(1 I) •icftener Tageblatt) vrjugrvreir 25 Pfg. monatlich »terttliLtzritch 76 »»., ,»r«u»,ahibar, frei In« Hau» >bß«h»lt I» Ef r «r Uxpebiiion oder In den Zwelg- au»-abeftellen »«»»kftthrlich SO Pfg. — Erfchelnl WhtmUk* UM» »««»»«,» — Redaktion: Selter», weg 88. — ASr «nfbrwahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. »erlag der ..«ießleaer Zeitung" fit. m. b. ck> Expedition: SeItersmeg 85. Knzeigenprelr 15 pfg. , Me 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 30 Pfg Die 90 mm breite Reklame-Zeile 50 Pfennig Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größt berechnet. Rabatt kommt bei Neberfchreilung des Zahlung«, ziele» 130 Taget, bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Weglall. Plaljvorschrifien ohne verbindlichkei .. Druck der fitießencr BcrlagSdruckcrci. Albin Klein Nc. 24 Telep hon: Rr. 363. Mittwoch, den 25. März 1914. Telephon Rr. 363. 2(). Politlfcbe Rundfcbau Deutschland. * Venedig, 24. März. Der Kaiser isi um 9.40 Uhr hier eingetroffen und Hai sich sogleich an Bord der „Hohenzollem" begeben. * Der Reichskanzler wird, einer Einladung des j Kaisers folgend, wahrscheinlich die Dsterzeil auf Korfu > «i beim Kaiser zubringen. Die Enlscheidung über die Bc- \ setzung des Statthalterpostens von Elsaß-Lothringen wird sich, wie verlautet, noch einige Zeit hinziehen und zwar aus formellen Gründen, weil das ursprüngliche Abschiedsgesuch des Statthalters v. Wedel damit erledigt worden ist, dafz er bewogen wurde, noch einige Monate im Amte zu bleiben: es mufz also erst ein neues formelles Abschiedsgesuch des Grafen Wedel vorliegcn, ehe die Ernennung feines Nachfolgers erfolgen kann. * Im Reichslagsgebäude zu Berlin fand am 22. März eine von zirka 200 Personen besuchte Vertrau- ensmänner-Versammlung der beiden Fraktionen, d e u t- s ch e Rcformpartei und deutsch-soziale Partei statt, in der beschlossen wurde, die beiden getrennt bestehenden Fraktionen zu vereinigen unter dem Name» deutsch-völkische Partei. Zum ersten Vorsitzenden der Partei wurde der, frühere Rcichstagsabgeordnete, Amtsgerichtsrat Lattma'nn, gewählt. Ungarn. * Bukarest. Die Verlobung des Kronprinzen von Griechenland mit der, rumänischen Prinzessin Elisabeth ist aufgelöst worden. England. * Feldmarschall Roberts wurde vom König tn Audienz empfangen und später in das Kriegsmini- sterium berufen, wo er mit dem Feldmarschall French eine Unterredung hatte. Die Aldershct, London and Southwestern-Bahn hat Weisung erhalten, Züge bereit zu ljalten, um 10 000 Mann Truppen nach Glasgow und anderen Häfen zu befördern, von wo sie nach I r- l a n d eingeschisst werden können. In der Provinz Ulster droht ein Bürgerkrieg. Frankreich. * Anstelle des zurUckgetr.elenen Ministers Monis wurde Senator E a u t h i e r zum französischen Marineminister ernannt. Belgien. * Die belgischen Liberalen verlangen eine ganz beträchtliche Verstärkung der Heeresmacht. Italien. * Der italienische König ist in Begleitung des Ministers des Aeutzern di San Giuliano und seines Gefolges zur Begegnung mit Kaiser Wilhelm gestern nach Venedig abgereist. Spanien. * Wie aus Madrid gemeldet wird, soll Don Jaime, der Sohn des Don Carlos, auf seine Thronansprüche verzichtet haben. Die Carlisten werden auf- gefordert werden, die Dynastie des Königs Alfons anzuerkennen und mit der äutzersten