005 Gemeinüeblatc füröiktvangklische Kirkbmaememüe Gikszeir ruk Nr. 48. Gießen, 3. Advent, 13. Dezember 1914. 3. Jahrgang. Gott mit uns. Brief an die Hebräer 8. 10. 3d| will ihr (Bott fein nnd sie sollen mein Volk fein. In großer Zeit ist ein neues Kirchenjahr angebrochen. Line große Zeit fordert große Menschen. Groß sind wir nicht durch uns selbst, wir werden groß durch den allmächtigen Gott, der uns diese Zeit gesendet hat. Er hat so viel Großes an uns getan in den vergangenen Wochen, daß wir ihm gar nicht genug danken können. Gott gab zur Stammeseinheit die Standeseinheit, weckte wieder vaterlandssinn und Gpfer- ckut und Hingabe in deutschen Herzen, so daß jeder Stolz und Freude empfindet, diese Zeit mit erleben, diesem Volke angehören zu dürfen. Gottes Sturm braust durch die Lande. Nicht nur die auf den höhen hören ihn, auch die in den Niederungen spüren sein Wehen wohl. Und dies Wehen des Gotteswindes grüßt uns im Nnfang eines neuen Kirchenjahres. Gewiß, der Sturm bringt Schaden, er fährt in die Kronen der Bäume und vernichtet Werte und bringt Leid in Menschenherzen, aber er reinigt auch und läutert und macht Neuem Platz. So gespannt, so zitternd haben wir noch kein Kirchenjahr angetreten, wie dieses, das der Kriegssturm einläutet. Über der Sturm kommt von Gott. Lr will reinigen und. läutern in der ganzen Welt. Die Spreu will er scheiden vom Weizen. Und er will reinigen und läutern das einzelne Herz, die Linzelpersönlichkeit. Weg mit aller Lauheit und Gleichgültigkeit, mit allem Kleinsinn und hangen an Flitter und Tand! Nufwärts die Herzen! Gott gibt Größe den Helden draußen, Gott gibt Geduld und Kraft, Liebe und vertrauen und Trost uns drinnen. Tr will im neuen Jahre uns fein Gesetz in Herz und Sinn schreiben. Tr will unser Gott sein, wir sollen sein Volk sein. So wollen wir ihn arbeiten lassen an unserem Herzen und ihn walten lassen und weben am Webstuhl der Zeit. Tr wirds wohl machen. Mit ihm in das neue Jahr hinein voll Ergebung und Mut, mit ihm hindurch, wir hoffen durch Nacht zum Licht, durch Kampf zum Sieg! Deutsche Frömmigkeit. Tin Unteroffizier schreibt aus Frankreich an seinen Pfarrer: „habe gestern wieder einen Brief Ihrerseits erhalten und habe auch gleich immer Nbnehmer für beiliegende Schriftstücke. Venn Sie haben recht, Herr Pfarrer, daß man in dieser ernsten Zeit das Wort Gottes so sehr nötig hat,' das wird man hier von Kameraden gewahr, die sonst nicht viel von Neligion und Kirche wissen wollen. Ich führe in meiner Kolonne den 5. Zug und habe mehrere Berliner dabei, die lächerliche Mienen aufsetzten, wenn ich die erst von Ihnen erhaltenen Schriften ihnen überreichte, aber ich habe auch zwei Leute in meinem Zuge, die mir treu zur Seite stehen, die auch von ihrem Seelsorger aus der Heimat Briefe erhalten und mit denen zusammen ist es mir leicht gelungen, eine andere Nuffassung der Neligion und ein gern Tntgegen- nehmen der Blätter zu erzielen. Ja, werter Herr Pfarrer, ich kann Ihnen sogar Mitteilen, daß, wenn ich jetzt mit meinen Leuten zu Mittag esse, dann spricht unser Kamerad B. aus Zabakuck, Jerichower Kreis, unser Tischgebet: Komm Herr Jesu, sei unser Gast. Jetzt haben wir hier Ouartier, bringen Munition zur Batterie und fahren zum holen nach Th. und kommen hier wieder her, ich liege mit 60 Pferden und Mannschaften auf einer Zuckerfabrik. Gott sei gedankt, daß man, wenn wir nicht gerade die Nacht fahren