr-- mehrung des bis zum äußersten angespannten Personals iricht mehr imstande ist, diese Eingaben selbst zu beantworten. Derartige an das Generalkommando gelangenden Zuschrsstcn werden da-hcr sortair ausnahmslos zunächst der betr. Zwischenbehörde erster Instanz zur Prüfung, und, falls angängig, zur Entscheidung, andernfalls zum Bericht übersandt werden. Hierdurch entsteht für di« betr. Briefschrei-- bcr zweifellos ein erheblicher Zeitverlust, bevor sie einen Bescheid erhalten können. Da es sich aber in der überwiegenden Mehrzahl, der Fälle um solche Angelegenheiten handelt, welche im Wirkungskreis der Zwischenbehörde liegen und von diesen vollgültig entschieden werden können, so liegt «S im eigenen Interesse der betr, Briefsteller, daß sie ihre Eingaben an diese Behörden und n i ch t a n d a s G e n c-- r a l k o in m a n d o richten. Ein Gleiches gilt für das persönliche Anbringen von Gesuchen. Bezüglich der zahlreichen ohne Nainens- nnterschrist hier eingehenden Briese, wird bemerkt, daß sic ausnahmslos in den Papierkorb wandern." Eine sehr wichtige Feld- unh Gartenarbeit, die schleunigst in Angriff genonimen werden muß, ist die Vernichtung der Raupen an den Gcmüsepilanzen, und zwar an solchen PflaWbnartc», von denen wir andere Teil« als di« Blätter genießen, denn di« Pflanze atnict^ durch die Blätter nnd kann sich deshalb ohne diese nicht entwickeln. Die Raupenplagr ist i» diesem Jahre besonders stark: an manchen Pflanzen sitien 49 und mehr Raupen, im Durchschnitt kommen auf jede Pflanze mindestens 10 bis 15 Raupen. „Ich selbst habe gestern — so schreibt uns ein Abonnent unseres Blattes — „in verhältnismäßig kurzer Zeit über 2009 getötet und darnach dies l>erc-l>ii«t". SSier und da stehen schon Pflanzen, von deren Blätter nur noch die Rippen übrig sind! Die Raupen niüssen abgelefcn und zertreten oder sonstwie vernichtet werden, kleinere kann man an Ort und Stelle mit Hits« der Blätter zerdrücken: wer di« Tiere nicht mit der hießen Hand augreisen kann, soll alte Handschuhe anziehen, aber vernichtet müssen dies« gesräßigen Tier« werden, da Hilst rricfrtc-: sonst gehen viel« wertvolle Nahrungsmittel zugrunde. Man schon« aber di« gelblichen, klümpchemveis« in seinem Gespinst an den Blättern hängenden Larven der Schlupfmespc! Denn diese sst der schlimmste Feind der Raupen, durch sie werden mehr Raupen vernichtet als durch die Vögel, Die Schlupfwespe legt nämlich ihre Eier in die lebend« Raupe, in der sie sich dann ruttvickeln und ernähven. Man findet an den Blättern neben den Larven bisioeilen noch di« tote Raupe. Ta di« Kohlraupen leicht von den Blättern heruetter- fallen, muß man diese behutsam berühren, mich unter der Pflanze suchen. Man halte Raupen nicht ohne weiteres für tot. da sie sich gern« tot stellen. Acltcre Kinder können dirrch Uebernahme dieser Arbeit uns sehr viele Nahrungsmittel rettcn. Das Geschäft ist' immerhin etwas zeitraubend, nnd aus diesem Grruide bleibt cS Jeiber vielfach murre tan. denn cs flibt gerade jetzt in Feld und Garben eme Fülle von eiliger Arbeit. Bei der mächtigen Ausdehnung der Gemstseselder sind viel« Kräfte nötig. Außer Kindern eignen sich vorzüglich zu dcr dringenden Arbeit auch diejenigen Personen, die trxrurtger Weis« di« Benoundebentranspart« sowie die Verwundeten selbst in den Lazarette» für Schanstticke zu halten scheinen. Man biete sich sofort den Besitzern der Gemüsepflanznngen »irr Hilfe Raps mit Futterroggc»: c) Inkarnatklee oder Schioedenklee. 