MrheWe MMzeitW Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Obcrhessen und der Nachbargebicte. Di« Oberliciiilche Volks, cttun« erscheint jeden Werktag Abend in Giessen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 1b Big., monatlich 60 Pia. «tnidiL Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährl-EMk. Redaktion und Expedition Tieften. Babnftoiftrafte 23. Ecke LSwengaftc. Dclevbon 2008. Inserate tosten die 6 mai gespall. Koloncizcilc oder deren Raum IS Psg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bi» abend« 7 Shr für die folgende Nummer in der Expedition auigebe». Nr. 191 Gießen, Mittwoch den 20. August 1914 9. Jahrgang Völker und Ltanten. In dieser Zeit, in der wir mit qualvoller Ungewißheit die kommenden ungeheuren Entscheidungen erwarten, versucht die Phantasie vergeblich alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Aber auch ihren Kombinationen sind durch geschichtliche Erfahrung gewisse Grenzen gestellt, über die sie nicht hinausschweifen darf, wenn die Politik nicht den Boden unter den Füßen verlieren will. Niemand weiß, wie die Landkarte Europas im nächsten Jahre aüsschen wird, welche Umwälzungen.sich in den Verfassungen der Staaten, ja in der Wirtschaftsorgani- fakion der ganzen menschlichen Gesellschaft vollziehen werden, aber das eine ist gewiß, daß die großen Völker, die an dem Kriege beteiligt sind, auch nach einer Beendigung ihre Existenz behaupten werden. Tie größte Gefahr besteht für das französische Volk. Es kann die Lücken, die ihm durch die Sterblichkeit in normalen Zeiten geschlagen werden, durch den Geburtenzuwachs kaum noch schließen und besitzt außerhalb des Staates keine geschlossenen Massenansicdlungcn. Aber wenn auch der französische Staat um seine Geltung als Weltmacht kämpft, so ist an eine Vernichtung des französischen Volkes und seiner nationalen Selbständigkeit nicht zu denken. Viel günstiger als die Franzosen sind die Engländer und Russen gestellt. In den Vorteilen seiner insularen Lage und seines immer noch vorhandenen Geburtenüberschusses fügt England die gewaltigen Sicherheiten, die ihm durch seine Expansion über den ganzen Erdball gegeben wird. Die englisch sprechende Bevölkerung bildet den größten Teil der zivilisierten Menschheit. Was für England die See ist, ist für das Russenvolk die unermeßliche Ausdehnüng seines Landes. Der niedrige Kulturgrad des jungen Volkes gibt dem Ganzen eine gewisse Unempfindlichkeit und eine gewaltige Kraft der Wiedergeburt. Der Verlust von Provinzen und von Millionen Menschen kann das russische Volk noch immer nicht an seinem Lebensnerv treffen. Das Gleiche wie für die Gegner gilt natürlich auch für das deutsche Volk. Das deutsche Volk kann durch einen Krieg von viel Unheil betroffen werden, das wir alle mit angespannter Kraft abzuwehrcn bemüht sind, aber kein Gegner wird an die Möglichkeit denken, es auszurotten oder als Ganzes auf die Tauer fremder Herrschaft zu unterwerfen. Tie gegeneinander anstürmenden Gewalten sind unzerstörbar. Tie Grenzen ihrer Herrschaft können sich verschieben, ihre staatlichen Daseinssonnen können grundstürzenden Veränderungen unterliegen, aber die vier großen Völker selbst werden auch nach dem Kriege leben, und keines von ihnen wird, wie immer das Ringen enden mag, ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft ausgcbcn. Ist doch — wie die Ereignisse der letzten Zeit lehren — selbst das polnische Volk, dessen staatliche Existenz längst vernichtet ist, ein Faktor geblieben, mit dem man rechnet und ein Bundesgenosse, um den nian wirbt! Die Sieger im Weltkrieg würden ihrer eigenen Sache und ganz Europa unheilbaren Schaden zusügcn, wenn sie im llebcrschwang des Machtgefühls die festen, dauernden Tatsachen des Völkerlebens aus den Augen verlieren würden. Der beste Friede wird nicht der sein, der dem Geschlagenen die schwersten Bedingungen auicrlegt, sondern vielmehr der, der den Völkern die Möglichkeit gibt, sich nebeneinander zu behaupten und in nationaler Unabhängigkeit ihre Kultur- aufgabcn zu erfüllen. Tie Völker können einander nicht vernichten. Ihr Ziel muß bleiben, .einen Zustand zu schaffen, der ihnen gestattet, sich zu vertragen. Der Krlmpf der Flotten. Durch die Kriegserklärung Englands au Deuischland Hai der europäische Krieg ein wesentlich anderes Gesicht bekommen. Trotzdem wird diese Veränderung überschätzt, weil das allgemeine Publikum von der Technik des Flotte nkampscs noch weniger Kenntnis besitzt wie von der Technik der Sümpfe aus dein iettcii Grund und Boden. Diese Unkenntnis Hai ihren letzten Grund wieder nur darin, daß kein Land der Welt, und auch diejenigen Zander nicht, wo die allgemeine Wehrpflicht herrscht, ein wirkliches Volkshecr besitzt, das von Fugend auf mit den Waffen vertraut gemach^ wird und nur zur Verteidigung des Landes gegen den äußern" '"wd^bestimint ist. Was aber im besonderen die Unkenntnis über das Flottcnwesen beirisst, so herrscht die allgemeine Aufsassung vor, dag ihr« Krait und ihre TiegcSmöglichkciien „ach der Zahl der Schine, der Größe der Besatzung und der Qualität der Armierung belttmmt wird. Diese allgemeine Auffassung ist aber gerade in den letzicii Monaten vor dem gegenwärtigen Kriege als vollkommen vcr,chlt erwiesen worden. Es war kein Geringerer wie der englische Admiral Scott, der vor etwa zwei Monaten in den Times den Nachweis geführt hat, daß die Kriegstechnik zur Sec in letzter Zeit vollkommen revolutioniert worden ist. Admiral Scott gehört zu den größten Autoritäten der Marineivissenschasteu, er ist der be- Der Krieg! rühmte Besieger der Buren bei Labysmith und damit der eigentliche Retter der englischen Herrschaft in Südafrika. Scott gehört zugleich zu den genialsten Erfindern im Marincgeschützwesen, und sein Artikel verdient daher vom Standpunkt der gegenwärtigen Lage aus in jeder Hinsicht den höchsten Respekt. In dem angezogcnen Artikel der Times vom Anfang Juni dieses Jahres stellt Scott die einfache und knappe Behauptnirg auf, daß die gesamten, auf der Oberfläche des Wassers schwimmenden Kriegsschiffe ivertlos geworden wären durch die Entwicklung der Nntcrse:bootc, In den Unterseeboote», die ihre mörderische Gewalt, unsichtbar sür die sichtbaren Schiffe aus dem Wosicr, unter den: Wasier entfalten, sieht Scott die einzige wirksame Kriegswafse zur See, Er wies daraus hin, daß die Unterseeboote ihre Macht vor allen Dinge» dadurch enorm gesteigert hätten, daß sie in Verbindung mit Lustschiffen und Fliegern angewendet würden, er nannte die Flugzeuge geradezu die Augen der Unterseeboolc, Das Flugzeug erspäht das feindliche Schlachtschiff, gibt dem Unterseeboot das entsprechende Signal und dieses vollsührt dann, unsichtbar und unan- greisbar sür die schwimmenden Schiss«, den Angriss, Scott zergliedert« in diesem Artikel die einzelnen Funktionen der Schlacht- schifse und wies für sede einzelne Ausgabe nach, daß die Unterseeboote sie rollkommen illusorisch machten. Für den Angriss der feindlichen Häfen, sür ihren Schutz, sür die Blockade, für di« Begleitung der Landungstruppen, für den Angriff aus hoher Tee, sür die Störung des Sechandels untersuchte er so die Beziehungen der Schlachffchifse zu den Unterseebooten und kam immer wieder zrr dem Resultat, daß alle Schlachtschiffe, vom kleinsten ongesangcn bis zu den riesenhasten Dreadnoughts durch die Technik der Unterseeboote im Ernstfälle nur die Bedeutung von altem, künstlich über dem Wasier gehaltene» Eisen hätten. Dieser fachmännische Nachweis bedeutete, als er damals zuerst geführt wurde, nur die absolute Widerlegung der modernen internal,onalcu Flottcnpolitik, Er bedeutet heute aber weit mehr! Er bedeutet in diesen surchtdaren Zeiten der gegenseitigen Zerflcischung zweier Kulturvölker wie Englands und Deutschlands für Deutschst land die beruhigende Zuversicht, daß die deutsche Flotte gegenüber der doppelten Uebcrmocht der englischen keineswegs macht- und wehrlos ist, denn die Stärke der deutschen Flott«, das ist feit langem ein offenes Geheimnis, und in der Budgetkommission des Reichstages wiederholt in den vertraulichen Mitteilungen zahlenmäßig bewiesen worden, besteht gerade in der ausierqewöhnlichcn guanti- tativen nnd gualitattvcn Entwicklung der Unterseeboote, Die allgemeine öffentliche Meinung, aus dem ziffernmäßigen Verhältnis der englischen und deutschen Flottcnstärkc aus die Ucberlegcnhcit der englischen zu schließen, und die deutsche Flotte, unbeschadet des Heldenmutes unserer deutschen Arbcitsbrüdcr, die ans der Flotte ihren Dienst versehen, nur als Kanonenfutter für die englische Marine anzusehcn. ist deshalb völlig verfehlt. Wir werden überhaupt gerade in de» Kämpfen zur See vieles erlebe», was dem naiven Geiste schwer begreiflich erscheint. Tic .Kriegstechnik zur Sec ist eben durch die Entwicklung der Untcrsce- booke in der Verbindung n,it den Flugzeugen vollkommen rcvolittio- niert worden. Diele Revolution hat schon mehrere Monate vor dem Artikel des Admirals Scott auch der englische Marineminlster Churchill betont, gls er am 15, März dieses Jahres im Unterhaus das letzte ins Riesenhafte angeschwolleue englische Flottenbudget zu verteidigen hatte. Er sagt« damals: „Die Angrisssmacht des modernen Schlachtschiffes steht außer allem Verhältnis zu seiner Vertcidigungsmacht, Wenn Sic sich ein klares Bild von einem Kampfe zwischen modernen Schlachtschiffen machen wollen, dann dürfen Sie nicht an zwei gepanzerte Männer denken, die einander mit