9 9trot9«cli 2f pfg. monatlich »»»«Hl t» »ich» ahlbar, frei in» Hxu» n »der in den Zweig. 00 Pfg. - «rkcheirl» — Redaktion: ©eitet». Untheniahriinfl oder Rücktendung üe wird nicht garantiert. Lrpetzltio«: rellersweg 83. Gertaz der „Giechener Zeitung" ©. m. b. H. ifuttit Mich euer Tageblatt) Anzeigenpreir 15 psg. , die 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 30 Psg Die 90 mm breite Reklame- Zeile 50 Plcnni« Extrabeilagen werden nach Gewi tu und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bei Ncberschreitung des Zahlung». zieleS s30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder i>-, ikonkur» in Wegiaü. Piatzvorschrifteu ohneBerbindlicktei. Druü der «iechener Berlagsdruikerci. Albi» Mein Nr. 47. r-lephon: Nr.302. Samstag, den 13. Juni 1914. Telephon,Ir. 903. 26. Iaht». Kaifer (Uilbelm in Ronopifcbt. • Kaiser Wilhelm, in dessen Begleitung sich der GeneraladjMaM v. Plessen, der Großadmiral v u n T i r p i tz und Oberhofmcisler Freiherr v. Reischach besinden, ist gestern srüh 9 Uhr aus dem bekränz- ten Bahnchos BeneschaU eingetroffen. Der E < z h e r - zog-Thronsolger war mit Gemahlin und Kindern erschienen. Die Herren begrüßten und küßten sich herzlich. Dann reichte der Kaiser der Herzogin v. Hohenburg den Arm und sührte sie zum Automobil. Unter 21 Salutschüssen erfolgte die Abfahrt nach Schloß Konopischt, wo beim Eintreffen der Gäste die Kaiserstandarte auf dem Turm erschien. Vormittags 10 Uhr wurde ein Ründgang durch das Parterre und den üppig prangenden Rosengarten an- getreten. Kaiser Wilhelm äußerte wiederholt sein Entzücken über die einzigartige Schönheit des Rosengartens. Dann standen Wagen bereit, um die Herrschaften nach den entfernteren Parkparticn zu fahren. Zuerst, ging es zur Schiberna . Immense Gruppen von silberblau gefärbten Nadelhölzern geben der Szenerie einen uube - schreiölichen Reiz. Daß diese Bäume hier bei nicht allzu günstiger Bodenbeschafsenheit üppig gedeihen, zeugt von einer großen Sorgfalt, die.der Eitzherzog mit vieler Mühe diesen Pflanzen angedeihen läßt. Bon der Si- berna ging die Fahrt durch die prächtige Koniserenallec nach Frieder! und aem schmucken kleinen Jagdhaus uNd dann uM den großen Teich nach dem Schloß zurück. ' Prag, 12. Juni. Die „Bohemia" meldet: „Entgegen allen Dementis sind wir in der Lage, unsere MitteUung, daß der König von Schweden, der zurzeit in Karlsbad zur Kur, weilt, aus Anlaß des Besuches Kaiser Wilhelms beim Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand in Konopischt einen Besuch ab- slalten wird, auf Grund von Informationen an ein - wandsreier Stelle vollkommen aufrecht zu erhalten. Um den Besuch eines etwaigen demonstrativen Charakters, der ihm von dreibundseindlicher Seite beigelegt werden Sit könnte, zu entkleiden, wird über denselben amtlich >« n i ch t s b e r i ch t e 1. In eingeweihten Kreisen nimmt ij man an, daß der König von Schweden morgen vor- - mittag höchstwahrscheinlich mittels Automobil iickognito J von Karlsbad noch Konopischt abreisen wird." \ Polififcbe Rnndfcbau. Deutschland * Der Großheizog von Mecklenburg- Str el i tz ist am Donnerstag abend 8.17 Uhr in Berlin g e ft o r b e n. (üroßi,erzog Adolf Friedrich war am 22. Juli 1848 zu Strelitz geboren. Er war erst am eä 30. Mai 1904 zur Regierung gekommen. Verheiratet he mar er seit 1877 mit der Prinzessin Elisabeth von Anis halt. Aus dieser Eh« sind drei Kinder hervorgegangen. Um der Raum willen. jjj Eine heiter« Kaisergeschichte von Ad. Bauer-Opladen, ‘ij. B! Nachdruck verboten. 0 {S Die kleine Nenne Groß, staatlich angestellte Lehrerin in Dingsda im Belgischen, war bereits 23 Jahre alt geworden, ohne den Kaiser gesehen zu hoben. ^ Die Schuld lag nicht an ihr; gewiß nicht. Sie war M «ne rechte Patriotin Und schwärmte für das Kaiserhaus. " Schon zweimal hatte sie versucht, den Kaiser persönlich ZU Gesicht zu bekommen, aber jedesmal war der Versuch mißglückt. Zuerst in Düsieldorf im Jahre 1902. Da war die Aennc Groß mit dem ersten Zug nach Düsseldorf gefahren. In der Graf Adolf-Straße, die der Kaiser passieren sollte, hatte sie sich ausgestellt und unverdrossen ihren Standpunkt behauptet. Jedoch im entscheidenden Moment, als das Hurrarufen die Ankunft des Kaisers verkündete, flutete auf einmal eine Menschenwoge heran, welche gerade vor ihr staute. Ja, wäre Aenne 2 Köpfe größer gewesen, dann hätte sie ihn vielleicht gesehen, so rbek die äußerste Spitze eines weißen Federbusches Lies, was sie erspähte. Damals hatte sie bitterlich über ihr Pech geweint, nsbeslmdere. da ihr die Reise nach Düffeldorf an Fahr- l«ld Und Beköstigung 8,45 Mk. gekostet hatte. Zu jener l Zeit war sie noch nicht angestellt und ganz auf den Teldbeutel ihrer Tante, bei der si« wohnte, und die ihr, >er atmen Waise, auch die Wittel zum Studium gegeben Der neue Eroßherzog ist am 17. Juni 1882 geboren und noch nicht verheiratet. Er hat zwei Schwestern: Viktoria Maria, geb. 1878, und Jutta, geb. 1880, als Militza mit dem ^montenegrinischen Kronprinzen verheiratet. — Dem verstorbenen Großherzog von Mccklen- burg-Strelitz rühmen die Blätter große Güte nach. Tie „Voss. Ztg." hebt hervor,, daß er als Bundessürst frei von partikularistischen Neigungen