Nr. 47. Gießen, 2. Advent, 6. Dezember 1914. 3. Jahrgang. Line predigt aus dem Zel-e. Psalm 1l8, 16-18. Die Rechte des Herrn ist crfjöljct, die Rechte des Herrn behält den Sieg. Sch werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Merke verkündigen, ver Herr züchtiget mich, aber er gibt mich dem Tode nicht. Auf der Wacht in den Schützengräben zwischen Toul und Verdun feierte unlängst ein Kriegsfreiwilliger seinen 17. Geburtstag, vor ihm, der bis dahin in der Schule und daheim fast nur Gutes genossen und Liebe erfahren, Berge von Leichen gefallener Feinde, er selbst hineingestellt mitten in den Tod, der jeden Augenblick auch ihn treffen kann - welche Gedanken mögen des Jünglings Herz bewegen, Stunde für Stunde umtobt von den Schrecken dieses gewaltigen Krieges? Vieser Tage schrieb er den Eltern einen Brief - eine predigt aus dem Felde! Auch er lernte es kennen, jenes Bangen bei dem ersten Kugelregen, in dem selbst das Herz der Männer oft genug zittert. Da greift er nach einem Büchlein, das ihm beim Scheiden der Vater noch in die Hand gedrückt, das Neue Testament und die Psalmen, vertraut von klein auf mit den Losungen der Brüdergemeinde, sollen ihm die Worte Losung sein, auf die beim Aufschlagen zuerst sein Blick fallen wird. Tr öffnet- vor ihm steht der 118. Psalm mit Luthers Ueberschrift: „Siegesfreude der Gerechten", seine Augen aber haften an den Versen: „Die Rechte des Herrn ist erhöhet- die Rechte des Herrn behält den Sieg. Sch werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen, ver Herr züchtiget mich wohl, aber er gibt mich dem Tode nicht." Vas liest er, heilige Zuversicht ergreift sein Herz, und er schreibt der Mutter, die er in banger Sorge um ihn weiß: „Lies ihn, den 118. Psalm, mit der schönen Ueberschrift", und wie ein Jubel- laut schließt der Brief mit den Worten: „vie Rechte des Herrn behält den Sieg!" Vas ist eine predigt eines Jünglings aus dem Felde auch für uns daheim! Gewiß, er hat, sich und den Seinen zum Trost, auch etwas wie Hoffnung herausgelesen, daß er — Gott wolle es gnädig fügen! - einst doch noch in die Arme seiner Lieben zurückkehren werde. Aber weit mehr haften seine Gedanken an jener Ueberschrift und jenem Schluß. Vas kleine „ich" tritt zurück vor dem Wohl der Gesamtheit. Sein deutsches Volk, das sind ihm die „Gerechten", die deshalb auch ein Recht haben sollen zur Siegesfreude. Zuletzt aber treten selbst alle zurück vor dem, ohne den kein echter und bleibender Sieg denkbar, vor dem Herrn aller Herren, vor Gott. Inmitten von Tod und Leichen dies Erstarken der Seele: „vie Rechte des Herrn behält den Sieg" - davon können und wollen wir auch lernen daheim. Venn das ist nichts anderes als das schlichte, feste Gottvertrauen, das sich durch nichts beirren läßt. Und das brauchen wir zu Hause in den bangen, schweren Wochen der Ungewißheit mindestens ebenso wie unsere Gatten, Söhne und Brüder draußen auf dem blutgetränkten Felde. Wir brauchen die Siegeszuversicht des Sängers des 118. Psalms, der sich so eingebettet weiß in das Erbarmen Gottes, daß er anheben und enden kann mit dem gleich großen Lobgesang: „vanket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich", während er doch von Aengsten im gleichen Psalm zu sagen weiß, die die Seele erzittern machen: „Alle Heiden umgeben mich, sie umgeben mich allenthalben, sie umgeben mich wie Bienen, man stößet