rkzsxrpeok 2f pfg. monatlich » Wtz^, ^««»»ahlb-r, fr«! in» Hau«. » «ß»»» Syebtiien «bei in den Zweig- «u*gabei't»are Om»WW« ch «0 Pfg. — Erscheint M iMl nich» «ch S»«Sr»««. — Redaktion: Selter». >»rtz 88. — KSr «nchemahrung oder Rü-tsendung nicht neri«G»»r 9Ja«aörij>tf wird nicht garantiert. Lxpeditio»: Zeltersweg 83. Vertag Var „ «iechexer Zeitnna" iS. m. ». H. •iefieucr Tageblatt) klnzrlgenpreis 15 pfg. » Me 14 mm breite Petitzeile für Auswärts SN Pfg Die 90 mm breiie Reklame-Zeile 50 Pfennig ikrirabeilagen werden nach Gewicht und Grütze berechne:. Rabatt kommt bei Ueberfchreitung des Zahlung», zieles (SO Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder tc Konkurs in Wegfall. Piatzvorschriften ohneVerbindlichlci: Druck der Gietzencr 'Verlagsdruckerei. Albiu Klein I ^t. i>2„ Telep hon: Sir. 362. OeHcrrcicbs Crontolger und 6emadlj;r ermordet. Einem verruchten- Mordanschlag ist der Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand mit seiner Gemahlin erlegen. Das Fürslenpaar hatte am letzten Sonntage Serajewo besucht, die Hauptstadt der neu dem öfter,reichifch-ungarischen Staatsver- bande angegliederten Provinz Bosnien. Dem ersten Mordbuben, der eine Bombe nach dem Kraftwagen des Erzherzogs schleuderte, mißlang seine blutige Absicht. Unversehrt langte das Thronfolgerpaar im Ratzhaufe an. Aber als es dann wiederutn durch die Stadt fuhr, vollbrachte ein zweiter Verbrecher die schreckliche Tat. Seine Revolverkugeln trafen tödlich. — Der Draht meldete folgende Einzelheiten über, beide Attentate: S e ra jewo, 28. Juni. Als der Erzherzog-Thron- folger Franz Ferdinand mit seiner Gemahlin, der Herzogin von Hohenberg, sich heute vormittag zum Empfange ins RatlMU>s begab, wurde gegen das Automobil eine Bombe geschleudert, die der Erzherzog mit dem 2lrme znrückstiefz. Die Bombe erplodierte, nachdem das erzherzogliche Automobil die Stelle passiert hatte. Die in dem nachfolgenden Automobil befindlichen beiden Herzen Graf Boos-Waldeck und der Flügeladfntant des Landeschefs, Oberstleutnant Merizze, wurden leicht verletzt. Vom Publikum wurden 6 Personen mehr oder weniger verletzt. Der Attentäter, ein serbischer Schriftsetzer aus Tr.ebinfe, namens C a - b r i n o v i c, wurde sofort festgenommen. Nachdem Empfange im Rathause setzte der Thronfolger mit seiner Gemahlin die Rundfahrt fort. AM Hauptplatze sprang plötzlich ein junger qutgekleidetcr Mann aus dem Publikum hervor und gab auf das erzherzagliche Paar, zwei Schü s e aus einem Revolver ab, von denen der eine den Erzherzog nahe der Schläfe, der andere die Herzogin von Hohenberg im Unterleib traf. Das Autömohil fuhr nach dem Konak im befchleuUigten Tempo. Hier war sofort ein Arzt zur Stelle. Trotzdem war jegliche HilseleisttiUg unmöglich. Gleich nach der Ankunft im Konak verschieden der Erzherzog und seine Gemahlin. Der Mörder, auch ein Serbe, ist ein Gpmna- iäst der achten Klasse aus Grahove mit Namen P r i n- : i p. Er wurde bei seiner Verhaftung fast gelyncht. P r i n c i p, der längere Zeit in B e l g r a d studiert hat, ist 19 Jahre alt. Nach seinen Aussagen wr der Polizei hat er lchon lange die Absicht gehabt, 1 rgend eine hohe Person aus nationalistischen Zeweggründen zu töten. Er habe einen Augen- i >lick gezögert, da auch die Herzogin sich im Automobil i lesand, dann aber rasch gefeuert. Er leugnet, Komplien zu haben. Von beiden jugendlichen Mordgesellen führen Fä- i an noch der serbischen H a u p t st a d t. Die 3luttat in Serajewo erscheint also in irgend einem Zu- * ammcnhange mit den g r o sz s e r b i s ch e n U m t r i e- ' en zu stehen. Hart lastet die Hand des Schicksals auf dem alte» ’■ urrfcherhaufe der Habsburger. Einsam ragt die ver- hrungswürdige Gestalt des 84jährigen Kaisers Franz ' fosef in unsere Gegenwart hinein. Rund um ihn ! — ■■■■■■ i . i — ■■ ■■ ■ ■■■ Das Glas des Erasmus. Humoreske von A. Thiele. Die Mitglieder des „Vereins für Münzkunde" hat- n den wissenschaftlichen Teil ihrer Sitzung beendet, nn lebhaftes Gespräch entspann sich an dem runden , Ische, der nutzer einer, Anzahl von seltenen Münzen lit verschiedenen Eremplaren der weniger seltenen Spc- es „Bierseidel" bedeckt war. Man unterhielt sich über Sammlungen von Alter- - imern, und einer der, Herren erwähnte dabei den wohl- , ingenden Namen Hoizbock. > „Haben Sie ihn auch gekannt, den alten Holzbock » i Frankfurt a. M.?" rief der Justtzrat Krüger,. \ „Freilich kannte ich ihn, ihn und seine vortrefflichen i nmmlungen", erwiderte der, Angeredete, der Rentier lume. „Mir ist mit