Nr. 39. Giesten, 18. Sonntag nach Trinitatis, 11. Oktober 1914. 3. Jahrgang. Deutsche Alaubenszuversicht. Psalm 46. 2. (Bott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine ksilfe in den großen Nöten, die UNS getroffen haben. In großen Zeiten des eigenen und des Völkerschicksals, wenn alles Kleine und Kleinliche ahgestreift wird, ist noch von jeher wie eine neue Offenbarung eine ganz anders geartete Erkenntnis von der unvergleichlichen Lebensfülle und dem bezwingenden Trost der Bibel über den Einzelnen und die Gesamtheit gekommen. Es ist. als ob man mit ganz anderen klugen lese und mit ganz umgewandeltem Herzen erlebte, welch unaussprechlicher Gegenwartswert von diesen Blättern ausslrömt, über die doch schon der Sturm von Jahrtausenden hinweggefegt ist. Man kann es dann kaum fassen, daß es Zeilen und Stimmungen geben konnte, in denen man schon die Bücher des Riten Testaments zum alten Eisen warf, weil sie unserer Zeit und Erkenntnis nichts mehr zu sagen hätten, oder dem Psalter nur noch den Wert einer längst verklungenen, eigenartigen Literaturepoche zumaß. va greift der allmächtige Lenker der Dinge mit einem gewaltigen, unvermuteten Griff in das wie zu lässiger Gewohnheit gewordene Uädcrwerk des Iveltgetriebcs,' Zeiten von ungeahntem Ernst, von entscheidender Schicksalsschwere brechen wie eine Sturmflut über die Menschheit herein,' Hunderte von Stützen, auf die man bis dahin sich glaubte verlassen zu können, knicken wie Strohhalme zusammen,' in schwerer öangnis sucht das aufgeschcuchtc Menschenherz nach Stütze und halt, auf die verlaß ist und plötzlich wird das Buch der Bücher nicht bloß zu einem unoersieglichen Ouell des Trostes, sondern bekommt eine ganz neue prophetische Kraft, als schaute es schon vor Jahrtausenden voraus, was gerade jetzt uns betrifft. Und so wird es in seinem Bat und seiner Mahnung der Wegweiser durch die Wirrnisse der lautpochenden Gegenwart zu einer größeren, leuchtenden Zukunft. Ist es nicht, als wäre es für das deutsche Volk in dem schicksalsschweren Jahre 1914 eigens geschrieben, was einst durch die Seele der königlichen Sängers fps. 41,6, 8 — 13) zog: „Meine Feinde reden Urges wider mich: Wann wird er sterben und sein Name vergehen? kille, die mich hassen, raunen miteinander wider mich und denken Böses über mich. Sie haben ein Bubenstück über mich beschlossen: Wenn er liegt, soll er nicht wieder aufstehen. Buch mein Freund, dem ich mich vertraute, der mein Brot aß. tritt mich unter die Füße. Du aber, Herr, sei mir gnädig und hilf mir auf, so will ich sie bezahlen. Dabei merke ich, daß du Gefallen an mir hast, daß mein Feind über mich nicht jauchzen wird. Mich aber erhältst du um meiner Frömmigkeit willen, und stellest mich vor dein klngesicht ewiglich." - Was könnte anderes aus dieser Schilderung lebendigster Gegenwartserfahrung, die unser gesamtes Volk seit den kiugusttagen d. Is. gemacht hat, hervorquellen aus innerstem Herzensborn, als deutsche Glaubenszuversicht? Dort russische Vernichtungswut. welsches Bubenstück und englischer Freundesoerrat, hier aber, in Kraft des Glaubens an den gerechten Vater aller Dinge, das trutzig-kühne: Ich will sie bezahlen! Mein Feind darf nicht jauchzen über niich! - Und dabei soll es bleiben! IMser harrt noch die größte ktuf- gabe der Welt: zu wirken für Zucht, Treue und alle Güter der Wohlfahrt und Kultur als Willensvollstrecker dessen, der das deutsche Volk stellen wird vor sein Ungesicht ewiglich, wenn wir bleiben in der Kraft deutscher Frömmigkeit! Gietzen in den ersten Nriegsmonaten des Jahres 1870. Jetzt in der Kriegszeit, da unsere Stadt durch ihre starke Garnison, die vielen verwundeten, die man auf den Straßen sieht, und das veränderte klussehen des Bahnhofes überall merken läßt, daß wir uns im Kriegszustände befinden, ist es von Interesse, einmal die Lage der provinzial- hauptstadt Gießen im Jahre 1870 in das kluge zu fassen. Die Mitteilungen, die wir hier bringen, entnehmen wir alten Zeitungsblättern, nämlich dem Gießener klnzeiger aus dem Kriegsjahre 1870. Wiederholt ist ja schon von namhaften Historikern darauf hingewiesen worden, daß die modernen Zeitungen ein wichtiges thuellenmaterial für die Geschichtsforschung bilden. Das gilt allerdings von den Zeitungen der Gegenwart weit mehr als von den Zeitungen, die vor 40 oder 50 Jahren erschienen sind,' denn der Umfang unserer Zeitungen hat um das Dreifache zugenommen, alle Vorgänge, die von irgendwelcher Bedeutung sind, werden in ihr erwähnt, kluffallend ist, daß in den Zeitungen, die um das Jahr 1870 gedruckt worden sind, der lokale Teil fast völlig fehlt, das gilt auch von dem hier erscheinenden Blatte. Weder aus der Stadt noch vom Lande werden Lokalnotizen gebracht. Immerhin bieten uns die politischen Mitteilungen, die amtlichen 286 Bekanntmachungen und die Inserate einiges Material für die Geschichte dieser Zeit. Die politischen Nusführungen, die wir in dem genannten Blatte finden, wollen wir hier nicht erwähnen, weil sie sich zumeist auf allgemein Bekanntes beziehen, unser Absehen ist nur darauf gerichtet, nachzuweisen, wie sich der Gang der Weltgeschichte damals in dem Leben unserer Stadt gespiegelt hat. Km 16. Juli veröffentlichte der Etappen- kommandant Major v. Bandow Bestimmungen über die bevorstehenden Militärtransporte. Niemand durfte mehr ohne direkte Veranlassung den Bahnsteig — damals gebrauchte man noch das unschöne Wort Perron — betreten, und dar Publikum wurde gebeten, vor der Nnkunft der Militärzüge stets den Bahnsteig zu räumen, weil sonst diese Bäumung durch das Militär ausgefllhrt werden würde. Line Bahnsteigsperre gab es damals bekanntlich noch nicht. Gleichzeitig erließ der Provinzialdirektor (und spätere Präsident des Gberkonsistoriums) vr. Goldmann eine Verfügung über die Nushebung von Pferden für die Großherzogliche Division, und Hauptmann Franck forderte im Namen des Landwehr- bezirks-Kommandos die Mannschaften des Beurlaubtenstandes auf, sich unverzüglich bei dem nächsten Bezirksfeldwebel zu melden. Das Kommando der freiwilligen