schwere» Schwertern anarcsscn. Es ist mehr wie eine Schlacht zwischen zwei Eierschalen, die mit Hämmern aufeinander lvsschlagen. Diese Tatsgchen wecken Zweitel darüber, ob d!c moderne Form der Kriegssührung zwischen diesen enormen Schissen sich nicht jetzt ihrer kulminierenden Pbase nähert." Das ist nur eine Bestätigung im voraus gewesen für das, was Scott später durch einzelne technisch« Beivelssührungen begründet hat. Für den deutschen Kamps gegen di« englisch« Flotlc ergibt sich daraus, bei aller Grausigkcit der kriegerischen Kämpfe überhaupt, doch die beruhiocndc Gewißheit, daß, wie d!c Tinge gegenwärtig liegen, die Gefahren, die uns- von der englische» Flotte drohen, keineswegs derart sind, wie sie sich die allgemeine öffentliche Meinung ohne die Kenntnis der speziellen Enttricklung der Kriegs- technik zur Sc« vorstcllt, Pressstimmen zum Mtimat«',,« Japcnrs. Die Vossrschc Zeitung sagt: Wenn Japan setzt im Jittercffe Englands akttv in den Gang der Ereignisse cin- grciscn sollte, so wird das vermutlich unsere vevcrnt- wortlichen Staatsmänner nicht allzusehr überraschen. Wir können mit kühler Gelassenheit ab warten, was Japan zu tun gedenkt. Wir haben ihni gegenüber sicher ein gutes Gcnvisscn. Wenn auch di« Zahl unserer Gegner in diesem Kriege nominell vermehrt würde, sv ist es doch klar, daß die Entscheidung über den Gang der Ercignisise einzig und allein aus dem europäischen Kriegsschauplatz fallen muß. Die Deutsche Tageszeitung sagt: Daß das Vorhandensein eines solchen Gerüchtes durch das amtlich« Wolsffche Tele- graphenbureau rerbrcitei wird, liefert einen Beweis dafflr, welche Bedeutung man dem Gerücht beimitzt. So unglaublich die Stellung eines japanischen Ultimattims aus den ersten Biick auch scheinen mag, so ist doch seftznsiellen, daß gewisse Anzeichen dafür vorhanden waren, daß die Haltung Japans gegenüber Ten!schlauch eine übelwollende zu werden begann. Im Berliner Tageblatt wird geschrieben: Tie Meldung iveiß nur von cincni Gerücht, das in Peking verbreitet ist. Man muß also alle Kominentare bis zu dem Tage vertagen, wo di« amtliche Bestätigung vorliegen wird. Natürlich besteht für niemanden ein Zivetse! darüber, wie ein Ultimatum zu beantworten märe, da? «in m> Wege lauernder Bcutejäger stellt. In demselben Blatt teilt ein zur Zeit in Berlin weilender amerikanischer Diplomat folgendes mit: „Die Nachricht von einem llltimatum Japans wäre in diplomatischen Kreisen noch unbekannt, doch scheint sie dort wicht zu überraschen. Er sagte: „Tic Vereinigten Staaten iverden ncrtürlich diese Wendung der Truge mit ganiz brsvirderer Aufmerksamkeit verfolgen. Es liegt ganz und garnicht im Interesse der Vereinigten Staaten, daß Japan und Rußland sich tm fernen Osten aus Kosten des Deutschen Reiches bereichern und dort zu allein gebietenden Mächten werden," In der K r c u z ze i t „ n g heißt es pessimistisch: „Da wir selbst- i>erständsich ntcht in der Lage sind, Japans Forderungen zu erfüll«», so bleibt unseren braven Seelen.!«», die dort aus fernem Posten stehen, kaum etwas anderes, als der ehrenvolle Untergang." In der Berliner Morgenpost liest man: „Welches auch die Haltting Japans, welches auch daö Schicksal unserer Koionien fern mag, aus den Gang der Ding« in Europa wird alles das keinen Einfluß haben". Englischc und russische Lockungen. Dänemark kriegt Nordschleswig. Dl« Londoner Morning Post enthält einen längeren Artikel über die Politik der neutralen Staaten, worin Dänemark bei einer deutschen Niederlage Rordschleswig versprochen wird. Der ganze Artikel ist Hetze gegen Deutsäsland. Das Biatt behauptet, in Ainerika fei die Stimmung gegen Dcutschllnid. Rttniänici» kriegt Siebenbürgen. Der Vosfischen Zeitung wird aus Bukarest telegraphiert: „Soeben erfahre ich von authentischer Seite, daß Rußland im letzten Augenblick das offizielle Anerbieten an Rumänien gerichtet hat, diesem, falls cs sich vom Dreibund lossage und ganz aus die russische Seite trete, als Gegenleistung für dieses Bündnis Siebenbürgen als Preis zuzuerkennen. Vorläufig werden diese Anerbietungen in den hiesigen Regterungs- krcisen mit skeptischer Kühle entgegengenommen: es ist von maßgebender Seite die treffende Bemerkung gefallen, daß Rußland, bevor es über Siebenbürgen verfüge nnd dieses als Beut« an- bietr, bester täte, pinächsi Polen seinem eigenen Reiche zu er- ha Iren" Es ist wahrscheinlich, daß Rußland solche und andere Anerbietungen gemacht hat, und cs ist erfreulich, daß Rumänien ihnen bis jetzt widersteht. Es fehlt nicht an verlockenden Anerbietungen »nd andererseits nicht an Drohungen, nm die bisher neutralen Staate» in ihrer Haltung wankend z» machen. Je eher und je inehr sich die Ucberlegcnhcit unserer Waffen Herausstellen wird, desto leichter wird es gewissen Staaten werden, in ihrer neutrale» Haltung zu verharren. Der Zar schenkt auch an Finnland. lieber Stockholm geht dem Wiener Volksblatt die Nachricht aus Helflngsors zu, daß der Gcneralgouvcrneur den finnischen Senat zum 30. August nach velsingfors cinberuscn hat zur Entgegennahme eines kaiserlichen Manifestes aus Wiedereinsetzung der autonomen finnischen Behörden. Rückzug der Russen aus Finnland. Das Leipziger Tageblatt veröffentlicht folgende Meldung aus Stockholm: „Der Zcttuna Tagen ist aus Petersburg die Meldung zugcgangen, daß die russische» Truppen auch ganz Finnland verlassen haben, nm sich im Innern des Reiches zu konzentrieren. Die Mobilmachung in Finnland gilt als gescheitert, da nur wenige Einberufene sich in den Rekruttcningsbnrcaus in Helfingsors und Wiborg gestellt haben, eine Zwangseinholung der Mannschaften aber in Ermangelung eigener ruffiscl^r Landpolizei in Finnland untunlich ist. Die in Helsingsors und Wiborg stehenden zwei finnischen Divisionen find am Montag aus ihren Stand- guarttcren ausgerückt, ohne vorher die Rescrvelruppcn cingezogen zu haben. Tic russischen Grenzwachen an der finnisch-russischen Grenze sind verschwunden, die Grenzhäuser und Magazine sind niedergebrannt." sDa die Finnen sell>er vom Milttärdienst befreit sind, kann sich der gescheiterte Mobilificrnngsvcrsuch nur auf die in Finnland ansässige» Rüsten bezogen haben. Daß auch diese dem Rufe des Zaren nicht Folge leisteten, ist durchaus nicht unwahrscheinlich. D. Red.) Die russische Operationsbasis. Die Krakauer polnischen Zeitungen teilen mit Wissen der österreichischen Militärbehörden mit, daß die russische Armee auf der Linie der Festungen Nowo Gieorgiewsk (im Norden von Warschau), Jwangorod (an der Mündung des Flusses Wicprz in die Weichsel) und Zamosc Aufstcllnng nimmt. Tie Hauptstreitkräfte versammeln sich auf der großen Opcrationslinie: Groüno, Brest, Litowsk und Kiew. Zum Obcrkommandierenöen der russischen Truppen soll angeblich der gegenwärtige Warschauer (ssencral-Goiiverneur Zylinskij anserschen sein, der bis vor kurzem Chef des russischen Generalstabs tvar und der als ein sehr befähigter Stratege gilt. Dem Hauptkommandiercndcn sollen a!L Kommandierende Generäle zur Seite stehen: mit dem linken Flügel der Kiewer General-Gouverneur Jwanoff und mit dem rechten General Rausch de Trantenberg. Einer 'Meldung and Sofia zufolge verlangt Rußland > von Rumänien freien Durchmarsch durch die Moldau, sodaß Rumänien ehestens sich f ü r oder gegen die Tripelentente werde ensichcidcn müssen. Die Pole» in Oesterreich. Der Polcnklub beschloß durch Zuruf die von der parlamentarischen Kommission vorgeschlagcnen Anträge betreffend die Gründung einer einheitlichen und öffentlichen nationalen Organifation sowie betreffend Errichtung von polnischen Legionen im österreichisch- ungarischen Heeresverbande. Ferner wurde ein von allen Mitgliedern des Polenklubs Unterzeichneter Aufruf beschlossen, in dem der Polenklub auch namens aller anderen polnischen bisher ihm nicht angehörigen Parteien auf die großen Pflichten und aus die einmütige gemeinsame und äußerste Anspannung der Kräfte des Volkes in diesem historischen Augenblick hinweist. In dem Ausrufe heißt es: „Der edle Herrscher des Reiches, unter dessen gerechter und weiser Negierung es einem Teil unserer Nation gegönnt war, ein Haides Jahrhundert lang die polnische nationale Kraft zu entwickeln, hat seine aan-e mächtige Armee zur Verteidigung der höchsten kulturellen Ideale in den Krieg entsandt. In eineni solchen Augenblicke muh die Nation beweisen, daß sie lebt und leben will, und daß sie bestrebt und befähigt ist, den ihr von Gott zugewiesenen Platz zu behaupten und vor dem Feinde zu verteidigen. Auf zur Verteidigung Eurer Freiheit und des Glaubens Eurer Väter!" In der weiteren Beratung des Polenklubs am Abend, der auch zahlreiche Mitglieder des aufgelösten galizischen Landtages beiwohnten, wurde die Gründung eines alle bisher vorhandenen polnischen Organisationen umfassenden, unter Leitung Leos stehenden Obersten Nationalkomitees beschlossen, dem Vertreter aller polnischen politischen Parteien angehören. Die Stimmung in Russisch-Polen. Das Berliner Tageblatt veröffentlicht folgenden Brief aus Warschau: „Die Marschalkowskastraße unü bi« Alle« Ujaßdowski« sind von der Bürgernxiche beschiitzt, und in allen Klubs und größeren Hotels sitzen mn die Stanimtische Polen und Inden, deine Russen sicht man sehr wenig, und sprechen freudigst über die Ereignisse der letzten Tage. Die bekannte Einnahme von Czenstochau hat di« Ausheßmigskomuisssion so erschreckt, daß di« Aushebung, die bis jetzt in Warschau war, nach Vialnstok verlegt ivurbc. Aus den Straßen sieht man