Nr. 46. Gießen, 1. Advent, 29. November 1914. 3. Jahrgang. Lin Adventswort für die Trauernden. Evangelium des Lukas 21, 28. Erhebet eure Häupter, darum datz sich eure Erlösung naht. Die schönste Zeit des Kirchenjahres steht wieder vor der Tür. Weihnachten rückt aus der Ferne immer näher, und in der seligen Ldventszeit ergeht an die Christenheit die Fülle der frohen Lotschaft. In alte Tage werden wir zurückgeleitet, da Jesu; der Welt noch nicht erschienen war, da Juden und Heiden sehnsuchtsvoll nach der Erlösung ausschauten und es mit ihnen, auch mit unseren germanischen Vorfahren, nach dem geistlichen Volksliede ging: „Gleich wie der Hirsch zum lvasserfall, wenn er getroffen, eilet schnell, so ruft der lieben Väter Brunst*) von altersher und nicht umsunst, es wolle kommen Jesus Christ, der ihr und unser Heiland ist." Im Geiste durchleben wir wieder diese alten Zeiten. Wir sehen das Licht aus der Ferne aufleuchten, wir hören die Stimmen der Propheten und lassen ihre messianischen Weissagungen aus uns wirken, wir vernehmen, was der Vorläufer und Wegbereiter des Heilandes, der Lutzprediger Johannes der Täufer, seinen Zeitgenossen sagt, und freuen uns dann, daß uns in Jesus heil und Gnade erschienen ist. In diesem Jahre wird jedoch die frohe Botschaft von dem Kommenden Messias beinahe übertönt von anderen Lot- schaften. Das sind die Nachrichten von den Kriegsschauplätzen. Wohl melden sie uns von dem entschiedenen Fortschreiten unserer tapferen Heere, aber fort und fort auch von Tod und schwerer Verwundung, von harter Mühsal, die unsere kämpfenden Lrüder zu tragen haben. In der Ldventszeit tritt Jesus als der Sanftmütige, als der Friedefürst vor uns hin, und es ist noch kein Ende des Krieges abzusehen. Llle die schönen Lieder, die wir sonst in der Ldventszeit so gern singen, scheinen uns der Zeitlage nicht angepaßt zu sein. Es wird uns schwer, zum Grgelton jetzt von Frieden und Freude, von sehnlicher Erwartung und herrlicher Erfüllung jubelnd zu singen. Namentlich mögen das die vielen unter unseren Volksgenossen empfinden, die dem vaterlande schwere Gpfer gebracht haben und über den Heldentod ihrer Ehegatten, Väter, Söhne und Lrüder traurig sind. Es ist mancher unter ihnen, der sich jetzt in unfruchtbarem Grame verzehrt und *) Altes wort für Sehnsucht. wohl gar sagt: Mein Lebensglück ist dahin, ich bin hinfort zu nichts mehr nütze, ich bin ein zerbrochenes Nohr, ich will nicht mehr wirken und arbeiten, ich möchte am liebsten sterben. Wir haben voller Verständnis für das Leid und die seelische Erschütterung der tief Betrübten und sagen dennoch: Es ist nicht recht, so zu sprechen: wer so redet, der redet traurige Worte, Worte der Verzweiflung. Mag auch die Nacht der Trübsal über uns Hereinbrechen, Christus ist noch da, noch schreitet er von Jahr zu Jahr segnend, tröstend, neues Leben schaffend durch die Leihen der Menschheit. Er läßt keinen, der an ihn von Herzen glaubt, in der Trübsal fitzen, er offenbart jedem seine rettende Gnade, schickt jedem den Frieden, den die Welt nicht geben kann. Darum: Erhebet eure Häupter, darum datz sich eure Erlösung naht. Der Heiland will euch trösten, der Heiland braucht euch aber auch. Noch hat das schwere Völkerringen nicht sein Ende erreicht, noch müssen wir alle Kräfte anspannen, damit Deutschland den völligen Sieg erlangt. Dazu brauchen wir tapfere, besonnene, unverzagte, fromme und ernste Menschen. Und wenn der Friede gekommen sein wird, wenn die tausend Wunden, aus denen das Vaterland blutet, geheilt werden sollen, dann