Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhcffen und der Nachbargcbicte. Die Oberbeslis-b- BolkS,rItuo, ericheinl leben Werktag Abend in Eietzen. Der AdonncmentSvreir beträgt wöchentlich 16 Pfg„ monatlich 60 Pfg. ctnidjLIBringtdobn. Durch die Post bezogen viertcljäbrl.lL0Ml. Redaktion und tkrvcdition Glessen, Babnbosssrasse 23, tk-kc Löwcnaasse, Telephon 2008. Inserate kosten die 8 mal gesvalt. Nolonelzcile oder deren Raum 1ö Pfg. Bci grötzercn Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bi» abend» 7 »hr kür die folgende Nummer in der Expedition aufgebe». Nr. 202 Gießen, Mittwoch, den 2. September 1914 9. Jahrgang Vier Wochen Weltkrieg. ftm heißen August des Jahres 10l4 haben die Bewohner unseres Erdballs mehr erlebt als sonst in einem Mcnschcnaltcr. Kriege wurden erklärt, die Europa vom Ural bis zu den Pyrenäen, von der Nordsee bis zurAdria in ein einziges Kampsfcld verwandelten; ans allen Meeren herrscht der Kaperkricg, ans dem glühenden Boden Afrikas wird gekämpft und im fernen Ostasicn. Schlachten werden geschlagen, die sich über Hunderte von Kilometern erstreckten und Millionenheere ins Gefecht brachten. Städte wurden verbrannt, und auf allen Seiten türmten sich die Leichcnhügel. Die Größe dieses Weltkrieges übersteigt fast das menschliche Fassungsvermögen. Gegen Deutschland und Oesterreich sieht eine Koalition von Mächteit. deren Herrschaftsgebiet eine Bevölkerung von rund 700 Millionen umfaßt! In einem Kampfe von solchen kaum noch vorstellbaren Ausmaßen lassen sich die Möglichkeiten seiner ferneren Entwicklung gar nicht übersehen, ft«, es ist schon schwer, sich von dem bisher erreichten Stand der Dinge ein klares Bild zu niachcn, da in jedem Augenblick Verschiebungen von ungeheurer Bedeutung cintreten können. Auf dem w c st I i ch c » Kriegschauptav shuropas haben in den ersten vier Wochen die größten glückverheißenden Entscheidungen stattgcfunden. Mit unwiderstehlicher Wucht sind die deutschen Truppen über Belgien bis weit nach Frankreich vorgcdrnngcn, dessen Millionenheerc durch wiederholte Niederlagen geschwächt und in Verteidigungsstellung gedrängt sind, Jetzt richtet sich Frankreich darauf ein, den Verteidigungskrieg in die Länge zu ziehen, möglichst große deutsche Masse» im Westen fcstzuhalten — und indessen blickt cS gespannt nach dem Bundesgenossen im Oste», dessen Angriff die deutsche Wehrmacht zwingen soll, die westliche Beute fahren zu lasse», um das eigene Land gegen die östlichen Bcute- macher zu verteidigen. Inzwischen ist es gelungen, von den beiden russischen Armeen, die augensckwiulich auf Königsberg zustrcbten, eine völlig zu schlagen und fast vernichtet über die Grenze znrückzuwerfcn. Auch an der polnisch-galizischcn Grenze haben sich durch die Schlacht bei Krasnik die Verhältnisse für die Verbündeten günstig gestaltet. So hat auch im Osten der Kampf unter glücklichen Vorzeichen begonnen, obwohl dort die Lage noch lange nicht so klar ist wie im Westen. Die russische Mobilmachung vollzieht sich langsam, die zu- rückzulegcndcn Strecken sind gewaltig, und darum hat niemand erwartet, daß es auf dem östlichen Schauplatz binnen vier Wochen zu lebten Entscheidungen kommen könnte. Durch die Besetzung eines Teils von Russisch-Polen können solche Entscheidungen ebensowenig gebracht werden, wie durch das zeitweilige Vordringen russischer Strcitkräfte in deutsche Gebietsteile. Von allen Gegnern verdient der Zarismus am wenigsten Schonung. Darum wirb die günstige Wendung, die mit der Schlacht von Ortclsburg eingetreten ist, vom ganzen deutschen Volk mit der allergrößten Freude begrüßt. In den nördlichen Meeren steht Deutschlands Flotte gegen die Strcitkräfte des secgcwaltigen England, die von den französischen und von der russischen Flotte unterstützt werden. Im Mittelmcer hat sich die österreichische Flotte gegen Frankreich und England zu verteidigen, in den ostasiatischen Meeren steht die iapanische Flotte gegen Deutschlands geringe Kräfte. Das weite Weltmeer wird aber zur Zeit noch von den Gegnern Deutschlands beherrscht, dessen überseeischer Verkehr vollständig unterbunden ist. Ein erstes Seegefecht in der Nordsee hat der deutschen Flotte schmerzliche Verluste und auch dem Gegner erhebliche Schäden gebracht, deren Größe sich siirs erste nicht erkennen läßt. Unklar ist auch die Lage i n \ 6 e n Kolonien. Seit der Besetzung Lones durch die Engländer fehlt es von dort an wichtigeren Nachrichten, auch die Folgen der vor einer Woche erfolgten japanischen Kriegserklärung lassen sich noch nicht erkennen. Die Größe der deutschen Erfolge in Belgien und «irankrcich verbannt jede Anwandlung von Kleinmut. Deutschland kann einer Welt von Feinden die Stirne bieten, weil sich alle Klassen der Bevölkerung, die Gefahr erkennend, zuni gemeinsamen Vcrteidigungskampfe zusammcngeschlossen haben. Ja, ein Verteidig»ngskampf ist es, den das deutsche Volk führt, diese Wahrheit darf durch die wechselnden Bilder des ungeheuren Kriegspanoramas nicht in den Hintergrund gedrängt werden. Was das deutsche Volk im Felde tut, bas tut cs, um nicht selber zerschmettert zu werden, nicht aus Lust, andere zu zerschmettern. Es ist nicht ausgezogen, un> zu erobern, sonder» um seinen Boden, seine Selbständigkeit nach außen gegen eine Koalition zu behaupten, deren Macht nicht deshalb verkannt werden darf, weil sic in den ersten vier Wochen sehr schwere Niederlagen erlitten hat. Darum kommen jetzt alle Pläne zur Neuaufteilung der Welt zu früh, leider aber ebenso auch alle Gerüchte von einer bevorstehenden Vermittlung. Eine solche Vermittlung wird erst dann Aussicht auf Erfolg haben, wenn jedes der beteiligten Völker volle Klarheit über seine Lage gewonnen haben wird. Wie lanae das noch bauern wird, vermag niemand vorauSzusagcn. ^abrschcinlich sind dazu Entscheidungen von solcher Wucht lind ' notwendig, baß niemand mehr die Augen vor ihnen vermeide » dlber unter welchen Opfern werden sic erkämpft Die Deutschen 80 Kilometer von w Poris! ^ -lus P aris wird der Franks. Ztg. gemeldet: Deutsche Truppe » sind am Sonntag in C o m p i e g n c (SO Kilo- mcter von Paris) angckommen. Tie sranzvsischc Militärbehörde kündigte an, dass, da die MilitärtranSportc nuiiiiiehr beendet icicn, btc Zivilbevölkerung genügende Gelegenheit habe, in Zugen, die mit doppelter und dreifacher Wagcnzahl ausgestattct werden sollen, Par i s zn vc r l a s se n. In Her Urica. ♦ Paris hatte man bis zuletzt gehasst, dass der deutsche Vormarsch durch die verschanzten Lager von L a F d r c und Laon sowie durch die natürliche» Hindernisse der Bodcngestaltung aufgchaltcn werden würde. Nunmehr tröstet man sich damit, das- das deutsche Heer insolge der riesigen Anstrcngnngcn und Verluste erschöpft sei, während die Franzosen noch über starke und frische Reserven verfügten. Ein deutscher Flieaer wirst Bomben aus Paris! Tie erste Kunde von de» nahenden Tcutschcn brachte ein dcuisches Flugzeug, das in einer Höhe von 2000 Mcter um Mittag eine ganze Stunde über Paris schwebte und d r c ij B o m b c n hcrabwarf. Tic erste Bombe siel ans eine Druckerei. Die zweite explodierte vor einem Bäckercibesitzer, der an der Kasse fast; der Mann wurde durch Splitter leicht verwundet. Tie dritte siel in die Ruc Rccolcttc; zwei Frauen wurden hier schwer verwundet. Die Bevölkerung glaubte zuerst, dass eine Gasexplosion vorlicge und lies zrn den Stellen zusammen, wo die Detonationen gehört wurden. Bald erschienen Feuerwehr, Polizei und Bürgermeister und sperrten ab. An drei Stellen liest der Aeroplan mit Sand beschwerte Säcke fallen; diese enthielten 2y 2 Meter lange Banner in den deutschen Farben sowie Schreiben des Wortlauts : „Das deutsche Heer steht vor den Toren von Paris; es bleibt Euch nichts übrig, als Euch zu ergeben!" Die Japaner als Netter! Pichon erörtert im Petit Journal den Plan, mehrere hunderttausend Japaner zur Unterstützung des Dreiverbandes nach Europa komme» zu lassen, was seiner Ansicht nach bei der voraussichtlich langen Dauer des Krieges wohl möglich wäre. Briefe eines ostpreußischen Michtlin,zs. ....Walde, 21. August. Während der letzten vierzehn Tage wurde unsere „ Kling« l- bahn", di« hier ans Masuren in zwei Stunden bis dicht an di« russische Grenz« führt, säst ausschließlich von Truppentransporten in Anspruch genommen. Auch rings um meinen Gutshof lag viel Militär, das wie in Fricdcnszciten fleißig Fetdinenst übte und dann vor erlieg M Tagen plötzlich verschwand Leider sind mir bei der Mobilmachung fast alle Arbeiter und Pstrde genommen worden Die Ernte ist zwar cingebracht, aber ich kann so gut wie nichts dreschen, und an eine Saatbestcllung ist nicht zu danken, wenn wir nicht Hilfskräfte aus der Stadt bekommen. Gestern und vorgestern hat zwischen Gumbinnen und Angerburg ein« Schlacht stattgesnnden, deren Geschützdonner hier deutlich zu vernehmen war. Tie Russen haben Dresche bekommen und die Unscrigcn haben etwa 8000 Gefangene gemacht. Jedenfalls scheint es jetzt so, als ob wir vor den Kosaken verschont bleiben dürsten. Königsberg, 22. August. Nun sitz« ich hier in Königsberg. Das Leben ist gerettet, sonst aber nichts. Mein Hof, bis