Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhcssen und der Nachbargebiete. Die Oberbelfflck,« B»lkö«eltnn, erscheint leben Werktag Abend tn ®iefeea Der ?Ujortncmentäprei8 beträgt wöchentlich 15 Pfg, monatlich BO Pfg. etnichl. Brtngerlobn. Durch die Polt bezogen vierteljäbrl.l^OMb Redaktion und Ervcdttton Dieken, Babndofltrakc 23, Ecke LSwenaasie. Televbon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Big. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man dir abend»7Sbr für die folgende Nummer in der Expedition ausgeben. Nr. 203 Gicßcn, Donnerstag, Den 3. September 1014 9. Jahrgang Das goldene Zeitalter. Zmmer wieder wird es notwendig, jene falschen Anölegungen zuruckzuweisen, dir der ernste Wille des deutschen Volkes, sich sein Liecht aus nationale Selbstbeitiminiinq zu ivahrcn, bei Schwärmern aller Art findet. Ta wird cs so hinge stellt, als ob nun das goldene Zeitalter angebrochen sei, ,» dem die Wölfe bei den Lämmern friedlich hausten, als ob mit einem Schlange alle Älassengegenfähe beseitigt seien, und als ob vor allen Dingen die politischen und sozialen Ansprüche der Arbeiterschaft in Zukunft, wenn überhaupt, so doch jcdensalls nicht mehr mit der gleichen Rlirtsichkolosigkeit und mit dein gleichen Nachdruck geltend gem-.icht würden wie bisher. Gutmütiqe Schwäripcr reden so; aber auch solche Leute stimmen in den Ehor ein, die sich dabei von der Absicht leiten lassen, eineni etioalgen Wisde ran sieben politischer sror.derung.cn der Unterdrückten von vornherein den Stempel der Vaierlevndslvsigkelt aufzudrücken. Nicht mir für di« Zelt des Krieges, sondern für alle Ewigkeit soll der wahre Patriotismus in dem Verzicht aus jede Aenderung an den sozialen Verhältnissen sowohl wie an der Verteilung der pobitl- schen Rechte bestehen. Wer nach der Erfüllung seiner Pflichten die Hand ausstrcckcn wird, um etwas zu erlange», das ihm die Herrschenden und Besitzenden niä>t freiwillig geben, der soll als einer gelten, der den schönen Gottesfrieden zwischen den Klassen und Ständen gebrochen und damit einen nicht wieder gut zu machenden Frevel an der deutsche» Nation begangen hat. Unter vielen andern begeistert sich so auch der Berliner Uni- vcrsitntsprosesior Otto v. Gierte für di« Herrlichkeit der Epoche, di« mit dem erste» MobtlniachnngStagc eingesetzt hat: „Wie ausgelöscht schien die vaterkandslosc GesinnuM, die Verleugnung unserer Geschichte, die internationalistische Friedens- fchwärmcrei. Ter Gegensatz der Stände und der wirtschaftlichen Interessen, di« (tzewinngier der Eriv erbenden und die Genußsucht der Besitzenden, der Hochmut der Reichen und der Neid der Armen waren in der einmütigen Begerstevung für die gemeinsame Sache wie wcggesegl. Ernste Enlschlossenheit stählte jede Brust und hob auch die Sorgenvollen und Willensschwächen über sich selbst empor. Heldenhaft und opferfveudig einten sich mit den Männern in hohen, vaterländischem Empfinden und edler Werkbercitschast die deutschen Frauen: wohl kein« von ihnen dachte in den weihevollen Stunden an Frauenemanzipation und'Frauenstimmrecht. Ter Hader der Konsessionc» und Weltanschauungen verstummte: eine religiöse Erhellung bemächtigte sich aller Gemüter, die Kirchen füllten sich zu dem allmäächtigen und gerechten Gott sttegen die Gebete der Gläubigen und derer, die sich für ungläubig hielten, empor." An der Ehrlichkeit der Freude des Professors Gierte ivollen wir nicht zweifeln, aber wir möchten unsererseits alles tun, uni ihn daran zu bindern, dag er sich in Illusion«,, wiegt. Sicher ist für sehr viele das, was sie in sriedlichc» Zeiten am stärksten bewegte, in de» Hintcrgriitid getreten. Sic haben sich zunächst einmal zusammen geschloffen, um dl« nvtivendlge Gegemvartsarbeit zu verrichten. Es mag unter ihnen nicht gang wenige gebe», die durch den Sturm der Ereignisic in eine Art von Rausch versebt worden sind und die charakterschwach geimg waren, uni das, ivas man vielleicht tut «in sicheres geistiges Besitztum halten konnte, ln der Stimmung des Augenblicks völlig preiszugcben. Aber wir sind fest üdcrzcngt, dag die große Mehrheit derer, die sich so oder so in den Dienst der Uuigaben des Tages gestellt haben, in ihrem Fniiercn niicrschütiert ü» den Ideen und an den Ansprüchen scsthaltc», die sic vorher ver» treten haben, und daß sie aus dieser Krisis als um so entschlossenere Kampier hervorgehcn werden. Nicht zum wenigsten auch die Frauen. Die Sozialdemokratinnen und diejenigen, die aus vürgerlichcr Seite die politischen Rechte der Frauen geltend machten, haben sich rückhaltlos an die Seite derjenigen gestellt, denen alles, n»as nach der sogenannten Fvauenemanzipatton schmeckt, ein Greuel ist. Sic kennen für den Augenbl'ck nur das eine Ziel, die gewaltige Not ltndern zu helfen, die der Krieg heoausbeschworcn hat. Aber gerade indein sic sich auf diesem Gebiete betätigen, inbeni sie einen noch tieferen Einblick gewinnen ln das unsägliche Elend, indem sic genötigt sind, sich mit der Anwendung von Gesetzen und Verordn nungeii zu befasse», wird in ihnen der Wunsch umso lebendiger werden, ssir die Frauen das Rocht zu erkänipfen, an der Schäftung der Gesetze tejsznnehmen und vor allem ein entscheidendes Wort dort mitzusprechen, wo Bcschlllsie gefaßt werden, die für die Beziehungen der Nationen von weittragender Bedeutung sind. ES mag immerhin» nicht an Frauen fehlen, denen das ewige Hurraschreien die Besimlung vollständig geraubt hat, und die glauben, für ihr Geschlecht und di« Menschheit genug getan zu haben, wenn sie sich mit schwarziveißrvten Schleischen schmücken und mit der Saminelbitchso für das Rote Kreuz klappern. Aber den denkenden «Fronen wird diese Zeit eine gewaltige politische Lehrmcistcrin sein. Was für die Frauen gilt, gilt auch für die Männer, und die, d,e zurückkehren aus dem Feldzug und auch alle die anderen, die ’V} . 7*©twn6« der Not da-3 Schivcrt, das sic gegen Ausbeutung und vrivilcgi^iwirtschoft führten, beifeite gestellt haben, werde,! mit Wrso größerem Nachdruck zu gegebener Zeit aus der Durchsetzung •poIrtiiVfycn Forderungen bestehen. Das mag denen, die von Frieden im Innern schwärmen, ein unangeiichmer Gc- le l n - Aber cs ist beffcr, daß wir ihr« Träume schon jetzt zer- , een, ehe sic sich allzu tief in sie oingesponnen haben. Die Riesenschlacht im Osten. ^ v - R. Lestcrrcichisches Kriegsprcsscquarticr, 1. Setzt, -ras ungeheuere, vor zehn Tugen begonnene Ringen der ruiiiichkn Westarmecn mit den nacheinander cingrcifcn den, stets vorrückenden Teilen des österreichischen linken rtlugkls scheint d c m E n d e nahe. Auf österreichischer Seite erstreckt sich jetzt die Kampffront 160 Kilometer lang von der Weichsel »bereden Wicprz zum Bug, die russischen Armeen langsam vor sich herschiebend in die Sumpsseenzonc nördlich der Linie Lublin-Cholin; diese bcsindet sich nur noch einen oder zwei Tagcmärschc im Rücken der Russen. Deren Trains dürften den Rückzug der Truppen auf den wenigen gntcu Straßen behindern, da die Wege vielfach Tc-silö-Chnraktcr haben. Tie Lage kann zu ungeheuren Katastrophen su.hj.-cn. Tic russischen Wcstarniccn dürsten auch bereits keine Möglich lcit eines Anschlusses an die Ostarmcc» mehr haben. Sicher ist bisher das volle Mißlingen der von der russischen Heeresleitung geplanten strategischen Umfassung der österreichische» Heere und ihr Umschlagen in das Gegenteil: AnsrvUung und Abdrängung der russischen Westarmcc». Tie Kämpfe dauern noch aus der ganzen 400 Kilometer langen Linie weiter. Die Lage der österreichisch- ungarischen Truppen ist gut. Die Schlacht von Ortelslim g-Tanttenberg Die russische Armee vernichtet! Das Gouvernement von Thorn teilt zu den bisherigen ossiziellcn Berichten noch folgendes Nähere mit: Tic russische zweite Armee (Narew Armee) hat nusgchört zu bestehen. Es sind mehr als 60 000 Gefangene gemacht. Vernichtet sind das 6., 15., 23. und die Hälfte des 6. russischen Armeekorps. Von diesen Korps sind sämtliche Geschütze und Fahrzeuge in unsere Hände gefallen. Durch die Flucht konnten sich unter schweren Verlusten das l. und die Halste des 6. russischen Armeekorps über die Grenze retten. Unterzeichnet: Armee-Ober- kommando. Mahnung zur Besonnenheit. Unter dem 28. August erließ der Gouverneur von Königsberg nachstehenden Aufruf: „Zu meinoin lebhaften Bedauern haben sich die Beivohner in meinem Befehlsbereich durch das Vorgehen einiger feindlicher Kavallcriepatrouillen veranlaßt