Nr. 14. Gießen, Ostern, 12. April 1914. 3. Jahrgang. Ostersonntag. 2. Brief des flpojtels Paulus an Timotheus I, 10. Christus hat dem Tode die Macht genommen und Leben und ein unvergängliches Wesen an das Licht gebracht durch das Evangelium. Jedes unserer hohen Feste hat nach dem Volksglauben seine besondere Stunde, das Christfest die Nlitternachtstunde vom 24. auf den 25. Dezember, in der alles lvasser in den Duellen und Brunnen zu lauter Wein wird, das Osterfest jene Stunde, in der am Ostersonntag die Sonne aufgeht. Frühmorgens, da die Sonn' aufgeht, Mein Heiland Christus ausersteht. Sm vogelsberg gehen vielleicht heute noch, sobald der Morgen tagt, am Ostersonntag die Kinder auf eine naheliegende Unhöhe, um in dem funkelnden Tagesgestirn, das zu zittern scheint, das Lamm Christus Hüpfen zu sehen. Und im Schlitzerland und noch an anderen Orten Hessens geht man stillschweigend und stumm zu heiligen Ouellen und Brunnen, um das Osterwasser zu schöpfen, das nicht verdirbt und für alle Schäden der Uugen so heilsam ist. So setzt unser Volk zu Ostern die ausgehende Sonne mit dem auferstandenen Heiland in Verbindung. tDir wollen noch einen Schritt weiter gehen. Uns soll das am Dstertag aufgehende Tagesgestirn zum Bilde der Gsterwahrheit werden. U)ie ist die Uacht so dunkel, so still. Kein Leben regt sich, kein Vogel singt. Und gerade die Uacht vor Ostern, da jeder die Heimat oder eine ruhige Lagerstätte aufgesucht hat, da keiner mehr auf den Straßen wandelt. So still, so dunkel ist auch das Grab. Uns Menschen bangt vor ihm. Das Leben in uns schreit nach Lebendigem. Der Materialismus, der da spricht: Kein Jenseits gibt's, kein lviederseh'n, der Mensch ist Crde und Staub und Usche, nichts mehr, ist eine trostlose, traurige Lehre. Sie mag diejenigen befriedigen, die die Crkenntnis über alles fetzen, für den gesunden, lebendigen Menschen ist sie nichts. Uber die Uacht vergeht. ll)ie anders ist es am Ostersonntage, wenn die Sonne aufgeht, die Uacht zurückweicht. Uach und nach fangen die Vögel an zu singen. Bald hallt aus der Landstraße der Schritt der Wandernden, die Glocken in den Dörfern fangen an zu läuten. Und wie sie heute klingen, so ist es sonst an den Werktagen nicht. Uoch wird an vielen Orten Gberhessens zum Zeichen, daß es ein hoher Festtag ist, mit allen Glocken geläutet, während sonst am Morgen nur eine Glocke klingt, hier und da tönt Posaunenschall. Lin kleiner Chor Bläser hat sich beim Dorfe auf einen Hügel gestellt, und nun fluten die Töne über das Dorf hin: Christus, der ist mein Leben. Lobe den Herren, den mächtigen König der Chren. Das Leben ist da. Das Cvan- gelium Jesu hat, wie die Sonne der Nacht, so dem Code die Macht genommen und Leben und unvergänglich Wesen an das Licht gebracht. Christus hat den Tod überwunden, das Grab hat ihn nicht behalten. Seine starke Hand wird auch meine Seele nicht im Tode lassen. Lässet auch ein Haupt sein Glied Welches es nicht nach sich zieht? Sch weiß es nicht, wie er mich aus dem Grabe aufwecken wird, fö wenig, wie ich weiß, wie Gott ihn, den Heiland, aus dem Grabe auferweckt hat. Kein Cvangelium, kein biblischer Bericht erzählt davon. Niemand hat es gesehen. Uber trotzdem singe und bekenne ich: Sch lag in tiefer Todesnacht Du wurdest meine Sonne, Die Sonne, die mir zugebracht, Licht, Leben, Freud' und Wonne. G Sonne, die das Helle Licht Des Glaubens in mir zugericht Wie schön sind deine Strahlen! Gr.-L. G. Sch. Zur Geschichte des Dorfes Albach. von Pfarrer G. K o e h l e r - Steinbach. (Fortsetzung.) Cs sei hier noch erwähnt, daß Gerlach Boppius der vierte evangelische Pfarrer von Uöügen war. Der erste war Michael Becker, erwähnt in einem Leihbrief von 1554, der zweite war Heinrich Uepotianus, erwähnt in einem Uktenstück von 1571. Der dritte war Philipp Müller, erwähnt in den Uödger Kirchenkastenrechnungen von 1598—1614. Bopps Nachfolger war Heinrich Pitz, welcher am 2. September 1658, 36 Jahre alt, in sein Umt eingeführt 106 wurde. (Er starb am 3. Juli 1680. Auf ihn folgte am 11. Oktober 1680 Hermann Andreas hoffmann, von Gießen gebürtig, der Pfarrer bis 1742 war. Lr schreibt bei seiner Linführung ins Airchenbuch: „vie hochgelobte Dreifaltigkeit stehe mir bei und führe mich! in diesem Amte". 16YY wurde Albach von Aödgen getrennt und mit Aurk- hardsfelden zu einer Pfarrei vereinigt. Am 5. März 1690 wurde ein eigener Pfarrer in Albach eingefllhrt. Derselbe hieß Philipp Heinrich Pitz. Lr versah in Albach den pfarrerund Schuldienst und kam 1708, um sich zu verbessern, nach Watzenborn. Pitz schreibt im alten Airchenbuche: „Ach bin der erste Pfarrer an diesen beiden Orten gewesen, so sonsten nicht zusammengehörten, sondern Albach bei Aödgen und Aurkhardsfelden zu Großen-Auseck gehöret. Die hochgelobte Dreifaltigkeit stehe mir bei und führe mich in diesem hohen Amte." Pitz wohnte hier in Miete bei Hans Aalser im sogenannten Licher Eck. Die Miete bezahlte das Konsistorium. Die landgräfliche Aegierung wollte hier den Auseckischen Gan- erben zeigen, daß sie in Airchensachen Macht habe, nach ihrem Willen zu verfahren. Deshalb hatte sie die Albacher Pfarrstelle errichtet und deswegen bezahlte sie auch die hausmiete für die von ihr dahier in Albach und Aurkhardsfelden eingesetzten Pfarrer. Aach pitzens Weggang wurde 1708 als Pfarrer zu Albach eingeführt Johann Aartholomap Arämer, gebürtig von Annerod. Lr wurde eingeführt durch Superintendent Aile- feld von Gießen im Aeisein der Pfarrer Müller-Hausen, Auff- Steinbach und Aaiser-Winnerod. Arämer