Organ für die Interessen des der Provinz Oberhcffcn und werktätigen Volkes der Nachbargebiete. Die OberbekNIche volkSirttun, erscheint jeden Werktag Abend in Gießen, Der Abonncmcntdpreir beträgt wöchentlich 15 Psg„ monatlich 60 Pfg. «tuscht. BringerloKn. Durch die Post bezogen vierteljäbrl.1L0Mb Redaktion und Expedition Gießen, Babnboiltraße 23, Ecke Löwenaassc. rclcvbo» 2008. Inserate tosten die 8 mal gespall. Kolonclzcile oder deren Raum 15 Psg. Del größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bi- abend« 7 Uhr für die solgende Nummer in der Expedition aufgeben Nr. 193 Gießen, Sainstiili den 22. August 1914 9. Jahrgang Bundesgenossen. Man vergißt fast, daß sich die Oesterreicher drunten an der Drina mit den Serben schlagen, erwartet auf der See zunächst keine großen Entscheidungen und liest mit Befriedigung von dem Vordringen der deutschen und österreichischen Truppen in Polen. Tie stärkste Spannung richtet sich indes auf den Wafsengang in Belgien und an der clsässischen Grenze, alles andere empfindet man fast nur noch als Begleiterscheinungen des neuen deutsch-französischen Kriegs. Es ist verständlich, daß der Krieg, der politisch als Krieg gegen Rußland begann, sich militärisch in erster Linie gegen Frankreich gewendet hat. Darin drückt sich zunächst die größte Achtung aus, die man für den Gegner im Westen hegt; er ist der gefährlichere, und wenn man gegen ihn gewinnt, ist zu Lande io gut wie alles gewonnen. In den Kulturzentren Europas, nicht aus den Steppen Halbasiens, fällt die eigentliche Entscheidung. Als Bundesgenosse des Zaren ist Frankreich in den Krieg niit hineingerissen worden. An allem, was Frankreich droht, trägt Rußland einen großen Teil der Schuld. Das Bündnis mit der Despotie war für die Republik zu Friedenszeiten eine Schande, im Sinne der Machtpolitik könnte es nur nachträglich durch den Erfolg gerechtfertigt werden, sonst verfällt es dem Urteil der Geschichte, nicht nur unmoralisch, sondern auch unvolitisch gewesen zu sein. Einstivcilen spricht aber alles dafür, daß Frankreich mit seinem Bündnis einen schweren Rechenfehler begangen hat. Denn wo stehen die L e g io n e n des Nikolaus, die den Franzosen im Augenblick der Gefahr zu Hilfe eilen sollten?. Wenn wir recht unterrichtet sind, hinter Warschau, und dort werden sie wohl stehen können, solange sie wollen, oder wenigstens solange, bis der Krieg i ni W e st e n entschieden ist. Die Franzosen schlagen sich, wie es niemand anders erwartet hat. mit Bravour, denn auch sie haben, wie die Deutschen, ein Vaterland zu verteidigen. Von russischen Heldentaten hat man mittlerweile nichts gehört, und für was wollen diese brnien Russen auch kämpfen? Uns kann es ja recht sein, wenn sich die Soldaten des Zaren soweit wie möglich von der deutschen Grenze wegbcgcben, wir brauchen dann um den schlimmsten aller Schrecken, die russische Invasion, uicht besorgt zu sein. Die französischen Väter des Russenbündnisses hatten sich aber die Sache wohl ander s v o r g e st e l l t. Die Pariser Regierungspresse hat »ns früher einmal von den ungeheuren M e n s ch e n m a s s e n erzählt, die Rußland im Fall eines Krieges gegen Deutschland werfen würde. Dadurch sollte die deutsche Streitmacht im O st e n f e st g e» halten, das Vorgehen Frankreichs im Westen wesentlich crlcirfitcrt werden. Man kann daraus schließen, daß eine starke russische Offensive gleich im Anfang des Krieges in den militärischen Abmachungen der Verbündeten vorgesehen war, sie wäre ja auch für die Franzosen das allein Zweckmäßige. Der Zar denkt aber, wie cs scheint, nicht im entferntesten daran, seine geheiligte Haut für die Republik zu Markte zu tragen. Er, der seine Bölkcr stets betrogen hat, wird sich erst recht nicht scheuen, seine Verbündete» zu betrügen. Uns kann das, wie gesagt, nur reckt sein, nickt nur im augenblicklichen Interesse des deutschen Volkes, sondern auch von noch höheren Gesichtspunkten ans. Je deutlicher sich der militärische Unwert des russischen Kaiserreiches zeigt, desto gewisser geht cs mit dem Zarismus zu Ende und desto sicherer wird auch der Wiederkehr der alten unseligen Aündniskonstellationcn vorgebeugt. Dem Zaren verdankt Frankreich diesen Krieg, dem Zaren verdankt es die einmütige Stimmung der Abwehr, die das ganze deutsche Volk erfüllt, denn nur der Haß gegen den Zarismus hat diesen Krieg in Deutschland populär gemacht. Was verdankt es dem erhabenen Perbündcten sonst? Einstweilen nur die Steigerung der deutschen Siegeszuversicht, die durch ben glatten Vormarsch in Russisch-Polen hervorgernfen wird! Je d e n t l i ch e r Frankreich und die ganze Welt erfährt, v>as eine russische Bundesoenossenichaft wert ist, desto bester! Tas englisch-japanische Ucbereirikornmeir. Ter Nieuwe Rottcrdamsche Courant veröffentlicht als amtliche englische Mitteilung folgendes: Die englische und die japanische Negierung sind über die notwendigen Maßregeln zum Schutze ihrer Interessen im fernen Lstcn sowie auch betreffs der Integrität des chinesischen Reiches übcreingckommen. Japans Tätigkeit soll sich nicht über das Chinesische Meer hinaus erstrecken, aiißer wenn 'der Schutz der japaiiischcn Schiffahrt dies erfordert; auch nicht auf die asiatischen Gewässer westlich des Chinesischen Meeres und zu Lande auf kein anderes als das von Deutschland besetzte Gebiet in Ostasien. Deutschland ,md Belgien. lAintllch.l Die znm zweiten Mal an Belgien gerichtete Aufforderung, mit Deutschland ein Abkommen zn treffen, hat in unserem Bolle die Befürchtung erweckt, als sei Deutschland zu ZngcstänÄ- nissen geneigt. Diese Befürchtung ist unbegründet, Es handelte sich nach „»seren erste» Erfolgen nm einen legten Versuch, die irre geleitete Meinung Belgiens zu seinem eigenen Besten umzustiniwen. Da Bclgic» unser Entgegenkommen abwics, so hat es alle Folgen seines Handelns selbst zu tragen. Die eingclciicten Operationen sind durch das Schreiben an die belgische Regierung nicht einen Augenblick nusgehaltcn worden und werden mit rücksichtsloser Energie durchgeführt. Der Gcneialguarticrmcistcr v. Stein. Französisch afrikanische Hilfstruppen. Aus Marseille wird dem Giornalc d'Jtalia vom 10. August gemeldet, daß die afrikanischen Truppen, vorzugsweise ein- geborene Schützcnregimentcr, die Ueberfahrt bereits beendet haben und in der Richtung noch Marseille abgcgangen seien. Rußland verbannt doch deutsche Gefangene nach Sibirien. Ter Deutsche Kurier schreibt: „Entgegen den Versicherungen der Petersburger Telcgrnphenagentur, kein Deutscher sei nach Sibirien verbannt worden, sind erst in den letzten Tagen über Kopenhagen russische Zeitungen hier cingegangen, die das Gegenteil berichten. So schreibt die Petersburger Wjcdomosti vom 25. Juli (7. August), daß zahlreiche in Rußland ausgegriffenc Deutsche nach Jckatcrinenburg und Ostrowskaja transportiert worden seien. Auch die Jsvcstia in Reval vom 24. Juli (6. August) meldet die Müssender baftiing von Deutschen und ihre Abschiebung nach Simbirsk über Moskau. Tic deutschen Reklamationen wegen der völkerrechtswidrigen Zwangsverschickungcn von Deutschen nach den sibirischen Ikralgcbietcn nehmen, wie wir erfahren, trotz der russischen Äbleugnungsvcrsuche ihren Fortgang, um zunächst zweifelsfrei den Ansciithnltsort der internierten Deutschen sestzustcllen." Asien empor! Berlin, 19. August. Am -l, August wars in der Bilhelmstratze, Auf dem Bürgersteig vor der englischen Botschaft klirrte» die Scherben. Gruppe» bildete» sich, die vorübergehende Ausländer, Engländer, Russen, Franzose», mit Verwünschungen, Flüchen, selbst Schlägen bedrängten, Plötzlich zeig!