Nr. 40. (Liehen, 19. Sonntag nach Trinitatis, 18. Oktober 1914. 3. Jahrgang. ver Krieg als Lehrmeister. Psalm 119, 12. Gelobet seiest du, Herr! Lehre mich deine Rechte! Ls gibt in der Welt Lehrmeister unpersönlicher Rrt, die uns die Fundamentalsätze des christlichen Glaubens viel besser bcibringen, als das irgend ein INensch zu tun imstande ist. Es sind das gewaltige Pädagogen, die mit packendem 5ln- schauungsmalcrial arbeiten, um uns die Rechte des Herrn, das heißt, seinen Willen, seine Wege zu lehren. Tin solcher Lehrmeister ist auch der Krieg. Was hat der Krieg, unter dessen Einwirkungen wir jetzt stehen, uns schon so viel heils- erkenntnis beigebrachl! Es ist zunächst eine für unser Glau- bcnslebcn sehr wichtige Wahrheit, die er mit weithin lesbarer Schrift in unser inneres Erleben eingeschrieben hat. Das ist die Wahrheit, daß man sich auf irdische Stützen nicht verlassen kann. Sn zwei Monaten ist das Königreich der Belgier zusammengebrochen, und der Thron des verblendeten Fürsten wankt, hinter den Wällen der allniederländischen Festung an der Schelde, als einer festen Burg, gedachten Belgier und Engländer sicher zu sein, nun haben sie erfahren, daß ihre Zuversicht dahingesunken ist. Wie niedrig schätzt man jetzt alle Erdenmacht und allen Erdenbesitz ein, da so viel edles Leben dahinsinkt, da der Schnitter Tod auf den Schlachtfeldern die Menschen dahinmäht, wie der Landmann im fluguft die Wogen des reifen Kornes. auch von der Macht der Sünde gibt uns der Krieg einen tiefen Eindruck. Sn den letzten Jahrzehnten ging der Zug der Zeit dahin, alles Löse und verderbenbringende auf Srr- tum, falsche Erziehung oder Trübung des geistigen Lebens zurückzuführen, die Sünde hielt man für einen blaffen Legriff, für etwas Unwirkliches. Jetzt sehen wir die Sünde als eine riesengroße Macht vor uns stehen. Unser schlimmster Feind in den letzten 20 Jahren ist der König Eduard gewesen. Uach einem Leben ohne Zucht und Grdnung ging er in seinem HIter daran, Deutschland einzukreiscn. Sein schändlicher plan ist ihm geglückt, die Staatsmänner, die ihn ablösten, sind in seinen Spuren weiter gewandelt, und das englische Volk hat wie sie aus kleinlichem Konkurrenzneide zum Krieg? gen uns getrieben. Welch ein Rbgrund von Verworfenheit tut sich hier vor uns auf! England ist ein Volk mit hoher Kultur, ein uns stammverwandtes Volk, ein Volk, dem die Segnungen der Ueformation so gut zuteil geworden sind wie uns. Stark entwickelt ist in England der Missionssinn, rege ist die Kirchlichkeit, nirgendwo ist aber auch die Heuchelei so groß wie bei diesem Volke, das Japaner, Ueger und Snder gegen uns aufheht. Bus Rachsucht und verletzter Eitelkeit hat Frankreich diesen Krieg unternommen, und Rußland ist das Land, dessen Regierung noch nie verantwortlichkeitsgefühl offenbart hat. Wer wollte leugnen, daß menschliche Sünde diesen Krieg gegen uns heraufbeschworen hat? Rber der Krieg, dieser gewaltige Lehrmeister, belehrt uns nicht nur über die beiden dunklen Kapitel: Hinfälligkeit des Erdenlebens und Sünde, er rollt vor uns auch das Lichtbild auf, über dem geschrieben steht: Gottes Gnade und Gottes Treue. Gott hat unser Heer seither von Erfolg zu Erfolg geführt und den Krieg von unseren Gauen ferngehalten, als die Kunde kam, daß das feste Bollwerk Rntwerpen gefallen sei, als die Glocken, während am Herbsttage die Blätter leise raschelnd zur Erde fielen, durch die regen- und nebelschwere Luft diese Kunde in das Land trugen, da hat manch ein Mensch gebetet: Run danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden! Unendlich viele haben in den Ereignissen der letzten Wochen den Herrn, ihren