schreibt dazu im alten Airchenbuch: „Der Satan hat aber dabei ziemlich gewütet und die Zuhörer verwirret, daß sie die beiden gewesenen Filiale wollten getrennt und wieder in den alten Stand gesetzt haben, und weil sie auch damals im ganzen Ausecker Tal ihren hals unter dem Joch ihrer hochfürstlichen Durchlaucht von Hessen-Darmstadt wollten gern hervorziehen und seiner Aegierung sich entziehen, so hieß es: der Fürst hätte keine Macht, ihnen einen Pfarrer zu geben, und brachte es auch Johs. Wehrum von Aurkhardsfelden dahin, daß kaum sechs Mann bei der Aufführung waren. Der Herr helfe und stärke mich bei diesem halsstarrigen Volke. Doch ob ich schon wandere im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir!" Arämer war nur ein Jahr in Albach. Auf ihn folgte 1709 Johann Heinrich Loeber von Gießen, der am 26. April 1709 hier in Albach eingeführt wurde. Lr schreibt im alten Airchenbuch: „Dabei habe sich die Widerspenstigkeit dieser Leute gewaltig gezeigt, indem nur etliche Mann von Albach in dasiger Airche gewesen. Der Herr verleihe Weisheit, Araft und Stärke zu führen das Amt des Geistes!" 1718 kam Loeber nach Lchzell in der Wetterau auf die zweite Pfarrstelle, von da ab wurde der pfarrdienst in Albach wieder von Aödgen aus verschon, zunächst nur provisorisch. Warum die Albacher Pfarrstelle einging, steht nicht fest. Pfarrer Hofmann schreibt darüber im Aödger Airchenbuch: „vie Pfarrer zu Albach sind nicht vertrieben, sondern ausgehungert worden." Das scheint zu stimmen; denn 1721 beschwerte sich Johann Heinrich Loeber, Diakon zu Lchzell, wegen Lieferung von Aastengefällen aus den Jahren, wo er zu Aurkhardsfelden und Albach Pfarrer war. vie Albacher fürchteten nämlich, ein Pfarrhaus bauen zu müssen und deshalb betrieben sie mit allen Mitteln die Medervereinigung mit Aödgen. Sie wandten sich auch in einer Lingabe an das Aonsistorium zu Gießen und baten, wieder mit Aödgen vereinigt zu werden, dabei sie über 110 Jahre gewesen. 1735 kam dann Albach wieder endgültig zu Aödgen, und der oben erwähnte Pfarrer hoffmann wurde wieder Pfarrer von Albach. hoffmann hatte viel Streit mit der Gemeinde. So beschwerten sich die Albacher über ihn, daß er unregelmäßig zum Gottesdienst komme: hoffmann entschuldigte sich mit dem weiten Weg durch den Fernenwald. Den Albachern wurde die Verpflichtung auferlegt, von Michaelis bis Ostern ihrem Pfarrer ein Pferd zu stellen, damit er herüberreiten könne. Später wurde diese Verpflichtung durch die Zahlung von 10 Gulden an den Pfarrer von Aödgen abgelöst. Hossmann hatte mit Aücksicht auf sein hohes Alter einen Adjunkten in der Person des Pfarrers Andreas Arück, geboren in Aödgen, woselbst sein Vater Airchensenior war. Arück war Adjunkt hoffmanns von 1717 bis zu dessen im Jahre 1742 erfolgten Tode, von 1742 bis 1750 war er sodann Pfarrer in Aödgen und Albach. Sein Nachfolger war sein Sohn Johann Friedrich Arück von 1750 bis 1785. Ueber seine Linführung schreibt er im alten Airchenbuch: „Anno 1750 den 6. December auf den zweiten Adventssonntag bin ich Johann Friedrich Arück von Ihrer hochwürden Herrn Doctore Aennern und den beiden Herrn Pfarrern Auff und M. Weiterrhausen, Pfarrern zu Steinbach und Großen-Auseck zu Aödgen in der Airche ordiniert worden." Arück starb am 26. Mai 1785. Unter ihm wurde die jetzige Airche erbaut. Sein Nachfolger war sein Sohn Johann Friedrich Arück junior. Lr wurde am 15. p. Trin. 1785 eingeführt. Lr schreibt über seine Linführung: „Am 15ten Sonntag post Trinitatis 1785 bin ich Joh. Friedrich Arück von Herrn Dr. und Supcrint. Aechtold hochwürden und beiden Assistenten, Herrn M. Weiterrhausen von Großenbuseck und Herrn Pfarrer Goebel von Wieseck hier in der Airche zu Aödgen und Albach eingesegnet worden. Zu beiden Pfarreien haben mich 4 Gebrüder Aabenau aus der Mittelburg, von Milchling, von Geismar, von Freudenberg als Pfarrer praesentiert." Arück erreichte ein hohes Alter,' er starb 1829. Sein Sohn Aarl Arück wurde sein Nachfolger, und war Pfarrer zu Aödgen bis zum Jahre 1849. In diesem Jahre kam er nach Airtorf, wo er 1857 starb. Lr war derjenige, der die Lostrennung Albachs von Aödgen und seine Vereinigung mit Steinbach anregte, damit aber bei Pfarrer Ztllckradt in Steinbach auf großen Widerstand stieß, so daß die Angelegenheit bis zum Tode Stückradts ruhte. 1838 kam Albach nach langen Verhandlungen durch den sogenannten Filialaustausch vom 18. Dezember 1837 an Steinbach. Durch Tntschließung des Großherzogs von diesem Tage gingen Albach von Aödgen an Steinbach, Annerod von Hausen an Aödgen und Schiffenberg von Steinbach an Hausen über. Die Albacher psarr- besoldung blieb zunächst bei Aödgen, bis sie 1902/3 an Albach abgegeben wurde. * Ich komme nun zur Geschichte unserer Airche, soweit ich sie aus den vorhandenen Akten feststellen konnte. Denn die alten Airchenkastenrechnungen aus jener Zeit sind nicht in unserem pfarrarchiv. Nur ein Auszug von ihnen ist vorhanden. vie alte Airche, die an Stelle der heutigen stand, wird urkundlich schon 1332 erwähnt. Diese hatte unter den Drangsalen des dreißigjährigen Arieges sehr zu leiden, vie Airch- hofsmauer war eingefallen und zerstört. An der Airche selbst fehlten Türen und Fenster, auch die Aänke und sonstiger Gestühl war von den Soldaten verbrannt worden, vie Altar- bekleidung war verschwunden. Jedenfalls hatten plünderte 107 — Soldaten diese milgehen heißen. Nach und nach wird die Kirche wieder hergeslellt. 1632 wird die Kirchhofsmauer wieder aufgebaut. 