iveder einen russischen Soldaten noch einen Schutzmann: die Bureaus der Behörden sind oll« gesperrt, und man kauft deutsches Geld, sei cs Metall oder Papier, zum Kurse von 1 bis 1.SV Rubel für 1 Mark. Di« Grenzwache von S l o m n i k ist sogar davongelaufen, und die Schmuggler, die jetzt alles mögliche von Deutschland und Oesterreich hcriiberschmnggeln, freuen sich, daß sie niemand daran hindert. Die Revolutionspartei, die sich P. P. S, nennt, ruht nicht seit dem Sevajeivoer Attentat und trachtet aus alle mögliche Weise der russischen Regierung Hemmnisse in den Weg zu stellen. Nicht das russische Militär hat den Pulverturm in Warschau gesprengt. nur dank der P. P. S., die dafür Sorge trug, ist das geschehen. Außerdem hat die russische Regierung vor zwei Jahren einen großen Fehler begangen, indem sie die Festung von Warschau ganz niederriß, da Häuserspcknlanlen diese Plätze kauften, und sckbst- vcrständlich wurde da genug geschmiert, um ivichtige Befestigungen abtrageu zu können. Ti« Jittcndeutur meinte, daß inan bald neue bauen wirb, damit sie wieder Geld verdient. Unglücklicherweise ist aber der 31. Juli dazivischengekommen. Das ganze politische Volk mit den Juden, und auch etn ziemlich großer Teil Russen, dl« in Polen wohnen, fühlen sich heilte schon, trotzdem Warschau noch nicht von Deutschland genommen wurde, von der Hoffnung beseelt, deutsche Untertanen werden zu können. Gestern soll sogar im Schloß des Grasen Joseph Pototzki, der Hofkämnierer des Zaren ist, eine großegehcime Zusam- menkunftallerpolurschen Adligen stattgefunden haben, die offiziell schon heut« das russische Uuiertancnium oblegen, und man wollte auf dem Schlosse schon eine deutsche Fahne hissen-. Die Revo- Iitttonspartci steht dieser Idee nahe, mid die russische Regierung ist so schwach, daß sie gegen diese Strömung ganz ohnmächtig ist. Ter Gcnevalgouvernenr von Warschau, Zyltuski, dreht seinen Schnurrbart nicht mehr hoch, und zum größten Erstaunen spricht er seit gestern nicht mehr russisch, sondern nur polnisch. Nachts wurden die russischen Straßcntafeln abgerissen, imö keinem fiel cs ein, jcmoiid daran zu hindern. Oesterreich zeigt seine Macht den Russen auf der wolhyni- schen und pcdoli scheu Grenze, wo bas Volk meist aus Tschechen und Juden besteht, die große Freude bekunden, in der Hoffnung, daß eine ander« europäische Macht Über ihnen ivastcn wird. In Radziwlow. drei Stunden von Lemberg, haben die russischen Polen den, österreichischen Detachenienl Brot und Salz entgegengcbvacht, imü die Oestcrrctcher, die schon gestern vor der Rownoer Festung standen, werden aus den Straßen mit Jubel empfangen und hofseu, baß sie in zwei Tagen die starke R o w u o e r Festung, wie die Deutschen Lüttich, ciuuehmcn werden. Dl« Oesterreicher haben das Bahnuetz bis Stolbonomow schon tu Besitz, und wenn stc Roivno bewältigen, so ist auch Kiew genommen. In Kiew freut sich alles darauf, denn dort leben sehr viel Dentsche, die zum russischen Glauben übergegangcn sind, »nd soviel ich höre, soll der Gouvernenr aus Krem in den letzten Tagen sein Amt uiedcrgelcgt haben, bas der Polizeimrister übernommen hat." Russische Hinterlist. Ein sehr gut unterrichteter Kenner der Verhältnisse in Russisch-Polen schreibt der Frank. Ztg.: Durch alle Zeitungen geht die Nachricht, daß nunmehr auch in Polen deutsche Truppen aus dem Hinterhalt beschossen worden seien. Vielleicht wird es für die Orientierung in diesem großen Kampfe nicht ohne Bedeutung sein, wenn ein sehr genauer Kenner der dortigen Verhältnisse Ihnen diese greuliche Tatsache zu erklären versucht. Man wußte in Polen längst, daß die Russen im Ernstfälle die extrem russcnfcindlichen polnischen Grenzbezirke so- fort preisgeben würden. Ebenso wußte man aber auch, daß die russischen Machthaber alles aufbieten werden, um das Einvernehmen zwischen den einrückenden deutsch-österreichischen Armeen und der Bevölkerung Polens zu verhindern. Agents provocateurs, eine beliebte echtrussische Beamtensorte, sollen alles aufbieten, um den jahrhundertelangen Haß dieser Bevölkerung gegen den moskowitischen Unterdrücker nach der anderen Seite zu lenken. Die deutsche Armee soll zu Repressalien gereizt werden, das polnische Volk die zuerst bejubelten Befreier als noch furchtbarere Unterdrücker barbarischer Kriegsführung kennen lernen. Soll diese bestialische Berechnung glücken? Soll zwischen den natürlichen Verbündeten von heute die Fackel des Hasses, durch gedungene Mörder geworfen, wirklich aufflammen? Die schuldigen Banditen bestrafe man mit der unerbittlichsten Strenge. Aber man tue den russischen Hunnenfürsten nicht den berechneten Gefallen, die Bevölkerung Polens für die von ihnen geschickten Agenten bluten zu lassen. Zumal in dieser Zeit, da diese Bevölkerung nichts anderes sehnlicher herbeiwünscht, als den bisherigen geheimen Kampf gegen das barbarische offizielle Rußland zu einem offenen verwandelt zu sehen. Feststellung der Gewalttätigkeiten gegenüber Deutschen. (Amtlich.) Ter Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär Delbrück, erläßt folgenden Aufruf: Durch die deutsche Presse gehen zahlreiche Nachrichten über Gewalttätigkeiten, denen unsere Landsleute an Leben, Leib und Gut in den ersten Tagen des August in Belgien ausgesetzt waren. Das öffentliche Interesse erfordert cs, daß amtlich fpstgestellt werde, inwieweit diese Nachrichten auf Wahrheit beruhen. Es ergeht daher hiermit an alle diejenigen, welche aus eigener Wahrnehmung Mißhandlungen oder Grausamkeiten der belgischen Bevölkerung und der Behörden gegen deutsche Reicbsangehörige oder Angriffe auf ihr Eigentum bezeugen können, die Aufforderung, ihre Wahrnehmungen bei der Polizeibehörde ihres Aufenthaltsortes zu Protokoll zu geben. Die Landesregierungen sind ersucht worden, die Ortsbehörden mit der Entgegennahme von Bekundungen zu beauftragen und die Protokolle an das Reichs- amt des Innern gelangen zu lassen. Von der patriotischen Gesinnung und der Wahrheitsliebe des deutschen Volkes wird erwartet, daß alle diejenigen, aber auch nur diejenigen, die wesentliche Mitteilungen ans eigener Wahrnehmung zu niachen haben oder zuverlässige Nachrichten erhalten haben, der Aufforderung bereitwillig folgen. Behandlung Deutscher in England. Gehclmrut Bergmann, der Direktor der Bergmann-Elek° tiizttätSgesellschaff schildert in Berliner Morgenblättern seine Erlebnisse in Ennlcintz während der Heimreise von Newpork noch Deutschland. Alle 49 deutsche Possagiere, di« auf dem englischen Dampfer „Oceauic" nach Europa zuriickkehrtcn, wurden in Southampton von Bord geholt und unter militärischer Bewachung »ach Winchcstcr gebracht. Dort wurden sie ins Gefängnis geworfen und brachten drei Taac in Einzelhaft zu. Die Verpflegung bestand nur aus Tee und etwas Brot. Sämtliche Gefangenen mußien sich einer körperlichen Untersuchung unterziehen. Beschwerden beim Gouverneur gegen die mangelhafte Vcrpslegung und die aller Beschreibung spottende Behandlung durch die Soldaten fruchteten nichts. Die Zellen, in denen sonst schwere Verbrecher interniert wurden, waren in schlechtestem Zustand. De» in Deutschland wohnenden Angehörigen durften keine Nachrichten zugcsandt werden, und erst mii vielfache Bitten und Drohungen erklärten sich die leitenden Offiziere bereit, den amerikanischen Konsul in Southampton herbeczuholen. Diesem gelang cs nach langen Mühen, die deutschen zu befreien, die nach viertägiger Gefängnishaft nach Southampton zurllckgebracht wurden. Tvrt wurden die anderen deutschen Männer und Frauen als englische Kriegsgefangene zurück- gehalten. Gchcimrat Bergmann gelang cs, auf einem holländischen Dampfer die Heimreise sortzusetzen. Aus Elsaß-Lothringen. (W. B.) Der Gemcinderot der Stadt Metz faßte eine Entschließung, in welcher er in scharfer Weise Stellung nimmt zu den auf Militärpersonen vorgekommenen Attentaten, und in der es u. a. heißt: „Einmütig und aufs schärsste »er« urteilt der Gemeinderat der Stadt Metz solch ruchlose Attentate, die jedem Bürger die Schamröte in das Gesicht treiben und ihn mit Abscheu erfüllen. Wer die Hand gegen die Beschützer unseres Landes und gegen seine eigenen Landeskinder erhebt, der ist kein echter Lothringer, kein echter Deutscher. Nur Meuchelmörder, die unbekümmert um das Schicksal ihres heimatlichen Bodens absichtlich und böswillig verkennen, was unser lothringisches Land dem Deut- scheu Reiche verdankt und schuldig ist, können zu solchen. Schandtaten fähig sein. Solche Scheusale haben jede Gemeinschaft mit dem Lande und ihren Blutsgenossen verloren. Der Gemeinderat der Stadt sieht es einmütig als seine höchste und heiligste Pflicht an, seine Zusammengehörigkeit mit der tapferen deutschen Armee, innt welcher unsere eigenen Söhne für Kaiser und Reich und für die Zukunft unseres lieben deutschen Vaterlandes kämpfen, bluten und siegen, offen und laut zu bekennen. Ihre Gefühle für das mächtige Deutschland, dessen Geschick mit dem unsrigen untrennbar verbunden ist und bleiben soll, und dem sie mit Stolz und in unwandelbarer Treue angehören, faßt unsere Stadtverwaltung und der Gemeinderat zusammen in dich Worte: Seiner Majestät, unserem geliebten Kaiser Wilhelm,, geloben wir aufs neue unverbrüchliche Treue und Gehorsam und wünschen von ganzem Herzen, daß Gott unsere tapferen, Truppen von Sieg zu Sieg führen werde." Die Entschließung ist von dem Bürgermeister Dr. Foret, der selbst aus alt-lothringischer Familie stammt und denr, Gemeinderat, unter