3. Stehcnlassen des asten Klees und Kräftig«:: desselben mittels angemessener, leicht löslicher Kunstdünger tnütigensalls mit etwas Stickstoffdünger nachheffenl). Eine schwache Siallmlst- deckc beschleunigt das Wachstum. 4. Einsäuern oder gegebenenfalls Trocknen bezw. Heuen von Gründtu»ungspflauzeu. wie Klee. Serradella, Lupinen (lediglich Einsäuerung), auch Rüheublatt oder Kartosfelbrant, 5. Beweidcn der Stoppeln, Wiesen und Weiden so lange, wie nur irgend möglich, auch mit Schweinen, Düngung der Weiden mid Futtcrschläg«. 6. Das zur menschlichen Ernährung brauchbare Gctiaide darf iricht versnttert werden. 7. Verwendung des gesunden Strohes zu Fntterzwecke». Als Ersatz der Einstreu konimen in Frage vornehmlich Torfftreu. ferner Waldstreu. Heidekraut. Sägeipäne. zum Füttern ungeeignete-, Kartoffelkraut. Tä>lls, Binsen und Erde. 8. Im gegebenen Falle Vrrfiittcrn von entschältcn und gerösteten Roßkastanie», Eicheln, Bucheckern, sowie Etutreiben von Schweinen in die Forst. 9. Es ist daraus hiuzuivirken, daß alle vorhandenen Trockne- rcicn. deren Zahl nach Mögliibkcit nock: zu vermehren ist, bis zur höchsten Lcistungdsähigtcil ansgenutzt werden tLohn- trocknnng). Das Trockensutter ist aufzubewahren, bis alle ivasserreichcn Futtermittel verbraucht sind. Es ist ernstlich zu erwägen, einen Teil der Zuckcrrübcncrntc — frisch oder getrocknet — z» verfüttern 10. Füttere noch Leistting. d. h. bevorzuge bei dcr Futterzn- tcilung die leistungsfähigeren'Tiere. .ttreiS fsriedbera-Biidingen. Lehrernotprüsungen. Ta infolge des Krieges in vielen Orten ocS Großhcrzogtnms Hessen Lehrermangel entstanden ist, so fand bereits Freitag in, Lehrerseminar zu Friedberg die Abgangsprnfung für die Seminaristen dcr Obcrklasse statt. Die Abiturienten sollen sofort im Schuldienst Verwendung finde» Wetzlar. g. Niederbiel. Kriegsopfer. Ter Musketier S t r a ck von hier, der beim Jnsonterie-Rcgtment Nr. 116 in Gießen diente, wird feinen Angehörigen als tot gemeldet. Westerwald «nd Nnierlahn. — Tödlicher Unfall. Jn Herb o in war der Briefträger Greb ans Lfsenbach (Dillkreis) im Bahnbcwachungddtcnst tätig. Er wurde in der Nähe von Burg von einer Lokoniotive erfaßt mid so schwer verletzt, daß dcr Tod sofort cintrat. Greb hinterläßt eine Witwe und drei unmündige Kinder. Telegramme. Rouen von den Franzosen geräumt. W. B. Kopenhagen, 5. Sept. (Nichtamtlich.) Nach einer hierher gelangten Nachricht haben die Franzosen Rouen geräumt. Rouen ist die Hauptstadt des gleichnamigen Arrondissements im Departement Seine-Jnfärieure, wichtiger Eisenbahnknotenpunkt und hat etwa 120000 Einwohner. Es ist eine der reichsten und industriellsten Städte und Mittelpunkt der BaumwoNindustrie Frankreichs. 600000 Arbeitslose in Paris. W. B. Basel. 