vierteljährlich 78 Pjg., voranlzahlbar, frei in» Hau». Abgeholt tu unserer Expedition oder in den Zweigauegabestelle» vterteljährlich SO Psg. — Erscheint Mittwochs und Emastag«. — Redaktion: SelterS- weg 83. — Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter vtrmuskrtple wird nicht garantiert. I Verlag der „v l «ft ,» er Zeit«»«" S. «. b. H. T fc T I i . CgptftHtoi: SeUerrweg 85 ver. 78. Samstag, oen 26. September 1914. («irsteuer Tageblatt) «nzetgenpreir 15 pfg. die 44 nun breite Petiizetle für Auswärts SO Pfg. Die SO ww breite Retlame-Zeile 50 Psenntg , Extrabeilagen werden nach Gewicht und Grshe . ' berechnet. Rabatt kommt bet Uoberschreitung des Zahlung». ^ Kieles <30 Tagej, bei gerichtlicher Beitreibung oder bet Konkurs in Wegfall. Platzvorfchriste« ohneBerbindltchkeit. ■ Druck der Eicstener Bcrlagsdruckcrei, Albin Mein. ^ t-lephon Nr. 363. 26. Jühkg. V*tn Weltkrieg. 4 389571» 000 Mark Kriegsanleihe. Das erste Sperrfort bei Berdnn erobert. S. M. S. „U 9", „U 21", „Königsberg" «nd „Emden". Die Serben wieder geschlagen. Das endgültige Ergebnis der deutschen Kriegsanleihe. Berlin, 23. Sept. (Amtlich.) Auf die Kriegsanleihe sind gezeichnet worden: 1 318 199 800 Mk. Reichsschatzanweisungen, 1 177 205 000 Mk. Reichsanlcihe mit Schuldbucheintragung, 1 894 171 200 Mk. Reichsanlcihe ohne Schuld buchetntragung, Zusammen 4 389 576 000 Mk. Das endgültige amtliche Ergebnis hat noch eine um nahezu 200 Millionen Mark höhere Zisser ergeben, als bisher bekannt geworden war. Nahezu 4,40 Milliarden Mark sind dem Reich innerhalb der kurzen Zeichnungssrist zur Verfügung gestellt worden. Dieser über alles Erwarten glänzende Erfolg sucht in der Fi- nanzgeschichle seinesgleichen. Er ist eine Tat des ganzen deutschen Volkes, das damit das unerschütterliche Zutrauen in das Reich kundgegeben hat. Den Kämpfern im Felde draußen mag dieser Erfolg ihren Stolz und ihre Freude mit dem Bewußtsein steigern, datz sie für ein Reich kämpfen, das ihnen ein deutliches Zeichen seiner, gewaltigen wirtschaftlichen Macht goib. Und unsere Feinde sind wieder um eine Ent - täuschung reicher geworden. Der Betrag/ der Reichsschatz anweisun- gen, der aüf eine Milliarde sestgesetzt war, ist um 318 199 800 Mk. überzeichnet worden, so daß die Zeichnungen nicht voll zugeteilt werden können. Besonders erfreulich ist die hohe Summe der S ch u l d b u ch e i n- tyagungen; allein 1 177 205 000 Mk. Reichsanleihe sind zur Eintragung ins Reichsschuldbuch gezeichnet worden, das ist über ein Drittel des auf die Kriegsanleihen gezeichneten Betrages. Diese Schuldbuchzeichmmgen haben eine Sperrveipfkichtung bis züm 15. Älpril 1915. Diese 1,17 Milliarden Mark, die dem Reich zur Ein- tragimg ins Reichsschuldbuch überlassen wurden, werden nicht zum Umlauf in Handel rmd Verkehr gebraucht. Damit erfährt der Markt der Anleihe eine wesentliche Entlastung, die einen günstigen Einfluß auf die Kurs- Höhe uUd die Stetigkeit des Kurses der Anleihe haben wird. Der große Erfolg der Kriegsanleihen ist auch ein Erfolg unseres finanziellen Eeneralstabs, des Reichs - bank-Direktoriums. Deutsche Siege zur See. WTB. Berlin, 23. Sept. Das deutsche Unterseeboot „U. 9" hat am Morgen des 22. September etwa 20 Seemeilen nordwestlich von Hoek van Holland drei englische Panzerkreuzer „A b o ü k i ch, „H mg u e" und „L r e s s p“ zum Sinken gebracht. Der stellvertretende Ehes des Admiralstabes: B e h n k«. Das Unterseeboot U 9 und seine Besatzung sind Unversehrt zurückgekehrt. Zur Besatzung des UMerseebootes U 9 gehören Kapitänleutnant Weddigen (Otto), Kommandant: Oberst. z. S. Spieß; Marine-Ingenieur Schön; Ober- steuermann Träbert; Obermaschinisl Heinemann; Boots- mannsmaate Schoppe und Hör; Matrosen Geist, Rosemann, Schenker, Schulz; Obermaschinistenmaate Marlow, Stellmacher, und Hinrichs; Maschinistenmaalc März und Reichardt; Obermaschinisten-Anwärter Wollenberg und v. Koslowski; Oberhcizcr Eisenblättcr und Scküsch- ke; Heizer, Karbe, Schober, Lied, Köster und Wollstclt ; Funkenheizer Sievers. — * Die kühne und mutige Tat des „U 9" ist natürlich sogleichs gebührend belohnt worden. Kapitänleutnanl Weddigen erhielt das Eiserne Kreuz 1. u. 2. Klasse, alle übrigen Helden das Eherne Kreuz 2. Klasse. Etwa 270 von den geretteten Mannschaften der 3 durch U 9 in den Grund gebohrten englischen Kreutzer sind' nach dem holländischen Internierungslager von Eaasterland gebracht worden, wo sich schon die belgischen Internierten befinden. Die amtlichen englischen Stellen nehmen an, daß nur 700 Mann gerettet sind. In Holland ist auch der Kommandant der Hogue, der das Geschwader führte, interniert. London, 24. Sep. Die „Times" schlägt anläßlich des Unterganges von drei Kreuzern vor, d i e deutsche K ü st e mit einem Minengürtel zu umgeben, um den Feind einzüschliehen. London, 24. Sep. „Daily Mail" meldet über den Untergang der Kreutzer folgende Einzelheiten: „Aboukir" wurde im Kohlenraum von einem Torpedo getroffen. „Cressy" wurde durch den ersten Schuß nicht ernstlich beschäftigt, obwohl die Erplofion heftig war. Während die Rettungsboote aüsgesetzt wurden, -stand die Mannschaft bei den Geschützen und gab einen Schuß auf das Periskop eines Unterseebootes, das wenige