welchem sich ebenfalls zahlreiche Einheimische befinden, unterzeichnet. Atisnahrnczrisiand in den Schutzgebiete». Ter Reichsanzeiger veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung über den Ausnahmezustand in den Schutzgebieten Afrikas und der Slidsee, Das niildgcstimmte Kriegsgericht. Am Samstag trat in Saarbrücken das außerordentlichc Kriegsgericht zusammen, das sich u. a. auch mit einem im Mititärverhält- nls stehenden Mann beschäftigte, der „Vive la France!" gerufen, hatte; er wurde f r e i g c s v r o ch e u. Das Gericht nahm zu seinen Gunsten an, er habe die Bedeutung dieses Ausrufs nicht ge« kannt. Eine opferwillige Stadt. Ter Magistrat von Breslau hat der Stadtverordneten» Versammlung die Bewilligung von 10 Millionen Mark füf die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln beantrage iy 2 Million Mark als Kosten der Einquartierung, 3s/> Millionen Mark Unterstützung der Familien eingezogener Mannschaften und 200 000 Mark für den nationalen Frauendienstz Der Ritualmord-Staatsanwalt gcsange». Aus Berlin wird gemeldet: Unter den russische» Gefangenen: im Döberltzer Barackenlager beflntet sich neben anderen höheren russischen Beamten auch der Vertreter der Anklage ln dem bekamt« ten Ritualmordprozeß gegen Beilis, Staatsanwalt Tschapllnski. „Deutsche Damen." Wir teilten schon mit, daß der Berliner Polizeipräsident eine Verordnung gegen diejenigen „Damen" erlassen hat, die sich nach Art der Prostituierten an die Soldaten hcrandrängen. Tie ersten Transporte gefangener Franzosen und Belgier zeigten, daß die Vorliebe gewisser Damen für das bunte Tuch sich nicht nur auf deutsche, sondern auch aus die krieqsgcfaugenen fremden Soldaten! erstreckt. Das Generalkommando des Württembergische» Armeekorps erließ folgende Bekanntmachung: „Tie unwürdigen und beschämenden Szenen, die sich beim Eintreffen der französischen Gefangenen, namentlich von weiblicher Seite zugctragrn haben, veranlassen das Generalkommando, bekanutzugeben, haß weibliche Personen, die sich an Gefangene iw würdeloser Weise herandrängen, von den Aussichtsorganen festzuhalten sind, und daß ihre Namen dem Generalkommando zur Veröffentlichung in den Zeltungen mltgetellt werden." Auch der Major Breitcnbach in Elberfeld sah sich veranlaßt, den, Bahnhofskommandantcn folgenden Befehl zugchcn zu lassen: Afra ja. Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 38 So viel war gewiß, daß dieser keine eigennützigen Absichten haben konnte. Ein Gefühl der Dankbarkeit mochte ihn leiten, denn Marstrand hatte ihm Gutes getan, als er hilflos in seinen Händen war, und was die Dankbarkeit nicht der- mochte, tat vielleicht der rachsüchtige Haß gegen Helgestad, den Schreiber und den Vogt. Darum befestigte sich die Ueberzeugnng in ihm, daß Afraja ihm sicher helfen würde, sollte Helgestad ihn verderben wollen, und wenn er auch nicht an die Schätze glaubte, mit welchen der alte Lappe geprahlt hatte, so zweifelte et: doch nicht, daß in der unermeßlichen Felsenwüste genug Silber verborgen sei, um Helgestads böse Gelüste zu Schanden zu machen. Ein Mann, welcher so große Herden besaß und so wenig Geld ausgab, mußte jährlich be- deutende Summen sparen, und wenn es wahr war, daß er aufgesimden hatte, was seine Väter und Vorväter nach lappischer Sitte ihr ganzes Leben über im geheimen der- gruben, mußte er allerdings über Reichtümer gebieten können. Er fand Afrajas Rat, den Betrüger zu betrügen, ihn zu benutzen, bis er sich entlarvte, seine Hilfe und sein Geld anzunehmen, bis er beides nicht mehr geben wollte, endlich vollkommen richtig, klug und den Umständen angemessen. Denn wo war ein Beweis dafür, daß es der alte schlaue Kaufmann wirklich nicht ehrlich meine? Mit welchem vernünsti- gen Grunde sollte er eine so großmütige Teilnahme »nd Hilfe zurückweisen, die kein anderer Mensch ihm leisten wollte und leisten konnte, und wie mochte er cs wagen, einen Mann durch Mißtrauen zu beleidigen, der ihm fortgesetzt bisher nur Gutes erzleigt hatte?! So sah er sich in der glücklichen Lage, ruhig den Verlaus der Dinge abwarten zu können und sein lebhafter Geist trieb ihn an, mit voller Energie das Gebotene zu benutzen. Helge- stad hatte nicht unrecht, daß in diesem jungen Mann Gotte- Gnade weit mehr Geschick zu einem Harschenden Kaufmanne wie zu einem guten Kammerjunkcr gelegt habe, denn als er jetzt die steilen Felsen hinaufstieg, die den Lyngenfjord ab- schließen, fühlte er eine Sehnsucht nach dem frischen Grün und dem prächtigen Walde der Balself und träumte sich tief in alle die Herrlichkeiten hinein, welche dort durch seinen Fleiß, sein schöpferisches Talent und durch Helgestads Speziestalclr entstehen sollten. Er sah die Schneidemühlen schon in Arbeit, hörte die Holzfäller schon arbeiten, blickte in die kleinen Täler nieder, wo seine zahlreichen Kolonisten und Lehnsleute wohnten, und phantasierte sich seine Warcnbänscr vor, seine Niederlagen, seine Jachten und Boote, die den Fjord hinab- und hinaufgingen, und seinen stattlichen Gaard, der unter hängenden Birken lag, mit dem Gärtchen voll Reseda, Nelken, Levkojen, und die reifenden Fruchtfelder im Schutze der ge» segneten Bucht, als siehe das alles schon fix und fertig da. Sein Herz schlug lebhaft bei dem Gedanken, trotz seiner Feinde List und Stärke den Schlimmsten Achtung abzu- nötigen und sich nicht unterdrücken zu lassen. „Habe ich nicht Glück!" rief er aus, „Götter und Menschen sind mit mir! Hclgestad wirft mir seine Silberstllcke in den Schoß, und Afraja verheißt mir den Beistand Jubinals, in dessen Paradies ich wohnen soll. Wenn der eine mich verläßt, wird der andere mir seine Manna bringen, »nd Gula?" — Er stand still, sah nach der Klippe empor, die Jldas Bank trug, in deren Nähe er sich jetzt befand, »nd glaubte hinter den hängen- den Zweigen der schwarzen Tannen eine Gestalt zu erkennen, die dort auf der Steinbank saß. Seit jenem Tage, wo Gula ihn hierher geführt, hatte er seine Spaziergänge nicht wieder so weit ausgedehnt. Damals lag die Schlucht voll Eis, und die Kuppen und Seiten der Berge'waren dicht in ihr winterliches Kleid gehüllt, jetzt trugen mir die hohen Fjellen, aus deren Mitte der kantige! Kegel des Kilpis ragte, noch ihre langen, blendenden! Schleppen. Die Sonne schien warm und freundlich auf die tiefen Buchten und Vorsprünge, junges Gras und schlanke Halmen sproßten in den Gründen une> Felsenspalten, und als Marstrand über die Stufen schritt und das kleine Plateau erreichte, fand er es mit sammetweichem Rasen bedeckt. Sein nächster Blick siel auf die Bank. Er hatte sich nicht getäuscht. Gula saß dort, und einige Minuten blieb er zweifelhaft, ob er sic anreden oder sich entfernen sollte. Sie schien ihn nicht gesehen zu haben, als er hinter dem Felsengrat an der Schlucht hinaufstieg und ihn auch jetzt nicht zu bemerken. Den Kopf nicdergebcugt, hielt sie die Hände gefaltet in ihrem Schoß. Ihre schönen dunklen Flechten glänzten von dem einsamen Sonnenstrahl, der durch den Schattenkreis der Tannen auf sie niederfiel. Mitten in dem lichten Grün des freundlichen Plätzchens, mitten in dieser abgeschlossenen Stille, ans dem Fclsensöller, der hoch über den blanken Fjord hing, in welchem des Himmels Bläue und die dunstigen Frllhlingswolken wiederspiegelten, machte ihr Anblick einen wehmütigen Eindruck auf den dänischen Herrn. Alles Mitleid und alle Teilnahme, die er für dies verlassene Mädchen je gefühlt, regten sich in seinem Herzen. Er trat ihr einen Schritt näher, und seine Hand ausstreckend, nannte er leise ihren Namen, bei dessen Klang sie, wie elektrisch berührt, aufsprang und ihn verwirrt anschante, eine Bewegung machte, als wollte sie entfliehen und dann, wie ermattet und unfähig, ihren Entschluß auszusühren, ihre Arme sinken ließ. Im nächsten Augenblick aber verwandelte sich der ängstliche Ausdruck ihres Gesichts in Freude. Ein Lächeln des Glücks schwebte um ihre Lippen. Marstrand glaubte etwas von dem sonnenhellen Glanze zu empfinden, der ans ihren Blicken über ihn hinlief, als er zu ihr sprach. (Fortsetzung folgt.) Deutsche Frauen und Mädchen habe» sich bei Durchfahrt von Kricäsaefan-ienen teilweise würdelos benommen. Ersuch« Bahn- hosskommandonten. in schärfster Weise einzuschrcitcn. sobald unsere nationale Ehre durch solch« Elemente angctastct wird." Es wird uns berichtet, das, cs sich um Damen der sogenannten bessere» Gesellschaft handelt, .die sich in dieser ausdriuglichcn We se an die fremden Kricqcr hcrainumachen suchen. Es ist das derselbe Schlag sensationslüsicrer Weiber aus den lchhcrcn Bürger- ichichtcn, die sich auch um die Gunst der männlich«,, Mitglieder erotischer Völkertrupps rausen, die von Zeit zu Zeit zur Schaustellung durch Deutschland ziehen. Es ist ihnen natürlich nicht darum zu tun. irg«nd welche Not zu lindern: ganz im Olegen- teil: die einheimischen Notleidenden. Arbeitslose oder arme Arbeiterfrauen, die sic um Linderung ihrer Not ansprächen, wiirden wahrscheinlich von ihnen abgcwiesen werden, Repressalien. In der Nacht zum Montag wurden in der belgischen Ortschaft V i s e ein deutscher Offizier und ein Unteroffizier von belgischen Einwohnern getötet und sechs Mann verwundet. Darauf wurde Vife eingeäschert und die Einwohner nach Aachen gebracht, wo über ihr Schicksal entschieden werden wird. Björn Björm'on für Deutschlands Sache. Björn Björnson. der Sohn des Dichters Björnstjerne Björnson, verösscntlicht im Morgenbladct eine» Brief, der mit starkem Ge- rcchtigkeilssinn