Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die QberdekÜIdie B«lkS,ett»n« erscheint leben Werllag Abend in «leben. Der AbonncnientdprciS beträgt wöchentlich IS Pfg, monatlich so Xtfo. etnichl-Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljäbrl.lLOMk Redaktion und tkrvedltion (Sieben. Babndofdralie 23, Scke LSwenoasie. Deledbon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeüe oder deren Raum IS Psg. Bei gröberen Austrägen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abend» 7 »Lr sür die solgende Nummer in der Expedition ausgeben. Nr. 187 Gießen, Slimstlig den 15. August 1914 9. Jahrgang Wie im Auslände gelogen wird! Der Verein für das Deutschtnin im Auslände fordert auf, den Falschmeldungen rm Auslände entgegcnzutrcten. Welch ungeheuerliche Meldungen im Auslande verbreitet Kerben, ersieht man an folgendem Beispiel: Nach der Einnahme von Lüttich durch die deutschen Truppen erschien in Brüssel an allen Plakatsäulen und Straßenecken folgender Anschlag: Revolution in Deutschland! Italien «nd die Schweiz haben Deutschland den Krieg erklärt! Grosse Schlacht bei Lüttich! 60 000 Deutsche gefallen, 40 000 gefangen! Tic deutsche Armee in voller Flucht über die Grenze! Die belgische Armee hat nur 300 Tote! Pariser Blätter ließen sich aus Brüssel melden, daß in Lüttich sieben deutsche Regimenter sich ergeben mußten und jeder zehnte deutsche Soldat gefallen sei. Stärkere Lügen können kaum erdacht werden! Eine internationale Organisation der Lüge! Die Frankfurter Zeitung macht die folgende hochintereffantc Mitteilung über die Organisation der Luge, mit der Deutschland umsponnen und von aller Welt abgeschnitten ist. Es faifi- da: Allmählich lichtet sich das Dunkel etwas, in das seit der Kriegserklärung die übrige Welt sür uns versunken war. Einzelne Zeitungen und einzeln« Nachrichten dringen vom Ausland her über die Grenze, lmd wir können daraus ersehen, wie unsere Feinde gegcn Deutschland arbeiten. Der Eindruck ist ebenso grotesk, ivie empörend — ein Lügengewebe sondergleichen! Da erzählen KricgsgÄangene als ganz sicher, daß die Russen längst in Berlin stunden! Da meldet die Agence Havas, die Deutschen seien aus dem Obcreisaß unter Verlust von 25 000 Mann zurückgeschlaqen worden, obgleich im Augenblick außer den Gefangenen und vielleicht vereinzelten Spionen kein Feind mehr mis deutichcm Boden steht. Ta verüben die belgischen Truppen geradezu Wunder der Tapferkeit, und sie schlagen die Deutschen in die Flucht, daß cs nur eine Art hat. Zn einer amtlichen belgischen Meldung heißt es: „Ein deutsches Armeekorps zählt acht Regimenter. Es ivnrde in die Flucht geschlagen durch eine Brigade von zwei belgischen Regimentern".....Der deutsche Zusammenbruch ist v o I l st ä n b i fl." „Belgien erregt die Bewunderung der Welt." Dann wird erzählt. Deutschland habe an Italien «in Ultimatum gestellt, um cs zur Teilnahme an, Kriege zu zwingen usw. Von den vielen Fahnen, Kanonen, Generälen risw., die unsere Feinde von uns schon erbeutet haben wollen, möchten wir schweigen, da es genügt, wenn wir feststellen, daß nach den Berichten unserer Feinde Deutschland längst überwunden und verloren ist. Wir kennen diese perfide Art, mit Lügen »nd Verleumdungen gegen Deutschland zu arbeiten, seit langen Jahren. Es war 1870 picht anders, wo die Opcrcttenschlacht gegcn Saarbrücken als mächtiger Erfolg ausposaunt, die deutschen Waffcntatcn aber dem fran- zonschcn Volke verschwiegen wurden, sodaß dieses sich, als der furchtbar« Ernst nicht mehr zu verbergen war, von den eigenen Führern schamlos verraten fühlte. Wir kennen diese verruchte Basilio- Manicr aber auch aus Fricbenszeiten und wissen, wie schwer sie dem deutschen Ansehen in der Welt Abbruch getan hat. Es war ein Mittel der Stimmungsmache in der englischen Einkreisungs- polittk, Deutschland überall als Friedensstörer und Intriganten erscheinen zu lasse». Wo etwas vorging, was irgend einem Lande unangcncbm war, da mußte Dciilschiand als treibende Kraft bezeichnet werden, auch wenn es absolut unbeteiligt war. Lemper »liquid haeret hieß es in England, dem wirtschaftlichen Konkurrenten aui hem Weltmärkte mußte geschadet werden! Nach denselben Methoden wird nun seit dem Kriegsausbruch in verstärktem Maß« gearbeitet. Ehe noch die Engländer den Feind a»s- gesucht haben, war ihr erster, wohlberechtigter Schritt, uns die von Emden ausgehenden Kabel abzu schneiden, um so unsere Verbindung mit der übrigen Welt zu zerstören. Sic wollten uns in der Nachrichtcn-Ucbcrmittclung isolieren, »m uns dann auch polittsch isolieren zu können. In derselben Richtung liegt die Zerstörung des Funkcnttirms von Daressalam, und wir haben noch niit weiteren Maßnahmen in dieser Richtung zu rechnen, alle zu dem einen Zwecke. England mit seinen Verbündeten das W e l t „ a ch - e i ch t c » ni o n o p o l zu verschasfcn. Dann kann von England aus di« ganze übrige Welt bei den bevorstehenden Ereignissen in englischem Sinne bearbeitet werden. Dann werden die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatz nur insoweit und nur in der Form der übrigen Welt niitgctcilt. wie cs England gefällt. Und dann wird jeder politische Schritt Deutschlands und Oesterreichs lediglich in cnq- Ulcher Beleucht,ing zur Kenntnis der übrigen Länder kommen. Englaqtz will sich ko das mächtige Mittel der Beein- [i.J! U u n n ^ c 1 Welt durch d i e Presse sichern, und es dickes Mittel selbstverständlich rücksichtslos gegen Dcntsch- ""Groden. Deutschland soll nicht nur mirtschastlich, es soll ä, 7 /,."'" pa l i sch isoliert werden, und wie richtig man in I !“! "uüe Gefahr der antideutschen Stimmungsmache, die selbst a-? Ländern tätig ist. cinschätzt, das beweist die Reise Botschafters nach Rom zur Jnsorniicrung seiner _Eide diesen ungeheueren Einfluß nicht auszuüben a, v* c§ . nid,t seit Jahrzehnten in Friedenszeilen planmäßig durch eine bewunderungswerte Ausbildung des Nach- richtendicnstcs darauf hingearbeitet. Ucberall in der Welt hat bas englnchc. non frer Regierung wohlwollend geförderte und ihr dgsür wieder dienstbar« Bureau Reuter ein Monopol erstrebt und cs pielsach erhalten. Bekannt ist die Beeinflussung ganz Amerikas durch die englische Vermittlung, wie sic sich durch die Associated Preß vollzieht. Amerika, das moralisch sür uns in dieser kritischen Zeit so ungeheuer viel bedeutet, sicht jetzt wieder die europäischen Vorgänge lediglich durch die englische Brille. Achnlich aber ist cs i» Asien. In Japan, dessen Haltung jetzt so viel erörtert wird, hat das Bureau Reuter das tatsächliche Monopol inne, und es wird dieses Monopol um so brutaler gegen Deutschland ausmitzen, als uns ictzt auch die Berbinduiig über Rußland a b geschnitten ist. