zkilW Organ für die Jntereffen des werktätigen Volkes der Provinz Obcrhcffen und der Nachbargebiete. Die OberbeMIL- BolIS»ctt»na erscheint leben Werttag Abend in Eieben. Der AbonncmentSpreir beträgt wöchentlich Ib Ptiv. monatlich 8) Psg. ctnschl. Bringerlobn. Durch die Post bezogen viertcljäbrl.lMMk. Redaktion and Expedition Sieben. BabnbotbraKc 2L, »etc «Sweniassc. tkelevbon 2008. Inserate tosten die 8 mal gcspalt. Kolonelzeilc oder deren Raum 15 $fa* Bei gröberen Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bi» aben»«7»br für die folgende Nummer in der Expedition aufgebe». Nr. 204 Gicßcii, Freitag, Den 4. September 1014 9. Jahrgang Die ersten Opfer von Paris. Auf dom Pere Lachaise, deni berühmten Friedhof von Paris, liegt aus einer Marmorplatte die in Erz gegossene Gestalt eines jungen Mannes. Seine bürgerliche Kleidung zeigt die Mod« von 3870. der Hut ist ihm entfallen, und während die Rechte noch den Stock umkrampft, hängt die Linke erschlaffend herab. Auf den Zügen ruht »od) nicht di« Starre des Todes, und die Brust scheint noch leise zu atuien. und doch fühlen wir di« Unabivendbarkcit des Verhängnisses, das sich an den, Füngting erfüllt hat. Drunten, sechs Fuß tiefer, liegt das erste Opfer der Belagerung von 1870, gefallen auf de» Wällen von Parts! Viermtdvierzig Fahre lang sah Paris den Frieden. Am 30. August 3014 aber nahte sich zu»» erstenmal ivieder der Feittd. Irr kam mit drin Wind über die Wolken her und warf von dort das erste todbringende Geschost. Wir lesen in der Frankfurter Zeitung, daß an dieseni Tage, einem Sonntag, ein deutscher Flieger über Paris erschien, er kreist« stundenlang 2000 Meter hoch in den Lüften und ivarf drei Bomben. Tie ein« fiel, ohne weiteren Schaden an- znrichten, auf eine Druckerei, die zweite fiel vor einem Bäckermeister nieder, der an der Kaffe sah. er wurde durch Splitter leicht vcr- ivundet. Di« dritte fiel in die Rue des Rccollcts, es gab eine hes- tige Erplofion, und als die Vorübergehenden hcrbeicilten, fanden sie zwei Frauen schwer verivuudet am Boden. Di« Ru« des Rccollcts liegt in der Nähe des Pariser Nordbahnhofs, in einer Gegend, die jedem Deutschen, der einmal di« sran- zösischc Hauptstadt besuchte, wohlbekannt ist. Mancher wird sich auch des kleinen Gähchens erinnern, das den Faubourg St. Martin mit dem Quai Balm» verbindet. Cs ist eine kleinbürgerlich« Gegend, man weist dort wenig von der hohen Politik, die weit drüben am Quai Ji'Comi) gemacht wird. Und di« beiden Frauen, die die ersten Opfer der kommeuben Belagerung waren, tragen keine Schuld an dem verhängnisvollen Bündnis mit Rustland. Wir haben uns seit einem Monat an vieles gewöhnt. Aber uns schaudert doch die Haut, wenn wir an die Szene in der Rue des Rccollcts denken. Und kein Mensch in Deutschland wird sich dem Gefiihl tiefschmerzlichen Bedauerns darüber erwehren, dast cs gerade zwei arnie unschuldige Frauen waren, die das Ovfer des ersten Angriffs auf di« jeindlichc Hauptstadt geworden sind. Wir hören von irgendwo eine rauhe Stimme sprechen: „Was wollt Fhr. das ist der Krieg!" Ja, mir wissen, das ist der Krieg, der ungeheure Krieg von 1014, der in drei Weltteilen zu Waffcr, zu Land und in der Lust geflchrt wird, der Krieg, in dem Völker um ihr Dajein ringen, der Krieg, der kein Erbarmen kennt. Und nicht um Sentimentalitäten zu wecken, für di« kein Raum bleibt in dieser ctsenhartcn Zeit, nein, nur um uns selbst zur Ehrlichkeit zu mahnen, wollen wir uns das Bild jener arme» Geschöpfe vor Augen führen, die der zerschmetternde Grus, d:S deutschen Fliegers erreicht hat. Wir wiffen alle, dast nichts anderes übrig bleibt. Stahl und Blei, Pulver mid Ekrosit führen jetzt das Wort. Aber wir wollen den Fall unserer Bomben nicht mit moralischen Somitagsprcdigten begleiten, wir wollen unser« 42 Zentimetcr-Geschoffc nicht in Traktätchen wickeln, wir wollen dem Feind nickt sein« Schlechtigkeit ror- lialten, während wir uns mit unsere» Tugenden brüsten. Wir wollen begreifen, dast man uns im Umkreis der Rue des Rccollcts jetzt nicht lieben kann, dast man dort unser Tun nicht mit Segenswünschen begleitet, und wir wollen nicht sittlich entrüstet sein darüber. das, auch andere Leute nur noch ein Ziel kennen, nämlich ihr Vateiland zu verteidigen. Ten Wert der Mittel, die dabei angewendet werden, entscheidet der Erfolg allein und nicht der Sitten- richter. Denkt an die ersten Opfer von Paris und — richtet nicht! Und abermals fylict^cr über Paris. Wie Kopenhagen«,: und Rotterdamer Zeitungen in Ueberein- sttmmung mit Reuter melden, erschien am Abend des 1. September gegeu /-8 Uhr wieder ein deutscher Flieger über der Stadt und warf mehrere Bomben aus, von denen eine in der Nabe des Bahnhofs ^t. Lazare, eine andere in der Nähe der grostcn Oper niedersiel und explodierte. Aus dem Geknatter der Maschinengewehre, das sofort hörbar wurde, solgcrte man in Paris auf einen Kamps tn den Lüften. — Die Turiner Stampa meldet aus Paris, der dortige amerikanische Botschafter habe auf Vcranlaffuna des Ausschitffcs der amerikanischen Kolonie nach Washington einen Bericht über die Bombenwürfe deutscher Flieger gesandt und die Regierung der Vereinigten Staaten ausgefordert, in Berlin dagegen zu protestieren. Paris eine halbtote