Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Dt« Oberbelltlck« BoItSjcltun« erscheint leben SBerftaa Abend in ttiefeen. Der HbonnemeiUisret« beträgt wöchentlich 15 H3fn- monatlich 80 «fo. etntchl-Brtngerlodn. Durch die Post bezogen vierteljäbrl.ILVMl. Redaktion und Ervedttion Gleiten, BabubosstraK« 23. Ecke LSiveiiaasie. relevbon 2008 . Inserat« kosten die 6 mal aespalt. Kolonclzcile oder deren Raum 15 Psg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bi« abend«7>dr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. N r. 197 Gießen, Donnerstag den 27. August 1914 9. Jahrgang Der Feind im Osten. Den feindlichen Ring zu sprengen, der Deutschland umgibt, muß aus alle Fälle da» eigentliche Ziel des Krieges sein. Dieses Ziel ist aber durch niilftäris«l>e Gemalt allein nicht zu erreiche». Wunden die verbündeten Gegner auch nach einer Niederlage Zusammenhalten, io wäre der glänzendste deutsche Tieg nur eine Vertagung der cndgtlligen Entscheidung. Engländer und Franzosen. Russen und Japaner. Belgier und Serben würden ihre ganze Politik daraus cinstelte», ihre Niederlage wieder wettzuniachen, sie ivtirden zu allen diplomatischen Zugeständnissen bereit sein, um Bundesgenossen zu werben, sie würden die letzte Kraft anspannen, uni Deutschland militärisch gewachsen zu sein, Noch l>at England keine allgemeine Wehrpflicht, noch sind die Russen durch Unbildung und Unordnung schwach. In zwanzig, dreißig Jahren, vielleicht schon früher kann sich das ändern: die Zeit bis dahiu würde nur noch eine Zeit zur Vorbereitung de» neuen Revanche-Weltkrieges sein. Deutschland um st darum jetzt schon m einem Teil seiner Feinüevon heute seine Bundesgenossen von morgen erblicken, es muh beizeften seine Politik darauf einrichten, seine Feinde durch den Friedensschluß zu teilen. An Beispielen solcher Wandlungen fehlt es in der Weltgeschichte nicht. Oesterreich war 12 Jahre nach dem Frieden von Nikolsburg Deutschlands Verbündeter. Japan känlpft neun Jahre nach dem Friedensschlnb pon Portsmouth an der Seite der Russen. In der Stimmung der gegenwärtigen Tage scheint es uns undenkbar, daß wir in wenigen Jahren Freunde einer jener Nationen sein könnten, denen wir jetzt aus dem Btachfelde gegennberstehen. In wenigen Jahren muß das Undenkbare Tatsache geworden sein, sonst geraten wir in eine Sackgaffe, aus der uns auch die glänzendsten Waffentaten nicht befreien können. Der Krieg ist mit der politischen Front gegen Osten eröffnet worden. Rußland ivar der Feind, England und Frankreich sind uns nur Feinde, lveil sie Bundesgenossen Rußlands sind. Das deutsche Volk wird »ach dein Kriege nur noch einen Feind kennen, d. h., ivenn er bis dahin uock) existiert: deit Za.rismus. Seine Ausgabe kann es unmöglich sein, die Westmächte ans der Hörigkeit des Zarismus zu befreien, um sich selber an ihre Stelle zu setzen. Von allen Feiuden, die Deutschland jetzt umringen, ist der Zarismus der einzige, mit dem eseine Versöhnung nicht geben darf. Manchen Politikern mag der Gedanke naheliegen, durch den Krieg eine Konstellation zu schaffen, die die Grenze zwischen den beiden BündniHgruppen im Westen Deutschlands zieht. Sie werden sich ober jetzt schon sagen müssen, daß eine solche Politik an, icidenschastlichen Widerspruch des Volkes scheitern müßte. Demi ein deutsch-russisches Bündnis wäre der Schrecken oller Schrecken und das deutsche Volk ist nicht mit hellem Opfermut in den Krieg gezogen, um ein« neue Heilige Allianz zu gründen. Wenn aber die Sprengung des feindlichen Ringes durch ein deirtschrusstsches Bündnis unmöglich ist, dann bleibt nur eine Eventualität noch offen: ein künftiges Bündnis mit den W e st m ä ch t e n. Möge also durch den Krieg diese Frucht heranreisen, die wir im Frieden vergebens zu ernten versuchten. Sich uach der einen vdcr nach der andern Seite, nach Osten oder nach Westen zu entscheiden und schon im Kriege diese Entscheidung zu bedenken, ist eine politische Notwendigkeit, wenn nicht alle Opfer um- lonst gebracht, alle Siege vergeblich erstritten sein sollen. Darum blicken wir besorgt nach dem Osten und erivarten von dort ungeduldig ähnliche Sieges Nachrichten, wie sic uns aus dem Westen beschert worden sind. Dort sinh, wie uns amtliche Meldungen berichten, starke russische Streitkrästc ans deutschem, ost- preußischem Boden im Vordringen. Wenn die Nachricht kommt, und sie wird hoffentlich nicht mehr lange auf sich warien laffen, daß cz gelungen ist, den letzien Rusien wieder über die Grenze ziirinkzuiagen, dann wird ein Jubelschrei durch das ganze deutsche Volk gehen Die Ostpreußen, die setzt Gelegenheit habe», das russische Mtlt- tar von der Nähe kennen zu lernen, werden aber unsere besten Bundesgenossen sein in dein Bestreben, uns den Zarismus in Fein-d- schast wie in Frennhschaft vom Leibe zu halten. Keine Siegesmeldung aus dem Westen wird uns vergcsieii lasten, daß der H a u p feind im Osten sieht, dcsien Sieg Knechtschaft, dessen Niederlage greiheit für alle bedeutet. Darum das Wichtigste und Erste: Russen aus dem Land! Es geht weiter vorwärts! französisch-belgische Niedergeschlagenheit! Wie der Nicuwe Notterdcimschc Courant aus Paris mit- teilt, macht das französische Kriegsministcrinm offiziell bekannt, daß das französische Heer, das die Offensive ergriffen hatte, sich z u r ü ck z i c h e n muhte. Auf beiden Seiten feien große Verluste zu erwarten. Weiter sagt der offizielle Be- ^icht, daß deutsche Kavallerie über Roubaix und Tourcoing bei Lille in französisches Gebiet eindringe. . dlus Rom wird der Franks. Ztg. telegraphiert: Die Bericht der italienischen Presse aus Frankreich, die in den ersten ->-agen überaus enthusiastisch und zuversichtlich klangen, lassen im erkennen, daß man in Paris ansängt, n i c d e r g o - schlagen zu sein. Die Pariser Zeitungen erniahnen in ^.cilartikcln das Publikum, sich nicht von einer Panik ergreifen fü' des Heldenmutes der Väter zu gedenken. ^ Ueberaus peinlichen Eindruck müssen Vorgänge in einer Division des 18. Armeekorps gemacht haben. Senator Gervais hatte in einem Blatte erklärt, die Niederlage der Franzosen in Lothringen sei auf eine Panik in der erwähnten Division zurllckznführcn. die sich aus Toulon, Der Krieg. Marseille und Aix rekrutiert; infolge dieses Vorganges hätten die französischen Truppen die jenseits der Seille bereits er- rungenen Vorteile wieder verloren. Eine offizielle Note sucht diese Mitteilungen abzu schwächen; cs handele sich um Einzclsälle, die bereits unterdrückt seien. Ucbcr die Kämpfe vom 23. August besagt eine amtliche französische Mitteilung: Wcstlach der Mgas wurden zwei Armeekorps, darunter afrikanische Truppen, die mit Elan vorstürmten, von einem mörderischen Feuer empfangen. Zunächst wichen sie nicht, später aber mußten sie auf einen Gegenangriff der preußischen Garde z n > rückbiegen. Auch östlich der Maas gingen unsere Truppen nach heftigem Kampfe zur ü ck. Sie und die Engländer nahmen auf Dccknngsposten Stellung; sie müssen einige Zeit in der Defensive bleiben. Unsere Verl u sie sind schwc r." Die amtliche Mitteilung be- dauert dann, daß die Offensive in Belgien gescheitert sei, doch sei die' dortige Tcfensivstcllung intakt gegenüber einem geschwächten Feind. Deutsche Reiterei sei bei Roubaix und Tourcoing, wo nur französische Landwehr stehe, in französisches Gebiet cingedrungcn. Vordringen im Osten. Aus dem österreichischen Kricgsprcsscquartier wird der Franks. Ztg. mitgeteilt: In dem sehr hartnäckigen Kampfe um die Höhen nördlich der Tanew-Rcgion am 23. August verteidigten tatsächlich zwei russische Armeekorps den Höhenzug südlich von K r a s n i k , wurden aber aus der Richtung von Frampol südöstlich umfaßt und zu einem fluchtartigen Rück- zuggezwungen, sv daß derVormarschaufLublin nunmehr frei ist. Tie russischen Gefangenen danken den Offizieren mit Handküssen für die gute Behandlung; sie berichten über allgemeine Unzufriedenheit in der russischen Armee. Deutsche Verwaltung Belgiens. v. d. Golß Gciieralgouverneur. W. B. Mit der Vcrwaltuna der okkupierten Teile des Königreichs Belgien ist vom Kaiser unter Ernennung zum Gcneralgouver- nenr Generalscldmarsch-all F r h r. v. d. Goltz beauftragt worden. Die Zivilvcrwaltmig ist dem zum Verivaltungsches ernannten Regierungspräsidenten v. S a n d t sAachens übertragen worden, dem für die Tauer ferner Tätigkeit das Prädikat „Exzellenz" bcigelegt ist. Dem Verwaltuugschcs sind beigegeben ObcrregieruugSrat von Wussow lKaffel), Landrat Tr. Kaufmann (Euskirchen), Iustizrat Trimborn, Mitglied des Reichstags lKöln), der bisherige Koirsul in Brüsicl LcgationSrat Kemp ff, sowie der Bürgermeister v. Loebell (Oranienburg). Die Berufung weiterer Beamten, insbesondere von Technikern der B e r g - u n d B a u v e r- waltung, ist in Aussicht genommen. Generaigonverneur Generalfeldmorschall Fvhr. v. d. Goltz hat sich zur lieber nähme seiner neuen Tätigkeit bereits naä> Belgien begeben. Tic Einnahme vou Namur. Aus Berlin wird der Franks. Ztg. geschrieben: Die Freude und Genugtuung über die Einnahme von Namur kommt