1639 werden Glaserarbeiten erwähnt für Fenster ,,in die Kirch zu machen", desgleichen Schreiner- arbeiten für neue Türen. Ebensolche Arbeiten werden 1647 erwähnt. 1648 werden die Glockenstühle neu gemacht von Hans Georg Euler und Hans Brück. 1650 wird neues Gestühl in der Kirche angebracht. Zn der Nechnung von 1650 steht: „Dem Schreiner Johs. Tremern zu Lich 6 fl. geben, daß er die Kirchstühl, so die Krieger verbrannt, von neuem gemacht." (Schluß folgt.) Griechische Erinnerungen. Dritte Folge. von Geh. Gberkonsistorialrat v. W. petersen in varmstadt. (Schluß.) ver Garten des Eharos. Der Eharos plante jüngst und sann, einen Garten sich zu machen. Als Bäume setzt er Mägdelein und Jünglinge als Zypressen, Und all die kleinen Kinderlein als Süßapfelbäumchen. IDollt' Gott sie machten mich zum Handelsmann im Hades, va trüge ich auf meinem Kopf die Körbchen mit Spielsachen, Da trüge ich auf meiner Schulter der jungen Männer Büchsen, Da trüge ich in meinem Gürtel der alten Männer Hippen, Da trüge ich in meinen Taschen der kleinen Kinder Bretzel, Da kämen die Jünglinge wegen der Waffen, die Mädchen wegen der Kleinodien, va kämen auch die Alten, die Hippen sich zu holen, Und all die kleinen Kinderlein, die Bretzel zu erhaschen. Allheilige ich fleh dich an, ich bitt' dich Gottesmutter, Laß mir die Schlüssel sein gereicht, daß ich zum Garten walle. Am Freitag bat ich sie mir aus, am Samstag mein sie wurden. Am Sonntag dann unbänd'gen Muts schloß auf und drang ich ein. Sch seh die Mädchen froh im Tanz, die Jünglinge beim Singen Sch seh die Burschen, den Diskus spielend werfen, Sch seh wie sie die Lagerstatt fürsorglich sich bereiten Die seidncn Decken und die Linnenlaken. Eharos und der Hirte. Drei Tapfre rühmten einst, daß sie Eharos nicht fürchten. Eharos vernahm das irgendwo, ein vöglein täts verraten. Und sieh urplötzlich fuhr er drein, kam übers Feld geritten Wie Blitz des Himmels war sein Aug', seine Färb' wie eitel Feuer, Zwei Bergen gleichen seine Schultern und einer Burg sein Haupt. Er trat hinein und fand sie tafelnd. „Li guten Tag, ihr Edlen, wohl schmecke euch die Mahlzeit!" „Grüß Gott, Herr Eharontes, Sitz nieder, Eharos, iß mit uns, sitz nieder, mit zu tafeln, Sß von der Hasen Schenkel und laß schmecken dir Uebhuhn- brüstchen. Und trinke vom dreijähr'gen Wein, den tapfre Männer trinken!" — „Sch kam fürwahr zum Kosten nicht, noch hier mit euch zu tafeln, Um eure Schönheit kam ich her, die ihr Eharos nicht fürchtet!" Doch keiner redet nun ein Wort, kein Einz'ger gab ihm Antwort, Uur einer Witwe einz'ger Sohn, den man den Janis nannte, Sprach: „Eharos, laßt zusammen uns gleich in die Wette springen, Auf unsrer Marmortenne! —" Der Jüngling sprang, der Jüngling sprang wohl an die vierzig Ellenz Doch auch der Eharos sprang und sprang wohl an die fünfundvierzig, Und an den haaren faßt' er ihn, tat auf sein Uoß ihn werfen. „Laß ab von meinenhaaren doch und faß mich an denhänden Und laß mich auf die Berge doch und wirf mich in die Lüfte, Wenn ich nicht fliege vogelgleich, nicht flieg' wie ein Uot- kehlchen, Dannschneide du denKopf mir ab in deinemZelte drunten."- „Du Tor, und siehst du erst mein Zelt, du wirst vergehn vor Schaudern." Man sieht: Eharos ist der Todeskampf, der Tod und die schauerliche Totenwelt. Ein Volk, dem die Sonne so hell leuchtet, dem bei seiner Einfachheit und Bedürfnislosigkeit das Leben so leicht wird, w>ie dem griechischen, ist gewissermaßen weniger vorbereitet auf den Tod und hängt am Leben. Doch für das Vaterland hat der Grieche stets verstanden, sein Leben zu lassen. Was für ihn der Güter höchstes ist, das Leben, vermag er dafür hinzugeben. Dann scheut er auch nicht mehr Eharos, wenn auch Wehmut ihm durch die Seele zieht, wie jenem heldenmütigen Athanasias viakos, der 1821 im Frühling von den Türken gefangen und allen Anerbietungen zum Abfall, wodurch er sein Leben hätte retten können, widerstehend, bei lebendigem Leibe gepfählt wurde. An der Brücke von Alamäna in der Nähe der Ther- mopylen wurde dieser Freiheitskämpfer von den Türken unter Brionis umgangen. Seine Mitkämpfer beschworen ihn, sein Boß zu besteigen und zu fliehen, doch weigerte er sich, seine Gefährten zu verlassen. An den Händen durch Flintenschüsse verwundet und nicht mehr fähig, sein Schwert zu führen, fiel er in die Hände der Türken. Der türkische Pascha trug ihm an, die Sache der Griechen, die doch verloren sei, zu verlassen und um hohen Lohn der Türkei zu dienen, die seinen Ehrgeiz befriedigen könne. Der Fjelö antwortete: Sch halte nie einen anderen Ehrgeiz, als für mein Vaterland zu sterben. Der Pascha: Aber du wirst sterben, ohne dein Vaterland zu befreien! Diakos: Das Vaterland hat viele Diaki! Die reichen Türken, die in der Gegend ansässig waren, drangen in den zu weiteren Verhandlungen geneigten Pascha, ein Beispiel an diesem Mann zu statuieren, sonst seien sie und ihre Güter verloren. So wurde er denn bei lebendigem Leibe gepfählt. Als er zumTode abgeführt wurde, sprach er dasvistichon: Sieh doch die Zeit, die sich erkor der Eharos mich zu binden: Jetzt wo die Zweige blühen all, die Kräuter sprießen in den Gründen. Wie die Gestalt de; Eharon zeigt, erhält sich die alte Volksvorstellung unter der christlichen Schicht, und wenn sie auch au; der offiziellen Sprache ausscheidet, führt sie doch im stillen ihr Leben weiter in der Volksseele. Darf es uns nicht Wunder nehmen, daß aus der Septuaginta und dem Neuen Testament der Hades als Totenort in der Sprache geblieben ist, so spricht das Vorhandensein des Tartarus