ans das Wohnhaus, liegt m Asche. Es kam alles so plötzlich und unerwartet, daß mir di« Erlebnisse des heutigen Tages noch wie ein Traum erscheinen. Ich nmß mich immer wieder erst davon überzeugen, daß dies alles furchtbare Wirklichkeit ist. Die Schlacht bei Gumbinnen hatte mit einem unzweifelhaften Sieg für uns geendet. Trotzdem mußten die deutschen Truppen zurückgezogen werden, weil sic sich gegen die voni Süden anriickciid« russische Uebcrmacht nascht länger hätten halten können. Das habe ich aber erst hier in Königsberg erfahren. Henke früh morgens saß ich noch nichts ahnend zu Hanse an meinem Schreibtisch, NM eine Eingabe an den Landrat fertig zu machen, als vor dem Fenster plötzlich der Kopf eines Kesakenofsiziers erscheint. „Aus diesem Haus ist geschossen worden!" ruft er ans Deutsch. Ich nötige ihn ins Wohnzimmer und gebe ihm die Versicherung, daß weder von mir noch von meinen Leuten «in Schuß abgegeben worden sei nnd daß wir von der Anwesenheit der Russen überhaupt nichts gewußt hätten. Er scheint sich dabei ,zu beruhigen, und ich frage ihn. ob ich ihm eine Flasche Wein vorsetze» dürfe. „Wir nehmen ivähvend des Feldzugs keine» Tropfen Alkohol, «s ist streng verboten", antwortet er. „aber für ein Glas Tee wäre ich Ihnen dankbar." Ich lasse ihm Tee und ein Frühstück servieren, wir unterhalten uns ganz gemütlich miteinander. Als er aber fertig ist, erklärt er mir mit der gleichgültigsten Miene: „Nun muß ich meine Pflicht tun und den Hof anzünden lassen, denn cs ist ans Ihrem Haus auf meine Truppe geschossen worden." Mein« Beteuerungen halfen nichts, er gestaltcl nisr nur, mein« Leute und mich in Sicherheit zu bringen, nnd er verspricht — worum ich ihn gebeten halt« — mein Wohnhaus zu verschonen. Die unglückliche Viehherde, di« sich auf der Weide befand, wurde darauf von den Kosaken in den Stall getrieben, die Tür fest verschlossen und dann an alle Gebäude Feuer angcfegt. Inzwischen halte ich meine Leute und mich auf Leiterwagen gesetzt, und nun ging cs fort, so schnell wi« die ollen Ackergäule laufen konnten. Schwarze Rauchwolken und das kläglich« Gebrüll meines Viehes waren der letzte Gruß der untcrgehendcn Heimat . . . Wir versuchten die nächste Bahnstation zu erreichen: hier ging aber kein Zug mehr, und so mußten wir weiter, lieberall tauchten schon Kosakcntruppcn auf, nnd ich habe unsere dichten ostprcnßifchen Wälder gesegnet, in denen wir uns, wenn die Lage gar zu brenzlich wurde, verstecken konnten. All« Wege mid Steg« waren mit endlosen Ziigen von Land- und StadNeuten bedeckt, dte zu Wagen oder. zu Fuß flohen; auch eitrige Viehherden wurden getrieben. Es ivar die reine Völkerwanderung, und das Elend und der Jammer lassen sich nicht beschreiben. Schließlich erreichten wir noch eine Bahn und sind heute gegen Abend tu Königsberg angekommen. All unsere Habe ist verloren, aber wir haben wenigstens das Leben gerettet. lieber das Auftreten der Kosaken habe ich die vcrschieden- arligsten Gerüchte und Ansichten gehört. Sie soüen, im Gegensatz zu den regulären russischen Truppen, ein für allemal die dienstliche Erlaubnis zum Plündern und Brennen erhalten haben. Als Vorwand diente daun immer die Beschuldigung, cs iväre ans dem be- trcssenden Gehöft geschossen morden. Di: „herrschaftlichen" La»d- hänscr lassen sic meistens stehen, weil sie darin allerhand Schätze vermuten und weil di« Gebäude von den russische,i Ossizieren eventuell als Onartlcr benutzt werden sollen. Damit erklärt sich auch die Schonung meines Gntshofes. Weshalb sic al>cr Misere Viehherden verbrennen, die ihren Truppen doch als Nahnmg dienen könnten, ist schlechterdings rätselhaft, Ucberhaupt erscheint mir die Psychologie des Kosaken immer mehr als ein Buch mit sieben Tiegel». Eine BrsitzerSfran, d«rcn Mann im F«ld« stcht nnd deren Gut unmittelbar an die russische Grenze stößt, erzählt z. B. folgendes: „Gleich nach der Mobilmachung erschien plötzlich «ine Kosaken- patrouillc aus unserem Hof und ging sofort daran, eine Scheune anzuzündeii. Ich nahm all« meine Knrage zusammen, trat den Kerls energisch entgegen und befahl aus Russisch, augenblicklich das Feuer zu löschen; sie könnten sich dann in der Küche melden und jeder würde eine Tasse Kasfee bekommen. Das imponierte ihnen, sse löschten tatsächlich das Feuer, tranken ihren Kasse« und enisernten sich unter dcooten Danksagungen. Als aber der Besitzer eines Nachbargutes es ebenso zu »rachen versuchte wie ich, wurde er schlankweg Über den Hausen geschossen!" — Königsberg, 26. August. Heute besuchte ich mehrere Bekannte, die in der Schlacht bei Gumbinnen verwundet wurden sind. Alle waren voll Ingrimm nnd Enipörung über di« russische Kriegführung, die allen Satzungen des Völkerrechts widerivrichk. Ein Dragoner, der einige Tage vor der Gumbinner Schlacht einen Patrouillenritt in Littaucn, dicht au. der russischen Grenze, gemacht hatte, erzählte von den entsetzlichen Vcrivüslmigen, die die Kosaken dort angerichtet haben. „Ich fand mich, sagte er, „in meiner Heimat schlteßlich nicht mehr zurecht; kein. Hos und kein Haus stand mehr, alles war niedergebrainit, und Leichen von erschlagenen Männern, Frauen nnd Kindern lagen an den Wagen." Er zeigte mir dann eine „Nagaika". die er einem getöteten Kosaken abgenoimneu hatle. Das Mordrnstrument besteht aus einen' kurzen Stiel, an dem ein Bündel Lederricmen von etwa 30 Zentim. Länge befestigt ist. In einigen der Riemen sind Bleikugeln eingeknüpft. So sicht die offizielle Peitsche aus, die zur miliiärischeu Ausrüstung des Kosakin gehört. Daneben führen die Kerle aber auch besondere, sozusagen iitofsiztelle Nagarken bei sich, die sie in der Brusttasche versteckt Hallen und die an ihrem Stiel nickst ein Bündel Riemen, sondern nur einen einzigen, aber ans Draht geflochtenen Strang mit einem Bleiknopf cC.i Ende haben. Die Wirkung dieser furchtbaren Waffe ist der eines Schrotschusses ähnlich . . . Das ist das Handwerkszeug, mit dem Väterchens Hekdcnschar die wehrlosen vstprcnßischen Grenzbcivohner bearbeitete, di« sich nicht mehr flüchten konnten! Berlin, 28. August, vormittags. Nach 40stiindigcr Fahrt bm ich heute mit meinen Leuten hier, eingetrosfen. Wir durften r.icht länger in Königsberg bleiben. Was aus uns werden wird, weiß ich noch nicht. Berlin, 20. August, mittags. Ertrablättcr! Endlich! Ter Sieg bei Lrtelsdurg. Nun weht ihr, Fahnen Berlins, auch für Ostpreußen! Die Verwüstung der Provinz Ostpreußen. Ter Magistrat von Königsberg erläßt einen Aufruf, in dem cs heißt: „Weile Strecken unserer gesegneten ostprcußischcn Fluren find vorübergehend von Feinden besetzt und fast überall barbarisch verwüstet worden. Viele unserer Landsleute sind hingr- mordct. Wer das nackte Leben gerettet hat, ist zumeist an den Bettelstab gebracht. Namenloses Leid ist so über Tausende von Familien gebracht morden. Wohlan denn, liebe Mitbürger! Laßt uns ihr Leid als eigenes Mitempfinden. Unsere Pro- vinzialhauptstaüt zeige sich ihrer llcbcrlicfernng würdig. Sie ist von den wirklichen Leiden noch unberührt, unser herrliches Heer schützt sie, wie die noch unbesetzten Teile Ostpreußens mit unvergleichlicher Tapferkeit. Bon unserer alten .Krönungsstadt soll der Ruf in das ganze Vaterland hinausgchcn: Helft unseren Armen von Haus und Hof vertriebenen ostprcußischcn Landsleuten! . . ." Die Leiden eines großes Teils der ostprcußischcn Bevölkerung jst geradezu unbeschreiblich. Viele Leute hatten mit Pferd und Wagen, sowie etwas Vieh, ihre Grundstücke verlassen. Nacht für Nacht mußten sie mit Weib und Kind im Freien schlafen. Schließlich haben viele ihre Wagen, ihre Pferde, ihr Vieh, ihre letzten Habscligkciten im Stiche lassen müssen, um sich ans die Eisenbahn zu werfen, um ans diese Weise wenigstens ihr Leben in Sicherheit zu bringen. Die Ehaussecn nach der Prooinzialhaiiptstadt sind mit unabsehbaren Zügen von Landsnhrwcrkcn besetzt. Vieh und Pferde irren herrenlos umher! Ja, totes Vieh wird an den Ehaussecn vorgcfundc». Die Leute wissen meist nicht, wohin sic wandern; nur fori, damit sie nicht in den Bereich des Russen kommen. Dieser Gedanke allein beherrscht sic. Tie Bahnhöfe sind dicht besetzt von jammernden Familien. In manchen Städten waren keine Lebens- mittel mehr zu haben. Bäcker, Fleischer, Gastwirte, Kanflcute hatten ihre Läden geschlossen. Selbst auf kleinen Bahnhöfen gab es nichts zu kaufen, sodaß die Flüchtlinge Hunger und Durst litten. Die wohlhabende Bevölkerung war schon einige Tage vorher geflüchtet Kein Arzt, leine Hebamme mar zu haben. Und die Zivilbchörden? Tie erklärten an verschiedenen Stellen, cs liege lein Anlaß z« besonderer Bcunruhignng vor. Die ärmere Bevölkerung wurde nicht mit Nahrungsmitteln versorgt, sodaß fic flüchten mußte, wenn sie nicht elend umkommc» wollte. Hier bätten die Behörden rechtzeitig tatkräftig eingrotsei, müssen. Etzcnjo fifftte für Sie Fortschafsung des Viehs gesorgt werden müssen, das jetzt znm größten Teil dem Feinde in die Hände fällt. Eingeständnis der russischen Niederlage. Aus russischen Quellen wird in Stockholm bestätigt, das; die Einfallarmee in Qstprcuhen sich seit dem Eintreffen von Verstärkungen bei der deutschen