mich, daß ich fallen soll. Aber," so bricht es glaubenstrotzig immer wieder im gleichen Augenblick hervor, „im Namen des Herrn will ich sie zerhauen." Und so wollen auch wir es wagen im Namen des Herrn, dessen Rechte den Sieg behält, immer hindurch mit dem Gebetswort des psalmisten: „© Herr hilf, o Herr, laß wohlgelingen!" bis auch wir einst nach beendeter Kriegesnot ein großes neues Advent des Sieges feiern und jubelnd mit ihm rufen können: „Schmücket das Fest mit Rlaien bis an die Hörner des Altars!" Vas kirchliche Leben im Dekanate Gießen währen- -es Jahres (913. (Schluß.) 6. Die Innere Mission. Am Sonntag, den 14. September 1913, den 17. Sonntag nach Trinitatis, feierte unser Dekanat sein Jahresfest für Innere Mission in der Kirche zu Kirchberg. vie Festpredigt hielt Pfarrer Memmert aus varmstadt, der vereinsgeistliche des hessischen Landesvereins für Innere Mission, über 1. Johannes 5, Vers 4: „Unser Glaube ist der Sieg, 326 der die Welt überwunden hat". Oie Gemeinden des Kirchspieles Kirchberg und der benachbarten preußischen Umgebung nahmen zahlreich an der Feier teil. Oer Kirchen- Ehor von Lollar unter Leitung von Lehrer Oaab gab durch seine Lieder dem Feste eine besondere Weihe. Tinen kurzen Ueberblick über den Stand der Missionsarbeit insbesondere der Erziehungsarbeit in unserem Dekanat gab der Unterzeichnete an ksand von Titus 2, Oers 4 bis 5. Oie Kollekte mit rund 80 Mk. wurde vom Kirchenvorstande zum größeren Teile dem Gberhessischen Verein für Innere Mission überwiesen. Ueber die Unzahl der durch Pfarrämter des Dekanates untergebrachten Zwangs-Zöglinge und Pflegekinder wird bemerkt, daß vom l. Januar 1913 bis Ende Juli 1914 12 Kinder und Jugendliche in pflege gegeben wurden, welche uns sämtlich von der Rrmenverwaltung Gießen überwiesen wurden. vom Kreisamt Gießen haben wir gegenwärtig nur drei Zöglinge, vom Kreisamt Worms, Rlsfeld, Heppenheim, sowie vom Rmtsgericht Gffenbach je einen. Rutzerdem konnte auf Wunsch der Rrmenverwaltung Gießen eine ganze Unzahl von Säuglingen oder doch von Kindern im I. Lebensjahr vorübergehend in Familien unserer Oekanatsgemeinden untergebracht werden. Leiber wurden einzelne von ihnen von der Mutter schon sehr bald wieder weggenommen, was bei den pflcgeeltern meist zu Verdrießlichkeiten führte, weil sie sich auf eine dauernde Verpflegung solcher Kinder eingerichtet und zu diesem Zwecke schon höhere Uusgaben gemacht hatten. Wie das Beispiel einiger Pfarrämter im Dekanat beweist, läßt sich die Unterbringung neuer Pfleglinge und Zöglinge immer noch ermöglichen, falls man es mit persönlicher Rücksprache und Fühlungnahme mit geeigneten Familien versucht. Der Landesgeistliche für Innere Mission bat noch, ihn zu einem „I n n e r e n - M issions - 5 o nntag" in die Gemeinden zu laden. Im Gottesdienst übernimmt er die predigt, um am Übend oder am Nachmittag in einer Urt von Fami- lien-Ubend der Gemeinde Schilderungen von bestimmten Ur- beitsgebieten der Inneren Mission zu geben. So gut es uns gelungen ist, durch öftere Heranziehung von Missionaren in unseren Gemeinden Lust und Liebe zur Heidenmission zu wecken, so leicht werden wir imstande sein, mehr Verständnis für die Innere Mission zu erwecken, wenn wir die uns freudig angebotene und sachverständige Mitarbeit des vereinsgeistlichen benutzen. 