V Die OberbeMIclie BolkSzcttuno erscheint leben Werktag Abend in Eichen. Der AbonnementSprciS beträgt wöchentlich 16 Psg„ monatlich 00 Cfn. emschl-Bringerlobir Durch die Polt bezogen viertelsübrl.lLOMl. Nedakttvn und Expedition Ticken. Babnbofkirake 23, i&de LSwenoafse. Televbon 2008, Jnlerate kosten die 6 mat gespült. Kolonclzeile ober deren Raum 16 Psg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abend« 7 »br für die folgende Nummer ,n der Expedition aufgebe». Nr. 182 ' 1 Gießen, Freitag den 21. August 1914 9. Jahrgang Einst und jetzt. Das verruchte System, das im Zarenland herrscht, haben seht auch die deutschen bürgerlichen Kreise zu spüren be kommen. Jetzt konimt über Nacht die Erleuchtung, sie konimt von der Regierung, folglich donnern die bürgerlichen Zeitungen urplötzlich gegen den Zarismus, gegen den Zaren selbst. Uns Sozialdcnwkratcn hat man vorher dagegen verfolgt und eingekerkert, wenn wir voin Blut- und Hcnkcrzaren sprachen, uns hat man wieder und imnier wieder den Mund verschlossen, wenn wir mit Akten und Urkunden den Beweis für die verbrecherische Politik an der Newa führten. Seit dem großen Königsberger Gehcimoundprozetz vor zehn Jahren, der die Beweise brachte, daß die Petersburger Regierung auch davor nicht zurückschreckte, durch ihren Konsul und durch weitere Amtspersonen die deutsche Reichsregierung mit Fälschungen und Lügen zu bestimmten Handlungen zu bringen, — seitdem jagte eine Enthüllung die andre, und sie allesamt machten klar, daß nie und nirgends eine so schcuß liche Verbrechermoral die Handlungen der Regierungen be stimmte, wie dort an der Newa> Tie Burzewschen VcrLffcnr lichungcn stellten Abteilungen dieser Regierung hin a!S Kaschemmen. als Verbreckierkellcr der übelsten Art. Dennoch: die deutsche Reichsregierung und ganz be- sonders die preußische Regierung blieben des Zaren guter Freund und williger Diener, und mit ihnen das deutsche Bürgertum, So mancher deutsche Sozialdemokrat und so mancher edle Russe, der sich dem Kampfe für seines Volkes Freibeit geweiht hatte, blieben als Opfer auf der Strecke. Bis in die Reihen des linksstehenden deutschen Bürgertums ging die achtsame Fürsorge, daß gegen das Regiment des Blutzaren bloß kein hartes, kein zweideutiges Wort gesagt werde. Erhoben früher sozialdemokratische Abgeordnete ihre warnenden, Stimmen gegen die offiziöse Russcnfreundlichkcit, protestierten sie in energischster Weise gegen die Anwesenheit des Blutzaren auf deutschem Boden — ebenso wie die Prole- tarier andrer nichtrussischer Länder gegen Zarenbesuche demonstrierten —, so wußte man sich nicht genug zu tun in Schmähungen gegen ein solches Vorgehen. Vor einiger Zeit sagte Genosse Liebknecht im preußischen Drciklassenparlament etwa folgendes: ,„Es wird hier soviel geredet von deutschem Ehrgefühl niitft sagen, daß die ossiziclle F r c u n d s ch a f 1 mit Rußland mein deutsches Ehrgefühl beleidigt!" Pfuirufe aus der ganzen Linie! Ter Präsident erteilte Liebknecht wegen dieser unerhörten Beleidigung eines befreundeten Staates einen Ordnungsruf! Tie gesamte bürgerliche Presse war damit einverstanden, ja sic hielt das noch für viel zu wenig für den Frevel. Und jetzt? Alle Realpolitik tut sich selber ab. Jetzt überschlagen die Zeitungen sich förmlich im Eifer gegen die Schändlichkeit des Zaren und seiner Helfer. Keine Beschimpfung ist z,, saftig, daß sie nicht angcwendet würde. Jetzt heißt e? sogar in offiziösen Blättern: ..Das „stolze Albion" bat sein Krämerherz entdeckt, cs will die Konjunktur benutzen und ist bereit, als Dritter im Bunde mit dem Lumpen und dem Toren über den deutsche» Adler herzufallcn." Wehe dem Sozialdemokraten, der cs früher gewagt hätte, ben Zaren einen „Lumpen" zu heißen! Jetzt ist das Patriotisch. Früher dem Dlutzaren trotz aller erwiesenen Schändlichkeitcn die Stange halten, unter Umständen gar ihm Opfer an den Galgen liefern, und nun gegen ihn geifern und speien! Ein wenig Einsicht hätte allen Deutschen und auch der deutschen Regierung gelehrt, im Siege der russischen Revolution die Sicherung des europäischen Friedens und des Kulturfortschritts zu erkennen. Aber die Herrschaftsinteressen der Privilegierten und Besitzenden standen der Einsicht int Wege: cs blieb immer bei der Weisheit, daß russische Trauer deutsche Trauer und r u s s i- I ch e Freude deutsche Freude sei, Es ist nicht Schadenfreude, auch nicht Rechthaberei, die uns veranlassen, jetzt diese Feststellungen zu machen. Sie und notwendig zur Erziehung unserer Herrschenden für die Zeit nach dicseni Kriege, der unter Aufbietung aller Kräfte des Volkes, nicht zum wenigsten der deutschen Sozial- demorratie, hoffentlich zur Zcrtrünimerung der Lerrlichkeit des Henkerzaren führen wird. ('Hute Zuversicht! Unter dieser Ueberschrift wird der Frankfurter Zeitung aus- »«schrieben: Die j» der Kriegsgesch chle cinv:i dastehende Eroberung einer Festung Lüttich im ersten Ansturm, die schonen Crsvlge bei L,i «a v d - ,:::d M « Ihr: s e n und maucke gut gelungene nn Osten, wie 0,2 Gefangennahme von 3ÜUÜ Russen umo d« Erbeutmig von Maschtnengeivehren bei Stallupöncn, -/ v*. ,, »a genügen der patriotischen Ungeduld und Spannung mancher schon nicht mehr, und »nt begreiflicher Sehnsucht wartet man aus entscheid c u d e Schläge, die im Westen in absehbarer Zeit bevor- stchen müssen. Es ist ein ganz richtiges Gefühl, des, alle die ob:» ge- naimten Erfolg« gewissermaßen nur Vorspiele, man könnte sagen: Improvisationen, sind des Große« und Entscheidenden, das sich vorbereitet, der Aktion, von deren Ausgang nicht nur die weitere mili- tärische Entwicklung, sondern auch das Verbalteu der noch abivar- tcnden Neutralen abhängig sein wird. Es gilt noch einige Zeit, höchstwahrscheinlich nur noch kurze Zeit, die ruhig- Geduld und Zuversicht zu bewahre», durch die unser Volk in diesen Wochen sich ausgezeichnet hat, und sich nicht beirren zu lassen, meint wie b:i Schirmcck zwei Dataillene Festungätrnppen Ihre Geschütze verlieren oder wenn hier und da ein Vorstoß, ein tatsächlich nur vorübergehender, des Feindes ans deutsches Gebiet statt gesunden hat. Der Ausmarsch unserer Strcitkräste geht seinen vorbedachten Gang unbeirrt und was heute in einzelnen Abendblättern freudig betont wird, daß die allgoineine Kriege,lag- durchaus zu g n i c r Z u - verficht berechtigt, das ist richtig. Dar!» drückt sich die Meinung kompetenter Beurteiler aus. Die Entwicklung der militärische» Dinge ist im Flusse und au dieser llebcrzeugung darf man sich nicht irremachen lasien, wenn auch jetzt noch Einzelheiten nicht bekanntgegeben werden können. Es ist das eine Verschwiegenheit, die im vaterländischen In,Kresse geboten ist, bis die Entscheidungen gesallen sein werden. Es wird eine Zeit kommen, wo man den Nutzen dieser Verschwiegenheit erkennen wird: cs heißt nur noch kurze Zeit sich sein gedulden! Die Tatsache, das, der b es gisch- König und seine Negierung sich in das feste Antwerpen zurückgezogen haben imd das; der französische K e n e r a l st a b keine Nachrichten mehr über den Versauf der französischen Operationen ausgebcn will, sind Symptome, die sür sich sprechen und die man in! Deutschland gern verzeichnet. Das Ultimatum Fapaus. Zu den, japanischen Ultimatum an Deutschland äußern di« deutschen Blätter übereiusiimiueüd, daß englischer Geist ans dem einfach unvcrsästimtc» Ultimatum spreche, — Ter Vorwärts bezeichnet die japanischen Forderungen als erpresserisch, — Die Neuesten Nachrichten sagen England sühne die farbigen Rassen gegen Europa heran. In der Vvssischsn Zeitung schreibt Bernhard: Nicht ausgeschlossen ist, daß durch das japanisch« Vorgehen der Krieg, der bereits Europa voll in Flammen gesetzt hat, nunmehr auch die ganze übrige Welt hell auslodern