\<* Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberheffen und der Nachbargcbiete. Die Oberbclibe Volks,etruno erscheint leben Werktag Abend in Cietzen. Der tonnemcntSprcis beträgt wöchentlich ll> Pfg.. monatlich 80 Pfg. tInfctiLniiatrIobn. Durch die Post bezogen vicrtcljähri.ILoMk. Redaktion und Expedition Bicken, Babnbositralic 23, Ecke Löwenoassc. Televbon 20V8. Inserate tosten die 6 mal gcspalt. Kolonetzeile oder deren Raum IS Psg, Bei grösseren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis adendslShr für die folgende Nummer in der Expedition aufgebe». Nr. 16 Gießen, Freitag den 14. August 1914 9. Jahrgang Wir stehen zusammen! Wie d österreichische» Sozialdemokraten zum Kriege siehe», dasicigt ein stammender Artikel des Hauptorgans »nscrcr ösrrcichischen Genossen, der Wiener Arbeiterztg., zu der dcouürdigcn Sitzung des deutschen Reichstags boin 4. August.iWir haben die Nummer der Wiener Arbeiterztg. tnit dicscuMrtikel erst jetzt erhalten; cs lohnt sich aber, anch heute nvckpiitzutcilcn, was unser österreichisches Brudcrblatt hier zu fein hatte. Es heißt dort: Dicso Tag des vierten August werden wir nicht vcr- gesicn. Ae immer die eisernen Würfel falle» mögen — und mit der »ßesten Inbrunst unseres Herzens hoffen wir, daß sie s i e g je i dj fallen werden für die heilige Sache des deutschn Volkes —: das Bild, das heute der deutsche Reichstag die Vertretung der Nation, bot, wird sich unaus löschlich »iprägcn in das Bewußtsein der gesamten deutschen Mcnschh», wird in der Geschichte als ein Tag der stolzesten und gcusltigstcn Erhebung des deutschen Geistes verzeichnet werden, flliib dem gesamten Europa, von dem sich ein so bc- ckrächtlichr Teil zu dem Vernichtungskampf wider das Deutsch» Reich rüstet, wird dieser Tag zum Bcwusttsein chringenl daß in dem Kampfe nm seine staatliche Unab- Ihüngigk«, in dem Kampfe um seine nationale Ehre Deutsch fand einst ist und einig bleiben wird bis zum letzten Blutstropfen. Ob die Diplomaten richtig gehandelt, ob es so kommen nustte, wie es gekommen, das mögen spätere Zeiten entscheid!r. Jetzt steht das deutsche Leben ans dem Spiel und da gibt s kein Schwanken und kein Zagen! Das deutsche Volk ist iinig in dem eisernen, unbeugsamen Entschlnst, s i ch nicht uäitcrjochcn zu lassen, und nicht Tod und Teufel vird es gelingen, dieses große, tüchtige Volk, unser deutsches Volk, untcrzukriegen! Diese Sitzung des Rcichstazes, in der cs aufsprüht von Mut und Kraft, zeig, den Feinden, daß sic in ihrem listigen Unterminieren der Sichcrhcst des Staates nuf ein ganzes Volk stoßen, auf ein Volk voll eiserner Kraft und crzcrncr Aus- Lauer! Mao» für Mann haben die deutschen Sozialdemokraten sür die Anleihe gestimmt. Wie die gesamte internationale Sozialdemokratie ist auch unsere reichsdcutsche Partei, dieses Juwel der Organisation des klas- scnbewußtcn Proletariats, die heftigste Gegnerin der Kriege, die leidenschaftlichste Anhänger!« der Eintracht und Solidarität der Völker. Und sie hat auch nichts unversucht gelasien, was diesen Weltkrieg, der nun vor allem der Krieg gegen deutsches Wesen ist, hätte ab° «enden können, was der Menschheit diese furchtbare Erschütterung des gesamten Erdenbnucs erspart hätte. Ihre Schuld ist es wahrlich nicht, wenn das Deutsche Reich und mit ihm die ganze europäische Welt die Kricgsgcißcl verspürt. Aber da das deutsche Vaterland in Gefahr, da die nationale Unabhängigkeit des Volkes bedroht, tritt die Sozialdemokratie schützend vor die Heimat hin, und die „vatcrlands- losen Gesellen", die „rote Rotte", wie sic der Kaiser einst sihalt, weiht dem Staate Gut und Blut der arbeitenden Massen. Tie Arbeiter denken nicht an die schnöde Behandlung, die ihnen der preußische I » n k e r st n a t zu- sügt, nicht des tausendfältigen Unrechts, des Hohnes, der Verfolgungen, die ihnen Tag nm Tag werden; sic denken nur an das geliebte deutsche Volk, bas in Not i st und das die Kraft der Arbeiter braucht; und furchtlos und mutig stellen sic sich an seine Seite. Sie mäkeln nicht und feilschen nicht; nie hat eine Partei größer und erhebender gehandelt als diese deutsche Sozialdemokratie, die sich des übcrernstcn Augenblicks wert und würdig gezeigt hat. Und so zieht das deutsche Volk einig in den Kamps um bie Bewahrung seines staatlichen und nationalen Daseins. Aus ber anderen Seite elende Speknlationen, Schacher- koalitioncn, denen jede sittliche Idee fehlt. Hier ein einig kraftvoll bewegtes Volk; die Weltgeschichte müßte den Lauf rückwärts nehmen, wenn den Deutschen nicht ihr inccht würde! • . . Eroberungen. während draußen die Kanonen sprechen, unterhalten sich einige Zuhousegebliebene damit, Striche auf der Landkarte zu ziehen. Solange diese Unterhaltung an den Biertischen mehr oder »linder entlegener Dorsschaften getrieben wird, ist dagegen tzienig einzuwcnden. Aber wenn der Chefredakteur eines großen Berliner Blattes sich an diesem Gesellschaftsspiel beteiligt, so wird man das nicht ohne Widerspruch hingchen lassen dürfen. Im Berliner Tageblatt deutet Theodor Wolfs an, daß Deutschland nach einem glücklichen Krieg Belgien zum Teil oder ganz annektieren würde. Er schreibt; „Die Versicherungen, die der bentsche Ncichskanzler der belgischen und der englischen Negierung für die Zukunft gegeben Hai, waren an Bedingungen geknüpft, die nicht erfüllt worden sind. Die belgische Negierung spiclle, als sic der deutschen Armee den Weg versperren wollte, ein höchst gewagtes und verlustdrohcndes Spiel. Hat sie darauf gerechnet, die Franzosen würden wie der Wind hcrbeicilcn und die berühmten hunderttausend Engländer würden rechtzeitig zur Stelle fein? Wahrscheinlicher ist, daß sic ihre Hoffnungen mehr aus die englisch« Diplomatie fetzte, die im Augenblick des Friedensschlusics»helfen soll. Es ist doch wahrscheinlich, dah die Welt nach dem Ende dieses Krieges anders als vorher ausschcn wird." Der Reichskanzler hat für den Fall, daß Belgien den freien Durchzug der deutschen Truppen gestatten sollte, die Integrität des belgischen Gebiets verbürgt. Tie Drohung des Herrn T. W. ist also deutlich. Ob mit solchen Auslassungen der deutschen Sache und der notwendigen Einigkeit des deutschen Volkes ge- dient wird, ist doch wohl im höchsten Grade fraglich. Die Sozialdemokratie hat dem Reich die Mittel bewilligt, die notwendig sind, um Deutschland vor dem Zaren und seinen Verbündeten zu schützen, sie hat aber damit keine Blankovollmacht ausgestellt für eine Eroberungspolitik, die einstweilen Herr T. W. allein verantwortlich zeichnet. Das deutsche Reich deckt mit seiner Fläche zwischen Ost und West das. ganze von; deutschen Volke bewohnte.Gebiet. Aufnahmefähige Elemente sind weder in Belgien, noch in Frankreich, noch in Rußland zu finden — nur in Oesterreich, das doch als Verbündeter für eine Eroberungspolitik gar nicht in Betracht kommt. Eine Vermehrung fremdnationaler Elemente, die sich nur m i t G e w a l t in den Rahmen des Reiches einfügen ließen, bedeutete eine Verniehrung der innern Schwierigkeiten und das Gegenteil einer nationalen Politik. Die Fortdauer der europäischen Unruhe auch nach der» Kriege würde durch sie traurige Gewißheit und der gegen- wärftge Kampf würde dann nur der Anfang einer ganzen Kette von Weltkriegen sein. Die Sozialdemokratie wünscht als Ergebnis des Krieges keine „öde Weltherrschaft", von der einst Wilhelm II. sagte, daß Deutschland