gesehen, ihren Wohnort zu verlassen, Ich erblicke darin einen Mangel an Vertrauen zu den, Truppen der Fcftungsbesatznng. Ich ersuch« die -Bevölkerung dringend, ganz besonders amt, nördlich dos Pvcgels bis zur Dcime, in ihre Wohnstätten zurückzukehren, ihre Felder zu bestellen und ihren sonstigen Geschäften nachmgehen. Ich hoffe, daß dieser Hinweis genügen wird, um die Ruhe und Besonnenheit, welche stets die Preußen ausgezeichnet habe», iviedcr zu gewinnen und größeres Zutrauen zu dem Erfolg unserer Waffen zu haben. Tic Herren Bürgermeister, Gemeindevorsteher usw. ersuche ich, mit guten, Beispiel voranzugehen und ihren ganzen Einfluß ouSznübrn, die Bevölkerung in meinem Beschlsbercichc zur Rückkehr in ihre Heimatsorte zu veranlassen. Tie vom südlichen Kriegsschauplätze in Ostpreußen vorliegenden Nachrichten bestätigen, daß die Bevölkcrinig meines Befehlsbereichs durchaus ruhig in die Zukunft blicken kan», Königsberg, don 28. August 1914. Der Gouverneur, gez. v. Pappritz." Eine weitere Amnestie. (Amtlich.) Der Kaiser hat einen weiteren Begnadigungs- crlaß ergehen lagen, der fvlgcndcn Wortlaut hat: „Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen usw., lvollen allen Personen, die sich bis zum heutigen Tage der Verletzung der Wehrpflicht (8 140 R.-Str.-G.-B.) oder der unerlaubten Auswanderung (8 360 R.-Str.-G.-B.) schuldig gemacht haben, soweit lins das Begnadigungsrecht zustehi, den Erlas) der verwirkten Geldstrafen, Freiheitsstrafen und Kosten in Aussicht stellen, wenn sie während des gegenwärtige» Krieges unverzüglich, jedoch spätestens innerhalb dreier Monate vom heutigen Tage au gerechnet, im Deutschen Reich, in einem deutschen Schutzgebiet oder auf einem Schisse der lniserlichcn Marine sich zum Dienste stellen und ihr Wohl- verhalten während ihrer Abwesenheit glaubhaft Nachweisen. Ausgeschlossen davon bleiben diejenigen, die erstens das 45. Lebensjahr vollendet, zweitens die deutsche Reichsangchörig- kcit verloren haben und Staatsangehörige eines ausländischen Staates sind, drittens, die als dienstunfähig befunden werden sofern sie wegen ihres körperlichen Zustandes ihre derzeitige Tienstfähigkeit nicht annchincn konnten. Ich beauftrage Sie, für die schleunige Bekanntmachung und Aussührung dieses Erlasses Sorge zu tragen. Großes Hauptquartier, 29. August 1914. Tie Wandlung in der Dänenpolitik. Wie die Frankfurter Zeitung zuverlässig hört, ist nicht nur den seit dem Ausbruch des Krieges verbotenen nordschles- wigschen Zeitungen Hcimdal und Flcnsborg Avi seit einigen Togen das Erscheinen in dänischer Sprache wieder erlaubt, sondern dev neue Lberpräsidcnt v. Moltke hat auch Vorkehrungen getroffen, daß die in Schutzhast genoimnenen Dänen in Nordschleswig wieder freigelassen werden. Aus Frankreich. Ter neue französische Kricgsminister Millcrand hat dem -General Jojfre ein Handschreiben übersandt, worin er ihm sein' unbedingtes persönliches Vertrauen ausspricht und ihn um die Fortsührnnq seines Amies ersucht. Damit wird bestätigt, daß der Deputierte Mcssim» allerdings wegen Meinungsverschiedenheiten mit Foffrc zurückgctreten war. Mclsim», der Offizier der Landwehr ist, hat sich sofort »ach seiner Demission zum Felddienst gemeldet. Tic sozialistische Humanste unterstützt das Ministerium Viviani und billigt den Eintritt der Genosien Gnesdc und Scmbart ins Kabinett. Dem Ministerium gehört auch der Deputierte Albert Tarrant an, der als Mitbesitzer der Tepechc de Toulouse einen hervorragenden Elnflnß aus die radikale Provinzpressc auszu- übcn vermag. Es bleibt nunmehr abzumarten, ob alle diese persönliche» Berechnungen standhaltcn werden vor der Bewegung der Arbclterwclt und der Landbevölkerung, die unvermeidlich eintreten wird, sobald die setzt noch von der Regierung verbreiteten Illusionen über die wahre Kriegslage geschwunden sein werden. Die veralteten Pariser Forts. Ein italienischer Generalstabshauptmann sagte dem Vertreter der Frankfurter Zeitung, nach guten italienischen Informationen hätten die Pariser Forts pur geringen Wert, da sie alle vor den, Jahre 1886 gebaut und unmodern seien. Es seien nur Werke aus Erde und Backsteinen, Es sei überhaupt nach Erfindung der 42°Zcntimeter-Geschütze zweifelhaft, ob künftig Festungen noch als wirksamer Schutz anzusehen seien. Die katholischen Missionen in Afrika. F» den Blättern wird ein „Notschrei der katholischen Missionen an die christlichen Mächte" veröffentlicht, der von de» Leitern der in Afrika arbeitenden deutschen und österreichischen katholischen Missionsgescllschastc» unterzeichnet ist, und worin es u. a. heißt: Mitten hinein in die Wirren dieses europäischen Krieges kommt die Kunde, daß England den Krieg auch in unsere afrikanischen Kolonien hincingctragen hat. Ein wahres Entsetzen muß alle Freunde des christlichen Missionswerkcs und jeglicher zivilisatorischer Kölonialarbcit bei dieser Nachricht ergreifen. Bisher haben in den Kolnoien alle weißen Völker solidarisch den Eingeborenen gegenüber gestanden, nur so glaubten: sie ihre Autorität aufrecht erhalten zu können. Das Missionswcrr ist durch internationale Abmachungen als gemeinschaftliches Werk: aller christlichen Nationen anerkannt und unter internationale»: Schutz gestellt worden. Fn der Ko n g o a k t c ist ausdrücklich ver. einbart, daß kriegerische Verwicklungen unter europäischen Mäch«: ten nicht auf afrikanisches Gebiet übertragen werben dürfen, son. der,, vielmehr die Slgnatarmächte solidarisch für die Ausrccht» erhaltung der Ruhe zu sorgen haben. Nun zerreißt England diese Solidarität, erschüttert in ihren Wurzeln die Autorität der weißen Rasse und trägt den Krieg in eine Bevölkerung hinein, welche ihm nur völlig verständnislos gegcnübcrstehen kann. Bisher standen in Afrika vor den Augen der Eingeborenen die Weißen als eine unerschütterliche, geschlossene Einheit da und nunmehr soll den Eingeborene,, ein blutiger Kampf zwischen Weißen vorge- siihrt werden, bei dem die Eingeborenen unvermeidlich Partei ergreifen iniiffe,i, Feder Kenner der Lage weiß, welches gefährliche Spiel das bedeutet. Sehr bald werden die Eingeborenen zu dem fragenden Gedanken übergehen, ob sic nicht den Augenblick benutzen können, um die ganze Herrschaft der Weißen abzuschütteln. Das kann zu Ausstäiidci, und Kämpfen führen, welche das ganze so mühsam aufgebaute Misstonswcrk zerstören muffen. Zum Schluffe des Ausrufs wird a» alle Kolonialmächte die dringende Bitte gerichtet, das ihrige dazu bcizutragen, daß wenigstens Afrika und seine einheimische Bevölkerung freigchalten wird von den Fähr- niffcn des Krieges, dcffen Wirkungen dort noch unendlich viel verhängnisvoller sein müssen als in Europa, Erklärung der hottändischen sozialistischen Kammersraktion. In einer anherordentlichcn Sitzung der holländischen Zweiten Kammer, die am 26. Oktober zum Zwecke der Be- ratung einiger Notgesetze stattsand, gab Troelstra im Namen der sozialdeniokratischen Kammerfraktion eine Erklärung zum gegenwärtigen Kriege ab. Die Erklärung wird eingeleitet mit einem brüderlichen Gruh, den die holländische sozialistische Kammersraktion den zur Vaterlandsvertcidigung einberufc- neu Proletariern der kriegführenden Nationen entbietet. Gerade das Jahr, in dem das 25sährige Bestehen der Internationale hätte gefeiert werden sollen, habe die großen, bis zur allerletzten Stunde durchgefllhrten Versuche der proletarischen Fricdensmacht, den Krieg zu verhindern, sehlschlagen sehen. Jetzt, da die Schlachtfelder vom Blute Tausender Proletarier getränkt seien, müsse darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Arbeiter der verschiedenen Nationen keine Ursache hätten, einander zu hassen: im Gegenteil, ihre gemeinsame Arbeit in den internationalen gewerkschaftlichen und politischen Organisationen war auf die brüderliche Hebung ihrer Klasse gerichtet. Die Verantwortung für den Krieg trage der Kapitalismus. Die sozialistische Kanimer- sraktion fordere die Proletarier auf, der Internationale treu zu bleiben, obwohl ihre Macht noch zu gering war, den jetzigen Krieg zu verhindern. Auch unter den größten Schrecken des Krieges und der Not, die in seinem Gefolge geben, müßten die Arbeiter dem Sozialismus treu bleiben, um beim ersten Schimmer einer Friedensmöglichkcit dafift wirken zu können, daß ein Friede unter Anerkennung der Sewständigkeit der Pillker geschlossen werde. Als sozialistische K>unmerftaktton etneS kleinen Landes, dessen