im Neugriechischen tar Tätara, von der Zähigkeit der Volksvorstellungen. Tr wird auch bezeichnet als die Unterwelt, die untere Erde, als der ungesuchte Drt und die Reife dahin als eine, von der man nicht zurllckkehrt, die zu den „vielen" führt. Zn diese Unterwelt führt eine Treppe hinab, ein großer Strom umgrenzt sie, und wenn es von denen, die über den Fluß fahren, 108 heißt, daß sie von seinem Wasser trinken und Haus, Weib und Kind vergessen, so ist die Erinnerung an den alten Lethestrom offenbar. Noch heute ist es stellenweise Litte, daß man wie im Lltertum den Toten ein Geldstück in den Mund legt als peratlkon, Fährgeld. Ln Lrachowa am Parnaß ist es ein schlimmer Fluch, daß man einem Menschen nicht einmal einen Heller für den Tod gönnt: uäe is tu tlränato tu loptito, Tbendort ist der Gbolos gedacht als ein Brückenzoll beim Ueberschreiten des triobino jephiri, der haarfeinen Drücke, die über den Todesstrom führt. Der Hades selbst ist finster und einförmig. Kein Tag bricht dort an, kein Hahn kräht, keine Nachtigall singt, kein Wasser fließt sman denke sich, was das im Morgenlande heißen will!), kein Gras sproßt. Tisige Kälte herrscht, die Toten sind verdurstet, wie wir vorher gehört haben, wie anders ist das Leben auf der sonnigen Erde. Tin Tor, wer den Tod herbeisehnt, wie es im Distichon heißt. Lei aller Not und aller Pein gar herrlich ist des Lebens Flor,' Und wer den Tod herbei sich sehnt, der ist fürwahr ein blinder Tor. Noch heute sieht in schauerlichen Felsgrotten die Volksphantasie Eingänge in die Unterwelt, so in einer Felsgrotte am alten Kap Tänaron. Luf der Insel Zante, am Fuße des Lerges Skopos, ist eine Felsgrotte, in der zur Winterzeit ein Wasserfall rauscht, der wrontönero. Lm dumpfen Lauschen hört das Volk die Stimme der verdammten, eine Stimme also aus der Unterwelt. Tin Fortleben im Grabe, sowie Stimmen aus dem Grabe kennt die Volkspoesie. So hört einer, der aus versehen auf einen Grabstein tritt, gerade da, wo unten der Kopf des Toten liegt, eine Stimme, die ihn tadelt: ,,Kamst du mir auf den Kopf zu treten, war denn nicht auch ich ein Jüngling, ein pallikari, der tapfer gegen dieTürken stritt und durch sie den Tod erlitt." Tinem Zusammenhang des Lebens zwischen den Bestatteten und den Bäumen auf ihren Gräbern begegneten wir bereits. Totes kennt ja die dichtende Volksseele nicht, alles belebt sie, vermenschlicht und beseelt sie, besonders in der großen arischen Völkerfamilie, zu der die Griechen gehören wie wir. Aus dem Gießener Familienleben vor 100 Jahren. Sm „Gießener Lnzeiger", Jahrgang 1813 (damals genannt „Gieser Lnzeigungsblättchen"), findet sich folgende Danksagung: Die glückliche Uückkehr des Großherzoglichen Militärs gab meinem Schicksal die erfreulichste Wendung; denn sie führte den Netter meiner innigst geliebten Gattin in unsere Stadt zurück. Seit neun Jahren lag dieselbe, in der Blüthe ihrer Jahre ohne alle Hoffnung an einer Litersammlung darnieder. Selbst die geschicktesten Lerzte verzweifelten an möglicher hülfe. Das hiesige Publikum war theilnehmender Zeuge der namenlosen Leiden dieser Dulderin. Ihr lautes Jammern Tag und Nacht unter den heftigsten Schmerzen und ihr Lufschreien im Uebermaße derselben verkündigten den vorübergehenden ihre Größe. Und alle diese (hualen sollten umsonst erduldet sepn! Lbgezehrt wie ein Gerippe, sollte sie nach langem Leiden ihrer Luflösung entgegensehen! Worte vermögen mein Schmerzgefühl in dieser trostlosen Klage nicht zu schildern. Uber Worte sprechen nun auch das Hochgefühl meiner Freude nicht aus, nachdem sich der Treffliche gefunden hat, welchem hülfe möglich war und zwar hülfe in kürzester Frist. Vieser Treffliche ist der wegen seiner Kenntnisse und seiner Geschicklichkeit bei dem Militär allgemein beliebte Lrzt, Herr Stabsmedikus Dr. Lauch dahier. Dank, innigster Dank dem würdigen, der mir die Gattin gesund gemacht hat. Kohlermann. Diese Danksagung berührt uns Menschen der Gegenwart sehr eigenartig, wir sehen aus ihr, wie sich das Gefühlsleben und die Sitte in einem Volke von Jahrhundert zu Jahrhundert wandelt, ver Gießener Bürger Kohlermann war jedenfalls, wie auch heute noch seine Familie als eine der ältesten Gießener Familien in Lnsehen steht, eine bekannte Persönlichkeit,' denn er hat es nicht nötig gehabt, seinen Vornamen und seinen Stand in seinem Zeitungsinserate anzugeben. Man begreift gewiß, daß er, als seine Gattin krank war, viel durchgemacht hat. wohltuend berührt die Sorge um die Kranke und das Mitgefühl mit ihr, das aus seinen Worten herausspricht, aber niemand würde in der Gegenwart mehr die Krankheit eines Familienangehörigen so eingehend in der Zeitung schildern, wie da; Kohlermann getan hat wir haben in seiner Danksagung einen Satz, der allzu medizinisch ist, weggelassen. Lber niemand würde auch mehr in der Gegenwart in so überschwänglicher weise einem Lrzte öffentlich Lnerkennung zollen, und jeder Lrzt würde sich solche Lobeshpmnen verbitten, wie es auch dem Geschmacks und der Lnschauung unserer Zeit nicht mehr entspricht, einem Geistlichen für eine Grabrede in einem Zeitungsinserat zu danken. Für das, das jemand in Lusübung seiner Berufs- pflicht tut, hat er keinen besonderen Dank zu beanspruchen. Uebrigens kann man sich heute, nach 100 Jahren, noch darüber freuen, daß der Militärarzt Dr. Lauch gesund und wohlbehalten aus dem russischen Feldzuge des Jahres 1812 zurllckgekehrt ist und einer schwerkranken Gattin und Mutter helfen konnte. Ij.Bj,. von den kriegsgefangenen Hottentotten. von