Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberheffen und der Nachbargebiete. Die Oberdekii!»« vollSecttun, erscheint seden Werktag Abend in Wietzen. Der AbonnenientivreiS beträgt wöchentlich 16 Via., monatlich 80 Psg. einschl-Bringcrlobn. Durch die Post bezogen viertcljäbrl.tbOMk. Redaktion und Trvedltton Glesien, Babnbotl,ratze 23. tkckc LSiveiiaalle. Delevbon 20V8. Inserate losten die 6 mal gcspalt. Nolonelzeile oder deren Raum 16 Psg. Bei grötzercn Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bi» abend« 7 »Kr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 199 Gießen, Samstag den 29. August 1914 9. Jahrgang Deutschland und England. IInS wirb geschrieben: Wie die Stimm« eines Predigers in der Wüste klingen die Worte, di« Graf A. Monts im Berliner Tageblatt über die Beziehungen zwischen Deutschland und England spricht. Zwischen all dem ausdringlichen Patriotismus, der sich ani besten dadurch be- tätigou zu können glaubt, daß er die stärksten Kraftworte gegen die Nationen schlendert, mit doncn Deutschland im Krieg« liegt, tut der Versuch einer ruhigen und sachlichen Erörterung der Vorbedingungen des Konfliktes wohl. Wenigstens andeutungsweise wird hier daraus hingciviesen, wie die deutschen Flottenrüstungen di« — vielleicht unbegründete — Sorge Englands geweckt haben, itnö wi« zahlreich« Entgleisungen rllstung-sbegeistertcr Redner und Zeitungen die Bedenklichkeit der deutschen Flotte für England noch recht ins Licht sehen, sodatz „die gernianische Invasion dem in kontinentalen Dingen höchst kurzsichtigen Turchschnittseiigländer zum Dogma sich gestaltete". lind nicht minder ersreulich ist cs. da» hier ein Mann ous- tiitt, der im Gcd«tken an das, was nach dom Kriege kommt, nicht die Karte zur Hemd nimmt, um mit kühnem Strich dem deutschen Reiche ganze Staaten einzuvcrleibcn, sondern der Hojfiinng Ausdruck gibt, das; das deutsche Volk dem knlturverwandten Engländer» in einer besseren Zei! wieder nahe kommen möge. Aber das alles ist gegenwärtig schlimmer als eine Kchcrci und vielleicht hat es der Graf Monts nur seiner adligen Herkunst und dem Umstand, da» er früher deutscher Botschafter in Rom gewesen ist, zu verdanke», woim ihn die Leute, deren Vaterlandsliebe sich km Lärmen äußert nicht des Hochverrats bezichtiget,. Heute gilt doch mehr als je das Schlagwort vom „perfiden Albion", und wer daran zu zweifeln wagt, da» der König von England und der Staatssekretär des Auswärtigen, Sir Edioavd Gre», Ausbünde von Gemeinheit und Schuftigkeit seien, gerät fast in den Verdacht, mit englischem Golde bestockten zu sein Selbst Männer der Wusni- sck>aft. denen man doch zutrauen sollte, daß sie in der Lage wären, sich ihr kritisches Urteil von dem Geschrei des Tages unbeeinslutzt zu erhalten, ergehen sich in Phrasen, die von vornherein erkennen lassen, datz sic nicht einmal den Versuch einer voranssctzuugslosen Prüfung der llmstän.d« gemacht haben, und datz sic vollständig daraus verzichten, sich, wenn auch nur vorübergehend, in die Gedankeugänge des Gegners zu versetzen. Auch sie sehen mir Unmoral und Ehrlosigkeit. wo es sich doch schließlich auch um Fehler des Intellekts und falsche Berechnungen handeln kann und verdammen den Angeklagten in Bausch und Bogen, ohne datz sie sich viel darum kümmerten, was er wohl zu seiner Verteidigung und Rechtfertigung Vorbringen könnte. Ein besonders krgsicS Beispiel dieser Art. deutsche Gesinnung du betonen, bildet der offen« Brief, den Herr Lorenz Morsbach, ordentlicher Professor der englischen Philologie zu Güttingen, au seine Kollegen in Deutschland verössentlicht. Das; der Professor persönliche Unsreundlichkeiten, die ihm von angeblich ncidersiillten englischen Kollegen zugefügt morden sind, ausdrücklich crioähnt, macht sein Aufirclcn nicht snmpalhischer. und wenn er sich am Ende seines Brieses zu den Worten vcrsteigt, datz der „Ekel und Ingrimm über dieses verside Albion einem zum Halse hcrausivachsc", io kann man über einen solchen Ausbruch besinnungslosen Zorns nur die Achseln zucken und mii Seufzen seststellen. datz cs ein Irrtum war, zu glauben, jene Postkarten, auf denen König Georg von England mit der Unterschrift: „Der Judas von England" dargcstcllt wird, verdankten ihre Entstehung nur der Spekulation eines Geschäftspairioicn auf niedrige Pöbelinstinkte. Aber aus eins möchten wir Herr» Prof. Morsbach und seine Freunde, die davon überzeugt sind, datz die englische Treulosigkeit einen Krieg heranfbeschworen habe, der von niemandem in Deutschland gewünscht worden sek, denn dockt Hinweisen. Die Deutsche Tageszeitung schreibt in einer natürlich sehr abfälligen Besprechung des Manischen Arlikels: „Zum Schlüsse bedauert Graf Monis als „überaus trauriges Ergebnis" den deutsch-englischen Konflikt. Wir unsererseits bc- grützcn^dicscn Konjlikt von ganzem Herzen und wünschen mit derselben Stärke, da» er gründlich und bis znm Ende ansgcsochtcn werde." Einen Krieg, de» inan begrüßt, hat inan auch herbei- gc wünscht, wenn mich für einen anderen Zeitpunkt und unter anderen Umständen. Und mit ihren Worten bestätigt die Deutsche Tageszeitung wenigstens für den Kreis der ihr nahestehenden Politiker durchaus die Auffassung, die der Graf Monts zu bekämpfen de» Mut gesunden hat. Ein Ausfall aus Antwerpen zurück»,eschlagen! W. B. Alts Antwerpen haben vier belgische Divisionen gestern und vorgestern einen Angriff gegen unsere Verbindungen in der Richtung Brüssel gemacht. Tic zur Ab- schlictzung von Antwerpen zurückgclasscncn Kräfte haben diese belgischen Truppen geschlagen und dabei viele Gefangene gemacht und Geschütze erbeutet. Tie belgische B c v ö l k e - r»ng hat sich fast überall an dem Kampfe beteiligt, daher sind die st r c » g st c n M a st n a h m c n zur lltttcrbriicfii;ig Franktireur- und Bandenwesens angewandt worden. Der Gcncralquarticrmcistcr d. Stein. Die alte Stadt Löwen vernichtet. Grostcs Hauptquartier, 27. Aug. (Priv.-Tel. der Franks. Ztg.) Zur selben Stunde, da der Ausfall der Belgier ans Antwerpen erfolgte, versuchte die gesamte Bürgerschaft von Löwen einen offenbar verabredeten llebcrsall aus die anwesenden deutschen Truppen. Tem sofortigen scharfen Ein- Der Krieg. greifen der Deutschen gelang cs nach hartlmckigrm Strastcn- kamps, der Belgier Herr zu werden. Ta sofort in schärfster Form Bestrafung erfolgte, so dürfte heute diese an Kunst- schätzen so reiche Stadt nicht mehr existiere». Der Landsturm wird mobil gemacht! W. I!. Die Sicherung der Etappenlinicn musttc bisher den Armeen überlassen bleiben. Da diese aber für den weiteren Vormarsch die zu diesem Zwecke zurückgclnssciien Kräfte notwendig in der Front brauchen, so hat Seine Majestät die Mobilmachung des Landsturms besohlet,. Ter Landstnrni wird zur Tichernng der Etnppenliiiicn und zur Besetzung von Belgien mit herangczvgeu werden. Dieses unter deutsche Verwaltung tretende Land soll für die Hecresbedürfnissc aller Art ausgenutzt werden, »m das Heimatgebict zu entlasten. Der Geucralguartiermeistcr v. Stein. Belgiens Schicksal. Ein Teil der deutschen Presse fährt fort, die Frage zu erörtern, ivas aus dem Königreich Belgien werden soll, wobei von der Voraussetzung ansgegangen