brauchen wir solche Menschen erst recht. Wo sollen wir diese aber finden? Wahrlich nicht unter der Schar der herzlosen und Gedankenlosen, die vom Kriege nicht unmittelbar betroffen sind, die jetzt nichts mehr beklagen, als daß sie in ihrem Vergnügen gestört sind, und die der großen Zeit so unsagbar klein gegenüberstehen. Luch unter denen werden wir diese nicht finden, di« in der schweren Zeit nur ihre eigene Ehre suchen und es nicht verstehen, bescheiden und in der Stille zu arbeiten. Lber unter euch, ihr Leidtragenden und Traurigen, sind die, die das Vaterland jetzt braucht und auf die es auch in Zukunft rechnet. Ihr sollt helfen, Gottesfurcht und Treue, Liebe und Frieden im Lande verbreiten, und ihr seid dazu fähig, weil euch Gott durch das große Leid eures Lebens innerlich tüchtig gemacht hat. Ihr sollt die Traurigen trösten und den verlassenen helfen als solche, die durch eigenes schmerzliches Erleben den Weg zum Frieden gefunden haben. Da liegt eure Lufgabe, da liegt das Land eurer Zukunft, das Land, in dem Licht, heil und Trost auf euch herniederströmen werden. — 32 ? — Erhebet eure Häupter, darum daß sich eure Erlösung naht. Auch für euch ist Jesus Ehristus in die Welt gekommen, der sanftmütige und barmherzige Heiland. Wein Jesus lebt, er lebet auch für euch Und stirbt euch nimmermehr, Lein Gnadengeist macht euch an Freude reich, Betrübt euch nicht zu sehr! Sein Friede bleibet euch zum Erbe, Er lebt, ob uns dar Liebste sterbe, Mein Jesus lebt. H. 8. Aus den Spuren altgriechischer Nultur. Reiseerinnerungen van Geh. Gberkonsistorialrat D. W. petersen in Darmstadt. (Schluß.) Nach einem Milchkaffee, dick wie Schokolade, machten wir noch einen Spaziergang, die Stadt und ihre Altertümer zu sehen. Papa Rlipheri stellte uns zu unserem Schreck für unser Frühstück Makkaroni in Aussicht. Um 10 Uhr kamen wir nach Haus, das Frühstück stand bereit, die Szenen vom Tage vorher wiederholten sich. Die Ankunft des Dampfschiffs, mit dem wir die Insel verlassen wollten, wurde gemeldet. Wir nahmen Abschied und gingen an den Hafen. Da aber die Frage, ob wir nach Megara fahren wollten, noch nicht entschieden war, die Leute am Hafen wegen des Windes zweifelhaft waren, der Alte in seinem gastfreundlichen Diensteifer sich entfernt hatte, um uns ein Schiff für Megara zu schaffen, weil nach seiner Meinung der blasende Wind prima sei, verloren wir unsern Gastfreund aus den Augen, warteten und warteten auf sein Rommen, bis das Dampfschiff ohne uns abfuhr. Nun blieb uns nichts anderes übrig, als die Fahrt nach Megara. Wir verproviantierten uns und bestiegen ein sogenanntes Ratki, ein schweres, bauchiges Segelboot mit schwerem Segel und zwei Schiffern. Bei schönstem Winde, der uns in drei Stunden nach Megara hätte bringen können, fuhren wir ab, aber ach, die Freude währte nur eine Stunde, plötzlich legte sich der Wind völlig und wir schwammen mit dem schwerfälligen Fahrzeug auf dem Meere. Der Rapitän und sein Gehilfe ruderten, wir aber wußten bald nicht mehr, welchen Teil unserer schmerzenden Glieder wir auf das harte verdeck legen sollten. Die Stunden schlichen langsam dahin, die Aprilsonne brannte unbarmherzig, das Meer war wie ein Spiegel: Reine Luft, von keiner Seite! Todesstille fürchterlich! Sn der ungeheuren Weite reget keine Welle sich. Um 12 Uhr mittags waren wir abgefahren und um V 2 5 waren wir erst am Eingang der Bucht von Ruluri an der Westseite von Salamis. Megara lag vor uns, aber der Dampfer, der uns von dort nach dem Piräus hätte bringen sollen, fuhr gerade