Front zurückzicht. Erneutes Aufgebot der französischen Streitmacht. Ter französische Kriegsminister beschloß, die Jahrcsklassc 1914, die Reserve des aktiven Heeres, sowie die älteren Klassen der Territorialarmee einzubcrnfen, welche vorläufig zurück- gestellt waren. Die Stimmung in Italien. Der römische Berichterstatter des ungarischen Blattes Az-Cst veröffentlicht einen Stimmungsbcricht, in welchcni es heißt: Tic öffentliche Meinung Italiens hat in den letzten Tagen eine Merkliche Wandlung erfahren. Das unaushalt- same Vordringen der deutschen Armee nach Paris, die großen Erfolge Oesterreich-Ungarns gegenüber der russischen Armee und nicht zum wenigsten die Unfähigkeit der englischen Heercsführung sind nicht ohne tiefen Eindruck auf die öffentliche Meinung gewesen. Die Intrigen der Entcnte-Tiplo- maten haben bei dem italienischen Kabinett nicht verfangen. Der König war immer ein unerschütterlicher Anhänger des Dreibundes. Die Presse beginnt einzuschwenken. Die maßgebenden Blätter nehmen von Tag zu Tag eine dem Dreibund günstigere Haltung ein. Das italienische Programm 'läßt sich folgendermaßen formulieren: Wir wollen keine fron- zosenfreundliche, keine deutschfreundliche, wir wollen ausschließlich italienische Politik treiben. Der Kreuzerlrieg. Aus Berlin wird der Franks. Zlg. geschrieben: In verschiedenen Morgcriblättern wird über die Tätigkeit Unserer Anslandskreuzcr manches Interessante berichtet und zwar auf Grund von indirekten Nachrichten, die hier cingclaufcn sind. In amerikanischen Zeitungen wird gemeldet, daß in der Nähe von San Franzisco Kämpfe zwischen einem deutschen Kreuzer und einem cngli sichen Kriegsschiff stattgcfundcn haben, wobei der Engländer vernichtet worden ist. Jedenfalls sind zahlreiche Wrackstückc, die unzweifelhaft von einem englischen Kriegsschiff hcrrührcn und Spuren von Granatscuer auswcisen, trctbcnd gesunden worben. Es wird angenommen, daß sie von dem englischen Kanonenboot „Thearwatcr" oder auch von der „Algcrine", einem Kanonenboot von 1000 Tonne» Deplacement und einer Bc- sillckelung von mehreren 10,2 Zentimeter-Geschützen, herrührcn. Aus englischen Prcsicnachrichten geht hervor, daß auch eine Anzahl von englischen H a n d e I s s ch l f s c n unseren Kreuzern z» m Opfer gefallen sind. Unter anderen, wurde berichtet, daß die Dampfer „Hy ad cs" <3350 Register-Tonnen) und „City of Winchester" von einem deutschen Kreuzer genommen wurden. Von dem Hilfskreuzer „K a i s c r W i l h c l m d c r G r o ß c" wurde schon gemeldet, daß er den Dampfer „Galizien" der Union Eastlc-Linc <8700 Register-Tonnen) genommen, aber später wieder entlasten habe, und zwar mit Rücksicht aus die zahlreichen an Bord des Dampfers befindlichen Frauen und Kinder. Inzwischen wird aus englischer Quelle weiter bekannt, daß der deutsche Dampfer „Arucas" in Las Palmas cingctrosfcn sei und dort die Besatzung der englischen Dampfer „Kuipara" <7400 Register-Tonnen) und „N y a n z a" <7800 Register-Tennen) gelandet hat. Diese beiden Schisse sind vom „Kaiser Wilhelm der Große" versenkt worden. Wie sehr trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der Engländer, die englische HanbelSschtfsahrt unter dieser energischen Tätigkeit der deutschen Kreuzer leidet, geht daraus hervor, daß — wieder »ach englischen Prcsteangabcn — die Kricgsvcrsichcrung für englische Handelsschiffe den ungeheuren Satz von 30 bis 40 Prozent erreicht hat. Englische Blätter in Frankreich verboten! Dem Manchester Guard wird aus Paris berichtet, die Militärbehörden hätten die Maßregel getroffen, den Verkauf englischer Blätter zu verbieten. In der Folge davon sei dos Publikum überzeugt, diese Blätter müßten niederschmetternde Berichte enthalten, die von den Franzosen geheim gehalten werden sollten. In einem Bericht der Times über die Kämpfe an der belgisch-französischen Grenze werden die britischen Der- luste als ansehnlich bezeichnet. Viele Regimenter seien vernichtet und hätten den größten Teil ihrer Offiziere verloren. Der Korrespondent meint, der französische Generalstab habe die deutsche Truppenmacht unterschätzt. Aus Brüssel und Löwen! Das Handclsblad meldet, daß Bürgermeister May von Brllstel sich die größte Mühe gebe, um Zwischenfällen vorznbcngc». Er hat einen strengen Polizeidienst mit Hilfe der Bürgerwehr eingerichtet, die mit Säbel und Revolver bewaffnet ist; Postbeamte tun Hilfs- poiizcibienst. Auf dem Kongreß-Platz, der die ganze Unterstadt be- herrscht, stehen auf die Stadt gerichtete deutsche Kanonen. Ter deutsche Kommandant überläßt die Kontrolle vollständig dem Bürgermeister und die Belgier dürfen ruhig ihre Natsonalfarben im Knopfloch tragen und die Nationalfahne an den Häusern flattern lasten. Aus Löwen meldet das Handelsblab: Es ist Tatsache, daß Militär den Ucbcrfall der Löwencr Bürger geleitet hat, da zwei Maschinengewehre bei diesen gesunden wurden. Die innere Stadt von Löwen ist nahezu völlig zerstört, darunter die Kathedrale die alte T u ch h a l l e und die Universität mit der Bibliothek. Der Gesundheitszustand im .Heere. Berlin, 31. August. (W. II. Amtlich.) Das Urteil des Chefs des Frldsanitätswcsens über de» Gesundheitszustand aller Teile unseres im Felde stehenden Heeres ist g u t. Seuchen sind bisher nicht ausgetreten. Frei- lich stehen unsere Truppen zum Teil in Feindesland, das sich bis dahin keiner so guten hygienischen Aussicht erfreute wie unsere Heimat und dessen Bevölkerung manche Träger und Keime ansteckender Krankheiten in sich birgt, doch waltet auch gegen die Uebelstände weitgehende Vorsicht im deutschen Heere. Tic Pocken sch utzimpsung ist streng durchgeführt und wird im Notfall auch bei der feindlichen Bevölkerung durch- gefctzt. Typhus-, C h o le r a - und R u h r u n t c r • suchungsgcrätc nebst den nötigen Schutzimpfungs- stvffrn werden mitgesührt. Sachverständige Hygieniker be finde» sich in den Reihen unserer Militärärzte; leider wurde auch von ihnen schon einer bei vorsorgcnder Brnnnenunier- suchung hinterrücks von Lnndeseiuwohnern erschossen. Im I n l a n d c sind nennenswerte Häufungen übertragbarer Krankheiten ebcnsalls nicht zu verzeichnen. In dieser Hin- sicht werden besonders scharf die Kriegsgefangenen überwacht. Von regelrechten Hecresgeschosscn ver- ursachte Wunden zeigen durchweg gutes Heilungsbestreben. Das deutsche Vcrbandsvcrsahrcn, insbesondere die Anwendung der deutschen VerbandSPäckchcn, bewährte sich; in den vordersten Linien angelegte Verbände saßen noch zur Zeit des weiteren Rücktransports der Verwundeten gut. Ein großer Teil der zurückbcsördcrtcn Verwundeten ist bereits in Genesung und drängt wieder nach der Front zurück. Es sind bereits zahlreiche Beweise dafür gesammelt, daß die scindlichen Landcsbewohner und die Truppen des englischen sogen. Kulturvolkes D u m - T u m - G c s ch o s s e, d. h. Geschosse ohne Vollmantel mit Einschnitten benutzen, deren Fetzen im Körper grausame Verletzungen reißen. Es sind Schritte getan, um dieses allen völkerrechtlichen Abmachungen hohnfprcchendc Vorgehen zur Kenntnis der gesitteten Welt zu bringen. Ter Generalquartiermcister: v. Stein. Wie Kriegsgefangene transportiert werden. Die großen Masten von Gefangenem, die schon jetzt in diesen, Kriege gemacht worden sind, stellen unsere Heerfiihrung vor eine schwierige Aufgabe, denn er lMidolt sich um die TvanSportiernng, Fcslhaltnng und Verpsiegimg einer sehr großen Anzahl von Menschen. Auch fiir diese Frage sind di« Erfahrmlgen von 1870/71 vorbildlich geworden, und die Grundsätze, nach denen vom Großen Generalsdab bei der Foribvingnng und Gcsamgciißaitung feindlicher Truppciimasicn verfahren wird, sind in aller AuSsülirlichkeit in einem Aussatz der Vierteljahrshichte für Truppenführung und HcereSkund« dargelegt. Durch die Kapiiulasion von Scday gerieten 83 000 Mann in KriegSgesang«nick>ast, und es schien sckyvievig, dieses Heer zu sammeln und uitterzubriugen. Dock) Mo ick es scharfer Blick hatte rasch den günstigsten Ort hcransgrfmrden. Auf einer von der Maas umflossenen Halbinsel l>ei Vilette und Jgcö erfolg!e das Sammeln. das bis zmn 4. September abends dauerlc. Ein Entweichen von dort war fast unmöglich, und deshalb genügten zur Bc- ivachung zwei Armeekorps und zwei Kavallcricbrigaden. Selten aber ist ein so günstiger Punkt vorhanden; gewöhnlich müsten di« Kriegsgefangenen in mehreren Biwaks vereinigt werben. So sam- mcitr man die nach der Kapitulation von Metz gefangenen Mann- schasien in sechs großen Lagern. Für die Transporte zu Fuß. die sich bis zum Erreichen der nächsten Eisenbahnstation nicht vermeiden lasten, werden dann die Gefangenen geordnet, und zwar so. daß di« Oisiziere in einem besonderen Transport zusanime»gefaßt sind, mährend die Piaimschaften nach Truppenteilen unter ihre eigenen kriegsgcfangrnen Ilnterofsiztere gestellt werden. Bei sehr «roßen Plasten von Gefangene,, können die Transporte nnr ganz allmählich und müssen auf mehreren Straßeii erfolgen. Die Mannschaften werden in Marschsiafscln cingcieiit, von denen jede durckychntttttch nicht mehr als 2000 Gefangene »msasicn darf. Um di« Schiagsertigkeit der eigenen Armee nicht zu schwächen, muß