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie jetzt die öffentlich« Meinung Japans von England aus bearbeitet wird, aber natürlich stehen selbst die fremden Regierungen unter dem Eindruck dieser einseitigen, irresührenden und deutschfeindlichen Meldungen. Was dann etwa noch das Bureau Reuter unterläßt, das wird von der Pariser Agence Havas besorgt, die gegenwärtig jeden Rekord der Verlogenheit schlägt »nd die französische Bevölkerung, nattirlich im Einverständnis mit der Regierung, genau so schamlos irresührr, wie sie cs 1870 getan bat! Wir müssen dies« Dinge jetzt nehmen, wie sie sind, und uns trotzdem durchhauen. Gewiß ist hierin in Deutschland manches versäumt worden. England hätte dieses Nachrichtcn- monopol'nie auSbildcn können, ohne die billigen Preßte lc- g r a m me, die sich jetzt für das Land glänzend bezahlen. Bei uns hat man leider alle Mahnunngen der Presse über- hö r t und aus kleinlichen fiskalischen Rücksichten die Ermäßigungen für Preßtelegramme abgelehnt. Erst in allerletzter Zeit ist man zu der Ueberzeugung gekommen, daß der wirtschaftlich und politische» Brunnenvergiftuiig durch England entgcgengearbeitct werden muß: das kann jedoch erst später wirksam werden. Heute liegen uns Schreiben aus Holland und auS der Schweiz vor, in denen bittere Klagen über die Verwirrung geführt wirb, die dort selbst bei verständigen und wohlwollenden Menschen durch die Meldungen der Agence Havas angerichtct wird. Man kann deshalb alle lene, die in dem gewaltigen Völkerringen neutral sind, und alle jene, die mit der gerechten Sache Dcuischiands inmpathisteren. nicht dringend genug davor warnen, Meldungen, des Bureau Reuter oder gar der Agence Havas zu glauben. Die deutsche Kriegsberichterstattu,ig, di« durch das Woiffsche Bureau weiter verbreitet wird, ist absolut zuverlässig wie jeder Tag mehr erhärten wird. Natürlich wird sich unsere Regierung bemühc», richtige Meldungen nach Möglichkeit an das Ausland zu bringen, aber jetzt kann jeder Unparteiische, jeder Deutsche im Ausland und jeder Freund Deulschlanbs unserer gerechten Sache gute Dienste leisten, indem er den englischen und französischcii Lügcnfabrikcn mannbast cntgcgcntritt und uns hilft, die Wahrheit im Ausland zu verbreiten. Wer ausländisch? Freunde besitzt, soll sich der Milbe unterziehen, sie a u f z u - klären — solche Briefe können dem Vaterlande von Nutzen sein. Insbesondere aber möchten wir uns a» die Amerikaner wenden, die sich jetzt noch in Deutschland befinden, und die demnächst heimkehrcu werden. Dem ganzen deutschen Volke haben ihre Tiimxatbickuiidqcbunaen von Herzen wohlgetan, sie werden uns unvergeßlich sein. Mögen sic ihre Freundschaft auch drüben betätigen, indem sie Mitwirken, der Wahrheit zum Siege über die englische Wcltbeeinflussung zu verhelfen. Alle Freunde Deutschlands sollten sich jetzt in diesem Streben vereinigen! Englands und Frankreichs Kriegserklärung an Oesterreich Ungarn. Gestern mittag 1% Uhr ist der englische Botschafter im Ministerium des Auswärtigen in Wien erschienen und hat erklärt, daß sich England von gestern (Mittwoch Mitternacht) an als mit Oesterreich-Ungarn im Kriegszustand befindlich betrachte. Gleichzeitig hat der Botschafter feine Pässe gefordert. Staatssekretär Grey gab dem österreichisch-ungarischen Botschafter in London Grafen Mcnsdorf die Mitteilung von der Kriegserklärung Frankreichs und Englands an Oesterreich- Ungarn. Als Grund der Kriegserklärung Frankreichs gab Grey die angebliche Abscndnng österreichischer Truppen nach dem Elsaß an. Letztere Behauptung ist eine wissentliche Unwahrheit, da kürzlich auf eine Anfrage der französischen Regierung von hier aus eine kategorische verneinende Antwort erfolgt ist. Der amerikanische Botschafter hat den Schutz der Eng- länder in Oesterreich übernommen. Ein Manifest der rcvoltttiouärcn Partei an das russische Volk. Man weiß, daß die russische Regierung in derselben Zeit, wo sic vier Armeekorps im Siidcii mobilisiert hat, den Zustand der verschärften Uebcrwachiing, anders gesagt, den Belagerungszustand über Petersburg und Moskau verhängte. Die ersten Opfer dieser militärischen Maßnahmen ivaren natürlich unsere russischen sozialistischen Freunde und hauptsächlich die legale sozialistische Presse. Die Zeitung Arbcitcrieben der revoliitionären Sozialisten, Dout Pravbu. der Sozialdemokratie, Nacha rabotchaiajismc, ebrufalls der Sozialdemokratie gehörend, wurden verboten. Wenn die legal« Presse auf diese Weise für den Augenblick auch unterdrückt wurde, so begannen die geheimen Druckereien ihre Tätigkeit doch zu verstärken. Das erste Dokument, das aus dielen geheimen Druckereien hervorging. war der Aufruf der revolutionären sozialistischen Partei an die russtschen Arbeiter und Bauern. Das Manifest stellte Bctrachttiiigen au über die Ursache des Krieges und gibt, wie kaum anders zu erwarten, Oesterreich di« Schuld, das den Serben ein „unannehmbares" Ultimatum gestellt habe. Dan» aber heißt es weiter: „Aber ist die serbische Regierung weniger interessiert, geht sic nicht auch verbrecherisch gegen die Mazedonier vor, verweigcri sic ihnen nicht das Recht, frei über ihr Schicksal zu verfügen? Hat sie nicht kürzlich gegen gllcs Recht politische Flüchtlinge dem Zarismus überliefert? Und welche Heuchelei erst diese Einmischung deS Zaren zugunsten des kleinen unglücklichen Serbiens, des Zaren, der Pole» und Finnland und die Jude» martert und der sich gegen Persien wie ei» wahrer Bandit beträgt!?" Ter Ausruf ruft die Arbeitermassen auf, sich zu erheben und die Jntrigiien de? Zarismus zu durchkreuzen, vor allem wenigstens daraus hinzuwirken, daß der Krieg lokalisiert bleibe: „Welches auch immer der Lauf der Ereignisse sein wird. Ihr überzeugle Arbeiter und Bauern werdet in dem heldenmütigen Kampf fortfabrcn, um Rußland seinen wirklichen Platz in der bedrohten zivilisierten Welt zu erobern." Das deutsche Botfchastcrpalais in Petersburg zerstört! Hofrat Kattner ermordet. Hosrat Alfred Kattner, der seit mehr als 30 Jahren im deutschen konsularischen und diplomatischen Dienst in Ruß. la»d tätig war, und der bei der kürzlichcn Abreise der dcut- scheu Botschaft zurückgclasscn worden war, ist, wie der Lokal- Anzeiger mittcilt, vom Petersburger Pöbel ermordet worden. Die Volks-Massen konnte» ungehindert in das Botschafterpalais eindringcn, haben den Beamten »iedcrgcmacht, die Räume geplündert und daun das Gebäude in Brand g e st c ck t. Tann erst kam Polizei »nd Feuerwehr. Englische Stimmen gegen die Teilnahme Englands am Krieg. Tie Berliner Morgenpost ist i„ der Lage, zwei englische Flugblätter gegen den Krieg mitzuleilen. Ti« Flugblätter stammen wahrscheinlich aus den letzten Tagen vor der englischen Kriegserklärung: sie wurden von Organisationen verbreitet, die sich Neu- tralitätsgcsellschgsteu nennen. In einem dieser Flugblätter heißt es: „Engländer, tut eure Pflicht! Haltet euer Land fern von einem böswilligen und dummen Kriege! Kleine, aber mächtig« Eliguen versuchen, das Land in einen solche» Krieg zu stürze». Ihr müßt dieses Komplott noch heute vernichten, oder cs wird zu spät sei». Fragt euch doch: Weshalb sollen wir in den Krieg gehen? Tie Kricgspartei sagt: „Wir müssen das Gleichgewicht der Kräfte aufrecht erhalte»: denn wenn Deutschland Holland oder Belgien anneftiert, so wird es so mächtig werden, daß es auch uns bedroht." „Dann," sagt di« .Kriegspartei, „sind wir auch durch Vertrag verpflichtet, sür die Neutralität Belgiens zu kämpfen. Außerdem haben wir vertragliche Verpflichtungen gegenüber Frankreich, für die Franzosen zu känipsen." Alle diese Gründe sind falsch. Tie Kriegspartei sagt nicht die Wahrheit. Die wahren Tatsachen sind folgende: 1. Wenn wir uns auf die Seite Rußlands und Frankreichs stellten, so würde das Gleichgewicht der Kräfte in einer Weise zerstört werden wie nie zuvor. Das militärische Rußland mit seinen 100 Ästillionen Ästenschcn würde die Vormacht in Europa werden. Und Si-e wissen, wie beschaffen dieses Rußland ist. 2. Wir sind keineswegs vertraglich verpflichtet, in einen europäischen Krieg einzugrcisen, um die Neutralität Belgiens zu verteidigen. Unsere Verträge bestimmen ausdrücklich, daß unsere Verpflichtungen uns nicht zwingen lallen, in einen europäischen Krieg cinzugrcisen, um sie (diese Verpflichtungen) cinzuhalten. Und wenn wir für die Neutralität Belgiens tatsächlich kämpfen sollen, so müssen wir darauf vorbereitet sein, ebensowohl gegen Frankreich wie gegen Deutschland zu kämpscu. 