Nr. 33. Gieszen, 12. Sonntag nach Trinitatis, 30. August 1914. 3. Jahrgang. ven Zurückgebliebenen. Psalm 55, 23. wirs dein Anliegen ans den ^erm; der wird dich versorgen und wird den Gerechten nicht ewiglich in Unriche lassen. Die ersten Siegesnachrichten sind jetzt zu UNS gelangt, gleichzeitig aber senkt sich die Schwere des Schicksals drückend auf Volk und Familien: denn nun kommen auch die Verlustlisten und die Anzeigen von dem Tode rüstiger, tapferer Männer, die auf dem Felde der Ehre gefallen sind. Schwere Sorgen liegen jetzt auf allen, die ein liebes Glie.d ihrer Familie haben hinaus in das Feld ziehen lassen, auf den Litern, die seither an tüchtigen, wohl geratenen Söhnen ihre Freude fanden, auf den jungen Frauen, die an ihren Ehemännern seither treue Lebensgefährten hatten und nun wieder in das Elternhaus zurllckgekehrt sind, auch auf den Kindern, die jetzt nur der Obhut der Mutter befohlen sind. Für alle diese Bekümmerten schließt unser Gotteswort reichen Trost in sich. Es mahnt zunächst: wirf dein Anliegen auf den Herrn. Unser Anliegen, das ist unsere Sorge, unsere Last. Der Prophet redet hier in einem Bilde, lvie das Kind, das auf einem weiten Mege eine Last trägt, diese, sobald es müde geworden ist, auf die Schulter des viel stärkeren, mit ihm wandernden Vaters legt, so sollen und dürfen alle Mühseligen und Beladenen mit ihrer Last zu dem Vater im Himmel kommen: denn er wird sie versorgen und wird den Gerechten — das ist in der Sprache des Ulten Testamentes stets der Fromme — nicht ewiglich in Unruhe lassen. Durch den Krieg, der über uns gekommen ist, ist eine ganze Menge menschlicher Ordnungen außer Geltung gekommen, Gottes Ordnungen aber stehen fest, nach wie vor. Uoch ist Gottes Liebe da, noch besteht seine Treue. Mir in der Heimat und unsere Lieben im Lande des Feindes, wir stehen in Gottes Hand: ob auch Tod und Hölle dräut, wir sind des Herrn in Ewigkeit. Es kann uns nichts geschehen, als was Gott für uns bestimmt hat, und was uns nach seinem Ratschlüsse widerfährt, das dient zu unserer Seligkeit. Es kommt alles aus seiner Hand, Leben und Tod, Glück und Leid. Rn vielen deutschen Männern, die jetzt noch in Rüstigkeit unter uns leben, hat sich vor 44 Fahren im Gewühl der Feldschlacht das Mort des psalmisten erfüllt: Gb tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so soll es doch dich nicht treffen, viele ihrer Altersgenossen aber hat mitten im Frieden, in der Heimat der Tod ereilt, oder viel Schlimmeres als der Tod ist über sie gekommen. Alle die, die jetzt bekümmert sind, sollen auf den Heiland Hinschauen. Er hat gesagt, daß kein Haar von unserem Haupte fällt ohne den Millen Gottes, und in der größten Not, als seine Feinde Hand an ihn legten, sprach er mit starker Zuversicht es aus, daß sein Vater, wenn er ihn darum bitten würde, ihm mehr als zehntausend Legionen Engel zur Hilfe schicken würde. Unser Vaterland ist jetzt in der größten Gefahr. Unterliegen wir, was Gott verhüte, so werden unsere Gegner uns so zu Boden treten, unsere heiligsten Empfindungen so sehr verletzen und uns finanziell so sehr belasten, daß uns nicht viele frohe Tage mehr geschenkt sind. Mo so Große; auf dem Spiele steht, darf der Einzelne sein Recht auf Glück nicht mehr geltend machen. Höher als das Lebensglück des Einzelnen, höher auch als sein Familienglllck steht jetzt das Vaterland, steht die Allgemeinheit, und Treue bis an den Tod ist in diesen kriegerischen Zeitläuften die Tugend, die am meisten Geltung hat. Mer für sein Vaterland kämpft, leidet und stirbt, der ist der höchsten