Gemeinüeblatc süröiekvangelischk Kirlbenaemeinüe Gießen. Nr. 43. Giehen, 22. Sonntag nach Trinitatis, 8. November 1914. 3. Jahrgang. Line Lropheteiiftiiniire. Linst geschieht'?, da wird die Schmach Seines Volks der Herr zerbrechen: Der auf Leipzigs Feldern sprach, Wird im Donner wieder sprechen. Dann, o Deutschland, sei getrost: Dieser ist das erste Zeichen, lvenn verbündet West und Ost Wider dich die Hand sich reichen. Wenn verbündet Ost und West Wider dich zum Schwerte fassen, Wisse, daß dich Gott nicht läßt, So du dich nicht selbst verlassen. Deinen alten Bruderzwist Wird das Wetter dann verzehren. Taten wird zu dieser Frist, Melden dir die Not gebären. Bis du wieder stark wie sonst, Bus der Stirn der Herrschaft Zeichen, vor Europas Feldern thronst, Eine Fürstin sondergleichen. Schlage, schlage dann empor, Läut'rungsglut des Weltenbrandes! Steig' als Phönix draus hervor, Kaiseraar des deutschen Landes! Emanuel Deibel (gest. 1884). wo der Herr nicht bei uns wäre. Psalm 124, 2. Wo der Herr nicht bei UNS wäre, wenn die Menschen sich wider UNS setzen, so verschlängen sie UNS Iebcnbtg; wenn ihr Zorn über uns ergrimmte, so ersäufte uns Wasser, Ströme gingen über unsere Seele. Gelobet sei der Herr, daß er uns nicht gibt zum Raub in ihre Zähne! Bus Frankreich, dem Lande unseres erbittertsten Feindes, kam jüngst die Kunde, daß der Ministerpräsident auf die Bitte, einen allgemeinen Bettag anzuordnen, erklärt habe, da Frankreich keine Staatsreligion besitze, solle es jeder mit seinen Gebeten tun und halten, wie er wolle. Ein Volk, ein großes, einst mächtiges Kulturreich, unter furchtbarstem Kriegsdruck stehend, der Feind nicht allzu weit mehr von den Toren der Hauptstadt — und nun, als es in seiner furchtbaren Rngst nach dem lebendigen Gott schreit, von Staats- wegen darauf hingewiesen, daß es ja die Kirche selbst wegdekretiert habe — etwas Niederschmetternderes kann es kaum geben. Ganz gewiß, die innerste Wurzel aller Frömmigkeit und Religion ist in jedes einzelnen Menschen Herz gegraben und unabhängig von kirchlicher Ordnung und staatlicher Genehmigung. Über wie zu jeder Zeit, so kann sich der Mensch in großen und schweren Tagen für die Dauer nicht allein auf sich selbst stellen; er muß, ebenso wie er seine nationale Kraft aus dem Volksbewußtsein bezieht, seine religiöse aus dem einer religiösen Gemeinschaft schöpfen können. Er muß sich als Glied eines großen Ganzen fühlen und daran aufrichten. Sonst kommt jenes Gefühl namenloser, an Verzweiflung grenzender Verlassenheit, wie es der psalmist so ergreifend inmitten schwerster Notlage zum Nusdruck bringt: „Wo der Herr nicht bei uns wäre, wenn die Menschen sich wider uns setzen, so verschlängen sie uns lebendig, wenn ihr Zorn über uns. ergrimmte,' so ersäufte uns Wasser, Ströme gingen über unsere Seele, es gingen Wasser allzu hoch über unsere Seele." Wahrlich, unser deutsches Volk lernt auch von Woche zu Woche mehr die erschütternden Begleiterscheinungen des gegenwärtigen mörderischen Krieges kennen. Zumal in den langen, bangen Wochen der Ungewißheit hat es erfahren, was es heißt: „Wenn der Herr nicht bei uns wäre!" Über unser deutsches Volk kann andererseits doch gewiß sein, daß Gott mit ihm ist: denn es ist in seiner überwiegenden Mehrheit selber nicht von Gott geschieden, und mehr denn je findet es seinen starken halt, seinen reichen Trost auch wieder in seinen kirchlichen