sie n i e m a l s nnstreben werde, sondern einen Zustand, der es den europäischen Völkern ermöglicht, frei nach außen und innen nebeneinander zu woh- nen. Sie kämpft mit den andern gemeinsam für ein s e l b st - st ä n d i g e s, nicht aber sür ein „größeres", durch Ausnahme fremdnationaler Elemente weniger deutsches Deutschland. Sie kämpft für einen dauernd gesicherten Frieden, nicht sür einen ewigen Krieg, der die a n - dcrn Weltteile zu den Herren der von Europa verlassenen und verwünschten Kulturcrbfchaft machen würde. Wer von Eroberungen spricht, erweist dem deutschen Volk und ganz Europa einen schlechten D i e n st. Wer die gewaltsame Unterwerfung fremder Volksteile empfiehlt, treibt auch eine Politik, die alles eher als liberal ist. Wenn wir das Lcbcnsrecht des deutschen Volkes verteidigen — und das tun wir aus voller Ucberzeugung — müssen wir auch Achtung haben vor dem Lebcnsrecht der fremden Völker. • . * Keine doppelte Moral! Es ist ohne Zweifel wider das Völkerrecht, daß England zwei Panzcrschifse, die an! seinen Werften für Rechnung der Türkei gebaut wurden, mit Beschlag belegt und in sein« eigene Flotte cinge- reiht hat. Die konservative Presse Deutschlands gibt ihrer Entrüstung über diesen Streich denn anch den denkbar schärfsten Ausdruck und vertritt niit dankcnVverter Entschiedenheit di« Rechte der neutrale» Staaten. So redet beispielsweise die Deutsch« Tageszeitung nur davon, das, England di« türkischen Schiffe „gestohlen" habe, und die Kreuzzcitung steht in dem Vorgang einen neuen Beweis für die Art. „wie England mit den Rechten der neutralen Staaten umspringt". Wir sind ivcit davon entfernt, den englischen Uebergriff irgendwie beschönigen zu wollen, aber wir müssen uns doch die Frage vorlegen, ob gerade die öffentliche Meinung in Deuft'chland zu einer so herbe» Kritik berechtigt ist. Deutschland hat die Neutralität Luxemburgs und Belgiens verletzt. Es hat sie wie der Reichskanzler ausftlhrtc verletzen m ü i I c ». Aber der Einmarsch deutscher Truppen in das Gebiet dieser beiden Staaten war, wie Herr v. Bethmann mit anerkennenswerter Offenheit zugcstand, ein Bruch des Völkerrechts, und wenn wir nun die Beschlagnahme der ttir- klfchen Schiffe durch England als einen himmelschreienden Frevel hinstcllcii, dann wird cs uns schwer, de» Vorwurf abzuwchren, dass wir die Kränkung der Rechte neutraler Staaten verschieden bewerten ie nachdem, ob sie von uns oder von unseren Feinden ausgeht. Das Wort. „Not kennt kein Gebot" wurde an, vergangenen Dienstag im Reichstag,von der Mehrheit stürmisch beklatscht. Nun gut. wir sollten uns auch in dieser Zeit Objektivität genug bc- ivahren, sür uns keine Moral in Anspruch zu nehmen, die wir den anderen nicht zugestche» wollen, und auch die Kriegsbcgeistertsteii sollte» nicht vergessen, das, dem Krieg eine Friedenszeit folgt, in der wir, wie immer der Ausgang des Ringens sein mag, mit den Ngchbarvölkcrn au, dem Fuße gegenseitiger Achtung verkehren müssen. Vaterlandslose Geselle». Ausgerechnet in Potsdom, der Stadt der Pensionäre, hoben sich nicht genügend Einwohner freiwillig erboten, für Militär Privatquartiere herzugcbcn. Ter Magistrat hat einen besonderen Aufruf erlassen müssen. Die Potsdamer Tageszeitung wettert gegen diejenigen, die ihre Bcgnemlich» kcit durch Einquartierung nicht stören wollten: „Es handelt sick> in solchen Fällen um «ine hnnds- s ö t t i s ch c Gemeinheit gegen das Vaterland: diese Gemeinheit wird seinerzeit beglichen werden. Vielleicht irren die vaterlandsloscn Gesellen, die henke ihr« Bequemlichkeit nicht der Sache des Volkes und Vaterlandes opfern wollen, einmal als Verflucht« und Gcbrand markte umher; wert wären sie es wenigstens." Die „vaterlandsloscn Gesellen" . . . Das Wort klingt so bekannt. Aber diesmal sind nicht die „Roten" damit gemeint, wndern gute, brave Patrioten. Denn für die Einquarfterung kommen ja nur größere Wohnungen in Betracht, die engen Arbcitcrwohnungen scheiden aus. Ein ernstes Wort zu ernster Zeit. Man ersucht die Franks. Ztg. lim Aufnahme folgender Zeilen: In dein strahlenden Bild allgemeiner Begeisterung und Hingebung tauch?» einige trübe Flecken au>. vielleicht nur Schönheits- fchlcr. die zum Teil auch schon im Krieg 1870/71 gerügt iverden mussten. Es fällt peinlich auf. dass einzelne junge D cckm c n auch in dieser ernsten Zeit es flir richtig halten, sich zum Empfang durchreisender Truppen auffällig herauszuputzen. Ans ihrem Auszug in den schweren Krieg dürfen unsere Krieger wohl eine stimmungsvollere Form erwarten, und die Verwundeten und Gefangenen, die bereits eintressen, wird dies« Geschmacklosigkeit Heftemden. lim keinen Preis dürfen zwei andere Erscheinungen Wiederkehr e n: das H i n d r ä n g e n der freiwilligen Pslogerinnen zu den Offizieren unter VernachlässigungderKemcinen, die doch gerade so gut wie jene ihr Bestes getan und das Furchtbarste erlitten haben, und die Bevorzugung verwundeter Feind« gegenüber den eigenen Landsleuten. Gewiss sind die Feinde, die verwundet zu uns kommen, mitleidswert« Menschen; aber in erster Linie muss unseren eigenen Soldaten die hilsreichc Hand, die sich ihnen zuwendet, in dankbarer Liebe und Treue Hilfe schaffen." Vergebliche Lockung. Am Montag haben Flieger des französischen Generalissimus Pakete von in Belfort gedruckten Aufrufen hcrabgeworfen, die folgenden Wortlaut hatten: „Auftiif des ftanzösischcn Generalissimus an die Elsässer! — Kinder des Eisass! Nach II Fahren schmerzlichen Wartens betreten ftanzösische Soldaten wiederum den Boden eures edlen Landes. Tie sind die ersten Arbeiter des grossen Werkes der Revanche; es erfüllt sie mit Rührung und Stolz. Um das Werk zu vollbringen. geben sie ihr Leben dahin. Tie ftanzösische Nation steht einmütig hinter ihnen, und m den Falte» ihrer Fahne stnd die Zauberworte eingegraben: Recht und Freiheit! Es leb« das Eisah, es lebe Frankreich!" Die Unterschrift lautet: Der französische Generalisimns: Joffre. Gebracht durch die französischen Esquadrilles, Mülhausen. Angriff auf Daressalam. Englische Zeitungen bringen die Nachricht, daß der Hafen von Daressalam von den Engländern angegriffen und der dortige Funkenturm von ihnen zerstört worden sei. Eine englische Danksagung. Aus Köln erhielt die Frankfurter Zeitung folgende Postkarte mit dein Ersuchen um Veröffentlichung: Sehr geehrter Herr Redakteur! Fm Begriff, Deutschland zu verlassen, dürfen wir Sie bitten, mittelst Ihrer Zcitinig den Eisenbahn-, Militär- und Pokizei-- beamtcn unseren anfrichtigstcn Dank anszudrücken für die g r o ss c Höflichkeit, die Rücksicht, mit der sie uns airf unserer Reise cntgegengekommen sind. Besonders in Niedcrlahnstcin, wo wir lange, eriniidcnde Stunden verbringen mussten, und wieder in Köln wurden wir von allen Beamten und der Bevölkerung mit der grössten Rücksicht behandelt. Fndem mir allen herzlich danken, nwchtrn wir alle Deutsche vcr» sichern, dass wir unsererseits unser M ö q l i ch st e S tun werden für die Deutschen, mit denen wir in England in Berührung kommen werden. Dankbare Mitglieder der englischen Kolonie in Frankfurt. CH» Stockpole — Erzbischof vo» Posen.' Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung berichtet: Die Königliche Staotsrcgiernng beschloß, die seit dem Tode des Erzbischofs Stablewski bestehende Sedisvakanz im Erzbistum Poscn-Gncscn zu beenden. Die Verhandlungen mit dem Päpstlichen Stuhle führten zu eincni Einverständnis darüber, daß der bisherige Weihbischof von Posen, Dr. Likowski, zum Erzbischof von Posen-Gnescn ernannt werden soll. Die Ernennung ist noch nicht erfolgt, steht aber bevor. Auch diese Maßnahme will die bisherigen Gegensätze aus- gleichen, Verstiminungcn beseitigen, aussöhnen. Wer hätte das vor wenigen Tagen für möglich gehalten! GciicralstabSkönfcrcnzc» für die Presse. Die augenblickliche Laue hat cs mit sich gebracht, bah die Mli- tärvcrwalMng ständia Kühlung mit der Presse nimmt, Es werden daher Konferenzen stattsindcn, in welchen ein« gegenseitige beruflich-technische und vertrauliche Aussprache vorgenommen iverdcn soll. Tic erste dieser Konferenzen fand am Montag im Reichstag statt. Major Nicolai, der Vorstand der Nachrichtenabteilung des Groben Gcncralstabes. gab eine Tarstcllung über de» Verlauf und die bisherigen Ergebnisse der deutschen Kriegsführung. Er bat die Preflc, nach Kräften die an sich ja verständliche Ungeduld des Publi- tums, mit der cs ans die Kunde von gewonnenen Schlachten warte, zügeln zu helfen. Insbesondere miille verhindert werden, daß die Masten argwöhnisch würden, wenn der Nachrichtenborn jetzt noch eine zeitlang — und auch später nach Beginn der taktischen Ope- rationcn gelegentlich einmal — etwas dürftig fließe. Kur den Augenblick se« man mitten im Ausmarsch. Gcplänkelt oder auch gekämpft werde ununterbrochen da oder dort, doch hätten diese Zusammenstöße nur sehr untergeordnete Bedeutung. Und es komme jetzt alles darauf an, dem Gegner alles vorzucnthalten, was Schlüsse auf die Anlage des Feldzuges auf unserer Seite gestattet. Später, nach den ersten Schlachten, wenn nichts mehr zu verheimlichen sei, ivcrde dies ganz von selbst anders. Wenn etwas wirklich Wichtiges passiere, werde das, wie cs sich beim Kall Lüttich gezeigt habe, schon bckanntgcgeben. auch, wen» das Kriegsgiück unseren Truppen einmal weniger günstig sei. Die Amnestie.. Der preußische Justizminister hat zur Ausführung des Allerhöchsten Gnadenerlasses vom 1. August am 4. August folgendes verfügt: Gesamtstrafen, die wegen der unter den Allerhöchsten Gnadenerlaß vom 1. August fallenden Straftaten erkannt sind, sind insoweit erlassen, als die ihnen zu Grunde liegenden Einzclstrafcn in den Rahmen des Erlasses fallen, ohne Rücksicht auf die Höhe der Gesamtstrafe. In den Strafsachen, in denen durch den Allerhöchsten Erlaß vom l. August die Strafen erlassen worden sind, sind die Kosten bis auf weiteres nicht einzufordern oder cinzutrcibcn. Den verschärften Belagerungszustand über Danzig hob der Festungskommandant von Danzig wegen der musterhaften Haltung der Bevölkerung wieder auf. Deutschlands finanzielle Kriegs» üstung. Zu der Erklärung der Norddeutschen Allgemeinen Zei- tung über die finanzielle Kriegsrüstung Deutschlands schreibt die Neue Freie Presse: Das Bild, das von halbamtlicher deutscher Seite entworfen worden ist, ist glänzend. Wie die Armceverfassung so ist auch die wirtschaftliche Verfassung unseres Verbündeten durch die Kraft der Voraussicht und hellen Verstand gekennzeichnet. Diese wirtschaftliche Politik trögt auch dazu bei, anderen Ländern als leuchtendes Vorbild zu dienen. Französische Kriegsgefangene. Gestern nachmittags haben 700 französische Kriegsgefangene aus dem Elsaß Worms aus dem Transport nach dem inneren Deutschland passiert. .Die französischen Gefangenen. Die Frankfurter ZeiMng schreibt: In der Bethmannschule liegen 170 französische Gefangene! Ganz früh schon huscht die Nachricht von Mund zu Munde, und die Leute, die von Bornheim kommen, machen einen Umweg durch die Anlagen. Sic klettern auf die Bänke, auf die Einfassungsmauern, um einen Blick auf die Nothosen werfen zu können. Da sind sic nun endlich, dl« Beweisstücke unserer ersten glücklichen Erfolge. Cie leben und reden und keine französische oder belgische Lllgcn- nachricht kann sic aus der Welt schaffe». Fm Schulhof stehen einige deutsche Feldwebel und Offiziere. Unter den schweren Sommcrschattcn der Bäume selten sic ganz friedlich aus. Tann aus der Treppe zu den Schulräumen noch einige deutsche Soldaten mit aufgepslanztem Gewehr. Wir treten in ein Klassenzimmer. Aus der Tafel steht noch mit exakter sorg- fälttgcr Lchrerschrlft mit Kreide hingcmalt „Die Neuordnung des athenischen Staates durch Solon". Auf den Boden ist Stroh hin- gcbreitct und dort liegen sie in ihre» roten Hosen und etwas graublauen, unsauberen, karrierten Hemden. Sic sind müde und unwirsch und schauen mißtrauisch zu mir hin. Daun beginnt der eine A f r «j a. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 33 Das ganze Grauen und das innerste Wesen dieser Schöpfung, ihre ewig gebührende Kraft und ewige Vernichtung zeig- ten sich in allcnAbstufungen. Uebcreinandcr gestürzt.gcbrochcn, geborsten und verwittert lagen zahllose Stäninie, wie der Tod jie ereilt hatte. Manche hatten ihm lange getrotzt, bis ihre Stunde kam, andern war er früh erschienen. Hier ruhten sie in dichter Gemeinschaft, dort hatte ein Riese, aus der Höhe niedcrfallend, zerschmettert, was seinen Sturz aufhalten wollte. Mit königlichen Leibern bedeckten sie die Felsen, an denen ihre Kronen zersplittert waren, wankend nnd seufzend standen andere mit zerrissenen, losgctrenntcn Wurzeln und erwarteten den Stoß, der ihrem Dasein ein Ende machen sollte. Von vielen, die einst mächtig nnd gewaltig, war nichts übrig geblieben als eine faulige zerstörte Masse; über sie hingestreckt lagerten ihre Kinder und Enkel, an denen der Wurm der Vernichtung noch frischer nagen konnte. Hier fehlten die Aeste, dort fehlte die Rinde, da war der Splint noch frisch, dort alle Hülle abgefallen bis aufs tiefste Mark, während neben ihnen, ihr Elend verhüllend, grüne saftige Gefährten ruhten, die gestern noch frische Zweige in die Lüfte schickten, damit ein irrender Vogel Schlaf und Frieden aus ihnen suche, der schreiend ausflattcrte und floh, als Geister der Nacht heulend durch die Schlucht stürmten und den lebenslustigen Gesellen zu den Toten warfen. Es war keine leichte Arbeit für die neugierigen Wanderer, fortgesetzt über die Haufen schlüpfriger Baumstämme und über die unwegsamen Steintrümmer zu klettern, aber Helgestad war nicht so bald zu ermüden und eingesponnen in seine Betrachtungen, welche Vorteile dieser Wald dem Besitzer bringen niußte. Während Pctcrlcn und Marstrand in die Tiefe des Tals vordrangen und den Balself verfolgten, ,ging er mit Olaf der Höhe zu, um einen freieren Punkt zu oder andere langsam im Patois der Gegend von Bclfort zu reden. Eine Hand voll Zigaretten, hier und dort verteilt, macht sie zutraulicher. Es ist llar. sie haben immer noch Furcht vor einem ungewissen drohende» Schicksal, dem sie entgcgenzugchcn glauben. Ein intelligenter junger Bursche beginnt zu erzählen und dann wieder einer. Nein, sic wissen nichts, gar nichts! Noch nicht einmal di« Namen der Generäle, die sie führten. Fn einem anderen Zimmer liegt ein sungcr Unteroffizier auf der Streu. Er schläft. Tic Wache weckt ihn, und brummend erhebt er sich. Unwillkiirlich mache ich Vergleiche zwischen dem blitzsauberen stämmigen und geraden deutschen Soldaten, der neben mir steht und den Leuten, die dort wie Tote aus dem Strohlager ruhen und in ihren ärmlichen blauen Mänteln oder Ihren karrierlcn Hemden und roicn Hosen so merkwürdig verlottert aussehen. Aber wir wollen nicht vergessen, sie