wird, datz Deutschland den Krieg nach allen drei Fronten siegreich zu Ende führen werde. Da der Krieg »och keine vier Wochen dauert und nach menschlicher Voraussicht noch recht lange dauern wird, erscheint eine solche Diskussion reichlich verfrüht: ,uirb sie aber van der einen Seite immer wieder auf- genommen, so kann von der anderen die Antwort nicht ausblciben. Ter Berliner Lskaloiizeiger verüffentlich einen Artikel, in dem die Forderung vertreten wirb, datz ganz Belgien deutsch werden müsse. Das Blatt ist der Meinung, „das; diese vom deutschen Volkshccr zur Strecke gcl'Aichtc Beute auch ganz und ungeteilt dem deutschen Volke gebührt. Temgcgcnüocr möchten wir der Uebcr- zcugung Ausdruck geben, das; das deutsche Volk — das doch nicht ausschlietzlich vom Berk. Lokalanzcigcr repräsentiert wird — diese Beute nichtwilI, und datz es überhaupt seiner ganzen Denkart widerspricht, sieben Millionen Menschen als eine „zur Strecke gebrachte Beute" zu betrachte». Noch schlimmer als die Redaktion des Lokalanzeigers verfährt in einer Zuschrift an dieses Blatt der General z. D. v. Oesterley mit dem geschlagenen Feind. Er schreibt: „Nach meiner Ansicht mutz ganz Belgien deutsch werden — nicht damit einige Millionen Gesindel die Ehre haben, dem Deutschen Reiche anzngchörcn, sondern daniit wir ihre vortreffliche» Häfen haben und damit die Möglichkeit, dem persiden feige» England das Messer unter die Nase zu halten. Sollte es dann noch möglich sein, Holland unter Gewährung gratzer Vorteile zum Eintritt als selbständiger Bundesstaat in das Deptsche Reich zu bewegen, dann würde die Seehcrrschaft des infamen Krämervolkes bald zu Enhc sein. . . Wir beschränke» uns nach Lage der Umstände darauf, ganz sachlich auf die Vcrfchithcit solcher Vorschläge hinzuweiscn. Erstens kann es nicht der deutschen Sache dienen, wenn ein geschlagener Gegner öffentlich in der Weise beschimpft wird, wie cs hier geschieht. Gegen die vom Pöbel verübten Exzesse hat der beste Teil des belgischen Volkes, die sozialdemokratische Arbeiterschaft, öffentlich den schärfsten Protest erhoben — womit ivir natürlich nicht sagen wollen, datz der nichtsozialdcmokratilchc Teil des belgische» Volkes ausschließlich aus Schuften bestände. Es geht auf keinen Fall an und verträgt sich schlecht mit dem schönen Begriff deutscher Ritterlichkeit, ein ganzes geschlagenes Volk als „einige Millionen Gesindel" zu bezeichnen. Zweitens wird die moralische Position Tciitschlands dadurch geschädigt, das, die wicdcrbait von matzgcbcndcr Stelle erfolgte Erklärung. für Deutschland handle cs sich um einen Vcrtcidiguugs- u i ch t n m einen Eroberungskrieg, in solcher Weise Lügen gestraft ivird. Die Zahl und Stärke der gefährlichen Feindschaften. mit denen das Reich zu kämpfen hat, wird durch solche Drohungen erhöht, die Kraft feindliche» Widerstandes bis zur Ver- zwcislunq gesteigert. Ten Gegnern wird billiger Anlas; gegeben, den Verdacht auszustrcucn, datz die Selbständigkeit.auch der andern neutralen Kleinstaaten von Deutschland bedroht werde. Drittens, die E i » i g k c i t des deutschen Volkes, die in dieser harten Zeit »ncrlätzllchc Voraussetzung des Sieges ist, wird in unverantwortlicher Weise gefährdet, wenn mit dem Anschein einer gcwisicn Offiziosität über das Ziel des Krieges Ansichten ausgcsvrochcn werden, denen ein großer Teil des deutschen Volkes, wir glauben seine aewaltige Mehrheit, aufs äußerste widerstrebt. Seit dem 18. Jahrhundert, nicht zuletzt durch die Lehren des großen deutschen Philosophen Imaiiucl Kaut, ist der Satz zum Gemeingut aller zivilisierten Geister geworden, daß man Menschen niemals als eine Sache, als ei» bloßes Mittel zu fremden Zwecken mitzbranchc» darf. Wer diesen Satz als richtig anerkennt, wird ein geschlagenes Volk niemals als eine gute Beute betrachten, wird cs niemals als eine Sache behandeln, die man einfach in die Tasche steckt. Kein Sozialdemokrat, kein wirklicher Liberaler, kein moderner und humaner Men ich iviirdc diese Politik billigen können, die zu seine» heiligste,, sittlichen Uebcrzeugungen in schärsstcm Widerivruch steht. Als mau »ns aufrics. in den Krieg zu ziehen, als mau von uns alle Opfer verlangte, die der Krieg fordert, und alles von allen be- ivilligt wurden, da hieß es. wir zögen in einen Verteidigungskrieg für eine gute und gerechte Sache. Und dabei mutz es bleiben! Eine offiziöse Abwehr der Annektions-Phantasten. In einem Teile der bürgerlichen Presse treiben nnvcr- antwortlichc Schreier ihr Unwesen, indem sie sich daran machen, noch bevor der Krieg recht begonnen, die feindlichen Länder aufzuteilcn. Von Berliner Blättern sind es hauptsächlich der Lokalanzciger und die Post, zeitweilig auch die Deutsche Tageszeitung, die cs nicht abwartcn können, die Felle der noch nicht erlegten Bären zu verteilen. So phantasierte beispielsweise der Bcrl. Lokal.-Anz. davon, daß Belgien unter allen Umständen deutsch werden und Holland als unabhängiger deutscher Bundesstaat gewonnen werden müsse. Tie Post ist ungehalten darüber, daß der Fcldmarschall v. d. Goltz nicht gleich zum Statthalter von Belgien, sondern nur zum General-Gouverneur ernannt worden ist, und ähnliche. von ebensoviel Taktlosigkeit wie Ueberhebung zeugende Aeußerungen tauchen bald hier, bald da auf. Hiergegen richtet sich nun offenbar ein längerer Artikel in den vielfach offiziös benutzten Bcrl. Pol. Nachr. Es heißt darin: „Der Deutsche Kaiser hat i» feierlicher Stunde erklär!, das; er das Schwert nicht i» die Scheide stecken werde, wen» er cs nicht in Ehren könne, wenn er nicht den Feinden Dcuischlands den Frieden diktieren könne. Dieses Wort soll und nuitz volle Wahrheit werden Das suhlt jeder Deutsche, das will jeder Deutsche, und jeder Deutsche will auch, datz für die namenlosen Opfer au Gut und Blut, an Mcnschcnglück, Volkskraft und Arbeitsertrag, die dieser ungeheure Krieg kostet, ein vollwertiges Entgelt, soweit es möglich ist, hercingcbracht wird. W i e dieser Forderung, die ein unerschütterliches, unter allen Umständen Befriedigung heischendes Gemeingut der gesamten Nation und ebensosehr unbedingt zwingendes Gebot unserer Selbsterhaltung ist, Genüge zil geschehen hat, darüber wird zu best »den sein, ivenn unsere Gegner niedergeworfen sind. Es wäre nicht nur zwecklos, es wäre auch politisch unklug, und unverantwortlich, in Betrachtungen über die Fragen, die dann zu entscheiden sein werden, vor der Zeit einzutrcten. Deutschland hat nicht an Krieg gedacht, seine auswärtige Politik war von. ausgesprochener Friedensliebe getragen, seine Bc- miihuiigxn sind unausgesetzt darauf gerichtet gewesen, mit seinen Nachbarn im Osten und Westen in angenehmen Beziehungen zu leben und diese Beziehungen so vertrauensvoll als nur möglich zu gestalten. Das Deutsche Reich führt einen Krieg, der ihm durch den Neid und Satz seiner Gegner aufgczwungen ist, es fuhrt keinen Angriffs- und keinen Eroberungskrieg, und deshalb soll durch vorzeitige Erörterungen über dic Friichtc dieses Krieges für Deutsch- lau d unseren Feinden keinerlei Handhabe geboten werden, zu den tausendfachen Lügen, die sic bereits in die Welt gesetzt haben, auch noch die Luge hinzuzufiigcn, das; Deutschland