müssen, unter Vach und Fach ist, denn die Nächte sind doch schon empfindlich kühl. Nber Gott weiß, wie lange, denn dicht vor uns tobt noch immer, jetzt kann man nun schon sagen, die 5. Wochenschlacht, lieber 3 Millionen Krieger liegen sich hier gegenüber. Dadurch, daß wir hier Ouartier haben, ist es mir gestern gelungen, in die Kirche zu gehen, das erstemal in meinem Kriegsleben, sonst waren wir gewöhnt, gerade an Sonntagen tobte der Kampf am meisten, aber gestern war mal bißchen Ruhe eingetreten. Wir konnten zur Kirche gehen, und wie gerne haben wir es getan, va wollten nicht mal die Wachen des Fuhrparks und Stallwachen zu Hause bleiben. Nach Nbsingen des Liedes: Nch bleib mit Deiner Gnade, legte der Geistliche zu Grunde Psalm 3 : Ich fürchte mich nicht vor viel Tausenden, die sich umher wider mich legen. Ferner sprach er heute am l8. Oktober, dem Gedächtnistage der Leipziger Völkerschlacht, und jetzt liegen wir uns schon seit Wochen gegenüber und keiner weicht, alles verschanzte Infanterie, l 00 Meter, gegenüber. Und nicht mal Pardon, um verwundete wegzubringen, wer nicht selbst sich zurückschleppen kann in den Schützengräben, muß erbarmungslos liegen bleiben .... Wenn ich mit meinen Leuten mal zusammen bin, 330 was nicht oft Dorhommt, mal muß ich mit unferm Bberleut- nant dort hin und dort hin, mal ist dieses, mal jenes, es ist eben Krieg und jeder hat andere Aufträge und Befehle, überhaupt wenn man im Zeltlager liegt. Ls ist hier jetzt aber zu machen, daß ich abends sie aufsuche in ihrer Stube. Sie liegen auf dem großen Zuckerboden. Dann spreche ich mein Landwehrgedicht vor und bringe ein hoch auf unfern obersten Kriegsherrn aus." Erinnerungen eines alten Mannes. von Generalarzt a. D. Dr. Gtto Kappesser in Darmstadt. 21. Bäcker und Schneider. Tin lateinischer Spruch sagt: si duo faciunt idem, non est idem, das heißt auf deutsch: wenn zwei auch dar nämliche tun, ist es doch nicht dasselbige. Das gemahnt mich wohl zuweilen an ein Geschichtchen, das uns Kindern unsere Mutter aus ihrer Heimat erzählt hat. Zum richtigen Verständnis will ich aber noch etwas vorausschicken. Bei all den reichen Gaben, womit der Himmel die Pfalz gesegnet hat, klagt sie doch über einen Mangel, der sich in dem Beimchen ausdrückt: hätte die Pfalz mehr Wies' und Holz wär sie noch einmal so stolz. Das hat wohl schon früh zur Sparsamkeit im verbrauch von Brennstoff geführt und den Anstoß zu gemeinsamen Backöfen gegeben, in welchen der Nachfolger von der verbliebenen Wärme des Vorgängers Nutzen ziehen konnte. Mit der Zeit aber sind diese „Gemeindebackes" Eigentum der Verwalter geworden, welche dann das Geschäft nach altem Herkommen ausüben. wenn jetzt bei einem Kunden, was alle drei bis vier Wochen der Fall ist, das Bedürfnis nach Erneuerung des Brotvorrats fühlbar wird, dann kommt am Abend der Bäcker zu ihm in das Haus und stellt aus Nüggen- (Koggen-) oder werkmehl (im Gegensatz zum Weizen- oder Kuchenmehl) den Teig in den in jedem Haushalt vorhandenen Backmulden her, die in Zeiten der Wassersnot schon die Arche Noah ersetzen mußten. Tr bringt dazu den benötigten Dasein*) oder Bauer- teig mit, welcher in solcher Art reihum stets frisch erhallen wird. Am anderen Morgen kommt er dann wieder, um den über Nacht aufgegangenen Teig regelrecht zu kneten, bis man ihn in aus Stroh geflochtenen Backkörben in das Backhaus trägt, um dort Brotlaibe daraus zu formen