die Bedeckung mögiichsi gering sein, aber doch zunächst stets von der Feldarmee gestellt wer, den. Man hat erkannt, daß die geringste Bedcckungsmannschaft füg je 100 Gefangene 10 Mann und einige Reiter nebst den zugehörigen Ossizicren und Unteroffizieren sind. In den Kriegen 1864, 1888 und 1870 schwankte di« Zahl der Bebcckungsmannschasten zwischen 5 und 11 der Gefangenen, doch erwies sich der Schutz oieisach als zw schivach. Von den in den Kämpfen um Sedan gemachte» 108000 Gefangenen sind über 14 000 ans dem Landtransport entwiche». Besonders schwierig gestattet sich die Bewachung zur Nacht, wo der Be) dcckungSmannschast noch 5 Prozent Infanterie hinzuzu fügen sind) Be! der Beförderung ans Eisenbahnen kann dic^Bedcckung erheblich schwächer sein. Jedenfalls muß nach größeren Schlachten zum Ans- räumen der Walstatt zum Sammeln der Kriegsbeute und Haupt,ach- lich zum Transport der Gefangenen mit sehr beträchtlichen Krästeir ber Feldarmee fllr längere Zeit gerechnet werden. Ais Bedeckung kommt in erster Linie Infanterie in Betracht: einige Reiter dienen, zur Aufklärung und Begleitung. Di« Gefangenen inarschwrcn dickK- ausgcschloffcn in breiter Form. Fiir die Gefangenen von Tedai« ivar rasch das Kommando „Zu 5 in einer Reihe" gesunden. Im ,,-alla eines feindlichen Angrisscs müssen sich die Gefangenen, das Gesichll dem Erdboden zugewandt, hinlcgen, und ans jeden, der den Verstech macht, sich zu erheben, wird geschosien. Der geringsiigigste A nlaß! schon, ein Schuß, das Anstanchen einiger Franktireurs, kann etwo panikartige Wirkung auf di« Gefangenen ausüben und die Be- dcckungsmannschast gefährden. So glückte es z. B. 1806 50 Husaren) 4000 von den Franzosen Gefangene zu befreien, indem sie die Nack)-' hui der Bcdeckuna über den Haufen warfen, woraus die Gefangenem den Franzosen die Waffen cntristen und in wenigen Minuten frci> ivaren. Besonders durch waldiges Terrain oder den Einbruch der^ Dunkelheit wird die Maffcnfincht begünstigt: deshalb muß man ber den Transporten möglichst die Wege vermeiden, di« Wälder an,) weisen, muß auch die Städte und Dörfer umgehen, um nicht die Beck völkcrnng zu erregen, und schon vor Einbruch der Nacht im Quar) ticr anlangen. Ais die in de» Kämvien von Orleans Gefangenem foritranSportiert wurden, büßte bie erste Marschstaffel, die ans 70 Offizieren und »07 Mann bestand, beim Durchqueren des Waides von Fontainebleau 64 Offiziere und 281 Manu ein. Tie Marsch) leistungen der Gefangenen müssen, soweit es ihr geschwächter Kör) pcrzusiand zuläßt, inögiichst groß sein. Deshalb werden alle Kranken ausgesondert und für besonders Schivache einig« Wageni mitgeführt. So leisteten die bei Sedan Gefangenen täglich nahe: doppelte Tagesmärsche, zwischen 40 und 48 Kilometer. Zur Be pflegnng wird niau sich an daö Land halten, durch das man mar) schiert, oder au die „eiserne Portion", mit denen setzt die Manu) schäften fast aller europäischen Armeen ausgerüstet sind. Dl« Ver-s pslegungskolonnen der eigenen Truppen dürfe» nur tm äußerst« Notfälle herangezogen werden. Möglichst rasch werden die ~ fange neu auf die Eisenbahn überführt, wo sic dann leichter; threin Bestimmungsort transportiert werden können. Kriegsdepeschen für das Land. Wie man der Frankfurter Zeitung schreibt, beklagen siq die Bewohner der Landorte, weil sie für die Kriegsnachrichten lediglich auf die Tageszeitungen angewiesen sind, die ihnen einmal am Tage durch die Landbricfträgcr überbracht werden. Es wäre nicht mehr als recht und billig, wenn samt! lichcn Landortcn wichtige Kriegsnachrichten in Form der 1870/71 üblichen Kricgstelegramnie zugänglich gemacht würden. Diese Kriegstelcgrammc wären, wie dies damals der Fall war. an der Außenseite des Posthauscs anznschlageni Diesen Wunsch sollte man den Landbewohnern baldigst ep! füllen. In der Stadt wird dem Bedürfnis durch Extrablätter genügt, die aber dem flachen Land nicht zugänglich sind. Deshalb sollte man die Kriegsdepeschen wie« die Wetterberichte verbreiten. Junge Krieger. Zu der Meldung, daß ber jllngste deutsche Soldat ein 15?f| Jahre alter Gerbcrsohn Merkt, berichtet das Neue Tagblatt, baß Merkt noch einen Gcnostcn hat, der an dem nämlichen Tag geboren! ist »nd einen ähnlichen Namen trägt: den Stuttgarter Kaufmanns) sohn Friedrich Mark. Noch jünger ist aber ein Kriegsfreiwillige« der beim 7. Regiment eingestellt wurde und erst 15 Jahre 2 Monats zählt, der Sohn eines Stuttgarter Gasthosbesitzers, Max Maurer) Er mißt 1,80 Meter. Auch dieser aber ist noch nicht ber jüngstck deutsche KriegSsreiwillige. Denn noch jünger ist der Sohn einest BuchdruckcrcibesitzerS aus Mannheim, der am 15. Juli 18»» ge) borcne Josef Steinhardt, dem der Vater nach anfänglichem Widers streben die Erlaubnis gegeben hat, mitzuziehen. liegen die Lpionitis. In Köln ist eS in den letzten Tagen noch vorgekommene daß ältere inaktive Offiziere als Spione bezeichnet wurden und in militärische Schutzhaft genommen werden mußten; in allen Fällen waren die Anzeigen völlig unbegründet. Der Kölner Polizeipräsident warnt nunmehr nach einer B« kanntmachuug das Publikum; sollten sich solche Vorkommnisse wiederholen, so würde die strafrechtliche Ver) f o l g u n g der Urheber herbeigcführt werden. Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 40 „Vorwärts, ihr Herren," rief er, „meine Hanna wird sich die hübschen Augen ausschen. Habe es ihr hinauf sagen lassen, daß ich Gäste mitbringe, Vetter Niels. Denke, Ihr werdet sie kaum wieder erkennen. Ein feines Kind, Herr Marstrand, wohl erzogen; alles in der Welt kommt auf Er- ziehung an. Habe sie jetzt ein Jahr in Hamburg gehabt und vorher in Kopenhagen." „Hättest besser getan, den Baum da zu lassen, wo er gewachsen ist." brummte Hclgestad, ihn anschielcnd. Fandrem schwieg einen Augenblick, als wäre er nicht ganz abgeneigt, die Wahrheit anzucrkcnncn, dann sagte er lachend: „Mag wohl sein, daß Mädchen am besten bei Mutter und Vater aufbewahrt bleiben; wirst sie aber sehen, Niels. Ist eine stolze Jungfrau geworden, fein und verständig und von strenger Sittsamkcit. Hat mancherlei auch gelernt in der Fremde," fuhr er gesprächig fort, „was selten hier zu finden ist. Arbeitet mit Goldfäden und bunter Seide, mit Schmelz und Flitter die künstlichsten Dinge, kannst davon in meinem Hause sehen, Niels, Vögel und Blumen auf Kissen und Be- hänge voll Pracht und Zierlichkeit." Sic waren inzwischen am Hafen hinabgegangen, als ihnen ein Ossizier entgegen- kam, der den angesehenen Kaufmann grüßte, dann stehen blieb, Marstrand anblickte und mit allen Zeichen freudiger Verwunderung seinen Rainen nannte. „Heinrich Dahlen!" rief Marstrand. „Ist es möglich!" sagte der Offizier, „du in Bergen und in welchem Aufzuge? Der übermütigste Kavalier voin Hofe in nordländischer Friesjacke und in Gesellschaft des pfiffigsten, engherzigsten alten Wucherers von der deutschen Brücke," setzte (tX leise hinzu. - - Herr Fandrem war inzwischen mit Hclgestad weiter gegangen, aber offenbar hatte der Anblick des dänischen Kricgs- niannes seine gute Laune gestört. Er warf ihm einen verdrießlichen Blick zu und zog seine Stirn in dichte Falten, als er bemerkte, welche Freudigkeit dies uncrhoffte Begegnen bei Marstrand hervorrief. Die beiden jungen Männer folgten Arm in Arm und tauschten ihre Schicksale aus. Heinrich Dahlen kommandierte eine Kompagnie dänischer Infanterie, welche in Bergen in Garnison lag. Er hatte mit Marstrand gemeinsam bei der Garde in Kopenhagen gedient, war aber plötzlich nach Norwegen versetzt worden, wohin man damals alle diejenigen verbannte, die man los zu sein wünschte. Der junge Offizier hatte sich über die Ungerechtigkeiten eines Vorgesetzten beschwert, dessen Einfluß seine Entfernung bewirkte. Er wurde tief in das innere Land geschickt, doch General Münte rief ihn bald nach Tronthjem, nahm ihn unter seine Adjutanten aus und beschäftigte ihn mit Arbeiten. ES dauerte nicht lange, so erwarb er sich das Wohlwollen des streng gerechten Mannes, der endlich, um gut zu machen, was Ucbles geschehen war, ihm im letzten Herbst die Kompagnie in Bergen gab mit dem Versprechen, ihn, sobald es sich tun lasse, wieder in seine Nähe zu rufen. „Und das wünsche ich denn je eher je lieber," sagte der Kapitän, als er seine Geschichte beendigt batte, „und hoffe alle Tage darauf. ES ist nicht auszuhaltcn in diesem Hauptquartier der Heringe und Stockfische, wo niemand fllr etwas anderes Sinn hat als für die runde gesalzene Ware, und doch alles so ledern, hölzern und ungesalzen ist, daß ich längst vor Langeweile und Verzweiflung umgekommcn wäre, wenn nicht —" „Wenn nicht die süße Stimme eines Engels dich am Leben erhalten hätte," fiel Marstrand lachend ein. „Du bist zum Ratsherrn geboren," rief der junge Kapitän, „aber jetzt sage mir endlich, wie du in diese Wüste ge-z raten bist?" Marstrand erzählte, Dahlen hörte ungläubig und) spottend zu. „Du bei Lappen, Rennticrcn, Schönheiten des Polar-, krciscs und nichtswürdigen Fischkräniern angesiedelt!" rief er endlich mit homerischer Lustigkeit. „Du ein sogenannter Kaufmann am Balssjcrd?! — Bist du toll, Marstrand oder willst du es werden? Mancher hat