Die Cbcrtjeftlldie Volks,cttnna erschein! jeden Werktag Abend in «Ließen. Der LbonnemcntSpretS beträgt wöchentlich Ib Pfg., monatlich M Ptg. etnschl-Brrngerlohn- Durch die Polt bezogen diertcIjäbrl.1Ä>Mk. Kedaktion und lkrvcdltion Tlclien, Babuboldrabc 23, arte LSwenaasse. Delevbon 2008. Inserate kosten die 6 mal gcspalt. Kolonclzeile oder deren Raum 15 Ps» Bei gröberen klusträgen Rabatt. Anzeigen wolle mau big abend» 7 »br tür die folgende Nummer in der Expedition aulaeben Nr. 195 Gießen, DicMal; den 25. August 1914 9. Jahrgang Menschlich auch im Kriege! Furchtbare Worte vernimnit man. Die deutsche Rcichsrcgie- ruug erhebt gegen die Staaten, mit denen das Reich im Kriege steht, die Beschuldigung, das, gegen deutsche Soldaten fürchterliche Grausamkeiten begangen worden sind, das; sie von der belgischen und französischen Bevölkerung aus dem Hinterhalt beschossen wurden, daß der Krieg der Soldaten in einen blutigen und grausamen Volkskrieg ausartc. Und sie kündigt in schrecklich-ernsten Worten Vergeltung an, sie werde furchtbare Rache nehmen, und wenn der Krieg von nun an einen grausamen Charakter annehmen werde, so werden cs die Gegner zu verantworten haben, die mit diesen wilden Uebcrfällen begonnen haben. Eine ähnliche Warnung hat die deutsche Regierung auch an Rußland gelangen lassen, dessen Kosakenscharcn die deutschen Grenzortc in Brand stecken und die Bevölkerung regelrecht ausplllndern. Daß die russischen Räuber- hordcn derart Hausen, ist eigentlich nicht überraschend: dieses Brennen und Plündern ist mit der GcisteSrichtung dcS Zarismus ja auss innigste verwandt, stammt geradezu aus der Despotcn- politik, innerhalb deren die Pogroms aller Arte» den natiirlichen Mittelpunkt stets gebildet haben. Aber was wir in diesen Tagen von Frankreich und Belgien vernommen haben, die greuliche Behandlung, die die Fremden dort erfuhren, die Ausbrüche wilden Hasses, mit denen die einrückcnden Deutschen bedacht wurden, das ist, auch wenn ein Teil der Schilderungen nur aus Stimmungsmache berechnet wäre, doch so schrecklich, so traurig, so über alle Maßen nicdcrdrllckend. daß derjenige, der die Uebcrzcugung von der Solidarität der menschlichen Gesittung niemals aufgcben wird, nach einer Erklärung suchen muß, die uns sagt, wie all dieses Traurige zu begreifen ist. Was kämpfenden deutschen Soldaten von belgischen Bürgern widerfuhr, das erinnert, wenn nicht an Vorgänge auf dem Balkan, so an Schrcckcntatcn, die der elementar hervorbrcchcnde Zorn deutscher Volksgenossen 1813. wenigstens da und dort, den französischen Nntcrdrückcrn zusllgte. Tie Erinnerung an Deutschlands große Zeit vor hundert Fahren kann uns die Schauervorgänge ein wenig verständlich machen. Damals forderte Ernst Moritz Arndt, der deutsche Mann, aus: Wo der Feind ein- und andringt, da sammeln sich die Männer, sallcn aus ihn, umrennen ihn, schneiden ihn ab, überfallen seine Zufuhren »nd Rekruten, erschlagen seine Kuriere, Boten und Kundschafter: sic sind dem Feinde ei» furchtbares Heer, weit furchtbarer als ordentliche Soldaten, weil sic allenthalben und nirgends sind. Der Landsturm gebraucht alles, was Waffe» heißt . . . auch sind ihm alle Kriegskünste, Listen und Hinterlisten erlaubt, wodurch er mit der mindesten Gefahr den Feind vertilgen kann, lind ein Plan von Clausewitz hatte die völlige Verödung der Landstriche, durch die der Feind zog, vorgesehen, die Vernichtung aller Lebensmittel, Verschüttung der Brunnen usw. So wüteten treffliche und nicnschcnfreundliche Männer, weil die Wiedererrin- gnng der selbständigen nationalen Eristcnz ihnen auch das verzweifeltste Mittel recht erscheinen ließ. Und wohl nicht anders müssen die Barbareien der Belgier betrachtet werden. Gewiß: deutsche Truppe» von heute sind keine durch jahrzehntelangen Eroberungskrieg verrohte Soldaten Napoleons. Aber der Einbildung der Belgier erscheinen sie als der fürchterlichste Schrecken und ein Paroxysmus der Wut läßt sie zu jenen Scheußlichkeiten greisen, -per Krieg entfesselt wilde Triebe, und da dessen Endzweck immer die völlige Vernichtung des Feindes ist, so kann er leicht zu einer Wildheit sich steigern, in der alles untergcht, was an Menschlichkeit. Güte und Lebcnsachtung in der Natur des Menschen liegt. Alles, was zwischen den Staaten als Völkerrecht vereinbart war und was einen Damm dafür bilden sollte, daß auch der Krieg menschlich bleibe und in Barbarei nicht entarte, zerreißt wie Spinnweben, da der Blutransch entfesselt wird und widerstandslos waltet. Dennoch wünschen und hassen war, daß bas Wort von dein „grausamen Krieg" nur eine Warnung sein soll, aber nicht zur Wahrheit werden wird. Mit einem gewissen Recht kann die deutsche Nation und auch Ocstcrrcich-llngarn kann es sagen, daß sie nicht Krieg führen gegen die Völker, mit deren Staaten sic sich im Kriegszustände befinden, daß ihr Krieg vielmehr nur den Regierungen gilt, die ihnen durch eine tückische Koalition das unabhängige und selbständige Leben unmöglich machen wollen. Mit Ausnahme _ von ein paar wütigen Nationalisten hat kein Mcnlch in Deutschland den Franzose» auch nur einen Fuß breit ihres Gebietes wcgnchmen wollen. Niemand hat selbst das Reich des russischen Zaren antastcn wollen. Auch Oesterreich-Ungarn hat den Serben die Sclbständigleit im eigenen Staate nicht bestritten: das Verhältnis liegt wohl eher umgekehrt. Deshalb können wir auch über den Krieg hinausblickc» und an jene reinere und holdere Zukunft denken, in der sich die Völker, geleit gegen die Listen und Ranke der Bcutcpolitiker. in menschlicher Solidarität wieder finden werden und der Abgrund sich schließen wird, der sich nun zwischen in , unermeßlicher Tiefe aufgcrisscn hat. Deshalb 2.. m müssen wir des Unterschiedes zwischen der Politik e f> ,e 'rungen unserer Feinde und der Stimmungen und Aus uuicict ivtiiiuc unu uei Jii.alü? der Völker eingedenk bleiben: den Krieg jo sühren, daß > bleibt. Nur in g c - haben wir diese Kriege f .; w*. eumeuuu uicii'in, um r - -s. der Unmcnschlichkcit uns ferne cT Notwehr, verkündete man, hal mend Gerechtigkeit sollte deshalb, aller kriegerischen Rot? i„- «iviJI' r, ""geachtet, auch immer der Leitstern des Handelns «»WH rmi 1 ™ 6 '"- Tic furchtbare Gewalt des Weltkrieges, dies-S „Ti® Veben. das uns wie ei» Fatum erfaßt, soll in kein vor dessen Entsetzen der Mensch seine Augen ' ’S Erschließen muß. Die hö-bste Tapferkeit schließe unmenschliche Greuel aus. (Wiener Arbeiter-Zeitung.) Englische Stimmen gegen den Krieg. _ .?3oituai,g wird aus London geschrieben: « tu “'S ^ Mmrsters des Jmvern John Bu-rns. Mi'tgli-cd der Arbept-erp. Alle Waffen, die sich im Besitz der Einwohner befinden, müsien innerhalb zweier Stunden auf der Bürgermeisterei abgegeben werde», 7. Ter Bürgermeister, der Geistliche und vier angesehene Bürger der Stadt haben sich sofort zu mir zu begeben, um als Geiseln während des Aufenthalts der Truppen zu dienen. Unter diesen Bedingnngc» — ich wiederhole cs — sind Leben und Privateigentum der Einwohner völlig sicher. Die strenge Tis» ziplin, an die unsere Truppen gewöhnt sind, ermöglicht cs sogar, daß kein Einwohner gezwungen sein wird, seine Geschäfte zu vernachlässigen oder seine» Herd zu vcrlasicn. Andererseits werde ich die strengsten Maßnahmen treffen, sobald die vorgenannten Bedingungen nicht erfüllt werden. In dieser Hinsicht werde ich mich in erster Linie an die Geiseln halten. Außerdeni wird jeder Einwohner erschossen, der mit Waffen in der Hand ober bei irgendeiner unseren Truppen feindlichen Handlung betroffen wird. Schließlich ist die ganze Stadt verantwortlich für die Handlungen jedes einzelnen ihrer Einwohner und wird daher gut tun, eine gegenseitige Aussicht zu üben, um die Einwohner vor den unangenehmen Folgen zu bewahren, die ein Zusammenwirken mit dem Feind nach sich ziehen muß," Freiwillige vor! Das stellvertretende Generalkommando des Gardekorps erläßt folgende Bekanntmachung: Um die gewaltige, noch zur Verfügung stehende Dolkskraft für die Landesverteidigung nutzbar zu,machen, werden in nächster Zeit Neuaufstellungen von Truppen auch bei der Garde stattsinden. Dünk dem sehr großen Andrange von Freiwilligen sind Mannschaften hierfür in reichlicher Zahl vorhanden, sonst aber erwünscht, immer noch mehr Offiziere und Unteroffiziere zur Ausbildung dieser jungen Mannschaft heranzuziehen. Alle Offiziere und Unteroffiziere des Ruhestandes, welche sich dazu noch fähig fühlen und früher bei Gardctruppen gedient haben, insbesondere solche, die sich noch felddienstsähig fühlen, werden deshalb auf- gefordert, sich sofort zu freiwilligem Wiedereintritt bei den Ersatztruppenteilen ihrer früheren Regimenter usw. wieder zu melden. Ausfuhrhandel nach dem Ausland. (W. T.