Ltadt. Paris bietet das Bild einer halbtoten Stadt. Die Zcitungs- JUttflen dürfen die Blätter nicht mehr laut auSrufen. Die Ucbcr- fchrijtcn der Artikel in den Zeitnngen dürfen nicht mehr sensationell 1 «m, und nicht mehr über zwei Spalten breit gedruckt werden. Ter Präsident des Munizipalratcs erlich ein Manifest, in dem er der uicht ivaffentragenden Bevölkerung rät, abznrcisen. damit keine unnügen Münder in Paris sind Auch der Kriegsminister hob die ^"tschrrften auf, die bisher während der Kricgszciten sür Reisen notig ivaren. Infolgedessen verlässt die Bevölkerung iit Scharen *<« Hauptstadt. Zeppeline wieder über Antwerpen. . Antwerpen wird über Kopenhagen, bczw. Rotterdam cm Berliner Lokalanzciger über ein neues Erscheinen iinsc- t Zeppeline über der belgischen Hanptscstung bc- '5 iii Zcppclinlustschiss erschien gestern morgen gegen .! Uhr über der Stadt und erössnctc ein heftiges Bombardc- Oroßrn Schaden stiftete. Es gab viele Tote. Das -ufftchiff wurde mit Gewehren und Kanonen beschossen. t^itt Zusammenstos; französischer Militärzüge. Die Gazette de Lausanne verbreitet die Nachricht, es habe sich spor emigen Tagen bei Epinal ein Zusamnienstoß zwischen zwei Der fmrti. französischen Militärzügen ereignet. Es sollen dabei 87 Soldaten getötet und verwundet worden sein, die dem Neberrest eines Regimentes angehört hätten, das bei MUlhause» gegen die deutsche Infanterie gekämpft hatte. Rumättieu vor der Enlscheiduirg. Tie Ruffen transportieren das für Serbien bestimmte Kriegsmaterial aus der Donau und haben die Absicht, auf dem gleichen Wege, den Serben auch Truppe» zuzuführcn. Das kann aber nur unter Bruch der rumänischen Neutralität geschehen. Der Berliner Lokalanzciger schreibt dazu, offenbar offiziös inspiriert: „Die Meldungen über den Transport russischer Munition und russischer Hilsstruppcn aus der Dona» sind sehr geeignet, unliebsames Aufsehen zu erregen, doch lassen sich daraus noch keine Schlüffe auf die Haltung Rumäniens ziehen. Dies hat seine Neutralität erklärt und wird sie hoffentlich auch zu wahren wissen, wenn die Russen unter dem Schutze der Handelsflagge versuchen sollten, Munition und Hilfstruppen den Serben zu Schisse zuzu- fnhren. Die rumänische Regierung hat das Recht, jedes verdächtige Schiff auf ihrem Gebiete nnzuhalten und nach Kricgs- kontrebandc zu untersuchen. Ein Truppentransport nach Serbien aber wäre eine direkte Verletzung der Neutralität. Es ist deshalb anzunchmen, dast die angeblichen russischen Mastnahmen an der Donanmllndiing eine weniger bedrohliche Erklärung erfahren." Die italienischen Lozialistcn garantieren die italienische Neutralität. Wie der ossiziösc Mitarbeiter der Köln. Ztg. seinem. Blatte meldet, besteht jetzt in maßgebenden amtlichen Kreisen lein Zweifel mehr, daß Italien neutral bleiben werde. Tat- Ei n greifen Englands habe für Italic» eine Sachlage geschaffen, deren Charakter auch dem ausländischen Be- urteiler ohne weiteres klar sein werde. Es komme hinzu, daß Italien durch den Kricgsansbrnch völlig überrascht worden sei; in Tripolis ständen heute noch 60 000 Mann italienischer Truppe», weitere Truppen ständen in Eythräa. Tanebcn hätten innere Schwierigkeiten die Entschließung der italienischen Regierung stark beeinflußt; die öffentliche Meinung sei unter diesen Umständen jedem Eingreifen stark abgeneigt gewesen, und die deutsche Regierung wie die österreichische hätten gegen die durch die dargeleg- tc» Umstände bestimmte Haltung Italiens nichts c i n z u w e » d c n. Ter offiziöse Mitarbeiter der Kölnischen Zeitung stellt dann fest, daß die H a l t u n g der italienischen Sozialisten die „wohlwollende Neutralität" Italiens stark bccinflnssc: „Was die Parteien in Italien anlangt, so komme» hier die anti-österreichischen Nationalisten und die Republikaner mit ihren Wünschen und Hofsnungen wenig in Betracht. Mehr bedeutet der E i n s l u st der Sozialisten, der nach ihren mehrfachen Erklärungen ganz entschieden sür die Ausrcchterhal- tnng der Neutralität in die Wagschalc fällt." Cywpnthiett für Finnland. Allenthalben entdeckt man jetzt in Deutschland sein Herz sür die vom Zarismus Unterdrückten. Man erkennt die Leiden der Arbeiter, der Inden, der Polen usw. und spricht den verbündeten Heeren Deutschlands und Oesterreichs die Mission zu, sie alle von ihrem Joche zu befreien und ihnen das Tor zu einer schönen Zukunft zu öffnen. Auch der Finnländer wird gedacht und der bekannte Philosoph Professor Rudolf E n ck e n zu Jena vcr- öfefntiicht im Berliner Tageblatt einen Artikel voll warmer Freundschaft sür diesen Staat, der ebenfalls von dem Zaren und seiner Negierung des Rechtes der Selbständigkeit beraubt worden ist- Er erinnert daran, daß es in Tcutschland immer einen Kreis von Personen gegeben habe, die mit tiefer innerer Anteilnahme das Schicksal Finnlands verfolgt hätten und die zum mindesten bereit gewesen seien, für die Erhaltung der K u l t u r g e ni e i n s ch a f t zwischen dtpn Land der Tausend Seen und dem westlichen Europa z» arbeiten. Leider hätten diese Sympathien in Frankreich und England, wo man cs mit Rußland nicht habe verderben wollen, keine Unterstützung gefunden und selbst der Plan der Gründung einer unpolitischen Gesellschaft von „Freunden