Lonntaasgrusz Mp —I ' 11 li m I1p pr Gemein fl? fm öieev« Ja Kircheno BE Gie lüeblatt mgelifche lemeinöe fteir j|o Nr. 41. Giehen, 20. Sonntag nach Trinitatis, 25. Oktober 1914. 3. Jahrgang. Das Dennoch des Glaubens. pjalm 73, 23 u. 24. Dennoch bleibe ich stets an Dir; denn Du hältst mich bei meiner rechten kjand, Du leitest mich nach Deinem Kat und nimmst mich endlich mit Ehren an. ITun sind aus Wochen schon ITTonate geworden, seitdem der größte und furchtbarste Krieg der Weltgeschichte tobt. Nach einem unerhört raschen und glänzenden Siegeserfolg der deutschen Waffen in den ersten Wochen folgten solche eines noch nie erlebten bitteren Bingens der Millionenheere um die Entscheidung auf dem blutgetränkten Boden Frankreichs. Großes ifnb Größtes haben unsere Väter, Gatten und Zähne mit dem Zchwert in der Hand geleistet. Noch in spätesten Tagen wird man singen und sagen von deutschem Heldenmut und deutscher Heldenkraft gegenüber einem Lunde furchtbarster Feinde, die nicht bloß heiligste Güter der Neligion und Kultur elend mit Füßen traten, sondern die sogar der gesamten weißen Nasse die Schmach antaten, gelbe, braune und schwarze Horden gegen das Volk Luthers und Kants, Schillers und Goethes zu Hetzen, bloß um gemeiner Macht- und noch gemeinerer Krämergier willen. Ver Frevel gegen die Menschheit hat sich längst gewandelt zum Frevel gegen den ewigen Gott und Vater, und der furchtbare Ernst der Gegenwart mahnt fast an die prophetischen Schilderungen Jesu von den letzten schrecklichen Zeilen vor dem Ende aller vinHe auf Erden. Freilich! So gewiß eine ewige Vergeltung überm Sternenzelte thront, so gewiß wird sie sich mit zerschmetternder Wucht an den frevelhaften Urhebern dieses entsetzlichen Krieges offenbaren. Und eben darum darf das deutsche Volk in Freud und Leid mit erhobener Stirn dem Nusgang desselben entgegensehen. Es muß schließlich siegen; denn es hat mit reinen Händen und reinem Gewissen den schwersten Gang seit seinem Bestehen angetreten. Uber das hindert nicht, daß um des Blutes seiner erschlagenen und verwundeten Söhne willen von Woche zu Woche die Herzen mit höherer Bangnis sich füllen, und daß alle fortlaufenden Meldungen von weiteren Liegen und Erfolgen den Schmerz nicht leicht übertönen können, der in den Seelen von Hunderttausenden Trauernder aufsteigt. Und hinter diesem Schmerz um Einzelnes wie um die Nllgemein- heit mag wohl hie und da die alte, geheime, brennende Frage nach dem „Warum" so erschütternden Weltgeschehens sich wieder verstärkt hervorwagen. Warum dies alles? Warum so viel Tod und Zerstörung blühenden Lebens, strahlender Güte? Uber fast so alt wie dies Zagen und Klagen des Menschenherzens sind auch schon die Zeugnisse gotterfüllter Seelenstärke, die alles „warum" triumphierend niederzwingt mit dem gewaltigen Oennoch des Glaubens: „Dennoch bleibe ich stets an Vir, denn Du hälft mich bei meiner rechten Hand, Du leitest mich nach Deinem Bat und nimmst mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist Du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil!" Wer kennt sie nicht, diese wunderbaren alten Davidsworte? Nun denn, wir, die wir von staunender Bewunderung ergriffen sind über den Heldenmut unserer Heere auf den Schlachtgefilden, die jede neu sich bietende Schwierigkeit niederringen mit dem Dennoch gesteigerter Siegeszuversicht, könnten wir daheim es verantworten, ihnen an Heldensinn nachzustehen? Das wäre wie ein verrat am Edelsten deutscher Volkskraft und am Glauben unserer gerechten Sache vor Gott und Menschen. Darum jenem Dennoch der Siegeszuversicht draußen das Dennoch unerschütterlichsten Glaubens daheim an die ewige Gerechtigkeit und Vergeltung zur Seite gestellt und das Volk der Deutschen wird unüberwindlich