3. Der Premierminister nud Sir Edivard Greg haben im Hause der Gemeinen nachdrücklich und feierlich erklärt, daß wir keinerlei mündliche oder schriftliche Abmachung abgeschlossen haben, sür Frankreich in den Krieg zu ziehen. Wir sind unseren Verpflichtungen in der Marokkoaiigelegenheit gerecht geworden. Die Entente Eordiale war ein Friedeuspaki und nicht ein Kriegs- biiiidnis. 4. Wenn Deutschland tatsächlich versuchte, einen Teil Belgiens, Hollands oder der Normandie zu auncktsercii — es liegt aber kein vernüilstigcr Grund vor, daß Dcutschlaiid einen solchen Versuch machen würde —, so würbe Dentschbind schwächer sein als cs jetzt ist, denn es würde seine ganze Kraft oufbieten »liissen, um die eroberten Gebiete im Zaume z» halten. Wir wissen ober nicht das Geringste davon, daß Deutschland tatsächlich solche Absichten hege. Es wäre ungeheuerlich, auf einen so unbestimmten Verdacht hin England in den Krieg hineinzuzerren. Das Flugblatt schließt mit der Aufforderung an jeden Engländer, alle m seiner Macht befindlichen Mittel anzumeiiden, um die Regierung, das Parlament, die Behörden an der Intervention Englands zu verhindern. In dem anderen Flugblatt wird gesagt: „Warum sollen wir für Rußland kämpsen? Wenn England zum Krieg« rüstet, wird cs Rußignd «ntcrstötzcn. das Festland von Europa zu erobern. Rußland ist das Land, das zu bekämpfen uns 50 000 WO Lstr. im Krim krieg gekostet hat. Rußland ist das Land, welches unser Indisches Reich bedroht. Rußland ist das Land, weiches noch in der letzten Woche Landslcntc in den Straßen ihrer Städte nicdcrgcschossc» bat. Rußland ist das Land, welches der Feind vo» fortschrittlichen Idee» und britischen Gedanke» von Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit ist. Welches ist die grüßte Gefahr für England: 65 Millionen Deutsche von unserem Blut und Ideen, die in Handel und Industrie und friedlichen Handlungen beschäftigt sind, aber 170 Millionen Ru sie», Slawen oo» einer verkoinincucn Lclbjtßcrrschajt und geübt nur in dem Gebrauch der roden Kraft allein? bin Krieg sür Rußland ist ein Krieg gegen die Zivilisation. Gib acht, England!" Die Lrnteilnahme der Norweger. Die norwegisch: Kolonie richtet« an den Kaiser solgendes Telegramm: In der schicksalsschweren Zeit, in der das deutsche Volk, von Feinden umringt, unter Führung Ew. Majestät den Kamps für seine Existenz. sür die Kultur und das Wohlergehen des gesamten Germanentums aufnimmt, bittet di« hiesig« norwegisch« Kolonie Ew. Majestät, den Ausdruck ihrer warmen Sympathie und ihres aufrichtigen Herzensantciles darbringen zu dürfen. Mit staunender Bewunderung stehen wir vor diesem beispiellosen Opfermut und begeisterter Kampfesfreude, mit der das edle deutsche Volk, jung und alt, ohne Unterschied des Standes wie ein Mann sein erprobtes Schwert ergreift, um seinen Herd und seine Ideale gegen ein« Welt dcr Mitzgunst und des Neides zu verteidigen. Mit ehrlicher Begeisterung erfüllt, begleiten wir stammverwandte Norweger diesen Helden- kampf unseres edlen Brudervolkes. Wir hegen di« felsenfeste Ueberzeugung, Last die heilige Begeisterung und die deutsche Zähigkeit Ew. Majestät ruhmvollen Fahnen die machtvolle Erhaltung Deutschlands, worin wir die Vorbedingung fiir das Wohlergehen der gesamten zivilisierten Menschheit und ein zuverlässiges Unterpfand des dauernden Weltfriedens erblicken, sichern werden. Mögen Ew. Majestät geruhen, den Tank der norwegischen Kolonie fiir die ihr in Deutschland zuteil gewordene großzügige Gastfreundschaft und die empfangenen Kulturgüter entgcgenzunehmen. Tie Kolonie leitete unter ihren Mitgliedern eine Sammlung ein, deren Ertrag die Kolonie glücklich sein wird, dem Roten Kreuz überweisen zu dürfen. Auf dieses Telegramm ist folgendes Autworttclcgramm «ingegangen : Der Kaiser und König haben mich beauftragt, dem norwegischen Klub in Berlin für die im Namen der hiesigen norwegischen Kolonie in so warmen herzlichen Worten ausgedrilckte Anteilnahme an Deutschlands Geschick in dieser ernsten Stunde sowie sür das hochherzige Anerbieten zur Linderung der Wunden des Krieges allerhöchsten Dank zu übermitteln. . Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg. . Dhr Äu fr ufdernorwegi scheu Kolonie inBerlin hat folgenden Wortlaut: Jeder auch nur kurze Zeit in Deutschland lebend« Norweger wird die ihm von seiten der deutschen Nation gebotenen Förderungen und Annehmlichkeiten hoch einschützen und wird daher das Herzensbedürfnis empsinbcn, sich in dieser für die deutsche Nation schweren Zeit erkenntlich zu zeigen. Es hot sich in Berlin ein norwegisches Komitee gebildet, um eine Sammlung ftir das Rote Kreuz zu veranstalten. Di« in Berlin und auch in den anderen Staaten Deutschlands (in denen keine besonderen Sammlungen stattfinden) wohnenden Norweger werden hiermit aufgefordert, Beiträge, jeder nach seinen Kräften, an den von seiten des Komitees mit der Verwaltung der Sammelstelle betrauten Direktor Grude, Berlin SW. 11, Dcffauerstrahe 28/29, baldigst einzusenden. Holländische Sympathien. In der Grenzstadt Crcfeld wohnen zahlreiche Holländer, 'die zum Teile dem guten Mittelstand angehören. Diese Holländer haben eine sehr stark besuchte Versammlung abge- halten, um Deutschlands Sache „ihre großen Sympathien" auszusprcchen und einen Ausschuß gewählt, der Untcr- stützungshandlungen ausführcn soll. Der Ausschuß soll ferner die Angebote Erefelder Holländer annehmen und ver-. Mitteln, die sich sür Bewachungen, Verwundetenpflege usw. zur Verfügung stellen. Die Deutschen in Belgien. Der Vorwärts schreibt: Die ganze Presse durchwogt Entrüstung über die Greuel, die angeblich von den Belgiern an den Deutschen, die sich bei Ausbruch des Krieges noch !m Lande befanden, verübt wurden. Zweifellos sind, besonders in Brüssel, auch tatsächlich Ausschreitungen vorgekommen, die überaus häßlich, ja, gemein genannt werden müssen. Doch ist es gut. von gewissen Uebertreibungcn, die sich hier und da bemerkbar gemacht haben, abzusehcn. Einer unserer Mitarbeiter, der erst in der Nacht vom 6. zum 7. August, mit dem letzten Zuge, der überhaupt Deutsche über die Grenze schaffte, aus Brüssel fortkam, hat uns eine lebendige Schilderung der Vorkommnisse gegeben, die folgendes Bild zeigt: Es ist richtig, baß es in der Stadt, besonders in den Nordvierteln, zu schweren Ausschreitungen des Pöbels kam. Deutsche Lokale, die „Esplanade" und „Krokodil" wurden buchstäblich demoliert: das „Hotel de Berlin" wurde von einer aufgeregten Menge mit Steinen beworfen, weil es auch «ln Schild mit der Aufschrift „Berliner Hof" tniq. Bürgcrgardistcn standen hier und sahen zu. ohne einzngrcifcn. Deutsche GcschästSinhaber wurden gezwungen, binnen weniger Stunden ihr Gut und Geschäft zu ver- Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 34 „Steh still!" rief Olaf. „Was war's? Wo ist Marstrand?" „Der Bär!" schrie der Schreiber — „er hat ihn zerrissen." „Und du, feiger Mann, du läufst davon!" antwortete Olaf, ihn zurückstobend. „Schande über dich!" Mit diesen Worten sprang er den Talrand hinunter, um den verlassenen freund zu helfen oder ihn zu rächen. Mehrmals rief er mit aller Kraft Marstrands Namen, und hörte endlich zu seiner Freude eine Stimme antworten. — Wo der Strom einen weiten Bogen machte, lag ein fast ebener Grund, der von drei Seiten