Finnlands" sei dort mit Rücksicht auf die Verbündeten an der Newa verworfen worden. Hier muß eine Einschränkung gemacht werden. Professor Eucken hat sicher immer zu denen gehört, die ein warmes Interesse für Finnland an den Tag legten, aber er ist leider nicht berechtigt, in dieseni Falle das ganze Deutschland mit sich zu identifizieren. Nicht nur der Plan, eine Gesellschaft der Freunde Finnlands zu gründen, sondern auch andere Versuche, das Los der finnländischen „Untertanen" Nikolaus II. zu erleichtern, stießen bei sehr vielen Deutschen, an die man heranging, auf starken Widerstand. Die Wackeren wollten es in jenem Zeitpunkt ebenso wenig wie die Engländer und Franzosen mit der russischen Regierung verderben und außer- deni hatten sie die große Sorge, daß Freundschaft für Finnland mit Freundschaft für die Revolution verwechselt werden könnte. Wir erinnern uns beispielsweise daran, welche großen Schwierigkeiten cs vor ein paar Jahren niachte, für einen Aufruf der europäischen Parlamente zugunsten des finnländischen außer den Sozialdemokraten noch ein paar bürgerliche Mitglieder des Deutschen Reichstages zu gewinnen. Mit Mühe und Not brachte man ein paar Freisinnige und, wenn wir nicht irren, ein paar Zentriimslcnte auf die Beine. Doch wir wollen das Vergangene ruhen lassen und uns freuen, daß das Verständnis für das Selbstbestimmungsrecht der Nationen unter dem Einfluß der kriegerischen Verwick- lungen in Deutschland zu wachsen beginnt. Nur sollte man an die nationalen Probleme dann vorsichtiger herantreten als cs leider Professor Eucken tut. Er schließt seinen Artikel mit folgenden Worten: Wenn nun heute dank deutscher Kraft und deutscher Treue die Zeit einer grostcn Abrechnung kommt, so bars man hoffen, dast Finnland dabei nicht vergessen werde, dast auch sein Los dabei eine Wendung zum Besseren erfahre. Wir Deutschen besonders müssen das wünschen. Kaum irgend ein anderes Volk stellt sich so freundlich zu unserer Kultur und suhlt sich uns in seinem Streben so eng verbunden, als das sinnischc Volk, cS könnte, zu: Selbständigkeit gelangt und etwa unter unserem Schutze, ein Bollwerk des Germanentums gegen moskowltischc Habgier, ein Bollwerk zugleich einer echten Kultur gegen ein stbertstnchtes Barbarentum bilden. Darum zieht auch Finnland in die politische Rechnung mit ein. Das sind sehr bedenkliche Ideen, die der Jenenser Philosoph da entwickelt. Finnland soll ein selbständiger Staat sozusagen unter dem Protektorat des Deutschen Reiches und ein Böllwcrk des Germanentums werkten. Danach' scheint es, eil? ob Prof. Eucken gar keine oder eine nur sehr unvollkommene Vorstellung von der Zusammensetzung der Bevölkerung des Landes habe. Nur etwa 14 Prozent der Einwohner sind ihrer schwedischen Abstammung nach in weiterem Sinne als Gerinanen anzusprcchcn. Sie sitzen hauptsächlich in den Küstcugebieteu und bilden dort die soziale Oberschicht. 85 Prozent der Bevölkerung aber sind Finnen, d. h. ein Zweig der mongolischen Rasse, der schon vor dem Einrückcn der indo-europäischen Völker den Norden und Nordostcn Europas bewohnte. Diese 85 Prozent wollen zwar nicht unter dem russischen Joche leben. Sie haben aber ebenso wewnig Sehnsucht und sind vor allen Dingen weder gewillt noch imstande, ein Bollwerk des Germanentums zu bilden. Es ist außerordentlich kühn, sich über sie einfach hinweg zu setzen und Finnland nur nach seiner dünnen Hcrrenschicht rassenmäßig einzugliedern, ganz abgssehen davon, daß es zum mindesten zweifelhaft ist, ob auch nur die 15 Prozent Schweden das deutsche Protektorat als wünschenswert an- schen. 'Tic Art, wie hier Sympathien für einen bestimmten Staat an den Tag gelegt werden, ist jedenfalls »ngehcner bedenklich, sic kann zur Folge haben, daß das Gegenteil von dem erreicht wird, was beabsichtigt war. Die Türkei mobilisiert! Auf Befehl des Sultans ist die allgemeine Mobilmachung von Heer uud Flotte in der Türkei befohlen worden. Alle militärpslichtigcn osmanischen Untertanen werden ausgcsor. dcrt, sich unverzüglich in die Heimat zu begeben und sich bei den Militärbehörden zu melden. Eine Denkschrift der Katholiken. Tic Führer der deutschen Katholiken haben über die Ursachen »nd den Verlauf des Weltkrieges eine Denkschrift versaht, die den in Rom zum Konklave versammelten Kardinälen zugestcllt werden soll, mit der Bitte, die Darlegungen in den Heimatländern zu verbreiten. Kitcheners zweite Armee. einer Meldung des Nieuwen Roticrdainfchcn Eonraati aus London herrscht dort graste Zufriedenheit über den starken Zulanl zu Kitcheners zweiter Armee, die bekanntlich 100 000 Man» stark iverden soll. Aus London allein seien sechstausend Man-n g«ko-nimen — für eine Acht-Millronen-Stadt in Wahrheit gerade kdtne grvstc Zahl. Es mangelt zudem an Aerzten. Tic holländischen Blätter iveisen daraus hin, das; die neuen englischen Mannschaften keinen großen Wert hätten, da ftc erst «liege hübet werden mnstten und bei dem .Herübcrschasfen aus den Kantinen» in kleineren Abteilungen lediglich Kanonenfutter davstellen könnten. Die französische KriegsfiihrnnK. Ter Korrespondent der Times berichtet aus Boulogn«, dast es» Trupp deutscher Infanterie bei Bapanme in eine» Hinterhalt geraten sei, da eine französische Batterie