Regierung für das Ausbrechcn des Krieges nicht verantwortlich und entschlossen sei, seine Neutralität strikte aufrechtzuerhaltcn, erachte sie sich in doppelten: Sinne berufen, alle Freunde des Friedens und insbesondere die Arbeiterklasse aufzufordern, bei der Er- füllung ihrer nationalen Pflicht jeder chauvinistischen Verhetzung scrnzubleiben- und alles zu tun, damit aus den Greueln dieses Krieges die Einsicht geboren werde, datz nur die Festigung eines internationalen Verbandes der freien Völker Europas jeden kapitalistischen Wettkampf nach Macht und Profit und damit jeden Krieg unnwglich machen könne. Die -rutsche Berwaltung in Belgien. Aus Lachsen sind 400, aus den, Bezirk der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. MV Eisenbahnbeamtc nach Belgien beordert worden, um im Betrieb der belgischen Eisenbahnen verwendet zu werden. — Ter Franksurtcr Staatsanwalt Tr. Blnhmc ist zum Gcueralstaatsanwalt in Brüssel ernannt worden. Das Gefecht in der Nordsee. Schwere Beschädigungeir eines englischen Schiffes. Daily Graphic berichtet: Die englische Flotte ist voin Helgoländer Gefecht zurückgekehrt. Ein Schiff, dessen Name ungenannt bleibt, trug schwere Spuren des Kampfes. Es hatte 14 mit Holzstücken gestopfte Löcher, auch die Brücken waren verbogen. Das Schiff hatte Tote und Verwundete an Bord. Ter erste deutsche Schuf; hatte die Dynamomaschine getroffen, und das Schiff war in Dunkel gehüllt. Spätere Schüsse fegten die Schornsteine weg, zerstörten Geschütze und drangen in die Ossizicrsmesse ein. Die elsässische Bevölkerung und die deutschen Truppen. Genosse Leopold E m m c l, der Vertreter Mülhausens im Deutschen Reichstage, schreibt uns: Die Behauptung, dah Mülhmiser Bürger aus deutsche Truppen geschossen hatten, ist in Altdetschland stark verbreitet worden und die deutschen Truppen, dir zulietzt nach Mülhausen tonten» hoben unter dem Emslust dieser Behauptung sich ;u moiichcr Unfreundlichkeit gegenüber den Beivohner Mülhausens verleiten lasten. Tiefer Behauptung must aber entschieden widersprochen iverdcn. Ich habe die Kriegstag« ln Mülhausen miterlebt. Abgesehen von dem einmaligen Vive-Ia-Fran««-Rus auf deni Neuquarüerplatz und dem Jubel der kleinen Zahl der dort versammelten Personen ist nichts vorgekommen, was auch nur zu der Vermutung berechtigte, dost Mülhausens Bürger aus deutstls« Trppcn geschossen oder siel, sonst unfreundlich gegenüber den deutschen Truppen donommen lsätten. Während der ganzen Zeit wurde von der Mülhauser BlirgcrschasI den durchmarschierenden deutsch«! Truppen mit aller Freundlichkeit «irtgegeugckommen. Esten und Trinken ans den Strastcn an sie verteilt, wurden sie mit Zigarren und sonstigen Liebesgaben beschenkt, soüast es nnrcckst ivärc, der Bevölkerung an und für sich unfreundliches Berhitltcn zum Vorwurf zu machen. Aber selbst wenn sest- gestellt werden sollte, dast einzelne Personen sich zu Uiifrcundlich- leiten, ja sogar zu tätl-ichen Angrisseu hatten hin reisten lasten, — was aber bis seht in keiner' Weise geschehen ist, denn auf eine Aussonderung der Stadwerwaltung solche Vorgang« zu melden und aus di« Ausfctzmig eü»cr Belohnung von lüvv Mk. ist keine einzige derartige Melbng ergangen — so dürfte man dieses Verhalten der gc- fanitcn Bevölkerung miter keinen Umstünden zur Last legen und sic dafür verantwortlich machen wollen. Ti« drei in Betracht kommenden ikommandierciiden Generäle haben der clsast-lathringisen Bevölkerung öffentlich ihre,, Tank ausgesprochen dafür dast di« Mobilmachung in El säst-Loch ringen sich ü, geradezu glänzender Weise vollzogen habe. Tiefer Un,stand allein beweist schon zur Genüge, dast die Bevölkerung sich mit dem dcnkschen Bolk« eins sühlt. TcSlknib sollte man auch In Alddcittschlnid Bedenken tragen, lcichtsertig Anklagen gegen das clsaß-lochringiichc Volk zu erheben. Kein Mensch billigt in Elskist-Lochringcn solche Tinge wenn sic vorgekommen sein sollten. In Müllgrusen und der näheren Umgebung sind sic nicht vorgekommen. Deshalb prolestierc ich sehr entschieden dagegen, dost dies« Märchen weiterverbreitet werden und später cveiitl. als historische Wahrheit anftnorschieren. Zn diescni Protest siihie ich mich umsomehr gezwungen, da ich selbst geborener Altdeutscher bin. Deutsche Flottenerfolge in Ostasien? Nack, einer Kabelmeldung des New ?)ork Journal os Eomerce aus Schanghai vom 14. August liefen zwei Kricgs- schisse, jedes mit vier Schornsteinen, arg zugerichtet und niit vielen Verwundeten an Bord, ain 13. August i»i Hafen von Hongkong ein. lieber die Identität der beiden Kriegsschiffe verlautet in Schanghai nichts offizielles, doch glaubt man, daß es entweder die beiden englischen armierten Kreuze Afra j a. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 50 „So tut es der Satan!" schrie Dahlen; „denn die Liebe allein oder des Teufels Blendwerk können einen Mann von deinem Stand und Nanicn dahin bringen, sich zu solchem Elend zu verdammen." „Mciir guter Freund," antwortete Marstrand lächelnd, „frage die Männer dort, was sie Elend nennen, und sie werden auf dich zeigen und dein Gewerbe, dein Leben, deine Abhängigkeit werden ihnen unerträglich scheinen. Elend ist nur das, was wir selbst dafür erkennen. Elend kann man sein mitten unter Schätzen, nniringt von allen Genüssen und Freuden, welche die Erde uns zu bieten vermag. Ich bin nicht elend, denn ich habe eine Zukunft vor mir voll Arbeit und voller Entwürfe. Ich jage mir selbst, dah ich mancherlei Not ertragen muh, aber ich kann auch schassen, erwerben, Gutes tun und selbst mein Ehrgeiz Hot einen Sporn, denn ich kann in jenem Lande der ersten einer werden, was ich sonst nirgends vermöchte. — Lache nicht, Heinrich Dahlen. Ich werde Fische fangen und meine Jacht nach Bergen steuern, aber ich hoffe, datz meine Mitbürger einst, wohin ich konime, mich mit Achtung aufnehmen, alle rechtschaffenen Leute mir ihre Hand reichen, alle Türen mir geöffnet sind," — Ter Kapitän schwieg ein Weilchen, dann rief er plötzlich: „Du lmst recht, es mutz ein jeder wissen, was sein Glück und sein Elend ist, und mutz seinen Weg gehen und sich nicht irre machen lasscu. Aber da stehen deine ehrenwerten Freunde und Gönner schon auf der Höhe des Signalbcrgcs und winken ungeduldig. Der Henker hole die ungetrocknetcn Hcringsseelcn, die nichts kennen, als ihre Geldsäcke. Geh' hin, Marstrand, labe dich an ihrer Weisheit, doch bleibe auf gutem Wege, denn der alte Fandrem hat in seinem Paradiese dort oben auch die Schlange der Verlockung an seiner Seite, die dich leicht be- flWden-fdmrtc." „Minctower" und „Hampshire" oder die französischen Kreuzer „Duplex" und „Montralm" sind. Sic sollen einen Zusammcnstotz mit deutschen Kreuzern gehabt haben. Deutschland und Japan. Tic Art und Weise, wie Japan die Situation ausnutzte, um Deutschland den Krieg anzusagen, hat wohl nirgends sympathisch berührt. Aber ebensowenig konnten die Lästerungen, mit denen die ganze bürgerliche Presse Japan zu crniedrlgcn suchte, die Drohungen und Forderungen, alle Japaner fortan zu meiden „wie Aussätzige", bei dem ruhig Abwägenden Sympathie erwecken. Um so erfreulicher ist cs, wenn jetzt im bürgerlichen Lager wenigstens eine Stinime laut wird, die dieser Japancrhctze entgegcntritt. Ein guter Kenner der Japaner, der Geheime Admiralitätsrat Tr. S ch r a m c i e r, ist es, der in der Deutschen Warte die Japaner in Schutz nimmt. Er erinnert init Recht an die Jubelhyninen, die man Japan und den Japanern noch wenige Wochen von dem Ultimatum sang, als es hieb, Japan habe den Russen den Krieg erklärt; ihnen stellt er die „Futztritte" gegenüber, mit denen man jetzt dieses Volk traktiert: „Bom zärtlichen Umschmeicheln zu häßlicher Beschimpfung — ist cb nötig, dast immer ivivdcr diese Skala durchlaufe» wird? Ist cs eines grasten Volkes würdig, das, von einer Welt von Feinden umgshon, auf feine Stärke trotzt und nur Gott fürchtet? Di« Ausdrücke, mit denen man Japaner glaubte belegen zu können, lasten sich ichnKr wiedergeben: man forderte außerdem, man solle sie niemals wieder in unserem Laude zulasten, nachdem w i r es doch gewesen sind, die sie gerufen haben. Als ob nicht eine innere Notwendigkeit für den Deutschen wäre, andere Völker und Länder an seinen geistigen Fortschritten, an den Segnungen seiner Zovilisatton, fehlen Erfindungen und Werten tcikncstmen zu lasten, sie in den Bereich seines pielgestalttgon Handels zu ziehen, der Lehr- meisterder