-B.) Tie Norddeutsche Allgemein« Zeitung schreib! unter der Uoberschrift: „Anssuhrhandcl nach dem neutralen Ausland": Ein« der einschneidendsten Wirkungen des Weltkrieges ist die Unterbindung des Warenaustausches zwischen den kriegführenden Staaten, Ter gewaltige Außenhandel Deutschlands niit den ihm im Kriege gogenüberstchenden Ländern beläuft sich auf viele Milliarden, Durch die plötzliche Lahmitcgmig der gegenseitigen Haiidclsbcziehungen leiden Misere Feinde zinn Teil noch schwerer als wir selbst, da sie ihren besten Kunden verloren haben. Doch auch wir werden hart betroffen. Un, so mehr müssen ivir darauf bedacht fern, den Handel mit dem neutralen Ausland au^frechtznerhalteir, nachdem der Eisrn- bahnfrachtverkehr wieder ausgenommen worden ist. In manchen Kreisen scheint man, soweit der überseeische Handel in Frage kommt, der veränderten Sachlage ziemlich ratlos gegenüberzustehen, da die altgewohnten Llahnen des Transports über deutsche Häsen mit deutschen Schissen für den außereuropäischen Verkehr ungangbar geworden sind. Diese Sorg« entbehrt aber der Begründung, Es wird eben darauf ankonmien. Transportwege über neutrale Länder zu finden. Eitrig« di«ser Länder haben den Bedürfnissen der Zeit wach Errichtung neuer Schissahrtslinien bereits Rechnung getragen. So wird jeden SamSiag von Rotterdani ein Schliss nach Ncwnurk abgefertigt. Auch in Schweden ivurdc die überseeische Schisssverbindung eröffnet, die von Gothcnburg ansgcht; der erste für Brasilien bestimmte Dampfer verläßt Gothenburg am 24, August und läuft Christiania am 27. August an. Ebenso steht ein Weg über Gering osten. Ein anderer Weg ist der über Kopenhagen, auf den ganz besonders aufmerksam zu mache,, stt. Auch Bergen und Ehristiaisia soivie Stockholm werden als Ausgangspunkte überseeischer Dampfer- rciscn in Frage kommen. Es wird Sach« unserer Jn>dustr!«ll«n sein, sich im einzelnen bei den Spediteuren darüber zu informieren, wie die neuen Verkehrswege nutzbar geinacht werden können. — Es ist richtig, daß der Ausfuhr auck, di« aus Anlaß des Krieges notwendig gewordenen Anssuhroerbote ihrem Wortlaut nach vieliach entgegcn- zustehen. Es ist indes in allen bezüglichen Verordnungen des Bundcsrats dein Reichskanzler die Ermächtigung gegeben, vo» den Ausfuhrverboten Ausnahmen zu gestatten. Wir haben guten Grund zu der Annahme, daß die Neichslcitung von dieser Ermächtigung den umsassendstcn Gebrauch machen wird, insoweit es nur mit ihren militärischen Interessen irgendwie vereinbar ist, — Bei dieser Sachlage kann unserer Erportindustri« nur dringend geraten werden, nicht die Hände in den Schoß zu legen, sondern alles daran zu setzen, die nur z,ir Ausreclsterhaltmig unserer Ausfuhr gebolenen Gelegenheiten in vollem Umfang« auSzunntzen. Staatliche Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit. Die verschiedenen preußischen Ministerien und deutschen Acichsämter, die als Arbeitgeber in Betracht kommen, haben beschlossen, unbeschadet der kriegerischen Vorgänge, die Arbeiten in den ihnen unterstellten Betrieben wieder aufnehmen zu lassen. Das Ministerium der ösfentlichen Arbeiten wird sowohl die ongefangenen Bauten sortführcn, als auch die bereits etatmäßig bewilligten neuen Aufträge in Arbeit geben. — Diesem lobenswerten Beispiel werden sich hoffentlich nun- mchr auch sofort die deutschen Städte und Gemeinden an- jchlicßen, um der surchtbarcn Arbeitslosigkeit im gewissen Grade entgcgenzutreten. Aufruf au die Arbeitgeber! W. B. Das Berliner Polizeipräsidium teilt mit: Infolge der Arbettcrcntlassungen in den großen industriellen und gewerblichen Betrieben sind zahllose Arbeiter, die dem Laiidsturni angchörcn, brotlos geworden. Diese versuchen jetzt in großen Scharen durch freiwilligen Eintritt bei einem mobilen Truppenkörper ihrer vntcrländischcn Pflicht nachzukommen, werden aber, da der Bedarf überall gedeckt ist, fast durchweg zurückgcwiescn. Nach den Angaben der Leute ist es für sie eine Unmöglichkeit, im Privatdicnst eine Stelle 5 » finden, da aus ihren Papieren ihre Landfturmdienstpflicht hcrvorgeht und die Geschäftsleute in Erwartung der baldigen Mobilisierung des Landsturms s t ch scheue», solche Leute e i n z u st e l l e n. Durch ei» solches Verhalten wird aber die Notlage der Arbeiter noch vergrößert, zumal da es auch für ihre Frauen an Arbeitsgelegenheit fehlt, und Kricgsuliterstützuiig nur an solche Familien ausgezahlt wird, deren Ernährer im Felde stehen, Tie Arbeitgeber werden daher gebeten, alle srcien Stellen bei den Arbeitsnachweisen anzumelden und bei der Besetzung der Stellen die landsturmpflichtigen Leute nicht etwa hintanzuseyen. Wenn der Landsturm cingezogen werden sollte, wird eine andcr- wcite Regelung des Geschäftsverkehrs von selbst cintrctcii. Fehlende Arbeiter in der Schiffahrt! (W. B.) Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: „Es ist von großer Bedeutung, daß während des Krieges der Verkehr auch auf den Wasserstraßen tunlichst aufrecht erhalten wird, da diese für die Anfuhr von Lebensmitteln, von Kohlen und Materialien aller Art eine wichtige Rolle spielen. Für die Ausnutzung dieser Verkehrsmittel stehen auch gegenwärtig genügender Kahnranm und ausreichende Schlcppkraft zur Verfügung; woran es indessen fehlt, das sind die B e - d i e n n n g s ni a n n s ch a f t e n. Um dem Mangel an geschulten Leuten zu steuern, hat die Militärbehörde bereits verfügt, daß dem Landsturm angchörcnde Schiffahrtstrcibende nicht e i n g c st e l l t werden sollen. Um die Zahl der verfügbaren Kräfte zu vermehren, ist es aber erwünscht, daß sowohl diejenigen Mannschaften, welche sich von 'ihrem Gewerbe bereits zurückgezogen haben, nach Alter und körperlichen Fähigkeiten sich aber noch dienstkräftig genug fühlen, als auch solche, die nur vorübergehend sich anderen Beschäftigungen zugewendct haben, sofort ihre ehemalige Berufstätigkeit wieder a u f n c h ni c n. Abgesehen davon, daß in diesen ernsten Zeiten, wo cs vielfach an Arbeit fehlt, jede Gelegenheit zur Erlangung gut bezahlter Beschäftigung ergriffen werden sollte, würden die gegenwärtig untätigen Schiffahrts- trcibcnden mit ihrer freiwilligen Meldung zugleich auch den Beweis patriotischen Pflichtbcwußtseins liefern." Rcichstagsabgeordnete im Ausland. Der fortschrittliche Rcichstagsabgeordncte Dr, Ablaß befindet sich in Petersburg im Schutze der amcrikaiiischcn Botschaft, lieber seine Rückkehr verlautet noch nichts. Inzwischen ist cs so «nt wie unzweifelhaft geworden, daß der Führer der polnischen RcichstagS- sraktion Fürst R a b z i w i l l , der bekanntlich