der Friedensstörer, der Angreifer, die auf Eroberungen ausgehende Macht sei. Wie das deutsche Volk in den erste» zwei Wochen quälender Ungewißheit nicht von den, Siege der deutschen Waffen gesprochen hat, an den doch jeder felsenfest glaubte, ebenso möge cs schweigen von dem, was geschehen mutz, um die Wiederholung eines so feigen und hinterlistige» Uebcrfalles, wie ihn der Dreiverband und seine Trabanten jetzt ins Werk gesetzt haben, ein siir allemal zu verhindern. Tic Zeit wird kommen, wird hoffentlich bald kommen, wo deswegen nicht nur zu reden, sondern zu handeln ist." Es hätte nicht geschadet, wenn die Zuriickweisnng der Anncktionsgclüstc noch etwas schärfer und deutlicher erfolgt wäre. Die deutsche Regierung würde damit nur erneut bestätigt haben, daß sie in der Tat keinen Eroberungskrieg führt und führen will. Ans Belgien. Die VeiwaltunF Dentsch-Vclgieus. In Brüssel nimmt das Leben unter deutscher Kontrolle wieder seinen gewöhnlichen Gang an. Auf dem Rathaus weht die deutsche Flagge. Das Ohvrbergamt Bonn entsandte den Obcrbcrgrat Licsenhoff für Belgien, soweit cs bereits deutsch ist, nach Lüttich. Tie Verluste der Bel,zier. Wie das Algemecne Handclsblad in Amsterdam der Ant- wcrpcncr Zeitung La Mötropole entnimmt, hat ein hochgestellter belgischer Lssizicr sich über die belgischen Verluste geäußert. Er schätzt die Zahl der Toten und Verwundeten auf 10 000. Vor allem hätte das Ofsizicrkorps stark gelitten. 'Verschiedene Kompagnien sollen alle ihre Lfsizicre verloren haben. Rückkehr deutscher 2taatsattgehöri,zer »ach Brüssel. Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps gibt.bekannt, daß allen deutschen Staatsangehörigen, die vor Beginn des Krieges ihren dauernden Wohnsitz in. Brüssel hatten, die Rückkehr dahin frcigestellt ist und daß siir die Rückkehr ein deutscher Paß oder eine Bescheinigung der Drtspolizcibchördc genügt. Das Einbolcn eines besonderen Erlaubnisscheines des Generalkommandos ist somit nicht erforderlich. Was ßd)t i» Lüttich vor? Die Köln. Ztg. meldet, daß die Stimmung der Lütticher Bevölkerung höchst bedenklich sei. Am Freitagabend sei aus einem Hause am Fischer Stagen ein Schuß abgegeben worden. Sofort traten deutsche Maschinengewehre in Tätigkeit und schossen etwa zwanzig Häuser zusammen, deren Bewohner getötet wurden. Kurz darauf wurden etwa zehn Häuser am UniversitälSplatz cingeäfchert. Als der Brand einen großen Umfang anzunchmen drohte, wurde die Feuerwehr gerufen, die ein weiteres Umsickgreisen verhinderte. Standrechtlich erschossen. Fünf belgische Franktireurs wurden vom Kriegsgericht in Trier wegen entsetzlicher Greueltatcn zum Tode, ein Junge zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Das Todesurteil an den fünf wurde Mittwoch morgen auf den Matheiscr Schiessständen vollstreckt. Zeppelin über Antwerpen. Zerstörung der Gasanstalt. Aus dem Großen Hauptquartier, 27. August, wird der Franks. Ztg. geschrieben: Im Anschluß an die Meldung von dem Erscheinen eines Zeppelins über Antwerpen inöchtcn wir noch bemerken, daß es dem Luftschiff gelang, durch einen Wohl- gezielten Wurf die Gasanstalt zu zerstören. Man konnte die Wirkung dieses Wurfes daran erkennen, daß plötzlich sämtliche Lichter in einer Hälfte der Stadt erloschen. Ter Zeppelin wurde von den Belgiern heftig unter Feuer genommen, jedoch nicht getroffen ,und traf gänzlich unversehrt am 23. morgens um 4 Uhr auf dem Hciniweg über Lüttich ein. Aus Frankreich. Unzusriedenheit der französischen Presse. In der französischen Presse beginnt man nach Mitteilungen der Frankfurter Zeitung, den offiziellen Kricgsnachrichten bereits Misstrauen cntgcgcnzubringcn. Blätter wie Matin, Tcmps, Humanite und Petit Journal beklagen sich über die Abfassung der offiziellen kommunigues, die keine aenügendc Vorstellung von den Ereignissen gäben, auf die sie Bezug hätten. Es werde vieles verheimlicht, was gleich hätte gesagt werden können. Man erfahre cs erst durch auswärtige Blätter. Daher seien dann Berichtigungen oder Dementis, wie bei der Schlacht in Lothringen, nötig. Man solle sich davor hüten, die Oesfcntlichkcit zum Skeptizismus zu verleiten, indem man ihr nur einen Teil der Wahrheit sage. Schutzmatznahme» im Louvre. Im Pariser Louvre werben seit drei Wochen umfassende Massnahmen getroffen, um die Kunstschäbe vor Bomben der Zeppeline zu sichern. Sic wurden in. eiserne Kisten verpackt. Tic Statue der Venus von Milo und das Bild der Joconda wurden in Stahlkammern cingeschlosse». Der griechische Saal mit den Meisterwerke» des Phidias ist ganz mit Sandsäckcn ausgclcgt worden. Tie oberen Stockwerke des Louvre wurden ausgcräumt und in ein Lazarett umgcwandelt, von dem die Flagge des Noten Kreuzes weht. Zahlreiche Gemälde wurden aus der Luxembourg-Galerie in bas ehemalige Pricsterscminar an der Place St. Sulpice geschafft. Französische Stimme» über die Niederlagen in Belgien. Ter Tcmps, der die drei ersten Tage der grossen Schlachten in Belgien kommentiert, gibt zu, dass es den Franzose» nicht gelungen sei, die deutsche, von einer Million Kämpfer gebildete Linie zu durchbrechen und dass sic sich infolgedessen hinter ihre Deckungs- stcllungcn zurückziehen müssten. Die Hoffnung, durch einen entscheidenden Erfolg diesen Krieg zu eröffnen, sei also enttäuscht worden. „Journal des Debats" schreibt: Nach blutigen Kämpfen hat unsere Offensive in Belgien darauf verzichten müssen, die deutsche Linie zu durchbrechen. Das ist ein Misserfolg. General Joffre handelte richtig, den Kampf cinzustellcn, ehe er in eine Niederlage ausartcte. So sind wir geordnet in die Verteidigungsstellung ein- gerllckt. Die Zeppelinbomben. lieber die Wirkung der Zeppelinbomben wird dem Berl. Lokal- enzerger aus dem grossen Hauptguortier von gestern gemeldet: Vmi Namur z-uriickgekehrt, sahen wir in der Stacht von, 24. zum 25. August einen Zeppelinkreuzer Uber Lüttich, der in Fahrt nach Antwerpen befindlich war. Seine dortige Tätigkeit hatte durchschlagenden Erfolg. sowohl, was den angerichtetcn Schaden betrifft — di« dortige Gasanstalt wurde zerstört —, als auch in bezug aus den Eindruck, den di« Unternehnning nanientlich in England hervorgerufen hat — Morgens gegen 4 Uhr kehrte der Zeppelin, obgleich heftig beschossen, über Lüttich uUnerschrt zurück, um seinen Hasen in Deutschland mif- zu suchen. Oesterreich und Italien. „Anvgezeichnete Beziehungen." Die Agenzia Stcfani meldet: Die von dem Petit Parisien um 23. August veröffentlichten Meldungen entbehren jeder Begründung. Die Beziehungen zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn sind ausgezeichnet. Das offiziöse Wiener Fremdcnblatt tritt der Ausfassnng entgegen, daß der Dreibund erschüttert sei, weil Italien neutral bleibe. Wenn Italiens Stellung im Mittelmccr be- festigt werde, sei das auch fiir seine Bundesgenossen wertvoll. Seit dcni Kriegsausbruch ist dies die erste sympathische Aeußerung gegen Italien, aus der auf eine Klärung des Verhältnisses geschlossen werden kann. Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 46 Hclgestads Jacht war jedoch keineswegs die erste nord- kändische, welche in diesem Jahre den Weg hierher fand; dicht an der deutschen Brücke ankerten schon eine Anzahl, allein sie war das erste Fahrzeug aus den Finnmarken, und kaum hatte sic den Hafen erreicht, als langhallcnder Jubel sie empfing. Bergen war damals, wie auch noch jetzt, die vornchniste And reichste Hafenstadt in Norwegen. — Zwischen sieben hohen Bergspitzen breitete es sich im Halbkreise um das ge- räumige Wasserbecken aus, mit welchem der Fjord hier schließ: und den schon im Mittelalter und zur Zeit der Hansa weit- berühmten Hafen bildet. Die deutschen Kansleute, welche Bergen gründeten, hatten die Stadt beinahe zu einer deutschen gebracht. Oftmals hatten hier große Kriegsflotten ge- ankert und die Macht ihrer Landsleute unterstützt. Der Handel niit Hamburg und Lübeck zog Kauffahrcr zu Tausenden, jahraus, jahrein, hierher, wo Holzhandel und Fischhandel reichen Gewinn für die eingeführten Produkte boten. Wie Deutschland noch jetzt zum größten Teil Norwegen mit allen möglichen Waren versorgt, so war der norwegische Han- del dainals in noch höherem Grade in deutschen Händen, und obwohl die Zeit längst aufgehört hatte, wo Bergen eine Eroberung genannt wurde, obwohl es kein deutsches Kriegsschiff mehr gab, die Macht der stolzen Hansa längst gebrochen und begraben lag, und die Norweger in Bergen selbst die stolzen deutschen Handelsherren niit dem Schwert in der Hand unterworfen und zu friedlichen Mitbürgern gemacht hatten, so war dennoch der größte Teil der Kauflcute deutsch, und die reichsten und ersten Handelshäuser, die mächtigsten Speicher und Warenlager gehörten deutschen Besitzern. Nach dem österreichischen csiege. Die Presse Wiens spricht ihre Genugtuung darüber aus, daß die Russen nach den anmaßenden Aeußerungen Sasonows in der Rcichsduma von dein absichtlich verächtlich behandelten Oesterreich solche Schläge bekommen, die die Ucberlcgenheit unserer Waffen beweisen. Der moralische Eindruck auf die slawische Welt und den Orient sei vielleicht noch höher zu bewerten als der strategische Erfolg. Oestcrreichischc Waffentaten. Aus dem Kriegs-Prcsseguartier wird amtlich gemeldet: Tie aus Hvnvcb-Kavallcric bestehende fünfte Armeedivision hat am 18. August die Aufgabe erhalten, die russische Grenzstchcrung um Zbruz zu durchbrechen, um festzuflellen, ob sich dahintef stärkere Kräfte befinden. Bei diesem Versuch stieß unser« Kavallerie auf überlegene fci-ndliche Kavallerie, die von Infanterie Miterstützt wurde. Ter Feind wurde trobbem-zu die Flucht getrieben und verfolgt, bis sich russische Verstärkungen in befestigter Stellung zeigten, die sofort vmi den Honvcds angegriffen wurden. Dabei haben dies« grössere Verluste erlitten. Mit der Feststellung stärkerer russischer Kräfte in dieser Gegend war die Ausgabe gelöst. Tie Hon- vcds, die sich darauf in Satanow cinquarticrt hatten, wurden nachts von den Ortsbewohnern überfallen und zum Teil getötet, Ter Ort wurde infolgedessen strafweise niedcrgebrannt, Etn« genaue Angabe der Verluste ist noch nicht möglich. Italien protestiert gegen die Annektion Aegyptens. Tic Mailänder Union« erfährt, daß Italien die Prokla- micrung Aegyptens zu einer englischen Kolonie nicht zulasscn könne, und dadurch zu Gegenmaßnahmen wider seinen Willen gezwungen wurde. Italienische Lobsprüche. Die Tribuna veröffentlicht einen Bericht von soeben in Rom eingetroffencn Italienern über die ersten Kricgswochen in Berlin, der ganz erfüllt ist von Bewunderung über die patriotische Begeisterung der Bevölkerung, die Ordnung und Präzision der Mobilisierung und Truppenbeförderung und voller Anerkennung fiir die Behandlung der Fremden, auch der feindlichen Staatsangehörigen. .j Russische Hetzarbeit. Unter dem Titel „Die russischen Agenten an der Arbeit" führt das sozialistische Organ in Sofia aus, dass die russischen Panslawisten die hiesigen Rnssophilcn mit Telegrammen überschwemmen, »m Bulgarien znm Bruch der Neutralität zu überreden. Zugleich wurden mit russischem Gold von der hiesigen russischen Gesandtschaft inspirierte Hetzblätter verbreitet welche gratis verteilt werden. Das Blatt erklärt: Wir wenden uns mit Abscheu von dieser verbrecherischen Agitation ab, wir verachten die Werkzeuge des despotischen Russlands und protestieren energisch gegen den Verrat, der damit an dem Frieden und der Freiheit Bulgariens begangen wird. Die türkische Mobilmachung. Aus Wien wird mitgcteilt, daß die türkische Mobilmachung sich nicht gegen Griechenland richte. Die deutsche Militärmission bleibt weiter in türkischen Diensten und zwar ist der Leiter der deutschen Militärmission, General Liman Pascha, für die europäische Türkei bestimmt. Gegen diese Ernennung haben die Botschafter Rußlands und Frankreichs bei der Pforte Vorstellungen erhoben, die aber unberücksichtigt geblieben sind. Besorgnisse in Petersburg. Telegraaf meldet aus London: Nach Telegrammen anS Petersburg hat die Nachricht, daß sich die französische Armee zurückziehcn mußte, dort große Besorgnis erweckt. Englische Prahlereien. Die Zeit erhält auf Umwegen die Times vom 42. August, deren militärischer Mitarbeiter schreibt, der FcldzugSplan Kitchencrs sehe einen langen Krieg vor. Kitchcncr fordere 500 000 Mann, um den Krieg fortzuschen. wenn die anderen Mächte erschöpft seien. Beim Friedensschluss müsse England allein das massgebende Wort sprechen. Selbst wenn alle Verbündeten zerschmettert würben, müsse England den Kamps fortseben, bis der Feind nicdergcbrochcn fei und da Russland mit dieser Methode nbcrcinstimmc, dürfe England auch bei einer vernichtenden Niederlage der Franzose» nicht den Mut verlieren, England sei eine Dogge, die ihre Fangzähne nicht eher lockere, als die Beute nicht wehrlos am Boden liege. Zum Untergang der „Magdeburg." Ter 4911 vom Stapel gegangene kleine Kreuzer „Magdeburg", ein Schwestcrschisf der „Breslau", die sich im Mittelmeer ausgezeichnet hat. ist eines der modernsten Schisse dieses Typs (4550 Tonnen Wasserverdrängung, Armierung 12 10 Zentimeter-Geschütze), das die deutsche Flotte besaß. Nicht Die lange Häuscrreibe an der Westseite des Hafens, vor welcher die Ausladeplätze sich hinzogcn, wurde die deutsche Brücke genannt, und hier ankerte die Nordlandsflotte alljährlich zu verschiedenen Malen mit ihren Stockfischen und Salzfischen, ihrem Lebertran, ihren Pelzen und Federn, hier luden auch die zahllosen Hcringsjachten ihre Beute aus, wenn, noch in halber Wintcrzcit, der reiche Fang bei Sküdcsnäcs im Gange war, und hier, in den engen tiefgewölbten Kontoren, wurden gewinnbringende große Geschäfte nach allen fernen und nahen Ländern Europas seit Jahrhunderten abgeschlossen. Die ganze Südseite des Hafens zeigte sich dagegen eingefaßt von ungeheuren Speichern, welche, über den Meercsarm hinausgebaut, so eingerichtet waren, daß aus ihren zahlreichen Stockwerken die unter ihnen ankernden Schiffe sofort beladen werden konnten. Hatten die Jachten an der deutschen Brücke ihre Vorräte ans Land geschafft, so steuerten sie dafür unter die Speicher des Kaufmanns, der die Ladung genommen, um mit den verschiedenartigsten Waren gefüllt zu werden, die sie nach Nordland und Finnmarken zurückschifstcn. — In der Mitte des weiten Hafenbeckens endlich lagen die Schisse aller Nationen, Franzosen und Italiener, Spanier