läßt. In dem Ultiutatum ist klar und deutlich ausgesprochen, daß in, Umkreise des Stillen Oceans allein Japans und Englands Wille herrschen dars. Das scheint uns sehr wichtig sür Amerika, Die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben setzt die Wahl, Tie Kreuz,zeitung sagt: Wir täuschen uns nicht darüber, hinweg, daß uns Japans Vorgehen schwere Opscr kosten wird, aber sie erschüttern uns nicht- Wir sind bereit, sie zu den an-! deren auf unsere Schulter zu nehmen. Ein Attol-tttdAnrici?. lieber das japanische Ultimatum, das im Ausland schon seit einigen Tagen besannt ist, urteilt die schwedische Zeitung Tagens Nnhetcr: „Dieses Ultimatum Fapans ist das S cha m l o s c st c, was die Weltgeschichte gesehen hat, Solch ein u n v e r h ü l! t e r Z i> - ii i s m u s ist etwas Unerhörtes, er erinnert an den Schakal und den Aasgeier, Wir gestatten uns die Frage", sagt das Blatt, „ob Großbritannien auf einen solchen Wassenbruder stolz sein kann," Eine englische Stimme. Nach einer Londoner Meldnng macht das große liberale Blatt Manchester Guardian von voriger Woche Front gegen einen etwaigen Plan Japans, sich Kiantschous zu bemächtigen unter dem Vorwände, die Bestiinmnngen des englisch-japanischen Vertrages zu er- füllen und also bundcsgcnosscnschaftliche Hilfe zu leisten, Japan würde sich zuni Herrn eines Gebietes machen, wo cs sowohl sür England als auch für China eine Gefahr bilden rann. Das Blatt meint, England könne in den ostasiatischen Gewässern noch ohne Japan auskommen. Wenn die Rede davon sein sollte, etwas gegen Kiautschou zu unternehmen, so stcbe das Recht hierfür allein England zu. Dev ncire Balkanbund «Egen Rußland. lieber die Mission der türkischen Staatsmänner Talaat und Halil in Sosia und Bukarest schreibt die Reichspost: Ein neuer Balkanbnnd ist wirklich im Entstehen begriffen, aber nicht als Werkzeug Rußlands, sondern zur Verteidigung gegen Rußland, zur Wahrung der Freiheit der östlichen Balkanstaaten und zur Sicherung Konstantinopels und der Meerenge. Die Aktion ist weiter gediehen, als die bis heute vorliegenden Nachrichten erkennen lassen. Die militärische Situation Rußlands. Von wirklicher Kampssertigkcit ist das russische Heer bestimmt noch weit entfernt Ganz abgesehen davon, daß die stinkend« Korruption, die in allen Ziveige» der russischen Verwaltung z» Lause ist, auch bei der Mobilmachung wieder Orgien feiert und sehr vieles von dem glänzenden Leere Väterchens nur aus dem Papier steht, verhindcrn auch noch sonstige Umstände di« schnelle Entwicklung des Ausmariches, Von den 37 Korps der russischen Armee stehen fünf in Sibirien, drei im Kaukasus und zwei in Mittelasien; sie sind von vornherein auszuschalten. Von den verbleibenden 27 stehen nenn in den an Deutschland und sieben in den an Oesterreich grenzenden Militärbezirken, während elf im Innern des uncrmcßjich weiten Landes verstreut sind. Aber auch die Mobilisierung der Grenzkorps erfordert außerordentlich viel Zeit, da die Bevölkerung sehr dünn gesät ist und die Verkehrswege sehr mangelhaft sind. Manchmal liegt der Sammelpunkt für die Ge° stellungspslichtigen Hunderte Kilometer weit von ihrem Wohnbezirk entsernt, Wochen können vergehen, bis der Reservist überhaupt au seinem Bestimmungsort angelangt ist. Nur wenige, dazu noch mangclhast ansgebaute Eisenbahnlinien führen aus dem Innern zur Westgrenzc, > Von einer Lssensivc der russischen Armee kann keine Rede sein. Eine Reihe von Festungen, die ICO bis 200 Kilometer ins Land hinein liegend die deutsche und die österreichische Grenze cinsäumcn, soll den Truppen eine gewisse Deckung geben und die IIm,n:hung Russisch-Polens verhindern. Die militärische Lage Rußlands wird »och weiter verschlechtert durch den Zustand seiner Flotte, die eigentlich kauni vorhanden ist, trotzdem aus dem geduldigen Papier „stolze moderne Panzerschissc" stehen. Die ungezählten Millionen, die nach der Katastrophe von Tsuschima für den Bau einer neuen Flotte bcrcitgestcllt wurden, haben sich gut zur Hälfte in die weiten Taschen der Marinespitzbuben vcrslüchtigt. Die russische Flotte kann uns noch viel weniger gefährlich werden als die russisch: Armee. Nur verbrecherischer Leichtsinn und totale Unsähigkeit konnten denn auch diesen Krieg entfesseln. Dazu komme,, aber noch die Feinde im Innern, Die zaristische Bande hat unheimliche Angst vor den Prvletaricrmasscn der Großstädte, die sich noch wenige Wochen vor dem Kriegsausbruch drohend cmporgereckt haben. Zu ihrer Nicderhallung wird man einige Armeekorps bcrcitstellcn, die dann der Verwendung gegen Deutschsand und Oesterreich abermals entzogen sind. Und cs kommt hinzu di« gewaltige Gärung in den Grenzgebieten, wo Polen, Litauer, Finnländer, Juden die Truppen eines Knlturstaates als Befreier jubelnd begrüßen würden, cs kommt ferner die elende Verfassung des Soldaten hinzu, der heute kaum besser daran sein wird als im russisch-japanischen Kriege, wo er auf Papi er sohlen laufen ! und wliteuden Hunger leiden mußte. Dcirtsch-Liittich. Das Amsterdamer Handelsblad meldet nach der Franks. Zeitung aus Lüttich, daß dort das deutsche Militär mit großer Energie die Verwaltung in die Hände nimmt. Die Holländer werden mit besonderer Freundlichkeit behandelt, zum Beispiel von Einguartierungen befreit. Das Eisenwerk Smnlders »nd andere Fabriken beginnen wieder zu arbeiten^ die Eockcrill-Werke sind in deutschen Händen und zwar unter der Leitung von Oberst Keppel, dem deutschen Kommissar der Lütticher Wcltausstcllnng von 1605. Eine Proklamation, dir an den Fabriken angeschlagen ist, besagt, daß die Arbeiter während des Krieges 50 Pro,;. Lohnerhöhung erhalten sollen. In Brüssel und Antwerpen herrscht eine sehr gedrückte ! Stimmung wegen der großen Schlacht, die man erwartet. In Brüssel sind die Straßen wie ausgestorbcn; alle Gastwirtschaften werden um 10 Uhr abends geschlossen. Angesichts der fortdauernden Lügen der ausländischen Presse stellt die Kölnische Zeitung fest, daß der Kommandant der Festting Lüttich, General Leman, im Automobil als Ecsangener in Köln cingetrofsen ist, Wallone» ttub Flame». Der bisherige Vertreter des Berliner Tageblattes in Brüssel, Herr Hochdors, hält in der Berliner Urania jetzt Licht- üildcrvorträgc über Belgien. Dabei geht er auch ans die jüngsten Ereignisse ein »nd insbesondere über die von Belgiern an Deutschen verübten Grausamkeiten läßt er sich nach Zeitungsberichten so aus: „Die Wallonen neigen im höchsten Grad« zun, FanatiS- muS „nd sind furchtbar abergläubisch. Man kam, dasür viele abschreckende Beispiele ansühren: „,cht vergessen sei das Ans- trctc» des Bergarbeiters „Antonius", der eine neue Religio» gründen wollte: als er starb, ging die Verehrung sür ihn aus seine schivachsinnige Fra» über. Die Kcin,c des Wahnsinns wird man oft in der Sandinngsweisc dieser Leute finden, ES bedarf nur einer ordentlichen Aufreizung wie setzt und der Fanatismus bricht schcusilich aus. Die Flamen haben schon immer einen Lang zur Grausamkeit gehabt. Noch heute ist es bei ihnen üblich, den Singvögeln seclcnruhig die Augen anszustechen, weil sie blind angeblich besser singen. Aus den Märkten bietet man massenhaft Singvögel mit ausgestochcncn Augen aus. Die Flumen sind ausgesprochene Alkoholiker, Bei solchem Volkscharaktcr ist cs nicht sehr ichwcr verständlich, wenn diese Leute insolge der Auspeitschung durch genüsienlosc Heber schließlich auch deutsche Frauen und Kinder niedergenictzclt haben," Beruht auch nur der zehnte Teil von den Berichten über Grcueltotcn der belgischen Bevölkerung auf Wahrheit, so haben unsere westlichen Nachbarn eine Schuld aus sich geladen, von der sie sich so bald nicht wieder befreien können. Aber in ruhigeren Zeiten wird man noch ernster als cs jetzt Herr Hochdorf