Oberstleutnant der Reserve im preußischen Heere ist, in Rußland als Gefangener z u r ü ck b e h a l t c n wird. Er Halle sich mit seiner Gemahlin nach seinen russischen Bcsitznnge» begeben, um dort ei» Familienfest zu feiern. Auch der deutsche nationalliberale Abgeordnete Zimmermann, der russischer Kommerzienrat (!) ist, soll in Rußland weilen, lieber seinen Aufenthaltsort ist nichts bekannt. Unser Genosse Tr, W e i l l, Vertreter des Kreises Metz, der bisher in Berlin Mitarbeiter der von dem ermordeten französischen Deputierte» Jaures herausgegcbcncn Humanite war, befindet sich, wie wir bereits mitteilten, in einer Heilanstalt für Nervenkranke zit Paris. Er hatte bei der Ermordung des genannten Abgeordneten neben ihm gesessen. Nach einer Blättcrmclduiig soll Weilt bereits gestorben sei». Doch hofsen wir, daß diese Nachricht ssch nicht bestätigt. Zwei nationalliberale preußische LandtagSabgcorbnete, Dr. A rn i » g und G r u so n jMagdeburgl, waren auf einer Reise nach Afrika begriffen. In Tanger sMarokkv) sollen sie von dem Kriegsausbruch überrascht worden und nicht mehr in der Lage gewesen sein, irgendwelche Nachrichten zu geben. Nach der Mägde- bnrgischen Zcitnug solle» diese beiden Herren inbeffen in Tanga in Deutsch-Ostafrika eingetrosfen sein. Zwei nationalliberale Reichs- tagsabgeordncte, K e t n a t h und I ck l c r hatten Mitte Juli eine Reise nach Deutsch-Ostasrika angetreten. Man vermutet, daß sie inzwischen dort angckümmen und in Sicherheit seien. Etwas Sicheres weiß man über diese beiden Herren bis zur Stunde auch nicht. EttFlische Ehrenerklärung. Dem Wolsf-Burcau geht folgende Erklärung zu: Nach von Zeit zu Zeit in der europäischen Presse vcrössent- lichten Berichten scheinen in England falsche Vorstellungen über die Behandlung britischer Untertanen in Deutschland vorzuherrschen, Um der Verbreitung falscher Berichte in dieser Angelegenheit zuvorzukommcn, bin ich als britischer Kaplan in Berlin von der hiesigen britischen Kolonie ersucht worden, in ihrem Rainen zur Verbreitung in der englischen Presse folgende kurze Feststellung zu veröffentlichen: Bei dem Ansbruch des Krieges war cs natürlich Pflicht der deutschen Polizeibehörden, die Interessen des Landes gegen alle verdächtigen Fremden zu sichern, die sich auf deutschem Gebiete befanden. Zu diesem Zwecke mußten alle Fremden mit Einschluß der in Berlin wohnenden oder hier zu Besuch iveilenden britischen Untertanen unter polizeiliche Aussicht gebracht werden. Wir sind der Meinung, daß die deutschen Polizeibehörden bei der Ausführung dieser Ausgabe ihre Pflicht nicht nur in gründlicher Weise zn tun suchten, sondern auch gleichzeitig ohne Verletzung der llcbcrliescrungcn von Gerechtigkeit und Höflichkeit, die eines großen modernen Staates würdig sind. Wir möchten ferner fcst- stellen, daß die allgemeine Haltung der Bevölkerung, besonders der mittleren und gebildeten Klassen, gegenüber den hiesigen britischen Untertancii ssch in Freundlichkeit und Höflichkeit nur wenig von der Haltung in Friedenszciten unterschied. Kurz, in dieser Prüfungszcit bewiesen sich die deutsche» Gesetze, die deutsche Gerechtigkeit und Höflichkeit würdig einer Station, die in der Zivilisation in der Welt ln vorberster Reihe steht, Unterschrift: Hy. M. Williams, britischer Kaplan in Berlin. Die fozialdemokiatische Presse im öffentlichen Handel. Tie Schleswig-Holsteinische Volkszeitung darf seit denf 19. August auf dem Kieler Bahnhof verkauft werden. Ter Straßenhandel unseres Königsbcrger ParteiblatteZ ist unter dem Belagerungszustände erlaubt worden. DaH Blatt wird recht rege gekauft. Nnssischc Phantasien. W. B. Große Heiterkeit erregte in Wien die von der Petersburger Telegraphen,Agentur verbreitete Meldung, daß in Prag eine große Revolution ausgebrochcn und eine Anzahl hervorragende!- tschechischer Abgeordneter hingcrichtct worden fei. Die Besetzung Brüssels in Paris und London. Nunmehr ist sowohl in Paris wie in London die Besetzung Brüssels durch die Deutschen bekannt geworden. Die Nachricht traf in London schon am Donnerstag ein, wurde dem Publikum aber bis zum Freitag vorenthalten. Der Eindruck war in beiden Städten nach über Kopenhagen kommenden, Nachrichten ein sehr niederdrllckender, stand die Nachricht doch in schreiendem (Gegensatz zu den bisherigen LUgendepcschcn über französisch-belgische Siege. Die neuesten deutschen Siegcsnachrichten werden den schlimmen Eindruck noch verstärken. Der deutsche Sieg und die Börse. Ter deutsche Sieg weckte in Wiener Finanzkrcisen eine gehobene Stimmung. Tie Kurse waren gestern im außerbörslichen Verkehr bedeutend fester. England und Ostindien. Aus Konstaniinopel wird der Wiener Rundschau gemeldet: In Osfindicn herrscht unter den Mohamcdanern eine tiefgehende Gärung gegen England, die an einzelnen Orten zu offenen, nur mühsam unterdrückten Ausbrüchen geführt hat. Türkische Emissäre bereifen das Land und finden überall in der Bevölkerung begeisterte Aufnahme. Die Regierung ist Afra ja. Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 42 „Nein," erwiderte Marstrand. „Wenn ich dem folgen tvollte, was ich für dein Bestes halte, würde ich heute noch deinem Vater alles entdecken." „Mich verraten!" rief Björnarne, dessen Gesicht sich dunkel färbte. „Dann müßte ich meines Vaters Haus noch heut verlassen, für immer!" „Du schämst dich also", sagte Marstrand, „du fürchtest die Entdeckung. Ich bitte dich, Björnarne, laß ab von deinem Irrsinn, der dich verderben muß." Er sprach von neuem zu ihm von seines Vaters Kummer und Zorn, der keine Mäßigung kennen würde, und diesmal hörte Björnarne ruhig zu, ohne ihn zu unterbrechen. Nach und nach schien er zu überlegen und dein Freunde recht zu geben. „Ich sehe," sagte er ruhiger, „daß du mein Bekenntnis vielleicht zu ernsthaft nimmst, und mir ist, als erschrecke ich selbst davor, nachdem du mir die Folgen so eindringlich ent- wickelt hast. Ein Faktum, wie mein Vater sagt, ist nur, daß Gulas Benehmen mich beunruhigt und kränkt, und daß ich in Stunden, wie diese, wo mein Blut heiß geworden ist, es uni so schwerer empfinde, daß es dies Mädchen mir angetan har. Warum soll ich nicht sagen, daß ich sie lieb habe und für sie das Aeußcrste tun könnte? Indes habe ich es noch nicht getan, auch sehe ich die Torheit wohl ein, die mich fortreißcn könnte, wenn Gula ihre Hand dazu böte." „So höre ich dich gern reden," erwiderte Marstrand halb gläubig. „Wenn Gula nicht mehr in deiner Nähe ist und deines Vaters Worte zutresfen, wenn er für dich eine wackere, schöne und feine Jungfrau auswählt, wird sich alles zum Besten wenden." „Bah!" sagte Björnarne finster lächelnd, indem er sich das Haar aus der Stirn strich und seinein Gesicht den Ton gutmütiger Offenheit gab; „ich tpciß, worauf mein Vater zielt, und will cs abwarten. Nur um eins bitte ich dich, Johann. Was du gesehen und gehört hast, war das Ergebnis eines heftigen Schmerzes, der mich ergriffen hatte, ich weiß selbst nicht, wie es kam, die Stunde ist vorüber, sie soll nicht wiedcrkehren. Gula hat recht, wenn sie mich flieht, ich muß sic loben. Ich werde Zeit haben, noch mehr darüber nachzu- dcnkcn, doch versprich mir, niemandem etwas niitzutcilcn. — Marstrand versprach es und Björnarnc stand auf. „Tu gehst morgen nach Bergen," sagte er, „und wirst in sechs Wochen frühestens zurück sein können. Wenn du wicdcrkchrst, wirst du finden, daß sich vieles geändert hat, und wenn du dann noch der Meinung bist, daß Gula uns verlassen muß, will ich selbst meinen Vater dazu bestimmen. Jetzt laß uns zurück- kchren, wir wollen versöhnt scheiden." Marstrand hielt cs für das beste, auf diesen