in allen Blättern zum lebhaften Ausdruck und daneben wird auch von militärisch kundigen Federn die st r a t e g i s ch e Bedeutung des Besitzes dieser Festung erörtert, die die Ucbergänge über die Maas und Sambre sperrt und alle von dort nach Frankreich, Belgien und Luxemburg leitenden Wege beherrscht. Konnte man den Fall von Lüttich als das Resultat eines in der Kriegsgeschichte unerhört dastehenden kühnen Handstreiches auffassen, so handelt cs sich bei Namur um die regelrechte Belagerung einer genügend vorbereiteten und armierten Festung. Daß diese in wenigen Tagen durch unsere 4 2 Zentimeter- Geschütze zur Uebergabe gezwungen worden ist, bestätigt, daß dieses Kruppsche Geschütz, das unseren Gegnern bisher ein Geheimnis war, tatsächlich ganz Unerwartetes leistete und eine umstllrzende Aenderung im F e st u n g s k r i e g herbeiführt, sodaß auch die Eroberung der weiteren Festungen, die unseren Heeren auf ihrem Wege noch cntgcgenstchen, sich anders ge st alten wird, als unsere Gegner angenommen haben. Das ist eine der großen Ucbcrraschnngcn des Krieges und, nebenbei bemerkt, nicht dieletztc. Mehr läßt sich darüber zur Zeit nicht sagen. Tie Behandlung der Ansländer. Eine amtliche Erklärung. (W. B.) In dem Wunsche, der Wahrheit zum Siege zu verhelfen, ist der mit dem Schutze der französischen, russischen und belgischen Staatsangehörigen beauftragte spanische Botschafter Polo de Bernabe vor einigen Tagen öffentlich in ritterlichster Weise den von der feindlichen Presie im Auslande verbreiteten Verleumdungen entaegcngetreten. wonach Angehörige der mit Deutschland im Kriege liegenden Staaten in Deutschland eine unmenschliche Behandlung, Verfolgung und Beraubungen zu erdulden hätten. Der Botschafter betonte demgegenüber ausdrücklich, daß nach freiwilligen eigenen Versicherungen seiner Schutzbesohlciien die Fremden von den Deutschen mit aller ihrer mißlichen Lage schuldigen Rücksicht und Achtung behandelt würden. Die strenge Unparteilichkeit, welche die neutrale Haliuiig Spaniens seinem Vertreter zur Pflicht macht, veranlasite Polo de Bernabe, dem Auswärtigen Amte heute mttzuteiieii, daß der mit dem Schube der Deutschen in Rußland betraute Geschäftsträger der V e r e t n t g t e n Staaten wörtlich erklärt habe, ihm seien keinerlei Klagen über Mißhandlungen der 200 000 in Rußland wohnenden Deutschen zuge- gangen, er erhalte vielmehr täglich Briefe und Telegramme, worin er gebeten werde, dahin zu wirken, baß den Russen in Deutschland ja kein Leid geschehe. Der spanische Botschafter bittet, auch diese Erklärung zu veröffentlichen. Wir entsprechen dem berechtigten Wunsche des Botschafters um so lieber, als sich die deutsche Presie von jeder unbegründeten und sensationellen Verdächtigung Rußlands in bezug auf die Behandlung der in Rußland wohnenden Deutschen freigehalten hat und als diese Versicherung des anicr!- kantschcn Geschäftsträgers zur Beruhigung aller derer bienen wird, die feit Wochen in Sorae und ohne Nachrichten über das Los ihrer noch tu Rußland befindlichen Angehörigen sind. Polnischer Enthusiasmus. Für die zu bildenden polnischen Legionen gibt sich eine ungeheure Begeisterung in ganz G a l i zi e u kund. Tie Stadt Krakau hat eine, Lemberg anderthalb Mil- lionen Kronen für sie gespendet, kleinere Städte und Private Hunderttauscnde. Das Land Galizien wird wahrscheinlich 6» Millionen bewilligen. Der Plan ist, in Galizien unter Führung österreichischer Offiziere mit Schützen, die unter 1!) oder über 42 Jahre alt sind, Kndres zu bilden, die in Russisch- Polen mit Freiwilligen ausgefüllt werden und im ganzen 7000t) Mann stellen sollen. Ei» neues englisches Expeditionskorps sucht England auf den Kontinent zu werfen. Englische Blätter enthalten einen Aufruf an alle Waffenfähigen zwischen 19 und 30 Jahren zu freiwilligem Dienst. Die sofortige Vermehrung der englischen Armee um 100 000 Mann sei erforderlich. lieber die Landuna des englischen Erpeditionskorps wirb aus Brüstet gemeldet, daß sich die englischen Truppen in Le Havre bei Nacht und Nebel ausgeschifft haben. In der Nacht zum Sonntag wurden auch kleine Abtetlnngen an der belgischen Küste zwischen Ostende und Seebrllgge gelandet. General French. der Komman- dant des englischen Feldheeres, soll seinen Posten als Kommandant im Norden Frankreichs erhallen haben. Englands Gcschäftskricg. Wie der Franks. Ztg. über Rom aus Paris berichtet wird, meldet der Newhork Herald aus London: Tie englische Re- gicrung verbot alle Geschäfte mit Teutschen und erklärte alle deutschen Patente und Schutzmarken für verfallen. Frank- reich plant ein ähnliches Vorgehen. Auch Lesterreich-Ungarns Vertreter aus Marokko ansgewiesen. Die marokkanische Regierung hat dem diplomatischen Agenten Oesterreich-Ungarns in Tanger seine Pässe zu ge stellt und ihn zu der sofortigen Abreise ans dem französischen Kreuzer „Easiard" genötigt, der ihn nach Siziticn gebracht hat. Es braucht nicht hcrvorgchobcn zu werden, daß dieses offenbar aus sranzösischcs Geheiß zurückziisllhrciidc Vorgehen einen flagranten Vötkerrechtsbruch bedeutet, da Tanger und dir es umgebende Zone nicht dem srnnzösischen Protektorat, sondern aus Grund eines Uebereinkommcns aller Signarmächte der Algecirotz« alte einem internationalen Regime untersteht. Tic englische Rechnung. Die englische Diplomatie ivar bisher der deutschen ganz erheblich überlegen. ES ist ihr gelungen, gegen Deutschland, besten ii* dustrtellc Entwicklung und dessen Fortschritte aus dem Weltmarkt für Großbritannien mehr und mehr fühlbar wurden, eine Koalition zw- stande zu bringen, die übermächtig erscheint und .zahlenmäßig da» Reich, dein nur Oesterreich-Ungarn zur Seite steht, und das den Schutz ehrlicher Neutralität nur von den Skandinaviern, Hal» ländern mid Schweizern genießt, erdrücken müsste. Die Ka>LU- latton ist nicht übel: Rußland wird zunächst den Osten Deuffch- lands durch ungeheure Reitermaffen übersluteii und verheeren lasten und wird alsdann durch Mtllionenarmecn die ganze Dtrcitkrafk Oesterreichs mid den größten Teil der deutschen fcsthalten und beschäftigen; Frankreich bricht mit seinen ebenso schnell wie die deutschen mobilisierten, aber an Zahl und Osfensivkvast überlegene,, Heeren in West- imd Süddeutschland ein: Japan wird mit der Lockspeise Kiautschau in den Krieg htneingczogen und dient nötigenfalls als Soldaten! teferont. um für britische Zwecke gegen gute Entlohnung Landtriippen zu lieserii, nicht der Form, aber der Sache nach dasselbe, wie im nordomerikaiiischen Befreiungskampf England von Knrhcsien und anderen deutschen Staaten geg.en Kopfgeld Söldlinge erhielt. Großbritannien selbst hält sich möglichst in Reserve, was ein wirklich kriegerisches Eiligreisen betrifft, tut aber alles, um die deutsche Handelsmarine zu vernichten; darauf kommt es ihm an. Recht naiv sagte der Manchester Guardian, sonst ein liberales und keineswegs deutschfeindliches Blatt, neulich: „Nunmehr, wo der riesenhafte deutsche Ausfuhrhandel vorlänstq tot ist, erkennen Geschäftsleute ganz klar, daß sich tnfolgedesien ein Markt für die englische Industrie öffnen wird. S5?ir könne» nun, so weit die ?)!ecre sicher sind, »ns mit den Vereinigten Staaten um den bedeutenden Handel bewerben, den Deutschland mit Ostasien und Südamerika treibt — oder vielmehr getrieben hat. Einen beträchtlichen Teil dieses Geschäfts bildete der Absatz von elektrischen Lampen und elektrischen Apparaten im allgemeinen, sowie die Anilinfarben und leichten chemischen Produkte, Man sprach vor einige» Tagen das Haupt einer großen Elektrszitätssirma von hier (London), Er ivar überzeugt, daß aus dem Gebiet der elektrischen Waren für die Ausfuhr wir (die Engländers imstande sind, die Beute mit den Bereinigten Staaten zu teilen, Tie Fabrikanten sind hierzulande vollauf eingerichtet, um ans Werk zu gehen, und haben die Verfügung über alle nötigen Potente, ohne ihre Zuflucht zu einer besonderen Gcsetzgebmm nehmen zu müssen, wie derjenigen, von der im Parlament di« Rede gewesen ist, (Es betraf die deutschen Patente,) Mein Gewährsmann meinte indes, daß die Sache nicht in wenigen Aschen zu machen sei. Die Reeder müßten Zeit haben, um mit den östliche» und s üdanieri kaut scheu Märkten Fühlung z» gewinnen. Es würde wenigstens einen Monat dauern, ehe Bestellungen zu erhalte» seien, die dann unzweifelhaft kommen würden. Englische Fabrikanten täten wohl daran, sofort ihre Maßnahmen zu treffen. Der Geschäftsmann behauptete im übrigen, seine Firma habe reichlich zu tun, und er war nichts weniger als mißtrauifch tm Hinblick auf di« geschäftlichen Aussichten " lim England den Weltmarkt, dessen Monopol cs so lange hatte, wieder zu sichern, wurden also Kosak und Baschkir aufgeboten, wurden die Gelben herangcholt und wurde Jrairkreich vor de» Zusammenbruch aestcllt. Denn Frankreich wird dadurch, daß es sich töricht an Rußland und England gebunden I>at, die Geisel werden, die schließlich für England einzustehen Hai, Ein furchtbares Verhängnis, daß zwei Völker, wie das deutsche und das sranzösifchc, die zu einer