Sekunden sich zeigte, ab. Nachdem die „Cressy" von einem zweiten Schuß tödlich getroffen war, warf die Mannschaft Stühle und Tische über Bord, unr sich daran festzuhalten. Die Besatzung der drei Kreutzer zählte insgesamt 2734 Mann. Die deutsche Flotte hat einen Beweis für die Leistungsfähigkeit der Unterseebootswafie geliefert, der in ganz Deutschland jubelnde Freude aüsgelöst hat und der den Engländern eine Anregung zU neuem Nachdenken über das Stärkeverhältnis beider Seemächte liefern «ird. Man versteht in Deutschland sehr gut, .daß die deutsche Flotte jetzt noch die schwierige, besondere Geduld und^AUsdauer, erfordernde Aufgabe hat, in ihrer Hauptstärke zurückhaltend und abwartend zü bleiben. Man versteht es, und so wenig wie die deutsche Flotte wird das deutsche Publikum aus die Versuche der Engländer, unsere Ungeduld zu reizen, hereinfallen. Aber hinter dem geduldigen Warten steht auch die allgemeine Erkenntnis, daß England recht eigentlich „der" Feind ist, weil England das Komplott zur Vernichtung unserer nationalen Zukünft in kalter Berechnung vorbereitet und geleitet hat. Daß England uns, wenn es könnte, wieder in die alte Ohnmacht zurückschlendern, unsere ^Veltstellung vernichten, unfern Ueberseehandel, unsere Schiffahrt ruin e- ren würde, das weiß heute jeder Deutsche. Daher der besondere Jubel bei jeder englischen Niederlage, daher die Begeisterung ob der beispiellos kühnen Tat des U 9 unter ihrem tapfern Kapitänleutnant Weddigen. In die Freude über das Erreichte mischt sich die srischge - näl,r,te Gewißheit, daß die Macht der Ziffer durch dre Güte der Waffe und die Geschicklichkeit der Führung ausgeglichen werden kann, daß wir der englischen Rie- senfllotte empsindliche Schäden beibringen können. Nach einer auf Angaben der englischen Presse beruhenden Berechnung sind von der englischen Flotte bis jetzt vier Panzerkreutzer, fünf geschützte Kreutzer, drei Torpedobootszerstörer, ein Torpedoboot und ein Schulschiff mit zusammen 72 000 Tonnen Verdräng vernichtet. Ein güter Anfang! Berlin, 23. Sept. (Tel.) Die erfreulich« Tatsache. daß die englische Flotte drei ihrer Panzerkreutzer verloren hat, erscheint hiernach um so bedeutungsvoller, als es ein einziges deutsches Unterseeboot war, das uu- serm Feinde diesen schweren Schaden zugesügt hat. Die drei Panzerkreuzer sind 1900 vom Stapel gelaufen und vielleicht 1901 oder 1902 in die Front eingctretcn. Ihre Wallerverdränceung beträgt 12 200 Tonnen, die Geschwindigkeit 2~1 bis 22 Meilen. Die Bestückung besteht, wie schon erwähnt wurde, aus je zwei 23,4 Zentimeter-Geschützen, zwölf 15 Zentimeter-Geschützen und zwölf leichten 7,6 Zentimeter-Geschützen. Die Schiffe siird außerdem mit je zwei Unterwasser-Torpedorohren ausgerüstet. Die Masfchinen (Kolbenmaschinenl cickwickeln 21 000 PK und treiben zwei Schrauben. Die Länge der Kreutzer beträgt 134 Meter, die Breite 21 Meier, der Tiefgang 8 Meter. Bei einer Besatzung von je 755 ^rann wuroe ,ny eine Gesamtbesatzung von 2200 Mann ergeben. Ueberlebende berichten, daß etwa drei Mertel .Besatzung ihr Leben eingebüßt haben. Nach einer englischen Meldung und auch nach Privalnachrichten sollen auf deutscher Seite mehrere Unterseeboote beteiligt gewesen seikl. doch ist dies, wie au's obiger amtlicher Meldung hervorgeht, nicht richtig. Einzig und allein unser Boot U 9 kommt in Frage, und lediglich seinem tapferen Kommandanten und seiner tapferen Besatzung ist dieser herrliche Erfolg zu danken. Der Kommandant des Bootes ist Kapitänleutnant Otto Meddi- gen aus Herford. Er ist 1901 in die Marine eingetreten, jetzt 32 Jahre alt ünd hat in den letzten Jahren als Unterseebootsoffizier bezw. -kommandaM, sowie auch als Flaggenleutnant bei einer U-Boot-Flottille Verwendung gesunden. Erwähnt sei auch, datz er die Rettungsmedaille am Bande tragen darf. Ueber den Kampf selbst verlautet, daß der erste Angriff auf den Panzerkreuzer Aboukir bei Hellem, klaren Wetter um 6 Uhr früh erfolgte; das Schiff soll in 5 Minuten gesunken sein. Die beiden anderen Schiffe beteiligten sich an der Rettung der Ueberlebenden, doch dann ereilte das Schicksal auch die „H o g U e", die nach 3 Minuten untergegangen sein soll, und gegen 8 Uhr auch die „C r e s s y", nachdem es den Engländern inzwischen klar geworden, daß die anfängliche Annahme, die Aboukir sei auf eine Mine gelaufen, nicht zutcaf. Das Wiener Ertrablatt schreibt: Vor wenigen Tagen klagte eine englische Marinegröße wehmütig darüber, daß, wenn England das Meer beherrsche, Deutschland' den Meeresgrund beherrsche; und sofort liefert Deutschland Beweise für die Richtigkeit dieser Klage. Die Nachricht wird überall in Deutschland und Oesterreich - Ungarn mit freudigstem Jubel begrüßt werden. Sie ist ein neuerlicher Beweis für; die absolute Ueberlegenheit der Verbündeten beider Kaiserreiche auf allen Gebieten. Wie von amtlicher Stelle mitgeleilt wird, ist der Verlust des englischen Kreuzers P a t h f i n d e r, der am 5. September vor dem Firth of Forth unter - ging, ebenfalls auf ein deutsches Unterseeboot zurückzu- führen. Es war dies U21, Kommandant Oberleutnant zur See H e r s i n g. WTB. Madras, 23. Sept. Der deutsche Kreutzer „Emde n" hat, wie weiter gemeldet wird, bei dem Bombardement 9 Schuß aogegeben. Er traf die Tanks der „Birma Oil Compagny", von denen zwei brennen. 