Feuerwehr und der Vorstand des Turnvereins luden auf Dienstag, den ty. Juli, abends 9 Uhr, zu einer Besprechung über die Errichtung eines Sanitätskorps ein. Einstweilen allerdings ging das vergnügungsleben in Gießen noch in hohen wogen. Trotz des Ernstes der Zeit fanden am l9. Juli in der damals doch noch kleinen Stabt zwei Konzerte statt. Das eine wurde im Zinßerschen Saale von der Negimentskapelle unter der Leitung des Kapellmeisters v. Reifert veranstaltet, dar andere fand im Viersaale des Herrn Lang statt und betitelte sich ,Musikalische Soiree mit Gesang der Gesellschaft Blechschmidt". Später, als der Krieg fühlbarer wurde, hat man die Vergnügungen, so einen Ball im Klub, abgesagt. Nachdem in der Turnhalle das Sanitätskorps gebildet worden war, forderten die Herren Dr. mscl. Felsing, Prof. Dr. Gncken, Turnlehrer Rübsamen, hofgerichlsadookat Wei- dig, Gymnasiallehrer Dr. weiffenbach und Prof. Dr. Zöppritz die jungen Männer der Stadt, die nicht die Waffen tragen mußten, zum Beitritte auf. Gleichzeitig bildete sich ein Komitee, dar sich die Krankenpflege und die Unterstützung der im Felde Stehenden zum Ziele setzte. Der Nufruf war unterzeichnet: Dr. Goldmann, Haberkorn, Dr. Simon, vr. Stammler, Vogt und Wernher. Vogt war der damalige Bürgermeister, Wernher ein bekannter Professor der Medizin, er war ein Sohn des hervorragenden hessischen Staatsmannes, des Geheimen Staatsrates Dr. Wilhelm Wernher. Wie heute so ließen es sich auch damals die Frauen angelegen sein, die im Felde Stehenden mit Wäsche und Strümpfen zu versorgen. Sachen dieser Nrt sollten abgegeben werden bei Frau Prof. Wilbrandt, Frau Geh. Medizinalrat Wernher, Frau Bürgermeister Vogt, Frau Stadtgerichtsassessor v. Schmalcalder, Frau Dekan Landmann, Frau Gail (Neustadt), Frau homberger (vor dem Walltor) und Frau Provinzialdirektor Goldmann. Muster für die anzufertigenden Sachen lagen in der Metten- heimerschen Npotheke sauf dem Kreuz) zur Einsicht offen. Im September taten sich Gießener Frauen und Jungfrauen zusammen, um Handarbeiten und sonstige Gegenstände zum Besten der Hinterbliebenen gefallener Krieger zu verlosen. Jedes Los kostete 12 Kreuzer. Unterzeichnet war der betreffende Nufruf von Frau Schiatter, Frau Thr. Keil (Neu- stadt), Frau L. Kauf (Hintergasse), Frau W. Wallenfels (Neue Baue), Frau Blumenthal fWalltorstraße), Geschwister Sauer (Lindenplatz), Frau Ni. Noloff (Lindenplatz), Frl. L. Löber (Lindenplatz), Frl. B. habenicht (Flügelsgasse), Frl. N. Petri (Nsterweg), Frl. L. Lotz (Seltersweg), Frl. L. Busch (Kreuz), Frl. L. Lynker (Einhorn), Frl. L. Weidig (Sonaen- straßc), Frl. S. Hirsch (Lindenplatz). Die zur Verlosung bestimmten Sachen wurden vom 8. Oktober an im Saale des Einhorn ausgestellt. Sonntag, den 24. Juli, nachmittags um 4 Uhr hielt Professor Gucken im Klubsaale einen Vortrag über das Thema „Unsere Lage am Vorabend des Krieges", der Neinertrag, der sehr erheblich war, wurde für Kriegsfürsorge verwendet. vom 25. Juli an gingen Truppentransporte über den Gießener Bahnhof, jeden Tag kamen hier 20 000 Mann durch, aus diesem Grunde richtete Major v. Nandow an die Einwohner die Litte, ihm Wein und Zigarren für die Vaterlandsver- teidiger zur Verfügung zu stellen. Damals hatte man den Wert des alkoholfreien Truppentransportes noch nicht erkannt. Die Speisung der durchmarschierenden Truppen hatten die beiden Gießener Bürger N. Katz und I. Steinberger übernommen. Ein anderer Bürger hatte gegen ihren Betrieb schwere Vorwürfe erhoben und wurde nach dem Feldzuge wegen dieser Neußerungen zu einer Geldstrafe verurteilt. Mithin sind seine Vorwürfe nicht begründet gewesen. Zur Nufnahme der zu erwartenden verwundeten wurden Nnfang Nugust vier Baracken errichtet. Unseres Wissens standen diese Lazarettharacken auf dem Seltersberge, die älteren Gießener wissen das ja genauer. Nm 5. Nugust kamen die ersten Gefangenen, darunter zwei Turkos, auf dem Bahnhofe durch. Georg Noll, wohnhaft im Müllerfchen Hause am Seltersberge, erklärte sich in einem Zeitungsinserate bereit, kostenlos die Ndressen für Postsendungen an Soldaten des mobilen Heeres zu besorgen, von allen Dörfern des Kreises Gießen und namentlich aus der Stadt selbst gingen reiche Spenden an Geld, Naturalien, Leinwand, Wäsche und Strümpfen ein. In dieser ernsten Zeit gedachte der in Gießen sich aufhaltende Improvisator Ndolf Kühne dar hiesige Publikum zu unterhalten. Er erklärte sich bereit, Gedichte zu improvisieren, zu denen die Zuhörer ihm die Endreime angeben sollten. Db es ihm geglückt ist, Zuhörer zu bekommen, läßt sich nicht feslstcllen. Zum Besten der verwundeten verfaßte er dann ein humoristisch-satirisches Blatt, das vom 24. Nugust an erschien, vermutlich ist es dasselbe Blatt gewesen, das unter dem Titel die „Mitrailleuse" erschien,' ein langes Dasein scheint ihm nicht beschieden gewesen zu sein. Nm 14. Nugust wurde durch den katholischen Geistlichen, Pfarrer Nady, der erste in der Gefangenschaft verstorbene verwundete beerdigt. Er wird unter den verstorbenen in der Zeitung bezeichnet als „Tharles Bruguerelles, Eapitän in dem kaiserlich-französischen 5. Zuavenregiment, angeblich 50 Jahre alt." Ueberraschend schnell gelangte die Liste der am 18. Nug. bei Gravelotte gefallenen hessischen Offiziere in die Heimat, schon am 22. Nugust wurde diese Verlustliste in Darmstadt ausgegeben, eine Verlustliste der gefallenen und verwundeten Unteroffiziere und Niannschaften kam in dem Gießener Nn- zeigcr nicht zum Nbdruck. Es wurde damals sehr geklagt, daß die Mitteilungen über den Tod und die Verwundung zu lange auf sich warten ließen. Ganz im Unterschiede von unserer Zeit fehlen in dem Blatte völlig die Todesanzeigen, die die Hinterbliebenen einrllcken lassen, es war damals noch Brauch, daß die Leichenfrauen das Begräbnis von Haus zu Haus unter den Bekannten der Familie anfagten. 