Vertrag ein- zugchen, und beide junge Männer stiegen den Felspsad hinab. Björnarne sprach von der Jacht, von der Reise, von den Freunden in Bergen, und daß der Wind in dieser Jahreszeit gewöhnlich ein anhaltender Südost sei. der die günstigste und schnellste Fahrt verbürge, bis er plötzlich am letzten Vorsprunge still stand und auf den Gaard niedcri'ah, in dessen Nähe sie sich befanden. Marstrand erriet sogleich die Ursache. Auf dem kleinen Vorplatz standen drei starkgebante, hirschartige Tiere mit breiten, gabelförmigen Geweihen, die er ohne weiteres für Rcnntiere erkannte, obwohl er noch keine gesehen hatte. Sie fraßen von dem kurzen Grase, auf ihrem breiten Rücken lagen Packsättel; die Schellen an den schlanken Hälsen klangen lustig herauf. Auf der Bank an der Tür aber saß Paul Pctcrsen, und vor ihm stand ein Mann in einem braunen Ucberwurf, einen breiten Gurt um den Leib und einer hohen, spitzen Mütze auf dem Kopfe, von der eine Anzahl langer, weißer und schwarzer Federn im Winde schwankten. Es war ein Lappe, das war gewiß, u»d auf Marstrands Frage sagte Björnarne: „Ich kenne ihn, er heißt Mortuno und ist der Schwcstcrsohn und Liebling Afrajas. Was will der Bursche hier mit seinen Tieren? Es ist ein häßliches, aufgeblasenes Geschöpf, das sich große Dinge einbildet. Komm schnell hinunter, wir müssen sehen, was cs gibt. Umsonst ist er sicher nickt gekommen, der Alte hat ihn hergeschickt, um nach Gula zu sehen." Er eilte voran, und als Marstrand den Platz erreichte, schallte ihm das laute Gelächter des Schreibers entgegen. — „Das ist etwas für Sie," schrie ihm Petersen zu; „hier haben Sie einen neuen Beweis für die ausgezeichneten Eigenschaften unserer lieben Brüder, die sich mit der Pflege des Renntiers beschäftigen. Ich stelle Ihnen den jungen Herrn Mortuno vor, Neffe des weisen Oberhauvtes eines Reiches, dessen Grenze noch niemand gefunden hat. Er vereinigt den Künstler, Dichter, Sänger und Zithcrspieler in seiner werten Person, ist ein Jäger wie Nimrod, ein liebenswürdiger Adonis, der alle Herzen bezaubert, ein junger Edelmann aus den Bergen, der durch Glanz und Anmut jeden Nebenbuhler besiegt." Ter Lappe hatte sich nach Marstrand umgesehen und lachte zu den Lobsprüchcn, die ihm erteilt würden. Sein Gesicht war ein echt nationales, mongolisch breit und flach init starken Backenknochen, einer niedrigen Stirn und hochgcstülpter kleiner Nase, aber er hatte lebhafte Augen, deren durchdringender Blick feurig und forschend war. Sein ganzes Ansehen zeugte von Krast, Gesundheit und Gelenkigkeit, und die Sorgfalt, welche er auf seinen Ausputz gewendet,' rechtfertigte die Spöttereien des arglistigen Schreibers. Ter Gürtel von grünem Leder mit Silberschnallen und bunter Stickerei, dies Prachtstück lavpischcr Modcsucht, hielt seinen kräftigen Wiwhs zusammen. An diesem Gürtel hing eine Tasche, von den Federn verschiedener seltener Vögel gefertigt und fächerartig kunstvoll nach Färbungen und Schattierungen zusammengesetzt; endlich waren seine Schuhe oder Komager von feinster Art mit roten und grünen Fäden in artigen Arabesken durch- zogen, die sich an seiner Mütze in derselben Weise wiederholten. Glänzend schwarzes, überaus reiches Haar quoll in gedrehten Locken an beiden Seiten des Kopfes darunter hervor. Die Mühe saß kühn ans seinem Kopfe, und der Strauß von Adlcrfedcrn und den langen Schwungfedern großer See- radcn machte seinen Anblick romantischer. (Forts, folgt.) imstande, die von London geforderte Entsendung von britischen Truppen aus Ostindien nach Aegypten durchzu- führen, da alle Streitkräfte im Lande dringend benötigt wer- üen. Der Vizekönig ist von seinem Sommersitz nach Kalkutta zurllckgekehrt und hält täglich Beratungen mit den Höchstkommandierenden. Weitere russische Oiefanncuc. In Lemberg ist heute mittag ei» Transport rulfischer Gefangener angckommc», bestehend aus 2» Ossizicren und 30U Dragoner», Ferner kamen an ti Maschinengewehre, ti Feldküchen und zahlreiche Wagen mit Ausrüstungsgegenständen. Zwei russische Generäle sind tot. Der Kampf bei Viscgrad. Aus Serascwo wird gemeldet: Nach Erzählungen von Ver- ivnndctcn haben die Serben in dem Kampfe bei Bisegrad, der mit groftcr Hartnäckigkeit und Erbitterung gcsiihrt worden ist, enorme Verluste erlitten. In einem Schützengraben lagen über 500 Tote. Auch auf unserer Seite gab cs bedeutende Verluste, dir der Tollkühnheit unserer Truppen znzuschreibcn sind. Tie Geretteten von der „Zentha". Laut amtlicher Mitteilung ans Wien retteten sich von dem Dampfer „Zciitha", der am 12. August im Kampfe mit der französischen Flotte untcrgcgangen sein soll, 11 Stabs- »nd 118 Mannschaftspersonen. 58 Verwundete sind auf montenegrinischem Gebiet. Alle Nachrichten über ei» Seegefecht an der Adria sind unrichtig. Die brutsche Gesandtschaft in Marokko vergewaltigt. WB. Berlin, 21. August. Laut einer eben aus Palermo eingegangencn Drahtmcldung des Kaiserlichen Geschäftsträgers in Tanger hat diesem die Marokkanische Negierung am 19. August seine Päsie zngestcllt »nd ihn mit dem gesamten Personal der Gesandtschaft überraschend und gewaltsam an Bord des französischen Kreuzers Casfard geschafft, um sie »ach Palermo zu transportieren. Anscheinend als ofsiziösc Aiislaffnng der Rcichsrcgicrung zu dieser Meldung fügt das WB. hinzu: Dieser brutale Ucberfall in der Hauptstadt der internationalen Zone Marokkos, in der die diplomatischen Vertreter der Signaturmächte der Algecirasaktc noch heute die Kontrolle der Regierung ausüben, bedeutet seitens Marokkos und Frankreichs einen derartig unerhörten Bruch des Völkerrechts, wie er in der Geschichte vorher kaum vorgckommcn sein kann. Das, dieser Gewaltstrcich nur mit Zustimmung Englands möglich war, versteht sich bei der Lage Gibraltars von selbst, desselben Englands, das seine Kriegserklärung gegen »ns mit dem Eintreten für die Unverletzlichkeit der internationalen Verträge beschönigte. Vor der Entscheidung im Osten. Die Ruffen in Ostpreußen. WB. Berlin, 21. Angust. Während auf dem westliche» Kriegsschauplätze die Lage des deutschen SecreS durch Gottes Gnade eine unerwartet günstige ist, hat aus dem östlichen Kriegsschauplätze der Feind deutsches Gebiet betreten. * Starke russische Kräfte sind in der Richtung der dlngerapp Und nördlich der Eisenbahn Stallnpöncn-Fnstcrburg vorgcdrungen. Das 1. Armeekorps hat den Feind bei Wirballcn in siegreichem Gefecht ausgchaltcn. Er wurde zurülkgenoinme» auf weiter rückwärts stehende Truppen. Die hier versammelten Kräfte haben den bei Gumbinnen und südlich vorgchcndcn Gegner angegriffen. Das 1. Armeekorps warf de» gegenüber stehenden Feind siegreich zurück, machte 8888 Gefangene und eroberte mehrere Batterien. Eine zu ihr gehörende Kavallericdivision warf zwei russische Kavallcric- divisioncn zurück und brachte 588 Gefangene heim. ' Die weiter südlich kämpfenden Truppen stieße» teils ans starke Befestigungen, die ohne Vorbereitungen nicht genommen werden konnten: teils befanden sie sich in siegreichem Vorschrcitcn. Da ging die Nachricht ein vom Vormarsch weiterer feindlicher Kräfte über der Richtung des Narcvs gegen die Gegend südwestlich her masurischen Seen. a Das Oberkommando glaubte hiergegen Masinahmcn treffen zu tnüsicn und zog seine Truppen zurück. Dir Ablösung vom Feinde erfolgte ohne Schwierigkeit. Der Feind folgte nicht. Die Operation auf dem östlichen Kriegsschauplätze muhte zunächst durchgeführt »nd in solche Bahnen geleitet werden, dah eine neue Entscheidung gesucht werden kann. Diese steht unmittelbar bevor. Der Feind hat die Nachricht verbreitet, das; er vier deutsche Armeekorps geschlagen habe. Diese Nachricht ist