siulturgemeinschaft, zu ivcchselsciiigem Austausch bestinmnt erscheinen, infolge historischer Fehler und Sünden ihrer Politik gcgcneiiionder stehen — im Interesse des blutigen Zarismus, wegen der Spekulation fischblütiger Krämer! Diese Möglichkeit, dieses Unheil zu schassen, haben di« cnglit-hen Kriegsspckulanten seit langeni geplant, dasür haben sie alles Raffinement angewcudei. Und es ist ihnen gelungen, u,»entdeckt den letzten Schlag vorzudereitcn. Nur im wichtigsten Punkt habe» sic sich verrechnet: in Deutschlands innerer Stärke! Ten Zarismus haben sie als Hauptmacht ciiigcsetzi, und gerade dieser vcrineintlich schlaueste Zug wirft alles um, Di« Folge wird es lehren. Daß Europas Kontinent nicht k o so ki sch wird, dafür sorgt das deutsche Volk! Nordschleswig! tkstne Mahnung. Man erinnert sich, daß gleich bet Beginn der deutschen Mobilisierung der Rcichstagsabgeordnctc Haussen in Apenradc zusammen mit anderen Führern der dänische» Beweaung in Nordschleswig verhaftet wurde. Nach achtzehn Stunden entließ man ihn, und Herr Hansscn reiste nach Berlin, um im Reichstag für die Bewilligung der Kricgskrcditc zu stimmen. Mehrere Rcgicruiigsvcrlrcter entschuldigten sich bei ihm ausdrücklich wegen des „Versehens", das vorgckommen sei. Kaum war der RcichstagSabgcordiiete in seiner Heimat zurück- gekehrt, als die Behörden in Nordschleswig seine Zeitung Hcjmdal verboten. Ja, cs wurde nicht einmal gestattet, die Wvlfsschcn Depeschen am RebakttonSgebäudc anzuheften, Tie dänisch sprechende Bevölkerung, von der ein großer Teil Verwandte tm Felde stehen hat, war auf diese Weise selbst von den amtlichen Nachrichten über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatz abgeschnittcn. Damit aber nicht genug, Herr Hansscn selbst blieb zwar in Freiheit, aber eine große Anzahl von Personen, die im Verdacht dänischer Gesinnung standen, wurden verhaftet. Darunter befanden sich Bankdircktoren, Bauern, Handwerker usw„ und einzelne von ihnen hatten drei oder gar vier Söhne unter den Waffen stehen. Sie wurden zum Teil nach Sondcrburg, zum Teil aber auch über Stralsund nach der Insel Rügen gebracht »nb vielfach behandelt, als ob sic irgend welche politischen Verbrechen begangen hätten, obwohl auch nicht der allergeringste Verdacht gegen sie bestehen konnte. Ein Teil von ihnen ist inzwischen entlassen worden, ein anderer aber befindet sich, so weit wir unterrichtet sind, nach wie vor tu Haft, Wir dürfen wohl annehme», daß sowohl bas preußische Ministerium des Innern wie das Auswärtige Amt für diese Maßregeln nicht verantwortlich gemacht werden können, sondern daß auch hier kurzsichtige Ortsbehörden t» Verbindung mit der Militärverwaltung auf eigene Faust gehandelt haben. Die Verantwortlichen scheinen sich dabei nicht darüber klar geworden zu sein, baß ihr Vorgehen unter Umständen verhängnisvolle Folgen nach sich ziehen könnte. Das Königreich Dänemark hat bisher tn musterhafter Weise an seiner Neutralität fcstgehalten, und auch au den maßgebenden Stellen in Berlin weiß man genau, baß die Kopenhagener Regierung bis jetzt fest entschlossen ist, diesen Standpunkt nicht aufzugcbcn, obwohl natürlich von der Seite der Gegner des deutschen Reiches starke Versuchungen an sie herantretcn. Unter diesen Umständen sollten die Behörden in Nordschleswig wirklich zurückhaltender sein und nicht denen, die Dänemark gern in einen offenen Gegensatz zu Deutschland bringen möchten, durch ihr unbesonnenes Vor- gchen Wasser a » f die Mühle liefern. Die dänische Bevölkc- Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 44 Der Lappe schien von diesem Lob sehr geschmeichelt zu sein. Seine Augen drückten lebhaftes Vergnügen aus, er riß den Mund lachend aus und gab wiederholt Anlaß, seine Eitelkeit noch mehr zu verspotten. „Und was zum Henker!" rief Hclgestad endlich, „willst du mit der hübschen Federtasche tun? Will sie dir abkaufcn, Mortuno. Ist eine wackere Arbeit daran, kann auf den Lyngenmarkt gebracht ihre vier Spezies wert sein." „Ich will sie nicht verkaufen", sagte der junge Lappe, tvährcnd er die prächtige Tasche von seinem Gürtel losmachte, „Willst nicht, du Dnmmkopf?" antwortete der Kaufmann. „Gebe dir fünf, gebe sechs harte blanke Taler. Ist ein Prachtwerk. Herr Marstrand, können die Lappen cs allein so machen. Willst nicht?" fuhr er fort: „hast ein Schätzchen, dn Sohn von einem Wolf, die cs um den braunen Hals hängen soll? Oder ha! merke es, du Dieb! hast es sür Gula mitgebracht aus alter Liebe und Zärtlichkeit." Mortuno verneinte alle diese Fragen mit Gelächter und mit der kindischen, dünkelvollcn Lustigkeit, die seinen Stamm den Norwegern so verächtlich macht. — „Wenn ich ein Mädchen haben will", rief er prahlerisch, „brauche ich keine Federtasche. Fünf, zehn, zwanzig kommen, wenn sie meine Stimme hören. Gula aber hat kein Recht darauf. Mag sie ein Fischnetz an ihre Schürze hängen, wenn sie eine Tasche braucht." „Willst nichts mehr von ihr wissen, weil sie von dir nichts wissen will?" sagte Helgestad beifällig grinsend. „Hast recht, mein Junge, such eine, die es dir besser lohnt. Bist ein verständiges Geschöpf. Schau her. Sechs neue Spezies, suche die die blanksten aus." Die Gier nach dem Besitz der Tasche war in Helgcstad er- tvacht, und später lernte Marstrand erst kennen, daß diese zier- lichcn Federarbeitcn, welche bi? auf die Märkte von rung an der deutschen Norbgrcnze hat sich in diesen Tugen als völlig loyal erwiesen, Ihre Söhne sind unter die Fahnen gerückt so gut wie die Angehörigen anderer Stämme und nicht ein einziger Fall ist bekannt geworden, daß einer den Versuch gemacht hätte, sich seinen Pflichten zu entziehen. Das sollte man anerkennen und dadurch dann gleichzeitig der Regierung in Kopenhagen ihren ernsten und ehrliche» Widerstand gegen englische und russische Verlockungen erleichtern helfen. Dänemarks Neutralität. Das Kopenhagener Blatt Bcrlingskc Tibcnde hat einen Herrn v. Jessen als Kriegskorrespondcnt in Paris, der auf eigene Faust bei der französischen Regierung um Vorzngsbehandlung der aus Schleswig-Holstein stammenden Kricgsgcsangenen, die Frankreich etwa machen könnte, vorstellig wurde. Das Dänische Mintste - rium des Aeußcrn erläßt nun in der Berlingske Tidcnde folgende Erklärung: „In der Morgcnnummer vom 20, b, M, hat sich Ihr Pariser Korrespondent, Herr v, Jessen, an die französischen Behörden gewandt um besonders günstige Behandlung etwaiger deutscher .Kriegsgefangener von Schteswiger Abstammung zu erwirken, Tie Form der Korrespondenz ist so ausgelegt worden, daß Jessen irgendeine Vollmacht zu seinem Auftreten habe. Solche Annahme steht in völligem Widerspruch zu den tatsächlichen Verhältnissen. Der Schritt des Korrespondenten ist als unverantwortlich und unter den herrschenden Verhältnissen als in hohem Grade schädlich anzu- schcn." Amerika und der Krieg. Aus New York ivird der Frankfurter Zeitung geschrieben: Die Presse bezeichnet den Europäischen Krieg als ein „Verbrechen gegen die Zivilisation", dessen Urheber Oesterreich-Ungarn und Deutschland seien U). Ta den Redakteuren im großen und gaiizen jede Bekanntschaft mit europäischen Verhältnisse» abgcht, sehen sie nur die unmittelbaren dem Völkerkricg voraufgehenden Ereignisse, „das Ultimatum des großen Oesterreich an das kleine Serbien" und die „Einmischung Deutschlands", dessen Aufgabe, hiesigen Prcßäußernngen nach, cs gewesen wäre, Oesterreich zurllckzu- halten, oder cs seinem Schicksal zu überlassen, wenn es schon zum Kriege mit Serbien schreiten wollte. Andere tun sich viel darauf zu gut, tiefer in die wahren Verhältnisse cingedrungen zu sein und sie meinen, „der Kaiser" (alles, was in Deutschland geschieht, wird auf die Rechnung des Monarchen geschrieben), sei endlich vollständig zum Losschlagc» betest gewesen und habe Oesterreich die Aufgabe gestellt, den casus belli zu schaffen. Aus jeden Fall ist die hiesige Presse mit großer Einstimmigkeit der Ansicht, alles jetzt in Europa vergossene Blut werde aus das Haupt Deutschlands kommen. Selbst Evcning Post vertritt diese Ansicht, Sie legt den großen Konflikt vornehmlich dem Treiben der Militaristen zur Last und sagt u, a,: „Wir haben schon lange in dem arroganten, herrischen Wesen der Militaristen, besonders in den Betätigungen von Körperschaften wie dem Flottcnverein, eine schwere Bedrohung des europäischen Friedens gesehen, und diese Faktoren habe» jetzt das Schlimmste zuwcgegcbracht, das die menschliche Einbildungskraft sich vorstelle» kann," Die Post gibt dann ihren Befürchtungen Ausdruck über den ungeheuren Schaden, den der Fortschritt Deutschlands und ganz Europas durch den Krica davongctragen wird, namentlich solchen ans kulturellem Gebiete, (Wir haben wiederholt darauf hingewicscn, daß für den Anfang des Krieges mit amerikanischen Sympathien für unsere Feinde gerechnet werden müsse. Dafür sorgt das seit drei Wochen bestehende englische Kabelmonopol und die schon in Fricdenszeitcn bemerkbare geistige Abhängigkeit der amerikanischen Presse von der englischen. Durch das von der deutsche» Regierung zur