ihm einmal eine unangenehme Ge- r lichte passiert", suhr Krüger sort, „die ich Ihnen, meine ’ erren, soviel ich weitz, noch nicht mitgeteilt habe." Mittwoch, den 1. Juli 1914. - 26. Jahr«. hat der Tod seine Ernte gehalten, als walte ein besonderes Verhängnis über allen den hochgeborenen Menschen, die dem Kaiser lieb sind. Ueber den gewaltsamen Tod des Kronprinzen Rudolf sind immer"noch nicht alle Schieier gelüftet. Vorher war Franz Josefs Bruder Mar bei dem merikanischen Abenteuer ums Leben gekommen. Die Gattin, Kaiserin Elisabeth, starb von der Hand eines wahnwitzigen Meuchelmörders. Eine lange Liste des Unheils lietze sich entrollen von den weiteren Schicksalen, die Kaiser Franz Joseph in seinem engeren und weiteren Familienkreis mit anfehen mutzte. Schwerer noch vielleicht, als an dem Unglück seines Hauses, mag der Fürst an den Geschicken seines Landes getragen haben. Die 66 Jahre geschichtlicher Wandlungen, die über Oesterreich-Ungarn hinweggegangen sind, seit Franz Josef als Jüngling unvermutet aus den Thron der Doppelmonarchie berufen worden ist, weisen manches schwarze Blatt auf: Der Erwerb von Bosnien war nach manchem Verlust und Mißerfolg der einzige Machtzuwachs, der für Franz Josefs lange, ereignisreiche Regierungszeit zu verbuchen ist. Alber Bosnien kostet das Leben des zum Thronsolger berufenen Neffen des Kaisers, der ihm sei! vielen Jahren nicht nur, ein Berater, der beinahe ein Mitregent geworden war, der die schwere Bürde der Kaiserkrone dem Oheim tragen half. „Entsetzlich, entsetzlich) auf dieser Welt ist mir nichts erspart geblieben", sagte weinend der Kaiser, als ihn in Ischl die Un- glücksbotschast aus Serajewo erreichte. Die mannigfachen Vermutungen und Deutungs - versuche für die Richtlinien einer Regierung Franz Ferdinands sind durch das Schicksal weggewischt von der Tafel der politischen Berechnungen. Eine neue, vorläufig unbekannte Grötze ist statt dessen in Erscheinung getreten: die Persönlichkeit des neuen Thronfolgers: Die Kinder des ermordeten Erzherzogpaares sind auf dem österreichischen wie auf dem Ungarischen Throne nicht nachfolgeberechtigt. Franz Ferdinand mutzte, als er die unebenbürtige tschechische Gräfin S o p l i n A h o t ch ehelichte, ausdrücklich den Verzicht auf alle Ansprüche für seine Nachkommenschaft aussprechen. Der Erzherzog Karl Franz Josef ist jetzt der nächste am Throne. Er ist der älteste der beiden Söhne des vor wenigen Jahren verstorbenen Erzherzogs Otto, eines jüngeren Bruders des ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand. Erzherzog Otto war der nächste Anwärter auf die Krone nach seinem Bruder. Ein im Uebermut selbst verschuldetes, qualvolles Leiden hat ihn dahingerafft. Sein Sohn, der jetzt als Thronfolger zu gelten hat, der Erzherzog Karl Franz Josef, wird 27 Jahre alt. Er ist vermählt mit der Prinzessin Zita von Bourbon und Parma. Ein \ l / 2 Jahre alter Stammhalter sichert zunächst die Thronfolge in dieser Linie. Viel mehr weitz man in der Oeffentlichkeit nicht von ihm. Er soll bei seinen Kameraden ein beliebter Offizier sein. Und doch hängt eine unendlich bange Frage an seiner Person: Was soll aus Oesterreich-Ungarn werden, wenn einmal der Tag kommen sollte, da Kaiser Franz Joses ausscheidet' aus dem staatlichen Leben ? Was soll dann werden, wenn der neue, unlbe- Die kleine Gesellschaft bat den Justizra! zu erzählen und dieser begann: „Der Trieb, merkwürdige Altertümer zu sammeln, regte sich schon früh in mir. Indessen wird es Ihnen, wohl einleuchten, daß in meinen Studentenjahren und zur Zeit meiner hohen staatlichen Würden als Referendar und Assessor meine Sammlungen in sehr bescheidenen Rahmen bleiben mutzten, Trotzdem war mein Interesse sehr rege, und so suchte ich denn auf einer Reise, die mich durch Frankfurt führte, auch den seligen Holzbock auf. Christlieb Holzbock, Besitzer einer, der verschla- gendsten Physiognomien, die mir in meiner juristischen Praiis vvrgekommen, bewohnte ein altes yrohes Haus in einer abgelegenen Strotze." „Ganz richtig, ich entsinne mich", unterbrach ihn Rentier Blume, „ich habe ihn dort auch besucht." „Dieses Haus war von unten bis oben mit Kuriositäten angefüllt, die dey Alte gleich einem Drachen hütete. Sein grötzter Stolz wagen jedoch einige Unika, Geräte und Kleidungsstücke, die im Gebrauche historischer Berühmtheiten gestanden hatten, und die durch - kannte Mann, der den Thron besteigt, nicht die Eigen- - ! schäften mitbrintzl, die den Träger der Krone zumfreu- > j dig anerkannten Mittelputtkte des