tut, den Boden untersuchen müssen, ans dem der Fanatismus der Wallonen »nd der Flamen erwachsen ist, und nian wird finden, daß Klerikalismus und K a p i t a l i S - m u s einen großen Teil der Schuld tragen. Sie sind verant- wörtlich sür die Unbildung und den Aberglauben der aus- gcbcntcten und ausgepowerten Massen, die sich durch den Alkohol aufgcpcitscht an der Kultur und der Menschlichkeit versündigen. Uebrigens: was wird die Post zu der Hochdorfs,sie» Kritik an den Flamen sagen? Bor ein paar Tagen hat sie sie in bewegten Worten aufgefordert, eingedenk ihrer Zugehörigkeit zun, Germanentum, die belgische Regierung im Stich zu lassen. Ftanzosenfreimdliche Stimmuno im Elsaß? Tie Köln. Volksztg. veröffentlicht den Bericht eines Feldgeistlichen, der auf den Schlachtfeldern und in den Spitälern bei Colmar und Mülhausen tätig war. Er schildert den Ein- zug der Franzosen in Mülhausen und bestätigt, dah sich die cinheiniischc Bevölkerung teilweise aufs schwerste gegen deutsche Truppen verging. Tie wichtigste Stelle lautet: »Bon vielen Leuten wurden die Fraüzoscn mit ,,V!ve la France!" empfange», In den Dörfern vor und um Mülhausen wurden ihnen Blumen gestreut. Die Franzosen hatten diese in ihre Gcwehrläuse gesteckt. Am nächsten Tage rückten sie noch etwas weiter vor, Tann begann der Rückzug und der Angriff der Deutschen von neuem. Wahr ists. dass auf einen deutschen Arzt, der einen Verwundeten verband, aus dem Hinterhalt gescholten worden ist. Auch auf andere Tonitätslente ivurde wiederholt von Zivilisten geschossen. Ich sah vcrivundete und verstümmelte Leichen, die sicher nicht vom Feind so übel zugcrichtct worden waren. Leider aber haben sich auch Geistliche in dieser unsagbar traurigen Weise vergangen. Mehrere mussten standrechtlich erschossen werden, weil sic französische Truppen verborgen hielten, dies leugneten und aus ihren Häusern auf die Truppen geschossen wurde. Eine englische Stimme gegen der» Krieg. Erst letzt gelangt der Ausruf, den die britische Sektion des Internationalen Sozialisten - und Arbeiter- kongresses an das Volk erlassen hat, zur Kenntnis der Genossen ans dem Kontinent, Das historische Dokument, das bereits vor der englischen Kriegserklärung an Deutschland veröffentlicht wurde, ist durch die Tatsachen auf den Kriegsschauplätzen überholt, trotzdem geben wir es wieder. Es lautet nach dem Baseler Vorwärts: „Ter langangedrohte europäische Krieg ist über uns. Seit über 100 Jahren hat keine solche Gefahr die Zivilisation bedroht. Es liegt an Euch, Euch volle Rechenschaft von der verzweifelten Lage zu geben und prompt und kräftig im Interesse des Friedens zu handeln, Ihr seid nie wegen des Krieges befragt worden. Was auch das Urteil über den plötzlichen, erdrückenden Angriff des militaristischen Reiches von Oesterreich gegen Serbien sein mag, sicher ist, dass die Arbeiter aller Länder, die in den Konflikt hineingezogen werden können, alle Nerven anspanncn müssen, um ihre Regierungen an der Teilnahme am Krieg« zu verhindern, Ueberall nehmen Sozialisten und die organisierten Kräfte der Arbeiterklasse diese HalMng ein. Ueberall richten sie ieiden- schaftliche Proteste gegen die Habsucht und die Intrigen der Militaristen und RüsMngsintcresscntcn, Wir rufen Euch auf, dasselbe hier in Grossbritannien in einem noch eindrucksvolleren Massstabc zu tun. Haltet Riesendemonstrationen gegen den Krieg in jedeni industriellen Zentrum ob. Zwingt jene von den herrschenden Klassen und ihrer Presse, die Euch zur Mitwirkung mit dem russischen Despotismus hi ne in hetzen wollen, still zu bleiben und die Entscheidung der überwältigenden Mehrheit des Volkes, das von dieser Infamie nichts wissen will, zu respektieren. Heute wäre der Erfolg Russlands der Fluch der Welt, Es ist keine Zeit zn verlieren. Schon werden infolge geheimer Verträge und Abmachungen, von denen die Demokraten der zivilisierten Welt nur Gerüchte kennen, Schritte unternommen, die uns alle in den Kampf stürzen können. Arbeiter, steht deshalb zusammen für den Frieden! Vereinigt Euch und besiegt den militaristischen Feind und die selbstsüchtigen Imperialisten heute, ein für allemal, Männer und Frauen Grossbritanniens! Ihr habt jetzt eine beispiellose Gelegenheit, der Menschheit und der Welt einen glänzenden Dienst zu erweisen! Verkündet, dass die Tage der Plünderung und der Schlächterei für Euch vorbei sind. Schickt die Botschaft des Friedens und der Brüderlichkeit an Eure Kameraden, die weniger Freiheit haben, als Ihr, Nieder mit der Klassenherrschaft! Nieder mit der Herrschaft der brutalen Gewalt, Nieder mit dem Krieg! Hoch die friedliche Herrschaft des Volkes!" Gezeichnet von den Parlamentsmitgliedern K e i r H a r d i e und Arthur Henderson. Das englische Kriegsgeschast. Ter Franks. Ztg. wird auf Umwegen aus London telegraphiert: Die Regierung macht grosse Anstrengungen, unter AnSnüüung des Krieges Deutschland von den Auslandsmärkten zu verdrängen. Beim Handelsministerium ist eine besondere Abteilung unter dem Titel „Handelsinsormationen" neu eingerichtet, die sich mit dieser Ausgabe befassen soll. Tie Regierung sammelt durch ihre Organe in den Kolonien wie im neutralen Ausland M u st e r d^c u t s ch c r Waren. Diese sollen in London ausgestellt werden. Der Handrlsminister fordert durch ein Rundschreiben die englische Erwcrbswclt auf, die jetzige Konjunktur auszunützen. Die Gärung in Indien. Zur Beurteilung der schwierigen Lage, in bcr sich die Engländer in ihrer wichtigsten Kolonie, in Indien besnitzen, dienen zwei bedeutsame Aufsätze aus jüngst erschienenen Zeitschriften, die sich mit den Verhältnissen des Kaiserreiches beschäftigen. In einem Artikel der Fortnightlp Review behandelt der Schriftsteller William Archer de» unversöhnliche» Gegensatz, der zwischen Engländer und Hindu besteht. Wenn man in Bombay ankommt und nach einem Versammlungsort der Gesellschaft sich erkundigt, so werden einem der Jachtklub und der Bycullaklnb genannt: der Name des letzteren bedeutet zwar „zweifarbig", doch in beiden Klubs haben nur Engländer Zutritt, während nur der Orientklub auch Inder aufnimmt. Dieses Beispiel zeigt bereits den Abgrund, der heule so stark wie je zwischen den beiden Rassen klasst. Er ist heute vielleicht durch einige äussere Höflichkeiten übcrtüncht, aber im Innern sind die Gegensätze unüberbrückbar. „Man braucht nur in das Haus eines Hindu der höchsten Stände zu treten, um den Unterschied zu begreifen, der zwischen der indischen und der westlichen Zivilisation besteht: Schmuck, Luyns, Einrichtung, alles verletzt den Geschmack des Europäers. Es handelt sich hier um keine Frage der höheren oder niederen Kultur, sondern um eine Wcsensverschicdenhcit, um Unmöglichkeit einer Zusammenarbeit, Man fühlt, dass jeder Versuch einer Verständigung nur eine peinlichc und mühsam vorbereitete Heuchelei sein kann. Die kultivierten Hindufamilien, mit denen der Verkehr möglich ist, sind nur Ausnahme», die die traurige Regel bestätigen, Eins der ernsthaftesten Hindernisse für das geistige Verstehen ist das Kapitel der Frau, Der Hindu verachtet unsere Frauen und Mädchen als nichtverschleierte Gefchöfte, die schamlos frei umhergehcn," Archer erklärt, dass sich zwar Die Haltung der Engländer gegenüber den Hindus seit der Eroberung gebessert habe, man sei höflicher und zuvorkommender geworden, aber der Geist der Unduldsamkeit und der Unterdrückung herrsche noch immer, „Zwei Rassen können nicht ewig Seite an Seite leben, ohne sich geistig und gesellschaftlich in einem gewissen Grade zu dnrchdringen. Aber wie kann man hier auf eine Durchdringung hoffen? Kein Hindu kann sich, ohne das Ideal seiner Rasse zu verleugnen, mtr einem Europäer in Freundschaft verbinden," Welch beständige Spannung und drohende