Nr. 45. Gießen, 24. Sonntag nach Trinitatis, 22. November 1914. 3. Jahrgang. Totensonntag. Brief des Apostels Paulus an die Römer 14. 8. Leben wir. so leben wir dem Herrn, sterben wir. so sterben wir dem Herrn. Darum wir leben oder wir sterben, so sind wir des Herrn. Sonst war der Totensonntag ein Tag, an dem sich die Familie auf dem Friedhofe bei den Gräbern ihrer Zugehörigen gern versammelte, peute will uns der Platz nicht mehr genügen. Wir Klagen um so viele, die in der peimat Kein Grab haben. lvie sind die Pelden gefallen im Streu! rr?ie Herrliche Jugend ist nicht in ein frühes Grab gesunken! wie manche Familie weint nicht um den einzigen Sohn! lvie manche nicht um den Vater unmündiger Rinder! Sie schlafen weit weg, in der Erde und im Meere, sehr viele in den großen Soldatengräbern auf den Schlachtfeldern. einzelnen ist ein besonderes Grab zuteil geworden. Wenn der Tod die Menschen nicht in großen Reihen hinraffte. dann haben die Rameraden sich die Mühe nicht verdrießen lassen, ein Tinzelgrab herzustellen. Sie haben ein polzkreuz darauf gesetzt und Zeichen der soldatischen Zugehörigkeit darauf gelegt, dem Offizier Pelm und Degen, dem Soldaten Pelm und Seitengewehr, dem Trommler die Trommel und die Schlägel, zuweilen haben sie, wo es ging, noch Blumen darum gepflanzt. Rndere liegen an Grten, die niemand kennt, rasch beerdigt: von Feindes pand bestattet. Weit, weit in der Trde zerstreut liegen die Rinder deutschen Volkes, die gefallen sind, in Europa, in Rsien, in Rfrika, und der deutschen Frau will heute das perz brechen, daß sie nicht zum Grabe ihres Mannes oder Sohnes gehen, einen Rranz niederlegen und da beten kann. Tröste du sie in ihrer Trauer, du heiliges Gotteswort! Sterben wir, so sterben wir dem perrn, so sprichst du. Wem sind sie alle gestorben, die da schlafen? Sind sie nicht ausgezogen für die deutschen Brüder, für uns, die wir in der peimat zurückgeblieben sind? Daß wir Frieden hätten, daß unser Land den Rrieg nicht sähe mit seinen Flammen und Geschossen, mit seinen schrecklichen Verwüstungen und unsagbaren Greueln. Thristus hat einmal seine Jünger gemahnt, das Leben zu lassen für die Brüder. Sie haben es für uns hingegeben. Ich vergesse nie, was jener Schmied sprach, als er von uns Rbschied nahm, um in dar Feld zu ziehen • Der Weg nach Deutschland geht über unsere Leiber. So dachten sie wohl alle, die hinauszogen. Ich weiß nicht, ob alle, die in den Rrieg gezogen sind, im herzlichen Glauben an unseren peiland gestanden haben/aber das weiß ich: sie haben das Leben gelassen für die Brüder, und das ist auch ein Sterben dem perrn. viele unserer Soldaten sind draußen im Rriege Gott näher gekommen, als sie in der peimat standen. Der Vizefeldwebel der Maschinengewehrabteilung des Infanterie-Regimentes Rr. > 16 , der grem, semem tapferen Paupime-un am l. November dieses Jahres eine tödliche Wunde erhielt, auch ein Ritter der Eisernen Rreuzes, ein vielen unvergeßlicher, treuer, wackerer Soldat, schrieb mir ein paar Tage vor seinem Tode: „Wie mancher hat hier in Frankreich das Reten wieder gelernt. Bei vielen ist die Scham vor dem Bekenntnis zu Gott wie ein Nebel verschwunden. Wie lesen sie so gern im Gebetbuch und Gesangbuch in den Schützengräben!" Ja, gar mancher ist gleichgültig im Glauben, gar als Spötter in den Rrieg gezogen. Da hat ihn Gott anders denken und fühlen gelehrt. Und ist es nicht ein Zeichen dieses religiösen Sinnes, daß auf manchem Soldatengrab im Feld neben Pelm und Seitengewehr auch ein neues Testament liegt? Mit großer Zuversicht stimmen wir in da; Bekenntnis des Rpostels: Sie sind des perrn, des perrn, vor dem es kein nah und weit gibt, des perrn, dem die ganze Erde gehört und der die Toten aus ihren Gräbern ruft zu seiner perrlichkeit. Uns steht nicht das Richten zu, aber das pof- fen, das Glauben, und Gott sei dank, der es uns geschenkt hat in Thristo. Gr.-L. _ ®. Sch. Der weg zum Frieden. Noch dauert unser Werktag hier auf Erden, Einst kommt die Zeit, da wird es §abbat werden, Dann weck uns aus dem Grab, o Lebenssonne» Zur ew'gen Wonne! Der große Sabbat ist nun schon für so viele angebrochen, die vor wenigen Monaten noch unter uns weilten in Jugend- krafi und Frohsinn, in reger Rrbeit und fruchtbringender Tätigkeit. So ungezählte Scharen gingen dahin, todesmutig 314 und opferfreudig in der Hingabe ihres Lebens für die höchsten Güter dieser Welt: ihr Haus und ihr Heim stehen nun vereinsam! da: denn wir wissen, sie kehren niemals wieder. Blutet uns nicht das Herz, wenn wir die vielen tränenschweren Gesichter, den großen stummen Jammer sehen? Fühlen wir nicht ein fast übermenschliches Erbarmen, wenn wir hören, wieviele junge Ehen nun plötzlich gelöst worden sind, wieviele hoffnungsvolle Söhne und wieviele Männer, die dem vaterlande noch von so großem Nutzen sein konnten, nicht wiederkehren, Wir fragen da unwillkürlich: Gibt es denn Trost für all dieses tiefe schwere Iveh? Man muß selbst schon weit den Leidensweg gegangen sein, um zu versuchen, eine Bntwort auf diese Frage zu geben, es zu unternehmen, das Wort zu finden, das, von Herzen zu Herzen gehend, den Ton trifft, der die Herzenssaite berührt, ohne ihr wehe zu tun. Es ist etwas Großes, Heiliges um den Schmerz, und wir müssen uns hüten, ihn unsanft zu berühren. Wer das Wehe kennt, das in dieser schweren, ja entsetzensvollen Zeit so viele Seelen darnieder- drückt, der möchte versuchen, jedes