Welt zu werden in Kultur und Sitte! Ter Gedanke ist doch misastlich. dast wir jemals uns hermetisch abschlietzsir, wie durch ein« chinesische Mauer, und ersticken an unserer eigenen Fülle. . . . Und lag denn wirklich ein Treubrnch auf seilen Japan? vor? Ta wird init einem Anerkennmügs-schrciben gchökert, das ein verdienter Militärftrukteur, dom die jetzige Generation in Japan sehr viel verdankt, von seinen Schülern erhalten hot. Man bedenkt nicht, dah die Ausstellung eines guten Führungszeugnisses zu den einfachsten Formen guter Lebensart gehört. . . . Alle Kultur beruht letzten Endes auf einem gegenseitigen Turchdringen der Völker und Absorbieren des Besten, was Fremde bieten können, Ist Japan uns verpflichtet, so haben wir auch von ihm manche Anregungen erhalten — mau braucht nur auf das Gebiet des Kuustgcwcrbes hiuzuiveksen. . . . Dankbarkeit für erhaltene Wohltaten ist die Tugend dos Privatmannes; mit der P o l i ti k der Völker hat sic an und für sich n i cht s zu tiin. . . . Japan glaubt seiner Bündnispflicht gegen England nachzukommen, indem cs sich an dem Kesseltreiben gegen Teutschland und dem von England inszenierten Beutezug beteiligt. . . . Keineswegs aber liogt zu einer persönlichen Verunglimpfung Japans und der Japaner, abgesehen natürlich von der durch England diktiert« Form des Bruches, Veranlassung vor. In allen Kriegen der Neuzeit hat Japan sich als Kulturvolk erwiesen: Krregsgreuci, wir unsere europäischen Gegner, Belgier, Franzosen und Rirsten, sie heraufbeschmörcn, haben ihm bisher fern gelegen. Auch Feinde, so ungleich auch in diesem Fall« die Kräfte sind, können sich in ihrer Eigenart kennen, vielleicht bester würdigen lernen als vorher. Italiens Neutralität. Ter Franks. Ztg. wird aus Rom geschrieben: Nachdem die Forderung der extremen Parteien, die Kammer eizube- rusern, von der Regierung abgeschlagen worden ist, veranstaltet die radikale Vita durch Rundschreiben an die Abgeordneten ein Referendum über die Neutralität Italiens mit der Absicht, eine Bewegung zu Gunsten einer Aendcrung in der seitherigen Politik hcrvorzurusen. Ta sich jedoch selbst der Führer des linken Flügels der Sozialdemokratie, sowie der Abgeordnete Calda für die Neutralität und gegen einen Krieg mit Oesterreich erklärten, ist wenig Aussicht vorhanden, datz die schriftliche parlamentarische Abstimmung die beabsichtigte Wirkung haben wird. Ter Hamburger italienische Verein Circola Regina Elena sandte an die wichtigsten Zeitungen Italiens nachstehendes Telegramm: „Mit ttesem Bedauern sehen wir, wie die öffentliche italieui- sche Meinung in einer solch ernsten Zeit durch zu einseitige Nachrichten und Ausnutzung ihrer seuttmeutolcii Schwächen von einer vernünftigen Auffassung der sich vollziehenden Tatsachen und von einer richtigen Erkenntnis der Interessen de? Vaterlandes abgelenkt wird. Es wäre für die Presse ein Werk von hoch! der Vaterlandsliebe, di« öftrntliche Meinung zu einer reelleren Anschauung und mehr Zurückhaltung und Zucht aufzusorder». Wir empfänden «S als eine Pflicht, Zeugnis davon abzulegen, mit welcher Korrektheit wir hier behandelt werden und welch wunderbar großartiges und einzig dastehendes Schauspiel von Kraft, Ordnung und einheitlichem Vorgehen uns dieses Bolk bietet." Landesverräte». (4V. 8.) Bekanntmachung: Ter Maler Jean Iacqcs Waltz, ge- nannt Hausi, der Rechtsanwalt Albert Helmer und der Zahnarzt Karl Hnck. alle drei and Colmar, welche sich bei den fr an- zösischen Truppen befinden, werben für Landesverräter erklärt. Wer ihnen Aufenthalt gewährt oder ihren Autenthalt verheimlicht, wird nach Kriegsgebrauch erschossen. ^ Durch kriegsgerichtliches Urteil vom 28. August 1014 ist der Steinhauer Alexander Keiiling aus Logclbach wegen Landesverrats zum Tode verurteilt worden. Das Urteil ist am 20. August durch Erschießen vollstreikt worden. Ter Verurteilte hatte einem französischen Posten die Psadsinder als Personen verraten, welche der Landesoerteidigmig Tienstc leisteten. Er hatte dadurch den Posten zum Schießen auf einen Knaben veranlaßt, den dieser für einen Pfadfinder hielt. Ter Knabe wurde durch zwei schlisse schwer verwundet. ... _ Ter Ortskommandant, o. Mellenthin, Oberstleutnant z. D. Austausch von Gefaugenenbriefen. Diele deutsche Familien sind heute in schwerer Sorge um das Schicksal ihrer Angehörigen, die nach den Verlustlisten gefangen sind oder als vermißt sich wahrscheinlich auch in Feindeshand befinden. Nachricht von ihnen ist nur zu erhalten, wenn der Austausch von Gefangenenbriefen durch eine neutrale Macht stattsindet, wofür in den Haager Konventionen Vorsorge getroffen ist. Was den westlichen Kriegsschauplatz anlangt, so hat sich die Schweiz schon zur Vermittlung erboten. Die Gcschäftsleitung der Deutschen Friedensgesellschaft hat deshalb beschlossen, sich an die Reichsrcgicrung mit der Bitte zu wenden, diesen Austausch möglichst rasch zu bewerkstelligen. Viele unnötige Angst und Sorge kann damit erspart werden. Auch denen, die sich als Gefangene, verwundet oder unver- wundct, in unseren Händen befinden, und deren Familien wäre es zu gönnen, datz sie miteinander in Verbindung treten können. Daß die Briese militärischer Zensur unterliegen^ versteht sich von selbst. Die erste eroberte Fahne. Z» unserer iieulichen Mitteilung über die Eroberung der ersten französtschcii Fahne wird uns geschrieben, dast jener Infanterist aus Rimbeck bei Paderborn, der bic Siegcstrophäe an sich ritz, nicht Fischer, sondern Fischet heistt. Er ist ein Sohn armer jüdische:: Eltern. Petrograd — nicht Petersburg. Petersburg, 1. Sept. (Petersb. Telegr.-Ag.) Nach einem kaiser» lichcn Befehl wird Petersburg künftig „Petrograd" genannt. Ritssischc Hilfe für Serbien. V. Ik. Kricgsprcssequartier, 31. Aug. Donauaufwärt-s gehen fortgesetzt russische Munitionstransporte. Ach der Tonaumündung finden angeblich russische Vorbereitungen für Truppentransporte nach Serbien statt. Wieder eine französische Festung gefallen. IV. B. Berlin, 2. Skpt. (Amtlich.) Das große Hauptquartier meldet: Die Festung Givet (an der französisch, belgischen Grenze) ist am 31. Angnst gefallen. Panik in Paris. Meuterei in einem französischen Armeekorps. Wie dem W. B. vom 2. September aus Zürich berichtet wird, meldet die Neue Züricher Zeitung aus Paris: Seit dem Eintreffen der Nachricht von Charleroy herrscht in Paris unverkennbare Entmutigung. Man sah nur noch massenhaft mit den Zügen ankommcnde Flüchtlinge aus Belgien und Nordfrankreich, die sich in einem elenden Zustande befinden. In langen traurigen Zügen belebten sie die Boules vards und begehrten Hilfe und Ausnahme. Tie Presse sieht ein, daß größere Zurückhaltung nötig ist. Der Bericht des Senators Gervais in einem Pariser Blatte über eine Meuterei des 15. Armeekorps bei Luneville hat einen Entrüstungssturm hervorgerusen. Tie armen Tcusel mußten als erste ins Feuer und wurden furchtbar dezimiert. ,,^ch fürchte keine Eva," sagte Mcirstrnnd. „Nicht?" lochte der junge Offizier, „dann um so besser. — Morgen suche ich dich auf; laß unsere alte Freundschaft nicht zu schänden werden." Als Marstrand die Höhe erreichte, fand er den Gilde- meister allein, denn Hclgcstad war vorausgegangen. Seine Entschuldigungen wurden mit einem mürrischen Kovftlbüt- teln beantwortet, und Fandrem sagte mißtrauisch: „Ich will Ihnen einen guten Rat geben, Herr Marstrand. Don Soldaten und dergleichen unnützem Volk halten wir in Bergen nichts. Alle Achtung vor einem Manne, der, wie Sie, den Tressenrock in den Winkel geworfen hat und ein tätiger Bürger geworden ist. Tic aufgeputztcn Junker mag nieniand in seinem Hause sehen und ich am allerwenigsten. Ist kein gutes Zeichen für einen achtbaren Mann", fuhr er mit einem Seitenblicke fort. „Arm in Arm mit solchem Herrn umherzu- spazieren. Ein Kaufmann hat seinen Ruf zu bewahren wie eine Jungfrau. Laßt sic mit solchem luftigen Patron nur einen freundlichen Gruß wechseln, so ist die schlechte Nachrede da: laßt einen Kaufmann in solcher Gesellschaft sich zeigen, so hat sein Ruf, das heißt sein Kredit, einen Riß bekommen. Und nun", rief er, seinen Stock aufstoßend, „mögen alle Kapitäne zu Lande und zur Sec verdammt sein, die mich hindern wollen, meine Suppe warm zu essen! Da liegt mein Hans, Herr Marstrand, und Hanna, Gott segne sie! hat den Tisch unter den alten Nußbaum stellen lassen, wo wir im schönsten Schatten sitzen werden." Zweiter Teil. 1. Von dem