Ehre würdig, der erfüllt auch eine wahrhaft religiöse Pflicht. Mie der Heiland sein Leben für viele in den martervollen Tod dahingegeben hat, so ist auch der Tod aller derer, die für das Vaterland ihr Leben lassen, ein Gpfertod und deshalb ein guter Tod. Nicht alle, die in friedlichen Zeiten, im Kreise der Ihren sterben, sterben einen guten Tod. Mer in seiner Gottlosigkeit und in seinen Sünden dahinfährt, wer von der Erde scheidet, ohne anderen Menschen Liebe erwiesen und für sie Segen gestiftet zu haben, der ist wahrlich nicht glücklich zu preisen, wo aber ein Mann den Heldentod stirbt im Glauben an seinen Erlöser und Seligmacher Jesus, wie jener General von Gersdorff, der bei Sedan sterbend vom Pferde sank und das Mort aus dem Passionsliede betete: wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, da wollen wir über ein solches Hinscheiden nicht jammern und klagen, sondern still die Hände falten und sprechen: Die Seele ruht in Jesu Armen, wer so stirbt, der stirbt wohl. H. B. 254 vom Guftav-Adols-Verein. Vorbemerkung. Vas Iahresseft des Dietzener Zweigvereins sollte am 2. August in Kllendorf a. 6. Lahn gehalten werden. Oie Ausführung dieses planes wurde durch den Kriegsausbruch vereitelt. Damit die lieben Allendörfer von ihrem Feste, dem sie mit so großer Teilnahme entgegensahen, wenigstens etwas haben, möge hier ein Teil des Jahresberichts, den zu erstatten Aufgabe des Schriftführers war, folgen. Werte evangelische Glaubensgenossen! Wir leben jetzt bekanntlich in der Zeit der Ausstellungen, haben wir doch eine solche dieses Jahr in unsrer unmittelbaren Bähe, in Dießen, zu sehen Gelegenheit bekommen, und die meisten von uns haben sich wohl an dem dort Gebotenen erfreut, umsomehr, da sie den Zweck hatte, den Stand der Leistungen unsres oberhessischen Gewerbes einmal der Geffentlichkeit vorzuführen, und diese Absicht auf die beste Weise gelungen ist. ändere Busstellungen dienen anderen Zwecken. So haben die meisten von uns wohl auch schon von der Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik gehört, die diesen Sommer in Leipzig stattfindet und wohl alles zusammengebracht hat, was die Schreib- und Zeichenkunst Bemerkenswertes hervorgebracht hat. Vieser Orang der Schaustellun- gen ist erst vom Boden des neuzeitlichen Verkehrs aus zu verstehen, der es mit sich bringt, daß jeder einzelne seine besonderen Leistungen der Geffentlichkeit zu empfehlen trachtet. Diesem Drang nach öffentlicher Empfehlung kann sich schlechterdings kein Unternehmen mehr entziehen, von welcher Urt es nun auch sein mag, selbst diejenigen nicht, die nicht dem Erwerbsleben, sondern der pflege des religiösen Lebens dienen. Den Beweis für diese Behauptung haben wir ja voriges Jahr ebenfalls in unsrer unmittelbaren Nähe in der Nissions- aurstellung gesehen. Dementsprechend ist auch der Gustav- Bdolf-Verein auf der genannten Busstellung in Leipzig vertreten, und wir können e; bedauern, daß wir das, was er dort vorbringt, heute nicht hier vor uns haben und eingehend betrachten können. Es würde uns einen besseren Einblick in die Bestrebungen und Leistungen dieses Vereins geben, als es tausend mündliche Beschreibungen tun können. Da stehen in erster Beihe eine Zahl von Bbbildungen solcher Bauten, deren Errichtung der G.-B.