haderzerspaltenen Rei- l ches machen könnte? > Serajewo, 28. Juni. Nach dem Attentat be- 1 mächtigte sich der Menge eine ungeheure Erregung. — Man sah viele Leute weinen. Die Trauer in der Stadt > ist unbeschreiblich. Die Bevölkerung ist konsterniett. Ue- i befall wehen Trauerfahnen. Wien, 28. Juni. Die Nachricht von dem Atlen- , tat und von dem Tode des Erzherzog-Thronsolgers Franz Ferdinand und seiner Gemahlin wurde in Wien unter dem Ausdruck tiefster Teilnahme und Bestürzung s lebhaft besprochen. Aus der ganzen Monarchie treffen : Depeschen ein, die den erschütternden Eindruck wieder- j geben, den die Nachricht des Attentats hervorries. Ue- ’ | berall wurden die Festlichkeiten! abgesagt. An vielen s j Orten fanden Kundgebungen statt, in denen die unwan- ! dellbare Treue zu Kaiser und Kaiserhaus auSgedrückt ' ! wurde. Bad Ischl. Der Kaiser Franz Josef, der sofort . I von dem Ableben des Erzherzogs und seiner Gemahlin ! verständigt wurde, zog sich tieferschüttert in seine Ge- [ I mächey zurück und befahl, Dispositionen für seine Rück- i reise nach SchönbruNn zu treffen. Er ist bereits nach . ! Wien zurückgekehrt. » Wie verlautet, sollen dem Erzherzog schon vor Be- | ginn der großen Manöver zahlreiche Warnun- , I g«n zutzegangen sein. Der Erzherzog soll erklärt haben, er se: entschlossen, unter allen Umständen an den • Manövern teilzunehmen und vor Drohungen nicht zu- ‘ rückzuwcichen. Ter neue Thronfolger. W i e n, 30. Juni. Um dem nunmehrigen Erzherzog-Thronfolger Karl Franz Josef Gelegenheit zu I geben, den Dienst auf den hohen Kommandoftellen ken- i neu zu lernen, werden ihm ein militärischer Stab und ! militärische Berater zur, Seite gestellt werden, die aus j einigen Offizieren der bisherigen Militärkanzlei des Erz- j Herzogs Franz Ferdinand ausgewählt werden. Die Mi- lilärkanzlei des Eeneralinspektorats als solche wird . aufgelöst. Die Mutter des neuen Erzherzog-Thronfolgers, die Erzherzogin Maria Josefa, ist eine Schwester des Königs vvn Sachsen. Thronfolger Karl Franz Josef voll- ! endet am 27. August sein 27. Lebensjahr. Er machte ! die Gymnasialstudien durch und trat früh in den militärischen Dienst ein, arbeitete jedoch fortgesetzt wissen - schastlich auf den Gebieten der Philosophie und der Jurisprudenz. Der Thronfolger, der Deutsch, Böhmisch, Ungarisch, Englisch und Französisch spricht, steht als Major im Infanterie-Regiment Nr. 39 in Wien und wird in der preußischen, der sächsischen und der badischen Armee a la suite geführt. Er besitzt ein liebenswürdiges und freundliches Wesen und ist bei Borge - setzten, Kameraden und Untergebenen beliebt. Er besitzt die Rettungsmedaille, die bekanntlich Bismarck von allen seinen Orden am höchsten schätzte, da er einmal einen Soldaten vom Tode des Ertrinkens rettete. Seit dem mmmommm ——■ Dokumente als unzweifelhaft echt bezeichnet wurden. So besaß er einen Koller Orenstierna's, ein Paar Schul,e von Kant, eine Schillerlocke, eine Mütze von Ziethen und andere Dinge mehr. Indem er mir dies alles vorwies, forschte er mich aus, ob ich auch etwa eine solche verbriefte Merkwürdigkeit mein Eigen nenne. Durch einen glücklichen Zufall war ich Besitzer zweier Sporen, mit denen einst der weiland Generalissimus Tilly seinen Gaul gekitzelt hatte. Als ich dem seligen Christlieb Holzbock das Dokument beschrieb, das die Echtheit meines Besitzstückes verbürgte, leuchteten seine scharfen Augen plötzlich auf) dann aber fuhr er ruhig sort, mir seine Unika vorzuweisen. „Und nun", sagte er mit feierlicher Stimme, „werde ich Ihnen die Perle meiner Samm - lung zeigen, ein Trinkglas, das der große Erasmus , von Rotterdam im täglichen Gebrauch hatte." Er ließ mich das dazu gehörige Dokument lesen und reichte mir dann das Glas zur genauen Betrachtung. Ich erinnere mich desselben noch genau, es war ein grüner Römer mit weißen Buckeln!" (Fortsetzung folgt.) 