Gott, gefunden; denn Gott findet man nicht durch Nachdenken und nicht in gelehrten Büchern, sondern im Leben und im Gang der Weltgeschichte, viele, die seither schon mit Gott im Bunde standen, haben sich im Gewühl der Feldschlacht noch inniger an ihn angeschlossen. Das klingt uns aus mancher Mitteilung unserer verwundeten und aus vielen Briefen der im Felde Stehenden entgegen, sie haben die Wahrheit des Liedes erfahren: In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet! Und viele, die den Gott ihrer Kindheit verloren hatten, als es ihnen im Leben gut ging und sie über nichts zu klagen hatten, haben ihn in der Stunde des bitteren abfchiednehmens, im Schlachtengraus und im Feldlazarette wiedergefunden. Buch die, die zu Haufe geblieben sind, haben in vieler Beziehung umlernen müssen. Gottesfurcht und Gottseligkeit standen seither nicht hoch im Kurse, jetzt, da so viele anderen Werte gesunken sind, sind sie mit einem Male gewaltig gestiegen. Der Kirchenbesuch, den viele seither für eine überlebte Gewohnheit hielten, hat ungeheuer, namentlich in den Städten, zugenom- 294 men. Der Krieg hat unserem Volke die stauptstücke der christlichen Lehre wieder beigebracht. Gott hat uns seine Rechte, wie der psalmist sagt, gelehrt, darum wollen wir auch in dieser schweren, tränenreichen Zeit still sprechen: Gelobet seiest du, Herr! kj.B. Gietzen in den ersten ttriegsnionaten des Jahres 1870. Zu unserem in der vorigen Nummer unseres Gemeindeblattes unter der obigen Ueberschrift veröffentlichten RrtiKel sendet uns Herr Heinrich Hochstätter sen. folgende aus eigenen Erlebnissen herstammenden, interessanten Ergänzungen: Rls die Kriegserklärung Frankreichs erfolgt war, war sich jedermann der Schwere der nun kommenden Ereignisse bewußt, aber nirgends zeigte sich IRutlosigkeit, sondern vielmehr große Gpferfreudigkeit und selbst Heldenmut oder stille und ruhige Ergebung. lvir jüngeren Leute, die nicht mit ins Feld mußten, leisteten alsbald einer Rufforderung Folge zur Bildung eines Sani- tätskorps zum Transport oder zur Pflege von verwundeten. Der Dienst dieser Mannschaft erstreckte sich auf Darreichung von Erfrischungen bei durchkommenden Transporten, Verbringung Schwerverwundeter in die hiesigen Lazarette oder Beihilfe beim Rnlegen frischer verbände. Der lvartesaal 2. Klasse war als verbandraum eingerichtet, und es waren wie auch jetzt viele hiesige Damen aus allen Ständen auf der Verbandstation oder in den Lazaretten als Pflegerinnen tätig. Der erste Transport französischer Kriegsgefangener aus der Schlacht bei Weißenburg kam am 6. Rugust hier durch, darunter auch Zuaven und Turkos. Drei Tage später, an einem Sonntage, passierten Gefangene von lvörth die Station, darunter waren auch verwundete. Einige davon mußten in die Klinik geschafft werden. Ein französischer Hauptmann*), der bald darauf starb, wurde an einem Sonntag nachmittag mit allen militärischen Ehren und unter großer Teilnahme der Bevölkerung hier beerdigt. Die Meldung von dem siegreichen Rusgang der Zchlacht von Ledan und der Gefangennahme Napoleons wurde am 3. Leptember morgens früh bekannt gegeben. Die Ueberraschung war anfänglich so groß, daß viele an der lvahrheit dieser Nachricht zweifelten, aber allmählich begann sich eine Begeisterung zu entwickeln, die ganz unbeschreiblich war. Die ganze Ztadt legte reichen Flaggenschmuck an, sämtliche Glocken läuteten und verkündeten den Sieg. Es war ein Leben und Treiben auf den Ztraßen und ein Menschengewühl, wie es niemand zuvor hier gesehen hatte. Kinder und Erwachsene zogen in Scharen unter Rbsingen der Macht am Rhein durch die Ztadt und Leute, die sich vielleicht zuvor kaum