in einem Wald ixifteckt ivar Der deutsche Ossiztcr histtc wegen der Umnöglickckei», sich zu i>tr. leidigen, die weist« Flagge. Trotzdem wurde das Battericseuei weiter unterhalten und di« Aöteürmg vernichtet. Tie Berwcnvung von Tum Tum Geschossen. XV. B. Berlin, 2. Sept. (Amtlich.) Unsere Armeen haben, wie schon gemeldet, den gefangenen Franzosen und •V Engländern Tausende Jnfantericpatronen mit tief ausge> höhlten Gcschoßspihen abgenonimcn. Die Patronen befanden sich znm Teil noch in der mit dem Fabrikstempel versehenen Packung. Die maschinenmäßige Anfertigung der Geschosse ist durch Zahl und Art unzweifelhaft festgestellt. Im Fort Longwy wurde eine derartige Maschine vorgesunden. Tie Patronen wurden also von der Heeresverwaltung den Truppen in dieser Form geliefert. Gefangene englische Offiziere versichern auf Ehrenwort, daß ihnen Munition für die Pistolen ebenfalls mit derartigen Geschossen geliefert worden seil Tie Verwundungen lütterer Krieger zeigen die verheerende Wirkung dieser Duin-Dum-Gcschosse. Während Frankreich und England unter grober Verletzung der Genfer Konvention Geschosse zulassen, deren Verwendung ein Merkmal barbarischer Kriegsführung ist, beobachtet Deutschland die völkerrechtlichen Bcstimmnngen genau. Im gesamten deutschen Heere wird kein Tum-Dum-Gejchoß verwendet. Ueber die Zerstörung Löweus schreibt ein belgischer Tominikcincr, der mit noch 32 seiner Klosterbrüder in Köln angckommcn ist, der Kölnischen Volkszeitung: Die belgische Regierung erlich snach dem Einzug der deutschen Truppen) eine Bekanntmachung, die zur Ruhe ausforderte und besonders vor dem Schießen warnte, da sonst schwere Strafen verhängt würde». Tic Geistlichen wurden angewiesen, diese Kundmachung an, Sonntag, dein 23. August, zu verkündigen und dein Volke cinzuschärfcn. Von dem deutschen Militär waren Geiseln festgenoinmen worden, die, da alles ruhig blieb, am 24. abends wieder freigelaflen wurden. Am Dienstag, dem 25., morgens wurde noch einmal in allen Kirchen zur Ruhe und Besonnenheit ermahnt. Am Nachmittag dieses Tages kamen um 5 Uhr ncnc deutsche Truppen an, die, wie auch die vorhergehenden, die mittlerweile Löwen wieder verlassen hatten, in der Stadt cinguarticrt wurden. Bald darauf verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, Engländer und Franzosen seien von zwei Seiten im Anzug. Man hörte um diese Zeit Kanonendonner und Gcmehrfcncr. Alsbald wurden an? den Hausern vereinzelte Schüsse auf die Soldaten abgegeben, was zur Folge hatte, dah um 7 Uhr 30 Minuten abends die Soldaten unter die Waffen gerufen wurden, Ta begannen die Bürger in größerer Zahl aus den Häusern auf die Teutschc» zu schießen, Tie Truppen antworteten mit Gewehr- und Maschincngcwchrscucr, Der Kampf dauerte die ganze Nacht hindurch. Schon gingen Häuser ln Flammen auf, besonders in der Bahnhosstraße. Tie große P c t c r s k k r ch c, in der man W a s f c n gefunden hatte, wurde zusammcngcschossen. Jeder, der sich am Fenster zeigte, wurde beschossen. Tie Geiseln wurden von neuem cingezogen und aufs Rathaus gebracht. Taruntcr befanden sich der Vizcrektor der Universität EoenractS, der Subprior der Tominikaucr und noch zwei Priester. Vom Rathaus ivurde» diese Geisel» untcr militärischer Begleitung durch die Straßcii gcsührt, damit sic an den Straßenecken die Bewohnerschaft in französisch und slämisch zur Ruhe mahnte». Tas dauerte bis 4 Uhr liachis. Gleichwohl wurde während dieser Zeit auS den Häusern geschossen. Die Soldaten erwiderten das Feuer und die Brände mehrten sich. Ai» Mitiivoch mittag wurden die Geiseln von neuem durch die Straßen geführt, und sic verkündeten in beiden Sprachen, baß s i e selbst erschossen würden, wenn der Widerstand nicht eingestellt werde. Es nutzte nichts; selbst während dieses NundgangeS wurde das Feuern nicht eingestellt; man schoß sogar auf die Soldaten, die die Geisel» begleiteten, ebenso aus den Arzt. Tic ganze Nacht aus Tonnerstag setzten sich diese Schändlichkeiten fort. Besonders auf dem Boulevard gingen nun immer mehr Häuser in Flamme» auf. Am Donnerstag, 27. Angust, um ’Af) Uhr vormittags kommt ein deutscher Offizier in Bcgleilnng einiger Soldaten in das Kloster und fordert einige Paters mif, überall z» verkünden, daß die Stadt nun bombardiert werden würbe. Es wurde den Bewohnern geraten, alles stehen und liegen z» lassen und sich nach dem Bahnhof zu begeben. Kurz darauf begann das Bombardenicnt der Stadt. Von anderen Seiten wird berichtet, daß sich besonders das „bessere" Bürgertum an den Franktireurkämpfen beteiligt habe, auch daß Klosterbrüder an 50 Soldaten hinterrücks niedergemacht hättcii. Dem Chef des Teutschc» Gcncralstabcs sei die Kehle duichschuittcn worden. (V) Die Franktireurs von Löwen sind nach dem Truppenübungsplatz Münster in Kricgsgcsangcnschast transportiert worden. Es befinden sich unter Ihnen ein Kjähriger Junge, Burschen von 13 bis 10 Jahren und zwei ehemalige Heidelberger Studenten. Ans der Fahrt von der Westgrcnzc nach Hannover wollte sich ein Franktireur durch eine» Sprung aus dem Zuge befreie». Er wurde von einem O-Zuge auf dem Ncbcngelcisc zermalmt. Ein hünenhafter Bauer warf seine Geldbörse und seine Uhr znm Feilster hinaus und wollte eine» Wachtposten erwürgen. Er