1 y 2 Millionen Gallonen Del sind verloren. Auch das Telegraphenamt und das Seemannsklubhaus wurden getroffenf Ein englisches Fort erwiderte das Feuer. „Emden" löschte die Lichter und verschwand nach 15 Minuten. * * * Kapstadt, 23. Sept. (Telegr.) Folgende Einzelheiten über das Gefecht zwischen dem englischen Kreuzer „P e g a s u s" und dem Kleinen Kreuzer „K ö- n i g s b e r g" bei Sansibar werden amtlich be - kanntgegeben:' Die Königsberg näherte sich am Sonntag' früh um 5 Uhr mit hoher Geschwindigkeit und machte ein britisches Wachtboot durch drei Schüsse kampfunfähig. Dann eröffnete die Königsberg aus etwa 8000 Meter ein wohlgezieltes Feuer auf den „P e g a f U s" und setzte dieses bis auf 6000 Meter Ent- sernung fort. Die Breitseite des „Pegasus" stand un - ter der Feuerwirkung und wurde in 15 Minuten zum Schweigen gebracht. Nach einer Kampfpause von fünf Minuten eröffnete die Königsberg das Feuer von neuem, das eine Viertelstunde wähne. Der Pegasus war nickt in der Lage, das Feuer zu erwidern. Beinahe alle Verluste der. Engländer traten bei den Geschützen aus dem oberen Deck ein. Das Sckiff, das mehrere Treffer in der Wasserlinie erhalten hatte, legte sich stark auf die , Seite. Die britische Flagge wurde zweimal bcruntergc- schossen, dann aber von einem britischen Matrosen mit der Hand hochgehaltcn. Die Königsberg erlitt anscheinend keine oder nur eine geringe Beschädigung. Wann Deutschland die Waffen niedcrlegt (Ctr. Bin.) Der „Nieuwe Rolterdamsche Courant" vom 22. September bringt folgende Berliner Meldung: Anläßlich der unwahren Berichte über die Geneigtheit Deutschlands, sFyedensunterhändlungen - anzuknüpfen, kann mitgeteilt werden, daß der Reichskanzler am 6. September einem Reichslagsabgeordneten schrieb: „Unter diesen Umständen müssen wir durchhalten, bis die Sicherheit Deutschlands in der Zukunft ganz verbürgt ist." Der Chef des Eeneralstabs v. M o l t k e schrieb am 7. September an dieselbe Adresse: „Am Ende des Krieges muß unser Vaterland einen Frieden erworben haben, der mit den jetzigen beispiel - losen Opfern in Uebereinftimmung steht, die das deutsche Volk in seltener Einmütigkeit auf sich genommen hat, einen Frieden, der für ufrabsehbare Zeit von keinem Feinde mehr gestört werden kann." Vom Krieg im Westen. WTB. Großes Hauptquartier, 25. Spt., abends. Der Fortgang der Operationen hat auf unserem äußersten rechten Flügel zu neuen Kämpfen geführt in denen eine Entscheidung bisher nicht gefallen ist. — In der Mitte der Schlachtftont ist heute, von einzelnen Vorstößen beider Parteien abgesehen, nichts geschehen. — Ms erstes der S p e r r f o r t s südlich von Verdun ist heute Lamp-des -Romains bei St. Mihiel gefallen. Das bayerische Regiment von der Tann hat auf dem Fort die deutsche Fahne gehißt, und unsere Truppen haben dort die Maas überschritten. Im übrigen weder im Westen noch im Osten irgend welche Veränderungen. * * • Poincarec in London. Alle in Boädeaur erscheinenden französischen Blätter brachten übereinstimmend die Meldung, daß der Präsident P o i n c a r e e mit dem Ministerpräsidenten V i v i a n i und dem aus Paris zurückgekehrten Briand sich am 20. September nach London begaben, um mit den leitenden Männern Englands Rücksprache zu pflegen. (Etr. Bln.) t 0 Frankreich sucht Soldaten. Der „Boss. Ztg." wird aus Bordeaur gemeldet: Da der gesamte Jahrgang 1914 bereits unter Waffen steht, hat die Regierung beschlossen, unverzüglich die 19jährigen Rekruten des Jahrs ganges 1915 einzuberufen. An alle Präfekten, Unterpräfekten, Bürgermeister und Ortsvorsteher ist der Befehl ergangen, die Listen bis zum 27. September fertigzuftellen. Die Aushebung soll alsdann in den ersten Tagen des Oktobers vor sich gehen, so daß die Einkleidung des Jahrgangs 1915 noch im Laufe des Oktobers erfolgen kann. Frankreich ohne Verlustlisten. Bis jetzt wurde keine offizielle Verlustliste in Frankreich veröffentlicht, aber jeden Tag kann man in den Zeitungen die Namen von Toten le- Ein stiller Menlcb. Roman von Paul B l i ß. Nachdruck verboten. Endlich bekam sie S1T n n >'t und ?raa>ch erst am andere» Ende des Städtchens ein Fuhrwerk Herzklopfend kam er in Schönau an. Nun erst empfand er das Peinliche, das Beschämende seiner Lage. Als Bruno ihn kommen sah, war er ganz sprachlos. Was bedeutete denn nun das wieder? Erst der Vater und nun der Bruder. Sollte das vielleicht gar nochmals solche Komödienszenc geben wie letzthin? Das dürfte nett werden! Schon die Begrüßung von seiten Brunos siel geradezu formell aus. Aber dennoch raffte Kur! allen Mut zusammen und ging geradeswegs auf sein Ziel los. „Staune nicht über mein Kommen," begann er mit bittenden Blicken, „wie Du mich hier stehst, bin ich in größter Not." i sen, die von den Familien der Getöteten mitgeteilt wurden. Darunter befinden sich einige Generäle, man findet Oberste und höhere Offiziere in großer Anzahl. Auch einige Deputierte mußten bereits ihr Leben dem Vaterlande lassen, (ctr. mn.) Vom Krieg im Osten. Oestcrreichische Waffenerfolge. Wien, 24. Sep. Der gänzliche Mißerfolg des serbischen Einbruches in