Siet Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oderhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbeliisch« fBoltäjcttitna erscheint leben SBtrftag Abend in Sieben. Der LbonnemenUvreiS beträgt tnöchcnUich 1b Pflu. monatlich 60 Sßfa. einichl-Bringerlobn. Durch die Post bezogen viertcliäbrl.IchOMk. Redaktion und Expedition Dieben, Babnbofstral,« 22. Ecke Löwenaaki«, Delevbon 20V8. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzcile oder deren Raum Ib Pfg, Bei gröberen Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bi» adenb«7L>r iür die solgendc Nummer in der Expedition ausgeb«» Nr. 200 Gießen, Montag den 31. Anglist 1914 9. Jahrgang Sozialdemokratische Minister in Frankreich. Zu dem Eintritt französischer Genossen in die Regierung schreibt der Vorwärts: Die alles Alte umwälzende» Wirkungen des Weltkrieges beginnen sichtbar zu werden Tic Führer der französischen Sozialdemokratie sind in das Ministerium eingctrctcn und nehmen an der Regierung teil, in der die Vertrauensmänner aller republikanischen Parteien sitzen. Die Radikalen, Sozialistisch-Radikalen und Sozialdemokraten, also die Parteien, die mit der Friedcns- parole den Sieg bei den letzten Wahlen errangen, besitzen trotz der Teilnahme der rechtsstehenden Republikaner eine starke Mehrheit, während ausgesprochene Chauvinisten, wie Clemcnccau, an der lllegierung nicht teilnchmcn. Tic sozialdemokratischen Führer, die in das neue Ministerium cingetrctcn sind, sind nicht etwa rechtsstehende, dem Ministerialismus zuneigende Genossen. Es sind die bedeutendsten Männer der französischen Brudcrpartei, der geistreiche, von revolutionärem Temperament sprühende Marcel S c ni b a t, die stärlste Stiitzc von Jaures in dem Kampf für die Verständigung mit Deutschland, und Jules K u c 8 d e — Guesde, der alte Kampfgefährte von Marx und Engels, der Begründer und Organisator der marxistische» Richtung in Frankreich, der schärfste und rücksichtsloseste Verfechter des Klasscnkampfcs, der unermüdlichste Bckämpfcr jeder Kompromißpolitik, der ebenso wie Sembat die Spaltung der Billigung des ministcrialistischen Experiments vorzog, der unversöhnlichste Feind kapitalistischer, ministcrialisti- schcr, imperialistischer Politik. Wie weit Guesde wie auch Sembat entfernt sind und stets entfernt waren von chauvinistischer Kriegs- bcgcistcrnng Deutschland gegenüber, das zeigte noch wieder die Rkde, die Sembat am Tage der Kriegserklärung in einer großen Pariser Versammlung hielt. Er wandte sich dagegen, daß der Krieg irgend welchen Rachegelüsten dienen dürfe: auch nicht die Zerstörung deutscher Kultur dürfe sein Ziel sein, und wenn ein siegreiches Rußland Deutschland zerstückeln und die Kosaken seine berühmten Hochschulen zer- störcn wollten, so werde das Frankreich nicht zu- geben. Daß diese Männer, an deren Gesinnung internationaler Solidarität und Freundschaft für die deutsche Arbeiterklasse ein Zweifel nicht erlaubt ist, in das Ministerium eingctretcn sind, das den Krieg führt, beweist, daß die Ereignisse Wirkungen zeitigen, die bei Ausbruch des Krieges nicht gewollt und von manchen nicht geahnt waren. Versuchen wir in dieser Stunde, wo über die Motive der französischen Genossen noch kein Bericht vorliegt, die Tatsache selbst zu deuten. Die französischen Armeei» haben eine Niederlage erlitten. Ter Eindruck in Frankreich, in dem in den letzten Jahren immer mehr die Furcht vor dem Kriege mit der übermächtigen deutschen Militärorganisation stzivic das Friedcnsbcdürfnis der arbeitenden Massen den Revanchegcdankcn verdrängt hatte, muß außerordentlich stark sein. Das französische Volk sorgt um seine Existenz, um seine nationale Einheit und Unabhängigkeit. Tic herrschenden Klassen, die die Verantwortung für bicsen Krieg tragen, wenden sich an die, die bis zur letzten Minute und mit aller Kraft den Ausbruch des Krieges zu hindern suchten. Tenn in dieser furchtbaren Krise erscheinen die Tatsachen in ihrer ganzen Härte. Der französische Militarismus war im Frieden eine Kriegsgefahr und ein Hcrrschaftsmittcl für die Besitzenden. Aber das moderne Heer ist zugleich das Volk in Wasfcn. Ter Krieg, einmal ausgebrochen, verlangt die begeistertste und hingcbcndste Tapferkeit und Opferwilligkcit des Volkes. Und deshalb der Appell an die Vertrauensmänner der arbeitenden Klassen. Unsere Genossen haben sich in der Stunde furchtbarer Gefahr der schweren Verantwortung nicht entzogen. Sic haben sich wohl gesagt, daß die Unabhängigkeit und Unversehrtheit der Nation die erste Bedingung der demokratischen und sozialen Befreiung ist, und der Selbstbehauptung der Nation können sie ihre Hilfe nicht cntzichcn. Der Eintritt der sozialdemokratischen Führer wird seinen Eindruck aus das französische Volk nicht verfehlen, und diese Tatsache gilt cs klar ins Auge zu fassen. Tie Teilnahme der Sozialdemokraten am Ministerium bedeutet für das französische Volk ein Sturmzeichen, ein Sturmzeichen, das ausruft zur Aufbietung aller Kräfte zur Abwehr. Es wandelt den Krieg, der ein Krieg der Regierung gegen den Willen des Volkes war, zum Volkskrieg um die Erhaltung der Existenz. Das deutsche Volk muß mit dieser Ausfassung rechnen. Unsere französischen Genossen wären nie in das Ministerium cin- getretcn, wenn sic die Meinung hätten, daß der Krieg im jetzigen Stadium ein Krieg zur Unterstützung des Zarismus, ein Krieg gegen die Kultur und politische Freiheit wäre. Tie Niederlage läßt ihnen de» Krieg als Kamps um die nationale Selbständigkeit erscheinen. Sie fürchten Annexionen. Aus der anderen Seite dürfen wir nicht daran zweifeln, daß die Männer, die heute die französische Regierung bilden, in ihrer Mehrheit für einen Frieden, der die nationale Sicherheit und Integrität gewährleistet, cinzutrctcn bereit sind. Guesde und «einbat, aber auch Augagneur, Malvy, David und andere kennen rcini Solidarität mit Zarismus und Mosko- 6*2 r t i, m. Ihr Eintritt ins Ministerium stützt also die Jric- k.ütt* m n, < tvcnn dieser Friede ein solcher ist, wie ihn auch das oeut|a)c .Joit wünschen muß: ein Friede ohne Erobe- e «l l ,A*>ede, der zur Verständigung mit dem fran- fuhrt. Dann hätte auch der Zarismus seine to ^JL e °®i t - ettol l e für immer ausgespiclt. r , r t **»*9 tft mit der Parole für Freiheit und n a t i o - nalc Unabhängigkeit eröffnet worden. Gelänge eine Ver- standigung mit Frankreich, so wäre die. Freiheit und Unabhängigst Polens und Finnlands gesichert, der Zarismus gebrochen, der europailche Frieden gewährleistet. Das muß aber auch das Ziel deutscher demokratischer Politik sein. Der Krieg. Eine neue große Schlucht im Osten! Ter Kriegsberichterstatter des Neuen Wiener Abend- blatics meldet aus dem Kriegs-Pressequarticr: Gleichzeitig mit dem Angriff auf Ostpreußen unternahmen die Nüssen einen Vorstoß gegen Brody und den Fluss Zbrucz. Andere rnssische Strafte sind zwischen Weichsel und Bug bei Krasnik von uns'geschlagen worden. Tie feindliche Haupttrnppc drang auf die Linie Rawaruska-Zloczow vor. Sowohl hier als am Zbrucz sind erbitterte Kämpfe im Gange. Ter linke Flügel unserer Mittelgrnppc dringt bei Zolkiew-Rawarnska siegreich in voller Osfensivc vor. Zwischen Weichsel und Bug am rechten Flügel dauern die Kämpfe fort. Tic Schlachtfront beträgt 400 Kilometer. Trotz der günstigen Situation unserer Truppe ist eine lange Tauer der Schlacht dorausznsehcn, Revolution in Odessa? Nach einer Meldung an die russische Botschaft in Bukarest bombardiert der russische Panzerkreuzer „Pantclcimon" die Stadt Odessa, wo cs den Revolutionären gelungen ist, die Herrschaft an sich zu rcissen. — Tic ganze Woche hindurch dauerten die blutigen Strassenkämpse an und endeten mit dem vollsten Siege der Revolution. Tie Entscheidung führten die Truppen selbst herbei, die nach der Niedermetzelung der Offiziere sich der revolutionären Bewegung anschlosscn. Ter Polizcimcister, der Gcndarmcricchef und Polizcikommissärc wurden bei dem Sturm auf das Gefängnis getötet. In allen öffentlichen Gebäuden, die beflaggt sind, arbeiten revolutionäre Komitees. Tas Bombardement richtet sich hauptsächlich gegen die Gebäude und Kasernen, wo sich die aufrührerischen Truppen aushalten. Odessa ist eine der grössten und wichtigsten Handelsstädte Russlands. Der Str aßenkampf in Löwen. lieber die Entstehung und den Verlauf des Straßen- kampfcs-in Löwen wird der Franks. Ztg. aus dem grossen Hauptquartier noch folgendes berichtet: Ani Montag war alles ruhig und die Eisenbahntruppen