haben einen langen Marsch und eine Schlacht hinter sich, bei der sie durch Gräben und aus der Erde hinkriechc» mußten. Ter junge Mensch ist Maler: er hat in Zürich und München studiert und spricht deutsch. Er leuchtet auf, als ich ihm von Bildern spreche und erzählt aus deutsch in schweizer Dialekt. Auch ein anderer spricht deutsch. Seine Frau ist ein« Deutsche und er klagt über diesen Krieg. Nur ganz allmählich erfahre ich, daß fast alle diese Leute aus Bclfort und Umgebung stammen und in Bclfort in Garnison lagen und daß es das siebente Korps unter General Bonncau und eine Division war, die auf französischer Seite im Kamps standen. Der Divisionsgeneral hieß „Subcrbq", ruft einer dazwischen. Und aus meinen Einwurf: „Eh bien, pas de blagues", versichert er ganz ernsthaft, und die anderen stimmen zu: Mais oui, il s’appelle Suberby. Ucbrig«Ns scheinen die Leute wirklich wenig Ahnung davon zu haben, wer a» ihrer Spitz« stand, und sie behaupten, im letzten Augenblick seien an den leitenden Stellen die Befehlshaber gewechselt worden. Als ein langer treuherziger Bursche in breitem Dialekt von seinem Oberst Tutrel erzählen will, ertönt ein Pfiff, und er schweigt verlegen. Viele von ihnen sind übrigens Reservisten, die erst vor vierzehn Tagen «ingezogen sind, und di« fast keine Vorstellung haben von dem, was um sie her vorging. Am Mittwoch sind sie von Bclfort abmarschicrt. wo alles ruhig war. Tann waren sie zwei Tage unterwegs, und am Sonntag um halb zwölf Uhr morgens begann vor Mülhausen die Schlacht, die furchtbar war. Ein Mann von den 183eru sagt glücklich lächelnd, daß er von den 10 bis 50 Mann seiner Sektion der einzige Uebcrlebende sei! Bis zum Abend um 11 Uhr dauerte das Feuer, und selbst in den Straßen von Mülhausen und in den Gärten sei gekämpft worden. Hierbei seien einzelne von ihnen obgefprengt und gefangen genommen worden. Andere sind in der Nacht vom Sonntag zum Montag auf dem Marsche überrascht und nach längerem Kampf gefangen genommen worden. Vorgestern abend wurden sie von Mülhausen abtransportiert; sie übernachteten in Colmar und fuhren dann nach Frankfurt. Eine Stube Gefangener nach der anderen wurde gegen zwei Uhr heruntcrgcführt in den Schulgarten, wo sie Suppe, W u r st und Brot erhielten, und wo eine behäbig« gemütliche Frau mit gewalttger Gest« den Riescnlöffel hantierte, der die Suppe aus dem Kessel holte. Wir aber alle hatten die Empfindung: Wenn von unseren braven deutschen Jungen manch einer — und Gott gebe, daß ihre Zahl so klein wie möglich sei — auf fremder Erde in Gefangenschaft geriete, so mögen sie dort so gut und Menschenfreund l i ch behandelt werden, wie diese Franzosen in Frankfurt. Was die Franzosen erzählen. Aus dem Leserkreis der Franks. Ztg. wird eine Reihe von Acußerungcn mitgeteilt, die die in Frankfurt für kurze Zeit untergebrachten französischen Gefangenen getan haben: „Wir haben die Deutschen nur gesehen, wenn sie im Laufschritt auf uns zukamen. Unsere Toten hatten fast nur Kopf- und Brustwunden. Bei Mülhausen waren die Deutschen uns einmal auf 50 Meter nahegekommcn und schossen alles über den Haufen. Unser Leutnant sagte: Wo stecken sie nur? Auch er sah trotz des Feldstechers nichts — alles war grau. Die Erde und die feldgrauen Uniformen sahen sich ähnlich, wie ein Ei dem anderen. Wir haben unsere alten Exerzieruniformen behalten und mit diesen sind wir aus Bclfort ausgerückt, weil nichts anderes da war!" Dentschland «nd Italic». Der italienische Botschafter in Berlin, Bollati, hat, wie die Neue Gesellschaftliche Korrespondenz mclhct, seiner Regierung den Wunsch ausgesprochen, sie münolich über den Stand der Dinge in Deutschland zu unterrichten. Bollati, der aus seinen deutschen Sympathien niemals ein Hehl gemacht hat, reiste gestern abend nach Rom ab; die deutsche Re- gicrung hat ihm einen Sondcrwagen, der einem Militärzug eingefügt worden ist, zur Verfügung gestellt. Die Engländer befürchten eine» Flotteniiberfall. Die Furcht der Engländer vor einem deutschen Uebcrsoll ans die englische Küste ist wieder erwacht. Der militärische Mitarbeiter der gewinnen, von dem aus sich das ganze Gebiet übersehen ließ. Der nordlündische Eigentümer war kein Spekulant, und seinem mäßigen Erwcrbstriebe wollte die Benutzung dieser Holzschätze durchaus nicht recht einlcuchten. Er bedachte die Schwierigkeiten sowohl wie die bedeutenden Kosten, welche es machen müßte, um hier Bäunic zu fällen und bis an den Fjord zu bringen, und entwickelte seine Gedanken darüber, daß cs immer billiger bleiben werde, Holz aus dem Süden kommen zu lassen, tvo es im Ilcberfluß wachse. Helgestad hörte still zu und schlug dann und wann mit seinem großen Stocke an die mächtigsten Bäume. „Kannst cs nicht begreifen", sagte er endlich. „Gehörst zu denen, die sehen müssen, ehe sie glauben, und hat auch sein Gutes, ruhig in Empfang zu nehmen, was da ist, und sich nicht auf Grübeln und Trachten cinzulasscn. Magst es aber als gewiß annehmen, Olaf, daß du in Jahr und Tag finden wirst, es sei das leichteste Ding von der Welt, den ganzen Wald zu Brettern und Bauholz zerschneiden zu lassen, und nichts bequemer, als am Balsfjord Jachten zu beladen, die es bis nach Nordland und selbst nach Holland führen." Olaf sah den Sprecher verwundert an und erwiderte kopfschüttelnd: „Es ist möglich, daß es Mittel gibt, aber viel Geld und große Mühen sind dazu nötig. Gehörte das Land Euch, so würde ich glauben, Ihr könntet es wagen, dann »och reicher oder ärmer zu werden; dieser dänische Herr aber wird so leicht nicht an so große und schwierige Spekulationen denken, und schwerlich wird er einen finden, der Narr genug wäre, ihm dazu große Sommcn vorzustrecken." „Keinen Narren außer mir," sagte Hclegstad ihm Pfiffig zunickend. „Wie?" rief der Nordländer, „das wolltet Ihr wirklich tun? Verlockend mag es aussehen, aber ich warne Euch. Ihr habt mehr als viele erworben und seid in Jahren, wo man nusruhen soll." „Nuh!" antwortete Hclgestad grinsend, „habe wirklich geglaubt, würdest mit beiden Händen zugreifcn, wenn dir ein Times schreibt, England müsse sich auf eine» Haid st reich der deutsche» Flotte vorberciten. Die geeignete Zeit dazu seien die nächsten beiden Wollten. Es sei nicht aiizunehnn«, daß eine junge Flotte wie die deutsch«, die sich ihre» Lorbeer erst lerdicncn müsse, in de» Häsen sich verbergen werde. Auch der Hstorikcr Holland Rose hält diesen Handstreich für möglich. Tie englische Flotte. Ein englisches Geschwader wurde zwischen Kostu und Pakras gesichtet, ei» anderes, bestehend aus mehreren Pa>zcrii und zehn Torpedobooten, auf der Höhe von Ancona (Italien Englische Massnahmen. In London hat sich eine Fremdenlegion gebildet,, die neben dem englischen Heer kämpfen soll. England will, wie verlantet, ein zweites Heer auf- stellen: Lord Kitchener habe Aufforderungen in alle Graf- ichastsräte des Königsreichs gesandt, ihm dabi behilflich zu sein. Das englische Publikum boykottier deutsche Geschäfte, Getränke »nd Waren. Das Daily Chroicle verlangt, daß das den Deutschen anfcrlegte Verbot, Wahn nnd Automobile zu besitzen und das Telephon zu bcnven, auch auf die O e st e r r e i ch c r und Ungarn ausgedcnt werde. Viele von Deutschen bewohnte Häuser sindoon der Lon- doner Polizei durchsucht worden. Nicht wniger als 21' Spione oder als solche verdächtige Leute wurda am Dienstag und Mittwoch voriger Woche in Haft