Slawonien liegt jetzt klar zutage. Die Serben drangen in einer Stärke von mindestens 30 000 Mann in Slawonien ein und verschanzten sich in Wäldern, Kanälen und Gräben. Unsere Truppen rückten von zwei Seiten heran und bereiteten den Serben bei Jakowo und Alt-Pozug eine fürchterliche Niederlage. Syrmien ist von den serbischen Soldaten vollständig gesäubert. Es heißt, daß der Generalissimus P u t n i k die serbischen Truppen geführt habe. * * * Ein doppeltes Strafgericht über Serbien. Da in Risch die Cholera immer mehr um sich greift, verlassen sehr viele Menschen die Stadt. Es verlautet, daß der Hof und die R e g i e r ü n g die Uebersiedelung nach U e s k ü b vorbereiten. — Täglich treffen in Risch große Sendungen von in russischer Sprache erscheinenden Soldatenzeitungen ein, welche ausschließlich Nachrichten über songesetzte russische, französische und englische Siege enthalten. Die beherrschenden Höhen westlich Krapanj (Jogo- dajah, Biljeg, Crni, Vrh), um welche Tage lang erbittert gekämpft wurde, sind sämtlich im Besitz der Oesterreicher; der Widerstand der Serben wurde öebrochen. Allerlei Uriegsnachrichten. Der Herzog vonKoburg ist nach einem Aufenthalt von wenigen Tagen wieder zu seinem Regiment gereist. Der Schwiegersohn' des Grasen Zeppelin, Hauptmann Eyaf Alerander von Branden st ein-Zep- p e l i n, erhielt das Eiserne Kreuz. * Das Eiserne Kreuz wurde, wie wir Zeit- ungsmelduügen entnehmen, verliehen dem Prokurist E. Hosch von Offenbach, der als Leutnant der Reserve der 7. Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 116 angehörte. * Hugo> v. Nordeck zur Rabenau, Hauptmann uüd Führer im Reserve-Jnfanterie-Regi - ment Nr. 81, ist gefallen. Er war zuerst Leutnant im Jägerbataillon Nr. 11 in Marburg a. d. L. und dann sieben Jahre lang in der Schutztruppe in Ostafrika. Russische Stimmen gegen England. Die „Nowoje Wremja" polemisiert in einem Arttkel gegen die englischen Staatsmänner und macht ihnen zum Vorwurf, daß England nicht seine ganze Kraft bis zur restlosen Vernichtung dey d e u t- schen Militärmacht einsetze. Offenbar sehe England in der Erhaltung des Deutschen' Reiches ein nützliches Gegengewicht gegen die jetzigen Verbündeten, insbesondere Rußland. (Ctr. Bln.) * Auf d e m Felde der Ehre gefallen ist der Er. Oberhofmarschall Major Freiherr von U n g e r n - S 1 e r, n b e r g, der vor ungefähr 14 Taigen als Kommandeur eines Ersatz-Bataillons des Jn° ' Schwelgend in eistger Ruhe, stand Bruno da. „Alle meine Hilfsquellen sind erschöpft. Ich weiß mir absolut keinen Rat mehr. Deshalb komme ich nun zu Dir." „Natürlich, der Notnagel bin ich Euch ja immer nur gewesen," klang es bitter zurück. „Lieber Bruno, ich bitte Dich, jetzt nicht in diesem Ton! Es handelt sich bier um meine Eristenzfrage! Also sag', darf ich ganz offen zu Dir sprechen?" „Wenn es sein muß, — bitte." Sie setzten sich gegenüber, lind Kurt begann schweren Herzens zu beichten. Mit bebenden Lippen erzählte er alles, was er getan. Nichts verschwieg er. Sein ganzes leichtsinniges Handeln enthüllte er hier schonungslos und klagte sich vor dem Bruder an. Der hörte ihn zuerst mit Verwunderung, dann mit wachsendem Erstaunen an Manchmal mußte er sogar an sich halten, um nicht zu lachen. Solche Dummheiten, solchen bodenlosen Leichtsinn begriff er absolut nicht. So konnte nur jemand handeln, der keine Ahnung vom Wert des Geldes hatte, der nie im 01 Vn einen Taler selber zu verdienen imstande war. S^.»t gab es keine Erklärung dafür. Als Kurt zn Ende gesprochen, sah er den Bruder fragend an: Der sagte nun: „Ja, da ist doch die einfachste Lösung, Du erklärst Dich dem Vater." „Das ist nicht möglich, Bruno! Du hörst ja. daß Papa vor jeder Aufregung bewahrt bleiben soll." „Nun, so geh doch zu Deinen reichen Freunden, mit denen zusammen Du Dein Geld verjubelt hast. In solchen Situationen pflegt man sich ja in diesen Kreiser, auch gegenseitig herauszureißen." Kurt wurde rot vor Aerger, aber er nahm sich zusammen. Noch einmal bat er: .Bruno, laß doch in diesem Augenblick den ironischen Ton. Du kannst doch den Ernst meiner Lage nicht verkennen." Ruhig erwiderte der Aeltere: „Wer hat Dich in diese Lage gebracht? Wer anders als Du?" „Nun also rund heraus, willst Du mir Helsen?" „Was denn? Hast Du Dir vielleicht einen Moment eingebildet, ich würde Dir die 12 000 Mark geben? Hast Du das wirklich auch nur einen einzigen Augenblick ernsthaft glauben können!?" faitterie-Regimenls Nr. 115 in das Feld rückte. Der Dahingegangene stand bei Beginn des Krieges im 55. Lebensjahre und machte, nachdem er sich freiwillig in den Dienst des Vaterlandes gestellt hatte, als Major seines früheren Reginients den Feldzug mit. Präsident Wilson bemüht sich nicht mehr. Washington. Im Weißen Hause erklärt man, daß Präsident Wilson einstweilen keine Versuche unternehmen wird, um den Frieden zwischen den Kriegfichrenden zu vermitteln, sondern zunächst eine bestimmtere Aeußerung des einen oder anderen abzuwarten, da es nicht mit der Neutralität der Vereinigten Staaten vereinbar fei, auf die Kriegführenden mit Friedensvorschlägen einen Druck auiszuübcn. warme Unterkleider für die Truppen. Von sehr geschätzter Seite wird der Dcutschbn Tageszeitung