7. Die Dekanatskrankenpflege im Fahre 19 13. Um 1. Rugust 1913 schied Schwester Ida Bopp- Wahenborn aus dem Dienste des Dekanates aus, um in die Schwesternschaft des „Noten Kreuzes" zu Cassel einzutreten,' ihre Stelle wurde Schwester Johanna Len Hardt-Homburg v. d. h. übertragen. Nm 1. (Oktober 1913 gab Schwester M a r g a r e t e F a h n - Rödgen ihre Stelle auf und wurde durch Schwester Margarete Nmann-Gundernhausen erseht. In Treis a. d. Lumda wurde die 7. Pflegestation errichtet und am 6. Npril 1913 mit Katharine Lölkes- Trcis, die in dem Elisabethenstift zu Darmstadt ihre Rus- bildung empfangen und sich der staatlichen Prüfung als „Krankenpflegeperson" mit Erfolg unterworfen hatte, besetzt. Die Schwestern standen, wie seit Beginn der Pflege, allen Gemeinden des Dekanates zur Verfügung, auch solchen, in welchen eine eigene Gemeindeschwester tätig ist, z. B. in Epidemien und bei sonstigen Notfällen. 8. Der Gustav-Rdolf-Verein. Unser hessischer hauptoerein steht unter den 44 hauptvereinen, die die (Organisation des Gustav-Ndolf-Vereins ausmachen, was die höhe der Gaben anlangt, an 10. Stelle. Er ist, nachdem er das Fahr vorher die 9. Stufe angenommen hatte, wieder um eins heruntergekommen, hoffen wir, daß er das nächste Mal wieder hinaufgekommen ist. Ihm sind 30 Zwcigvereine unterstellt, davon 10 in Starkenburg, 12 in (Oberhessen, 8 in Nheinhessen. Daneben haben wir 25 Frauenvereine. Die Konfirmandengabe wurde in 16 Gemeinden eingesammelt, und es ist zu wünschen, daß sich weitere anschließen. Vas dieses Fahr für Ullendorf a. d. Lahn auf den 2. Rugust vorgesehene Zweigvereinsfest mußte wegen des Kriegsausbruchs aufgegeben werden. In Leihgestern predigten 1913 Professor Diehl aus Friedberg und pfarrassistent Strack aus Gustavsburg. Die Kollekte mit 133 Mk. wurde letzterem (Orte zugewiesen. Die Zahlen für die Hauskollekte ergaben für die einzelnen Gemeinden folgendes: Ullendorf a. d. Lahn >8.10, Ullendorf a. d. Lda. 50.- , Ultenbuseck 30.—, Trohe 5.50, Beuern 23,70, Gießen 378.80, Großen-Buseck 61.—, (Oppenrod 11.—, Großen-Linden 53.60, Klein-Linden 42.—, Hausen 14.05, Heuchelheim 52.—, Daubringen 19.10, Mainzlar 15.35, Ruttershausen 11.45, Staufenberg 17.45, Lollar 51.05, Lang-Göns 64. , Leihgestern 55.—, Reiskirchen 32.35, Burkhardsfelden 18.65, Rödgen 27.—, Unnerod 32. , Steinbach 37.55, Ulbach 12.50, Treis a. d. Lda. 47.30, Watzenborn-Steinberg 40.50, Garbenteich 17.35, Wieseck 45.—. Sin pfälzischer Musikant. Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. (Fortsetzung.) Kurz nach Neujahr kam ich eines Ubends gegen sechs Uhr bei schönem, klarem Frostwetter von Kreuznach zurück, wo ich Musikunterricht erteilt hatte. Lina stand mit freundlichem Gesicht am Hoftor, um nach mir auszuschauen, oben erwartete mich eine warme Stube; auf dem Plattofen, auf dem abends unser Essen bereitet wurde, kochten die Kartoffeln, und Lina sagte: „heute bekommst du etwas besonders Gutes, meine Base hat gestern geschlachtet und uns eine große Blutwurst geschickt.". Rls ich meine bequemen Pantoffeln, die mir Lina gestickt hatte, angezogen hatte und wir vergnügt beim Rbend- essen saßen, kamen schwere Tritte die Treppe herauf, und ich hörte meinen Schwiegervater sagen: „Nur geradeaus, die Tür der Stiege gegenüber." Ich öffnete die Wohnzimmertür und sah einen unter- setzten Mann vor mir stehen. Das heißt: er stand nicht richtig, sondern er torkelte unsicher hin und her, und widriger