-v. sein besonderes Bemühen zugewendet hat, nämlich von Kirchen und Pfarrhäusern. Da ist ein geschmackvoller Bau abgebildet, die evangelische Kirche in Windhuk, der Hauptstadt unsrer Kolonie Südwestafrika, ferner da; Pfarrhaus zu Jerusalem. Weiter sieht man eine Schule in dem Urwald von Brasilien, der im Begriff ist, durch den Fleiß unsrer deutschen Kolonisten in Kulturland umgewandelt zu werden. Ein weiterer bildlicher Gruß lenkt unsre Blicke nach dem noch heute im Vordergrund des politischen Interesses stehenden Balkan und zwar in der Gestalt des deutsch-evangelischen Diakonissenhauses in Bukarest, der Hauptstadt Kumäniens. Und endlich sehen wir den lieblichen Innenraum der evangelischen Kirche zu Smyrna in Kleinasien, dem die Liebe und die Sorgfalt unsrer Frauenvereine sein behagliches Bussehen gegeben haben. von Landkarten ist nicht jeder ein Freund, weil es nicht ganz leicht ist, sich darauf zurechtzufinden. Uber wenn wir im Manöver die Gffiziere sehen, die doch fremd in der Gegend sind und sich doch so sicher im Gelände auskennen, als wären sie hier geboren, dann bekommen wir doch eine hohe Meinung von dem Werte der Landkarten. Diese macht sich auch der Gustav-Udolf-Verein zunutze. Er zeigt, wie er in allen Teilen der Erde mit Uusnahme von Uustralien Brbeitsge- biclc hat, um evangelischen Glaubensleben zum Dasein zu verhelfen und die Wege zu bahnen. Gegenwärtig sind es 2255 im Entstehen begriffene sog. Viasporagemeinden, die auf seine Fürsorge angewiesen sind, von diesen sind etwa 1200 auf die katholischen Gebiete des deutschen Beicher zerstreut, die übrigen auf das Uusland. Seit 1898 wird aber die Zahl der letzteren im allgemeinen Verhältnis immer größer. Dieses ist bekanntlich das Geburtsjahr der österreichischen Los-oon- Bom-Bewegung, und so beansprucht auch dieser Nachbarstaat einen immer steigenden Prozentsatz. Wenn wir z. B. die Lumme alles dessen nehmen, was der G.-U.-v. seit seinem Unfang in 82 Jahren verwandt hat, nämlich 58 460 574 Mk., so kommen auf das deutsche Beich 56 Proz., auf Gesterreich- Ungarn 52 Proz., das übrige Uusland 10 proz. Dagegen für das Jahr 1912, in dem im ganzen 1 889 475 Mk. auf die Unterstützung evangelischer Gemeinden in der Diaspora verwandt worden sind, gestaltet sich das Verhältnis folgendermaßen: Deutschland 49 Proz., Gesterreich-Ungarn 56 Proz., das übrige 15 Proz. Ullerdings müssen wir auch feststellen, daß die evangelische Bevölkerung unseres Bundesgenossen selbst 115 000 Mk. von der Lumme aufbringt, die ihr der G.-U.-v. zuwendet. Wir freuen uns dieses Lachverhalts, weil er zeigt, daß man dort das verlangen trägt, aus der Stellung des ausschließlichen Empfängers herauszukommen und auf eigenen Füßen zu stehen. Das Bild der evangelischen Kirche zu Windhuk, das wir vorhin erwähnten, trägt ein Schild, auf dem steht folgende Ungabe: Der G.-U.-v. unterstützte von 1852—1912 2729 Kirch-, Bethaus- und Turmbauten, davon 852 in Gesterreich- Ungarn, 506 im übrigen Uuslande. Das Bild des Jerusalemer Pfarrhauses trägt den vermerk: 1070 Pfarrhäuser verdanken dem G.-U.-v. ihre Entstehung, davon 298 in Gesterreich-Ungarn, 71 in anderen Ländern. Bei den 1055 Schulen kommt unser Nachbarstaat mit 464 weg. Das Gesamtbild ist ein erfreuliches. Uber schon seit Jahren wartet der G.-U.-v. mit Sehnsucht daraus, daß die zweite Million seiner Verwendung voll werde, ohne jedoch bisher zum Ziel gekommen zu sein. Wer hilft sie voll machen? K.G. Griechische Reisen und Sommerfrischen. von Geh. Dberkonsistorialrat D. W. petersen in Darmstadt. (Schluß.) Einige Passagiere stiegen ein, dann wurde weiter gedampft und gegen 4 Uhr erreichten wir den hafenort Leonidhi in einer grünen Strandebene mit vielen Windmühlen und schönem Berghintergrund. Dann steuerten wir hinüber nach Uau- plia, das wir um 8 Uhr erreichten. Unsere beiden Schwer- KranKen hatten genug der