unwahr. Kein deutsches Armeekorps ist geschlagen. Unsere Truppen haben das Bewußtsein des Sieges und der Uebcrlcgcnheit mit sich genommen. Der Feind ist über die Augcrap nur mit Kavallerie gefolgt. Längs der Eisenbahn soll er Insterburg erreicht habe». Der beklagenswerte Teil der Provinz, der dem feindliche» Einbruch ansgesetzt ist, bringt diese Opfer im Interesse unseres ganzen Vaterlandes. Dessen soll sich dasselbe »ach erfolgter Entscheidung dankbar erinnern. Der Gcneralquarticrmcisicr v. Stein. Der Eiferer von Nom. Lebte» wir in FrisdenSzcite», so würde die Nachricht von dem Tode Pins X. i» der ganzen Welt auch außerhalb der Kreiße der Katholiken großes Aufsehen erregen. So tritt sic in den Hintergrund vor den gewaltigen Ereignissen, di« die europäischen Staaten in ihren Grimdscston erschüttern und der Meldung von der Vernichtung eines englischen Unterseeboots durch einen deutschen Kreuzer wird in der Presse mehr Bedeutung beigemessen, als der von dein Hutscheiden eines Papstes, dessen Kirchenpolitik bis in di« letzten Monate hinein allenthalben und nicht zuletzt in Deutschland Gegenstand lebhafter Erörterungen war. Aur die eigentlich katholischen Blätter finden Zeit und Raum, das Geschehnis zu ivürdigen. aber auch sic wollen eine eingehendere Betrachtung des Lebens und der Taten des Verstorbenen ruhigeren Tagen Vorbehalten. Vielleicht ist ihnen die Notwendigkeit, sich kurz zu fassen und auf eine eingehende Darstellung der letzten zehn Jahre vatikanischer Poltttk zu verzichten nicht unangenehm, denn zum mindesten ein Teil der deutschen Zeittrnmsprcsse und zwar der cinsluß- reichste, würde, wenn er sich nicht des Vorwurfs elender Heuchelei aussetzen wollte, in seiner Darstellung recht kritisch iverdc» muffen. Er wird es niemals zugcben. aber die Tatsache bleibt bestehen, daß der Tod Pius X. ihm gerade jetzt außerordentlich gelegen gekom- me» ist. I» den, Nachruf der German!» wirb freilich der „edle Papst" geiühmt. „dessen treuer Führung wir uns stets gern und willig ou- vrrtrautcn. zu dem wir mit all der gottgewollten Liebe und Ehrfurcht cmporichantcn, deren katholische Herzen nur fähig sind" uiid wehklagend erinnert man daran, daß seine Hand nur gesegnet, seine Stimme nur Frieden verkündet habe. Daß in Wirklichkeit die -ring« etwas anders lagen, ist allgemein bekannt. Pius X. war alles andere als der Mann des Friedens und der Veriöhiinng. Er war ein fanatischer Eiferer, der bei der Beschränktheit seines Genteo alle die diplomatischen Fähigkeiten vermissen ließ, di« seinen twrgangcr ausgezeichnet hatten und der blind darauf los stürmend T i ? r ri '“ lW, c in die größt« Verwirrung brachte. Gewiß hat vi-hr 1Icf- "der feilt Segen traf mit diejenigen, die sich rnckhaltlos icd. ^>"^Tchwanken auf seinen theologischen Standpunkt stellten, anf teten r^^sichteten, jede verstündnismäßige Erwägung ansschal- fir? um«., . ol,,K m '* der Wimper zu zucken zu den Anschauungen bekannten, di« der oberste Bischof der römischen ca X." e < L n>l ® ""Id unantastbar proklamierte. »zaa ,, r beS Papstes Bannfluch. Und dies« Ketzer waren , L ur die Protestanten, sondern auch diejenigen unter den , c ? Bitten, tc die engherzige Verständnislosigkeit des heiligen tliaterS für die katholisch Kirche und für die die katholischen Interesse» zertretende politisch« Partei verhängnisvoll zu werden. Tie Kämpfe, die int Zusammenhang mit der Gc- »'erkschaftsfrage stehen, sind zu bekannt, als daß Einzelheiten in diesem Zusammenhänge noch einmal erwähnt werden brauchten. Wir wissen, daß das katholische Tentt'chland mit samt seinen Kirchcnsiirsten in zwei Lager gespalten wurde, von denen dasjenige, das dem Papste widerstrebte, zwar das weitaus größere ivar, aber dennoch keinen entscheidenden Sieg über die Gegner davoniragen konnte, weil cs sich eben durch dt« Rücksichten auf di« religiösen Gefühle seiner eigenen Anhänger an allen Ecken und Enden behindert sah. So wurde die Auseinandersetzung nicht sowohl in offener Fcldschlacht geführt, als vielniehr anf allerlei Hintertreppen und mit schlimmen Intriguen und wenn einmal die ehrliche und ivahrheilsgeireue Geschichte dieser Tage geschrieben werden sollte, so würde die Welt wohl mancherlei interessante Enthüllungen über di« Methoden erhalten nach denen christkatholifche Briider sich mtteretnander das Wasser abzugraben suchen. Nun wird ein Aufatmen durch die Rethen der Bachemiten gehen und auf der anderen Seite wird die kleine aber bisher mächtige Elique der Lppersdorsf-Lcnde reckst angstvoll in die Zukunft schauen. Irgendivclchcn Prophezeiungen über den Kardinal, der des zehnten Pius Platz cinnelgnc» soll, lassen sich heute ivcniger denn je »lachen. Nur so viel steht fest, daß auch in das Konklave, in den, unter den alten Zeremonien die Papstivahl vollzogen ivird, der Lärm der Waffen dringt und daß die Gegensätze unter den europäischen Staaten bei der Entscheidung über die Person dessen, der den Sitz des heiligen Petrus einnehmen soll, wahrscheinlich eine größere Rolle spielen iverden als etwaige Meinungsvcrfchiedcnhciteii über die Stellung, die die Lehre des Thomas von Agniivo i„ der Theologie der Gegenwart «iuzunehmen hat. Hesse» «nd Nachbargebiete. Gietzen und Umgebung. mehr der yefWyen"S:ääksregierung tn folgender Erkkarimg Genugtuung: „Unter der lieberschrist „Unerfreuliches ans Hessen" hat der Unterzeichnete Hauptschriftlettcr des Täglichen Anzeigers in Lesse» Nr. 182 voin 18. August d. I. Behauptungen aufgestellt, wonach die hessische Regierung, um den Zaren in Schutz zu nehmen, dis Redaktion der Darmstädtor Zeitung angewiesen habe, ivichttg« Teile des Weißbuches der Reichsregierung über den Kriegsausbruch, insbesondere den Depesche »Wechsel zwischen den betderl Kaisern zu unterschlagen. Ich lstibe mich nunmehr iik>crzengt. daß der der Redaktion der Darnistädler Zeitung am 1. August von dem Wölfischen Tel» graphciiburcan zugcgangene Dcpc schenk ries, der einen gekürzte» Auszug aus dem Weißbuch enthielt, wortgetreu sofort tn der Darmstädicr Zeitung veröffentlicht worden ist, und daß der ausführliche Auszug aus dem Weißbuch, der anderen Zeitungen zugegangen ist, der Davmstädter Zeitung von dem Wolffschen Bureau garnickst niitgeteikt worden war. Diein« Belmuptnng. daß die hessische Regierung die Unter- schlag,,,ig wichtiger Tetle des Weißbuches veranlaßt l-äbe, ist völlig unbegründet. Ich bedauere hiernach, den Artikel verfaßt und veröffentlicht zu haben, um so mehr, als ich mich überzeugt habe, daß am Tags des Erscheinens meines Artikels und säst zur selben Stunde die Darmstädter Zeitung scharfe Auslassungen gegen den Zaren ge« bracht hat." Wir denken, die hessische Staatsrcgierimg kann sich bei dieser Erklärung nunmehr beruhigen. — Agrarischer Wucher. Auf Anordnung dcS Königlichen Generalkommandos des 18. Arnieekorps wurde am 22. August bei dem Landwirt Wilhelm Schultheis, Gutleirthof inFranl- surt, daS gesamte Kartoffellager beschlagnahmt und versiegelt,, weil er Wucherpreise für die Kartoffeln verlangt hatte. Schultheis verlangte für den! Zentner Kartoffeln inr Großverkauf 6,60 Mark. Ter Bor-^ stand der Vereinigung Frankfurter Fruchtmarkt hat den Preis für den Zentner im Groszen auf 4 bis 4,50 Mark und im Einzclvcrkanf anf 5fch bis 6 Pfennig für das Pfund als, ausreichend erachtet, zumal in diesem Jahre eine gute und' ausreichende Kartoffelernte zu erwarten ist. — Natürlich ist Schultheis ein großartiger Patriot. — llebrigens ist der Preis! von. 4—4,50 Mark für den Zentner auch noch viel zu hoch^ Die Volksfiirsorge und der Krieg. Di« neueste soziale Schöpfung der deutschen Arbeiter, di« im vorigen Jahre durch die