« sich im Lichte der Straßenlaternen ein anderes Bild. Ein Menschenhaufen brachte in wildem Triumph ein dunkles Etwas getragen, das sich beim näheren Zusehen als ein junger Fapancr entpuppte. Mit lächelndem Stolz thronte der Sohn Nippons aus den Schultern der weihen Männer und nahm wie eine Selbstverständlichkeit die Huldigungen der aufgeregten Menge entgegen, die in unsinniger Frcn'de immer wieder schrie: „Hurra! Japan hat Rußland den Krieg erklärt!" Ein paar Tage später bekam dieser jung« Herr jedoch eine vertrauliche Nachricht von seiner Rcgicrung, die ihn veranlaßt«, die Koffer zu packen und ohne Aussehen zu verschwinden. Sein jetziger Aufenthalt ist unbekannt. Vielleicht ist er über Dänemark nach London, wo er neuer Ovakieneil gewiß sein kann: „Hurra! Japan hat Deutschland ein Ultimatum gestellt!" Diesmal aber ists leider richtig. Die Japaner haben nicht umsonst in Europa ihre Studien gemacht. Sic haben von europäischen Staatsmännern geleritt, wie man Gelegenheiten benutzt. Tie Kunst der moralischen Taschenspieler, die mit sittlichen Grundsätzen jonglieren, um sic gelegentlich ganz in ihren weiten Acrmeln verschwinden zu laffcn, beherrschen sie mit Meisterschaft. Sic halten den Augenblick für günstig, um sich mit Zustimmung des englischen Bundesgenossen 'der Herrschaft über das aclbe Meer zu versichern, und richten an Deutschland ein Ultimatum, dessen Sinn und Zweck vollkommen klar ist: Stehe auf, damit ich mich setzen kann! Man vermiht die ethische Begründung eines solchen Vorgehens. Aber Japan hat auch Journalisten, die von den Offiziösen Europas gelernt haben, und die werden um das Moralische, das sich von selbst versteht, nicht verlcacn sein, „Treue Erfüllung übernommener Bnndnispflichten", „nationale Lebens!ntcressen", ans ein paar Redensarten kommt es nicht an, wenn die Gunst 'der Stunde erlaubt, über einen augenblicklich ziemlich Wehrlosen hcrzufallen und ZI, n e h me », was man kriegen kann, Japan hat gewählt und entschieden. Als Bundesgenosse wäre es beiden Partcicn willkommen gewesen, cs glaubt aber die Partie des Stärkeren zu spielen, wenn es sich aus die Seite Englands und seiner Verbündeten stellt. Ob cs recht hat, wird der Erfolg zeigen. Mit moralischen Lehren und im Augenblick kaum ausfnhr- daren Drohungen ist aar nickst erreicht: die m i l i tä r i s che n Taten werden entscheiden und nachher die Diplomatie, der bei der Entwirrung dieses weltumspanv.cndcn Krieg sknäncts ein schwer zu lösendes Problem harrt. Auch wenn cs Heer und Flotte gelingt, die europäischen Gegner z» besiegen, bleibt noch der Diplomatie die Aufgabe, den Krieg wirklich zu gewinnen, d, h. ihn zu einem Ende zu bringen, das zum Vorteil des Volkes und zur dauernden Befestigung des Friedens dient. Jetzt stehe» sechs Staaten, darunter vier Großmächte, gegen zw ei! Drei von den fünf Weltteilen sind in den Weltkrieg hinein- gezogen! ES ist der g r ö ß t e B ö l k c r k a m p f, den die Erde gesehen hat. Aber welche ungeheure Schauspiele uns auch noch er- warlen, so soll das kleine Bild ans der Wilhelmstraßc nicht vergessen werden, Tic Europäer schlagen sich unter einander und haben den Vertreter Asiens auf ihren Schultern. In einem nebensächlichen Ereignis kündet sich der große Zug der Weltgeschichte, Europa abwärts, Asien empor! Lesfcntliche Nnterstützririg in der Kriegszeit ist keine Armeunikterstützung. Das Reichsamt des Innern hat die Auffassung des sozialdemokratischen Partcivoritandcs und der Gewerkschaften, daß Unterstützungen an Arbeitslose, die in der gegenwärtigen Krirczspcrivdc gezahlt werden, nicht als Armenunterstützung anzuschen seien, als richtig anerkannt und wird einen Erlaß wn die Bundesregierungen richten, wonach die Unterstützungen, sie Arbeitslose jetzt ans öffentlichen Mitteln erhalten, nicht als Armenunterstützung anznschcn sind und deshalb die politischen Rechte nicht berühren. Frankreich tu Amerika abgeblitzt? Ter Mailänder Eorriere üella Sera gibt eine Meldung des Londoner Daily Telegraph aus Washington wieder, wo- nnch Frankreich Verhandlungen mit nordamerikanischen Bankiers angeknüpft hat, um in Newyork Werte zu hinter- lcgen als Zahlungsgarantie für Proviant, den Frankreich aus Nordanierika beziehen wollte. Präsident Wilson soll den Bankiers untersagt haben, den französischen Vorschlag anzu- nehnien, da Gefahr bestehe, daß durch die Ausfuhr not- wendiger Lebensmittel Mangel in Amerika eintrete. England uird Deutschland vor dem Kriege. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung übergibt der Ocffcittkch- kcit Aktensttickc, die sich ans den politischen Mei-mingsauLtmisch zwischen Deutschland und England unmittelbar vor dem Ausbruch des Krieges beziehen. Es ergibt sich aus diesen Mitteilungen, daß Deutschland bereit war, Frankreich zu schonen, falls England neutral bliebe und die Neutralität Frankreichs gewährleiste. Die ersten Telegramme zeigen, daß Prinz Hainrlch von Preußen sich beim englischen König scheinbar erfolgreich um Friedensvermi«» lnng bemühte. Das bestätigen auch dann folgend« zwischen dem Kaiser und König Georg gewechselten weiteren Telegramme. Dann folgt zunächst bas Telegramm des Kaiserlichen Botschafters in London vom 1. August 1914: „Soeben hat ncich Sir Edward Greg ans Telephon gerufen und mich gefragt, ob ich glaubte, erklären zu können, daß für den Fall, daß Frankreich neutral blieb« in einem dcntsch-russtschcu Kriege, wir die Franzosen nicht ang rissen. Ich erklärte ihm, ich glaubte die Verantwortung hierfür übernehmen zu können. Lichnowsky," Telegramm des Kaisers an den König von England am 1. August 1914: „Ich habe soeben die Mitteilung Deiner Negierung erhalten, durch die sie die französische Neutralität unter der Garantie Großbritanniens anbictct, Diesem Anerbieten war die Frage ange- schlosien, ob unter diese» Bedingungen Deutschland darauf verzichten würde, Frankreich anzugrelscn. Aus technischen Gründen muß meine schon heute nachmittag nach zwei Fronten, nach Osten und Westen