Einrichtungen, in dem Bewußtsein der Gemeinde, dem einer großen religiösen Geschlossenheit. Jetzt sieht unser Volk auf das neue, was es an seiner evangelischen Kirche hat, die ihm in den letzten Jahren vor dem Kriege Freidenker und unklare, fanatische Sektierer zerstören wollten. Diesen beiden Richtungen ist jetzt das Wasser abgegraben, woraus ihr Unwert klar zu Tage tritt, die Landeskirche aber steht mehr denn je im Mittelpunkt des Interesses und im Herzen unserer Volksgenossen und offenbart dadurch ihren unvergänglichen Wert. Und getragen von dieser Kraft innersten Zusammenhalts, die vom Kaiser Hera8 bis zum schlichtesten Landslurm- mann und von Palast zu Hütte alles und alle mit einem engen Bande nationaler und religiöser Einigkeit umschließt, kann es in diesen großen, ernsten Tagen trotz aller Wut 306 und Gemeinheit unserer Feinde darum mit dem psalmisten auch unmittelbar weiter sprechen: „Gelobt sei der Herr, daß er uns nicht gibt zum klaub in ihre Zähne! Unsere 5eele ist entronnen wie ein Vogel dem Strick der Vogelstellers; der 5trick ist zerrissen, und wir sind los. Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat!" — So ist es bisher gewesen in deutschen Landen, so soll es weiter bleiben: aus dieser Gewißheit innigster Verbundenheit unseres ganzen Volks mit dem lebendigen Gott schöpfen wir die Rraft innerster Zuversicht, daß unser auch endgültig der Sieg sein wird. Auf den Spuren altgriechischer Kultur. Ueiseerinnerungen von Geh. Gberkonsistorialrat v. lv. petersen in Varmstadt. (Fortsetzung.) Der Himmel war dustigblau und angenehmer Duft erfüllte die Luft, hier und da eine alte noch heile oder verfallene Rirche, ein einsames Haus, mit flachem Dach, Ueiter auf Esels- rücken, spärliche Herden, die an den Bergen hinaufkletterten. Das Schönste waren immer die vereinzelten uralten Del- bäume, die ihre lvurzelkrallen in den Loden eingegraben hatten und wer weiß, wie viele hundert Jahre alt waren. Rn einem alten Brunnen tranken unsere Pferde, dann ging es steil bergan nach dem Tempel, den wir nach 2Vrstündigem Ritt erreichten. (Ein herrlicher Rundblick belohnte uns für alle Mühe, ein Blick hinein in die Welt der Rpkladen: Milo, Rimolo, Siphano, Serpho, Thermia, 3ea, hagios Georgios, Gaidaronisi, die Gcha auf Tuböa mit ihrem Natterkopf und das attische Land lagen vor uns in weitem Umkreis. Daran reihten sich die Isthmusberge, Salamis, im Rücken Reginas höchster Berg, früher der ponhellenios, jetzt der hagios Ilias, eine stolze höhe von 500 Metern. Zu unseren Füßen eine reizende lauschige Inselbucht. Mit den bloßen Rügen, besser noch mit dem Fernglas sehen wir jenseits des saronischen Busens Piräus und Rthen und zwar in allen Einzelheiten bis auf das Froschmaul, an dessen Fuß unser Wohnhaus liegt. Ts lag alles wie ein reizendes Puppenspielzeug weißleuchlend in der Sonne. Das Schönste des Schönen war wiederum die Rkropolis, ein Blick, den, vielleicht sich zum Rerger, die alten Regineten vor Jahrtausenden auch hatten. Man konnte sich an dieser herrlichen Landschaft nicht satt sehen, deren Schönheit man gesehen haben muß, um sie zu begreifen. Der Rthene- tempel selbst, oder vielmehr seine Ruinen, bestehend aus dem Unterbau und 20 monolithen Tuffsäulen, deren Stuckverkleidung natürlich längst bis auf wenige Spuren vergangen ist, im dorischen Stil macht einen etwas gedrückten Eindruck. Die Giebelskulpturen, die