Gewerkschaften und Genossenschaften ge griindeie Volksversichernngsgesellsthaft Volksfiirsorge, ivird wie alle Arbettcrorgamiai,onen und alle Vcrsichcrungsgesellschaflen durch den auSqebrochcnen Weltkrieg vor große Schwierigkeiten gestellt. Der Vorstand sieht diesen Schwierigleiten ruhig ins Auge »nd hat die Maßnahmen gctrossen, die km Interesse der Versicherte,, und der ruhigen, uniintcrbrochenen Fortführung der Geschäfte notwendig ivaren. In der eben erschienenen Nummer 8 des Organs der Gcsell- ichaft, der „Volksfürsorge", die alle Intciesscntcn von den Rcch- mingSstcllen erhalten können, werden die Funktionäre dringend ans gefordert, „d i e O r g a n i s a t i o n w ä h r e n d d e r K r i e g ö z e i t intakt zu halten, damit auch während dieser Zeit die satznngs- gemäßen Ansprüche der Versicherten erledigt werden können „nd nach den, Kriege die Znriickkehrenden alles in Ordnung finden". Es heißt daim in den, Artikel weiter: »Aber wicht nur die Organäsatioik muß intakt bleiben, auch die bestehende!, Versschcrunge» dürscn in, Inicrcssc der Versicherten nicht gefährdet werden. Hier er,nächst den Bertrauensmäimcrn der Volksfiirsorge eine wichtige soziale Aufgabe. Tic Bezirke und die Arbritsgcdivte der Vertrauensmänner, welche unter die Waffen treten mußten, müssen, wenn nicht sofort guter Ersah eintritt, von den zurückbleibendeii Vertrauensmännern übernonimeii werden. Ihr« wichtigste Aufgabe ist, nach Möglichkeit das Inkasso der Prämien ungestört iveiterzusührcn, ui» den Licrsichcrtci, ihre Rechte iiiiuntcrbrochcn zu sichern und sie vor nnübcriegten, sie schädigenden Schritten zu bewahren". Nach genauer Tarsegung der triftigen Gründe, die seden Rcr sicherten in seinem Interesse verankassen müssen, die abgeschlossene Versicherung aufrecht zu erhalte» und wenn cs irgend ongeht, die Prämien wciterzuzahlen, l»espricht der Artikel di« anf Grund der Versichcrnngsbcdingnngen zu treffenden Nlaßnahmen der llmwaud- lung der Versicherung in eine Spar- bezw. prämionfreie Kapitafver- sicherung bei Nichtweiterzahlen der Prämien. Da di« Volksfiirsorge die Vokksversichcrnng nur >m Inleresse der Vcrsichcrlen betreibt, ist der Vorstand auch in diescr Kricgszcit vcrpftichtct und gewillt, seinen Versicherten jede Erleichtcriing zu bieten. Die „Volksfürsorge" schreibt daher: „Der Vorstand wird in den Fällen, in welchen dlugchörige von ins Feld gczogcm-cn Versicherten in die Lage kommen, bei Kapttolvcrstcheriingcn di« Präniienzalstniig zu verlangsamen oder ganz cinznftellen, nicht jofort nmwandel», sondern die Prämienzahlung über die im § 5 der Berstchernngsbedingungen vorgesehene Frist vo„ zwei Monaten hinaus stunden »nd nach Lleendigniig des Krieges erleichterte Gelegenheit geben, die Versicherungen wieder in Kraft freie» zu lassen. Darüber werden besondere Anweifungen des Vorstandes an die RcchnnngSstellen das 2!ähcre regeln." Ter dirtikel schließt mit den hoffnnngsvollcn und mahnenden ätzen: „Nicht »Ar im Interesse unserer vieken vor dem Feinde kämpfenden Brüder und ihrer Angehörigen, sondern mich sin Interesse der Volksfnrsorge und ihrer Weiterenttvickluna sehnen ivir von ganzem Herzen einen baldigen Friedensschluß herbei, der di« Griindiagc für eine lange, ruhige Friedens möglickst. Unsere Freunde im Reiche bitten wir, den Versicherten überall im Sinne unserer Ausstihrungcn in jeder Nichttmg cntgegen- znkommen und sie zu treuem Festhalten an der Volksfiirsorge zu crniuntcrn. Wie die Gewerkschaften und die Genosscnschasten, so wird auch die Boiksfiirsorge „ach dein Krieg« nötiger sein als vorher: sic braucht aber auch in dieser schweren Zeit das unerschütterliche Vertrauen des Volkes, dem zu dienen sie alle!» bestimmt ist." Wir können uns diesen Hoffnungen „nd Mahnungen nur an- schließen. — Lieserungsverträge werden durch den Krieg nicht hin-c fällig. Ter Koinmcmdierende General erläßt folgende B-e-s kan n tm a chu ng: Durch den Krieg werden Verträge nicht hi-n< fällig. Insbesondere sind Leiser ungsverträge ü b e £ Mehl, Getreide und dergleichen an sich nicht aufgehoben. Bei unbegründeter Weigerung, die VertragsPflichten, ZN erfüllen, werde ich die vorhandenen Vorräte bcschlag, nahmen, die vertragsmäßige Lieferung erzwingen undl gegebenenfalls das Geschäft schließen lassen. Von vielen Großlieferanten wurden sofort nach Erklärung des Krieges die Licferiingsverträge annulliert und die Preise um 40—50 Prozent gesteigert. Wenn gegen solchen Wucher kräftig vorgegangen wird, so ist das nur gerechtfertigt. So benutzten namentlich die Großmühlen den Kriegs zu einem gehörigen Beutezug. Unter anderem bemerkt unsev Frankftirter Parteiblatt dazu: Es steht fest und kann durch die eigenen Bücher der Großmühlen sehr leicht nachgewiesen, werden, daß das auf Grund billigen Rohmaterials hergestelltck Mehl, das sämtlich zum Preise von ca. 30 Mark pro Sach verkauft war, also dasselbe Mehl, das bei Ausbruch des> Krieges in Hunderttausenden von Säcken in den Mühlen selbst und in den Lagerhäusern ansgestapelt war, im Momente der Kriegserklärnng von den Großmühlen um1200 Mark pro Waggon teurer verkauft wurde. Durch dieses! unwürdige Verhalten der weißen Ritter ist das Publikum uni Millionen geschädigt worden. Das Treiben dieser edlen Heren war »m so verwerflicher, als es sich hier un, eine Vereinigung sämtlicher oberrheinischen, niederrheinischen und! elsässischen Großmühlen handelt, die in geschlossener Marsch-, route zugunsten ihres Geldsackes den über Deutschland hereinst gebrochenen Krieg ausnützte. — Zur Nachahmung empfohlen! Der Arbeiterbildungsverein Heuchslheim hat in seiner letzten Mitgliederversammlung beschlossen, allen Familien, deren Ernährer Vereinsmitglieder waren und ins Feld rücken mußten, die Ober- hessische Volkszeitung weiter zustellcn zu lassen und die! Abonnementsbetrüge aus der Vereinskasse zu bezahlen. Die Versammlung war der Auffassung, daß auch die Frauen der, zur Fahne berufenen Arbeiter die kriegerischen Ereignisse mit großem Interesse verfolgen und man ihnen den Weiterbezug, des Parteiblattes ermöglichen müsse. Es wäre dringend zch wünschen, wenn sich auch die übrigen Organisationen in unserem Verbreitungsgebiet an diesem durchaus vernünftigen und Kulturarbeit er- Beschluß unserer Heuchelhciiner Freunde ein Beispiel nehmen l würden. — Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit! Uns wird geschrieben: Gießen. Infolge des Krieges sahen sich eine Anzahl hiesiger Geschäfte veranlaßt, in erster Linie solche, die mit dem Ausland arbeiten, den Betrieb einzustellen. Was gibt es nun mit den Arbeitern und Beamten dieser Geschäfte? Wo diese Leute um Arbeit Nachfragen, hat man nur ein Achselzucken und Bedauern. Ja, aber davon kann doch niemand leben? Sind die Familien nicht besser daran, deren Ernährer mit ins Feld gezogen ist und deren Angehörige von Staat, Gemeinde, Arbeitgeber, Vereine usw. unterstützt werden? Wer bekümmert sich aber um die Arbeitslosen und deren Familien? Hier tut dringend Hilfe nötig, denn die Zahl der Arbeitslosen steigert sich imnier mehr. Jetzt ist es Zeit, daß Stadt und Gemeinden eingrcisen und Notstandsarbciten verrichten lassen, damit nicht mancher bisher unbescholtene, brave Mensch aus Not auf den Weg des Verbrechens gebracht wird, denn: Hunger tut weh! s. — Gas sinkt Petroleum. Wir werden mn Anfnahine folgiender Ausführnnycn ersucht: Die deutsche Volkswirtschaft ist im wesentlichen vom Ansiland mvMhänM bis auf eine Ausnahme: das Petroleum. Wenn in Friedenszeiten, fchätzungsivekfe etwa jährlich 128 Millionen Nkark für den Bezug von Petroleum ins Ausland gingen, so wind di,cs jetzt, da es sich in der Hauptsache um, den Import amerikanischen Leuchlölö iMidelt, während der Kriegszeit in Wegfall - | kommen. Andererseits wird aber balb Petrolennniiauzzel ciiiirften. v m 'T'armftäMer ~5nr 9;iupiner j ü' cc ' &atb m:rf) kürzt ick, die Nachmcht von Maßnahinen dnvck, dir zm ^arm,woier ^.agi. Anzeiger t Tageszeitungen ging, dnvck, welck^ di« amerikanisckxn Petro, enm- ies, nun-vj,^p^^Echaftct« eniem plötzlichen zir stanken Eiirkamf, der ihre Ans der 7. Verlnstliste, Vom 18. Armeekorps enthält die 7. Verlustliste solgendc Regimenter: Jnsanterie-Regiinent Nr. 118 sWormsf. Lciblompagnic: Unteroffizier der Reserve Georg Trümmer, Worms, vermißt. Kompagnie: Musketier Karl Schuch, Bechtheim, tot. 18. tkompagnte: R. Aug. Stau ff, OberslörsheiM, vermißt Felbartillerie-Rcgimcnt dir. «1 sTarmstadtf. Batterie: Peter Edelneann, 21irlen-back^ tot. Tür. lllancn-Regimcnt Nr. 8 sHanauf. Eskadron: Karl Schliiigloff, Hanau, tot; Gefreiter R. Hch. Bloch, Lanterbach, verniißt. 