angeordnet? Mobilaiachnng vorbereitumgKgcmäß vor sich gehen, Gegcnbefchl kann nicht mehr gegeben werden, weil Tein Telegramm leider zn spät kam. Aber wenn m i r F r a n k- r e i ch s e i n c N c u t r a I i t ä t a n b i c t c t, die durch die englische Armee und Flotte garantiert werden muß, wcrde ich natür- lich von einen, Angriff auf Frankreich abschcn und meine Truppen anderweitig verwenden. Ich hoffe, Frankrciich wird nicht nervös wedren. Die Truppen an meiner Grenze werden gerade telegraphisch irnd telephonisch abgehaltcn, die französische Grenze zu überschreiten, W i l h e l m." Telegramm des Reichskanzlers an den kaiserlichen Botschafter in London vom t, August: „Dcnttschland ist bereit, auf den englische» Vorschlag ein zu gehen, falls sich England mit seiner Streitmacht für die lmbcdingte Neutralttät Frankreichs im deittsch- russischen Konflikt verbürgt. Die deutsche Ptvbilmachung ist heute aus Grund der russischen Herausforderung erfolgt, bevor die englischen Vorschläge hier eintrafcn: infolgedessen ist unser Aufmarsch an der französischen Grenze nicht mehr zu ändern, — Wir verbürgen ii nsaberdafur, daß die französische Grenze bis Montag. 3. August, abends 7 Uhr durch unsere Truppen nicht übcrschrttten wird, falls bis dahin die Zusage Englands erfolgt ist, v, B c t h m a n n - H o l l w e g," Tclegramni des K ö n i g s v o n England an den Kaiser vom 1, August 1914: „In der Beantworttmg Deines Telegramms, das soeben ein- gegangen ist, glaube ich, daß ein Mißverständnis bezüglich einer Anregung vorliegen muß. die in einer freundschaftlichen Unterhaltung zwischen drin Fürsten Lichnowskn und Sir Ednmrd Eren crfvlgt ist, als die Frage erörtert wurde, wie ein wirklicher Kamps zwischen der deutschen und französischen Arincc vermieden werde:! könne, solange noch die Möglichkeit besteht, daß ein Einverständnis zwischen Oesterreich und Rußland znstandekonunt. Sir Edward Grcp wird den Fürsten Lichnowskn morgen früh sehen, mn scstzn- stcllcn, ob ein Mißverständnis auf feiuer Seite vorlwgt, Georg." Telegramm des Kaiserlichen Botschasters in London an den Reichskanzler vom 1!. August 1914: „Die Anregung des Sir Edn-ard Grcn, die auf dem Wunsche beruht, die Möglichkeit dauernder Neutralität England? zn schaffen, ist ohne vorherige Sttllungnahme gegenüber Frankreich und ohne Kenntnis der Mobilmachung erfolgt und inzivischen als völlig aussichtslos aufgegel>cn. L i ch n o w S k y." Der Schwerpunkt der von Teut-schlanb abgegebenen Erklärungen liegt in den, Telegramm Kaiser Wilhelms an den König von England. dlnch wenn ein Missverständnis in bezug auf einen englischen Vorschlag vorlag. so bot doch bas Anerbieten des Kaisers England Gelegenheit, ansrichtig seine Friedensliebe zu beweisen und den den sich-srcrnzö fischen Krieg zu verhindern. Die Frankfurter Zeitung benierkt zu der Veröffentlichung: „Einen starken Eindruck von der englischen Politik und vor allen, von de» englischen Bemühungen uni den Frieden bekommt mail nach dieser Veröffentlichung nicht. England hätte sehr, ivahrschcinlich den Krieg verhindert, wenn es in Russland von Anfang an mit demselben Nachdruck, den es gegen Deutschland ange- wendet hat, erklärt hätte, dag auf seine Teilnahme an diesem Kriege nicht zu rechnen sei, und wenn es Frankreich zu einer ähnlichen Stellungnahme vermocht hätte. Dieser einzige Schritt, der Erfolg bringen konnte, ist unterblieben, und was spater untcrnvm- men wurde, um Ru bland auf die Gefährlichkeit seines brandstisten- den Treibens hinzuweisen, ist mit einer Energielosigkeit und Lang- sanikcit geschehen, die einen Erfolg von vornherein beinahe ansschloß. Was geschehen ist, um den Krieg zu verhüten, ist von Deutschland getan worden, die englische Negierung hat kaum äußerlich die Gebärde gemacht, als wolle sie dem Brande wehren. Die Staatsoberhäupter und Negierungen der Tripel-Entente werden vor dem Gericht der Nachwelt di« Verantwortung für die Ströme vergosicuen Blutes und di« Greuel der Verwüstung zu tragen haben, die dieser Krieg nicht bloß über Europa, sondern über die Menschheit gebracht hat." Englische Proteste gegen England. Lewis Hamilton, Dozent am Orientalischen Seminar der Berliner Universität, sendet der Vossischen Zeitung eine Zuschrift, in der er feststellt, daß die hier lebenden Engländer mit der größten Zuvorkommenheit behandelt werden und gar nicht den Wunsch haben, Berlin zu verlassen, und in der er dann folgendes bekennt: „Jeder Brite, der Deutschland kennt, seine Friedensliebe und seinen Wunsch nach Gerechtigkeit, ist empört über Englands A b e n t r u r e r p o l i t i f. Wäre es den Herren Politikern in Großbritannien vergönnt wie uns, Jahre lang hier im Lande zu leben, im Frieden Deutschland schätzen und lieben zu lernen, wäre es ihnen vergönnt, zu sehen, wie Inn gen s von fünfzehn und sechzehn Jahren stundenlang mit schwerem Gewehr unter den Brücken stehen, um auch ihr Teil zum Schutze des Landes beizutragen, wie weißhaarige Männer sich in Uniform werfen, um ihr Land bis aufs Letzte zu verteidigen, dann würden sie misten, baß hier die Stimme der berechtigten Empörung gegen einen schamlosen Nebersall spricht. Daß Germanen — denn das sind wir Engländer — mit Franzosen, Slawen und Mongolen gegen ihre BintSvcrwandten kämpfen, das hätte kein Brite, welcher hier in Frieden und Ruhe gelebt hat, sich träumen lassen. Ich kann nur di« Worte eines bekannten Engländers hier in Berlin wiederholen, welcher mir sagte: „Das ist nicht mehr das England, welches wir in unserer Jugend kannten!" Hoffentlich wird man bald in England die Wahrheit kennen lernen, wie Deutschland seine „Feinde" behandelt. Ich schreibe „Feinde" in Anführungsstrichen, denn kein ansässiger Brite in Deutichland ist ein Feind Deutschlands, sondern ein dankbarer Mitbürger." Die in München lebenden Engländer haben für das Rote Kreuz einen Geldbetrag zur Verfügung gestellt. In einem Begleitschreiben bezeichnen sie dicseTpende als einen P r o t e st gegen die schmachvolle Politik der Regierung Englands. Sie erklären: „Wie zahllose Volksgenossen in England und in deutschen Städten wenden wir uns ans das entschiedenste gegen den ruchlosen Krieg, in den Deutschland verwickelt ist. Wir glauben, daß zwei so mächtige Staaten, wie Deutschland und England, die durch wechselseitige Gastfreundschaft und wechselseitige Interessen innig verbunden sind, gemeinsam die abendländische Kultur gegen den Ansturm asiatischer Barbarei hätten verteidigen sollen. Durch diesen Protest wolle» wir dem deutschen Volke unsere Hochschätznna kundtun. Es wäre uns sehr crivünscht, wenn nach dem Beispiel Hamburgs die englische Kirche als Lazarett eingerichtet würde." Ein englisches Neutralitäts-Komitee. In England hat sich nach einer Mcldrmg des Berliner Lokalanzcigcrs ein Neutralitätskomitee gebildet, um