sich schon einen sogenann) ten Komgsbrief verschafft, der ihn zu Gclde zu machen wußte und hat seine Finanzen damit verbessert. Dein Mut ist neu und außerordentlich, aber deine Freunde werden sich davo^ die Nasen zuhaltcn. ... ... . . , , w>ciua)icr ocs zeapig gerötet, doch bald war er vollkommen ruhig geworden) Ich danke dir für alle deine Vorschläge", sagte er. „aber i«Ü kann keinen davon gebrauchen. Spotte, so viel du willst) spotte wer Lust hat, ich werde der Kaufmann von BalsfjorÄ vlciocn. Mein Los ist unwiderruflich bestimmt. Ich Hubes gewählt »nd werde es ertragen, leichter diesen groben blauen Rock tragen wie einst die gestickte Uniform. Ich werde ein freier Mann sein, werde ein arbeitsames hartes Leben, führe", aber ich werde anch meine Freude und Ruhe habe"! Du werbt nicht, welcher Zauber an jenen nackten Einöden klebt, ick, suhle ihn in nieinen Adern. Auf mein Wort Dah) len ,ch mochte eben so wenig hier in Bergen wohnen. wwje- kchren'" lchm.merndcn Säle der Christiansburg zurück) Der Kapitän sah ihn erstaunt an. „Ich weiß nur ei- Losung de-Ratsch" sagte er; „du bist verliebt. Eine be^ londers liebliche Seemug rau streckt ihre Hand nach dir aus! und verwirrt deinen Kovf." ’ ^ ® Qnb n0tf) mir a"s' die ich möchte", erwiderte Marstrand, ...... . Der Militärboykott ist nunmehr auch in B r a u » s ch w e i q aufgehoben worden. Es bedurfte aber erst eines Artikels in, Volksfrcund, in dem die Tatsache gerügt wurde, daß den Landwehrleutcn der Boykott der Ar- dciterlokale erneut in Erinnerung gebracht wurde, um die Militär- oerwaltung zu bestimmen, den Mannschaften mitzuteile», daß der zjoykott aufgehoben sei, Genosse Redakteur Wagner, der am Zamstag mittag angeblich ivegcn Aufreizung der Bevölkerung auf Anordnung der Militärbehörde von der Straße weg verhaftet wurde, befindet sich zurzeit (Freitag) immer noch im Gefängnis. Tie Militärbehörde (Garnisonkommando) wird durch den Braun- schwciger nationallibcralcn Rechtsanwalt und Stadtverordneten, jetzt Oberleutnant und Adjutanten Weichsel vertreten, der die Verhaftung angeorbnct hat. Städtisches Land für Arbeitslose. Die Stadt Köln gibt an Arbeitslose Stücke Land, die zum Gemüsebau (Spinat, Stoppclrüben, Rübstiele, Krauskohl, Buttcrkohl, Endivien und Feldsalat) geeignet sind, kostenlos ab. Die einzelnen Grundstücke sind in Parzellen von etwa 400 Quadratmetern cingctcilt. Sie werden einzeln oder mehrere zusanimen bis zum Frühjahr 1915 abgegeben. Zarismus und Sozialismus. Das ungarische sozialdemokratische Organ Nepszava schreibt in einem Leitartikel: „Der Krieg, der jetzt gegen den russischen Zaris- inus und seine Vasallen geführt ivird, wird von einer groben geschichtlichen Idee beherrscht. Die Weihe des großen historischen Gedankens erfüllt mit seinem Schwünge die Schlachtfelder Polens und des östliche» Rußlands. Das Dröhnen der Kanonen, das Knattern der Maschinengewehre und die Rciterangrisfc bedeuten die Vollstreckung des demokratischen Programms der Völker- b c f r e i u n g. Wenn cs dem Zarismus nicht gelungen wäre, im Bündnis mit der französischen Kapitalkrast uni» im Bündnis init Gewissenlosigkeit und Krämerpolitik die Revolution zu unterdrücken, so wäre der jetzige völkermordende Krieg überflüssig. Das befreite russische Volk hätte nämlich niemals in diesen geiviffenloscu, unnützen Krieg cingcwilligt. Tie großen Ideen der Freiheit und des Rechts sprechen jetzt die eindringliche Sprache der Waffen. Jedes Herz, das fähig eines Gefühls für Gerechtigkeit und Menschlichkeit ist, muß wünschen, daß die zarischc Macht vernichtet werde und die unterdrückten russischen Nationalitäten ihr (Se l b stbc- stimmungsrecht wiedercrlangen." Der Protest der Rumänen. In politischen Kreisen Rumäniens ist man über Drangsalierung der Rumänen in Rußland empört. Ter rumänische Botschafter in Petersburg hat bereits von der russischen Regierung Aufklärung Uber die massenhaften Ausweisungen von Rumäne» aus Rußland, namentlich aus Besiarabien verlangt. Viele Rumänen sollen unter Spionagcverdacht verhaftet, einige von ihnen sogar kriegsgerichtlich erschossen worden sein. Tie russische Regierung hat unter Hinweis auf die eingelcitcte Untersuchung über diese Vorfälle die geforderten Aufklärungen hinausgcschobcn. Ter rumänische Botschafter erhielt von seiner Regierung den Auftrag, bei der Petersburger Regierung alle energischen Schritte in dieser Angelegenheit einznleiten. Russische Anfrage an die bulgarische Regierung. Die Südslavische Korrespondenz meldet aus Sofia: Sasanoff richtete an das bulgarische Kabinett die telegraphische Anfrage, ob Bulgarien im Falle eines russisch- türkischen Krieges wohlwollend neutral bleiben würde. Die Depesche hat die größte Sensation hervorgc- rufen. Die öffentliche Stimninng ist nach wie vor gegen Rußland gerichtet. Widerstand gegen die Mobilmachung in Rnffland. Der Krakauer Raprzod veröffentlicht einen streng vertraulichen Zirkularcrlaß des russischen Ministeriums des Innern vom Ls. Juli Nr. 522, an den Bezirksvorsteher und Polizeimeister von Kielce, der folgendermaßen lautet: „Das Ministeriinn wurde mit Telegramm vom 23. Juli verständigt, daß cs in einzelnen Gonvcr- ncments anläßlich der Einberufung von Reservisten zu Unruhen gekommen ist, in deren Verlaus sogar die Lokalbchördcn angegriffen wurden. Solche Exzesse müssen unter allen Umständen unterdrückt werden. Eine' bewaffnete Behörde sollte hierzu stark genug sein: nur vollständige Untätigkeit der Behörden ermöglicht fo schmähliche Unruhen. Ich bcsehle Ihnen unter Ihrer persönlichen Verantwortung, derartige Erfchcinungen z» unterdrücken." Dieser Erlaß wurde vom Ministerium an alle Gouverneure gerichtet. Ein Anschlag auf den Zaren. Aus Kopenhagen wird telegraphiert: Als der Zar von der Petersburger Truppcnbcsichtignng znrückkchrtc und über den Ncwskiprospckt fuhr, feuerte ein Mann aus 59 Meter Entfernung einen Rcvolvcrschuf, gegen den Wagen des Zaren ab. Ter Zar blieb unverletzt. Ein Kosak wurde ge- tötet. Ter Täter, der Techniker Äksakow, wurde verhaftet. Ter Polizeimcistcr wurde nbgcsctzt. Die Brite»» r»r»d Japan. Aus London meldet Aftonbladet: In England herrscht starke Beunruhigung der öffentlichen Meinung wegen der Habgier Japans, das Absichten a:ff Deutsch- Guinea und den übrigen deutschen Kolonialbesitz zu erkenne» gibt. Englische und besonders australische Politiker fordern, daß England durch sofortige Besitzergreifung dieser deutschen Kolonien dem japanischen Raubzug zuvorkommc. China und Japan. Reuter meldet aus Ncwyork, daß China ein Anerbieten Japans, etwaige Unruhen in China zu u n t e r d r ü ck c n, zurückgewiesen habe. Die braven, „hilfsbereiten" Japaner! Welch gute Gelegenheit zum Stehlen würde sich da bieten. Nicht nur <>0 000 — sonder» 70 000 Russe» iKfaitflc»! \Y. B. Berlin, 1. Scpt. (Amtlich.) Nach weiteren Mitteilungen des Kaiser!. Hauptquartiers ist die Zahl der Gefangenen in der Schlacht bei Gilgcnbnrg »ud Lrtclsbcrg noch größer als bisher bekannt war. Sic beträgt 70 000 Mann, darunter 300 Offiziere. Tas gesamte Artilleric- mntcrial der Russen ist vernichtet. Tic Schlachten im Südostcn. W. B. Der Kriegsberichterstatter des Wiener Frcmüen- blattes meldet unterm 31. August: Heute ist der sechste Tag der großen Schlacht. Unsere Truppen kämpfen mit bewunderungswürdiger Ausdauer. Die Nachrichten aus der Gefechtslinie lauten hier für uns durchweg günstig. Rück- kehrende Verwundete erzählen von dem Heldcnmute unsrer Soldaten. Die Stimmung „im Hauptquartier ist gut. ^>er Kriegsberichterstatter der Neuen Freien Presse nicldct von heute früh: Während der Nacht sind günstige Nachrichten über die Eesamtlage eingclaufen. Die Schlacht dauert fort, man sicht dem weiteren Verlauf zuversichtlich entgegen. Keiegspecssequartice, 31. August. Das gewaltige Ringen nördlich Lemberg dauert fort. Die Oeftcrrcicher sind aus dem linke» Flügel fast bis nach Lublin vor- gedrungen. Die Aktion im Zentrum ist gleichfalls vom Glück begünstigt. Der österreichische rechte Flügel führt meines Erachtens seine besondere Aufgabe sehr erfolgreich durch. Josef Herrings, Kriegsberichterstatter des Bcrl. Lokal-Anz. Englands Hilfs- und Rcservctrnppcn. Englischen Zeitungen zufolge wird die Anzahl der für Europa bestimmten indischen Hilfstruppcn auf 100 000 Mann angegeben. Kanada hat sein Kontingent auf 100 000 Mann erhöht. In England selbst begann die Werbung für das zweite Hunderttausend Kitchcners. Tie Altersgrenze wurde auf 35 Jahre festgesetzt. Englands Kriegssührung. Das englische Unterhaus hat eine Vorlage genehmigt, der- zufolge sämtliche deutschen und österreichischen Patente in England nicht für die Dauer des Krieges, sondern für die g a n z e S ch u tz f r i tz als n i ch t i g erklärt werden. Keine Kriegsfreiwilligen »lehr nötig. (W. B. Amtlich.) Ter Bedarf an Kriegsfreiwilligen ist zurzeit gedeckt.