genommen, darunter ein d e u t f ch e r B a r o n und andere in hohen «zialcn Stellungen befindliche Deutsche. Die ihnen gehcigen Automobile wurden von der Polizei beschlagnahm Auch der Vertreter Krupps, Friedrich Wilhelm von B ü o w, wurde verhaftet.. Englands Versorgung aus Dänen»«? stockt. Die dänische Ausfuhr nach England wurd wegen der Minengefahr in der Nordsee eingestellt. Das st insofern schlimm für England, als cs riesige Mengen dän'ches Fleisch bezogen hat. Ein japanisches Geschwader in De. Ein japanisches Geschwader ist nach einer Meldungder Agenzßr Stefans unter Admiral Dewa in See gegangen. Französtschr Spionage in der Schweiz. In Basel hat die schweizerische Polizei, wie der Errier« bellet Sera erfährt, eine französische Spionage-Agentur aufgcobcn. Die Entdeckung erfolgte dadurch, daß eine mit der Adresse de« Hauptagenten versehene Briestaub« der Polizei in di« Hand siei. Dl« Spione ivurden verhaftet. Blockade der montenegrinischen Küste. Oesterreich teilte der italienischen Regierung fremdschafsi sich mit, daß es die montenegrinische Küste blockicrm werde, Italien erhebt keinen Einspruch. Frankreich und Belgien. Belgische Blätter veröffentlichen Telegramme Bischen: dem Präsidenten der französischen Kammer Deschanel und' dem Präsidenten der belgischen Kammer. In ihner. werden, die Belgier als Verteidiger der europäischen Unablängigkeitz und als Vorkämpfer der Ehre bezeichnet. Weiter geben die Blätter offen die Bildung ein s-Franc- tireurkorps für den Guerillakrieg zu. Ein guter Jang. Nach Meldungen aus Stockholm wurde dort der 'michtigw russische Spionageagent Hamper verhaftet. Dieser wohnte seih einigen Tagen unter dem Namen Met» in einem Stockholner Hotel, wo ihn ein Gast erkannt«, der den kommandierenden Admiral in Kenntnis setzte. Der Admiral entsandte eine Patrouille, die Hamper verhaftete und mit ihm ein« in seiner Begleitung befindliche englische Dame, bei der Diamanten im Werte von vielen tausenden Mark gesunden wurden. Hamper war früher Leiter eines russischen Tpiviiagebnreaus in Kopenhagen, das seine Verbindungen iiber ganz Skandinavien, besonders über Schweden ausgedehnt hatte. Ans Rnsstsch-Pole». Die Gazetta Wicczorna erhält von einem aus Ezcnstochau tnl Lemberg ei »getrosten en Rei senden folgende Mitteilung: Vor i*nt Einzuge der deutschen Truppen in Ezenstochau kam cs dort zu einer förmlichen Revolution der polnischen Reservrste». Fn Warschau herrscht infolge der kriegerisch«, Ereignisse Geld- n o t. Tie Fabriken ivaven am Samstag nicht mehr imstande, ihm» Arbeitern den Wocheulohn auszuzahlen. ——— Anteil am Geschäft geboten würde. Wird Geld kosten, wie du sagst, aber werden die Vorteile auch groß sein. Sich her, gibt zwanzig Stellen, die gut sind für Schneidemühlen, und schwimmt das geschnittene Holz über alle Fälle der Bakself fort bis an den Fjord, wo es aufgesischt wird. Müssen jetzt alles Bauholz von Trondhjem nnd selbst von Bergen Holk». Werden es künftig besser und jedenfalls billiger haben, bi- greisst es, Olaf? Isis nicht so?" Aber es war nicht so. Olaf erklärte mit vieler Bestimin- heit, daß er mit dieser Spekulation nichts zu tun habtr wolle; mochte nun Hclgestad auch behaupten, daß solche Bäune ii, ganz Finnmarken nicht weiter zu finden seien, daß die besten Schiffe daraus gebaut werden könnten, obenein aber de kleinen Täler an den beiden Seiten des Fjord so geschützf lägen und voll fruchtbaren Bodens feien, daß Kolonisten übert all sich darinnen anbauen könnten, er schüttelte beharrlich de» Kopf nnd widerriet das ganze Unternehmen. Plötzlich aber wurde ihr Gespräch von einem wildeitz Schrei aus der Schlucht unterbrochen. Im nächsten Augen« blick folgte ein Schuß, dessen Donner alle Echos weckte, danrj ein Gebrüll, das Entsetzen erregen konnte, und gleich darauf ein neuer Büchsenknall. Rauch stieg zwischen den Bäumen auf, ein Mann floh in größter Hast über die Steine nnd Trümnicr nnd schrie im Lausen laut um Hilfe. Alles das geschah fast zugleich, doch Olaf sowohl wie Helgestad wußten es beide zu deuten. Der Nordländer rannte mit dem Gewehr in der Hand dem Flüchtling entgegen, welcher kein anderer war als der Schreiber, und als er ihn erreicht hatte, hielt er ihn halb mit Gewalt fest, denn Paul Pcterjen schien vor Schreck Atem »nd Besinnung verloren zu haben. Sein Gesicht drückte Entsetzen aus, er hatte seinen Hut auf der Flucht verloren, sein Haar flog ihm um den Kopf, und seine Augen blickten verwildert uniher. lFortsctzung folgt.) Amerikas Neutralität. 3 tn 3 Ncwyork wird der Franks. Ztg. gemeldet: Die amerikanische Regierung erlaubt nicht das Auslaufen der Schiffe, die sich vorbcrciten, als Hilfskreuzer zu dienen. Die Regierung wünscht, ihre Schiffsverbindungen mit Europa im Interesse der Baumwolle- und Gctreidc-Expor- jcure aufrecht zu erhalten. Die Deutschen in Ncwyork protestieren gegen die Besitzergreifung der deutschen Nadiostation bei Ncwyork durch die amerikanische Marine, da in diesem Falle alle Nachrichten über den Krieg lediglich aus französischer und englischer Quelle kommen würden. Die Entscheidung der amerikanischen Regierung steht noch aus; sie gibt an, daß sie alle Kriegführenden gleich behandeln wolle. Die Funksprüch-Verbindungcn zwischen Amerika und den deutschen Schiffen haben nunmehr aufgehört. Unser Schiffe in Sicherheit. Der Verein Hamburger Reeder läßt durch den Vorsitzenden seines Verwaltungsrats, Generaldirektor Ballin, anläßlich der Meldungen, daß vereinzelte deutsche Handelsschiffe von englischen Kriegsschiffen aufgebracht worden seien, erklären, daß sämtliche deutschen Handelsschiffe, die zur Umwandlung in Kriegsschiffe in Betracht kommen, sich in Sicherheit befinden, und daß ferner ^e in überseeischer Fahrt be- findlichen Handelsschiffe nach dem Ausbruch des Krieges ihren Aufenthalt in neutralen Häfen nicht mehr verändert haben, so daß auch diese außer Gefahr sein dürften. _ Ausstand des ukrainischen Volkes. Privatmcldungcn aus Ezcrnowitz zufolge ist dort am I. August eine ganze Kompagnie ukrainischer Kosaken einge- troffcn. Sie kamen in voller Ausrüstung mit ihren Pferden an. Die Deserteure erzählen, daß in allen Grenzstädten der russischen Ukraine Proklamationen an das ukrainische Volk erlassen worden sind. Die ukrainische revolutionäre Partei fordert in dieser Proklamation das ganze ukrainische Volk zu einem Aufstand gegen Rußland auf, um so die Ukraine vom russischen Joch zu befreien. Standrechtlich erschostcn. Der Kommandant in Leipzig teilt mit, bah dort während der letzten Nächte mehrere russische Spione verhaftet worden sind, die sich auf den Dächern in die Anschlußieitungen nach dem Bezirkskommando und dem Garnisonskommando eingeschaltet hatten. Die Spione wurden kriegsgerichtlich zum Tode verurteilt und crschosicn. In Aachen wurden durch Beschluß des Feldgerichts wegen Schießens auf deutsche Soldaten aus dem Hinterhalte 5 belgische Zivilisten zum Tode verurteilt und standrechtlich erschossen. Opfermut. Infolge des gestrigen Aufruss des Berliner Lokalanzeigers, um der durch den Weltkrieg über unser Vaterland hercingebrochenen Not zu steuern, find bereits zahlreiche Spenden cingegangcn. Unter anderem erhielt die Sammelstcllc des Lokalanzcigcrs von der japanischen Kolonie 1000 Mark mit einem Schreiben, in dem die Japaner betonen, daß sic damit ihrer lieben und tapferen Freunde und deren Angehörigen gedenken