geschrieben: Unser Kronprinz begehrt telegraphisch große Mengen wollener Strümpfe und Unteckleider für seine Sol - baten! Die Armee des Kronprinzen wird binnen kurzem mit den gewünschten Sachen in reichlichen Mengen vev- sehen sein, wie sie bereits Zigarren und Tabak erhalten hat. Es geht also! Wey aber sorgt für die anderen Armeen, denen Tabak ebenso angenehm und Strümpfe, Hemden usw. ebenso notwendig sind? Daß Strümpfe und Hemden nach eineinhalbmvnatigem Kriegsdienst mit außerordentlichen Marsch- und Gesechtsleistungen un - brauch-bar geworden sein müssen, daß mit Eintritt der kühleren und kalten Jahreszeit wollen« Unterkleider von Nöten find, müßten wir uns allein sagen; dazu hätte es nicht erst der Mahnung eines Heerführers, wie unseres Kronprinzen, bedürfen müssen. Wa; ist nun bisher geschehen? EinzelsenduNgen von Angehörigen an Soldaten nimmt die Feldpost nicht an. Die Bahnlinien sind mit Heranschaffung von Munition und Verpflegung für das Herr sowie mit Nachschüben stark in Anspruch genommen. Es müßten, wenn die Bahnlinien versagen, andere Mittel imd Wege zur Erreichung des Zweckes- gefunden werden. Das Nöte Kreuz, dem ja der Löwenanteil aller Sammlungen zufließt, soll, wie Gräfin U e r k ü l l in den Zcttungen berichtet, erst 6000 wollene Jacken- bisher ins Feld geschickt haben. Das ist bei Unseren Millionenheeren gleich Null. Dabei ist anzUnehmen, daß es dem Roten Kreuz an Vorräten aus Lager nicht fehlt. Wo bleibt der Organisator, der den ungewöhnlichen Schwiengketten zuin Trotz neue Wege zu ihrer Ueberwindung findet ? Die Schwierigkeiten müssen überwunden werden, und zwar schnell; denn die kalte Jahreszeit rückt besonders im Osten im Geschwin-dschritt heran. Ander« Rückfühten müffen schweigen. Die geeigneten Persönlichkeiten müssen gesunden und gewonnen werden, ganz gleich, woher. Organisa - ticnstalente sind angeboren und die damit Behafteten sind nicht dick gesät; ihnen muß aber der Weg frei ge - macht werden!" Inzwischen wird vcn Berlin die folgende Kund - gebuNg verbreitet, deren Inhalt wir, gestützt auf zahl' reiche Zuschriften, aufs wärmste empfehlen, mit dem Hinzufügen, daß eine solche Organisation möglichst sofort in Kraft treten müßte. Auf Anregung Ihrer Majestät der Kaiserin und in Uebereinftimmung mit den Wünschen des Kriegsmini -steriums hat das Zentral-Komitee vom Roten Kreuz (Berlin, Reichstag) einen besonderen ^triegsausschuß für warme Untcckleidung" eingesetzt. Sein« Aufgabe lautet 7 „Ja, Bruno, und ich glaube es immer noch!" Laut, schallend, im bitteren Hohn lachte Bruno auf. „Wirklich! Du bist, weiß Gott, noch ein großes Kind!" Bebend vor Angst, wie ein gehetzter Mensch, der die letzte erhoffte Rettung wanken sieht, stand Kurt da. Noch einmal fleht er: „Sei doch gut. Bruno, laß Dich doch erweichen, bils mir doch dies eine einzige Mal! Wir sind doch Brüder!" „So? Fällt Dir das jetzt plötzlich ein?" „Bruno, ich bitte Dich, Hab Erbarmen!" 7 „Wer hat damals mit mir Erbarmen gehabt? Damals, als ich in die weite Welt hinaus mußte. Wer? Niemand von Euch! Ruhig habt Ihr mich ziehen lassen, froh, den finsteren Burschen los zu sein! Und nun kommst Du und verlangst von mir Erbarmen! Mit welchem Recht denn?" „Ich verlange ja nichts, Bruno! Ich bitte ja doch nur! An Dein gutes Her; appelliere ich!" „Wer sagt Dir denn, daß ich ein gutes Herz habe? Nun? Habt Ihre alle nicht reichlich dafür pesorgt, daß jeder Funke menschlichen Gefühls in mir erstickt ward? Ich glaube, daß ich damit nicht zu viel sage!" „Vergiß das alles doch, Bruno? Das kann ja alles anders werden!" „Ach! Meinst Du das? — Nein, mein Lieber, da bist Du gewaltig im Irrtum! Nieinals kann das mehr anders oder besser werden, denn so was vergeffe ich: nicht, — jawohl! ich nicht!" Bebend stand Kurt noch immer da. er kielt sich an! einer Stuhllehne fest, er mußte etwas in der Hand j haben, was er drücken konnte, was er fest umklammern: konnte, denn er fühlte, daß seine Beherrschung schon im ' Schwinden war. Noch einmal versuchte er das Lebte. Ich gebe Dir i mein Wort, daß ich Dir das Geld mit Zinsen zurück- ! zahle." versicherte er. Bruno aber fuhr aus: „So? Und ich glaube daS f einfach nicht!" Bleich und zitternd stand Kurt da und starrte sei- j nen Bruder an. Fortsetzung folgt. n„Jn Ergänzung der von der Militärverwaltung bereits vorgesehenen Lieserungen im Wege der freiwilligen Hilfstätigkeit weiterhin für; die Truppen wärmende Unterkleider zu beschaffen, in erster Linie Strümpfe, Leibbinden, Pulswärmer, in zweiter Linie Unterhosen, Unterjacken, Wollhemden, Kopfschützer." Es ist beabsichtigt, von diesem Ausschuh am 1. Okwber die ersten Send - ungen an die Armeen nach Osten und Westen von Berlin aus auf den Weg zu bringen und die in den Pro- vinzial-Depots bereitgestellten Materialien den Zügen anzuschliehen. Ihre Majestät haben beschlossen, die Spenden für zwei Regimenter diesen ersten Zügen mitzugeben. Diesem Beispiel folgend, haben bereits ein« Anzahl von patriotischen Schenkgebern und Korporationen den Wunsch zu erkennen gegeben, auch ihrerseits für ein - zelne Truppenteile Spenden zu übernehmen. Der Preis für die vom Kriegsministerium zunächst angeregten „Lieferungseinheit" fein Paar