gekannt, umarmten und küßten sich. Des Rbends war eine großartige Illumination. Zwei Tage später (am 5. September) kam Napoleon als Kriegsgefangener auf dem Wege nach Wilhelmshöhe hier durch. Der Bahnsteig war durch Militär abgesperrt, allein als Zanitätsmann hatte ich ungehinderten Zutritt und konnte daher alle Vorgänge in nächster Nähe beobachten. So lange der Kaiser im Fürstenzimmer den Tee einnahm, unterhielt ich mich mit einem seiner Kammerdiener, der mir sehr viel Interessanter zu erzählen wußte. Rls die Volksmenge beim Wiedereinsteigen des Kaisers „Deutschland, Deutschland über alles" anstimmte, geriet der Etappenkommissar Major von Randow so in Rufregung, daß er zu Verhaftungen schreiten wollte, weil er Befehl hatte, jede Demonstration gegen Napoleon sofort zu unterdrücken. *) Anmerkung der Xed.: Wohl der von uns erwähnte Xapitän BruguereUes. Bald darauf trafen etwa 30 Kriegsgefangene französische Offiziere hier ein, denen Gießen als Rufenthaltsort angewiesen war. Diese konnten sich Wohnungen mieten und in Zivilkleidern ausgehen, dursten aber die Ztadt nicht verlassen und mußten sich jeden Mittag zum Rppell einfinden. Sie mußten unsere Gffiziere beim Begegnen mit Hutabnehmen grüßen. Nach der Uebergabe von Metz, als die deutschen Festungen und größere Garnisonen die Masse von Gefangenen nicht mehr aufnehmen Konnten, Kamen noch etwa 100 Gffiziere und 4000 französische Gefangene hierher. Für die Rufnahme der gefangenen Soldaten, eine bunt durcheinander gewürfelte Schar aus allen Truppenteilen der französischen Rrmee, waren große hölzerne Baracken errichtet, davon standen zwei auf dem oberen Brand, die den ganzen Platz einnahmen, eine dritte in der offenen Reitbahn und die vierte im Hof der Zeughauskaserne. Jede Baracke faßte 1000 Mann, nur eine verhältnismäßig sehr schwache Bewachung aus dem Ersatzbataillon stand als Wache zur Verfügung, so daß immerhin eine Meuterei zu befürchten war, jedoch haben sich die Gefangenen, abgesehen von der französischen Lebhaftigkeit, ziemlich ruhig verhalten. Rus Rücksichten auf den Gesundheitszustand der Gefangenen wurde jeden Morgen ein Teil, mit Karren und Rrbeitsgerät versehen, auf den Exerzierplatz und an die Schießstände geführt, dort wurden sie mit Erdarbeiten beschäftigt. Die Zurückbleibenden mußten die Reinigungsarbeiten in den Baracken besorgen oder wurden mit Kartoffelschälen usw. beschäftigt. Ebenso war es Privatleuten gestattet, gegen ein geringes Entgelt, zu bestimmten Verrichtungen oder landwirtschaftlichen Rrbeiten Gefangene zu nehmen, und er war ein höchst interessantes Bild, auf den Kartoffeläckern Franzosen in bunten Röcken neben unseren Landarbeitern und Bauersmädchen arbeiten zu sehen. Die gefangenen Offiziere, die Mittel besaßen, um sich Wohnungen zu mieten, waren in Bezug auf Lage, Schönheit und Bequemlichkeit durchaus nicht anspruchsvoll,' sie nahmen zumeist mit leerstehenden Studentenstuben, selbst in Seiten- gäßchen vorlieb, bezahlten aber gut. Beim dicken Roloff am Lindenplatz, der eine kleine Wirtschaft besaß, tranken sie vor Tisch ihren Rbsinth, sonst und besonders abends waren sie im Tafo Ebel, mehr aber noch im Tafo Leib zu finden. In Zinßers (jetzt Steins) Garten und im „Rappen" hatten einige höhere Gffiziere Wohnung genommen. Im allgemeinen sind die Leute mit der hiesigen Bevölkerung gut ausgekommen. Da ich vor dem Krieg einige Jahre in Frankreich gewesen war, hatte ich zuweilen Gelegenheit, mit Gffizieren ins Gespräch zu kommen und war dann auch von diesen dazu ausersehen, manche Streitfrage mit ihren Hauswirten zu ebnen oder Mißverständnisse aufzuklären. Rber auch damals wurden Klagen laut, daß