konservativen Rechten eine große katholische Partei Unter der Führung Mauras zu bilden. Man erfährt auch, daß Don Jaime sich mit einer Prinzessin Ccnnauight verheiraten werde. * Am Sonntag fanden die Wahlen zum Senat statt. Nach dem amtlich bekanntgegebenen Wahlergebnis ist an dem Ueberwiegen der ministeriellen Stimmen nicht zu zweiseln. Es erhielten die Konservativen 98, die Liberalen 40, die Katholiken 10 Sitze (darunter acht höhere Geistliche), die Regionalisten 6 die Republikaner 3, die Iaimisten 2, die Integristen 2 Sitze. Albanien. * Fürst Wilhelm von Albanien soll, einer Meldung aus Durazzo zufolge, dem Kaiser bei seinem Aufen.halt aus Korfu einen Besuch abzustatten gedenken. * Da sich immer deutlicher her,ausstellt, daß Durazzo aus politischen und sanitären Gründen zur Residenz des albanischen Herrscherpaares untauglich ist, erwägen Fürst Wilhelm und das Ministerium ernsthaft den Plan, demnächst schon S k u 1 a r, i endgültig zur H a ü p t st a-d t von Albanien zu machen. » Griechenland. * A t h e n, 25. März. Die griechische König s f a m i l i e wird sich morgen Donnerstag nach K o r s u begeben, um Kaiser Wilhelm zu empsangen, der am Samstag eintrisft. Das Blatt „Palris" meldet, der König werde den Kaiser einladcn, Athen zu besuchen. Auftralicn. * Der Bundesverteidigungsminister von A u st r a- l i e n bat sich energisch gegen die Flollcnpläne Churchills oewendet. Amerika. * Der amerikanische Senat lehnte den Antrag, den Flauen das Stimmrecht zu gewähren, mit 35:34 Stimmen ab. Sudi und Land. * Fahrpreisermäßigung für Kriegsteilnehmer. Auf Grund allerhöchster Ermächtigung hat der Her,r Minister der östenllichen Arbeiten beschlossen, den deutschen Veteranen aus dein Feldzuge 1864, die nach den in Schleswig-Holstein gelegenen Gedenk - stätlen dieses Krieges reisen wollen, während der Monate Älpril bis Dktober d. Js. die Hinsahrt dorthin und die Rückfahrt in die Heiniat bei Benutzung der dritte» Wagenklasse zum Militärsahrpreis, der zweiten Wagenklasse zum doppelten Militärsahrpreis, in Schnellzügen ohne Zuschlag zu gestatten. Die Fahrpreisermäßigung soll unter ähnlichen Bedingungen gewährt werden, wie sie seinerzeit für die allgemeine Fahrpreisermäßigung für Kriegsveteranen zuM Besuch der deutsch-sranzösischen Schlachtfelder von 1870-71 maßgebend waren. fi!cburtcilrückna» Jahre 186(3 entnommene Vorlage! Dieser unmäßig iveite Krinolincnrock aus schwerer Seide, die buchstäblich stehen konnte, dazu die schwarze Sauitjackc nnt dem verunstaltenden Besatz und den äußerst schmal geschnittenen Schultcrtcilen bilden das direkte Gegenteil zu unseren Tages- nioden. Einige von poiret lancierten Vorlagen bringen uns allerdings auch wieder weite Eapes und Jacken, Sie in ihrer Glockenform oben eng geschnitten sind und nach unten immer weiter ausfallen. Unter einem solchen Kleidungsstück kommt dann eine bedeutend engere Tunika hervor und unter dieser Tunika ein sehr enger, kaum 1,20 m weiter Rock. Die Sorm ist also unten am allerengsten — die Reihenfolge wäre: weit, enger, am engsten —, während unser Modell von 18öS einen viele Ellen weit geschnittenen Rock zeigt. . Einige Modelle haben jedoch auch bei den geschilderte» Jacken einen so engen Rock lohne Tunika), daß er einem koscnbein gleichkommt und cs unbegreiflich erscheint, wie ein sterbliches Wesen überhaupt