Missionar Heinrich Walther. Mangamba (Kamerun), den 7. Januar 1914. Liebe Freunde ! So hätte denn das neue Jahr seinen Lnfang genommen,' sieben Tage sind schon von demselben in das Meer der. Vergangenheit gerauscht, wie schnell geht doch so ein Jahr vorüber ! Ls ist nun schon ein und ein halbes Jahr vergangen, daß ich mich von Tuch verabschiedet habe, viele, denen ich dämals die Hand zum Lbschied drückte, sind nicht mehr. Das Grab hat sich für sie geöffnet und wieder geschlossen,' sie schlafen dem großen Luferstehungstag entgegen. Für wen wird dieses Jahr das letzte sein? wer von uns wird, wenn wieder die Mitternachtsstunde das neue Jahr verkündigt, noch am Leben sein? wir wissen es nichts einer aber weiß es, und das ist der treue Gott und Vater, der auch im letzten Jahre wieder derselbe geblieben ist. Seine Treue war mit uns, und auch im neuen Jahre werden wir von ihr umgeben sein, wollen wir uns doch immer mehr dieser Treue würdig erweisen und ihm, unserem Heiland, dienen von ganzem Herzen. Der Herr gebe uns Kraft dazu ! So nehmet, ihr Lieben, denn nachträglich meine herzlichsten Glück- und Segenswünsche zum neuen Jahre entgegen! Der treue Gott und Vater, der Tuch im alten Jahre so freundlich gesegnet hat, segne Tuch auch im neuen Jahre reichlich! Tr nehme Tuch an seine Hand und lasse Tuch in Freud und Leid sein Nahesein und seine Gnade verspüren ! Tr will unser Führer sein, und es ist etwas herrliches, einen Führer zu haben. ,,Dic fich ihn zum Führer wählen, werden nie das Ziel verfehlen." Ihm wollen wir uns anvertrauen. Tr bringe 109 Luch zum Ziele! — Mir gehl es, Gott sei Dank, ganz gut. Ich hoffe von Luch allen auch noch dasselbe. Wenn wir auch von einander getrennt sind, im Herrn sind wir vereint. Wir wollen uns immer treffen vor dem Thron des Lammes! Diesmal möchte ich Luch, ihr Lieben, einmal einiges von den Hottentotten mitteilen. Ihr werdet sagen: Du bist doch nicht in SlldwestafriKa unter den Hottentotten, du bist ja unter den Kamerunnegern. Und doch kann ich Luch etwas von den Hottentotten erzählen. Diese Brmen waren in Dschang in Gefangenschaft, wurden frei und kamen nach vuala. hier predigte ich ihnen dreimal das Wort Gottes und lernte sie näher kennen. Wie Ihr ja alle wißt, feierte am 16. Juni Zeine Majestät, unser edler, deutscher Kaiser, sein 25jähriges Uegierungsjubiläum. Das war ein hoher Festtag in ganz Deutschland. Wie mancher hat damals im Gebete dafür gedankt, daß Gott uns unseren edlen Kaiser gegeben, aber auch wie manche Fürbitte stieg zum Himmel auf, daß Gott ihn, unseren Wilhelm, noch lange erhalte. Bn diesem Tage wurden viele Leute beglückt, viele wurden mit einem Grden ausgezeichnet, andere, die in hohen Stellungen waren, rückten ein Grad vorwärts. Gefangene, die 10 oder noch mehrere Jahre Haft zu verbüßen hatten, wurden frei. Bndere, denen die Heimat verboten war, durften wieder in die Heimat zurückkehren. Was das heißt, „frei", kann nur der mitfühlen, der gebunden gewesen war. Buch unsere Hottentotten, die vielleicht nie wieder frei geworden wären, durften in ihre Heimat zurückkehren. Im Jahre 1906 waren sie gefangen genommen worden und von Veutsch-Züdwestafrika nach Kamerun gebracht worden, von dem Hereroaufstand der Jahre 1904 und 1905 werdet Ihr ja alle gelesen haben. Dieser Buf- stand hatte sich ja schon lange vorher vorbereitet. Der Vater unserer Heinrich Witboi, von dem ich Luch noch mehr erzählen werde, war Gberhäuptling. Lr spielte ja in dem ganzen Bufstande eine große Kolle. Wie mir Heinrich erzählte, wollten viele der Untertanen nicht mittun, aber der Befehl eines Häuptlings, besonders Dberhäuptlings, ist heilig und so mußten sie folgen. Lines Bbends hieß der Gberhäuptling Witboi die Kriegstrommeln schlagen, und alle tapferen und streitbaren Männer kamen zusammen. Kurz und entschlossen teilte ihnen der Gberhäuptling seinen plan mit, und alle stimmten in ein schreckliches Kriegsgeheul ein. Wer in Bfrika ist, der kennt etwas von diesem Lärm. Denn schreien können die Schwarzen bei solchen Gelegenheiten, das ist ganz arg. In der Uacht ging dann das Morden los. Bndere Häuptlinge waren nicht so gut vorbereitet, und am folgenden Morgen waren dann viele Luropäer ermordet. Daß die deutsche Negierung diese Tat sühnen mußte, ist ganz klar. Ls kam zum Kriege, mancher deutsche Jüngling ist damals begeistert nach Deutsch-Südwestafrika gezogen und hat sein Leben und sein Blut fürs Vaterland gelassen, bis dann im Jahre 1905 der Vater unseres Heinrich, der den Oberbefehl hatte, von einer feindlichen Kugel getroffen und auf dem Kriegsfelde starb. Der Krieg war damit beendet. Ist einmal der Gberhäuptling verwundet, so wollen seine Leute auch nicht mehr kämpfen, und so war denn der Krieg zu Tnde. viele wurden zu Gefangenen gemacht, und mancher Unschuldige mußte mit dem Schuldigen büßen. Lines Morgens erschienen Soldaten in dem Dörflein unseres Heinrich Witboi, und die etwa 200 Linwohner wurden gefangen genommen. Väter, Mütter und Kinder mußten ihr Dorf verlassen und als Gefangene mit nach Kamerun gehen, wo sie arbeiten mußten. Liner meldet sich aber freiwillig, und das ist der Lehrer des Dorfes. Lr will mit seinen Landsleuten gehen, er will ihnen das Wort Gottes predigen, er will sie in Zeiten der Not trösten mit dem besten Tröste, der nie versagt. Und nun ging es einige Tage zu Fuß. Heinrich Witboi schilderte mir die Strapazen und Bnstrengungen. Die heiße Sonne ermüdete furchtbar, der heiße Sand verursachte ihren Füßen schreckliche Schmerzen. Uber