an der Arbeit, durch Rampenbau die Entladung der Truppen vorzubereitcn. Auch ani Dienstag vormittag blieb alles ruhig und es entwickelte sich ein reger Verkehr zwischen den Einwohnern und Truppen, die in Quartieren untcrgcbracht waren. Als am Dienstag nachmittag die drohenden Nachrichten von einem bevorstehenden Ausfall aus Antwerpen eintrafen, wurden schleunigst die in der Stadt befindlichen Truppen auf Antwerpen in Marsch gesetzt. Auch der kom- niandicrende General begab sich mittels Kraftwagen nach vorn. Es blieben daher verhältnismässig wenig Truppen in der Stadt, darunter das Landsturmbataillon Neuß, ferner Kolonnen. Tie zweite Staffel des Generalkommandos fass gerade auf dem Marktplatze auf, als plötzlich ein wütendes Feuer aus den oberen Stockwerken der umliegenden Häuser eröffnet wurde. Nach kurzer Zeit waren fünf Offiziere der zweiten Staffel verletzt und sämtliche Pferde erschossen. Am Bahnhof war gerade ein Truppenzug angekommcn und die auS- gcladenen Truppen standen friedlich auf dem Bahnhofsplatze versammelt, als auch dort zur selben Stunde das Feuer auf sie eröffnet wurde. Ter Kampf wurde sofort ausgenommen und durch die fortwährend eintreffenden Truppenzüge gespeist. Der Straßenkampf flackerte überall auf, wo Deutsche standen. Auch in eine Benzinkolonne wurde hineingefeuert, die in Brand geriet. Ter Straßenkanipf dauerte von Dienstag abend bis Mittwoch nachmittag. Er 'endete mit der Niederwerfung des Aufstandes, aber als er vorüber war, bildete die alte Kunststadt Löwen und ihre nördliche Vorstadt Herent ein Flammenmeer. Die Sicherung der rückwärtigen Verbindungen. W. B. Tie großen Erfolge, die unsere Truppen bisher erningen haben, und die besonders im Westen ein rasches Vorrückcn zur Folge hatten, machen in erhöhtem Matze di« Sicherung der rückwärtigen Verbindungen notwendig, um den Nachschub von Mlmrtion. Verpflegung, Ausrüstung, Kriegsmaterial und Ergänzungsmannschasten für die Feldtruppcn sicherzustellen. Auch der Abschub der Verivun- dcten, Kranken und Gefangenen in di« Heimat stellt an di« Bahnen hohe Anforderungen, und macht ein« strenge Uebcrwachung der Schienenwege und Kunsibautcn auch fernerhin zur unabweisbaren Notwendigkeit. Schon die Einberufung des Landsturms zeigt, daß di« Sicherung der rückwärtigen Verbindungen unserer Heere eine Aufgabe von größter Wichtigkeit ist. Tas gilt nicht nur von den Verkehrslinien in dem besetzten Ausland«, fonbern von denen in Deutschland selbst. Auch sie müssen nach wie vor unter schärfster Kmiirollr bleiben. Es ist daher angebracht, an all«, die in Deutschland mit der Beivachunq von Eisenbahnlinien betraut sind, erneut die Mahnung zu richten, in ihrer Wachsamkeit nicht nachzulaffcn. Auch ist cs Pflicht der gesamten Bevölkerung, die zu diesem Zweck gestellten Wachen nach besten Kräften zu unterstützen. Nach wie vor klängt von dem ungestörten, durch keine feindlichen Anschläge uMcrbrvchcneil Verkehr auf den Eisenbahnen unendlich viel äb. Die Schlacht bei Mecheln. Belgische, sranzösischc und englische Blältcr mcldcicn, daß die Belgier mit einem großen Sieg die Deutschen auf Vilvordc bei Brüssel zurückgcworsen hätten. Der Korrespondent des Handclsblad berichtet demgegenüber nach der Franks. Ztg. folgendes: Unter pcrfönlidvcr Leitung König Albcrts rllckic eine starke belgische Armee südlich von Mecheln vor. »in das um Vilvordc sichende deutsche Heer nach Süden z» werfen. Den Deutschen gelang cs, die Belgier nach Vilvordc zu locken, wo ihre Hauptmacht lag, und als dir Belgier nahe genug waren, machten die Deutschen plötzlich Halt. Frische Truppen, die zuvor im Wald verborgen lagen, rückten gegen die belgische Flanke vor. Die Belgier wurden rcgclrcckst zwischen drei vernichtende Feuer gcnom- »i c u. Es war kaum mehr rin Gefecht, sondern das reinste Schlach, tcn, und de: so gut begonnene belgische Angriff endete mit einem allgemeinen „Sauvc qui peut!" Hals über Kops suchten die Belgier sich zu retten: hunderte sprangen i» den Mecheln-Löwen-Kanal und viele ertranken dabei. Autos mit dem Generalstab jagten nach Antwerpen zurück. Die Belgier hatten übrigens die wunderbare alte Stadt Mecheln von den Einwohnern vor dem Ausfall räumen lassen, da belgische Geschosse auch auf Mecheln sielen: cs entstand aus den Befehl eine wilde Flucht der Einwohner. Schon vorher war der berühmte Turm der Kathedrale von zwei Artillcricgcschosicn getroffen worden. Mecheln ist im Augenblick weder von Deutschen noch von Belgiern besetzt, und dik Einwohner kehren langsam zurück. Da es einem sranzösischen Fcldkurier gelang, vor dem Aus. fall nach Antwerpen zu kommen, ist anzunchmen, daß der Ausfall auf Wunsch der französischen Hecreslei» tnng geschah. Oesterreich erklärt Belgien den Krieg. Oesterreich-Ungarn hat Donnerstag früh Belgien den Krieg erklärt. Die Kriegserklärung wird damit begründet,' dass Belgien mit den Feinden der Monarchie zusammen gegen das verbündete Deutschland kämpft und daß die belgische Bevölkerung unter Duldung der belgischen Be- Hörden Unmenschlichkcitcn gegen österreichisch-ungarische Staatsangehörige beging, die auch dann unentschuldbar wären, wenn es sich um einen Staat Handeln würde, mit dem der! Kriegszustand besteht. Dem Wiener belgischen Gesandtes Grafen Dudzeele wurden gestern die Pässe zugestcllt. Dev österreichische Gesandte Graf Clary befindet sich in Brüssel und wird telegraphisch aus Antwerpen seine Pässe verlangen.' Die Lage in den deutschen Schutzgebieten. lieber die derzeitige Lage der deutschen Schutzgebiete gibt das Reichskolonialamk folgendes bekannt: In Ostlifrika haben di« Engländer kurz nach Ausbruch des Krieges den Funteerdirrm in Daressalam zerstört. Im Innern des Landes hat nach neueren englischen Nachrichten unsere Schutzz truppe die Offensiv« erg risse» und d«n wichtigen englischen Verkehrspunkt Tavekta südöstlich des Kilimandscharo besetzt. Aus Togo, das mir von einer kleinen Schar kriegss.reiwilliger Weißer und der schwaclien Eingeborcnen-Polizcitruppe verteidigt wird, wurde bereits gemeldet, daß Engländer und Franzosen einige Gebiete besetzten. Zwischen irnsener Truppe und den ans Dahomcq und von der Goldkiistc aimiarschiercnden weit iibcrlcgenrn Streik, kräftcn fanden verschiedene Gefechte statt, in denen von unserer Seite mit großer Tapferkeit gekämpft wurde. In diesen Gefechten fretar, wie zum Teil friiher gemeldet, Hauptmaim Pfählcr, sowie die Kriegsfreiivilligen Bcrke und Klcmp, während Dr. Raven, sowie die Freiwilligen Sengmüller, Kohlsdorf und Eberl verwundet wurden. Aus Kamerun, das bis vor wenigen Tagen vom Feind» nicht behelligt wurde, liegen neuere Nachrichten nicht vor. Den, Eindringen feindlicher Sireitkräst« in das Land dürfte die Schatz- truppe erfokgreichen Widerstand entgegensetzen. Ta der Funkcuturin vor Kamin« in Togo vor Besitzergrei. fung durch die Engländer von unserer Truppe zerstört wurde, sind weitere illachrichten aus Kamerun und Togo in nächster Zeit nicht Mi erwarten. In D e u t s ch - S ii d w e st a f r i ka ist bisher alles ruhig. Nach englischen Meldungen ergriff die Tchutztruppe die O f f e u s i vc mid drang von der Ssidosteckc in der Richtung ans E p p i n g t o n in di« Kapkolome «in. Ans n-nseren Besitzungen in der Süds«« liegen Nachricht» nicht vor. Ein Protest der deutschen Heeresleitung. (W. B.) Tie deutsche Heeresleitung protestiert gegen die durch unsere Gegner verbreiteten Ikachrichton über Grausamkeiten der deutschen Kriegsführung. Wenn Härten und strengste Maßnahmen nötig geworden sind, so sind sie ver- anlasst und herausgefordcrt worden durch Teilnahme der Zivilbevölkerung einschließlich Frauen an den heimtückischen Uebcrfällcn auf unsere Truppen und durch die bestialischen Grausainkciten, die an unseren Verwundeten verübt worden sind. Die Verantwortung für die Schärfe, die in die Kriegsführung hineingebracht wurde, tragen allein die Regierungen und die Behörden des von uns besetzten Landes, die die Bürger mit Waffen versehen und zur Teilnahme am Kriege aufgeheht haben. Ucbcrall, wo sich die Bevölkerung feindseliger Handlungen enthielt, ist von unseren Truppen weder Mensch noch Gut geschädigt worden. Ter bcutfcljc Soldat ist kein Mordbrenner und Plünderer. Er führt nur Krieg gegen das feindliche Heer. Die in ausländischen Blättern gebrachte Nachricht, „die Deutschen trieben die Bevölkerung des Landes ini Gefecht vor sich her", ist eine Lüge, die den moralischen Tiefstand ihres Urhebers kennzeichnet. Jeder, der