einzelne Damen den Franzosen gegenüber nicht immer ein einwandfreies Benehmen beobachtet hatten und sich ihrer Würde nicht bewußt waren. Es sollen sogar Wünsche geäußert worden sein, französische Gffiziere im Klub einzuführen. Rls dieses vom Vorstand abgeschlagen wurde, waren die Franzosen äußerst aufgebracht und erklärten: „In fünf Jahren kommen wir wieder, dann werden wir unsere Pferde in den Klubsaal stellen." Ruch im „Gießener Rnzeiger" erschien ein „Eingesandt", welches sich gegen das würdelose Benehmen aussprach. Im allgemeinen war die damalige Bewachung der vielen Gefangenen eine höchst sorglose, und wenn man dagegen die weitgehenden Sicherheitsvorrichtungen betrachtet, die jetzt 295 auf dem Trieb angewandt werden, so fühlt man den Unterschied in der Schärfe der Kriegführung zwischen damals und jetzt. Zum Schluß möchte ich nur noch bemerken, daß die Lazarettbaracken besonders für ansteckende Krankheiten auf dem Seltersberg standen. Die verwundeten waren in der Klinik, der Turnhalle und in Schulsälen untergebracht. Es waren aber lange nicht so viele als diesmal. Vas Schießen bei der Siegesfeier von Sedan war durchaus nicht allgemein. Es ist ja möglich, daß einzelne es versucht haben, und daß deshalb die Polizeiverordnung aber doch mehr als Warnung erschienen ist. Aus den Zpuren altgriechischer Aultur. Ueiseerinnerungen von Geh. Gberkonsistorialrat E>. W. petersen in varmstadt. (Fortsetzung.) wir eilten gleich zur Stadt hinaus, wo auf sonnigem Fclsplateau die lUegareer ihre Gsterfeier hielten. Tin farbenreiches Bild! Ttwa 5000 Menschen waren dort versammelt, ein vrilteil davon Frauen und Mädchen im schönsten Festschmuck. vie Megareer sind reine Griechen, worauf sie gegenüber den albanesischen Tleusiniern stolz sind. Daher bei ihnen nichts von albanesischer Tracht, vie ihrige zu beschreiben, ist freilich schwer. Der Kopf der Frauen ist bedeckt mit einer Haube von durchlöcherten und aufgereihten Gold- und Silbermünzen. Darüber tragen sie entweder einen durchsichtigen Schleier oder ein Kopftuch. Der Oberkörper ist in eine eng anschließende Taille mit engen Bermeln gefaßt, alles aus Sammet oder Seide, mit Gold gestickt, an den Bermeln in bunten Farben schillernd, vie Brust ist mit einem Busengehänge von Gold- oder Silbermünzen bedeckt. Der Kock ist eng anschließend und in viele Falten gelegt, aus dickem dunklem Wollenstoff. Unter der Hüfte schlingt sich um ihn eine dunkle Wollenbinde, vom Kopf herunter hängen die dicken natürlichen oder künstlich durch eingeflochtene Wolle verstärkten Zöpfe herab und sind mit unter die Hüftenbinde eingebunden, so daß die Enden mit den Kosaschleifen darunter hcrvorgucken. Buch starke Personen sehen in dieser Gewandung schlank aus. vie Beine sind bekleidet mit weißen Strümpfen, die Füße mit koketten orientalischen Pantöffelchen aus Ziegenleder mit farbiger und Goldstickerei. Ts war ein hübsches Bild, so 40—50 Mädchen oder Frauen in einer Keihe mit übereinander gefaßten Händen tanzen zu sehen, wobei immer ein Teil eine eintönige Melodie singt. Unter den Tänzerinnen gab es wirklich antike Gestalten und Profile: dunkle Bugen und geschwungene Bugen- brauen erinnerten an reizende antike Vasenbilder und Terrakotten. Eigentümlich war auch die Unterscheidung der Frauen, Bräute, Unverlobten durch die verschiedenen Schürzen. So trugen z. 6. die letzteren Schürzen in Gestalt eines Wappenschildes, rot und weiß und zwar nicht vor dem Schoß, sondern seitwärts am linken Bein, was sich im Gesamtbild sehr hübsch ausnimmt. vie Klbanesinnen tanzen sehr schön im Einzeltanz, die Ungarinnen tanzen aber nur im Beigen, wo dann das Gesamtbild wirkt, vom