fahnengeschmückt von dort ab. Es blieb uns nichts anderes übrig, als auf Megara zu verzichten und in die tiefe lange Bucht einzulaufen, um die in Rreisform die Insel Salamis herumliegt. Zwar erfreute uns die schöne Berglandschaft mit ihren blühenden Fruchtbäumen, aber Stunde um Stunde verstrich, ehe wir das Städtchen Ruluri am Grunde der Bucht erreichten. Die Sonne sank, feucht wurden die Rleider. Endlich V-8 Uhr stiegen wir ans Land. Nachdem wir eine kleine Erfrischung zu uns genommen hatten, marschierten wir im Dunkel quer über Land nach Ambelaki an der berühmten Meerenge von Salamis, von Dsterbraten und Wein rissen wir einen alten Griechen los und ließen uns von ihm an das jenseitige Ufer übersetzen. Drüben angekommen, ließen wir die Sterne unsere Führer sein und stolperten auf steinigtem Wege im Stockfinstern nach dem Piräus, den Aegelaos mit dem Thron des Xerxes zur Linken, das Meer zur Rechten. Nach 2V° Stunden — Mitternacht war schon vorüber — gelangten wir nach dem Piräus. Reine Droschke, die uns etwa nach Athen hätte fahren können, war zu finden. Nachdem wir eine Herzstärkung zu uns genommen hatten, wollten wir um V 2 2Uhr noch im Hotel ein Nachtquartier suchen, als unerwartet sich noch eine Fahrgelegenheit bot. Um V 2 3 Uhr war ich daheim, mit aufatmender Freude von den Meinen empfangen, die sich schon um mich Sorge gemacht hatten. Das war das Ende unserer schönen Dsterfahrt. Das letzte Ende davon erlebte ich etwa ein Jahr später, das schmeckte wie Bechers Neige. Lin neues Ministerium war ans Ruder gekommen. Mit jedem abtretenden Ministerium werden Tausende von Beamten, die ihm ihre Remter verdanken, ohne Sang und Rlang durch einen Federstrich entlassen. Dies in Griechenland nicht ungewöhnliche und leider auch nicht seltene Geschick traf unseren gastfreundlichen Zacchäos von Regina. Da wandte er sich mit einem flehenden Brief an mich, den „Rönigspriester". Da fühlte ich so recht meine Ohnmacht. Aber in diesem konstitutionell regierten Land, wo natürlich der Rönig konstitutionell gebundener ist als seine Minister, hätte selbst der Rönig ihm nicht helfen können, geschweige denn der „Rönigspriester". Es tat mir herzlich leid, daß der brave Papa Rlipheri gerade bei mir die Erfahrung machen mußte, daß das alte griechische Sprichwort sich nicht immer nach Wunsch erfüllt: okir chira nipti, eine Hand wäscht die andere. Ein pfälzischer Musikant. Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. (Fortsetzung.) Meine Braut hatte am 15. November ihre Stelle aufgegeben, um im Haus ihrer Eltern ihre Ausstattung fertig zu machen. Sie hatte seither meine Mutter noch nicht Kennen gelernt, darum begaben wir uns an einem Sonntage, da der Wind heftig wehte, nach Ruppertsecken. Herbstlich und unwirtlich sah es in der Natur aus, als wir nach Hochstätten gingen, von da mit der Bahn nach Rockenhausen fuhren und dann den Berg hinaufstiegen, aber wir waren doch fröhlich und zogen Hand in Hand im Sturmeswehen unsere Straße. Wer nie auf einem Kleinen Dorfe, das vom verkehr völlig abgeschnitten ist, geweilt hat, der weiß nicht, wie neugierig dort die Menschen sind, wenn fremder Besuch kommt. Rammt ein Geschäftsreisender in das Dorf, so bleiben alle Leute auf der Straße stehen und staunen ihn an. Die Männer nehmen die kurze Pfeife aus dem Mund, die Frauen setzen die Wassereimer auf die Erde, die Rinder sperren den Mund auf, alle schauen nach dem Fremden. Rommt ein solcher in das Wirtshaus, so verstummt alsbald das Gespräch. Wenn die Gemüter sich vorher noch so sehr über