die hohe kulturelle Entwicklung unseres Volkes kennt, wird sie als solche von vornherein bezeichnen. Nicht drohen, nicht schimpfen! Eduard Bernstein schreibt ln einem Artikel der Chemnitzer Volksstimme: „Wir hofseu, daß Deutschland siegt und wollen niemandes Zuversicht in den Lieg der deutschen Heere beeinträchtigen. Aber wir können es nicht stillschweigend geschehe» lasten, das, diesem Krieg durch prahlerische AiikUndigungen, was Deutschland annektieren werde, ivenn es gesiegt haben wird, der Charakter eines ihm auf- gedrungenen Vertcidiaungskricgcs genomnicn wird. Vcrgesten diejenigen doch nicht, die solches geschrieben, dab jede Drohung dieser Art in die Welt hinaus geht und das Arsenal der Anscindcr Deutschlands verstärkt. Wir haben genug an dem Unheil, das die Seestern-Literatur und die ihr verwairdicn Reden in dieser Hinsicht anaerichtet haben. Mögen diejenigen, denen die Stimme des Sozialdemokraten beeinflußt erscheinen mag, den „Wir müstcn siegen" übcrsch-ribencn Artikel Nachlesen, den das Berliner Tageblatt aus der Feder Georg Gothcins gebracht l>ai und worin eindringlich gegen das Gerede von Annexionen Stellung genommen wird. Rchts kam, jenes Gerede rcchtseriigen, nichts es auch nur entschuldigen. Nicht einmal unter dem Gesichis- punkie der Strafandrohung hat es Sinn. Tenn dieser Krieg wird Strafe genna sein für alle Nationen, die an ihn, teilnehmen, wie immer sich Schuld oder Nichtfchuld unter ihnen verteilt. Das Gerede von Annexionen kann ihn nur verschlimmern oder verlängern, das Interest« aller bcieiligtcu Volker spricht aber dafür, daß er so schnell wie möglich sein Ende findet. Wie die Stategie der .Heerführer aus dieses Ziel gerichtet ist, so muh cs auch das Verhalten der zivilen Bevölkerung und ihrer Pvcste sein. Wir Deutschen rühmen uns, frei von den hysterischen Anwandlungen roniauischer Völker zu sein. Es ist aber gar manches in diesen Tagen bei nns geschehen, das nicht viel anderer Art ist. Unsere Ticllung in der Welt ist jedoch eine solche, daß sie uns diesen Luxus nicht erlaubt . . . Wir müstcn alles ausbietcu, das Vertrauen der Völker zu gewinnc». Dazu ist aber nichts ungeeigneter als Drohen und Schimpfen." Zur Bekämpfung der Arbcitslosigteit fordert die Deutsche Tageszeitung Beschäftigung der Arbcits- kosen mit der K u l t u r vonOedland. Das Blatt schreibt: „Bester als solche sArbeitSloscn-s Unterstützuna ist allerdings die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit. Auch hier ist man nicht müßig gewesen. Ter Verein für soziale Kolonisation empfiehlt heute in einem Rundschreiben an die Prcste, daß man die Arbeitslosen mit der Kultur von Ocdland beschäftige. Diese Kultur verhindert nicht nur die schlimmen Folgen der Arbeitslosigkeit, sondern sie vermehrt die Anbaufläche und damit die Nahrungsmittelversorgung in Deutschland. Näher hieraus cin- zugchen ist übersliissig. Wir haben unsere Leser immer wieder auf die Notwendigkeit »nb den Segen der Oedlandkultur hingc- wtcsen. Der genannte Verein meint, dah auf diesem Gebiete genügende »nd aesundc Arbeit für Hunderttauscndc von Arbeitslosen zu beschaffen fei: „nd wir glauben, dah diese Meinung nicht irrig sei. Jedenfalls ist die Arbeitsbeschasfung der Unterstützung der Arbeitslosen unbedingt vorzuziehen. Daß auch sonstige Arbeiten für den Staat und für die Gemeinden vorgenommcn wer- den müsten, liegt aus der Hand. Sind etwa für solche staatlichen Arbeiten die Mittel noch nicht bewilligt, so werden die Volksvertretungen gcwih ohne weiteres die sogenannte Jdcmnität erteilen." Wenn die Deutsche Tageszeitung dessen so sicher ist, würde doch auch nichts im Wege stehen, sofort Kanalbauten in Angriff zu nehmen. Es ist doch noch der wirtschaftlich sehr wichtige Mittellandkanal zu bauen, der bisher die Zustimmung der konservativ-klerikalen Mehrheit im preußischen Landtage nicht erlangen konnte. Keine Konkurrenz den Lohnarbeiter»«»«:». Vf. B. Der preuhische Minister für Handel und Gewerbe hat dem Vorstände des Vaterländischen Francnvercins sHauptvcrein) in Berlin auf seine Bitte, in den Handarbeitsstunden der zuni Geschästsbercich des Ministeriums achörige» Schulen für die wcib- liche Jugend von jetzt ab ausschließlich Liebesgaben für die im Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 47 Es war ein kleiner, wohlbeleibter Mann mit rotem Gesicht, dicken Hängebacken, wulstigen Lippen und runden Augen. Ein brauner Frack, nach damaliger Zeit kurz ge- schnitten, mit breiten Schößen, schwarze Sammethosen, welche bis ans Knie gingen, eine ungeheure Schoßwcste, die seinen .runden Bauch zudeckte, und eine weiße Binde, auf der sein fettes Doppelkin ruhte, ließen einen reichen, angesehenen Herrn vermuten. Eine Perücke mit stattlich bebändertem Zopf, Puder aus den Scitcnwulsten »nd Puder auf dein pomadeduftigen Rockkragen, ein kleiner dreieckiger Hut mit einer schmalen Goldtresse »nd blanke Stieseln, in welchen die kurzen Bcijie steckten, machten den wohlanständigen Herrn und achtbäten Kaufmann des vorigen Jahrhunderts vollständig. „Oho! Niels Hclgestad. Oho, mein Mann! bist wohlauf hergeschwommen?" rief er dem Fischer zu. „Blitz »nd Schlag! siehst jung und glatt aus. Eine gute Ladung, Niels. Habe die Jacht von der Seite angesehen, geht zehn Zoll über den weißen Strich ins Wasser, nmcht netto hundertfünfzig Zentner mehr wie vorjährig. Bin in Schweiß geraten, Niels, bin in mächtigen Schweiß geraten," fuhr er pustend fort. „Saß mitten unter Kapitänen, Nordländern und Mäklern, als ich deine Segel sah. Mußte abgemacht werden, Niels, bin also spät gekommen." „Und die die letzten waren, sollen die ersten sein," erwiderte Helgcstad lachend und unter Händeschütteln. „Friede in dein Haus, Uve Fandreml Bringe dir eine reiche Ladung, und was nach dieser kommt, wird nicht schlechter sein." Ein langes Gespräch zwischen den beiden Geschäftsfreunden drehte sich um Familiennachrichten, allerlei Reuig- keilen und um Handel und Verkehr. Die Ladung Lebertran kam aber noch zur rechten Zeit, um besser verwertet zu werden, als es etwck später der Fall sein konnte. Ter Berger Handels- Herr wollte sogleich die Ware nach Hamburg schicken, ehe die Felde stehcnoen Truppen anfcrngcn zu taffen uns ffe oen Vaterländischen Fraucnvereincn der Orte zur Verfügung zu stellen, folgenden Bescheid ergehen lasten: Dem Vorstände beehre ich mich auf bas gefällige Schreiben vom 8. ds. Mts. zu erwidern, dah für Mädchenschulen, wie für sämtliche Schulen meiner Verwaltung van jeher der Grundsatz gegolten hal, alles zu vermeiden, was dazu beitragen könnte, den Gewerbetreibenden und den bei ihnen beschäftigten Arbeitskräften eine unerwünschte Konkurrenz zu bereiten. Ein solcher Wettbewerb ist von den Mädchenschulen nieincr Verwaltung, anders als von denjenigen der allgemeinen Unierrichtsvcrwaltung, eher zu befürchten, weil in ihnen meist ältere und acübicrc Schülerinnen unterrichtet werden. Eine Heranziehung der Schulen zur Herstellung von Liebesgaben für die im Felde sichenden Truppen kann ich daher nur unter der Einschränkung befürworicn, dah cs sich um solche Arbeiten handelt, durch welche den Lohnarbciierinnen Arbeitsgelegenheit nicht entzogen wird. Als unbedenklich zuzulastcndc Arbeiten könne» z. B. in Frage kommen: Das Stricken von Strümpfen, Pulswärmern und dergleichen, in der Regel aber nicht das Nähen von Bettüchern, Hemden und sonstiger Wäsche. Auch soweit hiernach eine Beteiligung von Schnlen an sich angängig ist, haben indcstcn die der Aus- bildnng von Lehrerinnen dienende» Kurse auszuscheiden, dah die Anfertigung von Liebesgaben mit dem lchrplanmähigcn Gang der Vorbereitung, von dem ohne Schädigung wichtiger Schnlintercsten nicht abgewichcn werden kann, unvereinbar sein würde. Innerhalb der sich hierdurch ergebenden Grenzen bin ich dem Wunsche des Vaterländischen Fraucnvcreins gerne entgegengekommen, indem ich die Schulanssichtsbchördcn meines Geschäftsbereichs mit entsprechenden Anweisungen versehen habe, Tie Beschaffung der erforderlichen Herstellungsinaterialien wird, soweit sic nicht von dritter Seite zur Verfügung gestellt werden, den örtlichen Zwcigvercinen des Vaterländischen Francnvcrcins zu überlasten sein. Denjenigen Lehrerinnen und Schülerinnen, welche infolge Schüehung der Schulen ober Einschränkung des UntcrrichtSbctricbeS nicht mehr so wie bisher in Anspruch genommen sind, habe ich darlcgen lasten, nach ihren Fähigkeiten sich in den Dienst der für den Krieg bestehende» Hilfsorganisationen