die Teilnahme Englands an dem Kriege zu verkürzen. Zu den leitenden Persönlichkeiten dieses Komitees gehören der Lord- Majov von Manchester, die Bischöfe von Lincoln und Hcreford und viele Politiker und Gelehrte hohen Rufs. Dies Komitee hat einen Aufruf veröffentlicht, worin darauf hingewiesen wird, daß der Sieg der Koalition über Deutschland und Oesterreich Rußland zum Herrn sowohl in Europa als auch tn Asien machen würde. Rußland sei nur ein halb zivilisiertes Asraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 40 „Er sagt," antwortete sie, ohne ihre Angen aufzuheben, „daß ich ein losgcrissener Zweig sei, der keinen Boden hier finden könne, um Wurzel zu schlagen. Wenn Jlda geht, die mich beschützte und erzog, habe ich' niemand mehr, der mich liebt. Selbst die Mägde und Tienstleute in Helgestads Hause würden sich gegen die lappische Landstreicherin auflehnen. Wie Pcterscn mich verspottet und Olaf mich verachtet, so tun sie alle. Dort oben ans den Alpen, wo mein Pater wohnt und geehrt ist, werde ich cs auch sein; dort bei den ansge- stoßcnen Kindern meines Volkes kann ich durch Gottes Gnade viel Gutes tun. Ich kann sie lehren, was ich gelernt habe, kann Gottesfurcht und Erbarmen in ihre Herzen bringen, kann sie trösten und anfrichtcn in der Nacht ihres Lebens und Heil und Glück um mich verbreiten." „So sagt der Priester, das ist seine Sprache," erwiderte Marstrand. „Er will dich für seine Pläne als Lehrerin deines Volkes benutzen und sucht dich zu überreden, daß alle, die hier wohnen, die grausamen Vorurteile der meisten teilen. Aber liebt er selbst dich nicht und ich, Björnarne und mancher andere?" „Du," rief sie und ihre dunklen Augen hefteten sich mit unendlicher Innigkeit von neuem fest auf ihn, „ja, du bis! gütig und gerecht, du kennst den Spott und Haß nicht, der in ihren Seelen lauert. — Ach! du weißt nicht, wie ich in langen Nächten einsam geweint habe, als Jlda mir befahl, dich zu meiden. Sage mir, ob es wahr ist, daß eine Kluft zwischen uns liegt, tiefer und breiter, wie dieser unergründliche Fjord? Sage mir, ob es wahr ist, daß dein Fuß mich von dir stoßen wird? Sage mir, ob ich fliehen muß vor deiner Stimme, die niich ruft, weil einst diese Stimme wie ein giftiger Pfeil mein Herz zerschneiden wird?" Land, das von einer militärischen Autokratie regiert werde, die den Ideen des Abendlandes von politischer und religiöser Freiheit feindlich gegcnübcrstehc. Deutschland dagegen sei ein hochkultiviertes Land, das in hohem Grade zur Entwicklung Europas beigctragcn habe und dessen moralische Begriffe und materielle Entwicklung im Vergleich zu Rußland rühmenswert seien. Keine britischen Interessen zwängen England, gegen Deutschland einzugreifcn. Oesterreich i»rd Japans Ultimatum. Ti« Meldung von dem Ultimatum Japans an Deutschland wird in Wien in aller Rnbe ausgenommen. Tie gesamte Presse drück: die Anschauung aus, daß Japans Austretcn im fernen Osten im allgemeinen an der Kriegslage weiter nichts ändere. Was jetzt mit den dentschc,, Kolonien und Schutzgebieten geschehe, habe nur den Eharaktcr von Episoden und sei siir den Ausgang des großen Krieges ohne Bedeutung. Die Entscheidung über die gesamte Weltlage und die Zukunft falle auf den Schlachtfeldern des europäischen Festlandes. Versprechen und Hakten! Das dänische Regierungsblatt Politiken schreibt zu dem Erlaß des Großfürsten Nikolaus an die Polen das folgende: „Die Proklamation des Großsürstcn Nikolaus gibt, wie man sicht, die ersten bestimmten Aufklärungen darüber, wie man von russischer Seite die enropäijchc Karte revidiert. Tic bisherigen polnischen Provinzen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns werden unter russischer Oberhoheit mit Russisch-Polen zusammen Königreich Polen. Die Frage ist aber, ob die Proklamation die beabsichtigte Wirkung haben wird. Die Polen hatten so strenge Zeiten unter der russischen Herrschaft durchzumachcn, daß die russischen Versprechungen, die jetzt im Augenblick der Gefahr gegeben, kaum geeignet sind. Begeisterung hcrvorznrnsen. Namentlich die Pole» in Galizien befinden sich so wohl in der habsburgi- schen Doppclmonarchic und üben im österreichischen Parlament einen so großen politischen Einfluß ans, daß man nicht annehmen kann, haß sic Lust verspüren, unter russische Oberhoheit zu kommen." Es ist bezeichnend, das, di« Norddeutsch« Allgemeine Zeitung diese Auslastungen des dänischen Blattes ohne Kommentar widergibt. Sie hat scheinbar nichts zu der Feststellung zu bemerken, daß besonders die Polen in Oesterreich sich in ihren gegenwärtigen Verhältnissen sehr wohl fühlen können nutz schweigend gesteht sie also ein, daß die Polen ln Preußen wohl etwas mehr Grund zrir Unzufriedenheit haben. Aber miau weiß ja, daß die preußische Regierung nicht minder wie die russische daraus bedacht ist, die Staatsangehörigen polnischer Nationalität in gute Stimmung zu versetzen. Der Hirtenbrief des Bischofs Listowski ivar ein erster bcdcutnngsvvNer Schritt auf diesem Wege, und wir dürfen wohl ziemlich bestimmt dünnt rcehnen, bah trotz den, inzwischen zum Schweigen gebrachten Widerspruch der hakatistischen Presse den Polen in der nächsten Zeit noch weitere und deutlichere Zusicherungen gemacht werden. Allerdings muß sich die Regierung darüber im klaren sein, daß den Versprechungen im Falle des Sieges auch Taten folge,, müssen, denn ohne Zweifel wurden die Polen eine Enttäuschung dem deutschen Reiche sehr bitter vergelten. <£iu Fahnenumtausch. Unter dieser Spitzmcirke verbreitet das Wolffsche Tele-' graphcnburcau (W. T. B.) besonders auch im Anslandc folgende Meldung aus Gelscnkirchcn: „Im hiesigen Industriegebiet marschierte hcutc ein Zug Sozialdemokraten mit Fackeln in der rechten und roten Fahnen in der linken .Hand zum Bismarckdenkmal. Tort warfen die Sozialdemokraten di« Fackeln zu einem Scheiterhaufen zusammen, verbrannten die roten Fahnen und entfalteten die Nationalfahne. Unter Jubel zogen sic wieder ob . . ." An dieser Meldung ist auch nicht ein wahres Wort, sie ist vo» Anfang bis zu Ende erfunden! Das Wolffsche Bureau hätte wirklich alle Urlache, mit Nachrichten, die man sofort auf ihre Nichtigkeit hin prüfen kann, vorsichtiger zu sein. Wer soll dem W. T. B. sonst noch Meldungen glauben, die zu kontrollieren man zurzeit nicht in der Lage ist? Staatliche Kriegsfirrsorge. Das preußische Finanzmintfterinm hat auf Grund einer Verständigung zwischen sämtlichen Ressorts verfügt: „Wenn Arbeiter oder sonstige in einem Arbeiter- oder u»tcrbcamtenähnIichcn Verhältnis befindliche Lohnempfänger insolge der Mobilmachung in den Militär-sMarine-jdienst beim Heer, bei der Flotte oder beim Landsturm einbernsen sind oder sich freiwillig zum Kriegsdienst gestellt haben, so sind bis auf weiteres deren Angehörigen Beihilfen nach Maßgabe