Seefahrt und wollten den nächsten Tag zu Lande weiter. Wir setzten uns auf dem Marktplatz von Uauplia zum letzten gemeinsamen Mahle nieder und machten die angenehme Entdeckung, daß uns „die bereit vorgelegten Speisen" noch schmeckten. Die Seefahrer gingen dann wieder an Lord, und als wir am nächsten Morgen erwachten, lagen wir gerade vor Theli, dem allen halike, einem hafenort der alten Halbinsel hermione. Wir stiegen auf das verdeck und genossen bei herrlichstem Wetter den Best der Fahrt. Zuerst schrägten wir über den Sund hinüber nach Spezzia, im Blter- tum Pithpuse, die zusammen mit Hydra zur Zeit des griechischen Befreiungskriege; Bedeutendes geleistet hat. Spezzia liegt freundlich auf flacher Insel. Bnsehnlich ist Hydra, das wir später anliefen. Die ganze Stadt mit ihren schneeweißen, malerisch am Bergabhang sich aufbauenden Häusern am engen 255 Hafen hat die Form eines weitzen, seitlich offenen Trichters. Man zeigte uns die Häuser der alten in den Freiheitskriegen ausgezeichneten Familien. Huf den höhen stehen freundliche, weiße Klöster. Wilhelm Müllers „Kleiner hydriot" hat den Namen der Insel auch in der deutschen Literatur eingebürgert, von Interesse ist, daß die Bewohner dieser Inseln und der gegenüberliegenden Küsten nicht Griechen, sondern Libanesen sind. Im 15. und 16. Jahrhundert bevölkerten vor den Türken flüchtende Rlbanesen diese Inseln. Sie waren die kühnsten Seefahrer der Levante, beherrschten die Küstenschiffahrt des ganzen östlichen Mittelmeerbeckens und des Schwarzen Meeres und waren infolgedessen sehr wohlhabend. Sie haben sich im griechischen Befreiungskrieg, an dem sie leidenschaftlich teil- nahmen, fast verblutet, d.h. Blut und Gut geopfert. Ihre Handelsschiffe verwandelten sie in Kriegsschiffe, trugen den Rufstand über den ganzen Rrchipel und fügten durch ihre Beweglichkeit, wie durch die Tollkühnheit ihrer Rngriffe der türkischen Flotte ungeheuren Schaden zu. von Hydra aus schrägten wir wieder hinüber nach dem gegenüberliegenden Festland, umfuhren das Vorgebirge Skyli (im Rltertum Skyllaion) und liefen in den Sund von poros ein. Die Stadt liegt auf einer dem Festland zugekehrten Landzunge, ihre Befestigungen sind von bayerischen Offizieren erbaut. Vas Innere der Insel ist mit einer Zitronenwaldung bedeckt, die etwa 50 000 Stämme zählen soll. Meilenweit entfernt kann man auf dem Meer an dem feinen Duft die Nähe von poros wittern. Im Innern der Insel stand im Rltertum ein Tempel des Poseidon, in dem der vor den mazedonischen Häschern fliehende Demosthenes sich durch Gift den Tod gab. von poru; fuhr unser Schiff um die Insel herum nach der Halbinsel Methana, vulkanischen Tharakters, die nur durch eine schmale Landenge mit dem peloponnesischen Festland zusammenhängt und mit ihren hohen kühn geformten Kuppen äußerst charakteristisch aussieht. Ihrer vulkanischen Natur verdankt Methana zwei Schwefelquellen, die bereits im Rlter- tum benutzt wurden und noch heute stark besucht werden, vom Dampfer aus sahen wir die Badegäste mit Sonnenschirmen am Strande warten. Nunmehr kehrten wir dem Peloponnes vollends den Rücken, schrägten hinüber nach der bereits zu Rttika gerechneten Insel Regina und fuhren von dort an Salamis vorbei, dem Piräus zu. Die Eisenbahn trug uns nach Rthen, wo wir um 5 Uhr anlangten. Mit meiner erborgten Reisemütze und einem einen Zentimeter langen Bart fürchtete ich das attische Salz der veilchenbekränzten Rthener, verbarg mich in einer geschlossenen Droschke und' überzeugte mich, zu Hause angekommen, vor dem Spiegel, daß man von einer Peloponnesreise als „wilder Mann" zurückkehren kann. Lin pfälzischer Musikant. Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. (Fortsetzung.) Zum Osterfeste bekam ich zum ersten Male Urlaub und konnte schon am Gründonnerstage nach Hause reisen. Ueberall auf den Getreidefeldern ragten die grünen Spitzen aus der braunen Erde hervor, und die Frühlingsluft wehte herbkräftig durch das Land. Freundlich wurde ich, als ich im Schmuck der neuen, eigenen Uniform durch Ruppertsecken ging, von den Leuten, die an den Toren standen, begrüßt. Ich fand meine Mutter gesund und wohlauf. Gottfried Keiper schien es mit seiner Heirat doch nicht so gut getroffen zu haben, als er vorher gedacht hatte. Es wurde mir im Dorfe erzählt, er habe zu Hause bleiben und im Laden die Kunden bedienen wollen, da sei ihm aber von seinem Schwiegervater und noch mehr von seiner Schwiegermutter bedeutet worden, daß sie keine Lust hätten, einen Faulenzer zu ernähren. Da hatte Gottfried wieder die Klarinette unter den Rrm genommen und war gesenkten Hauptes abmarschiert. Die Kapelle bereiste in diesem Sommer Schweden und Norwegen. Marie Keiper, wie sie jetzt hieß, habe ich während meines Dsterurlaubes nicht gesehen. Im Sommer wurde bei unseren Uebungen viel Schweiß vergossen, lvir hatten von unserer Kaserne, der Prinz-Karl- Kaserne in der Schillerstraße eine Stunde bis zum „großen Sande", dem Exerzierplätze der Mainzer Garnison zu marschieren, und dort ging es durch heißen Kiefernwald und fußtiefen Sand hindurch. Ivenn das Bataillon zusammen war und wir von der Bruchspitze oder vom Mllllerwäldchen in der Richtung nach dem Rheine marschierten, so wirbelte der Staub haushoch auf, und wenn wir dann auf dem Rückmärsche von der helmspitze bis zur Stiefelsohle mit dem feinen, weißen Belage überdeckt waren, dann ritt der Hauptmann neben uns her und sagte mit gesenktem Haupte und gleichsam im Selbstgespräche: „Frischer Staub schmückt den Krieger, läßt er ihn aber länger als zwei Stunden in seinen Kleidern, so ist er ein Schw . . ." Leicht Uberstand ich alle diese Strapazen, da ich es auf meinen Musikantenfahrten gelernt hatte, meinen Körper an Rnstrengungen zu gewöhnen. Niemals „machte ich ab", wie es in der Soldatensprache heißt, und nicht eine einzige Stunde war ich während meiner Dienstzeit krank. Schon im ersten Dienstjahre wurde ich mit einem Hoboisten meines Regiments, der in unserer Kaserne wohnte, befreundet. Er war wie fast alle Militärmusiker aus dem Musikantenlande Thüringen gebürtig und sprach auch den unverfälschten Thüringer Dialekt. Er erbot sich, mir zu meiner weiteren musikalischen Rusbildung Unterricht im vio- linspiel zu geben. Vas nahm ich gern an, schaffte mir eine Violine an und machte im Geigenspiel rasche Fortschritte. Rasch verging das erste Dienstjahr. Ich hatte mich, weil ich den Dienst rasch begriff und mir nicht; zu Schulden kommen ließ, der Gunst des Hauptmanns zu erfreuen und wurde, als wir aus dem Manöver zurückkamen, zum Gefreiten befördert. Rls im November die Rekruten kamen, wurde ich zum Rusbildungspersonal kommandiert. Nun stand ich den größten Teil des winters hindurch auf dem Kasernenhofe und half, den Rekruten die Fertigkeiten beibringen, die ich ein Jahr zuvor selbst erlernt hatte. Im Spätsommer 1882, als mein zweites vienstjahr beinahe zu Ende war, hatte die hessische Division ihr Manöver in Rheinhessen. Kurz bevor wir ausrückten, war mir, da einer unserer Unteroffiziere krank geworden war, eine Korporal- schast übertragen worden. Das brachte mir Rrbeit genug, ich mußte dafür sorgen, daß meine 20 Mann