einzelne dieser trauernden Herzen aufzurichten, ihm zu sagen: wir fühlen mit dir, wir sind in Gedanken bei dir, still und wortlos: denn wir wissen, daß Worte oft wehe tun, wir wollen aber lindern, nicht wehe tun. Liebe, bekümmerte Seele, es spricht hier zu dir eine Mitschwester, die schon in jungen Jahren den Leidensweg geführt wurde: sie weiß, wie weh es tut, sein Erdenglück dahin zu geben, sie hat es aber auch erfahren, wie herrlich es ist, durch dieses tiefe Weh in Gottes unendliches Erbarmen hineinzuwachsen, sich von ihm führen zu lassen, so daß das Leid seine Bitterkeit verliert. Wir müssen ja durch viel Trübsal in das Neich Gottes eingehen, was kann das anders heißen, als daß wir dort unsere ewige Heimat finden und daß Trübsal uns den Weg dahin führt. Wir dürfen nur nicht immer auf die Mühsal des Weges sehen, sondern allein auf das herrliche Endziel, das uns werden soll. Bei Gott sein, frei von Leid und Erdenweh, die herrlichen Verheißungen erfüllt sehen, die uns in der «Offenbarung Johannis 7, 14—17 gegeben sind, liebe trauernde Leele, ist das nicht etwas, das uns über da; Leid hinausschauen läßt, so daß wir Gott dafür danken müssen? Und wenn du klagst, daß der, den du so heiß liebtest, in fremder Erde oder aus dem Meeresgründe ruht und du nie wissen wirst, wo das treue Herz zu schlagen aufhörte, sei getrost: Gott weiß es! Der allmächtige, allbarmherzige Gott kennt den Grt im Feindesland, im Meeresgrund, wo seine Kinder ruhen nach heißem Kampf, nach Entbehrung, Not und treuer Hingabe ihres Leibst für das Vaterland. Gott wird sie finden an jenem großen Tage der Bbrechnung, wo er geben wird einem jeglichen nach seinem Tun. Er wird sie holen aus der Meerestiefe und aus der fremden Erde zu seiner ewigen Herrlichkeit, und du wirst sie dereinst dort wiederfinden, wo kein Leid und Geschrei mehr ist, dort, wo alle die vor Gottes Thron sich sammeln werden, die gekommen sind aus großer Trübsal, dort, wo Gott abwischen wird alle Tränen von ihren Bugen. Tröstet dich nicht, liebe Leele, diese herrliche Bussicht? Buch wir wollen dereinst zu diesen Stätten des Friedens kommen, und unser Lehnen darnach wird nun viel mächtiger werden: denn wir wissen unsere Geliebten dort, wo sie uns erwarten. Wenn wir auch im Erdenleben von ihnen getrennt sind, e; gibt ein unsichtbares Band, das uns mit ihnen verbindet, und das uns immer fühlbarer wird, je mehr wir lernen, das Irdische gering zu achten, und unser Linnen und Denken dem Unvergänglichen zuzuwenden. 8o wollen wir den Tag, der der Erinnerung aller vorangegangenen verklärten geweiht ist, der uns in dieser ernsten Zeit so besonders zu innerer Einkehr drängt, wohl in tiefer, stiller Trauer begehen: unsere Leelen aber erheben wir Uber Tod und vergehen empor zu dem Vater des Lichts, zu dem ewigen Vaterhause, wo unsere Lieben nun ruhen von heißem Kampf. Baronin B. Unser Unsterblichkeilsglaube. Es ist noch eine Buhe vorhanden dem Volke Gottes. In diesen Zeilen, wo der Tod täglich Hunderte von (Opfern aus den Neihen unserer Volksgenossen reißt, ist es wohl kein Punkt der christlichen Glaubenslehre, mit dem sich die Herzen mehr beschäftigen, als die Frage, ob es ein Leben nach dem Tode gibt. Und zwar beschäftigt diese Frage gleicherweise alle, die daheim und draußen sind. Busnahinen selbstverständlich zugegeben. Sie geht wie ein Gottesbote herüber und hinüber. Draußen geht sie um einsame Wachtfeuer, legt hier einem die Hand auf die Lchulter, der ihr noch wenig nachgedacht hat. Dann wirft sie, durch ein Wort, eine Bndeutung, durch eine unruhige Hand im Feldbriefe schüchtern angebracht, einen Feuerbrand in die Leele eines Latten, der bisher nur den Fragen des diesseitigen Lebens seine volle Bufmerksam- keit zugewendet hat. Wir wollen diesen Gottesboten, der unter so außergewöhnlichen Umständen zu uns tritt, nicht vorübergehen lassen, ohne ihm wenigstens achtsames Gehör gegeben zu haben. Wir lassen die Frage mit den Worten des vorangestellten Gotteswortes in unserer Leele widerklingen: Ist noch eine Nuhe vorhanden dem Volke Gotte;? Können wir diese Frage mit einem Ja beantworten, so wissen wir: (Es gibt auch eine Unsterblichkeit. Da erhebt sich nun die weitere Frage: Gibt es denn ein Volk Gottes, und wo ist dieses zu finden? Was ist sein Name und Brt? Blicken wir auf unsere Zeitverhältnisse, so scheinen diese zur Beantwortung unserer Frage die denkbar ungünstigste Bussicht zu geben. Wir sehen, wie Europa in zwei Heerlager gespalten ist, die sich mit allen Mitteln irdischer Gewalt auf das grimmigste befehden. Furchtbar haust der Krieg unter den Völkern unseres Erdteils und teilt nach beiden Leiten Wunden aus, die, so lange das gegenwärtige Geschlecht am Leben sein wird, nicht vernarben werden. Und schlimmer noch, als die äußere Zerrüttung, ist der innere Lchaden, die moralische Zerklüftung, die den Zusammenbruch von all dem anzeigt, was unter dem Namen „Bufgaben der Kulturmenschheit" vielen als ein unverrückbares, hehres Bild erschienen ist. Der Krieg hat tatsächlich dieses Götterbild zerschlagen. Der kunstvolle Bau der Kulturmenschheit ist unter den Hieben einer rücksichtslosen, wenn auch mit dem Gewand heuchlerischer Phrase notdürftig ihre Blößen zu decken suchenden Lelbstsucht aus den Fugen gegangen. Wenn etwas als Ertrag dieses Krieges feststeht, so ist es dieses, ein Mißtrauen aller gegen alle, das eine Friedensarbeit von Jahrzehnten nicht wird beseitigen können. Hart ist diese Lehre, an der vornehmlich die Völkerfamilie Europas lange Zeit wird tragen müssen, und schwer ist es, für den Gedanken der Menschheit einen Unterschlupf ausfindig zu machen, in dem er in der Verborgenheit den Eintritt besserer Zeiten abwarten kann. Schwer ist es für die menschliche Betrachtungsweise, der wir bei diesen Erwägungen da; Wort gelassen haben, ja es ist ihr unmöglich. 