und zu backen. Das Endergebnis fällt aber um so besser aus, mit je weniger Wasser, also je zäher der Teig bearbeitet wurde. Davon ist wohl das alte Herkommen entstanden, daß der Bäcker mit soviel Teig, als ihm an den beiden Händen hängen bleibt, nach Hause geht. Je kräftiger also die Arbeit, um so besser der Lohn. Nun wohnten damals zu besagter Zeit zu I. am Marktplatz ein Bäcker und ein Zchneider, die waren Gevatters- leute und dicke Freunde von Jugend auf, wobei freilich dem Bäcker der Vorrang gebührte, wie denn bei seinesgleichen es stets mehr Männer gibt, die gut bei Leibe sind, *) (Es ist mir seither nicht gelungen, Sinn und Herkunft dieses fremd in der deutschen Sprache stehenden Provinzialismus auszuklären, ebensowenig wie den klusdruck „Schabläuten" als Bezeichnung jdes in einzelnen tvrte» üblichen Zusammenläutens als ktnzeige, daß ein Gemeindemitglied gestorben ist. vielleicht Könnte in letzterem Fall als Fingerzeig dienen, datz ich in jungen fahren hörte, wie die Juden ihre Toten schaben, was wohl schwerlich in dem gebräuchlichen Sinn des Zeitwortes zu verstehen ist. V. verf. ' 0 />cnn il wU J tö v • als bei den Schneidern. 3m letzten Sommer, als wieder der Händler aus dem Nassauischen mit einer Herde junger Schweine durch die Dörfer zog, wobei er seine Anwesenheit nicht durch die Schelle, sondern durch einen Ausrufer Kundtal, der an jeder Straßenecke ausschrie: ,,Säu fal (feil) Säu fal, 's werd geborgt bis Märtestag!" da hatten auch die beiden sich ein paar Springer zum Einlegen erhandelt, und man freute sich einstweilen im voraus auf die nach Neujahr zu erwartende Metzelsuppe mit gegenseitiger wurstprobe, wie solche ja auf dem Lande neben der Kerb und allenfalls gelegentlich noch einer Kindtaufe zu Hauptfestlichkeiten des Jahres gehört. Nun hatte der Schneider einmal seinen Freund besucht und mit ihm dessen Schweine bewundert, welche schon einen bemerkbaren Ansatz zu Fettbildung zeigten, was bei den seinigen noch kaum wahrnehmbar war. Ja, und - sagte stolz der Bäcker das alles ist mit Händewasser allein fertig gebracht! Das hat dem Schneider richtig eingeleuch- tet, und da doch Neinlichkeit in jedem Geschäft gut ist, so hat er von da an, so oft er einen Faden vernäht hatte, und bevor er einen Knoten an den neuen machte, allemal erst seine Hände gewaschen, und hat dann das Waschwasser seinen Säuchen in den Trog geschüttet. Die Wirkung aber ließ immer noch auf sich warten, und wie er das gelegentlich seinem Freunde klagte, sagte der nach einigem Besinnen: Ja, Gevattermann, Händewasser von einem Bäcker und Händewasser von einem Schneider, das ist halt zweierlei Sach. Die Weisheit der alten Lateiner paßt aber auch auf so manchen Vorgang in dem furchtbaren Drama, das jetzt die Welt bewegt. Da ist z. B. die nicht enden wollende Streitfrage über die sogenannte belgische Neutralität, die sich mehr und mehr als eine Komödie darstellt, deren einzelnen Akte sich freilich über Jahre hinziehen, und in welcher, wie man im gemeinen Leben sagt, der Mitspielenden einander über deri Löffel balbierten, das genauer zu erörtern, mpß ich freilich Berufenen überlassen, da ich nichts von der hohen Diplomatie verstehe. Aber einstweilen möchte ich den geehrten Lesern zu raten überlassen, wer von den beteiligten Komödianten mehr als ein Schneider und wer als ein Bäcker sich anstellte. Lin pfälzischer Musikant. Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. - (Fortsetzung.) während Lina spann, saß ich über den Papieren und Büchern, die Binder mir ausgehändigt hatte, und machte Pläne für die kommende Keife. 3ch hatte mich entschlossen, nach Holland zu gehen. Dort hatte es mir gut gefallen, und ich wußte, daß man in dem Lande, wo man mit einem Gulden bezahlt, was wir mit einer Mark hezahlen, gute Geschäfte macht. Sehr häusig auch brachten wir die Abende unten bei meinen Schwiegereltern zu. Dort las ich das „Sngelheimer Blättchen", wie man allerwärts in Kheinhesfen den dort sehr verbreiteten „Kheinhessischen Beobachter" nannte. Auch las ich in Kalendern und anderen Büchern, die mein Schwiegervater besaß. Bei meinen Schwiegereltern fehlte es nicht an Unterhaltung, namentlich wenn abends die Nachbarn kamen. Ts waren meist alte Männer und sie gingen in ihren Gesprächen in alte Zeiten zurück, von ihren Litern her wußten sie noch, wie es in der „französischen" Zeit zugegangen war, als man auf dem Tichelberg und auf dem höllberg bei Wöllstein die 331 Feste der französischen Revolution gefeiert hatte und die jungen Burschen in Spanien und Rußland für Napoleon hatten Kämpfen müssen, Hunderte von RneKdoten erzählte man vom Räuber Schinderhannes, wie er allein in den Wirtshäusern erschienen sei, um unter der Maske eines friedlichen Bürgers die Leute zu fragen, was denn der Schinderhannes eigentlich für ein Mensch sei, und wie er sich dann gefreut habe, wenn die Grtseinwohner, die ihn genau kannten, sagten, er sei ein braver, ehrlicher Bursche, viel auch wurde von 1848 und 1849 erzählt, wie da die Rnaben schon in Freischärlerlracht, nämlich in weißer Hose, dunklem Kittel und breitrandigem Schlapphut, umhergegangen seien, bis die Preußen einrückten und dem Freiheitstraum ein Ende machten. Im Februar hatte ich nach manchem hin und her meine Rapelle zusammengestellt. Fast alle meine Rollegen von meiner ersten Fahrt im Jahre 1875 hatten sich zu mir gefunden: der Nikolaus Janson von Rockenhausen, der Tobias Wagenschmidt von Imsweiler, der Sebastian Wolf, gleichfalls von Imsweiler und mit mir gleichaltrig, der Wilhelm von Felben von Niederkirchen und endlich Gottfried Reiper. Nur den Jakob Straßer hatte ich nicht angenommen; denn er war, wie ich schon bei seinem Besuche geahnt und dann von zuverlässigen Leuten gehört hatte-, ein richtiger Lump, mit dem nichts anzufangen war, weil er sich dem Schnaps ganz und gar ergeben hatte. Rußer diesen stellte ich noch zwei junge Leute aus dem Rreise Rusel ein, und so waren wir, mich eingerechnet, ein« Rapelle von acht Mann. Der Tag, da unsere Rusfahrt beginnen sollte, kam näher und näher. Im Jahre 1886 dauerte der Winter sehr lange. Im Februar lag noch überall der Schnee, aber säumen wollten wir nicht länger,' denn wie die Schwalbe zur bestimmten Zeit im herbste weggeht, so geht der Musikant zur bestimmten Zeit im Frühling weg. Rnfang März muß die Rapelle sich in Bewegung gesetzt haben, sonst kommen die Mitbewerber zuvor. Je näher der Tag unserer Rbreise herankam, umso häufiger sah ich Lina mit verweinten Rügen umhergehen. Ich suchte stets, ihr mit fröhlichen Worten und mit der Russicht auf den Gewinn, den ich im herbste nach Hause zu bringen gedachte, über ihren Schmerz hinwegzuhelfen, verständig und innerlich ruhig, wie sie war, gelang es ihr auch, sich zu beherrschen und sich in das Unvermeidliche zu fügen. Umsichtig besorgte sie