durch einen zerklüfteten überhangencn Fels wie von Mauern umschlossen war. Dichtes Birkcngestrüpp, wilde Ranken und junge Tannen umwuchertcn die Höhlungen, der freiere Raum davor war mit jung aufschießendcm Gras bewachsen, und in der Mitte desselben fand Olaf Marstrand auf sein Gewehr gestützt stehen. Mit einem Blick sah er, was hier vorgefallen war. — Zu Marstrands Füßen lag ein gewaltiger Bär in seinen letzten Zuckungen. Blut floß über seine schwarze Zunge und strömte aus der Todeswunde. Ter wackere Olaf schrie laut auf und schüttelte Marstrands Schulter mit rücksichtsloser Heftigkeit. „Meiner Treu!" schrie er, „der feige Schreiber mochte immerhin davonlaufcn, du hattest ihn nicht nötig; hast genau die rechte Stelle gefunden, wo das Luftloch für das zähe Leben eines Bären gemacht werden muß. Der aber, weiß es Gott! gehört zu den größten und stärksten, die ich je gesehen habe." — Er maß die Körperlängc des Tieres mit neuer Bewunderung, unter Lob- sprllchen und Geschrei nach Helgcstad, der auch endlich herbeikam und Paul Peterscn führte, welcher eine entschuldigende Beschreibung des Vorganges jetzt mit vieler Fassung gab. Er war mit Marstrand bis auf diesen Plan gekommen und näherte sich ohne Ahnung dem Felsen, als er plötzlich dicht lassen, ohne das cs ihnen möglich war, etwas von ihren Habseligkeiten zu reiten. Ja, cs kam vor, daß Frauen auf die Straße gejagt wurden, ohne daß sie sich nur fertig anklciden konnten. An 400 Personen, die sich in der Hoffnung, einen Zug zu erreichen, in der Nacht zum Dienstag auf dem Bahnhof eingesunden, wurden für 4 Stunde» in Haft genommen. Ein Kellner mußte l'A Tage iii Hast bleiben, weil man in seinem Koffer «i„ Tolchmcsscr gefunden hatte. Ein Deutscher wurde von einem Posten erschossen, weil er auf dreimaligen Anruf: „Hände hoch!" nicht gehört hatte. Der arme Mensch verstand kein Wort Französisch und wußte deshalb gar nicht, was von ihm verlangt worden war. Allgemein erzählte man sich auch, daß Deutsche fälschlich als Spione verhaftet und erschossen worden wären. Vielfach vergriff sich auch der Straßcnpöbel an Deutschen; sie wurden angchalten, beschimpft und teilweise schwer mißhandelt. Das Gerücht, daß «in deutscher Mctzgcrmeister regelrecht massakriert worden sei, wurde von Leuten erzählt, die wenigstens erklärten, selber Augenzeugen gewesen zu sein. Eine weitere Gewähr für seine Wahrheit konnte unser Gewährsmann nicht geben. Was inzwischen manche deutsche Blätter über andere Greuel erzählt haben, ist wohl nicht voll aufrecht zu erhalten. Ein von einigen Organen als Opfer eines feigen Mordes hingestellter Deutscher fuhr sogar mit unserem Gewährsmann im gleichen Zuge über die Grenze. Tie Aufregungen riefen bei mehreren Frauen Wahnsinnsanfälle hervor. Es darf übrigens nicht verschwiegen werden, daß man auf her deutschen Seite auch nicht ganz schuldlos war. In Ostende, von wo unser Mitarbeiter nach Brüssel kam, hatte der deutsche Klonsularbicnst einigermaßen versagt, so daß die Abreise zu spät erfolgte. Als der Ausbruch der Feindseligkeiten vor der Tür stand, hielt cs ein Trupp deutscher Reservisten, der vom Brüsseler Bahnhof aus nach der Heimat befördert werden sollte, für angebracht, laut und herausfordernd die „Wacht am Rhein" und „Deutschland, Deutschland über alles" zu singen, auch Rufe auszustoßcn wie: „In drei Tagen sind wir wieder hier", usw. Ein deutsches Geschäft steckt in der erregten Zeit wie zum Hohn die deutsch« Fahne heraus. Wenn Klagen laut wurden, daß Geschäftsinhaber ihre deutschen Angestellten so rigoros aus die Straße gesetzt hätten, so ist zu bemerken, daß auch die deutsche Firm» Leonhard Tietz in Antwerpen ihre Auge st c l l- t e n ohne Entschädigung Hals über Kopf vor die Tür fetzte, dann jhrc Waren der belgischen Regierung zur Verfügung stellt« und sich so ihre Wcitercxistcnz erkaufte. Endlich muß hervorgehoben werden, daß es doch nur Ausnahmefälle waren, in denen deutsche Staatsangehörige wirklich mißhandelt wurden. Und dem steht gegenüber, baß die Bedrohten doch auch vielfach bei den Belgiern Schutz und Entgegenkommen fanden. Unterkunft boten den Deutschen das „Katholische Vcrcinshans", die „Deutsche Bank" und vor allem ein Gebäude gegenüber dem bereits geschlossenen deutschen Konsulat, das einer Bank gehörte, in deren Direktorium auch ein Deutscher saß. Hier hatte der deutsche Botschaftssekretär Gläser im Verein mit einem Komitee zunächst eine leerstehende Etage zur Aufnahme der Deutschen belegt. Das Haus stand unter dem Schutze des amerikanischen Botschasters und wurde von den belgischen Behörden bewacht. Unter irgendwelchen Ausschreitungen des Pöbels hatte es nicht z» leiden. — Schon am Dienstag drängten sich nun in den 4 Zimmern jener Etage, auf den Treppen und im Hof an G00 Menschen; sie schliefen auf dem blanken, mit Zcftungspapicr belegten Boden: viele mußten stehen, da einfach kein Platz mehr zu Niedcrlegen war. Das wurde in den folgenden Nächten noch schlimmer, da immer neue Flücht- linse ankamen, so daß schließlich anderthalb tausend Menschen versammelt waren; es half auch nicht viel, baß nun noch eine zweite, gerade leerstehende Etage ohne lange zu fragen dazu genommen wurde. E? war eine entsetzliche Lage — alles dicht gedrängt, nebeneinander viele Stunden lang Männer, Frauen und schreiende Kinder. Die Luft war zum Ersticken. Erst am Donnerstag abend schlug die Stunde der Erlösung. Unter Geleit der Bürgergarde wurden die Versammelte» in einzelnen Zügen zum „Elrque Royal" gebracht, wo sich auch die Deutschen aus dem „Katholischen DcrclnshauS" und der „Deutschen Bank" cingefundcn hatten, und um 3 Uhr nachts fand der Transport zum Bahnhof statt, von wo 5 Uhr früh die Züge nach Holland abgingen. Di« innere Organisation der geschilderten Flüchtlinaskolonie war das Werk von Deutschen, die dabei — besonders der schon genannte KonsulaftoSsekrctär Gläser und der Kunstmaler Gärtner — außerordentliche Aufopferungskraft bewiesen. Aber belgische Behörden wie Privatleute zeigten sich doch dabei vielfach hilfreich und zuvorkommend. Tic Kutscher der öffentlichen Fuhrwerke stellten sich den verfolgten Deutschen jederzeit zur Verfügung. Kaum einer tat soviel für die versammelten Flüchtlinge, wie ein Belgier namens Vanderweghc, der Portier in dem von dem Kousulatssekretär belegten Hause: er war unermüdlich, um Einkäufe zu machen und alle Wünsche der Flüchtlinge zu erfüllen. Tic das Haus bewachenden Bürgcrgar- distcn verhielten sich durchaus angemessen. Als zwei höhere Polizeibcamte kamen, um die Räume zu inspzieren, waren sic wirklich ergriffen und beeilten sich, die Ucbcrsicdelung nach dem geräumigen „Eirque Ropal" anzuorduen. Die umfassendsten Maßnehmen wurden getroffen, damit diese Ncberficdelung ungestört stattfinben konnte. Alle Straßen waren abgespcrrt, 199 Mann hinter sich ein tiefes Brummen hörte und umblickend den Bären gewahrte, der seinen gewaltigen Kopf aus dem Gestrüpp steckte, gleich darauf aber auf den Hinterbeinen stand, lvie solch Tier jedesmal tut, wenn cs seinen Angriff beginnt. „Ich schrie laut auf," sagte Paul, „griff nach meinem Gewehr und schoß. Daß ich nicht gefehlt habe, beweist die Wunde an Kopf und Hals. Aber er war nicht tot. Er stieß ein furchtbares Gebrüll aus, während ich lief, um Hilfe zu suchen, und es Marstrand überließ, ihn völlig zu töten." „Das hat er wirklich getan," fiel Olaf spöttisch ein, „obwohl du ein Held ohnegleichen bist." Helgestad hinderte Streit und Vorwürfe, indem er dem Schreiber recht