Gärung in Indien I herrscht, charakterisiert ein anderer Aussatz, den Frau Bhikasi I Rustomji Earna j„ der Zeitschrift Bande Madaram veröffentlicht, Ter triumphierende Einzua des Vizekönigs in die alte Hauptstadt von Hindustan Delhi am 22. Dezember 1912 wurde durch ein Bombenattentat gestört, bei dem zwei Personen getötet wurden und bcr Eizekönig 20 Wunden erhielt. Das Volk jubelte diesem Vorgang uiigescheut zu. Diese Kundgebung der wahren Gefühle Hiudustans ist von immer neuen Gewalttaten der Inder befolg! worden, „Eine grosse Anzahl englischer Polizeiofsszicre sind seitdem unter den Schüssen der Anarchisten gefallen. Trotz der besänftigenden Erklärungen ihres Gouverneurs ist die Verwaltung von Bengalen durch den Schrecken gelähmt, den diese Morde verbreiteten, Achthundert Stellen bei der Polizei sind nicht besetzt. Diese Posten bringen zu viel Gefahren mit sich, als dah sic selbst die Tapfersten übernehmen würde». Die Schuldigen sind immer den Nachforschungen entschlüpft: Unschuldige haben für sie bnssen müssen. So besteht ein täglicher Guerillakrieg, bei dem die Regierungs- bcamten sehr ernsthafte Verluste erlitten haben. Auch Europa und Amerika besitzt Mittelpunkte der terroristischen Bewegung der Hindus, Da die eingeborenen Richter die Bestrafung der Mörder von Polizisten offenkundig verweigern, ist die Stellung der Engländer schwer bedroht," Lügengespin,»ste. Die römische Tribuna bedauert an der Spitze eines Leit- artikels über die Lage, dass die italienische Presse regelmäßige telegraphische Nachrichten nur ans Paris, London und Petersburg erhalte, während ans Berlin mnd Wien nur ab und zu summarische Dementis kommen. Das bewirke, daß die Presse der neutralen Länder im Nachrichtenteile so gefärbt erscheine, wie cs den Mächten des Dreiverbandes erwünscht sei. Dasselbe Bedauern spricht der Berliner Korrespondent des Giornale d'Jtalia in einem Leitartikel ans, worin er darlegt, wie sich unter Mitwirkung dieses deutschen Lakonismus die öffentliche Meinung Italiens ein falsches Urteil über den Ursprung des Krieges gebildet habe. Er weist dann schlagend an der Hand des Weißbuches und des Blanbuches nach, daß ans Rußland allein die Verantwortung für den Ausbruch des Wcltbrandes laste. Türkische Sympathien. Der Politischen Korrespondenz wird ans Konstantrnopcl gemeldet, dass in allen dortigen Moscheen Gebete für den Meg der österreichischen und deutschen Armee veranstaltet werden. Das sei, bemerkt die Pol, Korr,, höchst bedeutsam, denn zum ersten Male in der Geschichte des Otto,manenreiches geschehe es, dass die Muselmanen in ihren Gotteshäusern für den Sieg christlicher Völker beten. Tic Sympathie der Skandinavier. Die in München lebenden Skandinavier, zumeist Norweger >md Schweden, gaben in ctncr von ihnen veranstalteten Versammlung , ihrer uneingeschränkten Sympathie für Deutschland, dessen Schick- ; salsstunde auch die aller Skandinavier sei, mit den wärniften Worten Ausdruck, ebenso ihvsm Tänk für die in Deutschland und sin beson» deren in München ihnen zuteil werdende Gastfreundschaft, Dieser Dank wurde durch di« Sammlung für das Rote Kreuz in die Tat nnrpesetzt. Kerne Liebesgaben für Kriegsgefürrflerie. Die Eisenbahndirektionen haben verfügt, baß den u n * verwundeten französischen, russischen, belgischen nsw. Kriegsgefangenen unter keinen Um stünden Liebesgaben verabfolgt werden dürfen, solange der Eisenbahntransport dauert. Auf Bahnhöfen, wck Aufenthalt vorgesehen ist, werden die betreffenden Wagen sofort abgesperrt, so daß keine Verbindung zwischen denk Publikum und den Gefangenen besteht. Tie Gefangenen, einerlei ob Offiziere, Unteroffiziere oder Mannschaften, er-, halten ihre Verpflegung ohnehin. Mehr soll ihnen, solange sie unterwegs sind, nicht gegeben werden. Zuerst die arbeitslosen Männer beschäftigen. An einen industriellen Verein, der dein, Reichskanzler bcan- tragt hakte, für die zugehörigen Betriebe allgemein Ausnahmen von den Bestimmungen der Gewerbeordnung über die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern zuzulassen, ist ans dem» 3!eichsamt des Innern solg!ender Bescheid ergangen: Wenn ich auch nicht verkenne, dass Ihre Betriebe in he» gegenwärtigen Krirgszeiten leistuugssäh»g erhalten werden müsse», sa kann ich cs doch nicht für zulässig erachten, Ihrem Antrags zu entsprechen. Das Gesetz von, 4. August d, I, will solche Ans- nahmen nur für den äußersten Notfall dann zulassen, wenn es nach Lage der Verhältnisse unmöglich ist, ohne Ausuahmebewilliguugj auszukvmmen und insbesondere die betreffenden Arbeiten durch Männer, di« den BcschäftigungSbeschränkungen nickst unterliegeul ausstihrcn zu lassen. So lange also, wie es gegenwärtig der Fall, ist, eine überaus grosse Zahl von Männern insokgc van Bctriebs- I einschränkungcn gewerblicher Betriebe ohne Beschäftigung ist, würde cs dem Gesetze zuwider sein, die Beschränkungen der Ge- wcrbcordnung in der Bcschästigunq von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern dnrch Bewilligung von Ausnahmen zu durchbreche». Wenn in der Eingabe darauf hinge,viescn wird, dass dM> jugendlichen und den weidlichen Arbeitern durch die nachgesuchteu Ausnahmen eine Willkomm«»«» Arbeitsgelegenheit gegeben würde, so fällt dagegen entscheidend ins Gewicht, dass für Frauen und Kinder der zinn KriegKdtcust berufenen Arbeiter vcilhKgesctzÄch, eine Fürsorge sichergestcllt ist, die von den Kommunen vielfach noch ein« wertvolle Ergänzung erfährt. Um eine geordnete Versorgung der gesamten arbeitenden Bevölkerung sicherzirstellcn, muss deshalb mit allem Nachdruck dahin» gewirkt werden, dass zn Beschäftigungen der in Rede stehenden! Art ausnahmslos die vcrsügbarcn Männer hcrangczogc» werden, denen di« Mittel zum regelrechten Unterhalt für ihre eigenen Frauen und Kinder mir ans diese Weise zugesührt werden können. Dieser Bescheid ist eigentlich selbstverständlich. Um so bedauerlicher ist die Feststellung, dass cs Unternehmer gibt, .die sich nicht einmal in dieser außerordentlich ernsten Zeit scheuen, die Notlage» anszunützen und ihre Jagd auf billige Arbeitskräfte ungeniert fortzusetzen. Patriotismus und Merrschcnftzem,diich?eit von Besitzenden. JnLangenöls, Kreis Lauban. wo zwei große Möbel-, fabriken und zahlreiche Ziegeleien und Töpfereien die Betriebe wegen des Krieges einstellten und die Not sehr grost ist, erging folgende, von hochpatriotischcr und Menschenfreund-, sicher Gesinnung zeugende "Bckanntniachun g, Wer unentgeltlich % Tag in der Ernte hilft, kann Weizen lesen. Wer ohne Erlaubnis lesen geht, wirb wegen Diebstahls an. gezeigt und bcstrast, Ober-Langenöls, Dominium. I. V,: Frau Hauptmann Triebe," In der Borkumer Badezeitung ist folgende Bekanntmachung zu lesen: „Während sich in ganz Deutschland opferwillige Begeisterung zeigt, während hoch und niedrig, alt und jung, reich und arm zu-- sammcnsteht, um Not und Elend auch bei den Daheimgebliebcneu zu lindern, hat Dr. mcd. Schmidt hier, es fertig gebracht, an sechs arme Faniilicn, davon zwei mit sieben und eine mit fünf Kindern, deren Väter sämtlich bei der Truppe eingezogen sind, oder bei den» ArmierungZarb eiten beschäftigt werden, folgendes Schreiben zu schicken: „Ich kündige Ihnen hiermit die Wohnung, Wenn Sie nicht innerhalb zwei Tagen die Miete berichtigt haben, soigt di« Räumungsklage. gez.: Dr, Schmidt. Ich bringe dies „patriotische und wahrhaft menschensreundz siche" Verhalten des Dr, med. Schmidt hiermit zur Kenntnis, Der Kommandant: M ae cke r," Solange der Patriotismus nichts weiter kostet, als das Maul möglichst weit aufzureißen, sind sie alles Patrioten, diese Herrschaften. Aber wenn's Geld kostet ...! Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 39 „Endlich, liebe Gula," sagte er, „finde ich dich und endlich sehe ich dich freundlich vor mir, wie sonst." Bei dieser Mahnung schlug sie die Augen nieder, eine Nöte der Verwirrung färbte ihre Stirn. — „Du bist cs, Herr! Du bist es!" flüsterte sie. „Und wer sollte cs denn sein, Gula?" fragte er. „Hast du einen andern erwartet?" Sie gab keine Antwort. Marstrand zog sie neben sich ans den Sitz nieder, indem er ihre Hand festhiclt und zu sprechen fortfuhr. „Unerwartet treffe ich dich," sagte er, „aber ich nehme den günstigen Zufall für ein gutes Zeichen auf meiner langen Reise. Ich habe deinen Vater gesehen, Gula." Sie nickte, als wüßte sie es. „Und habe mit ihm gesprochen," fügte er hinzu. „Er hat mir gesagt, daß er mein Freund sein will." „Er wird, es sein," sagte sie aufblickend und mit großer Zuversicht. „Ich glaube es," erwiderte er: „Afraja hat es mir schon jetzt bewiesen. Er ist damit zufrieden, daß ich mein Haus ani Balsfjord aufbaue." „Alles, was Afraja sein nennt, wird er gern mit dir teilen," war ihre Antwort. „Denke nichts Böses von ihm, er weiß, wie gut du bist." „Und woher weiß er denn von meiner großen Güte?" lachte der junge Ansiedler. „Hast du es ihm vertraut? War er hier? Hast du ihm gesagt, daß wir einen Freundschaftsbund geschlossen haben, den du nicht hältst?" Ihre Augen nahmen den hellen Glanz wieder an. Halb furchtsam, halb traurig und freudig zugleich schüttelte sic dann den Kopf und flüsterte lächelnd: „Sie sagen, daß ich cs nicht darf." „Mhl arme kleine Gula," ries Marstrand in seiner früheren vertrauten Weise, „sie haben dir deine Unbefangenheit genommen und einen Stein zwischen uns geworfen, den wir sortschlendcrn wollen, weil er uns drückt und wehe tut. Setze dich dicht zu mir her, rücke nicht fort, lege deine Hand wie sonst in meine Hand und plaudere und frage, ich will dir erzählen, wie oft ich an dich dachte, wenn ich den Kilpis im Morgenschcin sah und im Abcnddunkcl. Sind wir denn nicht noch immer Leidensgenossen, liebes Mädchen? — Wie oft habe ich dir das gesagt. Beide unter dem fremden Volke, das seine Begriffe von Sitte, Recht und Unrecht uns aufdrängen will. Was kümmert es mich, was sie sagen. Ich habe dich lieb, kleine Gula, allen znm Trotz!" „Du hast mich lieb!" sagte sie, ihre dunklen Augen auf ihn richtend. „Und du mich auch," fuhr er fort. „Sind wir nicht beide verständig, um uns das zu sagen, und haben wir nicht gelobt, »ns in Treue beizustchen für alle Zeit?" So fuhr er fort zu sprechen und zu scherzen und von der Zukunft zu erzählen, wenn er in dem neuen Hause wohnen würde, wo er allein Herr sei. Er malte es aus, wie Gula kommen werde, ihn zu besuchen, wie sie helfen würde, wo cs fehlte und in glücklicher Vergessenheit irrten ihre Augen über sein Gesicht, haschten sie die Worte von seinen Lippen und wanden sich Bilder und Träume daraus, die sie mit, Entzücken verfolgte. Marstrand hatte seinen Arm um sie gelegt, seine Gedanken flogen weit hinaus. „So, meine liebe Gula," rief er endlich, „wollen wir uns die Arbeit versüßen. In meinem Hanse soll cs fröhlich hergehen, ich will nicht sein wie diese Krämer. Dein Vater soll mir willkommen sein, wenn er kommt, er ist ein Mann, dessen Verstand mir Achtung einflößt, und wenn du dann" — in dem Augenblick fiel ihm etwas ein, woran er noch nicht gedacht hatte, und er ließ den Satz unvollendet, sah nach dem Gaard hinunter und fügte endlich hinzu: „Wenn Jlda ihres Vaters Haus verläßt — wir haben noch nicht davon gesprochen — würdest du deine Freundin wohl nach Tromsö begleiten?" „Niemals!" erwiderte sie rasch. „Paul Petersen ist dein Freund nicht," fuhr Marstrand lächelnd fort, „mein Freund ist er ebensowenig. Willst dst bei Helgestad bleiben, sein Hans verwalten?" „Ich werde nicht bleiben," war ihre Antwort. „So wolltest du zum Zelt deines Vaters znrückkchren?" „Nein! nein! rief sie lebhaft. „Lieber weit fort, wo mich niemand kennt." „Aber wohin?" sagte Marstrand nachdenkend. „Doch sorge nicht, Gula, noch ist die Zeit nicht da und ehe sie kommt, werden deine Freunde tätig sein. Klaus Hornemann wird zurückkehren, ich werde mit ihm sprechen." „Sprich nicht mit ihm," fiel sie ein, „ich weiß, was er dir raten wird. An meines Vaters Herdstein sei mein Platz, so sagte er zu mir. Er fand es unbillig, daß Helgestad mich sesthielt, als Afraja mich zurückforderte, und erst vor wenigen Tagen hat er aus dem Ouänarncrfjord einen langen Brief an mich geschrieben, in welchem er es meine Pflicht nennt, meines Vaters Willen zu gehorchen. Ich glaube, Afraja hat ihn dazu vermocht." „Wer hat dir den Brief gebracht?" fragte Marstrand. Sie zögerte einen Augenblick mit der Antwort. „Ein Mann meines Stammes," sagte sie dann, „mein Vetter Mortuno." „Weiß Jlda darum?" „Niemand weiß es und darf es wissen." „Und du, Gula — was ist dein Entschluß?" Sie schwieg und senkte den Kopf. — „Wenn ich dich betrachte," fuhr er fort, und sein Arm zog sie fester an sich, „ist es mir, als dürfte es nchit geschehen, als wärest du eine dcc schönen Moosblumen, die niemals mehr dort oben gedeihen, wenn man sie ins Tal gebracht und gepflegt hat, und als hätte Afraja kein Recht mehr, dich zuriickzufvrdern, was auch der fromme Klaus dagegen sagen mag." .(Forts, folgst) Es wäre sehr gut, wenn alle behördlichen Organe, denen Erbärmlichkeiten der Besitzenden gemeldet werden, sie mit dem Mute des Kommandanten Maecker an den Pranger stellten! Wirtschaftliche Krieasmasr»al,me». In einer Versammlung, an der Vertreter des preußischen Handelsministeriums, des Berliner Magistrats, des Aeltestenkoliegiums titr Berliner Kaufmannschaft irreb der Potsdamer uwb Berliner Handelskammern ieilnahiivcn, wurde beschlossen, eine Kreditbank für .Handel, Gewerbe und Industrie mit einen, Kapital von 15 Ntillionen Mark zu gründen. Von den Taiinehmer-n an der Versammlung wurde sosort stark *mn Grundkapital der neuen Bank gezeichnet. Berliner Handeskreise woüen den Leipziger Magistrat ersuchen, die Herbstmesse auSsallen zu lassen, da vermutlich Käufer wenig vorhanden sein werden, dem Handel aber durch die Messe große Unkosten envachfen. Jungdentschland und die sozialdemokratische Jugend. Aus Stuttgart wird der Franks. Ztg. geschrieben: Auf Anregung des Ministers für Kirchen- und Schulwesen hat sich bei Ausbruch des Krieges der erste Vorsitzende der württem- bergischen Organisation für Jungdentschland an den sozial demokratischen Leiter der früheren Jugendorganisation Stuttgart (die bekanntlich vor einiger Zeit ans- gelöst wurde) mit dem Vorschläge gewandt, die seither in dieser Organisation znsammcngeschlosscne Jugend möge sich gemeinsanl mit den Mitgliedern der übrigen Jngendvcrcini- gnngen, wenn auch in durchaus freier Form, an den Hilss- arbeiten beteiligen, welche der deutschen Jugend in der jetzigen großen und schweren Zeit zugefallcn seien. Dieser Vorschlag, mit deni ein an die Arbeiterjugend gerichteter Aufruf der Schwäbischen Tagwacht zur Mitarbeit zeitlich zusammensicl, hat, wie der Staatsanzeiger berichtet, erfreulicherweise eine freundliche Aufnahme gefunden und zu der Zusage von sozialdemokratischer Seite geführt, der Vermittlungsstelle für Hilfsdienste nach Möglichkeit Kräfte aus der Freien Jugendbewegung zuzuwcisen. Opferwillige Arbeiter. Die gesamte Arbeiterschaft der Firma Krupp hat beschlossen, während der Dauer des Krieges einen bestimmten Prozentsatz ihres Arbeitsverdienstes als Beitrag zur Kriegs- fürforge zur Verfügung zu stellen. Ein Kriminalschußman» als Spion verhaftet. In Dammheim in der Pfalz wurde der Kriminalbeamte Weinlig ans Veranlassung ber StaatSanwaltschast in Landau unter dem Verdacht der Spionage verhaftet. Er führte ein« reiche Korrespondenz »ach dom Elsaß und nach Frankreich: weiter hat er sich durch wiederholte Reisen noch Frankreich, durch