die letzte Ge- meinderatswahl erregt haben und wenn die Stimmen in echt pfälzischer Lebendigkeit noch so laut durcheinander geklungen sind, mit einem Male tritt Totenstille ein, der Ankömmling steht im Mittelpunkte der Beachtung, und der Wirt sieht es als seine Pflicht an, den Fremden nach seinen Personalien, nach dem woher und wohin auszufragen. Wie reckten sich aber erst die Röpfe in die Höhe, als ich mit meiner Braut den Einzug in meinen Geburtsort hielt. Fenstervorhänge wurden zurückgeschlagen, Fenster geöffnet, Mann und Weib und Rind sahen starr und wortlos uns an. Die Altpeter-Lene, die uns begegnete, vergaß ganz, meinen 323 Gruß zu erwidern, und der Bürgermeister Bodenbecher, jetzt ein steinalter Mann, zog höflich seine Mütze,' er muß mich für irgend einen großen Herrn aus der Stabt gehalten haben. Meine alte Mutter — sie war nun längst über die sechzig hinaus - - hatte schon vom Fenster her unser Kommen beobachtet. Rls wir eintraten, stand sie im Hausflur, uns zu begrüßen. Festtäglich hatte sie im Wohnzimmer alles hergerichtet. Line schöne Decke lag über dem Tisch, und ein Streußelkuchen war zur Feier des Tages gebacken worden. Der Bruder Fritz kam herzu, und als wir beim Kaffee saßen, wurde meine Braut rasch mit den Meinen bekannt. Rls meine Mutter den Tisch abgeräumt hatte und das Kaffeegeschirr in die Küche trug, ging ich ihr nach, und als wir am warmen Herde einander gegenüberstanden, sagte sie: „Peter, ich danke Gott, daß er mich diesen Tag hat erleben lassen. Deine Braut ist ein braves Mädchen, das sehe ich an ihrem Gesichte. Gott sei mit euch beiden, daß ihr so zufrieden und einig miteinander lebt, wie ich mit deinem Vater selig gelebt habe." Die Neugier trieb an diesem Tage viele meiner Bekannten aus dem Dorfe, daß sie uneingeladen in mein Elternhaus kamen, um zu sehen, was der Peter wiltinger für eine mitgebracht habe. Ls kamen Schulkameraden und Nachbarsleute, alle setzten sich fest und wollten unter endlosen Gesprächen gar nicht mehr weichen. wer aber beschreibt mein Erstaunen, als auch Marie Keiper, die einst als meine Braut gegolten hatte, sich mit den ungeladenen Besuchern einstellte. Ich hatte sie, seitdem mich damals auf der hollandreise die Nachricht von ihrer Untreue erreicht hatte, nicht mehr gesehen. Nun erschien sie dreist und ungeniert, gab mir zutraulich die Hand und sagte: „Guten Tag, Peter, ich wünsch dir auch viel Glück zu deiner Verlobung." Dann setzte sie sich an den Tisch, ließ sich den Kuchen, den ihr meine Mutter anbot, schmecken, betrachtete angelegentlich meine Braut, erzählte allerhand Komisches aus dem Dorfleben und lachte so laut, daß uns die Ohren gellten. Ich fragte sie, wie es ihrem Manne gehe. „Rch, der Schlechtschwätzer," gab sie zur Rntwort, „dem geht es noch gut. Die liebste Beschäftigung ist ihm Essen und Trinken, und die Leute lügt er an, daß sich die Balken biegen. In diesem Jahre hat er mir von seiner Neise fast gar kein Geld nach Hause geschickt, alles hat er für sich verbraucht. Lein Meister, der Naab von Einöllen, ist genau so ein Bursche wie er selbst, gleich und gleich gesellt sich gern, wäre er bei dem Fritz Binder geblieben, der hätte ihn wenigstens etwas in Ordnung gehalten. Und den ganzen Winter verdient er mir keinen Pfennig. Du, Peter, hast stets im Winter, wie die Leute in Ruppertsecken erzählen, viel Geld verdient, meiner aber liegt auf der faulen haut und läßt sich von mir ernähren." Ich merkte aus diesen Worten, daß die Ehe der beiden nicht glücklich war. Nach den Tharaktereigenschaften