315 Die Menschheit, wie sie ist, hat den Gedanken der Menschheit aus sich Hinausgetrieben. Das ist das furchtbare. Und wo die Menschheit ihren eigenen Bankerott aus Leibeskräften betreibt, hat man da noch ein Becht, gar von einem Volke Gottes zu reden? Wir reden dennoch von ihm. Ja, wir sagen: Das Volk Gottes ist die Bettung der Menschheit. Die einzige Bettung. Trotz aller Greuel und Unmenschlichkeilen, die dieser Krieg wieder entfesselt, steht doch unsre Ueberzeugung fest: Ts gibt ein Volk Gottes. Mag es schwer sein, es aufzufinden, ja, für unser zeitliches Buge ganz unmöglich. Das Volk Gottes ist da, wo Gott ist. Gott ist aber nicht da, wo die größten Banonen und die stärksten Bataillone sind, sondern da, wo der stärkste Glaube ist. Da wird der endliche Lieg hinfallen. Darum gewinnt die frage gerade jetzt chre erschütternde Bedeutung: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Diese frage ist viel wichtiger als die: Wie ernähren wir unser Volk durch die Briegszeit hindurch? Wo sind die, die den frieden mit Gott über alles lieben und suchen? die die Uebertretung seiner Gebote über alles fürchten? die bereit sind, lieber alle irdischen Nachteile über sich ergehen zu lassen, selbst die schwersten Niederlagen und den Untergang des eigenen Volkes, als daß sie ihrem Gott untreu werden? Wir wissen es nicht. Bber sie sind da. Sie sind nicht bloß auf unserer Seite, sondern wir vertrauen darauf, daß sie auch drüben bei unsern Gegnern zu finden sind. Sie sind die wahrhaft Blügen, auf denen die Hoffnung der Menschheit ruht. Bngesichts dieses Glaubens brauchen wir die Hoffnung nicht aufzugeben, daß, wenn auch vielleicht erst nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten, sich doch noch einmal ein Band der Einheit um diese Trdenmenschheit schlingen werde. Weil es noch ein Volk Gottes gibt, deshalb sind wir getrost in Hoffnung. Und auch diese Hoffnung geben wir nicht auf: Ts ist noch eine Buhe vorhanden dem Volke Gottes, eine schöne, klare, erquickende Buhe, heil und friede allen, die ihre Herzen aus sie richten, ihre Seele im Hinblick auf sie unter aller Unruhe und Sorge dieses Lebens stille werden lassen! ,,Und was die innere Stimme spricht, Das täuscht die hoffende Seele nicht." K. G. 21 us den Heldpostbriesen unserer Heimgegangenen. In diesem Jahre trauert am Totensonntage das ganze deutsche Volk, es geht ein einziges Wehklagen von der Insel Bügen bis zum Bodensee, von der Weichsel bis zu den Vogesen. Die Blüte des Landes ist auf den Schlachtfeldern im Westen und im Osten dahingesunken, die Edelsten, die Büstigsten sind für uns gefallen. Jünglinge, die im Eltern- hause mit aller Sorgfalt erzogen worden sind, feinsinnige Männer, Männer von hoher Intelligenz kehren nicht mehr zurück in die Heimat. Bekümmert fragen wir uns: wer wird sie ersetzen, wenn der Brieg durch Gottes Gnade ein Ende erreicht hat? Wird nicht Deutschland geistig verarmen, da viele, die ihm in der Zukunft führer sein sollten, nun nicht mehr wirken können? viel tiefer greift in diesem großen Sterbejahre der Brieg in die deutschen familien ein als der Brieg, den unser Volk vor 44 Jahren führen mußte. Damals hat die Stadt Gießen fünf ihrer Söhne hergeben müssen, jetzt sind es gewiß schon hundert, die aus unserer Stadt für das Vaterland in den Tod gegangen sind. Blutige Saat wird jetzt auf den Schlachtfeldern gesäet, aber es steht uns fest, daß sich an uns in dieser Zeit das Gotteswort erfüllt: Die mit Tränen säen, werden mit Freu- den ernten. Wir haben die feste Zuversicht, daß unsere Helden nicht umsonst gestorben sind. Sie haben mit ihrem Blute das Vaterland verteidigt und uns Freiheit und Sicherheit erkämpft. Bber sie haben noch mehr getan. Sie haben unser Volk, das in äußerlichem Tun, in Unglauben, in Selbst-, Welt- und Geldvergötterung, in Eitelkeit, Vergnügungssucht und Bildungsheuchelei unterzugehen drohte, aufgerufen, daß es wieder im rechten Lebensernste seine Tage verbringen und seine Blicke auf das eine richten soll, das not tut. In diesen Briegsmonaten schreitet Gott der Herr wieder durch die Beihen unserer Volksgenossen, besonders derer, die da draußen im Felde stehen, und offenbart sein Wesen. Davon geben auch die nachfolgenden Mitteilungen aus Feldpostbriefen Heimgegangener tröstende und stärkende Bunde. Es handelt sich um Mitteilungen zweier Bämpfer, die der Lukas- gemeinde angehört haben und in unserer Stadt von vielen geschätzt und geliebt waren. Bm 31. Oktober wurde unweit Lille der Leutnant der Beseroe im 136. Infanterie-Begiment, Lehramtsassessor vr. Julius Boßler, schwer verwundet, am 3. November ist er in einem Feldlazarett zu Werwick in Flandern sanft entschlafen. Bm 27. September schrieb er an den Schreiber dieser Zeilen eine Feldpostkarte, in der es heißt: ,,Bls alter Nachbar möchte ich Ihnen mitteilen, daß ich durch Gottes Gnade noch am Leben bin und vorgestern das Eiserne Breuz erhalten habe. Zurzeit bin ich leicht verwundet, gehe aber heute wieder in Front. Gott helfe weiter! Meine. Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Dies in Gedanken an meinen Hochzeitstag vor einem Jahre." Diese kurze Mitteilung wirft ein Licht auf das Seelenleben des geistig hochbegabten und fein empfindenden Mannes. Daß der Brieg, unter dessen Wirkungen wir jetzt stehen, kommen werde, hatte er als Historiker, der die Geschichte der Völker an sich vorüberfluten sah, längst vorausgesehen. Bber der Brieg mit seiner Wildheit und seinen unvermeidlichen Schrecknissen war ihm seiner ganzen Natur nach zuwider. Seine Interessen lagen hauptsächlich auf wissenschaftlichem Gebiete, hier hatte er sich seit langer Zeit seine Ziele gesteckt, die er in der Zukunft zu erreichen hoffte. Unverhofft traf ihn wie so viele andere der Befehl, in die Beihen des Heeres einzutreten. Schon am ersten Mobilmachungstage, aus jungem Eheglücke heraus mußte er abreisen, um nach Straßburg zu seinem Begimente zu gelangen. Sonntag, den 2. Bugust, war er vormittags mit seiner Gattin noch in der Birche, die Nachmittagsstunden flogen unter den notwendigen Besorgnissen dahin, abends kam die Trennungsstunde, am nächsten Morgen um 7 Uhr war er in Straßburg, um 9 Uhr war er eingekleidet und bezog sofort eine Brückenwache. von da an floß sein Leben unter unaufhörlichen Gefechten und großen Bnstrengungen dahin. Während wir in Hessen am Briegs- bettage in den Gotteshäusern weilten, kämpfte er tapfer in der Schlacht bei Mühlhausen mit, und er, dem seiner ganzen Brt nach der Brieg ein Greuel war, tat unerschrocken und von dem stärksten Pflichtgefühle beseelt, seine Schuldigkeit, so daß ihm schon im zweiten Briegrmonate das Eiserne Breuz verliehen wurde. Wohlbehalten ging er aus allen Gefechten hervor, bis ihn, als er im Bampfe mit Engländern stand, an dem genannten Tage zwei Gewehrkugeln trafen, die so schwere Verletzungen herbeiführten, daß trotz einer sofort erfolgten Operation der Tod nach drei Tagen eintrat. Die 316 Verletzung, die er in der oben erwähnten Karte nennt, ein Streifschuß, hätte ihm Bnlaß geben können, sich hinter das fechtende Heer zurllckzuziehen, er blieb jedoch bei seiner Kompagnie. Blr ihn die tätlichen Verletzungen trafen, war seine Kompagnie, die er zeitweise führte, weit über die deutsche Gefechtslinie hinaus vorgeschoben. Die Libelstelle (Psalm 62, 2), die der Heimgegangene an- fllhrt, war ihm besonders lieb und teuer. Sie war der Trautext seiner Schwester und war von dem trauenden Geistlichen gewählt worden, ohne daß dieser sich vorher mit der Familie in Verbindung gesetzt hätte. Va stellte sich das Merkwürdige heraus, daß dieser Text das Schriftwort war, das am Grabe des seligen Vaters der Mutter und den beiden kleinen Kindern Trost gegeben hatte. Vie Trauung war mit Rücksicht auf die schwerkranke Mutter im Hause vollzogen worden, sie sagte damals, es sei ihr der Trautext wie eine Stimme aus dem Jenseits gewesen, Bls die Mutter beinahe vier Monate später heimging, da ergab sich Psalm 62, 2 ganz von selbst als Text der Grabrede. So hatte sich dieses Bibelwort dem für das Vaterland in den Tod Gegangenen unvergeßlich eingeprägt. Ls richtete ihn im Getümmel der Feldschlacht, in den vielen Gefahren und Nöten des Krieges auf, und wir dürfen glauben, daß es ihm auch in den letzten, schweren Tagen, als sein Leben fern von der Heimat verlöschte und er sein Leiden so geduldig ertrug, Kraft und Trost gegeben hat. Iver wollte angesichts solcher Erfahrungen in der Zukunft den Mut haben, gegen das Buswendiglernen von Bibelsprüchen zu eifern? Bei seiner Trauung am 27. September 1913 hatte der Entschlafene sich als Trautext denselben Spruch ausgewählt, der der Trautext seiner seligen Eltern gewesen war: Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben (Offenbarung Johannis 2, 10). Ms er starb, fand man bei ihm einen Brief: der nach seinem Bussehen schon vor längerer Zeit geschrieben war. In diesem Brief hatte er,, für den Fall seines Todes von seiner jungen Gattin, mit der') er in innigster herzensgemeinschast verbunden war, rührenden Bbschied genommen. Bls seine hauptsorge bezeichnete es er in dem Briefe, ob seine Gattin sein hinscheiden ertragen könne. Das ist die Treue bis an den Tod gewesen, die er bei seiner Trauung gelobt hatte. — Neben den Mann, der das Eheglück und die Berufswirksamkeit schon gefunden hatte, tritt der Jüngling, der noch mitten im iverden stand. Sonntag, den 1. November, nachmittags um 3 Uhr, fiel gleichfalls auf dem westlichen Kriegsschauplätze bei einem Sturmangriff der Tinjährig-De- freite stuä. meä. Ernst Bötticher, gerade 19 Jahre alt. Um 19. Oktober hatte er in einem Briefe an seine Eltern folgendes geschrieben: „lvieder ist heute Zeit, den versprochenen Brief zu schreiben. Seit gestern abend liegen wir wieder einmal im Schützengraben. va hat man wenigstens Zeit, seine Gedanken zu ordnen. Gedanken ordnen ist auch nötig, gar vielerlei geht einem durch den Kops, und Hunderte, tausende von Erlebnissen gilt es da aufzunehmen und zu behalten, lvenn ich die kleine Schar derer, die noch vom stolzen Buszug übrig sind, betrachte und sehe, wie dieses Häuflein treu zusammenhält, als alte Krieger, die alles mitgemacht haben, Not und Gefahr gering schätzt, geduldig alle kleinen und großen Leiden erträgt, da macht mir die Sache viel Freude. Ihr glaubt nicht, welchen Grad von Gleichgültigkeit gegen jegliche Gefahr die Leute angenommen haben. Wir haben