Aufklärung der Vereinigten Staaten veröffentlichte Weißbuch in englischer Sprache, sowie durch die von zurückreisendcn Amerikanern mitgenommenen deutschen Zeitungen ist mittlerweile für Berichtigung falscher Urteile gesorgt worden. D, Red.) Die öffentliche Meinung steht bisher im Einklang mit der Prcstc, Der Amerikaner, der in seinen, öffentlichen Leben daran gewöhnt ist, nichts auf die Spitze zu treiben, sondern lieber eine» Kompromiß zu schließen, der der verlierenden Seite Zugeständnisse macht, kann es nicht fassen, daß Tausende und Abertausende auf dem Schlacht- scldc sterben sollen, ohne daß ein Versuch gemacht worden ist, die Streitpunkte ans gütlichem Wege zu erledigen. Es macht sich ferner die leise Befürchtung bemerkbar, ein siegreiches Deutschland werde zu mächtig für Amerika sein, und vor einigen Tagen hat sogar der hiesige Bankier C l c w z den Zeitpunkt vorausaesehen, da Deutschland den Panamakanal nehmen werbe. Ein großer Teil der Mißstimmung gegen Dciilschlanb ist auch durch die furchtbaren wirtschaftlichen Folgen des Krieges hervorgebracht worden. Schon bisher herrschte eine gewisse Depression, die aber infolge der Aussichten auf eine gute Ernte zu weichen begann. Jetzt aber ist die Stockung in Handel und Verkehr eine ganz außerordentliche: cs werden täglich Tausende von Arbeitern entlassen, die Preise für Lebensmittel gehen in die Höhe und bas ganze Wirtschaftsleben ist desorganisiert, Tie Regierung des Herrn Wilson sucht, wie sic sagt, strikte Neutralität aufrcchtzuerhaltcn, Herrn Wilson mag cs reckst ernst damit sein, augenscheinlich hat er aber Berater, die im Staats- »nd Völkerrecht wenig erfahren sind. Vor einigen Tagen hat er zum Beispiel für die deutschen Funkcntclcgraphcn-Stattonen in Sayville ans Lang Island und Tuckerton in New Jersey Zensoren Tronthjem und Bergen gelangten und von dort oft selbst nach London und Paris wandertcn, sehr teuer bezahlt wurden. In Nordland und Finnmarken waren Federtaschen und Kragen der Höchsts Putz für die vornehmsten und reichsten Frauen: der alte geizige Spekulant wurde daher anss ange- nchmste überrascht, als Mortuno mit mehr Galanterie, als ihm zuzutrauen war, die kostbare Spielerei JIda überreichte, „Gefällt sie der Jungfrau?" fragte er, die Tasche hin- und herdrehend, daß das Licht darüber hinlicf. „Sic ist sehr schön", sagte Jlda. „Es ist eine Brauttasche, wie so leicht keine sich solche verschaffen kann", fuhr Mortuno stolz fort. — „Nimm sic. Jung- stau, und trage sie: der arme Mortuno bittet dich darum." Jlda würde sich vielleicht geweigert haben, aber Helge- stad machte allen Bedenklichkeiten ein Ende. Er bemächtigte sich des Geschenkes und drückte seinen Dank dadurch aus, daß er den Lappen herzhaft schüttelte und ihm seine Flasche zu füllen gelobte, was Mortuno großmütig ablehnte. „Auch gut," lachte der Kaufmann, „machen es ein andermal zwischen uns ab oder schreiben cs aufs Kerbholz für die schlechten Streiche deines Herrn und Meisters. Wo ist der alte Höllenbrand Afraja? Hast ihn bei deiner Herde, oder spioniert er anderswo herum?" „Ich weiß nichts von ihm", war Mortunos Antwort. „Als ich ihn zum letztenmal sah, war ich tief in den Jauren in der Tana, wo er mit dem guten Vater Hornemann in seinem Zelte saß." „Hat der ihn aufgefundcn?" rief Helgestad. „Nuh! wird ein wackerer Bericht werden, den der Priester diesmal nach Kopenhagen schickt. Werdet auch darin paradieren, Herr Marstrand, denke aber, können's ertragen." Er lachte spottend auf, und da Mortuno mit seinen Rcnn- ticren fertig war, gab er ihm eine letzte Ladung lustiger Ab- schicdsbcmcrkungen mit auf den Weg, die den Lappen lächerlich machten, von diesem aber ebenso dankbar angenommen wurden wie Olafs handgreifliche Grobheiten. angestellt, welche die Abscnbüng von auf den Krieg bczllglkchm Depeschen, namentlich auch die Uebermittclung solcher an deutsche Fahrzeuge in amerikanischen Gewässern, verhindern sollen. Das englische und französische Kabel bleibt aber nach wie vor ohne Zensur. Herr Wilson hat augenscheinlich nicht gewußt, daß in der zweiten Haager Konvention ausdrücklich festgesetzt ist, daß neutrale Regierungen nicht gehalten sind, drahtlose und Kabel- Stationen einer Zensur zu unterstellen. Jedenfalls hätte er es, bei all seiner Freundschaft für England, nicht gewagt, in dieser Weise Engländer» und Franzosen einen Vorzug cinzuränmcn, wenn er geglaubt hätte, freie Sand zu haben. Den Entriistnngssturm, der sich unter den Deutschen des Landes ob seines parteiischen Vorgehens erhoben hat, hätte er unter keinen Umstanden riskiert. Wahrscheinlich wird der Präsident seinen Schritt in der Telc- graphen-Angelegcnhctt in den nächsten Tagen wieder gutzumachcn suche». Schon allein die Angst vor den deutsch-amerikanische» Stimmen wird ihn und andere im hohen Rate der Nation sitzende Männer veranlassen, im Punkte der Neutralität vorsichtiger zu sein. In diesen Dingen hat das alte Vaterland an seinen Söhnen in der Fremde eine» guten Rückhalt. Sic verlangen gar nicht, daß die Amerikaner Deutschland Vergünstigungen erweisen, was sie fordern, ist strikte Neutralität »nd diese Forderung stellen nicht nur sie, sondern alle einsichtigen Bürger, Es mag übrigens darauf aufmerksam gemacht werden, wie einmütig die hiesigen Dcutt s ch c n jetzt in der furchtbaren Krisis, die die alte Heimat be-, troffen hat, sind. Zu anderen Zeiten sind sie nach Landmannsschafte» oder in anderer Weise geschieden, gegenwärtig aber wirken sie alle zusammen, nicht nur um die amerikanische Regierung auf dem geraden Wege zu erhalten, sondern auch um Gelder sür di« Pflege der Verwundeten zu sammeln und ähnliche Aktionen dnrch- zusühren, die nicht mit ihrer Pflicht als Bürger in Konflikt kommen, Und gar manche, die schon beinahe im Amcrikanertum aust gegangen sind, erinnern sich jetzt ihres Ursprungs, was allein daraus hcrvorgcht, daß die deutschen Zeitungen hierzulande in wenigen Tagen um viele Tausende an Zirkulation Zunahmen. Der Lescrzuwachs rekrutiert sich zumeist aus den Kreisen derjenigen Deutschen, die bisher nur englische Zeitungen lasen. An die freiwilligen Helfer. (Amtlich.) (W. B.) Nach einer zwischen ihnen getroffenen Vereinbarung geben die obersten Reichs- und Staatsbehörden! folgende Erklärung bekannt: „Alle diejenigen männlichen! Personen, die sich in patriotischer Pflichterfüllung den Militär« oder Zivilbchörden für unentgeltliche Beschäftigung jeder Arb zur Verfügung zu stellen gewillt sind, werden hiermit ersucht^ sich in Zukunft nicht mehr direkt, weder mündlich noch schriftlich, an die Behörden: den Großen Gencralstab, das Kriegs- ministcrium, den Admiralstab der Marine, das ReichsmarincK amt, die obersten Reichsbehörden sowie die preußischen Minst sterien, sondern nur noch ganz ausschließlich an die zur Enk gcgennahme aller dieser Meldungen begründete „Permitb lungsstelle für freiwillige nationale Hilfsarbeit", Berlin W. 7j Dorothecnstraße 8, zu wenden. Die Behörden ihrerseits wcr^ den ihren Bedarf an solchen unentgeltlichen Hilfskräften ein» tretcndcnfalls aus den bei der oben genannten Bermittlungst stelle eingegangencn Meldungen decken. Die Meldungen, die bei den eben genannten Behörden direkt eingehen, werden von diesen in Zukunft grundsätzlich der Vermittlungsstelle zur weiteren Bearbeitung überwiesen werden. Selbstverstände sich beabsichtigen die Behörden nicht, Kräfte, die bisher gcgew Entgelt tätig waren und durch den Krieg ihrer Tätigkeit entzogen worden sind, durch unentgeltliche Hilfskräfte zu er>< setzen." Die Vermittlungsstelle für freiwillige nationale Hilfs« arbeit ist auf Grund der Auffassung der Reichs- und Staats« Icitung, daß die Beseitigung der durch den Krieg hcrvorge^ rufenen Arbeitslosigkeit im gegenwärtigen Augenblick ein? der wichtigsten und ernstesten Aufgaben aller für das Volks« Wohl verantwortlichen amtlichen Stellen darstellt, ausschließt sich zur Vermittlung derjenigen Stellen ermächtigt, deren Besetzung durch bezahlte Kräfte wegen der Art der zu leisten^ den Arbeit nicht in Betracht kommt. Mündliche Anmeldungen bei der Bermittlungsstelle werden vormittags von 11 bi? 12 und nachmittags von 4 bis 6 Uhr entgegengcnommen, Cine Warnung an die Presse. Wie streng setzt die militärische Zensur ist, unter der die gesamte deutsche Presse steht, und daß sie sich keineswegs nur auf rein militärische Nachrichten beschränkt, beweist folgende Mitteilung, die der Gouverneur der Festung Köln sämtlichen Kölner Blättern zugehcn ließ: „Die Nachricht vom Tobe des Papstes wird von den Blätter» entsprechend ihrem konfessionellen Charakter verschieben bc- Die übrigen drängten sich um den armen Burschen, den» jeder hatte noch eine Witzelei anzubringen. Der eine überbot den andern an boshaftem Spaß, und den versammelten Gaardleuten, Fischern, Weibern und Kindern war der ge-^ quälte Mortuno ein Gegenstand der angenehmsten Unterhaltung, Wie flink er sich mich drehte nnd seine gute Laune den Ausfällen entgegensetzte, so mußte doch Jlda sich endlich seiner annchmen, daß sie ihren Vater auffordcrte, sich