war. Das Blatt erinnert an die Bereitwilligkeit des Großherzogs, au>s seinem Privatvermögen Opfer zu bringen, wenn eine Verfassungsänderung dnrchyesüiirt werden könne. * An Stelle des verstorbenen Oberpräsidenten von Schwarzkoppen ist Unterftaatssekretär von Eisen- h a r t - R c t h e zum Oberpräsident der Provinz Posen ausersehen. Frankreich. * In Frankreich war vor einigen Tagen ein neues Ministerium Ribott an die Regierung gekommen, in dem der deutschfeindliche Delcassee Kriegsminister geworden ist. Schon 1905 hatte dieser Delcassee als Minister des Auswärtigen es auf einen Krieg mit Deutschland abgesehen. Gestern stellten die geeinigten Radikalen dkm neuen Ministerium eine Mißtrauens- T a g c s o r d n u n g, die mit 306 Stimmen gegen 262 angenommen wurde. Daraufhin mußte das Ministerium demissionieren und der Präsident Poincaree hat die Demission angenommen. Uebrigens soll sich das Ganze gegen den Präsidenten selbst richten, der demnach also nicht allzufest an der Spitze des Landes steht. Rußland. * Petersburg, 12. Juni. Der russische Minister des Aeußeren S s a s o n o w und der rumänische Gesandte in Petersburg Diamandi sind nach Con- stanza abgereist. Albanien. * D u r a z z o. Dem im Kampfe gegen die Rebellen durch einen Schenkelschuß verwundeten albanischen Oberleutnant Meld B e y ist vom Fürsten der Orden vom weißen Sterne Skanderbogs verliehen worden. — Achmed 33 c i) verhandelt mit den angesehensten Mohammedanern. Wenn seine Vermittelung erfolglos sein sollte, so soll spätestens am Samstag der allgemeine Vormarsch beginnen. * Die „Albanische Korrespondenz" meldet: Es verlautet, der Mimfterrat habe beschlossen, an die A u s- ständischen ein Ultimatum zu richten, in welchem diese aufgesorderi werden, sich binnen 24 "Stunden bedingungslos zu uMerwerfen und die Waffen abzu- liesern. Im Falle der Nichterfüllung der Forderung soll am Samstag allseitig ein konzentrischer Angriff auf die Aufständischen erfolgen. Ferner verlautet, daß die ftirstcMreuen Truppen gestern Ifchmi erobert und die Aufständischen von dort vertrieben haben. hatte, angewiesen. Sie mußte der mehr als sparsamen Tante Jette über jeden verausgabten Pfennig Rechenschaft ablegen. Wochenlang hatte ihr die TaMe die umsonst verausgabten 8,45 Mark vorgehalten. Einige Jahre später, Aenne war inzwischen angestellt worden, bot sich ihr wieder die Möglichkeit, ihre Sehnsucht nach dem Kaiser zu befriedigen. Gelegentlich der Brüsseler Ausstellung sollte der Kaiserliche Hofzug die Strecke Hagen-Elberseld-Köln durchfahren. Diesmal gestalteten sich Aennes Reisekosten billiger-, denn Tante Jette hatte ihren Rucksack mit Butterbroten, einigen Eiern und einer Flasche Kaffee gefüllt, und see- lenvergnügl war die lleine Lehrerin auf Schusters Rappen bergauf, bergäb gewandert. Zwischen Eruiten und Vohwinkel hatte Aenne Groß sich dann unter einer Akazie an der Eisenbahnböschung postiert und den Hofzug erwartet. Wie Nopft! ihr Herz, als nach langem, langem Harren sachte und majestätisch, einer glitzernden weihen Schlange gleich, der Hofzug um eine Kurve bog und sich ihr näherte. Doch, oweh, ihr frohes Winken wurde bloß vom Lokomotivführer und von dem Schaffner auf der Plattform des letzten Wagens bemerkt, welche beide ihr sehr sreundkich zunickten. Von den Insassen des Hcfzuges hatte Aenne nur einige hin- und heceilende, schwarzbe- ftackte Domestiken gesehen. „Es ist am besten, du fährst nach Berlin und gibst Einbeitsfcbule in Ressen D a r m st a d I, 12. Juni. In der heute fortgesetzten Beratung der Zweiten Kammer sprach sich zunächst der nationalliberale Abgeordnete Hauptlehrer Bach-Mainz ausführlich zugunsten der Einheitsschule aus und erläuterte nament - lich die Stellung des 130 000 Mitglieder zählenden Allgemeinen Deutschen Lehrervcreins dazu. Ter Gedanke geht nicht vvn einer politischen Partei aus, sondern er ist vor 100 Jahren aus der Not des Volkes geboren worden und Männer wie Scharnhorst, Stein-Hardenberg, Pestalczzi und Fichte nahmen ihn auf. Wenn heute die nationale Wehrkraft und die wirtschastlichen Kräfte aufs äußerste angespannt werden, so muß der Staat ' die freie Entfaltung jedes Talents ermöglichen, gewähren und darf die Schulorganisation nicht nach sozialen Gesichtspunkten einrichten. Der Redner erklärte sich mit drei Punkten des Illrichschen Antrages einverstanden: Der Einführung der nationalen Einheitsschule, der Aufhebung der Vorschulen und der Beschränkung der Schülerzahl in den Volksschulklassen auf 40. Abg. Korell-Ingelheim (Forlschr. Vpt.) hat einen Unteranirag eingebracht, die Schülerzahl in Volksschulklassen nach Maßgabe der pädagogischen For- ' derungen zu beschränken. Er bittet dann um Auskunft, welche Maßnahmen aie Regierung getan habe, utn die vor mehreren Jahren versprochene Erleichterung des Ue- bergangs von einem Schulgang in den anderen duich- zuführen. Gegen die Einheitsschule könnten keinerlei nationale Bedenken geltend gemach, werden. Abg. Io Utz (Wild) führt aus, daß die gründliche Ausbildung unter der großen Schülerzahl in den Klassen leide. Die Kinder würden auch viel zu früh auS der SAule entlassen. Abg. Dorsch (Bbd.) erklärt sich sehr beftiedigt darüber, daß Abg. Ulrich