wolle». In der kleinen Ortschaft Prien am Ehiemscc wurden an einem einzigen Tage über 10 000 Mark Wehrbeiträge freiwillig gesammelt. Der Verein bayerischer Geschäftsreisender hat 20 000 Mark für die Familien seiner ins Feld gezogenen Mitglieder gestiftet. Gekaperter Dampfer. Der Dampfer „Prinz Eitel Friedrich" der neuen Dampfcrkolonie Stettin, der am 30. Juli St. Petersburg verlassen hat mit Ladung für Stettin und gegen 40 Pasta- gieren, ist am 31. Juli früh, also vor Kriegsausbruch vow russischer Seite beschlagnahmt und nach Reval gebracht war- den. Die Passagiere wurden zwangsweise über Helsingfors» Torma abgcschoben. / Kochendes Wasser auf deutsche Soldaten. Aus Herbcstal eingctrosfencn Meldungen zufolge 'vcr> teidigtcn die in den Lütticher Waffenfabriken beschäftigten? Frauen die Häuser, indem sie kochendes Wasser auf die stür« menden deutschen Soldaten gossen. / Selbstmorde. '. Gestern nachmittag unternahm der 35jährige Sekretär de« Berliner Nationalgalcric. Oskar Klink«, aus der Dortmunder- straße 2 aus Gram darüber, daß er infolge seines Gesundhcits- zuftandes nicht am Feldzug« teiinehmcn konnte, einen Selbstmordversuch, indeni er sich aus dem Bahnhof Börse vor einen Stadtbahnzug warf und sich überfahren ließ. Dem Unglücklichen wurdcir beide Unterschenkel zerschmettert. Sein Zustand ist sehr bedenklich: Der aus Antwerpen ausgewiesene Diamantcnschlciser Mohring in Leipzig, dessen Frau in Antwerpen im Krankcnhause liegt, stürzte sich, als er von den Ausschreitungen des Pöbels und von dem Schick-, sal seiner Frau erfuhr, aus dem Fenster. Er wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Wien, 13. Aug. Der französische Botschafter hat mit seiner Familie und seinem Botschafts-Personal gestern abend im Sonderzugc Wien verlasse,«, um über die Schweiz nach Frankreich zurückzukehren. - ggj An die hessischen Sozialdemokraten! Parteigenossen und Genossinnen! In furchtbar ernster Zeit richten wir heute an Euch das Wort! Eine ungeheure Katastrophe ist blitzschnell über uns hereingebrochen. Europa steht in Flammen. Deutschland hat den Krieg gegen mehrere Fronten zu führen. Was das Ende dieses gewaltigen Ringens sein wird, ist nicht auszudenken. Sicher aber ist, daß der Krieg auch ungeheure Opfer von der Arbeiterbewegung verlangt. Tausende unserer Parteigenossen sind unter die Waffen gerufen. Arbeitslosigkeit, Rot und Entbehrung trifft die Daheimgebliebenen. Da heißt es, den Kopf oben behalten. Wir muffen auch in dieser schweren Zeit bleiben, was wir find. Unser sozialistisches Ideal muß uns hinwegtragen über alle noch so furchtbare Rot. In diesen schweren Tagen aber ist es notwendiger denn je, daß die Arbeiterschaft treu zu ihrer Organisation, treu zu ihrer Presse steht. Wohl sind unsere Reihen durch die Einbemfungen zum Heere augenblicklich stark gelichtet. Aber ein Stamm alter Parteigenossen ist doch überall vorhanden. Seine Pflicht ist es, einzuspringen und dafür zu sorgen, daß die Lücken in den Vorständen der Organisationen sofort besetzt und daß die Beiträge regelmäßig einkassiert werden. Wohl sind Massen parteigenössischer Familien im Augenblick vor das Nichts gestellt und die Erhaltung des nackten Lebens mag ihre erste Sorge sein. Aber auch die Partei bedarf der Mittel, soll sie im Interesse der arbeitenden Klasse auf dem Posten sein. Wer es nur einigermaßen kann, erfülle nach wie vor seine Bcitragspflicht, bleibe nach wie vor Leser unserer Parteipresse. Von den Partei- Offenbach a. M., den 14. August 1914. genossen aber, denen es ihre Lage ermöglicht, erwarten wir, daß sie ein übriges tun und ihre Opferwilligkeit für die Partei in erhöhtem Maße betätigen. Wer irgend in der Lage ist, stelle sich der Partei zur Verfügung. In allen! Orten muffen unsere Organisationen Auskunftsstellen errichten, in denen Auskünfte und Ratschläge in Unterstützungs-Angelegenheiten zu! erteilen sind. Bestimmt überall eine Bertrauensperson, die diese Angelegenheit er-: ledigt. In Zweifelsfragen wende man sich unter Darlegung des Sachverhaltes an uns- Vergeht auch nicht Parteigenossen und Eenoffinnen, daß die Frauen gerade in der gegenwärtig ernsten Zeit für die Bewegung von der allergrößten Bedeutung sind. Sorgt dafür, daß durch weibliche Mitglieder die Partei neuen Zufluß gewinnt, der unser Parteileben mit neuer Kraft erfüllt, jetzt wo uns so viele Kräfte entzogen sind und zum Teil uns und der gesamten Menschheit wohl ganz, entrissen werden. Denkt auch an die Zugend. Ihr ein gutes Beispiel zu geben, das Organisationsleben weiter zu fördern und die Bande der Solidarität zu pflegen, ist gerade jetzt wertvoller denn je. Genossinnen und Genossen! Helft alle in dieser schweren Zeit, wo immer Ihr dazu in der Lage seid. Weihe jeder seine Kraft der großen Sache der Arbeiterbewegung, die gerade im Augenblick und in dem Unabsehbaren, das der Schoß der Zukunft birgt, eine Wohltäterin für die Menschheit in des Wortes vollendetster Bedeutung werden kann. Der Landesvorstand. Hessen nnd Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. August Bebels Todestag. Gestern ist ein Jahr vergangen, seitdem August Bebel uns, dem Proletariat Deutschlands und der ganzen Welt, entrissen wurde. Seiner zu gedenke» haben wir heute mehr Anlaß denn se, denn in dieser furchtbare» Zeit müssen wir alles ehren und treu bewahren, was uns eint. Aus seinem Leben und Wirke» haben wir gerade jetzt unendlich viel zu lernen. Wie oft ist sein Ramc von Freund nnd Gegner gerade in den Tagen vvr dem Kriegsausbruch genannt worden! Die Aussprüche, die dieser überzeugte revolutionäre Sozialist über die Pflicht der Landesverteidigung getan hat, waren in aller Munde. Bebel war ein entschiedener Bckämpser des bestehenden Militärischen Systems. Objektive Gegner werde» zugebcn müssen, daß seine grundsätzliche Kritik des Militarismus, so unangenehm sic auch von seinen Trägern empfunden wurde, in hohem Grade fruchtbar gewesen ist. Gelingt cs Deutschland, sich seiner Gegner zu erwehren, so kann inan mit Fug nnd Recht auch Bebel unter de» Männern nennen, die zu diesem Erfolge bcigetragen haben. Aber darin erschöpft sich die Bedeutung dieses Mannes nicht; sein Lebensziel war ans Höheres gestellt als aus Krieg und Sieg. Bebel wollte im Falle eines Krieges nicht den Sieg der Gegner, aber den Krieg selbst bekämpfte er mit aller Kraft seines gewaltigen Temperaments. Seine Ideale hießen Demokratie, Sozialismus und Völkersriedcn. Wie oft hat seine glühende Beredsamkeit die Menschheit vor den Schrecken eines Weltkriegs gewarnt! Wie leuchtend hat sie das Ideal edler Menschlichkeit vor uns hingcstcllt, die alle Völker untereinander verbrüdert. Wohl ihm, daß er die Katastrophe nicht erlebte, die nun sein großes Werk mit Vernichtung bedroht! Aber daß cs nicht vernichtet werde, sondern daß cs durch Brand nnd Blut herrlicher aufcrstche als je zuvor, dafür zu sorgen ist unser, der Lebenden, weltgeschichtliche Aufgabe. Bebels politischer Blick hat frühzeitig die Notwendigkeit des Zusammengehens Deutschlands nnd der Wcstmächte erkannt. Hätte die Welt seinen Rat befolgt, so böte sic heute nicht das Schauspiel, daß die zivilisierten Völker Europas Zerfleischen. Als Freund der dcntschsranzösi- schcn Verständigungspolitik verwarf Bebel schon 1870/71 focit Eroberungskrieg und ertrug als mannhafter Verfechter seiner llcbrrzcugung mutig die sch' «»scn Vcrsickgungcn. Lebte Bebel