Strümpfe, eine Leibbinde, ein Paar Pulswärmer betrüge etwa 3,75 Mark. Die Spende für' eine Kompagnie beläuft sich auf nmb 1000 Mark. Es wäre sehr dankenswert, wenn dem geschäftsführenden Ausschuh, mit dessen Leitung Geh. Rat Prof. Dr. Pannwitz betraut ist, über weitere Am gcbote dieser Art schnellstens Mitteilung gemacht würden Adresse: Kriegsausschuh, Berlin SW., Reichstag. Näheres über die Anfertigung von Stückwaren rc. und über die Zuführung von Gaben an die Sammel - stellen (für Berlin beim Anhalter und Schlesischen Bahn- hcf, für Eiehen an der Sammelstelle des Rdten Kreuzes, Alte Klinik, Liebigstrahe) wird demnächst bekannt gegeben. Sehr wichtig erscheint uns, dah ein« Zersplitterung der Organisation vermieden werde. Wenn erst die durchaus berechtigte Klag« der Deutschen Tageszeitung Be- achttmg gefunden und die Organisation von einer Zentralstelle autz eingerichtet und tatkräftig durchgesiihrt worden ist. wird unfern Truppen geholfen sein, denn die Bereitschaft im Volke, besonders unter unseren Frauen, für alles zu sorgen, was unsere Krieger bedürfen, ist schier unerschöpflich. Man sorge nur endlich dafiir, dah Liebesgaben und Briefe auch ihr Ziel erreichen. flu$ aller Welt. Durazzo, 23. Sept. Die Versammlung der Aufständischen in Tirana hat sich gegen eine Rückkehr Essad Paschas ausgesprochen. Die hessische Nriegsversicherung. Die Hessische Kriegsversicherung findet fortgesetzt Anklang. Nach den vorliegenden Nachrichten sind bis jetzt 15 000 Anteilscheine mit einem Einlegekapital von Mark 150 000 Mark gelöst. Nach einer dieser Tage ausgestellten Uebersicht sind Anteilscheine gelöst worden in der Provinz: a) Rheinhessen rund 4600, wofür eingezahlt wurde Mk. 46 000.— b) Stärkend rirg rund 3800, wofiir eingezahlt wurde Mk. 38 000.— c) Oberhessen rund 2900, wofür eingezahlt wurde Mk. 29 000.-— Zusammen rund 11 300 mit einem Betrag von Mk. 113 000.— Da die Annahmestellen demnächst geschlossen werden dürften, so ist baldige Versicherung crfor derlich, weil dann nur noch bei der Hauptgeschäftsstelle in Darmstadt — Oberversichcrungsamt — Neckarstr. 1, versichert werden kann. Erfreulich ist, dah viele Arbeitgeber, Städte, Gemeinden und Vereine Gesamtversicherungen für die in Betracht kommenden zum Heeresdienst Einberufenen abgeschlossen haben. Mi Stadt und Land. P o st s e n t> u n g e n aus Deutschland an Ange - hörige der in Belgien eingesetzten Militär- und Zi- vilverwalturrgsbehörden müssen den mit Farbstift unterstrichenen Vermerk: „U e b e r Aachen 1" tragen und die Behörde bezeichnen, bei der der Adressat beschäftigt ist. * Ueber geringfügige Eewichtsübev- fchreitüngen bei den Feldpostbriefen, derenMeist- gewicht bestimmungsgemäh 250 Gramm beträgt, werden die Postanftaltcn fortan hinwegsehen. ' Bon den im Felde stehenden Unteroffizieren und Mannschaften des Gabde-Dragoner-Regi- m e n t s Nr. 23 ist der Wunsch laut geworden, gestrickte wollene Unterjacken, auch elektrische Taschenlampen mit Ersatz-Batterien, Tabakpseifen und Tabak zu besitzen. Die Erfatz-Eskadron fühlt sich verpflichtet, dieses den Angehörigen des Regiments mit der höflichen Bitte bekannt zu geben, für ihre im Felde stehenden Angehörigen derartige Jacken ufw. zu beschaffen. Es wird gebeten, die Gegenstände mit der genauen Adresse des Empfängers versehen und an die Ersatz-Eskadron zur Weiterbeförderung in das Feld abliefern bezw. einsenden zu wollen. Es wird noch darauf aufmerksam gemacht, dah Tabak erwünschter ist, als Zigarren, da letztere leicht zerdrückt werden. * Gie h en. Der frühere Direktor der hiesigen Bezirks-Sparkasse, Rendant Hermann Doering, ist an einem Herzschlag im Alter von 70 Jahren in Alsbach, wo er sich gegenwärtig aufhielt, gestorben. Er war bekanntlich seit 1906 Direktor der Bezirkssparkasse Giehen, sowie Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender der Baugenossenschaft des evangelischen Arbeitervereins und der Elisabethen-Klein-Kinderschute. Er bekleidete ferner im Nebenamte lange Jahre die Rechner- steile der evangelischen Kirche Eiehen, der Balser'schen und der Luther-Stiftung. o L a u I e r b a ch, 24. Sept. Das Eiserne Kreuz erhielten der jüngste Sohn des Oberkammerherrn Freiherrn Volprecht Riedesel zu Eisenbach, Baron Adolf Riedesel zu Eiscnbach, Leutnant im 5. Drag.-Regiment unb der jüngste Sohn des Oberslallmeister Frhn. Moritz Riedesel zu Eisenbach, Baron Hans Riedcsel zu Eisenbach. o Bad-Nauheim. Am 23. September reisten die letzten russischen Badegäste, zirka 400 Köpfe, mit Sonderzug von Bad-Nauheim über Kassel-Berlin- Schweden in die russische Heimat zurück. Die Engländer, reisten am 24. September ab. * Franksurt a. M., 24. Sept. Prinz Friedrich Karl von Hessen und dessen ältester Sohn, Prinz Friedlich Wilhelm, die, wie berichte! wurde, verwundet sind, trafen heute abend hier ein und fuhren alslbvld nach Schloß Friedrichshof weiter. ):( Frankfurt a. M. Den wiederholten Gesuchen der hiesigen Schutzmannschast um Entlassung aus dem Polizeidienst und E i n st e l l u n g >n den Heeresdienst hat das Polizeipräsidium nunmehr jtaitgegeben. In den nächsten Tagen wird bereits eine große Anzahl Schutzleute an die Front abgehen. Die frei gewordenen Schutzmannsstellen werden