gab, zugleich aber Marstrand allen Ruhm zusprach. „Leib und Leben an ein nichtsnutziges Geschöpf zu setzen," sagte er, „das in jetziger Jahreszeit nicht einmal einen guten Braten liefert, da es mager und zähe ist, wird kein vernünftiger Mann gutheißen. Nutz! hat der Herr alles zum Guten gewendet, wenn es einem aber zukam, sich an das Ungetüm zu machen, so mußte es Johann Marstrand sein, dessen Kühe dafür künftig hier uni so sicherer weiden können." — Mit dieser Wendung war die Sache beigelegt, und es blieb nur übrig, in die Hütte an den Fjord zurückzukehren und den erlegten Feind dorthin schleppen zu lassen, was wenigstens mit seiner Haut und seinen besten Stücken geschah, denn kaum hatten die Holzfäller die Mähr vernommen, als sic eifrig sich dabei machten, um die gute Beute vor Füchsen oder Wölfen in Sicherheit zu bringen. Nach wenigen Stunden schon kochte das Bärenslcisch im größten Kessel, und Marstrand war gezwungen, die Geschichte ein halbes Dutzendmal zu wiederholen und eben so oft seinen Sieg mit Händeschütteln und Gesundhcittrinkcn zu bekräftigen. Das Freudenmahl währte den ganzen Abend über, einen wirklichen Vorteil aber gewährte es Marstrand, daß Paul Petersen merklich stiller und bescheidener geworden war. Teils infolge der über- standcnen Angst, teils aus Furcht vor Olafs Spott fand er am geratensten, so viel als möglich zu schweigen und sich eben Bürgergakbe geleiteten jeden Zug. In dem Zirknsgebäude, da» eine Abteilung Chcisscurgardisten zur Unterkunft dient«, wurde von diesen tu geradezu rührender Weis« für die erschöpften Frauen und Kinder gesorgt. Man holte ihnen Milch und teilte die Portionen mit ihnen. Auch auf dem Transport nach dem Bahnhof in der Nacht hatten die Flüchtigen über nichts zu klagen. Es handelt sich eben doch nur um Ausschreitungen eines gewissen Teiles der Brüsseler Bevölkerung, der über die vom Reichskanzler selbst ja offen zugegebcncn Verletzung der Neutralität Belgiens durch Deutschland aufs höchste erregt war und dieser Erregung in häßlichster Weise Ausdruck gab. Die Mehrzahl der Bevölkerung, gewiß auch aufs änßerste er. bittert, hielt sich überdies doch zurück. Und der P c u p l e, das sozialistische Organ der belgischen Arbeiter, n a h m a u f s s ch ä r f st e S t c l l u n g g e g c n d i e erfolgten Ausschreitungen. — wie natürlich alle denkenden Ar- beiter üb«r di« Vorgänge in Belgien entrüstet sein werden. Ter Dank der Russe«. Einc Anzahl Russen, die augenblicklich kriegsgefangen irr Lindau ant Bodensee weilt, gibt durch die dortige Presse fol- gende Erklärung ab: Ucbcrall auf deutschen: Boden und besonders auch in Lindau, wo wir uns seit dem Ausbruch des Krieges befinden, ist uns seitens der Behörden die humanste und vornehmste Behandlung zuteil geworden, wie uns auch die Bevölkerung in taktvollster Weise entgcgcnkommt. Wir sprechen dafür den Behörden wie auch der Bevölkerung unseren ticfempsundenen Dank aus. Französischer Dank. Das neue Wiener Tagblatt veröffentlicht eine Zuschrift zlöcier in Wien lebender Franzosen, in welcher diese im Nanicn ihrer in Wien lebenden Landsleute ihre Trauer über die Verfolgung der Oesterrcicher in Frankreich aussprechen, und dies umsomehr, als die Mitglieder der französischen Kolonie in Wien sich stets aller Sympathien zu erfreuen hätten. Schließlich wird den Ocsterreichern für ihre edelmütige Haltung Tank und Bewunderung und Verehrung ausgesprochen. Zum Sinke» gebracht. Das Allgemeine .Handelsblad meldet aus Rotterdam: Der niederländische Dampfer „Aleon" ist nicht, wie anfänglich angei nommen wurde, infolge eines Unglücks, sondern wie sich jetzt hcraust stellt, von der russischen Flotte in der Ostsee zum Sinken gebracht worden. ES ist die Mutmaßung gerechtfertigt, daß die Russen doS Schiss zu irgend einem Zweck gebvauchten, es also einfach Wegnahmen, um es, nachdem die Mannschaft in Sicherheit gebracht war, sinkeni zu lassen. Amnestie. Das hessische Ministerium der Justiz hat eine Verfügung an die Gerichte und Staatsanwaltschaften erlassen, in der im Hinblick aus die wirtschastlichen Schwierigkeiten, die der Krieg mit sich bringt, weitere Gnadcncrwcisc in Aussicht gc- noinmen werden. Der weitere Gnadenakt soll sich nicht bloss aus rechtskräftig erkannte Strafen, sondern, wenn auch nur' aiistiahmslucisk, auch ans noch anhängige Strafsachen erstrecken. Auch Polizei-, Feld- und Forststrafsachcn sind nicht ausgeschlossen. Tic Vorschläge, welche rechtskräftig erkannte Strafen betreffen, haben von den Strafvollstreckungsbehörden nach Benehmen mit dem Erkenntnisgericht, die Vorschläge, welche noch anhängige Strafsachen betreffen, von den Gerichten nach Benehmen mit der Strafverfolgungsbehördc auszugehen. Die Entschließungen Über die Vorschläge sollen; möglichst beschleunigt werden. Die Württcmbcrger b«! Mülhausen. Das Württemberg! sehe Kriegsmimsterium teilt der Presse mitj daß an den König folgende Depesche eiugelausen ist: Das 8. württembergische Infanterie-Regiment Nr. 126 Hai bei Mülhausen 2 Feldgeschütz« des 4. französischen Feldartillerie-Rogi-, nients erobert. Ferner hat bei den erfolgreichen Gefechten der letzten Tage das 2. Bataillon des 19. württembergischen Infanterie- Regiments Nr. 189 mt entscheidender Stelle mit hervorragender Entschlossenheit und Tapferkeit «tugogrissen und den Gegner ztrvück- geworfcn. (cisetibayttattstttätsr vor den» Kriegsgericht. Bor dem Kriegsgericht in Schweidnitz standen di« aus der. Untersuchungshaft vvrqeführten Russen, der 24jährige Josef Surmacz aus Meirane, der 18jährige Michael Mroz aus Korzuw und der 21jährige Johann Sielma unter der Anklage, den Versuch unternommen zu haben, eine Eisenbahn zu zerstören, um dadurch dew Aufmarsch der Truppen aufzuhaltcn. Tie Angeklagten waren früher so wenig einzumischen, als Helgcstad mit Marstrand vor der Hütte ans- und abging und ihm nochmals alle Vorzüge dieser Niederlassung schilderte. „Wißt nun auch," sagte er zuletzt, nachdem ihm der junge Ansiedler in den meisten Behauptungen beigepflichtet hatte, „daß wir durch Paul Petersen das Ding in Ordnung bringen können, ehe ein Mensch davon wissen kann. Glauben die Narren nicht alle mehr, daß der Baisfjord keine Fische nährt, weil Jubinal ihn seinem Volke gegeben hat. Seht die grünen Streifen dort im Wasser, da steht Hering: Schwärme von jungen Seyfischen spielen an den Steinen, und Lachse springen ans allen Stellen. Gehört aber auch zum Fjord die flache Insel Strammen an der Meeres- straße dicht vor Tromsö, und diese wichtige Insel muß Euch verschrieben werden." „Ist das nackte Eiland denn so wichtig?" fragte Marstrand. „Ruh!" rief der Alte den Kopf schüttelnd, „das ist das beste Stiick vom Ganzen. Seid ein Mann, der klar zu sehen verlieht, müßt bemerken, daß kein Schiff nach Tromsö kann, das nicht dicht vorübcrfährt. Ist der beste Platz zu einer Niederlage. Habt damit auch den Fischfang in der Ström- nng und im ganzen Sunde. Ist eine Stelle, wo die Steine Silber werden, wenn man cs versteht; könnt von dort mäch- tigcn Holzhandel treiben nach allen Seiten hin bis nach Nordland hinauf und weiter." „Im Ernst, Herr Helgestad," erwiderte Marstrand, „ich habe dennoch verschiedene schwere Bedenken, die Olaf mir verstärkt hat." - „Weil sein dicker Kopf nicht denken kann", versetzte der Kaufmann. „Ihr meint das Geld — seid darum ruhig. Habe einc gute Anzahl Spezies für Euch liegen, wenn cs nicht reicht, wird mehr da sein. Fangt an, wenn Ihr wollt; könnt zehntausend haben, sobald wir von Bergen wieder kommen." „Gegen