ins Mittel zu legen. „Laßt ihn fort, laßt ihn zichenl" rief Helgestad. „Mortuno, mein Junge, bist ein Juwel, begreifft den Spaß und lachst mit. Komm wieder, wollen dir mehr davon geben, und bring' eine neue Federtasche, sollst dieselbe Bezahlung dafür haben," „Danke, Vater," erwiderte Mortuno unter dem schallenden! Gelächter, „ich hoffe dir noch manche Freude zu machen — aber meine Mütze ist zerrissen," „Laß sie mit lappischem Zwirn, mit Rennticrsehnen von deiner lieblichen Braut zurechtslicken," rief Petersen. „Und meine Federn sind zerknickt," fuhr Mortuno fort. „Da oben fliegt ein Adler, hole dir neue," rief Olaf. Mortuno faßte sein Gewehr und seine Blicke' zuckten nach oben. Die Renntiere und Führer hatten sich auf den Weg gemacht und stiegen jenseits des Grundes an den Felsen hinauf. — „Lauf, was du kannst, ihnen nach, du Narr," sagte der Nordländer, „und verknalle dein Pulver nicht." Statt der Antwort legte Mortuno seine Büchse an, im nächsten Augenblick donnerte der Schuß und aus der Höhe stürzte der Vogel köpflings fast zu den Füßen des Schützen herunter. Es war ein großer Fischadler, die Kugel ihm mitten durch den Körper gegangen. Das Gefühl der Bewunderung über solche Kunst und Sicherheit brachte ein allgemeines Schweigen hervor. „Hätte ich cs nicht gesehen," sagte Olaf, „ich würde es nicht glauben, obgleich ich weiß, daß die Tagediebe schießen können." (Fortsetzung folgte sprachen. In mehreren praßen Zeitungen hat deshalb schon eine schärfere Polemik eingesetzt. Ohne sich in die internen Angelegenheiten der einzelnen Zeitungen cinmischcn zu mallen, sieht sich daS Gouvernement doch veranlaßt, an die Presse die dringende Mahnung zu richten, die geschlossene Stimmung der Parteien und die bisher einmütige Haltung unter allen Umständen anf- rechtzucrhalten. Ter geringste Versuch, die augenblickliche Einigkeit des deutschen Volkes durch Partei politische Streitigkeiten und Beschbung auf konfessionellem Gebiete zu st ö r c n, gleichviel von ivelcher oder gegen welche Partei, wird sofort auf das energischste unterdrückt werden." Die Zeiten ändern sich. Seltenes Zutrauen der Behörden zu der Sozialdemokratie spricht aus folgendem Inserat, das wir in unserem Kattowitzer Parteiorgan, der Freien Presse, finden: Im Austrage der hiesigen Königlichen Militärbehörde nimmt die Geschäftsstelle der Freien Presse, Heinzelstraße 8, zur Ablieferung an diese entgegen: Handschußwaffen (Mauserpistolen) mit Munition, Ferngläser (möglichst mit Futteral). Die Geschäftsstelle der Obcrschlesischen Freien Presse. Alles mag schon dagcwcsen sein, aber das ein sozialdemokratisches Organ einmal Mauserpistolen für die Königliche Militärbehörden einzichen würde — das hat Ben Akiba nicht geahnt! Behördliche Aufträge a» Arbeiter Organisation«:». Durch Vermittlung des Gcwcrbcinspcktors erhielt der Verband deutscher Schneider, Ortsgruppe Breslau, einen größeren Auftrag zur Anfertigung von Militärhosen und Militärmänteln. In Breslau, einer großen Konfektions- stadt. waren 15 000 Schneider und Schneiderinnen arbeitslos, sodaß Abhilfe dringend not tat. Da bei der freien Gewerkschaft der Zwischenineistergcwinn wegsällt und die Vcr- teilungskosten außerordentlich gering sind, kann der Verband die Arbeiten mit günstigerer Bezahlung ausgebcn als die Innung. Der „sozialdcniokratische" Konsumverein „Vorwärts" in Breslau verkauft im Aufträge des Magistrats die von den städtischen Behörden zur Verhinderung des Wuchers angekauften Kartoffeln. Luftschiffe im Kampf. Von amtlicher Seite wird uns mitgcteilt: Unrichtige Pressenotizen iibcr die Beteiligung eines Lustschisses in dem Kampf um Lüttich haben, wie aus zahlreichen Zuschriften hcrvorgcht, vielfach die irrige Ansicht auskommen lasten, das Luftschiff habe, um wirksam den Angriff zu unterstützen, bis auf 000 Meter hcruntergehe» müssen. Bei derartig geringer Höhe wurde das Luftschiff, ganz abgesehen von dem großen Ziel, das es hierbei dem Gegner böte, Gefahr laufen, durch die Sprengwirkung seiner eigenen Geschosse beschädigt zu werden. Ein solcher Fehler ist deshalb auch selbstredend nicht gemacht worden. Alle auf dieser irrigen Nachricht beruhenden Vorschläge von Erfindern, sind daher gegenstandslos. Russische Pressionen. Die Abendblätter Wiens berichten über die in Konstantinopel, Bukarest und Sofia herrschende Entrüstung wegen der unerhörten Sprache, welche die russischen diplomatischen Vertreter gegenüber den dortigen leitenden Staatsmännern führen, um sie zu bewegen, daß diese Länder sich Rußland anschlicßcn. ' Dabei sollen deutliche Anspielungen auf das Los gefallen sein, das Stambulow getroffen habe. Die Blätter fügen hinzu, daß das brutale Vorgehen der russischen Vertreter selbstverständlich völlig erfolglos geblieben sei. Die Stimmung in Belgien. Der Spczialkorrespond«it -b«s Bcrl. Tagobl. schreibt: Tie Stimmung der belgischen Slevölkerirng ist nicht mehr so erbittert, seit die deutschen Soldaten im Lande sind. Oft sitzen Landwehr- niänner mit belgischen Familien zusammen vor den Türen der Säufer, als ob hier der Frieden wohnte. Die gesamte Prcste Belgiens, ausgenommen di« von Antwerpen, erscheint in dort ich er Sprache. Ter von deutscher Seite eingesetzte Gouperpeo. veranlasst alles weitere. Es ist anznnehnren, daß di« srapzösrfch« Sprache neben der deutschen beibehalten wird. Der Sonderkorrespondent des Tat!» Ehroniclc meldet, daß Antwerpen bereit ist. für den Angriff der Deutschen alle hinderlichen Häuser indieLuftzn sprengen, damit sie den Deutschen nicht als Deckung dienen können. In aller Eile wurden neue Wälle und Gräben errichtet, >uu die schwere Artillerie unterzubringen. Me Gebäude der Stadt sind mit Flaggen geschmückt. Abbruch der Beziehungen zwischen Oester reich- Ungarn und Japan. Dem japanischen Botschafter Sato in Wien, welcher am Vormittag noch dem Requiem für chen Papst beitvohntc, wurden mittags die Pässe zugcstcllt. Der österreichisch-ungarischc Botschafter in Tokio, Baron Müller, ist abberufen worden. Der Seckampf in der Adria. Der letzte Funkenfpruch, den das Kriegsschiff „Zenta" absandte, lautete: „Ich nehme Kampf mit feindlicher Flotte auf." Diese Flotte bestand aus 16 großen und 12 kleineren Schiffen. Nach in Wien cingelangtcn Berichten wllrden vier feindliche Schiffe schwer beschädigt. DaS Verhalten der kleinen „Zenta" gegenüber der kolossalen Ueber- macht erregt in Wien lebhafte Genugtuung. Russisches. Eine niternationalc Korrespondenz berichtet, daß der bisherige Stabt Haupt mann von Petersburg standrechtlich hinge- richtct worden sei. lieber di« Ursachen zirkulieren verschieden« Versionen. Es soll der Verdacht gegen ihn bestehen, daß er Anstifter dcs jiingstcn Streifs gewesen sei: andere wieder behaupten, er sei der Spionage zugunsten eines fremden Staates überwiesen worden. — Di« Meldung klingt sehr unwahrscheinlich, indessen in Rußland ist schließlich alles möglich! Ein Arist'nf des Berbandes der freien Volksbühnen. folgenden vom Oberkommando in den Marken genehmigten Aufruf veröffentlicht der Verband der freien Volksbühne n: ^ Ter Sturm des Krieges erschüttert das Kulturleben der Nation, ^«r wehrloseste und doch so wertvolle Besitz der Menschheit, die ff u n st, steht sich als erste dem Anprall der entfesselten Gewalten Ihr Feld, das geduldiger Fleiß bestellte, liegt brach St z t'* *** veröden. Zahllosen ausübenden Künstlern ist der . ^istcnz unter den Füßen wcggezagen, jäh und unver- i/vöm s,e sich mit threii Familien im Elend. In allen Nöten sisch die Kunst als seelisches Bedürfnis der Volksgcsamtcheil fl:”',. "Xha«pten. Wohl ist die Vertcidiguna des Vaterlandes die -- PU>chten. die AufrvchterhalMng der materiellen Existenz . driiigeiidstr Gebot: zugleich aber sordcrt die Stunde I S* Schutz aller geistigeil Güter, die den Wert eer Batton auLmochcn. Darum rufen wir die ausübenden .Künstler — ^mauipicler Rezitatoren. Säuger und Musiker — auf, jetzt mit tljrcr Kunst ins Volk zu gehe,«. Hier werden sie noch «ine große Aufgabe finden, hofsentlich auch ein« kleine Hilf« gegen die aller- schliiumstc Not. Ter Verband der freien Volksbühnen wird für die ivenigcr bemittelte Bcvülleruiig, insbesondere auch siir die Ardeidcrschast Berlins in großen und llciiicn Sälen, vor allem in Räumen, die uns der Älagistrat von Berlin srcuiidlichst zur Versüßung gestellt hat, regelmäßig sich wiederholende Valkskunsta>bendc veranstalten. Tas Eiiitrittsgeld wird 10 Pfennig betragen, das Programm dieser Abei,de soll siel, van allem Platten und Lberslächliä-cn iveit entfernt l»alteii, cs soll der geistigen Vertiefung dienen und der Stärkung de: sittlichen Werte, di« in unierciii Volke lebendig sind. Tie Tahcim- gebtiebrncn, Frauen und Männer, sollen den Gefahre» der Vereinsamung und der Straße entzogen ivcrdcn. Sie ivcrden tu Scharen kommen, um in Not und Betrübnis bei der Kunst Trost und Erhebung zu suchen. Unser Volk aber ivird höchsten geschichilichen Ruhm erwerben, wcim es auch tu den Wettern des Weltkrieges nicht auslhört, das Volk Goethes und Schillers, Beethovens nnd Mozarts