mußte durch mehrere Bajonette und eine Kugel getötet werden. Das Elend in Belgien. In Brüssel gveift das Elend um sich. 80 000 arme Familien sind ohiie Nahrung. Ter Gcmicindcrat versammelt sich, um helfend «inzugrcifen. Ter Krotzherzog von Mecklenburg wohnt im Ratl>auS. Das Militärkommando befindet sich im Miiijsterium. Tas Schloß wird als Lazarett benutzt. Tie Besatzung Kaiser Wilhelm des Groszen gerettet. Berlin, 2 Tcpt. (W. E. Amtlich.) Nach einer telegraphischen Meldung des Koni Mandanten des nach dem Gefecht bei Rio bei Lro versenkten Hilfskreuzers „Kaiser Wilhelm der Große" ist wahrscheinlich die gesamte Besatzung gerettet worden. Schwere Brschädignngcit eines englischen Schiffes. Tailii Telegraph berichtet: Tie englische Flotte ist venn Helgoländer Gefecht znrückgckehrt. Ein Schiff, dessen Name ungenannt bleibt, trug schwere Spuren des Kanipfes. Es hatte 14 mit Holzstücken gestopfte Löcher, auch die Brücken waren verbogeii. Das Schiff hatte Tote und Verwundet« an Bord. Ter erste deutsche Schuß hatte die Tunamomaschine getroffen, uiid das Schiff war in Tunk«! gehüllt. Spätere Schüsse fegten die Schornsteine weg, zerstörten Geschütze und drangen in die Ofsiziersmcsse ein. Jüdische Truppen in Aegypten. Ter Messagero meldet die Ankunft von 3 Transporte schissen mit 25 000 Mann indischer Truppen in Port Said. Pharisäertum. Ju einem Artikel, den der Täglichen Rundschau ein Freund sendet, der als deutscher Seemannspastor in England tätig gewesen ist, findet sich folgende Stelle, die die vcrwersliche Krämeihastigkcil des englischen Volkes charakterisieren soll: „Ich habe noch etn« alte, schöne Kommode, von meiner Mutier ererbt," sagte neniich ein altes, deutsches Bauernmütter- chcn, „die will ich gern drangeben, wenn wir bloß siegen"; ivic widerlich protzenhast und doch arnrsrlig klingt dagegen die öffentliche Bekanntmachung eines englischen Gcldmannrs, der 5000 Mk. dem Soldaten zahlen will, der die erste deutsche Fahne erobert. Wir brauchen mit schnödem Diamin«» unsere Söhne im Felde nicht zu ermutigen und wollen solche» feindlichen Protzen nur sagen: Warle mir ein bißchen, die Reihe zu zahle» kommt schon noch an dich, um dein« eigenen und deiner Freunde Fahnen zu retten, falls nock, ivelck^c zu retten sind. Ter Haß mackst nicht nur blind, er zerstört auch bas Gedächtnis. Ti« Tägl. Rmidsckmn fort ganz vergessen, daß zu Beginn des Krieges auch deutsche Prioatleuie Geldpreise für di« Eroberung der ersten seindlichcn Fahne ansgesctzt haben. Daß die Summen nicht in die Tausende, sondern nur in die Hunderie gingen, macht keinen Unterschieb. Die Gröhe der Schlacht von St. Quentin. Nachträglich wird nock, von verschiedene» Berichterstattern Her Berliner Blätter gemeldet: Tic Armee des Obersten von Bülow hat in der sicgreichcn Schlacht von Saint Quentin gegen 4 sranzösischc ArincckorpF und 3 .Kavalleriedivesione» gekämpft. Tic Schiacht war heiß und hat fast zwei Tage gedauert. Negierungsmaszi,ahmen gegen den Notstand in Württemberg. Ter Vorstand unserer würiieml-rrgischkn Laudtagsfraklio», der sich vor einigen Tagen mit dein Mimsdcrprästüentcn von Weizsäcker über die Noistandsmaßnatzmen besprach, hat nunmehr auch ein« Aussprache mit dein Minister des Innern von Fkoischauer lstrbei- geführt. Ter Minister stellte die sofortig« Jnangrissnafone einer Reitze öffcirilichcr Arbeiten in Aussicht. So fallen fort der Neckar- Korrektion 3000 Arbeiter beschäftigt werden. Ten Z wischen unter - nehniern sieht ein Reckst auf Auswahl der Arbetter »ich« zu, diele werden ihnen vielmehr von den kommunalen Arbcttsnachweisen zu- grwicscii. Ein bereits an die Gemeinden herausgegebener Erlaß, der die Fortführung der ctatsmaßigcn Gemelndcartzciien anrcgt, soll in den nächsten Tagen erneuert und den Gemcindevcrwaktungcu besonders ans Herz gelegt werden. Ter Minister erkannt« an, daß die öfscnllichcn Körperschaften fiir die durch den Krieg in Rot geratenen Volkskrcis« ftir Nahrung, Obdach und Kleidung zu sorgen haben. Tie Wohin,»gssrage sei insoweit gelöst, als nach der Verordnung des Bundesrais d!« Austreibung wegen MictSsordcrungen, die vor dein 31. Juli entstanden sind, nicht stattfinden. Reiche diese Vcvordiiuiig ftir den 1. Oktober als nächsten Mietszniisterniin nicht aus, so müsse eine neue erlassen werden. Für Nahrung und Kleidung hätten die Gemeinden Sorge zu tragen. In den größeren Städten könnten, soweit dlcz nicht schon geschehen, Einrichtungen zur gemeinsamen Speisung der 'Bedürftigen grtrossen werden, »nd im Übrigen würden bare Untersttitzungen zu gewähren sein. Tie Regierung lehne di« Gewährung von Zuschüssen im Bcbürsnisfoll« nicht ab. Ter Minister erklärte sich auch zur Ausgab« eines entsprechenden Eriasies bereit. — Von unseren Vertretern wurde die Beschaffung größerer Mengen Nahrungsmittel seitens der Elcmcin- den befürwortet, die vereinzelt schon in die Wege geleitet ist. Ter Minister erkannt« an, daß alle diese Unterstützungen sämtlichen Be- bürfttgen zugute konimen müssen. Daß ihnen der Eharaktcr der Arinenuniersrütznng nicht anhaften darf, ist bereits durch den Staats, anzcig«! ausgesprochen worden. ~ Auch die Notwendigkeit, ftir den Großistindel mit Mehl und Kartoffel,, Höchstpreise sestzufetzen, erkannte der Minister an- Tie Mchlpreise müsien aber, da Württem- b-rg sei» Mehl zun, Teil von den Mühle» an, Rhein bezieht, mit Baden und Baistr» vereinbart werden. Tic eitiflt trete ne Steigerung der Ziickcrpreis« hielt der Minister für völlig ungcrcchifertigt angesichts der günstigen Rübenernt« und der völligen Unabhängigkeit der Zuckcrindustrie vom Auslände. Ter Minister vcrfprach, allen diesen Fragen nach wie vor di« größt« Aufmerksamkeit zuzuwcnden. Tic Siegcsbcutc Oesterreichs. 