und Portugiesen, samt den zahlreichen deutschen Fahrzeugen, welche auf die Ankunft der Nordlandsflotte warteten, und deren Mannschaft den großen Bergenfahrer jetzt mit wcithallenden Hurras begrüßten. Marstrand betrachtete voin Verdeck ans voll freudiger Empfindungen das Tal, die Stadt, den Mastcnwald und die Menschen. — Ter Mai hatte hier schon den vollen Frühling gebracht. Da lagen Gärten und grüne blumige Auen, da lagen Landhäuser unter laubigen Bäumen, da zogen schöne Anpflanzungen und Frnchtfelder sich von Bergabsatz zu Absatz bis an die nackten Glimmcrmassen der Felsgipfel empor, aus deren Vorsprüngen die Forts Bergcnhans und Friedrichsborg einem, wenn auch zufällig iin Augenblick des KainpfeS"ül>tzvj legencn Feind ist das schöne Schiss zum Opfer gefallen, foru dern einem Unfall, der in so überaus schwierigen Gewässern, wie cs die Jnselgcbiete des finnischen Meerbusens sind, und bei Nebel jeden bedroht, der etwas wagt. Die Tapferen, di« das Schiff dem Feind entgcgcnführten, haben bis zum letzter! Augenblick ihre Pflicht getan. . Protest der Sozialisten gegen Englands Krieg. Aus den nun vorliegenden englischen Zeitungen gewinnt man cm anderes Bild über die letzte Sitzung des Unterhauses, in dct Grcy die Teilnahme an dem Kriege verkündete. Zunächst kamen die Zustimmungsrufe vorwiegend von der Rechten, wenn Grey „Englands Ehre" als entscheidendes Moment anricf, während die Linke schwieg und nur ihren Beifall ausdrücktc. als der Redner erwähnte, dass England unter der ietzigen Krise dis zum vorigen Tage lSonntag, den 2. August) Frankreich nichts anderes als eine diplomatische Unterstützung zugcsagt hatte: auch dass England keineswegs eine derartige Ehrenpflicht gegen Franko reich hätte wie dieses gegen Russland, lind als er die Worte sprach: „Wir haben viele Jahre hindurch eine erprobte Freundschaft mit Frankreich gehabt", da wurde er durch den Zuruf unterbrochen: „Und mit Deutschland!" Die Opposition griff auch nicht de» Schutz der belgischen Neutralität, sondern den Gesichtspunkt der Ab4 wehr der deutschen Gefahr in der Rcgierungspolitik an. Ter erste Redner, der Führer der Arbeiterpartei Ramsay M a c d o n a l d, hätte die Regierung darin unterstützt, wenn sie sich darauf beschränkt hätte, Belgiens Neutralität wahren zu helfen) nicht aber nur um Frankreichs und Russlands willen zu den Waffen zu greisen. „Gre» hat davon gesprochen, was „Englands Ehre" erforderte", führt Macdonald aus und fuhr sodann fort: „Es gibt wohl keinen Krieg, auch nicht den verbrecherischsten, für den nicht Staatsmänner die Ehre der Nation berufen hätten. So war eS mit dem Krimkrieg, so mit dem Burcnkricg und so ist es jetzt. Was hat cs für einen Sinn, zu sagen, dass wir Belgien helfen müßten, wenn wir in Wahrheit uns in einen Krieg ein-q lassen, der Europas Karte ändern muh? Grcy hat nicht ein Wort von Russland gesprochen: aber man möchte auch gern darüber ein Wort hören. Wir möchten eine Vorstellung davon haben, was geschehen wird, wenn die Macht in Europa an Rußland übergeht. Unsere Freundschaft mit Frankreich, auch so wie Grcy sie schildert, kann keines der Länder berechtigen, sich um des anderen willen in einen Krieg cinzulasicn. Der Gedanke, dass Frankreich in Gefahr käme, aus Europa vertilgt zu werden, dass cs nicht mehr seine Rolle in der Zivilisation spielen könnte, i st eine absolute Absurdität: Grey hatte ja auch gesagt, dass Frankreich imstande wäre, sich selbst zu verteidigen. Aber der Gedanke selbst ist eine Ungereimtheit und kann keineswegs ein Eingreifen in den Krieg von unserer Seite rechtfertigen. Ich weiß, dass wir die Majorität des Hauses gegen uns haben: aber so war cs auch beim Burenkrieg, und darauf folgte der grosse Um* schlag von 4000. Wir bereiten uns nun darauf vor, dasselbe durch« zumachcn wie damals. Was auch geschehen mag und welchen Angriffen wir auch ausgesetzt sein mögen, so werden wir doch immer wieder sagen, dassEngland hätte neutral bleiben müssen, weil wir ans innerstem Herzen überzeugt sind, dass dies das Richtige gewesen ist und das eiinige, das mit der Ebrr der Nation »nd den Traditionen der jetzige» Regierungspartei übcrcingestimmt hätte." K e i r H a r d i c von der Arbeiterpartei setzte die Kritik acaen GreyS Politik fort. Der bekannte Friedensfreund Morel! änsscrie, dass die wirkliche Ursache zu Englands Einmischung der von der föderalistischen Presse grossgezogenc Neid und das Misstrauen gegen Deutschland wären, „Wenn wir setzt in den Krieg gehen, so tun wir das ebenso sehr, um den russischen Despotismus zu bewahren, wie um Deutschlands ehrgeizige Pläne zu brechen. Und so wenig Sympathie ich für Deutschland und deutsche Rc« gierungsmcthodcn habe, so habe ich doch noch geringere für Russ« jand »nd russische Rcgierungsmcthoden," In ähnlicher Weis« sprach der Liberale Ponsoby, Campbell-Bancrmanns Nachfolger in Stirling Burghs: „Wir stehen vor einem grossen Kriege und es ist widerwärtig, z» sehen, wie sich Leute leichten Herzens dareinfinden, Das Kriegsficber hat schon begonnen." Der Redner schilderte die Strassendcmonstrationen vor dem Kricae. wie halb« trunkene Schreihälse von den Balkons der feinen Klubs aufge- muntcrt wurden. Das nennt man Patriotismus! Sir Edward Grens Rede zeigte, wie der Unwille gegen Deutschland viele Jahre lang wie eine Eiterbeule gewesen ist: jetzt ist er zum Ausbruch gekommen". Andere Redner wiesen auf die Not und das Elend siirden ärmeren Teil besBolkeS hin, die der Krieg im Gcsolge hätte: wenn der Hunger käme und die Masten nicht Brot kaufen könnten, würden sie cs selbst nehmen« und dann stände die Revolution vor der Tür. Diese Reden der Opposition geben doch ein wesentlich anderes Bild von der Stimmung des Unterhauses als die offizielle Bureau- mcidung, die nur den Teil von Macdonalds Rede enthielt, der de« Schutz der belgischen Neutralität billigte und deshalb wie ein Anschluss an Grey ausschcn konnte. Die Landwirtschaft und der Krieg. Mit dem Nachlassen des Futtermittelangcbots ist die Schweinemast erheblich eingeschränkt worden. Die Westfälische Landwirtschaftskammcr macht jetzt darauf aufmerksam, daßj ihre weißglänzenden Mauern ausstrcckten. Ein paar Kanonenschüsse fielen von der Hafenbatterie, bunte Flaggen ivehtcn von den Häusern der Kauflcute und von Schonern, Briggs, Galeassen, Barkschiffen und Fregatten, an deren Linie die Jacht vorüberging, um ihren Platz an der Brücke einzunehnicn, Ueberall gab es Tätigkeit, Matrosengesang an Winden und Krahnen, Geschrei und Grüße aus den Booten, Willkommenruf von alten Bekannten, Erkundigungen »nd Fragen, Gelächter und Glückwünsche. Marstrand fand sich plötzlich ans Klippen und Mccreswogen wieder in di« zivilisierte Welt versetzt, und er streckte ihr seine Hände entgegen wie einem alten teuer» Freund, der uns unerwartet in einer Wüste begegnet. Noch che jedoch die schöne Jlda ihre Tone an 'einem detz mächtigen Hafcnblöcke befestigte, war ihr Deck init einer Anzahl alter und junger Männer gefüllt, die sich an Bord rudern ließen oder von einer Jacht in die andere sprangen, bis sie glücklich ihr Ziel erreichten. Es waren Makler und Kauf- lcutc, die Neues hören wollten, Helgcstad mit Fragen