sein und bleiben! Vas kirchliche Leben im Dekanate Gietzen während des Jahres MZ. (Fortsetzung.) Z. Kirchliche ve.reine und Anstalten, von Neugründungen ist in den Berichten wenigstens nichts mitgeteilt. Die Volks- und Schulbibliotheken werden gut benutzt und wirken im Segen. Die Kinderschulen sind bewährte, in den Gemeinden als segensreich erkannte Institute. Leider zeigte sich die Kirchenfeindlichkeit in wenigen Fällen, wo man die unerläßlichen, durch die Nenderung der Verhältnisse nötigen Nn- sorderungen glaubte ablehnen zu können. Es wird das hoffentlich in künftiger Zeit besser werden, wenn man einsieht, was die Kirche für unser Volk im Krieg zumal, aber auch nach dem Krieg für eine große Bedeutung hat. Man wird sie wieder mehr schätzen und lieben lernen. 4. Kirchliches Bauwesen. Zustand des Kirchen - und p farrver mögens. Die kirchlichen Gebäude sind nach den Berichten zu schließen, meist in gutem Zustand, wiewohl in einigen wenigen Gemeinden Neubauten erwünscht wären. Zn Großen-Linden soll nun auch das 2. Pfarrhaus in 1915 hergestellt werden. Zn Läng-Göns wurde das Kirchendach ausgebessert und der Wetterhahn heruntergenommen und neu vergoldet. Die meisten Pfarrhäuser wurden an die elektrischen Leitungen in den Gemeinden angeschlossen, in Leihgestern auch die Kirche, die durch einen aus Eisen geschmiedeten Kronleuchter verschönert wurde. Z» Pohl-Göns wurde das Pfarrhaus gründlich repariert. Zn Nnnerod soll die Kirche in 1915 einen neuen Nn- strich erhalten und in Treis a. d. Lumda ist die Erneuerung der (Drgel in Nursicht genommen, auch wäre eine Erweiterung und Nestaurierung des Gotteshauses zu wünschen. Zn Watzenborn ist die Kirche für die große stets wachsende Gemeinde zu.klein und eng, was besonders bei Festen, Nbend- mahlen und der Konfirmation sich störend zeigt. Die Kirchenoermögen sind durch die neueren Steuer- anforderungen teilweise empfindlich belastet worden, was oft nicht ohne Beunruhigung der Gemeinden geschehen konnte. Wesentliche Veränderungen im Bestand des Kirchen- und pfarrvermögens sind wenigstens nicht berichtet worden. sFortsehung folgt.) Aus den Spuren altgriechischer Aultur. Neiseerinnerungen * von Geh. Gberkonsistorialrat D. ll). petersen in Darmstadt. (Fortsetzung.) Ostermontag des Jahres 1879 führte ich meinen lang gehegten plan aus, einen Nusflug nach Negina. Um 4 Uhr mußte man heraus. Unsere kleine Neisegesellschaft bestand außer mir noch aus drei Personen, den Militärattache der Kaiserlich deutschen Gesandtschaft, Herrn v. N., den Nrchäo- logen Dr. M. und einem deutschen Kaufmann. Um 5 Uhr fuhren wir hinunter nach dem Piräus, und nachdem wir mit einiger Mühe Fahrkarten gelöst und Tabak eingekauft hatten, fuhren wir an das überfüllte Dampfschiff. Ts war ein köstlicher Morgen, die See bewegt und die Znseln klar und scharf gezeichnet. Zn 2V» Stunden erreichten wir den Hafen von Negina. Herr v. N. hatte noch auf dem Dampfschiff von einem griechischen Nbgeordneten einen Empfehlungsbrief bekommen, mit dem man in diesem gastfreundlichen Land sehr bei der Hand ist. Unser Dampfer warf die Nnker. Wir stiegen in die stark schwankenden Boote und fuhren ans Land, wo sich uns der Gastfreund vorstellte in der Gestalt des Zollhauptmanns von Negina, Georgios Nlipheris. Er war ein alter würdiger Herr von hpdriotischer Nbkunft in blauen Sackhosen und Fez. Nolens volens mußten wir nun erst am Hafendamm Kaffee trinken, während in seinem Hause uns das Frühstück bereitet und für un; die Pferde bestellt wurden. Nach dem Kaffee zogen wir in feierlichem Zuge, hinter uns die neugierige äginetische Jugend, die in uns Znglesis, Engländer, witterte, nach dem Hause des Gastfreundes, wo wir der Hausfrau, der alten, ehrwürdigen Matrone Sapphirö mit dem