einen tapferen Divisionspfarrer. Gestern, wie wir gefechtsbereit in Re- servc lagen, versammelte er das Negiment um sich und hielt eine Bndacht. Es war der Text: Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten: denn was der INensch säet, wird er ernten. Wir standen im Viereck um ihn und lauschten seinen lieben Worten. Ringsum schlugen die Granaten ein, oben kreiste ein feindlicher Flieger, der Bomben nach uns warf. Gerade trugen sie ein Opfer vorbei, es war ein armer Kamerad, der keine hundert Schritte von uns getroffen worden war. Wir aber sangen das Lied: In allen meinen Taten laß ich den höchsten raten, der alles kann und hat. Keiner kümmerte sich mehr um die Gefahr. Tiefer prägten sich die Worte über Pflichten und Opfer, über blutige Saat und gesegnete Ernte in unsere Herzen ein. Getröstet und neuen INut im Herzen gingen wir an die gefahrvolle Brbeit. Ja, der Krieg macht die Herzen empfänglich und gläubig für die tröstende Kraft der Kirche, und manch einer, der daheim nach seinem eigenen verstände mit Bufwand vieler Philosophie glaubte sich eine eigene Welt aufbauen zu können, ist gläubig geworden. Denn in seinen letzten Stunden verspürt der Mensch die Sehnsucht nach der wahrhaftigen Nähe und Hilfe Gottes. Buch hier wird und möge der Krieg segensreich wirken gegen so viel Lauheit, die das Wohlleben mit sich bringt. Möge neuer Geist und Inhalt in die alten geheiligten Formen kommen!" Wer diese Zeilen liest, der staunt über die geistige Neife des Jünglings. Den Jahren nach war er noch beinahe ein Kind, der Denkweise nach ein gereifter Ehrist. Welche Besonnenheit, welche tiefe Frömmigkeit, welche Ruhe mitten im Sturme sprechen aus diesen Worten. Noch sehe ich den Frühvollendeten, wie er am Bbend des 4. Bugust mit seinen Eltern und Geschwistern am heiligen Bbendmahl teilnahm, schlank und hochaufgerichtet, im feldgrauen Waffenkleide an den Bltar herantreten, an dem er erst vor vier Jahren als Konfirmand gekniet hatte, und nun ist er schon am Ziele angelangt. Seine Herzensfrömmigkeit trieb ihn zu treuer Pflichterfüllung. Im Laufe des Krieges hatte er sich Rheumatismus zugezogen und mußte einige Tage im Feldlazarett zubringen. Kaum genesen, machte er sich auf, um seinen Truppenteil zu suchen. Mehrere Tage marschierte er allein im Feindesland, oft 40 Kilometer an einem Tage, durch andere Bbteilungen hindurch, bis er sein Regiment fand. Tr war von seinem tapferen Kompagnieführer Hauptmann haehling von Lanzenauer für das Eiserne Kreuz vorgeschlagen worden, als dieser aber auf dem Felde der Ehre gestorben war und die Kompagnie überhaupt von Offizieren nicht mehr geführt wurde, unterblieben die Schritte, die diesen Vorschlag zur Busführung hätten bringen können. Das war dem pflichttreuen, jungen Krieger eine Enttäuschung. Bber er hat diese Enttäuschung innerlich überwunden, das Bewußtsein, daß er seine Pflicht getan habe, so schreibt er an seine Eltern, mache ihn getrost und ruhig, am schönsten sei es im Felde doch bei der Kompagnie. — So reden zwei der Unseren, die für uns ihr Leben gelassen haben, am Totensonntage zu uns. Wie sie gedacht haben, so haben Tausende von denen, die im Felde gefallen sind, gedacht, wir könnten Beußerungen ähnlicher Brt gewiß in großer Zahl veröffentlichen. Zweierlei ersehen wir aus dem, das diese unsere Heimgegangenen Helden uns gesagt haben. Einmal dies, daß ein teurer Preis für unsere nationale Selbständigkeit, für unsere Sicherheit und Freiheit gezahlt worden ist und noch jeden Tag gezahlt wird, und dann das andere, daß sie mit einem Wort der heiligen Schrift im Herzen gestorben sind. Darum haben wir auch den Glauben, daß sie nun dahin gelangt sind, wo wir sie wiederfinden werden, 317 zu unserem Herrn und Heiland Jesus Christus, dem Lebensfürsten und Todesüberwinder, wer so stirbt, der stirbt wohl. _ H. B. Blut. „Die kosen blühen im Tale, Soldaten ziehen ins Feld." wer kennt es nicht, jenes uralte Soldatenlied, dessen Sang damit abschließt, daß der heimgekehrte Krieger sein ungetreues Weib ersticht? Das Soldatenlied flicht gerne kosen in seine oft so blutigen kränze. Das mindeste, was es tut, um den gefallenen Krieger zu ehren, ist dies, daß es kosen auf sein Grab pflanzt. Für die Phantasie des Volkes besteht offenbar eine geheimnisvolle keziehung zwischen der blühenden Rose, diesem Sinnbilde des frischen, strahlenden Lebens, und dem Blutbächlein, das die Erde da rötet, wo ein Held dem vaterlande zuliebe sein Leben ausgehaucht hat. Sn der Gegend, wo unser aktives Regiment in heißem, verlustreichem Ringen seine Stellung gegenüber schweren feindlichen Kngriffen behauptet, liegt ein Flecken mit dem Kamen kosisres en Santerre. Für das französische volks- gemüt muß sich mit der Vorstellung dieser Gegend die Empfindung besonderer Lieblichkeit verbinden, sonst hätte es einem in ihr gelegenen Grte nicht einen so poetischen Namen, der etwa dem deutschen Ausdruck „Rosengarten" entspricht, gegeben. Daß dort die Rose eine eigene Sprache auch zu dem Gemüt des fremden Kriegers spricht, ist daran zu ersehen, daß einer unser dort weilenden Tapferen seinen Angehörigen ein Röslein, das er im vorübergehen aus einem Garten holte, geschickt hat. vielleicht tat er es unbewußt, um diesen eine Andeutung zu geben, daß dieser letzten Gartenzier in dieser Winterzeit unzählige Schwestern erblühen, an deren Augenschein die klicke derer, die sie wahrnehmen müssen, kaum