größere GcidauS- gaben und durch, Befragen «inguariierter Soldaten verdächtig gemacht. Ein Erfolg der deutschen Kriegsflotte. W. B. Die beiden Kreuzer „Straßburg" und „Stralsund" untcriiahnicn in den lebten Tagen einen Vorstoß »ach der südlichen Nordsee. „Straßburg" sichtete dabei unter der englischen Küste zwei feindliche Unterseeboote. Eines davon wurde auf größere Entfernung mit einige» Schüssen zum Sinken gebracht. „Stralsund" kam in ei» Feuergefecht mit mehreren feindlichen Torpcdozerstörern. Zwei der Torpcdo- zerstörcr erlitten Beschädigungen. Bei dieser Gelegenheit konnte ebenso wie bei der Er- kundigungsfahrt eines Luftschiffes bis zum Skagerrak erneut scstgcstcllt Wertzen, daß die deutsche Küste und ihre Gewässer frei von Feinden sind nnd daß die neutrale Schiffahrt ungehindert passieren kann. Das Gelöbnis der dem Tode Geweihten. In Berlin ist folgendes Telegramm aus Kiantschou ein- gegangcn: „In Bestätigung der Mitteilung des japanischen Ultimatums cinstche für treueste Pflichterfüllung bis zum äußersten. Gouverneur." Amerika gegen Rußlands Völkerrechtsbrnch. Noch einer Meldung des Hainburger Fremdcnblotts hat der amerikanische Botschafter in Petersburg Auftrag erhalten, gegen die völkerrechtswidrige Massenverschickung der Deutschen in Rußland nach Sibirien schärfstens Protest zu erheben. Zum Sieg bei Pervez wird dem Berliner Lokalanzeiger geschrieben: Die 5. französische Kavallericdivision, die aus einer Tragonerbrigade und einer leichten Kavalleriebrigade, alio ans vier Regimentern bestellt, konnte dem Angriff unserer Kavallerie nicht entgehen und wurde mit großen Verlusten zurückgcworfen. Es ist den Franzosen von englischen Militür» schriftstcllern so oft erzählt worden, daß sie unglaubliches Talent für Kavallcricgcfechte besäßen. Sic werden daher sehr gedrückt sein durch die Erfahrungen, daß ihnen deutsche Reiter diesen Ruhm genommen haben und ihnen sogar bedeutend überlegen sind. Darin liegt der Preis dieses ersten Kavallericgcfcchtcs. Getreideeinfuhr »ach Deutschland. IN Rotterdam sind vier amerikanische Schisse mit etwa 15 VON Tonnen Getreide ctnget rossen. Tb die Tnrchsnhr »ach Deutschland möglich sein wird, läßt sich zurzeit nicht übersehen. Der österreichische Vormarsch in Serbien. Am Dienstag nachmittag um 3 Uhr haben österreichische Truppen die Laue überschritten und sind in serbisches Gebiet cingedrun- gcn. Nachmittags um 5 Uhr wurde die serbische Stadt Oercuov-ttsch eingenommen. Gestern nacht versuchte eine Bande von Komitatschis bei dem Torfe Betania aus andere User zu gctangcn, wurde aber von österreichischen Truppen zurückgcivorfcn und erlitt schwere Verluste. Parteinachrichten. ^ Aus dem Zuchthaus zurück. Am Sonntag vormittag w Kr paktor Genosse Hossmonn, der im Waldenburger Mcincido. .o;eß zu 1% Jahren Zuchthaus verurteilte Mttangeklagtc, aus dem Zncht- hausc entlassen. Ihm find die letzten acht Wochen seiner Strafzeit erlassen worden. Bekanntlich war der Prozeß gegen die Genossen eines Wahistugbsattes halber ctngeleitet worden. Der Anzeiger, au, dessen Zeugnis die Verurteilung ersoigte, war vor der Anzeige- » » der Druckerei des konservativen Blattes eingestellt wor- üen. Hof,mann wird mit Handschlag von seinen Genossen aufgc- nommcn. Hessen «nd Nachbargebiete. «ieher» und Umgebung. Besteht für Deutschland eine Senchenflefahr? Welche bedeutsame Rolle die Seuchen, besonders Typhus und Ruhr, in ollen Kriege» bisher gcspieit habe», braucht hier nickt erst ansgesührt z„ werden. Die Opser im siidwestasrikanische» und im Chinafeldziig sind noch in frischer Erinnerung. Es fragt sich, ob mittierweiie die Wissenschaften nicht Mittel und Wege gesunden hat, einem Umsichgreifen der KriegSsenchen mit Erfolg z» begegnen. Denn baß cs in diesem Kriege genügend Eiuzclfälle an Typhus und Ruhr geben wird, darüber kann kein Zweifel bestehe». Diese Mtttcl und Wege zur Verhütung von Mafsenerkrankungen sind Gott sei Dank durch deutsche Forschungsarbeit gefunden. Gerade bci unS in Dcnischland ist im Laufe der letzten 10 Jahre durch Robert Kochs Ideen ein Wandel der Dinge eiiigctrcten. der uns jetzt mit vollstem Vertrauen in die Zukunft blicken läßt. Unter Robert Kochs Aegide hat das Reich vor etwa 11 Jahren eine verstärkte Seuchen-, besonders Typhusbekämpsniig ins Leben gerufen, di« eine Fülle vo„ neuen wissenschastiichen Erkennttiisscii zntag« gc- sördcrt hat, Erkennttiisse. die für die Seuchenbekämpfung von allergrößter Bedeut,mg geworden sind: neue, sicher arbeitende Methoden des KrankhcitSnachweises sind gesunden worden, das Vorhandensein der sogenannten gesunden Bazillenträger ist festgestellt worden. Gerade diese Personen und die ganz leicht verlaufenden früher nicht ansklärbarcn Fälle von Typhus, Ruhr und Eholera find es ja, die besonders hänfig zu Seuchen geführt haben. Ter große Erfolg dieser planmüßigen Friedeiisarbeit, für die man unserer RetchSeegieriing gerade jetzt aus voücni Herze» danken muß, ist ein gewaltiger Rückgang der genannten Seuchen in unseren, jetzigen westliche» Aufmarschgebiet. Durch die stark« Anteilnahme unserer Militärbehörden. di« Abkommandierung einer großen Zahl vo,l Militärärzten zu der verstärkten Typhusbckämpsuiig ist in dem .Heere eine Methode der Seuchenbekämpsmig im Lause der Fahre geschaffen worden, die ims kein Volk der Weit naehmacht, oder auch nur nachzumacheil versucht hat. Von den Russen z. B. weiß nian, daß sie hygienischen Maßnahme» vollständig gleichgültig gegennberstehen. Die gleiche» Maßnahmen, wie für das linksrheinisch« Aufmarschgebiet, gelten auch für das östliche, wo der Eholeragefahr noch besonders Rechnung zu tragen ist. Neben den großen hygienisch-bakteriologischen Instituten sind fliegende bakteriologische Laboratorien stets l>ereit, im Falle sosort helfend ein- ziigrcisc», wo's nottut. Solche Tatsachen sind dazu angetan, unserem Volke nach dieser Richtung hin vollkomniciic Ruhe und Besonnenheit zu geben. Daran wird auch nichts geändert durch die Wechselsälle des Krieges, die natürlich für die Dirrchsührung mancher ansgezeichnetcn Atatznah- mcn Hindernisse bereiten können, zumal wenn eS sich nn, iinge- heure Ansordernnge» durch ganze Heeresmassei, handelt. Ten» auch dann ivird die ins Ungemesscne gesteigerte Arbeit bei der ausgezeichneten Arbeitsteilung in unsereni Heere noch voll geleistet werden. Eine sehr schwierige Ausgabe liegt in der gesundheitlichen lleberwachnng ganzer Massen von Gcsangenen, die auch für die Zivilbevölkerung zweifellos eine geivisse Gefahr darstellen. Bei der Uebersülle von geschulten Arbeitskräften werde» wir uns aber auch dieser Gefahren erwebren können. Immerhin i st e s ra 1 f a m, im SBoIte mit aller Ruhe und Besonnenheit jetzt schon solche Aufgaben vorzubereiten, wobei die Arbeitsteilung und einheitliche Leitung das W i ch t i g st c s i n d. Man kann getrost zusammenfassen: Vergleichen wir die Gefahren, die unseren und den sremde» Hccrcii drohen, so fällt dieser Vergleich ganz entschieden zu unseren Gunsten aus, die wir in langjähriger Friedcnsarbeit an alles gedacht haben, was einmal füinmcit konnte, und die wir über die beste Scnchcnbckämpsnngs- technik der Welt versüge». Der Kamps gegen die Kriegsseuchen wird um so wirksamer gesllhrt werden, je ruhiger, besonnener und gewissenhafter jeder einzelne daran teilnimmt. Absolute, ver- tralieiisvollc Untcrordnuna unter alle behördliche Maßnahmen ist bas wichtigste Gebot in unscrer Zeit. Pros. Tr. P. Schmidt. Direktor des hygienischen Instituts der Nyfversttät Gießen. — Zur Nachahmung empfohlen! Vom Vorstand des Konsumvereins Gießen wird nns geschrieben: In welch opferfreudiger Weise sich in der heutigen schweren Zeit der Einzelne seiner bedürftigen Mitmenschen annimmt, ohne dabei mit seinem Nciincn