Signaloeckcn, dem Vorsprunge eines der sieben Felsenmassen, die Bergen uniringen, senkte sich der Weg in einen lieblichen Grund, der Fandrems Besitzung bildete. Dos artige Gebäude mit Erkern und Säulen von Holz stand an der Bergwand, welche dahinter aufstieg. Ein Rasenplatz, mit Blumenbeeten und duftigen Büschen eingefaßt, zog sich vor ihm hin, alte Bäume breiteten ihr Geäst darüber aus, uni»' vor ihm in der Tiefe lagen Fjord, Hafen und Stadt, ein' wundcrhcrrliches Panorama. Hclgcstad saß schon an dem Tische unter dem mächtigen- Rußbaum, und vor ihni stand Hanna, die sich umwandte und ihrem Vater entgegen ging, mit dem sic über sein langes Ausbleiben zu schelten begann. aber pc war schlank gewachsen und besaß die zarte Hautfarbe und die regelmäßigen Gcsichtszügc, welche die Damen von Bergen von jeher in den Ruf besonderer Reize gebracht haben, vihke großen, braunen Augen sahen aus, als würde deren Feuer gewaltsam unterdrückt, und um ihren Mund schwebte ein hochmütiger Zug, der dem Beschauer am wenigsten gesteh Um so anmutiger war die Tracht des jungen Mädchens. Sie trug ein weißes mit blauen Sternchen besäetes Kleid von niederländischem Zitz, das von der Schnürbrust eng zusammengehalten wurde. Ein Schoßstückchen von demselben Stoss m,t weiten Aermeln und Frisuren flog darüber hin: auf dem leich gepuderten und gepufften Haar saß ein Mützchen von Kantenstrichen m.t einem Deckel von Silberstosf. und um feingekniffter Kragen, unter welchem eine schwere Goldkctte bis auf die Brust niedersiel. . Der Gildevorsteher beschaute mit väterlichem - Wobt- gefallen sein stattlich aufgeputztes Kind, das ohne ZweiM di< erste Modedame in Bergen darstellte: geduldig ließ er üä ausschelten, während er ihr Kinn ftrcirfjcite und ihren Racker fiopftc. — „«achte. Mädchen, sachte!" ries er dann brr hungrig und müde genug. Soll einer gestraft werden st - f 3*"™ Hn. ” S "teo‘ 5'6n°l >t°hen und braten ließ, während er mit dem Ansübre- der Lungerer und N.cksttuer schwatzte, die w,r in Bergen » mryren müssen." -oergen er Ein kalter betrachtender Blick der jungen Dame mustert« den szremdling, und ein hochmütiges Lächeln inW<- „„z. »w Marstrands widerwillig- Gmp f ,nb,,n ö c„ bctnSrl iy . l-mrtsitzung.fofM/ s-. Den französischen Berichterstatter,, verbot die Armee- ■Icitunfl, den Operationen zu folgen. Zugunsten der (Engländer aber wurde eine Ausnahme gemacht, was das zeitweilige Verbot der Times für Frankreich zur Folge hatte. Der Schrecken in Frankreich. Rom, 2. Sept. Nach dem Corriere d'Jtalie ist Paris vollständig (?) von dem übrigen Frankreich isoliert. Auch der Telegraph Pari s—M ailand ist unterbrochen. Wes Leben in Frankreich stockt. Uebcrall herrschen grenzen- loser Schrecken, Verzweiflung und allgemeine Arbeitslosigkeit. Nur eines hält einigermaßen den französischen Mut ausrecht, nämlich die Hoffnung auf Ankunft der englischen Verstärkungen.' Telcgraff meldet aus London: Die Deutschen haben berniutlich die Verbindung Pari s—L ondon unterbrochen. Seit vorgestern abend 7 Uhr ist kein Telegramm mehr in London aus Paris angekommcn. Die Russen rücken „geräuschlos" vor! Das Exchange Telegraphen-Bureau meldet aus Petersburg, dast das Zentrum der russischen Armee, das aus der großen Masse des russischen Heeres besteht, geräuschlos aber mit furchtbarer Gewalt unwiderstehlich auf Posen vorrückt. Nach den blutigen Schlägen, die sich der rechte Flügel der russischen Armee bei Tanncnberg geholt hat, dürste dieser „geräuschlose, unwiderstehliche Marsch" der Russen bald zu einem geräuschvollen Ende gelangen, wenn die deutschen Batterien auch auf diesem Teile des Kriegsschauplatzes zu sprechen beginnen. Aus Belgien. Wie aus Antwerpen gemeldet wird, berichten dort ein- getroffene Flüchtlinge, daß in Brüssel ein deutsch-belgisches Finanzministerium gebildet worden ist, das die Kriegsstcuern einzieht. Dann wurden alle Uhren Belgiens etwa eine Stunde vorgestcllt, so daß sie jetzt deutsche Zeit haben. Als die Bürger protestierten, erwiderte Gencralgouvcrneur v. d. Goltz, daß Deutschland einheitliche Zeit haben müsse. Die Bürger Brüssels geben zu, daß im deutschen Heere glän- zcnde Manneszucht herrscht. Alle^ Zahlungen erfolgen in Gold oder Anweisungen auf die Deutsche Reichsbank. Der Daily Expreß meldet, daß die vier reichsten Belgier, die Herren S o l v e y, Baron Lambert de R o t h s ch i l'd, Waroque und Baron Empein die Brüssel auferlegte deutsche Kriegssteuer von 200 Millionen Franks bezahlen werden. Daily Telegraph meldet, daß die Lebensmittel in Brüssel anfangen, knapp zu werden. Nur wenige können 'mach Fleisch, Eier und Milch bekommen. Telegraaf meldet: Die belgische Regierung hat eine Mission, an der die Minister Huysman und Vandervelde tcil- nehmen werden, nach London entsandt. Eine zweite Mission ist nach den Vereinigten Staaten unterwegs. Ein englisches Eingeständnis. Wie dem W. B. aus Zürich gemeldet wird, gibt die englische Gesandtschaft zu Bern in ihrem Berichte über die deutsch- englischen Kämpfe zu, daß die Engländer zurückgewichen sind nnd 6000 Mann verloren haben. Meuternde Irländer. Der Corriere della Sera veröffentlicht ein Telegramm seines Sonderkorrespondenten, demzufolge es in einer Kaserne der irländischen Garde zu so .schweren Unruhen gekommen ist, daß berittene Polizei zur Wiederherstellung der Ordnung herbeigeholt werden mußte. Im Verein mit den Offizieren gelang es, die meuternden Soldaten zn beruhigen. Entschuldigend für diese peinlichen Vorfälle wird angeführt, daß die Irländer nach einer anderen Kaserne überführt werden sollten und daß sie unzufrieden waren, daß sie nicht gleich in den Krieg (!) kommen sollten. Die überlisteten Japaner. Den schlauen Japaner, sie ganz heimlich namentlich aus allen Universitätsstädten verschwanden, um noch vor Uoberreichung des Ultimatums ihrer Negierung über die Grenze zu konnnen, hat die deutsche Negierung doch noch einen Strich durch die Rechnung ge- nmcht. Unseren Behörden umt die Bewegung unter den Japanern nicht imhekannt geblieben, sie konnten ober di« asiatischen Güst« zunächst an der Abreise nicht hindern. Sobald aber das llltiniatmn überreicht war, benachrichtigten sie die Behörden an der holländischen Grenze ln der richtigen Voraussetzung, datz die Japaner ihren Weg über Rotterdam nehmen würden. Es gelang denn auch, einen erheblichen Teil der verschlagenden Gelben an der Grenze noch abzufangen. Sie sind nun nicht in der Lage, ihre dank imferer deutschen Gastfreundschaft erworbenen Kemitmsie gegen uns zu vcrivcrten. Das Kohlenaiisfnyrverbot. Infolge der stockenden Zufuhr der englischen Kohle geben Namentlich Dänemark, aber auch die Schweiz und Oesterreich-Ungarn an die mitteldeutsche Braunkohlenindustrie große Aufträge. Um die Zufuhr zu ermöglichen, bittet die Industrie durch die Vermittlung der Hallesthcn idaudelskomnier den Reichskanzler, von, Kohle-naus- fuhrverbot Ausnahmen zuzulaffon. Begnavistuttq znm Tode Bcr«rt«ilter. Wie das Leipziger Tageblatt aus gut informierter Quelle erfährt, hat der Kaiser als König von Preußen di« noch der königlichen Bestätigung harrenden Todesurteil« preußischer Schwurgerichte von eurer Unterzeichnung ausgeschlossen und das Justizmiiristcrimi, mit der späteren Vorlage zwecks Umwandlmig der Todesstrafe rn lebenslängliche Zuchthausstrafe beauftragt. Ein russischer Militärzug in die Weichsel gestürzt. W. B. Wien, 2. Sept. Nach einer ans Kielec ciugc- trofsenen Meldung ist bei der russischen Festung Jwangorod ein russischer Militärzug bei der Fahrt über die Weichsel ent gleist und in den Fluß gestürzt. 