darin gehen kann. (Siehe Abb. 2.) Echt pariserisch präsentiert stch uns das Modell, Abb. 1, das mit seiner Lampenschirmtunika, dem weiten Aus- schnitt und ganz kurzem Mieder zum Glück in Deutschland kaum Aufnahme ge- funden ha!. Diese Vorlage gibt uns aber so recht ein Beispiel, wie weit sich „Srau Mode" oft von dem guten Geschmack ent- fernen kann. — Man munkelt allerdings in Fachkreisen manches von dem Wiederaufleben der Mode aus den 80 er Jahren des vorigen Jahrhunderts, immerhin aber dürfen ivir von dem Kunstsinn der heutigen Modeschöpfer erwarten, daß unS'kcine „Karikaturen" geboten werden, die denen aus dem Jahre 1884 gleichkommcn; sie hätten kein Glück damit, denn der größte Teil der Damenwelt ist jetzt doch schon etwas kritischer veranlagt und folgt nicht immer unbedingt in allen Moücsachen, namentlich in Deutschland nicht! folglich haben wir kaum zu befürchten, dak die Tournüre a la Abb. 3 ibiedererstehi 'onnte. Unsere Darstellung ist noch in bescheidene» Grenzen gehalten, aber manche Bilder aus bekannte» Ivitzblättern der 80 er Jahre des vorigen Jahrhunderts geben uns ein Beispiel, bis zu welchen Verirrungen sich die Mode versteigen konnte. Auf den durch di« Tournüre entstandenen Hinteren Auswüchsen sah man oft ein kündchen, Kätzchen oder sonstige Wesen aus dem Tierreich sitzen, die cs sich auf ihrem Ruheplatz unterhalb des eingepreßtcn Taillenschluffes der Damen recht bequem machten." Spotllustige Menschen mach, tcn auf diese und andere weise die Tournürenmode zur Zielscheibe manches Witzes. Und zu derartigen Scherzen sollten die aufgeklärten Srauen des 20 . Jahrhunderts wieder Veranlassung geben? Das scheint schier unglaublich! Doch abwarten, heißt cs auch hier, behauptet man ja, daß auf dem Gebiete der Mode kein Ding unmöglich fei; und die licuestcn pariser Modelle, unter denen auch wieder eine ,,supe oulotte" lkosenrock) hcrumspulit. die foubrcttcnartig gcjch ürzten Kleider und manche anderen, jetzt hcrausgcbrachtcn Mode- schöxfungen niachcn dem gute» Geschmack ebenfalls wenig Ehre. 2llso, nous Abb. 3. verrons! Mode van iss4. Helene Grube. Abb. 1. Modernes Dleid mit Lampenschirmtunlka. Anschauungsunterricht in der freien Natur. Das Leben in der Natur ist ganz besonders dazu geeignet, die Kinder spielend zu belehren. Die hohe Bedeutung des .Anschauungsunterrichtes" ist jetzt allgemein anerkannt. Seine Prinzipien werden im Schul- unterricht verwirklicht, feter ist aber auch das Gebiet, auf dem die Eltern die Schule außerordentlich wirksam unterstützen können. Ls sollten alle Eltern, ja alle, die in einem kaufe leben, in dem Kinder find, einen ausgedehnteren Gebrauch davon machen, die Sinne des Kindes im Srcien zu schärfen, leider geht man aber selbst, hauptsächlich (N den Großstädten, häufig genug blind an der Natur vorüber. Man begeht den Hehler, sein wissen lieber aus gedruckten Büchern zu schöpfen, die selbst bei der größten Klarheit doch niemals die Wirklichkeit ganz wiedcrgcben können. So kommt es vor, daß Menschen, die verschiedene Sprachen beherrschen und in der Geschichte der alten Welt sehr bewandert sind, bei dcnr Anblick eines Kartoffelfeldes über die „eigenartigen Blumen" in Erstaunen geraten, da ihnen das leben und weben in der Natur fremd blieb. Stadtkinder haben vor den Landkindern manche geistigen Genüsse voraus, dafür stehen