287 Wie heute, so eiferte man auch damals gegen alles ausländische Wesen. Lin Eingesandt vom 25. August besagt: „Muß denn das Kleid von französischem Stoffe sein? ITtufs denn der Kopfputz, der Schnitt des Kleides und Gott weiß, was all nach französischer Mode sein? Fort damit! Nur deutsche Stoffe sollen er sein, womit wir uns kleiden, und die Schneider sollen sich hüten, solche nach französischer Mode zu fertigen. Und so sei es auch mit der Sprache, nur deutsche Worte wollen wir gebrauchen in Schrift und Sprache. Uur diese wollen wir im Familienkreise dulden, nicht aber fremde Busdrücke gebrauchen, namentlich nicht dulden, daß Kinder bis in ihr reiferes Blter hinein sich, oft in sehr gespreizter Weise, der klusdrücke: Mama, Papa usw. bedienen. Fort mit all dem Firlefanz! Deutsch wollen wir sein in Wort und Tat!" Wie so manche kleutzerung ähnlicher klrt aus unserer Zeit, so schießt auch dieses Urteil weit über das Ziel hinaus. Ls ist noch kein Zeichen undeutscher Gesinnung, wenn man gelegentlich einmal ein Fremdwort gebraucht. Der Linsend r, der auf diese Weise seiner Entrüstung Luft gemacht hat, irrt übrigens, wenn er Papa und Mama für französische Worte hält, das sind nichts als Natur- laute, wie sie jedes kleine Kind ganz von selbst ausspricht. Schon im klugust wurde die erste Sammlung Liebesgaben an das Gießener Negiment geschickt, Oberst Kraus hatte Korporal homberger gesandt, damit er die Gaben in Empfang nehmen sollte. Die Einwohner der Stadt hatten gespendet 84 500 Zigarren, 12 Ohm Branntwein, 4 Dhm Wein, 100 Pfund Zucker, 80 Pfund Schokolade, 100 Pfund Lichter. Den Sieg von Sedan haben vi'le Gießener auf eine eigentümliche Weise gefeiert. Davon gibt folgende polizeiliche Verordnung Kunde: ,,5lls aü; kinlaß der vorgestern eingclangten Siegesnachrichten in allen Straßen der Stadt geschossen wurde, ließen wir darauf aufmerksam machen, daß schon aus Uücksicht gegen die hier liegenden vielen Kranken und verwundeten das Schießen eingestellt werden müsse, klber die Warnungen waren umsonst. Zwei Tage und zwei Nächte hindurch wurde geschossen, sogar dicht vor den hospi- tälern und Lazaretten. Nicht nur, daß man die Kranken schreckte und in ihrer Nuhe störte, es wurde auch die Gesundheit und das Eigentum gefährdet. Einige sind bereits verstümmelt, und jeden Bugenblick hätte Feuer ausbrechen können, weil oft in der Nähe von Scheuern und Ställen geschossen wurde. Wir sehen uns daher veranlaßt, darauf aufmerksam zu machen, daß bereits viele wegen Schießens zur Bestrafung angezeigt worden sind und, da wir uns im Kriegszustände befinden, härtere Maßregeln zu befürchten sind, wenn das Schießen nicht eingestellt wird." Wir wollen zufrieden sein, daß man diese gefährliche klrt, sich eines errungenen Sieges zu freuen, heute nicht mehr kennt. Mitten in der Kriegszeit veranstaltete der allgemeine deutsche klrbeiteroerein, aus dem später die sozialdemokratische Partei hcroorging, im Promenadenhause eine Versammlung mit der Tagesordnung: Fei:r d's Lajsalle'schen Todestage;. Sn Tassel fand im Jahre 1870 eine Industrie-Busstellung statt, die durch den Krieg nicht unterbrochen wurde. Der interessanteste klusstellungsgcgensland war wohl die in der Schlacht bei Wörth eroberte Mitrailleuse, die König Wilhelm geschenkt hatte. Daß auch damals viele Tartarennachrichten verbreitet wurden, geht aus der Mitteilung hervor, daß in Metz die Eholera ausgebrochen sei. Französische Blätter hatten im Oktober die Nachricht verbreitet, daß der Kronprinz von Preußen getötet und seine klrmee vernichtet sei. Diesem unsinnige» Gerüchte hatte man namentlich auch in Hessen und hier besonders auf dem Lande, Glauben geschenkt. Im Wesentlichen ergibt sich uns somit vom Jahre 1870 dasselbe Bild, wie es uns heute entgegentritt: überall große Begeisterung und große Opferwilligkeit. Diese Opferwilligkeit ging 1870 in denselben Bahnen wie in diesem Kriegsjahre. Gott gebe, daß uns diesmal auch derselbe Erfolg beschieden werde, wie unseren Vätern vor 44 Jahren. HL. Var kirchliche Leben im Dekanate ließen während der Jahres 10(5. killjährlich erstattet der Dekanatsausschuß der Dekanats- snnode einen Bericht über das kirchliche Leben im Dekanat. Bus dem diesjährigen Berichte wird das Folgende mitgeteilt. Wir haben dabei das weggelassen, das durch Veröffentlichungen der Tageszeitungen schon hinreichend bekannt ist, oder das, wie die statistischen Busstellungen, für weitere Kreise kein Interesse hat. Die Mitteilungen über die Heidenmission rühren von Herrn Dekan Gußmann-Kirchberg her, die über die Innere Mission von Herrn Pfarrer Groth-Rödgen, die über die Dckanatskrankenpflege von Herrn Pfarrer Schwabe- Gießen, die über den Gustav-kldolf-verein von Herrn Pfarrer Liz. Gombel-BeisKirchen und die über den Evangelischen Bund von Herrn Pfarrer hepding-hausen. I. Veränderungen im personalbe st and der Dekanatsgeistlichen und anderer kirchlichen Organe. Der bisherige Pfarrer von kllten-Buseck, Jakob Fischer, dem die Pfarrstelle zu Bodheim v. d. höhe übertragen worden war, wurde ersetzt durch den früheren Pfarrer von hainchen, kllbrecht Hartmann. In Pohl-Göns erhielt Pfarrer Wörißhoffer die Ernennung zum Pfarrer von Nieder-Lschbacht die Verwaltung übernahm Pfarrer Hellwig-Kirch-Göns. Jetzt ist die Pfarrstelle wieder besetzt mit Pfarrer Naumann, früher in Siefers- heim in Nheinhessen. In Watzenborn-Stcinberg starb der langjährige Kirchen- vorstchcr Joh. Gg. Heß II. in Steinberg. Schwesternwechsel wird erwähnt in Beuern und Rödgen. Das Nähere ist aus dem Sonderbericht des Leiters der Dekanatskrankenpflege zu ersehen. 2. Kirchliche Feste und Weihen. Wir erwähnen zunächst die im Dekanat eingeführten Feste. Vas Fest der äußeren Mission fand am 10. klugust unter guter Beteiligung in killendorf a. d. Lumda, das der inneren Mission in Kirchberg am 14. September statt. Das Jahresfest des Gießener Zweigvereins der G.-kl.- Stiftung wurde in Leihgestern am 8. p. Trin., den 13. Juli gefeiert. Das Jahresfest der Kirchengesangvereine des Dekanats war in klnnerod am Sonntag Trin. im Mai, wo ja auch die Natur so recht zum Singen und Spielen zum Lobe Gottes auffordert. Die Rnsprachs hielt Dekan Gußmann, das Programm der Feier war von Geh. Kirchenrat D. Schlosser entworfen und enthielt nur pfingstlieder. Das Jahresfest der oberhessischen Posaunenchöre war in Klein-Linden sKoll.: I08MK.). In vielen Gemeinden wurden außerdem noch lokale Feste begangen, die hier nur kurz erwähnt werden können. 