der Eheleute konnte es auch gar nicht anders sein. Marie seufzte, dann sagte sie, indem sie mich anblickte: „wenn ich noch einmal zu wählen hätte, so würde ich anders wählen." Das war doch ein starkes Stück, im Beisein meiner Braut diese Erklärung abzugeben, aber zum Glück war Lina so ruhig und in allen Stücken so besonnen, daß sie dieser Rus- sage nicht das geringste Gewicht beilegte. „Peter, du könntest mir jetzt einen Gefallen tun," fuhr Marie fort, „ich habe gehört, daß du die Kapelle von Fritz Binder übernimmst, da könntest du meinen Leichtfuß nehmen, vor dir hat er Respekt und hält sich vielleicht halbwegs ordentlich." Ich versprach, mein Möglichstes zu tun und bei der Zusammensetzung meiner Kapelle an Gottfried zu denken. Endlich verließ Marie das Zimmer, und ich war mit den Meinen wieder allein. - Rasch vergingen die wenigen Wochen, die uns noch von unserem Hochzeitstage trennten. Der 29. Dezember erschien und war ein prächtiger wintertag. Rm Rbend zuvor hatte es zu schneien angefangen, und nun lag die reine, weiße Decke über Feld, Wald und den hoch aufragenden Eichelberg, wir hatten nur die nächsten Rnverwandten geladen, von meiner Seite waren meine Mutter und meine Geschwister gekommen. Mittags um I Uhr erfolgte die standesamtliche Trauung, dann gingen wir im Hochzeitszuge zur Kirche. Die jungen Fürfelder Burschen aus dem Dorfe knallten nach der Sitte des Landes tüchtig mit den Pistolen, um uns damit eine Ehre anzutun. Mir ging auf diesem Wege mein ganzes seitheriges Leben durch den Sinn, ich dachte an meinen seligen Vater und an meinen früh dahingeschiedenen Bruder Georg, meine Kindheit und Jugend zog an meinem Rüge vorüber, und ich dankte Gott, daß er mich durch Freud und Leid sicher hindurchgeführt und mich eine liebe, gute Lebensgefährtin hatte finden lassen. Der Pfarrer hatte als Trautext das Wort aus dem 37. Psalm gewählt: Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird es wohl machen. Er zeigte uns, wie Gott es seither in unserem Leben wohl gemacht habe, und legte uns die Pflichten des Ehestandes an das Herz. Laut und vernehmlich klang dann unser Ja durch die Kirche, und beim Brausen der Grgel traten wir als neu verbundene Ehegatten Hand in Hand durch das Portal der Kirche hinaus in die wunderbare Schneelandschaft, hinaus in das gemeinsame Leben. (Fortsetzung folgt.) ' Kleine Mitteilungen. Soeben ist im Großherzoglichen Staatsverlage zu Darmstadt in bekannter schöner Russtattung der „Land-Kalender für das Großherzogtum Hessen" für das Jahr 1915 erschienen. (Es ist dies schon der 205. Jahrgang, wir haben es also mit einem sehr langlebigen und sehr bewährten Unternehmen zu tun. In Dberhessen wird man namentlich einem, in dem neuen Jahrgange enthaltenen Rrttkel von Ferdinand Dreher über „Friedberg in der wetterau" Interesse entgegenbringen, zumal, da eine Reihe von Rbbildungen di« interessanten Baudenkmäler der alten Stadt vorführt, weitere Rr- tikel beschäftigen sich mit den künstlerischen. Besttebungen unseres engeren Vaterlandes, von einem Wolf, der im Winter 1840/41 in der Umgebung von Lampertheim Schrecken verbreitete, erzählt Rugust Reiß. Rußerdem enthält der Kalender eine Uebersicht über alle hessischen Staatsbehörden und ein Verzeichnis der Staatsbeamten. Rlles in allem stellt sich der neueste Jahrgang als ein Kalender der rechten, volkstümlichen Rrt dar, wie ihn unsere Vorfahren an Winterabenden gern lasen und wie er auch uns noch ein lieber Bekannter ist. wir haben neulich das Schreiben und versenden von sogenannten „Kettengebeten" als groben Unfug bezeichnet. Dieselbe Ruffassung oerttitt das Großherzogliche Kreisamt Gießen, das sogar in einem Rundschreiben in Russicht stellt, daß die Rbsender derartiger „Gebete" wegen groben Unfugs zur Sttafanzeige kommen sollen. Das wird das einzige Mittel sein, um den abergläubischen und leichtfertigen Menschen, die, anstatt etwas Nützliches zu tun, ihre Mitmenschen mit 324 anonymen Sendungen belästigen, das Handwerk zu legen. Möge niemand glauben, daß er unentdeckt bleibt, weil er seinen Namen nicht unter sein Schreiben setzt. Durch Gutachten Sachverständiger kann aus der Vergleichung von Schriftproben leicht der Schreiber ermittelt werden. So lange wird dieser Unfug dauern, bis einer einmal daran glauben muß. Um 14. d. Mts. hat unser verehrter Mitarbeiter Herr Generalarzt a. D. Dr. Nappesser in varmstadt mit seiner Gattin Thekla, geb. Soldan die goldene Hochzeit gefeiert. Mir bringen dem Fubilare, der im 85. Lebensjahre steht und zu deni soeben erschienenen „Landkalender für das Großherzogtum Hessen" wertvolle Beiträge geliefert hat, nachträglich herzliche Glückwünsche dar. Krieg und Neligion. Um nächsten Sonntag, abends 8 Uhr, wird in der Stadtkirche der dritte der vom Gber- hessischen Verein für innere Mission veranstalteten Vorträge gehalten werden. Herr Prof. v. Schoell, Direktor des Predigerseminars in Friedberg, spricht über: „Der Krieg als Erzieher zum praktischen Thristentum". kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 29. November, l.Ndvent. Kollekte für die durch den Krieg Geschädigten in Ostpreußen und Elsaß-Lothringen. 3n der Stadtkirche, vormittags y'/e Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Leichte und heil. Ubendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. vormittags 11', Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer D. Schlosser. Ubends 5 Uhr: Pfarrer Schwabe. Weitere Ubendmahlsfeiern werden gehalten am 2. Ud- vent für die Matthäusgemeinde und am 3. Udvent für die Markusgemeinde, jedesmal im Ubendgottesdienst. Zu diesen beiden Ubendmahlsfeiern wird besonders auch die konfirmierte Jugend eingeladen. Mittwoch, den 2. Dezember, abends 8Uhr: Kriegsbetftunde. Pfarrer D. Schlosser. In der Fohanneslirche. vormittags 9V- Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und heil. Ubendmahl für die Lukas- und Fo- hannesgemeinde gemeinsam. Unmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten, vormittags 11'A Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Ubends 5 Uhr: Pfarrer U us feld. Ubends 7*4 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde im Lukassaal, sowie der konfirmierten männlichen Fugend der Fohannesge- meinde im Fohannessaal. Nächstkünftigen Sonntag, den 6. Dezember, wird in beiden Kirchen die alljährliche Kollekte für die evangelischen Gemeinden in Oesterreich erhoben werden. Nn demselben Tage wird im Nbendgottesdienst Beichte und heiliger Ubend- mahl für die Lukasgemeinde gehalten, wozu besonders auch die konfirmierte Fugend eingeladen wird. Unmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten. Die Ubend- mahlsfeier der Fohannesgemeinde wird am 3. Udvent, ebenfalls im Ubendgottesdienft, gehalten. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Rudolf Mchter Gießen, Marktstraße 24 — 26 hüte und Mützen Reichhaltige Auswahl. BilligePreise :: Rabattmarken. Reparaturen :: Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weihwaren Herrefl- u. Knabenkleider Carl Berger Nchf., Inh. Cusl. 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