zu stellen und deren Zwecke auf jede Weise zu fördern. — Dr, Eydow. Eine Nnlersuchungskommission im Osten! IV, ü. Bekanntlich ist zur Untersuchung der Vorfälle, bei denen sich Belgien ein völkerrechtswidriges Verhalten gegen Deutschland zuschulden komincn ließ, eine Kommission eingesetzt worden, an deren Spitze Ministerialdirektor Just steht. Die preußische Regierung hat es für nötig befunden, anläßlich der Vorfälle in Ostpreußen ähnliche Einrichtungen zu treffen, um recht bald vor aller Welt durch eine genaue Beweisaufnahme darlcgen zu können, in welchem Umfange die russische Armee Grausamkeiten und Verwüstungen gegenüber unseren Landsleuten und deren Besitz in Ostpreußen begehen. Der Minister des Innern hat zu diesem Zweck für jeden der beiden hauptsächlich beteiligten Regierungsbezirke Gumbinntzp. und Allenstein eine Kommission eingesetzt, an deren Spitze die betreffenden Regierungspräsidenten stehen, und in welcher außer wenigen Beanitcn der Bezirke auch nichtbeamtetc Persönlichkeiten berufen werden sollen, die mit den Verhältnissen des Bezirks genau vertraut sind. Mitteilungen und Anträge für die beiden Kommissionen werden hiermit öffentlich erbeten. Bis auf weiteres sind sie an das preußische Ministerium in Berlin, Unter den Linden 72/73, mit der Bezeichnung: In Sachen der ostpreußischen Kricgs- kommissioncn zu richten. Dabei ist auch die zeitige Adresse des Einsenders anzugcbcn, damit seine protokollarische Vernehmung möglich ist. f Eindruck der englischen Niederlage in Hamburg. Der Eindruck der Nachricht vom Siege über die Engländer ist in Hamburg, wo bisher engste Handelsbeziehungen zu England bestanden. ungeheuer. Auf der Börse umarmten und kühten sich die Männer und alte Handelsherren weinten vor Freude. Soeben verkündete vom Balkon des Rathauses Bürgermeister Schrocdcr den Sieg einer vieltausendköpfigen Menge, die darauf in begeisterte Hurrarufe ausbrach und patriotische Lieder anstimmte. Sämtliche Kirchenglocken der Stadt läuten. (Franks. Ztg.s. Dilmdnmgeschosse bei Franzosen und Engländern? Nach dienstlichen Meldungen sind sowohl bei Franzosen wie bei Engländern in den Taschen der gefallenen »nd verwundeten Soldaten zahlreiche Dumdumgeschosse gefunden Preise weiter sielen. Stockfisch, gerissener Fisch und Solz- sisch ließ dagegen außerordentlichen Gewinn erwarten, denn schon war die Nachricht verbreitet, daß ein großer Teil des Fanges verdorben und unbrauchbar geworden sei. „Schaffe, was du hast, so schnell zur Stelle, wie cs an- gcht, Freund Niels," sagte Herr Fandrem. „Vier Jahre hinter einander ist der Fisch billig gewesen. Das hat den Verbrauch gesteigert. Aus dem Mittclmcer sind schon jetzt viele Schiffe gekonimen, und noch weit mehrere werden erwartet. Es wird ein Reißen um die Ware sein, wie cs lange Zeit nicht gewesen; ich hoffe, daß wir Preise machen, die über alle Erwartung gehen. Hehe! hast nichts dagegen, Niels, hoffe, hast nichts einzuwendcn?" Wahrscheinlich erhielt der Kaufmann hier einen Wink von Hclgestad, denn er schwieg plötzlich, blickte über die Achsel und sah mit keinem allzu freundlichen Blicke Marstrand an, der nicht weit von ihm stand. „Was hast du für einen Manlaffcn ins Land gebracht, Niels?" fragte er zwischen den Zähnen. „Ist ein Freund, Uve Fandrem," antwortete Niels laut. „Seht her, Herr Marstrand, da ist der Mann, der Euch helfen wird." Er erzählte in seiner Weise kurz und bündig MarstrandS Schicksale und Vorhaben, sprach von der neuen Handelsstelle am Balsfjord, rühmte den jungen Ansiedler aus vollen Backen und kalkulierte ein Dntzcndmal, daß Johann Marstrand bald genug ein Mann sein werde, vor dem sich in Bergen hundert Türen auftun würden, wenn er hincingehcn wollte. Nach dieser Erzählung, welche Fandrem mit Kopfnicken anhörte, indem er seine runden vorquellcnden Augen rnehr ans Helgcstads Gesicht als ans den Empfohlenen richtete, streckte er seine dickgepolsterte Hand aus und faßte an den Zipfel seines Dreimasters. „Ehe andere Hände kommen, Herr Marstrand," sagte er, „biete ich Ihnen meine an. Habe mit jungen Geschäften und Anfängern sonst niemals zu tun, wo aber Niels Hclgestad sein Wort spricht, sage ich gern Amen, und wo ich dienen und helfen kann, soll's geschehen mit allem Eifer." Wörden. Wir werden gezwungen sein, gegen die Völkerrechts? widrige Verwendung der Geschosse mit Gegenmaßregeln allere schärfster Art vorzugehen. Ein Dementi. Der niederländische Generalkonsul in Antwerpen bestreitet in einer Zuschrift an den N. Rotterd. Courant entschieden, bah deutsche Läden geplündert, der deutsche Friedhof zerstört und Deutsche mißhandelt worden seien. Einen deutschen Friedhof gebe es überhaupt nicht in Antwerpen und die Ordnung sei gut aufrecht erhalten worden; nur beim Beginn des Krieges seien einige Fensterscheiben zertrümmert worden. Wie England sich geschädigt hat. Ein Artikel der bekannten Londoner wirtschaftlichen Zeiift schrift Economist wendet sich, wie wir der Neuen Zürcher: Zeitung entnehinen, mit ökonomischen Darlegungen sehr abfällig gegen die Greyschc Behauptung, daß Krieg die Eng- ländcr nicht viel mehr kosten würde als die Neutralität. Das ganze wundervolle Räderwerk der britischen Wcltbankicrschaft sei durch die englische Teilnahme am Krieg völlig zerbrochen worden, aus den einzelnen Stücken müsse man nun niühsanr die Krcditmaschinerie Englands wieder zusammenbauen. Eng- lands größte Kolonien wie Australien, Kanada, Indien hängen von dem stetigen Zufluß englischer Kapitalien ab, der nun nicht stattsinden könne, da England sein Geld lange für eigene Kriegsanleihen selbst brauche. Dazu kämen andere bisher von England snbvcntioniertc Länder wie Argentinien, Chile und Brasilien, die bereits in schweren Finanznöten stecken. Tics sei rückwirkend wieder am Leibe Englands spürbar. Ferner falle schwer in Betracht, daß auf die Nordsce- nnd Ostsceländer, die jetzt vom Krieg beeinflußt oder abge- schnitten sind, ein Viertel der ganzen englischen Ausfuhr und Einfuhr käme. Alles dies sei zunächst znsammcngcbrochcn^ Ferner zählt der Economist mit Einzelheiten auf, wie stark die britische Industrie bereits in Mitleidenschaft gezogen worden sei, besonders die Banmwoll- und die Lcinenindustric. Selbst die Hochöfen seien ansgeblascn, — Von der Financial News, einer Handclszcitung, die aber nicht annähernd den Ruf des Economist hat, werden diele Angaben bestritten, aber doch zugegeben, daß momentan bloß diejenigen Industrien in Tuch, Kohle, Eisen im Gange seien, welche für Kriegszwecke arbeiten. Manben^e als englisches Depot. Am 25. Februar 1818 planberte Gil Blas seinen Lesern fol^ gendcs Geheimnis aus, das uns — wenn cs vielleicht auch nicht ganz wahr ist — immerhin in tiefen Tagen recht wissenswert vor- kvmmt, zumal das englische Hilsskorps in der Nähe seines Stapelplatzes gegenwärtig von unseren Truppen arg mitgenommen worden sein soll. Tic Magdeburger Zeitung gibt Folgendes als Wortlaut der französische» Notiz: „Ein in Ostsronkreich erscheinendes Blatt brachte eine höchst merkwürdige Enthüllung. In militärischen Kreisen des Ostens erzählt man sich, daß die Stadt Mau- bcngc, die »»weit der nordöstlichen Grenze Frankreichs an der Bahnlinie Köln-Paris liegt, seit mehreren Wochen mit größeren Mengen englischer Muniion versehen werde. Die Stadt Maubcuge ist militärisch von großer Bedeutung, Sie wird im Fcldzugsplan des französischen Gcncralsiabs als KonzcntraiionSpunki für die verbündeten Truppen bezeichnet, die im Kriegsfall von dem englischen General French unter der Oberleitung des französischen Generalissimus Jofsre befehligt werden sollen. Nun ist bekannt, daß die englischen Geschütze nicht das gleiche Geschoß wie die fr»»- zösischen haben. Die beiden Regierung seien jedoch llbercinstckom- me», schon in Friedcnszeiten auf französischem Gebiete die Muni- tionsmcngcn anzuhänfen, die im Kriegsfall für die englische Artillerie notwendig sind." England als „Schützer der Neutralen". England, das sich als Beschützer der Neutralen ausspiclt, ließ auf dem.neutralen niederländischen Schiff „Zeelandia" 51 Deutsche und Oesterrcichcr, daknntcr eine größere Anzahl durchaus dienstuntaugliche oder über 50 Jahre alte, wie den 57jährigen Landgerichtspräsidsntcn Hannemann und den! 52jährigen Professor Brick aus Hamburg, festnehmcn. Der italienische Dampfer „Re Vittorio", am 4. August ab Rio de Janeiro nach Genua bestimmt, ist nach einem, durch die Mthilfc eines italienischen Passagiers