4. Eskadron: R. K, Iol>. Klämmerzell, Fulda, tot: Bcned. Böttcher, Bickenrtebe, leicht vcrw.: Heinrich Etzcill, Trocknerfurth, schwer vcrwmidct, Halsschnß: Sergeant Fr. Otto Hartmairn, Hohensolms, tot. Sic sind wieder einig gibt Herr Emil Behre, Hauptschristleiter dieses BilatteS deutschen Bestände rasch reduzieren wind«, entgegcnmirke» wollen. Sehr Ivrli* werden diese Vorräte aber sich in jedem ftaltc vermindern, sodaß mit Sicherheit mit Preisstetgermige» und schliesslich, wenn der Krieg bis in delt Winter dauert, mit empftndlichcm Petroleuni- inanyel zu rechnen ist. Demgegenüber stoben Li« deutschen Gasivcrke von jeher für den Kriegsfall sich mit «rohe» Kohlenvorrälen rrer schen. die zudem säst iisterwwgeud miS dom Jnlandc stammen und also auch aus dem Inland im Bedarfsfälle ergänzt werden können. Jedermann, der noch Petroleum zur Vclcnchtun« verbraucht, tut fliit, die Petroleumlampe bei Zeiten in die Ecke zu stellen und sich siir anderes Licht und zwar insbesondere für die billigste Lichtquelle, daS Gaslicht, cinzurichten, das bei den gewöhnlichen Gasprcisen siir die gleiche Helligkeit imr etiva ein Sechstel dcö Pc troloum lichtes schon in den bisherigem KriedenSzeitm kostete. — Opfcrivilligkcit. Die Firma Gebr. Stollwerck in K v l n, die Schokoladen- und Zuckerwarensabriken im In- und ?lus- iande unterhält, meistens schlechtbczahlie Arbeiterinnen beschäftigt und mit ihnen Millionen gewinne heraiiSwirtschaftet, erläßt große Inserate, worin sie Proviant-Schokolade und Pscsscrminzpastillen für den Krieg anpreist. Die Firma hat eine besondere K.-Abteiinng eingerichtet, und mau braucht ihr nur eine „peinliche" Adresseu- bczcichuung mitzuteilen, damit dicseErsrischuiigen regelmäßig an die Angehörigen im Felde gelangen. Freilich muß der Betrag dafür vorher eingezahlt werden, sonst wird nichts verschickt. Tic Firma ist als patriotisch weit bekannt, einer ihrer Inhaber hat sick, sogar an, Rhein ein B-iSmorckhanS erbaut. Uni so erfreulicher ist cS, daß ihr Patriotismus in diesen bösen Zeitläuften scdue Belohnung durch erhöhten Ilmsaß in gutbezahlten Kriegserfrischnngen sindei. Der freiwilligen Wohltätigkeit verdanken wir bereits die Dar- bringimg von vielen Millionen Mark. Wo aber bleibt in diesem Zeilen die Kirche? Wo bleibt die Opferwillig kcii der Ricsenver- mögen der „totem Hand", sowohl in der evangelischen als auch der katholischen Kirche? Tie Kirchen, die evangelische sowohl wie die katholische, haben cs trefflich verstanden, von doni Wehrbeitrage verschont zu werden. Die katholische Kirche hat cS sogar durch die Vertreter ihrer Interessen im Reichstage durchgesctzi, daß die katholischen Geistlichen, unter denen sich Tausende von körperlich kräftigen, wehrpflichtigen Leuten befinden, vom Militärdienst beiveit bleiben. Welche Opfer bringen jcßi ans freien Stücken di« Kirchen ans ihrem sich aus Hundert« vom Millionen belaufenden Vermögen? Bleibt die „tote Hand" auch seht, in diesen schweren Zeiten toi, in denen selbst der Aermsbe freudig dom Vakerlandc Opfer brimgt? In welchem Umsaug« wird das „Schersloin der armen Witwe", von dem uns die Diener der Kirche ohne Unterschied der Konfession so oft erzählen, jetzt vorbildlich sein für die kirchlichen Riescnvcrmögen?? — 24 Millionen Mark Tantiemen. Rach den Einnahmen der Reichskasse ans der Taniiemensteucr ergibt sich, daß den Aufsichis- ratSmiiglicdern der Aktiengesellschaften allein nach den Regu- lierungen im 2. Vierteljahr Itzt 4 rund 24 Millionen Mgrk Tantienien zugesioffen sind. Wie ivärs, wenn die Herren diese» Nebenverdienst auf dem Altar des Vaterlandes opferten? Zwar hat der Krieg erst begonnen, aber schon ist in Hiinberttauscndcn von Fgmilicn bis Not groß. In allen naiionglcn Blättern liest man nun, das deittschc Volk sei «in einig Volk von Brüdern! Dann soll mans auch beweisen und nicht einen Teil in bitterster Not leidem lassen, ivährend einige Wenige im Ucbcrfluß leben. Her mit den Tantiemen zum Brot für die Armen! Patriotismus der Besitzenden. In einem auswärtigen Partei- blattc wird berichtet: Eine in Ostcrbnrg ansässige reiche Fra» schrieb einem jungen Landwirt, der zur Fahne cinbcrufcn ist und auf dessen Grundstück sic eine Hypothek stehen hat, einen Tag vor Abmarsch in den Krieg folgende Karte: „Leiber sehe ich mich durch die Kriegsnnruhcn gezwungen, Ihnen das Kapital zu dem im Hypothekenbriefe festgesetzten Termin zu kundigen, wenn Sic nicht für die laufende Zeit bis zum Eintritt geordneter Verhältnisse 5% Prozent Zinsen zahlen." — Das ist ein erbärmliches Vorhaben, Es zeigt das aber wieder, wie die Besitzenden die Notlage anderer, sogar des Kriegers, der zur Verteidigung des Vaterlandes aus- zichi, benutzen, um sich noch mehr zu bereichern. i. Die Arbeitslosigkeit der Tabakarbcitcr und die Stellungnahme des Deutschen Tabakarbeitcrverbandes. Bor einigen Tagen gaben wir eine Schilderung von der großen Arbeitslosigkeit der Tabakarbeitcr im Gicßcncr Bezirk, welche infolge des Kriegszustandes eingetreten ist. Die Möglichkeit, daß die Arbeitslosen kmrch Erniearbcit, sich einen Ausgleich ihres Verlustes an Verdienst schaffen können, ist in hiesiger Gegend so gut wie ausgeschlossen und somit sehen viele Tabaiarbciter bangen Zeiten entgegen. Besonders sind cs diejenigen, die keiner Organisation angeboren und nun von keiner Seite irgendwelche Unterstützung erhalten. Die organisicrien Tabakarbeitcr empfinden jetzt, wie wertvoll der Tabakarbeiicrver- band für sie ist, daß dieser in der äußerst schweren Zeit seine Mitglieder nicht im Stich läßt, sondern alles aufbictei, um die Not einigermaßen zu lindern. Zu diesem Zweck ist eine ?! o t st a n d S - Unterstützung eingeführt, welche allen arbeitslosen Mitglic- dcrn, die 52 Beiträge cittrichiet haben, gewährt wird. Wie sehr diese Unterstützung in Anspruch genommen wird, geht daraus hervor, daß bis fetzt schon in dieser kurzen Zeit 18 8 0 ArbeitSloseniage für BerbandSmitgliedcr in Betracht kommen. Hoffe» wir, daß es bald eine andere Wendung gibt, daß sich die Tabakfabrikanien einmal als wahre Patrioten zeigen. Gebt den brotlosen Tabak- arbciicrn Beschäftigung, auch damit erweist Ihr dem Vaterland einen großen Dienst. — Landsturm-Koittrollvcrsammlungcn. Das Bezirkskommando Gießen gibt folgendes bekannt: Es haben ohne weiteren Befehl zu erscheinen: Sämtliche Unicrossizicrc und Mannschaften, die dem Landsturm 2. Aufgebots angchören; das sind alle diejenigen, die militärisch ausgcbildei sind und im Kalenderjahr 4514 bas 38. Lebensjahr überschritten haben oder noch überschreiten, sowie ältere Mannschaften, soweit sic das 45. Lebensjahr noch nicht vollendet habe»: ferner diejenigen, die vor erreichtem