während des Krieges durch Hilfspolizeibcamte besetzt. - Zur Beschaffung -er für die herbst- und Zrühjahrsdüngung benötigten Ztickstoffmengen. Unter den wirtschaftlichen Fragen, welche in letzter Zeit in der landwirtschaftlichen Presse eingehend erörtert sind, spielt die Stickstoffernährung unserer Felder während des Krieges «ine hervorragende Rolle. In manchen Aufsätzen tritt die Befürchtung hervor, dah die in Deutschland vorhandenen Stickstofftnengen zur Erzielung von Vollcrntcn im kommenden Jahr nicht ausreichten, und es wird vielfach empfohlen, von einer künstlichen Stickstoffdüngung im Herost, die am ersten entbehrlich sei, abzusehen, um dadurch an Stickstoffsalzen für das Frühjahr zu! sparen. Diese Ansicht wird hauptsächlich damit begründet, daß Chilesalpeter nicht eingeführt werden könne und die geringen vorhandenen Mengen von der Heeresverwaltung zur Sprengstofffabr.ikatwn mit Beschlag belegt würden, so daß bei vorsichtiger Schätzung nur mit etwa ein Drittel der bisherigen Herstellung an Stickstoffsalzen gerechnet werden dürfe. Zur Klärung der Verhältnisse teilen wir folgendes mit: Der Slickstdffbedarf wurde in den letzten Jahren, abgesehen von Kakkstickstcff und Kalksalpeier, zur größeren Hälfte durch schweselsaures Ammoniak, zur etwas kleineren durch Chilesalpeter gedeckt. Der Chilesalpeter fällt nun allerdings während des Krieges vollständig fort, so das; tatsächlich mit einem geringeren Angebot an Stickstofffalzen gerechnet werden muh. Wie hoch sich die Erzeugung an schweselsaurem Ammoniak stellen wird, läßt sich z. Z. noch nicht näher bestimmen. Es hängt das in erster Linie davon ab, wie weit sich der Ko kereibetrieb aufrecht erhalten läht. Gelingt es, trotz des Krieges den Kokereibetricb in bisherigem Umfange aufrecht zu erhalten, so wird voraussichtlich so viel schwefelsaures Ammoniak seitens der deutschen Hersteller zur Ablieferung gelangen, dah dadurch etwa die Hälfte des bisherigen gesamten Stick - stoff'oedarfcs für Herbst und Frühjahr gedeckt wird. Da also die Nachfrage nach Stickstoff immer höher sein wird, als die Mengten, die voraussichtlich zur Verfügung stehen, wenn der Krieg noch einige Monate an- l, alten und die Salpeterzufuhr vollständig unterbunden sein sollte, so müssen die deutschen Landwirte darauf bedacht sein, die zur Verfügung stehenden Stitzstoffmen- gen an den Stellen zur Anwendung zu bringen, wo sie den gröhten Vorteil gewährleisten. Von diesem Gesichtspunkte aus muh auch die Frage der Herbstdünguüg mit Stickstoff betrachtet werden. Der Ansicht, für die Düngung der Herbstsaaten von einer Stickstoffzufuhr voll - ständig Abstand zu nehmen, kann, so sehr sie auch bei dem bestehenden Mangel an Stickstoff Beachtung verdient, nicht ohne weiteres beigetreten werden. Eine kleine künstliche Stickstoffgabe im Herbst zum Wintergetreide — etwa 1—1% Ztr. schwefelsaures «lM- moniak auf dem Hektar oder ein« entsprechende Gabe von Ammoniak-Superphosphat — hat sich auf Grund langjähriger und vielseitiger Versuche und Erfahrungen zum Zwecke der Kräftigung der Pflanzen gegenüber den späteren Unbilden des Winters und damit zur Erhöhung der Ernten bestens bewährt, da fff von den Pflanzen vor Winter voll aUsgenutzt wird und daher auch keiner Auswaschungsgefahr aufgesetzt ist. Geradezu fehlerhaft dürfte es sein, statt einen kleinen künstlichen Stick- stoffdüngunq im Herbst eine stärkere Aussaatmenge an Getreide auf die Flächeneinheit zu nehmen, da zu dicht gesätes uüd schwach gedüngtes Getreide mangels Belichtung und ausreichender Nahrung unten dünn entwickelte Lialme bervorbringt. infolgedessen leicht lagert und zU Rost- uüd Brandbesall neigt. Um daher nicht die ganze Bestellung des Wintergetreides in Frage zu stellen, muh trotz des Stickftoffmangels zu einer Herbft- düngung geraten werden. Die Jrülffahrsmengen werden dadurch allerdings etwas beschnitten. Wer aber die Anwendungen und Ratschläge, die allenthalben gegeben werden, beachtet, kann durch geeignete Wirtschaftsmah- nahmen schon viel erreichen. Es empfiehlt sich für die Landwirte zunächst dringend, frühzeitig die Bestellungen an schwefelsauren Ammoniak zu machen, da sonst bei dem immerhin knappen Vorhandensein an Slicksloffsalzen und bei den schwierigen VerkehriSvechältnissen während des Krieges keine Gewähr dafür geboten ist, dah der Landwirt noch rechtzeitig für die Frühjahrsbestellung Ammoniaksalz erhält. Wie sehr aber eine Stickstoffdüngung erforderlich ist und wie hoch sich dieselbe bezahlt macht, ist ja allen Landwirten bekannt. Im grohem Umfange würde der Stickftoffmangel zu heben sein, wenn es gelänge, die Kokereien in stärkerem als dem gegenwärtigen Umfange zu betreiben. Diesem Ziele stehen allerdings sehr grohe Schwierigkeiten entgegen. Zunächst fehlt es den Bergwerken an Leuten, um die Kohlenförderung in> vollem Umfange aufrecht zu erhalten, dann aber besteht für die Koker - eien der grohe Uebelstand, dah mit jeder Tonne schwefelsaures Ammoniak ungefähr 98 Tonnen Koks gewonnen werden, für die heute ein Absatz nicht vorhanden ist. Es würde in erster Linie ein stärkerer Betrieb der Kokereien uüd damit eine größere Ausbeute an schwefelsauren Ammoniak zu erlangen sein, wenn es gelänge, den