welche Sicherheit?" fragte der junge Mann, lFortsetzung folgt.) ttttf 6cm an 6« Bahnlinie Königzzclt-Brcslcni liegenden Dominium Tarnau als Arbeiter beichäfiigt. Ter Gerichtshof sprach Stelma frei und verurteilte Mroz und Sumaez zu je 18 Jahren Zuchthaus. Tie Verirrteilten wurde» unter militärischer Bedeckung ins Zuchthaus abgefiihrt. . „ ,. Kartoffelteuerung. Nachdem in Köln die Kartoffelpreise auf 12 bis 15 Mark pro Zentner in die Höhe geschnellt waren, verfügte der Oberbürgermeister, daß fortan alle Kartoffeln in Mengen von 1 bis zu 3 Zentnern mit 6 Mark (für kleinere Mengen bis. zu 7 Mark) bezahlt werden. Neue Crfolge unserer Verbündete». Von dem nördlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: Tie österreichisch.ungarischen Truppen sind weiter in Russisch-Polen eingerückt. Ungefähr 700 russische Deserteure wurden nach Linz, Salzburg und Innsbruck eingebracht. Beschlagnahme deutscher Handelsschiffe durch die Russen. Aus Tromsö wird gemeldet, die Russen hätten deutsche Handelsschiffe in Archangelsk beschlagnahmt und ihre Besatzung an Land gebracht. Tie Namen der Schiffe sind nicht zu erfahren. Vier Schiffe sind bei der Hafeneinfahrt versenkt worden. Tiefe Mitteilung stammt von den, norwegischen Dampfer „Eidvold" aus Berge» und erscheint zuverlässig. Dänische Ausfuhr »ach England. Die dänische Ausfuhr nach England ist in begrenztem Umfang wieder ausgenommen worden. Die Route ist wegen der Minengefahr in der Nordsee nördlicher gelegt worden. Das Frankfurter Gewerkschaftshaus als Lazarett. Auch das Gewerkschaftshaus in Frankfurt a. M. ist, wie das Breslauer, mit allen Räumlichkeiten der Militärbehörde für Lazarettzwecke zur Verfügung gestellt. Das Gewerkschaftshaus hat gegenwärtig 121 verfügbare Betten. In den übrigen Räumen lassen sich bequem noch 300 Betten auf- stellen, so daß etwa 150 Verwundete untergebracht werden können. Sobald die Intendantur von dem Anerbieten Gebrauch macht, wird der Wirtschaftsbetrieb verlegt werden. Oesterreichische Zensur gegen die Presse. Auf behördliche Veranlassung hat unser Parteiblatt In Neichen- Vach tn Böhmen, der Vorwätrs, sein Erscheinen «instellen müssen. Keine Einberufung von Japanern. Das japanische Generalkonsulat in Hamburg dementiert die Meldung, daß Japaner, di« in Halle Medizin studieren, zu den Jahnen nach Japan «inberufcn worden seien. Eine Schisfskaiastrophe. WB. Der österreichische Dampfer „Baron Kautsch", der gestern mittag Sussin-Grandc auf dem Wege nach Triest vcrlastcn hat, Ist aus der Fahrt gesunken. Von den 400 Personen, die sich einschließlich der Besatzung auf dem Dampfer befanden, find nach einer heute nachmittag eingcgangcncn Meldung 150 gerettet u»4 nach dem österreichischen Kriegshascn Pola gebracht worden. Im Dienste des Roten Kreuzes erschossen. Die Gräfin Luzi« Ehristalncgg in Klagenfurt hatte in ihrer Eigenschaft als AufsichtSdame des Roten Kreuzes eine Automobilfahrt zu unternehmen. Sie wurde bei dieser Fahrt von einem Wachtposten erschossen. Hessen ,rnd Nachbargebiete. Bietzen und Nmyebung. — Die freien Gewerkschaften haben zur Unterstützung der durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogenen Mitglieder sofort die umfassendsten Maßnahmen getroffen. Die Vorstände suchen nach Kräften das Elend des Krieges zu mildern und die Familien der eingezogenen Mitglieder zu unter- stützen. In Flugblättern wird den Mitgliedern von den getroffenen Maßnahmen Kenntnis gegeben, zugleich aber auch aufgefordert, nach besten Kräften für Aufrechterhaltung der Organisation zu sorgen. So heißt es in dem Zirkular des Metallarbeiterverbandes: „Aufrechtcrhaltung und Förderung des Verbandes bedeutet Aufrechterhaltung der Mitgliedschaft jedes Einzelnen, der nicht zum Militärdienst cinge- zogen ist. Aufrechterhaltung der Mitgliedschaft hat zur Vor- 'oussetzung regelmäßige und pünktliche Entrichtung der Beiträge. Kein Mitglied entziehe sich gerade im jetzigen Augenblick dieser Verpflichtung, keiner denke, daß Kriegszeiten die Gewerkschaften uberslüssig machen oder gar ihr Bestehen in Frage stellen. Gerade in diesen ernsten und schicksalsschweren Stunden fällt den Gewerkschaften eine sehr wichtige Rolle zu." Diese Mahnungen sind für die Ange- hörigen aller Gewerkschaften angebracht. — Kinderfürsorge. Am Donnerstag abend fand im Saale des Eass Leib eine ziemlich gut besuchte Versammlung statt, in der die erschienenen Mütter über die in Aussicht genommenen Maßnahmen zur Beschäftigung und Versorgung der Kinder während der Kricgszeit belehrt wurden. Viele Mütter wissen schon jetzt nicht mehr — besonders sind es solche die tagsüber einem Verdienst nachgehcn müssen — wie sie ihre Kinder behüten sollen. Aller nnbeanfsichftgtcn Kinder wollen sich nach Kräften die ins Leben gerufenen Kindcr- yorte annchmen. Sie bieten auch den besten Schutz gegen die in Kricgszciten drohende Verwilderung der Jugend. Wir verweisen auf die in de. heutigen Nummer dieses Blattes erscheinende Bekanntmachung des „Ausschusses für Kinder- sürsorge" und empfehlen dringend, dessen Bestrebungen zu unterstützen. — Ter Bergarbeitervcrband Deutschlands blickt am 18. August aus sein fün fundzwanzigjähriges Be- st e h e n zurück. Es war beabsichtigt gewesen, diesen Tag durch ein großes Jubelfest zu begehen, was nun natürlich infolge der Kricgswirren unterbleiben muß. Zu dieser Gedenkfeier hatten bereits 10 000 Bergleute ihr Erscheinen zugesagt und es wäre ohne Zwaisel eine imposante Feier geworden. Aber für solche Veranstaltungen ist jetzt nicht die Zeit. — In ” ct Bergarbeiter-Zeitung, dem Organ des Verbandes, wird v»f dessen Anfänge hingewicsen. Nach dem großen Bergarbeiterstreik von 1889 wurde am 18. August desselben ^ahres ein Delegiertentag in D o r st f e I d abgehalten, zu dem sich 200 Delegierte aus dem Ruhrrcvier, Sachsen, Waldenburg usw. eingefunden hatten. Siegel (einer der „Kaiscrdclegierten") leitete die Verhandlung, während Bunte und Schröder referierten. Der eine sprach über Aufgaben pnd Zweck der Organisation, der andere über die Wirtschaftslage und den Bergarbeiterschutz. Beide sprachen sehr schärf, aber durchaus nach dem Empfinden der gedrückten Berg- sklavcn. Schröder zog sich eine Anklage wegen Beleidigung der Bergbehörde zu, wurde jedoch sreigesprochen. Die Ver- sammlung stimmte einmütig für Gründung einer Berufs- organisation und nahm, um die Einigkeit nicht zu stören, den Statutenentwurf der Bochumer (Fnsangelianer) einstimmig an, während Schröder seinen Entwurf zurückzog, den er in Gemeinschaft mit Bunte, Siegel und dem Sozialistenführer W. Tölckc ansgearbeitet hatte. Damit bewies die erste _ Delegierteiwersammlling, daß sie die absolute Einigkeit der Bergleute Deutschlands wünschte, und es waren gerade die Sozialisten, die Anreger, dw wirklichen und wahren Gründer der Organisation, die ihr Statut Preisgaben, um die Einigkeit zu retten. Die Verbandsgründung rief bei der gesamten Bergarbciterschaft Helle Begeisterung hervor, und zu Tausenden strömten sie in die junge Organisation. Ganze Belegschaften bis zum letzten Mann zeichneten sich in die Mitgliederlisten ein, und nach kurzem Bestehen zählte der Verband an 80 000 Mitglieder. Gleich setzte auch die Verfolgung von drei Seiten ein: von den Grubenverwaltungcn, den Behörden, der Geistlichkeit und Zentrumsprcsse. Diese Verfolgungsstürme schüttelten den jungen Baum gewaltig, und bald lagen die welken Blätter haufenweise am Boden. Die anderen, die festhieltcn am Stamm, die „alte Garde", mußten enorme