Branntweindunst ging von ihm aus. Sein Gesicht war aufgedunsen und blau, er hatte ein rotes, unsauberes Halstuch umgebunden, ein verwilderter Bart sproßte ihm um Kinn und Wangen. „Guten Rbend, Peter!" sagte der Mann mit unsicherer Stimme, „ich rvollte doch einmal sehen, wie es dir geht, heute hatte ich Geschäfte hier in Fürfeld, und da dachte ich bei mir: du besuchst einmal deinen alten Spezel, den Peter Wiltinger." Ich sah den Mann erstaunt an,' denn ich kannte ihn nicht. Das merkte er,' denn er sagte: „Na, kennst du mich nicht mehr, wir haben doch in der Kapelle des Fritz Binder zusammen Musik gemacht." 327 Da erkannte ich in dem Besucher den Jakob Straßer. Angenehm war mir sein Besuch nicht: ich sah, daß Lina gar nicht mehr froh aussah, als dieser Gast vor unserer Tür stand, aber ich konnte ihn doch nicht ohne weiteres wegweisen und nötigte ihn in das Zimmer. Jakob Straßer ließ sich auf einen Stuhl, der nahe an der Tür stand, niederfallen. „Setz' dich doch an den Tisch und iß mit uns!" sagte ich zu ihm. Aber der Jakob lehnte ab, er habe im Wirtshause schon gegessen und wolle nur einmal sehen, wie es mir gehe. Reden hatte der Jakob Straßer schon immer gekonnt, auf unseren Wanderungen hatte ihm früher der Mund nicht stillgestanden. So redete er auch jetzt in einem Zuge darauf los, wenn er auch viele Worte verkehrt aussprach und nianchen Satz nicht richtig zu Ende führte. Ls gehe ihm nicht besonders gut, erzählte er, er habe ein Haus voll Rinder und mit seiner Frau sei es nichts. Die kehre die Stube nicht und vergesse, die Geiß zu melken, weil sie stets auf der Straße stehe und mit anderen Weibern schwätze. Tr habe sie schon gehauen, warum? Sein Vater habe die Mutter auch gehauen, aber alles, wie es recht gewesen sei, und so habe er es auch gemacht, aber es habe nichts geholfen. Auch der Meister Binder sei nichts wert, der sei ein alter Geizhals, der die Musikanten nicht richtig bezahle und gerade die alten Deute, wie er, der Jakob Straßer einer sei, nicht ehre und achte. So schlecht habe Binder bezahlt, daß er jetzt keinen Pfennig Geld mehr habe. Tr habe im Wald gearbeitet, aber der Forstwart sei auch ein Mameluck, der habe ihn vor Weihnachten nach Hause geschickt und wolle ihm keine Arbeit mehr geben. Al; Jakob genügend geschimpft hatte, ging er zu den Tagesneuigkeiten über. Bei Ruppertsecken habe ein Jagdhüter im Walde sieben Hasen gefunden, die sich in Schlingen gefangen hätten, einer davon habe noch gezappelt. Man meine, niemand anders als der Gottfried Reiper habe die Schlingen gelegt. In Teschenmoschel, wo er, der Jakob, her sei, habe sich in der Reujahrsnacht ein junger Mensch zwei Finger von der linken Hand abgeschossen, in Falkenstein am Donnersberg sei ein Teil der alten Schloßruine eingestürzt und in Hochstätten habe ein Mann ein Schwein geschlachtet, das vier Zentner gewogen habe. Line halbe Stunde nach der anderen verstrich, es war schon beinahe neun Uhr, und ich dachte mit Schrecken, daß Jakob möglicherweise bei mir über Nacht bleiben wolle, da es ganz ausgeschlossen war, daß er in der Nacht nach seinem weit entfernten heimatsort würde gehen können. Aber ich wollte den unsauberen und angetrunkenen Burschen unter keinen Umständen beherbergen, darum sagte ich kurz entschlossen, indem ich gähnte: „Jakob, wo willst du über Nacht bleiben, hier bei uns ist kein Platz für dich." Da stand