berühmten Regineten im Rampfe mit den Troern, sind jedem Deutschen in der Glyptothek in München zugänglich, auch ich hatte sie auf meiner Reise nach Rthen gesehen und freute mich nun, ihren ursprünglichen Standort kennen gelernt zu haben. Ich nahm ein Stück vom Tempelboden mit, als etwa 2300 Jahre! Wir konnten uns nur schwer trennen, doch mußte es sein. Ruf einem anderen Wege ritten wir talwärts, vor uns den heiligen Ilias und den Hauptbergzug, das Rückgrat der Insel, dessen Rbhänge terrassiert mit Rckerland, wogenden Gerstenfeldern und goldigen Weingärten den schönsten Eindruck machten. Im Tal ging es durch Gerstenfelder mit hochroten Mohnblumen und sonstiger reicher Flora. Die Frühlingsabendkühle erinnerte an die Heimat. Rechts hoch auf einem Berge lag eine verlassene, mittelalterliche Stadt mit verödeten Rirchen und Häusern, die zu hoch lag, als daß wir sie noch hätten besuchen können. Dreiviertel Stunden vor der Stadt tat sich vor uns der Golf auf und die Wasserstraße zwischen Regina und dem Peloponnes lag vor uns im Rbendrot. Reine Welle trübte den glatten Spiegel. Stolz ragten Me- thanas schroffe Felsen wie eine Burg ins Meer hinaus, ringsumher lagen die Felseninseln im rötlich leuchtenden Wasser verstreut. Beim Dunkelwerden zogen wir in die Stadt. Unserer wartete ein großes Mahl mit endlosen Gängen. Den Gastfreund nicht zu erzürnen, mußte man seinen Magen vergewaltigen. Die Trinksprüche nahmen kein Ende, dazwischen Rufnötigen saftiger Bissen durch den Sohn des Hauses, Rn- bieten der gefürchteten grauen Delbrühe auf den Fisch usw. Papa Rlipheri wurde nicht müde, es auszusprechen, wie er sich durch den Besuch geehrt fühlte. Rlle Gäste, das ganze Haus, die Rönigliche Familie, mein Weib und Rind, die Rn- wesenden und Rbwesenden wurden betoastet und die Ehrlichkeit jedes Toastes mit einem ganzen Glas des schrecklichen bitteren Weins dokumentiert. Die Unterhaltung mußte von dem Rrchäologen und mir geführt werden, die anderen stachelten uns schadenfroh immer wieder zum Gespräche an, dazwischen auf Deutsch ihre ungenierten, weil nicht verstandenen Rlagen über das Uebermaß der Speisen, Einspruch gegen zugemutete Portionen, Lobreden auf die Gastfreundschaft, Standreden des Wirtes an mich, so daß ich aus der haut hätte fahren mögen, wenn ich es nur nach solchem Mahl hätte tun können. Endlich war das Ende erreicht. Zur weiteren Unterhaltung fühlten wir uns bald außerstande. Da fingen wir denn an, deutsche Lieder zu singen. Da verstand der Gastfreund unser verlangen nach Ruhe: es wurde gute Rächt gesagt, meine drei Reisegefährten bekamen zusammen eine Stube, ich eine andere für mich allein mit einem etwa vierschläfrigen Bett. Das Haus war reinlich, keine Wanze störte die nächtliche Ruhe. Beschwerten Leibes wachten wir am nächsten Morgen auf. _ (Fortsetzung folgt.) Lin pfälzischer Musikant. Erzählung von Heinrich Bechtolrheimer. (Fortsetzung.) 