bestürmten, ihn über den Ausfall der Fischernte auf den Le* fodcn ausforschten und seine Anssprüche, die so vieldeutig und ungewiß waren, wie seiner Zeit die des delphischen Orakels, mit Scherz und Ernst, Gelächter und Verwünschungen beantworteten. Der dänische Ansiedler von Balsfjord hatte inzwischen von fern gestanden und dem Getümmel zugeschaut, bis sein« Aufmerksamkeit sich ans einen Mann richtete, der erst ani Bord erschien, als die meisten sich wieder entfernt hatten. Hastig stieg er über die ansgcspanntcn Seile, bis er Helge- stad erreicht hatte, dem er schon von fern seine Arme entgegenstreckte und ihn in vertrauter Weise anredete. (Fortsetzung folgt.) . ein Mangel an Fnttergerst- nicht zn bcsiirchtcn sei. Sic schreibt: Es bestcht kem Zweifel, Last der Absatz auSgeuiästetcr S-blachtschweine zu besseren Preisen sich sehr bald Icb- bafier gestalten wird, wenn die bei der Heeres- und Flotteiivcr- waltnng vorhandenen ersten Vorräte aufgczchrt sein werden und auch die innere Volkswirtschaft iviedcr in geregelte Bahnen gekommen ist. Außerdem wird besonders bemerkt, daft ein vollständiger Mangel an Jnttcrgcrste zurzeit noch nicht vorlicgt und auch nicht zu befürchten ist: im Gegenteil besteht begründete Hoffnung, Last eine Zufuhr von Futtergcrstc und Mais nach Westfalen, wenn auch in beschränktem Umfange in allernächster Zeit eintreten wird. Während des Krieges wird sich die Hoffnung, daß die „innere Volkswirtschaft wieder in geregelte Bahnen kontnit", wohl nicht verwirklichen. Ter Hinweis auf die besseren Preise deutet an, worauf gewartet wird. Ein Artikel des Westfälischen Volksblattes, der die Landwirte ersucht, Roggen für die Schweincfiitterung zurückzu- behalten, schließt: „Möge der Bauer jetzt beweisen, daß er Verständnis für seinen eigenen Vorteil und für das Wohl des ganzen Landes hat." — Diese Hcrans- kehrung des eigenen Vorteils wirkt in dieser Zeit recht anziehend. Ein Musterpatriot ist übrigens auch der Gutsbesitzer Schaible-Jagstzell in Württemberg, der seinen Bcrufsgenossen im Schwäb. Merkur u. a. folgende Ratschläge erteilt: „Vorerst noch keine Kernen, Kartoffeln, Heu »nd Ochmd an Händler zu verkaufen, bisnnsercTrnppen weitere Erfolge errungen haben, wodurch auch die Preise besser werden. . . . Schlachtvieh nur zn guten Preisen und nur gegen Barzahlung abzusetzcn. . . . Zur Unterstützung des Roten Kreuzes — wenn and) kein Bargeld — so doch Gaben in landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu stiften." Schaible, der in Wllrtteinbcrg als ein Hauptsührer des Bundes der Landwirte bekannt ist, versichert, daß der Bauer bei Befolgung dieser Ratschläge dem Vaterland fast so viel nützen könne, wie der Soldat ini Felde. Uns will scheinen, als ob er bei der Veröffentlichung der Ratschläge noch inten- sivcr an den eigenen Geldbeutel als ans Vaterland gedacht hätte. In einer Zeit, in der die Mühlen wegen Mangel an Korn teilweise stillstchen und die Mehlpreise bereits erschreckend gestiegen sind, soll der Bauer seine Frucht zurückhalten, „bis die Preise besser werden". Ein patriotischer Gemütsmensch, der solchen Rai erteilt. Und ein ebenso edel ge- sinntes Blatt, das den Rat weiterverbreitet. Keine Zertrümmerung des Arbeiter- schntzes in der Kriegsnot. Der Staatssekretär des Innern hat den Antrag des Ver- rincs der deutschen Zuckcrindnstric nbgclchnt, allgemeine Ausnahmen von de» Vorschriften der Gciocrbcordnnng über die Beschäftigung von Arbeiterinnen »nd jugendlichen Arbeitern zu gewähren. Tic Ablehnung wird wie folgt begründet: Es sind zur Zeit noch zahlreiche arbeitslose Arbeitsfähige vorhanden, die zunächst Beschäftigung finden müssen. Tic öffentlichen Arbeitsnachweise, die Arbeitsnach lvcisvcrbändc nnd lebten Endes die Reichszcntralc der Arbeitsnachweise im Rcichsnint des Innern sind ans Erfordern in der Lage, den Zuckerfabriken Arbeitskräfte nachzuwcisen. Zur Linderung der Kriegöuot I»,! die Landes vcrstcheruuqsanftailt Berlin 5 Millionen Mark auS- geworsen, Ter Vorstand der LandesversichcrungSanitalt soll aus diesen Mitteln bedürftige Versicherte unterstützen. Tie Unter- stüdungsaktton soll sich in erster Linie aus die Fami'leeu solcher Versicherten beziehen, welche infolge von Arbeitslosigkeit in ein« Notlage geraten sind. In briitgenden Notfällen werden auch Familien der zum Kriegsdienst e i n ge z o ge n c n Versicherten unterstützt. Auch an einzelstehenden Personen kann im Falle dringender Notlage Unterstützung geleistet iverdcn. Kriegslazarctte in E-ewerkschaftshäuscrn. Auch das Lokal der organisierten Arbeiter von Halle an der Saale, der Volkspark, ist an die militärische Sanitätsbehörde zum Zwecke der Einrichtung eines Kricgslazaretts verpachtet worden. In dem großen nnd zwei kleineren Sälen werden 200 Betten zur Aufstellung gelangen. Tic ausgezeichnete ruhige Lage d^s Lokals inmitten eines großen Gartens geben Veranlassung zu der Bestimmung, daß der Volkspark in er st er Linie belegt werden soll. Tie Beköstigung der Verwundeten ist der Verwaltung des Hauses übertragen worden. Für Restaurations- und Versammlnngs- zwecke bleiben ausgedehnte Parterreräumlichkciten srci. Tie Arbeiterschaft von Halle hat ihr Lokal dem Reich zur Pflege der Verwundeten gern zur Verfügung gestellt. Einigcrniaßcn erstaunt ist sie nur darüber, daß das Militärvcrbot gegen den Volkspark merkwürdigerweise bis zur Stunde noch nicht aufgehoben worden ist. Ein Prcstcprozeß von dem Kriegsgericht. Vor dem Kriegsgericht in Münster hatte sich der vor einiger Zeit verhaftet« Redakteur und Verleger Josef K lostermann ans L-arendors, der die unabhängig katholische Westfälische Ruud- schau hcrausgab, zu veranNvorten. Er solllc, wie cs in der Auklage hie«, in seinem Blatte Artikel veröffentlicht l>aben, die das Publikum beunruhigten nn-d die Militär- und Zivilbchördcn irreführten, Tas Kriegsgericht stellt« sich aus den Standpunkt, dast nur grober Unfug vor!lege und verwies die Sache au das Schöffengericht in Waren- dors. Klostermann wurde aus der Haft entlasten, Opfer der Gemeinden. Die Breslauer Stadtverordnetenversammlung beschloß sn ihrer gestrigen geheimen Sitzung laut Breslauer Zeitung, Höchstkredite im Gesamtbeträge von rund 22y 2 Millionen Mark bcreitzustcllcn. Davon sollen 16 Millionen zur Versorgung der Stadt mit Lebens- nnd Haushaltsmitteln, 1% Million zu Einquarticrungszwccken, 3y 2 Millionen zur Zahlung der reichsgcsetzlichcn Beihilfen an die Familien der >n Militärdienst getretenen Mannschaften und 1 y 2 Million zu öeni städtischen Zuschuß von 50 Prozent zn diesen rcschsgesctz- llchen Beihilfen dienen, während der Rest für den nationalen Frauendienst und für die Snppenanstalten als Subvention bestimmt ist. Kriegsjustl,. Tie Morchiogcr Nachrichten melden anS T ah l he im in Loth- rmgen: Nachdem an: 20. August aus Häusern der Ortschaft hinter- 7uasa«k u Niere Truppe,, geschossen worden ivar, wurde aus Befehl 1 Dorj Grund undBodengeschossen und dem Erdboden gleich gemacht Dahlheim lag im Kreise Ehäleaik- Salin« und zählte 286 Einwohner. _ _ Von den Siegen im Westen. Zur Vervollständigung der Siegesmeldungen von der ganzen Linie im Westen, von der Maas bis zu den Vogesen, gibt der