zu sein. Wir bitten alle Opferwilligen, die öffentlichen Körperschaften und Organisationen um tätige Hilfe bei deni bedeutungsvolle» Werk. Der Verband der freie» Volksbühnen. Dem Aufruf schließen sich an: Obcrbürgcrnicistcr W ermuth, Bürgermeister Tr. R e i ck c, Kurt Baake. Tr. Gertrud B ä n - in er, Fcrruccio Busoni, Ernst Däumig, Tr. Ed. David, R. d. R., Tr. Franz T i e de r i ch , Heinrich T o v e, M. d. R., Eng. Ern st, Oskar Fried, Hugo H a a s e, M. d. SH., Prof. v. Ho r - n a rk, Hugo H «i m a n „. Wolfgang H e i n c, M. d. R„ Tr. tllfred K « r r, Käte K o l l w i tz , I. Landau, E. L e g i e n, M. d. R., Helene Lange, Gustav Link, Ernst Lissaucr, Tr. Friedrich N a u m a n n, M. d. 8!., N i t h a ck - S t a h n, Tr. Franz Oppenheimer, Prof. Tr. Mar L i c b « r m a n n, Mar P a t c g g, Gust. R i ck c i t. Artur Schnabel, Aug. Stein, Georg S p r tu ge r, Klara Viebig, Tr. Bruno Wille, Eduard von Winterst e i n, Theodor Wolfs. Die dreitägige Schlacht bei Krasnik. (Ein glänzender Sieg der Oesterreicher) Wien, 28. August. Das österreichische Kricgsqiiarticr meldet nuitlich: Tie dreitägige Schlacht bei Krasnik endete! gestern mit einem völligen Siege unserer Truppen. Die Russen wurden auf der ganzen etwa 70 Kilometer breiten! Front geworfen und haben fluchtartig den Rückzug nach Lublin nngctrctcn. Das österreichisch-ungarische Hauptquartier meldet vom ersten Schlachttage: In der siegreichen Schlacht bei Krasnik hat, wie jetzt bekannt wird, eine österrcichisch-nngarische Armee zwei russische Armeekorps in der Flanke nördlich ans den Höhen von Tramp»! angegriffen. Ter Kampf war äußerst harnäckig, der Sieg vollständig, lieber 3000 Gefangene wurden gemacht, sieben Maschinengewchrc er beutet. Gefangene russische Lssizicre versichern, daß der Angriff der Ocstcrreichcr mit dem allergrößten Elan stattfand. Tic Gefangenen befinden sich vielfach in abgerissenem Zustande. Sie küssen den Oestcrrcichcrn die Hände für das gereichte Essen nnd die gute Behandlung und erklären, daß in der ganzen Armee die größte Unzufriedenheit herrsche. Tie österreichische Armee rückt ständig vor. Pariser Bericht über die Kämpfe an der Maas. Das Echo de Paris meldet über die Kämpfe an der Maas: Ain Sonntag standen 400 000 Franzosen und 40 000 Engländer gegen die Deutschen. Zuerst waren die englischen Truppen w e st l i ch der Maas Herr des Terrains. Ta ließen die Deutschen die Garde Sturm laufen, worauf die Truppen der Verbündeten, namentlich die afrikanischen, wichen. Tie Deutschen hatten allerdings 700 000 bis 800 000 Mann im Feuer und die besten Stellungen. Zu dein französischen Emgicständnis der Niederlage sagt di« Voss. Zkg.: Tie Franzosen haben die Niederlagen, die sic in den letzten Tagen erlitten haben, ans die Tauer nicht verheimlichen können. Sie versuchen aber, sic als m i n d e r s ch w c r hinzustcllcn. Tee in der Mitteilung aus Paris vom 24. August erwähnten Ereignisse iv e st l i ch der Maas sind bisher bei uns nach nicht bekannt gewesen. Danach sind die Franzosen ivestlich der Nlaaö vorgegangen, aber z u r ü ck g c s ch I a g e n worden. Auf dem äußersten nördlichen Flügel soll die deutsche Kavallerie bereits die Gegend nördlich Lille erreicht haben. Italiens Rentralität gesichert. Wie ans Rom telegraphiert wird, ist der italienische Botschafter in Berlin, Herr Bollati, gestern vorniittag von dort wieder abgercist. Der sehr deutschfreundliche Botschafter hatte sich vor etwa einer Woche nach Rom begeben, »m den maßgebenden Persönlichkeiten über seine Eindrücke zil berichten und mit ihnen über die Stellungnahme Italiens gegenüber seinen Verbündeten zu beraten. Während seines Ailfcnthaltcs ist die Bewahrung strikter Neutralität seitens der italienischen Regierung erlassen worden. Die Nnffcn vor BnrgaS. Die aus Sofia gemeldet wird, crschic» in der Nacht Z»m Donnerstag eine Tivisio» der russischen Schwarze» Meer-Flotte vor Burgas. lEinc bulgarische Hafenstadt. T. Rcd.j I» der Stadt entstand eine Panik. Tie Bewohner räumten um Mitternacht die Häuser und verließen die Stadt aus Furcht vor einem Bombardement. Griechenland nnd Rumänien. Bukarestcr Meldungen zufolge sollen zwischen Rumänien und Gricchciiliriid gegenwärtig Verhandlungen gepflogen sein, run feft- ziistcllcn, unter ivclchen Voraussetzungen formelle Veränderungen des Bukarcster Vertrages möglich wären. y Belgische Zustände. In den lctzttn drei Tag«n voriger Woche sollen 12 000 Flüchtlinge, meistens Teutsche, aus Antwcrpeii »ach Holland gckonim«» sein und zwar nieist Über Hamont und Budel. Di« Lime Antwerpen—Hamont ist unterbrochen. Der Biirgeiwcistcr des Grenz- optes weilt« Sonntag naämiittog bei den Grenzsoldaten und prüfte die Papier« von 500 deutschen Mattosen und Schifssoffiziercn, deren Schiffe in Antwerpen beschlagnahmt worden sind. In der Budcler Zinkfadrik wurde die Hälfte der Arbeiter, meist Teutsche, entlasten. Ander« erhalten mir 25 Prozent ihrer Löhne. Parleinachrichten. Tie BildungSaiisschiisse während des Krieges. Wie alte organisatorischen Eiiirichtungen der Arbeiterschaft während der Tauer des Krieges aufrecht erhalten werden müste», so haben auch die Bilduiigsausschiiste die ernste Pflicht, die erst in den letzte,, Jahren mit vieler Mühe geschasfcnen Grundlagen und Anfänge der planmäßige» BildungSarbeit zu sicher». Wo Lücken i» den Bildungsausschüsten durch Einberufung von Mitgliedern entstanden sind, iiiüstcii sie geschlosten werden, sei es durch Htnzuwahl neuer Mitglieder, sei cs durch Rcukonstituicrung der übrig geblie- brne» Mitglieder, besonders durch Wahl eines Vorsitzenden, joscru der bisherige Vorsitzende zu den Einberufenen gehört. Tie Bil- dungsauSschüstc sollen seiner versuchen, auch jetzt aus den verschiedenen Gebieten ihrer Tätigkeit eine bescheidene Wirksamkeit zu ent- saltcn, wobei sie jedoch volle Rücksicht aus die durch den Krieg veränderten Verhältnissen nehmen müssen. Besondere Anweisungen lasten sich dafür nicht geben, da die Art'der"Betätigung in jede». Beziehung und in jedem einzelnen Falle von den örtlichen Verhalts nisten abhängig ist. Auf briefliche Anfrage ist der Zeutralbildungs-, ausschnß gern zu Raischlägei, in Einzelsällcii bereit. Zu beachten ist überall noch mehr als in Friedenszcttcn, daß etwaige Veranstaltungen belehrender oder unterhaltender Art im vollen Einverständnis mit den örtlichen Instanzen der Arbeiterbewegung ge- troffen werden müste». Sodann dürfen die Veranstaltungen keine Geldausgabc» verursachen: sie müsien sich auf freiwillige und unentgeltliche Mitarbeit gründen. Ter Charakter aller Vcranstal- tungcn muß ebenfalls auf die Kriegslage Rücksicht nehmen, ihr Zweck soll sei», .die moralische Widerstandskraft des Einzelnen und der Gesamtheit gegen die vielen erschütternden »iid niederbrückcn- dcn Ereignistc des Krieges zu stärken. Der Zentralbildungsausschutz. Ein Notschrei der Frauen. In Berlin niiterstüben unsere Genossinnen die städtische Hilfs-, aktiv» für die Familien der zum Kriegsdienst Einberufenen. Es- bestehen 24 Hilsskommissionen. Tie Leitung dieser Kommissionen liegt immer in de» Händen einer bürgerlichen Frau und einer Genossin. lieber 000 Genossinncii sind für diese .«rprnmissivncn als Helseriniic» für die Recherche» tätig. Im ganzen arbeiten in Berlin 054 Gciiossinncii im Ticiistc der öffentlichen Wohltätigkeit mit. Vorige Woche hatte» sich diese Genossinnen versammelt, um eine Aussprache über ihre Ersahruiigc» zu halten. Es waren erschütternde Tatsache», die berichtet wurde» von der unsäglichen Not, die in den Arbeitervierteln herrschen. Ilcbcreinstimmcnd wurde berichtet, daß die Not der Arbeitslose» ungleich größer ist als die der Familien der Krieger, die immerhin die gesetzlich garantierte Staats- nnd Gemeindcunterstütziing erhalten, deren Auszahlung nur leider zum Teil so entsetzlich langsam erfolgt. Auch die sofortige Zahlung der kleinen Summe» an die Arbeitslosen, zu denen! die Bczirksvorstcher ermächtigt sind, geht zum Teil schrecklich lang- san, von statten oder unterblieb ganz. Infolgedessen ist unter bei» Notleidenden eine geradezu verzweifelte Stimmung. Tie versammelten Franc» erachten cs deshalb als ihre unab-i weisbarc Pflicht, den in Frage kommenden Instanzen folgende Entschließung schleunigst zu übermitteln: „lieber sechshundert sozialdemokratische Frauen Berlins, die sich in den städtischen Dienst der Unterstützung für die Familicir der in das Feld Einberufene» gestellt haben, erheben nach ihren Erfahrungen seit dem Kriegsausbruch folgende gebieterisch« For, dcrung: Tas Reich muß schleunigst erhebliche Mittel zur Unterstützung der Arbeitslosen, für die Arbeit nicht beschafft werden kann, den Gemeinden zur Vcrfllguiig stellen. Tas Elend der Arbeitslosen tritt immer häufiger in Ent« sehen erregender Weise zutage. Geschieht zur Linderung dieser Not nicht schnell in umfaßen« der Weise etwas Turchgreisendcs, so werden sich binnen kurzen» grauenvolle Zustände entwickeln. Tie versammelten Frauen beschloffe», diese Kundgebung dem: Rcichsamt des Innern und deni Magistrat der Stadt