13. Leicht und froh flössen mir die nächsten Wochen dahin. Ich hatte neuen Mut zur Rrbeit und nahm alle meine Rräfte zusammen, um mich in der Musik auszubilden. Sie war nun einmal mein Lebensberuf, und auf meine musikalische Tätigkeit gedachte ich mein Haus zu bauen. Ich sah Lina sehr oft. Die Herrschaft meiner Braut erlaubte, daß ich jeden Tag in das Haus kommen durfte. Meist saßen wir in den Rbendstunden zusammen auf einer Bank in dem großen Garten, der hinter dem Hause lag, und schmiedeten Pläne für die Zukunft. Da die Rurfremden im Rugust mehr und mehr abreisten und im September der Badewörth — so heißt die von den Rrmen der Rahe gebildete Insel, auf der Rurhaus, Rurgarten und die meisten Hotels liegen — mehr und mehr verödete, so fielen die Rbendkonzerte häufig aus, was mir und meiner Braut nicht unlieb war. In dem Garten, in dem wir saßen, war alles Reife und Fruchtbarkeit. Gbst glänzte von den Spalieren entgegen und hing in dichter Menge aus den Bäumen, die Gemüsebeete waren über und über besetzt, und Blumen mancherlei Rrt, wie sie der Spätsommer bringt, grüßten uns in bunter Farbenfülle. Rn den Sonntagen gingen wir vormittags zusammen in die Rirche und waren abends entweder bei der Familie Heinz oder der Familie Machmer. 307 Als ob es gestern gewesen wäre, so deutlich steht mir der Sonntag in der Erinnerung, an dem ich mit Lina nach Fürseid ging, damit sie mich ihren Eltern vorstelle. Es war ein warmer Septembertag, vor uns lagen die schönen Ackerfluren ausgebreitet, einzelne Aecker waren schon gepflügt, und die großen Schollen glänzten im Sonnenlichte. Leute, die nach der Stadt gingen, grüßten uns freundlich. Sn den Weinbergen, die sich neben unserem Wege hinzogen, hingen die Trauben, die in der Glut der herbstsonne reiften. Die Eltern meiner Braut gefielen mir auf den ersten Blick, sie waren ganz wie meine Eltern, nämlich altmodische Leute, in Tracht, Haltung und Redeweise. Was mich besonders anheimelte, war der Umstand, daß mein Schwiegervater meinen seligen Vater, als dieser Unecht bei dem Bürgermeister Graf gewesen war, gekannt hatte und von ihm mancherlei zu erzählen wußte. Tr sagte mir gleich, daß mein Vater ein braver, ehrlicher Mensch gewesen sei und sich nie auf der Kegelbahn oder im Wirtshause beim Kartenspiel, wobei so mancher Unecht seinen sauer verdienten Lohn verschwendet, hatte sehen lassen. Am Nachmittag kam auch mein Regimentskamerad, und in gleicher Weise stellten sich die Freundinnen meiner Braut ein, um uns Glück zu wünschen. Die meisten dieser Mädchen hatte wohl die Neugier Hergetrieben, sie wollten mich sehen und wissen, was ich eigentlich für ein Bursche sei. Fröhlich gingen wir am späten Nachmittag wieder nach Ureuznach zurück, herbkräftig wehte die Luft uns entgegen, und blutrot stand im Westen die scheidende Sonne. Als wir am Varmstädter Hofe, an der preußisch-hessischen Grenze angelangt waren, ging sie gerade über dem Hunsrück unter. Wir sahen Hand in Hand ihrem Scheiden zu. Tine Weile noch war der Horizont ganz in rote Glut getaucht, dann erlosch dieser Schein, violette Lichter leuchteten über den Himmelsrand, und die schöne Landschaft schwand vor unseren Blicken dahin, während wir in das Tal hinunterstiegen. Wir waren glücklich in dieser schönen Zeit, aber doch nicht frei von Sorgen. Namentlich wenn wir an den Hausstand dachten, den wir gemeinsam begründen wollten, sank unsere frohe Stimmung etwas herab. Wir waren beide nicht so gut daran wie die Rinder der reichen Bauernfamilien in unserer Heimat. Die können unbesorgt den Bund für das Leben schließen, sie heiraten in großen, ererbten Besitz hinein. Die Aecker, die ihnen die Eltern geben, sind ein Gut, das niemand wegtragen kann, es sei denn, daß sie selbst durch leichtsinnige Wirtschaft, durch Spazierenfahren an den Wochentagen, durch prahlerisches Wesen bei dem Jagdvergnügen oder durch Großmannssucht anderer