^ Tas Kriegsministerium kan» daher bis auf weiteres Kriegsfreiwillige an die Ersatztruppe» nicht übcrweifcn. Meldungen, sei es schriftlich bei dem Kricgsminister oder mündlich bei dessen Auskunftsstelle, haben daher keine Aussicht auf Berücksichtigung. Sobald die Einstellung von Freiwilligen später wieder möglich wird, wird dies in der Tagespreffe bekannt gegeben. Kriegsgefangcn in Lagos. In einem dem Hamburgischen Korrespondenten von einer Firma zur Verfügung gestellten Telegramm wird mitgeteilt, daß in Lagos (Wcstafrika) die Faktoreien geschlossen sind und aller Handel aufgehört habe, und daß die deutschen Angestellten zwar kriegsgefangcn, aber in den Faktoreien gclasicn worden seien. Albanische Liquidation. Zwischen den mnsclmantschen Aufständischen und der Bevölkerung Valonas ist ein Ucbercinkommen erzielt worden. Die rotschwarze Fahne wird gehißt werden. Tie Aufständischen werden morgen als Freunde in die Stadt einziehcn, nachdem die Absetzung des Fürsten und der Regierung anerkannt worden ist. Notabeln von Valona werden unter großer Begeisterung von der Stadt Besitz ergreifen. Fürst Wilhelm verläßt heute Albanien. Wie informierte Stellen Mitteilen, weilt Esiad Pascha jetzt in Konstantinopel. Der Fürst leistet keinen ausdrücklichen Thronverzicht. Die belgische Königin hat Antwerpen verlassen. W. K. Antwerpen, 1. Sept. (Nichtamtl.) Die Königin der Belgier hat Antwerpen am 31. August vormittags verlassen, um ihre Kinder nach England zu begleiten. Die Engländer in Ostende? W. B. 2 o it b o it, 1. Scpt. (Privattel.) Wie die Blätter melden, hat Lord Churchill mitgeteilt, daß englische Sce» soldatcn Ostende (an der belg. Küste) und die darum gelegenen Bezirke besetzt halten. A» der österreichische» Ostgrenze steht die Entscheidung bevor. Wie das W. B. aus Wien vom 1. Sept. erfährt, stimmen alle Kriegsberichterstatter des k. k. Kriegs-Preffe- quartiers darin überein, daß die Offensive des österreichisch- ungarischen Heeres stetig vorschreitet und sowohl nach vorwärts wie in die Breite gewachsen ist. An der Nordfront steht die Entscheidung, die den entgültigen Sieg verspricht, unmittelbar bevor, an der Ostfront ist die Lage stationär, jedoch günstig. Die Annahme sei begründet, dah die österreichische Heeresleitung dieselbe Taktik gegen die russische Armee befolge, wie der deutsche Eeneralstab auf dem westlichen Kttegsschauplatze. Hessen und Nachbargebiete. Wietzen »nd U,»gcb«»g. Besinilung. Zu Feld, zum Kriege galt's zu ziehen, Und grimmig singend ritten wir. Daheim lag Mütterchen aus wunden Knien: „Mein Gott! Mein Gott! erhalt' ihn mir!" Ich mußte ans Patrouille reiten; Ta stand er vor mir, scharf bewehrt. Jetzt galt es: einer von uns beiden — Und nieder blitzte ihn mein Schwert! Ha, wie cntquoll's dem roten Borne; Ter grüne Rasen wurde bunt. Ich lachte grell in tollem Zorne: „Ta liegst du nun, du Lumpenhund!" lind strich das Blut vom Schwerte wieder. Ta zog's durch meine Seele lind, Zu meinem Feinde bog's mich nieder: Er war — wie ich — auch einer Mittler Kind! — Tabaksabrikantcn schafft Arbeit für die arbeitslosen Tabaknrbciter! Noch immer ist die Zahl der arbeitslosen Tabakarbeiter im Gicßener Bezirk eine enorm hohe. Zur Veranschaulichung der Arbeitslosigkeit im Monat August mögen folgende Zahlen dienen: In der Zeit vom 1. bis 15. August waren 12 Prozent der organisierten Tabakarbeiter arbeitslos, vom 16. bis 23. August reichlich 53 Prozent, und in der letzten Augnstwoche knapp 53 Prozent. „Zahlen beweisen", sagt der Statistiker; auch in diesem Fall trifft dies z», die Zahlen zeigen, wie sehr die Arbeitslosigkeit um sich gegriffen hat. Die Ortsverwaltung des Tabakarbeitcrvcr- bandes der Zahlstelle Gießen hat in einem Schreiben an den Vorstand des Vereins der Tabakinduftriellen ersucht, mög- lichst für Arbeitsgelegenheit zu sorgen, damit nicht noch mehr Existenzen von Tabakarbeitern zugrunde gingen. In der darauf erfolgten Antwort wird gesagt, daß man diese Angelegenheit nicht zur Vercinssache machen könne, sondern es jedem einzelnen Fabrikanten überlassen müsse, so zu handeln, wie er es für richtig hält, wie es ihm seine Verhältnisse erlauben. — Die persönliche Ansicht des Vorsitzenden gehe dahin, daß ihm das Wohl und Wehe seiner Arbeiter am Herzen liege, sobald es ihm möglich wäre, würde er seinen Betrieb wieder eröffnen. Es ist gewiß nicht zu leugnen, daß mancher Fabrikant infolge der gegenwärtigen Situation in finanziell^ Schwierigkeiten geraten ist, doch müssen wir uns wundern) daß gutsituierte Firmen, deren Inhaber große Vermögen versteuern, den Betrieb schlossen. In dieser ernsten Zeit: gilt es nicht nur an Risiko und Profit zu denken, der Krieg legt besondere Verpflichtungen auf. Das wirtschaftlich^ Gleichgewicht zu erhalten ist genau so notwendig, wie die Tapferkeit in der Feuerlinie. Ter Krieg stellt die ganzes Volksgemeinschaft vor höhere Aufgaben, die unbedingt z» erfüllen sind. Davon, daß den Fabrikanten das Wohl und Wehe der Arbeiter am Herzen liegt, haben diese kein Broi^ Wir vorbildlich manche Firmen wirken, beweist eine Tabaks fabrik in Regensbnrg. Diese zahlt an ihre 100 entlassene» männlichen Arbeiter 19,20 Mk., an die weiblichen 9,60 Mkl pro Woche in den ersten beiden Wochen, in den beiden nächsten Wochen erhalten Männer 12 Mk. und Frauen 6 Mk^ Weitere Unterstützungen bleiben Vorbehalten. Eine ganz« Reihe von Firmen könnten wir anführen, welche bis jetzt noch keine Arbeiter entlassen haben. Deshalb sei nochmals betont) Schafft Arbeit! Es handelt sich nicht um Bettler) sondern um arbeitskräftige und arbeitsfrohe Menschen. II — Wie sich die Zeiten ändern und wie rasch zeigt fi>l-i gendes Gedicht, das am Montag am Tore des Frieds berger Schlosses angeheftet war, das vor 4 Jahren-Zsa» Nikolaus bewohnte. Die Verse lauten: Hier muß desinfiziert werden! Es wohnte einst in diesem Haus Der Obergauner Nikolaus. Schon damals war er, das ist klar. Der feige Blut- und Lügenzar. Doch, liebe Leute, glaubt es mir, ^ Es ist noch Ungeziefer hier; Treibt mit Insektenpulver aus ^ Die L ä n s und Flöh' vom Nikolaus. Wohl ist der Gauner heute weit. Doch bleibt die Lehr' für spät're Zeit; Sucht wieder einer hier die Ruh': Ernst L u d w i g, sperr die Türe zu! Vor vier Jahren wimmelte es in Friedberg von &&• h e i in p o l i z i st e n, russischen, hessischen und preußischen' die znm Schutze des Blutzaren kompagnicweise dort unter- gcbracht waren. Und jeden:, der etwa ein freies Wort riskierte, drohte sofortige Verhaftung, manche Leute kamen in Unannehmlichkeiten. Ein großer Teil der Friedberger Eiin wohnerschnft katzbuckelte vor dem Zaren und seinem Gefolge vielleicht in der Hoffnung, ein Geschäft zu machen. Und gai das Blatt, das jetzt obiges Gedicht abdruckt, die Neue Tagest zcitung nämlich, wußte sich nicht genug zu tun in Vcrhimnn) lung des Zaren und sandte Gebete zum Himmel für die G^ sundung der Zarin, und bei ihrer Abreise wurde der Wunsck ausgesprochen, daß die Majestäten, im nächsten Jahre Naiv Hein: und Friedberg wieder auffnchen möchten. — Damals brachten wir einen Artikel, betitelt „Der Menschen mctzger" — wir haben ihn vor kurzem wiederholt —, in welchem daZ Knutenregiment gekennzeichnet und gegeißelt wurde. Und nierkwürdig: obwohl dieser Artikel die tatsächlich in Rußland bestehenden greulichen Zustände an den Pranger stellte, regten sich in Gießen sogar freisinnige Leute darüber auf und in einem hiesigen Restaurant fand man unsere Krittt „unerhört". So ändern sich die Zeiten! — Tarlehcnskasscnschcinc. Dieses neue Papiergeld ist noch nicht allgemein bekannt. Um während des Krieges Geldbedürftigen die Möglichkeit zu geben, solches auf Werte irgendwelcher Art (Grundstücke), Waren, Rohmaterial usw.) zu erhalten, wurde die Reichsdarlehnskasse errichtet: Diese gibt Scheine (Papiergeld) ans, dessen Deckung in den verpfändeten Werten besteht. Die Darlehnskasse steht unter der Rcichsschuldenverwnltnng; die Scheine sind ebenso vollgültiges Zahlungsmittel, als das übrige Papiergeld, die Reichskassenscheine. In ihrem Aussehen sind sie den Rerchs- kassenschcincn ähnlich. Tie Tarlchnskassenscheine zu 5 Mk. z. B. sind 12,5 Zentimeter breit und 8 Zentimeter hoch. Sie bestehen ans Hanipapier, das als fortlaufendes natürliches Wasserzeichen die sich wiederholende Zahl 5 zwischen geboge^ neu Linien enthält und auf der Rückseite links mit einem. Streifen von orangeroten Pflanzenfasern versehen ist. Dicj Vorderseite enthält einen Untergrund in gelber und! blanvioletter Farbe. Eine breite ornamentale Umrahmung) deren Ecken durch große Rosetten ausgefüllt sind, schließt de^ rechteckigen, leicht gelben Untergrund ein, dem ein blau- violettes Punkt- und Strichmilster ausgedrnckt ist. Auf doch Untergrund ist ein kreuzweise schraffierter, grau schimmernder Reichsadler mit bläulichen, senkrecht schraffierten Krallen) Schnabel und Zunge angebracht, dessen oberer Teil in eintz Sonne hineinragt, die mit ihren zackigen, abwechselnd länget ren geblichen und kürzeren blau eingefaßten Strahlen die obere Leiste der Umrahmung zun: Teil verdeckt. Die Rückseite ist in einem hellen Blau gedruckt. Ter Untergrund seht sich aus Darstellungen von Kaiserkrone, Schwert, Zepter und Reichsadler sowie der Zahl 5 und des Buchstabens dl i» leichten Linien zusammen und wird durch eine bandartig verschlungene Einfassung begrenzt, innerhalb deren die Worte! FÜNF MARK in weißem Druck, sowie auf einer lichtblauen Rosette