50 000 russische Gefangene! Nnch einem Telegramm der Frankfurter Zeitung wird aus Wien nach Berlin berichtet, das, in der grasten Schlacht ,wischen Zamocs-Tyszowlc die Lcstcrrcicher 50 000 Russen gefangen genommen und 200 Geschütze erbeutet haben. Paris richtet sich auf die Belagerung ein. DDP. Paris. 3, Sept. Das Bois de Bonlogne ist in! einen inalerischen Tierpark verwandelt, in dem Kühe und Schafe grasen. Der Park von Longchamps beherbergt 2000 Rinder, die in quadratischen Drahtzäunen zusammengepfercht sind, die von Landwchrlcutcn bewacht werden. Auch sonst, wird alles auf eine Belagerung vorbereitet. Tränken werden überall eingerichtet, die vom Flusse aus gespeist werden^ riesige Heufuder werden aufgerichtet. Die Schafherden sind im Park Bogatellc ziisammengctriebcn. — Die Börse ha» ihren Verkehr eingestellt. Die Bedeutung der Anwesenheit des Kaisers aus den Tchlachtscldcrnp Ter offiziös bebieitte Berliner Lokalan.zcigcr schreibt unter dem Titel: „Der Kaiser in Frankreich": Mit der Nachricht von dem neuesten Erfolgen der deutschen Waffen gegen die Franzosen ivurde uns zugleich di« Knud«, das! der Kaiser ivährend des Gefechtes sich bei der Armee des Kronprinzen befunden habe. Für jeden, der sich der Wahrheit nicht absichtlich verschließen will, iplrb dadurch mit größerer Klarheit, als cs die schönsten Worte verniögen, die Entwicklung der Tinge auf dem westlichen KriegSsästNipiatz beleuchtet. Ter oberst« .Kriegsherr der Deutschen, der bis vor kurzem, wie nachträglich gemeldet wird, sein Hauptquartier in Koblenz aufgeschlagen hotte, in Frankreich. Tics« Tatsache spricht «in« deutliche Sprache. Sie lehrt uns, daß wir sicher sein dürfen, daß wtr das, was wir bisher errungen haben, nickst wieder vcrliereii wollen. Mögen gleich Rückschläge kommen, die in einem solchen Krieg« unvermeidlich sind, nie und ntinmcrmehr hätte der Kaiser sich nach Frankreich begeben» ivemi an irgend einer der verantwortlichen Stellen noch mit best Möglichkeit gerechnet worden wäre, daß wir über die Grenze zurück- geworsen werden könnten. Daß er zu seinem Heer in Feindesland gegangen, wird leinen Eindruck ttn Ausland so wenig verfehlen» wie un Inland« leibst, linsere tapferen Truppen, die von Anfang an mit so siegreichen Waffen für bas Vaterland gesochten, müsien elnon weiteren Ansporn zur Einsetzung aller Kräfte darin erblicken, daß der Kaiser in ihrer Milte weilt. Ein neues Zeichen ist ausgcrichtct, daß heute ein Band Kaiser, Fürsten und Volk umschlingt. Und sq wird es bleiben! Noch eine Meldung von den galizischen Schlachtfeldern. Wie die Gazeta Wieczorma in Lemberg meldet, hat daH geglückte Umgehungsmanöver die Russen mit einem eisernen! Ring umschlossen, nachdem die überlegenen russischen Kräfte in der 12stündigen Schlacht nordöstlich Czernowitz vollständig geschlagen wurden. Zur Belagerung von Antwerpen. Alle in Amsterdam von der belgischen Grenze eintrefferk-> den Nachrichten lassen erkennen, daß der Ring um Antwerpens sich enger und enger zu schließen beginnt. Schon gerät mach in der provisorischen Hauptstadt in Besorgnis, was mit den 10 000 unnützen Essern geschehen soll, die aus dem Jnnerü des Landes nach Antwerpen geflüchtet sind. Der Kam« Mandant Dufour hat den Befehl erteilt, daß alle Zivil» Personen, die nicht bis zum 1. August ständigen Wohnsitz in! Antwerpen hatten, die Stadt bis zum 13. September zu vcrtz lassen haben. / Erhebung in Marokko? Madrid, 3. September. Die hiesige Zeitung Eorck rcspondcnzia Espana meldet aus Cadix, daß dort Nachrichtens aus Marokko cingctroffen seien, denen zufolge unter dem Bewohnern sich eine lebhafte Bewegung gegen die franzö^ fische Herrschaft bemerkbar mache, und daß es stellenweise bereits zu Unruhen gegen die französischen Beamten gekommen sei. Da Marokko zum größten Teile von europäischen Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 51 „Was meinst da dazu, Mädchen?" fragte Fandrem, der eine Antwort haben wollte. „Ich meine, Vater," erwiderte sie, „daß wir Besseres tun können, als damit unsere Zeit verderben." „Hast recht, incin Goldkind! hast recht!" lachte der Gilde- Vorsteher. „Da sitzt Helgcstad wie ein halbtoter Mann. Laß die Suppe bringen und wecke ihn ans mit deinem Willkommen." Die Suppe wurde gebracht und ein ungeheures Stück Rindfleisch im vollen Dampf daneben ausgestellt. Grüne Erbsen, die in Büchsen ans Holland kamen, ein Nierenstück in seinem Saft gebraten, Aale in Gallert aus Hamburg und ein gefüllter Puthahn, den ein französischer Kapitän ain Tage vorher ans Dicppe für Fd vierfache Bcsördcrungszcit brauchen, auch die B c st c l - k u ii g am Orte läßt alles zu wünschen übrig. Es »rangelt an Briefträgern, einer muß soviel Bezirke bestellen, wie sonst zwei oder drei und so kommt «S, daß der erste