immer sauber und ordentlich zum Dienst antraten, und hatte auch sonst noch genug zu tun. Es ging auch ganz leidlich, nur einer aus meiner Schar machte mir zu schaffen. Das war ein Ziegelarbeiter aus irgend einem Dorfe bei Mainz, den man als unsicheren heerespflichtigen eingestellt hatte, weil er sich mehrere Jahre hindurch dem Militärdienste entzogen hatte. Mitten im Winter war er uns gebracht worden. Er war ein großer Mensch mit dunklem Vollbarte und einer Habichtsnase und sah entsetzlich unreinlich aus. Seine Lumpen — anders konnte man seine Kleider nicht nennen - wimmelten von Insekten. (Fortsetzung folgt.) 256 — Kleine Mitteilungen. Wenn dieses Blatt in die Hände unserer Leser gelangt, so werden wohl die ersten Verlustlisten, die sich auf Glieder unserer Gemeinden beziehen, erschienen sein! denn unverbürgten Nachrichten zufolge hat die hessische Division in den letzten Tagen im Feuer gestanden. Nlle, die hiervon schmerzlich betroffen werden, mögen erinnert sein an das Wort aus dem Nlten Testamente: (Es ist der Herr, er tue, was ihm wohlgefällt ft- Sam. 5, 18), und an das Wort des Herrn Jesus aus dem Neuen Testamente: Sn der Welt habt ihr Bngst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden sTvang. Ioh. 16, 35). Wenn jemand von der Verwundung oder von dem Tode eines Bekannten früher erfährt als dessen Vnge- hörige, so möge er diesen das schonend mitteilen, oder, wenn er das nicht kann, lieber schweigen und andere bitten, daß sie die schmerzliche Nachricht den Ungehörigen überbringen. Sm übrigen wollen wir als Glieder christlicher Gemeinden jetzt, da Gottes schwere Schickung über uns alle gekommen ist, als ein Volk von Gleichgesinnten zusammenstehen, alle seitherigen Scheidungen fallen lassen und nach dem Worte des Kpostels handeln: So tröstet euch nun untereinander. Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 30. Nugust, 12. nach Trinitatis. Gottesdienst. Zn der Stadtiirche. vormittags 8 Nhr: Pfarrer D. Schlosser. Zugleich Thristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Nlatthäusgemeinde. vormittags 9'/ 2 Uhr: Pfarrer Schwabe. Beichte und heiliges Ubendmahl. Nachmittags 2 Uhr: Ninderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Sn der Johanncsiirche. vormittags 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimsr. Zugleich Thristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde, vormittags 9 1 / 2 Uhr: Pfarrer Nusfeld, vormittags 11 Uhr: Ninderkirche für die Johannesgemeind«. Pfarrer N u s f e l d. Mittwoch, den 2. September. Nbends 8 Uhr: Uriegsbelstunde Pfarrer Nusfeld. f Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ^ Carl BergerNchUnh.Gust.Witlmann Kunst- und Handelsgärtnerei Blumengeschäft Marburg. Str 98 Bahnhofstr.45 Blumen, Kränze und Buketts in reicher Auswahl zu billigsten Preisen. Carl Loos Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider IJ / 2? / Schuhlager, ncn. 1J111171, Neustadt19 Besonders billiger kfehufi - 7/erkauf 15° Io bis SO 0 /o Reparaturen billigst C. Leisler Ww. Neuenweg Ecke Weidengasse MÖBEL-LAGER Lieferung ganzer Ausstattungen :: sowie Einzel-Möbel :: Eigene Polster-Werkstätte Huöolf Richter Gießen, Marktstraße 24—26 Hüte und Mützen Reichhaltige Auswahl. BilligePreise :: Rabattmarken. Reparaturen : Mw.HergUI. Modes Gießen, Plockstraße 5 empfehlen sich in allen in ihr Fach schlagenden Arbeiten. Möbel. Lieferung von bürgerl. Wohnungs- Einrichtungen, sowie sämtlicher Einzelmöbel. Eigene Schreinerei . Gegr. 1832. 0. Zimmermann Neuen Baue 15. 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