für die deutsche Sache cintritt. Björnson sagt: Wenn man von dem russischen Doppelspiel liest, bann begreift man Deutschlands unermeßliche» Zorn über die gebrochenen russischen Ehrenworte nnd die Friedcnstclegramme des Zaren. Der Zorn über Ruhlands heimtückisches Vorgehen sei unbeschreiblich gewesen. Die Deutschen fühlten, dass der Kampf gegen Rußland ein heiliger Krieg sei. Björnson schildert scrncrhin in dem Artikel mit Äiewunderung das Funktionieren des deutschen Militärapparats. Dieses Rubrikwescn. das so kalt und unpersönlich gewirkt hätte, sei in diesen Tagen genial geworden. Die einmütige Stimme des Volkes gibt Björnson mit folgenden Worten wieder: All«, die in den Krieg müssen, strahlen vor Begeisterung. Ich habe unter Tausenden hier keine einzige Ausnahme gesehen. Alle marschieren in taktfester Disziplin, glücklich in dem festen Glauben auf Deutschlands gute Sache zu den Grenzen. Ich sprach mit den verschiedensten Menschen, sie sind alle zusammen gleich, Arbeiter und Mittelstand, es besteht kein Unterschied mehr und b«i jedem neuen Feind, der sich tagtäglich meldet, werden sic nur noch sicherer und fester in der Kampfeslust. Bei den Zurückbleibenden besteht derselbe Eindruck, es herrscht keine Verzweiflung, sondern imponierende Ruhe. Das ist das große Volk, lo gehen sie in diesen Krieg, einen der größten der Weltgeschichte, de» je ein Volk auf einmal durchzukämpsen hatte. Björnson schließt mit den Worten: Gesetzt den Fall, Dcutsch- unb Oesterreich würden verlieren, so wären es England und Frankreich, welche dem Henker seine Opfer geben würde». — Mein Herz blutet. Landsturm und Honved in Oesterreich Ungarn. An der Spitze des Amtsblcittcs in Budapest erscheint ein allerhöchster Befehl, in dem angeordnet wird, daß die ungarische Honvedtruppe und der Landsturm während der ganzen Dauer der Mobilisierung im Bedarfsfall auch außerhalb der Landcsgrenzen verwendet werden könne: Die Kämpfe bei Schabatz. Ein Tcilikehmcr der Kämpfe bei S ch a b a tz teilt dem Neue» Bester Journal mit, daß der erste Sturm auf die serbischen Truppen von sechs Bataillonen Jnfmrtcri« der österreichisch-ungarischen Arm«e ausgeführt wurde. Tie regulären serbischen Truppen flutet«» stadteinwärts. Die Abwehr des Ucberganges über die Save mar ausschließlich den mit Handschar und Handgranaten bewaffneten Komi- katfchis überlassen, mit denen es wiederholt zum Handgemenge kam, wobei die österreichischen Soldaten zumeist an den Händen verwundet wurden. In Schabatz selbst beteiligte sich die Bevölkerung durch Bombenwürfe an den meuchlerischen Ueberfällen auf unsere Truppen. In eurer fünf Stock hohen Dampfmühle waren über 000 Komitalschis verborgen, welche auf unsere Truppen schossen. Alle Insassen der Mühle wurden nicdergcschosscn oder fanden in der in Brand geratenen Mühl« den Tod. Durch den Sieg von Schgbatz ist der Weg in das Innere Serbiens gesichert. Englische Pretzlügen. Die Nordd. Allg. Ztg. schreibt unter der Uebcrschrift „Englische Preßlügcn gegen Deutschland": Der Leiter der großen amerikanischen Zeitungsverbindung Associated Preß New Bork, Melwille Stone, richtete unter deni 14. Augnst an den Reichskanzler folgendes Telegramm: Erzcllenzl Da die englische Regierung täglich Preß- berichte über den Fortgang des Krieges ausgibt, so würden uns ähnliche Berlantbarnngcn von der deutschen Regierung sehr angenehm sein. Der Reichskanzler antwortete: Deutschland ist voin internationalen Nachrichtenverkehr aögeschnittcn. Es kann sich gegen Lügen nicht verteidigen nnd vertrant darauf, durch Taten die Falschheit seiner Feinde zu erweisen. Es dankt jedem, der die Wahrheit verbreiten hilft, In früh gejnbelt! Nach dem Einmarsch der Franzosen in Mülhausen, dem bald unter dem Feuer der deutschen Kanonen und dem Sturm unserer Bataillone ein böses Erivachen aus kurzem Traume solgcn sollte, richtete der französische Krlcgsrni niste r au General Jofsre folgendes Telegramm: „Der Einmarsch französischer Truppe» in Mülhausen unter dem Jubel der Bevölkerung hat ganz Frankreich in Enthusiasmus erzittern lassen. Ich habe die scstc Neberzeugung, daß der weitere Verlauf des Feldzuges uns Erfolge bringen wird, deren militärisch« Tragweite diejenige brr heutigen Waffentat noch übersteigt. Ihr glänzender Angrifs zu Beginn des Feldzuges gibt uns aber die moralische Gewißheit weiterer Erfolge. Ich bin äußerst glücklich. Ihnen im Namen der Regierung unsere ganze Dankbarkeit auszusprechen." Tie Russe» srieru laut die Eroberung einer deutschen Fahne, die sic in dem Gefecht bei Marggrabowa erobert haben wollen. 'Es handelt sich um «ine Fahne, die bei feierliche» Gelegenheiten aus dem Postgcbäudc aufgezogen wurde. Das Wiener Frenidenblatt schreibt: Große Heiterkeit erregt hier die Tatsache, daß das französische K ricgsm inist e r i u m einen Bericht an di« Pariser Blätter versandt hat. in dem es heißt, der Zar habe das Königreich Polen wieder h erde stellt und der österreichisch-ungarischen Arme« sei es trotz der größten Anstrengungen nicht gelungen, Russisch-T a r n o p o l in die Hände zu bekommen. Das französische ÄrtegSministerium weiß oucnbar nicht, daß Tarnopol eine galt zische Stadt ist und baß Oesterreich-Ungarn es nicht nötig hat, die Stadt Tarnopol erst zu erobern. Wie steht's mit Japan? Japanische Studenten verschwinden aus Deutschland? Die Japaner, die an der Universität Marburg a. d. Lahn studierten und die trotz ihrer nicht bedeutenden Anzahl in der Stadt sehr bekannt waren, sind seit einigen Tagen Plötzlich unsichtbar geworden . An der Münchener Universität waren im vergangenen Semester 46 Japaner als Medizinstudenten immatrikuliert. Diese sind in den letzten Tagen, nachdem man sie in den klinischen Instituten bisher fleißig arbeiten lieh, a b g e r e i st. Sic haben den Weg über Holland gewählt. Entgegen den Ableugnungen des japanischen Generalkonsuls in Berlin steht es fest, daß die Japaner, die in großer Anzahl in Halle studierten, schon seit 10 Tagen ihre Abberusungsbefchle erhalten haben. Schutz der Japaner i» Berlin. Das Berliner Polizeipräsidium ordnete gestern abend an, daß die japanische Botschaft mit einem starken Polizei- kordon zu umgeben sei. In der 11. Nachtstunde waren alle Räume des Botschafterpalais beleuchtet. Man konnte von der Straße aus sehen, wie in allen Räumen gearbeitet wurde. Die Räume des Berliner Nipponklubs sind schon seit einigen Tagen fast gänzlich verwaist. Im Interesse der in Ostasien lebenden Deutschen muß man den dringenden Wunsch aus- sprechen, daß die in Berlin weilenden Japaner vom Publikum unbehelligt bleiben. Serbische Trauer ist bulgarische Freude. Tie Nachrichten von den Erfolgen Oesterreich-Ungarns in Serbien sind in Sofia mit großer Genugtuung ausgenommen worden. Das Publikum bespricht sie lebhaft und kann die Niederlage Serbiens kaum erwarten. Meuterei in der russischen Kriegsmarine. In Sofia sind vcrtraucnslvürdigc Nachrichten eingc- laufcn, wonach unter den Mannschastcn der Schwarzen Mccr- Flottr eine Meuterei ausgcbrochcn sei. Tic Stadt Odessa soll in Flammen stehen. Die Dardanellen. Di« Pforte hat an all« ausländischen Vertretungen ein« Note gerichtet, tu der sie erklärt, daß olle Han-delsschrffe. die die Dardanellen passieren, ihre Apparate siir drohtivse Telegraphie am Lande zurück- lassen inüsscn und sse aus der Rückfahrt wieder an Bord nehmen können. Vor Erlaß der Note hatten die Marinebehörden von dem in den Dardanellen liegenden französischen Paketdampfer Saghalsen die Ist-parate für drahtlose Telegraphie entfernen lassen. Ein Rekord. Die Witwe Sahra Gchnitz in Mühlbach bei Karlstadt schickt 11 gedient« Söhne ins Feld; ein Enkel hat sich freiwillig gemeldet. Hessen und Nachbar gebiete. Gickst,tt und Nmgckbuug. Eine Fefinageluug der russenftetttt-licheu Hefieuregierung. „In ganz Deutschland ist man einhellig der Ansicht, daß dem Zaren die Hauptschuld an diesem Kriege beizumessen ist: in seiner Hand lag die Entscheidung. Ans dem Weißbuch, das dem Reichstag vorgelegt wurde, geht dies unzweifelhaft hervor, ganz besonders aus dem Depcschcnwechsel zwischen dem Kaiser und dem Zaren. In welch unwürdiger nnd hinterlistcr Weise ist nicht unser Kaiser vom Zaren hinter- gangen worden! Selbst unsere Feinde, sogar englische Blätter haben dies zugeben müssen. In der hessischen Bevölkerung verurteilt man einmütig vas Verhalten des Zaren. Anders scheint es mit der hessischen Regierung zu stehen. Sie nimmt noch den Zaren in Schutz, allerdings mit einem Mittel, das wenig hilft, denn die Wahrheit läßt sich nicht unterdrücken nnd ist durch zahlreiche andere Quellen doch ans Licht gekonimen. Das aintliche Organ der hessischen Negierung, die Darmstädter Zeitung, hat cs nämlich fertig gebracht, ihren Lesern wichtige Teile aus dem Weißbuch der Reichsregicrung einfach zu unterschlagen, vor allein den Depeschenwechscl zwischen den beiden Kaisern. Dem amtlichen Organ wird man nicht den geringsten Vorwurf machen dürfen und seine Redakteure handeln nur nach einer Anweisung. Bekannt ist ja, daß die Darmstädter Zeitung seit Jahren keine Nachrichten über Rußland nnd Montenegro veröffentlichen darf, die etwas Ungünstiges über diese Staaten enthalten. Vom Staatsministerium aus wird eine äußerst strenge Kontrolle darüber geübt, sodaß man die Rubriken „Rußland" und „Montenegro" zumeist vergeblich in diesem Blatte sucht. Merkwürdig bleibt, da die Darmstädter Zeitung amtliches Organ der hessischen Staats- und Kirchcnbehörden ist, daß