festlichen Gewühl schweifte der Blick immer wieder auf das köstlich blaue Meer, das nur eine halbe Stunde entfernt liegt. Da drunten lag der alte Uisäa, der ehrwürdige Hafen von Magara, bezeichnet durch die fränkische Burg auf dem beherrschenden Burghügel: dann ins Meer hinaus laufend die felsige Halbinsel Minoa mit davorgelagerten Inselchen. Kingsum weit und breit die Meeresbläue, die Inseln Salamis und Begina, die Halbinsel Methana, die Berge des Peleponnes bis gegen den Isthmus, der leider durch das Grenzgebirge der Mogaris, das imposante Geramiagebirge verdeckt war. Ueber dem Ganzen die lachende Sonne Homers. Nachdem wir uns an dem Tanze müde gesehen hatten, kehrten wir nach der Stadt zurück und hielten unser picknick von den mitgebrachten Lebensmitteln. Nachmittags kamen mit vampfboot die griechischen Majestäten mit Gefolge. Ihr Erscheinen erregte allgemein Jubel. Es war ein Vergnügen, die hohen Herrschaften sich so natürlich menschlich unter diesem Naturvolk bewegen zu sehen. Nlle Frauen drängten sich natürlich heran, ihre Königin zu sehen und ihr die Hände zu küssen. Nus dem Hause des Bürgermeisters sahen die Majestäten dem Tanze zu, der bei entsetzlichem Sonnenbrand auf dem Marktplatze, der LAork, fortgesetzt wurde, hier könnten die kultivierten Europäer tanzen lernen! Mit welchem Ernste tanzen hier die Geschlechter getrennt! Vie langen Wimpern sind gewöhnlich niedergeschlagen, kein Lachen liegt auf den Gesichtern, aber reine Freude strahlt aus den Bugen. Klipp, klapp, so gingen immer die Hunderte von Pantöffelchen. Bis die Majestäten unter lautem Jubel sich entfernt hatten, wurde zwar der Tanz fortgesetzt, aber nun sah man die jungen Mütter ihre festlich geschmückten Säuglinge herbeiholen. In Griechenland ist man stolz auf seine Kinder. Um 5 Uhr saßen wir wieder im Wagen und erreichten Bthen nach köstlicher Bbendsahrt um 10 Uhr, voll Dankes für einen wirklich schönen Tag. ____(Fortsetzung folgt.) Lin pfälzischer Musikant. Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. (Fortsetzung.) Indessen war ich doch nicht mehr so jung, um nur in Glücksgefühlen zu schwelgen. Bis einer, der schon einmal üble Erfahrungen gemacht hatte, dachte ich auch reiflich nach und wollte unter keinen Umständen mehr so unüberlegt mit einem Mädchen ein Verhältnis eingehen, wie einst mit Marie Lip- pert. Ich machte mir klar, daß eine rechte Ehe nur möglich sei auf der Grundlage einer gesicherten bürgerlichen Existenz. Einstweilen verdiente ich noch nicht so viel, um mich verheiraten und für eine Familie sorgen zu können. Mein Vertrag lief nur so lange, als der Kurbetrieb dauerte, also bis zum 50. September. Für den Winter mußte ich mir eine andere Beschäftigung suchen. Ich wußte auch, daß man mit der Frau gewissermaßen deren Familie mitheiratet, darum beschloß ich, mich genau nach der Familie der Lina Landau zu erkundigen, hierzu hatte ich Gelegenheit: mit mir in der Leibkompagnie des 118. Kegimentes hatte ein Fllrfelder gedient. Wir waren zusammen Kekruten gewesen und waren, da wir drei Jahre lang auf einer Stube gelegen hatten und jeden Tag in enge Beziehung zueinander gekommen waren, mietinander vertraut wie zwei Brüder. Mein Kamerad hatte mich schon öfter eingeladen, ihn zu besuchen. Bn einem Sonntagnachmittage, als eine auserlesene Wiener Kapelle anstatt der Kurkapelle konzertierte, folgte ich der Einladung. Mein Kamerad, ein treuer, guter Mensch, war ganz außer sich vor Freude, als ich unverhofft bei ihm erschien, auch von seinen Eltern wurde ich freundlich ausgenommen: der Tag s oand uns dahin, indem wir unaufhörlich Erinnerungen aus unserer Militärzeit austauschten. Bl; wir