288 Missionsvorträge waren in flltenborf a. d. Lahn, in Leihgestern, Treis a. d. Lumda und in Watzenborn-Stein- berg, Missionspredigten in Großen-Buseck, in Großen-Linden, Klein-Linden und Lang-Göns. Missionsfeste wurden in Beuern, Oppenrod, Lang-Göns und Burkhardsfelden gehalten, Mie früher wirkten bei den Missionsfesten die Kirchengesang- vereine und Posaunenchöre mit. Kleinkinderschulfeste wurden wie alljährlich in den betreffenden Gemeinden gefeiert. In Beuern hielt, war in letzterem Bericht nicht erwähnt ist, der damalige Pfarrer Haupt-Grüningen einen Lichtbildervortrag über die evangelische Bewegung in Kärnten. Bus Bnlaß des am 15. Juni gefeierten Begierungs- jubiläums unseres deutschen Kaisers wurde in allen Gemeinden des Dekanats eine Nationalspende für die Mission erhoben, die auch in kleineren Orten schöne Ergebnisse lieferte. Die Jahrhundertfeier der Schlacht bei Leipzig und die Erinnerung an die deutschen Freiheitskriege wurde nach Vorschrift in den Gemeinden durch eine gottesdienstliche Feier begangen, vielerorts noch außerdem durch Umzüge, durch besondere Veranstaltungen im Freien, durch Pflanzen von Eichen und Linden, auch Bbhaltung von Familienabenden. In manchen Gemeinden bürgern sich besondere Totenfestfeiern auf den Friedhöfen ein. Buch sei noch erwähnt, daß im liturgischen Meihnachtsgottesdienst in Beuern der Kirchengesangverein und die Schulkinder ein lveihnachtsoratorium vufgeführt haben. Behnliche, auch in anderen Orten statt- gefundene Bufführungen von Festspielen sind in den Berichten nicht besonders erwähnt. Buf die Tätigkeit der Frauenoereine in Stabt und Land soll in dieser Hinsicht nur kurz hingewiesen werden. In Leihgestern, wo 150 Mitglieder einem solchen Vereine angehören, wurde in der pfingstwoche ein gemeinsamer Busflug nach Marburg gemacht, der allgemein befriedigt hat. (Fortsetzung folgt.) Aus'den Spuren altgriechischer Kultur. Beiseerinnerungen von Geh. Gberkonsistorialrat D. lv. petersen in Darmstadt. (Fortsetzung.) lvir kehren, des Umschausns müde, unsere Bugen dem Nordwesten zu. Ein kleinerer Berg in Kegelform liegt vor dem Paß zwischen Korpdallos und poikilos. Oben hat ein Mönch sein Häuschen gebaut und mit ziemlichem Geschmack und großer Busdauer alle lvege auf den Berg angelegt, der durch ein Kloster gekrönt ist, das dem heiligen Elias geweiht ist, der ja viele Berggipfel in Griechenland im Besitz hat. Man fährt lange auf ansteigender Straße im Engpaß hin, bis man zu den Nuinen des alten Klosters vaphni kommt. lvir stiegen aus und traten in den engen Klosterhof. Da war es traulich,- aus dem Boden zwischen den Steinen sproßte das Gras, um den Hof herum lief eine niedrige Bogenhalle romanischen Stils. Seitwärts war die Mahnung der Niko- kirä, der Hausverwalterin, einer uralten Frau, die die Königin immer küßt, wenn sie den Drt besucht. Mir traten in die Küche, die innen ausgebrannt ist. In der Deckenwölbung war ein byzantinischer Mosaikchristus. Neueren Datums war offenbar der sogenannte Ikonastos, die Bildwand mit ihren Türen, hinter der die Verwandlung von Brot und Mein im Bbendmahl vollzogen wird. Seitwärts davon steht der Sitz des Bischofs, in einer Nebenkapelle befinden sich zwei Steinsärge der fränkischen herzöge, die im lateinischen Kreuzzug Bthen als Lehn erhielten. Die Särge sind mit ihrem Emblem, der bekannten Lilie, geschmückt. Zwei kleine Kapellen sind den heiligen des Klosters geweiht, dem heiligen Johannes, dem Vorläufer (Täufer), der Mahnsinn und Fieber heilt, und dem heiligen Stilianös, der die Kinder gesund macht. Um das große Bild dieser heiligen sind kleinere Bilder mit der Darstellung von Heilungsgeschichten angebracht. Bn dem Bilde de; heiligen Stilianös hing ein kleines Kind aus Eisenblech, furchtbar roh gearbeitet, wie wir unseren Kleinen Papierpuppen ausschneiden, ein Votivbild für ein genesenes Kind. Nun stiegen wir auf das obere Stockwerk und sahen auf die Trümmer der Klostermauer, in der noch alte, als solche leicht kenntliche Steine stehen. Das schönste war der Blick auf den Klosterhof unten mit seinem Flor herrlichster Frühlingsblumen, die hier buchstäblich so hoch und dicht standen, daß man Garben daraus hätte binden können. Da wir noch an den Strand der cleusinischen Bucht hinunter wollten, bestiegen wir wieder unseren Magen, der uns bergunter führte. Uechts am Mege an einer kahlen Felswand waren Votivnischen zu sehen, die zu dem alten Tempel der Brtemis gehörten, der einst hier stand. Spuren von der Uingmauer sind noch zu sehen, die Inschriften in den Nischen waren unleserlich. Unser Kutscher belehrte uns, hier sei früher eine Mädchenschule gewesen, was uns höchlich ergötzte, wer mag ihm das aufgebunden haben? Bald lag vor unsern Bugen der weißschimmernde Busen, dahinter in weiter Ferne herrliche Berge. Endlich waren wir am Strande, drüben lag Eleusis. Eine unwiderstehliche Sehnsucht dahin packte uns. Der Nosselenker versicherte uns, daß wir Eleusis noch erreichen könnten, und da ging es dann weiter. Die Beleuchtung wurde immer günstiger. Links hatten wir den Meerbusen, an dessen Strand wir noch etwa 1'/- Stunden in weitem Bogen hinfuhren. Die Miesen standen in saftigem Grün, das Getreide wogte wie ein fruchtbares Meer. Pinien und andere malerische Bäume standen einzeln und in Gruppen in dieser gesegneten Ebene. Das Meer war tiefblau, am Strande lichtgrün. Bechts grüßten noch immer die Bbhänge des poikilos und seine Verlängerungen zur Ebene hin. Nach Nordwesten trotzte eine Schlucht, der Engpaß nach Böotien, wo das altberühmte phyle liegt. Im Norden vor uns breitete sich die thriasische Ebene, abgeschlossen durch die wie gewaltige Mauern hintereinander sich immer höher türmenden Bergzllge des Kithäron, die den Eindruck machten, daß sie dem Feind den Eintritt ins Land wehren