Opfer bringen, wurden zu Hunderten gemaßregclt und ausgesperrt, von einer Zeche zur anderen gejagt, mußten mit Weib und Kindern hungern, aber sie erhielten ihr selbstgeschaffenes Werk allen Feinden zum Trotz. — In feen Straßen der Stadt, die in den letzten Tagen von Reservisten und Landwehrleuten und deren Angehörigen stark belebt waren, ist cs erheblich ruhiger geworden. Auch die Singerci und Brüllerei, die vielfach zu vernehmen war und die „patriotisch" sein soll, ist verstummt. Nur selten hört man noch die bekannten Töne und Lieder, welche den Feinden den Untergang ankündigen. Manchmal mit Worten, die etwas mäßiger sein könnten. — Zahlungssristen. Von der Handelskammer wird nnS folgendes geschrieben: Der Ausbruch des Krieges bat in allen Schichten der Bevölkeruna eine derartige Verwirrung hcrvorgerufen, daß c» dringend notweirdig erscheint, mit allem Nachdruck immer wieder darauf hinzuweisen, daß der Krieg an der Pflicht zur Erfiillung vorher übernommener privatrechtlicher und öffentlichrechtlicher Verpflichtungen nichts ändert. Stellt sich der einzelne bewußt oder unbewußt mit den ihm obliegenden Verpflichtungen in Gegensatz, so schädigt er nicht nur sich selbst, sondern er gefährdet auch den gesamten Wirtschaftsorganismus. Wenn nun in weiten Kreisen des Handels und Verkehrs die Auffassung besteht, daß nur durch den Erlaß eines stir das ganze Reichsgebiet gellenden allgemeinen Moratoriums einer ernsten Wirtschaftskrisis vorgebeugt werden könne, so fei demgegenüber darauf hingewiesen, daß den Vorteilen eines allgemeinen Moratoriums vielleicht noch schwerer wiegende Nachteile gegeniibcrstehcn. Auf jeden Fall kann es keiner» Zweifel nitterliegen. daß von einer solchen gesetzlichen Maßregel in erster Linie der faul« und böswillige Schuldner zum Schaden des ehrenhaften Kaufmanns Gewinn ziehen wird. Aus diesem und noch anderen Gründen hat denn auch die Reichsregierung sich nicht zu dem folgenschweren Schritte eines Moratoriums entschließen können. Wohl aber hat sie in Anbetracht der durch den Krieg veränderten Wirtschaftslage eine Reihe von Anordnungen getroffen, welche in ihrer Gesamiwirkung geeignet sein dürsten, die vielfach befürchtete Vernichtung zahlreicher kleiner und mtttlerer Existenzen zu verhindern. Die wichtigste der vom BunbeSrale getroffenen Maßnahmen betrifft die gerichtliche Bewilligung von Zahlungsfristen. Hiernach kann das Gericht für «in« vor dem 41. Juli 1814 entstandene Gcldforderung Zahlungsfrist von längstens 3 Monaten gewähren, wenn die Lage des Beklagten dies rechtfertigt und die Zahlungsfrist dem Kläger nicht einen unverhältnismäßigen Nachteil bringt. Bon nicht geringerer Bedeutung sind die vom Buiidcs- rate angeordnete Verlängerung der Fristen des Wechsel- »nd Scheck- rcchts sowie di« Suspendierung von Auslandsforderungen. Werden alle diese Anordnungen in einer den veränderten Zeitvcrhälknissen völlig Rechnung tragenden und verständnisvollen Weise durch die Behörden ausgeleat und angcwcnbet, dann darf auch gehofft werden, daß die Rcichsregierung von der Notwendigkeit des Erlasses eines allgemeinen Moratoriums, welches „leicht die Räder unseres Wirtschaftslebens zum Stillstand bringen würde" enthoben wird. Im übrige» erklärt sich die Handelskammer, um dein Schuldner Oie Anrufung des Gerichts zu ersparen, bereit, die Erlangung einer Zahlungsfrist aus dem Wege der Vereinbarung, zu vermitteln. Zn dem Fonds für Liebesgaben sind bei dem Oberbürgermeister weiter eingcgangcn: Von Bankdircktor A. Heichelheim 10 000 Mk., vom Tierschntzverein 500 Mk., vom technischen Verein 100 Mk., vom Verein Union 200 Mk., von Rentner E. Wasserschlebcn 5000 Mk., von Geh. Medizinalrat Professor Tr. Strahl 1000 Mk., von einem Damenkränzchen, überreicht von Frau Enzcroth und Meyer 150 Mk., von Oberlehrer a. D. Fuhr 20 Mk., von Stadlgeo-metcr Wißner 20 Mk., von Materialverwattcr Georg Fritzsch 5 Mk., von der Firma Bär & Wetterhahn 100 Mk., vom Ranchklub Friedenspfeife 25 Mk., znfamiuc.il 17120 Mk, — Profit-Patrioten. Unserem Hamburger Parleiblatte wird berichtet, bab die dortigen Grossisten der Wall waren- und Trikotag enbrairchc ihre Preise um 10 Prozent erhöbt haben, um ihre teilweise noch vollen Läger mit einem Ertraprosit abzustoßen. Da diese Waren hauptsächlich von den Mobilisierten gekauft ivcrde.ii müssen, läufi auch diese Preissteigerung auf «ine Bewucherung der Slot des Vaterlandes hinaus. Man wird sich diese Sorte von Patrioten sllr künftige Zeiten merken müssen. — Jeldpostsendungcn an die Angehörige» des Heeres und der Marine. Für F e l d p o st i« n d n n g e n in Privatangelegenheiten an die Angehörigen des vccres und der Kaiserlichen Marine gellen während des mobilen Verhältnisses nachbezeichnete Porlovergllnsti- gnngen: 1. Portofrei werden befördert: a) gewöhnliche Briefe bis zum Gewichte von 50 Gramm, b) Postkarten und c) Gcldbrirsc bis zum Gewichte von 50 Gramm und mit Wertangabe bis zu 150 Mark. 2. P o rtoermä ß ig u » ge n: Das Porto beträgt für a) gewöhnliche Briefe über 50 bis 250 Gramm schwer 20 Pfg., b> Gcldbriefe über 50 bis 250 Gramm schivcr und mit Wertangabe bis zu 15» Mark 20 Pfg.. c) Gcldbriefe bis 250 Gramm schwer mit einer Wertangabe von 150 bis 300 Mark 20 Pfg., über 300 bis 1500 Mark 40 Pfg., d) Postanweisungen über Beträge bis zu 100 Mark an die Angehörigen des Feldheeres und die Besatzungen der zu den Seestreitkräften gehörigen Kriegsschiffe usw, 10 Pfg. Zu den Angehörigen des Heeres zählt auch das auf dein Kriegsschauplatz in der srelwilligen Kraukenpfiege zur Verwendung kommende Personal a) der deutschen Landesvereine vom Roten Kreuz und der mit ihnen verbündeten Vereine, sowie der Ritterorden — Johanniter-, Malteser-, St. Georgsritter —, b) derienigcn Vereine, Gesellschaften usw., die ans Grund des Gesetzes zum Schutze des Genfer Nentralitätszeichens vom 22, März 1802 von dem zuständigen Kriegsministerium zur Unkersttitzung des KriegSianttätsdieiistes durch besondere Bescheinigungen zngelasscn sind, Sendungen, die rein gewerblich« Interessen der Absclider oder der Empfänger betreffen, haben auf Portovergünstigung leinen Anspruch und unterliegen daher dem gewöhnlichen tarifmäßige» Porto. Die Aufschrift der Postsendungen muß natürlich die Nummer des bctr. Regiments und Armeekorps enthalten» deni der Adressat angchürt. — Tic Kasfccvorräte in Deutschland. Der Kon s u m an Kaffee betrug in Deutschland bisher ettva 14 Millionen Kilogramm irrt Monat. Ta man mit einem Bestand von 120 Millionen Kilogramm in Deutschland rechnet, so würden wir also fiir eine Zeit von gut acht Monaten utisern Bedarf aus eigenen Vorräten decken können. Tie Zufuhren sind aber vorläufig noch keineswegs unterbunden: wir können über Holland und über Italien Kaste- beziehen, und! diese Möglichkeiten werden voin Handel schon mit Eifer ausgenützt, sv daß selbst die Kasteetriuker, die ohne dieses Genntzmittel nicht' glauben auskommeu zu können, vorläusig sich noch nicht an den ®ü«: danken zu gewöhnen brauchen, daß der Kaffee ausgehen werbe. Was! aber wichtiger ist, das ist der Hinweis, daß vorläufig ä« 1 einer Preiserhöhung kein Grund vorliegt. Es ist' nicht ausgeschlossen, daß die neuen Zufuhren sich verteuern werben,' aber eine Gewißheit besteht darüber noch nicht. Das auf dem! Markte befindliche Angebot ist noch so reichlich und die Gefahr einest Rückgangs der Zufuhren so gering, daß die Konsumenten einen! schweren Fehler machen würden, ivemi sie Preissteigerungen im' Detailhandel begünstigen. Man ivird die Bewegung der Kaffee- prcise an den einzelnen Orten mit Slufmerksamkeit verfolgen müssen, um jedem Auftanchen einer ungerechtfertigten Preissteigerung sofort entgegentreten zu können. — Preissturz am Getreidcmarlt. Tie Preisbewegung an de» Gctreidemäriten während der letzten Tage zeigt, wie übertrieben^ die wüsten Preissteigerungen nach dein Kriegsausbruch ivaren. Zut Beginn der neuen Woche stürzten an der Berliner Getreidebörse die Preise für W c i z e w um 15 Mk., für R o g g e n um 17 Mk. und ftir! Hafer um 28 bis 25 Mk. für die Tonne. Das Angebot hat iveseiit- lich zugenommen. Am Montag-Frühniarkt betrugen die amtlich sestgeitclltcn Preise für sofort lieferbare Ware per Tonne <28 Zentneri: Weizen inländischer 215,88 bis 223.00 ab Bahn und frei Mühle. Roggen, iuländiicher. 