hier gerade das Wort nationale Einheitsschule unterstrich und für die deutsche Sprache eintrat. Das stehe im Gegensatz zu dem Vive la France- Rufen seiner Genossen im Reichstag. (Widerspruch bei den Soz.) Mit der Beschränkung der Schülerzahl müsse man vorsichtig sein, weil dadurch schwache Gemeinden sehr belastet werden könnten. Redner betont schließlich die große Wichtigkeit des konfessionellen Religionsunterrichts. Vizepräsident Korell-Angenrod verliest einen Antrag des Abg. Dr„ Osann, worin die Einführuüg der nationalen Einheitsschule nur unter Wahrung des konfessionellen Unterrichts erfolgen solle. Abg. Dr. Osann (Natl.) begründet seinen Antrag und führt aus, daß eine freiheitlichere Gestaltung des UMerrichts und ein« ständige Berücksichtigung der Individualität notwendig sei. Mg. Pros. U r st a d 1 (Fortschr. Vpt.) verteidigt sich gegen den Vorwurf der Inkonsequenz durch den Wg. Ulrich und polemisiert dann gegen Staalsrat Süffert, deine Besuchskarte im Kaiserlichen Palais ab, sonst wirst du wohl nie den Kaiser zu sehen bekommen," verhöhnte Tante Jette ihre Nichte noch obendrein, als diese enttäuscht und hundsmüde nach Hause kam. Jedoch Aenne Groß ließ sich nicht beirren. Im Stillen sparte sie für ihre dritte Kaiserreise. Mit dem Sparen war es aber schon so eine Sache. Ihr Gehalt wurde von der geldliebenden TaMe ohne Gewissensbisse stets aus Heller und Pfennig eingeheimst. Und hatte sie von ihrem Erlös vom Privatunterrichterleilen einige Mark erübrigt, so gingen die wieder an Extraausgaben für ihre Garderobe daraus, denn Aenne besaß auch ihr gutes Stück Eitelleit. So hatte Aenne noch nichts Nennenswertes in ihrer Spardose, als die dritte Kaiserreise herankam. In Köln sollte die Hohenzollernbrücke im Beisein des Kaiserpaarks sowie der Prinzessin Vittoria Luise eingeweiht werden. TaMe Jette machte zwar ein griesgrämliches Gesicht, als ihre Nichte ihr mitteilte, daß sie sich Urlaub genommen für den Einroeihungstag in Köln, und unwillkürlich griff sie in ihre alte Ledertasche uMer der Schürze und ließ liebkosend ihre lieben Mäckelchen durch di« Finger gleiten. Sie seufzte schwer auf, widersprach aber Aennes Entschluß nicht. Um des Kaisers Willen mutzte man ja schon ein Opfer bringen. (Fortsetzung folgt.) dessen Denkweise nicht im geringsten demokratisch insi- ziert sei. Die Ziele der höheren Schulen dürsten durch die Einheitsschule in keiner Weise herabgesetzt werden und die Hauptsorderung müsse die Erhaltung der reinen Staatsschule bleiben. Abg. Ulrich (Soz.) führt aus, es müsse aus der reinen Staatsschule notwendig die allgemeine religionslose Volksschule erstehen. Es habe keinen Sinn, an diejenigen Konzessionen zu machen, die den Religionsrm- terricht als den wichtigsten Teil der Erziehung betrachten. Staatsrat S ü f f e r t verteidigt die Haltung der Regierung und ihre ablehnende Stellung zu Ulrichs Antrag. Dem Beschluß des Kieler Lehrertages ständen die Stadtverwaltungen in Frankfurt und Kiel gegenüber. Deutschland sei kein einheitliches Reich, sondern bestehe aus 25 Bundesstaaten, die gerade in der Wahrung ihrer Eigenart Erfolge hatten. Die Abschaffung der bestehenden Vorschulen würde nur dazu führen, datz anstelle dieser gut funktionierenden Schulen weniger gute Privatschülen treten würden. Die Forderung der zwangsweisen allgemeinen Volksschule sei undemokratisch, keineswegs liberal. Redner teilt dann die verschiedenen Erleichterungen für den Uebergang der Schulen mit. Wenn er Gegner der Einheitsschule sei, so sei er noch lange kein schwarzer Reaktionär. Abg. Wolf-Stadecken (Bbd.) warnt davor, die Schulsrage bei den kommenden Landlagswahlen als Agitationsmitiel zu verwenden. Abg. U e b e l (Ztr.) konstatiert, datz das ganze HauS von einer konfessionslosen Einheitsschule nichts wissen wolle. Dem Antrag Dr. Osann könne seine Partei nicht zustimmen. Rach einer längeren Aussprache zwischen Abgeordneten Bajch und Staatsrat Süffert fchlietzt die Debatte utn 2 % Uhr. Da sich inzwischen die meisten Abgeordneten bereits entfernt hatten, so wurde beschlossen, die Abstimmung über die 5 Punkte des Antrags erst am nächsten Dienstag vorzunehmen. Nächste Sitzung Dienstag vormittag 10 Uhr. )lli5 Stadt und Land. * Gewerbe« üs st ellung G i e h e n. Zum JuUgmeistertag am Sonntag, den 21. Juni, sind zahlreiche Anmeldungen bereits eingegangen. Die AuSstell- ungsleitUng teilt auf vielseitige Ansragen allgemein mit, datz alle Handwerker mit ihren Angehörigen bei vorheriger Meldung an dieser Tagung zu billigen Preisen teilnehmen können. Anmeldungen per Karte sind aber umgehend erwünscht . * Wie uns der Allgemeine Verband der deutschen Bankbeamten mitte'It, wird er in kürzester Zeit eine Spar- und Darlehnskasse ln der Unternehmungssorm einer Genossenschaft eröffnen, deren sozialer Zweck ist, die Bankbeamten mehr als bisher vor Bewucherung zu schützen. Die Erhebungen, welche den Gründungsanlaß gäben, hätten Verhältnisse bloßgelegt, die mit zwingender Notwendigkeit schleunigste Abhilfe auf dem vom Verband cingeschlagencn Wege erfordern. * Vom hessischen Staatsschuldbuch. Die am 1. Juli 1914 fälligen Zinsen der in das Hessische Staatsschuldbuch eingetragenen Forderungen werden bei allen in Betracht kommenden hessischen Kassen und bei den Reichsbankanstalten vom 17. Juni ab gezahlt. Vom gleichen Tage ab wird die Staatsschuldenkasse die durch die Post oder durch Gutschrift auf Reichsbank-Girokonto zu berichtigenden Schuldbuchzinsen überweisen. * Bei der Landesvcrsicherungsanstalt Großherzogtum Hessen sind im Monat Mai 1914 — 410 Anträge cingegangen, und zwar: 285 Anträge auf Invaliden- und Krankcnrente (I. u. K.), 15 Anträge auf Altersrente (A), 31 Anträge auf Witwen- und Witwcreute (W), 41 Anträge auf Waisenrente (O.). 