die dunkelblaue Zahl 5 wiederholt angebracht sino) Das Mittelstück der oberen Einfassung enthält zwischen zwei- weißen Punkten die weiße Zahl 5, das der unteren Einfassung, ebenfalls im weißen Truck, die Angaben dl 5 und 5 dl. Recht sorgfältige Adreffe bei Feldpostbriefen! Vielfache Klagen über verspätete Bestellung von Feldpostbriefen aß Angehörige des Feldheeres haben Veranlassung gegeben, er- neut darauf hinznwciscn, daß der Grund sehr häufig in mangelhafter Adreffe zu suchen ist. Es wird dringend empfohlen, recht sorgfältig in der Angabe von Truppenteil einschließlich Kompagnie, bezw. Eskadron oder Batterie. Brigade, Division und Armeekorps zu verfahren. Vor allem gilt dies für die Etappenformationen, die genau bezeichnet werden müssen. Bei den Formationen, die dem Generalkommando unmittelbar unterstehen, ist das Armeekorps anzu- gebcn, bei den Formationen, die dem Armeekorps nicht angc- Fiorcrt, sondern nur dem Arinec-Tberkonimando unterstellt sind, genügt die genaue Bezeichnung der Truppenteile oder der 'Formation selbst unter Hinzusügung deS Armcc-Lber- kommandos ohne Nummerbezcichnung, aber mit Angabe des Formierungsortes, zum Beispiele Pionier-Bclagerungstrain 'Nr.... beim Armee-Oberkommando Stettin, oder: Etappen- Munitions-ztolonne bei der Etappen-Jnspcktiou Dresden. Auskunft über das Schicksal einzelner Hccresaiigchöriqcr. In zahlreichen an den Gcneralquarticrmeister des Heeres gerichteten Zuschriften wird Auskunft über den Verbleib und Aufenthalt einzelner Hcercsangehörigcr erbeten. Solche Auskunft vom Grosten Hauptquartier aus über einen einzelnen zu erteilen, liegt austerhalb jeder Möglichkeit. Tie Zuschriften werden daher deni Z c n t r a l n a ch w e i s e - bureau in Berlin, Torothecenstraste, zugeleitct, bei dem alle Nachrichten über die Verluste beim Feldheer zusammen- sliestcn. Es empliehlt sich daher dringend, sowohl im Inter- esse der Beschleunigung lvie auch der Geschaftscntlastung. derartige Zuschriften unmittelbar an das Zeutralnachweise- bureau zu richten. Z» dem Fonds für Liebesgabe» sind bei dem Tberbürgermcister weiter eingcgange» von: Oberfteuerinspeitor Lffenbächcr 1. Rate 20 ML, Kmauzrat Schützt 1. Rate 20 Mt . Wilh. Attig 20 Mk., Prozeßkoftcn durch einen Rcchtsanivalt 5 Mk . Metzgermeister Mal- komcsius, Rosenlninm, Simon Bogt, Nachschild und Hosniann je 20 Mark, züs. 120 Mk., Buchhändler H. Oeslsrivitz 10 Mk.. Fra» T. 20 Mark, A. v. Fiingenfcld 200 Mk., KviiMicrzieiirat Schafsstädt 100 Mark, Ungen. 50 Mk., Frau dich. Medizinolrat Vossius 00 Mk.. Witz, und Eugen Walleusels 100 Mk, Mar Friedbcrgcr 000 Mk, Ungen. 5 Mk, Qekonon, Bchreiis-Friedellsausc» 50 Mk, Pros. Tr. Buchhold 00 Mk, Frl. Auguste Goerv 00 Mk, Geh. Medizlnalrat Tr. Hak>«r- korn 00 Mk, Prof. Tr. Walther 50 Mk, Karl Nowack 50 Mk, Apotheker Fritz Bauer 50 Mk, Fustizrat Grüneivald 1. Rate 100 Mk, Professor S. 100 Mk und vom Verein städtischer ricamlen 2. Rate 100 Mark, zusammen 1600 Mark. Mit herzlichem Tank für diese Gaben wird ui» weitere Zuivcntznng«» gelsetcn. — Ter „echte Deutsche" Tie „nationale Dichtkunst" feiert fehl wahre Lrqi.cn: kann, zu verdauen ist cs, was ans diesem Gebiete tu dieser Zeit geleistet wird. Ten Gipfel der Geschmacklosigkeit erreicht aber zweifellos ei» F. L, der im Jenaer Volksblatt folgenden Knüppelvcrs veröffentlicht: Hanze, Hanze, Hanze Hairze auf die Schnauze. Han.z«, Hanze, Hanze Hanze immer mit Vergnüg«,, , Auf die Schnau.zc. Haiizc, Hanze, Ha uze. Wenn das ein „echter Deutscher' ist. sagt dazu die Leipziger Volksztg, dam, — lieb Vaterland, du kannst uns leid tun. — Deutsche Kriegsgefangene in Frankreich. Vorige Woche tadelten wir, das, das Pnblikmn am lpahnhose de» hier durchtranspor- ticrten französische» Oiesaugeneu drohend« Gebärden gcnuicht und Beschimpfung«,, zugerusen habe, dluch tu gewissen Blättern wurde gegen die Kriegsgefangenen gehetzt und alles getan, uni eine fremid- liche Behandlung derselben zu verhindern. Fn einer solchen Zeit dürfte eine Nacksricht von allgemeinen, Fntevcss« fern, dir dieser Tage ci» Arzt in lklerlin-WilmerÄiors von seinem 'Bruder erhielt. Ti.'ser wunde, wie der Vorivärts mitteilt, gleich .zu Beginn des Krieges in Frankreich kriegsgesangeu genommen. Fehl gelang cs ihn,, an einen Bekannte» ln Holland eine Karte zu sende». Ten Fnhailt dieser Karte teilte dann der Holländer den deutschen Angehörigen mit. Tic Karle ist datiert lsgrcassomie sur Aude, den 15. August. Ter junge Tculscksc ist in dieser FesMng Südfrankreichs mit »och 500 anderen Kriegsgejangenen »ntcrgchracht. „Er besindct sich dort", schreibt der .Holländer ans Grund der Karte, „sehr ivotzl, genießt ziemlich viel Freiheit und wird von den Soldaten sehr sekundlich behandelt." Wenn jene Hetzereien gegen di« in Tentschland Gesangcnen in Frankreich allgenrcin bekannt iverden, muß cs fraglich «rfcheitieu. ob n,an dl« Tciitschen dort noch ebeuiv freundlich und zuvorkommend behandeln wird. Cs sckselnt wirtlich dringend erwünscht, das, jene Schniähirngen der Kriegsgefangenen aufhören, schon damit wir »ns nicht von dem Ausland bciägmen lassen müssen. — Höchstpreise hat der Gonverncnr von M a i n z für die wichtigsten Leben-.-mittel wie folgt sestgcsetzt: Kartosfeln an Grotz- bändler pro Zentner 0.50 Mk, ans dem Markt pro Pfund 1 Psg, Grosihändlerprois pro Zentner 4 Mk, Klcinlstindlerpreis pro Pfund 5 Psg. Roggen. 100 Kilogramm 21 Mk. Weizen, 100 Kilogramm 25 Mk. R o g g e » in e h l. Großhändlerpreis pro 100 Kilogramm 02 Mk, Älcinhändlerpreis pro 50 Kilogramm 20 Mark. Weizenmehl, GrvßhändlerprciS pro 100 Kilogramm 08 Mark, Klcinhändlerprcis pro 50 Kilogramm 24 Mk. Brot sTchwarz- brot II, 4 Pfunds 00 Pfennig. T a I z, Großlxintzicrprcis pro 100 Kilogranini 18 Mk, KIciuhändlerpreis pro Pfund 10 Pfg. Fcln- salz pro Pfund 11 Pfg. Tie Preise verstehen sich siir Waren nornialer gesunder Bcschassenheit. Wer die festgesetzten Höchstpreise überschreitet oder Vorräte von derartigen Gegenständ«,, verheimlicht. wird mit Otcldstrafe bis zu 0000 Mark l»cstraft, im Unver- mögenSsall bis zu 6 Monate,, Gefängnis. Tie Preise gelten vom 20. August ad. — Diese Preise gelten nur für den Bereich der Festung Mainz, sic können gbcr auch für unseren Bezirk als H öch st - preise gelten. — Eine gute Mahnung. Eine Arbeiterfrau, deren Mann cin- bcrufci, worden ist. schreibt unfern, Kölner Mrtechlatt, der Rl^in. .Ztg., folgenden beherzigenswerte» Brief: Fhre Mahnung, dass dir Rhein. Ztg. auch während dieses schrecklichen Krieges nicht ans t:>, Arbeiterfamilien verschwinde,, soll, ist mir aus den, Herzen ge- iProchc». Fch nehme an, das, dieses ganz selbstverständlich vor allein In de» Familien geschieht, di« das Glück haben, auch jetzt „och aus eine,, gewissen Loh» rechnen zu köiiueu. Aber was sollen wir machen, die wir ohne den Lohn deS Mannes mit grober Sorge uns fragen, wie wir das Nötigste siir unsere Kinder zusannn«»bringe» sollen? Viele von uns Arbeitersrancn, dir plötzlich allein mit ihren Kindern dastchcn, werden das Abonneinentsgeld für die Zeitung nicht erschwingen können. Fch kann aler aus die Rhein. Ztg. nicht rer- zichdcn und will cS mich nicht. Eins der Ictzic» Worte meines Mannes bk»m Abschied war der Wunsch, ich möchte nnr die Rheinische iZcitung nicht abbestcllen, und auch das Partei- und Vcrbandsbnck, hat er gnt fortgctau. Fch big m,n auf eine» Ausweg gekommen: Mit einer Nachbarin, welcher cs ebenso geht wie mir, werde ich die Rheinische Zeitung gemeinsam lesen. Fch rate den Arbeiterfrauen. welche nicht anders köuueu, dasselbe zu tun. Aus diese Weise 'bleiben wir mtt unserer so.rialdemokralischcu Bewegung vcrbuntzcn. und mich unser Parteiblatt hat weniger Verluste. Cs wird während des Krieges viele Vorkommnisse geben, wo »ns nur das Parlciblatl dasjenige Mitteilen wird, was für die Arbeiter von Wichtigkeit ist. — Was di esc Geuosstn den zurückgebliebenen Frauen empsiehll, möchte» wir allen denen unter unseren Frauen an raten, die sich, durch die Not der Zeit getroffen, lischt mehr imstande fühlen, das Abonnementsgeld allein auszubrimge». Wer wollte in diesen Tag«,,, an denen die Welt vom Kmnpfc widcrhallt, ohne Zeitung sein? Niemand kann es! F«dcr mus, die Nachrichten, die Ctnzelheiten der Kämpfe, die Verordnungen und Clebote der Zeit kennen, must sich unterrichten. Deshalb bleibt eurer Zeitung, der Oberhessische» iVolkszeitimg, tren, lest sie zu zweien, wo es einzeln nicht nichr geht, «her haltet di« Verbindimg mit eurem Blatte aufrecht! Cs wahrt «urc Interessen auch in diesen schweren Zeiten besser als jede andere Leitung. — Schutz de» Dienstmädchen. Von verschiedenen Kanzeln der Kirchen in Frankfurt ist während des Sonntags-Gottesdienstes Dringend gemahnt worden, das Dicnstperfonal nicht zu entlasten und es Nicht der Not imtz dom Elend vreiszngrben. sondern es durch Sparsamkeit km HanShakkliuglbetrlekl und In anderer Weife zu cr- müglichen, den Ticustmödckvn ihre Stellungen zu erhalten. — Auch ist Gießen wären solche Mahikungen schr wohl angebracht. Uns sind eine große Zahl von Fällen bekannt geworden, wo Tienstgcbcr ohne Not ihre Dienstmädchen entlassou oder ihnen Lohieabziige gemacht