könnten. Eleusis lag an der Bucht in stillem Frieden. Die Stadt zieht sich vom Meere an einem Bergrücken in die höhe, der in zwei Bbsätzen aufschwillt, auf deren Hinterem ein alter Turm aus byzantinischer Zeit ragt. Jenseits der Bucht liegt Salamis mit seinen steilen zum Meere abfallenden Bergen, gewunden wie eine Bretzel. Doch das Buge eilt voran, langsamer folgt der Magen, der erst in der Mitte des Halbbogens der Straße die schon im Bltertum dort befindlichen Salzseen, die Kheitoi, Lagunen, von denen auch Pausanias erzählt, zu passieren hat. Sie sind ummauert, stehen mit dem Meer durch Kanäle, die mehrere Mühlen treiben, in Verbindung. Bn einer alten Ruine mit schönen Marmorblöcken vorüber ging der Meg weiter durch Felder. Etwa eine Viertelstunde vor Eleusis steht ein alter Brunnen, einer von den vielen, die ja von alters her dieselben bleiben und einer unabsehbaren Folge von Menschengeschlechtern dienen, überschattet von einer schönen, alten, malerischen Pinie. Dahin kommen die Frauen von Leosina, waschen und holen Masser in runden Tonnen und bäuchigen Krügen, die sie auf dem Bücken und auf der Bchsel tragen. i 289 Endlich kamen wir in die Stabt und eilten gleich nach den Propyläen, deren mächtiger Unterbau ganz erhalten ist, sowie auch die Marmortreppe. Im übrigen stand man ratlos vor dem verwirrenden Trümmerfeld von Säulentrommeln, Vasen, Kapitälen in wunderschöner Ausführung. Bergan steigen wir auf die Stätte des alten Demetertempel;, davon fast nichts zu sehen ist. Uber der Blich von oben ist herrlich, die Ebene, das Meer, Salamis, der Kithäron, ein mächtiges Panorama, hinter uns nach liefen kleine Mädchen, barfuß und schmutzig, ober mit hübschen Gesichtern und wundervollen Rügen. Sie wollen uns Blumen geben und unsere pentära (5 Eentimess haben. Mit diesem Gefolge stiegen wir wieder den Berg hinunter in das elende Städtchen, das nicht von Griechen, sondern von Rlbanesen bewohnt ist, die ihr Griechisch in der Schule lernen müssen. Männer und Frauen waren prächtig gewachsen. Die albanesische Festtracht ist sehr malerisch. Unterwegs unterhielt ich mich mit den Mädchen und forschte nach albanesischen Wörtern. „Mutter" heißt bei ihnen um, Vater clut. Gott clonisot, Stein guri, Mädchen waisje. In einer schrecklichen Kneipe packten wir unser mitgebrachtes Essen aus, den Wein kauften wir uns, den berühmt-berüchtigten Ueginalo, der sehr schön hell aussieht, auch bekömmlich sein soll, aber mir wie ein Kinderpulver mit Terpentin schmeckte. Tine Lande hungriger Hunde und brauner Kinder stand um uns versammelt, und unser Reisegefährte, Maler (D. zeichnete in zehn Minuten drei hübsche kleine Mädchen in ihrer malerischen Rlltagstracht, wobei die Kleinen vor Stolz und Scham erröteten und sich verlegen am Rock zupften. Um 6 Uhr traten wir den Rückweg an. Das Rbendrot legte sich bereits auf die Landschaft. Die Felsnase an der Schlucht von Phyle wurde tief rot, über alle Berge lief die Rbendfärbung, während die Dämmerung sich der Ebene bemächtigte. Die albanesischen Bauern kamen vom Felde und aus Rthen, in ihren Karren ausgestreckt, während Maultiere und Esel, des Feierabends froh, nach Hause liefen, vom Brunnen kamen die Mädchen mit ihren Tonnen und Tonkrügen, und Herr (9. jauchzte mehr als einmal über eine stolze Gestalt, die an uns vorllb-rging. Das Rbendwerden geht in Griechenland schnell vor sich. Rls wir im schnellsten Tempo nach Daphni kamen, war es schon dunkel und 1'/- stunden fuhren wir so im Dunkel dahin. In der Ferne glänzte Rthen mit unzähligen Lichtern, ebenso der Piräus, wir aber sangen bis an die Stabt zweistimmia heimatliche Volkslieder. Rllgemack aing die Lternenwelt auf. Der Wagen stand auf dem Kopf, al; wollte er das am Rordpol Rufgeladene hier wieder ausladen, mäch- tia wandelte der St->rnenriese Grion über den stillen Racht- bimmel. herrlich- Stille und wundersamer Blütenduft um- aaben uns, die Rbendfeier der Natur zog auch in unsere Nerzen ein, erfüllte sie mit Rndacht und stimmte unsern Mund zum Gesänge des schönen Liedes: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren". Rm griechischen dritten Gstertag des Jahres 1878 fuhr ich mit deutschen Freunden dieselbe Straße auf dem Wege nach Megara. In jener eisenbahnlosen Zeit mußte man, wenn man die Festtänze in den fünf Wagenstunden entfernten Megara sehen wollte, schon um 4 Uhr aus den Federn und um 5 Uhr früh im Wagen sitzen. In der eleusinischen Ebene stand das Getreide zum Schneiden reif. Ledige Esel und Pferde, des Festtags froh, freuten sich an den Erstlingen des Feldes. Es schwirrte einem unwillkürlich durch den Kopf: „Windet zum Kranze die goldenen Rohren!" Eine kurze Rast in Eleusis benutzten wir, um in einer verfallenen Feldkapelle die Reste des Triptolemostempels aufzusuchen, unter denen 1159 das jetzt im Museum zu Rthen aufbewahrte und geborgene berühmte eleusinische Relief gefunden wurde, das in erhabener Schlichtheit den mythologischen Rnlaß der eleusinischen Mysterien darstellt. Demeter kommt auf der Suche nach ihrer durch Pluto ihr geraubten Tochter Persephone unerkannt nach Eleusis, findet im Hause des dortigen Königs in ihrer mütterlichen Trauer und Verzweiflung freundliche Rufnahme. Das Relief stellt dar, wie Demeter zum Dank für die empfangene Gastfreundschaft dem Sohn des Königs, Triptolemos, das Saatkorn in die Hand legt, während Persephone ihm den Kranz auf die Locken drückt. So ward die Göttin Demeter (Mutter Erde) die Stifterin und Triptolemus der Rpostel des des Rckerbaus, durch den die Menschen erst zu geordnetem Zusammenleben befähigt wurden. Rach halbstündiger Rast setzten wir unsern Weg fort, umfuhren die Rnhöhe mit dem fränkischen Turm und folgten der Straße, die zuerst sich nach dem Meere zu senkt und dann ansteigend in etwa 50 Meter höhe an den Karatabergen entlang läuft, nach der Meerseite durch Mauern gesichert, hernach senkt sich die Straße wieder dem Meere zu in Windungen, die bald diesen, bald jenen Teil des reichgegliederten Uferlandes den Blicken entzog oder wieder hervorzauberte. Ueber die blaue Wasserfläche suchte das Rüge immer wieder die Insel Salamis mit ihren vielgestaltigen Kuppen, deren ungewohnte Rückseite sich hier dem Beschauer darbot. Rls wir die Grenze von Rttika überschritten hatten und auf das Gebiet der alten Megaris kamen, fuhren wir fast ununterbrochen bis zur Stadt im Delwalde. Rach der Landseite sah man noch immer den Bergzug der Kerata und den romantischen Kandilipaß, in dessen Mitte ein einsamer schroffer Fels emporragte, fast in Gestalt eines Kandili, eines Leuchters. Rach fünfstündiger genußreicher Fahrt langten wir in Megara an. Die Stadt Megara liegt zwischen zwei Bergen, ist entsetzlich eng gebaut. Ueberall in den Häusern sind die alten Quadersteine vermauert, au; denen vielleicht die jene beiden Berge krönenden Rkropolen (Burgen) Rlkathoa und Karin gebaut waren. (Fortsetzung folgt.) Sin pfälzischer Musikant. Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. (Fortsetzung.) Man sagt: Glück muß der Mensch haben, und Glück, großes Glück hatte ich jjn diesem Rbend. Ich saß eine geraume Weile in dem Wohnzimmer der Familie Heinz, sprach mit den Rnwcsenden von dem Brande und von anderen Tages- neuigkciten, da ging die Ladenklingel, und eine Stimme, die mein Herz rascher Klopfen machte, sagte: „Guten Rbend, Herr Heinz, ich möchte für morgen zehn Pfund Seife bestellen, und dann geben Sie mir auch noch einen Liter Petroleum!" „Rch, das ist ja die Lina," rief Frau Heinz, ließ das Messer, mit dem sie Gurken schälte, fallen und riß die Tür auf, die zum Laden führte. „Guten Rbend, Lina," rief sie dann hinaus, „kommen Sie doch einen Rugenblick zu uns herein!" Freundlich grüßend trat das Mädchen ein. Lina war genau so gekleidet wie am vorausgegangenen Tage, und mir war cs, als ob mit ihrem Eintritt in das Zimmer dieses sofort an Helligkeit gewonnen habe. Ich wurde vorgestellt, unbefangen reichte mir das Mädchen die Hand und sagte: „Sie haben gestern abend so schön geholfen, die Frau Erlewcin 290 aus dem brennenden Hause zu bringen, aber nachher sind Sie so schnell verschwunden gewesen." Als weitgereister Musikant war ich sonst im Verkehr mit Menschen nicht verlegen, und wenn man drei Jahre bei dem Militär gestanden hat und sogar anderen vorgesetzt war, so ist man nicht mehr blöde und schüchtern, vor diesem Mädchen aber war ich mit einem Male so verlegen wie ein eben konfirmierter Junge, der plötzlich in eine Gesellschaft von Mädchen eintritt, die einige Jahre älter sind als er. Ich stotterte etwas davon, daß ich wieder an meiner Spritze hatte helfen wollen. hin und her ging das Gespräch, es drehte sich hauptsächlich um den Brand in der Gerbergasse, der so groß war wie keiner mehr in der Stadt seit Menschengedenken, Ullerhand Mutmaßungen über seine Entstehung wurden laut. Kinder, so sagte man, hätten in einem Schuppen, der mit Lohe angefüllt war, mit Streichhölzern gespielt, vann hieß es wieder, von einer Schlosserwerkstatt in der Schlörgasse seien Funken durch den Schornstein herüber geflogen und hätten bei der großen Trockenheit die Flamme entzündet. Ruch Brandstiftung wurde vermutet. Die Lina erzählte, sie hätte von dem Herrn Sanitätsrat Maurer gehört, die Staatsanwaltschaft zu Koblenz habe sich bereits mit der Sache befaßt, man vermute, daß ein ungeratener Junge, der seither seinen Lehrern schon große Schwierigkeiten gemacht habe, das Feuer angcsteckt habe. Ich will aber gleich hier bemerken, daß dieses Gerücht sich hinterher nicht bewahrheitet hat, die Ursache des Brandes ist bis heute noch nicht ermittelt und wird nun auch nicht mehr an das Tageslicht kommen. Mährend wir sprachen, ging draußen beständig die Ladenklingel. Lebhaft wurde ich an das Haus des Krämers Lippert in Ruppertsecken erinnert, wo ich so manchen Übend mit Marie in der Stube hinter dem Laden gesessen hatte. Uber nur mit Unbehagen konnte ich an diese Stunde denken,' ich hätte etwas darum gegeben, wenn ich sie aus meiner Erinnerung hätte wegstreichen können. Ich fing an, das Mädchen, mit dem ich hier zusammen saß, mit Marie Lippert zu vergleichen. Melch ein Unterschied! Marie, die haltlose, leichtsinnige und charakterlose Person, die nur auf ihr derbes Vergnügen bedacht war, und hier das stille, ruhige, klare Mädchen mit der wohllautenden Stimme und der Freundlichkeit, die von ihrem ganzen Mesen ausstrahlte. In Kreuznach gebraucht man, um die Unterhaltung zu bezeichnen, die Nachbarn, Freunde, Bekannte und verwandte abends nach getaner Urbeit in Ruhe und Behaglichkeit miteinander führen, einen sonst nur noch im Hunsrück gebräuchlichen Uusdruck. Man sagt, wenn jemand abends zu einer derartigen Unterhaltung geht: er geht ,,maien" und man spricht dabei das a langgedehnt aus. Ich hatte schon früher von Pfarrer Weber in Marienthal die Erzählungen zu lesen bekommen, die der Sobernheimer Superintendent Wilhelm Gerte! — in seinen Schriften nennt er sich w. ©. von Horn unter dem Titel ,,Uus der Maje" herausgegeben hat. wie dieser Uusdruck entstanden ist, weiß ich nicht, ich vermute, daß er daher rührt, daß man im Hunsrück jedesmal, sobald der Mai gekommen war, abends, wenn man mit der Urbeit fertig war, anfing, an den Haustüren beieinander zu stehen. Dort bei Kaspar Heinz war die richtige „Maje", wie sie nur unter Menschen zustande kommen kann, die friedlich und freundlich einander zugetan sind. Krakehler, Lügner und Prahlhänse taugen nicht für eine „Maje". Eine halbe Stunde mochten wir miteinander geredet haben, da sprang Lina auf und sagte: ,,Uch, ich verschwätze ja die ganze Zeit, und es ist niemand bei uns zu Hause. Der Herr Sanitätsrat ist auf seiner Praxis, die Frau Sanitätsrat ist im Konzert, und unsere Köchin besucht eine Frau, die aus ihrem Drte gebürtig ist, und wenn jemand früher nach Hause kommt, als er vor hatte, so steht er vor der Tür und kann nicht hinein." Rasch war Lina draußen auf der Straße. „Tin braves Mädchen ist die Lina," sagte Frau Mach- mer, „sie ist schon sechs Jahre bei der Frau Sanitätsrat, und die Herrschaft hat sie sehr gern, weil sie so ruhig und freundlich ist. Und