Kriegsberichterstatter des Bcrl. Tagcbl. folgendes Bild: Feindliche Kräfte untcrnahincn einen starke» Vorstoß gegen den linken Flügel der kronprinzlichcn Armee, wurden aber znrückgcwicscn. Tic englische Armee ivnrdc bei Maubengc geschlagen nnd in der Festung teilweise ringe» schlossen. Bei dem Ucbcrgang Longiohs in deutschen Besitz wurden 3 6 0 0 Gefangene geniacht, darunter 400 Vcr- wnndrte, nnd 36 Kanonen erbeutet. Nur rin Geschütz dcs Feindes war noch schustsähig, alle anderen in Trümmer geschossen. Tein Kommandanten von Longwh, der sich durch seine Tapferkeit ausgezeichnet hatte, wurde vom Kronprinzen der 2 c g c» gelassen. Montmedy steht unter starkem Feuer. Tic Armee dcS baperischcn Kronprinzen gab vorläufig die Verfolgung des Feindes ans, da man sonst unter das Feuer von Toni »nd Verdun gekommen wäre, aus welche Linie sich der Feind znrückzog, da er sich osfcnbar hier sicher wähnt. Hier sichen scheinbar auch von Bclfort hcrnusbcfördcrtc Truppen. Ter Ausfall von vier Divisionen am 26. August aus Antwerpen wurde vollständig zurückgcwiesen. Bei dem Ausfall überfielen alle (!) Einwohner der Stadt Löwen die deutschen Kolonnen. Diesen organisierten llcbcrsall hat die Stadt mit aller Schwere gebüßt. Wer Bnttice und Hervö sah, fühlte die ganze Schwere, da die Universitätsstadt Löwe» kaum noch existiert. Die ganze Front ist siegreich. Bisher besteht keine einzige Verpflegnngsschwicrig- k c i t, dazu ist Nordsrankrcich ein reiches, üppiges Land. Unfähige sranzösischc Generale. Elcuicnceau enthüllt in seinem Blatt, dast der sranzösischc Befehlshaber Jofire mehrere Generäle des Generalstabes der Ost- armce wegen Unfähigkeit entlasten und den General Pau a» ihrer Stelle mit dem Befehl über die Trappen im Untcrelfaß betraut habe. Zwei Millionen Kriegsfreiwillige. Wie der Deutsche Kurier hört, ist der Andrang der Kricgs- srciwilligcn zn den deutschen Fahnen »ach wie vor so stark, daß die zwei Millionen bereits überschritten sind. Dabei ist der Prozentsatz der Tauglichkeit ein so hoher, daß mir wenige sich meldende Leute wegen Untanglichkcit znrückgcwicscn werden. Zeppeltnangst in London. Die Nachrichten über die erfolgreiche Tätigkeit der Zeppeline i» Belgien haben in London große Furcht unter der Bevölkerung hcr- vorqcriifen. Man steht allnächtlich der Ankunft dcntschcr Luft- krenzcr ängstlich entgegen. Deutsche LebcuSmittclversorgnng. Nunmehr beginnt sich neben Holland auch Schweden an den Lebensniitteltransport nach Deutschland zn beteiligen. Gestern sind, wie das Berliner Tageblatt erfährt, mit dec Fähre in Saßnitz zwei große Transporte mit lebendem Vieh angckomnicn. Gleichzeitig sind anch größere Frachten mit Seefischen ans Schweden in Saßnitz eingeladcn worden. Dadurch wird dem bereits vielfach gewordenen Mangel an See- fischen abgcholfcn, umsomehr, als der diesjährige Fischfang in Dänemark sehr ertragreich gewesen sein soll. Revolutionäre Ukrainer. IV. B Wie eine Lokalkorrcspondcnz aus Lemberg meldet, hat sich auch in der russischen Ukraine ein Komitee zur Befreiung der Ukrainer gebildet, daß alle Parteien »nd Stände der russischen Ukraine umfaßt. Das Komitee hat einen Aufruf an die ukrainische Bevölkerung ertasten, in dem es heißt, daß nunmehr der Tag gekommen sei, die russischen Ketten zu sprengen und die Ukrainer zu befreien.- Tie Bevölkerung möge den österreichischen Befreiungskampf nicht fürchten, sondern willkommen heißen und begrüßen. Nnmänicn schlnchtbercit! Tic Südslawische Korrespondenz meldet: Ein russischer Journalist erklärte, Rußland konzentriere in Bessarabicn gegen den Prnth starke Truppcnmasscn: Tie rumänische Armee sei schon schtachtbcreit. Englands ägyptische Sorgen. Aus Konstantinopel wird gemeldet, die Engländer befürchten eine Revolution der arabilckicn Bevölkerung Acgyvtcns, Ein Komplott mehrere ägyptischer Offiziere gegen England soll bereits entdeckt worden sein. Etwa 60 Offiziere seien verhaftet. Tic cingc- borcnc Truppe sei entwaffnet worden. Tie englische Militärbehörde befürchtet auch eine Invasion der arabischen Truppen der Türkei, und hat bereits VerteidiaungSmaßregeln getroffen. Tie Okkn- pationStruvpcn mit ihrer Artillerie find längs des TuczkanalS ausgestellt. Man befürchtet aber, daß sie zu schwach sein werden, um einem Angrisf von 50 000 gutbewaffncten und von religiösem Fanatismus beseelten Leuten zu widerstehen, Ariegsgefangener RcichstagSabgcorduetcr, Von beni RcichstagSabgcordnctcn Justizrat Tr, Ablaß ist, wie der Bote aus dem Ricsengebirge meldet, bei seinen Kindern eine Nachricht cingetroffen, wonach sich Tr, Ablaß und seine Gattin in Kriegsgefangenschaft. sonst aber Wohlbefinden, Ter Brief ist vom 16,_ August datiert, in Stockholm zur Post gegeben und geschrieben auf einem Briefbogen des Grand-Hotel in Petersburg. Die Mißstimmung in Parts, Nach einer aus Paris in Stockholm cingetrosfeneii Meldung ging es in der französischen Hauptstadt an den letzten Abende» sehr stiirmifch her. Vor dem Kriegsministcrinm in der Rne Tomtniquc rief die Menge: „Nieder mit Joffrc!" und „Schickt ihn nach Sause!" Stile Sifje über (Siifliäniier iwis gratijofeii! Tas Vordringen der Maasarmee. Das (kingcständnis der Franzosen. YV. B. Hauptquartier, 28. August. Tic englische Armee, der sich 3 französische Territorigldivisioncil angeschlossen batten, ist nördlich St. Quentin vollständig geschlagen worden nnd befindet sich i» vollem Rückzüge über St. Quentin. Mehrere 1000 Gefangene, 7 Feldbattcricn nnd eine schwere Batterie sind in unsere Hände gefallen. Südöstlich Mözitzres haben unsere Truppen unter fortgesetztem Kampfe in breiter Front die Maas Überschritten. Unser linker Flügel hat nach ncuntägigcn Gefechten die französischen Gcbirgstrnppcn bis östlich Epinnl zurückge- tricbcn und befindet sich in weiterem siegreichem Vorschrciten. Ter Bürgermeister von Brüssel hat dem deutschen Kommandanten mitgctcilt, daß die sranzösischc Regierung der belgischen Regierung die Unmöglichkeit eröffnet habe, sic irgendwie osscnsiv zu unterstützen, da sie selbst völlig in die Tefcnsivc gedrängt sei. , .. Hessen nnd Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. — Noch eint Kriegserklärung. „G ut Deutsch!" Unter diesem Wahlspruch erklärt der „Teutschestc" aller Rcichsbotrn, unser Tr. Werner, im Gießener Anzeiger „der Aus« länderci in unserer herrlichen Sprache" einen Tonderkrieg^ Er will nicht nur lim kommende» Winter) in keine russischem Gummischuhen mehr spazieren gehen (Pardon, vielmehr Ver«' zcihung: lnstwandcln), sondern er beseitigt auch jetzt schon' als „Fetzen dcs versinkenden Romanentums am Königs- mantel der Teutschheit" Adieu (Adchcn) nnd Cafck. Schade^ Adieu hatte das schöne Volkslied schon so treuherzig in „Ade"' uingewandelt („Nnn, ade, du mein lieb Heimatland, lieb^ Heimatland, ade!), und im „Kaffee" verlangt unsere umständ- lichc Rechtschreibung leider zwei Buchstaben mehr. Wir empfehle» unserem wackern Kämpen nun weiterst hin „wie feindliche Flieger abzuschießcn" (ipsissima verb.r) auf deutwb: seine eigene Kriegssprache) die gesamte „Armee" mit ihren Generälen, Majoren, Leutnants, Offizieren und Musketieren oder Grenadieren überhaupt, mitsamt dest Garnisonen und Kasernen, sodann