17 Anträge auf Anwartschaftsbescheide (Anw. B.), 21 Anträge auf Witwengeld (Wg), — Ant ag auf Waisen- aussteuer (Oa.). Unerledigt wurden in diesem Monat übernommen 420 Anträge, sodaß 830 Rentengesuche in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung: 31t Anträge durch Bewilligung (235 1, 18 K., 8 A., 12 W., 5 Wg., 33 O.) 20 Anträge durch Anwartschaftbeschcid (ßtz 1258 und 1743 R.-V -O.)> 46 Anträge durch Ablehnung, weil unbegründet (34 I., 2 1,3 I, 4 O., 3 Wg.), 18 Anträge durch andere Weise — Zurücknahme usw. (11 I., 2. A., 2 W, 1 O-, 2 Wg.), zu- sammrn 395 Anträge. 28 Anträge wurden durch Umwandlung erledigt. Zusammen 367 Anträge, sodaß 463 als unerledigt auf den Monat Juni I. I. übernommen werden mußten. * Nebenbahnen in Hessen. In der Regierungsvorlage betreffend die Förderung von Kraftwagenlinien findet sich eine Zusammenstellung der Nebcnbahnprojekte in den drei Provinzen. Hiernach sind in Starkenberg noch 16 Linien in der Länge von 183,7 Kilometer p-ojckticrt, wovon Gustavsburg- Goddclau mit 27,5 die längste ist. Auf Oberhessen entfallen 18 Linien mit 294,5 Kilometer, an der Spitze Alsfeld - Ullrichffein—Schotten mit 38 Kilometer, und auf Rheinhessen 29 Kilometer für die Linien Stadecken — Niedcr«OIm, Wöllstein — Wendclsheim und Undenheim—Armsheim. * Hegezeit der Amseln und Stare. Nach Artist! 7 dis Jagdgesltzcs von 19. Juli 1858 gehören die Amseln (als Drossclart) und die Stare zum jagd. baren Bild. Die Amseln dürfen während der allge- meinen Hegezeit (vom 1. Februar bis 31. August) und die Stare während der Zeit vom 1. Februar bis 31. Juli nicht erlegt werden. (:) „Militär".Fleisch und „Zivil"-Fleisch in Hessen. Bei den jetzt stattfindendcn Fleischver- dingunpen für die verschiedenen Garnisonen Hessens und Nassaus treten ganz auffällige Unterschiede in Bezug auf die Preise zu Tage, die von der Zivilbevölkerung für Fleisch- und Wurstwaren gefordert werden. In Butzbach z. B. bieten die Metzger der Garnisonverwaltung das Ochsenfleisch für 73 Pfennig, das Kuhfleisch für 63 Pfennig, das Schweinefleisch für 68 Pfennig an, alles für ein Pfund. In Dich fordert man für ein Pfund Qchsenfleisch 64 Pfennig, Kuhfleisch 56 Pfennig, Kalbfleisch 85 Pfennig, Schweinefleisch 60 Pfennig, Hammelfleisch 85 Pfennig und Leber- und Blutwurst gar nur 45 Pfennig. Wenn man bedenkt, daß den Militärküchen nur hervorragend gute FIcischstücke geliefert werden müssen, so sind die Preise, die die Zivilbevölkerung anlcgcn muß, reichlich hoch. * Gießen. Im Prozeß Dr. Winkler- Gr ü n e w a l d hat der Abg. Dr. Winkler Berufung gegen das Urteil der Strafkammer eingelegt mit dem Ersuchen, die weitere Verhandlung an die Strafkammer Mainz oder Darmsladt zu verweisen, da in Gießen kein unparteiischer Spruch zu erwarten sei. * Gießen. Der Provinzialausschuß verhandelte zum zweiten Male wegen der letzten Stadtverordnetenwahlen, gegen deren Gültigkeit von 2 Wählern Protest eingelegt wurde. Der Provinztalausschuß erklärte sämtliche Mandate für ungültig. Die Kosten des Vcrfahres hat die Stadt Gießen zu tragen. * Gießen. Der Privatdozent für Chemie an der Universität Gießen, Dr. Phil. Hans Frhr. v. Liebig (aus Dinkelsbühl, Mittclfranken) wurde zum außerordentlichen Professor ernannt. n Gießen. Die Kammersängerin Frau Professor L ü e r veranstaltete am 9. JuNi in der Eichener Landes-Heil- Und Pflegeanftalt für Geisteskranke ein Konzert. Die echte Kunst, wie Han- nah Lüer sie bietet, machte auf die Leidenden den tiefsten Und nachhaltigsten Eindruck. Sensation erregte das Söhnchen der Frau Professor Lüer, dem es außerordentliche Freude bereitet, seiner Mutter bei ihren Konzerten zu helfen. Er begleitete ihre Lieder Und Arien mit feinem Verständnis. Ein Wiesbadener Kammermusiker hat die Aufgabe übernommen, diesen phänomenal-genialen RatUrmufiker zu einem wirklichen Künstler heran- zubilden. Datz der Knabe Albrecht Lüer wie auch-seine Mutter des Augenlichts völlig beraubt ist, macht den Unterricht für den Lehrer und Schüler nicht leichter und zwingt den Ersolg um so höher zü schätzen, da das Kind alles auswendig lernen mutz, was es spielen soll. — FraU Professor Lüer wird in nächster Zeit mit ihrem Söhnchen in Franffurt a! M., Alzey und Goddelau! in den Anstalten für Geisteskranke konzertieren. n G i e tz e n, 12. Juni. Seit heute ist im Pal- menhau's des Botanischen Gartens eine sogn. C e y - l o n - A u s st e l l u n g, in der Herr UniverMäts-Gar- teninspektor R e h n e l t die von ihm bei zwei wissen - schastlichen Reisen in den Jahren 1912 bis 1914 gesammelten Kolonialpfllanzen in bequem übersichtlicher Weise zu Jedermanns Besichttgung geordnet hat. Daneben sind noch