immer ist sie so schön angezogen, obgleich sie jeden Monat Geld auf die Sparkasse träA." Ich dachte an Marie Lippert, von der ich genau wußte, daß sie sich nie einen Pfennig gespart hatte, alles wurde von ihr an den puh und Staat gehängt, und doch war sie nichts weniger als gefällig gekleidet. Ich tat so, als ob mich das, was über Lina gesagt wurde, nicht im mindesten interessiere. Indem ich in die Zeitung, die auf dem Tische lag, sah, fragte ich so ganz nebenhin: „Ist das Mädchen aus der hiesigen Gegend?" „Ja, sie ist drüben im hessischen, in Fürfeld, zu Hause," gab Frau Machmer mir zur Untwort. „Sie hat noch sechs Geschwister, ihr Vater, der Philipp Landau, ist ein wohl- stehender Mann, aber, wenn das vermögen in sieben Teile geteilt wird, kommt auf jedes Kind nicht viel." Run hatte ich heraus, wie das Mädchen hieß und woher sie stammte. Sie war also auch aus der Pfalz, wenn auch nicht aus der bayerischen, so doch aus der hessischen Pfalz. Ihr Geburtsort war mir dem Namen nach wohlbekannt, er war ungefähr vier Stunden von Ruppertsecken entfernt. Line leise Befürchtung stieg in mir auf. Ein so freundliches, tüchtiges Mädchen, das jeden Monat Geld auf die Sparkasse trug, so dachte ich, hat gewiß Freier genug, und es wird ihr gewiß nicht an Bewerbern fehlen. Indem ich das Zeitungsblatt umdrehte und auf der letzten Seite scheinbar etwas suchte, sagte ich so ganz geringschätzig: „Die hat gewiß schon so einen, der mit ihr geht?" „Davon weiß ich nichts," sagte Frau Machmer, „die Lina ist sehr stolz, die lacht und spricht nicht mit jedem, der ihr auf der Straße begegnet. Im vorigen Jahre war da ein Schreiber vom Steueramte, der ist ihr auf Schritt und Tritt nachgegangen. Sie war auch zuerst gar nicht unfreundlich gegen ihn. lvie aber Fastnacht kam, da hat der Schreiber sich als Tlown verkleidet und wollte in das Haus des Herrn Sanitätsrates, sogar in die Küche, wo Lina mit der Köchin war, hinein. Me sie ihn in seiner närrischen Kleidung sah, wollte sie von ihm nichts mehr wissen. Das war auch gut für sie: denn der Schreiber war, wie sich bald darnach herausstellte, ein leichtsinniger Mensch. Er spielte in den Wirtschaften den Großmogul und verschwand dann unter Hinterlassung vieler Schulden." Ich atmete ordentlich auf, als ich das hörte. Ich glaube, wenn mir an diesem Übend jemand gesagt hätte, Lina Landau habe bereits einen Bräutigam, ich wäre ganz verzweifelt gewesen. von da begann für mich eine unruhig-glückliche Zeit. Ulle meine Gedanken waren auf das Mädchen gerichtet. Wenn ich abends um 6 Uhr vom Konzerte nach Hause kam, so schaute ich fast ununterbrochen zum Fenster hinaus, um sie vielleicht zu sehen. Glücklich war ich, wenn ich sie nur von weitem mit ihrem freien und leichten Gang vorübergehen sah. Gft auch traf ich sie bei den Familien Machmer und Heinz, an die ich mich immer mehr angeschlossen hatte. Einmal sogar gingen wir alle zusammen, die wir eine „Maje" 291 bildeten, wie wir im Scherze gern sagten, nach Heddesheim spazieren. Es war ein wundervoller Sommertag. Geschnittenes Getreide lag auf den Feldern, als wir die höhe, die man den „hungrigen Wolf" nennt, hinaufgingen, von dort hatten wir eine weile klussicht, nach Westen über das angrenzende rheinhessische Gebiet, nach Osten über den Hunsrück und das vor ihm liegende ebene Gelände. Sn Heddesheim Kehrten wir ein und gingen auf dem Rückwege dem Lauf des munteren Gul- dcnbachs nach, der durch wiesen nach dem Dorf Bretzenheim fließt und sich dort in die Nahe ergießt. Dort trat uns eine interessante Sehenswürdigkeit entgegen. Tine Viertelstunde oberhalb von Bretzenheim liegt die sogenannte „Eremitage", eine Einsiedelei, wie man sie selten in Deutschland noch zu sehen bekommt. Sn einen roten Sandsteinfelsen sind mehrere Räume gebrochen, die Türen und kleine Fensterluken haben, sogar eine kleine Rapelle ist in den Felsen gehauen, und Stufen führen zu der ganzen absonderlichen Behausung empor. Dort hat früher stets ein Einsiedler gewohnt, der letzte von ihnen ist durch die französische Revolution vertrieben worden. Eine feste Gesundheit müssen diese Männer gehabt haben, sonst hätten sie es in den kalten, modrigen, feuchten Räumen nicht so lange aushalten können. Sch weiß, daß Lina, als wir gemeinsam diese höhlen besichtigten, schaudernd sagte: „hier wäre es mir zum wohnen doch zu kalt gewesen." Dieser Dang im schönen, fruchtbaren Sommer durch das herrliche Land ist mir für immer unvergeßlich. Damals war ich so recht von Herzen froh. wenn ich abends um 10 Uhr vom Ronzerte nach Hause kam, so ging ich stets noch einigemale vor dem Hause der Herrn Sanitütsrates Maurer auf und ab und schaute hinauf nach den Fenstern des stattlichen Gebäudes. Das waren selige Stunden in der lauen Sommernacht, wenn es so still auf den Straßen war, daß man den Fußtritt eines vorübergehenden noch lange Zeit auf dem Pflaster widerhallen hörte, hoch am Himmel standen die Sterne, zuweilen auch zogen Gewitterwolken über die Stadt dahin, und ununterbrochen flammte das wetterleuchten auf. Der Duft des auf dem Felde liegenden, geschnittenen Rornes wurde vom leisen winde herzugctragen, ab und zu hörte man aus der Ferne das Rollen eines Eisenbahnzuges, und irgend ein Hofhund knurrte und bellte durch die Nacht. Nie bekam ich etwas von Lina zu sehen, wenn ich so einsam auf dem Pflaster auf und ab schritt, sie aber in meiner Nähe zu wissen, war mir Glück genug. (Fortsetzung folgt.) Unsern gefallenen Helden. Vieltausend Helden sind gefallen - Still, deutsches Herz, Und laß kein Rlagelied erschallen. Schau himmelwärts! Schwert nahmen sie in beide Hände Und brachen Bahn In heil'gem Grimm bis an das Ende Ruf grünem plan. Sie gingen heim im Rugelregen, Der treu sie fand,' Rur ihrem Blut sprießt reicher Segen Fürs Vaterland. Sie zählen zu den Heldenscharen Im ew'gen Licht: Sie haben selig Los erfahren — Herz, Klage nicht! —i. Kleine Mitleilungen. In den nächsten Tagen nehmen wiederum die Ronfir- mandenvereinigungen ihren Rnfang. Die konfirmierte männliche Jugend der Lukasgemeinde