eingelanfenen Privatbricfcs, mit 100 deutschen Reservisten an Bord von Marstrand fühlte, daß in dieser Versicherung eine Bürgschaft lag, der er vertrauen durfte, und Helgestad bestäftgte es, indem er seinem Schützling versicherte, daß Fandrems Handschlag mehr wert sei, als wenn Prinzen und Könige ihm Beistand schwören. Ein Gasthaus gab cs in Bergen nicht und gibt es selbst jetzt kanni dort, obwohl die Stadt damals schon an dreitzig- tausend Einwohner zählte. Jeder Fremde, der hierher kam. mußte auf die Gastfreundschaft einer Familie rechnen; Fremde aber, die keine Geschäfte hatten, kamen überhaupt nicht nach Bergen, von Vergnügnngsreisenden in Norwegen wußte man noch nichts. — Die nordländischen Handelsleute wohnten bei den Maklern und Kauflcuten, mit denen sie in Verkehr und Freundschaft standen, die Schiffskapitäne blieben auf ihren Schiffen. So geschah cs denn ohne Einwendung als etwas, das sich von selbst versteht, daß Uve Fandrem seine Gäste in sein Hans ans der deutschen Brücke führte, wo er im oberen Stockwerke ihnen die Gastzimmer öffnen ließ. Dos Haus des Kaufmanns war eines jener alten Häuser, die noch jetzt vereinzelt dort zu finden sind. Auf den massiven Unterbau waren die ober» Etagen von starken Balken gesetzt. Erker und Vorsprünge i» halbrunder Form vcrniehrtcn die Zierlichkeit und gaben ihm ein stattliches Ansehen. Tiefe und breite Durchgänge lagen in den unteren Räumen zu beiden Seiten der Kontorstube, welche die Mitte einnahm. Im ersten Stockwerke befand sich die Wohnung des Kaufmanns, im zweiten waren die Gastzimmer, alle mit wenigen einfachen Geräten versehen, doch mit der herrlichsten Aussicht auf Hafen, Schiffe und Verkehr und auf die großen Speicher jenseits des Wasserbeckens. Doch dies an wohnlichen Räumen ziemlich beschränkte Gebäude war nnr während des Winters der Aufenthalt seines Eigentümers; beim Eintritt der guten Jahreszeit zog jeder, der es irgend tun konnte, in sein Landhaus, und Bergen wat umringt mit solchen Sommervillcn, die mehr oder minder stattlich an den Bergabsätzen lagen, aus kleinen oder großen Gärten hinabblickcnd auf Fjord und Stadt, auf tvakdige Gebirge und liebliche sammetgrüne Täler. . - - - (Fortsetzung folgt.) "bem englischen Kreuzer „Cromwell" vier Tagereisen vor Gibraltar am 14. August gekapert worden. Sämtliche hundert Deutsche wurden als Kriegsgefangene nach Gibraltar gebracht. Verbot von Garibaldi-Legionen. Ter Pester Lloyd meldet aus Nom: Nachdem die Regierung ft, den letzten Wochen ihren ganzen Einfluß aufwandtc, um die von einigen Jrredentistcn vorgeschlagene Bildung italienischer Freikorps für Serbien und Frankreich zu verhindern und die Anwerbung für solche Freikorps auf italienischeni Boden für strafbar erklärt hat, kommt nunmehr die Nachricht, daß in Paris und London Garibaldi-Korps in Bildung begriffe» sind. Fn London haben sich 250 Mann gemeldet, meist Italiener, jedoch auch viele Slawen. Tas Korps Hai dort den Namen Fremdenlegion angenommen. Dreißig Engländer haben Fonds zur Verfügung gestellt. — Ju Paris hat das Korps, das sich hier „Garibaldilegion" nennt, die volle Unterstützung der französischen Behörden gesunden. Tic italienische Regierung hat die Botschaften in London und Paris angewiesen, den betreffenden italienischen Staatsangehörigen, die dem Korps beigetreten seien, mitzuteilen, daß sie aller und jeder Staatsbürgerrechte in Italien durch den Beitritt zu diesen Freikorps verlustig gehen. Dom Geist des französische»» HeereS. Durch die Pariser Presse sickert allmählich die Mitteilung don einem bedenklichen Zwischenfall durch. Danach soll in der Schlacht in Lothringen eine Division des 15. Armeekorps durch Gehorsamsverweigerung den fluchtartigen Rückzug der Franzosen veranlaßt haben. Senator Gervais brachte diesen Vorfall tadelnd im Matin öffentlich zur Sprackse, woraus die Zeitung einen Verweis erhielt. Dazu ist zu bemerken, daß alle Artikel der Zensur des Kriegsministeriums unterliegen, also der inkriminicrte Artikel von Gervais anfangs nicht beanstandet wurde. Tic Deutschen in Japan. Mehrere Familien in Hamburg haben auf dem Umweg über ein neutrales Land Drahtnachrichten von ihren Angehörigen in Japan erhalten, die übereinstimmend besagen, daß es ihnen gut gehe. Frauen sollen nicht in das Kampfgebiet reisen! Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps warnt davor, daß Frauen oder weibliche Verwandte gefallener oder verwundeter Offiziere in das Operationsoder Etappengebie" über die Linie Luxemburg-Mctz-Straß- burg hinausreisen, da die Militärbehörden nicht in der Lage sind, für ihre Sicherheit cinzustehen. Eine Schlacht iw Osten. Großer deutscher Sieg. W. R. Be r l i It, 29. Aug. Unsere Truppen an der Ost- grenzc unter Führung des Generalobersten v. Hindenburg haben die vom Narcwflusse her vordringcnde russische Armee, bestehend aus 5 Armeekorps und 3 Kavallcriedivisioncn, in einer dreitägigen Schlacht bei Willenburg und Ortclsberg geschlagen und verfolgen sic jetzt über die Grenze. Gcncralquarticrmcister v. Stein. Die Lage ist ernst! In einem Manifest der französischen Regierung wird die Lage als ernst, aber nicht Mutlosigkeit rechtfertigend hingestellt. Es wird die Hoffnung ausgesprochen, daß die gcgcu die wirtschaftliche Krise anfgcwcndetcn Maßnahmen, besonders zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, sich voll bewähren werden. In dem Manifest wird die heroische Haltung Belgiens hcrvorgcrufcn. Manifest der französischen Sozialdemokraten. Nach einer Meldung des Berliner Lokalanzeigers aus Paris verbreitet die französische sozialistische Partei ein Manifest, in dem sie erklärt, die Partei habe nicht gezögert, G u e s d e und S e m b a t die Genehmigung zum Eintritt ins Ministerium zu erteilen, da die Zukunft der Nation und das Leben Frankreichs auf dem Spiele stehe. Angesichts der Gefahr, welcher einer der blühendsten Teile Frankreichs ausgcsetzt sei, müsse die ganze Nation'bereit sein, Boden und Freiheit zu verteidigen! Eine sozialdemokratische Richtigstellung. Der Vorstand der deutschen sozialdemokratischen Partei hat dem Kopcnhagcncr Sazialdemokratcn znsolgc dein römischen Parteiblatt Avanti eine Erklärung zugehen laßen, in der die wilden Gerüchte über Revolution in Deutschland, Kaiser-Attentate, Gefangennahme und Erschießung hervorragender Parteiführer Lügen gestraft werden. „Fn diesem Verteidigungskricg", so heißt es in dein Dementi, „gibt cs in Deutschland keine Parteien, sondern nur den Gedanken, Deutschland zu schütz c n. Liebknecht, der erschossen sein soll, wartet aus seine Einberufung, Dr. Frank steht schon längst vor dein Feind. Die sozialdemokratische Rcichstagssraktion schließt sich als Vertreterin des Arbeitcrstandes der Verteidig nngspolitik des Reiches an und hat deshalb auch das Kricgsbndget bewillig t." Antwerpen in Verzweiflung. In Stockholm eingctrofsenc Meldungen aus Antwerpen besagen, daß dort bas Volk der Verzweislung nahe ist. Mail ist endlich darauf gekommen, baß die belgische Regierung die Qcsfcntlich- keit durch salsche Gerüchte gröblich getäuscht hat. Tie Bewohner Antwerpens und die dort eingetrosfenen Flüchtlinge befinden sich in einer bedenklich aufrührerischen Stimmung, und man befürchtet, daß es, noch ehe das Schicksal der Stadt entschieden ist, zu revolutionären Ausständen kommt. Jtalienitchcr und spanischer Protest Wie der Deutsche Kurier aus bester Quelle erfahren hat, haben von den Mächten der Algecirasakte die spanische und italienische Regierung gegen die Verletzung des internationalen Abkommens durch die Franzosen bei der Festnahme und Entfernung des dcut- Ichen Gesandten in Tanger durch ihre diplomatischen Vertreter in Paris Einspruch erheben lassen. Qbwohl die Stellungnahme der beiden neutraten Staaten im Augenblick nur einen j"f!^ducn Akt darstcllt. wird ihre Bedeutung nicht gering einge- schatzt. Der Fürst von Albanien erledigt? Fürst Wied verläßt nächster Tage Valona wegen politischer, militärischer und finanzieller Schwierigkeiten. Die internationale Kontrollkommission soll vorläufig die Re- gierungsgeschästc erledigen. Ob der Fürst zurückkehrt, ist zweifelhaft. Der Reichsverband gegen die Sozial dcmokralie macht Schluß. Die Norddeutsche Allgemein« Zeitung schreibt: Der RerchSver- band gegen die Sozialdemokratie hak, wie er mitteilt, sein« Tätigkeit gegen di« Sozialdcinokratic r i n g e st c I l t. Dieser Einschluß ist angesichts der voin ganzen deutschen Volke ohne jeden Unterschied der Partei bewiesen«« Opserfreudigkeit mit Dankbarkeit zu begrüßrn. Er bekundet die richtig« Erkenntnis der Lage, in der es keine Partei, sondern nur «in von dem einmütigen Willen, das Vaterland bis zum letzten Atemzuge zu verteidigen, beseeltes Volk gibt. Zugleich ist er für die der Belehrung noch bedürfenden Feinde ein neuer Bciveis, lvie ansstchtlos die.Rechnung aus parteipolitische Spaltungen in unseren Reihen war. Ferdinand Lasialle. Zn seinem fünfzigsten Todestag. Ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit Ferdinand Lassalle neununddrcißigjährig als Opfer stürmischer LiebcS- tcidenfchast in einem Duell sein Leben fortwarf. Als Begründer der deutschen Arbeiterbewegung, als Vorkämpfer der sozialen Demokratie in Preußen schmückt ihn geschichtlicher Ruhm. Nach einer andern Seite hin, die freilich mit seine: großen Hauptaufgabe in engster Verbindung steht, ist er uns aber erst in diesen Tagen wieder so recht lebendig geworden. Die Zeit, in der Lassalle den Eigcnwuchs seiner geistigen Persönlichkeit entfaltete, bildet den Anfang einer geschichtlichen Periode, in der die Fragen der innern Politik stinter jenen der auswärtigen weit zurücktraten. Von 1853 bis 1871 herrschte, von kurzen Pausen unterbrochen, Krieg in Europa. Zunächst war es die Balkanfrage, die zum Krimkricg führte, 1859 kam es Uber die italienische Frage zum Krieg zwischen Franz Josef und Napoleon Hl-, 1864 folgte der dänische Feldzug, 1866 der Kampf um die deutsche Vorherrschaft zwischen Preußen und Oesterreich, 1870 endlich der dentsch-sranzösische Krieg. Das Ergebnis war ein einiges Deutschland mit Schleswig und dem Elsaß, aber ohne Dcntschösterreich, ein einiges Italien mit Vcnctien und der Lombardei, aber ohne Trentino und Küstenland, ein republikanisches Frankreich — und ein nngelöstcr Knäuel der Nationalitätenfragen von Bodcnbach bis Konstantinopel. Ferdinand Lassalle erlebte nur den Anfang dieser Entwicklung. Aber dieser Anfang genügte, ihn in einen scharfen sachlichen Gegensatz zu seinem Freund und Lehrer Karl Marx zu bringen. Als im Jahre 1859 der Krieg ansbrach, den Napoleon III., gestützt auf Rußland, gegen Oesterreich führte, um Italien den Weg zur Einheit freizumachen, war Oesterreich noch deutscher Bundesstaat. Marx und Engels sahen in dem Einvernehmen zwischen Bonapartismus und Zarismus die schlimmste Gefahr für Europa, sie rechneten mit einem französisch-russischen Eroberungskrieg, der Rußland an den Bosporus, Frankreich an den ganzen Rhein bringen sollte, und wünschten, daß das ganze deutsche Volk die italienischen Positionen vorläufig als strategische Bollwerke verteidige. In diesem Sinn schrieb Engels, der die gleichen Gedankengänge in seiner Broschüre „Po und Rhein" verarbeitete, an Lassalle: ,,Viv« la guerre!" (Es lebe der Krieg!) wenn Franzosen und Russen uns zugleich angredfen, wenn wir dom Ertrinken nahe sind, dann in dief-er verzweifolken Situation müssen sich alle Parteien von den jetzt herrschenden bis zu Zitz uud Blum a-brmtzvn und die Nation um sich zu retten, sich endlich an die energischste Partei wenden. Anders dachte Lassalle. Er sah in einem vom Volke gewollten Krieg gegen Frankreich das größte Unglück und fürchtete, Marx und Engels würden durch ihre Taktik diesen Krieg populär machen. Daß man der italienischen Einheitsbewegung im Interesse Oesterreichs, das er als die reaktionärste Macht Europas betrachtete, Hindernisse in den Weg legen konnte, galt ihm als unvereinbar mit dem demokratischen Grundsatz der nationalen Selbständigkeit. In seiner Schrift „Der italienische Krieg und die Aufgabe Preußens" zeichnete er in den Grundlinien durchaus richtig den Weg, den die italienischen und die deutschen Einheitsbestrebungen gehen müßten, und den sie dann in der Hauptsache auch wirklich gegangen sind. Die Einigung Deutschlands im Kampfe gegen Dänemark und Oesterreich wurde tatsächlich das Bismarcksche Programm der Jahre 1864 und 1866, vier Jahre später folgte die Abrechnung mit Frankreich, nachdem es der Staatskunst Bismarcks gelungen war, sich gegen Rußland den Rücken zu decken. Die Geschicklichkeit, mit der Bismarck seine Gegner vereinzelt zu schlagen verstand, haben wir heute zu bewundern allen Anlaß. Durch die Hervorhebung des geschichtlichen Berufs Preußens und durch die Verwandtschaft seiner Gedanken mit den Grundzügcn Bismarckscher Realpolitik ist Lassalle zeitweilig in den Ruf eines preußischen Patrioten gckoinmen. Diese Legende ist aber längst zerstört. Aus zahlreichen zwingenden Beweisstücken, vor allein aus seinem Briefwechsel mit Marx ist erwiesen, daß Lassalle sein politisches Progranim in durchaus revolutionärer Absicht veröffentlicht hatte. Er zeigte in seiner Schrift einen Weg, der an sich richtig war, den zu gehen er aber die preußische Regierung für durchaus unfähig hielt. Wandte sich die öffentliche Meinung seinen Vor- schlügen zu und wurde die preußische Regierung zum Hindernis, dann mußte sich die Volkssiimmung gegen sie richten und inan war dem Ziel näher, das Lassalle selber gekennzeichnet hat als das „Deutschland inoins les dynasties" (ohne regierende Familien). Es ist anders gekommen, und wie es kam, das konnte Lassalle nur zum Teile noch miterleben. Es kam die Zeit deS Konflikts, die wieder die innere Politik in den Vordergrund rückte und erwünschte Gelegenheit gab, die Loslösung der Arbeiterbewegung vom Liberalismus zu vollziehen. Die gemeinsame Gegnerschaft gegen das liberale Bürgertum brachte aber Lassalle abermals in eine gewisse Berührung mit seinem großen Gegenspieler: Bisniarck. Das deutsche Kriegszeitalter von 1861—1871 stand vor der Türe, als die berühmten Unterredungen zwischen Bismarck und Lassalle stattfanden. Sicher hat das britische Stadium, in dem sich damals-die chrenßische auswärtige Politik- befand, dazu bcigetragen,' die persönliche Annäherung'zwischen dem Repräsentanten der Zollernmoncrrchie und dem vielverfolgten Agitator zu erleichtern. Nicht ohne Vorbedacht hatte auch Lassalle seine große Agitation für das allgemeine, gleiche Wahlrecht in Preußen gerade in diese Zeit verlegt, denn schon damals galt der Satz,, daß Not die Regierungen denken lehrt. Gewiß lag ein starkes Stück Jllusionskrast -darin, wenn Lassallc mit Bismarck wie von Macht zu Macht verhandeln zu können wähnte. Lassalle hatte keine Massen hinter.sich. Aber im Bewußtsein seiner starken Persönlichkeit,und als Trüget einer großen zukunftsreichen Idee fühlte er sich dem Meistet des diplomatischen Sck>achspicls durchaus ebenbürtig. Bis-i marck konnte glauben, es mit einem Manne zu tun zu haben, der stärker scheinen wollte, als er wirklich war, er konnte immer ans den Gedanken kommen, daß sich ihm in dem! Führer der snngen Arbeiterbewegung etwa ein neuer Agent! zur Durchführung seiner Politik anbietc. Er wußte, daß. ihm- einer gegenüber stand, der seinen eigenen Weg ging! Ter Vorhang fiel über der Tragödie Lassalle nieder, noch" ehe der zweite Akt des großen weltgeschichtlichen SchauspietL begann. Blutend sinkt seine Gestalt beim Anbruch eineh! blutigen Zeit, und es ist müßig darüber zu phantasieren,! welche Rolle sie noch auf deni Welttbeater hättg.spielen können^ Ihr Charakterbild steht fest in der Geschichte. Lassalle war in keinen: Augenblick seines-Lebens Hurra-! Patriot. Seine tiefe geschickstliche Einsicht und seine durch alle Hindernisse nur gestärkte zielsichere Willensstärke, be-j wahrten ihn vor dem Schicksal, zu einem gedankenlosen Mit-j läuser der Ereignisse herabzusinken. Wohl aber verstand er) daß die Politik der Arbeiterklasse, so selbständig sie sein wollte und sein mußte, die Lebensnotwcndigkeiten der Bolksgesamt-! heit, deren wichtigen Bestandteil sie bildet, nicht ignorierem darf. Den Sturm der Weltgeschichte konnte er weder anf-z halten noch lenken, aber auf dem Schiss der Arbeiterbewegung wollte er die Segel so stellen, daß es mit dem Sturm seinen eigenen Kurs steuern konnte. Ob sich feine Steuermannskunst! immer bewährt hat, ob namentlich im Streit um den italieni-i scheu Krieg er oder Marx-Engels recht hatten, ist eine Frag? von rein historischem Interesse, die hinter den großen Eng scheidnngen unserer Zeit weit zurücktritt. Wichtig bleibt abep gerade für unsere Zeit die Feststellung, daß die Klassiker des Sozialismus bei allen Meinungsverschiedenheiten doch.einig waren in der Absicht, nichts anderes als sozialistische und demokratische Arbeiterpolitik zu treiben. Sie wußten, daß sie und die damals noch