andere Erzeugnisse und Sammlung; - gegenstände zu sehen. Auch Sonntags ist die Ausflell - ung geöffnet von 9 bis 12 Uhr. Die ganze Ausstellung ist sehr leicht verständlich, weil an allen Pslvnzen die deutsche Bezeichnung zu lesen ist. Der Besuch dieser Ausstellung kann nur empfohlen werden. * >« rainfeld. In der Krainfeldec Mordsache dürfte festgestellt sein, daß die Familie Hofmann, deren Sohn sich in Haft befindet, im Besitze des Beiles war, mit dem die Tat verübt wurde. * Frankfurt aM. Bet der Submission über Einfriedigung für die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. war das Höchstangebot 14 300 Mark, das niedrigste Angebot 6250 Mark. Der Materialbezug ohne jegliche Bcarbeitung kostet 7700 Mark. Erläuterung überflüssig. * Darm st ad t. Felix von Weingartner, dcssen Berufung als Generalmusikdirektor das Darmstädter Hostheater bereits am 18. Mai bekannt gab, tritt im Herbst sein neues Amt an Das Verhältnis des Künstlers zum Hoftheater wurde in schriftlichen Abmachungen festgelegt und laut amtlicher Meldung wird Weingartner nicht als Gastdirigent sondern als Grncralmusikdirektor die acht Hofmusikkonzecte und mindestens dreißig Opernaufführungen leiten und hat neuerdings sogar zugunsten DarmstadtS auf seinen kontraktlichen Armerika Urlaub für nächstes Frühjahr verzichtet. *Bad Wildungen. Die Einweihung der Waldecker Talsperre soll nunmehr bestimmt im August statlfindcn. Da der Kaiser um diese Zeit auf Schloß Wilhelmshöhe weilt, wird mit dcffcn Anwesenheit bei der Einweihung gerechnet. * Worms. Im nahen ÄriegSheim wurden zwei Landwirte beim Hcumachen vom Blitz getroffen. Einer von ihnen wurde fofort getötet, der andere trug eine schwere Lähmung davon. G. Biersacher Mord. In dem sonst ruhigen Dörfchen H o s h e i m bei Worms ist vergangene Nacht zwischen 3 und 4 Uhr ein gräßlicher Mord verübt worden, der die ganze Familie des Bäckermeisters Philipp Back zuin Opfer gefallen ist. Die beiden Eheleute fand man verkohlt und die beiden 15 und 20 Jahre alten Kinder mit schweren Schädelverletzungen vor. Die Tal ist mit einem stumpfen Instrument geschehen. Alle Barmittel sind gestohlen, im Schlafzimmer sind die Betten völlig verbrannt. Als Täter kommt der bisher bei dem ermordeten Bäckermeister beschäftigte Bäckerbursche Philipp F l e r ch aus Monzernheim in Verdacht. Derselbe-hat noch in vergangener Nacht gebacken und sollte heute sein« Stelle verlassen. Er ist 30 Jahre alt, 1,60 Meter groß, blond, hat Aü- sang zur Glatze, O-Beine und geht etwas vornüber. Man nimmt an-, datz er sich nach einer Großstadt gewendet hat. Vor mehreren Jahren soll Flerch auch seine Braut erschossen haben. Die Staatsanwaltschaften von Mainz und Darmstadt waren schnell zur Stelle; für die Ergreifung des Täters sind die erforderlichen Recherchen eingeleilet. Jlu$ aller Mil. * Der Verband deutscher Eisenbahnhand. Werker und -Arbeiter, die größte und älteste deutsche Staatsarbeiterorganisation mit nahezu 100 000 Mitgliedern, hält in den Tagen vom 18. bis 21. Juri zu Hamburg seinen De legier teutag ab. Die Tagesordnung enthält u. a. Vorträge vom Regierungs- rat Rose über die Deutsche VolkSverficherung, von Adol Damaschke über die Bedeutung der Bodenreform für die Staatsbedienstcten und vom Generalsekretär Riedel über die Bewegung um ein Staatsardeiterrecht. Am Donnerstag wird abends im großen Saale des Conventgartens eine öffentliche Kundgebung veranstaltet werden, in. der zwei Redner über die Stellung deS Verbandes innerhalb der deutschen Arbeiterbewegung sprechen sollen. Es treffen etwa 220 offizielle Delegierte deS Verbandes ein. * Leipzig. Das Reichsgericht hat gegen den elsäffischen G,meinderat Hurlin aus Montigny bet Metz das Verfahren wegen vollendeten Londesvcrrat eröffnet. Hurlin wird beschuldigt, auf seinen Grundstücken wiederholt höhere französische Offiziere heimlich einguartiert zu haben, damit diese von dort ouS die deutschen Bc- festigungswerke, die an HurlinS Brfitzung stoßen, aus- fpähen konnten. * Leipzig. Das Reichsgericht verurteilte den Provinzial-Bureauassistenten MoxRofrnfeld aus Königsberg wegen vollendeten Verrats von militärischen Geheimnissen zugunsten Rußlands zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 000 Mark Eeldstrasr. Der Jahresbericht des Zecheuvertwndes im Ruhrbohlrmroier. Das Jahr 1913 wird in dem veröfferMch- ten Jahresbericht des Zechen-Berlmvdes als ein Jahi der Ruhe bezeichnet; zu Konflikten mit der Arbeiterfchaf ist es auf keinem der Verbandsweck gekommen. Der Bericht befaßt sich eingehend mit der im No vember 1913 vom allen (sozialdemokratischen) B e r g arbeiterverband an den Vorstand des Zechen Verbandes gerichteten Eingabe bekr. angeb lick shoiihnl verleiht ein zartes reines Gesicht, rosiges jegendfrisch es Aussehe« und ein blendend schöner Teint — Alles «5*s erzeugt die echt« S t eckmpfenlS eife (die best« Llllenmilchseile), von Beigmm & Co., Rad-ibed Stück 50 Pfg. Ferner macht derCrenn JDada" (Lüienurilch ßteam) rote und spröde Haut weiß und xamnetweich. Tube 50 Pli t 8 ti IT 1= IT i n i- t, Is i- IV (t t IV T. P « in iii !» b Si « IN * ol' f® k Ir Ht (i M n> ttt bk! Kt IN' is it A in t «5 iii 1 Sott Di i ■M .ei# bevor stehende