versammelt sich zum ersten Riale nächsten Sonntag, abends V 28 Uhr, die konfirmierte weibliche Fugend derselben Gemeinde hat ihre erste Vereinigung Sonntag, den > 8 . Oktober, ebenfalls abends '/$ Uhr. Die Ronfirmandenoereinigungen sind dazu eingerichtet worden, daß die Fugend untereinander und mit ihrem Seelsorger in Verbindung bleibt. Fedesmal wird ein belehrender, allgemein interessierender Vortrag gehalten, daran schließen sich in der Regel Spiele, wozu Schach, Damenbrett, Domino und andere Geräte vorhanden sind. Die Eltern werden gebeten, ihre Rinder zu diesen Veranstaltungen zu schicken. Der Ronfirmandenunterricht nimmt in allen Gemeinden Montag, den 12. Oktober, seinen Rnfang und zwar für die Rnaben um 3, für die Mädchen um 4V« Uhr. In der letzten Zeit waren wiederholt erhebliche und sehr begründete Rlagen darüber in die Geffentlichkeit gedrungen, daß für den Rriegssanitätsdienst zahlreiche freiwillige „Helferinnen" herangezogen würden, deren fachliche Rusbildung doch naturgemäß nicht entfernt mit der Schritt halten kann, die sich diejenigen Frauen und Töchter unseres Volkes angeeignet haben, welche um des Erwerbs oder um ihrer religiösen Liebeshingabe willen die Rrankenpflege als Lebens- bcruf ergriffen haben. Es wurde denn auch dankbar begrüßt, daß der stellvertretende Militärinspekteur der freiwilligen Rrankenpflege vor kurzem eine Rnordnung gab, wonach „künftig zuerst die bereits im Frieden zur Unterstützung des Rriegs-Sanitätsdienstes zugelassenen, staatlich anerkannten Schwestern (Rote-Rreuz-Schwestern, Diakonissen und Ordensschwestern) angenommen werden sollen, dann die übrigen staatlich anerkannten Vollschwestern, auch die sogenannten „freien" Schwestern, soweit sie sich dazu eignen, und erst wenn solche nicht vorhanden sind, Hilfsschwestern, ausnahmsweise auch Helferinnen. Die zur Rusbildung angenommenen Helferinnen werden darauf verwiesen, daß sie auch außerhalb der freiwilligen Rranken- pflegc verschiedene Tätigkeitszweige (Säuglings- und Rinderfürsorge, Ivöchnerinnenpflege, Gemeindepflege, Rrllppelfllr- sorge usw.) ergreifen können, die dazu dienen, die Not und das Elend der Rriegszeit zu lindern. Die gleichen Grundsätze haben auch für die Rnnahme von Pflegern und Rranken- trägern Geltung." — Erfahrungen der jüngsten Zeit haben gezeigt, daß dieser Erlaß noch immer nicht überall die gewünschte Beachtung findet. Es harren auch jetzt noch zahlreiche Vollschwestern, die seit Fahren in großen, staatlich anerkannten Rliniken und Rrankenhäusern ihres schweren, gediegene Renntnisse fordernden Rmtes auf Grund eingehender Prüfungen walten, der Einberufung zum Rriegssanitätsdienst. Statt dessen müssen sie - oft mit einem nur zu begreiflichen Gefühl aufsleigender Bitternis - - Zusehen, wie an ihrer Stelle junge Damen und Mädchen mit recht laienhafter Vorbildung bevorzugt werden, die überdies für die behandelnden Rerzte zumeist eher ein Hindernis, als wirkliche Hilfe bedeuten. Zudem besteht bei unseren verwundeten die entschiedene Rb- neigung, sich von allzu jungen und nur flüchtig ausgebildeten Mädchen pflegen zu lassen. Sie sagen: Das gehört sich nicht, daß diese Mädchen in die Militärlazarette gehen und erst recht nicht, daß sie im Gperationssaal helfen. Ruch aus diesem Grunde ist der mitgeteilte Erlaß sehr zu begrüßen. 292 Worte zum Nachdenken in der Ariegszeit. Nichts befestigt die Seele inmitten der Unruhen, der Ltiume dieses Lebens so sehr, als wenn man über dieselben hinausblickt, aufwärts, auf die feste kfand unseres Gottes, welche alles lenkt und regiert, und auf das herrliche Ende, zu welchem sie uns führt. Kirchliche Anzeigen. 5onntag,den 11. Oktober, 18. nach Trinitatis. In -er Stadtlirche. vormittags 9 x h Uhr: Pfarrer 5 chwabe. Feierliche Eröffnung des Uonfirmandenunterrichts für die Uinder aus der Markus- und Militärgemeinde, vormittags N Uhr: Uinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer 5 ch w a b e. Ubends 5 Uhr: Pfarrer E). Schlosser. Feierliche Eröffnung des Uonfirmandenunterrichts für die Uinder der Matthäusgemeinde. Dienstag, IZ. Oktober, abends 8 Uhr, Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. Die Vereinigung der männl. Jugend der Markusgemeinde ist mit dem Ivartburg-verein verbunden. Uächstkünftigen Sonntag findet im Ubendgottesdienst Deichte und heil. Ubendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam statt. Unmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. In der Johanneskirche. vormittags 9V- Uhr: Pfarrer Uusfeld. Feierliche Eröffnung des Uonfirmandenunterrichts für die Uinder aus der Johannesgemeinde, vormittags I l Uhr: UinderKirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Uusfeld. Ubends 5 Uhr: Pfarrer Dechtolsheimer. Feierliche Eröffnung des Uonfirmandenunterrichts für die Uinder aus der Lukasgemeinde. Ubends 7V-Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde im Lukassaal. Ubends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal. Mittwoch, den l 4. Oktober, abends 8 Uhr: Uriegsbetstunde. Pfarrer Dechtolsheimer. Freitag, den 1b. Oktober, abends 1 / 2 6 Uhr bis V-8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde im Johannesfaal. Die Vereinigung der männlichen Jugend beginnt Sonntag, den 18. Oktober. Uächstkünftigen Sonntag, den 18. Oktober, findet im Ubendgottesdienst Deichte und heiliges Ubendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde gemeinsam statt. Unmeldungen dazu werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. [ Ankündig urigen empfel hlenswertei r Firmen j j$rör. Teipel! E = 16 Markt 16 = < < vorteilhastevezugsquelle ) \ ^r J < Ztrumpswaren und t ( Unterzeuge. Wäsche \ > Uinder Ausstattungen \ { cn gras KOffCttS cn detail ) ^Fili^ale: Frankfurter Strahe. ^ Ruöolf Richter ( Bietzen, Marktstratze 24—26 £ hüte und Mützen Reichhaltige Auswahl. BilligePreise ^ :: Rabattmarken. Reparaturen :: y Carl Loos rchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren erren- u. Knabenkleider Geschw. Holberg Nach!. 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