alles, was ich zur Reise nötig hatte. Während meiner Rbwesenhcit wollte sie bei meinen Titern bleiben und sie in ihrer Rrbeit unterstützen. Noch lag der Schnee weithin auf dem Lande, als ich nach Rreuznach ging, wo ich mit meinen Musikanten Zusammentreffen wollte. Bi; vor das Dorf war Lina mit mir gegangen. Schmerzlich bewegt nahmen wir dort voneinander Rbschied, noch einigemale sahen wir uns um, um einander zuzuwinken, dann schritt ich meine Straße, während zu meiner Rechten der steile Tichelberg, ganz mit Lchnee bedeckt, auf mich herniedersah. In früheren Jahren waren die pfälzischen Musikanten, lvenn sie nach Holland reisten, stets den ganzen weg zu Fuß gegangen, indem sie am Rhein« musizierten. Da es noch sehr früh im Jahre war, der Lchnee alle hänge überdeckte und eine scharfe Luft durch das Rheintal blies, so hatte ich mich entschlossen, bis Emmerich die Eisenbahn zu benützen, wir reisten billig, da in diesen Jahren auf den preußischen Staats- bahnen die vierte Wagenklasse eingeführt worden war. Ts war allerdings ein unbequemes Reisen; denn Sitzplätze waren in der neu eingeführten Rlasse nicht vorhanden, man fuhr dort „standesgemäß". Rber ein pfälzischer Musikant kommt überall durch und ist nicht verwöhnt, wir verdienten sogar Geld auf der Lisenbahnfahrt, indem wir unterwegs Musik machten, wenn der Zug auf einer Station hielt und unsere Märsche und Tänze erklangen, so strömten die Leute in großer Menge unserem wagen zu. Gerade die Leute, die mit uns in der vierten Rlasse fuhren, Hausierer und Marktleute, waren nicht geizig. Sie spendeten uns lebhaften Beifall, und manches Fünfpfennigstück siel in den Blechteller, den wir herumgehen ließen. Gern wurde uns in den Pausen erlaubt, uns auf den Risten und Raffern unserer Mitreisenden etwas auszuruhen. Die Luft in dem wagen, in dem wir fuhren, war allerdings in der Regel sehr dick, aber ein Musikant kann schon etwas vertragen. von Emmerich aus setzten wir unsere Reise zu Fuß fort. Roch war es Winter, und das flache Land war weithin mit Lchnee bedeckt. Deshalb war unser Verdienst zunächst auch sehr gering, wir froren, wenn wir im Freien spielten und fanden auch wenig Zuhörer. Mißvergnügt marschierten wir durch das flache Land. Sobald jedoch der März gekommen war, setzte Tauwetter ein. Es war freilich für uns auch keine Rnnehmlichkeit, wenn wir durch den schmelzenden Lchnee gehen mußten, wir bekamen alle den Schnupfen und hatten jeden Rbend in der Herberge damit zu tun, unsere Rleider und Strümpfe zu trocknen. wie alles in der Welt, so ging auch das Tauwetter vorüber, der wind fegte über das Land, und die Erde wurde wieder trocken, langsam kamen an Baum und Strauch die grünen Spitzen zum Vorschein. Je wärmer die Sonne schien, um so mehr drängten in der Gegend, durch di« wir zogen, sich die Leute auf die Straße, und alle Härten unserer Musik gern zu. Im Rnfang war ich in großer Sorge gewesen, da ich fortwährend von dem mitgenommenen Gelde zusetzen mußte, jetzt aber wuchs mein Mut, als die Geldstücke immer zahlreicher eingingen. Jeden Rbend, wenn ich Rasse machte, fand ich, daß der Verdienst den des vorausgegangenen Tages übertraf. Mit dem Geldeinsammeln hatte ich den Sebastian Wolf betraut, weil ich ihm am meisten Zutrauen schenkte. wir marschierten über Rijmwegen, Rrnheim, kamen nach Utrecht, wo mich einst die Nachricht erreicht hatte, daß Marie Lippert mir untreu geworden sei, und