21. Oktober 1911 ist er mit der Prinzessin Zita von Parma und Bourbon vermählt. Diesem Bunde entsproß am 20i November 1912 der kleine Erzherzog Franz Josef Olto, der künftige Thronfolger. Die Gemahlin des Thronfolgers stammt in gerader Linie von Karl 5., König von Frankreich, ab. Der junge Erzherzog gilt für politisch unparteiisch, und alle Oesterrei- Ter sind darllver, einig, daß er eine vornehme Natur ist. Sein Charakter scheint dem des greisen Kaisers in vielen Stücken ähnlich zu sein. Bei de» Verwaisten. Von unbeschreiblich ergreifender Tragik war der Augenblick, in dem die Tante der ärmsten, so plötzlich zu Waisen gewordenen Kinder des ermordeten Thyon- fokgerpaares, die Gräfin Choteck, sie von dem so furchtbaren Geschick benachrichligen mutzte, das über sie so plötzlich hereingebrochcn ist. Schon am Sonntag nachmittag wurde den ahnungslosen Kindern mitgeteilt, es sei eine Nachricht nach Wien gelangt, wonach die Eltern von einem Ueberfall, wahrscheinlich von einem Am tomobilunfall, aus ihrer Reise betroffen worden seien. Schon der Schrecken, mit dem diese Nachricht von seiten der Kinder, die in unendlicher Liebe an ihren Ellern gehangen haben, ausgenommen wurde, lietz es der Gräfin Choteck nicht ratsam erscheinen, vorläufig mehr zu berichten. Abends beteten noch die Kinder, der liebe Gott möge alles zum Guten wenden und die Eltern wieder gesunden lassen. Indessen konnte die Gräfin Choteck die ganze Wahrheit umso weniger länger verschweigen, als die Kinder, insbesondere die 13jährige Fürstin Sophie, von ungemein hoher Intelligenz sind. Auch lietz sich das furchtbare Trauerspiel schon im Hinblick ans die zahlreiche Dienerschaft im Schlosse zu Kono- pischt und im Belvedere nicht weiter verheimlichen. So mutzte denn die Gräfin Choteck in den gestrigen Morgenstunden den armen Kindern die ganze Wahrheit sagen. Das Entsetzen der Bedauernswerten war beispiellos. Nur mit Mühe gelang es, die älteren Kinder so weit zu beruhigen, datz wenigstens Schlimmstes und Tragischstes vermieden wurde. Sie sind sich der ganzen Größe des auf sie hereingebrochenen Unheils vollständig bewutzt. Jetzt sollen sie ruhiger geworden sein und im Kreise der nahen Angehörigen ihr,er Mutter still vor sich hin weinen. Auch die Erzherzogin Josefa läßt es nicht an Tröstungen der armen Kinder fehlen. Karlsbad, 30. Juni. Der Schwager der Herzogin von Hohenberg, Graf Wuthenau in Dresden, der hier zur Kur weilt, hat sich nach Schloß Chlu- rnetz begeben, um den drei Kindern der Ermordeten zur Seite zu sein. W i e n, 30. Juni. Die Blätter bringen noch Einzelheiten über das Attentat und seine Folgen aus Sera- ervo. Danach waren die letzten Worte des Erzherzogs: Sophie, bleibe leben für unsere K i n - > e r!" Der Erzherzog hatte noch, bevor er von Jlidze >ach Serajewo fuhr, an die Kinder ein Telegramm auf- jesetzt, wotin er ihnen die Ereignisse des Samstags childerte. Das Telegramm schlietzt: „Grütze, Küsse von Pappi." Tcutschiands Trauer. Kiel, 28. Juni. Die erste Nachricht von dem Unglück traf von dem deutschen Konsul in Serajewo auf der „Hvhenzollern" ein. Der Chef des Mayinekaoinelts v. Müller begab sich sofort aus dem Verkehrsboot „Hulda" in See und ries dem Kaiser der sich auf dem „Meteor" befand, die Nachricht auf die Jacht hinüber. Der Kaiser brach die Regatta sofort ab, trotzdem der „Meteor" einen Vorsprung von 15 Minuten hatte. Die anderen Jachten sind diesem Beispiel gefolgt. Der Kaiser hat befohlen, datz die deutschen Kriegsschiffe sofort die Flagge halbstock setzen und die österreichisch-ungarische Kriegsflagge am Grotzmaft gleichfalls halbstock, da Erzherzog Franz Ferdinand Admiral der deutsche» Flotte war. Die englischen Kriegsschiffe sind diesem Beispiel gefolgt, ebenso die Jachten. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt u. a.: Ter österreichisch-ungarische Thronfolger mit Gemahltn ist einem slüchwürdigen Verbrechen zum Opser gefallen. Ganz Deckt ch l a n d teilt i n i n n i g e m Mi 1 gesühl die Trauer und den Schmerz des habsburgischen Haufes und der österreichisch-ungarischen Lande. ÄuS der tiefen Bestürzung über die entsetzlichen Umstünde der furchtbaren Bluttat hebt sich überall das Bewußtsein des unermeßliche n V e r l u st e s, den die verbindete Monarchie durch die jähe Zerstörung eines Lebens erlitten hat, das zum höchsten berufen schien. Bad-Nauheim, 28. Juni. Nach dem Bekannt- werden der Trauerbotschaft aus Oesterreich senkte sich die österreichische Flagge aus dem Kurhaufe auf Halbmast. Die Musik spielte „Gott erhalle Franz, den Kaiser". Das Publikum hörte die Hymne stehend an. Dann wurde das Konzert eingestellt. Wien, 30. Juni. Hier sind Gerüchte verbreitet über die bevorstehende Ankunft verschiedener, auswärtiger Souveräne zur Leichenseier. Kaiser Wilhelm wird bestimmt erscheinen. Als feststehend nimmt man an, datz die Könige von Bayern, Sachse n, Spanien sowie Belgien nach Wien kommen. Ein bisher unkontrollierbares Gerücht spricht auch von einer Wiener Reise des Königs Georg von England. Petersburg, 30. Juni. Der Zar sandte gestern dem Kaiser Franz Josef ein tief empfundenes Beileidstelegramm. Wie aus Hofkreisen verlautet, hat die Nachricht von der Ermordung des Erzherzogs und seiner Gemahlin im Zarenhof einen erschütternden Ein - Eindruck gemacht. Der Zarin Alerandra wurde sie unter größter Vorsicht vom Zaren mitgeteilt. Die Zarin war äußerst erregt und weinte anhaltend. Ssassanoff sandte dem Grafen Verchtold ein Beileidstelegramm. Politifcbe Rundfcbau. Deutschland. Berlin. 