noch, so würde er zu notwendiger Verteidigung des Landes als erster aufgestanden sein. Lebte Bebel noch, so würde er mit uns dafür eintreten, daß der Krieg mit einem billigen Frieden beendet werde, der kein besiegtes Volk nötigt, später noch einmal zur Wiederherstellung seiner nationalen Selbständigkeit einen neuen Verzwcislungskampf zu führen. Lebte Bebel noch, so würde er, der unbesiegbare Optimist, nur an das eine denken, wie die gegenwärtigen ungeheuren Weltcrcignisse zum endgültigen Sieg iniscrcr großen Sache gewendet werden könnten. Doch Bebel ist nicht mrhr, nnd in die erneute Erinnerung an diesen schweren Verlust «nischt sich der frische brennende Schmerz uni einen andern Großen aus dem Reich des Sozialis- mns. Neben dem ehrwürdigen weißen Kops des in Frieden Heimgegangenen Greises erhebt sich Jean Janrös blutig zerschossenes Haupt. Bebel und Jaures! In brüderlicher Freundschaft verkörperten sic das Edelste und Beste, das in den beiden großen Kulturvölkern Europas lebte. Eine Welt mußte zusamincn- brcchrn, um ihr Werk zu verschütten. Aber solange die Erinnerung an sie bleibt, bleibt auch die Hoffnung sieghafter Er- Neuerung. Was sic geschaffen, kann nicht untergehen! Wir alle geloben uns zu dieser Stunde in unbeugsamer Entschlossenheit, an diesem Werke weiter zu arbeiten, komme was wolle, um herrlich zu vollenden, was unsere großen Vorkämpfer und Führer begonnen! — Das herrliche Sommcrwcttcr, das seit einer Reihe von Tagen anhält, hat den Erntearbciten guten Fortgang gebracht und cs dürfte jetzt schon der größte Teil der Ernte unter Dach gebracht worden sein. Durch Schließung vieler industrieller Betriebe sind auch Arbeitskräfte genügend vorhanden, sodaß auf dir Hilfe von Schülern, Studenten usw. verzichtet werden kann. Den Aufforderungen verschiedener Koniitees hierzu ist übrigens nicht sehr zahlreich entsprochen worden; die Versprechungen vorher waren größer als die Taten, wie das ja bei derartigen Dingen immer geht. — Landwirte äußerten sich auch dahin, daß z. B. die Arbeit von Schülern bei allem guten Willen nicht viel helfen könne. Natürlich sind die jungen Leute derartige Arbeiten uicht gewöhnt und verursachen ihnen weit größere Anstrengungen als etwa der Jugend vom Lande, die schon öfters mit zur Arbeit herangezogen worden ist. — Russische Orden scheinen sehr im Werte gesunken zn sein. Aus Darmstadt wird berichtet, daß ein dortiger Polizcibeamtcr, der öfters zum „Schutze" des Zaren kommandiert war, wenn sich dieser in Deutschland aufhielt und auch Gelegenheit hatte, mit ihm öfter zu verkehren, seine 3 russischen Orden einschmelzen ließ und den Erlös von 40 Mk. dem Roten Kreuz stiftete. Vielleicht findet das Beispiel dieses Mannes Nachahmung; derartiges Kinderspicl- zcug könnte damit in der Tat nützliche Verwendung sinken. — Gegen hartherzige Hausbesitzer. Das Frank- f u r t e r Garnison-Kommando hat an den dortigen Magistrat folgendes Schreiben gerichtet: Täglich mehren sich die Fälle, daß beim hiesigen Garnison- Kommando Frauen und Kinder Hilfe suchen, die von hartherzigen Hausbesitzern aus der Wohnung gewiesen werden, da bei Einberufung ihres Mannes die fällige Miete nicht pünktlich bezahlt werden kann. Die Stadt bittet das Garnison-Kommando, durch zweckentsprechende Verüfjcntlichungen darauf hinzuwirkcn, baß cs Ehrenpflicht jedes Deutschen ist. den Frauen nnd Kindern unserer braven Soldaten In dieser schweren Zeit hilfreich zur Sette 31 t stehen und nicht durch l>arte Eintreibung von Forderungen zur Verzweiflung zu treiben. Gegebenenfalls werde ich die Namen derartiger hartherziger Hausbesitzer in den Zeitungen veröffentlichen. Diese Maßnahme ist nur zu billigen. Allerdings muß zugegeben werden, daß es auch Hausbesitzer gibt, die selbst pekuniär ungünstig dastehen und auf die Mietscinnahme dringend angewiesen sind. Diese müssen dann eben mit^ ihren Hypothekenzinsen im Rückstand bleiben. — Antisemitisch-nationalistische Gemeinheit. Das tragische Schicksal'unseres unvergeßlichen Jean Jauräs wird von der jetzt als Wochenblättchcn erscheinenden Staatsbürgerzeitung folgendermaßen begeifert: Tie Sozialdemokratie, die jahrzehntelang den politischen Mord verherrlichte (!). hat Pech. Aus der Tyrannenbckämpscrin ist sie für viele selbst eine Tyrannin geworden und lernt nun die Gefahren des Tyrannenttims kosten. Im vorige» Jahre mußte der Sozialistenfllhrer Schnmeicr in Wien daran glauben. Jetzt ist Jaures in Paris von einem französtschen Patrioten erschossen worden. Jaures hatte, trotzdem er katholisch war, das A e n tz « r e eines dunkelblonden russischen Juden, was gewisse Rückschlüsse erlaubt. Eine Persönlichkeit wie die von Jean Jaurds steht zn hoch, als daß so niedrige Angriffe eines Lebins oder eines ihm gleichgesinnten Hetzers nnd Verherrlichers des Zarismus sein Andenken treffen könnten. — Von der Beteiligung einzelner Familien bei der Mobilmachung ivird ivcitcr bekannt: Vom Bürgermeister Berbig in Oberküps iOberfraukenl müssen alle 7 Söhne ins Feld ziehen. Ebenso di« 7 Söhne der Hauptlehrerswitwe Frail Marie Löw in Bodemvöhr (Oberpsal.I. In Riding (Oberpsalzi mußte die Wegcr- bäuerin ihre 8 Söhne in den Krieg ziehen sehen. 7 davon sind t>cr- hciratet und Familienväter. Di« Familie Kirchner in Steden l>ei Diez hat 6 Söhne nittcr den Einberufenen. 3 l>edi«nen dasselbe Geschütz eines Brandenburger Artillerie-Regiments. — Wege» Verleitung zum Meineid hatte sich am Dienstag der Tienstmann Ehr. Noll ans Gieße,, vor der Strafkammer Gieße» zn veraittworten. Wie vor einiger Zeit berichtet wurden hatte der Ufii'ffcllflfltc narf; einer negen feilte Ehefrau wegen Beleidigung durch- Sicfüljrte» SchöiiengerichtsvcrhandI»ng uns der Landgrascnstraßc Helcidigendc Acußcrungen gegen das Gericht und gegen Zengen getan und war deshalb mit >i Mark Strafe belegt worden. Gr erhob dagegen Widerspruch, so das; die Sache zur Hauptvcrhandlung kam, Drei Personen, die z» dieser Hauptvcrhandlinig als Zeugen geladen traren, suchte Noll nun zu verleiten, unter Gib onszusagen, daß sie von den beleidigenden Acußerungcn nichts gehört hätten, Tie Bc- iveisausnahme siel siir den Angeklagten ungünstig ans. Das Gericht erkannte ans ein Zahr zwei Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Diese surchtbare Strafe zog sich der Mann wegen der sechs Mark zu. Wegen der gleichen Sache haben sich auch noch andere Personen vor Gericht zu verantworten, Ter Grosiherzog zieht ins ,feU>. Wie die Tarmstadter Zeitung rnitteilt, hat der Grobherzog von Hesse» dein Kaiser telegraphisch den Wunsch zu erkennen gegeben, iiis Sjfeli) zu rucken, um seinen Truppen nahe zu sein, Ter Kaiser hat dieser Absicht zngestimmt und wird demnächst durch besonderes Handschreiben weitere Bestimmungen siir die Zeit unmittelbar nach Beendigung der Trnppen- itranspvrtc in Aussicht stellen, — Grobe Unvorsichtigkeit. Am Eisen bahn dämm in der Westanlage kann man täglich beobachten, daß Kinder, angelockt durch Gesang und Geschrei der Soldaten aus den Militärzügen, ans den Tamm hinansklettern und sich dicht neben die Geleise stellen. Wie leicht kann da ein Unglück passieren und ein Kind überfahren werden. Alle Ellern sollten die Kinder eindringlich vor solchem Unfug warnen; wird ein Kind verletzt, so haben die Eltern die Last und Kosten. — Bei dieser Gelegenheit machen wir übrigens nochmals Darauf aufmerksam, dasi der Ansschub für Kinderfürsorge