den Landkindern aber die Schönheiten der Natur in unmittelbarer Anschauung zur Verfügung. Allerdings können aber auch hier die Kinder nur lernen, wenn man ihnen die Augen öffnet. Darum sollte man jeden Spaziergang zum bildcudc» Anschauungsunterricht machen. Nalurstudie» sind von weitgehender Bedeutung für die Kindcrwclt. Nicht allein, daß die Kinder lernen, die Natur zu verstehen, daß ihr Blick geschärft und ihr Nachdenken angeregt wird, cs wird auch die Liebe zu der Pflanzen- und Tierwelt in ihnen großgezogen. Sie ahnen von frühester Jugend an das walten eines allmächtigen Gottes. Kein Knabe, der dem weben der Natur lauschen und die Wichtigkeit eines jeden, auch »och so unscheinbaren Lebewesens kennen lernte, wird mutwillig ein un- schuldiges Tier quälen, den Vögeln die Nester zerstören und die darin liegenden Eier rauben, oder Sie Blumen aus Uebermut und Lust am Zerstören abreißen! Jedes Kind wird voll Interesse beobachten, wie sich die Nachtkerze abends öffnet und andere Blumen sich schließen; wie die Biene König sammelnd in die Blutenkelche fliegt usw. Auch soll man den Kindern die Bauart der Wohnungen der verschiedenen Tiere zeigen, die hübsch gebaute» Nester der Vögel, die geregelte Tätigkeit in einem Bienenstöcke. Tausend Beispiele beweisen, wie viel Lehrreiches den Kindern auf leichte, anschauliche weise eingeprägt werden kann. Leider wird kleinen Mädchen fast niemals das harntlose Studium gestattet, Raupen zur Beobachtung der Verpuppung mit nach kaufe zu nehmen. Ls heißt ja schon bei unschuldigen Käfern so häufig: „wirf das häßliche Tier fort!", ohne zu bedenken, daß man dadurch viel- leicht einen Abscheu vor ganz harmlosen Tieren erweckt, der sich auch m späteren Jakren nur schwer überwinden läßt. Ivarum sollen kleine Mädchen der Tierwelt nicht das gleiche Interesse entgcgenbringen, wie die Knaben? warm und eindringlich inßtz ,edem Kinde ans kcrz gelegt werden, da^ die Tiere den Schmerz ebenso empfMden wi; die l^enschen. Modern» Aoltum »nd Abb. r. mit gtockenlörmtger lacke engem Heck. Abb Mod- und daß man auch aen kleinsten Wurm nie mutwillig quälen darf. Mail erinnere die Kinder auch im Winter der hungernden Vögel zu gedenken und lasse sie Brot- krulilen ausstreuen. Kinder, deren Gefühl auf solche Art geweckt wird, werden dajin auch ein kerz für die Mitmenschen besitzet, un^ eine hilfreiche Kand dem Elend der Welt gegenüber haben. Die herrliche Frühlingszeit bietet so recht , die Kinder auf die Wunder 'der Neu- erwachten Ilatur aufmerksam zu machen. Gerade jetzt nach dem Winterschlaf gibt uns die Tier- und Pflanzenwelt treffende Beispiele von dem Leben und weben im Wald und auf dem Seide, also sollten wir diese Zeit gut aus- nutzen, um die Jugend durch praktischen 2lnschau»ngs»nterricht im Sreien einzuführcn in die Naturwunder unseres engeren keimatlandes. Dazu bedarf es nicht immer längerer Wanderungen; jedem, der einen kleinen Garten besitzt, bietet stch schon Gelegenheit, mit Kindern Len Anschauungsunterricht in der freien Natur zu pflegen. w. W Abb. 6. Mode von IftJO» Briefpapiere, Briefumschläge, Kerresfpondenz'icmn, Siegellacke in allen färben und Quaiitäien empfiehl! Jlibin Klein, Papierhandlung, gieren Scl/er weg $3 Dr. Öelker’s „Backin" Ueberall zu haben! (gkletzlich geschützt!) 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