der unwillkommene Besucher endlich von seinem Stuhle auf und sagte: „Li, ich will in Hochstätten übernachten, da habe ich einen guten Freund, der mich schon oft eingeladen hat. Ja, was ich noch sagen wollte, Peter, ich höre, daß du jetzt Meister bist, da wirst du mich doch in deiner Rapelle brauchen können. Reiner in der ganzen Pfalz bläst so gut Baß wie ich." „wir wollen sehen, ob wir miteinander einig werden," gab ich zur Antwort, „wenn ich meine Rapelle zusammenstelle, werde ich an dich denken." „Aber einen guten Lohn mußt du mir geben, weil ich ein alter Rollege von dir bin," meinte Jakob, indem er schwerfällig die Treppe hinunterging. Da er immer noch nicht fest auf den Füßen stand, so ging ich mit ihm bis zum Hoftor. Ls wäre besser gewesen, ich hätte ihn schon oben an der Zimmertür verabschiedet: denn am Tor lieh er sich von mir noch zwei Mark. Dieser Besuch war das Vorspiel dessen, das mich in den nächsten Wochen erwartete. Ueberall in der Pfalz, wo nur Musikanten wohnten, war die Nachricht umgelaufen, daß ich die Rapelle des Fritz Binder übernommen habe, und nun meldeten sich allerlei Leute bei mir zum (Eintritt. Lina hatte oft während meiner Abwesenheit ihre liebe Not, alle die weitgereisten Gesellen wieder los zu werden. Gottfried Reiper schrieb mir einen Brief, daß ich ihn nehmen solle. Wohl wußte ich, daß er ein unzuverlässiger Geselle sei, daß er mit der Wahrheit auf gespanntem Fuße stehe und über das Mein und Dein merkwürdige Begriffe habe, aber ich fühlte mich ihm gegenüber doch verpflichtet, weil er mir den ersten Musikunterricht gegeben hatte und mir von frühester Jugend an bekannt war. Ich merkte in dieser Zeit, daß man als lediger junger Mann doch weit weniger Sorgen habe, als wenn man verheiratet ist und auf eigenen Füßen steht. Doch vergingen uns beiden diese ersten Wochen unserer The in ungetrübtem Glücke, wenn ich zu Hause war, half ich meiner Frau bei allerlei Hausarbeiten, so daß sie manchmal lachend sagte: „Man meint, du wärest jahrelang als Hausmädchen in Stellung gewesen." Abends saßen wir beim Lampenschein beieinander. Lina trieb eine Runst, die man jetzt leider auch auf dem Lande noch selten findet: sie saß am Spinnrad und spann, was meine Mutter im Winter immer getan hatte, wenn sie zu fleißig war und das Schnurren des Spinnrades am Abend gar nicht zur Ruhe kommen wollte, da mahnte ich, sie solle aushören, aber Lina sagte: „Ich will doch meinen Schrank mit Leinenzeug füllen und etwas zu tun haben, wenn du im Frühjahr nicht mehr da bist. Da gehe ich jeden Tag auf die Bleiche und gieße das graue Tuch, damit es schneeweiß ist, wenn du heimkommst." (Fortsetzung folgt.) Kleine Mitteilungen. wiederholt ist es seit Ausbruch des Rrieges vorgekommen, daß auswärtige Pfarrer und Militärbeamte, wenn im Felde stehende Glieder der Gießener Gemeinde verstorben sind, deren Angehörigen die Weisung geben, die Beerdigung dürfe nur durch den Pfarrer erfolgen, der in Friedenszeiten die Amtshandlungen vollzieht, die sich auf Militärpersonen beziehen. Dieser Weisung entgegen wünschen jedoch unsere Gemeindeglieder, daß die Beerdigung durch ihren Gemeindepfarrer vollzogen werde. Das ist doch auch durchaus verständlich. Dadurch, daß ein Glied unserer Gemeinde zum Rriegsdienst einberufen ist, hört es doch wahrlich nicht auf, weiterhin seiner Rirchengemeinde anzugehören. Die erwähnte schwer