1000 Mann und viele Offiziere sind ertrunken. Eine Anzahl Maschinengewehre sind -verloren. Der die Brücke bewachende Posten wnrde vcr-' hastet, da man Verrat annimmt. Di« Aushebung oes Militärboykotts gegen die sozialdemokratische Presse. Der Vorwärts hatte, wie das Parteiprcßbiircau init- teilt, in der Mitte des Monats August an das preußische Kriegsministerium das Ersuchen gerichtet, das Militärverbot gcgcn^ den Vorwärts auszuheben. Der Kricgsmiuistcr v. Falkcnhayn hat nun geantwortet, daß er die Ziffer I) des kriegsministeriellen Erlasses von 1894, die das Halten und Verbreiten revolutionärer oder sozialdemokratischer Schriften, sowie die Einführung solcher Schriften in Kasernen oder sonstige Dienstlokale verbietet, aufhebe, soweit dieselben sich auf sozialdemokratische Schriften bezieht, die noch dem 31. August 1911 erschienen sind.' DaZ Kriegsministerium bemerkt dazu, daß die Aufhebung in der Erwartung geschieht, daß die Veröffentlichung von Artikeln unterbleibt, die geeignet find, den militärischen Geist des Heeres zu beeinträchtigen. Sollte dies nicht zutreffen, so ist jedes Generalkommando befugt, das Verbot wieder in Kraft zu setzen. Tie Bekanntgabe des Erlöstes in der Presse ist nur ohne jede weitere Erläuterung gestattet. Unter Bezugnahme aus die Aushebung des Militärver- bots fordert der Vorwärts zum Fcldabonnement auf. Soziale Rundschau. Sozialdemokratische Kinderfürsorge in Berlin. Seit Jahren entfalten die Sozialdemokratischen Kinderschud- kvmmissioncn, deren cs zirka 300 im Reiche gibt, eine segensreiche Tätigkeit. Jetzt, während des Krieges, mit all seinen schweren Röten für die Minderbemittelten, haben sie meistens ihren Aufgabenkrcis stark erweitert, so auch in Berlin. Seit dem 13 August sammelt die Berliner Kommission die oorschulpflichtigcn und für die schulfreien Stunden dcs Rachmittags auch die schulpflichtigen Kinder der Arbeiterschaft, um sie zu beaufsichtigen und zu b e k ö st i- g e n. Tie Zahl der Kinder, die der Obhut der Genossinnen anvertraut werden, steigt von Tag zu Tag. Bis zum 27. August waren 2000 gemeldet. Ten Müttern ist cs sreigcstellt, an der Aufsicht sich zu beteiligen, um der furchtbar niederdrückendcn Vereinsamung, der sie im Hause ausgcsetzt sind, zu entrinnen. Einem Anträge der Genossinnen a» de» Berliner Magistrat, die Kinderschußkommisfion zu subventionieren und als erste Rate 1000 Mark zu bewilligen, um die Beköstigung durchführen zu können, ist jetzt stattgegcben. Auch hat der Verein für Kindervolks- küchcn wöchentlich 6000 Mittagsmahlzeiten unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Kinderfreunde, welche die Tätigkeit der Kommission beobachtet haben, versichern, cs sei eine Herzensfreunde, zu sehen, wie die Kleinen in sicherer Obhut unserer Genossinnen voller Freude spielen, dem Märchenerzähler lauschen und so recht mit Behagen gemeinsam ihre Mahlzeiten verzehren. Hessen nnd Nachbargebiete. Gietzen und Umgebung. Wie das alles so nnnatürlich ist. Die hessische Grohherzogin hat vom Großherzoa einen vom 22. August — eilst» einem Hauptgesecht-stage der hessischen Division — beginnende» Brief vom Kriegsschauplätze erhallen, ans dem die Tavmsiädter Zeitung folgende Stellen wiedcrgibt: „Die Hcnrptsachc ist, daß wir den Sieg haben. Bei uns sing die Schlacht in dichtem Waldgestriipp an. Es war ein furchtbarer Kanrps. Ich erinnere mich daß mein Vater sagte, das Schlimmste sei ein Waidgefecht, wobei keiner den andern sieht. Tie folgend« Rächt schiiescn wir alle in einein Haus auf Stroh, hoffend auf den nächsten Tag. Tiefer brachte uns eine siegreiche Verfolgung. Gestern stand der Feind uns mit neuen Kräften gegenüber. Unsere Leute mrrßteir nach der an, vorherigen Tag geschlagenen Schlacht Tag und Nacht lausen, um zur Stelle zu kommen. Unsere Regimenter haben sich so großartig geschlagen, daß alles davon sprach. Friedrich sPrinz Friedrich Karl von Hessen) ist ein Held, seine Leute begeificrnd, imnier voran. Man erlebt zuviel. Der Tod wird Nebensache. Man sitz! zwischen Toten, Verwundeten, Pferden nsw. Es ist, als ob cs so sein müßte. Aber dann überkommt einem doch das Gefühl, wie das alles so unnäiürlich ist." Wie das alles so unnatürlich ist! In diesen sechs Worten offenbart sich die ganze Furchtbarkett des Kriege». — Mehr Rücksicht mit den Steuerzahlern! Von mehreren Seiten wird uns geklagt, daß bei der S t a a t s - st e u c r von den Steuerpflichtigen, die mit der Zahlung bis nach dem 25. August säumten, Mahngebühren verlangt werden. Das ist in jetziger Zeit wirklich ein starkes Stück. Heute, wo die meisten Steuerzahler, besonders kleine Geschäftsleute nnd Arbeiter, ihre Not haben, überhaupt ihre Steliergroichen zusammenzubringen, sollte man nicht in dieser burecmkratischen Weise verfahren nnd die Leute um die Mahngebühr bringen. Bei der Stadt kann die im Juli füllig gewesene Steuer noch bis zum 5. September ohne Kosten bezahlt werden, man brauchte auch nicht bei der Staatsstener so rigoros und ohne Rücksicht auf die jetzigen Zeitverhältnisse vorzugehen. — Muckerci. Es ist bekannt, daß iin Kreis Gießen, Wetzlar nnd Umgebung das religiöse Sektcnwesen stark verbreitet ist. Jetzt scheint sich wieder eine neue ausgetan zu haben, die nach dem sogenannten Schneeballensysteni arbeitet. Ein Gießencr Genosse erhielt eine Postkarte mit folgendem Inhalt: „Ein altes Gebet. Allniüchtiger Gott, ich bitte dich, die Menschheit zn regieren: halte fern von uns alles Böse, laß »ns mit Dir sein in aller Ewigkeit. Amen. — Dieses Gebet wurde uns zugesandt und soll in aller Welt verbreitet werden. Schreibt es ab nnd sendet es ohne Namen an alle Glaubensgenossen. In alter Zeit sagte man, wer dieses schreibt, soll von allem Bösen befreit sein. Schreibe es in 4 Tagen an 9 Freunde. Am 9. Tage tritt bei dem Versender große Freude ein. Brechet diese Karte nicht, sondern schreibt weiter ohne Namen." Man sollte wirklich nicht für möglich halten, daß es heut- zutage noch Menschen gibt, die auf solchen Blödsinn herein- sallcn nnd 45 Psg. für Postkarten hinanSwerfen. Wir wollen nns mit dem Machwerk weiter nicht befassen. Bemerkt sei nur, daß die Leute, die täglich beten: Gott möge das Böse von ihnen fernhalten, in der Regel solche sind, die das selber nicht können und alles vermissen lassen, was der Mensch als Tugend bezeichnet. Denn wer „das Böse" nicht selbst in sich fernhalten kann, ist ein erbärmlicher Mensch, dcni natürlich auch kein Gott Helsen kann. — Obige Karte ist aber ein kleines Dokument für unsere heutige, vielgerühmtc Kultur: sie zeigt, daß in vielen Winkeln noch Finsternis nnd Aberglaube herrscht. Zum Teil dürfte das auf Mängel in -der Schulbildung und Erziehung zurückzuführcn sein. — Von de» Verlusten des Gießencr Regiments sind bereits eine ganze Anzahl bekannt geworden, obwohl dis offizielle Verlustliste noch nicht herausgekommen ist. Diele Angehörige der mit dem Regiment hinausgezogenen befinden sich in banger Sorge ,md Ungewißheit über deren Schicksal. — Uebrigens sicht die vorgestern herausgekommene Verlustliste — die 15. sehr merkwürdig aus. Wenns in der Tat zutreffen würde, was da an Verlusten aufgeführt wird, so wäre das ja nnr erffeulich, so gering sind sie. Eine ganze Anzahl Regimenter werden da aufgezählt, die nur einen Toten oder einen oder ein paar Verwundete gehabt haben. Wie gesagt, es wäre ja gut, wonns nicht mehr wären. Das will uns aber nicht recht glaublich erscheinen'! es scheint sich da jedenfalls um Nachträge zu handeln. — Die Volksschulen in Gießen haben heute den Unterbricht wieder ausgenommen. Leider hatten diesmal die Kinder nicht viel von ihren Ferien, an Ausflügen, Wanderungen, Ferienkolonien usw. konnte wenig oder gar nicht gedacht werden, obwohl das Wetter im allgemeinen herrlich war. In mancher Beziehung ist es gut, daß die Kinder wieder in ihre Ordnung nnd viele von der Straße weg kommen, wo sie vielfach nachteiligen Einflüssen ausgesetzt waren, ganz besonders in jetziger Zeit. Zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit hat dass preußische Kriegsministerium dem stellvertretenden Mikr- tärinspektor für die freiwillige Kranken-! pflege folgende Mitteilung zugehen lassen: Tie gegenwärtige wirffchaftliche Lage der arbeitender! Bevölkerung läßt es angezeigt erscheinen, in den Reserve^ lazaretten tunlichst Wirtschastspersonal gegen Entgelt anzu-z stellen, selbst wenn aus die freiwillige unentgeltliche lieber-- nähme von Wirtschaftszweigen in Reservelazaretten verzichtet lverden muß. Den Damen und Herren, die diese Arbeit aus patriotischer Begeisterung bisher freiwillig getan! haben oder zu tun sich bereit erklären, ist für ihre so anerkennenswerte Bereitwilligkeit in geeigneter Weise zu danken. Sie werden gewiß gern bereit sein, durch den Verzicht auß diese Tätigkeit zur Linderung der Not der Wirtschaftlich- Schwachen auf diesem Wege etwas beitragen zu können. Landwirte sorgt für normale Winterbcstclliing! Nachdem die Getreideernte fast ganz geborgen ist, wird es in' dieser ernsten Zeit zn einem dringenden Gebvt, mit allen« Mitteln für eine normale Winterbestellung zw sorgen. Da von verschiedenen Seiten die Besorgnis ausgesprochen ist, daß viele Landwirte wegen der Kriegsgefahr dis Winterbestellnng entweder nicht oder nicht in dem bisherigen Umfange