des Bedürfnisses bis höchstens 25 Prozent des Lohns- des Einberufenen für die zurückbleibendc Ehefrau sowie bis höchstens 6 Prozent des Lahns- für jedes- eheliche und den ehelichen gesetzlich gleichstehcndc Kind unter 15 Jahren, zusammen aber bis höchstens 58 Prozent des Lohns zu gewähren." Weiter heißt es in dem Erlaß: „Da davon ausgcgongcn wird, Sie hielt mit beiden Händen sich an ihm fest, sic zitterte und durchforschte angsterfüllt seine Züge. „Wer, liebe Gula, hat dir das gesagt?" fragte Marstrand bewegt und beunruhigt. „Niemals soll eine Kluft uns trennen, nie wird meine Stinime ein Pfeil sein, nie mit meinem Willen werde ich dir jemals wehe tun." „Ich weiß es, ich weiß es!" flüsterte sie vor sich hin- sinnend. „Ich habe nachgedacht über JIdas Worte, ich habe gelernt demütig sein. — Ja, sie hat recht! Ich gehöre zu denen, die niemals vergessen müssen, daß sic verlassen und verstoßen sind; aber Herr, wenn deine Magd auf deiner Schwelle sitzt, willst du sie von dir jagen?" Er legte seine Hand ans ihre Stirn und sagte mild und vorwurfsvoll: „Solchen Glauben hast du zu inir? Sei ruhig, armes Kind, niemand soll dich kränken und beleidigen, und wenn alle dich verlassen, ich bleibe dein Freund, dein Bruder, dein Beschützer." Er hielt sie in seinen Arnien und sah in ihr lächelndes, neubelcbtcs Gesicht. Unter seinen Händen schlug ihr Herz, seine Finger strichen leise über die seidenweichen reichen Flechten und seine Lippen neigten sich zu ihren Lippen nieder. Plötzlich fuhr sie mit einem Schrei auf und stand aus ihren Füßen. Marstrand folgte ihren Augen; oben auf der Spitze der Klippe erblickte er Björnarne, der unverwandt herübersah und dann hinter den Steinen verschwand. „Er kommt die Stufen herauf," sagte Gula hastig. „Lebe wohl, Herr, wo du sein magst, sei Gott mir dir." Und che er cs hindern konnte, lief sie auf dem äußersten abschüssig- sten Grat des Felsens hin, kletterte und sprang von Stein zu Stein und gelangte so auf einen der Absätze der Klippen- wand, der auf jähem Pfad zum Ufer des Fjord führte. Angstvoll sah ihr Marstrand nach und blieb stehen, als er Björnarnes Schritte hörte, der in der nächsten Minute bei ihm war. „Wo ist sie?" fragte dieser, finster nmhcrschancnd. daß die Reichsuitterstütziingen beim Vorlicgcn der rcichsgcsetzlicheii Voraussetzungen noch neben den (obengenannten) zu gewährenden Beihilfen gezahlt werden sollen, so haben sich die bewilligende» Behörden zweckmäßig bei Festsetzung der Beträge mit den Kommunal» bchörden wegen des von diesen beabsichtigten Vorgehens in Verbindung zu setzen, damit nicht ettva die vom Reiche zu erstattenden kommunalen Unterstützungen lediglich um des Maßes der Staats» beihilscn willen gekürzt werben oder ihre Zahlung überhaupt unterbleibt." Ter preußische HanDelsmiilister v. Sqdow hat den Obcrpräsi- bcntcn eine Verfügung zugchcn lassen, in der cs ,i. a. heißt: „Dem K r e d i t b c d ü r s n i s der klcingewerblichen Bevölkerung wird unter den gegenwärtigen Verhältnissen jede nur mögliche Erleichtern»,, zu verschossen sein. Ich weise darauf hin, daß! die Preußische ZentralgenosscnschaftSkassc in der Lage iü, jedes Here ch t j g i e Krcditbcdürsins in vollem Umfange zu erfüllen. Dazu- ist aber erforderlich, daß den im Gesetz vom 31. Juli 1805 der preußischen Zenlralgcnossenschastskastc vorgcschricbcnen Beding»»-- gen genügt wirb. d. b. daß bezirksweise Verbandskasten gebildet werden, soweit solche nicht schon bestehen . . . Die Preußische Zen- tralgcnostcnschaftSkastc ist bereit, die Gründling der Verbandskasten auf jede Weise zu erleichtern . . . Zur weiteren Erlcichternng nr der Kreditgewährung wird die Preußische Zcntralgenosscnschasts-- kaste ivährend der Kriegszeit bei der Diskontierung von Wechseln von der Beibringung der sonst erforderlichen Unterlagen absehen» sofern die Gute der ihr eingercichtcn Wechsel durch örtliche V«r< trauenskommissioncn der Genostcnschaftcn bescheinigt wird . . Ausländische Prcs;lügen. W. B. Ausländische Zeitungen hoben vielfach berichtet) daß die Generäle v. Emmich, v. Deimling und v. d. Marwitz! verwundet, gefallen oder gefangen genommen seien. Diese Nachrichten sind unwahr. Deutsche Zeitungen haben aus der! iibcr das Gefecht bei Schirnicck verbreiteten Mitteilung ge-) schlossen, daß schwere Artillerie verloren gegangen sei. Schwerin Artillerie war garnicht beteiligt, sondern einige Infanterie-, bataillone der Festungsbesatzung mit einigen Feldgeschützen) (Amtlich.) Aufhebung des- Milltärbogkotts. Aus Anordnung des Gouverneurs in Köln a. Rh. wurde btt Mititärboykott über das Kölner VolkShans und die übrigen Ber» kehrslokalc der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften anf- gehobcn. Ein katholisches Blatt verboten. Die in Warcndori erscheinende, sich „unabhängiges katholisches Organ" nennende Westfälische R-indschan ist durch Verfügung deS Generalkommandos geschlossen und der Redakteur verhaftet worden. ES handelt sich um den Redakteur und Verleger Kl oft ermann^ der eine Majesiätsbelcidignng begangen haben soll und gefangen' nach Münster gebracht ivnrdc. Das Wiedererscheinen dcö BlatteK wurde verboten. Wie es heißt, hatte die Westfälische Rundschau: bereits zu Beginn der Mobilmachung erklärt, daß der Krieg selbst») verständlich mit einer Niederlage Deutschlands enden würde. Eittc Warttttttg au die L'irrembr«rFtr. Der Bischof von Luxemburg sowie der Staatsministeü Ehschcn richten Anfrufe an die Luxemburger Geistlichkeit undj Behörden, in denen die Luxemburger vor Meuchelmorden ach deutschen Soldaten gewarnt werden. NrFsischc Mordbrenner. Die dcutschen Grenzbewohner haben nach Meldungen des Berliner Lokal-Anzeigers aus Ställupönen in letzter Zeit viel unter der Mordbrcnncrei der russischen Toidatcska zu leiden gehabt. Da» genannte Blatt berichtet: Während die russischen Ncbergriffe beit Epdtkuhnen anfangs einen Varmlosen Eharaktcr trugen, indem von den Grenzbewohnern nur Essen verlangt wurde, sind sie in den letzten Tagen mehr und mehr in Mordbrcnncrei ansgeartet. Wie der Ostdeutsche Grenzbote nicldet, sind bei Etzdtknhnen säst sämtliche Ortschaften in der Nähe der Grenze in den letzten drei Tagen von» russischen Svldaten angeziindet und zum größten Teil niederg«- branitt wovben. Etzdtknhncn, das von den Einwohnern geräumt ist und öde verlasse,, dalicgt, brennt seit cinigcn Tagen. Den gewaltigen Feuerschein kann man von Ställupönen aus ganz deutlich sehe». Es sind ferner von den Russen folacndc Grcnzorte ange» steckt worden: Romcgken, Eszerkehmcn, Williothen, Schlenwcn) Eallweitschcn, Ragoßbalken, Kinderwcitschen, Radsien, Sodargen,, Stärken. Ti« Einwohner mußten ihre Habe verlassen und haben meist nur ihr Leben und die Kleider gerettet. Am Dienstag schossen die Brandsttftcr sogar alles nieder, was in ihren Bereich