Koksabsatz bezw. den Koksverbrauch zu steigern. In industriellen Wecken ist dieses fast ausgeschlossen, weil ja der Betrieb eines großen Teiles derselben durch den Krieg beeiMrächtigt ist. Es mühte daher dafür gesorgt werden, daß Koks für den Hausverbrauch größere Abnehmer fände. Diese Möglichkeit liegt vor, wenn der einzelne Verbraucher anstelle "der Kohle etwa ein Drittel Koks, der klein geschlagen wird, mit Kohlen vermischt. Es liegt also im eigenen Besten der Landwirtschaft, wenn sie diese Frage, anstelle der Kohle einen gewissen Teil durch Koks zu heizen und zum gewerb - lieben Verbrauch zu verwenden, durch eingehende Versuche prüft. Mit einer gewissen Knappheit an Slickstoffdünge- Mitteln muh also gerechnet werden. Da aber die Hälfte des gesamten Stickstoffbedarfes voraussichtlich gut geliefert werde» kann, bleibt für den umsichtigen Land- wick, der seinem Bedarf eindecken will, die Möglichkeit bestehen, dieses durch entsprechende Wirtschaftsmahnah- men und sofockigen Einkauf zu tun. Verantwortlich: A l b i n Klein, Eiehen. Kirchliche Nachrichten. Evangrlische Gemeinde in Gießen. ScnMag, den 27. September, 16. nach Trinitatis. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pros. D. Schian. Vorm. 9% Uhr: Pfarrer Schwabe. Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Mackusgemeinde gemeinsam. Anmeldung vorher bei dem Psprrer jeder Gemeinde erbeten. Vormsttags 11% Uhr: Kindeckirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Zugleich Christenlehre für die Neukonsirmierten aus der Lukasgemeinde. Vorm. 9% Uhr: Pfarrer Ausfeld. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld. Abenos 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal. Mittwoch, 30. September,, abends 8 Uhr: Kckegs - betstunde. Psarrer Ausfeld. Nächstkünfligen Sonntag, den 4. Oktober, findet im Hauptgottesdienst Beichte und heiliges Abend - mahl für die Lukas- und Johannesgemeindc gemeinsam statt. Anmeldungen dazu werden vorher bei dem Psarrer jeder Gemeinde erbeten. Mittwoch, den 30. September, vormittags 10 Uhr, findet im Johannessaal die diesjährige Synode des Dekanats Giehen statt. * Jeden Samstag zwischen 7 und 8 Uhr werden beide Kirchen geöffnet nnd darin bei Orgelspiel Gelegenheit zur stillen Andacht gegeben sein. Katholische Gemeinde in Gießen. Samstag, den 26. September. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gele- genbeit zur hl. Beicht. Sonntag, den 27. September. 17. Sonntag nach Pfingsten. Vorm. 6% Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vorm. 7 Uhr: Die erste hl. Meffe. Vorm. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. Vorm. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vorm. 11 Uhr: Heilige Messe mit Predigt. Nachm, um 2 Uhr: Andacht für die Abgestorbenen. Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch, abends um 7% Uhr, ist Kriegs-Bittandacht. Donnerstag, Freitag und Samstag, abends uM 7% Uhr, ist Rosenkranzandacht. Freitag vormittags 7 Uhr ist Segensmesse. Diaspora: In E r ü n b e r g um 9% Uhr. In Hungen um 10 Uhr. | Deutscher Erzeugni$! | Stollwerck „Gold" Schokolade Kakao-Pulver Tafeln . Täfelchen . Plättchen ) 125 250 500 Gr. Pakete 25 $ 50 ^ J00 ^ ) 50 M \ Jb. 2 A - Ucberall erhältlich. - | Deutscher Erzeugnir! | Bekanntmachung. Vdn dem' zu-r Deckung der Geländeerwerbskosten für den Bahnlbaw Grünberg-Londors durch den Kreis Gießen im Jahre 1895 aufgenommenen Kapital von 80000 Mark sind per 1. Matz 1915 zur Rückzahlung ausgelost die Obligationen Lit. B. Nr. 40 mit 500 Mk., Lit. C. Nr. 8 und 17 mit je 200 Mk., Lit. D. Nr. 21, 30 und 61 mit je 100 Mark. Gießen, den 19. September 1914. Grotzh. Krcisamt Gietzen. Dr. U s i n g e r. Kartoffellieferung. Die Lieferung von ca. 90 000 Kg. Speise- k a r t o f s e l n für die hiesitze Anstalt soll öffentlich vergeben werden. Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, bis spätestens Samstag, den IO. Oktober 1014, vorm. IO Uhr, hierher einzureichen. In den Angeboten find die Kar- toffelsorten zN benennen und die Bedingungen, die aus dem Geschäftszimmer des Unterzeichneten offen liegen, anzuerkennen. Die Proben sind getrennt von den Angeboten einzureichen. Es bleibt Vorbehalten, die Lieferung zu> teilen. Zuschlagsfrist 8 Tage. Gießen, den 22. September 15)14, tHroftb. Direktion der LandeS-Heil- und Pflcge- anstalt bei (Hießen. I. A.: Latz, Eroßh. Hausverwalter. Zu Hause gemacht! Welche Freude machts und wieviel kann man sparen, wenn man im Haus Nadel und Schere richtig braucht. Man kann alles schneidern von der vornehmen Toilette bis zur Wäsche u. zum einf. Kinderkleid, wenn man die vorzüglichen Favorit» schnitte der Intern. Schnittmanufaktur, Dresden-N. 8 verwendet. Hunderttausende gebrauchen sie ebenso wie die Favorithandarbeita- muster. Prospekt Nr. 20 gratis. Anleitung durch das großartig ausgestattete Favorit - Modenalbum (nur 60Pf.), Jugend-Modenalbum (nur 50 Pf.), Favorit-Handarbeitsalbum (nur 50 Pi) ‘'Hier erhältlich bei: Ankauf—Verkauf von HItcife«, Humpen, Kusche», Kupfer, Mcfftug, Blei, Ziuk, Zlu», ,c. Möbeln, Betten, Weih- zeug, Gold- und Silbcrfachen Münzen und Antiquitäten. LoulS Notheuberger, Aiehe». 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