begreifliche Weisung zwingt die schon bekümmerten Angehörigen nur zu unnützen und zeitraubenden Gängen. Ls sei deshalb darauf aufmerksam gemacht, daß jeder Pfarrer befugt ist, die Beerdigung von Gemeindegliedern, die dem Heere angehören, vorzunehmen. Unsere Gemeindeglieder werden deshalb vorkommenden Falles gebeten, sich ei ihren Pfarrer zu wenden, der die etwa nötigen Formal«.iten erfüllen wird. 328 Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 6. Dezember, 2. Abc ent. Kollekte für die hilfsbedürftigen evangelischen Gemeinden in Oesterreich. Gottesdienst. In der Stadtkirche, vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Schwabe, vormittags l l Uhr: Kinderkirche für die lNarknsgemeinde. Pfarrer Schwabe. Ubends 5 Uhr: Pfarrer v. Schlosser. Beichte und heil. Ubendmahl für die Matthäusgemeinde, wozu besonders auch die konfirmierte Jugend eingeladen wird. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten. Sonntag, den 6. Dezember, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Markusgemeinde. (viezstraße 15.) Dienstag, den 8. Dezember, nachmittags 3 Uhr, im Matthäussaal: Frauenmissionsverein. Dienstag, den 8. Dezember, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. Nächstkünftigen Sonntag, den >3. Dezember, als am 3. Ndvent, findet im Ubendgottesdienste Beichte und heiliges Ubendmahl für die Markusgemeinde statt, wozu besonders auch die konfirmierte Jugend eingeladen wird. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten. In der Johanneskirche, vormittags y>/z Uhr: Pfarrer Uusfeld. vormittags I l Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeind«. Pfarrer U u s f e I d. Ubends 3 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und heiliges Ubendmahl für die Lukas- gemeinde, wozu besonders auch die konfirmierte Jugend eingeladen wird. Anmeldungen vorher im pfarr- hause Liebigstraße 56 erbeten. Ubends D/eUhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde im Lukassaal. Nbends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal. Mittwoch, den y. Dezember, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Bechtolsheimer. Freitag, den I I. Dezember, abends >/-6Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde. Nächstkänftigsn Sonntag, den 13. Dezember, als am 3. Udvent, findet im Ubendgottesdienst Beichte und heiliges Ubendmahl für die Johannesgemeinde statt, wozu besonders auch die konfirmierte Jugend eingeladen wird. Unmeldungen vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen J Rudolf Richter Gießen, Marktstraße 24 —26 hüte und Mützen Reichhaltige Auswahl. BilligePreise :: Rabattmarken. Reparaturen :: Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider Modes Gießen, Plockstraße 5 empfehlen sich in allen in ihr Fach schlagenden Arbeiten. Kleiderstoffe Blufen-Stoffe flusfteuer*flrtikel kette außergewöhnlich billig Efagengetcfidft. Geringe Unkosten Gemeinfchaftlldier Einkauf mit 3 Gefdidften zufamnen [imciBerncircl Stehen, Bismarckltrahe b Heinrich Moll Mäusburg Nr. 7 Telephon Nr. 292 Spezial-Geschäft fiir Bureaubedarf • Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei. Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten. Photographische Apparate und Zubehöre Bilsch's MllßkhW Ecke Kirchenplatz-Lindenplatz Musik-Instrumente :: und Musikalten :: Carl Berger NchL, Inh. 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