kleine Schar ihrer Anhänger Volk und^ Menschheit nur dadurch dienen konnten, daß sie in Sturm und» Wogcndrang nie ans den Augen verloren, was das Ziel des! proletarischen Befreiungskampfes ist und bleiben muß. Hessen und Nachbargebiete. Bietzen und Umgebung. — Gegen den Lcbensmittclwuchcr. Der preußische Mi-i nister für Handel und Gewerbe erläßt folgende Bekannt« machung: Vielfach wird darüber geklagt, daß die Preise für Lebense Mittel auch im Großhandel unangemessen erhöht worden seien. Solche Preistreibereien waren schon verwerft sich, als sie in der ersten Bestürzung über die unvermeidlichen Verkehrsbeschränkungcn erfolgten, sie nötigen zu scharfeil Gegeninaßregeln, wenn sie jetzt, angesichts der Verkehrsart leichtcrungen iind des Standes der Ernte fortgesetzt werden.! Um den Kleinhandel und die Verbraucher vor Ueberteucrungj zu schützen, werden, da wo es nötig sein sollte. Höchst«j preise fü r den Großhandel festgesetzt werden. Nach dem Gesetz kann alsdann die Behörde die Vorräte übernehmen und zu den festgesetzten Höchstpreisen ans Rechming und Kosten des Besitzers verkaufen, wenn dieser sich weigert/ zu den Höchstpreisen zu verkaufen. Bei der Festsetzung von Höchstpreisen wird die normale Marktlage maßgebend sein und auf vorangegangene Preistreibereien keine Rücksicht ge-' nommen werden. Dieser Erlaß ist gewiß sehr angebracht, allein er hätte vier Wochen früher kommen müssen; jetzt haben die Groß-! lieferanten ihr Schäfchen geschoren und die Konsumentenl ind die Leidtragenden. — Tie prositlichen Bäcker. Auch in Frankfurt haben die Bäcker ihr Geschäft zu gut verstanden, wie ans einer Bekaiintinachnng des Polizeipräsidenten hervorgeht, die folgenden Wortlaut hat: „Ans Grund mehrfacher Beschwerden ist festgestellt wo» den, daß hiesige Bäcker unter dem Druck der Mchltcucrung Brotlaibe für Vierpfünder verkauft haben, obwohl diese etJ hcvlich leichteren Gewichts waren. Nach dev Polizeiverordnnng vom 15. Januar 1880 sind Brotverkäufcr verpflichtet, Preise und Gewicht ihrer Brotsorten für den Zeitraum von je 14 Tagen durch einen von außen sichtbaren Anschlag am Verkaufslokal bekanntzugebcn und einzuhalten/ Der Anschlag ist polizeilich abzustempeln. Bäcker, die sich, an das angegebene Gewicht nicht halten, ziehen sich Strafverfolgung wegen- Betrugs eventl. ZwangsvcrwaltnngS- Maßnahmen zu." Ja, die Herren Bäckermeister wußten sich zu helfen und folgten in erster Linie dem Grundsatz: „vom Profit raucht der Schornstein." — Meiischcnwcrt und Wclbfapitat. Tie täglich zur Verösscnt- lichung gelangenden Verlustlisten, die so viel Trauer über zahl reiche Familien bringen, rege» zu einer Schätzung des Wertes am der in jedem unserer Krieger steckt. Fn Friedcnszeiten hat mar den Wert der Menschen nicht geschätzt, wie cs jetzt angesichts des Massentodcs der Fall ist. Im Felde, da ist der Mann noch was ivert. Und dieser Wert sei nun auch wirtschaftlich in Ziffern auL- gedrückt. Vor einiger Zeit hat man Untersuchungen über den Wert des deutschen Volksvermögens angeftellt, hat aber bei diese» Schätzung nur die toten Güter und die Tiere berücksichtigt. Ran ist bis zu einem Wert von 350 Milliarden gelangt, indem man den Wert aller Vermögcnsstllckc in Geld ausgedrllckt und gewisser» maßen zu Geldkapital gemacht hat. Nun, wenn schon unser kapitalistisches Zeitalter alle Werte in Geld auszudrückcn beliebt, so kan» und darf man auch den Menschen nach der nämlichen Methode bewerten. Man wird dann sehen, daß der Wert der Menschen ganz crhebUch größer ist als der Wert der toten Güter und Tiere. Uvr die Bewertung der Menschen zu ermitteln, kann man verschiedene JPcflc gehe» Bei einer Wertung unserer Armee und Flotte geht iiici 11 am beste», um eine rohe Schätzung zu erreichen, davon aus, das, ein Soldat aus G.ruud seiner Tätigkeit im Frieden mindestens 1000 Mark im Fahre' verdient. Diese Summe ist gewiß nicht zu Hoch, sondern eher zu niedrig. Aber auch so repräsentiert dann bei einer Kapitalisierung von 4 Prozent jeder Soldat einen Wert von 25 000 Mark. Eine Million Soldaten hat dann einen Vermögcns- wert von mehr als 25 Milliarden Mark, vier Millionen einen solchen von mindestens 100 Milliarden. Diese Berechnung in Bausch und Bogen zeigt, welche Werte in diesem Kriege aus dem Spiele stehen. Wenn die 4. Verlustliste 208 Tote, Verwundete und Vermißte anfweist, so sind, volkswirtschaftlich ausgedriickt, Werte von mehr als 5 Millionen Mark zerstört, teilweise sogar ganz vernichtet. Aber der Wert der Menschen wird durch ihren auf Geldkapital gebrachten Ausdruck natürlich bei weitem nicht erschöpft. Was diese Berechnung zeigen soll, das ist nur das eine, daß alle unsere anderen Kapitalqüter gegenüber den Menschen geringwertig sind, daß sie erst durch die Menschen ihren Wert gewinnen, steigern und halten können. Das sind alles Wahrheiten, die am Wege liegen, die wir aber oft nicht mehr gesehen haben, weil man eben Selbstverständlichkeiten nicht mehr beachtet. Nun ist es mit einem Schlage anders. Der Wert der Menschen, die das Vaterland zu schützen haben, ist heute so hoch, daß man unsere nüchterne Schätzung vielleicht nicht einmal gelten lasten will. Lebendiges Kapital wird geopfert, müsten wir opfern, um unserer Feinde Herr zu werden, lebendiges Kapital nach Millionen und Milliarden Mark. Sollte angesichts dieser Tatsache nicht auch der Besitz an totem Kapital Opfer bringen müssen? Diese Frage answerfen, heißt sie unter den heutigen Verhältniffen bejahen. Wenn unsere lebendigen Kapitalschätze sich dezimieren lasten, dann wird daS angesammelte tote Kapital erst recht für die Schäden einzustehen haben, die der Krieg im Gefolge hat. Tann schadet es nichts, sondern es ist nützlich, wenn von den 050 Milliarden Vermögenswerten für staatliche Zwecke, zur Linderung der Not und zur Aufrechterhaltnng einer geregelten Wirtschaft ein kräftiger Prozentsatz flüssig gemacht und verausgabt werden muß. Zu den Opfern des Krieges muß jede Privatwirtschaft nach ihrer Leistnngssähigkeit Gut und Blut beisteuern. Durch die allgemeine Wehrpflicht werden bei der Hergabe von Männern für die Landesverteidigung alle Privatwirtschaften gleich betroffen. Anders liegen die Dinge bei der Hergabe von Mitteln zur Durchhaltung eines großen Krieges, der den wirtschaftlichen Verkehr ans eine völlig neue Grundlage schiebt. Hier muß dem begreiflichen, aber im Kriegszustand nicht zu rechtfertigenden Egoismus der einzelnen Privatwirtschaft beizeiten entgegengewirkt werden, damit der wirtschaftliche Verkehr nicht zum Erlahmen kommt. Nur die weitgehende Flüssigmachung toten .Kapitalbesitzes vermag in den kommenden Monaten den Geschäftsverkehr zu beleben und lebendig zu erhalten. — Eine törichte Frage. Was in jetziger Zeit in der Preste an blöder Hetze gegen Ausländer geleistet wird, übersteigt wirklich alles Maß. Fm Gieß. Anz. gibt am SamStag irgend jeniand folgendes von sich: „Eine Frage, besonders im Hinblick auf das perfide Albion! ES leben dauernd in Deutschland viele Ausländer, welche sämtliche Vorteile unseres geordneten StaatSwesens genießen, dabei aber sich den Hauptpflichten in egoistischer Weise entziehen. Warum beschränkt man diesen nicht die Aufenthaltserlaubnis? Mögen sie doch um die deutsche Staatsangehörigkeit einkommen! Fn begründeten Ausnahmefällen könnte man ja davon absehen. Kl." , In seinem Hasse gegen bas Ausland hat der kluge Fragesteller jedenfalls nicht bedacht, daß vielleicht die zehnfache Zahl lDeutsche sich im Ausland aushalten — ein großer Teil davon dauernd — als Ausländer bei uns. Uebrigens wird nach dem Kriege die Verbindung der Völker eine noch stärkere werden als bisher, wie sich auch die deutschen Kapitalisten nicht scheuen werden, mit ihren englischen, russischen und französischen Klastengenosten die Arbeiter aller Nationalitäten auszubeuten. — Opfer des Krieges. Wie wir im der Frankfurter Bolksstnwmc liefen» wurde auch der Sohn des Frankfurter Reichs1agsa'bgeordn>cten IGenosten Tr. Quarck, der als Einjähriger den Krieg miimwchie, schwer verwundet und liegt in einem Frankfurter Lazarett. Ferner wird der Sohn des Genosteid D o r s chn im Lazarett in Zweibrücken an einer gefährtichen Wunde behandelt. — Ans dem Windhof befinden sich noch immer etiva 20 Rüsten, ^meistens Arbeiter. die vor AuAbvuch iwsS Krieges in Deutschland beschäftigt waren. Es wäre wohl besser gewesen, wenn man die Leute in ihrer Arbeitsstelle gelasten hätte: hier müsten sie jetzt gefüttert werden und sterben