Arbeiterkündigungen u. Lohnkürzungen im Ruhrbergbau. An einzelnen Beispielen wird nachgewiesen, wie der Bergar- beilerverband in seinem Organ, der „Bergarbeiter-Zeitung" (vom 28. Februar 1914) uMer grobem Mißbrauch des vom Zechen-Berhand in seiner Antwort verwendeten statistischen Materials ganz irresührende Schlußfolgerungen gezogen und sie zu Borwürsen gegen die Werksverwaltungen benutzt habe. Jnbezug auf die ^ w i s ch e n dem sozialdemokratischen Bergarbeiter-Verband u. dem Gewerkverein christlicher Bergarbeiter bestehenden Gegensätze bemerkt der Bericht, daß dieses gespannte Verhältnis dem christlichen Eewerkverein schtvcrrmegende Nachteile eingetragen haben müßte, denn anders liehen sich die im Berichtsjahre von ihm ausgehenden deutlichen Annäherungsversuche an den alten Verband kaum erklären. Der alte Verband habe sich demgegenüber, da die augeirblicklichen Verhältnisse ein aussichtsvolles Vorgeben gegen die Unternehmer nicht gestatteten, sehr zurückhaltend gezeigt. Es stehe aber außer Frage, daß der alte Verband auf die ihm so dringend angebotene Arbeitsgemeinschaft zu gegebener Zeit zurückkommen werde. Vorläufig werde er seine Versuche, seinen Konkurrenten in den Augen der Arbeiterschaft verächtlich zu machen, fortsetzen in der Hoffnung, dadurch seine eigenen Reihen zu stärken und den christlichen Gewerkverein immer mehr in ein« radikale Richtung zu« drängen. Bei späterem Kampf werde es ihm dann um so leichter sein, den Ee- werkverein als die treibende Kraft vorzuschiebcn, um die suggestive Wirkung, die sein christlicher Name auf Parlament und öffentliche Meinung nun mal ausübe, wie bei dem großen Bergarbeiterausstand 1905, aUsnutzen zu können. Nachdem über die Tätigkeit der Sicherheitsmänner Erfahrungen über eine Zeitspanne von mehr als 3 Jahren vorliegen, hält der Zechenverband eine Nachprüfung der Frage für angezeigt, welcher Wert den Aybeiterkontrolleuren von den Beteiligten beigemcssen wird. Der alte Verband, dem die den SiÄerheitsmännern zustehenden gesetzlichen Befugnisse und die Schutzbestimmung gegen ihre Entlassung zur Erreichung des beabsichtigten Zweckes nicht genügten, Halle nachdrücklich an der Forderung nach sreigcstellten, vom Staat besoldeten Arbeiterkontrolleurcn fest in der Erwartrmg, daß damit die Schranken, die der unbehinderten Ausnutzung des Sicherheitsmännerinftituts zu Parteizwccken heute noch entgcgenstchen, beseitigt werden. Eine Ähnliche Stellung nehme auch die polnische Berussvereinigung und der Eewerkverein der Bergarbeiter (Hirsch-Duncker) zu der Sicherheitsmännersrage ein. Der G e w e r k v e r - ein christlicher Bergarbeiter, der sich mit dem Institut anfänglich im wesentlichen einverstanden ey klarte, habe sich im März 1913 in einem Artikel des „Bergknappen" dahin geäußert, daß eine merkliche Verminderung der Unfälle durch die Tätigkeit der Sicher - Heilsmänner zwar nicht zu verzeichnen sei, aus diesem Umstande aber auf ein Versagen des Systems nicht geschlossen werden dürfe. An Hand von Beistzielen weist sodann der Zechen-Verband die Behauptungen über angeblich schikanöses Verhalten der Zechen den Sicherheitsmännern gegenüber entschieden zurück. Die Zechen würden sich selbst durch ein solches Verhalten die allergrößten Unannehmlichkeiten zuziehen und damit denjenigen Kreisen, die eine Abänderung des Sicherheitsmänner-Jn- stituts verlangen, die beste Waffe in die Hand geben. Die Belegschaft stehe dem Institut durchweg gleichgültig gegenüber in der richtigen Erkenntnis, dah es bei der weitgehenden Kontrolle im Bergbau nicht an der nötigen Aufsicht fehle, und die Sicherheitsmänner für die Verminderung der Unfälle zwecklos seien. Auch die Sicherheitsmänner, unorganisierte wie organisierte, seien selbst in steigendem Maße dieser Uebcrzeuguny, und es beftebc wohl kein Zweifel darüber, daß ein nicht geringer Teil der letzteren nur unter dem Druck der Partei - Zugehörigkeit sich vor der Amtsniederlegung oder der gänzlichen Einstellung der Befahrung scheue. Des weiteren besaht sich der Bericht eingehend mit der vielsach erörterten Entwickelung der U n s a l l z i s - fern im Bergbau und weist insbesondere nach, daß die häufig ausgestellte Behauptung, die „Jagd nach Kohlen" habe eine Zunahme der Unfälle im Eesolge, unrichtig ist. An Hand der Statistik der Bochumer Sektion der Knappschasts-Berussgenossenschast wird festqe- -stellt, daß in den letzten 15 Jahren die Jahre in den drei Perioden guter Konjunktur eine höhere Fördermcnge auf einen entschädigungspflichtigen Unfall unter Tage zu verzeichnen haben und damit günstiger inbezug auf die Unsälle dastehen, als die Jahre schlechter Marktlage. Gegen den Arbeitsnachweis des Zeche n- Verbändes sind im Berichtsjahr, wie in früheren Jahren, vereinzelt von grundsätzlichen Gegnern der Arbeitgeber-Arbeitsnachweise durch nichts bewiesene Verdächtigungen ausgesprochen worden. Demgegenüber beschränkt sich der Bericht auf den Hinweis, daß außer einer und dazu unbegründeten Beschwerde vom Februar 1910 bis jetzt keine weiteren Beschwerden gegen die Handhabung des Arbeitsnachweises eingcgangen find, obwohl inzwischen die Zahl der nachgewiesenen Arbeitsstellen 1 Million überschritten hat. lieber die