vorznnehmen gedenken, wird die dringende Bitte ausgesprochen, mit allen Mitteln dahin wirken zu wollen, daß die Winterbestellung, Bodenbearbeitung, Düngung mit tierischem und künstlichem Dünger, sowie Aussaat in demselben Uni fange nnd mit derselben- Sorgfalt vorgenommen wird, wie in Friedensjahrerw Da das Wintergetreide in Deutschland fast 60 Prozent der gesamten Getreidefläche beansprucht, würde eine Vernachlässigung oder Einschränkung unserer Winterbestellung gegenüber ihrem normalen Friedensstande eine Gefahr nicht nuo für die Landwirtschaft selbst, sondern für die gesamte Volks- ernährung herbeiführen können. Genaue Adressierung von Briessendunge»! Noch immer gehen in Metz täglich Tausende von Vriessendnngen für Angehörige der mobilen Truppen ein, durchweg mit der Bcstimmungsbezeichnung „Metz", „bei Metz" und dergleichen. Diese Sendungen miisien zunächst aus den vielen für die Kriegsbcsatzung der Festung Metz bestimmten ausgesondcrt und dann auf die Fcldpostsammelstelle in Straßburg zurückgcleitet werden, um von da nach nochmaliger Bearbeitung endlich ans den rechten Weg zum Feldheere zu gelangen. Durch die vorschriftswidrige Adressierung cnfftcht nicht bloß eine mehrtägige Unterbrechung in der Beförderung zum Feldheere, sondern es werben auch die Abflußkanäle, die sllr andere Sendungen (an Private und an Truppen in festen Standguartiercnl freigehalten werden miisien, unnötigerweise verstopft und der Post die Erfüllung ihrer schweren Ausgabe, der sic seit Wochen mit vermindertem Personal in ununterbrochener Arbeit bei Tag und Nacht gerecht zu werden sucht, säst unmöglich gemacht. Ten Schaden aber hat bas Publikum selbst und unsere brave Armee. Es ergeht deshalb immer wieder die dringende Bitte an alle ?' eiligten, auf Feldpostbriefen an Angehörige des Feldheeres doch keinen Bestimmungsort, sondern nur den Truppenteil anzugcben. Nur Sendungen an Truppen in festen Standguartieren (Festungs- besatzungen und dergleichen), an Kranke und Verwundete i» Lazaretten sollen eine Bestimmungsangabc enthalten. Im weiteren wird daran erinnert, daß verschlossene Privatbriese nach Elsaß- Lothringen "nicht zulässig sind. De» überspannten Kriegsenthusiaften sind Besuche in den Feldlazaretten zu enipfchlen, wo der Jammer der Schwcrvcrwundeten vorherrscht. Ter Munchen-Gladbacher Zentrums-Agitator Tr. Sonnenschein schildert in der Kölnischen Volkszcitung seinen Besuch im Lütticher Lazarett und erzählt dabei: Eine Treppe höher. Lange Gänge hindurch. Hier liegen die Berbranntcn, die von den Forts kommen. Was ich hier sah, werde ich mein Leben nicht vergcsicn. Mensche», au denen nicht ein Stück mehr menschlich war. Die verbundenen Arme und Hände ivciß verwickelt, anfgcreckt, der Kopf unkenntlich — nur ein Flcischklumpen. Bo» Augen kaum eine Spur mehr. — Alles versalbt . . . Ausbrechcndcr Eiter: über die Betten Gaze ge- spannt, damit die Fliegen im heißen August die Schmerzen nicht noch vermehren. Seit vierzehn Tagen kommen Aerzte und Pfleger kaum ins Beit . . . Man liest sonst vom Kriege in den Büchern. Wer ihn aber einmal so aus der furchtbaren Nähe sah. sicht erschüttert und wortlos vor dem unsagbar Schrecklichen, bas er bringt. Und man betet, ohne die Lippen zu regen, ein Gebet für den Frieden. Das ist der Krieg — anders, als ihn sicgesbegcistcric Philister fern von den Schlachtfeldern in den Kaffeehäusern und Wirtschaften vor Augen haben. Dei Feuerbestattung im Monat Juli 1014. Im Monat Juti 1014 erfolgten in Deutschland 915 Fcucrbcstattnngen, 132 mehr als im Juli 1013. Die meisten Feuerbestattungen hatte wieder Leipzig, nämlich 100: dann sulgen: Berlin mit 84, Chemnitz mit 65, Bremen mit 62, Gotha mit 50 und Dresden mit 52. Stuttgart hatte 10, Hamburg 36, Jena 31 und Mainz und Zittau je 30 Feuerbestattungen. Die ivenigsten Feuerbestattungen erzielten die Veraschungsstätten in: Freiburg i. Br. und Treptow je 5, Reutlingen 1, Göppingen, Greifswald und Heilbronn je 3 und Tesian 2. — Die verhältnismäßig meiste» Feuerbestattungen hatten wie immer die fünf sächsischen Anstalten, nämlich 261 oder 27,5 Prozent: die neun thüringischen hatten 100, die acht preußischen 131, die der drei Frcistäbte 106 Fcncrbestattunge» usw. Die 11 sächsisch-thüringische» Veraschungsstätten weisen demnach nahezu die Hälfte sämtlicher Feuerbestattungen Deutschlands auf. Mehr als drei Viertel der Feuerbestattungen stammten aus den Krcmatoricnstädtc» »nd ihrer Umgebung. Die Gesamtzahl aller bisher in Deutschland vorgenommcncn Feuerbestattungen beträgt 63115. Dcr Erporihandcl und dcr Krieg, Die Norddeutsche ?lllg, Ztg, hat vor einige» Tagen die Mahnung an die deutschen Exporteure gerichtet, auch unter den jevtgerr Vcrhälimssen die Verbindungen mit dem neutralen Anslanöe ansrecht zu erhalten. <5° gebe eine Anzahl Dantpserlinien, besonders mit Amerika, die jetzt benutzt werden könnten. Von den l>cstchcnd«n Airssuhrverbotcn werde die Regierung in umfassender Weise Ausimhmei, gewähren, soweit cs mit den militärischen Interessen zu vereinbaren ist. Wenn man zu den Ländern, mit denen wir im Kriege liegen, nvch deren Kolonien hinzu- rcchnet, so sind cs jetzt säst dreißig Landgcbiede, wohin di« Ausfuhr zurzeit unterbunden ist. Fiisgcksamt belief sich die deutsche Ausfuhr nach diesen Ländern in, rwrigen Fahre aus mehr als 4,37, die Einfuhr von dort ilber 4,77 Milliarden Mark. Immerhin machen diese Zahlen noch nickst die Halst« des gesamten deutschen Auslandshandel-s aus, denn die Gesamteinsuhr betrug im Jahr« 1813 48,77, die Ge- samtaussnhr 18,fX) Milliarden Mark. ES ließe sch also, ivenn auch in schr beschränktem Umfang«, ein AnSlandshand«I noch ausrecht- erhaltcn. Nach Belgien, Frankreich, England und Rußland leimig die Ausfuhr nicht weniger als 3838 Millionen Mark, während die Einfuhr aus diesen Ländern sich atzt 3238 Millionen bezissert. — Gcschworcncnliste. Behufs Bildung der Spruchliste für di« am 28. September 1814 beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts des 3. Quartals 1814 wurden nachstehende Geschworenen atisgelost: 1. Karl Friedrich, Landwirt in Wallenrod. 2. Ludwig Grießbauer, Bankdircktor in Gießen. 3. Peter Biicheiiart, Landwirt i» Reuters. 4. Heinrich Weller II., Landwirt in Maar._ 5. Karl Sandmann, Slisensabrikant in Laulerbach 6. Wilh. Möller II,, Kaufmann in Lautcrbach. 7, Ich, Eduard Duchardt, Konditor in Lanterbach. 8. Tr, Ernst Lentert, Proftsior in Gieße». 8. Otto Georg Walther, Landwirt in Langd, 18. Iah Aigaier, Ingenieur in Lollar. 11. Karl Lorz, Kaufniami in Nidda. 12. Bernhard Hof- inann, Kulspächter in Ranstadt, 13. Heinr. Hardt, Kupferschmiede- meister in Lautcrbach. 14. Äonrad Häuser 28., Landivirt in Nieder- Weiscl. 15. Philipp Mohr, Landwirt in Vilbel. 18. Adam Hos- inann V., Blirgerineistcr in Wölfersheim 17. Heinr. Friedr, Diel, Beigeordneter in Qbcr-Wöllstadt. 18. Jakob Kröll VI., Landivirt in Rainrod bei Schotten. 18. Ferdinand Wendcbcrg, Fabrikant in Echvttcit. 28. Adolf Laurenze, Kaitsmann in Groß-Kärben. 21. Adolf Hansel, Landivirt m Torlelivcil. 22. Karl Friedr, Winter, Landwirt in Bsidesheii». 23. Friedr, Wihl. Häuser, Schmiedemeister iti Friedberg. 24. Alexander Leon, Kaufmann in Friebberg. 25, Kaspar Tck-att, Landwirt in Groß.Felda. 28. Heinr. Graulich. Landivirt in Rainrod, Kreis Alsfeld. 27. Heinr. Eifländcr II, Bürgermeister rn Rainrod Kr. Alsfeld. 28. Karl Emil Gauterin, Landwirt in Petterweil. 