180 bis 185 ab Bahn frei Mühle. Hafer, märkischer, mecklenburgischer, pommerscher, preußischer, bosnischer uiid schlesischer alter feiner 245,00 bis 200,00, alter mittel 225,00 bis 244,00 ab Bahn und frei Wagen, neuer rollend 200,00 bis 210,00, Mais 180,00 bis 180,00 frei Wagen, Futtergerste- inländische und ausländische, 200,00 bis 215,80 ab Bahn »nd fnei Wagen. Erbsen, inländische und ausländische Fnttcrwar«, wir feine und Ta-nbenerbsen 215,80 bis 230,00 Mk, — Altcnbuscck. Am Sonnlag nachmittag Punkt %8 Uhr findet im Vereinslokal eine Mitgliederversammlung des Volksvereins statt, zu der alle Mitglieder erscheinen müssen. Es sind verschiedene wichtige Angelegenheiten zu regeln, weshalb die Anwesenheit aller erforderlich ist, Tie Versammlung beginnt pünktlich! — Wicscck. In der vorgestrigen Sitzung des Gemeinderats wurde zunächst mitgeteilt, daß von Montag, 17. August, ab die Geschäfte der Bürgermeisterei von dem Beigeordneten Schäfer wahrgcnommcn werden, weil der Bürgermeister Schombcr zum Militär eiubcrufen wird. Zum Vertreter des Beigeordneten wurde das dienstültcste Gemeinderatsmitglied Becker bestimmt. — Auf der Tagesordnung stand weiter: Maßnahmen zur Unterstützung der durch den Krieg in Not geratenen Familien. Für diesen Zweck wird ein vorläufiger Kredit von 2080 Mark beivilligt. Doch soll die Unterstützung nicht in barem Geld«, sondern in Naturalien, Brot, Kartoffeln usw. gewährt werden. Es wird dazu eine Kommissio» gewählt, die aus dem Gemcinderechncr MöbuS, den Gemcinderais- mitglicdern Wacker, Erb. Scibert und den Bürgern Hch, Mank, Ph. Hch. Keller, Will). Hildcbrand, Leopold Löwenstein und Hermann Katz besteht. Kreis Wetzlar. st. Unchristlich auch im Kriegszustand. Das Organ der Christlich- sozialen in Siegen, Das Volk, kann scheinbar auch jetzt seine unanständige Kampfesmethodc gegen die Sozialdemokratie nicht lassen. Von verschwindenden Ausnahmen abgesehen, bemüht sich die Presse aller Parteirichtungen peinlich, während des Kriegszustandes unsere, Partei nicht anzuremxeln. Man ist gezwungen, die korrekte Haltung der sozialdemokratischen Partei anzuerkennen, liian fühlt deren gc- wattige Bedeutung inmitten der breiten Volksinasscn. Dies ein- znsehen, wird dem Volk natürlich schwer, sintemalen cs selbst nur ein kleines, bedeutungsloses Parteigrüppchen vertritt. Unter Randbemerkungen ihres Berliner Mitarbeiters soll die Sozialdemokratie in Nummer 187 herhatten. Ta heißt es u. a.: Genoss« Dr. L i e b k n e ch t ist in seiner Eigenschaft als Unteroffizier der Reserve zur Fahne gerufen worden. So lange er im Felde ist, wird man ihm in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt, in Leipzig den Hals wohl nicht umdrehen. . Weitere wirtschaftliche Notlage, Auch die altrenomicrte hiesige Firma Kraft u. Buß (Haarfabrik) hat ihren Betrieb eingestellt, wodurch eine ganze Anzahl Arbeiter und Arbeiterinnen ohne Verdienst jetzt sind. Die Firma Momma, Maschinenfabrik hier, läßt vorläufig ihren Betrieb 2 Tage ln der Woche ruhen. b. Zur Nachahmung empfohlen. Der Kreisausschuß des Kreises A lt« n kl rch e n. hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, den Familie» der Kriegsteilnehmer einen Zuschuß aus Kreis-> mitteln zu gewähren. Familien mit mehr als 2 Kindern unter 15 Jahren, sollen 10 Mark vro Monat erhalten, mit 1—2 Kindern 7 Mark und solche ohne Kinder 5 Mark. Zur Deckung der entstehenden Kosten wird zunächst der Rechnungsüberschnß vom Jahre 1913 in Höhe von 58 080 Mark (alle Achtung! D. B.) zur Verfügung gestellt. Ferner wird bei der Kreissparkasse eine Anleihe von 100 000 Mark für diesen Zweck ausgenommen, und dann sollen verschiedene Stfftungsvermögen, die dem Kreis zur Verfügung stehen, für Zwecke der Kreiskrankenpflege Verwendung finden. Alle Achtung! Wo bleibt aber der Kreisausschuß in Wetzlar mit einem ähnlichen Beispiel? Bekanntmachung. Die Friedhöfe sind vom 18. August bis 15. Oktober von morgens 6 Uhr bis abends 8 Uhr geöffnet. Gießen, den 13. August 1914. Ter Oberbürgermeister: Kel ler. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & C!«., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offcnbach a. N D.Kllliimkli, Gieße« Marktplatz II. «rUbrmackcr »nd Goldarbnter. Reichhniiige» Läger in Ubre», Gold- und Dttbertvare». Lieferant de» Konsum»Verein» Gießen ». Umg. und de» Essen- bahn - Konsmn ver ein». — Man verlange Rabattmarken. — 12 Glan? Mark 1.80 mati „ 4.00 Andere» Formate 'Familien, und Gruppen»Bilder entsnrec'iend billig. Phot Atelier Ge Bahnhofstrasse 64 Zu jeder Aufnahme eine Vergrössenmg 30x36 im Karton Mineffs Glanz Mark 4.80 matt - 8.00 , xr. Sonntags den als Geschenk ganzen Tag geöffnet wurde im CsaEbel errichtet und ist von lieiate eröffnet. Die Abgabe ciueö kräftigen Mittagessens an bedürftige Famitien-Angchörige der Kricgs- teilnehincr geschieht kostenlos, täglich mittags non 12 bis 2 Uhr. Anmeldungen müssen im gleichen Lokal am Abend borhcr zwischen 6 und 8 Uhr erfolgen, und werden Marken abgegeben, die zum Empfang je einer Portion berechtigen. Teller und Löffel sind mitzubriügcn. Gleichzeitig richten wir au die Bürgerschaft die herzliche Bitte, diese Wohltätigkeits- Anstalt durch Ucbcrscudiiug oon Nahrungsmitteln zu unterstützen. WU- Hilfe ist dringend nötig! Bekanntmachung. Wir haben, um den Eltern, besonders auch den alleinstehenden Frauen der Frldzugsled- nehmer, einen Teil der Sorge für ihre Kinder abzunehmen und um diese in erzieherischer Weise zu beaufsichtigen, Horte für alle Kinder bis zum 14. Lebensjahr eingerichtet. — In diesen werden die Kinder in angemessener Weise beschäftigt, bei gutem Weiter auch ins Freie geführt. Wo es not lut, wird auch für Verpflegung gesorgt. Attmcldttttge» werde» am Montag, dcn 17. August 1914, nachmittags zwischen 2 und 4 Uhr in der Ltadtmädchenschule, West-Anlage, enigegengenommen. Ohne Anmeldung keine Teilnahme! Kinder, die bereits seither in hiesigen Anstalten untergebracht waren, haben in diesen zu verbleiben. Im übrigen sehen wir zahlreichen Anmeldungen entgegen. Der Ansschutz für Dmiderfiirsoige. 6. m. b. H. _ Giessen, Seltersweg 52 M? Empfiehlt in der jetzigen Jahreszeit besonders: Erfrischitngä-Bonhons Cs©I®es Fruchtpasten Erfrischungs- Desserts I in grosser Auswahl zu billigsten Preisen. Stets frische Ware in besten Qualitäten! Täglich frisches Kaffee- und Teegebäck , Kuchen und Torten sowie alle sonstigen Backwaren empfiehlt Ludwig Müller, AchchHl. 52a i" " I Fabrik «Verkauf sst eile Walltorstrasse 24. / Wir empfehlen unsere vorzügl. Marken im Einzel- rerkaufe zu 5, 6, 7, 8, 10 Pfg. und höher (Abgabe auch einzelner Kistchen) und offerieren gleichzeitig dir. 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