aus diesen Kreisen noch niemals ein Protest laut geworden ist. Sollten sie mit einer derartigen Bevormundung und Unterdrückung der Wahrheit einverstanden sein?! Würde man in Deutschland cs für möglich halten, daß ein Bundesstaat cs fertig bringt, eine amtliche Publikation, an deren Verbreitung die Reichsregicrung das allergrößte Interesse hat, zu unterdrücken, oder nur verstümmelt bekannt zu geben?! Aus dem Weißbuch hat die Reichsregierung einen Auszug Herstellen lassen, der durch das Wolffsche Tclegraphcn- bureau verbreitet wurde und den alle, selbst die kleinsten und die sozialdemokratischen Blätter veröffentlicht haben. Nur das amtliche Organ der hessischen Regierung veröffentlicht einen Teil davon und unterschlägt ihren Lesern, wie schon gesagt, den Depeschenwechscl, und damit zugleich ein Dokument von weltgeschichtlicher Bedeutung und eine der wichtigsten Quellen unserer Zeitgeschichte. Nahezu 14 Tage sind seitdem ins Land gegangen. Man hat leider nichts davon vernommen, daß hessische Bcanite Einspruch hiergegen erhoben haben: man hat aber auch nichts davon gehört, daß die hessische Negierung auf andere Weise den Inhalt des Weißbuches bekannt gegeben hat. Auf jeden Fall wäre zu wünschen, daß die Reichsregicrung oder auch wohl der preußische Gesandte, die hessische Regierung darauf aufmerksam machten, was sie Kaiser Wilhelm und dem Reich schuldig sind. Ist cs nicht geradezu eine Beleidigung des Kaisers, wenn man derartig wichtige Meinungsäußerungen von ihm unterschlägt?! Es ist zu hoffen, daß in ruhigeren Zeiten der Landtag sich einmal mit der Angelegenheit befassen wird, die eine Blamage für Hessen ist." Diese Bloßstellung der hessischen Staatsregierung ist zu lesen in einem führenden Blatte der bisherigen Regierungspartei Hessens, im nationalliberalen Darmstädtcr Täglichen Anzeiger, dem Organ des Herrn Dr. Osann. Wir haben der hier geübten Kritik nicht ein einziges Wort hinziizufügens Erinnern wollen wir nur daran, daß bisher die Sozialdemo^ kratie die einzige Partei war, die das zarenfreundliche Verhalten der hessischen Regierung gegeißelt hat und daß sie deshalb gerade von den Nationalliberalcn wegen angebliches Staats- rind Vatcrlandsfeindlichkeit denunziert worden ist. Wie sehr die Zeiten sich ändern und wie man es jetzt selbst in ganz loyalen Blättern für erforderlich hält, gegen nahc^ Verwandte des Fürstenhauses wegen Verrats am Deutschtum vom Leder zu ziehen, das zeigt folgender Artikel in der konservativen Neuen Tageszeitung in Fricdbcrg: „Bist doch ein ehrlos erbärmlicher Wicht! Im Gegensatz zu den zwei vorbeiianulci, dcutsäM Prinzen bewegt sich -er Prinz Ludwig von Battenberg, ein „Tentscher Prinz",' der als Admiral der englischen Flotte im Dienste unserer Feinds steht. Sem Vater war Prinz Alexander von Hessen, ein cchtev deutscher Mann, der im österreichisch-französischen Feldzug 18501 wacker an der Seit« Oesterreichs stritt: i«m Bruder ivar Alexander von Battenberg, der bekannte Fürst von Bulgarien, auf den eben- falls jeder Dentsch« stolz sein kann. Prinz Ludwig dagegen sühll! und denkt englisch. Nicht allein, daß dieser Schuft — man verzeihe den Ausdruck, aber wir haben keinen anderen — au der Sette! Frankreichs englisclie Schisse gegen das Land führt, wo seine Wiegq gestanden hat, es wird jetzt auch bekannt, daß er auserkoren ivar, im August zu Tt. Petersburg de» cndgiltigcu Bund zwischen England und Rußland zn schließen, der Tod und Verderben und «0 nameuloses Elend über die deutschen Land« bringen sollte. Dev Prinz sollte englische Transportschiff« anbielen, um damit vor der Kriegserklärung russisch« Truppen nach Pommern zu schmuggeln: Es gibt kein Wort, das kräftig genug ist. den Abscheu vor einem solchen ötesellcn auszudrücken. Aber noch ein« Frage: Dem Prinzen gehört das Schloß Heiiigenbcrg mit um sang reichem Bet sitztum i» Jugenheim. Während Tausende von deutschen Familien, väter ans dem Ausland« zu den deutschen Fahnen eilen uud ihr Geschäft, Hab und Gut den, Feinde überlassen, soll diesem vater« land-losen Gesellen fein Besitztum in Deutschland gewährleistet werden? Das könnte man nicht verstehen. Die einzige und rich-! tige Antwort auf die schmachvolle Handluugoivnsc des Prinzen! Ludwig von Battenberg ivöre die sofortige Beschlagnahme sein«« Besitzungen im Hesseniand und die Tegradicning vom Range! eines hessischen Ehrengcnerass, den er z. Z. noch einnimmt. Nicdev mit dieser verengländcrten Gesellschaft, deren Gefährlichkeit jetzp klar vor allen Augen liegt!" Vor wenigen Wochen noch versuchte man in einigen- Blättern, den Staatsanwalt gegen den Genossen Kant scharf zu machen, weil er in seiner Rede auf dem hessischen Jugcnd-j tage im Felsenmcer die völlige Absperrung des Heiligen! Berges gebührend beleuchtet hatte. Und noch ein anderer! Prinz von Battenberg — daß der Großherzog für diese seine vatcrlandsfcindlichen Verwandten nichts kann, ist selbstver-i stündlich — wird jetzt von den sonst so prinzcntrciicn Blättert» an den Pranger gestellt. Es ist der Prinz Franz Josef von! Battenberg, der eine Tochter des Königs von Montenegros zur Frau hat, und der seit Jahren in einer ihm von dem Groß-s Herzog zur Verfügung gestellten Villa in Bessnngen wohnt nnd auch sonst vom Großhcrzog mit Rücksicht auf die schwachen Mittel des Prinzen unterstützt wurde. Dieser hat sein Auto- mobil, anstatt es der Militärbehörde zur Verfügung zn stellen^ einfach dem Großherzog überwiesen, damit es der Reguisition. durch das Militär entgeht. Sonderbar klingt allerdings dies jetzt von Hofbeamten vorgcbrachte Entschuldigung, das Autck sei für die militärischen Zwecke zu schwer gewesen. Nettes Deutsche — diese Prinzen! — Fürsorge für die Familien der Kriegsteilnehmer ins sozialdemokratischen Betrieben. Die Buchdruckerci Paul' Hug & (so. (Norddeutsches Volksblatt) in Rüstringest gewährt den Fainilien der cinberufcnen Geschäftsangehörigenzwei Drittel des bisherigen Lohns. — Tie Buchdruckereien Tietz Nachfolger, Schwäbische Tagwacht und A. Schlicke & Co.! in Stuttgart zahlen den Familien der Eingerückten ihrer Personale bis auf weiteres wöchentlich 16 Mk., außerdem für! das erste nnd zweite Kind je 2 Mk., für jedes weitere Kind 1 Mk. wöchentlich. — Tie Direktion der Mcrgcnthalcr Seh- maschinenfabrik (G. m. b. H.) in B e r l i n (nicht sozialdemokratisch) hat sofort nach der Mobilniachung erklärt, daß sie allen Angestellten, die eingezogen werden, bis zum Kriegs- schlusse das volle Gehalt weiter bezahlt, und daß ihnen ihrtz Stellungen so lange offen gehalten werden. — Derartiges! können sich natürlich nur finanziell gut gestellte Betriebe! leisten, aber diese tuns bei weiten! nicht alle. — Barzahlung bei Lieserungen wird von vielen Lieferanten jetzt verlangt. Die H a n d e l s k a m m e r n B e r I i n nnd Potsdam erlassen folgende Mahnung: Anläßlich zahlreicher uns zngegangcner Beschwerden sehen wir uns veranlaßt, folgendes bekannt zu machen: Tie Bestrcbilngen dep Groß-Bcrliner Kaufmannschaft, der durch den Krieg verursachten Kreditnot im Gewerbe abzuhelfen, werden in be- drohlicher Weise durchkreuzt infolge der Aufforderungen! einiger Branchenvcrbände an ihre Angehörigen, Waren nur gegen Kassazahlung zu liefern. Jeder, der bar zahlen kann, soll hcute weniger denn je unnötig Kredit in Anspruch nehmen! ^anderseits ist es dringend notwendig, daß seitens der Lieferanten gegenüber ihren Abnehmern die durch die gegenwärtigen Verhältnisse gebotene Rücksicht geübt und keinesfalls weniger kulant als in ruhigen Zeiten verfahren wird. Lieferanten, die sich dieser Notwendigkeit verschließen, müssen sich die Gefahr vor Augen halten, daß die Reichsbank ihnen gegenüber ebenfalls eine für sic nachteilige Zurückhaltung in der Kreditgewährung cintrctcn lassen könnte. — Eine amtliche Maßnahme, die zu denken gibt. Gegen die L o h n d r ü ck e r e i hat das Altenburgikche S t a a t s »i i n i st e r i ii m folgende Mahnung veröffentlicht: Es sind wiederholt Klagen darüber laut geworden, daß das jetzige Ueberangcbot von Arbeitskräften dazu benutzt werde, die Arbeitslöhne in unzulässiger Weise hcrabzu» drücken. Namentlich soll das wiederholt in landwirtschaft- lichcn Betrieben vorgckomincn sei». Wir weisen demgegenüber darauf hin, daß ein derartiges Verhalten ein Zeichen mangelnden sozialen Verständnisses ist. Das Sprichwort: „Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert!" hat auch in jetzigen Zeiten z» gelten, und jeder Einsichtige, der es niit der Liebe zum Vaterland ernst nimmt, wird nicht daran denken, die Notlage anderer auszubeutcn. Wir sprechen deshalb die Erwartung ans, daß auch von den Arbeitgebern alles getan knrd, um den sozialen Frieden, der unserem Daterlande in so schwerer Zeit dringend nottnt, aufrechtzuerhaltcn. Der Kapitalismus will Geschäfte machen. Das gehört zu seiner Natur. Daß es aber in der gegenwärtigen ernsten Zeit mit seiner ungeheuren Arbeitslosigkeit Unternehmer gibt, die es nicht unterlassen können, von dem Elend noch zu profitieren ,ist sehr bezeichnend. Wie schlimm aber muß es in dieser Beziehung ausschen, daß sich sogar Staatsbehörden veranlaßt sehen, gegen derartige Ausbeutung der herrschenden Notlage vorzugehen. Tuberkulosebekämpfung während des Krieges. Uns ging folgender Aufruf zu: Durch die vielseitigen hochherzigen Maßnahmen zugunsten unserer verwundeten und kranken Krieger dürfen andere segensreich wirkende Wohlfahrt-- bcstrebnngcn nicht gefährdet werden. Insbesondere muß ver- hütet