30. Juni. Der Kaiser ist in Begleitung der Kaiserin gestern nachmittag kurz nach 3 Uhr auf Schlotz Wildpark im Sonderzug eingetroffen. Aus dem Bahnsteig erwartete Prinz A u g u st W i l- h e l m' mit Gemahlin den Kaiser. Ferner war anwesend der Chef des Zivilkabinetts v. Valentini. Der Reichskanzler erwartete den Kaiser am Aüsgange des" Bahnsteigs. Der Kaiser trug die Grotzadmiralsuni- form, die Kaiserin war in tiefes Schwarz gekleidet. Der Kaiser unterhielt sich nach der Begrüßung des Prinzenpaares lange Zeit mit dem Reichskanzler und weilte gegen seine Gewohnheit/ fast eine halbe Stunde auf dem Bahnhof. Sodann fuhr er mit der Kaiserin im Auto nach dem Neuen Palais. Der. kaiserliche Hof legt für die Dauer von drei Wochen bis zum 19. Juli Hoftrauer an. England. * Das englische Geschwader hat den Befehl erhallen, nicht nach Kopenhagen zu gehen, sondern direkt nach England zurückzukehren. Albanien. * Die A u f st ä n d i s ch e n haben folgende Friedensbedingungen gestellt: 1. Abdankung des Py>n- zen zu W-ied; 2. religiöse Garantien; 3. Eintritteines türkische» Delegierten in die internationale Kontrollkommission; 4. Mitbestimmung der Bevölkerung bei der Wahl eines neuen Herrschers. Nm Stadt und Land. n Gießen. Geh. Hofrat Prof. Dr. phil. Hermann Haupt feierte gestern seinen 60. Geburtstag. n Gießen, 29. Juni. Gestern hielt der Verband Hess. Gewerbeschullehrer im Hotel Kaiserhof hier seine 3. Verb-andstagung ab. Der Vorsitzende, Architekt G a r, n o n-Gietzen, begrüßte die erschienenen Gäste, insbesondere die Leiter der Gewerbeschulen. Die angeregte Verhandlung über verschiedene Schul- und persönliche Verhältnisse erbrachte viel interessantes Material, das für die weitere Bearbeitung der von der Vereinigung gesteckten Ziele recht wertvoll war. Besonders die derzeitigen Anftellungs - Verhältnisse wurden einer eingehenden Besprechung unterzogen. Das von den Teilnehmern vorgebrachte Material wurde einer Kommission zuy weiteren Bearbeitung überwiesen. Im Anschluß an die Sitzung wurde der Gewerbeausslcllung ein Besuch abgestallet, über deren Darbietungen sämtliche Teilnehmer des Lobes voll waren. Den Scblutz der Tagung bildete ein Rundgang durch die Stadt. * Gießen. Durch Zuschrift des Großh. Krcis- amts Gießen vom 24. Juni 1914 wurde dem Vorstand der Gewerbeausstellung mitgetcilt, daß sich das Großh. Ministerium des Innern bereit erklärt hat, für die Gcwerbeausstellung in Gießen 2 goldene. 3 silberne und 5 bronzene Staatsmedaillen zur Verfügung zu stellen. Wie sich aus der mit Ermächtigung des Großherzogs von dem Großh. Ministerium des Innern am 8. August 1903 veröffentlichten Bekanntmachung ergibt, wird die hessische Staatsmedaille in drei Klaffen nur bei Ausstellungen von nicht bloß lokaler Bedeutung verlieben, um hervorragende Leistungen auSzuzeichnen. Auf Vorschlag des Ausstellungspreisgerichts wird die goldene Medaille direkt vom Grobherzog, die silberne und bronzene Medaille von dem zuständigen Ministerium verliehen. Daß der Gießener Ausstellung diese große Anzahl von Staatsmedaillen zur Verfügung gestellt worden ist. zeigt, eine wie hohe Bedeutung man ihr in Bezug auf die Förderung unseres heimischen Handwerks höheren Orts beimißt. * Gießen. Der letzte Sonntag hatte sehr viel fremden Besuch nach Gießen in die Gewecbeausstellung gebracht. So besuchten u. a. die Gewerbevereine von Darnistadt und Bad Orb, der Bezirksvecein der Forst- und Landwirte, Sitz in Frankfurt a. M., die Lehrer an den hessischen Gewerbeschulen, sowie der Club Fidelitas aus Lauterbach unsere Ausstellung. Bald herrschte in allen Räumen ein munteres Leben und mit Ernst und Fleiß suchte man den Wert unserer heimatlichen Arbeit zu ergründen Der geschäftsführende Ausschuß nahm an dem gemeinsamen Essen des Darmstädter Vereins teil. Der Vorsitzende der Ausstellung, Professor Dr. Krausmüller, begrüßte die Damen und Herren und toastete auch daraus, daß die Beziehungen, die durch den Besuch zwischen den Gewerbevereinen Darmsladt und Gießen angcknllpft worden sind, sich noch enger gestalten möchten im Interesse unseres heimischen Handwerks. Weißbindermcistec Krous- Tacmstadt dankte im Namen der Gäste für die herzliche Ausnahme