rühmen konnte er nur die Fürsorge der begleitenden Soldaten. Sehr besorgt seien sie um die Gefangenen gewesen und Hunger hätten diese nie zu leiden gehabt. Da endlich, nach fünftägiger Wanderung, kamen sie in Windhuk an, von wo sie mit der Dahn an die Küste gebracht wurden. Um anderen Morgen in aller Frühe stehen sie an dem Dahnhof in Windhuk. Zum erstenmal sehen die Hottentotten die stolzen Häuser der Luropäer. Wie waren sie erstaunt! Doch sie sollten noch mehr sehen. Bus einmal hören sie ein Geräusch; es kommt immer näher, sie horchen. Was wird das sein? plötzlich kommt ein schwarzer Wagen ohne Pferde dahergebraust. Nur Dampf sehen die schwarzen Leute. Da stieben die Frauen mit einem Geschrei auseinander in der Meinung, ihre letzte Stunde sei gekommen. Die Kinder weinen, und die Männer stehen und sehen das Ungetüm an. Lndlich steht der Zug. „Linsteigen", so ertönt es, und alle müssen in den Wagen hinein. Kurz darauf ertönt ein Schrei. Blle fahren zusammen. Ls ist die gellende Pfeife der Lokomotive. Dann setzt sich der Zug in Bewegung, viele machen die Bugen zu, andere schauen hinaus. Was ist das? Bäume scheinen umzufallen, Häuser zu wanken, und es ist ihnen gerade wie den lieben Kleinen, wenn sie zum erstenmal mit der Dahn fahren. Heinrich Witboi erzählte mir, er habe seine Bugen nicht abwenden können, es sei ihm gewesen, wie wenn alles sich umdrehe. Lndlich nach etwa sechsstündiger Fahrt, kamen sie in der Hafenstadt Swakopmund an. hier gibt es erst recht viel Neues zu sehen, viele Luropäer standen da, um die Gefangenen zu sehen. Wie staunten diese die großen Kaufhäuser mit den großen Fenstern an. Heinrich meinte, er wandle gar nicht mehr auf dieser Welt, hier mußten sie zwei Tage liegen, um sich ein wenig von den Strapazen der Neise zu erholen. Bm dritten Tag mußten sie das Schiff besteigen. Was gab es da nicht alles Zusehen. Kleine Dampfboote kamen an das Land gefahren. In diese mußten sie einsteigen, dann wurden sie zu dem Schiffe gebracht. Da lag es, das schwimmende, große Haus, viele solcher Häuser lagen noch in der Nähe. Wie haben sie die Bugen aufgemacht, die in ihrem Leben nie so was gesehen. Doch trotz dem vielen, das sie sahen, und trotz der Bbwechselung vergaßen sie ihre liebe heimgt nicht, und manche Träne wurde aus den Bugen gewischt. (Fortsetzung folgt.) Ein pfälzischer Musikant. Trzählung von Heinrich Dechtolsheimer. (Fortsetzung.) Indessen merkte ich bald die nachteiligen Folgen, die das Lesen dieser Schauergeschichten für Karl hatte. Ich fand nämlich, daß mein Mitknecht ein ganz furchtsamer Geselle war. Wiewohl er sich stets als einen Helden gab, der sich namentlich bei Schlägereien hervorgetan habe, so war doch Bengst- lichkeit ein hervorragender Tharakterzug an ihm. Niemals stieg er abends in sein Bett, ohne vorher den Stall von innen sorgfältig verriegelt zu haben- denn er sagte mir einmal, cs gäbe schlechte Menschen genug in der Welt, die nachts kommen könnten: Zigeuner, Siebmacher, Zinngießer, Bärenführer und andere herumziehende. 110 — (Eines Tages entdeckte ich, daß der Karl vor Gespenstern genau dieselbe flngft hatte wie die Bltpeter-Lene. Bis wir abends auf unserer Banfe saßen, sagte er mir mit geheimnisvoller Miene, daß man sich im Dorfe erzähle, daß der alte Konrad Hinkel nachts zuweilen noch in seinem Hose umgehe. Konrad Hinkel sei nämlich ganz anders gewesen als sein Lohn, er habe stets das Geld geliebt und sei sehr geizig gewesen. Nie habe er seiner vor vielen Jahren verstorbenen Frau Geld in die Finger gegeben, alles, was sie für Butter, Tier, Gemüse und Geflügel erlöst habe, habe sie ihm auf Heller und Pfennig abliefern müssen, nie habe sie sich ein neues Kleid feaufen dürfen. Einmal aber habe sich die Frau gegen seine Tprannei aufgelehnt. Sie habe jahrelang feein ordentliches schwarzes Kleiö gehabt, mit dem sie habe zum Bbendmahl gehen Können, da habe sie sich Monate hindurch von dem erlösten Gelde etwas einbehalten und sich ein Kleid ge,kauft. Das habe der alte Hinkel entdeckt, da sei er fuchsteufelswild geworden, habe die Frau mit dem Stocke geschlagen, ihr das Kleid abgenommen und eingeschlossen, so daß sie an Ostern doch nicht, wie sie vorgehabt habe, zum heiligen Bbendmahl habe gehen können. Wegen dieser bösen Tat müsse der Geizhals nun nach seinem Tode noch umgehen. Wenn es zwölf schlüge, komme er vom Hoftore her, gehe, hustend und seinen Stock aufstoßend, durch den Hof an den Ställen vorbei nach der Scheuer und durch deren Hinteren Busgang dann nach dem dahinter liegenden Garten. Dort habe der Konrad Hinkel nämlich im Jahre 1866, als gemeldet worden war, daß die Preußen heranzögen, sein bares Geld vergraben. Obwohl er das Geld später wieder geholt habe — denn die Nachricht von dem Einmarsch der Preußen war nur blinder Lärm gewesen, und wo sie damals eingerückt waren, haben sie sich an fremdem Eigentum nicht vergriffen — so gehe er nun doch als Gespenst nach der Stelle, wo er einst zur Nachtzeit das Loch in die Erde gewühlt habe. Dort stochere er mit dem Stocke in dem Boden herum, schüttle den Kopf, wenn er nichts finde, brumme etwas vor sich hin, gehe dann in derselben Weise zurück und verschwinde wieder am Hoftore. Bus diesen INitteilungen gewann ich die Ueberzeugung, daß sich entweder die Bltpeter-Lene oder mein Mitknecht in der Beurteilung des Konrad Hinkel irren müsse, denn jene hatte ihn als Busbund aller Tugenden hingestellt, während dieser das gerade Gegenteil aussagte. Nach dem, das ich sonst im Dorfe hörte, mußte ich jedoch dem