werden, daß Volksseuchen wie die Tuberkulose, begünstigt durch das Tarniederliegen der wirtschaftlichen Verhältnisse, vermehrte Opfer bei uns fordern. Die hingebende Arbeit der zur Bekämpfung der Tuberkulose berufenen Stellen darf nicht erlahmen. Vor allem gilt es, für die schwerkranken Tuberkulösen weiter zu sorgen und sie nach Möglichkeit in den Heilanstalten zu belassen oder dort nnterzubringen. Diese Forderung ist um so dringlicher, weil vielfach Ausfall oder Rückgang des Verdienstes eine Verschlechterung der Lebensund besonders der Wohnungsverhältnisse zur Folge haben wird. Kranke aus verschiedenen Bezirken können erforderlichenfalls in einer Heilstätte vereinigt werden. Die Aus- kunsts- und Fürsorgestellen sowie die Walderholungsstätten werden soweit als möglich ihre Tätigkeit noch steigern müssen. Denn die aus den Heilstätten vorzeitig ausgeschiedenen oder unter den gegenwärtigen Verhältnissen dort nicht aufgcnom- menen leicht erkrankten Tuberkulösen sind jetzt ausschließlich auf ihre Fürsorge angewiesen. Im Interesse der Aufrechterhaltung der Bestrebungen zur Bekämpfung der Tuberkulose in dem hiernach gebotenen Umfang hat sich in der beim Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz errichteten Zentralstelle für Kricgswohlfahrt unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Kaufmann, des Ministerialdirektors Dr. Kirchner und des Präsidenten Koch ein Tuberkulose- ausschuß gebildet. Als Erfolg der bisherigen Beniühungen darf Deutschland einen Sieg über die Tuberkulose als Dolks- seuche erhoffen. Möge es auch in schicksalsschwerer Zeit diese aussichtsreiche Friedensarbeit zielbewußt fortfllhren. Alle Mitteilungen werden erbeten an die Zentral-Melde- und Aus- kunftsstelle des Roten Kreuzes, Reichstagsgebäude, NW. 7, Portal 4. Dr. Bumm, Präsident des Kaiserlichen Gesundheitsamtes. Dr. Kaufmann, Präsident des Reichsversicherungsamtes. Dr. Kirchner, Ministerialdirektor im Königlich Preußischen Ministerium des Innern. Koch, Präsident der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte. Handelsverkehr im Krieg. Während früher bei Ausbruch eines Krieges jeder Handelsverkehr zwischen den Kriegführenden als unmöglich betrachtet wurde, haben die immer engeren Beziehungen, die der Handel zwischen den einzelnen Staaten geknüpft hat und deren Lösung im Kriegsfälle nicht immer ohne große Verluste möglich ist, den Grundsatz herausgebildet, daß der Handelsverkehr zwischen Kriegführenden fortbcstehcn darf, sofern er nicht ausdrücklich von einem der Kriegführenden eingeschränkt oder aufgehoben wird. Dies entspricht der Anschauung des modernen Völkerrechts, wonach der Krieg nicht zwischen Privaten, sondern nur zwischen der bewaffneten Macht der kriegführenden Staaten besteht. Aus diesem Grunde können zwischen Angehörigen feindlichei Staaten vorhandene Schuldvcrbindlichkeiten wie im Frieden im Feindesland eingcklagt und die deswegen ergangenen Urteile vollstreckt werden, es sei denn, der feindliche Staat habe ausdrücklich Klagelosigkeit solcher Schulden angcordnet oder überhaupt eine allgemeine Klagelosigkeit selbst für Schuldverhältnisse zwischen eigenen Bürgern verfügt. Eine Ausnahmestellung nehmen in dieser Beziehung die Staaten des anglo-amerikanischen Rechts ein, vor allem England. Dort gilt, daß während eines Krieges kein Angehöriger eines feindlichen Staats einen Engländer in England verklagen kann. Ferner ist jeder während eines Kriegs von einem Engländer mit einem ausländischen Feind geschlossene Vertrag nichtig, cs sei denn, daß durch besondere Verordnungen der Abschluß solcher Verträge gestattet worden ist. Vor Kriegsausbruch entstandene Forücrungsrechte gegen einen Engländer können von einem ausländischen Feind nach englischem Recht erst nach Beendigung des Krieges geltend gemacht werden. Vor Kriegsausbruch geschlossene Verträge verlieren während des Kriegs ihre Wirksamkeit, besonders Versicherungsverträge jeder Art, Gcsellschaftsverträge usw. Eine Erfüllung solcher Verträge stellt nach englischem Recht Landesverrat dar. Bei einem Krieg Deutschlands mit England können also Klagen gegen Engländer in England nicht erhoben werden und alle privaten Verträge mit Eng- ländern sind nichtig. Dagegen bestehen bei einem Krieg mit Frankreich, Dänemark, Holland, Rußland, Schweden, Belgien und Norwegen die Klagbarkeit von Ansprüchen und die ihnen zugrunde liegenden Verträge weiter, was diese Staaten aus der zweiten Haager Konferenz bei Revision des Abkommens betr. die Gesetze und Gebräuche des Landkriegs anerkannt haben. England hat dies zwar auch getan, aber nachher dem betreffenden Artikel eine andere Auslegung gegeben, nach der sein entgegengesetzter Standpunkt gerechtfertigt sein soll. Vorteilhafter Gemüse-Anbau. Ein führender landwirtschaftlicher Fachmann schreibt der Franks. Ztg.: Sie haben schon mehrere Male und sehr mit Recht darauf hingewiesen . . ., daß auch schnellwachsende Gemüse angebaut werden möchten, die zum Herbst noch erntefähig werden. Aber hinsichtlich des Anbaues von Gemüsen sind bis jetzt keinerlei Ratschläge bezüglich der Arten und Sorten gegeben worden, und das ist für die jetzige Aussaat von der größten Wichtigkeit. Demgemäß gestatte ich mir, eine Reihe von Gemüsen zu nennen, die jetzt noch mit Vorteil angebaut werden können. Es kommen in Betracht: Von Hcrbstrllben: halblange weiße rotköpfige Ulmer, runde, weiße Pfälzer imd runde, weiß« Schwauheincer: von Karotten: Gonseuheimer Treib, dunkelrot« von Gneraud und verbesserte von Nantes: von Spinat: dunkelgrüner, bveit- blätte-rigcr rundsamiger. Viktoria-Riesen, Frankfurter Riesen und Trininph-Riesen: von Melden: große gelbe und große grüne Riesen: von Salat: Frankfurter ftiiher und Mcnköntg: von Feldsalat: deutscher kleiner nnd holländischer großer: von RadieS: klon plus ultra. Es ist zu bemerken, daß nicht nur größere Flächen Lande?, sondern jeder kleinere und kleinste Raun, hierfür verwendet werden sollte, sei es in gärtnerischen Betrieben, sei es in Privatgärtcn, wobei zu berücksichtigen ist, daß sich freigelege- nes Land natürlich besser eignet als schattiges. Alle Samenhandlungen liefern die vorgeschlagenen Gemüsesamen und geben gerne Anleitung für die Behandlung, da es wichtig ist, die Aussaat in der richtigen Weise vorzunehmen. Aber es ist hohe Zeit, daß sofort mit diesen Arbeiten begonnen wird, damit sich die Gemüse noch in erwünschter Weise entwickeln können. Hierzu noch die Zuschrift einer Frau, die auf folgendes aufmerksam macht: Gemüse, die nicht eingemacht werden, sollten getrocknet werden. Es geht dies ja mit Bohnen, allen Kohlsorten, Gelbrüben, Rüben, Kohlrabi, wenn sie klein geschnitten sind. Auch läßt sich manches Gartenbeet noch jetzt neu ausnühen. — Zu leichtes Brot. Gestern hat bei den Gicßencr Bäckern eine polizeiliche Revision des Brotes stattgefunden, wobei viel Brot beschlagnahmt wurde, weil die Laibe erhebliches Mindergewicht aufwiesen. Bier- pfundbrote hatten 180, 200, ja sogar bis 250 Gramm Mindergewicht. Und zwar war dies bei einer ganzen Anzahl Bäcker der Fall. Diese haben Strafanzeige zu gewärtigen, was im Publikum mit Genugtuung ausgenommen werden wird. Denn die Forderung ist wahrlich nicht unbillig, daß der Brotkonsumcnt für sein teures Geld wenigstens völliges Gewicht bekommt. — Ta? Brot soll frischgcbacken das volle Gewicht (2, 4 oder 6 Pfund) baden, es trocknet natürlich ein, wenn eS älter wird, doch soll das dadurch verursachte Mindergewicht nicht mehr als 25 Gramm auf das Kilo be- tragen; also wenn das Vierpfundbrot 1 Tag alt ist, dürfen 50 Gramm am Dollgewicht fehlen. Der Bäcker macht einen ganz erheblichen Mehrprofit, wenn er an jedem Laib 200 Gramm fehlen läßt. Leere Kisten, Verpackungsmaterial, Flaschen usw. sind von der Beförderung durch die Eisenbahn ausgeschlossen. Leere Milchgefäße können befördert werden. — Die Preisbewertungen bei der Gicßener Gcwcrbe-Ansstel- lnng. Folgenden Ausstellern wurden Preis« zuerkcmnt: (Fortsetzung.) S. Silberne A usstel lu ng Sm«d a > 11 e: Gebr. Rein- bard, KuiMteiwwert in Flacht: Hessische Steinbriiche, G. m. b. H. in Londorf: Hermann Scholl, Bildhauer in Darinstadt: Ansdermaner & La bereu z, Stukkateur iu Gießen: Fr. Zeiß. Holzbcarbettu-ngs- fabrrk iu Griedel: Karl Hahn, Schrei nermklfter in Gießen: Foh. Lenz. Schreinermeistcr in Gießen: ©fl. A. Haincr, Schreinermeistcr ln Gießen: Karl Kra-rlmg, Schlostcrmeisder in Glesien: Martin Dörr. Schlossermeister in Gießen: Angnft Stumpf, Schlossermeister in Hvinberg a. d. Ohm: Heinrich Tichp, Friseurmeifter in Gießen: Balth. Schirl«, Goldschmied im Marburg: Will). Wagner, Kiiser- nieister in Großen-Buseck: Wich. Nedhuth, Seilermeister in Gießen: Foh. Hiih», Filzwarenfabrik in Schliß: Ehrist & Herr. Buchdrnckerei in Gießen: Valentin Eisesser. Rohrmöbelsabrik in Hamm lRhein- b-.ssen): Moritz Gregori, Spielwarcrgeschäft in Gießen: F. A. Hart- niann ». Er., Maschimensabrik in Osfenbach: Urbanek. Bohrmaschi- ncnfobrik in Frankfurt a. M: I. u. H. Grieb, Maschinenfabrik in Gambach i. v.: Engen Kaufsmann, Lampcnsabrik in Gießen: AlS- felder Möbelfabrik, G. m. b. H., in Alsfald: Heinrich Mohr, Schuee- schuhmacher in Breungeshain: Heinr. Reger, Eisschrank- und Biifett- fabrik in Cid); H. Müller, Apselweinkeltcrei in Osthedm: Karl PH. Müller, Apselweinkelterei ln Darmsdadt: Konrad Siel, Tchuhmacher- mciftcr in Marburg: Schuhmofchiiien-Gesellschaft Fulda: Marie Win,derlich, Tanreuschneiderin in Gießen: Andreas Schaeser. Möbelfabrik