wandten uns dann nach Rmersfoort. Natürlich blieben wir nicht nur auf dieser Hauptlinie, sondern zogen landein, landaus und besuchten sehr gern die abseits von der Bahn und den Hauptverkehrsstraßen liegenden Dörfer, weil wir gerade dort gute Geschäfte machten. (Fortsetzung folgt.) Worte zum Nachdenken in der Nriegszeit. Ruch der Gleichgültige und Träge nimmt seine Zuflucht zu dem, der allein helfen Kann, wenn Rümmer und Schmerz ihn bedrücken. (D, daß uns die Not der Welt zu Gott triebe, die Not derer, die da leben und sterben ohne Gott! Unser Herz soll immer so stehen, als fingen wir heute an zu glauben, und alle Tage müssen wir so gesinnt sein, als ob wir das Evangelium nie gehört hätten. Man muß alle Tage anheben. Das ist die Rrt und Natur des Glaubens, daß er ohne Rufhören lebe, wackle und zunehme. Dr. M. Luther. 332 Nun aufwärts froh den Blick gewandt, Und vorwärts fest den Schritt: Wir gehn an unsers Meisters Hand, Und unser Herr geht mit. Umgang mit Gott ist das Geheimnis des Stegs, die Quelle aller innern und äußern Kraft. 5. Zeller. Oa unsre Seligkeit vornehmlich in dem Linssein und Linswerden mit Gott besteht, und der Mille nicht gezwungen, sondern gezogen sein will, so braucht unser lieber Herr allerhand Erziehungsmittel an der Menschenseele. Line der gewöhnlichsten und wirksamsten Schulen, in welche er sie während ihrer Vorbereitungen führt, ist die Schule der Krank- heit, der Schmerzen, der inneren und äußeren Not. Qberlin. hast du auf dunklen Pfaden In Drangsal dich verirrt, Sei still, bis Gott den Faden Mit Meisterhand entwirrt. Mas du gefehlt im Mahne, hat er geplant im Licht, Meil er nach tieferm plane von Dornen Uosen bricht. Jeder neue Tag soll uns wachend und betend auf unserm Posten finden, in der Arbeit treu, im Tragen unverdrossen, fest im Glauben und unermüdet in der Liebe. Rirchliche Anzeigen. Sonntag, den 13. Dezember, 3. Advent. Gottesdienst. In der Stadttirchr. vormittags 9Vs Uhr: Professor D. 5 chian. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeind«. Pfarrer O. Schlosser. Abends 5 Uhr: Pfarrer Schwabe. Beichte und heil. Abendmahl für die Markusgemeinde, wozu besonders auch die konfirmierte Jugend eingeladen wird. Anmeldung vorher bei Sem Pfarrer der Gemeinde erbeten. Mittwoch, den 16. Dezember, abends 8 Uhr: Kriegs- betstunde. Pfarrer Schwabe. In der Iohanneskirche. vormittags M/s Uhr: pfarrasfiftent hoffmann. Vormittags 11 Uhr: UinderKirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Beichte und heil. Abendmahl für die Iohannes- gemeinde, wozu besonders auch di« konfirmierte Jugend eingeladen wird. Anmeldungen vorher im Pfarrhaus« Süd-Anlage 8 erbeten. Abends 7Hz Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde im Lukassaal, sowie der konfirmierten männlichen Jugend der Iohannesge- meinde im Iohannessaal. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Ruöolf Richter i Gießen, Marktstraße 24—26 j hüte und Mützen Reichhaltige Auswahl. BilligePreise :: Rabattmarken. Reparaturen :: l Carl Loos äirchenplatz 13 :: Telephon 797 ManufaKtur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider imufifalien imufifindrumfnte llrnsi llhallier, iBiefien Sluüolph's patfif. JlrurntDrs 9 frlfptjon 671 Kleiderstoffe ^ Blufen- Stoffe flusfteuer-flrtikel kette aufjergewöhnlich billig 6fagengerdi ( f ür \ r Ztrumpfwaren und) - < Unterzeuge. 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