haben, obgleich di« Dimistherrschafteg so gestellt sind, das, sie ihr Personal oh»« irgendwelche eigene Einschränkung »ach wie vor anständig bezahlen könnten, zumal sic von ihnen in der Regel dieselbe Arbeit verlangen wtc früher. — Ilebrigens sollten- mich die Dienst- mädchei, sich nicht darauf einlassen, für geringeren Loh» zu arbeiten: sobald sic sich damit cinvcrstan'dcn erklären und eine neue Bcrlraqs- abrede lressen, ist das rock;tsgii1lig, spätere Reklmnalionen nutzen dann nichts mehr. — Unterstützungen des Buchdruckerverbandes. Nach vorläusigcr Tchätziing rechnet der Vorstand dcS TeUitschen Biichdruckerverbandcs mst einer Ausgabe von vier bis fünf Millionen Mark für die »ntersiiitzling ihrer arbeitslosen Mitglieder. Von einer am 15. Anglist ansgenonmienen Slalistik wurden 50 000 Mitglieder (von insgesamt 70 000> ersasit. Bis »um genannten Zeitpunkte waren 11510 Verba,idsinitglseder zum Heeresdienst einl-eruien, arl>«itsloü ivaren an, gleichen Termin 14 052 Mitglieder und bei verkürzter Arbeitszeit wurden 0825 Mitglieder beschästigt. Ncl>eii den Arbeitslosen erfordern die »nterstütznngen kranker Mitglieder (1908) inti) Fnvaliden (1025) gewaltig« Summen. Tie llnterstiitzuiigseui- richtungen des Verbandes, di« vorbildlich ausgebant sind, erweisen sich in diesen schweren Zeilen als «in S«gcn für seine Mitglieder „nd im weitere» auch für das gesamte Wirtschaftslebeir. Von den vollbcsckiästigdei, Mitgliedern werden lvährend der Kriegszeit 50 Pfg. Cktrabeltrag die Woche verlangt. — Die Strafkammer Gießen verhandelt« am Freitag voriger Woche gegen den Gg. Phil. Schmäht ans Lffonbach, der sich in Friedbcrg allerlei Betriigcreicn zuschulden komm:» ließ. Ter schon vielfach vorbestrafte Mensch stammt aus guter Faniffi«, hat bessere Schulen besucht und als Cinjähriger gedient. Gleich nach) seiner Mililärzcit tarn er auf Abwege, erlitt und verbiistl« bereits ivegcn aller möglichen Belrügereien größere Gesängmsstrafcn und sosck?c brachten ihn auch heute wieder aus dlc Anklagebank, slsack, Verbüßung seiner letzten Gefängnisstrafe in Butzbach bekam er eine Stelle in lllockenbach. Doch er bcinitztc die Gelegenheit, ivicdcr in das rechte Gleis zu kommen, ,leckst, sondern fing sofort fern altes Leben wtcdcr an und erfchivindelte sich Geld unter allerlei „nipahren Angaben. Fn Friedbcrg verschafst: er sich tagelang Wohirung und erschwindelte sich noch Geld von seiner Logiswirtin, indem er aiigab, er sei 8iescrvcossi.zi«r und habe die Zinsen von 75 MO Mark zu verleben. weil er aber viel branck-e, rücke seine Mntler nur «nn Ende des Monats mit blcld lscrans. Trotzallcdom billigte ihm das Clerichl nochmals mildernde Umstände zu, beioahrlc ihn vor den, ZuchtliauS „nd vcr^rlcill« ihn zu einer Gciäirgnisstrase von einen, ,>ahr und sechs Allonalen und sprach ihm auch die bürgerlichen Chrenrechtc ans die Tauer von fünf Fahren ab. — Gestern, an, Dienstag, wurde ». a. gegen die seil anfangs Full in Unlersnchungshaft befindliche Amalie T ä h » c ans Alsfeld wegen Verbrechen gegen 8 218 des Strafgesetzbuchs verhandelt. Tie Angeklagte l>at Cndc Fnni ein Kind geboren, das tot i» ihrer Kammer anfgcsunden wurde. Sie wurde wegen Verdachts der KindStötnng verhafiet. doch stellte stck> heraus, daß da» Kind nicht gelebt hat. Daher kam die Angeklaglc mtl einer selrr gelinden Strafe davon, sie erhielt wegen obigen Vcr- gihens 7 Wichen Gefängnis und weil sie versäumt hatte, für sael>- ocrstäNidlge Hisse bcs der Geburt zu sorgen, eine Wock-e Gefängnis. Tie erkannte Strafe wurde als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet. — Gegen den Vater dos Kindes war ebenfalls «in Verfahren wegen litoihilse anhängig, das aber abgetrcnnt wurde, weil dieser zum Krieg cingezogcn ist. Bcsck»a„pslichtigc Schlachtungen in Hessen. Fm 2. Vierteljahr 1014 wurde ilt Hesse» an folgenden Tieren die Schsachloleh- und FIcischbeschan vorgenomnien: Pferde und andere Einhufer 254 (501), Lchsen 0 081 «5080), Bullen 440 (000), Kühe 8514 (0177), Fung- rindcr über 0 Monate alt 8004 (7070). Kälber bis 0 Monate alt 20 805 (15107). Schwein« 02 800 (80 240). Schafe 1071 (2210), Ziegen 14 072 <10 057). Hunde wurden in Hessen nicht dcschant. Fn anderen dcutsck>on Bundesstaaten betrug im 2. Vierteljahr 1014 die Zahl der beschauten Hunde tnsgosamt 1140. Tie Zifsern in Klammern beziehen sich ans das erste Viertclsahr 1014. Nicht „Fahnen heraus", sondern „Weib heraus!" Am Tage deS Bckaiintwcrdcns der Schlacht l» Lothringen ging der KriegSfür- forge in Würzbnrg dieses Schreiben zu: „Tie gewonnene Schlacht wird viele Famllic» ihres Ernährers beraubt haben. Fch habe für niemand z» sorgen. Tarnn, übermittle ich Fhncii von dem Wenige», was ich habe, Mk. 1000 (eintausend Mark) für die Familien der ins Feld Gezogenen. Ter Sieg muß unser werden." — TaS ist vaterländische Gesinnung durch die Tat. Macht cs nach, Patrioten! Zenlralkastc der hessischen landwirischasllichc» Gcnossen- schasten. Wie wir höre» sind die Barcingänge bei der Zentralkasse, b!e zum überwiegenden Teil a„S de» de» Landwirten ausgczahltcn Pfcrdcgcldern stammen dürften, in ständiger erfreulicher Zunahme. Sic betrugen in der abgclausencn Woche annähernd Mk. 250 000.—. — Tagcslängc im September. Tic Sonne tritt am 20. voni Zeichen der Fuiigfrau sStcrnbild des Löwen) in das Zeichen der Wage sSternbild der Fnngsran): sic überschrcitel niederst,ikend den Punkt der Herbstnachtalciche sür die nördliche Halbkugel der Erde. Tic Miltaaehöl)« der Tonne sinkt von 48,41 Grad an, 1. September auf 86,04 6>rad an, 1. Lktobcr hinab, und demcnlsprchecnd vermin- derl sich die TageSlänge um 1 Stunde 52 Minuten. — Mit der Badezeit in der Lahn geht es min schon wieder b~.n Ende zu. Zwar brachten die letzten Wochen noch schöne Tommer- ivärm«, freigebig versandte die Tonne ihre warmen Strahlen zur Erde »icdcr, dock, die letzlen Tage brachten schon eine nmerklich: Ab- kiihlung. Fmmerhin betrug die Lahnwärme gestern noch 16 Grad Rcailmnr. KreiS Metzlär. h. Kontrollocrsammlungen. Laut anitkicher Bekanntmachung finden für den Landsturm 2. Aufgebots i>m Landwehr- lezirk Wetzlar diese Woche Kontrollveisammlungen statt. Es haben sich alle Militärusch ansgcbildcten Leute zu stellen, die in diese». Fahre das 00. Lrbciissaksr erreichen, sowie ältere Mannschaften bis zum 45. Lebenssahrc nebst geübten Ersatzreserristeii, oder Leute, die kurze Zeit aedient halsen und dann der Ersatzrcserve überwiesen wurden. Für die Stadl Wetzlar wird die Kontrolle an, 0. Scplcmbcr vormittags 8.00 Uhr »nd N>r alle andcren Orte des «reifes Wetzlar Freitag., den 4. Sepien,der, vornilktags 8.00 Uhr im Tchützengarlcn z» Wetzlar abgehollen. Für T i l l c n b „ r g H c r b o r n und H a i g c r Tanislag. den 5. September rorniitlege 0 Uhr und für alle übrigen Lrtc des T i l l k r c i s c s Montag, den 7. September, vormittags 0 Uhr in der ofs«ncn Reitbahn des Laiidcegeftüts. Teiegramme. Berlcgunfl der französischen Regierlkng. Tic Turincr Gnzcltn dcl Popolo meldet aus Marseille, nach zuverlässigen Pariser Meldungen werde die französische Regierung nächster Tage ihren Litz »ach auswärts, wahr schciniich nach Lyon, verlege». Abermals ein deutscher Fliefler über Paris. lieber Paris erschien »ach einer römischen Tcpcschc der Franks. Ztg. am Montag nachmittag 4y 2 Uhr abermals ein deutscher Aeroplan. Er warf eine Bombe, die am Pont Rens in der Nähe des Denkmals Heinrichs IV. nicdersiel, ohne Schaden anzurichtcn; auch ein sandbcschwcrtcr Sack mit der deutschen Fahne und einem Brief, der die Ankündigung de- Sieges bei St. Ouentin enthielt, wurde niedergelassen. Dar- auf bemächtigte sich der Aicngc ein lebhafter Schrecke». Es wurde ans den Aeroplan geschossen, aber vergeblich. Die Abkndzcitlingcii ocrschluiegcn ans Wunsch der Regierung den Zwischenfall. Während der Nacht sind seit drei Tagen die Laternen zum Teil gelöscht, lim den Acroplancii kein Ziel zu gewähren, lieber das Erscheine:, des Aeroplans am Sonn- tag nahm die Behörde, angeblich »nt ihre Kaltblütigkeit zu beweisen, ein Protokoll aus Ivegcn Ilcbcrschrcitung des Polizcivcrbots, das ein Fliegen über Paris untersagt! Vcrantwvrllichcr Redakteur: F. Detters, Eichen. Verlag von Krumm & Cie., Elchen. Druck: Verlag Lsfenbachcr Abendblatt. E. m. b.H.,Okfenbach a. M. tzinc Kolonne HM ii) fiü ier werden 31t ßoßent Lohn sofort ttaeß auswärts gesucht. Acchrgetd wird an organisierte Maurer, vergütet. Metdnngen Donnerstag vormittag von 8—10 Zkßr im Kewerkschastshans erbeten. fast neu billig;u verkaufen. Bahnhofstr. 14, .1. Fuhren jeder Art werden ausgesiibrt, sowie Möbel-Transporle sür hier und auswärts H. Bbcl. Wctzsteinstr. 10, 1. Sperialmaeliö 4,«i»o<1er 10.50 12 50 11.50 16.50 18.50 20.50 «rlinhlmn» Fnhabcr: Ehr. Maanus Gießen, Seltersweg 61 Telephon 916. XMäX Koks, Briketts, Holz I» Nußkohlen I, II, III I» Antßrazitkoßlen I» Hüttenkoks und Gaskoks vorzüglich sür Zentralheizungen I» Eiform-BrtkettS Ir» Union Briketts Ir> Brcnnßolz Lieferung in jedem Quantum frei Haus zu den billigsten Tagespreisen' Carl Schott, Giessen Balinhosstrasre 60 Telephon 286. _ Telephon 286. 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