Karl Necht geben. Durch die Erziehung im Elternhause und durch den Konfirmandenunterricht war ich damals glücklicherweise so weit, daß ich mich vor Gespenstern nicht mehr fürchtete. Darum machte auch der ängstliche Bericht des Karl auf mich keinen Eindruck. Fuhr abends ein Wetterleuchten über den Himmel, so sah sich Karl ängstlich um; denn er hatte auch große Bngst vor dem Gewitter. Bei dem leisesten Donnerrollen ging er nach dem Tore und sah nach dem Himmel. Stieg eine dunkle Wetterwand auf, so daß weder Mond noch Sterne zu sehen waren, so sagte er: ,,Es kommt ein schweres Wetter, ich lege mich noch nicht in das Bett." Rollte der Donner weithin hallend über das Dorf und flammte die Lohe am Himmel ununterbrochen auf, so wagte der Karl nicht mehr, seine pfeife weiter zu rauchen, er ging vielmehr in das Wohnzimmer, wo die Herrschaft saß, duckte sich zusammen, wie es die Katze beim Gewitter tut, und wartete ab, bis das Wetter sich ausgetobt hatte und der Himmel wieder klar war. Bis er während eines Gewitters bat, daß man die Fensterläden schließen möge, weil das Leuchten der Blitze zu unheimlich sei, sagte Hinkel lachend: „Blter Esel, was hast du aber für eine Bngst! Wenn du Soldat geworden wärest und solltest nachts bei einem Gewitter an einem Pulvermagazin Posten stehen, du würdest vor lauter Bngst sterben." Ich hatte meine Kammer in einem Seitenbau über dem Schuppen, in dem die Kelter angebracht war; eine sehr steile Stiege führte nach dem Oberstock. Bus dem Gang vor meiner Kammer wurden allerhand landwirtschaftliche Gegenstände aufbewahrt: Saatkörbe, Knebel zum Binden des Getreides, Spaten, Schippenstiele und Pferdedecken. In einer Nacht, als meine Herrschaft nach einem benachbarten Dorfe zu einem Sängerfeste gegangen war, plagte mich der Neber- mut. Ich hing mir eine Pferdedecke über die Schultern, nahm einen Schippenstiel in die eine Hand und meine Schuhe in die andere und ging leise auf den Strümpfen die Stiege hinunter und von da nach dem Hoftore. Dort zog ich meine Schuhe an, zog die Decke fester um die Schultern, ging dann langsam, indem ich auftrat wie ein alter steifer Mann, durch den Hof und stieß dabei mit dem Schippenstiele auf das Pflaster. So marschierte ich zum Pferdestall, stieß mit dem Schippenstiel kräftig gegen die Tür und wartete eine kleine Weile, ob der Karl sich nicht regen würde. Bber er gab keinen Laut von sich; ich hörte nur, wie seine Bettstatt krachte und wie der Strohsack, auf dem er lag, knisterte. Offenbar hatte er alles gehört und sich im Bette aufgerichtet. Ich ging in derselben Brt zur Scheuer, wartete dort eine Weile und ging zurück zum Hoftore. Dort zog ich meine Schuhe an und huschte hinauf in meine Kammer. Bis ich am nächsten Morgen erwachte, dachte ich sofort daran, was der Karl wohl für nächtliche Wahrnehmungen bekunden werde. Er stand, als ich den Hof betrat, an der Pumpe und wusch sich. „heute nacht habe ich ihn aber richtig durch den Hof gehen hören," sagte er zu mir, indem er nach dem Handtuche griff, um sich abzutrocknen. „Wen hast du gehört?" fragte ich mit möglichst unbefangener Miene, gleichzeitig aber setzte ich den Pumpenschwengel in Bewegung, ließ das kalte Wasser über meine Hände laufen und rieb mit beiden Händen kräftig mein Gesicht, um so zu verhindern, daß ich mit meinem Lachen nicht laut herausplattze. „Den alten Hinkel," sagte Karl leise, indem er sich ängstlich, als ob der alte Mann in irgend einer Ecke des Hofes stünde, umblickte. „Er hat mit seinem Stecken gegen die Tür des Stalles gestoßen, daß ich in die höhe geschnellt bin, als ob mich einer von unten mit einer Nadel gestochen hätte. So einen Schreck habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehabt." Ich brachte neue Wassermengen in mein Gesicht, wendete mich ab und lachte in das Handtuch hinein. „Und wenn mir der Herr 100 Gulden Lohn mehr gibt," fuhr Karl fort, „ich schlafe nicht mehr in dem Stalle. Ui, wenn der alte Hinkel nachts in meinen Stall käme, ich würde Feuer kreischen, daß man es bis nach Mainz hören könnte." Und richtig, Karl erklärte an diesem Tage unserem Herrn, daß er nicht mehr im Stalle schlafen werde, es sei ihm dort zu unheimlich, auch im Winter viel zu kalt, er habe bereits den Nheumatismus im linken Beine. Nun wurde in dem Seitenbau, in dem ich selber schlief, eine zweite Kammer, in der eine Menge von Säcken lag, ausgeräumt und dem Karl angewiesen. in Unterdessen gingen die Feldarbeiten ihren gewohnten Dang. Die Ernte wurde glücklich eingebracht, das Grummet gemäht, dann ging es so um den INichelstag herum an das pflügen und an die Uussaat der Winterfrucht. Eigentlich hatte ich noch nicht beim pflügen oder, wie man in meiner Heimat und weit über diese hinaus sagt, beim Aackern mitgeholfen, aber ich bat Herrn Hinkel darum, daß er mir den Pflug anvertraute, und siehe da, meine Furchen waren ebenso gerade wie die des Karl. Ich wurde bei dieser Ur- bcit freilich sehr müde. Kücken und Urme taten mir abends sehr weh von dem Hallen und Lenken des Pfluges, und die Füße, die den ganzen Tag in der tiefen Furche gegangen waren und die festen Erdschollen niedergetreten hatten, hatten auch ihr Teil abgekriegt. Allmählich war es Herbst im Lande geworden. Die Tage waren kürzer geworden, frühmorgens, wenn wir ausstanden, war es empfindlich kühl, und der weiße Uebel hüllte das Land ein. In dieser Zeit saß ich an einem Sonntag nachmittag einmal allein in meinem Kämmerchen, um einen Brief an meine Eltern zu schreiben. Leim Schreiben flogen meine