Berlin zu unterbreiten, in der Hosfnung, baß sic dort Beachtung finden werde" Ter Berliner Magistrat hat in Beantwortung der Eingabe der Genossinncii mitgetcilt, daß der nächsten Stadtverordnetensitzung ein großzügiger Plan zur Unterstützung der Arbeitslosen-zur Beschluß^ saffung unterbreitet werden soll. Zinn Bahnhossvcrlauf ziigclasicn würbe auch die Norddeutsche Volksstimme in B r c nrc r h a v eni (Verbreitungsgebiet Unterweser und Untcrelbe-Gebiet). Roch ein Gcwcrkschastshans als Lazarett. Sämtliche Saal- und Wirtschastsräumc des Kölner Volks-: Hauses werden von der Militärbehörde zu Lazarettzwecken in An« spruch genommen. Hessen mit» Nachbargebiete. Gießen nnd Umgebnnfl. — Tic Arbeitslosigkeit hat in der Stadt und auch aun dem Lande immer größeren Umfang angenommen. Von den! Fabriken hat ein Teil ganz geschlossen, in anderen wird nue halbe Tage gearbeitet. Natürlich werden dadurch eine große Anzahl Arbeiter in Mitleidenschaft gezogen nnd cs wurdew schon wiederholt Acußerungen laut, welche die Lage der Ar-- bcitslosen-Familien als erheblich schlechter bezcichneten als diejenigen der Einberufenen. Das mag in vielen Fällen gewiß zutrcfscn. Sind erst die zurückgelegten Spargroschen! verbraucht, dann wird natürlich die Lage der ArbeitsloseiL und ihrer Angehörigen noch viel bedenklicher. Es ist dahccj eine der wichtigsten Aufgaben der Gemeinden, nach Möglich-^ Feit fürArbeit zu sorgen. Größere Arbeiten, die bereits beschlossen sind und doch in nächster Zeit ansgcführt werden müssen, sollten sofort in Angriff genoinmen werden, damit Arbeitslose Beschäftigung finden. Vielleicht tväre cs auch möglich, jetzt schon mit der Holzhancrei unb dem Durchforsten! der Waldbestände z» beginnen. Letzteres wäre auch für dis Landgemeinden nnd die staatlichen Forsten zu empfehlen. — In Friedberg hat sich das Gcwerkschaftskartell mit einer Eingabe an die Stadtverwaltung gewendet und Maßregeln zur Abhilfe vorgeschlagen, wobei nachdrückliches Gewicht darauf gelegt wurde, daß man eS ablehne, Unterstützung ohne Gegenleistung anznnchnicn. Nicht Brot, sondern Arbeitsgelegenheit fordere man. — Ungehöriges Betrage». Es wird uns mitgeteilt, daß" vorgestern, als Verwundete ankamcn nnd diese vom Bahnhoß ins Lazarett gebracht wurden, verschiedentlich im zuschancndcni Publikum „Hurra" gerufen wurde. Das ist doch so taktloS, wie nur möglich. Tie aus den Kriegsgrcucln zurückkchrenden Soldaten, die vielleicht zum Teil auch von dem Furchtbaren, das sie gesehen haben, seelisch erschüttert sind, muß cs peinlich berühren, wenn sie mit Hurragebrüll empfangen werden. Bald kann in Deutschland nichts mehr geschehen, ohne daß dabei Hurra geschricn wird. Jeder Verständige.sollte der Unsitte entgegenwirkcn. — „Patriotische" Kindereien. In der Franks. Ztg. war gestern folgende Notiz zu lesen: „Keine russischen u n d i r i s,ch c n B ä d e r. Die für die Schwitzbadcabteilung im städtischen Schwimmbad vielfach üblich gewesene Bezeichnung als russisches oder irisches Bad wird jetzt, wie aus einer Bekanntmachung hervorgebt, Dampf- und Heißluf t,b-a d benannt! Es ist zu hoffen, daß das „deutsche Dampf- nnd Heißtust- bad" bei den Gästen des Schwimmbades nicht minder be. liebt sein wird." Derartige Albernheiten können ja noch lveiter getrieben und auf viele andere Bezeichnungen ausgedehnt werden. Man sollte z. B. auch kein e n gl,i s,ch,c s Heftpflaster iiicbr verwenden nnd nicht auf denk frantz'öls'ifch-e.n Billard spielen: kein Theaterstück , eines englischen, oder .französischen Verfassers besuchen! Darum nieder mit. - Shakckpcare, MViktorfHugö-uud: anderen. ^Abrr^mtf^jtzrnzöstscheil Champagner und Kognak werden die Angehörigen 'unserer besseren Kreise sicher nicht verzichten wollen! — Vom Zuge überfahre». Im Giehcner Giiterbahnhof wurde ani Dienstag der Hilssweichcnstcller Siegel aus 'Fronhausen a. d. Lahn von einen, vom Rangierbcrg ab- 'laufenden Wagen erfaßt und sofort getötet. Jedenfalls war der Verunglückte an einer Weiche beschäftigt und hat den heraukommcndcn Wagen nicht bemerkt. Siegel war verheiratet und hintcrläßt Familie. Der gestrige Hanptviehmarkt i» Frankfurt brachte abermals einen ganz erheblichen Prcisfall in allen Viehgatlungen, vor allein bei den Schweinen. verblieb von den 2203 aufgctricbenen Schweinen nach gedrücktem Handel ein Ucbcrstand. — Die Kolonie Togo, deren Hauptstadt Lome vor kurzem von den Engländern besetzt worden ist, wurde im Jahre 1884 von Deutschland in Besitz genommen. Das Land umsastt einen Flächenraum von 87 200 Quadratkilometer» und zählte nach den Angaben des Statistischen Jahrbuches für das Deutsche gleich im Jahre 1012 rund 1 Million Einwohner: 345 Weiße, zumeist Deutsche, befanden sich darunter. Eine Tchutztrnppe wird in Togo nicht unterhalten. De» Sicherheitsdienst versieht ein Polizciausgcbvt von 500 Mann, 500 Farbigen und 0 Weißen. 308 Schulen, von denen zioei evangelische und eine katholische Missionsgescllschast 305 verwalten, wurden Ende 1912 gezählt. Insgesamt erhielten darin 14 853 Schüler Unterricht. 14 Post- und 18 Tclegraphcnvcrwaltungcn dienen der Aachrichtcnvcrmittlung. 323 Kilometer Eisenbahn sEnde 1912s bewältigten einen ziemlich umfangreichen Personen- und Güterverkehr. Lbwohl Togo die kleinste der festländischen deutschen Uebersce-Kolonicn ist. gehört sic mit zu dem wertvollsten Kolonialbesitze des Reiches. Togo ist die einzige deutsche Kolonie, die seit einigen Jahren ihre Vcrwaltungskostcn aus eigenen Mitteln bestreitet und keines Reichszuschuffcs bedarf. Ihr Außenhandel ist ziemlich lebhaft. Tic Einfuhr betrug 1912 dem Werte nach rund 11,4 Millionen Mark, die Ausfuhr rund 10 Millionen Mark. Deutschland ist mit 0,2 Millionen Mark an der Ausfuhr und 2,7 Millionen Mark an der Einfuhr beteiligt. Die hauptsächlichsten Ausfuhrgüter Togos sind: Palmkcrne, Baumwolle, Kautschuk, Baumwollsamcn, Mais, Kakao und Palmöl. Eingesührt werden vor allem Erzeugnisse der Eisen-, Kohlen-, Textil- und Alkohol- Industrie. Einmachcn von Bohnen. Di« Bohnen werden gewaschen, von den Fäden befreit und sein geschnitten. Sodann werden sie lagen- iveise mit Salz. Pfcsferkörnern und Bohnenkraut fest in Steingefäßc gepackt, wobei man auf 10 Pfund Bohnen 1 Pfund Salz rechnet. Auf die Bohnen kommt ein runder Holzteller, der mit einein Stein beschwert wird. Bor dein Gebrauch müssen di« Bohnen gut abgewaschen iverden. Das erste Kochwasser wird abgegossen und dann das Ge- niüse mit Schiveinefleisch oder Speck, eventuell auch Kartoffeln, gar gekocht. ' — Heuchclheim. Die Witwe W. St. von hier, eine Fabrikarbeiterin, besitzt ein Baumstück zwischen der Robheimer Kreisstraße und dem Wege nach dem Heuchclheimcr MUHlchen, Acpfcl- und Birncnbäume, die mit edlen Sorten Früchte gut behängen sind. In der letzten Zeit bemerkte die Besitzerin, daß das Gras i» dem Stück zertreten ist und mit Steinen nach den Bäumen geworfen worden war. Es gelang ihr nicht, die Frevler zu ermitteln, ivcshalb sie ihren 75jährigcn Vater beauftragte, einmal aufzupasscn. Dieser ftand am Freitag voriger Woche nachmittags in einiger Entfernung von dem Stück und beobachtete, daß eine Anzahl Bergleute aus Rodheim und Fellingshausen auf ihren Rädern heimwärts fuhren. Während die älteren Leute ruhig vorüberfuhren, kamen schließlich zwei junge Burschen, stellten ihre Räder beiseite und der eine hatte zivci saustgroßc Steine und wollte eben in die Bäume werfen, als ihm der alte Mann zuries, er solle die Sache sein lassen. Da schrie der Biirsche: „Komm cmol erüivwcr, dci zwie sSteincf kriestc on Kopp, ders de verreckst!" — Am Samstag stand der Mann ivicder auf dem Platze, als die zwei Burschen wieder kamen mit noch zwei anderen. Als sie den alten Wächter stehe» sahen, verhöhnten sic ihn und schrien? „Da steht das alte Gewittcroos wieder! Er soll hcrüberkommcn: wir schlagen ihn tot und hängen ihn am Baum, daß ihn die Raben fressen." Solcher schütten Redensarten führten sic noch mehr. — Das ist doch wirklich eine Roheit und man sollte doch verlangen, daß jeder jiingc Bursche heutzutage soviel Verständnis und Bildung hat, bas Eigentum anderer zu achten. — Gedern. Vor einigen Monate» wurde in Frankfurt ein großer Warcndiebstahl entdeckt, der viel Aufsehen erregte. Besonders auch hier in Gedern, da ein hiesiger Kaufmann, Gustav Bliinienthal in die Affäre verwickelt war. Dieser hatte Stoffe in erheblicher Menge von dem Handlungsgehilscii G r U n c b a u m gekauft, welcher diese in der Frankfurter Kleiderstoffhandlung von L. Bcucr, wo er angcstcllt war, gestohlen hatte. I», Laufe der letzten zwei Jahre soll er seinem Prinzipal mehr als für 10 000 Mark Waren gestohlen haben, die er dann in verschiedenen Orten billig verkaufte. So hatte er auch hier in Blumcnthal einen guten Abnehmer. Gegen diesen wurde ei» Verfahren wegen Hehlerei cingeleitct und am Samstag kam die Sache vor der Frankfurter Straskainmcr zur Verhandlung. Sie endete mit der Verurteilung Blumenthals zu acht Monaten G e s L » g n i s. Der Dieb Grllnebaum erhielt 2 Jahre Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust. Kreis