gelben Znsel- kopftuch und der gellenden griechischen Frauenstimme, der Tochter des Hauses Nekatherini und dem Lohne Kostis vorgestellt wurden. Die Personalien wurden ausgetauscht, und einige englische Bücher verrieten uns, daß die abwesende Tochter des Hauses in England erzogen war. Nachdem wir warm geworden und der Spender des Empfehlungsbriefes genügend nach seiner Familie, seinen Gütern und persönlichen Eigenschaften besprochen war, erzählte uns der Nlte von dem Hofprediger des Königs^ der einmal bei ihm gewesen war und so viele Ostereier verzehrt hatte. Die Lebendigkeit seiner Gesten verriet, daß es mein Vorgänger gewesen sein mußte. Das bot den Nnknllpfungspunkt, nach dem verkappten „Königspriester" zu suchen, der unter uns vieren war. Mama Nliphari riet sofort auf mich, den Fragesteller, von der Stunde an hatte ich die furchtbarsten Liebenswürdigkeiten auszustehen. Der Name tut ja in Griechenland so unendlich viel. Das Frühstück war fertig, auf reinlichem Tischtuch aufgetragen, auf den Tellern lagen Mundtücher. Ts gab vortrefflich zubereitetes Fleisch, Eier, Käse upd eine Menge bittern Neginatweins. Der Nlte konnte sich im Zutrinken nicht genug tun, der Sohn packte mir mit seiner fleißig von ihm selbst gehandhabten Gabel ein Stück Fleisch nach dem andern auf den Teller, und nach aufgehobener Tafel drückte mir der Nlte einen herzhaften Ehrfurchtskuß auf meine priesterliche Hand, einmal über dar andere seine Freude beteuernd, daß der pappäs seines Daches Gast sei. Zch war herzlich froh, als wir erst auf den Gäulen saßen, nun nach dem Nthenetempel zu reiten, den wir in 2 ' Stunden erreichen sollten. Zch bekam ein frommes und doch mutiges Tier nach griechischen Begriffen. Wie ein geborener Kavallerist saß ich aus meinem harten Sattel, dessen zwei Nippen trotz des dicken Plaids sich in meinem „sanften Fleisch" verewigten. Ts war eine gar lustige Kavalkade, einer hinter dem andern, hinter uns die Treiber, an den Türen die bewundernden Negineten. Negina ist eine wundervolle Znsel. Die Stadt liegt auf einer Landzunge, die sich etwa eine halbe Stunde lang und 50 m hoch ins Meer erstreckt. Man sieht dort die Neste eines Nphroditetempels, Substruktionen und eine einsame monolitische Tuffsteinsäule, außerdem die Nuinen der Ouarantänebauten aus der Pestzeit unter dem Kpbarnaten Tapo d'Zstrias, als noch der Sitz der Negierung auf Negina war. Das Znteressanteste ist aber ohne Frage das Znnere der Znsel. Der Loden ist vulkanisch, daher die Vegetation der attischen voraus. Welch eine Kultur ist hier untergegangen und tritt einem in großartigen Besten entgegen. Zwar nicht in Tempeln, sondern in den Terrassierungen des antiken Landbaues. Nur Tausende von Sklaven erklären den Kraftaufwand auf einer so kleinen Znsel. Bis eben unter die Gipfel der Berge ziehen sich die Terrassenmauern aus vulkanischen Steinen, die die Nbschwemmung de; Humus hinderten und jeden Tropfen Wassers, der vom Himmel fiel, nutzbar machten. Diese Terrassen geben dem Lande ein interessantes Nussehen. Man denke sich nur die stolzen, kühn gezeichneten griechischen Berge, die tiefen Flußtäler und dann aus der Tiefe heraus die Stufen bis zu 450 m höhe ausgeführt. Gelbäume scheinen nicht viele vorhanden gewesen zu sein, sondern der Nnbau wird dem Getreide und dem Wein gegolten haben. Nuf antiker Straße ritten wir dahin, deren Stützmauern leider verfallen waren, ehe es den Neuhellenen einfällt, zu erhalten — es mag auch an Nrbeitskräften fehlen. (Fortsetzung folgt.) Sin pfälzischer Musikant. Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. |J Spezial-Geschäft für Bureaubedarf • Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei, Gesangbücher. 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