Gedanken heimwärts nach Kuppertsecken. Zug für Zug malte ich mir aus, wie es jetzt dort wohl aussehe. Ich sah den Vater rauchend am Fenster sitzen und auf die Straße hinaus- schauen, ich sah die Ulutter, wie sie an dem großen Tische in der Libel las. Ich sah das Dorf im Sonntagsfrieden, hörte den Kuf der spielenden Kinder von den Gassen und fühlte, wie der laue Wind über den Schloßberg strich. Im Geiste ging ich die enge, steile Gasse zu diesem Lerge hinauf, um von ihm Kundschau über das umliegende Lergland zu halten, plötzlich verspürte ich große Sehnsucht nach der Heimat, meine Tränen - fielen auf den Lriefbogen nieder, er war das Heimweh, das mich zum erstenmal mit ganzer Macht gepackt hatte. Während mir die Uugen noch feucht waren, blickte ich nach der Wand und sah dort meine Trompete, die ich von Kuppertsecken mitgenommen hatte, hängen, va überkam mich in meiner großen Traurigkeit eine stille Freude. Ich nahm das Instrument, das ich feit meinem Weggang von der Heimat nicht mehr in der Hand gehabt hatte, von der Wand und fing an zu blasen. Zuerst kamen die Töne etwas unsicher heraus, dann drangen sie rein und in regelmäßigen Intervallen heraus aus meiner Kammer. Ich blies: ,,Im schönsten Wiesengrunde", ,,Km Lrunnen vor dem Tore", ,,In der Heimat ist es schön" und „Nun ade, du mein lieb Heimatland". Indem ich diese Melodien und den schönen Inhalt der Volkslieder an mir vorüberziehen ließ, verflog mein Heimweh, und die Musik wurde zu meiner Trösterin. Hatte ich seither geblasen, ohne recht zu wissen, warum, so gewann ich jetzt eine rechte Liebe zu dieser edlen Kunst. Die« Liebe habe ich behalten bis auf diesen Tag. fFortsetzung folgt.) Kleine Mitteilungen. In der heutigen Kummer kommt der Schluß der „Griechischen Erinnerungen" des Herrn Geh. Dberkonsistorial- rates D. petersen zum Kbdruck. Unsere Leser haben diese Urtikelserie mit großem Interesse verfolgt, sie sind hier in eine ganz fremde und eigentümliche Welt hineingeführt worden, haben Kunde von einem Volke bekommen, das durch feine Geschichte und seine Kultur für die ganze Welt bedeutend ist. Die von dem Herrn Verfasser mitgeteilten, neugriechischen Gedichte beweisen durch ihren Lilderreichtum, ihre Phantasie und ihren ergreifenden Inhalt, daß die heutigen Griechen ihrer großen, dichterischen Vergangenheit nicht unwert sind. Wie kein zweiter, so ist der Herr Verfasser in der Lage gewesen, uns diese neugriechische Volkskunde zu geben; denn er war als Hofprediger des Königs der Hellenen 15 Jahre lang (1876—1891) in Griechenland und hat in innigem Zusammenhänge mit dem dortigen Volksleben gestanden. von Herrn Geh. Gberkonsistorialrat D. petersen liegen uns nun weitere Schilderungen de; neugriechischen Lebens unter dem Titel „Griechische Keisen und Sommerfrischen" vor. Wir werden diese interessanten Darstellungen gleich nach Dstern veröffentlichen. kirchliche Anzeigen. 1. Gsterfeiertag, den 12. Kpril. Kollekte für die Kirchenkasse. Gottesdienst. In der Stadtlirche. vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Schwabe, vormittags I I Uhr: Kinderkirche für Ulatthäus- und lUar- kusgemeinde gemeinsam. Pfarrer Schwabe. Ubends 6 Uhr: pfarrassistent Hoffmann. In der Johanneslirche. vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Lechtolsheimer. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Lechtolsheimer. Ubends 6 Uhr: Pfarrer Uusfeld. Leichte für die Konfirmanden aus der Johannesgemeinde und deren Ungehörigen. 2. Gsterfeiertag, den 15. Upril. In der Stadtlirche. Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer E>. Schlosser. Uachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Ularkus- und lUilitärgemeinde. Pfarrer Schwabe. Ubends 8 Uhr: Schlußfeier der beiden Konfirmandenvereinigungen der Ulatthäusgemeinde. Uächstkllnftigen Sonntag, Guasimodogeniti, den 19. Upril, findet im Hauptgottesdienst die Konfirmation der Kinder aus der Ularkus- und lUilitärgemeinde statt, in Verbindung damit Feier des heil. Ubendmahls. Die Beichte dazu wird am Samstag, den 18. Upril, nachmittags 2 Uhr, gehalten. In der Johanneslirche. vormittags 9>/r Uhr: Pfarrer Uusfeld. Konfirmation der Kinder aus der Johannesgemeinde. Feier des heil. Ubendmahls. Uachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Lukasgemeinde. Pfarrer Lechtolsheimer. Ubends 6 Uhr: Pfarrer Udolph. In der alten Friedhofstapelle. Uachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Uusfeld. Uächstkünftigen Sonntag, Guasimodogeniti, den 19. Upril, findet im Hauptgottesdienst die Konfirmation der Kinder aus der Lukasgemeinde statt, in Verbindung damit Feier des heil. Ubendmahls. Die Leichte dazu wird Samstag, den 18. Upril, nachmittags 2 Uhr, gehalten. 9Gouul‘ rote/ sowie alle Arten von Hautunreinig* keiten,Hautausschlägen,wie Blütchen, Mitesser, Finnen, Pickeln, Pusteln etc. verschw.durch tägl.Gebrauch d.echten Aeckenpferö ■ Teers chroefelfeife pig , Radebeul. :: Ueberall zu haben. 112 ^ Ankündigungen empfehlenswerter Firmen ] Rudolf Richter Carl Loos Biehen, Marhlslrahe 24 26 Kirchenplatz 13 :: Telephon 797 hüte und Nutzen tur= Reichhaltige Auswahl. Billig-Pr-if- ^ Weißwaren :: Rabattmarken. Reparaturen ^CTTöN- U. KHClbenkleioer Hch.B/„, 7/, sä Besonders billiger zfehuh - 7/erkauf 150/0 bis SO 0/0 Reparaturen billigst Möbel. Lieferung von bürgerl. Wohnungs- Einrichtungen, sowie sämtlicher Einzelmöbel. Eigene Schreinerei - lSegr. 1832. C. Zimmermann Reuen Baue 15. ffuC A i( Für die Konfirmation ! 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