in Marburg: Earl Sauer, Möbelschreireret in Echzell: Wich. Harinionn, Möbeljchreineroi in Mllnzenbcrg: Earl Stückra-th. Möbelfabrik in Gießen: G. Haubach, Schreinerineister in Gießen: Gießcner Fröbelseminar in Gießen: Leonhardt Kraft. Architekt in Bad-Nauhcini: H. Meyer, Architekt in Gießen: Kämpfer sc Wisseir- bach, Architekten in Ho-nau-Kesselstadt: Willi Maas, Photograph in Marburg: Heinrich Nickel, vorm. Zimmer Photograph in Gießen: See-map,, u. Co.. Verlagsbuchhandlung in Leipzig: Ernst Voigt- länder. Verlagsbuchhandlung ln Leipzig: Gg. Th. Stier d. St. in Frankfurt-Rödelheim: Ernst Schniidt, Architekt in Gießen: Ludwig Bernhardt, Schuhmachcrme-tstrr in Gießen: G. Schnell, Schuhniacher- nceister in Lvllar: Gustav Ebr. Schmidt. Malermeister in Gießen: Albert Godofar. mechanische Weberei in Gwrgenhmnmer: Gießcner Stempel- und Farbenfabrik Joseph Kreutcr in Gießen. — Ober- hessische Werkstätten : Ful. Bach. AnSstatturgSgeschäst in Gießen: Hermann Hitdebrondt, Schreinermeistcr in Großen-Linden: Metzger & Schlecht, Möbelfabrik in Münzenberg: Hermann Schmidt III., Schreinermeister in Lich: Ernst Wasser. Schrernermeister in Angers- bach: Otto Lind, Schreinermeittcr in Groß-Felda: Wilh. Schmidt. Schreinermeistcr in Lauierbach: Gg. Appel, Spengler und Fnstal- lateur ln Gießen: Heinrich Hochstätter, Tapetcnhaus in Gießen: Gebr. Bender, Schreinerineister in Rvdhemi a. d. Bieber: F. v. Fuhr, Spielwarengeschäft in Gießen: Karl Schlierbach IV., Tckrci- nermcister in Rodhelm a. d. Bieber: H. Burg. Architekt in Gießen: Ludwig Schepp, Schreinerineister in Hausen: Friedrich Schaeser, Schroincrnrcistcr in Groß-Felda: Heinrich Wasser, Schreinermeistcr in Rirfeld: Wilhelm Krämer II.. Schreinermeistcr in Langsdorf: K. Müller Söhne, Möbelfabrik in Allep-Busnk: Georg Rausch. Tchrei- nermeister in Schadges-: Wilh. Bernhardt, Kunstschlossermrister in Rodheim g. d. Bieber: Eugen Groß. Maler- und Weißbinderinei sie r in Giessen: Mar Herl«. Holzbtldlxmer m Gießen: A. Heß, Schrei- irermeistcr in Gießen. 10. Bronzene MedailleberProvinz Obcrhessen und Bronzene Aus st ellungsmedallle: Engelbert Bürck. Photograph in Gießen: Wilh. Mettenheimer II., Drechslermelster im Eichclsochsen: Roos. Kulturtechniker in Gießen: Städt. Tiesbauomt in Gießen: E. Horst Zcmentwarensabriik in Gieße», sSchluß folgt.) — Die morgige Sonnensinfternls tritt für Gießen 12 Uhr 9 Minuten ein und dauert bis 2 Uhr 38 Minuten. Die Sonn« wird für unsere Gegend zu 74 Prozent vom Monde bedeckt. tkrei» ssriedberit-Viivinaen. X Friedberg. Totschlag. Am Dienstag wurde der Knecht Karl Scheid aus Qberschold iTillkreis) tot anfgcftnideu. Es hat sich hcrausgestellt, daß er einem Verbrechen zum Opfer gesallen ist. Scheid hatte mit seinein Arbeitskollegen Formanski gemeinsam sich an den Weinvorräten ihres Dienstherr» gütlich getan. Fn der Trunkenheit gerieten st« in Streit, in dessen Werlaus Scheid vo» Formanski mit «irrer Birrflafäze niedergeschlagen wurde und kurz danach verstarb. Der Täter hat bereits ein offenes Geständnis abgelegt. Kreis Weizlar. h. Blutdürstige „Christen". Das Volk, die bekannte „christliche" Zeitung, behandelt in einem Leitartikel von! 18. August mit dem Stichwort „Lumpengesindel" die bekannt gemachten Grausamkeiten der Zivilbevölkerung in Belgien. U. a. schreibt das Blatt dann: „Die hier völkerrechtswidrig an wehrlosen Menschen begangenen Grausamkeiten schreien gen Himmel, heischen Rache, Rache im erbarmungslosesten Sinne des Wortes. Tie soll ihiren auch werden. Ein Herd solcher Unkultur und viehischer Blutgelüste, wie ihn Belgien nach den Nachrichten dieser Tage dnrstellt, hat keinen Anspruch aus selbständiges staatliches Weiterbestehen. Er ist dem Sieger verfallen. — Die sofortige standrechtliche Erschießung einiger Ucbeltäter, denen man an Ort'und Stelle habhaft geworden war, das Niedcrbrenncn der Dörfer, in denen solche Frevel vorgckommen waren, ist für solche Ungeheuerlichkeiten keine ausreichende Sühne usw." — Das schreibt ein Blatt, das den Grundsatz predigt, liebet eure Feinde, dem ist cs nicht genug, daß die Schuldigen erschossen werden, daß man ganze Dörfer niederbrennt, worunter sicher viele Unschuldige leiden, nein, die Sühne ist nicht ausreichend. Also Foltern her. ihr „from- men Christen!" Mit keinem Wort geht der Blutdürstige daraus ein, daß an Belgien vor den Grausamkeiten, die kein denkender und fühlender Mensch billigen wird, Pölkerrcchts- bruch begangen wnrde.daß die betreffende Bevölkerung als streng christlich katholisch gilt, die von Geistlichen zu den Un- taten fanatisicrt wurde. Das christliche Organ verschweigt ferner, daß unter den Schuldigen schon eine ganze Anzahl Geistliche verhaftet und erschossen wurde, also Leute, die ihm sonst nahestchcn. Und sind cs nicht die Sieg-Blätter, das «chwesterorgan vom Volk, die deutschen Schülern die Erziehung in belgischen Klöstern empfehlen? Heuchler! * Ucber mangelhafte Verpflegung, Sie in Wetzlar den in den Krieg ziehenden- Soldaten tn verschiedenen Quartieren zuteil geworden setz berichteten wir in Nr. 183 unseres Blattes. Dazu schreibt uns Herr Bernhard Henrich, von dom in dein erivühnien Artikel ebenfalls di« Rede war, daß die bei ihm cinquartiert gewesenen Soldaten nicht mangelhaft, sondern g n t und reichlich verpflegt mordet« seien und ein Essen erhalten hätten, wie es nt einem bürgerlichen Saushalt üblich sei. Herr Henrich ersucht nnS noch, die gionze Speisekarte von den sieben Tagen ab zu drucken, welchem Ersuchen wir aber nicht stattgeben können^ well damit nichts bewiesen werben kann. Wir wollen aber gerne zugeben, daß man sich unter den arrf der Speisekarte ansgeführten Mahlzeiten ganz ans- gkzeichne!« Essen vorstellen bann. Und wenn die Schüsseln nie leer abgetragen wurden, so scheint sa auch genug Hagewesen- zu sein. — Aber wir können dach di« Bejchasfeichcrt der gewährten Verpflegung nicht nachpriifen: wir hoben auch mir berichtet, daß die bei Henrich eltiquarttertcn Landwehrbcutc in der Wirtschaft gegessen und sich ül»cr das Essen iitt ihrem Quartiere beklagt haben. Und das ist Tatsache. An der Wi-tdergabe einer solchen wird uns auch nicht eine etwaig- Klage hindern, die Herr H. in Aussicht stellt. In Polizeistunde. Laut amtlicher Bekanuttn-achung des Bürger- meifter Dr. Kühn, wird die Polizeistunde für sämtliche Wirtschaften ans 12 Uhr n-achts fcstglstebt. b. RcchtömiSkimst. Für Mniderbemtitelte und Angehörige von Kriegsteilnehmern ist jetzt auf den: hiesigen Ratlzaits eine diuskunst- unü Beratungsstelle errichtet, Tclei^rÄMme. Neue im Westen. Schwere Verinfte der Fr«z«»rosen. (Amtlich.) Tie französische 5. Kavnllcriedivision wurde unter schweren Verlusten bei Perwez (nördlich von Namur) von unserer Kavallerie z «r ü ck g e w o r f e n. Bayerische und badische Truppen schlugen die bis Weiler (15 Kilometer nordwestlich von Schlcttstadt) vor- gedrungene 55. Jnsantericbrigade, brachten ihr große Ver» Iustc bei und warfen sie über die Vogesen zurück. Das Ultimatum Japans. Ter japanische Geschäftsträger in Berlin hat im Aufträge :r Regierung dem Auswärtigen Amt eine Note überreicht, worin unter Berufung ans das englisch-japanische Bündnis die sofortige Z n r ü ck z i c h » n g der beut- chcn Kriegsschiffe aus den japanischen nnd chinesischen Gewässern oder die Abrüstung dieser Schisse, ferner bis zum 15. September die bedingungslose Ucbcrgabc des gesamten Pachtgebictcs von Kiautschou an die japanischen Behörden nnd die unbedingte Annahme dieser Forderungen bis znm 23. August verlangt wird. (Amtlich.) Dom serbischen Kriegsschauplatz. Wie die Rcichspost meldet, haben die österreichisch-ungarischen Truppen auch bei Progar, 23 Kilometer westlich von Semlin, die S a v c ü b e r s ch r i t t-c n und die serbische Stadt O b r e n o w a t s ch g e n o m m c n. Papst Pi«s X. gestorben. Papst Pius X. ist gestern abend gestorben. Zur Neuwahl des Papstes wird der Franks. Ztg. aus Rom geschrieben: Vielfach wird die Schwierigkeit des Konklaves in der jetzigen Weltlage erörtert. Ein Aufschub ist unmöglich, da das Konklave bestimmungsgemäß in acht Tagen zu- sammentreten m u ß. In vatikanischen Kreisen bereitet die Geldfrage Sorge, da auch die vatikanischen Kapitalien von einer teilweisen Sequestration wegen der Krise betroffen sind. Die politische Wirkung einer Scdisvakanz wird dahin aufgefaßt, daß Italien noch weniger als bisher ge- neigt sein wird, sich in die W e l t h ä n d e l e i n z u - mischen, da die Garantie für die Integrität des Konklaves seine äußerste Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen wird, während der Tod des Kirchenoberhanptes der katholischen Nation auch psychologisch friedlichen Tendenzen nur förder- sich sein kann. Die Revolution im Kankasns. Wie Jkdam erfährt, gewinnt der Aufstand im Kaukasus gegen Rtlßland an Ausdehnung. Die Aufständischen haben die Brücke über den Araxesfluß an der einzigen Eisenbahnlinie gesprengt, die Rußland mit Persien verbindet. Die russischen Truppen fliehen mit ihren Waffen und Gepäck an die türkische Grenze. Vorgestern hat eine große Zahl von Soldaten die Grenze überschritten, um aus türkisches Gebiet zu flüchten. Die Preise für Lebensniittel sind im Kaukasus auf das Vierfack>e gestiegen. Es wird immer schwieriger, den Auffiand zu unterdrücken. (Franks. Ztg.) Vcrantwortlicher'Rcdaklcur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & Cie., Gießen. Truck: Verlag Ossenbachcr Abendblatt, G. m. b. tz., Ollcnba» a. M.