und vorzügliche Führung. Sein Toast galt der Ausstcllungsleitung und dem Ortsgcwerbcverein Gießen. Stadtverordneter L. Petri II toastete auf die Damen. — Die Abteilung Alt-Handwerk hat dadurch eine wesentliche Ausgestaltung erfohrcn, daß ein Nagel- schmicd und ein Kunsttöpfer ihre Tätigkeit begonnen haben. * Gießen, 29. Juni. Schon am Samstag war der Polizei gemeldet worden, so wird den „Franks. Nachr." am Montag geschrieben, daß ein Strolch versucht hatte, Kinder an sich zu locken. Dem Karusscll- besitzcr Waldorf fiel es auf, daß gestern früh ein ganz heruntcrgckommen aussehcndcr Kerl, von einem Schulmädchen begleitet, am Schlachthof vorbei, den Hohleich- wcg entlang ins Fcld ging. Er verständigte zwei Schutzleute, zu denen sich noch der Kopfschlachter Sommer gesellt-", uno diese vier verteilten sich in verschiedenen Richtungen, um den Verdächtigen zu umgehen. Er zog plötzlich gegenüber dem Elektrizitätswerk unter dem Euler'schen Garten das Kind in einen Kornackcr und gleich darauf hörte man das Mädchen schreien Der Unhold wollte das Kind gerade am Halse würgen, da wurde er von Sommer gefaßt und unter Beistand der anderen, die ebenfalls gleich hinzuspcangen, dingfest gemocht. Wie das Kind angibt, hätte er nach etwas in seiner Brusttasche gesucht und die Polizei fand in i derselben ein Fläschchen mit Inhalt, von dem man ! »och nicht weiß, ob es Gift oder sonst etwas enthält. Der Täter hat das Kind in der Bohnhosstraße an sich i gelockt und ihm Kirschen gegeben. Dann hat er es l unter dem Vorgebcn, cs solle ihm ein Körbchen tragen I helfen, den weiten Weg mit über die Lahn gelockt und l :hm hier vvrgemacht, er hätte im Felde einen schönen i Blumcnstrauß liegen, den er ihm geben wolle. DaS ! Kind ist das 12jährigc Töchterchen eines Eisenbahn- ! assistenten. Vier andere Kinder, die dem Täter auf j dem Polizeiamt gegenüber gestellt wurden, erkannten , ihn als denjenigen wieder, der auch sie hatte verleiten l wollen. L * Gießen. Ter Landwirt Meub von Rieder- Mockstadt, der seit Ende April unter dem Verdacht der Verleitung zur Brandstiftung in Untersuchungshaft , gehalten wurde, hat sich am Samstag im Provinzial- | Arresthaus an der Ostanlage erhängt. Meub, der die j Schuld bestritt, soll 1912 seine eigene Scheuer durch \ einen Knecht in Brand haben setzen laffcn. Der angeb- j liche Täter befindet sich in Altenstadt noch in Haft. * Gießen, 30. Juni. Die in dem Turngau t Hessen in diesem Jahre neu eingesührten Bezirks« k meisterschaftsspiele wurden am Sonntag für ! den 2. Bezi.k auf dem Trieb ausgetragcu und zwar s waren hierfür folgende Faustballmannschaften gemeldete l In der 1. Klasse T.-V Gr. Linden. Dieser spielte, da er in dieser Klasse keinen Gegner hatte, direkt um die s Gaumeistcrschast. In der 2. K'asse standen sich die » 1. Mannschaft des M-T.-V. Büßen und der T.-V. t Gießen gegenüber. Elfterer siegte hierbei mit 57 : 45 > Punkten und wurde hierdurch Bezirksmeister der 2. Klasse. £ In der 3. Klasse spielten die 2. Mannschaft des M.-T.-V. >> Gießen gegen den T.-V. Grünberg. Dieses Spiel ging r ebenfalls zu Gunsten des Männer-Turnvereins mit 55 :51 Punkten aus und wurde dieser auch in der 3. Klasse Meister. Die Bezirksmeiftcr Pielen jetzt auf dem Gauturnfest, welches am 11.. 12.. 13. Juli in Ktrchheim statlfindet, um die Gaumetsterschast. Rach obigen Spielen fanden noch einige Gesellschaftsspiele unter den anwesenden Mannschaften statt und hatten dieselben folgendes Ergebnis: M.-TV. Gießen I und Gr. Linde» 61 : 57, T.-V Gießen und Grünbcrg 35 : 31, Gr. Linden und M.-T V. Gießen ll 55: 40. * Gladenbach. Hier wurden von dem Gendarmen drei Männer fcstgenommen, die in der Umgebung zahlreiche Einbrüche verübt hatten Als der Beamte die Verhafteten ins Amtrgerichtsgefängnis cinlicfern wollte, riß einer sich los, während die beiden anderen über den ' Beamten hersielen und ihn mit Messern bearbeiteten. ^ Der Gendarm, der u a. einen Stich in die Lunge erhielt, liegt schwerverletzt darnieder. Nach dem Vorfall ergriffen auch Oie beiden Attentäter die Flucht, wobei sie sich die verfolgenden Personen durch Ncvolverschüffe vom Leib zu Hallen suchten und zwei dcr Verfolger durch Schüsse verletzten. Nachdem die beiden ihre Munition verschossen Hallen, gelang es, sie festzunehmen. Der zuerst entwichene Flüchtling befindet sich noch auf b freiem Fuß. * Butzbach, 29. Juni. Aus der Butzbach-Lichcr Eisenbahn tritt am 1. Juli 1914 unter Aushebung der bisher güliigcn Tarife ein neuer Tarif in Kraft- Es treten Eimäßigungcn dirFah:preise