beim Bbendessen saßen, ließ ich so gleichgültig wie möglich die Bemerkung fallen, daß ich vor kurzem in einer befreundeten Familie ein Fürfelder Mädchen kennen gelernt habe. Ich tat so, als ob ich den Namen nicht mehr recht wisse, aber meine Gastgeber 296 hatten bald herausgefunden, um wen es sich handle, und erzählten mir nun ausführlich von dem Mädchen und seiner Familie. Dreißig Morgen habe der Vater in Besitz, die er mit einem Zahne bebaue. Der zweite Lohn hatte das Zchlofferhandwerk gelernt und war in der Fremde, der dritte fei Notariatsgehilfe in Mainz. Zwei der Töchter feien nach auswärts verheiratet, außer Lina fei noch eine jüngere Schwe- fter als Dienstmädchen in Stellung und zwar in Wiesbaden. Der alte Landau fei ein frommer Mann und habe feine blinder gut erzogen, Schulden habe er nicht, er fei in der Gemeinde ein geachteter Bürger. So wußte ich alles, was ich wissen wollte, und mein plan war gefaßt. Soldat war ich gewesen, beinahe 25 Jahre war ich alt, Beschäftigung hoffte ich auch im Winter zu bekommen, ich konnte daran denken, in absehbarer Zeit den eigenen Hausstand zu gründen. Lina Landau und keine andere, so stand es in mir fest. Sobald die Gelegenheit dazu gekommen sei, wollte ich an sie die entscheidende Frage richten. Uber lange Zeit hindurch wollte diese Gelegenheit sich nicht bieten. Zwar kamen wir öfter sowohl bei Baspar Heinz als auch bei Philipp Machmer zusammen, aber immer waren andere Leute zugegen. Das aber hatte ich bald herausgefunden: ich war dem Mädchen nicht gleichgültig, sie wandte sich im Gespräch sehr häufig an mich und war immer sehr freundlich gegen mich. _ (Fortsetzung folgt) Worte zum Nachdenken in der Kriegszeit. Laßt uns, o Herr, immer mehr zu der Weisheit reifen, die über das Nichtige hinwegsehend in allem vergänglichen nur das Ewige sieht und liebt, und in allen deinen Ratschlüssen auch deinen Frieden findet und das ewige Leben. Schleiermacher. Wer unter dem Schirm des höchsten sitzt und unter dem Schalten des allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. Psalm 91, I u. 2. Ihr seid alle Gottes Binder durch den Glauben an Christum Jesum. Gal. 3,26. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 18. GKtober, 19. nach Trinitatis. Gottesdienst. In der Stadttirche. vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer D. Schlosser, vormittags 11 Uhr: Binderkirche für die Matthäusgemeind«. Pfarrer v. Schlosser. Ubends 5Uhr: Pfarrer Schwabe. Beichte und heil. Ubendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Mittwoch, den 21.(Oktober, abends 8 Uhr: Briegs- betstunde. Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. vormittags 9Ve Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Binderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. abends 5 Uhr: Pfarrer U us feld. Beichte und heil. Ubendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde gemeinsam. Unmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Ubends 7t -Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde im Johannessaal und der konfirmierten weiblichen Jugend im Lukassaal L Ankündic zungen ein; isehlenswerte r Firmen ] ■ii . , A Rudolf Richter Gießen, Marktstraße 24—26 hüte und Mützen Reichhaltige Auswahl. BilligePreise :: Rabattmarken. Reparaturen : Edgar Borrmann,Giessen Neustadt 11 Eisenwaren, Haus-u. Küchengeräte Teleph.165 empfiehlt billigst Oefen, Herde, kupferne u. gußeiserne Waschkessel, Haus- u. Küchengeräte, SolingerStahl waren, landwirtschaftl. Maschinen u. Geräte, Vogelkäfige u. Züchterutensilien, Fischereigeräte etc. etc. Waffen u. Munition. 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