Rililärpflichtaller ein- gctrcie» sind und 18 Jahre dem Heere angehört haben, auch wenn sie noch nicht 38 Jahre alt sind. Bezirk des Haupimcldeantts Gießen am 26. August 1914, vormittags 3 Uhr, anf den, Hofe der Zenghauskasernc am Landgraf- Philipp-Platz in Gießen: für die Bewohner der Siadi Gießen, Iahresklasse» 1896, 1881, 1882 und ältere, deren Angehörige das 45. Lebensjahr »och nicht überschritten haben; am 27. August 1914, vormittags 8 Uhr: Iahresklasse» 1893, 1894, 1895 und Angehörige jüngerer Iahresklasse», die älter als 39 Jahre sind; an, 28. August 1914, vormittags 8 Uhr, für die Bewohner folgender Gemeinden: Albach, Avendorf a. Lahn, Allcndorf a. Lumda, Allertshausen, Alien-Buscck, Annerod, Bellersheim, Beltershain, Bersrod, Bettenhausen, Beuern, Birklar, Burkhardsfelden, Climbach, Taubringen, Torfgill, Eberstadi mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenicich, Geilshausen, Göbelnrod, Großcn-Buscck, Großcn-Lin- dcn, Grünbcrg, Grnningen. Harbach, Hattenrod, Hansen, Hcuchcl- hcim, Holzheim, Hungen. am 29. August 1914, vormittags 8 Uhr, für die Bewohner folgender Gemeinden: Inheiden, Kessclbach, Klein-Linden, Langd, Lang-Göns, Langsdorf, Lauter, Leihgestern, Lich mit Hof Albach, Evlnhauscn und Mühlsachscn, Linbcnstruth, Lollar, Londorf, Lumda, Mainzlar, Münster, Mnschcnhcim mit Hof-Güll, Nicdcr-Bcssingen, Nonncnroih, Obbvrnhvsen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Oüen- hausen mit Appenborn, Oppenrod, Oneckborn, Rabertshausen mit Ringclshausen, Rcinhardshain, Rciskirchcn, Rodhciin mit Hof- Graß, Rödgen, Röthges, Rüddingshausen, Ruttershausen mit Kilchberg, Saasen mit Bvllnbach, Vcitsberg und Wirbcrg, Stangenrod, Staufenberg m. Friedelshansen, Sicinbach, Steinhcin,, Stockhauscn, Trais-Horloff, Treis a. Lumda, Trohe, Utphe, Villingen, Watzenborn mit Steinberg, Weickartshain, Weitershain, Wicseck, Winnerod. — Die Wirkung der Maschincngcivehre. Die Alten haben den Tob oft als Sensenmann abgebildct. Längst überholt. Auch der Tob arbeitet heut«: mit B!a f cf)i neu. Ein« der furchtbarsten ist boS Maschinengewehr: „Gießkanne des Teufels" iianittens die Russen tat russisch-japaiirfchcir Kriege. Wie diese furchtbaren Mord- invjchmen arbeiten, zeigt der Anszug ans einem Feldpostbriefe der Hamhuvgcr Nachrichten, der über bas Gefecht bei Soidan folgendes berichtet: „ . . . Höre denn, was uns Dragoner von S o I ü a u erzählten: An der Grenze anf eenem langgestreckten Hügel eine preußische Neilerablicikm«, wenige Schwadronen, dicht hinter ihnen, durch den Hügel eben gedeckt, einige Maschinengewehre, der Kavallerie zu,geteilt. Da kommen zwei russische Kavallerie- brigaden an, sehen die paar feldgrauen Reiterchen^ und reiten gleich vergnügt auf sic ein, «ine Brigade vorn, die andere als Rückhalt hinterher. Unsere Dragoner ihnen entgegen, vor dem Fein,de aber, im rasendsten Galopp teilen sie sich rechts und links, den Ma- schincngcwehrcn ftci Schußfeld lassend. D a t a t s i ch d e » Russen die Hölle auf. Was da geschah, soll unibeschreiblich gewesen sein: in zwei Minuten war die erste Brigade ein Knäuel von Menschen- und P f erd e I e i bc r n (etwa 6688 Menschen!) die zweite, erschüttert, ans,gelöst, iagt zurück, ober rechts und links die deutschen Reiter holten aus, schwenkten ein» preßten die Linie zu einem Haufen zusammen, wo sich keiner rücken und rühren konnte, geschweige denn Lanze und Schwert gebrauchen. So wurde,, zwei Brigaden vernichtet mit einen, Opfer von 3 Toten und 18 Verwundeten auf unserer Seite. — —" KreiS Alsfeld-Sauier-ach. X Ein Kind verbrannt. In Vockenrod« bet Alsfeld ereignete sich am Samstag ein schrecklicher Unfall. Dort kam ein zehnjähriges Akädchen ans Sindlingen, das sich zu Besuch bei Verwandten aufhielt, dem Herds,euer zu nahe, fo daß seine Kleider in Brand gerieten. Ehe ihm noch Hiksc gebracht werden konnte, hatte cs furchtbare Brandwunden erlitten. Es wurde tn das AlSfelder Kreiskranlkeit- haus gebracht: aber kurze Zeit nach seiner Einkieferung starb es unter gräßlichen Schmerzen. Kreis ffriedberg-Birdinaen. — Vom Pferde erschlagen. Einen entsetzlichen Tob hat am Samstag der Fahrburschc der Filiale der Brauerei Bin,ding in Friedberg, PH. Schneider, erlitten. Wie sich der Unfall ereignet hat, konnte man mit Sicherheit nicht scststclle,,. Sicher ist, daß der Verunglückte vornüber vom Wagen gestürzt ist und daß ihm von Hufivittcn des schon« cworde neu Pferdes oder a,ts anderer Ursache der Schädel buchstäblich gespalten wurde. Schneider war gewerkschaftlich und politisch organisiert: er gehörte zu jenen Genossen, die, selbst nicht in der Lage, aktiv in den Tageskampf cingreison zu können. in treuer und pünktlicher Erledigumg ihrer Verpflichtungen ihre Aufgabe erblicken und im übrigen sich darauf verlassen, daß auch ohne ihre tätige Mithilfe Partei und Gewerkschaft ihren Ausgaben gerecht werden. Tie Friedbcrger Partei,ge,losseit werden ihm ein ehrendesAndenken bewahren. Bereinskalsrider. Donnerstag, 27. Anguss. Gießen. Tabakarbeitcr. Nachmittags 3 Uhr Mitgliederversammlung im Gcwerkschaftshwuse. Vortrag von Kollegen Kiel. , Alle Arbeitslosen wollen erscheinen-. Frertag, 2 8. ?! u 9 u ft. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends %9 Uhr i Sitzung. ?llle Delegierten wollen erscheinen. Bekanntmachung. Der als Fcl-dschütz geioähttc Ludwig H o f m a n u ist am 28. vor. Dkts. als solcher vci-pslichtet ivorden. Gießen, den 24, ?bugnst 1814. Der Oberbürgermeister. Keller. Butter her Pfd Milch Hühnereier Gäiisccicr Käse Käsematle Woche,tmarttpreise m «ietze» am 22. August 1914 1.10-1.20 Mk. Liter 22 Pfg. Stück 8—10 Pfg Stück — Psg. Stück 6—8 Pfg. Stück 5—6 Pfg. Tauben per Paar 0.80—1.20 Mk Hühner per Stück 1.20—1.80 Mk. Hähne per Stück 1.50—2.50 Mk. Gänse per Pfund 0.00—000 Pfg. Enten per Stück 0.00—0,00 Mk. Ochsenffeisch per Pfd. 0.86—0.92Mk. Kalbfleisch per Pfd. 86—90 Psg. Kuh-u.Rindff. per Pfd. 80—84 Pfg. Schweinefleisch per Psd. 70—90 Pfg. Hammelfleisch per Pfd. 70—96 Pfg. Kartoffeln p. Ztr. 4.20 — 4.50 Mk. Neue Kartoffel,, p. Pfd. 5—6 Pfg. Zwiebeln per Pfund 1si-18'Pf,. Blumenkohl per Sick. 15—30 Psg. Grüne Erbsen p. Pfd. 15—18 Pfg. Grüne Bohnen p. Pfd. 12—15 Pfg, Gelbe Rübchen Pack 5-6 Pfg» Kohlrabi Sick. 5—6 Pfgf Nömiichkohl Päkchen 5-8 Pfg. Gurken Sick. 10—20 Pfg,' Gurken, kleine Stück 3-5 Pfg. .. im Hundert 2—3 Mk/ Weißkraut p/Haupt 10-20 Psg. Kopfsalat per Kopf 2—5 Pfg. Aepscl per Pfund 15—25 Pfg. Birnen Pfund 15-25 Psg. Pflaumen Punsd 15—25 Pfg. Mirabellen Pfund 20-25 Pfg.' Pfirsiche Pfd. 25—35 Psg. Falläpfcl Pfd. 6—3 Pfg. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. „ . „ , Verlag von Krumm L Cie.. Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt. G. m. b. H., Ossenbach a„N' Bürgtt-Krm Gießen. Donnerstag, de,» 27. Angust, abends 8»/- Nhr^ im Saale des Caf6 Leib Tagesordnung: 1. Wirtschaftsleben, Rechtsverhältnisse und der Krieg. Referent: Herr Beigeordneter Justizrat Grüu ewald. 2. Slnrcgung zur Gründung einer Kreditkasse für Handwrrker, und Gewerbetreibende, Aktie Aussprache. Dan,«, taiklkommeu., Es ladet ergebenst ein Z>cr Worffand. enthaltend das Ernmachm.slusvewahren.^on- servieren. Sie Dbstvenvertung. fruchtweinhrrstellung usrv. ? | mit ftbbrlöungen. l)rrlag ^.§cifnrll,tvarenöorf-Leip;ig. imsum 191*»-. | zu verkehren, ist Pflicht eines jeden organisierten Arbeiters. Durch den Besuch des&ewerkschaftshauses unterstützt der Arbeiter sein eig. Heim- Ia Speisen u. (Jetränke. Billig. Logis in schwarzer Ausführung Stück 20 Pfg., in kolorierter Ausführung Stück VO Pfg. Bestellungen erbittet sofort Oberhcssische Volkszeitung Gießen. Kchnhofstraßk 23, Tklkphall 2088.