ihre Freude haben. Ja, wieviele blutige Rosen erblühen jetzt auf jenen Fluren und bezeichnen die Stellen, wo kraftvolle Menschenblumen von der Sens« des Todes dahingemäht worden sind. Und ihre Dornen senden diese Rosen in die Heimat der Gefallenen, wo sie die Herzen der ängstlich auf die Wiederkehr ihrer Lieben Harrenden mit ihren kantigen Ranken umwinden und ihre Stacheln tief in das Fleisch hineinbohren, zu lebenslänglichem Schmerze. Ja, welch tränenreiche Erinnerung wird mancher Seele im Freundes- und Feindeslande jener Rosengarten auf Frankreichs Flur bleiben! klut! Lin furchtbares Wort! wie kommen di« Menschen dazu, ihr klut gegenseitig zu vergießen, daß es in Strömen über die Erde rinnt? Auf was für ein Recht können sie sich bei ihrem mörderischen Tun berufen? kann eine göttliche oder menschliche Vernunft Gründe ausfindig machen, die den barbarischen krauch des Krieges auch nur mit einem Schein des Rechtes umkleiden? Gewiß hat ein verehrungswürdiger Mann des Alten Bundes, der Dichter des 30. Psalms, sich über diese Frage seine eigenen Gedanken gemacht, als er sprach: „was ist nütze an meinem klut, wenn ich zur Grube fahre? wird dir auch der Staub danken und deine Treue verkündigen?" Tr redet zwar nicht ausdrücklich vom Kriege, aber der Wortlaut ist doch so deutlich, daß es naheliegt, diesen als Massenblutvergießen herbeizuziehen, wenn es gilt, die Frage zu beantworten, was das fließende klut für «inen Zweck hat. Ist der Krieg nicht recht eigentlich zwecklos, widernatürlich? Ist er nicht diejenige Erscheinung innerhalb der Schöpfung, die am wenigsten mit dem willen des Schöpfers übereinzustimmen scheint? Hat er als derjenige, von dem alles ausgegangen ist, nicht am allerersten Grund, sein Auge zu verhüllen, wenn seine Kinder entgegen der von ihm gegebenen Bestimmung sich gegenseitig in den Staub strecken? kann er so untätig Zusehen, wenn sie sich in ungezählten Scharen dem Element ausliefern, das am wenigsten imstande ist, ein Zeuge von Gottes Treue und Fürsorge zu sein? wir sehen, was wir heute empfinden, ist schon lange vor uns empfunden worden: Der Krieg bringt einen fremden Ton in die Harmonie der Schöpfung und nichts wird imstande sein, das Schrille dieses Klanges zu mildern. Und doch, wenn auch das fließende Blut wenig von Gottes Liebe redet, vielmehr den ganzen Jammer dieses Erdenfeins aufdeckt, so muß es in den Absichten Gottes doch seine Stätte haben. Gewiß, unmittelbar ist es Gott zu nichts nütze, das hat der psalmist richtig erkannt. Aber hat es nicht doch einen Zweck in der strafenden Hand Gottes? welches Mittel ist von jeher geeigneter gewesen, die Menschen zur Buße zu rufen, als der Anblick des fließenden Blutes ihrer Brüder? Hat die Menschheit es heute weniger nötig, als in früheren Zeiten, daß ihr ihre eigene Verworfenheit wieder einmal in der schärfsten Form vor die Augen gehalten werde? wieviele Kräfte sind mit den rinnenden klutbächlein anscheinend nutzlos ausgegossen worden, die im Dienste der Familie, des Staates, des Vaterlandes, der Menschheit noch ihre naturgemäße Verwendung hätten finden können, zum Teil wahrscheinlich in herrlicher weise gefunden hätten! wieviele Aussichten und hoffnungsvollen Pläne sinken unter dem Geschoßregen der Schlachten in den Staub! wieviel redlicher wollen, in dem eine Seele zum erstenmale sich selbst findet, wird im keime erstickt! Schweigen wir darüber! Trotzdem kommen wir von dem Gedanken nicht los, daß der Krieg für denjenigen, dem er aufgenötigt wird, ein bitteres Muß ist, dem er nicht entrinnen kann, dem auszuweichen für ihn Feigheit wäre, wenn der Schöpfer für ihn verantwortlich wäre, dann wäre er ihm keine Ehre. Aber er findet seine Stelle nicht im Ratschluß des Schöpfers, sondern in der Freiheit des Menschen, die eine Freiheit auch zum Sündigen und Irren ist. was murren die Menschen und hadern mit Gott? Tin jeglicher murre über seine eigene Sünde k. G. Gottes Wort auf den Gräbern der Helden des Zahrcs 1870/71. wer Über die Schlachtfelder wandert, auf denen vor 44 Jahren Deutschlands Einheit erstritten wurde, der findet auf den Grabsteinen viele herrliche Bibelsprüche geschrieben, die durch den Ort, an dem man sie findet, noch vernehmlicher zu dem Herzen sprechen, als wenn man sie zu Hause, im stillen Zimmer in einer Bibelausgabe liest. Diese Worte geben am Totensonntage allen Trauernden Trost in das Herz, es seien deshalb einige von ihnen hier verzeichnet. Auf dem Grabe des Generals v. Franyois im Ehrentale bei Saarbrücken: Sprüche Salomos 21, 31. Rosse werden zum Streittag bereitet, aber der Sieg kommt von dem Herrn. An demselben Grte auf dem Grabe eines Kavallerieoffiziers: Psalm 23, 1. Der Herr ist mein Hirte. Auf dem Hessendenkmal am Rande des Bois de la Gusse bei Gravelotte: 1. Makkabäer y, 10. Ist unsere Zeit gekommen, so wollen wir ritterlich sterben um unserer Brüder willen und unsere Ehre nicht lassen zuschanden werden. Unweit des Hessendenkmals steht auf einem Grabe: Hier ruht in Gott Oskar Speer, preußischer Gardeschütze, geb. 318 8. Dezember 1849 zu Greibnig in Schlesien, gest. 20. fluguft 1870. Ls wird gesäet verweslich und wird auferstehen unverweslich. Ls wird gesäet in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit. Ls wird gesäet in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft. l.Kor. 13, 42 u. 43. Uuf dem Grabe eines Offiziers bei Gravelotte: Jesaia 60, 19. Die Sonne soll nicht mehr des Tages dir scheinen, und der Glanz des Mondes soll dir nicht leuchten, sondern der Herr wird dein ewiges Sicht und Gott wird dein Preis sein. Uuf demselben Schlachtfelde auf dem Grabe eines Unteroffiziers, der mit der Fahne in der Hand gefallen ist: Psalm 16, 6. Das Los ist mir gefallen auf das Lieblichste, mir ist ein schön Erbteil geworden. Uuf dem Grabe eines Majors an der Straße von Mars la Tour nach Uezonville: Evang. Joh. 14, 27. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Uicht gebe ich, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Uuf dem Denkmal der bei Spichern gefallenen Franzosen in lateinischer Sprache: hebr. 11, 16. Et nunc raelio- rem patriam appetunt. Nun aker begehren sie ein besseres Vaterland. Ergreifend auch wirkt, was auf dem Grabe eines 25jäh- rigen französischen Grafen auf dem Schlachtfelde von Mars la Tour steht: Dites ä ma mere, que je meurs en Soldat et en chretien. Saget meiner Mutter, daß ich als Soldat und als Thrist gestorben bin. Endlich auf der höhe des Uoten Berges, gegen den sich in der Schlacht bei Spichern der Hauptansturm der Deutschen richtete, ist die Grabinschrift zu lesen: hier ruht bei seinen treuen Kameraden unser vielgeliebter Sohn, Bruder und Neffe Johann Peter Pütz von Biebelhausen bei Saarburg, Gefreiter bei der 9. Kompagnie hohenzollernschen Füsilier- Uegimentes Ur. 40. Er starb hier den Heldentod am 6. Uugust 1870. Sanft ruhe seine hülle in der Totenstille und wartend einer glorreichen Uuferstehung am jüngsten Tag«. h. B. Line Grabinschrift. Du bist Thristi, du bist mein, Eines sind wir beide,' Und ich will dein eigen sein hier in stillem Leide, will mit tiefem Liebesschmerz Treu umfah'n dein sel'ges Herz. Bleibe mein! Ich bleibe dein, Gb du hier auch liegest, Und dein sterbliches Gebein Urm im Staube schmiegest! hier ist nur dein pilgerkleid, Dort ist Geist und Herrlichkeit. G wie wirst du auferstehn, Du mein süßes Leben! Dann will ich dich Wiedersehn, Selig dich umgeben vor dem König Jesus Ehrist, Dessen unser Leben ist. Diese Inschrist rührt von dem Dichter Ulbert Knapp her und steht auf dem Grabstein seiner Gattin, die am 11. Upril 1835 zu Kirchheim unter Teck (Württemberg) entschlafen ist. Lin pfälzischer Musikant. Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. (Fortsetzung.) Unter diesen Bemühungen war es November geworden, und die Bäume hatten all ihr Laub verloren. Der Nebel legte sich auf das kahle Land, die Neste tropften, und der Schein der Sonne war wochenlang nicht wahrzunehmen. Die Leute kamen von den Dörfern und brachten ganze Wagenladungen Weißkraut herbei, in den Kellern gärte der neue wein. In dieser Zeit war es, daß ich einen Brief erhielt, der mit einer bayerischen Marke versehen war, also aus meiner Heimat stammte. Uls ich ihn geöffnet hatte, sah ich, daß er von meinem früheren Meister Fritz Binder war. Ich hatte etwas Mühe, den Brief, der mit Bleistift geschrieben war, zu entziffern, kaum aber war ich über die erste Seite hinaus, da fing mein Herz an zu klopfen. Binder schrieb mir, er sei kränker geworden, könne auf lange Zeit das Bett nicht mehr verlassen und sehe ein, daß er nicht mehr mit seiner Kapelle auf die Reife gehen könne. Nun suche er nach einem tüchtigen, soliden Manne, der die Kapelle übernehmen solle, und da glaube er, in mir die geeignete Persönlichkeit gefunden zu haben. Ich solle so bald als möglich kommen und mit ihm das Geschäft abschließen. wie ich war, so lief ich mit dem Briefe zu Lina. Ich fand die Frau Sanitätsrat im Hausflur und bat sie um die Erlaubnis, meine Braut in einer wichtigen Ungelegenheit sprechen zu dürfen. Lina war in der Küche und machte Trauben ein. Ich ließ sie den Brief Binders lesen und fragte dann: „was meinst du dazu?" Ganz gegen mein Erwarten sagte Lina, deren Ubnei- gung gegen dar Nmherziehen der Musikanten ich kannte: ,,Peter, wenn du denkst, daß das unser Glück ist, so fahre in Gottes Namen nach Nockenhausen und bringe die Sache in Ordnung!" Gleich am nächsten Morgen machte ich mich auf den weg. Binder war erfreut, als er mich sah, und sagte: „Ich habe gleich gewußt, Peter, daß du kommen würdest: denn ich weiß von früher, daß man sich auf dich verlassen kann." Ich setzte mich an das Bett des kranken Mannes, und nun begannen unsere Verhandlungen, bei denen ich gehörig die Ohren spitzte: denn ich sagte mir, daß er sich hier um meine und meiner Braut zukünftige Existenz handle. Binder eröffnete mir, daß er seine seitherigen Musikanten, so weit ich sie brauchen könne und sie Lust dazu hätten, mir überweisen wolle. Ein genauer Verzeichnis der Neisen, die er gemacht habe, mit allen Zwischenstationen solle ich bekommen, außerdem die Udressen von gut zahlenden Leuten sowie die Udressen von Gasthäusern, in denen man mit den Musikanten gut und billig übernachten könne. Das ganze Notenmaterial gehe an mich über, für alles solle ich sechshundert Mark zahlen. Ich fand die Summe nicht zu hoch, aus meinen und meiner Braut Ersparnissen konnte ich sie leicht aufbringen. Ullerdings sagte ich mir, daß ich mit allem Fleiße darnach trachten müsse, dieses Geld wieder herauszuschlagen. Uber die Uufzeichnungen Binders, die mit großer Genauigkeit gemacht waren, setzten mich nicht nur in großes Erstaunen, sondern gaben mir auch starken Mut. Oft hatte mein früherer Meister in einem Jahre einen Neingewinn von 2000 Mark und mehr erzielt, und ich