in den Stations- Verbindungen Butzbach —Pohlgöns, Butzbach —Ebers- cöns, Butzbach — Obcihörgern, Butzbach —Rockenbcrg uno Bad Nauheim—Oppershofen ein. Für den Aus- slngsverkehr nach und von Bad-Nauheim, noch Münzcnberg (Burgruine Münzrnbcrp) und nach Hof und Torf Güll (Kloster Arnsburg) werden AuSflugS- karten II. und III Wagcnklaffe zu ermäßigten Preisen eingeführt, die an Sonn- und Festtagen und am Mittwoch Nachmittagen ausgegeben werden. Von Bad- Nauheim werden im Sommer auch an den übrigen Togen Ausflugskarten nach Münzenbcrg und Hof und Dorf Güll verabfolgt. Für den AuSflugsveikehr der III. Wagcnklasse werden die bekannten geräumigen mit großen Fenstern versehenen Ausfichtswagen in die Züge eingestellt. Es werden ferner die auf den Staats» kiscnbahnstrcckcn üblichen Mon ats neben karten eingeführt, deren Preis die Hälfte drs Preises der Monatskarten lnträgt. Für GcfellschaftSfahrten von mindestens 30 Personen trete» in allen Wagcn- klassen Fahrpreisermäßigungen ein. Der Mindestpreis für bestellte Sonde,zügc ist auf 30 Mark herabgesetzt worden. Auskunft erteilen die Stationen. * Darmstadt. 30. Juni. Die Strafkammer I Darmstadt fällte heute das Urteil in d-m zweiten Nicdcr- uodauer Prozeß. Ter Anc»klagte Moses Isaak vurdc wegen Beihilfe zur Untreue des Rechners Adam on Niedermodau unter Freisprechung im übrigen zu inem JahrGefängnis und 500 Mark Geldstrafe, ie evrnt'. mit weiteren 50 Tagen Gefängnis zu ver- üßcn sind, verurteilt. Die St-ose g !t durch die Unter- uchungshaft als verbüßt. Der Haftbefehl wird auf- ehoben. Isaak hatte im ersten Prozeß w'g>n g-werbs- läßiger Hehlerei 1 Jahr 9 Monate Zuchlhaus erhalten * Wiesbaden. Au? Anlaß des 200jährigen Bestehens der Firma Christoph Andreae in Mülfeim a. Rh har der Inhaber der F rmo, Herr Handels-- ammerpräsidcnt Franz Andreae, bei der Dcnt- chcn Gesellschaft für Kaufmanns Erho- ungsheime eine zweite Stiftung in Höhe von Ulf. 15600 zu Gunsten der Angestellten der Fiima reichtet. Aus dem gleichen Anlaß hat der frühere Inhcbcr der Firma, Herr Paul N Andreae, Hans lsticl nforft bei Dcllb ück, Bez. Köln, der Gesellschaft bcnfallr eine Stiftung vrn Mk. 10000 übe.wiesen. Diese Stiftungen sind erfolgt, nachdem sich die Ange- tcllten der Firma über den Aufenthalt in den Heimen -er Gesellschaft aufs anerkennendste ausgesprochen haben, es stifteten ferner: Joseph Voegele, Mannheim Mk. 0000; Kommerstcnrat Bensinger. Mannheim Mk. 5000; !acl Freudenbcrg, Weinheim Mk. 5000; Ho>zverkohlunss- adastrie A.-G., Konstanz Mk. 5000: F. Wolst u. Söhne, tarlsruh» Mk. 5000; Heinr. v. Doll Armi, München stk. 10 000; Rheinische Hypothekenbank, Mannheim st'. 5000; M. A. Strauß, Karlsruhe und Kunheim (So , Berlin e.höhten ihre Stiftungen von je Mk. 1000 uf je Mk. 5000. Der Uogt von fiaiger. Wer in diesen vergangenen Junitagen von den ichen- und tannenbestandcnen Höhen des Westerwald,s inabslieg in dos idyllische Tal, in dem das tausend- ährige nassauische S'ä'tchcn Haiger liegt »ud wer on den westlich der Stadt liegenden Höhen den Blick ber die Feld r und Dächer hinweg schweifen lie'"’ zu ein grünen Kranz der Berge, die sich hier wie oltv.r raute Nachbarn grüßen, dem haben öfters jubelnde «d festsreudipe und sogar kriegerische Rufe rns Lhr cklungen. Bald ein freudiges „Hojotoho!" sonnwendfei- rnd.r Jungfrauen und Jünglinge. Bald >in brausen- es „Joduleho!" streitlustiger Männer und Burschen, "dir ein bcgciste tes „Heilo!" wchrtragcnder Kämpfer. Wie ein G uß aus der Vergangenheit der geweebe- e ß gen Stadt im Talgrund klang und brauste cs her- uf zum Bcrgwald. Und der Wanderer glaubte sich iie durch einen geheimen Zauber zurückversetzt in das Iste Jahrhundert, in dem noch die Fäuste rascher zum rchweriknouf griffen und die Waffen klirrender nnein- nderschlugen. Tie aber dort zwischen den dichten Hecken, in denen die Waldroscn blühen, und den düsteren starken Tannen, die sich mit junggrünen Spitzen geschmückt haben, ihre welthinschallendcn Stimmen e-heben, daß das Echo aus dem tiefen Forst Antwort gibt, die Mädchen und Jünglinge, Kinder, Frauen und Männer. . . es waren keine geisterhaften Schatten, sondern Söhne und Töchter der Gegenwart, es waren die Volksspieler von Haiger. Um ihrem Spielleiter, den rheinischen Schriftsteller Wilhelm Clobes, geschart, informcrten sie unverdrossen und mit begeisterten Herzen das Tausend- jahr-Fe st spiel, das C. S p i e l m a n n, der namhafte nosfsauische Heimatdichter, der Stadt Haiger zum Jubelfest im Juni geschrieben hat. Wer sie aber einmal bei