Bestellgang mittags noch nicht beendet ist. iss sind soviel arbeitslose, gceigizxtc Kräfte vorhanden, daß die Postvcrivaltung doch genügend einstcllcn könnte. Sie hätte doppelt« Verpflichtung dazu, etiinial, um regelmäßige Bestellung durch,zufiihrcii >md zum andern würde dadurch einer ganzen Anzahl Leute Arbeit gegeben, wozu die Post als Slaatsinstitut m erster Linie beizutragen verpflichtet wäre. Die Ernte. Wenn auch schon oster darauf aufmerksam gemacht wurde, daß die wichtigste Arbeit des Landwirtes jetzt ist, die Ernte einzubringcn, so scheint es doch nötig, diese Mahnung zu wiederholen. Man macht die Beobachtung, daß die Landwirte, die doch einet, Mangel an Arbeitspferden haben, sich teilweise niit Arbeiten beschäftigen, die vorerst noch nnterblciben können. To muß es heißen, zuerst die Ernte cinsahrcn, dann das Pflegen der Stoppeln und Ausfahren des Stallmistes. Wer fertig ist mit der Ernte, hclse mit seinen Gcspannticre» dem Nachbar, und erst dann, wenn die Ernte zu Hause ist. denke er an das Stoppclpsliigcn. Aber noch eine weitere Mahnung ist hervorzuheben. Es handelt sich nicht allein darum, die diesjährige Ernte zu sichern, sondern vor allem ist äußerst wichtig, auch für das kommende Fahr zu sorgen. Wir müssen damit rechnen, daß für das itächste Frühjahr der ausländische Klee-, Luzerne- und Esparscttesame,i fehlt. Es gäbe daher einen großen Ausfall an Futter, wenn nicht eine genügende Menge dieser Tätnereie» zur Verfügung steht. Landivirtc, laßt daher den letzten Tchnitt zur Samengcwinnnng stehen! Tic Fnttcr- crnte war dieses Fahr lehr gut, so daß auf das Grünfutter des letzte» Schnittes teilweise verzichtet werden kann. Landwirte, das Fahr hat Futter genug geliefert, seid vorsichtig im Verkauf des 'Viehbestandes und denkt, daß der Krieg längere Zeit dauern kann und auch nach demselben »och Fleischnahrung in genügender Menge zur Vcrfiignng stehen muß. — Die Raupenplagc fyit in den Gemüsegärten stark um sich gegriffen, obwohl schon oft in den Zeitungen zur Abwehr aufmerksam gemacht wurde. Fn manchen Gemüsepslanzungen stehen Wirsing, .Kohlrabi, Blumenkohl- usw. -Pflanzen wie Besenreifer da. Für das Nanpcnabiejcn werden eben vielsach nicht di« nötigen Arbeitskräfte vorhanden gewesen sein. Wenn sich Frauen und Kinder der Arbeit des Raupenablesens unterziahen, so kommt cs vor, daß sic sich ekeln, die Raupen anzufaffcn. Das kann umgangen werden, wenn man eine Art Pinzette dazu verwendet. Blau holt sich vom Spengler einen nicht zu dünnen Weißblochstreifen von zirka Zcniinieter 'Breite und zirka 18 Zentimeter Läng« und klappt diesen- in der Mitte .zusammen, so hat man ein« btllige zweckentsprechenie Pinzette. Also nochmals, ans ihr Frauen und Kinder, Tod den Raupen! — Tie alte Klinik wird jetzt ebenfalls zur Aufnahme von Ver- lwundeten hergerichtct und mit Betten und Lazarctt-Einvickstungen versehen. — Einsanbcrcs Kompagniegeschäft. Am Dienstag hatte sich der Arbeiter K. Witze! aus Friedberg ivcgen Diebstahls zu verantworten. Fn einer Wirtschaft in Friedberg hatte er einen angetrunken«! Dienstkncckst getroffen, der noch ziemlich Geld zu haben schien. Fm Verein mit einem Taglöhner und besten Ehefrau berede!« Wibel den Knecht, mit ihnen eine» Spaziergang außerhalb der Stadt zu unternehme n. Fn den Anlagen setzien sie sich aus eine Bank und naihmen dem Benebelte» das Portemonnaie ab. Das Geld teilten sic unter sich und gaben den, Opfer dos leere Portemonnaie zurück. Witze! erhielt für diesen an Raub grenzenden Spitzbubenstreich 0 Monate, die Ehefrau seines Kumpans!i Monate Gefängnis. — Das Frankfurler Gcwcrkschaffshaus als Lazarett. Gegen- 'tvärtig ist der große Saal des Franksurter Geivcrtschaftshanics, tn dem in Friedenszciten nianche wichtige Beratung über Krieg und Frieden im wirffchgftffckzen .Vamps abgchaltcn wurde, als Lazarett. Es eignet stch für diesen Zweck vortrefflich. Wi« die Volksstimme mitteilt, macht der große, Helle Saal mit seinen vier Reihen Betten einen außerordentlich freundlichen Eindruck. Tic Büsettränin« sind zu Badezimmern nmgeivandclt. Der kleine Saal, in dem eine gut ansgewähltc Bibliothek mit vielen Tageszeitungen eingerichtet wurde, dient den verwundeten Soldaten als Aufenthalts- und Speisezimmer. Zurzeit ist das Lazarett mit 16 meist Leichtverletzten belegt, die sich dort reckst wohl fühlen. Kreis Sllsfrld-L'autcrbach. X Alsseld. Fn der Sitzung des Stadtvorftand«s om Dienstag wurde über die Vergebung der Einplanierung des Lindcn- teichs beschlossen. Ter Zuschlag wurde dem Unternehmer F. Merle tn Alsfeld erteilt, der 8975 Mark gefordert hatte. Dabei wurde die Bedingung gestellt, daß Merle Alssclder Arbeiter zu entsprechenden Löhnen beschäftige. Ferner wurden noch 1900 Mark für Herstellung einer Zufahrt bewilligt. Bei der Vergebung der Riederdruckleitung ivird der Firma Rößncr für ihr Angebot von 7298.15 Mk. Zuschlag erteilt. Tic Verlegung der Wgff:rlcitung im Bahnhofsgelände und Zcllerweg soll derselben Firma zu den Vertragspreisen wie bei der Verlegung der Ntedcröritcklcitnng übertragen wenden. — Anfuhr der Steii:« für die Fnnkcrngartcnstraße wird Gg. Lang 3. übertragen, der 1,99 Mk. für den Kublikmetcr gefordert hatte, Die Anfuhr der Steine für die Bahnhofe-znfuhrstraße soll nochmals ausgeschrieben werden. —Tie Schadensersatzall spräche des Gustav Schäfer anläßlich der ini Lause des Sommers durch lieberschivemmunaen verursachten Wasserschäden in und bei seinem Wohnl>ai:se in dcp Bahnhofszusuhrstrahe werden als umbegründct abgelehn-t. — Fn nichtöffentlicher Sitzung wurde der Horndreher Adam Reibeling zu Alsfeld als HdlfSpolizeiHiener gewählt. Krcis Wrhlar. Ii. Fahrplan für Wetzlar. Ab 4. September verkehren Person-cn- züge von Wetzlar nach Köln: nachts 1.51, 6.11 vorm., 10.31 vorm, nur bis Dillcuburg, 2.51 nachm, und 0.51 nur bis Dillenburg. Von Wetzlar nach Gießen: vorm. 8.55, 9.25, nach. 3.55 5.40, 10.55, Von Wetzlar nach Koblenz: vorm. 3.25, 4.25, 8.25, nacknn. 