Wetzlar. X Arbeitslosigkeit im Dillkreise. In dem mit Industrie stark kurchsctzten Dillkreise hat die Arbeitslosigkeit einen bedenklichen Umfang angenommen. Ein Werk nach dem anderen legte den Betrieb still: >n Niederscheld, Sinn, Hcrborn, Burg, Tillcnburg und .anderen Orten. Aus dem Kreise Biedenkopf kommt die gleiche Klage. Insbesondere sind cs die Werke des Hcsscn-Nassauischcn .Hüttenvereins, die zumeist den Arbeiter» die Pforte verschlossen haben, darunter Großbetriebe, von denen jedes Werk über 1000 Arbeiter beschäftigt. Kalt wurde von einzelnen Unternehmern erklärt: Wir schließen den Betrieb solange der Krieg dauert! Solche Maßnahmen müssen in kürzerer Zeit unsagbares Elend in unzählige Arbeiterfamilien bringen. Da klingt cs fast wie Hohn, wenn kürzlich in einen. Landort in der Nähe von Sinn ctn Pfarrer von der .Kanzel erklärte, daß die Leute froh sein sollten, wenn sic für die ^Beköstigung schasse» könnten. Wie wäre cs, wenn da der hochchr- würdige Pfarrer mit gutem Beispiel voran ginge. Wenn er anderen diesen Trost spendet, müßte es für ihn doch ein leichtes sein, auf den größten Teil seines Gehaltes zu verzichten und cs den armen Mitgliedern seiner Gemeinde zukommcn zu lassen, die nichts zu nagen und zu beißen haben. So würde er praktisch sein Brot mit den Armen — wir zitieren hier ein bekanntes Bibclwort — brechen. Ob er aber mit der nackten Beköstigung vorlieb nehmen ivird, wagen wir vorläusig sehr zu bczweiscln. Seine Predigt gilt für die andern. In den Werken, die noch in Betrieb sind, treibt der Krieg recht seltsame Blüten. Ein S i n n e r Unternehmer mutet seinen Arbeitern zu, nicht weniger wie 30 Prozent ihres Lohnes für die Kricgsfürsorgc nachzulassen. Da wird nicht lange gesackclt. Ein Anschlag macht bekannt, die 30 Prozent werben abgezogen und nachher in der Qcffcntlichkcit damit geprangt. In Hcrborn macht ein Unternehmer seine Arbeiter durch Anschlag auf die schweren Zeiten aufmerksam, macht sic zur besonderen treuen Pflichterfüllung und fleißigster Arbeit und betont so „nebenbei", daß er sich die „Festsetzung" der Löhne während der Kriegsdaucr Vorbehalte. So wirds gemacht. Höhere Arbeitsleistung, niedrigere Löhne, wofür der Arbeiter noch besonderen Dank zollen soll. Wir erkennen durchaus die Schwierigkeiten für die Industrie im gegenwärtigen Augenblick an. Doch die Unternehmer wissen auch, daß es die fleißigen Arbeitsbienen gewesen sind, die ihnen den Reichtum in vcrslosscnen Zeiten geschafft haben. Daran zu erinnern, erscheint allerdings manchen der Herren verflucht unangenehm. Aus der Verlustliste Nr. 9. Gardedragonerregiment (1. großlj hcss.j Nr. 23, sDarmsiadts. 2. Esbadvon: Heinrich Dein», Offenbach a. M., tot. 4. Eskadron: Johann Moll, ProjenSdorf, tot: Gfr. Georg Loch- maun, Dörnberg, lv.: Wilh. Merz gen. Nauheim aus Niederselters vm.: Wilhelm Lctst, Wcrlha, um.; Karl Kopf, Bechtolsheim, vm. 5. Eskadron: Uo. E-mK Kunz, Lamms-Heim, lv. Telegramme. Nene Siege im Westen! Namnr vollkommen erobert. Longwy genommen. Eit» neuer französischer Vorstos; znrnck- geschlagen. W. B. Bei Namnr sind sämtliche Forts gefallen, ebenso ist L o n g w h nach tapferer Gegenwehr genommen. Gegen den linken Flügel der Armee des deutschen Kronprinzen gingen von Verdun und östlich starke Kräfte vor, die zurück- geschlagen sind. Taö Lber-CIsaß ist bis auf »nbcdcntendc Abteilungen westlich Colmar von den Franzosen geräumt. Unterlassung dieser Meldung wird nach den^KrlegSgcsetzeit bestraft. Es ist sofortige Eiiisl-clln-n« augrordnet worden. Den Truppen» teile erfahren die Leute beim Bezivksfeldwebel. Gießen, den 25. August 1914. Großherzoglichcs Bczirkskommaudo. Naumann^ Oberstleutnant und Re.zirkskoni-nvandeirr. Bekanntmachung. Die vielfach verbreitete irrige Meinamg. als ob mit Ausbruch des Krieges die Verpsiichtun-g Schnlde» zu bezahlen, insbesondere Miete und Hiipotchckenzinsei« zu entrichten, aufhvrc, veranlaßt intch, darauf hin-zuweffe», daß durch dieses Verhalten das gesamte Wiät- schastsleben schwer geschädigt wird. So sehr erwartet werden must, daß die Vermieter solchen Meter» größte Nachsicht gewähren, deren Ernährer zmn Schutze des Vaterlandes im Felde stehen oder durch den Krieg Arbeit wnd Er- iverb verloren- haben, so sehr muß es als patriotische Pflicht aller anderen bezeichnet werden, ihre» Verpflichtungen »achzukommcn, insbesondere ihre Miede piinkdlich zu bezahlen, ivie ja auch die Hausbesitzer nach wie vor pimkti-ichi ihre Hixpothekentzinfen entrichten iiiü ste». Ein ani Donnerstag, den 27. d. M. im Bürgerverein gehaltener Vortrag wird die durch den Krieg geschaffenen. Rechisverhätbmffc darlegen: ich empfehle daher dm Bestich dieses Bortrages, Gießen, den 20. Augwst 1914. — Der Oberbürgermeister. _ Keller. Pferde und Fahrzeug-Anshebimg. Neben einer Anzahl von Reii- und Zugpferden werden für die, Militärverwaltung noch mehrere kriegsbranchbarc Fahrzeuge nebst vollständigen Geschirren benötigt. Zur Abgabe bereite Besitzer wollen sich umgehend im Stadthaus, Zimmer 13, melden. Die Fahrzeuge müsien vierräderig, nicht zu lang sein, sie sollen nicht mehr als 14 Zentner wiegen lind 18 Zentner Tragfähigkeit haben. Das Obcrgcstcll muß entweder ein fester Brettcrkasten sein oder aus 2 Lcitcru mit Bretterfüllung bestehen. Stcuerkcttcn und Hintcrbracke (Waagej muß mit geliefert werden. Die Geschirre können Kummet- oder Sielengcschirre sein, sie sind vollständig zu liefern mit Zugsträngen von Hanf oder Ketten, Krcuzlclne, Bandgurt, Halfter nebst starke», mit Zügeln versehenen Trcnsengcbiß zum Knebeln. Deckengurt, Halsterkette, Kartätsche und Fahrpcitschc. Gießen, den 25. August 1914. Der Oberbürgermeister: ' Keller. Deutsches Luftschiff über Antwerpen! Panik der Belgier! Aus Antwerpen wird der Franks. Ztg. gemeldet: In der vergangene» Nacht warf ein Zeppelinluftschiff acht Bomben aus die Stadl, nach dem Pnlvcrlagcr zielend. Zwei Häuser wurden zerstört. Cs habe sieben Tote und acht Verwundete gegeben. Tic belgische Regierung hat gegen die Bombenwürfe des Zeppclin-Lustschisscs, das in der Stadt große Panik hervorrief, im Haag P r o t e st eingelegt. Demgegenüber zitiert das Handclsblad einen Artikel des verstorbenen belgischen Staatsministers Bcernnert, aus dem hervorgxht, daß auf der zweiten Haager Friedenskonferenz der belgische Vorschlag, das Bombcnwcrscn für die Zeit bis zur dritten Friedenskonferenz zu verbieten, nur 28 Stimmen auf sich vereinigte bei 8 Cnt- Haltungen und 8 Ablehnungen. Cinc Ratifizierung der Konvention erfolgte also nicht, zumal da außer Deutschland auch Frankreich unter den Gegnern des Verbotes war. Cinc Bestimmung, die das Bombcnwerfc» aus Luftschiffen cin- schränkc, bestehe demnach nicht. Achtung! Aufruf der Gardemaunfchuftcu. Alle Unteroffiziere und Mamifchaften des BeurlaubtcnstandcS der Garde-Jrifcnlterie, Garde-Jäger und -Schützen, Garde-Maichi- ncngewchrtruppcn. Garde-Kavallerie. Garde-Fcldartillerie. Gardc- Fußartillerie, Garde-Train n>nd Garde-Pioniere, die «ine Kriegs- bcordcrung nicht mehr in Händen haben, erhalten hierdurch den Befehl, sich sofort, spätestens aber bis zum 29. August 1914 beim zuständigen Bezi'rksfeidivebel persönlich zu melden-. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen, Verlag von Krumm & Cie., Gießen. Truck: Verlag Osfenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offcnbach a. Ak. Arger-WeinMßejü Donnerstag, den 27. August, abends 8fy* Uhr, im Saale des Caf6 Leib sw Oeffentliche -W8 Tagesordnung: — w' £> 1. Wirtschaftsleben, Rechtsverhältnisse und Krieg. Referent: Herr Beigeordneter Justizrat G r ü n e w a l d, Gießen. 2. Anregung zur Gründung einer HilfSkreditkasfe für dem Miltelstand, Handwerker und Gewerbetreibende. — Frei« Aussprache. === Wir laden unsere Bürgerschaft zu dieser Versammlung hiermit ein und hoffen, in Slnbctracht der für die gegenwärtige Zeit so äußerst wichtigen Fragen, die zur Besprechung stehen, ans recht zahlreichen Besuch. MF Damen willkommen. Der Vorstand. Pfund 20 und 10 Pfg. hat abzugcbcn Gg. Baum, Steinstr. 23. Metallbetten, ILM; Hol,rab„,enmatr.. Kinderbetten. Eiicinnübelfabrir, Suhl i. Tbür. Bekanntmachung. Iie Beförderung hier angekommener verwundeter vom Bahuhofe nach den Lazaretten ist wiederholt durch grobe, den Berkehr sperrende Menschenansammlungen auf dem Bahnhofs- plahc nnd in der Bahnhofstraße empfindlich gestört worden. Da die Beibringung der verwundeten in die Lazarette rasch geschehen muh. die verwundeten überdies mit Ztückllcht ans ihren Zukand und die durch eine lange Meise eingetretene Krmndttttg dringend der Muhe bedürfen, bitte ich Ansainmlungen, namentlich am Bahnhofsplatze nnd vor den Lazaretten zu vermeiden. Ich hoffe, daß es hierzu für die Bürgerschaft nur dieses Hinweises bedarf und polizeiliche nnd militärische Maßnahmen nicht notwendig werden. Der Oberbürgermeister: Keller. Soeben erschienen: in schwarzer Ausführung Stück 20 Pfg., in kolorierter Ausführung Stück 70 Pfg. Bestellungen erbittet sofort Oberheffische Bolkszeitnng Gietzeu, ßiiljn|offltafic 23, Tclcphim 2008.