Infanterie, Kavallerie und Artillerie nebst dem Train, insbesondere die Corps) Divisionen, Brigaden, Regimenter, sowie die Bataillone) Kompagnien, Batterien, Eskadrons usw. usw., den Ordert pour le in6rite nicht zu vergessen. Später würde für daS! lateinische Lehnwort Kaiser (— Cäsar, russisch Czar) wieder! der urdeutschc Herzog einzuführen sein. Und schließlich wird der Herr Werner - gewiß auch seinen Doktor titel mit Freuden auf dem Altäre (Verzeihung: Opferhcrde) seiner „deutschen Begeisterung" opfern. „Heil dieser Stunde!" (Noch ein „Zitat" aus seiner Rede an die deutsche Nation: Verzeihung, „das tcutsche Volk".) Im Ernste gesprochen. Wer seine Muttersprache liebt) meidet unnötige Fremdwörter und wählt heimische Ausdrücke, wenn sie — vorhanden sind und die fremden wirklich ersetzen. Aber cs bezeichnet einen Niedergang vaterländischer! „Kultur" (verzeihen Sie das Freindwort, Herr Doktor!)) wenn patriotisch-nationale Wut albern und abgeschmackt gegeu) das Fremdwort überhaupt aurennt. Nachschrift. Warum bezeichnen Sie, Herr Oberlehrers und „Prosessor eines Realgymnasiums" (o welcher Schmerz!)) denn unser gutes, liebes deutsches Land im Gegensatz zu der! Hauptstadt Berlin als „Provinz"? Auch du, mein Sohns BrutuS? Wenn das am teutschesten Holze geschieht . .. y. — Zn der lächerlichen Fremdwörterjagd, die jetzt von! verschiedenen Leuten betrieben wird, schreibt uns ein Lesers Sie haben gestern das unsinnige Treiben gekennzeichnet, das! allen Gebrauch von Fremdwörtern in der deutschen Sprache! ausrotten will. Wenn sich sogar Oberlehrer daran beteiligen) so wäre der Vorschlag angebracht, den französischen undj englischen Unterricht zu beseitigen, der vielen! Schülern Qual verursacht und Schweißtropfen auspreßt) Griechisch und Latein wäre noch überflüssiger. Den Eltern) würden dadurch auch viele Kosten erspart, schließlich auch den« Staate, denn man brauchte nicht mehr soviel — Oberlehrer) die sich dann in noch größerer Anzahl der antisemitischen Agist tation widmen könnten. n. — Krieg und Gewerkschastcn. Nach und nach wird bekannt, wie weit die Gewerkschaften durch den Krieg und dick dadurch hervorgerusene Arbeitslosigkeit in Mitleidenschaft gezogen werden. Pom Bauarbeiterverband stehen die Hälfte der Mitglieder unter den Fahnen: 150 000 von 300 000! Von 50 Mitgliedern in einem Magdeburger Zweigverein war am fünften Mobilmachungstage nock) einer da) — In der Holzarbeiterzeitung wird mitgeteilt, daß nach einer Unifrage im Verbände, der im ganzen 192 000 Mitglieder! zählte, 33 850 cinbcrufen sind, arbeitslos wärest 63 650 »nd in Arbeit standen nur noch 94 500. — Dieses Erst gcvnis llbcrtrisft bei weitem die schlimmsten Befürchtungen. Nicht einmal die Hälfte der Mitglieder des Verbandes habend noch Arbeit, und von diesen arbeitet ein erheblicher Teil mit verkürzter Arbeitszeit. Das ist auch eine der grauenhaftest wirtschaftlichen Folgen des Krieges! — In Frankfurt ist die Arbeitslosigkeit in den Gcwcrksck)astcn ebenfalls eine ganz! erhebliche. Es wurden im ganzen 7570 Arbeitslose gezählt) Eine große Zahl Geschäfte ist geschlossen, eine weitere Zahl läßt, »in nicht Entlassungen vornehmen zu müssen, erheblich verkürzt arbeiten. Vorläufige Feststellungen ergaben, daß 5380 Arbeiter verkürzt arbeiten. — In Mainz zählte best Mctallarbeiterverband 700 Arbeitslose. Zu dem Fonds für Liebesgaben find bei dem tberbiirgermeistcr weiter eingczangen: von dem Verein siir Krankenpflege 1000 Mark, von der Hiitlenbaukastc dcs Teutschcn und Ocstcrreichischen Alpen-' Vereins, Sektion Obcrhcstcn 400 Mark, von dem Männcrturnvereist BIO Mark, von Zahnarzt ks,8ietz» Marktplatz II. Uhrmacher und Golbarbeitcr. Reichhaltige« Lager in Uhr«», Gold- und Silberwaren. Lieferant de« Konsum - Verein« Gießen u. Umg. nnd de« Eisca- bahn - Konsumverein«. — Man verlange Rabattmarken. — jjwwwwww w yw ? Wp vorgerickler Saison t verkaufen wir unser gesamtes Lager in "ra J" d" Jü, Fahrrädern solange Vorrat reicht, zu D " Clöhcfi il’ Appel ja Giessen, Sütlanlage 20. Telephon 102. Täglich frisches Kaffee- und Teegebäck Kuchen und Torten joluic alle sonstigen Backwaren empfiehlt Ludwig Kfiiüer, §&\)\\Mi d'h IO Pfji.-Ca.ie. Bohnerwachs, Teppichkehrmaschinen, sSnt:. Dürstenwaren, Scheuer- u. Putzlücher, sowie sämtl. Haus- u. Küchengeräte empfiehlt billigst SMg&r BoiTMatin, Giessen. Telephon 165, Jfenstndt 11. Billiee Bosucsquelle filr __ Martin Krug, Achen Schulstrasze 5 Zigarren - Spezial - Geschäft empfiehlt seine aus rein überseeischen Tabaken hergestellten Fabrikate besten» Zigaretten u.Zigarrillos, Rauch-, kau- u. Lchuupstabakt. Fabrik u. Verkaufsstelle WaSBfoi*strasse 24- Wir empfehlen unsere vorzügl. Marken im Eiiizel- verkaule zu 5, 6, 7, 8, 10 I’fg. und höher (Abgabe auch einzelner Kästchen) nnd offerieren gleichzeitig dir. Zigarretten, Ranch- und Kautabak. Unsere Terkaufsstetle ist Werktags ron 7—8 Ühi and Sonntags ron 11—3 Uhr geöffnet. Die Gcscliäftsleitnng. in grösster Auswahl von der einfachsten bis feinsten Ausführung. Grosses Lager aller Arten Uhrketlen. Reparaturen an, Uhren und Goldwaren in eigener Werk-i statte unter Garantie. -t Mitglied der Garantiegemeinschaft Deutscher Uhrmacher E. V. Jul» Philipp* Uhrmacher; Giessen, Kalmliofstr. 50 . Eid gar Bormasiffl, Giessen Telephon 165 Eise»warenhandlun 9 Neustadt empfiehlt: 4- und 6 eckige Drahtgeflechte, Stacheldraht, Spanndraht, Gartenstützen eiserne Schiebkarren, Giesskannen, Kokosfaserstricke, Bast, Baum- kratzer, Baumschützer und Baumsägen, Hecken-, Reben- und Rosenscheren. Blumen- und Baumspritzen, Rasenmäher, Gummischläuche, Schlauchwagen, Spaten, Rechen, Hacken, speziell Dölcherhacken mit auswechselbaren Blättern. Hühner-Fress- u. Trankgefässe. Spezialität: Zigarren-Jmport und Versand. Bahnhofsir. 50 Giesse» Bahnhofstr. 50 Bedeutendes Lnger erstklassiger deutscher und ausländischer Zigarren und Zigaretten — Eigene Spezialmarken. — Tafel* Zuckerhonig garantiert rein, ausserordentlich wohlschmeckend und bekömmlich, durch grossen Absatz -3» Kilo-Postkolli gegen Nachnahme Jlk. 3.25. Man verlange Preisliste. (Hessen). C. F. Schwarz Söhne Inhaber: Gg. Hildebrandt Glessen _ Bahnhofstr. 22 Pfund 20 und 10 Pfg. hat abzugeben Gq. Baum, Stcinstr. 23 . XMUX Koks, Briketts, Holz Irr Nnükoblei, I, II, III Irr Anthrazitkoülen Irr Hüttenkoks nnd Gaskoks vorzüglich für Zentralheizungen Irr (Siform Briketts Ii* Union-Briketts la Brennholz Lieferung in iedein Quantum frei Oanszn den billigsten Tagespreisen Gur! Schölt, Giessen Babnhofstrane 00 Tclcpbon 286. _ Telephon 286. Ankauf von Alteisen, Lumpe», Knochen, Papier. Kupfer, Messing, Zink, Zinn, Blei, bei Louis Rothenberger Nennwceg 22. Zöpfe, Hggruitterlggkn HaanihlkellcilPcriichii werd. billigst angcscrligt Zöpfe werde» gefärbt bei H. Ti»p. Gieße» Ecke.Gocibcür. , ScltcrSwea 4X r Altes Eisen Knochen Lumpen rc.rc. kaust zu den höchsten Tagespreisen Moli Pfasf t, Lteiiiber«. Fahrräder kaufen Sie gut bei ZalrovSchupp, Hießen Wnlltarür. «8. Tclcvbon 237. Nepuruturen billigst. Trauer Hüte in jeder Ausführung und Preislage. Fuhre 5i jeder Art werden ausgeführt. so. wie Mobel-Transporte für hier und auswärts H. Abel, Wctzstclnstr. 19,1.