dieser vor festlichen Arbeit gesehen hat, die wackeren „Hundertsünfundzwanzig von Haiger" — soviel Darsteller erforderte das Festpicl — der wird es auch gern beredten Mundes in die Nachbarschaft hinaustragcn, dast cs etwas ganz besonderes war. „Der Vogt von Haig er" — so heißt das festliche Spiel — ist «in Hcimatlpiel in des Wortes edelster Bedeutung. Die Liebe zum Westerwald spricht aus dieser formschönen und darmatisch lebensvollen Dichtung und die Verehrung für jene toten Vorfahren, die einst mit trotziger Stirn und hellem Auge auf dem Boden der He-igermark standen und der goldenen Zukunft der Urenkel ein herrliches Vermächtnis schufen und erstritten. Auf demselben Boden hat es auch seine darstellerische Gestaltung gefunden durch die echten Kinder des Weste woldcs. Angesichts der satten Wiesen und sprudelnden Bäche, der blauen Berge und der romantischen Wälder, is in Szene gegangen, im Herzen jener malerischen Landschaft, wie sie im Liede weiterlcbt. „Meer sein zefriere ömmer hie, Der Himmel cß närjends klohrer, Die Wällcr sein voll Haas on Rieh, Die Wisse sein voll Fohrer. He sticht en Monnskerl huch det Gcaas, Wie Goold cß he su gcel der Waas, On Korn, wie Buhnestange" Mit diesem goldenen Schatz von Zuseiedcnheit im Herzen treten sie olle auf den grünen Plan des Natur- thiatecs, die „Männer; bieder, fest und stark", die Mädchen, kernig, blühend, schön",alle ie „schlichten Menschen, frisch und froh", wie der nassauische Dichter Alois Henningcr in seiner Dichtung v.m Westerwald schildert. Und in diesem Zeichen verbindet sich auch mit der stammcstrcuen Heimatliche die künstlerische Kultur des Freilichttheaters, um ollen Erfordernissen des Volks-FcstspielS gerecht zu werden. Da soll in Spielmanns wirkungsvoller Dichtung das Feucr der Sommersonnenwende emporlodern und die Jugend von Haiger zu Sprung und Reigen vereinigen da soll, nachdem das Spiel durch das feindliche Element jählings gestört wurde, der eiserne Vogt von Haiger Ding — d. i. Gericht — halten. Da wird das blanke Schwert selbst vor den Herren vom Gericht nicht zu- rückscheuen. Im wilden Nahkampf werden sich die Klingen der Vogtsmannrn und derer vom Stift kreuzen, ehe die Bischöfe von Worms und Trier in feierlicher Prozession dieSzene erfüllen und Heinrich der Dritte, der König der Deutschen und römischer Kaiser, aus dem Sattel Frieden stiftet. Ein farbenreiches,eindrucksvolles Bild das sich dem Gedächtnis eines jeden Gastes eingeprägt hat. Verantwortlich: Alb in Klein, Greffen. ? Blasen- und Nierenleiden sowie Frauenkrankheiten treten weitaus häufiger auf, als inan nieist annimmr. Mona'e und Jahre hindurch treiben sie oft still und unbeachtet ihr unheilvolles Zerstörungswerk, bis sie plötzlich ihren wahren Charakter enthüllen und die bisher meist ahnungslosen Kranken mit einer Bösartigkeit und Hartnäckigkeit verfolgen, die oft säst zur Verzweiflung »reibt. Die zahlreichen Berichte in dem unserer heutigen Auflage beiliegenden Prospekt „Hilfe bei Blasen- und Nierenleiden" geben diesen traurigen Tatsachen beredten Ausdruck. Meine Leserin und kein Leser sollte versäumen, sich daraus ei» schärferes Bild von diesen ungeheuer verbreiteten und überaus lästigen, oft recht gefährlichen Leiden zu verschaffen. In dem erwähnten Prospekt finden unsere Leser aber auch ausführlichen guten Rat, wie solchen und ähnlichen Leiden durch eine Haustrinkkur mit Altbuchhorfter Mark-Sprudel Starkquelle wirksam begegnet werden kann. Alle die erwähnten Berichte von ärztlicher und privater Seite stimmen darin überein, daff bei Leiden der genannten Art der Altbuch- horster Mark-Sprudel Starkquelle eine geradezu glänzende Heilwirkung zu entsalten vermag, die tatsächlich jedem Kranken auch überzeugend sich aufdrängt, wenn er einen Versuch mit diesem heilsamen Mineralbrunnen erst einmal unternommen hat. Jedenfalls ist der erwähnte Prospekt der genauesten Beachtung dringend zu empfehlen. VQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQQ^ <3 O <3 a Q o o o o <3 o o Sommerfrische und Luftkurort Hohenstein bei Bad Schwalbach im Taunus. Bahnstation der Strecke Diez-Wiesbaden, 14 Minuten von Bad Schwalbach. — Direkt am Walde gelegen. Bade- u. Trinkkur in Bad Schwalbach zu gebrauchen. Für Nervöse und Herzleidende durch gesunde, kräftige und sehr ruhige Lage zu empfehlen. Schöne Spaziergänge durch Laub- und Nadelwald ohne zu steigen Gasthof, Pension und Burgruine Hohenstein gegenüber dem Bahnhof Hohenstein. Das ganze Jahr geöffnet. 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