28. Albert Fauerbach, Landwirt l» Lkarbcn, 36. Heinr. Walz, Metzger in Bildet. — Die Strafkammer Gießen verhandelte am Dienstag nackt über den Bauftlhrcr Hüb euer ans Bad Wildungen, der sich ivieder ivcgen Betrugs zu verantwor-ten halte, wegen iveichen Vergehens er bereits 18 Rial vorbcstrast ist, darunter sogar mit Zuchthaus. In Kleinlinde » lmttc er versucht, sich dadurch Geld zu erschwindeln, daß er angab, er* fei Bauführer am Bahn bau und werde in dem betr, Geschäft LebenSmikiel für die Arbeiter eiiikaufe», Tic Geschäftsfrau schöpfte aber Verdacht und gab ihm kein ttzeld, Ta cs sich um einen geringen Betrag handelte, kam der Angetlagte mit einem Monat Gefängnis davon. Einen in e r k iv ii r d i g e ii Sport betrieben in Frivdbcrg der Schncidcr K. Rampe und seine Sckstvcstcr, eine Witwe. Ti« beiden machten sich nämlich das Vergnügen, an verschiedene Fried- bcrger Gesck>ästsl«utc Warenbestellungen mit falscher Namensa»gab« zu richten und wann dann di« Waren zu den angeblichen Bestellern gebracht ivnrden, hatten sie ihre Fronde daran und machten sich darüber lustig. Wegen Urkundenfälschung und Beleidigung ivird K. zu 14 Tagen, seine Schwester zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Aus dein Frankfurter Hanptoirhmarkt blieben die Preise für Schweine, die in den letzten drei Wochen durch erhebliche» Preisrückgang allmählich wieder ans ihrer früheren Höhe angclangt sind, beständig. Ein Preisrückgang von 5 —16 Pfg. pro Pfund Schlachtgewicht, ivar bei den Rindern zn vcrzcichncn. Auch Bullen und Kühe machten eine RückwärlSbewegung gegen die Vorwoche durch, wenn auch nicht in so bedenlendem Maße, wie bei den Rindern. — Auf dcni gestrigen Markte erlitten die Kartoffeln einen erheblichen Preissturz. Sie gingen gegen die Vorwoche im Großhandel »in eine Mark, in, Kleinhandel um 1,88 bis 2 Mark pro 288 Kilo- grainm im Preise zurück. Bezahlt wurde im großen 8 bis 7 Mark, im kleinen 8,58 bis 8 Mark für 288 Kilogramm. — F» dcr Fauchegrnbc erirunlcn >st am Mittwoch vormittag das fünfjährige Söhnchc» der Wittvc Bonarins in Große Irwins eck, di« bei dem Landwirt Wagner, Schützenweg 3, wohnt. Wagner war daiuft beschäftigt, aus dcr im Schuppe» gelegenen Grube Fancitc ans das Feld zu bringen: während dieser Zeit schloß Zgaqner wohl di« nach dem Schuppe» führende Tür, ließ aber die Gnibe offen stehen. Ter klein« Bonarins, der vermutlich den im Schlippen iintergcbrachten und seiner Mutter gehörige» Ziegen Futter bringen wollt«, fiel in die offen stehende Grude und ertrank. Frankfurt, 1. Sept. Ter Prozeß gegen Kriminalkommissar Schmidt. Nach zweitägiger isterhandlung ging heute nachmildag dcr Bcstcchiingsprozcß Schmidt zu Ende. Ter Staatsanwalt beantragte gegen Schmidt drei Fahr« Zuchthaus und gegen die Mitangeklagte, Frau Bertha Bohnert, ein Fahr Gcsäng- nis. Das Gericht vernrtrilt« Schmidt wegen Verbrechens gegen § 332 Str. G. B z» zwei Fahren Zuchthaus und süiis Fahre» Ehrverlust. Tie dein Angeklagten zum Gesühnt gemachte» 2888 Mark und ein goldenes Armband im Werte von 488 Mark sind dem Staate verfallen. Ti« Angeklagte Bohnert wurde zu n e u >: M o n a t e n Gefängnis und drei Fahren Ehrverlust verurteilt. Ski Schmidt gelten drei Monate, bei der Bohnert et» Monat als durch die U»tcrftichniigsl>aft verbüßt. Ter von bcr Angeklagten Bohnert gestellte Antrag \uif Hastentlastung wird abgclchnt Fn der Urteilsbegründung führte Landgerichtsdirektor Tr. Heldmanu folgendes mis: Ter Angeklagte Schmidt hat bereits in seiner früheren Stellung in Kiel 888 Mark von einem Bordellinhaber gcnom- nien. Er hat von diesem Geld 488 Mark zurückbc,zahlt, im übrigen aber nichts wiedergegeben und auch keine Zinsen bezahlt. Er hat sich auch sonst dort nicht einwandsfrei benommen, Einem Bordell- iirhabcr machte er Mitteilungen von Revisionen, die stattstnden würden. Dieselben Vergelten ließ er sich in erhöhtem Maße nach seiner am ersten Fcbniar 1812 nach Frankfurt erfolgte» Versetzung zu Schuldet: kommen. Tie Bordellbcsitzcrin Plcschkc hat ihm nach und nach 1888 Mark und seiner Frau ein« Pel.zgarnftur im Werte von 488 Mark gegeben. Dieser Fall steht nicht zur Anklage. Er zeigt aber, aus welchem Wege sich der Angeklagte befand. Schmidt trat in nähere Beziehungen zn der Bohnert, die hier ein öfsentliches Haus hat. Er hat von ihr seit Anfang Sommer vor. Fs. nach und nach 2888 Mark Bargeld bekommen und für sein« Fra» ein goldenes Armband mit Brillanten für 488 Mark. Schmidt hat auch durch positive Hanblnngen den Bordellbctricb dcr Bohner! gefördert. Frau Bohnert lzat dem Schmidt di« Geschenke gemacht, um ihn zu bestimmen. daß er von seiner Polizeigeivali gegenüber ihrem Bordcll- betrieb nicht den nötigen Gebrauch machte. Milder« Umstände konnten dem Angeklagten Schmidt nicht zuerkannt werden. Es nnißte deshalb aus 2 Jahre Zuchthaus und Ehrverlust erkannt werde». «reis Metzlar. Ir. Höchstpreise. Ter Wetzlarcr Bürgermeister gibt amtlich be-I könnt, daß der Höchstpreis für den Verkauf von Kartoffeln pro I Pfund 5 Pfg., pro Zentner 4.5» Mk.: Butter per Psd. 1.18 Mk, bis 1.28 Mk. mid Eier pro Stück 9 Pfg. festgesetzt sei. Jede höhere Preisforderung soll sofort zur Anzeige gebracht werden. Das sind wrrklich Preise, besonders bei Kartoffeln und Eiern, bei denen Produzent und Händler noch eine» Groschen Geld verdienen können. Sehr „ottvendig wäre zurzeit auch eine strenge Nchrnngemittel- kontroll«. da viele Klage,« laut werden über schlechtes Mehl und daraus hcrgestcllten Backwaren, di« Mag:,, „nd Tarnibcschivcrdcn hervorruscit. Schlechtes und teures Brot Hai wirklich noch gcfrhlt zur jetzigen Notlage! li. Unglückssälle. Fu den letzten Wochen sicht man häufig Kinder aus Mauern und Zäunen von Eiseubahndämiuci« sitze,«, um die Kriegsbesördernng zu beobachten. Hierbei siel nun vorigen Montag die 8 jährige Tochter des Rangierers Peter Wagner in Schcnerfeld lei Betzdorf unter c4„e,« ei „fahrenden Zug, wurde gräßlich zermalmt und getötet. Ter Fahrdienst beamte Joseph Entebach wollte dem Kinde zu Hisse eilen. Im» selbst »Itter den Zug und erlitt so schwere Verletzungen, daß auch er, Vater von 8 kleinen Kindern, bald daraus verstarb. Auch in Wetzlar werden die Züge von Buben uiuschivärntt, geschützt durch die bekannte SK „de mit Rotem Kreuz, während herbeigeruscne erivachsene Hilfskräfte von tzKndarm oder Militärs, jetzig« Skcherrscher der Bahir- höfe. schroff zurückgewiesen werden. 0, Krofdorf. Opfer des Krieges. Als eines dcr ersten Opfer des Krieges aus iinerem Lric ist der Turmvart dcr Freien Tnrnerfchaft Ernst Pfeifer gefallen. Er stand bei dem Girstcner Regiment und wurde in einer Schlacht schwer verwundet: er hatte einen Schuß durchs Nasenbein und das linke Auge erhalten und war außerdem durch zwei Bajonettstiche in de»« Hals verletzt. Im Lazarett ii« Koblenz ist er gestorben, die Leiche wird hierher in die Heimat gebracht. Pfeifer war 25 Fahre alt, verheiratet und hinierlätzt Frau und ein Kind. Er war als solider „nd recht schasse „er Arbeiter bekannt und überall beliebt. Ehre seinem Andenken! — Ein an- doerer junger Mann aus Krofdorf, der ledige Schlosser Schupp, der als Marincsoldat auf dcr „ntcrgegangcnen „Magdeburg" war, wird als vermißt gemeldet, Man brmicht ja deslmlb irvch nicht das Schlimmste zu befiirchte», es ist immer uoch möglich daß er gerettet ist. Die klappernden Stricknadeln. In, ganzen Deutschen Reich« wird mit Kriegsbegeisterung und menschenfreundlichem Herzen gestrickt. Grohn,ntlers Handarbeit ist ivieder zu Ehren gekommen- Man strickt mutig und andächtig Strümpfe mid Socken^ Pulswärmer und HmidhlMhe . . . alles für unsere Truppen in, Felde. Wer iveiß, ob cs nicht noch einen Winter- feldzug gibt! Ta köiiuen unsere Soldaten solche Liebesgabcn gebrauchen. Ob man im Palme,rgarte» oder im Zoo, im Restaurant, im Kaffeehaus, in der Parka,ilaa« sitzt — überall klappern d!c patriottschcu Strick,„ideln Rockst so! Auch hochelegante Damen, dcucn sonst das Strickzeug ctu Rührmichnichtan ist, haben den Strumpf, uock, dazn den Männcrstrimnpf, in seinen Anfängen vor sich, lnüpsen mühsam Masche um Rlasche. Ach, es fällt ihnen surcht- lmr schwer. In dcr Schule, im Pcnstonat haben sic cs nicht gelernt. Solche notwendigen Sächelchen werden ja viel bequemer im Laden gekauft. Aber sich ausschließen . . . nein, das geht nicht. Sa wird gestrickt ftn Schweiße des Angesichts, möge» mick, die inanikiiriicrten Fiugerspitzchen darunter leiden >„«d die klappernden Stadel,, sich wunderlich anetiehmen zu den seidenen Roben und den wallenden Pleureusen. Und alle lsijheren Töchter, die sonst nur den Tennisschläger in der seinen Hand für chtk halten, machen die Mode mit, stricken um die Wette fürs Vaterland. Wie schön sielst doch mit eiNm, Alalc dieser sozial« Einigkefts- trieb aus! Wenn or nur nickst bei gewissen Lcziten der elegair- t e ii Welt reine Modesache wäre. Wie viel schöner wäre es noch, wenn er dlusdatier zeigte! Ti« große Zeit der Slot, sie kommt erst noch Sie ivird aiidau«rn. wenn längst der Friede diktiert ist. wird ihre unheimliche,, Sckxrttcn vielleicht lange ans die uittcrsten, ärmste» Kreise werfen. JehntMiscnde werden vielleicht nach dem Kriege mit zerrissenen Strümpfen oder gar in bloßm Füßen hcr- umlanfen, werden karim wissen, wie sie die Blöße decken und den Hunger stillen und grimmiger Kälte entgehen sollen. Wird die elegante Welt atich „och „ack, dem Kriege Striimpse „nd Pulswärmer stricken, für das Volkselend? Nichts i