in der Ocsfentlichkeit zu glänzen, beweist wicdcrnni folgender Fiill. Mehrere — jedenfalls etwas besser gestellte — Mitglieder des Konsumvereins Gießen verlangten in einigen Verkaufsstellen Brotmarken zu kaufen zur Gratisabgabe an bedürftige Familien von eingezogenen oder arbeitslos gewordenen Arbeitern. Obwohl der Konsum- Verein bisher Brotniarkcn nchit geführt bat, hat der Vorstand doch sofort Vorsorge getroffen, daß solchem Verlangen entsprochen werden kann und cs können von jetzt ab alle diejenigen unserer besscrgestellten Mitglieder, die bereit sind, dem oben erwähnten schönen Beispiel nachziieifern, jederzeit Brotmarken zu diesem Zwecke im Bureau des Konsumvereins, Schanzenstraßc 16, erhalten. K. — Mit der Bauarbeit stand cs in Gießen schon vor Ausbruch des Krieges schlecht genug und natürlich liabcn sich seit- dem die Verhältnisse nicht günstiger gestaltet. Neubauten waren nur sehr wenige in Angriff genommen und an denen ist die Arbeit noch eingestellt worden. Nur an deni Neubau des früher Goldschniidtschen Hanfes, das Gcschw. Knopf zu einem größeren Geschäftshaus umwandeln wollen, arbeitet eine größere Anzahl Bauarbeiter. Einige sind ferner noch am neuen Amtsgericht beschäftigt, sonst aber dürften nur noch cinzesiie in der Stadt arbeiten. Am Neuball des Hotels „Einhorn" ist die Arbeit ganz eingestellt. — Aufgabe der Stadt wäre es jetzt, so viel als cs eben geht bereit? vorgesehene Arbeiten ausführen zu lassen. — Preise für Kartoffel» und Eier. In einer Bekanntmachung droht der Oberbürgermeister Höchstpreise für Kartoffeln und Eier amtlich festzusctzen, wenn auf deni morgigen Wochenmarkte für erstklassige Ehkartoffeln im Zentner mehr als 4 Mark nnd für frische Landeier mehr als 16 Pfg. für das Stück verlangt werden sollten. — Diese Maßnahme ist durchaus angebracht: nur sollten auch dem Großhandel die Höchstpreise vorgeschrieben werden, denn sonst sind die kleinen Geschäftsleute geschädigt, die etwa zu höheren Preisen einzukaufcn genötigt Karen. — Die Prcisbewertungen bei der Gießener Gcwcrbc-AuSstclluna. Folgenden Ausstellern wurden noch Preise zuerkaniit (Tcklnßi: 11. Bronzene A n s sie ! In n g s m e da i l l e: Georg Becker, Bangeschäft in Gießen-: Sack u. Fugharbt, Zemcntwarcn- sabrik in Gießen: I. Anbach. Steinmetzgeschäst in Gieße»: Mar- dnrger Kreissteinbrüchc Dreihausen, in Marburg: Georg Appel, Tpciiglcr und Installateur in Gießen; Ga. Lud. Glasermeistcr in Gießen: H. Fillmann. Klasermeister in Gießen: B. Bierau, Glasermeister in Gießen: Heinrich Arnold, Glascrmeisicr in Gießen: Louis Müller, Schreinermcistcr in Gießen: Heinrich Schmidt IX., Schrcinermeistcr in Großen-Biiscck: Georg Euler, Schlosscrmeistcr in Gießen: Karl Schmidt, Schlossermetfter in Gießen: Adolf Hassel« hach, Schlosscrmcister ln Robhclm a. f>. Bieber: Hcinr. Scheid TT., Drechslcrmeister in Großen-Buseck: Johannes Bamben, Drechsler-: meistcr in Strebendors; Arno Feigenspan, Friseurmeister in Ba» Nauheim: Joh. Friede. Wnrstius, Friscurmeifter in Alsfeld» Jul. Fritz, Kiiscrmeistcr in Bad Nauheim: Hcinr. Jakob, Eißseller, Seilcrnieister in Groß-Felda: Ernst Blocdncr Nachs., Willi Toctrr, in Gießen: Typograplsischc Gesellschaft in Gießen: Marie Schmidts Ttickcrciaesihäst in Gießen: Richard Menzel, Knirstwerkstatt in! Frankfurt a. M.: Alois Schmitt, Knnstwerkstcttt in Gießen: Aloyse Stahl, Stickereigesckjäst in Gießen: Gewerkschast Friedrich in Hnn-< gen: Gewerkschaft Lus« und Ilsdorf in Gießen: Gewerkschaft Luis« in Nieder-Ohmei,: Eisen«rz-A»sbercitt,n gs-System Siebel-Frcygang in Gießen: Magnus, Drahtieilfabrik in Aßlar: Gewerkschaft Sciters-t Hessen in Gießen: (N-br. Wieder, Wertzengsabrik in Ren,scheid» Gg. Schieferstein, Maschinenfabrik in Lich: I. u. D. Eifert, Wagenbauer in Lauterbach j. H.: Johannes Stumpf, Wagenbauer iw Lantcrbach i. H_: R. Sternbirg. Tciscnfabrik in Gießen: George,! GipSwcrk in Alt-Morschen: Karl Schweiler, Fabrikation vmy Küchenpräparaten in Homburg a. d. Ohn>: Wilh. Wagner, Apfel-« wcinkclterci s» Großen-Buseck: Friede. Kühler, Obstweinkelterri ins Zell; Gcbr. Bücking. AnsstattungSgeschäst in Alsfeld: Fr. Siever» Putzgcschäst in Gießen: Käthe Wcyl-Groß, Damenschneidern« iw Friedberg: Johannes Mcrschrod, Schrcinermeistcr in Lbcr-Torgp Johs. Schneider, Schrcinermeistcr in Wittelsberg: Fröbcl-Kindcr-I garten in Gießen: S. Kroth, Bildhauer in Nidda: Aug. Frees, Vcr-> iagsbnchhandiung in Gießen: F I. Arnd, Verlagsbuchhandlung int Leipzig: Heine. Echoen l., Schlosscrmcister in Gieße»: 0!. J.i Göschelische Vcrlagsbnchl>andiuiig in Berlin; I. I. Weher, Verlagsbuchhandlung in Leipzig: A. HartlebenS Verlag in Wien:! Jos. Rothschild ll.. Büntenmachermcistcr in Alsfelds Heinrichs Bläser, Werkstatt für moderne Kniiststcinhcrstettung in Kestrich',! John Schneider, Kunsttöpscrmcistcr in Marburg. 12. Lobende E r n> ä h nn n g : Johs. Hansel V!\, Schindler-t messtcr i» Diriammcii: Johannes Habcrniehl, Schindlenneistcr in! Allmenrod: Gg. Dahmer, Spengler und Installateur in OsießenA W. Schmitt, Giaserineister in ttzießen: B. Wolf, Glaserrneister ini Gießen; Paul Jor, Schreiner m Ober-Bessingen: Fr. Kehr,' Schreinermeister in Heuchclfteim: .Heinrich Bamnann, Schlosscr- meister in Gießen: Herrn. Pröschold, Schiosscrmeister in Gießen» Earl .Hvhmeicr, Schiossermcister in Gießen: Karl Bender, Schmiede-- meistcr in Rodheim a. d. Bicher: Karl Hohmann II., Drechsler-« lneister in Helpershain: Karl Repp I., Stcllmachermeister in Ru- dingshaill: Ludwig Petr». Stellliiachernicistcr in Hattenrod: Heinrich Eliinther l., Stellmachermcistcr in Rebgeshain; Ger lach, Stell-t machermeister iit Rodheim a. d. Bieber: Wilhelm Baumann I., Stellmachermstr. j„ Gettenau i. W.: Friede. Köhler, Küfermeister ins Zell: Louis Beildcr, .Kiiscrmeistcr in Kroidors: Johalines Zufalls Metallgießer in Gieße»: G. A. Belitz, Maler- »lid Weißbinder- ineisier iit Gießen: L. Petri II., Maler- und Weißbindcrnieister in! Gießen: Johs. Fink, Maler- »nd Weißbindermeistcr in Gießen» Ehr. Schmidt II., Maler und Weißbindermeistcr i» Gießen: Georgs Wagner, Maler- und Weißbindermeister in Gießen: Theo Nan-> hetmer, Maler- nnd Weißbindermeistcr in Gießen: H. LaunSpach.i Maler- und Wtißbmdermeister in Gießen: Heinr. Becker, vorml Gg. Hiervnimiis, Dckvraticnsmaier in Fricdberg: Ludwig Martin, Dekorationsmaler in Alsfeld: Julius Sicmfen, Dekorationsmaler! in Lantcrbach: Mohr, Krcisstraftenmeister in Gießen: H. Seitz I.) Knnsttopsermcister in Hombgpg «. d. Ohm: Fürstlich SoimS-Brann^ sei Asche Bergvrrrraltulig in Friedberg: Ottünziveig u. Hartmann^ Korksteinsabrik in Ludwigshafeir a. Rh.: Wilh. Hasscllxnin Gcld-- ichranksabrik in Rodheim a. d. Bieber; Georg Mandler, Schitlbank^ savrik in Heuchelheini: Ferd. Germer, Sttihisadrik in Hcuchellwim» Wagner, Schuhmachermeistcr in Gießen: St. Spier Söhn«, Garde-i robcngeschäst in Alsfeld: Frau Anna Anacker, Damcnschneidermch-! fleriu in Gießen; Minna Rabenau, Schneidermejsterin in Gießen» Witwe Marie Rcitz, Pntzgeschäst in Gießen: G. Braun, Schneider-' raeistcr in Marburg: Louis Beil, Schrcinermeistcr in Gießen; As Müller, Knnstschrcinerei in Alten-Bufeck; Gotthard Pich, Schreiners meistcr in Ebsdorf; A»g. Hohl, Tchrcincimcistcr in Gleimenhain: Wilh. Meyer-Jlschen, Verlagsbuchhandlung in Stuttgart: W. Dür^ beck Nachs. (Inh. Aib. Hößi in Gießen. 