5. Sept. (Nichtamtlich.) Dem Pariser Matin zufolge befinden sich in Paris 600000 Arbeitslose. Die Japaner schicken Bclagerungsartillcrre. T. U. Stockholm, 5. September. Russischen Zeitungs- meldungcn zufolge befindet sich eine starke japanische Belagerungsartillerie auf dem Wege nach dem europäischen Kriegsschauplatz. Sie soll jetzt die Uralgegend erreicht haben. Die deutschen Truppen im Vormarsch auf Antwerpen. W. B. London, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Aus Ostende wird gemeldet, daß die Deutschen Termonde beschießen. Termonde oder Dendermonde ist die Hauptstadt des gleichnamigen Arrondissements in der belgischen Provinz Flandern, an den Sttecken Löwen-Eent und Brüssel- Lokerm gelegen, ist gut befestigt und hat einen wichtigen Scheldehafen. General French über die Kriegslage in Nordsrankreich. XV. B. London, 6. Sept. Vom englischen Kriegspressebureau wurde gestern abend halb 12 Uhr folgender Bericht des Generals French bekanntgegeben: Die Lage auf dem Kriegsschauplätze hat sich nicht wesentlich verändert. Die Stellung der Verbündeten wird noch behauptet. Es bestehen Anzeichen, daß die Bewegungen der Deutschen sich in der Richtung nach Osten und Südosten entwickeln. Ruhe vor Paris. W. B. Paris. 6. Sept. Eine amtliche Mitteilung vom Samstag, 5. September, an die „Armee von Paris" besagt: Die Bewegungen der entgegenstehenden Armeen haben sich vollzogen, ohne daß heute seitens des Feindes irgend ein Vorstoß gegen unsere verschiedenen Stellungen gemacht wurde. Die deutschen Flieger haben es gestern unterlassen, Paris zu überfliegen. Der Vormarsch im Westen. Zwei Forts von Maubenge gefall,». Großes Hauptquartier, 6. Sept. (Amtlich.) Seine Majestät der Kaiser wohnte gestern den Angriffskämpfen um die Befestigungen von Nancy bei. Von Maubeuge sind zwei Fotts und deren Zwischenstellungen gefallen. Das Attilleriefeuer konnte gegen die Stadt gerichtet werden. Sic brennt an verschiedenen Stellen. Lvochenmarktprelse in Gietzerr am 5. September 1914 Butter per Pfd. 1.10—1.20 Mk. Milch Liter 22 Psg. Hühnereier Stück 9—10 Psg Gänsccicr Stück — Psg. Käse Stück 6—8 Psg. Kasematte 2 Stück 5—6 Psg. Tauben per Paar 0.8u—1.20 Mk. Hühner per Stück 1.20—1.80 Mk. .Hähne per Stück 1.50—2.50 Mk. Gänse per Pfund 0.00—0 00 Pf», lßnten per Stück 0.00—0.00 Alk. Ochsenfleisch per Pfd. 0.86-0.92®!!. Kalbfleisch per Pfd. 86—90 Psg. Kuh- u.Rindfl. per Pfd. 80—84 Pfq. Schweinefleisch per Pfd. 70—90 Psg. Hammelfleisch per Pfd. 70 —96 Psg. Kartoffeln p. Ztr. 4.00 — 4.80 Mk Neue Kartoffel» p. Pfd. 5—6 Psg. Zwiebeln per Pfund 12—15 Psg. Blumenkohl per Stck. 15—30 Psg Grüne Bohnen p. Pfd. 10—15 Psg. Gelbe Rübchen Päck 5—6 Psg. Kohlrabi Stck. 5—6 Psg. Römischkohl Tütchen 5—8 Psg. Gurken Stck. 10—15 Psg. Gurken, kleine Stück 3—5 Psg. „ im Hniidert 2—3 Mk. Weißkraut p. Haupt 10—20 Psg. Kopfsalat per Kopf 2—5 Psg. Acpfel per Pfund 15—25 Psg. Birnen Piund 12—20 Psg. Pflaumen Pnnsd 15—25 Psg Mirabellen Pfund 15—20 Psg Pfirsiche Pfd. 25—30 Psg Falläpfel Pfd. 5—6 Psg. Reineklauden Pfd. 12—20 Psg. Zwetschen Pfd. 8—10 Psg. GekamtLmachrmg Tic in Gießen wohnhafte», niilitärisch ansgebildeten Land- sturmpslichtigen zweite» Aufgebots ,verden hiermit aufgesorderk, sich am Montag, den 7. September, Dienstag, de» 8. September, und Mittwoch, de» 9. September 1914, vormittags von 8 bis 12 und nachmittags vom 2 bis 6 Uhr im Rat- Irans an, Marktplatz zur Landsturmrokle zn melden. Zn den mffiiürisch ansgebildeten Laiidsturmpflichtigen zweiten Aufgebots gcIHrcn alle