Art das Ererbte verschleudern. Vas Haus, in dem sie ihren Ehestand anfangen, hat in der Regel schon vielen Geschlechtern als Wohnstätte gedient. Ueber seine Schwelle hat man die Uleinen zur Taufe und die Abgelebten zum Gottesacker getragen, in dem Sessel, der neben dem Esten in der Wohnstube steht, haben die Großväter und Großmütter aus den verschiedensten Zeitaltern von schwerer Lebensarbeit ausgeruht, und auf den leeren Blättern der alten Familienbibel steht in vergilbten Schriftzeichen geschrieben, wann Geburt, Heirat und Tod in der Familie Aenderung hervorgerufen haben. Wir aber gehörten den minderbemittelten Familien des Landes an, den Familien, deren Rinder in der Neuzeit in die Städte und die großen Fabrikdörfer verschlagen werden, weil die Heimat ihnen Brot und Erwerb nicht geben kann. Zudem war der Beruf, den ich mir erwählt hatte, in einem Dorfe nicht auszuüben, ein tüchtiger Musiker findet nur in der Stadt lohnende Beschäftigung. Zn diesen Tagen erwachte in mir wieder ein altes Leid, ein Leid aus meiner Uindheit. Zch bedauerte, daß mich damals der Meister Uilp in Uirchheimbolanden nicht als Glaserlehrling angenommen hatte. Als Handwerksmann hätte ich, wie es in alten Schriften heißt, meine und meiner zukünftigen Ehegattin „Lebsucht" wohl befriedigen können. Zn den letzten Jahren hatte ich mir eine ansehnliche Summe erspart, auch Lina hatte über tausend Mark auf der Sparkasse stehen, aber wir waren entschlossen, hiervon nur einen , Teil für unsere Ausstattung zu verwenden und den Rest als Notpfennig zurückzulegen. Auf alle Fälle mußte ich mich nach einem neuen Erwerbe umfehen, da ich als Uurmusiker nur knapp fünf Monate im Jahre beschäftigt war. (Fortsetzung folgt.) Uleine Mitteilungen. Zn dieser Woche, nämlich am 4. November, hat ein bewährtes Mitglied des evangelischen Uirchenvorstandes Gießen, Herr Schreinermeister Johannes Lenz, seinen 70. Geburtstag gefeiert. Herr Lenz ist am 4. November 1844 zu Ulein-Linden geboren, ist aber schon seit ungefähr 40 Jahren Bürger der Stadt Gießen. Ueber 25 Jahre gehört er dem Gesamtkirchenoorstande und dem Uirchenvorstande der Lukasgemeinde an. Durch seine Treue und Umsicht hat er unserer Uirchengemeinde manchen wertvollen Dienst geleistet, durch seine ernste, christliche Gesinnung und seinen vorbildlichen Lebenswandel hat er auf viele Glieder unserer Gemeinde fördernd eingewirkt, den verschiedenen Arbeitsgebietender evangelischen Uirche (Aeußere und Znnere Mission, Posaunenchorsache) hat er stets ein lebendiges Znteresse entgegengebracht. Trotz seiner 70 Jahre und seiner weit von der Uirche entfernten Wohnung fehlt Herr Lenz an keinem Sonntage im Gotteshause, wie ihm überhaupt noch jugendliche Frische zu eigen ist, was jeder beobachten kann, der ihn auf seinem Rade durch die Stadt fahren sieht. Augenblicklich stehen drei seiner Söhne, von denen einer verwundet hier weilt, und sein Schwiegersohn als Landwehrmänner im Felde. Möge es dem Siebzigjährigen vergönnt sein, noch viele Jahre für die Seinigen und für unsere Uirchengemeinde zu wirken! Wir haben neulich bereits auf den Unfug hingewiesen, der durch das versenden von sogenannten Uettenbriefen verübt wird. Dieser Unfug ist nun wirklich zu einem groben Unfug geworden und hat noch keineswegs sein Ende erreicht. Mögen sich alle, die sich daran beteiligen, sagen, daß es kein Zeichen christlicher Gesinnung ist, wenn man