kam. In Radßcn sind allein etwa Neben Personen niedcrgeschossen wosiden." Russische Frechheit. Der Berliner Loknlanzeiger schreibt: „Bon russischer Seite ist in einigen neutralen Staaten darüber Beschwerde erhoben worden, daß für das Wohl der in Deutschland zurückgebliebenen Russen nicht ausreichend gesorgt werde. Demgegenüber genügt wohl der Hinweis, daß Rußland es bis jetzt nicht für nötig befunden hat, auch nur einen Pfennig zum „Tort," sagte Marstrand, auf die fliehende Gestalt deutend, „Und du," fuhr Björnarne fort, schnelle drohende Blicke auf ihn richtend — „was tatest du mit ihr?" „Du fragst in einer Weise, daß ich mich weigern muß, dir Antwort zu geben," sagte der Junker stolz. „Antworte!" schrie Bjönarne, die Fäuste ballend, und seine Augen wurden weit und glühend. „Ich sah sie in deinem Arm. Wie war cs möglich? Was sagtest du ihr! was logst du ihr? Schande über dich, daß du das getan!" „Du bist von Sinnen!" antwortete Marstrand, „was berechtigt dich, meine Ehre anzutasten?" „Ist cs mit deiner Ehre verträglich," fragte Björnarn?, „einem Mädchen nachzustcllcn, das unter meines Vater? Schutz steht — unter meinem Schutz, Johann Marstrand? — Und wärst im eines Königs Sohn; du solltest keinen Finget nach ihr ausstreckcn, oder glaubst d», weil ein Lappe ihr Vater ist, darfst d» es wagen? Wisse, daß ich nicht ruhen, nicht rasten will, bis ich Rache genommen an dem, der Gula verderben möchte." „Ich würde niich mit dir dazu verbinden," sagte Marstrand so ruhig er vermochte. Björnarne blickte ihn forschend an. „Was willst du denn?" rief er nach einem Schweigen. „Willst du rnich glauben machen, du könntest dich so weit vergessen, Gula zu deinem Weibe zu nehmen? Du kannst es nicht, denn du mußt ein Weib haben, das in diesem fremden Lande deine Wohlfahrt sichern hilft, und du willst cs nicht, denn du bist ein verständiger Mann, der überlegt, daß kein Mensch, so weit Finnmarken reicht, ihm dann noch seine Hand bieten würde. „Ich kann cs so wenig wie du, und will cs wahrscheinlich auch nicht mehr, wie du cs willst," war die Antlvort. Björnarne schwieg. Er ließ seine Augen langsam zu Boden sinken und sagte dann mit leiser unterdrückter Stimmer „Liebst du Gula mit aller Macht, die in eines Menschen! Seele ist, Johann Marstrand!" (Fortsetzung folgt.) Unterhalt seiner hiesigen Staatsangehörigen herzusenden, während Deutschland bereits namhafte Beträge zur Unterstützung unserer in Rußland fcstgehaltcnen Landsleute überwiesen hat. Es scheint doch eine recht naive Zumutung zu sein, daß wir nunmehr auch für die hier lebenden Russen Geldmittel hergebcn sollen, besonders, solange sich Rußland selbst um seine eigenen Landeskinder in keiner Weise kümmertI" Vorbtrellitnpen zur Revolution i» Siidrutzland. Kurqer Lwowski berichtet, daß die ukrainische sozialrcvolutio- närc Partei in Rußland ein Manifest verbreite, in dem sie zu sofortigem Ausstand und revolutionärer Erhebung in den ukrainischen und siid ins fischen Gouvernements ausfordert. Die Ostsee ist frei! Wiederholte Rekognoszierungen, die sich bis zum finnischen Meerbusen erstreckten, haben den Beweis erbracht, daß die Ostsee vollständig frei von seindlichn Schissen ist. Tic neutrale Schisfahrt ist also in keiner Weise gefährdet. Der deutsche Einmarsch in Brüssel. Zu dem Einmarsch der deutschen Truppen in Brüssel schreibt das Berliner Tageblatt: „Bereits ans der gestern abend wiedergcgcbcnen Meldung von dem deutschen Siege bei Tirlemont, wo «ine Batteri« und 500 Gefangene in unsere Hände fielen, war zu ersehen, daß die deutschen Truppen kaum 40 Kilometer von der Hauptstadt entfernt standen. Di« Flucht der Königsfamilie und der Regierung nach Antwerpen deutete auch schon daraufhin, das; man öle Hoftnung aufgegeben hatte, die vereinigten belgischen und französischen Streitkrästc möchten den Vormarsch der deutschen Truppen a u f h a l t« n. Dies I>at sich mm so rasch, als man nach den vorliegenden Nachrichten überhaupt erwarten konnte, abgespielt. Tie Kunde von der neuen glänzenden L e i st n n g unserer Truppen, die in Belgien operieren, wird in ganz Deutschland die freudigste Begeisterung erwecken." Die Königin von Belgien nach Bayern geflüchtet? Die Königin von Belgien, die eine Tochter des verstorbenen Herzogs Karl Theodor von Bayern ist, soll in Possenhofen am Starnberger See, dem Landsitz der herzoglichen Familie, nnd auch in Bad Kreuth wiederholt gesehen worden sein. Da B e l ä st i g u n g e n der Königin befürchtet werden, nimmt die sozialdemokratische Münchener Po st Anlaß, zu diesem Gerüchte folgende Bemerkung zu machen: „Was auch immer an der Sache sein mag, ob der Tochter des Herzogs Karl Theodor mm. Bagern der deutschfeindliche Boden Belgiens zu Heist wurde, oder ob ihre Abreise ciu Signal des Endes der Herrschaft des belgischen Königs ist, wir richten an die Bevölkerung die dringende Bitte, die Dame in keiner Weise zn belästigen nnd ihr Schicksal, an dem sie vielleicht unschuldig sein mag, zn würdigen." Amerikanisches „Mißbehagen". In der Londoner Morniug Post vom 17. August findet sich eine Information aus Washingtou, die besagt: Tic amerikanische Regierung lege großen Wert darauf, daß der Status Ouo in China aufrecht erhalten bleibt nnd daß Kiautscha» a n keineandereMachtnlsau China übergeht. Cs würde bei den Amerikanern äußerstes Mißbehagen erwecken, wenn Japan sich der S a m o a i n s c l n bemächtigt, und dies besonders mit Rücksicht auf die strategische Be dentung der Inseln in bczng anf den P a n a m a k a n a l. Die polnische Nakionalregiernng. Die polnischen Blätter Galiziens veröffentlichen folgenden Aufruf der polnischen Rattonalvegtening: Polnische Brüder! Wir machen heute folgenden Aufrus der polnischen Rationalregierung kund. In Warschau hat sich eine Nationalregi«vung konstituiert. Es ist Pflicht aller Polen, sich solidarisch dieser Amtsmacht zu unterwerfen. Zum Kommandanten der mtlitürrschcn Streitkräfte wurde der Bürger Josef Pilcubki, ernannt, dessen Anordmingen alle Bürger unbedingten Gehorsam schuldig sind. Die Nattonalvegierung. Warschau 3. Aug. Rumänien ist bereit? Aus Bukarest, 21. Aug. wird telegraphiert: Ter Minister de? Innern und die öffentlichen Anstalten haben die Beurlaubungen ihrer Beamten aufgehoben und ihnen Anweisung gegeben, sofort anf ihren Posten zurückzukehrcii. Anderseits gibt das Kricgsministcrium bekannt, daß seit einigen Tagen die V o r n r b e i t e n für die Mobilmachung der rumänischen Streitkrästc beendet seien. Englische Gcwaltätiakeit-n. Der Nieuwe Rotterdamsche Courant meldet, daß die englische Regierung ein für die norwegische Regierung gebautes Kriegsschiff mit Beschlag belegt habe. Bicheinsuhr ans Hollanv. Wie das B. T. erfährt, ist gestern ein großer Transport von Kälbern ans Holland in Berlin eingetroffcn. In den nächsten Tagen wird ein weiterer Transport von lebendem Großvieh, der bereits avisiert ist, hier erwartet. Damit ist die Biehznfnhr ans Holland während des Krieges gesichert. Serbische Grencltaten. Serben überfielen bulgarische Kirchen, plünderten nnd raubten sämtliche Kirchcngeräte, Heiligenbilder usw. Aus vielen Orten wird gemeldet, daß die Serben furchtbare Greneltaten verübten und zahlreiche Kinder schändeten. Ter Rückzug der Belgier. 