gerne Kinder bis 1k Zähren in Obhut nimmt »nd ihnen Beschästi- gnng und Unterhaltung gewährt. Wir hören, dasi von dieser Einrichtung verhältnismäßig wenig Gebrauch gemacht wird, — Der Holzarbeiterverband zahlt an die Familien, deren Ernährer zur Zahne eingerllckt ist, eine wöchentliche Familienunter- ftützung. Erstmalig wird dieselbe nächsten Sonntag in der Zeit von vormittags 10—12 Uhr im GewerkschaftShans ansgezahlt, Tie Unterstützung wird nur an Erwachsene abgegeben, — Schonet die Pferde! Zn dieser harten Zeit haben die für den Erwerb übrig gebliebenen Pferde besonders viel Arbeit zu leisten! Dazu kommt die große Hitze, Man kann den armen Tieren die Arbeit erleichtern, wenn man bergauf jm Schritt sährt: bergab das Fuhrwerk gut bremst: beim Ansenthalt die Tiere möglichst in den Schatten stellt: ein Gefäß zum Tränken mitnimmt, damit die durstenden Tiere während der Arbeit mal erfrischt werden können, Jedermann achte daraus, daß die Tiere nicht unnötig gequält werden I Wie oft wird vergessen, die Bremse zu lösen! Schonet die Pferde, damit sie leistungsfähig bleiben, — Kriegssürsorge der Znvaliden- und Hinterbliebenenversiche- rung, Für Maßnahmen zur Krankenpslege, zur Verhütung von Seuchen usw, hat der Vorstand der Landes-Verficherungsanstalt lGroßh, Hessen zu Tarmstadl dem Hessischen Landesverein vom Roten Kreuz erstmalig 10 0C0 Mark zur Verfügung gestellt, — Altenbuseck, Am Sonntag Nachmittag Punkt %3 Uhr findet lim Vereinslokal eine Mitgliederversammlung des Volksver- « ins statt, zu der alle Mitglieder erscheinen müssen. Es sind verschiedene wichtige Angelegenheiten z» regeln, weshalb die Anwesenheit aller erforderlich ist, Tie Versammlung beginnt pünktlich! Kreit Wetzlar. l>. Von der letzten Stadtverordnetensitznng ist noch folgendes tnachzutragen. Als einziger Punkt stand die Einleitung einer Hilfsaktion während des Krieges zur Tagesordnung, Hierzu hatte unser Genosse Beck einen Antrag gestellt, SO 000 Mark vorlänsig zu de» Milligen, während der vaterländische Frauenverein 50 000 Mark forderte. Nach reichlicher Aussprache werden beide Anträge verschmolzen und insgesamt 50 000 Mark einstimmig bewilligt, zu Deren Verwendung ein gemischter Ausschuß aus Stadtverordneten und Bürgern bestimmt wird, Znteressant war die Bekanntgabe des Bürgermeisters, daß er zu einer Vorbesprechung über die zu erwartende Notlage die hiesigen Kauslente und Nahrungsmittel- Händler geladen habe, die Bäcker-Innung aber nicht erschienen fei. Daraus erläßt genannte Innung eine Erklärung, wonach sie keine Einladung erhalten und wir können hinzufügen, daß der größte Faktor am hiesigen Platze, der Konsumverein, auch nicht geladen war. Sonderbar Herr Bürgermeister! h. Aufgehobenes Verbot, Der kommandierende General von Schenk gibt laut Amtsblatt in Wetzlar vom 13, August 1011 amtlich bekannt, daß Militärverbote siir Wirtschaften im .Korpsbezirk (also auch Kreis Wetzlarl ansgehobeu sind, Na also! — Oberbiel bei Wetzlar. Sehr eilig. Das hiesige Lahn- Merk hat unmittelbar nach der Mobilmachung seine Pforten geschlossen, War dies wirklich notwendig Herr Patriot Herwig? h. Steigende Wirtschaflskrlsis. Seit gestern hat auch das Walzwerk „Karolinenhiitte" hier den Betrieb eingestellt. Daraus wird die Wehlarer Handelskammer ersehen, daß ihr Aufruf, betreffend Bereitung von Arbeiter-Entlassungen, wenig fruchtet. Telegramme. Keine Gefährdung des Nordseeverkehrs durch deutsche Minen. Amtlich wird entgegen einer Meldung des englischen Forcing Office vvn Berlin bersichert, das, keineswegs i» der Nordsee deutsche Kontaktmincn gelegt worden seien, sondern nur in unmittelbarer Nähe der englischen Küste. Ein bischöflicher Aufruf an die Polen. Ter Bistnuisverweser der Tiözöscn Posen und Gnescn erließ soeben einen Aufruf an die Geistlichkeit und an die katholischen Gläubigen dieser meist aus Polen bestehcudcn Tiözöscn, in der cs dem Sinne nach n. a. heißt: In ganz Mitteleuropa lodere die Kricgssackcl, angesacht durch die russische Regierung, unter deren Grausamkeiten das polnische Volk in rcligöscr und nationaler Beziehung über 100 Jahre lang Schreckliches gelitten habe. Diese der katholischen Kirche und der polnischen Nation feindliche Negierung habe in hinterlistiger Weise Europa in einen feurigen Kricgshcrd verwandelt und den deutschen Kaiser gezwungen, zu den Waffen zu greisen. Er, der Bischof, wisse wohl, daß wegen der bisherigen Ausnahmegesetze Preußens das Vertrauen der Bevölkerung von Posen zu der dortigen Regierung vermindert sei. Er wisse aber auch, daß der polnischen Bevölkerung der beiden Diözesen das Gefühl der unbedingten Pflichterfüllung gegen die von Gott gesetzte Obrigkeit nicht geschwunden sei. Die Polen mögen sich als würdige Söhne einer ritterlichen Nation zeigen. Tie im Felde stehen, mögen ihre Pflicht erfülle», nnd die Zurückbleibcndcn mögen sich ruhig verhalten nnd daraus vertrauen, daß später der Frieden ihnen die Erfüllung ihrer gerechten Forderungen bringen werde, wofür alle Anzeichen vorhanden seien. Man möge herum- ziehenden Agenten kein Ohr leihen und daran denken, daß das deutsche Heer auch den leidenden polnischen Brüder» jenseits der Grenze Befreiung bringen werde. Vereinskalender. SamStag, 15, August. Lauterbach, Sozialdemokratischer W a h l v e r c i n. Abends 9 Uhr Mitgliederversammlung bei Gastwirt Schramm. Sonntag, 10, August, Arbeiter-Turnerbund, Ten Vereinen diene zur Kenntnis, daß die auf Sonntag, 16, Angnst, nach Frankfurt einberufene Konferenz hessischer Vereine nicht stattsindet, _ Verantwortlicher Redakteur: F, Vetters, Gießen. Verlag von Krumm & Cie,, Gießen, Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G, m, b. H„ Osfenbach a, M, u l.' | LinmaclM.siusdewahren.^M- ’| > £ servieren, öie Obstvenoertung. fruchlweinherstellung usw. | Schönster Ansflnsisort der Rabenau. 2 große Säle, Gartenwirtschaft, Vereinen, Touristen bestens empfohlen. — Gut aevileate Biere. — Um geneigten Zuspruch bittet R. Schmidt. wurde im Cssfe JEbel errichtet und ist eröffsiet. Tic Abgabe eines kräftigen Mittagessens nn bedürftige Fanulicn-Aiigchörige der Kriegsteilnehmer geschieht kostenlos, tätlich mittags non 12 bis 2 Uhr. Anmeldungen müssen im gleichen Lokal nm Abend vorher zwischen 6 und 8 Uhr erfolgen, nnd werden Marken abgegeben, die zum Empfang je einer Portion berechtigen. Teller nnd Löffel sind nntzubringen. Gleichzeitig richten wir an die Bürgerschaft die herzliche Bitte, diese WohMigkcits- Anstatt durch Ucbcrscndnng non Nahrnngsmittetn zu unterstützen. Hilfe ist dringend nötig! !SMm;'s Fceü SA ist die Beste erbältlich i. d. Kolonial w. (jeschäft. AlsfeCd Warenhaus 8 , Baer Unter- listomotoäle Gobeö & Appel Alicestr. 25 Tel. 736 Adler-Autos u. Fahrräder Kontrollkassen, Rcptwkst. I Bäcker- und Konditoreien IGeorg Erhard Walltorstraße 19 f I ff Bäckerei und Konditorei j billig und gut d.gesmt. Arbeitschftempf. I lÜüiüe- EinriehtuHg. Chr. Zimmer Balmhofstraße 12 Spez.; Kupferkess el. | Baujjesciiäfte| Jean Dern & Cie., GieOen Jgegr. 1883 Westanlage 31 | Baumaterialien- Großhandlg. Zementwarenfabr. m. Motorbetrieb EB!umengescii.| Selters Weg 44 J Ere n 91- materialien Joh. Fischer Alicestraße 28/30 Telephon 72 Kohlen, Koks und Briketts. Aug. Planz, Mainzergasse hr.,Go!dw.,Tasche nlamp.otc IFr.FraBte iZ Qr8ten ’-- ,cl Fabrik., Holzw. 3. H. JfirSny. 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