anonyme Briefe versendet. Nachstehende Zuschrift aus unserem Leserkreise fällt über diesen Unfug das richtige Urteil. Der Herr Verfasser schreibt: Es möge auf einen sog. Uettenbrief aufmerksam gemacht werden, der auch hier im Umlauf zu sein scheint (in Form einer Postkarte). Das Schriftstück beginnt mit einem Gebet um Schutz. Dann wird der Empfänger aufgefordert, das ganze (mehrmals, neunmal) abzuschreiben und ohne Unterschrift an Bekannte zu schicken — die also dadurch die gleiche Aufforderung erhalten. Wer das tue, der werde für sich selbst und die Seinigen vor unangenehmen Erfahrungen und Unglücksfällen geschützt sein; wer es nicht tue, den werde das Unglück verfolgen. Dagegen, Gott um Schuh für sich und die Seinigen zu bitten — auch mit den Worten jenes Gebetes — , wäre selbstverständlich nichts einzuwenden,' die Not der Zeit wird vielleicht manchen beten lehren, das wäre nur zu wünschen. 308 Aber der Aberglaube, der durch dieses Schriftstück genährt wird, als ob durch das (natürlich auch gedankenlose) Abschreiben eine Art von schützendem Zauber ausgeübt und durch das Unterlassen Unglück heraufbeschworen werde, erscheint als frevelhafter Mißbrauch des Namens Gottes, lver eine solche Zusendung erhält, möge sie deshalb vernichten, nicht aber eine solche frevelhafte Spielerei mit dem Heiligen treiben und noch dazu beitragen, daß sie auch von anderen getrieben wird. Airchliche Anzeigen. Sonntag, den 8. November, 22. nach Trinitatis. In der Stadtkirche. vormittags 9Ve Uhr: Professor D. 5 chian. vormittags 11 Uhr: UinderKirche für die Ularkusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Abends 5 Uljr: pfarrverwalter Fuchs. Dienstag, den 10. November, nachmittags 4 Uhr, nehmen die Versammlungen des Frauenmissionsvereins für Basel im lNatthäussaal wieder ihren Anfang und werden dann regelmäßig alle 14 Tage gehalten werden. Die alten INitglieder, sowie alle, die geneigt sind, einzutreten und mitzuarbeiten, werden dazu herzlich willkommen geheißen. Sonntag, den 8.November, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Markusgemeinde, Diezstraße 15. Dienstag, den 10. November, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. In der Johanneskirche. vormittags M/s Uhr: Pfarrer A u s f e l d. vormittags 11 Uhr: UinderKirche für die Johannesgemeind«. Pfarrer Ausfeld. Abends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 7^2 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde im Lukassaal. Im Lutassaale (Liebigstrahe 56). Nachmittags 2 Uhr: Gottesdienst für Taubstumme. Pfarrer Bechtolsheims r. Abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal. Dienstag, den 10. November, abends 6 Uhr: Versammlung der Frauenvereins der Lukasgemeinde im Lukassaal. Mittwoch, den 11. November, abends 8 Uhr: Uriegsbetstunde. Pfarrer Bechtolsheimer. Freitag, den 13. November, abends V»6Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde. Nächstkünftigen Sonntag, den 15. November, findet im Abendgottesdienst Beichte und heiliges Abendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde gemeinsam statt. Anmeldungen dazu werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. [ Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ kudolf Richter Gießen, Marktstraße 24—26 hüte und Mützen Reichhaltige Auswahl. BilligePreise :: Rabattmarken. Reparaturen :: j 5rdr. 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