1V. Wie über Cralcnburg in Holland gemeldet wird, ist die telephonische Verbindung zwilchen Holland und Brüssel letzt uittcrbulidc». Tas belgische Hauptquartier ist,n Antwerpen «ingetrofscn. dorthin har sich auch das belgi'che Feldheer znrückgezogcn. Tie Tore Antwerpens sind gesperrt. Gegen die Landesverräter. IVB. Der Militär-Oberbefehlshaber von Elsaß-Lothringen hat nach einer Meldung aus Straßburg folgende Bekanntmachung erlassen: Von Landesverrätern ist der Versuch gemacht worden, sich an die Tclcphonleitnngen anznschlicßen. Ich habe darauf Befehl ergehen laste», jeden, der sich unbefugt an Telc- phonlcitungcn zu schaffen macht, oder diese Bekanntmachung - don den Anschlagstcllcn abreißt, sofort zu erschießen. ^Russische Kulturcinsuhr in Deutschland. TU. In Posen ist auf dem Hanptbnhnhosc gestern ein Transport von über 100 russischen Verbrechern cingetrofscn. Es handelt sich um solche Verbrecher, die von den Russen in den Gefängnissen von Kalisch, Ccnstochau, Pctrikou und Wielnn beim Anrücken der deutschen Truppen in Freiheit gesetzt Ivor- den waren. Unter den zn fünf Mann zusammengefeffclten Verbrechern befand sich auch der Gcsängnisoberinspcktor von Pctrikan, der das dortige Gesindel frcigelaffen hatte. Tie an- genchmcn Änltnrboten Rußlands kommen in mitteldciitschc Zuchthäuser. Hamburg, 21. Aug. Patriotismus i in Z u ch t h a u s e. Die Gesangieneil des hiesigen Strasgefäuginffcs sammelte» als Kriegs- spcude den von ihnen verdienten Lohn von ctioa 150 Mark. Ein zn lebenslänglichem Zuchthaus verurteilter Mörder gab 30 Mark. Arnswaldc, 21. Aug. Torsbrand. Das Dorf Schwachcit- ivald-e (Kreis Schwa>ch>cii,volde> ist völlig niedergebrannt. Biel Vieh ist tu den Flammen iimgekommen. Große Getrcidevorrüte sind vernichtet. Allem Anschein nach liegt Brandstiftung vor. Prag, 21. Aug. Spione. Ans Rarortgua wird gemeldet: Der LandgertchtSrat Havar vom hiesigen Kreisgericht wurde wegen Hochverrats, desgleichen der Auskultant Anton Ratanio, der akademische Mater Vosct, Gutsbesitzer in Bründelhos, der seinerzeit als Lehrer in Englanld tätig war, wegen Splonagc seftgenommen. Diejenigen Austräger, die noch nicht mit uns abgerechnet haben, wollen dies gefälligst bewerkstelligen. Gleichzeitig bitten wir dringend um sofortige Angabe, wieviel Zeitnngen in den einzelnen Orten gebraucht werden. Bis zum Beginn eines geregelten Bahnverkchrs wird cs sich übrigens empfehlen, die Zeitung in unserer Geschäftsstelle abholcn zn lassen. GpcUci'06er|f f. ®ie|'p Hessen und Nachbargebiete. Gieren «nd Umgebung. Ursachen nnd Urheber des Krieges. Wie der furchtbare Weltbrand entstanden ist, an dessen Anfang wir stehen »nd wer ihn veranlaßt hat, darüber niachen sich heute noch die wenigsten Leute Gedanken. Und wenn behauptet wird, daß die gegeneinander ins Feld ziehenden Soldaten nicht wissen, warn m sie einander totschießen, so Ivird das kaum bestritten werden können. Es ist aber mich gar nicht so leicht, den wirklichen Brandstifter zn ermitteln nnd den Beweis für seine Schuld zu erbringen. In einem Artikel in der letzten Nummer der Sozialistischen Monatshefte beschäftigt sich Genosse Eduard B e r n st c i n mit dieser Frage und er kommt zu deni Schlüsse, daß Rußland als der Störenfried anzn- schen sei. Allerdings muß. in erster Linie das heutige Staaten- und Wirtschaftssystem verantwortlich gemacht werden, was ja auch durch die vom Genossen. Hnase in der Reichs- tagssitzung vom 1. August verlesene. Erklärung unserer Reichstagsfraktion zum Ausdruck gebracht wird. Es sei aber auch an der Zeit, meint Bernstein, die Frage nach den subjektiven Urhebern des fürchterlichen Krieges zu erörtern. Er weist aber dabei darauf hin, daß wir nur erst ganz lückenhaftes Material über die diplomatischen Perhandlungn haben nnd der ausführlichen Berichte über die Vorgänge in den Parlainenten der mit Deutschland in Krieg liegenden Mächte entbehren. „Indes weiß man über die treibenden Kräfte der Palftik der beteiligten Staaten heute genug, um die Rolle desjeürgen vost ihnen feststellen zn können, dessen Leiter vor allem diesen unerhörten Krieg auf dem Gewissen haben: Rußlands. Mit dem erwähnten Vorbehalt darf es ausgesprochen werden und muß cs daher auch ausgesprochen werden: Europa würde diesen Krieg nicht haben, wenn nicht die in der Leitung des Zarenreichs heute maßgebenden Elemente ihn gewollt !hätten. Anf die Urheber der durch nichts hcransgeforderten Mobilisierung der russischen Armee fällt die Hnuptverant- wortung an diesem Krieg." Bernstein sucht dies an mehreren Zeitungsartikeln maßgebender englischer Blätter und an Urkunden über den Balkankrieg nachzuwciscn. — lieber das Verhalten Frankreichs und Englands sagt er, daß crsteres mit Rußland gehen werde,- sei leider zu erwarten gewesen, auch die Stellungnahme Englands komme nicht überraschend. Man müsse aber das dadurch geschaffene Verhältnis politisch betrachten und behandeln nnd softe sich nicht in Schimpfereien auf das feindliche Volk ergehen. Zum Schluß gedenkt Bernstein des Genossen Jean I a u r tz s, der durch Mördcrhand fiel und spricht die An- sicht aus, daß die allergrößte Wahrscheinlichkeit dafür spreche, daß der Mord des großen Politikers und Friedensfreundes von russischen Agenten angcstiftet worden sei. Diesen warmherzigen Verfechter der Menschlichkeit habe die unterdrückte Menschheit in eineni Augenblick verloren, wo sie seinep am dringendsten bedurfte. — „Vaterlandslose Gesellen". In unser», Magdeburger Partei- bkatte lcs-en wir ans Quedlinburg: „Unsere Stadt sott in der nächsten Zeit Einquartierung bekommen. Kaum ist dies bekannt geworden, da sind Hausbcstirer nach dem Watfiau.se gelaufen und haben erklärt, sie hätten keinen Platz für Einquartierung. Und ivaS sind cs für Leute? Alles solche, die sich ans ihren Patrivtis- mus Wunder ivaS cinbitden, die aus der Bierbank da?