begriff, daß er ein wohlhabender 319 Mann geworden war. Ich behielt mir vor, über die Angelegenheit mit meiner Braut zu sprechen und versprach dann, sofort Antwort zu geben. Eingehend erwogen Lina und ich das Angebot, das mir gemacht worden war. wir wollten nicht leichtsinnig handeln, darum holten wir den Rat erfahrener Menschen ein. wir gingen nach Fürfeld und sprachen mit Linas Eltern. Sie zeigten sich zuerst etwas ablehnend, da sie, die nie aus ihrem Dorfe herausgekommen waren, im Grunde genommen, von einem Ehemann, der draußen in der Welt seinen Erwerb suchte, nicht viel hielten. Rls ich ihnen aber von dem großen Reingewinn des Meisters Binder erzählte, da wurden sie anderen Zinnes, und mein zukünftiger Schwieger- vater sagte: ,,Peter, wenn du es auch so gut triffst, dann bist du bald ein reicher Mann." wir fragten auch den Herrn Sanitätsrat nach seiner Meinung. Tr war ein freundlicher Mann, der gern seine Zcherze machte. Darum lachte er auch, als wir mit unserem plane herausrückten, und sagte: „Lina, das hätte ich nie gedacht, daß du eine Rapellmeistersfrau werden würdest. Ich habe immer gedacht, du würdest einen braven Bauersmann, der mit zwei Rühen hinaus auf das Feld fährt, nehmen, wenn du aber R gesagt hast, so mußt auch B, schließlich sogar E Z sagen, hier kann dein Mann nicht viel als Musikant erobern, wenn er aber in die Welt hinauszieht, so wird ihm das Glück blühen. Eine Rapitänsfrau hat ihren Mann auch nicht immer bei sich, wenn du das gewollt hättest, so hättest du einen Schuhmacher nehmen müssen. Rber ob das gerade die Liebe erhöht, wenn der Mann in jeden Topf, der auf dem Herde steht, guckt, das fragt sich." So schrieb ich denn Fritz Binder zu. Erst nach Neujahr sollte seine Rapelle an mich übergehen, erst nach diesem Zeitpunkte wollte ich auch mit den Musikanten das nötige abmachen. Die Grundlage für unsere spätere Existenz war geschaffen, und so konnten wir daran denken, den Hochzeitstag festzusetzen. Nach langem hin und her und mannigfachen Besprechungen mit den beiderseitigen verwandten einigten wir uns auf den 29. Dezember, es war das Samstag nach Weihnachten. Gerade in der Winterszeit, wenn alle Feldarbeit ruht, besonders zwischen Weihnachten und Neujahr, zwischen den Jahren, wie man in meiner Heimat sagt, wenn noch festtägliche Stimmung über den Menschen lagert, hat man auf dem Lande Zeit, Hochzeit zu halten. In Für- feld, der Heimat meiner Braut, wollten wir uns trauen lassen. Mein Schwiegervater erklärte sich bereit, uns im oberen Stocke seines Hauses zwei Zimmer einzuräumen, die wir beziehen sollten, bis ich im herbste von meiner Reise zurückgekommen sei. Dann wollten wir sehen, wie wir uns weiter einrichten sollten, von Fürfeld wollte ich die wenigen Wochen bis zu meiner Rbreise jeden Tag nach Rreuznach gehen, um meine Tätigkeit auszuüben. ,z6 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannes- gemeinde. In der Kapelle des alten Friedhofs. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Nusfeld. In der Kapelle der neuen Friedhofs. Nachmittags 3 Uhr: Professor D. Zchian. Nächstkünftigen Sonntag, den 29. November, als am >. Ndvent, wird in beiden Kirchen eine Kollekte für die Kirchenkasse erhoben und im hauptgottesdienst Leichte und heiliges Nbendmahl gehalten werden. Nnmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. weitere Nbendmahlsfeiern werden gehalten am 2. Ndvent für die Matthäus- und Lukasgemeinde und am 3. Ndvent für die Markus- und Johannesgemeinde, jedesmal im Nbendgottesdienst. Zu diesen Nbendmahlsfeiern wird besonders auch die konfirmierte Jugend eingeladen. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Rudolf Richter Bietzen, Marktstratze 24 — 26 hüte und Mützen Reichhaltige Auswahl. BilligePreife :: Rabattmarken. Reparaturen :. Heinrich Noil Mäusburg Nr. 7 Telephon Nr. 292 Spezial-Geschäft für Bureaubedarf ♦ Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei. Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten Photographische Apparate und Zubehöre 1 Frdr. Seipels ) fb Markt 16 = / r empfehle für die Schneiderei t § Spitzenstöße :: vesatz ^ < Stickereien :: Spitzen ) S Einsätze :: vorden \ t Futter :: Knöpfe etc. \ V sowie alle einschlägigen Artikel ) V in grotzer Auswahl. ? t Sxtra-Aahatt s.Schneiderinnen ? Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider C. Röhr Sc Co. “t”"" Betten-, Wäsche- und Ausstattungs-Geschäft Feder-Deckbetten Mk. 13.50, 15.50, 18.50 und besser Feder-Kissen Mk. 4.75, 5.50, 6.25 und besser Mitglied der Rabatt-Spar-Bereinigung stan; Mt lUläusburg JO ssernsprech-jllr. 666 SpejiaMBefrfjäft in ssuri-,Woll-u. Weißwaren Lrstlings-ssusstgttungen Duswahilendungrn herritwiiiigfi Edgar Bor r mann.Giessen Neustadt 11 Eisenwaren, Haus- u. Küchengeräte Teleph. 165 empfiehlt billigst Oefen, Herde, kupferne u. gußeiserne Waschkessel, Haus- u. Küchengeräte,SolingerStahl waren, landwirtschaftl.Maschinen u.Geräte, Vogelkäfige u. Züchterutensilien, Fischereigeräte etc. etc. Waffen u. Munition. E. Stöver, Gießen Seilersweg 16 llhrcn, Hold- u. Silberwaren Hcllcckc Reparaturen in eigener Werkstatt prompt und billig Hof-Möbel-Fabrik Th. Brück Bietzen, Ecke Schlotzgasse- :: Kanzleiberg-Brandplatz :: Ältestes ii. größtes Möbel- Fabriklager Oberhessens Gegründet 1858 :: Mehrfach ausgezeichnet Vorhänge - Teppiche - Linoleum Spez.: Schlafzimmer-Einrichtungen mit patentamtlich gesch. Matratzen D.