bald vor Langeweike. — In Butzbach brannte» am Samstag die Wirtschaftsgebäude des Wagners Sauer bis auf die Grnndinanern ad. Kreit Nlöfcld-L'auterbach. Alsfeld, 31. Aug. Ein entsetzlicher U n g l ü ck s s a l l hat sich am Samstag abend im hiesigen Bahnhofe ereignet. Zwei Postbeamte wollten in den um 0 Uhr von Gießen fälligen Personen- zng die Postsendung verladen und fuhren zu dem Zwecke mit dem Handkarren zwischen zwei Gleise. Auf dem ersten Gleis stand eine Rangiermaschine, während auf dem zweiten Gleis der Personenzug rinfahren wollte. Fn dem Augenblick nun, als sich die Postbeamten anschickten, den Gepäckwagen zu drehen, setzte sich die Rangiermaschine in Bewegung, faßte den Gepäckwagen an der Deichsel und warf ihn um. Die Bedienungsmannschast des Wagens, i>ic diesen zur Seite ziehen wollte, ivnrde von der Rangiermaschine ersaßt und schrecklich zerstiimmelt. Dem 25jährigen Posthilssbote» Laut von Eudorf ging die Maschine über beide Beine und die rechte Brustseite, während der in den 50er Fahren stehende Landbrics- träger Papst von Alsfeld eine klaffende Wunde am Hinterkopf und schwere innere Verletzungen davontrug. Laut starb kurz nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus, während Papst hoffnungslos darniederliegt. Die Stelle, wo sich das Unglück ereignete, soll völlig unbeleuchtet gewesen sein. Telegramme. Eine verlorene Seeschlacht. Ehrenvoller Untermann deutscher Kriegsschiffe. Endliche Nebermacht. IV. 8. Berlin, 29. August. Fm Laufe des gestrigen Vormittags sind bei teilweise unsichtigem Wetter mehrere moderne englische Kreuzer und zwei englische Zerstörerslotillen, elwa 40 Zerstörer, in der deutschen Bucht der Nordsee nordwestlich von Helgoland ansgetreten. Es kam zu hartnäckigen Einzelgefechten zwischen diesen und unseren leichten Streitkrästen. Die deutschen kleinen Kreuzer drängten heftig nach Westen nach Westen nach und geriete» dabei infolge der beschränkten Sichtweite ins Gefecht mit mehreren starken Panzerkreuzern. S. M. Schiff Ariadne sank, von zwei Schlachtschifspanzer» der Lionklaste ans kurze Entfernung von schwerer Artillerie beschaffen, nach ehrenvollem Kampfe. Auch das Torpedoboot V 187 ging, von einem kleinen Kreuzer und 10 Zerstörern auf heftigste beschossen, bis zuletzt seuernd, i» die Tiefe. Der Flottenchef und Kommandant sind gefallen. Ein beträchtlicher Teil der Besatzung wurde gerettet. Die kleinen Kreuzer Köln und Mainz werden vermißt. Sie sind nach einer heutigen Reutermrldung aus England gleichsalls im Kampfe mit überlegenen Gegnern gesunken. Ein Teil ihrer Besatzung — 9 Offiziere und 81 Mann — scheinen durch Schisse gerettet worden z» sei». Nach der gleichen englischen Quelle haben die englischen Schisse schwere Beschädigungen erlitten. Kauslcute, 3 Kellner, Schreiber,' landwirtschaftliche Arbeiter uitS* Knechte, Erdarbeiter, Taqlöhner, Hausburschen, Putz-, Wasch- und Laufsrauen. Standesamt Lollar. Geborene. Am 9. August. Dem Wagner Ludwig Seipp 8. ein Sohn Walter. — Am 17. August. Dem Hüttenarbeiter Peter Preis ein Sohn Friedrich. „ Eheschließungen. 3(ni 19. August. Johann Conrad Matter», Kutscher in, Gießen, mit Barbara Kumpf in Lollar. ‘ Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & Cie., Gießen. Druck: Verlag Osfenbacher Abendblatt, G. m. b. H.. Offenbach a. M. Die siegreiche Schlacht bci Krasnik dauert fort. 10 russische Divisionen neuerlich geschlagen. Das Frankfurter österreichisch-ungarische Generalkonsulat stellt der Presse folgende Zirkulardepesche des österreichischen Ministerpräsidenten vom Sonntag abend zur Verfügung: „Soweit sich heute mittag überblicke» lässt, ist das große Ringen unserer Armeen mit Hauptkräfte» des russischen Heeres noch nicht zur Entscheidung herangereist. Nur die Erfolge der von dem General der Kavallerie Viktor Tankl in der Schlacht bei Krasnik siegreich geführten Armee sind bereits einigermaßen zu übersehen. In einer zweiten Schlacht vom 27. August, die durch die heldenmütige Erstürmung einer stark befestigten Stellung ans den Hohen von Redrshwizadnsha gekrönt war, gelang es, die bei Krasnik zurückgeworsenen russischen Kräfte und herangeführten Verstärkungen — im ganzen etwa 10 Divisionen von sechs verschiedenen Korps — neuerlich zu schlagen. Eines unserer Korps nahm in dieser zweiten Schlacht einen General, einen Obersten, 3 sonstige Stabs- und 40 andere Offiziere nnd zirka 2000 Mann gefangen »nd erbeutete wieder sehr viel Kriegsmaterial." Bei Ortelsburg 30000 Rusien qesanaen. Berlin, 30. Aug. (W. B.) (Amtlich.) Bei den großen Kämpfen, in denen die russische Armee in Ostprcnßrn bei Dannenberg, Hohensteiw und Ortelsburg geworfen wurde, sind nach vorläufiger Schätzung Über 30 000 Russen mit vielen hohen Ossi,ziere» in Gefangenschaft geraten. Standesamt Gießen. Geborene. 9(11(1110 17. Dem Kanalarbeiter Mar Paul Psitzncr eine Tochter, 9l»na. — Dem Hausdiener Maximilian Pohl eine Tochter, Marie Elisabeth. — 19. Dem Großb. Oberlehrer Ludwig Barth ein Sohn, Heinz Helmut. — 20. Dem Wirt Eduard Gustav Krüger ein Sohn, Heinrich Eduard. — Dem Schreiner Rudolf Karl Fohann Hvlmelin ein Sohn. — 21. Dem Schreiner Karl 9lngust Gäbisch ein Sohn, Walter 9lugust 9ldoif. — Dem Lbermusikmeister Wilhelm Löber ein Sohn, Heinrich. — Dem Hilssfeiicrmann Johannes Heuser ein Sohn, Hans. — Dem stellvertretenden Intendantur-Sekretär Karl Vetzberger eine Tochter, Viktoria 3lnita Marie Lina Paula. Ansgebote. August 22. Hermann Ehristian Wilhelm Schmuch, Buchbinder, mit Sophie Adelheid Lampe, beide in Bremen. —24. Adolf Theodor Willi Schnitze, Schreiner, mit Marie Margarete Lisette Trank, beide in Gießen. — Jakob Wilhelm Fuchs, Oberlehrer in Frankfurt a. M., mit Maria Elisabeth Auguste Braun in Gießen. Eheschließungen. 9!ngust 20. Ericki Moritz Julius Otto Langerhannß, Chemiker in Gießen, mit Elisabeth 9l»guste Frieda Marie Brandt in Rostock sMecklenbnrg). — Samuel Teller, Kaufmann, mit Frime Ehrcn- brod, beide in Gießen. Sierhesälle. 9l»q»st 20. Friedrich Füller, 82 Jahre alt, Licherstraße 74. — 23. Willi Erb, 2 Monate alt, Nenenweg 48. — 25. Albert Karl Trinthammer, Handlnngslehrling, 15 Jahre alt, Bnrggraben 9. — 27. Abraham Griinebanm. Rentner, 06 Jahre alt, Westanlage 60. Städtischer Wohmlngsnachweis Gießern Es sind zu vermieten: 1 Wohnung von 7 Zimmern, 1 Wohnung von 5 Zimmern und 2 Mansardenzimmern, 2 Wohnungen von 5 Zimmern, 1 Wohnung von 4 Zimmern, 1 Wohnung von 4—5 Zimmern, 2 Wohnungen von 3 Zimmern, 2 Wohnungen von 2 Zimmern, 1 Wohnung von 2 Zimmern ohne Küche, 1 Lager- oder Fabrikraum, 1 Werkstatt, 1 dreistöckiges Lagerhaus mit Pserdestall und Heuboden, 1 möbliertes Zimmer. __ , Zu mieten gesucht: 35 Wohnungen von 2—0 Zimmern. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen. Es können eingestellt werden: a) bet hiesigen Arbeitgebern: 1 Schmied, 1 jung. Spengler, 1 Installateur, 1 Schuhmacher, 10 Schneider, 1 Friseur. 1 Dausbursche, 6 landwirlschaftliche Arbeiter, Knechte, 2 Wärterinnen. Lehrlinge: 1 Kaufmann. d) bei auswärtigen Arbeitgebern: 1 Dachdecker. 1 Schmied, 1 Müller, 1 'Bäcker, 10 Schneider, 4 Trainagenarbeiten, 3 Dienstmädchen, landwirtschaftliche 9lrbeiter und Knechte. Lehrlinge: 1 Kellnerlehrling. Es suchen Arbeit: 1 Steinmetz, 8 Tchlosier, 1 Eiektronwntenr, 1 Mechaniker, 2 Polsterer nnd Tapezierer. 12 Schreiner, 5 Maurer, 1 Zinimcrmann, 12 Weißbinder und Lackierer, 1 Glaser, 1 Stukkateur, 4 Heizer, 0 Wir empfehlen: Inhcrtt: 5 borschriftsmästig bedruckte Felvpoftbricf- -,. r Umschläge nebst Briefbogen sowie 5 Feld- Postkarten. Aechch. Mheitlliig Gicht«, 2 ?- El □ □ für Stadt und Landkreis Giessen Giessen, Ästenveg 9, nui. Stock Q Sprechstunde: Jeden Donnerstag 6—7 1 /. Uhr abends. [jh] Unentgeltliche ärztliche Untersuchung von Alkohol- A kranken. r Kat und Beistand für sio und ihre-Angehörigen,*auchÄi hinsichtlich der Heilung:. fcj Auch schriftliche Anfragen werden von cler. Trinker-,^|7| Fürsorgestelle beantwortet. v ^Überresten LberheWeiiVülkszeitililg L J öurch: ' «“»*"• von k jenri'etteDavröis j disinöie neue stes eit für alle Haushaltungen f ;■ enthaltend das Emmacsten.Dnshewahren.ston- sewieren.öiL Sbstvenvertung. fruchtweinherstellrttig usm T3 s -1 ,OD> 9 c K e» 3 . k. .... mit Abbildungen. Verlag ^.§cstneU.ivarrnSorf-lLelp;ig. im'funi 19!f. Soeben erschienen: in schwarzer Ausführung Stück 20 Pfg., in kolorierter Ausführung Stück 70 Pfg. Bestellungen erbittet sofort Oberhcssische Volkszeitnng Gießen, SchchMchc 23, Ttlkphoi, 2008.