Personen, die ihre Dienstpflicht in der Land- rdcr Scewchr 2. Aufgebots abgelcistct habe». Der Ueder- trttt znm Landsturm zweiten Ausgebots erfolgt am 31. März desjenigen Jahres, in nxtchem das 39. Lebensjahr vollendet wird. Die Dicnstpsticht dauert bis zum vollendeten 45. Lebensjahre. Da nach dcm Aufruf des LandstnnnS ein Ausscheiden aus denisellxn nicht mehr stattfindet, müssen sich onst diejenigen militärisch ausgebildeten L, melden, die nach dcm 1. August 1914 das 45. Lebensjahr vollendet habett. Zur^Akeldung sind sonaä) verpflichtet di« in 1875, 1874, 1873, 1872, 1871, 1870 und vom 1. August bis 31. Dezember 1869 geborenen Landsturmpflichtigcn, soscrn sie zum ansgebildeten Land- sttrrm gohörcn und in Gießen wc>hnhast sind. Bei der Anmeldung ist der Militärpaß vorzulegen. Die bet «stier Landsturnfformation bereits eingestellten Lan>d- sturmpflichtigen sowie die militärisch nicht ansgebildeten Landsturm- pslichtigc» zweite» Aufgebots werden von dieser Anssordernng nicht betroffen. Gießen, den 4. September 1914. Der Oberbürgermeister. ____ K eilet. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbachcr Abendblatt, G. m. b. H.. Osfenbach a. M. HkM-Mmartt p Weil. Am Mittwoch, den 16. September 1914, vormittags von 7 Uhr ab findet n»s den städtische» Marktanlagcn an der Rodhcimer- straße Pfedemartk statt. Dcr Austrieb von Pferden aus Sperrbezirken ist unzulässig. Bezüglich der in dcr Nähe des Marktplatzes vorhandenen Stallungen erteilt Herr Lohnkutschcr Huhn Auskunft. Mit dcm Pfcrdcmarkt ist eine Prämiierung des besten Pfcrbematcrials verbunden, wofür reichliche Mittel zur Verfügung stehen darunter 250 Mk. aus Mitteln des Hessischen Landes-Pferdezuchtvereins. Ter PrämiicrungSpIan ist von Herrn Wcinhändlcr August Schwan in Gießen erhältlich. Die Prcis- vcrteilung erfolgt „ach Beendigung dcr Prämiierung. Die für den Herbst-Pscrdcmarkt vorgesehene Verlosung ist mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern mit Rücksicht ans die engetrctene Mobilmachung bis auf weiteres zurück- gestellt worden. Gießen, 4. September 1914. Die städtische Pserdemarkt-Depniatio». ' ktz r ii n e w a l d , Beigeordneter. sür Stadt und Landkreis Giessen ^ Giessen, Aster weg; ®, nn*. Stock £ | Sprechstunde: Jeden Donnerstag: 6—Uhr abends. £[[ Unentgeltliche ärztliche Untersuchung von AIIcoImI- ET I kranken. Rat und liciKtnnd für sie und ihre Angehörigen, auch B I hinsichtlich der Heilung:. I Auch schriftliche Anfragen werden von der Trinker- jj? I Fürsorgestelle beantwortet — Wir empfeßCen: Iiihatt: ■ fl&r - 5 vorschriftsriräffig bedruckt, ^eldpostbrief- -ttsjr- Umschläge nebst Briefbogen sowie 5 Feld- Postkarten. Preis nur £0 PIg. Lberhejs. Mföjeitung Gießen, *' Ortsgruppe Gieße». Auskttnftstelle für Franenbcrnfe. Frauen und Mädchen erhalten nncntaelttick, Rat und 2Ius- liinft für alle Berufe ini alten Rathaus, Marttplatz 14. Dienstags nachm, von 6'h—T'l, Uhr. Rcchtsschiitzstcllc. Franc» «nd Mädchen erhalten uncutacltlich Rat nnd Auskunft in NcchlSangclcgenhkitcn im alten Rathaus Markwlat! 14 Mittwoch nachmittags von ö‘l, bis 8 Uhr. lausen Sie gut bei IcikoöSchiipp. Hießen rvalltoritr. 68. rclcvbon 237. Reparaturen billigst. 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