Vermit- telungstätigkeit des Arbeitsnachweises wird berichtet, daß im Jahre 1913 insgesamt 320 848 (1912: 255 860) Ar- beilsnachweisscheine ausgestellt wurden, hiervon 2650 (2050) an solche Arbeitsuchende, die infolge Nichtan - nähme ihre Arbeitsnachfrage auf anderen Zechen wiederholten. Außerdem wurden 16 372 (12 157) Arbeitsnachweisscheine ftir Leute ausgestellt, die entweder überhaupt nicht zu der überwiesenen Zeche hingingcn oder aber nach einer Zurückweisung durch die Zeche nicht nochmals auf der Nachweisstelle vorspeachen. Jnsolge- dessen gelangten nur 301 826 (241 653) Verweisungen zur Arbeits annahm e. Ferner haben 17 049 (13 356) Leute die angenommene Arbeit nicht angetreten, sodaß nur 284 777 (228 297) Verweisungen zur Arbeitsaufnahme führten. Die Zahl der im Jahre 1913 uMer Koirtrastbruch von den Verbands-Zechen abgekehrten Leute betrug 23 844 gegen 16 579 im Jahre 1912. Der Sport in der Schule. Der Geist der Armee hat die Ausgaben, die ihr im Rahmen der vorbereitenden Arbeit sur die Olympischen Spiele zufallen, mit Sicherheit ersaßt und der Erkenntnis mit der im Heere üblichen Schlagfertigkeii auch die Taten folgen lassen. Das Gleiche läßt sich von uirferen Schulen noch nicht in vollem Umfang behaupten, und es scheint, als ob man sich dort noch vielfach an Bedenken klammert, die der praktischen Erkenntnis nicht standhalten. Immerhin darf mit Sicherheit erhofft werden, daß diese Bedenken bald schwinden werden, umsomehr als eine so maßgebliche Stelle wie das Preußische Kultusministerium mit seinem Olympia-Erlaß die Einführung des Sports in die höheren Schulen und Lehrerseminare prinzipiell gutgeheißen hat. Da ist es gewiß von Interesse« zü ersahren, daß die Einführung eines der wichtigsten Sports, der A t h l e t i k, in die Schule bereits ein überzeugendes praktisches Vorbild auch auf deutschem Boden gefunden hat, nämlich im Pädagogium zu Niesky in Schlesien, wo ein sportlich erfahrener Schulmann, Rudols Hoffmann, dem Sport u. a. folgendermaßen: „Der geregelten Pflege des Schulter des Schulfportbelriebes äüßert sich in einem lehrreichen Aufsatz, den der „Illustrierte Sport" veröffentlichte u. a. foigendermaßen: „Der geregelten Pflege des Schulsports stehen noch viele Bedenken entgegen. Man fragt sich, ob es überhaupt möglich sei, den olympischen Sport in de» Massenunterricht methodisch einzugliedern, und wenn sich hierfür Wege finden lassen, ob die Sport - pflege nicht nachteilig auf den übrigen Unterricht einwirke, Interessen und Kräfte der Schüler von den Wissenschaften abziehe, und ob der „Rekordsport" dem jugendlichen Organismus überhaupt zuträglich sei. Es zeigt sich hier dieselbe Zaghaftigkeit, die die Einführung des obligatorischen Turnens in die Schulen lange Jahre hindurch zum «Schaden der Jugend aufhielt. Damals machten nur wenige «Schulmänner eine rühmliche Ausnahme, und unter diesen verdienen die Erzieher am Pädagogium der Evangelischen Brüder-Universität zu Niesky besonders hervorgehoben zu werden. Aus tiefgefühlter Verantwortung für die ihnen anvertraute Jugend beschlossen sie schon ein Jahr vor Cinfiihrung des Turnens in die Schulen, offiziellen Turnunterricht zu erteilen. Dieser Geist rechter Verantwortung, der gewissenhafte Prüfung mit Tatkraft vereint und für die Jugend nur das Beste sucht, rst in Niesky nicht geschwunden. . . So wurde das Nieskyer Pädagogium die erste deutsche Schule, die den olympischen Sport dem Unterricht ein- sllgte und einen eigenen Sportplatz vorschriftsmäßig für die Leichtathletik herrichtete, und während heute andere Schulen nur zaghaft und voller Bedenken an die Aufnahme des Sports gshen, hat in Niesky eine nunmehr dreijährige Spoypflege bereits eine Fülle von Erfahrungen gebracht, die geeignet sind, alle Bedenken zu zerstreuen." Nach einer Schilderung der Vorzüge, die gerade die Athletik im Schnlsportbetrieve für die Schüler mit sich bringt (Konzentration zu energischem Handeln, Freude an der Verbesserung der Leistung, zweckntäßige Beherrschung des Körpers, Verständnis zur gesunde Kleidung u, sonstige Gebote der Hygiene) fahrt der Verfasser fort: „Leider sieht sich die «Schule außerstande, dem Sport so viel Zeit zu widmen, als zur vollständigen Erreichung seines erziehlichen Zweckes nötig wäre. Die Schute mug sich damit begnügen, die Schüler mit Technik und Training des olympischen Sports bekannt zu machen, sie durch Uebungen und Wellkämpfe zu sportlichen Lcylun- gen anzuregen und möglichst viele Schüler für Den Sporl so zu begeistern, dah sie ihm nach Verlassen der 'Schule treu bleiben und somit an Leib und Seele gesund »der die Jahre ihrer größten Freiheit hinwegkommen..... Für solche allgemeine Schulsportpstege muß natürlich Zeit und Raum geschaffen werden. Die Nieskyer Erfahrung Hai gelehrt, daß es genügt, wenn von den Lom- merturnftunden bei den untersten 2 Klassen jede zweite, bei den übrigen Klassen jede dritte Stunde dem olympischen Sport gewidmet wird. Die übrige Zeit und der ganze Winter werden in Niesky dem deutschen Geräte- lurnen gewidmet; zum täglichen Spielen am Nachmittag (im Sommer Turnspiele und Hockey, im Wiirtcr Fußball), sowie zum täglichen Schwimmbad im Sommer sind die «Schüler verpflichtet. Daneben bleibt