- große Wort führen, aber von ihrer persönlichen Beguemtichkeit nichts einbüßen wolle». Das find die Eckensteher, die die Kriegsiiachrichten d;rvch- kauen und damit ihrer patriotischen Gesinnung genügen zu glauben. Die Rainen dieser Herrschaften müßten veröffentlicht werden, damit sic bei thron Prahlereien gehörig aufs Maul geschlagen iverdc» können." Die Potsdamer Tageszeitung hat bekanntlich für diese Sorte „Patrioten" die Bezeichnung „vaterlandSIose Gesellen" geprägt. Zu dem Fonds für Liebesgaben sind bei dem Oberbürgermeister weiter einocgangcn: von Landgcrichtsbircktor i. P. Bücking bis ans weiteres nionatlich 1000 Mark, von Kreisamtmaiin Hemü werde 1. Rate 100 Mark, von Geheimrat Heß 100 Mark, von Hof- mctzger Adols Möhl 100 Mark, von Direktor Stolte 30 Mark, von Prosestar Dr. Belke 30 Mark, van Oberaktnar Bühner 20 Mark^ von Fräulein Hedwig Betke 10 Mark, von der Gesellschaft Fidelitas 50 Mark, von dem Verkehrsverein 50 Mark, von dem Verein' Kanaria 70 Mark, van dem Verein der Geometer 2. Klasse Orts»! gruppe Gießen 10 Mark, von Ehristta» Riihl 100 Mark, von Stadt- oerordncten Wilhelm Löber VI., 100 Mark, zusammen 1770 Mark. Mit herzlichem Dank für diese Gaben wird um weitere Ziiwenft düngen gebeten. — Die gestrige Sonncnsinsterniö war ziemlich gut zu beobacht tcn, obwohl die Sonne von Zeit zzi Zeit durch leichte Wolken per/ deckt wurde. Doch sonst war von der Finsternis erheblich weniger' zn bcnicrken, als von der >»> Frühjahr 1012, weil diesmal nur! knapp drei Viertel des Sonnendurchmessers verfinstert waren. — Die nächste in Deutschland sichtbare totale Sonnenfinsternis dürfte nur ei» kleiner Teil der heutigen Generation erleben, sic findet erst am 30. Juni 1954 statt. — Die Verpflegnngsstatio» in der Herberge zur Heimat für durchreisende unbemittelte Handwerker und Arbeiter ist seit dem 15. Anglist aufgchvbcii. Das Kreisanit, welches pro Uebcriiachtiing eines Wanderers 25 Pfg. zu zahlen hatte, wogegen der Gast drei Stuiibc» Arbeit Iciften mußte, will den dafür ansgewendeten Betrag spare». Fm altgemetiieii Interesse liegt diese Sparsamkeit dieses Postens gerade nicht, wenn diese Leute nämlich nicht wissen, wo sie für die Rächt ihr Haupt hlnlegc» sotten, gerät mancher von ihncii leicht ans Abwege. Wenn man spare» will, soll mau den Aermstcn nichts kürze», sondern von oben anfaiigen, Abstriche zu machen, das lohnt das Spare» wenigstens. Fricdcnslied im Kriege. Ich sah den Frieden jüngst herniedersteigen, er streute Blnincii rings und lichtes Gold; in allen Tälern schlief ein holdes Schweigen, wo eben noch des Krieges Sturm gegrollt. „Erwacht!" so klangs von seinem Göttermundc, „erwacht vom Ebro zu der Wolga Strand! Schließt eure Reih'» zum großen Völkerbnube, reicht euch die Bruderhand!" Hellenen, Russe». Italiener, Briten, erwacht! cs naht die große Stunde nun! Ihr, Söhne Deutschlands, habt genug gestritten, und ihr, Franzosen, laßt die Schwerter ruh'n! Ihr alle blutet an derselben Wlindc: zerbrecht die dumpfe Kette, die euch bannt! Schließt eure Reih'n zum qroßen Völkerbünde, reicht euch die Bruderhand!" Der Abdruck dieses Gedichts des fraiizösischen Dichters Pierre de Börangcr (fpr. Berangschc, ge st. 1857) erscheint gewiß in dem heutigen Kriegslärm sehr iveiitg angebracht. Und doch zweifeln wir nicht, daß einst wahr werden wird, ivas der Dichter in diesen Versen ausspricht »nd was viele vor ihm und nach ihm ausge»! sprochcn habe». Und die Arbeiterschaft aller Länder wird ferner! in diesem Sinne wirken. Krris Wetzlar. X Eine Anzahl Familie» aus Meß, di? aus militärische Anord- null« die Festung pevlwsfcu mntzt«!», wmr-ew in Wetzlar und den! Ontschaften der Umgebung nntergcbvackt. Im «uzen waren cs etwa 1500 Personen, meistens natürlich Frauen und Kinder. * Bon Hcrinaniistei» bei Wetzlar brachten wir in der Dienstags« >i,immer niiseres Blattes eine Rottz, in der gesagt war, daß derj Gutspächtcr Vetter jetzt Familienpätcr, die j„ ihren Beruf durch die Kriiagswirren arbcitvtoS geworden, oder doch mit landwirtschaft-l ttchen Arbeite» vertrant sind, von srüh 8'/, Uhr bis abends 'in Uhr für den kümmerlich:» Lohn von 2 Mark 50 Pfg. ohne Beköstigung' beschäftigte. Es wind uns dazu von jungen Leuten, die dort gear«! bettet haben, mÄgctetlt. daß es. sich um jug,endliche Arbeiter — in diesem Falle solche Jm Alter von etwa 20 Fahren — handele, die tut kandwlrtstkästttche» Arbeiten »ngnibt seien nnd die übrigens mtti dem gezahlten Lohn zufviedeu gcivrstn wären. — Wenn das zutrM? so läßt sich da,gegen nicht viel Men. Wenn aber weiter behaupte!! ivird, daß Herr GeMpöchter V. wegen obiger R o t i z 25 von den Leuten entlasse » hätte, so will uns das nicht recht glaubt lich erscheinen. 6t, Launsbach. Unser Wahl verein hält heute abend 0 Uhr ini Lokale von Friedrich Pst,ff sein« M i t g l i ed c r - V « r s a m m4 lang ab. klm zahlreiches Erjcheinan ivird ersucht! Telegramme. Ein großer deutscher Sieg! W. B. Amtlich wird gemeldet: Unter Führung des Kronprinzen von Bayern haben Truppen aller deutschen Stämme am Tvilnerstag in Schlachten zwischen Metz und den Vogesen einen Sieg erkämpft. Ter mit starken Kräften in Lvthringen oordringende Feind wurde auf der ganzen Linie unter schweren Verlusten geworfen. Viele tausende Gefniigeiic und zahlreiche Geschütze sind ihm abgeiiommen worden. Ter Gesnmterfvlg läßt sich nvch nicht übersehe», da das Schlachtfeld einen größeren Raum entnimmt, als in den Kämpfen vvn 1870/71 unsere gesamte Armee in Anspruch' nahm, lliiscrc Truppen, beseelt von dem unanshaltbarcn Drange »ach vorwärts, folgen dem Feinde und setzen de» Kampf auch Freitag fort. Der groste Sieg von Dienze. Die Franzosen anf der Flucht. Berlin, 22. August. IV. B. Tic von unseren Truppe» zwischen Metz nnd den Vogesen geschlagenen französischen Kräfte sind gestern verfolgt worden. Der Rückzug der Franzosen artete in Flucht aus. Bisher wurden mehr als 10 000 Gefangen cgemacht und mindestens 50 Geschütze erobert. Tie Stärke der gesamten feindlichen Kräfte wurde ans mehr als acht Armeekorps ge- schätzt. ___ , Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Vcrlaa von Krumm & Cie., Gießen. Druck: Verlag Qsscnbachcr Abendblatt. G. m. b. H., Offcnbach a M. Städtischer Wohnungsnachweis Giesien. 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Die vielfach veröreitete irrige Meinung, als ob mit Änsbrnch des Krieges die Verpflichtung, Schulden zu bcznhlcn, insbesondere Miete nnd Knpothekenzinsci, zu entrichten, uushöre, veranlaßt mich, darauf hinzu- weisen, daß durch diese- Perßalten das gesamte Wirtschaftsleben schwer geschädigt wird. So sehr erwartet werden muß, dal die Vermieter solchen Mietern größte Wach sicht gewähre», deren Ernährer zum Schuhe des Waterlandcs im Aelde flehen oder durch den Arieg Arbeit und Erwerb verloren haben, so sehr muß es als patriotische Wflicht aller anderen bezeichnet werden, ihren Verpflichtungen nachznkommen, insbesondere ihre Miete pünktlich zu bezahlen, wie ja auch die Kansbeflher nach wie vor pünktlich ihre Kypothekenzinsen entrichten müssen. Hießen, den 20, August 1014. Aer Kberöürgcrmcifler Aeller. Zesitral- Automat Inhaber i Hermnnn I.öber. Bohnerwachs, Teppichkehrmaschinen, sä«itt. Bürstenwaron, Scheuer- u. Putztlicher, sowie sämll. 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