4.ll5, 6.25, 8.25. Von W c tz la r n a ch Lollar: vorm. 0.10, 9.10, nachm. 4.10 und 7.10. Hierbei ist aber zn berücksichtigen, daß der Fahrplan nur „bis auf weiteres" Gültigkeit hat. sich also jeden Tag verändern kann. Telegramme. Der «ordfraiizösische Sperrfortsgürtel gefallen. \V. !!. Großes Hauptquartier, 3. Sept. Tic Sperrbcfestigungcn Hirson, Leb AhvelleS, (s'onbe, La Ferc und Laon sind ohne Kampf genommen; damit bc sindcn sich sämtliche Spcrrbefestigungtn im nördlichen Frankreich außer der Festung Äkanbeuge in unfern Händen, Gegen Reims ist der Angriff cingcleitct. Deutsche Reiter vor Paris. Tic Kavallerie der Armee des Generalobersten v, Klnck streift bis Paris. Tas Westheer hat die Aisne-Linic überschritten und setzt den Vormarsch gegen die Marne fort: ein zclnc Vorhuten hnbcn sic bereits erreicht. Ter Feind br- finDcS: sich vor den Armeen der Generalobersten v. Kluck, b. Bülow, v. Hausen »nd des Herzogs bon Württemberg im Rückzug ans »nd hinter die Marne; vor der Armee des deutschen Kronprinzen leistete er im Anschluß nn Verdun Widerstand, wurde aber nach Süden zurückgcworscn. Tic Armeen des Kronprinzen von Bnhcrn und des Generalobersten von Heeringen haben immer noch starken Feind in befestigten Stellungen in Französisch-Lothringen gegenüber. Im oberen Elsaß streifen deutsche »nd französische Abteilungen unter gegenseitigen Kämpfen. Ter Gencralqnartiermcistcr v. Stein. Die Flucht aus Paris. Paris, 3. Sept. (YV. Ji. Nichtamtlich.) Die STgence Havas meldet: Der Präsident der Republik und die Regie- rung haben Paris heute Nacht verlassen und sich nach Bordeaux begeben. Bekanntmachung. Tie dielsach verbreitere irrige Meinung, als ob mit Ausbruch dcö Krieges die Verpflichtung, Schulden zu bezahlen, insbesondere Miete und Hypothckciizinsc» z» cnrichtcn, aus- höre, veranlaßt mich, darauf hiuzuweisen, daß durch dieses Verhalten das gesamte Wirtschaftsleben schwer geschädigt wird. So sehr erwartet werden muß, daß die Vermieter solchen Mietern größte Nachsicht gewähren, deren Ernährer zum Schutze des Vaterlandes im Felde stehen oder durch dcn^ Krieg Arbeit und Erwerb verloren haben, so sehr muß es als palriotische Pflicht aller anderen bezeichnet werden, ihren Verpflichtungen nachzukommen, insbesondere ihre Miete pünktlich zu bezahlen, wie ja auch die Hausbesitzer nach wie vor pünktlich ihre Hypothckcnzinscn entrichten müssen. Um Gelegenheit zur gütlichen Verständigung zwischen Vermietern und Mietern unter Vermeidung des Prozeß- gcrichts zu geben, wird von heute ab ei» Einignngsamt für Mietsstreitigkciten errichtet. Bei dem Einigungsamt wirken je ein Vertreter der Vermieter und Mieter mit; den Vorsitz führt der Oberbürgermeister oder ein von ihm Beauftragter. Tie Geschäftsräume des Einigungsamts besindcn sich im Stadthaus, Gartcn- straßc 2, Seitengebäude. Gießen, den 3. September 1914. Ter Oberbürgermeister: Keller. Die Marktpreise für Vietz und Frucht und die Gießeuer Fleisch- und Brotpreise am 3l. August 1814. Schlachtbichpicise in Frankfurt a. M. Fleischpreije in Gießen Ochfm Kälber Schweine 50kg Schlachtgewicht 75—100 Pf. '/- „ . 63-81 Pf. '/« „ ., 60-64 „ */, kg 86—96 Pfg. ■/, „ 70—75 >/, . 70-96 „ Getrcidepreife in Mannheim. Brotprcise in Gießen Weizen Roggen 100 kg; 25.-- 25.50 Mk. . . 21.50 — 22— Weißbrot 2 kx 62 Pfg Schwarzbrot 2 „ 54 , Verantwortljchcr Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & Cie., Gießen. £ru(f;!«fl_Offcn&atf)er Abendblatt. G. m. b. H., OffenbaK a. M. Wir empfehle«: ES Inhalt: 5 vorschristsmähig bedruckte Feldpostbrief- Umschläge nebst Briefbogen sowie 5 Feldpostkarten. Preis nur ä© Pfg. AM. LMzeituz ($ic|cn, *'*2"- Schönster Ausflugsort der Rabenau. 2 große Säle, Gartenwirtschaft. Vereinen. Touristen bestens empfohlen. — Gilt aevslcgto Biere. — Um geneigten Zuspruch bUttzt M. Schmidt Allgemeines ISternbsrg’s Ist die Beste erbältlich i. d. Kolonial w. Geschäft. Isitomobile u. I Fahrräder GÜbenü-Äppel" Alicestr. 25 Tel. 736 Adler-Autos u. Fahrräder L Kontrollkassen, Roptwkst. Üäctcer- und Konditoreien Georg ErhardS Walltorstraßc 19 ff Bäckerei und Konditorei | billig und gut d.gesmt. Arbeitschftempf. i feade-” ~ Einrichtung. Chr. Zimmer Bahnhofstraße 12 Spez.: Kupterkessel. | Bargeschäfte! Jean Dem & Cie., Gießen gegr. 1883 Westanlage 31 Baumaterialien - Großhändler. Zementwareufabr. m. Motorbelrieb J ImMe Flora Selters Weg 44 r "Brennmaterialien Joh. Fischer Alicestraße 28,20 Telephon 72 Kohlen, Koks und Briketts. Chokolade u. 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