zum sportlichen Training, das seiner Anstrengungen halber ja nur wenige Minuten beansprucht, noch reichlieb Zeit. Mil zehn Minuten Schwimmbad, zehn Minuten Leichtathletik und einer Stunde Spiel (an Turntagen fällt das besondere Training fort) genießt der Schüler eine ideale tägliche Körperkultur,, die den Forderungen der Schule nur zugme kommen kann. Eiakte statistische Untersuchungen haben das überraschende Ergebnis gehabt, daß sogar in der sportreichsten Zeit, im Monat vorm Anstalts-Olympia, Aufmerksamkeit und Fleiß der Schüler. nicht im geringsten nachließen und daß bei den Wekt- kämpfern Fleiß und Aufmerksamkeit in dieser Zeit besser waren als in anderen Monaten und besser als bei den Nichlwettkämpsern. Man kann damit auf eine allgemeine Erfrischung durch den Sport schließen." Ein alljährlich stattfindendes Sportfest für die Anstalt brachte schon jetzt die Hälfte aller Schüler als Teilnehmer auf die Beine, und dieser Prozentsatz wird dann noch erheblich steigen, wenn auch die Obeiklassen ganz von der sportlichen Erziehung ergriffen werden. Denn darüber darf man sich leider nicht hinwegtäuschen: so wie die Dinge jetzt liegen, stehen unsere Primaner nicht nur in Niesky;, sondern auch anderwärts teilnahmlos mit ganz anderen JMereffen beiseite, und darum sind die nur für sie angeordnetcn Olympia-Prüfuügskämpse Stückwerk, wie auch Rudols Hoffmann richtig betont. Dabei kommt doch auf die rechte Beeinflussung der Schüler kurz vor ihrer, StudeMenzeit gerade am allermeisten an, damit sie nicht später rühmlos verbummeln. — Jedensalls darf man an den Nieskyer Erfahrungen nicht achtlos vorübergehen. Kirchliche Nachrichten. Evangrlische Gemeinde in Gietzen. Sonntag, den 14. Juni, 1. nach Trinitatis. Gottesdienst. In der Stadlkirche. Vorm. 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. Zugleich Christenlehre für die Neukonsirmierten aus der Markusgemcinde. Vorm. 9j4 Uhr: Pfarraffistent Hoffmann. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer D. Schlosser. Nachm. 2/ Uhr: Kirchengesangsest des evangelischen Dekanates Gießen. Pfarrer Eschenröder aus Worms. Zur Deckung der Kosten wird eine Kollekte erhoben. In der Johanneskirche. Vorm. 8 Uhr: Psarrer Ausfeld. Zugleich Christettlehre für die Neukonsirmierten aus der Johannesgemeinde. Vorm. 9% Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Psarrer Bechtolsheimer. Nächstkünftigen Sonntag findet die Feier des heilg. Abendmahls für die Lukas- und Johannesgemcinde statt. Anmeldung wird vorher bei dem Psaryer jeder Gemeinde erbeten. Katholische Gemeinde in Gießen. Samstag, den 13. Juni. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Ein fremder Priester wird Beicht hören. SonMag, den 14. Juni. 2, Sonntag nach Pfingsten. Vorm. 6% Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vorm, um 7 Uhr: Die erste hl. Messe. Vorm, um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. Vorm. 9 Uhr: Hochamt; Prozession. Vorm, um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vorm. 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Nachm. 2 Uhr: Christenlehre; darauf sakramentalische Andacht. Abends um 8 l A Uhr: St. Agnes, Festspiel aus der Diokletianischen Versolgung. Diaspora: In L i ch um 7 l /i Uhr. In Hungen um 9% Uhr. In Grünberg um 9 l / t Uhr. Verantwortlich: Albin Klein, Gießen. Heugras-Bersteigerung. Das Heugras von den Domanialwiesen in den Gemarkungen Alten-Buseck, Gießen und Wteseck wird versteigert: 1. In der Gemarkung Alten-Buseck, Donnerstag, den 18. Inni t. Is., vormittags 9 Uhr in der Otto Ra- benauschen Wirtschaft zu Alten-Buseck. 2. In der Gemarkung Wieseck, Freitag, den 19. Inni l. Is., vormittags 10 Uhr in der W. Ph. Bierauschen Wirtschaft zu Wiescck. 3. In der Gemarkung Gießen, an demselben Tage, nachmittags 2 Uhr in der Harnickelschen Wictschaft im Phtlosophenwald bei Gießen. Gießen, den 6 Juni 1914. GroKst. Gberförsterei Gieße«. K o e h l e r. Ul Die leileade seibslsläodige Stelle unseres bedeutend. Unternehmens (keineVersicherung od.dgl.) Abteilung: Qiessen ist per sofort zu besetzen. (Wohnsitz am Platz nicht Bedingung.) 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AusfUnrlictie Broschür / über bestandene Dies\r Zweck wird dadurch ar- reioiü, A. dass.\l<*r Unterricht wissonsebaft- hcher'Lehranstalten naongeahmt B dass derN.nterricht in eo einfacher undNiriindlloher Weise erteilt wird, akss jeder den Lehrstoff verstehen, muss, und C. dass bei dem brieflichen Fernunterricht auf Ce njdirflduelle Veranlagung jedes Schtfi^rs Rücksicht genommen wird. \ e »«wie DankscUWlben Examina gratis! \ Gründliche Vorbildung zur Ablegung von Aufnahme- und Abschluss- I yfrüfungen usw. — vollständiger Ersatz für den Schulunterricht.\ | / Bonness &. Hachfeld, Verlag, Potsdam S. O. \ welche bei Störungen schon vieles andere erfolglos angewandt, bringt mein glänzend begutachtetes Mittel schnelle Wirkung. Ueberr A chend. Erfolg, selbst in haroäck. Fällen. Dankschreiben. Unschädlichkeit gar. M. 3.50, extr.i p. Flasche. Diskr. Nachnahmeversand überallhin nur durch Drogist Bocatins, Berlin N., Schönhauser Allee 134 b. — Total-Ausverkauf — von Schüttwaren. 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