13. A u s st e I l u n g s m c d a i 11 c : I. Rcitter it. Hch. Reuter, Architekten in Lantcrbach: Gustav Hamann, Architekt 'in Gießen» Hch. .Kockcrbcck, Architekt in Gießen: Fischer u. Zipp, Architetten in Gießen: Karl Freundlieb. Architctt in Fricdberg: L. Rahrbach, Architekt in Alsfeld: Ph. NicoiauS, Architekt in Gießen: Rudolf Kreß, Bildhauer in Marburg: EarloS Tips, Kunstmaler in Dessau; Otto llbbelohde, Kunstmaler in Goßfelden: Earl Fries, Kunstmaler in Gießen: Ernst Eimer. Kunstmaler in Groß-Eichen: Frau Baurat Becker in Gießen: 28. Barthel. Kunstmaler in Gießen; JvhanneA Mauskops, Kunstmaler in Tanbhansen. — Gemeindesteuer-Rückstände. Unter den heutigen amtlichen! Tiekanntmachunge» der Stadt Gießen befindet sich auch die Mah- mcng des 2. Zieles Gemeindesteuern nnd Kanalgebühren für das Rechnungsjahr 1914. Tic Zahlung kann »och bis einschließlich 5. September 1914 bei der Stabtkasse ohne Itostcn erfolgen. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt die Beitreibnng, wobei die vorgeschrte- benen Psändungskosten erhoben werben. Wegen Erlaß des drittelt und etwaiger weiteren Zielen, der z» Kriegsleisttingen eingezogenen« Stcucrpslichtigcn wird cs sich empfehlen, aisbaid bei Gr. Finanz- Amte Gießen entsprechenden Antrag zu stellen. — Der Getreideanbau Deutschlands im Üricgssahrc, hat nachs den jetzt abgeschlossenen Erhebungen in diesem Jahre erfreulicher--« weise in den wichtigsten Getreidearten stark zngcnommen. Der Wiiiterwcizen weist m!t einen, Anbau von l 791 090 Hektar eine Steigerung der Anbaufläche gegenüber dem Ltorsahr um 44 769 Hektar aus, der Anban von Wintmroggen stieg um 92 027 Hektar aus 6 386 007 Hektar, der Anbau von Hafer nahm um 73 311 Hektar auf 4 511 466 Hektar ZN. der Anbau von Kartofseln um 50 546 Hektar auf 3471 577 Hektar, der Anbau von Klee nahm um 81687 Hektar ans 2068 778 Hettar zu. damit stieg die Anbausläche von Klee um 4,1 Prozent, der Anbau anderer Wiesen beträgt mit 5 949 735 Hektar gegen das Vorjahr 68 587 Hektar mehr. Abgcnommcn hat dagegen der Anbau von Winterspelz. Sommerroggen, Lommcrgerstc, Luzerne, Beivässernngswiesen und Gräben. Zu berücksichtigen ist, daß die wichtigsten Getreidcarten und Kartofseln sowie Klee auch im Vorjahr erheblich gesteigerten Anbau ausznweiscn hatten. Uni so zuversichtlicher werden die Erntecrträgnisse zu beurteilen sein. Aus dem Hauptviehmarkt in Franksnrt am Dienstag, auf dem seit der Mobilmachung die Preise erstmalig wieder notiert wurden, was vor allem vo„ den Produzenten nnd den mittleren und kleineren Metzgern begrüßt wurde, zeigte sich besonders ans den, Schweine- markt, wo 1635 Schweine angetricben waren, ein beträchtliches Emporfchncllcn der Preise gegenüber der letzten Notierung vor dev Mobilniachung. Vollsleischige Schweine von 80—100 Kilogramm Lebendgewicht notierten vor der Mobilmachung 02—63 Pfg., voll- fleischige Schweine unter SO Kilogramm Lebendgewicht 60—61 Psg. und solche von 100—120 Pfund Lebendgewicht 00—62 Psg. pro Pfund Schlachtgewicht, während sie heittc zu 73,75 bezw. 70,75 Psg, pro Pfund Schlachtgewicht gehandelt wurden. STrtiä Al-feld-La«rterbach. X Alsfeld. In der Sitzung des Stadtvorstandes airt Dienstag, 18. August, wirrde 8 0 des Vcvtva«gs mit der Eisenbahn- Direktion wegen Erbauung der Ba h n h o f z ns u h r st r a ß c ange- nommen. Dieser Paragraph besttmint. daß die alten Pslastersieine, die beim Ausbruch des alten SicchntwipIatzeS geivomien »»erden, der Stadt zur Verfügung gestellt werden sollen. — Der Voranschlag über die Bevlegnng der Waffrrlettnng anläßlich des Bahnhostimbmies ivird in der Höhe von 4100 Mark genehmigt. — Der Liedcntetch soll zu Jndnstricgelände hergesttllt werden, iveicke Slrbeit ans 12 000 Mart reranschlagt wird. Die Arbeit soll au-gcschrieben werden. — Die Vereinbarungen mit G. Sckstiser wegen Erl-aniing der Zusnstr- straße werden gutgeheißen. — Die erhobenen Einsprüche des (MW« Bücking und des Karl Heiser zu Alsfeld gegen dir Festlegung der Iiansluchtlinie am Liede» werden als unbegründet zurückgowiesen- —■ Für die Herstellung des SLege.z nach der Strinsirst werden 250 Mark Fm tibrigen soll mit dem Forsts,skns wegen »nrerbai-mmi bewilligt. t*S Weges durch f>i« Sdadt verhandelt nictbcn. wofür 7000 Mark gefordert werde» sollen, — Das Lsirlfchastsgesuch von ff. Krug rn Gießen wird befürwortet, d>r cs sich um llel>ergong einer bisher be- stchettdcn Konzession handelt, — Den, W, GvSlrr wird die llrrichiuug eines LumpenIagerS unter Aushebung des BeschlnffsS vor» 21. Juli widerruflich nnter den von dir. KrciogefnndhcitSrrmt gemachten Bedingungen gestattet. — Ter Pur sch lag Gr, Arei Samts Alsfeld hinsichtlich der Jeftfetznng der sttci sek oste», Zehrgelder pp, der Gemeiude- hobaminen wird gnigcheißen. Kreis Wetzlar. I, Gleiberg, Ein schwerer Unfall traf gestern unser» Gebossen, den Weisthindcrnicistcr Aug. Laust, Cr siel in der Scheuer seines Bruders so ungisicklich, hast er' sofort nach Gießen in di« Klinik gebracht werden mnstte. Lokale Parteinachrichten. Wahlkreis Giestcn-Grünberg, An die Vorstände der Parteivereine! Tie BereinAvorständc werden ersucht, möglichst sofort ein« Ausstellung darüber anzn- fertigen, wieviel Mitglieder des Vereins zu den Truppen etngczogen worden sind. Wir ersuchen uni möglichst genaue Angabe, ans der hervorgeht: Zthl der Mitglieder an, 81. Juli, Zahl derjenigen, di« bis znm 20, August c!„gezogen wurden, Cs ist erwünscht, dost die Namen der Cmgegogewon angegeben loerdeit, sowie Berus und Alter, Die Aufstellungen ivoll« man sobald als möglich au den Kassierer I, Vetters, Gießen, Bahnhoistraste 28, einsenden. Der Kreisvorstand, I, R.: Gg. Beckmamn teniber d, I, bei der Stadtkaffe zu bezahlen. Vom 7, September an gelangt das 2, Ziel zur Beitreibung, wodurch Pfändungskosten entstehen. Ueberiveisungen im Bank- und Postscheckverkehr muffen am 5. September ebenfalls bei der Stadkkaffe gut geschrieben sein, andernfalls die Beitrcibungskvsten erhoben werden. Gießen, de» 20. August 1014. Ter Ttadtrcchncr. M ä s e r. Telegramme. Brüssel in deutschen Händen. Berlin. 20. August. W. B. Die dcutschkii Truppen sind heute in Brüssel ringe,zogen. (Amtlich.) Nach einem Privattclegramm der Franks. Zig. aus Amsterdam liest in Brüssel der Bürgermeister in der Tvnncrs- tagnacht bereits Prollamatioueu anschlagen, dast die Besetzung Brüssels durch die Deutschen bevorstche. Er ermahnt zu voll koinmener Ruhe. Tic Stadtverwaltung bleibt ans dem Posten, die Bürgcrwehr ist entwaffnet; die Waffen wurden nach Anttverpen gebracht. Verantwortlicher NÄakieur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & Cic„ Gießen. Druck: Verlag Offeubacher Abendblatt. G, m. b, H„ Olkenbach a, M Schönster Ausflugsort der Rabenau. große Säle, Gartenwirtschaft. Vereinen, Touristen bestens empfohlen — Gut acpstcatc Biere. — Um geneigten Zuspruch bittet R. Schmidt. Bekanntmachung. Mahnung des 2. Zieles Gemeindesteuer und Kanalgcbühren dos Rechnungsjahr 1014. Das im Monat Juli d I, fällig geivcscn« 2, Ziel Gemeindesteuer und Kanolgebiihren kann noch bis zum 5, September 1014 einschließlich ohne Kosten be,zahlt werden. Diejenigen, die mit der Zahlung dieses Zieles noch im Ruck- standc sind, werd en hiermit gemahnt, di« Abgabe bis zum 8, Scp- Kartoffel- und Eierpreise. Icrlls auf dem um nächsten Samstag, den 22. dss. Mts. ouhier stattfindenden Wochenmarkte die Preise für erstklassige Eßkartoffeln sür den Zentner 4 Mark und im Einzelverkans sür das Psund 5 Pfennig, sür frische Landtier 1ü Pfennig das Stück überschreiten sollten, werde ick unverzüglich die Köckstpreise amtlich fostsehen. Zlie Anfsichtsbeamten find ungcwiesen, die Wefetgung dieser Anordnung aufs fäenaueste zu überwachen. Ließen, den 20, August 1914. Der Oberbürgermeister Keller. Ci nm achen.stusdewahren.ston- servleren. öie Obstverwertung.' ^ fruchlweinlierstellung usw. s Iwk, i mit Abbildungen. Ocrlag^’.ScjfncU.toarcnidrf-Cei'pjig.im'funi lyl'r. 9 E-BSKBiBSiKKeZBIBXSÄSTKaiBSS Für die Einmachezeit empfehlen wir Zslirxi-Pölgsmslll-Ps^sl Konkurrenzloses Fabrikat per 1 Meter-Nolle 15 Psg Gberhellische UoUrsteit,mg, Bahnhosstr. 23 . 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